Erstes Matt. ISS Jahrgang Donnerstag 24. September 1903 tajbtt ®rührjcfym «dressr für Deveschenr «n-etger Gießen. Kernsprechanschluß Rr. 6L Nr. 224 Trfchrint täglich außer Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem keMchen Landwirt die Siebener Familien« blätter viermal tn der Woche beigeleg^. Be^ugSpretSr MW monaUtd)75$U viertel* Giehener Anzeiger General-Anzeiger w ässä. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MWZ _________ ________________________ 1 V -eigenteil: Pan« Beck. Ker Reichskanzler auf der Kresdev« Ktädte- Kasfteümig. Dr«-Sde«, 23. Eept. DinchZkcm^er Graf »ü$»W traf heute mittag hier ein und wurde vom KÄurg itt Pillnitz' m AudiLNL empfangen. Nach der Audienz jandim Schlösse eine Frühstuckstafel sticht, Ku. der die StaatsNU-nister v. Dtetzsch, Dr. v. Seydewitz, Dr. Rüger, Dr. Otto und General der Infanterie Frhu v. Hausen sowie der preußische Legattonsrat Graf v. Wedel eingeladen waren. Heute nachmittag besuchite Graf Bülow die Städte- ausftellung, in der eine offizielle Begrüßung durch den Bürgermeister unb den Stadwerordrnetenvorsteyer stattfand. In der Rede, mit welcher Oberbürgermeister Beutler den Grasen Bülow bei einem Imbiß im Ausstellungspalast begrüßte, sprach, er daS Vertrauen auf Förderung städtischer Wohlfahrt und Unterstützung kommunaler Bestrebungen durch die Regierung au& Der Reichskanzler antwortete mit folgenden Worten: „Ich Hanke Ihnen für die so freundliche Begrüßung, dallle für alles Schöne, was ich Hier gesehen habe, danke vor allem für die Ehre, die Sie mir durch Uebertrag- ung des Ehceuvorfitzes der Deutschen Städteausstellung erwiesen haben. Es ist mir eine besondere Freude gewesen, durch deu Besuch der Ausstellung Zeugnis abzulegen für den hohen Wert, den die Regierung auf die Entwicklung des I chdtischeu Gemeinwesens legt. Das glaubende Bild, das die Ausstellung tiieteh. muß nicht nur bei mir, sondern auch bei jedem Besucher die Hochachtung vor den hervorragenden Leistungen der deutsche« Städte verstärken. Die deutschen Städte sind seit den Lagen des Königs Heinrich, des Städtegründers, ein Hort des deutschen Handels und Wandels, der deutschen Bildung und deutscher geistiger Freiheit gewesen. In seinem schönen Gedichte hat Max von Schenkendorf vor fast hundert Jahren die Bedeutung der deutschen Stadste für die Geschichte und das Leben der "Nation besungen. Zu jener Zeit singen die deutschen Städte erst am, sich von den schweren Wunden zu erholen, die innere und äußere Kämpfe ihnen geschlagen hatten bis zum 30jährigen Kriege zurück. Jetzt seit Neugründung des Deutschen Reiches naHmeu des Reiches Städte einen Aufschwung, der auch die Blütezeit des 15. und 16. Jahrhunderts übertrifft. Die breutsche Städteausstellung mit ihrem reichen Material auf allen Gebieten städtischen Lebens, das schöne Dresden, welches der erlauchte Geist Herders das deutsche Florenz nannte, mit seinen großartigen, modernen Bau- werkerl und den unvergänglichen Schätzer der Kunst daneben sind ein Sinnbild der Verbindung alter Kultur mit rüstigem Vorwärtsschreiten. Eins möchte ich noch bei meinem Besuch der Ausstellung hervorheben: daß sie mir wieder klar vor Augen führte den Umfang der Aufgaben, die namenllich auf sozialpolitischem Gebiete den Städteverwaltungen obliegen. Wieviel zur Lösung dieser Ausgaben schon geschehen Hst, beweist die Dresdener Städteausstellung. Gerade auf diesem Gebiete wird uns und unseren Nachkommen noch viel zu leisten geboten sein. Bon fast allen Ländern besitzt Deutschland eine besonders reiche Anzahl großer Städte. Dtänner, die an der Spitze dieser Städte stehen, dürfen wir mit Stolz zu den tieften Arbeitern im Dienste des Gemeinwohls zählen. Aus diesen Kreisen der Städte sind Männer hervorgegangen, die sich in anderen leitenden Stellungen als erstklaisige Diener des Staates bewährten. Ich denke, wir werden noch manchen Bür- Fruilletsn. Harrh Waldens Abenteuer. Hany Walden, der jugendliche Liebhaber deS Berliner Theaters, von dem unlängst das offeirbar falsche Gerücht ging, daß Frau Agnes Sorma, der erste diesjährige Gast unseres The ater Vereins, ihn mit ihrer £anb be glück en wolle, war vor kurzem plötzlich verschwunden, bis er darm in Innsbruck auftauchte. Uetier die näheren Umstände dieses Abenteuers berichtet der „Berl. Lok.-Anz." folgendes: Vier Tage, nachdem Harry Walden, der bei seinen Ellern wohnt, sich heimlich entfernt hatte, erhielten die Famllien an gehörigen von'ihm aus Innsbruck folgendes Telegramm: „Will jetzt, wenn Ihr glaubt, daß noch Hoffnung vorhanden, in ein Sanatorium am Bodensee. Habe lvieder meine Tepressions- und Herz? zustände. Sprechet mit Hausarzt, ich will sofort ver- juchen, gegen meinen schlimmen Zustand alles zu tun, was Ihr verlangt." Die Mutter und die Schwester des Künstlers fuhren sofort nach Innsbruck, hier fanden sic Walden in einem bedenklichen Zustarlle vor. Der Jnns- oruaer Universitätsprofessor Meyer attestterte, da Harry Walden nicht einmal transportfähig fei, daß er an seelischer Depression und schweren Herzbeklemmungsansällerl leide, die nur gehoben werden könnten, falls er sich einer ernsten dreimonatlichen Behandlung in einer Anstalt unterziehe. Die Art, wie Walden nach Innsbruck gekommen sein soll, hat „ellvas Mysteriöses" an sich. Bon einem „Zwange" ge- trleben, setzte er sich, in euren Münchener Zug; er fuhr in einem an UnZnrechnungsfähigkeit grenzenden apathischen Zustande nach München, und nur so ist es zu erklären, oatz der Künstler nicht nur die Strecke von Garmfich nach ^nn^- bruck, sondern auch die von München naa)i Garmrjch, für die der Schnellzug drei Stunden braucht, rm D-agen zuruck- legte. Bor Garmifch lourde er von solchen Herzbellemm- ungeu befallen, daß der Kutscher ihn auch an Ort und Stelle nicht verlassen durfte; aus Garmrsch ttreo rhn senr