ßte sagen men: Böcher, I t l V» $ Ä inner lviaun, lonöwoutemem^urtoii wnr,Mianbmvelugei(Ut , tyt M2Hii b. &P-fr Al Hof 3821 tfin Mädchen jucht Ku JonniliaflMlunbtn taulntüt itlöl einem verhri- ct raiet.'LIa>m in sichern una 250 Mort gelten jNl* mo'w"^'hb2h'f 8367 jenen erbeten „ ittoedmon b-JL--- 6t®«11*'1 amStag de» |udien eine e|ikhciten mit in das Verzeichnis ausgenommen haben, für deren Heilung die Kassen bie Kosten zu zahle» haben, liegt in ihr« U ebertragbar leit. ES liegt also ein wichtiger hygienischer Grunb vor. Dieser Grunb fallt bei b« Trunk- sälligkeit fort denn bicsc Krankheit wirkt nur in moralischem Sinne Durch bad schlechte Beispiel ansteckenb. Tie große Mehrheit b« verbüiideten Regierungen hat sich gegen ben Antrag Esche ausgesprochen. Aber auch burch diesen Antrag wirb bie Frage nicht gelöst, denn es würde doch ausgeschlosien sein, daß eine solche Person das Krankengeld in die Hand bekäme; es sind gewohnheitsmäßige Trinker, di- das Geld sofort wieder vertrinken würden. Man könnte dem liebel nur dadurch beikommen, daß man diese Personen in ein Trinkerasyl schickt, aber Deren Unterhaltung ist ganz auß«- ordentlich kostspielig, und» die Kassen resp. die Gemeinden würde» dadurch erheblich belastet werden. Ich zweifle auch daran, ob man bie Leute zwingen tonn, in ein Trinkerasyl zu gehen, benn ein Trinlerasyl ist doch etwas ganz AnbereS, als ein Krankenhaus. Wollte man den Zweck «reichen, den bie Antragsteller beabsichtigen, so mußte man Bestimmungen treffen, baß solche Personen zwangsweise in eine Trinkeranstalt gebracht werben können. AL« ich glaube, biete Frage ist noch lange nicht geklärt, Weber in ihrem Derth noch in ihren finanziellen Folgen, unb ich mutz Sie bah« dringend bitten, den Antrag abzulehnen. Abg. Esche (nat.-lib.j: Nach ber Erklärung beS StaatSsckretärO ziehe ich meinen Antrag zurück; ich hoftc aber, baß ber Staatssekretär Doch mal zu d« Ueberzeugung kommen wird, baß mein Antrag eine Nothwendigkeit ist. Abg. Beckh (freif. Vp.): In betn sozialdemokratischen Antraa findet sich die gleiche Forderung, ich Werde dafür stimmen. Auf eine Novelle kann ich mich nicht vertrösten lasien, sondern wir müsien hier die Gelegenheit beim Schopfe ergreifen, zumal da die Mehrheit in der Kommisiion, die gegen den Antrag gestimmt hat, nur eine Zufallsmajorität war. Was ist eigenUich Lrunkfälligkett? (Heft«* leit.) Ist schon Jemand trunkfällig, der einmal ein Räuschchen nach Hause bringt? (Heiterkeit.) Der Begriff ist ein ganz vag«. Und schon aus diesem Grunde muß er aus dem Gesetz entfernt werden. Aus wohlerwogenen sittlichen Gründen bitte ich Sie, diese Worte zu streichen. Abg. Stadthagen (Soz.) bezeichnet die qu. Bestimmung al» eine ungerechte. Tas Wo« „trunlfäüig" ist sehr unbestimmt. Nimmt man das Wort wörtlich, so sind wir Alle trunkfällig. Wir rrinten Alle, wenn wir Durst haben; also wenn d« Trunk fällig ist, dann soll man den Durst löschen. (Heiterkeit. Ruf: Aul Aul) Was soll uns alfo dieser Begriff in diesem Gesetz? Wir wollen doch nicht neben dem Strafgesetz noch neue Strafgesetze hi« machen! Die Geheimräthe Dr Beckmann und Casper bleiben bei der zunehmenden Unruhe des Hauses unverständlich. Sie scheinen sich auf die Ausführungen des Abg. Stadthagen z» beziehen. Nach wetteren Bemerkungen des Abg. Roesickc-Dessau (freif. Vgg.) unb deS Abg. Molkenbuh* (Soz.), benen noch Berichterstatter Abg. Hofmann »Dillenburg (nat.-ltb.) ein Schlußwort anfügt, wirb ber vom Abg. Beckh wieder aufgenomene Antrag Esche auf Streichung der Worte „burch Trunkfälligkeit" gegen bie Stimmen b« gelammten Linken, ber National-Liberalen unb einiger Cen- trumeaogeordncten abgelehnt. § 6a wttd in ber Kommissionsfassung angenommen. Hierauf wirb bic Deitcrb«athung auf Freitag 1 Uhr bei« intervallum? Für ben Antrag Raab treten meine Freunde auch ein, sie halten ihn sogar dttekt für notwendig. Im Uebrigcn beschränken sie sich völlig auf die Kommissionösassung. Abg. Frhr. v. Richthosen-Damsdorf (kons.): Heber die sozialdemokratischen Anträge wäre jedes Wort zu viel. Diese sind ja doch nut für die Wahlen gestellt. WaS den Antrag Raab betrifft, so müßte ich im Prinzip eigentlich gegen ihn stimmen, ba « ben Rahmen ber Vorlage überschreitet. Doch bin ich auch für ben- felben, wenn bie Regierung wesentliche Bebenken gegen ihn nicht äuß«t. Abg. Albrecht (Sog.) polemisitt gegen ben Abg. Gamp. Seine Ausführungen üb« Kleinbauern unb Handwerk« sähen doch sehr nach Wahlrede aus. Abg. Franken (natdib.): Meine Freunde werden dem Gesetz in b« Kommissionsfasiung zustimmen, obgleich es nur ein Notbbehelf ist, unb alle Abänberungsanträge ablehnen, ba biete das Zustanbe- kommen be5 Gesetzes gefährben. Nur dem Anttag Raab werben wir zusttmrnen. Abg. Dr. Haffe (nat.-lib.) bebau«t, baß bie Aerztefrage nicht auch einer Regelung unterzogen worben sei. Damit schließt bie Debatte. Die sozialdemokratischen AbänderungsMittage werden ab - gelehnt. Der Antrag Raab wird nahezu einstimmig angenommen und mit ihm der nunmehr umgeitaltctc § 1 beS Gesetzes. § 6 enthält bie wichtigste Bestimmung ber Novelle, nämlich bie Verlängerung ber Zett für bie Krankengelb gezahlt wirb, von 13 auf 26 Wochen. Abg. Dlolfenbnbr (Soz.) befürwortet zu diesem Paragraphen einen Anttag, daß den Kranken auch Krücken, Stützapparate und bergl. von du Kasse gdiefat werden. Fern« beantragt er, baß ben Wöchnerinnen für 6 Docken Krankengelb gezahlt werben soll, unb baß ein Sterbe gelb an alle Mitglieder von mindestens 50 Mk. gezahlt werben muß. Rebner führt aus, baß man von einer Wohl- lhat bes Gesetzes gar nicht sprechen könnte, ba bie Arbeiter nur 1 Million bekämen, während sie 4 Millionen mehr bezahlen müßten. Staatssekretär Graf Poiadowsky: Tie verbündeten Regierungen sind ber Ansicht, daß auf dem Gebiete ber Krankenversicherung noch viel gebesic« werden kann und gcbesiert werden muß. Aber alle diese Anttäge, die von den Sozialdemokraten gestellt sind, werden sich ohne erhebliche Erhöhung der '.Beiträge absolut nicht durchführen lasien. Es handelt sich hier gar nicht um eine Frage der Humanität, sondern um eine finanzielle Frage. Denn Sie alle diese Vermög« sie doch nml) heraus erklären, damit ttrir uni mit ihnen nidji mehr Muhe zu geben brauchen! Für den Antrag Staab sind auch meine Freunde, und ich freue mich bar über, dah anscheinend eine Majorität für ihn vorhanden ist. Schwi«ig« liegt bie Sache bet ben landwirthschaftlichen Arbeitern. Niemanb von und sträubt sich gegen eine intensivere Kranke »für sorge für bieselbcn. Nur glauben wir nicht, daß diese» auf dem von der Regierung biSh« eingeschlagenen Dege zu geschehen hat. Es scheint eine fixe Idee beim Abg. Suck>thagen zu sein, daß die Gi. ßgrundbcsitzcr eine Krankenfursorge ihr« Arbeiter nicht wollen. Jrn Gcgemdeil, diese haben b«eit5 für ihre Arbeit« so gesorgt, wie nur möglich, ganz freiwillig. Aba diese obligatorisch zu macken, das geht nicht so ~~ je Reihe von Faktoren kommt hi« in Nolilische Tagesschau. Alle Kräfte für die kowmeude NeichStagßwahl kuckt die Sozialdemokratie mobil zu machen. Sch)n lange hat sie danach getrachtet, die Frauen in^den Tienst der Agitation zu spannen. Jetzt Hut nun die Soziuldemo- katie den ersten Fr a u e n -W a h l v erein in Berlin gegrünte!; sie stützte sich bei der Begründung auf die Bestimmung deS § 21 des Veremsgefetzes, wonach Dahlvereine den Beschränkungen des § 8 des Vereinsaefetzes nicht unterliegen. Rach den Reichslagswahlen sollen diese Frauen- vercine sich wieder auflösen. In dem großen Saale, in dem diese neue Bereinsgrundung zjt sich ging, waren nach Meldungen aus Berlin nur sehr wenige Personen da. Unter tiefen wenigen be-and sich eine ganze Anzahl Männer und die sozialdemokratischen Agitatoren im Untcrrjcfc, die Ihrer, Wengels, Zetkin, Baader waren unter sich. Als Redner hatte man sich Stadthagen verschrieben, tiiara Zetkin suchte in ihrer temperamentvollen Manier bie anwesenden Frauen für die Idee zu erwärmen; die Gründung des sozialdemokratischen Frauenvcreius wurde b.sd,lassen, aber mehr als zwei Dutzend Frauen sind nicht beigetreten. Tie Frauen sind eben, das zeigt auch diese Neugründung, für die politische Agitation zu allen Zeiten schwer zu haben gewesen. In Tempelhof hatte ter Amtsvvrtteher die Versammlung, in welcher bie Gründung eines Frauenwahlvereins vorgenommen werden sollte, verboten. Eine schwere bri ische Niederlage im Somalilavde. Oberst Swann telegraphiert an das englische Kriegsamt aus Bohotle: Tie fciegende Kolonne unter Oberst C o b b e, welche am 10. April Galadi verließ, um den Weg nach Walwal zu erkunden, erlitt am 17. April eine schwere Niederlage. Oberst Cobbe, der sich am 17. früh in (_»amburru befand, hatte den Bcsch.uß gefaßt, nach Galaoi z_. üttzukehren wegen der großen Schivierigieiten, kiekte „...t ^us>.lärungsmarsa,e auf Walwa! entgegen,.anden, und reegen Wassermangels. Als er eben obrüaen wollte, hörte er aus der Richtung, wo sich eine kleine Abteilung unter Hauptmann Llivcy befand, Gewehrfcuer. Er entsandte um 9Vt Uhr Cber ft Plunkett mit 160 Mann afrikanischer Schützen, 43 Sikhs und zwei Maximgeschützen, um Olivey zu befreien, der aber tatsächlich nicht angegriffen war. Um ll»/< Uhr mittags wurde wiederum heftiges Gewehrfeuer aus ter Richtung vernommen, wobin Plunkett entsandt war. Später trafen Flüchtlinge ein, welche berichteten, daß Plunkett mit Verlusten geschlagen sei. Nach weiterhin eingegangenen Nachrichten ist Plunketts Truppe bisauf37Mann vollständig aufgerie6en. Plunkett wurde von einer sehr starken feindlichen Truppe, bestehend aus Berittenen und Infanterie, auf nahe Distanz angegriffen. Er hielt den Feind zurück, bis er feine Munition mehr hatte, ließ dann ein Karree formieren und die Truppen mit dem Schon et t Vorgehen. Schließlich überwältigte oer Feind das Karree und machte außer ben erwähn t en 37 Geflüchteten alle übrigen nieder. Zwei Maxim-Ge- schütze sind oer. r en gegangen Oberst (lobbe hatte in fernem Lager 22 i Mann und etwa 1000 Kamele. Er glaubt nicht, i . . cljrc Hilfe zurückziehen zu können, da das Bus^werk j:.. .t ist und die Feinde wahrscheinlich Jfnen Angriff unternehmen werden. General Mamming bricht von Gumburru auf, um Oberst Cobbe zu entsetzen. Parlamentarisches. Berlin, 23. April. Beide freisinnigen Fraktionen bes preußischen Abgeordnetenhauses brachten eine Interde ll atro u ein, welche Maßregeln die Regierung gegen den Notstand zu ergreifen gedenke, der infolge der letzten Stürme namentlich unter der Fischereibevölkerung entstanden sei. — In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde dem Ausschußbericdt über den Reichstagsbeschluß zu der Petition betreffend die Erteilung der Befugnis zur Ausstellung von Befähigungszeugnissen für den einjährig-freiwilligen Militärdienst an die nichtstaatlichen Lehrerseminare die Zustimmung erteilt. — Die Zentrumsabg. Gröber und S t ö tz e l brachten im Reichstage folgende Interpellation ein: Was ist dem Reichskanzler über die