Nr. 145 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem besfischen Landwirt die Siebener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der B r ü h lachen Untverst-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei: Vchnlstratze 7, Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. Fcrnlprechanf chluß Nr. 51. Erstes Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 24. Ium 1903 GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich75Ps., viertel- sädrltch Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch dtePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis vormittags 10 Uhr. Zeitenpreis r lokal 12 Pf, auswärts 20 Pig. Verantwortlich für den poltL und allgem. Teil: P. Witiko. für .Stadt und Land^ und .GenchtSsaal^: August Götz; für den *ln* zeigenteil: HanS Beck. Mlttärische Ansprachen des Kaisers. Dre Ansprache des Kaisers bei bei Feier in Döb eritz aus Anlaß der Enthüllung des Denkmals für Friedrich den Großen ist am 29. M-ai d. I. im Wortlaut, den bie ,^reuzztg." mitteilt, vervielfältig t worden, um den Militärbehörden zur lieber Mittelung an die Truppen zugepellt zu werden. Die Ansprache bei der Enthüllung des Obelisken lautete: „Vor 150 Jahren hat auf diesen Gefilden, Friedrichs II. Majestät, schon von seinen Zeitgenossen „beü Große" genannt, einen erheblichen Teil jeiner Armee zusammengezogen, um sie für die gewaltigen Kämpfe, welche er mit feinem weitschauenden Blick im Geiste vorhersah, zu üben und zu stählen. So wichtig war für ihn die Vorbereitungszeit, daß er es nicht scheute, die Kolonnen seinen kriegsgeübten Feldmarschällen zur Führung anzuvertrauen. Hier bildete der große Soldarenkonig, rastlos arbeitend, über den großen Gesichtspunkten auch das Detail nicht vergessend, feine Regimenter für die schweren Aufgaben des bald daraus eingesetzten siebenjährigen Krieges ans und schuf das innige Band zwischen feinen Soldaten und sich, welches letztere zu den äußersten Leistungen begeisterte/ während er seinen Geist feinen Generälen ein- flößte und so den Grund legte für die unvergleichlichen Erfolge, welche in der siegreichen lieber Windung einer gegen ihn verschworenen Welt in Waffen gipfelten. Unoergesten seien diese Leistungen, unverge^en die Namen der Helden jener großen Zeit! — Spottend nannten damals Friedrichs Feinde seine kleine Armee die „Potsdamer Wachtparade!" Nun, er hat es gezeigt, was er an deren Spitze vermochit. Und auch in späterer Zeit hat die „Potsdamer Wachtparade" jenem gebührend' die Wege gewiesen, der mit ihr anzubinden versuchte. Zur Erinnerung an diese Zeit ist der Obelisk aus nordischem Granit errichtet. Eine Erinnerung an „Friederieus Rex, den König und Held", zur Nacheiferung für uns alte, in ungesch.wächter Kraft rastlos an unserer Schlagfertigkeit zu arbeiten. Wenn jetzt die Hülle fällt, wenn zum Gruß die Fahnen und Standarten sich neigen, die Degen sich senken und Bajonnette im Präsentiergriff blitzen, dann geschieht das nicht nur vor diesem Stein, sondern vor ihm, dem großen König, seinen Generälen und Feldmarschallen, vor seinem grcßen Nachfolger Wilhelm dem Großen und dessen Paladinen, die jetzt alle beim großen Alliierten droben versammelt auf uns herabblicken, und vor Preußens ruhmvoller Heeresgeschichte und Tradition. „Achtung, präsentiert das Gewehr!" Der Wortlaut der Rede des Kaisers au seine Offiziere bei der Frühstückstas el nach der Enthüllung des Obe- lisken-Denkmals war folgender: „Das Glas, welches Ja) nunmehr zu leeren im Begriff stehe, gilt dem Gardekorps und Meiner Armee. Sie ist an dem heutigen Fest- und Ehrentage in ihren Führern hier vertreten. Ich habe in letzter Zeit zwei Korps gesehen. Bor kurzem führte Ich. einen Teil des Korps, dem die Grenzwacht in der Westmort anvertraut ist, über die einst blutgetränkten Felder zum Angriff. Rechts und links schritten wir zwischen Grabern, geschmückt mit weißen Kreuzen. Marschrichtungspunkte waren die Denkmäler der preußischen Garden,' darunter speziell vom Augusta-Regi- meni. Ein Augenblick, tiefergreifend für den, der ihn durchlebt. Denn er erinnerte an die gewaltigen Taten der deutschen Heere unter Friedrichs großem Nachfolger, Wilhelm dem Siegreichen. Heute greife Ich. zurück auf die Anfangsgescyichte der damals noch tleinen preußischen Armee unter Friedrich. — Vor zwei Tagen haben Sie auf den Brettern, die die Welt bedeuten, in erhebendem Spiel den König und fein Wirken auf dem Döberitzer Boden, chn inmitten der Männer gesehen, deren Namejn uns Preußen so teuer, und umgeben von seinen Regimentern, die ihm die Mühe mit dem Lohne dankten, daß sie mit ihrem Herzblut die Geschichte Preußens schreiben halsen. — Fürwahr, Ihnen, meine Herren Generäle, ist. es — wie jebeiii Altpreußen — so w:e Mir gewiß ergangen, daß e£ Ihnen allemal heiß und kalt den Stücken herunterlief, wenn vom großen König gesprochen ward oder er gar selbst in Person erschien. — Sie sahen zu weit den ganzen Jammer und das Elend deutscher Kleinstaaterei, welche das Ausland nachäffend, oftmals lieber mit dem undeut- s ch e n Nachbarn sich verband, als auf Seiten dessen zn stehen, der im Begriff stand, den Grundstein des neuen Deutschen 'Reiches zn legen und der deutschen Fürsten Zu- kunfi fest zu sichern. — In diesem Jammerzustand der Ohnmacht und Zerrissenheit fuhr der lorbeerumkränzte preußische Degen, geführt von der Hohenzollernhand des großen Friedrichs und „jubilierte sein Reich, als Basis, auf der einst Kaiser Wilhelm der Große das neue Deutsche Reich errichten konnte. — Das war ein eschöne, herrliche und groß: Zeit! Gewiß meine Herren, aber chenso sicher ist es, daß die jetzige Zeit ebenfalls eine schöne unb große werden kann und ist, auch für die Zn»- Eunft, wenn wir nur fest entschlossen sind, sie zu einer solchen zu machen. Der Deutsche ist oft so mutlos und melancholisch, oder, wenn es ihm gut geht, übermütig und überschwänglich. Da ist der einzige feste und unerschütterliche Pol in der Erscheinu igcn Flucht stets die preußische Armee gewesen und noch heute. — Die staunenswerten Erfolge, loelche der König errang und- die in einem köstlichen Kranz herrlicher Siege cm unvergänglicher Besitz unserer Heeresgeschichte geworden ist, entwuchsen aus angestrengter Friedensarbeit geworbener Truppen, unter denen auch mancher Ausländer zu finden gewesen ist. Heute steht die Armee als eine nationale Einrichtung vor unseren B'icken, die Generäle sind ihre Führer, von Soldat und Burger mit Achtung und Vertrauen angesehen. Eine großartige Schule zur Erziehung unserer Jugend in nationalem Sinne! Sie, meine Herren, sind die Erzieher! Nicht nur Reglements, Taktik und Strategie, sondern auch Stolz und Dienstfreudigkett sollen in Meinem lltock gelehrt und Achtung und Liebe für unsere Zukunft mit Hilfe „unseres großen Alliierten oben" gilt bestellt sein. Dann kann Ick die Worte auch zu den Meinen machen für die gesamte Armee, welche Prinz Moritz von Anhalt-Dessau dem großen König über das Regiment Alt-Larisch nach Leuthen sagte, als Seine Majestät die Front des von ihm persönlich zum Angriff angesetzt gemeßenen Regiments abritt: „Jhro Königliche Hoheit können getrost Ihr Szepter und Krone denen Leuten anbertrauen, oenn so diese vor denen Feinden davon laufen, so möchte ich borten auch nicht gerne mehr verweilen." Dann wird Meine Armee stets das Instrument bleiben, dessen Ich bedarf, damit Meine Politik — wenn nötig — Unterstützung findet: ,stvo es die Feder allein nicht mehr machen fann, so sie nicht von der Schärfe des Schwertes soutenieret wird." — Es lebe Mein Gardekorps und die ganze preußische Slrrnee!" Polnisch- Tagesschau. Reichsfiuanzreform unb neue Steuern. Erfreulicherweise scheint die Reichsregierung die Absicht zu haben, bald nach der Lösung des Handelsvertragsproblems an die Reform der Reichsfinanzen heranzutreten. 2tber die Genugtuung darüber wird geschmälert durch die unverkennbare Absicht, die Reichsfinanzreform zu einem Teile auf der Basis neuer Steuern aufzubauen. In erster Linie wird die Bier schlänge, um mit dem Grafen Posadowsky zu reden, im Reichstage wieder ihr drohendes Haupt erheben, die Erhöhung der Tabaksteuer wird auf der Bildfläche erscheinen, und noch andere Blüten fiskalischer Steuerpolitik dürfte das neue Steuerbouquet alias Finanzreformvorlage enthalten. Die Wehrsteuer, derentwegen jüngst offiziöse Fühler ausgestreckt wurden, vielleicht auch wieder die Inseraten- und Zündholzsteuer, die Ächöhung des Paketportos, eine allgemeine Wein steuer, neue Stempelsteuern usw. werden voraussichtliche im Gefolge der Reichsfinanzreform marschieren. Von der Bier- und Tabaksteuer pehk das leider so gut wie fest. Im Frühjahr 1902 haben Freiherr v. Thielmann und der Preußische Finanzminister diese Sttuern in Verbindung mit der Reichsfinanzreform ausdrücklich in Aussicht gestellt. Die Wahrscheinlich kett einer solchen Verkoppelung der Reichsfinanzreform nut neuen Steuerplänen ergibt sich aus einem Artikel einer mitunter zu offiziösen Verlautbarungen benutzten Korrespondenz, der die kommende Reichsfinanzreform ankündigt. Offenbar gedenkt man den Reichstag durch die ewige Wiederkehr der vorübergehenden Notbehelfs, die leider alles andere als eine vorübergehende Erscheinung sind, der Ergänzungsanleihen, mürbe zu machen und ihn für die Steuerpläne der Regierung breitzuschlagen. So läßt es sich erklären, wenn für die doch zweifellos höchst unerwünschte und unvorteilhafte Praxis der Ergänzungs- anleihen in dem Artikel Stimmung gemacht wird. Man sucht sie zwar als ein Uebel, aber als ein unvermeidliches hinzustellen. Daß das Volk und der Reichstag bisher wesentlich anderer Meinung waren und anderer Meinung bleiben werden, braucht nicht gesagt zu werden. Solange Ergänzungsanleihen zum Ausgleich einer vorübergehenden Unzulänglichkeit der Reichseinnahmen auf genommen wurden, hatten sie verhältnismäßig wenig Bedenkliches. Seitdem aber oie Unzulänglichkeit der Reichs- einnahmen gegenüber den großen Steigerungen der Ausgaben namentlich für die Wehrmacht chronisch geworden ist, müssen Ergänzungsanleihen zur Deckung des Fehlbetrages aufS entschiedenste bekämpft werden. Sie führen uns immer tiefer in eine Pumpwirtschaft, die mit ihren Zinsverpflichtungen den Reichsetat von Jahr zu Jahr stärker belasten. Es bleibt unverständlich, warum die Reichsregierung zur Balancierung des Reichsetats nicht von der Erhebung neuer indirekter Steuern ab- und zu direkten Reichs- fteuern übergehen will. Von liberaler Sette wie von hervorragenden Finanzwissenschaftlern und von Finanzpraktikern ist wiederholt die Fundierung der unerläßlichen Reichsfinanzreform auf die Basis einer Reichseinkommen- und einer Reichserbschaftssteuer vorgeschlagen worden. Hoffen wir, daß die Mehrheit des neuen Reichstags diese Auffassung zu der ihren macht. Daun wird dem Lande eine Reform der Reichsfinanzen auf gesunder Grundlage am Ende doch nicht lange vorenthalten bleiben können. Als Absage an die Konigstreue faßt die sozialdemokratische „Wiener Arbeiterztg." den Ausfall der Reichstagswahl auf. Der „Vorwärts" veröffentlicht mit Behagen die nachstehende Auslassung des genannten Blattes: „Aber auch Kaiser Wilhelm hat nun seine Antwort. Er hat den deutschen Arbeitern mit väterlicher Strenge zu geredet, sich von der Sozialdemottatte abzuwenden. „Mit solchen Menschen könnt und dürft ihr als ehrliebende Männer nichts mehr zu tun haben!" So hat zu den deutschen Arbeitern ihr Kaiser gesprochen, mid nun haben sie ihm gründlich Bescheid gegeben. In den zwei Berliner Wahlkreisen, wo die ungeheure Majorität der Sozialdemokraten von vornherein sicher unb unanfechtbar war, sind heute 40 000 Arbeiter mehr als vor fünf Jahren zur Urne geschritten, nicht um den Sieg ihrer Kandidaten zu sichern, der nicht zweifelhaft war, sondern um dem Kaiser Wilhelm zu sagen, was die Ehre des deutschen Arbeiters ist. Er hat sie aufgerufen zur „Königstreue", sie sind hingezogen, um zu bezeugen, daß sie treu sind der Sozialdemokratie, treu der roten Fahne, treu der Sache der Befreiung des Proletariats." Ob es nun nicht doch, so fragt die „Kons. Korr.", einer ganzen Zahl von Mitläufern der Sozialdemokratie schwül ums Herz werden wird? gießet die Einweihung der Aismarckjaule öei Iriedtichsruh wird folgendes aus Hamburg ausführlich berichtet: In Friedrichsruh trafen, empfangen von zahllosen Schaulustigen, etwa 1000 Studenten von 44 deutschen Hochschulen ein. Der engere Ausschuß der aktiven Studentenschaft begab sich zunächst zum Fürsten Herbett Bismarck in das Schloß und trat dann mit dem Fürsten und Geheimrat Schweninger an die Spitze des großen Zuges nach dem Mausoleum. Dott angelangt, bildete die akademische Jugend einen Halbkreis und cand. ined. Rautenberg („Alemannia"-Bonn) hielt eine Ansprache. Darauf legte der Ausschuß den Kranz der deutschen Studentenschaft am Sarkophag des Kanzlers nieder, und der ganze, lange Zug desiliette durch das Mausoleum am Grabe vorüber. Während noch die letzten Korporationen ins Mausoleum gingen, trat die Spitze den Durchzug durch den fürstlichen Park, vorüber am Sterbezimmer des alten Kanzlers, an und marschierte bann weiter durch den Sachsenwald nach Aumühle, wo sich alsbald munteres studentisches Treiben entwickelte, das auch durch einen kurzen Regenschauer nicht beeinträchtigt wurde. Um 81/., Uhr stellte sich der Fackelzug auf, der schier unabsehbar war. Erst kurz vor 10 Uhr erschien die Spitze des Zuges auf dem westlich von Aumühle gelegenen, rings von Buchenwald eingesäumten Hamberge, dessen Gipfel die Säule krönt, und brachte dem Fürsten Herbert Bismarck eine Huldigung dar. Ein prächtiges Bild bot die ungeheure Schar der Chargierten, die am Fuße der Säule mit ihren Fahnen Aufstellung nahmen, während die übrigen Studenten in weitem Halbkreis herumstanden. Feierlich und ernst leitete die. Musikkapelle mit dem Choral „Ein' feste Burg ist unser Gott" die Feier ein, und mächtig schallte dann, von der ganzen Corona gesungen, das „Horch, Sturmes- flügel rauschen" in die Nachtstille hinaus. Nun trat Stud. jur. Stahl (Alemannia-Bonn) vor und hielt mit jugendlicher Begeisterung die Weiherede, in der er Bismarcks Verdienste um Kaiser und Reich pries. Herr Stahl schloß mit den Worten: „Diese Säule, die heute ihre Weihe empfängt, möge hochragende Zeiten überdauern und noch fernen Geschlechtern bezeugen, wie die akademische Jugend ihren größten Komlli- tonen geehrt hat. Zum Zeichen dessen flamme empor, du loderndes Feuer, ein Zeichen heißer Liebe und unverbrüchlicher Treue zu dem deutschen Vaterlande, das Bismarck stark und einig gemacht hat." — Am Schlüsse der Rede lodetten zum ersten male die Flammen der Säule empor, weithin alles in ein Lichtmeer tauchend. Nach der Schlüsselübergabe an den Fürsten Herbert Bismarck nahm dieser selbst das Wort: Die Flamme, welche den Hollstoß verzehrt, so führte der Fürst aus, erinnere ihn an das Wort seines Vaters: „Patriae inserviendo consumer“. Sein Vater habe die Worte „Inserviendo consumor" einst auf einer Kerze gefunden und in der Hinzufügung des Wortes „patriae“ sich feinen Lebenswahlspruch gebildet. Auch die Flamme aus dem Turme rufe ein „consumor1, ein memoriae primi cancellarü inserviendo consumor. Heute sei Sommersonnenwende. Ats der erste Kanzler des Reiches starb, sei auch eine Sonnenwende für das deutsche Vaterland gewesen. Man brauche aber deshalb nicht zu zagen. Es gebe auch eine Wintersonnenwende, von der wieder ein Aufschwung ausgehe. Er setze seine Hoffnung für die Zukunft auf die akademische Jugend. Der Jugend als der Trägerin der Zukunft gelte sein Hoch. Er nehme den Schlüssel dankend entgegen und hoffe, daß der Schlüssel zu Deutschlands Einheit und Größe stets in ebenso guten Händen sein möge wie dieser Schlüssel in den seinigen. Unter dem Gesänge des „Gaudeamus igitur“ wurden dann die Fackeln zusammengeworfen, und ein fröhlicher „Umtrunk" auf dem Platze neben der Säule hielt die Musensöhne noch lange zusammen, bis die Zeit der Rückreise nach Hamburg kam. Heer und Flotte. Aus öem Militär-Wochenblatt Nr. 63 und 64 : Deter, Oberstl. und Bats.-Kommandeur im 9. Bad. Jnf.-Regt. Nr. 170, zum Scabe des 2. Unter-Elsass. Jnk.- Regts. Nr. 137 versetzt. — Rudeloss, Haupttn. im Jns.- Regk. Prinz Moritz von Anhalt-Dessau (5. Pvmrn.) Nr. 42, zum Komp.-Chef ernannt. — v. d. O st e n, Haupttn., B aa> t h, Rittm., Adjutanten des Generalkommandos des 18. Armeekorps, zu überzähl. Majoren befördert. — v. Hagke, Lt. im Großh. Mecklenburg. Gren.-Regt. Nr. 89, in das 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168 versetzt. — Menges, Lt. im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Oberlt. befördert. — Heer, Oberst und Kommandeur des Feldart.-Regts. König Karl (x. Württ.) Nr. 13, vom Kommando nach Württemberg enthoben und zum Kommandeur der 9. Feldart.-Brig. ernannt, mit der Uniform des 1. Großh. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 25 (Großh. Hess. Art.-Korps). — Volley, Oberlt. im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) 9tr. 116, für die Zeit vom Schluß der Uebungyreife der Kriegsakademie bis zum 15. August 1903 auf ein Schiff des 1. Geschwaders kommandiert. — v. Eisenhart- Rothe, Lt. im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, v. Freyhold, Lt. im 2. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Leib-Drag.'Regt.) Nr. 21, ein Patent ihres Dienstgrades verliehen. — Hiepe, Oberst uud Brigadier der 10. Gend.- Brig. (Hannover) der Rang eines Regis. Kommandeurs verliehen. — F r h r. Röder v. Diersburg, Diitgl. Bekleidungsamts des 15. Armeekorps, unter Verleihung deS Charakters als Major und mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 1. Großh. Hess. Jns.--(Leibgarde-) Regts. Nr. 115 der Abschied mit Pension bewilligt. — Bopp, Oberlt. der Res. des 2. Großh. Hess. Draa.-Regts. (Leib-Drag.-Regts.) Nr. 24, zum Rittmeister, die Lts. der Res. Wolff (Willi) des 1. Großh. Hess. Inf. (Leibgarde-) Regts. Nr. 115 (Elberfeld), Schröder, des Jns.-Leib-Rgts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 (Göttingen), Scheel desselben Regts. (Erbach), Disch des Großh. Hess. Train- Bats. Nr. 18 (Mainz), Olbricht des Gren.-Regts. König Friedrich III. (2. Sch les.) Nr. 11 (Gießen), Jordan des 2. Els. Pion.-Bats. Nr. 19 (Worms), P l a t h o, Lt. der Landw. Inf. 1. Aufgeb. (Mainz), zu Oberlts. befördert. — Dr. Richter, Unterarzt der Res. (Gießen), zum Assist.-Arzt ernannt. — Dr. B e y e r l e, Dr. Schwan, Stabsärzten der Landw. 1. Aufgeb. (I Darmstadt), Dr. Langsdorf, Oberarzt der Landw. 2. Aufgeb. (I Darmstadt) der Abschied bewilligt. Äirche und Schule. Professor August Engelien f. Einer der bewährtesten Männer auf dem Gebiete des Bolksschulwesens, der Rektor August Engelien, ist in Berlin, 71 Jahre alt, nach längeren Leiden gestorben. Am 1. April d. I. hatte er sein fünfzigjähriges Lehrerjubiläum gefeiert und war dann in den Iiuhestand getreten. Anläßlich seines Jubiläums wurde er zum Professor ernannt — es war dies der erste Fall, daß ein Rektor oder Lehrer der Gemeinüe- schule derartig ausgezeichnet wurde. Aus Kluöl und Kund. Gießen, 24. Juni 1903. Reichstagswähler! Erfüllt Eure Pflicht am Stichwahltage, Donnerstag den 25. Juni l Die Wahrscheinlichkeit des Sieges wächst, sobald alle bürgerlichen Wähler in Stadt und Land ihre Stimmen abgeben. Bleibe also Niemand zu Hause, der eine Stimme abzugeben hat! Das Wahlrecht legt Jedem auch die Wahlpflicht auf. Der Kandidat der vereinigten bürgerlichen Parteien des Wahlkreises Gießen—Grüuberg—Nidda ist Herr Kommerzienrat Louis Heyligenstaedt in Gießen. Die Herren Vertrauensmänner der politischen Parteien in den übrigen oberhessischen Wahlkreisen werden gebeten, die Wahlresultate am Abend des morgenden Wahltages umgehend telegraphisch der Redaktion des „Gieß. Auz." bekannt zu geben. ** Zur Stichwahl. Zu der am Donnerstag den 25. Juni statt findenden Stichwahl sei auf verschiedene Anlagen folgendes bemerkt: Jeder Wähler hat die Berechtigung und moralische Verpflichtung, zu wählen, auch wenn er in der Hauptwahl nicht gewählt hat. Die Wahllokale, Wahlvorsteher bleiben dieselben wie in der Hauptwahl, selbstverständlich auch die Einteilung der Wahlbezirke. Ber der Hauptwahl hat es sich herausgestellt, daß eine Anzahl Wähler den Versuch machte, die blauen Kuwerts zuzukleben; da die Kuwerts nicht mit Klebstoff versehen sind, so ergaben sich daraus Unbequemlichkeiten für die Wahlvorsteher. Bei der Stichwahl kommen jedenfalls dieselben Kuwerts nochmals zur Verwendung, wir brauchen daher kaum darauf hinzuwcisen, daß sich der Versuch des Zuklebens am Donnerstag noch weniger empfehlen dürfte, sei es auch nur aus sanitären Gründen. ** Im Garten des neuen Saalbanes fand gestern abend ein Konzert des Trompeterkorps des Husarenregiments Nr. 13 statt. Die kühle Witterung war schuld daran, daß die Besucher nicht so zahlreich erschienen, wie es sonst wohl der Fall gewesen wäre. Die aber gekommen waren, hielten zum größten Teil aus bis zuletzt, trotzdem man in der späten Abendstunde allerdings etwas fröstelte. Die Darbietungen waren aber sehr ansprechend. Besonders die Wagnermusit wurde sehr gut wiedergegeben. Das Piston- Solo des Stabstrompeters Otto Heinrich selbst, der das Konzert kettete, sand viel Anklang. Fröhliche Sttmmung herrschte zuletzt, als ein alter, weißbärtiger Herr sich vom Kapellmeister für einige Stücke den Tattstock reichen ließ und unter denr größten Beifall der Zuhörer einige flotte Weisen äußerst enthusiastisch dirigierte. Viele Extraspiele wurden auf allgemeinen Wuusck eingeschoben. ** Feriensonderzüge. Äon der Eisenbahndttektion Frankfurt wird uns geschrieben: Zur Erleichterung des Besuches der deutschen Nordseebäder, solvie des Besuches von Kiel. und Glücksburg wird am 6. Juli abends 9 Uhr 18 Min. von Frarrkfurt a. M. Hcuiptbahnhof ein Sonde rzug nach Hamburg über Gießen—Eassel— Hannover abgelassen, welcher am folgenden Tage vormittags 9 Uhr in Hannover Hauptbahnhof eintrifft. Zu diesem Sonderzuge gelangen in Frankfurt a. M. Hauptbahnhof und Gießen ermäßigte Rückfahrkarten nach Hamburg mit 45tägiger Gülttgkcitsdaucr zur Ausgabe. In Hamburg stehen ermäßigte Rückfahrkarten nach Helgoländ, dtorderney, Westerland, Wyk a. Föhr, Borkum re., ferner nach Kiel, Cuxhaven und Glücksburg zur Verfügung. Das ''Nähere ist im amtlichen Reisebureau zu Frankfurt a. M. (Hauptbahnhof), sowie im Verkehrsbureau in Frankfurt, tzedderichstraße 96, zu erfahren. ** Der Eisen bahn verein Gießen unternahm am 14. und 2L d. Mts. ferne seit einigen Jahren so beliebt gewordenen Sommerausflüge. In je zwei von der Königl. Eifenbahndirektion Frankfurt a. M zur Verfügung Lc- stellten Soiiderzügen fuhren die Verettlsmttglittrer unb deren Familienangehörige nach Dillenburg, dem diesmal gewählten Reiseziel und marschierten unter Vorantritt der Kapelle des hiesigen Infanterie-Regiments zu dem herrlich am Walde gelegenen Kurhaus, welches die Stadtverwaltung bercttwllligp zur Benutzung freigegeben hatte. Die vorzügliche Bewirtung durch die Pächterin des Kurhauses, welche in ihrer schweren Aufgabe, einen Ansturm von jedesmal ungefähr 1800 Menschen ohne Stockung zu bewältigen, durch die Oranienbrauerei wirksam unterstützt wurde, ließ alsbald eine recht vergnügte Stimmung platzgreisen. Kinderspiele, geleitet von sachkundiger: Mitgliedern des hiesigen Turnvereins, boten den lieben Kleinen Gelegenheit, ihre jugendlichen Kräfte miteinander zu messen; die Sieger wurden durch praktische und geschmackvolle Preise ausgezeichnet. Auch das unvermeidliche Tänzchen, an welchem die Jugend sich vergnügt., fehlte nicht. In licbciiswür- äiger Weise hatte die Stadtverwaltur^ du: BeftchttMrig des Wilh elmsturmes mit den darin unter geb rächten historischen Sammlungen sowie der Schloßgewölbe gegen bedeutend ermäßigtes Eintrittsgell') ^eflotiet; von dieser Vergünstigung wurde ausgiebiger Gebrauch gemack)t. Zu früh rückte jedesmal die Stunoe des Abschiedes heran; mit Musik und Gesang ging es abends durch den prachtvollen Hochwald über &ie Adolfsyöhe zum Bahnhof zurück, woselbst die Sonderzüge zur Aufnahme der Mitglieder bereit standen, um sie der Heimat wieder zuzuführen. Lange noch werden die Teilnehmer dieser vergl ugren Stunden gedenken und darüber nacgjinnen: wohin wird der Eisenbahuverern wohl im nächsten ^ahre den -sommerausfiug unternehmen'? ** Der Gardeverein Gießen unternahm am verflossenen ©viuitag einen Aussig naaj der ,ogen. dicken Eiche, einem yerrli^en P.ätzchen mitten im Hochpmid, in der Nähe von Bubenrod. Trotzdem das Wetter kein sehr freundliches Gesicht zeigte, erfolgte nachm. 1.45 Uhr die Abfahrt nach Lieber unter ganz guter Berenigung. Der alsdann eingefchlageue Weg dura) ^lubec uno Hof Haina mar, wenn es auch nachts vorher in Strömen geregnet hatte, ganz trocken, und es schloffen sich unter Vorantritt der hiejigen Feuerwehrkapelle, den Vereinsangehörigen, eine große Zahl geladener und ungeladener Gäste an, welch letztere, durch die fröhlichen Marschweifen der Musik herbeigelockt, tapfer mit marschierten. Oben angekommen, entspann sich bald ein reges Treiben bei Musik und Tanz. Der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Kteulhenn, hielt eine kernige Ansprache, bei der er die dicke Eiche ein Symbol der Stärke, Kraft und Zusammengehörigkeit nannte und als Vorbild pries. Ein von ihm für den Tag besonders verfaßtes Lied flocht er dabei geschickt in seine Rede ein, welche in ein Hoch auf Kaiser, Fürst und Vaterland äusklang. Allen Teilnehmern wird der so hübsch verlaufene Tag lange im Gedächtnis bleiben. r. Wiese ck, 24. Juni. Das 41. Stiftungsfest des Turnvereins ist, abgesehen von ungünstiger Witterung, sehr gelungen verlaufen. Programmgemäß zog Samstag abend der Verein unter Vorantritt seiner jugendlichen Spielleute und der bewährten hiesigen Kapelle, gefolgt von Jung und Alt der Einwohnerschaft, nach dem von der Firma Richard Fertsch prachtovll elektrisch beleuchteten Festplatz, wo leider die turnerischen Aufführungen ausfallen mußten, denn man konnte fürchten, die von allen Seiten kommenden Gewitter mit strömendem Regen würden den Festplatz in einen See verwandeln. Bei etwas besserer Witterung begann Sonntag morgens 8y2 Uhr unter ^hlreicher Beteiligung des Turnvereins Alten- Buseck das Wett turnen, wobei August Lotz-Wieseck den 1. Preis errang. Mittags gegen 2 Uhr bewegte sich ein imposanter Festzug nach dem Festplatz, wo nach Absingen des Festliedes „Turner auf zum Streite" der erste Sprecher Louis Daupert eine mit großem Beifall aufgenommene Festrede hielt, in welcher er besonders die Entstehung der Turnerei beleuchtete, sowie auf die dem Verein aufgedrungene isolierte Stellung hinwies und, der edlen Sache eingedenk, zu festem Zusammenhalten aufforderte. Bald herrschte unter Musik, Gesang, Schauturnen und Spielen aller Art eine festliche Sttmmung. Besondere Erwähnung verdienen die von Lumwart Schomber geleiteten Stabübungen, Fackelreigen, sowie der prachtvoll arrangierte, mit großem Beifall aufgeführte Schnittertanz. Beginnend mit Frühkonzert, brachte uns der zweite Festtag Volksbelustigung aller Art, sowie ein von Herrn Bourgeois Gießen aogebranntes großartiges Feuerwerk. n. Hattenrod, 22, Juni. Der hiesige Gesangverein „Eintracht" feierte gestern und heute fein 2bjähriges Stiftungsfest. Seit 15 Jahren war hier kein Fest abgehalten worden, sodaß denn auch jung und alt am Feste teilnahm; die Sttaßen waren mit Tannenbäumchen, Ehrenpforten und Guirlanden aufs schönste geschmückt und jedes HnuS gegiert mit Kränzen und Fahnen. Um 2 Uhr bewegte sich ein langer Festzug durch das Dorf; es waren außer dem hiesigen Gesang- und Kriegerverein 18 auswärtige Vereine erschienen, und zwar aus den Orten: Reiskirchen, Burkhardsfelden, Ettingshausen, Harbach, Saasen, Bersrod, Geilshausen, Beuern, Großen-Buseck, Atten-Buseck, Klein-Linden, Garbenteich, Albach, Steinbach und Birklar. Von 3 bis 5 Uhr währten die Gesangsoorträge der Vereine; es wurde durchweg gut gesungen und es gelangten fast nur Volks- und Vaterlandslieder zum Vortrag. Bürgermeister Rock begrüßte die Festgäste, worauf Fräulein Launspach die von den Frauen und Jungfrauen gestiftete Fahnenschleife in den hessischen Farben überreichte. Ihr Hoch galt dem festgebenden Verein. Präsident Neeb schildette in kurzen Worten die Geschichte des Vereins. Die Festrede hielt Lehrer Graulich, der die edle Bedeutung des deutschen Liedes mit schwungvollen Motten zeichnete und mit einem Hoch auf dasselbe schloß. Die Sängertttbüne war mit Fahnen, Kränzen und Tannengrün prächtig geschmückt. Ein Karuffell, Panorama, eine Schießbude sorgten für Unterhaltung und Vergnügen. -k Ettingshausen beiLich, 23. Juni. Die Wasserleitung ist nunmehr mit einem Kostenaufwand von rund 50 000 Mk. vollendet. Jeder Ottsbürger erhielt den Haus- anschluß kostenlos. Die Quellen liegen in der Gemarkung Queckborn. — Die Nachbargemeinde Münster plant ebenfalls den Bau einer Wasserleitung, die zu 30 000 Mk. veranschlagt ist. Die Quellen befinden sich in dem ehemaligen Braunkohlenbergwerk „Hessenbrückerhammer". § Bad-Nauheim, 24. Juni. Der Verein hessischer Geometer 2. Kl, welcher in 1897 gegründet wurde und jetzt über 100 Mitglieder zählt, hielt am 21. Juni im „Äjüringer Hof" zu Bad-Nauheim seine diesjährige Hauptversammlung ab. Sie war sehr gut besucht und nahm einen schönen Verlauf; neben der satzungsmüßigen ^ges- ordnung wurde über die Austellungs- und Gehaltsverhält- nisse der staatlich verwendeten Kollegen, über den Anschluß an die allgemeine Lemntcnsterbekasfe usw. beraten. Definitive Beschlußfassung in letzterer Hinsicht soll durch die demnächst in Darmstadt stattfindende Versammlung erfolgen. -1- Bad-Nauheim, 24. Juni. Hier wird eine neue katholische Kirche erbaut bei dem Zander-Institut. Die ebenfalls geplante neue evangelische Kirche kommt an die Parkstraße, wo das alte Kurhaus steht. k- Fried berg, 23. Juni. Gelegentlich der Enthüllung deL Kriegerdenkmals am 19. Juli findet eine Zusammenkunft des ehemaligen Hessischen Garde- Jäger-Bataillons statt, das vor dem Feldzuge hier garn^oniette. Der Appell der Jäger ist vormittags um 11 Uhr in Steinhäusers Biergatten. Am Nachmittag findet der Festakt am Tcnkmalsplatz in der großen Allee statt. 9iach der Enthüllung des Denkmals bewegt sich der Festtug aus die städtische Seewiese, wo ein großes Volksfest abgehalten wird. — In Okarben wird am nächsten Sonntag ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Mit dieser Feier ist das Bezirksfest des Kriegervereinsbezirks Vilbel verbunden. Vermischtes. * Trier, 23. Ium. Ter Arzt Dr. Hammann in Wittlich stürzte bei Altrich auf der Fuhrt zu einem Kranken von seinem Rade zu Tode. * Weimar, 22. Juni. Im hiesigen Hoftheater fand dieser Tage zum Vorteile des Karl Alexander-Denkmalfonds ein stark besuchtes Festkonzert statt, das vom vereinigten C. C. des Verbandes färben- tragenderSänger schäften deut sch erUniversi- täten bei Gelegenheit ihrer ersten Bundes feier veranstaltet war. Auf dem Kommers des Verbandes farbentragender Sängerschaften hielt Ernst v. W i l d e n b r u ch eine Ansprache, aus der folgende Stelle besondere Hervorhebung verdient: „Deutsche Studenten, Brüder! Heute seid ihr Jünglinge, einst werdet ihr Männer fein. Wenn die Zeichen der. Zeit nicht trügen, werdet ihr als Männer einen schweren, einen gewaltigen Kampf zu kämpfen haben: Ihr werdet zu kämpfen haben für die Individualität gegen die erdrückende Masse, für den Kulturgedanken, Vaterland und Gesellschaft gegen kulturzerstörende Barbarei des Egoismus. Es wird ein Kampf sein um die heiligsten Güter nicht Deutschlands nur, sondern der Menschheit, und wenn nicht alle Zeichen trügen, wird dieser Kampf um die Seele der Menschheit, wie in früheren Jahrhunderten schon mehrfach, auch jetzt wieder in Deutschland ausgefochten werden. Und ihr, ihr werdet die Kämpfer fein, auf euren Schultern werden die ungeheuren Ausgaben ruhen. Ein Kampf um ideale Güter im höchsten Sinne des Wortes, das wird euer Kampf dereinst sein. Zu solchem Kampfe braucht man geistige, ideale Waffen. Stärkt eure jungen Herzen und Seelen mit großen, mit ewigen, unsterblichen Gedanken. . . Ihr habt euch heute mit zwei Bundesgenossen vereint, die euch Helfer sein und bleiben können euer Leben lang, mit zwei unsterblichen Gewalten des deutschen Geistes, Begeisterung und deutschem Gesang. Es werden euch, wenn ihr älter werdet, noch andere Kräfte zur Seite treten: wägender Verstand, berechnende Tatkraft. Aber laßt keine Stunde kommen, wo eine andere Kraft in euch Gewalt gewinne über das Grundelement der deutschen Seele, die Begeisterung! Keine Stunde, wo die Begeisterung in euch verstummte, und den Ausdruck nicht mehr fände, von Gott ihr gegeben, den Gesang. Deutschland ohne Begeisterung ist nicht Deutschland mehr! Deutschland ohne deutsches Lied ist ittcht Deutschland mehr! Deutschland, das nicht mehr jung ist, ist nicht Deutschland mehr!" Mit dem Appell: „Deutsche Jugend, bleibe jung!" schloß die Ansprache des Dichters. * München, 23. Juni. Heute nachmittag hat ein 30jähriger Buchbindergehilfe aus Leoben in Steiermark seine (beliebte, eine Krämerstochter, aus Eifersucht auf offener Straße, nur wenige Schtttte von einem Schutzmann entfernt, durch einen Dolchstich ins Herz getötet. Alsdann brachte er sich selbst eine anscheinend schwere Stich» wunde in die Herzgegend bei. Er wurde festgenommen und zunächst in die chirurgische Klinik verbracht. * Marseille,23. Juni. Gestern wurden von Tauchern neun Leichen von der ,Liban"-Katastroph e geborgen. Eine derselben wurde 250 Meter von der Unfall- stelle entfernt aufgefunden, woraus man schließt, daß noch mehrere Leichen weiter geschwemmt wurden. ♦ Prinzessin Luise. Aus einem Briefe aus Schloß Ronno ist zu entnehmen, daß die Prinzessin Luise von Toscana vor ihrer Abreise von Lindau zwei Tage mtt ihrem Vater verbrachte. * Künstlerpech. Der Bildhauer Antonin Merci6 in Paris hatte auf Best ellun g des Konigs Alexander von Serbien hin kürzlich eine Reitersta tue seines Vaters, des Königs Milan, vollendet, und war im Begriff, nach Belgrad abzureisen, um selbst der Errichtung seines Werkes au der Donau beizurvohnen, als die Mord künde eiintraf. Es fragt sich jetzt, was aus der Statue werden soll. Der Künstler hofft wider alle Wahrscheinlichkeit, der Zom der Serben werde sich in nicht allzu langer Zeit legen und dann werde seinem Bildwerke auch die verdiente Würdigung zutell werden. Einstwellen' muß der Bildhauer sich damit begnügen, für den rumänischen Gesandten in London, Catargi, einen Großonkel des Känigs Alexander, eine Reduktion des Reiterstandbildes auszuführen. Von dieser Seite soll ihm auch ein Vorschlag behufs Entschädigung für seine Unkosten gemacht worden sein für den'Fall, daß die serbische Regierung nicht dafür aufkommen wollte. * Lynchju sttz in Amerika. Zweitausend Bewaffnete brachen in das Gefängnis von Newcastle im Countt Delaware ein, holten einen Neger heraus, der des Lustmordes an einer achtzehnjährigen Pastorstochter beschuldigt war, warfen ihn in ein hohes Holzfeuer und feuerten Kugeln in den Leichnam. Der Neger war geständig. Kunst und Wiffenschlyl. Eine Gottschall-Spende. Wie aus Leipzig gemeldet wird, gedenkl man dem greisen dortigen Dichter Rudolf von Goll schall, der sich noch als fast Achtzigjähriger durch kritische Tätigkeit mit der Feder ernähren muß, nachdem er beim Leipziger Bankkrach beinahe sein ganzes Vermögen verlor, an seinem 80. Geburtstage (30. Sept. L I.) eine größere Gelchpende zu unterbreiten. Zu diesem Zwecke steht in der Leipziger Presse in nächster Zeit eine Ankündigung bevor, in der weiteste Kreise für diese „Rudolf v. Gottschall-Aammlung" interesiiert werden sollen. Gerichtssaal. Berlin, 23. Juni. Im Prozesse gegen den Rechts anwalt Liebling und den rumänischen Agenten Eovo wegen Erpressungsversuchs und Betrugs verurteilte der Gerichtshof jeden der Angeklagten zn ein Jahr drei Monaten Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) L. L, 99. Selbstverständlich hat Eugen Richter als Haupt der Freisinnigen gegen die ganze Zolltattfvorlage geftimmi. — Jin Mai 1893, also unter der Regierung Wilhelms 1L, ist infolge der Ablehnung der Militärvorlage der Reichstag zum letzten Male aufgelöst worden. Die schmutzigsten Schürzen, Küchen- u. Leibwäsche faim von fernem Waschmittel leichter, rascher und bequemer gereinigt werden, als durch Kochen mit der überall so beliebten Gwth's Teigselfe, ©icbt der Wäsche einen angenehmen Geruch. Preis per Packet 20 Pfg. Fabrikant: I. Gioth, Hanau a. Ac. 3735 Bekanntmachung, die Neichstagswahl betreffend. Bei der am 16. laufenden Monats stattgefundenen Wahl in dem I. Wahlkreis des Großherzogtums Hessen haben von 16624 gültig abgegebenen Stimmen erhalten: 1. Stadtverordneter Eduard Krumm in Gießen 6025. 2. Kommerzienrat Louis Heyligenst-aedt in Gießen 5355. 3. Bürgermeister Philipp Köhler in Langsdorf 5123. 4. Kaufmann Joseph Molthan in Mainz 105. 5. Andere Personen 16. Da hiernach eine absolute Stimmenmehrheit auf keinen der Kandidaten gefallen ist, ist die Vornahme einer engeren Wahl zwischen den höchstbestimmten Stadtverordneten Eduard Krumnl und Kommerzienrat Louis Heyligenstaedt in Gießen auf Donnerstag, den 25. Juni 1903 festgesetzt worden. Alle auf andere Kandidaten fallende Stimmen sind hierbei ungültig. Die Abstimmung beginnt um 10 Uhr vormittags und wird um 7 Uhr nachmittags geschlossen. Die Wahl findet auf denselben Grundlagen und nach denselben Vorschriften statt, wie die erste Wahl. Insbesondere bleiben die Wahlbezirke, die Wahllokale und die Wahlvorsteher unverändert. Bei der engeren Wahl werden dieselben Wählerlisten angewendet, wie bei der ersten Wahlhandlung. Eine wiederholte Auslegung und Berichtigung derselben findet nicht statt. Gießen, den 22. Juni 1903. 4958 Der Oberbürgermeister: 2*ccum. 4988 teiligten Grundbesitzer. Gießen, den 22. 2»^ 1903. Der TDerbürgermeister: Mecu m. Bekanntmachung, die Jeldbereinianng in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn betreffend. Die nachstehende Bekanntmachung des Grogy. Jeldbereinigungs- Kommissärs zu Friedberg bringe ich hiermit zur Kennlms der be= Bekanntmachung. Vetr. Wie oben. m , o Mit Rücksicht aus die am 25. Ium l. I. ftattsmdende Reichs- tagssttchwahl wird der auf diesen Tag anberaumte Termin zur Entgegennahme der Wünsche bezüglich der Zuteilung un obigen 3mti l. 3., vormittags 10Vz bis liy, Uhr, Friedberg, den 19. Juni 1903. Der Großh. Feldberemigungs-Kommlssar: (gez.) Spam er, Kreisamtmann. Bekanntmachung. Gärtner, sowie Gewerbetteibende, die sich mit Herstelliing uon Grabeinfassungen oder Grabdenkmälern beschäftigen, bedürfey nach § 44 der Friedhofs- und Begräbnisordnung voni 1. Juli d. I. ab zu Arbeiten auf den hiesigen Friedhöfe,i einer Erlaubniskarte. Anmeldungen zur Erlangung einer solchen werden im Bürger- meistereigebäude, Zimmer Nr. 13, entgegengenommen. Gießen, den 22. Juni 1903. 4982 Der Oberbürgermeister. Mecum. Vergebung Von Bauarbeiten. Zur Erbauung der Universitäts-Bibliothek in Gießen werden folgende Arbeiten des inneren Ausbaues auf Grund des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 hiermit öffentlich ausgeschrieben. Putzarbeiteu. Los I: 7030 Qu.-Mt. Wand- und Deckenputz, , II: 2550 , , „ III; 1370 „ äußerer Terranoverputz. Rabitzarbeiteu. 164 Qu.-Mir. Gewölbe, 120 Qu.-Mtt. Wände. Stuckarbeiten. 655 lfd. Mtr. Gesimse und Bauten. Thürumrahmungen. 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