lrarrtyafter Zustand weiter nach Innsbruck, ckvoselbst^ er physisch und seelisch ganz zusaminenbrach — Les Mnstlers hatte schon vorher den Drrektoren des, Berliner Theaters eilt Mteft geschM, in dem es herßtt tzarry germeifter als Minister oder Otierpräsiden- teu erleben. Ich leere den Becher, den Sie mir kredenzt haben, auf das Äwhl unserer ausaezeichneten Städtever- waltungeu, auf das Wachserr. Blühen und Gedeihen des GemeinsrnnS der deutschen Städtte." Der Reichskanzler ist heute abend nach Berlin zurückgekehrt. Volttische Tagesschau. Von der Vorgeschichte des Empfanges der Arbeiter • Deputation bei der Denkmalsenthüllung in Danzig erhält die „Pr. Corr." folgende Darstellung: „Loyalitätstundgebungen an die Adresse des Kaisers haben in der Zeit feit Krupps Tode mehrfach stattgeftmden, und die Frage, welcher Wert ihnen tieizumessen ist, hat dann jedesmal die Presse sehr beschäftigt. Ich habe aus diesem Anlaß Erkundigungen eingezogen, wie die Kundgebung der Danziger wcililär- werkstättenartieiter zu stände gekommen ist. Das Resultat ist folgerrdes: Die Huldigung der Danziger Arbeiter ist ein Att, der auf sehr nüchterne, praktische Erwägungen hin von den Arbeitern in Aussicht genommen und ohne „Anregung" von einer der bekannten höheren Stellen hin beschlossen worden ist. An der Abordnung beteiligt waren hauptsächlich die Arbeiter der königlichen Gewehrfabrik und der königlichen Artilleriewerkstatt. Beide Institute liegen im Süd ost en der Stadt; die an ihnen Beschäftigten können nicht leicht geeignete Wohnuilg finden; ihre Gegend leidet unter dem Forttestehen der Rayonbestimmungen, die für die Gegend der kaiserlichen Werst und der Schichauschen Werft im Norden der Stadt zu deren Vorteil wie zum Vortell der Artieiter längst aufgehoben sind. Auch ein Wohnstätteutiauverein, den die Arbeiter der Mllitärwerk- stätten gründeten, brachte keine rechte Abhilfe; sie sagten sich, daß nur Erleichterungen in der Rayonfrage von roirk- lichem Vllitzen für. sie sein wurden, konnten diese aber bisher nicht durchsetzen, und zwar namentlich infolge des Widerstandes gewisser lokaler Instanzen. Da tarn die Kunde von der bevorstehenden Anwesenheir des Kaisers. Die Arbeiter kamen aus den Gedanken, den Mormrchen nach dem anderwärts gegebenen Beispiel durch eine Abordnung zu begrüßen und ihm bei dieser Gelegenheit chren Wunsch vorzutragen. Das Oberhofmarschallamt teilte mit, daß der Kaiser bereit wäre, die ^ti eiter Vertreter zu empfangen; gleichzeitig wurde der Text der von dem Sprecher, Maschinenführer Glashagen, zu haltenden Ansprache einge- sördert. Der Text wurde eingesandt; zur ulmngenehmen lleberraschung der Deputierten wurde die für sie besmrders wichtige Stelle, die sich auf die Rayonverhältnisse bezog, mit der Bemerkung g estrichen, daß das Vortir ing en detaillierter Wünsche bei derartiger Gelegenheit nicht statthaft sei. Die Enttäuschung war groß; glücklicherweise erfuhren die Danziger Ärbeller vorc Breslauer Kollegen, daß der Kaiser dort nach Beeridigung des offiziellen Empfanges sich erkundigt habe, ob die Artieiter- deputierten noch bejondere Wünsche hätten. Auf eine derartige Frage hoffte man nunmehr auch für Danzig; man beschloß, wenn sie fallen sollte, die Rayonangelegenheit trotz alledem zur Sprache zu bringem Den Arbeitern ist die Ausführung ihres Planes gelungen. Der Kaiser erwiderte auf die nicht übermäßi.g markante Ansprache des Führers der Arbeiterdeputation in bedeutungsvoller Rede. Hinterher kam die Frage nach besonderen Wüiischen. Die Arbeiter brachten ihr Anliegen vor und erhielteri wohlwollend st e Gr w ä gun g zu gesagt. lieber die Judenunruhen in Homel erfährt man nach, russischen Zeitungslioclzen folgendes: Schon für Freitag, den 11. September, war in Homel ein Iudenkrawall geplant und nur durch die jüdische „Selbst- Wehr" vereitelt worden. Solche Selbstwehren haben sich nach den Kischinelver Greueltaten in verschiedenen Städten Viuß- lands gebildet, um die Metzeleien zu hintertreiben. Tatsächlich sind die im Frühjahr dieses Iayres an zahlreichen Orten geplant gewesenen Plünderungen unti Nudermetzel- uilgen Der Juden unterblieben. Jetzt hat die Selbstwehr in Homel das Ihre getan. Die Einzelhelleii des Homeler Krawalles mären, soweit bis jetzt uetunnt ist, stlgen.de: Als am Freitag nachmittag um 5 Uhr ein Dauer mit einer Jüdin über einen Heringshandel in Streit geriet, suchten mehrere Bauern Diesen Zwischenfall, Der sofort zur Bildung von zwei Parteien Anlaß gab, auszunutzen und begannen eine regelrechte Plunder ung des jüdischen Besitztums. Infolgedessen liefen viele Juden, namentlich Schl ächt er meist er, herbei, und es ent)taub eine erbitterte Schlägerei. Erst später kam die Polizei hinzu, trieb die Leute auseinander uuD verhaftete zwölf Personen. Während der Schlägerei waren verschiedene Juden und Christen verwundet worden. Einer der verwundeten Ehristen starb am nächsten Tag. Die Nacht vom Freitag zum Samstag und den Samstag hindurch gingen die Juden in den Straßen umher uno verhinderten weitere Unruhen. Auch am Sonntag, an dem die Branntweinverkaufsstelleri geschlossen mären, wurde die Ruhe nicht gestört. Unterdes arbeiteten Agitatoren daran, das Bolt gegen die Inden auszuwiegeln, daß sie an den Juden Rai he nehmen sollten. Bis Montag verhiell sich die Bevölkerung trotzdem still. Da kam am Montag Militär aus dem Lager, und damit war das Schicksal der Juden besiegelt. An diesem Tage begannen um 12 Uhr mittags hundert s2trbeiter, die aus den EisenbaylUverkstätten tarnen, in der Technitscheskaja-Straße eine Plünderung im großen, üb er fielen die jüdischen Häuser, zerbrachen die Fenster, zertrümmerten die Möbel und mißhandelten wehrlose Juden. Als die Juden aus der Mitte der Stadt den Geplünderten zu Hllse etilen, versperrte ihnen das Militär den Weg, während die Plünderer, die inzwischen in zwei andere Straßen eingedrungen waren, ihre Arbeit ungehindert fortsetzen durften. Nun versuchten die zur Verteidigung herbeigeeillen Juden die Soldatenreihen zu durchbrechen, um ihren bedrängten Brüdern zu Hilfe zu rommen. Da das Militär ihnen gegenüber sehr energisch vorging, kam es tfiu einem heftigen Zusammenstöße. Es fielen Schüsse und Vers chi ebene Tote und Verwendete blieben auf dem Platz. So geschah es, daß 20 0 Judenhäuser zerstö rt wurden, daß eine Reihe von Toten christlicher - und jüdischer seit s (wie es heißt, acht Christen und sieben Juden) auf dem Homeler Schlacht selbe blieben. '—■■?! " in« II. .Ul I \ Kirche und schule. Papst Pius X. scheint geneigt zu fein, Neuer», uugeu im Vatjtan einzusüyren, Die vielleicht noch die Welt in Staunen setzen. Wie römische Blättir mellen, ....................... 