Tötun g oes Fußartilleristen Hartmann durch den Seetadetten Hüssener bekannt und ist der Reichskanzler bereit, dahin zu wirken, daß durch die Abänderungderbe st ehendenVorschriften über das Waffentragen beurlaubter Kadetten und Mannschaften der Begehung solcher ähnlicher Verbrechen mehr als bisher vorgebeugt wird. Berlin, 23. April. Das preuß. Abgeordnetenhaus hat heute den Gesetzentwurf über die Be fähigun g für den höheren Verwaltungsdienst in zweiter Lesung nach den Beschlüssen der Kommission angenommen und die Sekundärbahnvorlage in dritter Lesung erledigt. — Wie heute aus parlamentarischen Kreisen verlautete, dürften die Sitzungen des Reichstags am Dienstag, die des Landtages am Samstag nächster Woche ge- schlossen werden. Aus Htadt und Kand. Gießen, am 24. April 1903. ♦* Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Lorsch Schneller LL, Ludwig L, Acker und Veith. — Ernannt wurde Johannes Schmidt zu Friedberg zum Schreibgehilfen bei dem Steuer ko mm issariat Friedberg. — Von Seiner Majestät dem Kaiser wurde dem Hofchef S. H. des Prinzen Friedrich Karl von Hessen, Hauptmann z. D. Freiherrn v. Flotow die Kammerherrnwürde verliehen. — Lich, 23. April. Der schone große Schloßgarten wird z. Zt. bedeutend vergrößert. Der alte Graben, der den Park umschloß, ist ausgefüllt und mit Sträuchern bepflanzt. Nach dem Bahnhof zu erhält der Park einen neuen Eingang, im nächsten Jahre wird hier ein kunstvolles Portal errichtet. r. Friedberg, 23. April. Die feierliche Enthüllung des Kriegerdenkmals ist auf tym 19. Juli festgesetzt; voraussichtlich wird auch das Bezirksfest des Kriegerbezirks Friedberg-Nauheim damit verbunden werden. Oberstlt. Cramolini, Präsident der ,Hassia", wird gelegentlich des Festes einen Appel der ehemals hessischen Jäger, die in Friedberg garnisoniert waren, abhalten, die Einladungen erfolgen in aller Kürze. Die letzte Zusammenkunft des Jägerbatoillons fand 1897 statt. Am 18. Juli findet eine Vorfeier statt, am 19. Juli ist die Enthüllungsfeier auf der Kaiserstraße, darnach Zug nach dem Festplatz, der städtischen Seewiese. Festplatz und Wirtschaftshallen erhalten elektrische Beleuchtung. — Gestern vormittag verschied plötzlich infolge Schlaganfall in der Burgkirche der langjährige Glöckner und Totengräber Heinrich Walz, als er sein Glöckneramt bei der Vorstellung der Konfirmanden versah. Frankfurt 23. April. Der Großherzog von Hessen und seine Schwester, Prinzessin Heinrich von Preußen, trafen gestern nachmittag hier ein, gratulierten der Prinzessin Friedrich Karl von Hesienzum Geburtstage und reisten um 6 Uhr nach Darmstadt zurück. Von dort begab sich Prinzessin Heinrich abends 8 Uhr nach Kiel. Baronesse v. Seckendorfs vor dem Schwurgericht. Hanau, 23. April. Unter großem Andrang des Publikums wurde heute vor dem hiesigen Schwurgericht wegen vorsätzlicher Kindestötung gegen die 20jährige B aro- uesse Emilie v. Seckendorfs verhandelt. Die Angeklagte wurde seinerzeit unter dem dringenden Verdacht verhaftet, ihr mit einem Diener gezeugtes Kind gleich nach der Geburt getötet zu haben, was damals natürlich vieles Aussehen erregte. Den Vorsitz in der Verhandlung führt Landgerichtsrat Dr. v. Spindler. Als «sachverständige fungierten der Direktor der Universitäts-Frauenklinik Pros. Dr. P f a n n e n st i e l - Gießen, Dr. Vöhmel-Frankfurt, Dr. Schneider und Dr. Kind-Fulda. Zur Verhandlung sind fünf Zeugen geladen, mit Ausnahme eines Amtsgerichtsrats lauter Frauen. Eine Bewegung, die sich im Zuschauerraum bemerkbar macht, deutet das Erscheinen der Angeklagten an, die von einem Gefängniswärter aus der Untersuchungshaft in den Saal geführt