t Mr. 197 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Kamillen» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untverl.-Buch-u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, fcpeOttton und Druckerei: Vchulstratz- 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. Zweites Blatt. 183 Jahrgang Montag Ä4. August 1903 Giehener Anzeiger w General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen BezugSpretSr monatlich 7b Ps„ viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel- jährt, ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnurnmer bis vormittags 10 Uhr. ZetleupreiS: lokal 12 Pt^ auLwLrtS 20 Pfg. Berautworttich für den poltt und allgein. Teil: P. ötttto: Mr „Stadl und Land^ und „GerichtösaalE: August Götz; für den An- zeigentetl: HanS Beck. Are Heutige Wummer umfaßt 8 Seite». Bekanntmachung. Gotthard Krug zu Gießen hat die Konzession als Lienstmann mit der Rr. 13 erhalten. Gießen, den 22. August 1903. Groß herzogliches Pollzemmt Gießen. I. V.: Roth. Politische Wochenschau. Gießen, 24. August. Nachdem der Kaiser von seiner Nordlandsfahrt zurück- gekehrt ist, hat er fogleich mancherlei Verfügungen auf dem Verwaltungsgebiete getroffen. Zunächst hat Preußen einen neuen Kriegsminister bekommen. Dieser Wechsel hat gar keine Ueberraschung hervorgerufen; daß General von Einem Minister werden würde, war seit längerer Zeit so gut wie gewiß. Dem schwer heimgesuchten Schlesien wurde der langentbehrte OLerpräsiLent gegeben, und Graf Zed litz-Trützsch ler, der bisherige oberste Leiter der« Verwaltung unserer preußischen Nachbar Provinz, hat in der deutschen Presse günstige Zeugnisse erhalten. Hessen- Nassau erhielt in Herrn von Wind h eim ein neues Oberhaupt, dem man schon vor etwa 15 Jahren als Landrat in dem ostpreußischen Städtchen Ragnit eine glänzende Karriere voraussagte und der als Polizeipräsident von Berlin ungewöhnliche Tüchtigkeit als Verwaltungschef eines rast übergroßen Ressorts sowie große Liebenswürdigkeit der Formen gegenüber seinen Untergebenen und weites Entgegenkommen gegenüber dem Publikum gezeigt hat, sodaß „ganz Berlin" rhn vor einiger Zeit sehr ungern nach Frankfurt a. O. scheiden sah. Herr v. Windheim ist ein Bonner Studienfreund des Kaisers und ihm steht noch zweifellos eine große Zukunft bevor. Seinen Berliner Posten mußte er jüngst; einer Krankheit wegen verlassen, die jetzt völlig behoben zu sein scheint. Lun ist, wie in letzter Stunde gemeldet wurde, ein hoher Beamter des Reiches von seinem Posten zurück- getreten^ Frhr. v. T h i e l m a n u, der ReichFschatzfekretär. Herr v. Thielmann hat seinen Abschied gefordert und erhalten, weil er sich nicht imstande fühlt, die Mittel aufzubringen, welche die Reichsverwaltung erfordert. Für die Erhöhung von Steuern oder für die Einführung ganz neuer Steuern haben wir in Deutschland ein sehr schönes Wort, das wir der sprachschöpferischen Begabung des Fürsten Bismarck verdanken. Mr nennen so etwas eine Finanz- re form. Frhr. v. Thielmann fühlt sich nichs: imstande, die notwendige Reichsfinanzreform durchzusühren. Man ist in Deutschland gewohnt, sehr gelassen zu bleiben, wenn ein Minister oder Staatssekretär kommt oder geht. Sehen wir von einem Wechsel in der Person des Reichskanzlers afy so erinnern wir uns aus den letzten dreißig Jahren nur zweier Männer, bei deren Rücktritt eine Bewegung durch das Volk ging, weil man empfand, diese Männer würden nicht ersetzt werden, und ihr Rücktritt bezeichne einen Wendepunkt in der vaterländischen Geschichte. Der eine dieser beiden Männer war Delbrück, der andere Falk. Hin und wieder ist ein Minister äbgegangen, ohne auch nur ein Zeitungsblatt mitnehmen. zu können, das dieses Ereignis an leitender Stelle besprochen hätte. Ueb- rigens kann es in Zukunft sehr leicht dahin kourmen, daß ein Wechsel in der Person des Reichskanzlers mit demselben * Gewässern entsandt hat, so sind doch wieder einmal seine Gleichmut aufgenommen wird, wie heute ein Wechsel in der weit verzweigten Interessen sehr wesentlich an den Balkan- Person des Eiseirbahnministers.