1 ■ ■ I I Walden wird feit mehreren Jahren von einem Leiden heim- aesucht, das in Zeiträumen von einigen Monaten immer wieder auftritt. Durch eine unwiderstehliche Lust nach altohollschen Getränken getrieben, nimmt er davon so viel zu sich, daß er vollMroig die Herrschaft über sich selbst verliert Er verschwindet Dann für mehrere Tage aus der gewohnten Umgebung, kümmert sich weder um Die Pstich- ten seines Berufes, noch um Die Familie, gietit auch keine Nachricht über seinen Aufenthalt und erscheint dann plötzlich wieder in einem Zustand lörperllcher und Psychischer Depression der erst nach Tagen wieder ausgeglichen ist. Die bäufiae'Wiederholung dieser Attacken ist natürlich nicht ohne Wirkuna auf die Gesundheit des Herrn Walden geblieben." Nach der „Bert Ztg." sieht die Sache etwas anders aus. Danach hnl öor der Untersuchung des Psychiaters in Innsbruck auf Veranlassung der Direktion des Berliner Theater» ein Innsbrucker Theaterarzt Herrn Walden auf feinen Gesundheitszustand untersucht. Dieser Arzt traf den Eünstier in seinem Hotelzimmer gemütlich auf dem Sofa liegend und teilte ihm Den Grund seines Besuches mit. Herr Walden erklärte, daß er sich in der Wahl seines Arztes von den Berliner Direktoren nicht beeinflussen und sich paher auch nicht untersuchen lasse. Auf das Beftagen des Arztes, wie er sich befänbe, teilte der Künstler ihm ftei- mütig mit, daß er Alkoholiker und infolgedessen seellsch stark affektiert und auch herzleidend sei. Der Arzt entgegnete, daß es auf ihn den Eindruck mache, als ob Herr Walden sich vollstärllig wohl befände, er sei fieberfrei und sein Aussehen ein sehr gutes, sodaß er wohl seinen kontraktlichen Verpflichtungen nachkommen könne. R. B. Darmstadt, 22. Sept. Im Ho ft Heater kam heute abend Felix P h i 1 i P P i s neues Schauspiel „D e r Dornenweg" zur ersten Ausführung. Die Aufnahme des Stückes war beifällig, aber keineswegs begeistert. Man sieht schon in Der ersten Viertelstunde den Ausgang voraus und wird auch durch Den Gang der Handlung, Die ziemlich matt uno wenig originell ist, keineswegs zu besonderer Auf- merksamkeit veranlaßt. Die Aufführung war glatt und abgcruiiDet; mit Freude ist zu tonstatieren, dag sich Die neu engagierten Schauspielkräfte auch heute vortrefflich bewährten. Herr Lehrmann war als Ernst Bülau in jeder Weise ausgezeichnet und Frl. Koch als Bülaus Tochter übertraf sogar alle Erwartungen. Auch Frl. Ziegler und Frau Scheroarth schlossen sich dem bewahrten Schau- spielensemtile in bester Weise an. — Im Berliner Lessing-Theater soll am 3. Oktober „Der Sturmgeselle Sokrates", Komödie in vier Allen von Hermann Sudermann zur Erstaufführung gelangen. Auch unsere Direktion Steingötter kündigt für die kommende Spielzeit diese 91obität an. Es wird über das neue Stück folgendes geschrieben: „Sudermanns dramatische Kunst hat diesmal jenen Idealismus zum Vorwurf genommen, Der, aus gesundem Boden stammend, durch allzu treue Pflege seiner selbst im Laufe der Zeiten jede Fühlung mit der Wirklichkeit und damit seine Daseinsberechtigung verliert. In einer kleinen Stadt innerhalb eines Kreises alter Achtundvierziger spielt sich in dem Gegensatz von Vätern und Söhnen jenes Weltschicksal des Wandels ab, der Heldentum schließlich in Donquixoterie verwandelt: eine Tragikomödie des Idealismus und in dem zeitlichen Gewände zugleich ein typisches Bild für Die Tragik des Zerfalls des freisinnigen deurschen Bürgertums. Eine eigene Auffassung. An einem kleinen Stadtheater in Tirol wurde unlängst Schillers „Wilhelm Teil" gegeben. Die Künstler hatten sämtlich ihre Rollen trefflich gelernt, bis auf die Darstellerin Der Armgard; die Dame war aber nicht allein in Bezug auf Die Worte sondern namentlich auf Die Auffassung des Charakters nicht recht im klaren, und diese „imklarheit" sollte zu einem schrecklichen Mißverständnisse führen. Die unglückliche Frau, deren „Würmer" betailutlich nach Brot schreien, fleht den Tyrannen Geßler um Freigabe ihres gefangen gehaltenen Mannes an. Harras fragt: „Wer ist Euer Mann?" Da tritt die Schauspielerin Frau N. vorn an die Rampe: „Ein armer Wild Heuer vom Rigiberge, Der überm Abgrund weg das freie Gras Ab mäht an den schroffen Felsenwänden, (und mit donnernder Stimme uno auf den Darsteller des Geßler zeigend) Wohin oas Vieh sich nicht geiraur zu steigen." Unter dem unal?,höflichen Gelächter des Publikums ist Geßler an jenem Abend erschossen worden. v Der Giessener derer Ausgabe ein» geräumt. — Mit seinen Beiblättern „$icß. Fa- miLienblätter" unb „Der Hess. Landwirt" ist der „Gieß. Anzeiger" die unterhaltendsle Leitung unserer Provinz, die in der Vorzüglichkeit ihrer Quellen und der Gediegenheit ihres Inhaltes alle anderen Blätter Oberhcsjens roei* übertrifft. Division war folgendermaßen aufgestellt: linker Flügel 118er, rechter 117er und 168er, Zerrtrnm 116er, Reserve 115er. Im Tarife des Gefechts gelang es dem Regiment 115, den feindlichen rechnen Flügel zu umgehen und ihn von Süden her in der Flanke zu fassen, worauf, die 21. Division ihre Stellung aufgeben und fid) zurückziehen mußte. Um 1/210 Uhr war das Gefecht beendet. Gestern ging das ganze Armeekorps gegen den markierten Feind. Dieser war aus einem Höhenzug nördlich von Limburg aufgestellt in einer Länge von 6 itm., von Hadamar bis Rieder-Tiefenbach, und wurde tztebildet vom 1. und 2. Bat. der 116er, einem Bat. 80er, der Unteroffizierschule Biebrich und Abteilungen der hessischen Dragoner und der 61er, 27er und 25er Artillerie. Ilm 7 Uhr griff die Artillerie, um 1/28 Uhr die Infanterie an. Die 21. Division bildete den linken, die 25. Division den rechten Flügel. Der rechte Flügel des markierten Feindes wurde zweimal bis Dehrn zurückgedrängt und schließlich von Kavallerie und Artillerie umgangen und im Rücken angegriffen. Damit war das Gefecht und somit die diesjährigen Manöver des 18. Armeekorps beendet. ** Die Verein i gung der vier Wohltätigkeits- ereine hat nnn mit der Abrechnung über das in diesem Sommer abgehaltene Volks- und Jugendfest abge- chlossen. Am vergangenen Freitag war Schlußsitzung. Das Ergebnis ist erfreulicherweise trotz des ungünstigen Wetters, das an jenem Festtage herrschte, sehr gut. Es gingen ein Darmstadt, 23. Sept. Hier ist eine Anzahl russischer Geheimpolizisten eingetroffen. Ein russischer Studierender soll aus Darmstadt und aus Hessen überhaupt ausgewiesen worden sein. Worms, 23. Septbr. Landtagsabgeordneter Reinhart hatte gestern abend anläßlich seines 25jährigen Jubiläums die sämtlichen Wahlmänner zu sich ms Bergkloster zu einem Abendeffen eingeladen. Alle waren erschienen, mit Ausnahme weniger Herren, die durch momentane Abwesenheit oder aus gesundheitlichen Rücksichten an ihrem Erscheinen verhindert waren. Der Verlaus des Festes war glänzend, verschiedene Reden gaben Kunde von der Anhänglichkeit der Wormser Bürgerschaft für Herrn Reinhart und erstatleten den Dank für dessen opferwillige Tätigkeit in der Ständekammer. Frankfurt a. M., 22. Sept. Der Verband Deutscher Teigwaren-Fabrikanten beschäftigte sich gestern hier mit der Festsetzung eines Mindest-Eigeh altes für Eier- Teigwaren. Die Forderung wurde von dem Verbands- chemiler Dr. Popp-Frankfurt auf das nachdrücklichste vertreten. Gegen eine beträchtliche Minderheit wurde beschlossen, ein gesetzliches Verbot des Färbens von Teigwaren anzustreben. Die Festsetzung eines Mindest-Eigehaltes für Eier-Teigwaren wurde als noch nicht spruchreif abgelehnt. Es fand der Antrag Schloßmacher einstimmige An- nahme: „An die verbündeten Regierungen, unter Widerspruch gegen die willkürliche und jeder gesetzlichen Grundlage entbehrende Festsetzung des Mindest-Eigehaltes seitens der Freien Vereinigung der Nahrungsmittel-Chemiker, eine Einist die älteste und angesehenste Zeitung Oberhessens und der umliegenden Gebiete, die täglich über alle Vor- töminnisse in Stadt und Land, im Reiche und im Auslande erschöpfend unterrichtet und den reichhaltigsten Nachrichtcnteil besitzt: Den Reichs- tags- und Landtags- Verhandlungen wird breitester Raum in beson- Wer rasch und gut unterrichtet sein will, und eine gewissenhafte und trotz Vielseitigkeit üdersicht- liche Tageszeitung zu lesen liebt, die die neuesten Meldungen gleichzeitig mit den Großstadtblätteru bringt, wer ein Blatt ernsthasten »»d gediegenen Charakters zu hatten wünscht, der bestelle beim nächste»» Postamt, vcn Briefträgern oder unseren Zeitungslrägcrn den Gießener Anzeiger, verdrecket in Stadt und Land in ganz Oberhessen bei dem kauflräftigen Publikum. gäbe zu richten, in welcher eS als dringend erforderlich De- zeichnet wird: 1. daß die verbündeten Regierungen sich auf die Aufstellung einheitlicher Nonnen für die Nahrungsmittelkontrolle einigen und vorher den beteiligten gewerblichen Kreisen Gelegenheit geben, sich zu dem aufgestellten Entwurf gutachtlich zu äußern; 2. daß die Nahrungsmittel-Polizei- Organe angewiesen werden, vor Erhebung einer Klage auf Grund des Nahrungsmittelgesetzes von der zuständigen Handelskammer bezeichnete - gewerbliche Sachverständige zu hören; 3. daß die Anklagebehörden angewiesen werden, Anklagen auf Grund des Nahrungsmittelgesetzes tunlichst in erster Instanz bei deni zuständigen Landgericht anhängig zu niachen, um Entscheidungen des Reichsgerichts herbeizuführen; 4. daß den Gerichten nahegelegt wird, in Strafsachen auf Grund des Nahrnngsmittelgesetzes den Nahrungsmittel-Chemiler, welcher die Erhebung der Anklage befürwortet hat, als befangen abzulehnen; 5. daß durch Abänderung des § 7 der Strafprozeßordnung eine Strafverfolgung gegen einen Teigwarenfabrikanten auf Grund des Nahrungsmcktelgesetzes nur bei dem Gericht anhängig gemacht werden kann, in dessen Bezirk der Bc- schiildigte seinen gewerblichen Wohnsitz hat; 6. daß das Neichsgesundheitsarnt angewiesen werde, unter Mitwirkung des Verbandes DeutscherTeigwaren-Fabrikanten eimn-Normattyp für Eier-Tcigwaren zu juchen." hat er seit wenigen Tagen mit einer Überlieferung gebrochen, die bisher zu dem geheiligten Zeremoniell des päpstlichen Stuhles gezahlt wurde, nut der Sitte, daß bex Katft nicht in Gesellschaft anderer speist Das alte vatikanisch Hofpersonal schlug zwar, die Hande ich er dem Kopf zusammen, als es von der Absicht Pius X. horte, nicht "immer einsam wie seine Vorgang^, sondern nut feinen drei Schwestern zusammen die Mahlzeiten ein- zunehmen, aber sie mußten sich wohl oder übel dem ent* schieden en Willen des Papstes fügen, der wenigstem ui seinen Privatgemächern sein eigener §err ,stm will, allem Herkommen zürn Trotz. Es handelt sich in diesem Falle nur um eine Kleinigkeit, aber man lanu begreifen, daß aus solchen Beispielen im kleinen manche Italiener sicy zu der Erwartung berechtigt glauben, Pius X. werde auch der fteiwilligen Gefangenschaft der Papste