Dienstag 23. Juni 1903 153. Jahrgang Erstes Blatt. Nr. 144 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck n. Verlag der Brüh l sschen Unwers.-Buch» u.Stein- bruderte (Piets ch Erben) Redaktion, LrpedUiou und Druckerei: Schnlstraße 7, Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FecnIprrchanfchlußNr 5L ® mEtMöPb,wettet- GletzenerAnzeigerW General-Anzeiger w ä». V ** den poltt und allgern. Amts- und Anzeigeblatt für den weis Gießen ZMZ ? zeig enteil: Hans Beck. B^isasMe«®iieBHSMHÄeM™e™DeHQ Zur Stichwahl. Die Herren Köhler uni) Krumm bestreiten in Zuschriften an uns die Richtigkeit unserer gestrigen Meldung von dem gemeinsamen Plcmderstundchen am 17. d. M. im Hause des Herrn Bürgermeisters Köhler ab. Herr Köhlerr behauptet, wir seien mit dieser Nachricht ,/angelogen" worden. Dazu können wir bemerken, daß uns diese Mitteilung von einer der angesehensten. Gießener Persönlichkeiten zugegangen war, unb zwar stützte sich diese Nachricht aus eine Bemerkung eines dem sozialdemokratischen Reichstags- kaudidaten Gießens persönlich sehr nahe stehenden Herrn. Herr Köhler behauptet ferner in der Zuschrift an uns, daß „Leine Verhandlungen irgendwelcherÄrt zwischen ihm, der Leitung des Bauernbundes und dm Soziis stattgefunden" haben. Herrn Krumm sah und sprach er, wie er uns schreibt, das letzte Mal in Langgöns im Mar 1903. — Herr Krumm bezieht sich sogar auf das Preßgesetz, indem er uns schreibt: »Die ganze Notiz über Kompromißverhandlungen zwischen Herrn Köhler-Langsdorf und mir ist von A—Z erfunden". Sei dem, wie ihm wolle, mit Unwillen und Betrübnis muß man es jedenfalls wahrnehmen, daß zum mindesten ein Teil der Gefolgschaft des Herrn Köhler die Bedeutung des sozialdemokratischen Erfolges und das Wesen der sozialdemokratischen Gefahr verkennt. Vielleicht tröstet er sich damit, die Millionen, die jetzt auf den ersten Hieb mehr als fünfzig Abgeordnete gewählt haben, verständen wenig von der sozialdemokratischen Lehre, sie seien keineswegs „Genossen" und hätten nur ihrer eigenen Unzufriedenheit Ausdruck geben wollen. Als ob das Wesen der Sozialdemokratie in einer abstrakten „Lehre" bestände! Als ob die sozialdemokratische Politik das Volk zu sozialistischen Professoren erziehen wollte! Als ob eine politische Bewegung überhaupt in irgepd welchen theoretischen Grundsätzen die Wurzeln der sie treibenden Kraft haben könnte! Nein und nochmals nein! Die Sozialdemokratie ist etwas sehr einfaches und gerade in ihrer Einfachheit um so Gefährlicheres. Die politische Aufgabe der Sozialdemokratie ist es, der Masse die Herrschaft im Staate in die Hände zu spielen. Das Ziel der Sozialdemokratie ist die Entthronung des Kaisers und der Fürsten. Der Weg dazu ist die schrittweis vor sich gehende Verwandlung der bestehenden monarchistischen Konstitution in das parlamentarische Scheinkönigtum. Gegen die Monarchie und die Religion! — das ist die eigentliche sozialdemokratische Wahlparole und das ist zugleich seit Jahren die sozialdemokratische Kampfparole gewesen. Es ist der Sozialdemokratie gelungen, die brutalen, egoistischen Masseninstinkte zu wecken, die Massengefühle zu beherrschen und ine Massen selber herrschaftslüstern zu machen. Es ist der Ansturm gegen die Monarchie, der alle Patrioten zur Verteidigung unserer höchsten vaterländischen Güter auf die Schanzen ruft. Gerade eine Partei, die ihr Deutschtum vor allem Anderen betont und hochhält,' sollte es als eine Schmach empfinden, daß überhaupt die Frage, ob sozialistisch oder national, im Lande der deutschen Treue, der monarchischen Konstitution auch nur aufgeworfen werden kann! Darum ist der bekannte Aufruf des Wahlausschusses der deutsch- sozialen Reformpartei politisch klug nicht zu nennen. Ebensowenig wie im gewöhnlichen Leben soll man sich auch in politischen Dingen von Mißstimmungen leiten lassen und es ist anzunehmen, daß nur ein sehr kleiner Teil der Wähler des Herrn Köhler der Aufforderung des Ausschusses Folge leisten, der weitaus größere aber „höheren" und einsichtsvolleren Weisungen sein Ohr schenken wird, trotz aller so eigensinnigen als unpatriotischen Erklärungen des Wahlausschusses. Nimmermehr können wir glauben, daß die seßhaften Landwirte unseres Wahlkreises durch Wahlenthaltung einem Sozialdemokraten zum Siege verhelfen wollen, und Wahlenthallung von Seiten der Anhänger des Herrn Köhler würde ganz unzweifelhaft unseren Wahlkreis, vielleicht für immer, der Sozialdemokratie ausliefern. Darüber kann fein Zweifel bestehen; Herr Krumm wird, durch eifrige Agitation und unterstützt durch Parteiführer, die für die Stichwahl frei sind, seine Stimmenzahl noch erheblich steigern. Nur stärkste Wahlbeteiligung von Seiten der Bürger und Bauern, die seine Gegner sind, kann seinen Sieg verhindern. Man sollte meinen, daß die Entscheidung darüber, welcher von beiden Kandidaten den Landwirten der genehmere sein müsse, leicht sei. Auf der einen Seite steht Herr Heyligenstaedt, zwar kein Bauer, aber ein Mann, der in seinem ganzen politischen Verhalten von jeher gezeigt hat, daß er auch volles Verständnis für die Interessen der Landwirtschaft besitzt. Heyligenstaedt hat bereits wiederholt erklärt, daß er bereit sei, einzutreten für die landwirtschaftlichen Schutzzölle bis zu der Höhe, wie sie im Zolltarif festgesetzt ist, außerdem für energische Abwehr jeder Viehseuchengefahr. Auf der anderen Seite fleht Herr Krumm, ein entschiedener Gegner von Zöllen, die, auf landwirtschaftliche Produkte gelegt, deren Preis steigern sollen. Herr Krumm ist Mitglied der internationalen Sozialdemokratie, der Partei, die durch Wort und Tat fortgesetzt schmäht und herabwürdigt unsere Errungenschaften aus dem Jahre 1870, der Partei, die unsere ganze Staatsordnung umgestalten und an deren Stelle, ein kommunistischen Staatswesen setzen will, in welchem es ein Eigentum an Grund und Boden, cur Maschinen und Werkzeugen, an Kapital, sei es groß oder klein, nicht mehr giebt, einer Partei, die unser Vaterland in unabsehbare Kämpfe und namenloses Unglück stürzen würde, wenn es ihr je gelänge, ihre sogenannten Ideale zur Verwirklichung zu bringen. Es ist evn trauriges Zeichen unserer Zeit, aber ein Merkmal, wie weit diese unselige Verhetzung zwischen Stadt und Land, zwischen Arbeitgeber und Arbeiter schon gediehen ist, daß heute, kaum 30 Jahre nach der von ganz Deutschland mit Jubel begrüßten Gründung des Reiches und Schaffung eines deutschen Kaisertums, Millionen deutscher Wähler einer solchen Partei ihre Stimme geben. Wollt Ihr, Bürger und Bauern unseres Wahlkreises, Euch diesen Millionen anschließen? Wir können es nimmermehr glauben, und erhoffen von Eurem gesunden Sinn und Eurer politischen Einsicht, daß Ihr der von der deutsch-sozial/en Reformpartei gegebenen Wahlparole nicht folgt, sondern Eure Stimmen vereinigt auf den Kandidaten der liberalen Parteien Herrn Heyligenstaedt. Aus Darmstadt erhalten wir folgendes Telegramm unseres sd.-Jtorrefonbenten: Wie wir gerüchtweise vernehmen, wird im Falle der wahrscheinlichen Niederlage des Abg. Ulrich in Offenbach der im Kreis Darmstadt- Groß-Gerau gewählte sozialdemokratische Abg. Cramer die Wahl nicht an» nehmen, sondern das Mandat Hrn. Ulrich für den hiesigen Kreis antragen, sodaß wir erneuten Wahlkämpfen errtgegensehen. Die Meldung scheint uns, so verblüffend sie auch ist, durchaus nicht unwahrscheinlich, und die hessischen Sozial- demokrate'fl würden gewiß. Herrn Cramer als einen Helden der SelbsÄntäußerung und Selbsterkenntnis schätzen, sollte der Ausgang des 25. Juni ihn zu diesem Entschluß führen. Jedenfalls wird die Sozialdemokratie in Hessen kein Mittel unversucht lassen, um ihrem geistigen Führer einen Sitz im ReichspcuLament zu verschaffen. Ueb'ftgens wird heute abend die Stadt Offenbach um der schönen Siugen des Herrn C. Ulrich willen bebebelt werden. Herr Be^el wird heute dort eine Versammlung abhalten und um den Preis von 10 Pfg. pro Person die Kandidatur Ulrich empfehlen. * • • Die Nationalliberale Parteileitung in Bingen hat infolge agrarischen Einflusses den Beschluß gefaßt, für das sonst von den Nationalliberalen so eifrig bekämpfte Zentrum und gegen den bekannten freisinnigen Abg Reinh. Schmidt einzutreten. Das sozialdemokra- trsche.Wahlkomitee des Wahlkreises Alzey-Bingen fordert dagegen, logischerweise für die Stichwahl zur Stimmabgabe für den Freisinnigen Schmidt auf. In der neuesten Nummer des „Freien Wortes" (Frankfurt a. M„ Neuer Frankfurter Verlag) schreibt ein National- liberale>c: Der Liberalismus ist klerikal geworden! ... Es dars nicht der Sozialdemokratie allein überlassen bleiben, in Deutschland die G e i st e s f r e i h e i t und den g e i st i g e n Fortschritt zn schützen. Gerade der nationalliberalen Partei sollte die Pflicht einleuchten, in ihren Parteigängern die freiefte, vorgeschrittenste Weltanschauung zu fördern und zugleich eine erhaltende staalssreundliche Gesinnung zu pflegen. Die Nationalliberalcn sollten, 'jeder durch sein eigenes Leben, zeigen, daß man ein Freund der Gc/istessreiheit sein kann, ohne falsche oder übereilte politische Folgerungen zu ziehen und ohne einer haltlosen Lebensführung zu aerfallrn. Stimmenthaltung beschlossen die National-- liberalen für die Stichwahl in Speyer zwischen Zentrum und Sozialdemokrate n, als Antwort auf die vom Zentrum proklamierte Stimmenthaltung bei den badischen Stichwahlen zwischen 'Nationalliberalen und Sozialdemokraten. Wie das ,^8-erl. Tagebl." aus Leipzig berichtet, hat Reichsgerichtsrat Spahn am Freitag vom Grafen Posa- d o w s k y aus Berlin ein Telegramm erhalten des Inhalts». er möge sofort nach Berlin kommen. Da Dr. Spahn dies wegen einer wichtigen Sitzung abgelehnt hat, trafen Graf Posadowsky und Abg. Dr. Bachem in Leipzig ein, um über,' ein Zusammengehen der Ordnungsparteien mit dem Zentrum für die Stichwahlen besonders! in West- und Süddeutschland zu verhandeln. Die Eiir i g un g ’ ift auch erfolgt unb daraufhin sind am Samstagabend zahlreiche Telegramme vom Abg. Dr. Spahn ab^eschickt worden. Das Provinzial-Wahlkomitee der schlesischen Zen- trumspartei empfiehlt seinen Wählern bei der Stichwahl im Wahlkreise Glogau für den Konservativen Quehl un& gegen - den Freisinnigen Hoffmeister zu stimmen und im Wahlkreise Löwenb'erg für den Konservativen Wintersheim gegen den Freisinnigen Kopsch zu stimmen. Dafür werden un Wahlkreise Pleß Rybnit btc Konservativen den Zcmtrums-Kandidaten Faiün gegen den Nationalpolen Ko- w'lllezyk unterstützen. - In Guben fordert der tvnserva live Verein seine politischen Freunde auf, beji der Stichwahl Zwischen Prinz Schönaich-Karolath ftm.1l.) und dem Sozialdemokraten Kotzke für den ersteren zu stimmen. In Thorn haben die Sozialdemokraten beschlossen, für den polnisch e.n Kandidaten Breiski zu stimmen, wodurch der Wahlkreis den Deutschen verloren gehen dürfte!!! Im Kreise Mülheinr-Wupperfürth werden die Agrarier aufgefordert, für den Zentrums- kand id aten de Witt zu ft im men. Im Wahlkreise Czar- nikau-Colmar und Lissa-Fraustadt will das Zentrum die Polen.gegen die deutschen Kandidaten iinten» stützen. Beide Wahlkreise waren bisher in deutschem Besitzstände. Die klerikale „Germania" erklärt, daß für die Zentrumswähler überall und unter allen Umständen die Parole gelten müsse, daß es durchaus unzulässig sei, eine Stimme für d en sozialdeimo irakischen Kandidaten abzugeben. Die im Wahlkreise des freif. Abg. Dr. Barth erscheinende „Kieler Ztg.", das Hauptorgau der freif. Partei in Schleswig-Holstein, erklärt sich für die unbedingte Unterstützung aller bürgerlichen Kandidaten gegenüber der Sozialdemokratie und für das Großherzogtum Baden hat die frei- finnige Volkspartei die Parole gegen die Sozialdemokraten ausgegeben. Aufsehen hat es erregt, daß die „National- ztg." für den Freiberger Wahlkreis (Sachsen) den unverblümten Rat gegeben hat, den konservativ-bündlerischen Dr. Oertel durchfallen zu lassen und den — Sozialdemokraten zu wählen. Darüber ist die nationalliberale ,^)ih.-Dkstf. Ztg." mit Recht erbost und schreibt: „Cs ist geradezu eine Schmach, daß die „nationalliberale" „Nationalztg." energisch den Wählern rät; für den Sozialdemokraten gegen die Konservativen einjutreien. Und solches Blatt wag^.noch besonders „National" als Name sich zu geben. Der Titel müßte entschieden geändert werden." Der „Nat.-Ztg." zufolge haben jedoch jetzt die Liberalen in Freiberg sich entschlossen, zu der Stichwahl die Partei gegen den Sozialdemokraten aufzufordern. Politische Tagesschau. Der preußische Fiuauzmmister Frhr. v. Rheiubabeu wird in Bälde von seiner Amerikarteise zurück erwartet. Er hat sich sehr befriedigt über sie ausgesprochen. Er wird, wie man uns aus Berlin schreibt, feine Beobachtungen und Erfahrungen im Dollar lande in einer für den Kaiser bestimmten Denkschrift niederlegen. In einem Interview hob Herr v. Rhembaben das Ent> gegenkommen dankbar hervor, das chm von allen Seiten- in den Vereinigten Staaten entgegengebracht wurde, und sagte u. a. folgendes: Der Gesamt-Eindruck, den ich empfangen habe, ist, daß auf Grund des natürlichen, überall zu tage tretenden Reichtums des Landes namentlich an Kohlen lund Eisenerzen in den Vereinigten Staatern eine Industrie sich entwickelt hat, die durch den Massenabsatz von überaus großen Dimensionen gerade im eigenen Lande gefördert wird und auf ihrem Vorwärtsmarsche nid# rasten wird. Besonders lehrreich und für uns nachahmungswert erscheint mir auf industriellem Gebiete die Spezialisierung unjbf die Verwendung überraschend zeiter - s p ar e n b e r Maschinen, welche die Produktionskosten verringern, für die Arbeiter und damit für das dauernde Gedeihen unserer Industrie. Im ganzen ist hüben wie drüben das gleiche Vorwärts streben zu konstatieren und beide Länder können viel von einander lernen, so verschiedene Aufgaben sie auch zu lösen haben. Nach einer Depesche des „Berl. Tgbl." aus Philadelphia wurde dem Finanzminister von Rheinbaben vom Union- League-Klub ein Festessen gegeben. Zu den Rohestöruugeu in Laurahütte (vergl. unsere gestrigen Telegramme) wird heute gemeldet: In Laurahütte war eine Zentrumsversammlung einberufen, zu der den Großpolen der Eintritt verweigert wurde. Daraufhin sammelte sich vor dem Lokal eine große Menschenmenge an. Die Sicherheitsorgane mußten zur Auflösung der Zentmmsversammlung schreiten. Um die Menge zu zerstreuen, wurde die Feuerwehr herbeigerufen. Diese ging mit Wasser vor und erregte dadurch die Menge, die zum Angriff überging und sämtliche Feuerwehrgeräte in den Teich stürzte. Tausende durchzogen die Straßen und zertrümmerten zahlreiche Fensterscheiben der öftentlichen und privaten Gebäude. Die Polizei und die Gendarmerie mußten zunächst ihre Handwaffen und später ihre S ch u ß w a ff en'gebrauchen. Beiderseits gab es zahlreiche Verwun bete, einer wurde erschossen. Gegen Mitternacht war die Ruhe wieder hergestellt. Vier Schwerverletzte wurden ins Lazarett gebracht. Das nachts von Beuthen requirierte Militär brauchte nicht einzuschreiten. ©in anderer ausführlicherer Bericht besagt: Im Ludwigschen Gasthausc sollte eine von der Zentrumspartei einberufene Wahlversammlung stattfinden. Zahlreiche radikale Polen und Sozialdemorraten, welche zu der nackMittags in Katkowitz abgehaltenen polnischen Zenrrumsversammlung keinen Einlaß fanden, wandten sich nach der Laurahütte und besetzten lange vor der festgesetzten Zeit den Saal. Vor dem Saal stand eine tausendlöpfige Menge, welche keinen Einlaß mehr finben konnte. Als der Ortspfarrer die Versammlung eröffnen wollte, setzte ein großes Johlen und Pfeifen ein. Auf den polnischen ütanbibaten Korfanty wurden stürmische Hochrufe ausge- bracht und gegen bic Geistlichkeit heftige S a; m ä y i u f e ausgestoßeii. Der Bor stand war gezwungen, bin et) eine Hintertür über Gartenzäune in die Pfarrei zu flüchten. Der Saal wurde langsam geräumt. sJütf dem MG vorm. Fernie. die Fel Die Kommis leiliglen G Aetr. A Mi tagsstict Enlgegc -üeremii Moutül verlegt. Srii 207.40 208.75 135.50 173.25 180.50 15: Ruhig. Höhe. Berlin, 22. Juni. Wollauklion. Tic Auktion von 5000 Zentnern Rückenwäschen ging flott von statten. Tuchsabrikauteu, Vutfabrikanten, Spinner und Großkausleuie waren Hauptkäuier. Der Preisausschlag gegen das Vorjahr betrug je nach Qualität 8 bis 30 Mt., vereinzelt noch einige Mark darüber. Die Wäschen waren im ganzen gut und der Derkaus schlank, nur einige kleine Posten mürben wegen zu geringen Gebotes zurückgczogeii. 2500 Zentner ungewaschene Wolleii tauben ebenfalls willig Stäniec unö wurden je nach Qualität gegen das Vorjahr 5 bis 10, vereinzelt • bis 30 Alk. gegen das Vorjahr besser bezahlt. Einzelne Lose wurden ebenfalls roegen zu geringen Gebotes zurückgezogen. De Den Sci ^inmach Segen. 207.30 208.75 135.50 173.40 180.37 Sonntag tagte hier eine Versammlung t>er Bureaubeamten von Rechtsanwälten uni> Notaren in di:r Provinz Oberhessen. Als Referenten waren die Buretauvorsteher Lothe- Wiesbaden und Schumm-Mainz erschienen. Die Versammlung beschloß einstimmig die Gründung eines Ortsvereins mit dem Sitze in Gießen, zu welchem Zwecke sämtliche Anwesende ihren Beitritt zum Verband deutscher Rechtsanwalts- und Notariats-Bureaubeamten erklärten. Bis zur Konstituierung des Ortsvereins und der Wahl eines Vor- tandes wurde der Bureauvorsteher Rühl-Gießen mit der Führung der Geschäfte betraut r. Gr 0 ßen-Buseck, 22. Juni. Güstern abend zwi- chen 11 und 12 Uhr wurde der Landwirt Justus Hofmann von hier auf dem Nachhausewege von der Wirtschaft des Gastwirts Stephan überfallen und derartig zugerichtet, daß er in Lebensgefahr schwebt. Man ist den Tätern aus der Spur. (!) Leihgestern, 21. Juni. Der Turnv erein eierte heute sein 10. Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe. Vormittags von 8 Uhr ab fand Wettturnen der hiesigen Turner statt. Mittags trafen etwa acht benachbarte Vereine ein. Nachdem der Gesangverein das Weihelied vorgetragen hatte, überreichten die Festdamen die neue Irachwolle Fahne, welche auf der Mitte das Bildnis des Turnvaters Jahn zeigt. Nach dem Weihealt fanden Stabübungen, Schau- und Kürturnen statt. Abends wurden noch Pyraniideii aufgestellt und an sieben hiesige Turner Preise verteilt. § Stangenrod, 20. Juni. Für unsere Gemeinde ist nun ebenfalls das neue Grundbuch im Sinne des Reichs- Jmmobiliarsachenrechts angelegt. Es ist das die vierte Gemarkung im Amtsgerichtsbezirk Grünberg, welche unter die Herrschaft des neuen Grundbuchfystems getreten ist. -0- Lich, 21. Juni. Wie nur bereits m.itteilten, wird das goldene Jubiläum des Lehrers Jäger am 3. Juli gefeiert werden. Die Feier beginnt vormittags 10 Uhr mit Gottesdienst, dem die Ueberreiajung her Geschenke und ein gemeinschaftliches Mittagessen folgt. § Bu tzb ach, 21. Junc. Der Eisend ahnbeam- ten-Verein von hier und Umgegend unternahm heute, einen Familienausslug nach Wetzlar. — Anläßlich des heutigen F e l d b e r,g f e st e s wurden gestern abend hier und in mehreren Nachbarorten auf verschiedenen Stellen größere Freuden feuer abgebrannt. Von hier beteiligten sich ca. 70 Personen an der Turnsahi7t nach dem Feldberge. § Okarben, 21. Juni. Zu Ehren den 1866 und 1870/71 von hier ausmarschierten Kämpfer shat unser Krieger- und Militärverein eine große Ged en ktafel aus Marmor errichten lassen, welche nächsten Sonnbag feierlich enthüllt werden soll. Darmstadt, 20. Juni. Das Amtsbla.tck Gr oßh. Ministeriums der Justiz Nr. 15 vom 6. Juni d. I. enthält ein Aus sch reib en an sämtliche Justizbehörden, insbesondere die Großherzoglichen Gerichtsvollzieher, betr. den Ansatz der Gebühren und Auslagen der Gerichtsvollzieher. Frankfurt a. M, 22. Juni. Dem 2. Nass. Feld- Artillerie-Regiment Nr. 63 „Frankfurt" wurde Hon 12 der ersten Frankfurter Familien ein kostbarer silbewner Tafelaufsatz geschenkt und dem Ofsizierkorps im s^ause des Handelstammerpräsidenten Kommerzienrat Andv:eae-Passa- vcmt überreicht. Ander Feier nahm auch der Ober Präsident Graf Zedlitz-Trützschler teil. C r 0 n b e r g, 21. Juni. Der Zudrang zum' heutigen 50. F e l d b e r ig f e st war ganz bedeutend. Sichon die gestrigen Nachmittags-, aber besonders die Übendzüge brachten eine Menge Turner aus nah und fern, die teils hier übernachteten oder direkt zum Feldberg manbejrten.. Infolgedessen herrschte während der ganzen Nacht hier lebhaftes Treiben, das sich bis heute vormittag fortsetzte. Während der Nacht war Regen gefallen, und Me Gipfel des Taunus umhüllte am Morgen dichter Nebel. Das auf 7 Uhr festgesetzte volkstümliche Wettturnen wurde: deshalb auf 11 Uhr verschoben, konnte aber auch dann nippt wegen des starken Nebels seinen Anfang nehmen. Der Ausschuß beschloß hierauf, das Feldbergfest aus den 2 3. August zu verschieben. Homburg, 22. Juni. Heute mittag wurde in Anwesenheit des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, des Oberhofmarschalls Grafen Mirbach, des kommandierenden Generals v. Lindequift und zahlreicher Geistlicher aus der Umgebung der Grundstein zur eo an» gelischenErlöserkirche in Homburg gelegt. Prinz Friedrich Karl von Hessen vollzog im Namen des Kaisers die drei üblichen Hammerschläge. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Wetzlar äußerte bei der. Besichtigung des Domes Kultusminister S t u d t, daß i.m Einverständnis mit dem preuß. Finanzminister auf Bewilligung einer Lotterie zu Gunsten der Ausarbeitungen am Dom zu rechnen sei. — In Offenbach sind in der Ludwig- straße Portemonnaies, Etuis re. im Werte von 1500 Mk. gestohlen worden. — Die Enthüllung des D a r m ft ä b te r Goethe-Denkmals wird Dienstag, 30. Juni, stattfinden. — In Mainz wird am Sonntag, 5. Juli, die neue protestantische Christuskirche, an der Kaiserstraße gelegen, eingeweiht. Dabei findet ein Festessen in der Stadthalle statt. — In den Schloßanlagen zu Marburg schoß ein Unbekannter auf den dort spazierengehenden Schneider Kipp. Die Kugel drang demselben in den Unterleib. Der Verletzte wurde in die Klinik gebracht. Deutsches Derby und Laudstallmeister. Aus Berlin schreibt man uns unterm 22. Juni: Der Verlauf des gestrigen „Deutschen Derby/" in Hamburg hat sich die Ue b e rl e g e n h e i t der ö st r e i ch i s ch e n Rennpferdezucht über die deutsche wiederum erwiesen. Der 100000 Mark-Preis, zu dessen Erlangung das preußische Staatsgestüt die größten Anstrengungen gemacht hatte, ist, wie im vorigen Jahre, von einem östreichischen Pferde leicht gewonnen worden. Der Vorgang ereignete sich vor den Äugen Kai serWil Helms und des preußischen Landstallmeisters Gras Lehn darf; das in Sportkreisen zirkulierende Gerücht, der Kaiser habe sich über den Ans gang des Derby in ziemlich kritisch en'Worten zum Grasen Lehndors geäußert, klingt also nicht unwahrscheinlich. Das abweisende Urteil, das bisher im preußischen Landtag über die züchterische Tätigkeit des Landstallmeisters laut geworden ist, hat dessen Stellung nicht zu erschüttern vermocht. Möglicherweise wird dies aber eine Wirkung des Hamburger Derby sein, des ersten, dem Kaiser Wilhelm beiwohnte und, seiner Gepflogenheit bei sportlichen Veranstaltungen gemäß, gespannteste Aufmerksamkeit zuwendete. Gewerkschaft Gießener Brannsteinwerke In der am Samslag im Hotel Großherzog von vessen ftattgehablen konstilutionärcn Versammlung der „Gießener Bergwertsgeselljchaft mit beschr. Haftung" wurde bas von dem Vorsitzenden der Fernle- Gewcrkschaft vorgetragene Statut genehmigt und die Gesellschaft gegründet. In den Aufsichtsrat wurden gewählt: Hauptmann a. D. Deltus-Düsseldors, Kaufmann Joh. Heinrich Koeppern'Hagcn (Wests.), Kaufmann Adolph Kempken-Wickrath, Bankier M. David- Bonn, Rechtsanwalt Reh-Alsfeld, Rechtsamvalt Ludw. Leun-Gießen, Bankier Jakob Grünewald-Gießen. Tas Stammkapital der Gesellschaft beträgt Mk. 600 000, die Nachschnßpflicht bestehl in gleicher Aer IreSer-Schrnidt vor Gericht. Cassel, .22. Juni. Erster Verhandlungstag. Zu der heute vor dem Schwurgericht begonnenen Verhandlung war der Eintritt in den Zuschauerraum nur durch Karten möglich. Um 9 Uhr erschien aus der Untersuchungshaft der Angeklagte Schmidt. Der Vorsitzende begann mit der Mitteilung, daß die Verhandlungen etwa 14 Tage in Anspruch nehmen dürften. Vor Verlesung des Eröffnungsbeschlusses beantragte der Verteidiger Justizrat Seüel, das Strafverfahren, soweit es die Anklage wegen Betrugs betrifft, zurzeit für unstatthaft zu erklären und das Verfahren insoweit ein^u- stellen. Nach dem Vertrage vom 21. Juni 1845 dürfe wegen des Vergehens des Betrugs nicht ausgeliefert werden. Staatsanwultschastsrat Montell bittet, den Antrag des Aer- teidigers abzulehnen, denn hier müsse nach deutschem Recht gerichtet werden. Die Entscheidung des französischen Kafsa- tionshofes und das Gutachten des Advokaten interessiere hier nicht. Hier könne man nur nach den Bestimmungen des Reichsgerichts verfahren. Letzteres habe entschieden, daß über Auslieferung nur die betreffende Regierung zu befinden und zu verhandeln habe. Der Gerichtshof verkündete noch längerer Zeit die Ablehnung des Antrags des Verteidigers, sodaß also die Verhandlung auch wegen Platze vor dem Saale blieb die Menge angesammelt stehen, trotz aller Aufforderungen der Polizeibeamten, welche in schonendster Weise vorgingen. Die Zahl der Aufrührer wurde immer größer, welche johlend Hochrufe auf Korf an ty ausbrachten. Als gegen 10 Uhr ein Arbeiter, welcher beleidigende Worte gegen die Beamten aus stieß, von diesen verhaftet wurde, suchte die Menge ihn zu befreien, woraus die Polizei blank zog und gegen die Lind ringenden vorging. Die Feuerwehr brachte inzwischen zwei bespannte Spritzen heran. Kaum hatte sie den Strahl auf die Menge gerichtet, als diese sich der Spritzen bemächtigte und auf die Beamten und die Feuerwehrleute losspritzte. Darauf zerschnitt sie die Schläuche, zertrüm- mertedie Spritzen und fuhr dieselben in einen Hüttenteich. Die Beamten wurden mit Erbstücken be - toorfen, sodaß fast keiner unversehrt blieb. Der Branddirektor wurde zu Boden geworfen und mit Füßen getreten; er liegt krank darnieder. Geführt von 30 bis 40 halbwüchsigen Burschen zog dann die auf etwa 3000 Personen angewachsene Menge vor das Hüttengasthaus, wo der Bürgerverein sein Stiftungsfest feierte. Gegen das Haus wurde ein Bombardement eröffnet; kein Fenster blieb ganz. Kinder und Weiber schleppten Vorräte von Steinen heran. Die Aufforderung: „Nun zum Pfarrhause" wurde jubelnd begrüßt. Nachdem sämtliche Scheiben zertrümmert waren, erbrach die Menge das Lor zum hinteren Eingänge und schleuderte große Bretter gegen das Haus. Dann drang man ins Innere und demolierte alles. Der Pfarrer selbst war in die Kirche geflüchtet. Von der Pfarrei ging es die Hüttenstraße entlang zum Gemeindehaus. Unterwegs wurden alle Fensterscheiben der Villa des Kommerzienrats Firner eingeschlagen. Am Hüttenamt stellten sich Beamte der Menge entgegen, ungeachtet des dichten Steinhagels. Inzwischen waren noch einige Gendarmen aus Kattowitz eingetroffen. Als die Menge den Toreingang der Laurahütte zertrümmerte, gebrauchte die Gendarmerie die Schußwaffe. Es folgten hintereinander zehn Schuß. Einer der Haupträdelsführer, ein Kesselschmied, wurde getötet, über 30 Personen erhielten Schuß-, Hieb- und Stichwunden. Jetzt ging hie Menge langsam auseinander. Aus Beuthen roar eine halbe Kompagnie eingetroffen, die aber nicht mehr in Tätigkeit trat. Vorläufig sind erst zwei Haupttäter verhaftet. — Landrat v. Gerlach ordnete, nachdem er die Trümmerstätten besichtigt hatte, die Schließung sämtlicher Gast- und Schankwirtschaften in Laurahütte an und verbot die für heute, Dienstag, anberaumte Zentrumsversamrn- lung, um weiteren Ruhestörungen vorzubeugen. Aus Stadt und Kani». Gießen, den 23. Juni 1903. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben geruht, dem Gardisten G u n d e r im 1. Großh. Jnfanterie- (Leibgarde-)Regiment Nr. 115 die Rettungsmedaille zu verleihen. ** Tagesordnung für d i e Sitzung der Stadtverordnetenversammlung Freitag, den 26. Juni 1903, nachmittags 4 Uhr. 1. Baugesuch des Hrch. Arnold II. für die Marttstraße; hier: Dispens. 2. Baugesuch von Stein und Meyer für die Walltorstraße. 3. Baugesuch des Heinrich Launspach für die Alieestraße; hier: Dispens. 4. Geländeaustauscb am Riegelpfad; hier: Tauschvertrag zwischen der Stadt und Heinrich Winn. 5. Baugesuch des tz. Schassstaedt für die Ostanlage; hier: Geländeaustausch. 6. Beschaffung von Fußbodenöl für das Rechnungsjahr 1903/04. 7. Verpachtung einer Sandgrube im Gießener Stadtwald an Heinrich Keßler von Annerod. 8. Verpachtung der Sandgrube an der Rödgerstraße an Heinrich Gans IX. von Großen-Buseck. 9. Das Friedrich Heßsche Erbbegräbnis auf dem hiesigen Friedhof. 10. Besetzung einer Lehr er stelle (Präsentationsstelle) an der Volksschule zu Gießen. 11. Gesuch der Lehrer an der Stadt- fnaben)djute um Erhöhung der Vergütung für Leitung des Knabenhortes. 12. Gehaltsverhältnisse der Lehrer seminaristischer Bildung an den höheren Lehranstalten. 13. Haupt- voranschlag des Realgymnasiums und der Oberrealschule für 1904. 13. Anschaffung von stählernen Kletterstangen für Die Turnhalle der Stadtknabenschule. 15. Erlaß einer Vieh- marktordnung. 16 Beschaffung eines Krankenstalles für Geflügel. 17. Landlvirtschaftliche Ausstellung von 1903- hier: Preise der Stadt Gießen. 18. Gesuch des Robert Luckenwald um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe im Hofe des Grundstücks Seltersweg 31 (Perleo). 19. Desgleichen des Friedrich Venz dahier zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Burgraben 9 (Cafe Ebel). ** Musikalische Aufführung. Die in dem Musikinstitut von Fräulein Minna Körner am Sonntag stattgehabte Aufführung ist, wie man uns schreibt, in schönster Weise verlaufen. Die Mitwirkenden waren, wie wir bereits früher schon mittcUten, Schüler und Schülerinnen, die sich schon längere Zeit In dem Institut befinden und deren Leistungen man tatsächlich als fast abgeschlossen bezeichnen darf. Die Hörer waren namentlich durch die Duos und Trios ganz besonders beftiedigt, und der hierbei gespendete Beifall galt nicht nur den Schülern, sondern auch den millvirkenden jungen Musikern, Herrn Zack (Violine), Herrn £> e r r m a n n (Cello), die ihren Port mit Gew and heil und Geschmack lösten. Alle Anwesenden waren darüber einig, daß die Aufführung ein beredtes Zeugnis von der ausgezeichneten Lehrtätigkeit des Fräulein Minna Körner abgelegt hat. ** Vereinigung der Rechtsanwalts- und Notariats-Bureaubeamten Oberhessens. Arn Oest. Kredit.... Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau Schluß-Tender Betrugs vor sich geht. Nunmehr wird der Eröffnung-- beschluß verlesen. Der Angeklagte erklärt, daß er sich in vollem Umfange für nicht schuldig halte. Er gibt sodann ein Bild der Gründungsgeschichte der Trebergesell- schäft. Sein Gehalt als Direktor war von 5000 Mt. auf 7000 und zuletzt auf 24 000 Mk. gestiegen. In seiner Kohlenhandlung, die er noch nebenbei betrieb, habe er einen jährlichen Verdienst von 40—50 000 Mk. gehabt. Seine gesamten Privateinkünfte hätten 50—60000 Mk. betragen. Daneben bezog er an Tantieme in den letzten Jahren 7i/2 Prozent der Gewinne. Ter Angeklagte ging sodann auf das Bergmann-Verfahren näher ein. <>m Anfang des Jahres 1895 wurden mit dem Verfahren mehrfach Versuche gemacht, darauf int Frühjahr das Patent angefauft. Er hoffte, daß damit die Trebergesellschaft in der Holzverkohlung die führende Rolle erreichen werde. Unter diesem Gesichtspunkte seien auch alle weiteren Unternehmungen zu verstehen. Er wollte einen Ring von Werken bilden, die den ganzen Erdball umfpannten. Bei allen Gründungen von Tochtergesellschaften habe er dadurch Vorteile heranzuholen gesucht, daß er diesen die Patente und Licenzen zu sehr hohen Summen, sowie die maschinellen Einrichtungen verkaufte. Alle Gründungen seien durchaus ordnungsmäßig vor sich gegangen. Schmidt erklärte weiter, daß er bei allen Handlungen nur von dem Interesse der Trebergesellschaft geleitet worden sei, so auch bei seinem Eingreifen in die Kursbestimmung an der Berliner Börse durch Ankäufe. Er wollte fixeren Leuten, die nur Differenzgewinne machen wollten, das Handwerk legen. Das habe er gründlich besorgt. Er sei auch der Meinung, daß das Geschäft der 22 Millionenzession mit der Leipziger Bank den Aktionären und der Gesellschaft später Vorteil gebracht haben würde, (gefragt, warum er in der Nacht vom 3. zum 4. Juli gefluchtet sei, bemerkt Schmidt, er habe das Schreckliche kommen sehen und nicht mehr ertragen können, es noch weiter zu schauen. Die Trebergesellschaft sei deshalb zu Grunde gegangen, weil die Leipziger Bank kein Geld mehr geben wollte. Wenn sie sich noch drei bis sechs Monate hätte halten fönnen, glaube er bestimmt, daß seine Ideen sich zum Siege verholfen haben würden unb die von ihm erhofften Gewinne gemacht worden wären. Verulischles. * Berlin, 22. Juni. Ter 24jährige Arbeiter Max Grahl hat in der vergangenen Nacht wegen verschmähter Liebe die 22jährige Näherin Johanna Naß durch Messerstiche schwer verletzt und sich darauf selbst bedeutende Verletzungen beigebracht. * B r e st, 22. Juni. Bei Joretsall sank eine Meile von der Küste ein Fischerboot, wobei drei Fischer ertranken. Ihre Leichen konnten bisher noch nicht geborgen werden. * Bu d ape st, 22. Juni. In Erlau wurde eine Fals ch- münzer b aride aufgehoben, welche sich mit der Fabrikation von falschen Kronen-Noten befaßte. Tie vorgefundenen Falsifikate hoben eine .Höhe von 200000 Kronen. Der Wechselstuben-Jnhaber Beree wurde als Haupt der Bande verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor. * Belgrad, 22. Juni. Gestern ging ein Wolkenbruch über dem Dorfe Denom bei Jnajazevac nieder. 54 Häuser stürzten ein, 34 Personen sind umgekommen. