Nr. S75 eägnch aufecr 6ormtGg& Dem Gi?he»rer Anzeiger werden Im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt bte Glehener Lamttien« Hattet piermal tn der Woche beigelegL AorottonSdruck e. Verlag bn Vrüh! 'scheu UntoedzÖui^ ».ßtebt» ^cudtxm CltattM) uz General-Anzeiger w v den yijttk an* allgcm* Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen MWZ & letqentetl: $>anfl Beck. UU nach Kiel zurückbegeben. Von dem Darmstädter Fürstenschlosse lenken wir unsere Mcke nach dnn Neuen Palais bei Potsdam. Auch dort weilt ein Leidender. Zu aller Freude aber nimmt dieErkrank- g des Kaisers einen günstigen Verlauf. Am SamK- Lag konnte er sich bereits zu Fuß an das Grab seiner Mutter, der Kaiserin Friedrich, bereit Geburtstag auf diesen Tag siel, begeben und einen Kranz niederlegen. Die durch die Operation verursachte Wunde hrirbv wie die „Nat.-Ztg." erfährt, in einigen Tagen völlig geheilt sein. Es tviri) jetzt auch offiziös die Möglichkeit zugegeben, daß der Kaiser nach Weibnachtan eine Erholungsreise nach dem Süden antreten werde, es Ware aber gänzlich verfehlt, daraus etwa Schlüsse auf die Natur seines Halsleidens und den Heilungsprozeß in ungünstigem Sinne zu ziehen. Das Leiden war harmlos und mit der Heilung sind die Aerzte zufrieden. Die Reise nach dem Süden wird nur den Zweck haben, wie es auch bei leichten Erkrankungen der Halsorgane üblich ist, den schädlichen Einflüssen des Winters zu entaehen und dem Kaiser öffentliches Reden bei militärischen und anderen Gelegenheiten zu e r - sparen. Diese Reise wird hoffentlich die erwünschte Wirk- rmg haben. Kaiser Wilhelm ist die beachtetste Persönlichkeit unserer Zeit. Seine Gestalt hebt sich weit hinaus über das allgemeine Niveau. Er steht im Vordergründe des Welt- interesses, er ist der ruhende Pol, um den sich seine Helfershelfer von Zeit zu Zeit neu gruppieren. Wie weit sich das Ausland gewöhnt hat, Kaiser Wilhelm mit dem Deutschen Reiche und seiner internationalen Stellung zu identifizieren, zeigte sich in der Besprechung des Stinrmleidens des Kaisers in der Presse bc3 Erdballs. Speziell für die englische und amerikanische Politik bedeutet Kaiser Wilhelm nrit seinem unzweid au Ligen Willen, mit diesen Ländern unbedingte Freundschaft aufrecht zu erhalten, einen un- sckjädbaren Faktor. Daß freilich unsere auswärtige Politik infolge dieser allseits versöhnenden und vermittelnden Haltung eine sonderlich erfolgreiche Rolle im Wellkonzert spielte, kann heute nicht gerade behauptet werden. Trotz dem Dreibund und der Schöpfung des neuen Kurses, der enalischf-deutsch-amerikanischen Freundschaft, schlossen soeben in dem englischen Königsschlosse Windsor dre Monarchen von England und Italien sehr behaglich einen S ch i e d s v e r L ra g. Deutschland schaute der am Samstag beendeten Monarchenentrevue von Windsor tatenlos zu. Ter hohe Lohn aber dieser deutschen Jnaktivitat ist der H-rrede der Welt! — _ . Nach den nun beendigten Wahlen 3 itm preußischen Äbgeordneten Hause wird es nicht mehr lange dauern, bis ein von Grund aus neuer Reichstag mit einem ebenso neu zusammengesetzten Abgeordnetenhause wieder in Berlin zusammen tagen wird. Man wartet oe- retts fäffHdk daß dar Termin der Ei n be rv f vin« b e 3 Reichstages bekannt genmcht werde Wahrscheinlich wollte Kaiser Wilhelm bei der Eröffnung selbst das Wort ergreifen. Wenn d.e Erösftn-ng rm Weißen Saael in Berlin stattfindet wird diesmal mehr als der fünfte Teil der MMvrd> neten, der aus Genossen besteht, tmsichtbar fern, dwhrerrd im preuß. Abaaordnetenhause kein einziger Genosse vor dem Kaiserhoch die Fluckt ergreifen J[ef fast ganz die alten Verhältnisse wieder. Gewählt find. U8 Konservative, 54/ Freikonservative, 97 Zentrum, 79 Rl., 23 Fr. Vp., 8 Fr. Ver., 13 Polen, 2 Dänen, 2 B. d. V, 2 Refcwmp., 5 Fraktwusliose. , Die Konservativen gewinn 7l 9 und verlieren 5, die Frei konservativen Zentrum 2 bezw. 5, die Natwnalliberalen 1-7, dt iVr. Vollsp. 4 vrzw. 8, die Fr. Vereinigung verliert 2,. bte Fraktionslosen verlieren 1 und , gewinnen 5., Hierbei fit xu beachten, daß von den Fraktionslosen zwei ihrer poli- tiickven Richtung nach den freisinnigen Parteien zuzurechnen N Indem die S?zialL emo kr a t e n eine Anzahlto n- Uolitische Wochenschau. o. Gießen, 23. Nov. 1903. 2luf Halbmast weht die Fahne aus dem Großh erzoglichen Palais in der Residenzstadt Darmstadt, wehen die Fahnen im ganzen Lande. Schwere Trauer hat ihre Einkehr gehallen in aller Herzen. Das Land ist seines holdseligen Prinzeßchens, der Landesherr, der gütigste, zärtlichste, besorgte Vater, seines einzigen Kindes beraubt worden. Die „Dcrnnst. Ztg." vom Samstag verkündet in ihrem amtlichen Telle: Seine Königliche Hoheit der Groß her zog haben in dem erhebenden Bewußtsein der Trauer seines treuen Volkes zu bestimmen geruht, daß die Gratulationen zum diesjährigen Allerhöchsten Geburtsfeste und die Feier desselben auf den 1. Januar 1904 verlegt werden. AuS dieser Kundgebung ermißt man, wie unendlich groß der Schmerz des so schwer heimgesuchten Vaterherzens ist. Daß ihm die Kraft zu eigen sein möge, diesen Schmerz zu bekämpfen, das erflehte am gestrigen Totenfeste in den Gotteshäusern des hessische Volk. Auch ihm ist ein Weh bereitet worden, das sich nicht leicht übertreffen läßt und es ist lein Gebet: der geliebte Landesherr möge über der Toten oas Leben nicht vergessen! In inrriger Teilnahme an der Trauer des Monarchen gab am Donnerstag das hessische Volk der dahingeschiedenen lleinen Prinzessin das Gelell nach dem Darmstädter Mausoleum, wo sie nun schlummert in ewigem Frieren. Wie es heißt, gedenkt S. K.H. der Großherzog seinen Geburtstag am 25. Novonrber in aller Stille zu begehen und alsdann die Residenz zu verlassen, um bei seiner Schwester in Kiel längere Zeit zu verwellen. Prinz Heinrich von Preußen wird sich haute, Montagabend, servativer Mandate geradezu unterstützt haben, tragen sie ganz allein die Verantwortung für eine neue Erschwerung der Reform des preuß. )vand- tagswahlrechts, die doch gerade im eigensten Interesse der Sozialdemokratie liegt. Die Liberalen werden aber voraussichtlich mit mehr politischem Verstand -in der Wahlrechtsfrage sowohl wie in allen anderen Dingen um so entsckstedener den Standpunkt der Linken wahren, um die blöde Meirmng auszurotten, als gehörten zur unabhängigen Wahrung der Volksrechte unbedingt Sozialdemokraten. Ein Sieg des L i b e r a l i s m u s ist ausgeblieben. Viel-1 leicht wird er kommen, wenn wieder einmal eine mächtige Persönlichkeit auf tritt, die die Meinungen auf eine bezwingende Formel zu vereinigen vermag, vor der großen Masse sich beugen und von der abseits Stehende sich mitreißen lassen. Es fehlt an einer Persönlichkeit, die groß genug dentt, die nicht nur die Verhältnisse Überblicken, sondern sie auch meistern kann. Die neuen Probleme oes neuen Reiches haben Zwiespalt in die allen Reihen getragen. Das hat man wieder in Heilbronn gesehen. Tori hat die letzte Woche dersüddeutscheLiberalis- m u s versucht, die Geister unter einen Hut zu bringen. Aber die Steine des Anstoßes waren die Stellung zum Imperialismus", zum „Marinismus", zürn. „Militarismus"; keine Persönlichkeit war da, die hierin den Liberalen den Weg vvrzeichnete und die stark genug war, ihrer Meinung Anerkennung zu erzwingen. Man wird also weiter auf Ereignisse und Persönlichkeiten warten müssen, die die Garben ernten, zu denen heute in der Propaganda filr die Idee der Einigung der Liberalen allenthalben der Same gelegt wird. So wollen wir Deutschen wenigstens im Auslande da frvmpt zur Stelle sein, wo deutsche Arbeit bereits deutsche Anrechte geschaffen hat. Tas müssen wir heute um so mehr, je eifriger anoere Nationen damit bei der Hand sind: Rußland in Ostasien, England in Indien, wo es soeben in nördlicher Richtung nacy Tibet vordringt, Frankreich in Nordafrika, die Vereinigten (Staaten in Kuba, Santo Domingo, wo z. Z. lebhaft gekämpft wird, und wo auch die deutschen Schiffe zur Stelle gewesen sind — und last not least in Panama. Die neue Republik hat gleich als BundesgeTrossin der Uniwr das Licht der Welt erblickt, und beide "sind gar schnell, weil offenbar von langer tzand vorbereitet, offiziell über den Kanalvertragi völlig eins geworden. Der Kanal untersteht künftig der Souveränität der Vereinigten Staaten. Die von Fruchtbar- kell und Mineralschätzen strotzende Republik Kolumbien aber erntet jetzt die Früchte der moralischen Zuchtlosigkeit, die sie von jeher zerrüttet hat: die Hälfte des Landes, daher die gesamte Küste, schließt sich der neuen Republik Panama an, und Kolnrnbien kann nur noch ein ohnmächtiges Wehllagen über den Zusammenbruch des Vaterlandes aussbvßen. (& hat zwar [neben au die Republiken Zentral- rrnd Südamerikas eine Kollektivnote gerichtet, worin es gegen die Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber den revolutionären Voraängen in Kolumbien protestiert und um die Sympathie, wenn nicht um die moralische Unterstützung der Republiken ersucht. Aber diese Republiken werden sich weislich hüten, ihre Hände in das aussichtslose Kriegspvojell zu stecken, wobei sie doch gar bald den Kürzeren "zögen. In der Frage der llebernahme eines Teils der kolumbischen Schuld durch Panama verlautet, das Staatsdepartement zu Washington halte, obzwar es der Republik Panama „keine Vorschriften machen" könne, wie Reuter offiziös erzählt, für gerecht, daß Panama einen angemessenen Teil dieser Schuld übernimmt Die Union aber hat ganz allein den Voriell aus dem schlauen Handel und läßt das lleine Panama blechen. So tritt fett Olims Zeiten die Uebermacht der Ohnmacht gegenüber. Aröcitskammern. Ein Antrag der Abg. Ulrich und Genossen geh^ bekanntlich dahin, die Großh, Regierung zu ersuchen, den Ständen eine Vorlage zu machen, durch welche eine direkte Vertretung der Arbeiterschaft des Landes rm Großherzoglichen Ministerium nach dem Vorbilde der Landwirtschaft und der Gewerbe herbeigeführt wird. Der Antrag ist nicht neu. Bereits auf dem 30. Landtage hatte die Regierung dem Antrag Bedenken entgegengehakten. Zunächst wies sie darauf hin, daß das Gewerbeaufsichtswesen einer eingehenden Verbefferung und weiteren Ausgestaltung unterzogen worden ist; daß die Gewecbeaufsichts- beamten sowohl unter sich, als auch mit dem Ministerial- referenten in naher Fühlung blieben und einen regen Verkehr mit der Arbeiterschaft unterhielten Hierdurch seien der Arbeiterschaft die Wege geebnet, auf welchen sie berechtigte Wünsche und Anliegen zur Kenntnis der Regierung bringen könne, was aber auch ohne Inanspruchnahme des Gewerbeaufsichtspersonals an sich möglich wäre. Weiter zu gehen erscheine im Augenblick nicht tunlich. Vor allem gebe es für die anderen Berrlfsstände eine direkte Vertretung im Ministerium nicht; insbesondere aber wäre die Frage der Arbeiterorganisation keine Angelegenheit des einzelnen Bundesstaates, sondern im Rahmen der Zuständigkeit des Reiches zu erledigen. Es wurde auch auf den Antrag der Abg. Dr. Lieber und Dr. Hitze auf Errichtung von Re i ch 8-Ä r b e itska m m ern hingewiesen. Diesen Ausführungen schloß sich der erste Ausschuß damals cm und beantragte, die Angelegenheit zur Zeit für erledigt zu erNären. Jetzt hat dein erneuten Antrag gegenüber die Regierung den gleichen Standpunkt festgehalten. Auch der Ausschuß glaubt, daß die Bedenken der Regierung gegen den Antrag derzeit noch zutreffen, und daß für die zweite Kammer kein Grund vorliegt, ihren ftüheren Standpunkt aufzugeben und dem Anträge in der von den Antragstellern niedergelegten Form zuzustimmen. Der in dem Anträge des Abg. Ulrich enthaltene Gedanke könne nur durch Schaffung einer beruflichen Organisation der Arbeiter greifbare Gestalt annehmen, und dies nun nach wie vor als Aufgabe des Reiches bezeichnet werden. Daß die Reichsregiercing der Regelung dieser Angelegenheit nicht mehr so ablehnend gegenübersteht, wie dies zeitweise früher der Fall war. dürfte auS einer Erklärung des Reichskanzlers Graf von Bülow zu folgern sein, die derselbe im Januar 1903 im Reichstage dahin abgab: ,Es ist die Ansicht Seiner Majestät und die Ansicht der verbündeten Regierungen, daß die Aufgabe unseres Jahrhunderts der Ausbau der sozialen Gesetzgebung ist. Seine Majestät der Kaiser ist auch davon durchdrungen, daß die Arbeiter gleichberechtigt sein sollen mit anderen Ständen und Klaffen, und daß diese Gleichberechtigung ihren gesetzgeberischen Ausdruck finden foCL* Immerhin erscheine eZ im Jnteceffe der ftiedlichen Entwickelung unserer sozialen Verhaltniffe äußerst wünschenswert, daß die Frage der berustichen Organisation der Arbeiter eine baldige besriedigende Lösung finde. Der erste Ausschuß glaubt daher, daß der Landtag gerade bei Behandlung deS gegenwärtigen. Antrags die Gelegenheit wahrnehmen sollte, um die im Reiche herrschenden diesbezüglichen Bestrebungen nach Möglichkeit zu fördern. Der hierzu geeignete Weg ist aber der, daß zweite Kammer der Regierung ernstlich nahe legt, im Bundesstaat auf baldige gesetzliche Regelung hinzuwirken. Der Ausschuß beantragt daher, die zweite Kammer wolle an die Großh. Regierung daß Ersuchen richten, dieselbe möge im Bundesrat ihren Einfluß dahin geltend machen, daß die Frage der berufSständigen Organisation und Vertretung der Arbeiter (Arbeitskammern) baldigst reichsgesetzlich geregelt werdd- Dadurch würde sich der Antrag Mrich erledigen. Die nationafiißerafe «Landesversamwlung in Irankfurl a. M. R. V Frankfurt, 22. Nov. Die allgemeine Land^sversannnlung, welche die n a t i o- nalliberale Partei Hessens für heute mittag tat Saal zur Rosenau einberufen hatte, war von über 100 Teilnehmern aus allen Teilen des Landes besucht. Zu Beginn der Sitzung gab der Vorsitzende, Justizrat Schmeel- Darmstadt, den Empfindungen der Trauer Ausdruck, die jeden Hessen anläßlich des plötzlichen Ablebens der Prinzessin Elisabeth bewegen. Die Versammlung erhob sim zum Zeichen herzlichen Belleids von den Sitzen und beschloß, ein Telegramm an den Großherzog abzusenden, in welchem die Landesversammlung Sr. Könial. Hoheit ihr innigstes Belleid ausspricht. .Der Vorsitzende warf darauf einen kurzen Rückblick auf die Ereignisse der jüngsten Zeit und brachte dann in kernigen Worten ein Hoch auf den Kaiser und den Großherzog aus. Darauf sprach Reichstagsabg. Frhr. v. Hehl über deu der hessischen Kammer vorliegenden Gesetzentwurfs betr. die Land stände. Esseiselbstverständlich, so führte der Redner aus, daß man nicht daran denke, das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht für deu Rerchstag irgendwie zu schmälern, aber bei bet Ster* tretung zum Landtag, bei dem es sich mehr um eine Art Vermögensverhandlung handle, liege die Sache wesentlich anders. Die Wahlmänner in Hessw hätten bisher stets ihre Schuldigkeit getan, man würde ihnen ein schweres Mißtrauensvotum erteilen, wenn man sie jetzt als überflüssig beiseite werfen wollte. Von allen deutschen Staaten habe Hessen das fortgeschrittenste Landtaaswahlgesetz Württemberg, der einzige Staat, der das direkte Wahlrecht habe, na Em als Kollektivmittel 23 privilegierte Abgeordnete mit auf itmi> in Bayern will man das direkte Wahlrecht nur annehmen, wenn den Geistlichen verboten wird, Wahlagitation zu betreiben. Auch in Amerika, England re. gebe es kein uneingeschränktes direktes Wablrecht, cs frage sich daher, ob es richtig sei, daß Hessen tn dieser so wichtigen Frage bahnbrechend vorgehe. Der nationalliberale Verein in Worms habe schon im vorigen Jahre beim LandesauS- fchuß den Antrag gestellt, dahin zu wirken, daß sich alle nationalliberalen Parteivorstände Deutschlands in dieser Sache befassen und möglichst bestrebt sein möchten, einheitliche Grundsätze dafür festzulegen. Man würde am besten tun, die ganze Angelegenheit auch in Hessen so lange zu vertagen, bis dies geschehen fei. Lanotagsabg. Reinhart meint, nach dem Stand der Beratungen über diese Frage in Bayern und bei uns sei es nicht mehr möglich, eine Vertagung eintreten zu lassen. Tie nationalliberalen Abgeordneten hätten sich mit 14 gegen 4 Stimmen fürdas direkteWah lr echt ausgesprochen; er würde einen Beschluß auf Vertagung der Angelegenheit im jetzigen Stadium bedauern. Abg. Frhr. v. Heyl bemerkt, der Zentralausschuß der. Parier habe sich ausdrücklich bereit erklärt, sich mit der Frage Zu beschäftigen. Er sehe nicht ein, warum man nicht noch jeht durch eine gemeinsame Besprechimg der verschiedenen Parteivorstände eine weitere Klärung in die Sache bringen solle. Abg. Tr. Heidenreich stellt fest, daß die Partei zu der jetzigen Negierungsvorlage noch keine Stclturrg genommen habe und sich auch die Anschauungen nach den vorjährigen Beratungen in der Kammer wesentlich geändert hätten- Tie Fraktionsgenossen hätten auch, schon damals ihre Zu- 4 4 <1 e s $ u Wie hoch belief sich das Darlehen? Bert. breiten würde. -LL halb zur l Be Ser $ 2. Sa Zahlbar und bei But Der ^04/190; aus dem dienten , Nab> nt la f f en werden. * Paris, 22. Nov. lieber das Duell zwischen dem Advokaten Ebelot und dem Juwelier Lautier, kvmmrssion aus titriertem Ehrgefühl. Der Veroacysr un- ftttlid)cr Handlungen stellte sich als unbegründet heraus. ♦ Kiel, 20. Nov. Aus dem Hauptpostamt erfolgte die Explosion eines eingelieserten Postpakets, wodurch ein Beamter schwer verletzt wurde. Das Paket enthielt Feuerwerkskörper. • Breslau, 21. Nov. Das durch den anhaltenden Regen bewirkte Hochwasser der Oder z e r r ife in der Nacht zum 21. Nov. bei Brieg an der alten Bruchstelle den Briesen-Lindener Deich. Hierdurch sind mehrere andere Deiche stark gefährdet, sodaß wieder ständiger Wachtdienst emgerichtet ist. • Stuttgart, 22. Nov. In Zaberfeld bei Heilbronn sind bei einem Brande der Handelsmann Wolf Jordan und seine zwei acht- und zehnjährige Kinder verbrannt. * Metz, 22. Nov. Leutnant Bilse wird zur Ordnung seiner Privatangelegenheiten aus 14 Tage aus der Hast übergeben. Oberlandesgerichtsrat Burelage bekundet: Es sei ihm erinnerlich daß im Zivilkasino viel gespielt wurde. — Bert. R.-A. Dr. Sprenger: Brie hoch waren ungefähr die Einsätze? —Zeuge: Soweit mir erinnerlich ist, wurden uü Mark, bisweilen darunter, bisweilen darüber gesetzt. — Bert. R-A. Greving: Ist nicht im allgemeinen auch vom Minister Ruhstrat, viel kritisiert und geschimpst worden, wobei Ausdrucke wie „Hornvieh" — Zeuge: Das gebe ich zu. — Bert.: 5 ist etwas teniperamenkvoll, eine impulsive [trat gespielt. Er habe einmal gehört: Minister Ruhstrat habe den Oberlatidesgerichtsrat Tenge „Oberschaf vom Oberlandesgerickft" genannt. Aehnli. i lauten mehrere andere Zeugenaussagen. Gi)mnajialdireklor Dr. Steinvorth-Oldenburg: Dr. Nies sei ein sehr tüchtiger Lehrer gewesen. Seine Schüler mochten chii gern und lernten etwas Tüchtiges bei ihm. (S-r hielt aus gute Disziplin, in seiner Klasse herrschte ein sehr guter Geist. Die Eltern der Schüler schätzten Dr. Nies als wohlwollenden, tüchtigen Lehrer, bei dem ihre Söhne etwas Tüchtiges lernten. Dr. Ries war auch bei einen Kollegen sehr beliebt Andere frühere Kollegen, des Dr. Ries sagen das dlliinliche aus. Ter Vorsitzende, Landgenchodirektor Bödeker: ,^ch fühle mich veranlaßt, mitzuteilen, daß sowohl ich als auch der erste Staatsanwalt Drohbriefe erhalten haben, in denen gedroht wird, wenn Biermann verurteilt werden sollte, so werde man uns die Fenster ein sch la gen und uns noch andere unangenehme Dinge bereiten. (Bewegung.) Angekl. Diermann: Ich habe wohl kaum notig, zu versichern, daß es nur nicht im Traume eingefallen ist, derartige Briese zu veranlassen. Erster Staatsanw.: Auch ich bin dieser Ansicht. Ich habe die Brrese der Polizei zur weiteren Verfolgung Gmgesmiöl. (Für Form und Jnhau ar.^ muet vieler Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 21. November. Schon seit Monaten befindet sich der Brandplatz in einem geradezu skandalösen Zustand. Namentlich der nach Norden gelegene Teil gleicht einem See, oder besser, einem Sumpf, in den die Rührigkeit hier nur allzu zahlreicher, spielender Kinder die merkwürdigsten Gegenstände versenkt hat Ob ein derartiges unästhetisches Snmpfgebilde der Gesundheit der unfreiwilligen Ufer- bewohner besonders dienlich ist, läßt Einsender dahinstehen; eklich, widerlich und einer Stadt wie Gießen unwürdig ist es auf alle Fälle. Nach Ansicht des Einsenders würde es die Stadt nicht übermäßig belasten, wenn sie sich zur Beseitigung des Uebelstandes aufraffen und einige Wagen Lahnkies über den See des Anstoßes geben? Zeuge: Ja. (Bewegung im Zuhörerraum.) < Die 'ollen ö p,. Die Geschah sind bis T Mio Stelle ( Gik . E- M un L 3d. Monats 4 bis 4 Ei gefallen sind? Minister Ruystrat e Statur? — Zeuge fiimmung von ganz bestimmten Forderungen, z. B der Wahlpflicht il a., abhängig gemaäst. Der Vorschlag des Herrn v. Hehl, die ganze Sache zu vertagen, an der auch die Partei sicher keine Freude habe, sei sehr zweckmäßig. Oberamtsrichter Dr. Fuhr-Ortenberg bemerkte, daß man sich jetzt, naä)dem die Frage einmal aus der Tagesordnung stehe, auch unter allen Umständen darüber schlüssig machen müsse. Geh. Justizrat Osann I. meint, wenn man die Gesamtpartei darüber befragen wolle, werde man niemals zu einer Verständigung kommen, denn die preußischen Nationalliberalen würden sich unter keinen Umstünden zur Einführung des direkten Wahlrechts verstehen. Er sei früher auch ein Gegner desselben für die Kammer gewesen, es werde sich aber nicht aus die Dauer verhindern lassen. Dre Kammer müsse nur dafür sorgen, daß auch die nötigen Gegengewichte angehängt werden, damit die Uhr auch richtig gehen kann und das Unheil, das in dem direkten Wahlrecht liegen kann, verhütet werde. Reelftsanwalt Dr. Windecker-Friedberg stimmt den Ausführungen Osanns zu. Es wäre richtig gewesen, wenn sich die süddeutschen Regierungen unieremander über die Grundlagen zur Einführung des direkten WahlreaM verständigt hätten. Nach weiterer eingehender Debatte, an der sich noch Justizrat Schmeel- Darmstadt, Rechtsanwalt (£all- mann-Alzey, Dr. N e ß l in g-Darm^adt, Frhc. Heyl zu Herrnsheim, Böhm-Offenbach Redakteur v. T r ü tz s aj - ler, Pros. Dr. Beck er, Rechtsanwalt Stephan und Oberbürgermeister K ö h l e r in Worms, Phchpp Müller- Bichel Bund Heinrich Gr ä f II. aus Monsheim beteiligten, genehmigte die Versammlung nahezu einstimmig einen Antrag des Pros. Becker-Worms, wonach die Versammlung in Uebereinstimmung mit chrem jrüheren Beschluß und dem bei den vorjährigen Wahlen erlassenen Aufruf erklärt, daß die nation a11ib er ale Partei auch jetzt bereit sei, an eine Verbesserung des hessischen Wahlrechts mitzuwirken. Ferner wird em Antrag v. Heyl angenommen, wonach der Zentra l v o r st a n d der Partei ersucht werden soll, eine allgemeine Beratung über die grundlegenden Fragen bei Einführung des direkten Wahlrechts für die Landtage h e r b e i z u f ü h r e n. Zweiter Gegenstand der Beratung war das Th.ma: Der neue Reichstag und seine Aufgabew Reierent Gras O r i o 1 a führte aus, daß neben Hannover auch Hessen einen Mittelpunkt der nationalliberalen Agitation gebildet habe, was dem Eifer der Parteigenossen, aber auch der eifrigen Mitarbeit der liberalen Elemente überhaupt zu bauten sei Sie alle müßten sich zusammenschließen gegen den Feind von Thron und Altar, gegen die wie eine Wucherpflanze aus tretende Sozialdemokratie. Der Redner beklagt dann die Haltung des Pfarrers a. D Dr. Naumann und der freisinnigen Vereinigung, die trotz des Dresdener Parteitags und des Wortes! Bebels, daß die Partei der Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft fei, sich noch immer große Hoffnungen auf die Revisionisten mache. Naumann, Barth und Genossen seien Freihändler bis zum Ende und klammerten sich nun an den letzten Strohhalm, die Revisiv- uisten. Ter Redner betonte dann, daß die Partei alle not- toenbigen Heeresforder ungen bewilligen, aber gegen etwaige Schäd en und überflüssigen Luxus austreten werde. Sie wolle Handelsverträge, die allen Teilen der Bevölkerung, auch dem Bauern- und Handwerkerstand nach 'Möglichkeit gerecht werden und die Erhaltung eines gesunden Mittelstandes ermöglichen; ebenso werde sie unbekümmert um die Haltung der Sozialdemokratie die ehrliche Förderung einer gesunden Sozialpolitik weiter betreiben. Die Partei werde den liberalen Gedanken hochhalten, wie er sich auch bei den letzten Wahlen betätigte, aber keine sogen. liberale Misch? maschpolitik treiben; es müsse jede Verbindung mit einer Partei aufhören, bei welcher der nationale Gedanke verloren gegangen sei Wir wollen stets das Panier „Treu zu Kaiser und Reich" feschalten und das schwarz-weiß-rote Banner wehen lassen, dessen rote Farbe das Herzblut der Nation für die Wiedererrichitung des Deutschen Reichs dar- ftellt (Lebh. Beifall.) Abg. Frhr. v. Heyl führt als zweiter Referent die Ge- vanken des Vorredners weiter aus und behauptet dann in einem historischen Rückblick die Bestrebungen der Partei Es fei mit schwerem Kampf die Gleichberechtigung des Arbeiterstandes erkämpft worben, an die man früher kaum gedacht hätte. Der Redner bespricht dann in markanten Zügen die Grundlagen unserer Handelspolitik, die Meistbegünstigungsllausel und das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit. Zum Schluß der Versammlung überbrachte Herr St einer-Worms, derVvrsitzendedes Wormsernatio- nallib. Arbeitervereins, der schon über tausend Mitglied er zähll, dessen Sympathieausdruck und brachte ein dreimaliges Hoch auf die nationalliberale Partei aus. Nach weiteren patriotischen Worten des Justizrats Schmeel schloßdieVersammlung nach fast fünfstündiger Dauer mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Bei dem daraus stattfindenden Essen toastete Justizrat Schmeel auf die Herren v. Heyl und Graf Oriola, Dr. Windecker auf den Nestor Dr. Osann L, Frhr. v. Heyl auf Justizrat Schmeel, Allbürgermeister Koch-Oppenheim auf die nationalliberale Jugend, Graf O r io la auf die neu- gewähllen hessischen Reichstagsabgeordneten, die in der Versammlung zugegen waren, und Geh. Justizrat Osann I. auf die beiden neugewählten Darmstädter Landtagsabgeordneten. besten tragischer Ausgang bereits telegraphisch berichtet wurde, bringen die Blatter nachstehende Einzelheiten. Belbe Widersacher stammen aus Toulouse und gehören Familien an, bie dort eine sehr geachtete Stellung emnehmen befonbers Ebelot, dessen Vater einer der hervorragendsten Advokaten jener Gegend und Maire der Stabt Toulouse gewesen war. Lautier verfolgte Frau Ebelot, eine sehr schöne Dame, mit unsittlichen Anträgen, und zwar in so unverschämter Weise, baß die geängstigte Frau schließlich ihren Gatten davon in Kenntnis setzen mußte, obgleich sie voraus ahnte, daß dieser, ein heftiger, aufbrausender und unversöhnlicher Charakter, die gegen ihn versuchte Beeinträchtigung seiner Gattenehre fürchterlich rächen werde. Das Duell war bereits in Toulouse verabredet worden, man hatte sich aber dahin geeinigt, es in Paris auszufechten. Lautier war mit seinem Vater nach Paris gekommen, ohne daß der unglückliche Greis eine Ahnung von den Vorfällen hatte. Die Gegner waren sehr ungleich; während nämlich Ebelot ein befürchteter Stockdegenfechter ist und schon viele Waffengänge siegreich bestanden hat, war Lautier in der Handhabung des Degens gänzlich unbewandert. Er nahm noch rasch vor dem Tage vor dem Waffengange eine Lektion, die natürlich nicht hinreichend war. Der Waffengang spielte sich mit unheimlicher Geschwindigkeit ab. Die Gegner hatten kaum die Degen gekreuzt, als der Ebelots mit unwiderstehlicher Gewalt in Lautiers Achsel drang unddiesebiszurSchulterdurchbohrte. Lautier hob beide Arme in die Höhe, drehte sich um sich selbst und ank lautlos einem seiner Zeugen in die Arme, an dessen Hals er sich so fest «nklammerte, daß man seine Hand nur mit Mühe loslösen konnte. Ein Blutstrom drang ihm aus dem Munde; er war s o f o r t t o t. Ebelot stellte sich unverzüglich den Behörden und erklärte dem Richter auf Ehrenwort, daß er seinen Widersacher nicht habe töten wollen und daß nur dieser selbst durch sein unvorsichtiges Anstürmen in seinen (Ebelots) Degen sozusagen hineingerannt sei. Er sei aufs Tiefste durch den tragischen Ausgang des Duelles erschüttert. Ebelot wurde vorläufig aus freiem Fuß belasten. Das Duell gibt übrigens Anlaß zu einem heftigen Streit zwischen den verschiedenen Fechtmeisterschulen, da die Einen, die e6p6istese behaupten, Lautier sei nur deshalb von dem furchtbaren Schicksale ereilt worden, weil er eine Fleurettisten- stellung mit eingebogenem Arme angenommen habe. Die „fleurettistes“ erwidern darauf, daß die Darstellung des Duelles überhaupt keine Schlüsse zulaste, und daß wahrscheinlich niemand in der Lage (ei, den wirklichen Hergang, der sich mit blitzartiger Schnelligkeit abgespielt habe, genau festzustellen. • Madrid, 21. Nov. Bei der Station Cerocdilla nördlich von der spanischen Hauptstadt fuhren zwei Eisenbahnzüge mit voller Gewalt aufeinander. Die Folgen des Zusammenpralles waren furchtbar. Unter den Trümmern wurden 5 Tote, 7 Sterbende und 12 Verwundete hervorgezogen. * Mailand, 20. Nov. Der Großindustrielle und mehrfache Millionär Luigi de Medici ist unter der Beschuldigung, seine Gattin vergiftet zu haben, verhaftet worden. * Budapest, 21. Nov. In Szilo hat der 35 jähnge Wirtschastsbeamte Grabansz seine 26jährige Ehefrau sowie 2 Kinder im Alter von 4 und 6 Jahren erschossen und dann Selbstmord verübt. * Petersburg, 20. Nov. In Ljachowitz (Kreis Shi- tonnr) erschoß ein 18jäh.riger Fähnrichseine Stiefmutter und seine beiden kleinen Stiefbrüder und stellte sich dann den Behörden. Die AUeldigung gegen Minister Zluystrat vor Gericht. hl Oldenburg, 21. Nov. Gymnasialdirekdor Früstück-Birkenfeld hat nach den Liebesmahlen mit dem damaligen Staatsanwalt Ruhstrat im Ziviltasino gespielt. Er höbe auch einige Male dem Minister Geld geliehen. Irgendwelche Versprechungen habe ihm der Minister nicht dafür gemacht. Er glaube auch nicht, daß der Minister zu seiner Beförderung beigetragen habe. Er sei mit Dr. Ries befreundet gewesen und habe diesem auch bisweilen über Vorgänge im Kasino Mitteilungen gemacht, er hatte aber keine Ahnung, daß Dr. Ries m dieser Weise die Mitteilungen verwerten werde. Dr. Ries habe oei Lehrern und Schülern in hohem Ansehen gestanden uno galt für einen Mann, der in jeder Beziehung gerecht war. Er könne sich das Verhalten des Dr. Ries nur dadurch erklären, daß derselbe über seine Versetzung sehr verstimmt war. z Amtsrichter Stukenborg har ch als Referendar im hiesigen Zivilkasino viel gejeut. sei ziemlich hoch gespielt worden. Einmal habe er mit dem Minister Ruh- gpielplau bet Dttttniglea Frankfurter Ztabtthrater. Opernhaus.! Dienstag den 24. Novembr*): „Oberon." Mittwoch den 35. November, abends halb 8 Uhr: wUnbine/ Donnerstag den 26. November, abends 6 Uhr: .Die Meistersinger von Nürnberg." Walther von Stolzing: Herr Karl Piann vom Stadttheater m Brünn a. G. Freitag den 27. November geschlossen. Samstag den 28. November: „Oberon". Sonntag den 29. November, nachmittags halb 4 Uhr: »Die beiden Schützen." Abends 7 Uhr: „Carmen." Montag den 30. November: „Der Waffenschmied." Schauspielhaus. Dienstag den 24. November*): Zum ersten Male: „Zapfenstreich." Mittwoch den 25. November: „Die Zähmung der Wider- spanstigen." Doiinerstag den 26. November: „Nachtasyl." Freitag den 27. November: „Alt-Franksurt." Samstag den 28. Nov.: „Zapfenstreich." Sonntag den 29. November, nachmittags halb 4 Uhr: „Der Hochtourist" Abeiids 7 Uhr: „Zapfenstreich." Montag den 30. 91ovember: so ich Dir". *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Allerdings. v Minister Ruhstrat: Was in allen andern Kreisen, o ist auch in dem unfrig-en viel geschimpft worden. Ich war eine zeitlang in Berlin, da ist ebenfalls viel' ge- chimpft worden. Kaufmann Lohs e-Oldenburg als Zeuge bekundet: Ich bin Offizier der Landwehr und habe mehrfach an den Offiziers-Liebesmahlen teiltenouimen. Zu meinem Leidwesen habe ich gehört, daß von den jüngeren Herren dort ehr viel gefpiell wurde. Ich habe in meiner Eigenschaft als ältester Offizier es nicht geduldet, daß Offiziere in Uniform spielen. Bert.: Hoben Sie auch den Nebenkläger, Minister Ruh- Irat, spielen sehen? — Zeuge: Jawohl Bert.: Haben Sie dem Minister Darlehen ge- Zeuge: Aus 1500 Mark. Zeuge Referendar Th-orode bekundet: Professor Dencker habe ihm emmal erzählt: Minister Ru h st r a t Hobe, wenn die Referendare Silberaeld als Einsatz gaben, dasselbe verächtlich auf die Erde geworfen. Nebenlläger Minister Ruhstrat: Ich will dos nicht absolut bestreiten. rwndgerichtsrot Hartong bekundet als Zeuge: Er Hube von dem Brauereidirektor Hoher einmal im Eiseu- bcchluvagen gehört, daß Minister Jiuhstrat den Oberlandes- gerichtsrat Tenge ,siDberschas vorn Overlandcs-Gericht" genannt habe. Der erste Staatsanwalt Riesebieter sei dabei zugegen gewesen. Berd N.-A. Dr. Sprenger: Ich wäre berechtigt, zu beantragen, den ersten Staatsanwalt als Zeugen zu vernehmen. Ich will jedoch davon Abstand nehmen, da ich nicht gern eine Vertagung der Verhandlung herbei- ühren möchte. Ich will mir aber die Bemerkung erlauben, )aß es zu den Pflichten eines Staatsanwalts! gehört, auch die chm bekannt gewordenen En t la st u n g s- beweise zur Stelle zu schaffen. Inzwischen ist von dem die Untersuchung führenden Arntsriafler der Befehl eingetragen: Biermann zwecks Antritts der bereits rechtskräftig gewordenen Strafe von 6 Ntonaten Gefängnis wegen Beleidigung des Landrichters Haake sofort in Haft zu nehmen. Tie weiteren Verhandlungen drehten sich im wesentlichen wieder um den Ausdruck ,^)berschaf", der erwiesenermaßen gefallen ist Tas Urteil wurde heute, am Samstag, gesprochen. Tr. Ries erhiell 6 Monate, Biermann 10 Monate Gefängnis. Ter Staatsanwatt hatte beantragt: gegen Dr. Ries wegen Beleidigung des Landrichters Haake 6 Monate Gefängnis, wegen der Beleidigung des Ministers Ruhstrat 9 Monate Gefängnis, die er auf eine Gesamtstrafe von 1 Jahr zusammenzuziehen bat Gegen Biermann batte er beantragt wegen Beleidigung des Ministers Ruhstrat 9 Monate Gefängnis. Ta Biermann wegen Beleidigung des Landrichters Haake bereits rechtskräftig zu 6 Monaten Gefängnis oerurteilt worden ist, so ersuchte er ebenfalls auf eine Gesamtstrafe von 1 Jahr gegen Biermann zu erkennen. Der Verteidiger Rechtsanwatt Greving batte beantragt für Dr. Ries Geldstrafe, Verteidiger Rechtsanwatt Dr. Sprenger für Biermann Freisprechung. Infolge der Enchüllungen in diesem Prozeß hätt man die Stellung des Ministers Ruhstrat für erschüttert und erwartet seinen Rücktritt. Vermischtes. * B e r l i n, 21. 9to0. In Schöncherg ist die Einführung einer Automobilseuerwehr von der Stadwerwalt- ung beschlossen worden. * Seehausen, 22. Nov. Amtlich wird gemeldet: Von dem Personenzug 445 Wcktenberge—Stendal- Magdeburg sind heute zwischen Osterburg und Seehausen die Tenderachse der zweiten Diaschine und drei Personenwagen entgleist. Sieben Personen wurden verletzt, zum Teil schwer. Von diesen sind zwei Reisende im Krankenhause zu Osterburg untergebracht. Die Angehörigen sind benachrichtigt. Das Fahrgeleise ist voraussichtiich bis gegen Abend gesperrt, der Personenverkehr an der Unfallstelle wird durch Umsteigen vermittelt. Die Ursache des Unfalles ist noch nicht ermittelt. * Eisleben , 22. Nov. Der 17jährige Realschüler S ch n e t b e r gab im Jähzorn auf seinen Vater, einen Hotelbesitzer mehrere Schüsse ab und verletzte ihn schwer am Unterleib. Der ungeratene Sohn flüchtete, wurde aber ergriffen und verhaftet. * Sonneberg, 2j. Nov. In Neuhaus erschoß sich der Lehrer Steiner in Anwe;enhett der llntersuchiungs- «Ö Ci w e© ©r B u Ä a K WM CD E Q L L er er CD E E CO O <55 E Q » en *2 Ä s tro E « J-» «ft XD E Ä CD CD E E XD E <5 <5- K s E E CD- E C E <5 UD E s sO Q -oft E N £? E E E ‘g 5 e Oft «ft & E E E -C >b ,lc7 XD ’£ B - ?-> E S «El xd E i E 2 E p E XD O N XD J-* <-» ü Ä — CD 03 J? O -O §85 E CD E iZT C P Oft es» o E s-> c© E <-> «SD S CO -M o >b E XD Q C o N B «ft o <5 u— XD 603 ."ä 2 B g Q C, ii :Q XD s. tia , s* CD «ft § L C — ’bk E «o E- O «> E C <-» g‘£i i-g ti E m es Jp CD O oft CQ A CD «ft CD « S ‘X • >b S* E O-> V AZ Ä-B S E E E Sä | vO E E E o 9 ©sg a «« 5>^" *? u eü L j_» E ED ♦ ^CQiH E XD , _ r-< CD r*« E — § O -s ftt)Z O© o P ° E E E Ö E 2?«=. CD'S' iE <2- O » CD " «ft E O sj o o — JC o EP xd _£ =e p CQx> ±: e- g § *g g 2, o tE2 «° 1 Ä ©- g3’5 ! « Z. °>8- XD - — E _,_» -y 5 p E ® 2 8* E E W— C <5 CD e-> S S-g . 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