ein Ende bereiten. In der Presse wurden Migst schim An- deutunaeu oemacht, daß er sogar beabsichtige, eine Reise nach seiner v en etian i s ch en Heimat zu machen. Prozeß Küffener. Kiel, 23. Sept. Vor dem OberkriegSgericht begann heute die erneute Verhandlung gegen Hüssener. Den Vorsitz führt wiederum Fregattenkapitän Bredow. Nach Verlesung des Erkenntnisses der früheren Verhandlung und des Reichs- milckürgerechtes tritt eine Paufe ein. Tann schildert Hüssener den Vorgang in der bekannten Weise und er Härt, er hätte ben Dolchstoß nicht geführt, wenn er geahnt hätte, paß Hartmann dadurch getötet werden könnte. Nach Vernehmung der Sachverständigen erhält der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Rosenberger, das Wort zu seinem Plädoyer. Er hält auch heute einen Angriff Hartmanns auf Hüssener durchaus nicht für vorliegend. Der Angellagte habe sich überhaupt nichts überlegt, sondern blind drau flos gestochen. Von einem Recht des Angellagten, sich so zu verhallen, wie er getan habe, könne keine Rede fein. Der Ankläger bittet dringend, unter das Strafmaß der ersten Instanz, vier Jahre Gefängnis und Degradation, nicht herunterzugehen. Hierauf ergreift der Verteidiger Rechtsanwall Stobbe das Wort. Der Angriff Hartmanns auf Hüssener erfolgte tatsächlich. Die Zeugen Lütscher und Schröder seien betrunken gewesen, daher nicht voll glaubwürdig. Der Angellagte sei auch berechtigt gewesen, die Waffe zu gebrauchen. Er bitte, das erste ooerkriegsgerichlliche Urteil auftechtAuerhallen. und keine Ehrenstrafe eintreten zu lassen. Nach weiteren Ausführungen des Anklägers zieht sich um 43/4 Uhr der Gerichtshof zur Beratung zurück. Gegen 5% Uhr wurde das Urteil gefällt. Es wurde dahin erkannt: Die vom Kriegsgericht der ersten Marine- Jnspellion am 26. Mai gegen den Angeklagten wegen vorsätzlicher körperlicher Mißhandlung eines Untergebenen mit tödlichem Ausgange, in Fdealkonkurrenz mit rechtswidrigem Waffengebrauch erkannten Einzelstrasen und die von demselben Gericht erkannten gesamten Freiheits- und Ehren- ftrafen werden aufgeh 0 b en. Ter Angellagte wird wegen vorschriftswidriger Behandlung eines Untergebenen und vo rsätzlicher Mißhandlung mit tödlichem Ausg ange in rechtswidrigem Gebrauch einer Waffe zu zwei Jahren sieben Tagen Festungshaft verurteckt, wovon zrvei Monate sieben Tage auf die erlittene Untersnchungshast als verbüßt erachtet werden. Tie weitergehende Berufung des Angellagten und diejenige des Gerichtsherrn wurden verworfen. Ans den Urteilsgründen ist hervorzuheben, der Angellagte habe nichst die Mi^lichkell in Betracht gezogen, daß der Tod eintreten könnte. Es wurde einmrnderschwere r Fall angenommen, well der Angeklagte zum Ziehen der Waffe bete d) t i g t war. Der Angellagte erklärt sofort, auf weitere Revision fei verzichte n. Vermischtes. * Hann 0v er, ^3. Sept. Das Disziplinar-Ver- fahren wegen der Bevorzugung des Prinzen Ar en berg im hiesigen Gerichtsgefängnis. bringt immer mehr an den Tag. Die Angeklagten verteidigen sich damit, daß das, was sie getan bezw. geduldet mitten, zum Teil von ihrenVorgesetztenaii geordnet oder geduldet worden fei. Es hatte gar nicht in ihrer Macht gelegen, die dem Prinzen zuteil geworoenen Vergünstigungen zu verhindern. Der Prinz durfte z. B. nach Belieben Spaziergänge im Verwaltungsgebäude unternehmen, der Aufseher mußte den gefangenen Prinzen auf dessen Wunsch zu jeder Tageszeit aus der Zelle lassen. Diese Anordnung war getroffen mit Rücksicht auf das „Herzklopfen", von dem d§r Prinz angeblich des öfteren betroffen fein soll. Ter Gefangene hat aber nicyt nur am Tage 1 andern auch des Nachts Herzklopfen bekommen, und die Aufseher, die eine bepnbere Vorschrift für das Verhalten bei Nacht nicht erhalten hatten, haben keinen Anstand genommen, dem Prinzen auch des Nachts die Vergünstigung der freien Bewegung außerhalb der Zelle zu gewähren. Die Hilfs- aufjeher gingen dann dazu über, ihm eigenmächtig weitere Vergünstigungen einzuräumen. Diese Hilfsausseyer sind, wie schon früher gemeldet, kurzerhand aus dem Dienste entlassen worden. Jnteresfant ist auch die Feststellung, daß für das Gefängnispersanal die Anordnung bestand, den Strafgefangenen Arenberg mit „Durchlaucht anzureden. * München, 23. Sept. Der östreichisch-ungarifche Gesandte in München, Gr a f Th e 0 d 0 r Zi ch Y, leitete gegen feine Gemahlin Marie, geborene Gräfin Wimpften, nach 16jähriger kinderloser Ehe Scheidung ein. Die Klage wurde vom Osen-Pester königlichen Gerichtshöfe verhandelt und die Gatten wurden aus dem Verschulden der Gräfin wegen absichtlichen und grundlosen Verlassens der Ehe- gemeinschast geschieden. Die königliche Tafel und auch die königliche Kurie des Obersten Gerichtshofes bestätigen dieses Urteil. Nach Ablauf der gesetzlich vorgeschriebenen Frist wird Graf Zichy nun die Klage auf enbgUtigc Auflösung der Ehe überreichen. Gräfin Zichy beabsichtigt, sich mit einem jungen ungarischen Maler bürgerlicher Herkunft zu vermählen. * London, 23. Sept. Einer Lloydmelduug aus Shanghai zufolge, fand fevischen dem deutschen Dampfer „Seydlitz"-Bremen und dem japanischen Dampfer „Chishilma Adam" ein Zusam m e nst 0 ß statt. Das japanische Schift wurde schwer beschädigt. Der Schaden der „Seydlitz" ist noch unbekannt. * Die jähe Unterbrechung eines Militär- kouzerts wird in Dr a n d e n b u r g a. H. viel besprochen. In einem dortigen Restaurant spielte die Kapelle des 35. Infanterie-Regiments (Prinz Heinrich von Preußen) unb war gerade im besten Zuge, als ein Leutnant des Regiments erschfeii, und dem Kapellmeister befahl, sofort aufzuhören und mit den Musikern das Lokal zu verlassen. Das erstaunte Publikum erfuhr hierauf den Grund dieser Maßnahme. Vor dem Manöver hatte ein Offizier des Regt- Aus Stad! unü Kanü. Gießen, den 24. September 1903. - Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Koscheim Adam Schollmayer und Jakob Müller. ** Konkurrenzeröffnungen. Erledigt sind: zwei mit evangelischen Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Griesheim, eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Ramstadt (mit der Stelle kann Organisten- ibienft verbunden werden), die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Kirch-Beerfurth (dem Grafen zu Erbach-Erbach fleht dös Präsentationsrecht zu), eine mit einem evangelischen mehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober- Rosbach (Orgonisteudienst), die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerfttelle au der Gemeindeschule zu Ober-Wegfurth (Organisten- und Lektordienst); dem Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, steht das Präsentationsrecht zu), die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Elpenrod (Organistendienst), die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Udenhausen (Organistendienst), die mit einem evangelischen Lehrer fei besetzende Lehr er stelle an der Gemeindeschule zu Röthges (Organistendienst); dem Fürsten zu Solms-Braunfels steht das Prä- sentationsrecht zu), dre mit einem katholischen Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mosbach; sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehall. ** Die letzten Manövertage des 18. Armeekorps. Ter Montag war für die Truppen der anstrengendste Tag des ganzen Manövers. Früh 6 Uhr brachen die Trmppen von Wetzlar und Umgegend auf und erst nach sechsstündigem Marsch konnten sie mittags in die Gefechtslinie rücken, an der Straße Mehrenderg-Neukirchen. Heiß brannte die ungewohnte Sonne nieder und die Soldaten wurden vielfach „schlapp", und überall an den Wegen und Straßen lagerten die Maroden; manches Regiment hatte deren bis 40 und 50 Mann. Tas Hauptgefecht entwickelle sich bei Fussingen; gegen 4 Uhr verstummte das Feuer. Die 21. Division hatte die 5)öhe zwischen Hausen und Lahr besetzt, die 25. Division die Höhe südlich, der Straße Mehrender g-Neukirchen. Die Truppen bezogen gegen Mend Biwack und begannen abzukochen. Ta plötzlich um 9 Uhr wurde alarmiert; der FerNd hatte die Vorpostenkette angegriffen, und mit hungrigem Magen ging's ins Gefecht. Das langersehnte Mahl mußte halbgar im Stich gelassen werden. Erst nach 10 Uhr war der Feind beruhigt, die Truppen kehrten in die Zelte zurück und das Essen konnte fertig gekocht werden. Doch, das Geplänkel der Vorpoftenkette dauerte ununterbrochen fort, und um 3 Uhr früh rückte das Ganze gegen die feindliche Stellung. Die 25. hessische 1590,04 Mk. und wurden dagegen ausgegeben 1498,48 Mk. Der Reingewinn, welcher 91,56 Mk. beträgt, wird der Großh. Bürgernleisterei überwiesen zu dem Fond, armen Kindern ein warmes Frühstück zu gewähren. So i|t denn der edle Zweck des Festes, das übrigens äußerst stark besucht war, vollauf erreicht worden. "Bei der 2. Straßburg-Neudorfer Geld- Lotterie siel das Große Los nach Worms und der 2. Treffer nach Ober-Ingelheim, beide an bedürftige Familien. Als Kuriosum mag noch erwähnt werden, daß ein bescheidenes, braves Dienstmädchen aus Straßburg — die immer und überall seltener werden — kürzlich 1500 Mk. und bei der 2. Straßburg-Neudorfer Lotterie 1000 Mk. gewann. Ein Beweis, daß auch die Glücksgöttin die Seltenheit liebt und gerne beglückt. Die Deutsche Kolonial-Lotterie indet am 7. Oktober statt; auch dort kommen über 1800 Geldgewinne, Hcmpkgewinn 10 000, bar ohne Abzug zur Verlosung. Näheres ist aus den Inseraten zu ersehen. (!) Friedberg, 23. Sept. Ter Herbst-Pferde - und Fohlenmarkt findet am 27. Oktober statt. Es ist damit eine Verlosung von 14 Fohlen, landwirtschaftlichen Geräten 2c. verbunden. Am 28. Oktober ist Rindvieh- und Schweinemarkt, verbunden mit Fajelmarkt. — Ter Eis- Eauföerein erbaut aus der Eisbahn ein Unterkunfts- gebäube, bas zu 4000 Mk. veranschlagt ift — Das Pfarrhaus in der Leonhardstraße geht feiner Vollenbung entgegen unb soll am 1. Oktober bezogen werden. Es enthält zwei Pfarrwohnungen. — Tas Kriegerbenkmal erhält nach dem Vorschlag des Erbauers, Architekt Hartig-Aachen, als Umfassung steinerne Pfosten mit Ketten. Melbach, 22. Sept. Jüngst tagte hier bie SYn 0 be des eöang. Dekanats Hungen. Sie wurde eingeleitet durch einen Gottesdienst, in welchem Pfarrer Heß von Münzenberg predigte. Die sich an den Gottesdienst anschließenden Verhandlungen wurden von Dekan Hainer mit einer Ansprache eröffnet, in der er die Synodalen, die nahezu vollzählig erschienen waren, begrüßte. Nach Ernennung zweier Schriftführer schritt man zu den Wahlen. Gewählt wurden Stiftsvechant Klingelhöfer von Lich zum Stellvertreter des Dekans, Herr Vogt von Lich, Bürgermeister Görlach von Eberstadt, Pfarrer König von Bellersheim fei Mitgliedern des Dekanatsausschusses, Sttftspfarrer Weber von Lich und Bürgermeister Geck von Melbach zu Ersatzmännern. Alsdann wurde der Bescheid Großh. Ober- konsistoriums fei der vorjährigen Synode durch den Vorsitzenden verlesen. Den Jahresbericht erstattete Stifts- dechant Klingelhöfer. Hierauf nahm die Synode Kenntnis von der Tätigkeit des Erziehungsvereins des Dekanals'. Tie Bemühungen, eine Dekanatslrcmkeripflege einzurichten, sind leider bisher erfolglos geblieben. Weitere Schritte wurden geplant. Nachdem noch von dem Synodalvertreter für innere Mission kurze Mitteilungen über den Stand der Tinge gemacht worden waren, wurde Pfarrer Köhler von Mufchenheim das Wort erteilt zu einem Referat über die Frage: „Erscheint unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Gründung von Jünglingsvereinen auf dem Lande erstrebenswert und durchführbar?" Unter voller Anerkennung des oft betrübenden Zustandes der Jugend auf dem Lande unb der Notwendigkeit, für die Jugenb besorgt zu sein, hielt jeboch der Referent den Weg der Gründung von Jünglingsvereinen für nicht gangbar. Die Schwierigkeiten, bie sich ihm entgegenstellten, liegen, wie Referent es ausführte, einersetts in der Jugend selbst, anderseits in andern Verhältnissen (Lokal, Leitung). An das Referat schloß sich eine kurze Diskussion an, bie wegen der vorgerückten Zeit nicht länger ausgedehnt werden konnte. Alsdann wurde die Synode mit Gebet geschlossen. MSN Ls mit einem Kellner des Lokals einen Streit gehabt, worauf der Wirt von dem Offizierkorps veranlaßt wurde, den Angestellter: zu entlassen. Als nun die Fünfunddreißiger aus dem Manöver zurückkehrten, sahen einige Offiziere den Kellner wiederum im Restaurant und stellten den Wirt deswegen zur Rede. ' Er entschuldigte sich damit, daß er keine andere Aushilfe habe ftnden können; doch ließen dies die Offiziere nicht gelten, sondern veranlaßten nun die schleunige Abberufung der Regimentskapelle. * Eine „T abakernte" eigener Art heimst der französische Fiskus täglich an seinen Grenzstationen ein. Mit einer beispiellosen Strenge werden seit einiger Zeit die Reisenden untersucht, ob sie nicht etwa heimlicherweise Zigarren und Dab-ak mit fich führen, und man kann nicht genug den Ausländern, welche Frankreich besuchen, anraten, Lei der Mitnahme dieser nützlichen Dinge sehr vorsichtig zu sein. Und der französische Fiskus schnrunzelt ob dieses Eifers seiner Beamten. Ein einziger Tag brachte an der belgisch-französischen Grenzstation Feignies folgende hübsche Summe ein: H-err B aus Laon trug in einer verborgenen Tasche seines Anzuges Zigarren und Zigaretten. Ein ihn begleitender fünfzehnjähriger Knabe führte in einer Hcmd- tafche 350 Gramm prächtige Havannas mit: Buße 260 Frank. Professor G. aus Rouen hatte in seinen Kleidern 450 Gramm losen Tabak und 150 Gramm Zigarren: Buße 60 Frank. Bcuikbeamter R. aus Brüssel gab die in seiner Handtasche gefundenen Zigarren als dem eigenen Gebrauche dienend an. Er vergaß aber rein zufällig anzugeben, daß auch in seinem großen Koffer viele Zigarren steckten: Buße 60 Frank. Herr D., Bücherrevisor in Brüssel, zahlte für 500 Gramm Zigarren 75 Frank Buße, Fuhr- werksbejitzer V. aus Frameries 40 Frank für 240 Gramm, Rentier H. aus Brüssel 80 Frank für 500 Gramm Zigarren. Schließlich erlegte Kaufmann R. aus Nantes, der 500 Gramm seiner Zigarrensorten durchzuschmuggeln gedachte, 100 Frank. Mehr als 600 Frank aus diese bequeme Weise an einem Tage und auf einer einzigen Grenzstation zu ernten, ist wirklich ein hübsches Geschäft. ♦ DerZnnsbrucker Arzt Dr. Schumacher, der als Reserveoffizier den wegen Duellverweigerung degradierten Senior der Innsbrucker Verbindung „Austria", den Juristen Weber, vor dem Militärehrengerichte vertrat, wurde jetzt ebenfalls zum Gemeinen d egr ad tert. Dr. Schuumcher, ein Bruder des Malers Philipp Schumacher, ist alter Herr der Innsbrucker Verbindung „Austria" und der Wiener Verbindung „Noriea". Die Degradierung erfolgte, weil er bei der von ihm übernommenen Vertretung die Hcuck) lungswei.se Webers prinzipiell vom rechtlichen Standpunkt zu rechtfertigen versuchte. Dr. Schumacher erschien vor dem Militärgericht lediglich in der Rolle eines Sachführers. Seine gegen das Duell gerichteten Aeußerungen sollen rein prinzipieller Natur gewesen sein. Schumacher war keineswegs persönlich in eine Ehrenasfaire verwickelt. *Der verkaufte Schnurrbart. Wegen Körperverletzung, begangen dadurch, daß er dem Barbier Axel Wilde den Daumen der rechten Hand durchbiß, stand der Brunnenbauer Schmidt vor dem Schöffengericht. „Ick be- andrage Vertagung des Termins", sagte der Angeklagte, ,cha ick noch eenige Zeijen zu laden veabsichtije". — Vors.: „Was soller: diese bekunden?" — Angell.: „Det der Zeije Wilde eene janze rüdige Bolle is. Een ausgekochter Possenreißer, der seinen biblischen Nächsten det Leben verbittert und Jott und der Welt verhohnepiepelt." Vors.: „Sie haben Zeit gehabt, Ihre Entlastungszeugen zu laden. Wir treten deshalb in die Verhandlung ein; erzählen Sie uns kurz, was Sie zu der unter Anklage gestellten Körperverletzung veranlaßte." — Angekl.: „Die Veranlassung war eener von die schlechten Witze, die der Zeije jewerbs- und jewohnheitsmätzig verübt. Ick hatte mich um die fragliche Zeit umständehalber eene neue Stammkneipe je- wählt, nämlich det Restaurang von P. Dort lernte ick den Zeijen an'n Stammtisch kennen. Da er unter die Jäste jenügend bekannt war und deshalb keener mehr uff seine Mätzchen rinfiel, machte er mir als Ankömmling zu't Opferlamm, det bei jede Jelejenhsit faule Witze über sich erjehen lassen mußte. An den kritischen Abend sitzen wir jemütlich an unfern Stammtisch, da fräjt mir Wilde Plötzlich ob ick ihn nich meinen Schnurrbart verkoofen möchte. Natürlich, sag ick, wenn Se'n jut bezahlen, warum denn nich? Wir einijten uns schließlich uff 20 Mark. Er zahlte mir jejen Quittung drei Mark an un ick sollte andern Tag in sein Schabe-Ataljeh kommen, um mir det Mannes scheenste Zier abnehmen zu lassen. Der Dhaler Anjeld wurde sofort in Mer anjelejt. Andern Morgen komme ick mit eenem jediejenen Oelkopp in dem Barbierladen, um mich jejen Empfangnahme der restlichen 17 Mark den Bart abnehmen zu lassem Wie er mich die eene Oberlippe abjekratzt hat, nimmt er die Serviette weg, wischt mich det Jesichte ab un sagt: Die andere Hälfte lasse ick noch bis nächsten Samstag stehen, die Spitzen müssen noch uff die Seite 'n bisken länger wer'n; so kann ick det Objekt nich brauchen! Wat soll ick Sie sajen? Mein janzet Reden nutzte nischt! Weder er noch sein Jehilfe nahm mir die andere Hälfte ab, ick sollte durchaus. drei Tage in eenen Zustand rumloofen, als ob ick eben erst aus Dalldorf entsprungen wäre. Eenmal reißt ooch der dickste Jeduldssaden. Wir kamen beede schließlich in't Hand- jemenge und ick drückte ihn de Jurget zu, det er jrien und blau in't Jesichte wurde, während er ma wie een Rasender an de stehenjebliebene Schnurrbarthälfte zerrte. Dabei kam er mit seinem Daumen in meinen Mund, so det ick ihn vor Schmerz, wie'n Nußknacker, mit de Zähne etwas fiehlbar in seine jroße Vorderzehe zwickte. Un- jeachtet dessen mußte ick doch zu eenen anderen Barbier loofen, um den halben Schnurrbart los zu wer'n. Unter- weechs habe ick mir det Taschenbuch vorjehalten, als ob ick Zahnschmerzen hätte. In det andere Barbierjeschäft wollte erst keener Hand an mir lejen, weil die Seefen- schaumjeister jloobten, icr litte an'n stillen Littitih. Erst nachdem ick allen Ernstes meine Zurechnungsfähigkeit beteuert, wurde ick erlöst." — Nach kurzer Beratung erkannte das Gericht auf Freisprechung, da der Angeklagte gereizt worden sei, ja s:ch vielleicht sogar in der Notwehr befunden habe. * Da die Verdeutschung des Wortes „Gates" in „Knusperchen" nirgendwo Anklang gefunden hat, so hat die Bielefelder Cakes- und Biskuit-Fabrik Stratmann und Meyer jetzt noch einmal einen Preis von 1000 Mk. für die beste Verdeutschung jenes englischen Wortes ausgesetzt. * Kindermund. Kärtchen: „Papa, warum gießt Tu denn Oel in die Türangeln?" — Papa: „Weil sie io kreischen". — Karlchen: „Papa, dann mußt Tu das Baby auch mal ölen." * Der Rebus. Damen (die Hände auf dem Tisch ineinander legend): „Das ist ein Rebus, Herr Professor . . . raten Sie mal!" — Professor (iraa^ einer Weile): „Gänfe- lleiu lz< Landwirtschaft. Berlin, 23. Sept. Der „Reichsanz." veröffentlicht Mitteilungen über den Stand von Kartoffeln, Klee, Luzerne, Wiesen Mitte September im Reiche. Danach war der Stand der Kartoffeln 2,6 gegen 2,5 im Vormonat und 2,7 im September des Vorjahres, Klee 2,4 gegen 2,6 im Vormonat und 2,3 im Vorjahre, Luzerne 2,6 gegen 2,7 im Vormonat und 2,6 im Vorjahre, Wiesen 2,6 gegen 2,4 im Vormonat und 2,5 im Vorjahre, wobei 2 gut und 3 mittel bedeutet. Unter der Nässe haben Feldfrüchte, namentlich Hafer, Gerste und Weizen sehr gelitten. Auch die Herostbestellung der Aecker war sehr erschwert. Tie Mäuse haben sich trotz der nassen Witterung stark vermehrt. Kartoffeln haben sich, von Thüringen abgesehen, überall verschlechtert, vielfach wird über einen großen Prozentsatz kranker und fauler Knollen geklagt. Klee wird dagegen, von drei Staaten abgesehen, gleich gut oder besser beurteilt; namentlich der Stand des jungen Rogenklees. Luzerne sei nicht so allgemein gebessert. Immerhin hat sie meift drei Schnitte ergeben, deren letzter besonders in Süddentschland reichliches Herbstiulter verspricht.' Der Stand der Wiesen ist fast allgemein ein ungünstiger, da sich trotz der Nässe auch die Wiesen bei den oft kalten Nächten imb Sonnenmangel nicht mehr recht erholen konnten, dazu srehen vielfach die Wiesen unter Wasser. Karlsruhe., 23. Sept. Stand der Saaten Mitte September. Die warmen Tage ain Schluffe des vorigen unv zu Beginn dieses Monats ermöglichten, das noch auf dem Felde lagernde, .schon mehrmals beregnete Getreide, msbesondere m dein Hügellande, sowie in dein Gebirge uiiter Dach und Fach zu bringen, währelid der Hafer in der Gegeiid des mittleren und südlichen Schwarzwaldes teilweise noch nicht reif ist und zur Ab- erntung nicht gelangen konnte. Von den K a r t o f f e l n sind bie* frühen Sorten größtenteils emgebraeht mib mit verhältnismäßig wenig Ausnahmen gut ausgefallen. Bei den späten Sorten jedoch, welche in der Regel im Schwerfeld ihren Standort haben und vielfach klein geblieben sind, ist der Prozentsatz der faulen Knollen nicht unbedenklich in der Zunahine begriffen. Bei Klee und Luzerne hat sich der zwecke und dritte Schliitt verhältirismäßig güirstig entwickelt und darf ungeachtet des lückenhaften Standes der beiden Futterkräuter, noch ein mittlerer Ertrag erhofft werden. Die T a b a k e r n t e ist in vollem Gange. Der Ertrag dürfte hinter dem des Vorjahres zurückbleiben. Das Pflücken des Hopfens ist nahezll beendet. Für gute und trockene Ware wurde der Preis von All. 150—180 imb mehr für bei: Zentner bezahlt. Hinsichtlich bei’ Trauben wirb berichtet, daß bie Beeren, welche meist noch hart sinb, vielfach abfallen, ba bie Wirkung bes Spritzens unb Schwefelns durch bie heftigen Nieberschläge vereitelt ivurbe unb Schädlinge und Krankheiten sich einstellten, welche von Tag zu Tag sich verbreiten. Nach iier üblichen Stufenfolge berechtigt der Stand der Saaten um Mitte September bei Kartoffeln zu 2,05, Klee 2,9, Luzerne 2,6, Wiesen 2,6, Tabak 3,2, Hopsen 2,9, Reben 2,8. Paris, 23. Sept. Ein Bulletin des Halles veröffentlich: folgende Schätzungen der Getreide-Ernte für 1903: Tie bebaute Fläche beträgt 6 539 176 Hektar, die Produktion 126 256 406 Hektoliter gegen 6 814 986 Hektar und 124 296 601 Hektoliter un Jahre 1902. Wer sich und den Seinen wohl will, der sorge dafür, daß täglich zum Frühstück unb Vesper ein gesundes, vollkommen unsch übliches und wohlschmeckendes Getränk auf den Tlsch kommt. Man breche doch endlich mit der falschen Sitte, den Tag gleich mit dem Genuß des nach ärztlichen Urteilen der Gesundheit überaus nachteiligen Bohnenkaffees zu beginnen. Man erhebe Kathreiners Malzkaffee zu seinem ständigen Frühstücks- und Vesper-Getränk. Die Wirkung wird sich dann bald in einem Gefühl von Wohlbefinden, in der Freudigkeit, mit der man nach einem solchen Trünke an j^inTagewerk qeht, bemerkbar machen. G G -** ä- a* (9 «ft & T3 JS' dä o? c CD ec O cd o JD «ft r- o jO K es. w <-> Ä <5 S> L jd & >b o $c re o Q 75 Jd S? ‘S vQ s JD s <5 >b c $5 <0 r- e r-> Q- G c % o s 'Z . $5 »22. <£) ° s <Ä Ä c cd CS JD o o 4d P- rr C> JD «.5 rr Äc «ft ct7 o <5 5 tSQ. X r-r O JD P s 's Sd' - .5 SS ö-S Sa ►S'ö .5 P rH 73“ 0 c ss C E o o MW «ft CR tZL 9 _ .ÖS «ft & CD - S o rr co s* -JD 'S A’a- cp *37 £ Ö-Ss ä e? 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