wurde. Frl. v. Seckendorfs ist eine über mittelgroße, schlanke Erscl>einung, die in einem einfachen schwarzen Kleide vor die Anklagebank tritt. Das Benehmen der Angeklagten ist durchaus unbefangen. Sie ist 1882 geboren. Nach dem Erösfnungsbeschlusse wird sie beschuldigt, in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1901 in Fulda ihr uneheliches Kind gleich nach der Geburt vorsätzlich gelötet zu Haden. Aus der Vernehmung der Angeklagten zur Sache mag folgendes hervorgehvben werden: Fräulein v. Seckendorfs giebt zu, in der fraglichen Nacht einem Kinde das Leden gegeben zu Haden und dieses Kind uach der Geburt aus dem Fenster ihres Alansardenzimmers geworfen zu haben. Sie war sich damals, so sagt sie, nicht bewußt gewesen, was sie getan, und leugnet ganz entschieden, ihr Kind vorsätzlich getötet zu haben. Die Angeklagte hatte es zu Hause nicht besonders gut, insbesondere bestand kein herzliches Verhältnis zu ihrem Vater, der oft sehr leidend und reizbar und zu ihr oft schroff war. Sie beschäftigte sich vielfach im Garten und in der Landwirtschaft. Auch trieb sie englische und französische Sprachstudien. Sie ließ sich verleiten, mit dem Diener ihres Vaters, Carl Lude, in intimen Verkehr zu treten, der nicht ohne Folgen blieb. Im Juiii 1901 merkte sie, daß sie in anderen Umstanden sich befand. Sie fühlte sich jedoch nicht veranlaßt, sich irgend jemand anzuverlrauen, im Gegenteil, als die Mutter ihren Zustarrd merkte, stritt sie es- entschieden ab. Verschiedene Reibereien mit ihrem Vater führten dazu, daß sie auf Wunsch ihrer Mutter, wie sie ausdrücklich behauptet, gegen ihren (der Angeklagten? Willen am 1. Oktober auf 14 Tage zu ihrer Tante Schöddc nach Fulda fuhr, die im 2. Stock des Horaserweges eine Art Alansardenwohnmig inne hat. Als sie hin kam, glaubte sie nicht, daß sie vor ihrer Entbindung stehe, die indessen in der Frühe des 8. Oktober in dem Fremdenzimmer, das sie allein bewohnte, erfolgen sollte. Kurz vor 12 Uhr nachts am 7. Oktober wachte sie unter großen Schmerzen auf, bie um Vrl Uhr derart wurden, daß sie das Bett verließ. Da erfolgte bereits die Geburt des Kindes, das zu Boden siel und weinte. In der Verzweiflung nahm sie das Kind, öff nete das Fenster und warf es zweiStocrwerke hinunter in den Vorgarten. Als es auf den Erdboden aufschtug, hörte sie es noch weinen, dann schloß sie das Fenster, legte sich wieder hin und schlief bis 1/27 Uhr. Am 8. Oktober besuchte sie nur von 9 bis Vs 10 Uhr bie Messe, im übrigen blieb sie zu Hause. Am folgenden Tage ging sie bereits wieder aus. Tie Kindesleiche wurde in der Frühe des 8. Oktober gefunden, indessen nahm man an, daß irgend ein Passant der vorüberziehenden Straße die Leiche über den Zaun in den Garten geworfen hätte. In der Richtung stellte auch die Staatsanwaltschaft zunächst ihre Ermittelungen an. . (Franks. Ztg.) (Fortsetzung im Hauptblatt.) Gerichtssaul ** Gießen, 23. April. Kriegsgericht. Gestern vormittag verhandelte das Kriegsgericht zwei Fälle. Ter Gerichtshof war zusammengesetzt aus den Kriegsgerichtsräten Oben auer und Heg von Darmstadt, aus Major Morneweg, Hauptmann vvn der Busch und Oberleutnant Stephan, die drei letzten Offiziere von der Giegener Garnison, sowie dem Kriegsgerichtsschreiber Han s e l m a u n - Darmstadt. Die Anllage vertrat der Kriegsgerichtsrat Link-Darmstadt. — Der Musketier Karl Lotz vom 116. Regiment, ein geborener Gießener, ist schon als Kind wegen Hehlerei mit einem Verweis und später vor seiner Militärzeit wegen eines Eigentumsvergehens mit Gefängnis bestraft, welche Strafe ihm aber aus Anlaß der Wiederkehr des 25jährigen Bestehens des Deutschen Reiches im Gnadenwege erlassen wurde. Dem Lotz wird vor dem Kriegsgericht zur Last gelegt, daß er während seiner Dienstzeit auf der BichlerscAn Hardt in der Stube, wo die Schweizer wohnen, ein Portemonnaie mit 70 Pfg. Inhalt entwendet, baß, er weiter in demselben Zimmer mittels eines Schlüssels den Versuch gemacht habe, darin stehende Schränke zu öffnen, um zu stehlen, auch die Taschen offen daliegender Kleider durchsucht habe, ferner einem Kameraden ein Paar weiße Zwirnhandschuhe entwendet und dem Kantinenwirt ein Messer, welches dieser ihm leihweise überließ, upiterschlagen zu haben. Lotz soll weiter mittels falschen Schlüssels einem Kameraden aus dessen verschlossenem Spind eine silberne Uhr entwendet haben. Er wird der ihm zur Last gelegten Straftaten, trotzdem er sie teilweise bestreitet, überführt, mit Ausnahme des schweren Diebstahls der silbernen Uhr. Für diesen Fall erachtet der Ankläger selbst nach Lage des Falles die Fret- sprechung. Wegen der anderen Eigentumsvergehen komme aber in Betracht, daß sie vom Angeklagten im Rückfalle begangen seien. Lotz sei ein Mensch, der offenbar einen starken Hang zu Diebstählen habe, wodurch für bie Kasernendisziplin und die Kameradschaftlichkeit der Mannschaften unter einander eine nicht zu verkennende Gefahr bestehe. Er beantrage eine lOmonatliche Gefängnisstrafe, Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren. Das Urteil lautete auf neun Monate Gefängnis, Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes; bie bürgerlichen Ehrenrechte wurden dem Angeklagten belassen, weil die entwendeten Gegenstände an sich nur von geringem Wert seien und well seit der letzten Verurteilung des Lotz immerhin eine gewisse Zeit verflossen sei, während welcher er sich tadelfrei geführt habe, sodaß seine Besserung durch bie ihm zuerkannte harte Strafe nicht ausgeschlossen erscheine. — In der zweiten Verhandlung verhandelte man gegen ben Musketier Wei- lanb wegen Achtuugsverletzung unb Gehorsamsverweigerung und gegen den Unteroffizier Kähling (beide vom 116. Jnf.-Regt.) wegen Beleidigung und Mißhandlung eines Untergebenen, wegen Verweigerung d es Gehorsams gegenüber einem Borges etzten sowie wegen Urlaubs- überschreit u ng. Der Tatbestand der Anklage, soweit sie sich gegen Weiland richtet, ist der folgende: Tie Mannschaft bereitete sich zu einem größeren Appell vor. Weiland hatte am Abend bereits dreimal seinen Namen in ben Mantel genäht, aber nie zur Zufriedenheit bes Unteroffiziers Kühling, der die Arbeit jedesmal durchs §eraustrennen des Namens untauglich gemacht hatte. Am nächsten Morgen wiederholte sich dasselbe Manöver zum vierten Mal, wobei der Vorgesetzte dem Mann eine Ohrfeige versetzte. Dieser erklärte darauf, er verstehe das Nähen nicht besser und werde den Namen nicht mehr einnähen, wobei er dem Unteroffizier den Mantel vor die Füße warf. Dieser frug darauf, ob W. schon ben Namen in seine Schnürschuhe ein- genäht habe, worauf ihm von ben Kameraden der Bescheid wurde, W. habe eben erst die Schuhe abgewaschen und Gießener HlnSUHenler. Nun haben die Geisha, die putzigen und schillernden, singenden und tanzenden, beliebten unb verliebten Theehaus- mädchen Japans, bas Entzücken der japanischen Lebewelt und der Fremden, binnen zwei Jahren zum zweiten Male bei uns Einzug gehalten. Tie aus England stammende, von Röhr und Jill. Freund verdeutschte Operette von S. Jones, an deren Wiege Sullivans , Mikado- gestanden hat, hatte wie vor zwei Jahren auch diesmal wieder bei uns einen vollen Erfolg; lebhafter, mitunter sogar stürmischer Beifall lohnte die ebenso fleißigen als sangessicheren Hauptdarsteller. Die Theehausgeschichte ist ja m Form und Inhalt nichts weniger als packend, der englische Librettist Hall hat vielmehr so ziemlich den Gipfelpunkt witzlosen Blödsinns erreicht; dafür aber ist die Musik zum größten Telle ganz allerliebst in ihrer unterhaltsamen Schlichtheit und harmlosen Liebenswürdigkeit, in ihren humoristischen Wendungen und ihrer graziösen Pikanterie, in ihrer einschmeichelnden, charakteristischen Melodik. Sie spricht von der ersten Note bis zum letzten Akkord an, hält sich zwar keineswegs frei von flachem Operettenstil, bewahrt aber in der Hauptsache, namentlich in allen Liedern, Tänzen und Tuetten eine solche Fülle von Schönheiten, von eigenem Reiz und entzücke..dem Wohllaut, daß man ihr mit wirklichem Behagen und voller Freude lauscht. Ter Rahmen freilich, den die Direktion der Operette verliehen hatte, kann nicht nur unendlich glänzender und stimmungsvoller gedacht werden, sondern war selbst bet uns könne, weil fte noch nicht trocken wären, den Namen nvck nicht daran einnähen. Ter Angeklagte Weiland giebt zu, was ihm zur Sufi gelegt wirb, er giebt aber weiter an, daß ihm der Vorgesetzte mehrere Schläge, nicht nur einen Schlag, ins Gesicht versetzt, ihn auch mit dem Fuß vor bas Knie getreten und ihn mit dem Ausdruck Schwein beschimpft habe. Ter Angeklagte Krahling giebt zu, den Mann beleidigt zu haben. Erst will er nur einen Schlag ausgeteilt, nicht aber mit dem Fuß nach dem Untergebenen gestoßen haben. Später beftreftel der Unteroffizier aber die Möglichkeit nicht, daß er wohl auch zweimal geschlagen habe, doch könne dies nur geschehen fein, weil Weiland ihm einen Stoß an bie Brust versetzte. Tie Belastung burch bie als Zeugen vernommenen Stubengenossen des W. war aber sehr schwer- wiegend für Krähltng. Es wurde bekundet, daß der Untergebene sich zwar der Mißhandlung hat entziehen wollen, indem er nach der Tür des Mannschastszimmers hindrängte; daß er aber gegen den Vorgesetzten tätlufji geworden sei, hat niemand gesehen, dagegen wurde festgestellt, daß W. mehr als zwei Schläge am Ziöpf erhalten hat. Weiler wird in der Verhandlung festgestcllt, daß der Unteroffizier, der seit 1898 im Tienst ist, ehe er Soldat wurde, wegen schwerer Körperverletzung mit 1 Jahr und 4 'DLonaien Gefängnis vorbestraft worden ist, unb baß ihm 8 Tage vor dem unter Anklage stehenden Vorfall mit Weiland vom Oberkriegs, gericht eine Arreststrase wegen Mißhandlung eines Untergebenen zuerkannt worden ist. Tieserhalb war ihm nun der Nachturlaub verweigert worden, er blieb aber eines Abends doch über diese Zeit außerhalb der Kaserne, wurde in der Grünbergerstraße von der Runde bemerkt, vor welcher er Fersengeld gab. Ter Führer der Runde sah, daß der Fliehende ein Unteroffizier war, man verfolgte ihn, rief ihm dreimal vergeblich ein Halt zu, ohne daß es glückte, den Mann zu stellen. Tarch eine Kontrolle in der Kaserne wurde festgestellt, daß es Kähling war, der dem Befehl des Rundeofsiziers keine Folge gegeben hatte. Aus ben Akten in Sachen gegen ben Unteroffizier Renz (über welchen Fall wir seinerzeit berichteten!, in welchem Kähling als Zeuge gehört würbe, wirb fesigestellt, baß in bem Verfahren biejer nicht üer eibet worben ist, weil seine Deposttionen einen unglaub toürbigen Einbruck bei bem Kriegsgericht sowohl, wie auch vor bem Oberkriegsgericht gemacht haben. Der Unteroffizier K. wird vom Vorsitzenden am Schluß der Verhandlung gefragt, warum er bann vor bem Offizier der Runde durch gegangen fei, und warum er dessen Befehl, stehen zu bleiben, ben er boch gehört habe, nicht Folge gegeben habe. Darauf erklärt bieser, er habe damals den unglückseligen Trieb gehabt, wegzulaufen. Ter Strafantrag gegen Weiland