^ Man wird sich an das kämpfen beteiligt, und die ganze englische Presse hat sich Wort des indischen Dichters gewöhnen: „Vorüber geh'n die auch in den letzten Tagen vorwiegend mit diesen Dingen Schmerzen und die Wonnen; geh an der Zeit vorüber, es beschäftigt. Diese maeedonischen Wirren sind durch ist nichts." Herr v. Thielmann hat sich in verschiedenen die Entsendung eines russischen Geschwaders offenbar nur Stellungen bewährt, ehe er Staatsminister wurde, lieber verschlimmert worden. Mord und Brand wüten jetzt fchlim- seine Verwaltung des Reichsschatzamts haben wir sehr wenig mer als je seit Beginn des Aufstandes und zwar gwrcher- zu sagen. Als den sterbenden Epaminondas jemand beklagte, maßen auf feiten der Türken wie der Aufständigen. Bul- daß er keine Kinder hinterlasse, erwiderte er stolz/er hinter- garien, der Schutzpatron der Aufständigen, hat eine Anlasse zwei Tochter, die Schlachten bei Leuktra und bei klageschrift gegen die Türkei an die Mächte erlassen, worin Mantinea. Das Leuktra des Herrn v. Thielmann heißt die Gewalttätigkeiten uno Grausamkeiten der türkischen Süßstoffsteuer und sein Mantinea heißt Schaumweinsteuer. Truppen gegen ganz oder halb Unschuldige rücksichtslos an Frhr. v. Thielmann hat sich in seiner ganzen Amtsführung den Pranger gestellt werden. Aber Rußland, das an den durch eine mrgewöhnliche Gelassenheit ausgezeichnet. Als Wirren von den auswärtigen Mächten am meisten beteiligt er in das Amt trat, handelte es sich gerade um den aigan- ist, hat nach der Ermordung eines Konsuln sich in keiner tischen Flottenplan, und als er befragt wurde, woher er Weise für die Türkei einnehmen lassen. Mrt sehr weit- die Mittel dazu nehmen wolle, erwiderte er, daß sich die reichenden Forderungen ist es an den „kranken Manu" Mittel wohl aus dem natürlichen Anwachsen der Reichs- herangetreten, und dieser hat de- und wehmütig um Vereinnahmen ergeben würden. Damals hätte man aus- zeihung gebeten. Indessen fährt die Türkei mit ihren Mobilsprechen mögen, ein solcher Glaube sei in Israel noch nirgend machungen fort; mau bereitet sich auch, durch Rußlands gefunden; heute muß man bekennen, daß dieser Glaube Verhalten angeregt, im Auslande auf alle Möglichkeiten irrig gewesen ist. Die Reichsschuld wird infolge der außer- vor, und so scheint es fast, als müsse die Bombe bald ordentlichen Ausgaben immer weiter anwachsen, aber man platzen. Aber Rußland, das sich sagen muß, daß es beim wird sich doch bemühen, das Gleichgewicht zwischen den Ausbruch eines Krieges nicht allzu leichtes Spiel hat, wird Einnahmen und denjenigen Ausgaben, die man die ordent- sich doch schließlich hüten — zumal mit Rücksicht auf seine lichen zu nennen pflegt, herzustellen. Aber es ist die höchste Erfolge in der Mandschurei, die es sich doch nicht wieder Zeit, nicht mehr dije Finanzreformen fortzusetzen, die dem in Frage stellen will, — die Sache auf die Spitze zu treiben. Volke immer höhere Lasten auflegen, sondern die refor- Umwälzungen schwerwiegender Art bereiten sich auch mierende Tätigkeit an einer anderen Stelle zu beginnen. in U n ga r n vor. Der alte Kaiser Franz Josef muß es er- Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht an der Spitze leben, daß die ungarischen Selbständigkeitsschwärmer den ihrer neuesten Nummer folgende offiziöse Mitteilung: Der habsburgischen Doppeladler aus dem Wappen seines Kö- Staatssekretär des Reichsschatzamts Frhr. v. Thielmann ist, nigreichs Ungarn und von den Fahnen der ungarischen wie wir hören, auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt Armee losreißen wollen. Er hat aus den zahlreichen Unterworden. Zu seinem Na ch folger ist der bayerische Bevoll- redungen, die er in Budapest mit den namhaften Politikern mächtigte zum Bundesrat, Staatsrat Frhr. v. Stengel des Landes gehabt hat, herausgefühlt, daß es nicht zu ernannt worden. Ueber den bisherigen Lebensgang des umgehen sei, den Magyaren eine Reihe von nationalen neuen Reichsschatzsekretärs sind folgende Angaben zu Zugeständnissen zu machen. Und zu einer Forderung hat machen: Hermann Frhr. v. Stengel ist am 19. Juli 1837 sich der greife Fürst nicht verstanden: zur Zulassung der geboren. Seit mehr als 40 Jahren steht er im bayerischen ungarischen Kommandosprache in der Armee. Ob nun aus Staatsdienst, und seit fast 20 Jahren ist er stellvertretender den ungarischen Schwierigkeiten ein fähiges Ministerium Bevollmächtigter zum Bundesrat für Bayern und zugleich aussteigen wird, ftel)t noch dahin. für das Herzogtum Sachsen-Meiningen. In den 70er Jahren Einen Mißerfolg haben in den letzten Tagen auch dü wurde er als Regierungsrat in das bayerische Fmanzmini- Amerikaner gehabt. Kolumbien hat seine Zustimmung sterium einberuseu und ist seitdem ununterbröch en in diesem zum Uebergang des Panamakanalwerkes an Ame- tätig gewesen^ 1882 zum Ministerialrat befördert; 1884 rita nicht gegeben. Möglicherweise war die Verwerfung wurde er stelwertretender Bundesratsbevollmächtigter und des Vertrages nur eine Finte, um mehr Geld von den Mitglied der Verwaltung des Reichsinvalidenfonds und Janke es herauszuschlagen, und wenn die Vereiniste-i Standes ReichsbMlkkuratoriums. Seit 1895 ist er Ministerial- ten also etwas zulegen, kommt der Vertrag vieu ic'jt doch direktor im bayerischen Finanzministerium und seit 1898 noch zum Abschluß. Sonst muß man mit zwei '..^glich- Staatsrat der Krone Bal)ern. Der König von Württem- feiten rechnen: entweder die Vereinigten (Staaten bauen berg hat dem bisherigen Staatssekretär Frhrn v. Thiel- den teureren Nicaragnakanal, oder das Panamagebiet ermann das Großkreuz des Friedrichs-Ordens verliehen. klärt die Revolution, trennt sich von Kolumbien und macht Ferner ist der Rücktritt eines Staatsmanns in Eng- das Geschäft mit Amerika allein. land zu erwähnen, freilich kein Rücktritt aus politischen Wenden wir unseren Blick zum Schluß noch einmal auf Schwierigkeiten, sondern ein Abschied, den ein Höherer unser Eigenes Vaterland zurück, so gewahren wir, gebot. In Hatfield beendete Salisbury sein Leben, daß leider die Arbeiterleiden im Ruhr gebiet noch nicht völlig Angesichts des Todes dieses bedeutetrden Mannes sieht Eng- beseitigt sind und wieder neue Arb ei terbe wegungen land die Erfolge seiner Politik. Zwar steht das britische in Vdannheim und in Sachsen auftreten, sowie daß die Reich eben auch im Zeichen der wirtschaftlichen und sozialen großen Manöver begonnen haben. Sonst viel Hunds- Fragen, doch man weiß noch nicht, wie die Wirtschaftspläne tagsgeswätz Die Aufwartungen der sozialdemokratischen Chamberlains erledigt werden. In den jüngsten Tagen Blätter, besonders des Vorwärts, haben sich wieder trat Englands Außenpolitik wieder augenfälliger hervor, durch viel künstliche Mache ausgezeichnet. Es hat sich in- nnd wenn es auch nicht den Tatsachen entspricht, daß dessen kein Mensch darüber ausgeregt. Mit der Erzählung es ein Geschwader seiner Flotte nach der türftschen des Märchens von der „Kaiserinsel" hat der „Vor- Keidelverger Jestesklärrge. IV. Heidelberg, 9. August. Teurer Genosse ftoher Stunden! „O selig, o selig, ein Fucys noch zu fein!" Festtommers oer Heidelberger Studentenschaft mit ihren Ehrengästen unter dem Ehrenvorsitz Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Baden! Auf erhöhtem Podium der Tisch des engeren Ausschusses der Studentenschaft, der heute abend als Gastgeber und Präsidium fungiert. Der große Stadthallensaal und die anschließenden Nebensäle dicht besetzt, ebenso die Tribünen, wo sich eine erlesene Gesellschaft geladener Gäste, meist Damen, eingefunden haben. 9 Uhr. Der Großherzog und der Erb- großherzog erscheinen und nehmen an der Quertafel der Ehrengäste Plat> Im Hauptsaal sieht man nächst dem Ehrentisch die langen Reihen der Westfalen, Saxoborussen, Vandalen und Schwaben; weiter unten die Franken, augenblicklich die stärkste aller Korporationen; die anderen reihen sich an. Ein farbenprächtiges Bild! Silentium! Ein Klirren von Schlägern; dröhnend fallen sie auf den Tischs nieder. Die Ansprache des Vorsitzenden des Ausschusses. Mächtig donnert das Hoch auf den erlauchten rector magnificentisfimus durch die weiten Hallen. Ter wichtigste Moment des ganzen Festes war die Rede des Großherzogs. Du wirst sie in den Zeitungen gelesen haben. Es war ein patriotischer Appell an die studierende Jugend, durchweht von einem Hauche jener großen Zeit, da Friedrich von Baden das deutsche Reich begründen half. Laut und vernehmlich, llar und markant waren seine Worte. Erhebend war es, ais der greife Fürst am Schlüsse seiner Rede das Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Noch niemals fühlte ich mich so begeistert und gehoben. Viel Reden wurden gehalten, ich will nur die Damenrede von Geheimrat Schröder, unserem beliebtesten Damenredner, herpor- heben; der sprudelnde Humor des Sprechers entfesselte wahre Lachstürme. Tie Stimmung, die anfangs infolge der Anwesenheit des Großherzogs etwas feierlich war, wurde immer belebter und luftiger. Dem Großherzog gefiel es. wie es schien, ausgezeichnet, denn er blieb biä gegen Mitternacht, über den offiziellen Teil hinaus, um die Einleitung der Fidulität noch mitzumachen. Dann entfernten sich die Groß herzoglichen Herrschaften, nachdem ihnen der Vorsitzende in begeisterten Worten den Dank der Studentenschaft für ihr Erscheinen ausgesprochen hatte. „Es sind erhaben ob Raum ob Zeit dile Ritter von der Gemütlichlkeit!" Doch diesmal waren sie es nicht; denn um 1 Uhr etwa wurde der Kommers bereits geschlossen und der Saal langsam geräumt. Es blieb uns also nichts übrig, als in ^anderen Lokalen der Stadt unser Heil zu versuchen. So zerstreute man sich in die verschiedenen mehr oder weniger großen und eleganten Kneipen und Cafös. Als ich gegen 3 Uhr morgens nach Hause wanderte, traf ich eine nicht geringe Anzahl von Bierleichen in mehr ober minder totem Zustande an. Es geht auch die Sage, die Wachtlokale unserer löblichen Polizei sollen noch nie mit akademischen Mirgern so besetzt gewesen sein, wie in jener Nacht. Doch ich will nicht zu viel aus der Schule plaudern; denn beinahe wäre auch ich der heiligen Her- manbab in die Hände gefallen; aber ich entzog mich durch eine geschickte, aber komplizierte Flucht meinen Verfolgern, indem ich um mich her durch Ausdrehen der Laternen eine Finsternis verbreitete und dann in dieser Finsternis in eine dunkle Seitengasse entwich von wo ich dann ganz unbefangen, als ob nichts geschehen sei, die Hauptstraße wieder betrat. An der nächsten Straßenecke traf ich den einen Verfolger, der sich ratlos umschaute; ich fragte ihn kaltlächelnd, ob er jemand suche. Darauf erntete ich nichts als einen vernichtenden Blick. Man ist sehr nachsichtig in Heidelberg! Samstag früh. Während des zweiten Festaktes in der Stadthalle hatten wir wieder zu fingen. Tas Zeremoniell war dasselbe wie am Jreitag beim ersten Aktus. Die Ehrenpromotionen waren etwas „langstielig"; es mochte wohl keiner im Saale fein, ausschließlich der höchsten Herrschaften, der nicht bei jeder der Prvmotionsreden der fünf Fakultätsdekane mindestens einmal gegähnt hätte ober wenigstens hätte gähnen wollen. Es war eine streng aka- demifche Feierlichkeit mit vielen Förmlichkeiten. Aber bc beutfam war bieser Akt gleichviel und einzelne Promotionen, waren von hohem Interesse. Es war schon spät, als die Feier beendet war, und ich beeilte mich nach Hause zu kommen. Nachmittags hatte ichdie Ehre, zu dem vom Großherzog von Baden gegebenen Gartenfest in dem altberühmten Park des Schlosses von Schwetzingen geladen zu fein. Um 4 Uhr fuhren wir mit Extrazug ab. Nebenbei bemerkt, herrschte eine solche unheimliche Hitze, daß es kaum zu ertragen war und mancher seinen Cylinder lieber mit einem leichten Stroh Hut vertauscht hätte. Erleichtert atmeten wir aus, als wir in dien schatten der mächtigen Bäume des alten, ehrwürdigen ^chloßparkes traten. Ein wundervoller Park, diese Schöpfung Karl Theodors! Prachtvolle Anlagen mit wertvollen Statuen, schäumende Wasserkünste; Marmorgötter und -Göttinnen schauten verwundert dem Treiben der glänzenden Versammlung zu, die sich nun|u nter dem Schatten der alten Lllleen um den erlauchten Gastgeber und seine Familie scharte. Während des Empfanges der Gäste durch die Groß- herzogliche Familie konzertierte im Hintergründe die Kapelle der Karlsruher Leibgrenadiere. Ich machte inzwischen einen kleinen Spaziergang durch den Park; denn uns Studenten ging ja doch der Empfang nichts weiter an. Ich erinnerte mich der Schilderungen von Wilhelm Jen. en, die er in seinem Roman „Am Ausgang des Reichs" macht. In den Tiefen des Gartens war alles still; nur von ferne her tönten gedämpfte Klänge aus ,,Tannhäuser" Es giebt reizende. Plätzchen hier, und mit der etwas unheimlichen Riesengestalt Pan's kann man sich ebenso befreunden, wie mit den weißen Marmor gestalten von Minerva, Bacchus, Antinous und Alexander. Man glaubt sich in eine andere Welt versetzt. Doch zurück zu den Anderen, zum Schlosse! Zur Rechten und Linken leuchten zwischen dichtbelaubten Lindenalleen weiße Obeliske; überall trifft das Auge auf Statuen, Vasen und Urnen, bis geradeaus weiß schimmernd die Gestaltern zweier riesenhafter Hirsche die vordere Rotunde abschließen. Wunderbar ist auch das große Marmorbecken, in dessen plätschernder Flut ein Delphin den geretteten Urion auf seinem Rücken trägt, während sich Worts" sich txrS Stärkste geleistet und sich recht lächerlich! gemacht. Du es außer« Frage steht, daß der vorwärts" init dieser Meldung hereingelegt worden ist und glaubte, es .sei was dran, kann man nur noch annehmen, daß das Blatt von den Reichstagswahlerfolgen ganz blind geworden ist. Da hält es denn freilich schwer, nach den Mchtigstell- rrngen, die erfolgt sind, ehrenvoll den Rückzug auzu treten. Tie Seit muß die Wunde heilen, die Unterhaltung über die Sache muß ermüdend werden und in Bergeffenheit geraten, bis der „Vorwärts" den Kampfplatz verläßt und stillschwei- gend den Säbel einsteckt. cSorö Sattsvury “f. Loudon, 22. Aug. Salisbury ist um 9 Uhr 15 Minuten abends auf seinem Schlosse Hatfield im Alter von 73 Jahren gestorben. Mit Salisbury ist einer der in der modernen Zeitgeschichte am meisten genannten und gerühmtenStaatsmänner dcchüigeschieden. Das Schwergewicht seiner staatsmännischen Verdienste liegt in dem Einflüsse,' den er auf die Gestaltung der innerpolitischen Verhältnisse der vereinigten Königreiche von Großbritannien und Irland genommen hat. In den großen Weltereignissen, an denen teilzunehmen und mitzu- wirken er berufen war, wird sein Name überschattet von seinem genialen Vorgänger Disraeli, dein einzigen Lord os Beaeonsfteld, wurde sein Name und sein Einfluß in den Hintergrund gedrängt durch die stürmische und großzügige Imperialpolitik feines Nachfolgers als Führer der britischen dttttion, Chamberlain. Es war eine heiße Zeit schwerer innerer Kämpfe und gefährlicher auswärtiger Verwickel- ungen, in der Robert Artur Talbot Cecil Marquis von Salisbury teils an der Leitung der Staatsangelegenheiten Englands teilnahm, zum großen Teile selbst diese Leitung der Staatsgeschäfte besorgte. Von den drei großen Epochen in der Geschichte seines Wirkens, der Zeit des russische- türkischen Krieges von 1877—78, des Kampfes um die irische Homernle in der Zeit von 1880—86 und des Transvaalkrieges, ist es die Seit der innerpolitischen Kämpfe, aus der die politische Persönlichkeit Salisburys uns am bedeutendsten entgegentritt. Am 3. Februar 1830 geboren, absolvierte er seine Studien an den Hochschulen von Eton und Oxford, vertrat bis, zum Tode seines Vaters den Wahlkreis Stamford im englischen llnterhause, wo er sich der Torypartei anschloß, und übernahm im konservativen Kabinett Derby das Mi- nisterium für Indien, trat aber von diesem Amt im März 1867 wegen innerer politischer Meinungsverschiedenheiten zurück. 1874 trat er in das von Disraeli gebildete Kabinett und ging 1876 als außerordentlicher Botschafter Englands nach Konstantinopel. Die damaligen Konferenzen zur Schlichtung der orientalischen Wirren blieben resultatlos, und 1878 übernahm Salisbury das Ministerium des Aus- wärttgen, in dem er aber mehr der Gehilfe als der Kollege Beaconsfields war. Nach dem provisorischen Friedensschlüsse von San Stefano reifte er mit Lord Beaconsfield als zweiter Bevollmächtigter zum Berliner Kongreß und trat nach dem von der mächtigen Beredsamkeit Gladstones erstürmten Wahlsiege der Liberalen mtt Beaconsfield von seinem Amte zurück. Hatte Salisbury in den schwierigen Verhältnissen, welche die Orientfragen schufen, und unter dem Uebergewichte von Beaconsfields Genie, der damals ohne Schuß und Schwertstreich das englische Prestige im Orient durch den Erwerb von Cypern sieghaft ausrichtetet keine Gelegenheit gefunden, seinen Namen in den Vordergrund zu stellen, so gab ihm nach Beaconsields Tod die irische Politik Gladstones reichen und zwingenden Anlaß, sich als Führer der Konservativen für die Einheit des Reiches, seiner Verwaltung und Gesetzgebung gegen die von Gladstone unter der Homerule-Parole versuchte Einsetzung einer Art Autonomie für Irland zu betätigen. Es war eine stolze Epoche parlamentarischer Kämpfe größten und edelsten Stils, in denen während der Jahre 1880 bis 1885 die für England zur Schicksalsfrage herangewachsene Alternative, ob Homerme oder nicht, umstritten und schließlich im August 1886 endgilttg von Salisbury im Sinne der unverletzten Einheit des Reiches entschieden wurde. Selbst der Wahlsieg der vorn greisen Gladstone geführtenL Liberalen im Jahre 1892 vermochte auf die Dauer die Herrschaft der liberalen Partei in England nicht zu sichern, und nach dem entscheidenden Wahlsieg im Frühjahre 1895 bildete Salisbury sein drittes Kabinett am 29. Juni 1895, das er bis zum 12. Juli vorigen Jahres als Premierminister leitete. Der Erbe des Marquisats und des Namens Salisbury ist der Unterstaats'sekretär des Aeußern, Viscount Cran- borne. Die Beisetzung des Verstorbenen wird voraussichtlich in Hassield erfolgen. eine Tritonen schar auf Schwänen und Rechern umhertum- melt, und Wasser umherwirbelnde Drachen von Schlangen- fontänen einen Mantel perlender Kaskaden um sich werfen. Nun aber zum Schloß, dem herrlichen alten Bau, in dessen rechtem Flügel, in dein vor gebauten Garteirsaal mit seinen zwei prächtigen Rotunden ein großes Buffet errichtet war. Man gruppierte sich zwanglos und füllte Durst und Appetit an den Vorräten, die aufgestellt waren und von Lakaien herumgereicht wurden. Kaffee, Tee, Kuchen, Backwerk aller Art, Eis, Weine und zuletzt auch Sekt wurden serviert, und es entfaltete sich bald ein buntes Treiben in dem großen Saale und den anstoßenden Rotunden. Begreiflicherweise wurde die Stimmung allmählich sehr animiert und man schied mit Bedauern, als gegen 8 Uhr abends der allgemeine Ausbruch erfolgte. Der Großherzog hatte während der ganzen Zeit mit einigen seiner Gäste geplaudert und man mußte auch hier die liebenswürdige Ausdauer des hohen Gastgebers bewundern. Zwei Extrazüge brachten die Gäste des Landessürften nach Heidelberg zurück. Der „Besuch bei Großherzogs" wird mir in unauslöschlicher Erinnerung bleiben. Am selben Abend fand auf dem Heidelberger Schloß das zweite Schloßfest statt. Davon merkte ich aber nichts; denn ich hatte keine Karte mehr dazu bekommen können. Man wird auch schließliche müde von all den Festlichkeiten und bedarf etwas der Ruhe. Darum gute Nacht! Morgen Schluß! |^.ii Gruß Dein ________ Heinz. Im Frankfurter Opernhaus finden in dieser Woche folgende Vorstellungen statt' Dienstag: Götz von Berlichin gen", Mittwoch: „Der Troubadour", Donnerstag: „C arme n", Freitag: „M arth a" oder „D e r M a r k t z u R i ch m o n d", Samstag: „D i e b e i d e n Schütze n", Sonntag: „M a r g a re t h e'. Montag den 31. August, abends 6V? Uhr: Wagner-Cyklus, 1. Abend. Neu einstudiert: Rienzi, der Letzte der Tribunen. Aas Urteil im Kumöert-Mojeß, Nachdem die Pariser Geschworenen die Schuldfragen wegen Betruges und Fälschung unter Bewilligung mildernder Umstände gegen alle' Angeklagten bejaht hatten, verurteilte der Gerichtshof Fr e d e r ic und Therese Humbert zu fünf Jahren Einschließung in eine Strafanstalt (reclusion) und 100 Mk. Geldstrafe, Emil Dau- r i g n a c zu zwei Jahren Gefängnis und Romain Danrignac zu drei Jahren Gefängnis. Die Sitzung, die mit der Fällung dieses Urteilsjpruches endete, verlief ungemein interessant. Therese Humbert gab sich alle Mühe, ihr von Anfang an, ein geschlagen es Ver- teidigungsverfahren bis zum Schluß sortzuführeu. Sie zog sich auch, nachdem die Fragen an die Jury gestellt waren, mit ihrem Bruder Romain in zuversichtlicher Haltung in den für sie reservierten Raum zurück, während Frederic Humbert und Emile Danrignac ziemlich niedergedruckt erschienen. , Romain Daurignacs Anwalt, Hesse, gesteht zu, daß sein Klient noch im Untersuchungsgefängnis Liebesbriefe von unbekannten Damen erhielt. Romain )ei aber tatsächlich eine ernster angelegte Natur, als der Staatsanwalt glauben machen will, der ihn als „Bruder Lustig" bezeichnete. — Nun kam aber Frau Therese mit einer neuen „Enthüllung". Sie erklärte nach einigen ihrer angegriffenen Gesundheit gewidmeten _ Worten, daß die Mil- lionen am Tage vor der Abreise der Humberts nach Madrid von einem gewissen Regnier zurückgezogen wurden Das Auditorium wiederholt erstaunt: „Regnier! Regnier?" Darauf erzählt Therese: „Der Name Regnier ist aus dem 70 er Kriege bekannt. Aus diesem Kriege stammen die Millionen, Regnier besitzt das Geld. Wir werden es ihm zu entwinden wissen!" Hieraus erhebt sich Labori: „Ich kann hinzufügen, daß Regnier, wie ich in einem Geschichtswerke las, Vermittler zwischen Bazaine uui) Bismarck war." Und es wird bekannt, daß am 17. September 1874 ein gewisser Regnier, angeblich wegen geheimen Einvernehmens mit der Armee des Prinzen Friedrich Karl in contumaciam zum Tode verurteilt wurde. Er lebte aber bis vor einigen Jahren und starb dann in Armut. Man versichert, daß Frau Therese gegen die Rechtsnachfolger Regniers, deren Ausenthalt unbekannt ist, heute eine Klage auf Rückgabe der Millionen anstrengen ließ. Dies hätte sie in der Absicht getan, einen neuen Prozeß für den Fall ihrer Verurteilung notwendig zu machen. Inzwischen erklärt aber Madame Therese, auch Poincare, der ehemalige Minister, wisse, daß Regniers Sohn die Millionen verwalte, auf welche sie (Therese) auf Grund eines — Familiengeheimnisjes Anspruch erhebe. Dann sagt sie, daß ihr Geliebter Frederic den Namen Regnier heute zum erstenmal vernimmt. Emile Danrignac unterbricht ihn aber: „Ich höre ihn auch zum ersten Male". Große Heiterkeit entsteht. „Lacht nicht", so ruft Frau Therese, „noch bin ich nicht toll. Aber ich war dem Wahnsinn nahe, als man mir die Millionen wegnahm." Theresens (Mlärung, die zehn Minuten dauerte, erregte lebhafte Bewegung im Saal. Während der Beratung der Geschworenen gaben in den Wandelgängen des Jnstiz- palastes die großen Juristen des Hauses gratis Konsult- tationen über unbegrenzte Möglichkeiten. Zahlreiche Damen lauschten diesen Ausführungen. Dann wurden die Damen ihrerseits befragt, was sie von Theresens Erklärung halten. Tie jüngeren Damen waren minder strenge als die älteren. Mittlerwelle wurde vom Büfett Tee für Therese hinansgettagen, sie fühlte sich stark angegriffen, und Tr. Floqnet gab ihr Antimigränemittel. Nachdem der Gerichtshof das Urteil abgegeben hatte, wurden die Humberts in einen an den Schwurgerichtssaal anstoßenden Saal geführt. Romain Danrignac machte seiner Schwester Vorwürfe, daß sie die Geschichte von Regnier erzählt habe. Als die Verurteilten in die Con- ciergerie znrückgeführt wurden, war Therese die einzige, welche sich beklagte. Sie erklärte, sie habe zuviel gelitten und wollte ihren Gatten nicht verlassen. Es bedurfte vieler Mühe, die Verurteilten zu trennen. Labori mußte Therese versprechen, daß man sie so oft als möglich mit ihrer Familie znsammenkomen lassen werde. Die Verurteilten haben bisher die Nichtigkeits-Erklärung nicht unterzeichnet. Sie haben dazu drei Tage Zeit. Die Pariser Blätter geben einstimmig ihrer Genugtuung über das Urteil Ausdruck. Die republikanischen Blätter weisen darauf hin, daß diejenigen, welche bei diesem Prozeß auf einen großen politischen Skandal gehofft, sich getäuscht hätten. Ter Republik feindliche Blätter erklären, es sei in die Angelegenheit fein vollständiges Licht gebracht worden. „Matin" meint, die Verurteilung sei schwerer, als man erwartet hätte und schreibt, daß Frederic Humbert bei der Abführung in die Eonciergerie zu Therese gesagt habe: Wir werden uns Wiedersehen, es gibt auch einen Kassationshof. Aus Stüdt unS SöltiL Gießen, den 24. August 1903. ** Personalien. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben dem katholischen Pfarrer Dominik Grimm zu Gonsenheim die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Empfang bei Hofe. Se. Königl. Hoheit der Letztes Gastspiel des Herrn Franz Ludwig, ,gia(f)8mann alt Erzieher". — Sonntag, Konzert der Kapelle des 1. Großh. Hess. Dragoner-Regts. aus Darmstadt. Friedberg, 22. August. In der Stadtv er ordnete n- sitzung am 20. d. M. wurden für die durch Hochwasser in Schlesien Geschädigten 50 Mk. bewilligt. Aus Anlaß der Erhebung der Mitglieder der Familie Z. Groedel m Ungarn in den Adelstand haben diese der hiesigen Ludwig- und Elise- Groedelstiftiing 1000 Alk. zugewiejen. Aus den Zinsen daraus sollen Arme ohne Unterschied der Konfession unterstützt werden. Bad Salzhausen, 22. August. Von dem Xj/ueuen» hause der einen Salzquelle nach dem Trinkbrunnen zu wirk gegenwärtig eine Wan del bahn gebaut, welche es den Kurgästen möglich macht, auch bei schlechtem Wetter ihre Trinkkur ungestört zu gebrauchen. Ein Aussichtstempel auf der östlichen Höhe gewährt einen schönen Ausblick nach dem Bade selbst und seiner Umgebung. Dem Vernehmen nach wird im nächsten Jahr auch einem dringenden Bedürfnisse durch Erbauung eines neuen, günstiger gelegenen Badehauses abgeholfen. Darmstadt, 22. Aug. Der Zweiten Kammer bet Stände ist ein Gesetzentwurf, die Abänderung des Gesetzes über die Ruhegehalts-Verhältnisse und die Versorgung der Hinterbliebenen der im Hess.-Preuß. Gemeinschaftsdienst an gestellten Staatseisenbahnbeamten vom ' 26. März 1897 betreffend, vom Großh. Staatsministerium überreicht worden, der bestimmt, daß der Artikel 8 Ziffer 1 Satz 1 des Gesetzes den nachstehenden Wortlaiit erhält: „Der Wohnungsgeldzuschuß wird nach dem Durchschnittssatze für die Servistlassen I—IV in Anrechnung gebracht." — Veranlassung dazu hat der Umstand gegeben, daß durch das Reichsgesetz vom 17. Juli 1902 die in ihrem jeweiligen Stand auch für die Gewährung von Wohnungsgeldzuschüssen an die preußischen Beamten maßgebende Klasseneinteilung der Orte insofern eine einschneidende Aenderung erfahren hat, als nach Beseitigung der Servisklaffe V aus dem Servistarif die bis dahin unter diese Klasse fallenden Ortschaften vom 1. April 1902 ab der Servisklaffe IV eingereiht worden sind. Zur Gleichstellung der hessischen Beamten mit den preußischen Beamten der Gemeinschaft mußte dem Gesetz rückwirkende Kraft vom 1. Oktober 1902 ab beigelegt werden. Mainz, 22. August. Die Feierabendstunde in denAnimierkneipen hat, wie vorauszusehen war, bereits zu einer Menge Anzeigen solcher Wirte geführt, die um 11 Uhr ihre Lokale nicht schlossen. Es ist sogar vorgekommen, daß Wirte ihre Gäste bei dem Feierabendbieten aufforderten, ruhig sitzen zu bleiben, sie würden für alles einstehen. Auf der anderen Seite treibt das Denunziantentum üppige Früchte, und fortgesetzt laufen von Wirten Anzeigen gegen Kollegen ein, die nicht auf die Liste der Animierkneipen gesetzt worden sind. — In einem Laden in der Nähe des Bahnhofes machte sich vorgestern ein auffallend kleiner Mensch lange zu schaffen, ohne jedoch etwas zu kaufen. Als er endlich fort war, merkte der Geschäftsinhaber, daß ihm aus der Ladenkaffe nahezu 100 Mark fehlten, die nur gestohlen sein konnten. Die hiervon benachrichtigte Kriminalpolizei vermutete in dem genau beschriebenen Dieb einen gefährlichen, wiederholt mit Zuchthaus vorbestraften Bäckerburschen, namens Heldenberg, der erst vor wenigen Tagen aus Frankfutt ausgewiesen worden war. Man erwischte ihn auch im Laufe des gestrigen Tages. Er hatte sich einen neuen Anzug gekauft und sich auch sonst fein herausgeputzt. Rach seiner Verhaftung gestand Helden- berg ein, das Geld aus der Kasse des Geschäftes am Bahnhofe gestohlen und sich dafür die neuen Sachen gekauft zu haben. Sein „altes Zeug" wollte er bereits mit der Post fortgeschickt haben. Die Kriminalpolizei ermittelte jedoch sehr bald das „alte Zeug" und zwang den Burschen, sich umzuziehen. Bei dieser Gelegenheit fand man auch eine Taschenuhr bei ihm, die er vor einigen Tagen bei einem Einbruch einem Bäcker gestohlen hatte. Der Unverbesserliche kam dann in das Untersuchungsgefängnis. (Rk. Tgbl.) — Gegen zwei katholische Geistliche ist eine strafrechtliche Untersuchung wegen Körperverletzung — Ueberschreitung desZüchtigungs- rechtes bei Schulkindern während des Religionsunterrichts — eingeleitet worden. Kunst und Wissenschaft. Geestemünde, 23. Aug. Tas Entsatzschiff für die N o r d e n s k j ö l d's ch e S ü d p o l a r-Ex p e d i l i o n, „Frithjof", ist heute hier eingetroffen. Havre, 23. Aug. Das Schiff „Franeais", welches die Südpol-Expedition Eharcots mit sich führt, ist heure vormittag abgegangen. — Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern wird der Enthüllung des Richard Wagner-Denkmals in Berlin nicht beiwohnen. Wie er einem Alitarbeiter des „Lok.- Anz." erklärte, habe er die ihrn angebotene Ehrenstellung in der Voraussetzung angenommen, daß die Familie Wagner die Berliner Denkmalsieier sanktioniert habe. Ties sei nun ebensowenig der Fall wie die angekündigte Mitwirkung des Münchener Hoforchesters. Im übrigen habe er gehört, daß auch der Kaiser vermutlich nicht bei der Feier anwesend, sondern durch ein Mitglied des Kaiserhauses vertreten sein werde. Großherzog empfingen am 22. August den ordentlichen Professor Heimburger von der Landes-Universität Gießen. **Dic evangelische Landessynode wird dem Vernehmen nach noch im Laufe des Herbstes einberufen werden. Der Zusammentritt erfolgt aber nicht vor der zweiten Oktoberwoche. Die Sitzungen werden voraussichtlich eine Reihe von Tagen in Anspruch nehmen. Bad Nauheim, 23. August. Folgende Unterhaltungen finden in dieser Woche statt: Dienstag, (Feier des Allerhöchsten Namensfestes Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs) nachmittags und abends Konzett der Kurkapelle. Bei gutem Wetter Lampionsbeleuchtung auf der Terrasse und kurz nach 9 Uhr Feuerwerk nebst Parkbeleuchtung. Von 8 bis 10 x/2 Uhr im Saale Tanz. — Mittwoch, nachmittags und abends Konzert der Kapelle des Thüring. Ulanen-Regts Nr. 6 aus Hanau. Abends von 8—9 1/2 Uhr im Saale Symphonie- Konzert der Kurkapelle. — Donnerstag, nachmittags und abends Konzert der Kurkapelle. Abends: Erstes Gastspiel des Herrn Franz Ludwig vom Schauspielhaus in Frankfurt a. M. „Das Glück im Winkel". — Freitag, nachmittags und abends Konzert der Kurkapelle. Abends Strauß-Konzert. — Samstag, nachmittags und abends ^lonzett der Kurkapelle. Sport. m ,Berlin, 23. August. Radrennen in Friedenau, ©roiser Vrets von Berlin über 100 Km. mit Molorschrittmacbern - Erster Robl (Alllnchen,, 1 Stunde 25 Min. 14’/, Lek Zweiter Xickentrnann (Amsterdam), Dritter Kaeser (Waldshut)' Vierter Coutenet (Paris', Fünfter Goerriemann (Berlin), Letzier Rnser (Bern). Es waren ungefähr 15 000 Zuschauer anwesend. Arbeiterbewegung. Krim mi tschau, 22. Aug. Seit heute früh ist hier der G e n e r al streik ansgebrochen. In 52 Webereie.i, 26 Spinnereien erneu Trikotagensabrik, zwei Gerbereien und zwei vülsenfabriken stockt der Betrieb. Es streiken un ganzen 7500 F^brikmbetter- hierzu kommen noch 1500 Hausarbeiter, sodaß also etwa 9000 Ar^ beitev seit dem heutigen Tage beschäftigungslos sind D?e Arbeiür- schäft hat durch diese Wendung cme« wöchentlichen "obnanssall von zirka 78 000 Alk. - Von den gestern abgebnltmien hin öffent- lachen .Versammlungen der Textilarbeiter wurden drei voli-eilich aulgelost. Dieserhalb hat die Lohnkommission '^noch^ in i gangenen Nach: em Flugblatt herausgeqeben, in ttUchom ft hns i, tii11na a11Äini'ifr x, en Ocil) al takt bezeichnet 0 ld»<1 j,-Ä •«ä Kolats drucket Nedak^ ei*1. Die । «Pie Au- öcion av folgenden Wh hier weiÜ früh die! mit klinge Truppenjc Batterien 41. Ins.« 13 und 1 49. Ins. Regt. R Regt. R lleb Tgbl.": Oberl Sofort traf, roi reicht, n Die illd dann du gerittene fecht jein bem Storni o. 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