lautet auf fünf Wochen Mittelarrest, gegen ben Unteroffizier aber auf eine Gesamtstrafe von sechs- Wochen Mittelarrest. Ter Gerichtshof erkennt gegen ben Unteroffizier Kähling wegen Mißhandlung unb Beleidigung eines Untergebenen, sowie wegen Gehorsamsverweigerung auf eine Gesamtgefängnisstrafe von drei Monaten unb Tegradation zum Gemeinen. Gegen ben Musketier Weilanb wirb auf 14 Tage strengen Arrestes erkannt. Das Urteil gegen Kähling wird dahin bc gründet, baß dieser nach Ansicht des Gerichtshofes, nachdem er vom Oberkriegsgericht wegen Mißhandlung bestraft gewesen sei, acht Tage später sich abermals an einem Untergebenen vergriffen habe, dadurch schon allein unwürdig sei, ferner dem IlnteroffiHierstandc anzugehören. Dazu komme aber noch die Urlaubsüberschrettung und die Begegnung mit dem Offizier der Runde. Dieser Fall allein schon reiche hin, um zu beweisen, daß K. nicht das Ber trauen verdiene, welches man in einen Vorgesetzten der Mannschaft setzen müsse. K. erklärte, gegen ben Spruch Berufung verfolgen zu wollen. -------'■ 11 !■■■=!""■■ 1 '.■! ■ 1 ____L Neueste Mewungeu. Originaldrahtmcldungen des Gießener Anzeigers. Kiel, 24. April. Infolge hohen Seeganges mußten burch Nordweststurm die Geschwaberschiffe, Linienschiffe unb Kreuzer ihre Schießübungen abbrcchen. Sic liefen am Nach- mittag in ben Kriegshafen ein. Breslau, 24. April. In Schlesien fielen der Wetterkatastrophe 32 Menschen zum Opfer. Wien, 24. 9(pril. Aus Hvfkrcisen berichtet man, eS sei so gut wie feststehend, daß Prinzessin Luise im Herbft in ein Kloster eintreten werde. Die Absicht dcS Eintritts in das Prager adlige Darncnstift fand an maß- gebender Stelle keine Zustimmung. St. Petersburg, 24. April. Beim Zusammen» stoß von Soldaten und Matrosen in Kronstadt soll ein förmlicher Kampf stattgefunden haben. 2000 Mann sollen sich gegenüber gestanden haben. Es gab viele Tote und Verwundete. Auch der Kommandant von Kronstadt soll ver» mundet sein. Gerüchten zufolge wurden 61 Mann tot» geschlagen._______________________________________ Gegen Schnupfen hilft Forman. 12«>8 vor zwei Jahren, namentlich im 3. Akte, der die HochzcitS- nacht eines japanischen Großen schildert, sehr wesentlich reicher gestaltet worden. Bei wechselnden Lichteffekten entrollte damals das Ganze in seiner Farbcnfüllc unb Stiloriginalität recht ansprechende Gemälde. War also diesmal auf die Dekoration kein Wert gelegt, so sprach doch wenigstens aus den Kostümen ein farbenfrohsinniger Geschmack. Tie Hauptrolle hatte wieder das gesanglich wie dar» stellerisch außerordentlich begabte Frl. Stöger inne. Ihr mit Herrn Sommer gesungenes neckisches Duett, eine neue Auflage von des guten alten Herrn Dr. mcb. Paul Fleming, jenes frommen Schwerenöters aus dem 17. Jahrhunbert, reizenb koketten .Kußlehre- fanb mit Recht stürmischen Beifall. Frl. Bartl war eine sehr niedliche unb fidele Molly und ließ fich als verkleidete Geifha von dem japanischen Wirkt. Geh. ObcrhanSnarrn mit dem Titel Exzellenz in drolligster Weise so lange umliebeln, als es eben bas milde Herz des Librettisten zuläßt. Diesen japanischen Polizeichef mit dem steifen Ucberhauptzopf stellte Herr Bruck dar, der leider diesinal nicht bei besonders guter Laune zu sein und seine Gedanken zuweilen mehr hinter als auf der Buhne zu haben schien. Herr Ganzert amüfiertc als Theehausbesitzer durch seinen Huinor und die atemlose Behendigkeit seiner Gliedmaßen wieder allgemein. Tas ganze heitere Charivari von Scherzen, Farben, Siebern und Tänzen erregte große Heiterkeit. Ter Haupt- bcifall war indes den musikalischen Leistungen und dem bedächtigen Kapellmeister Herrn Schatz zu zollen. -o.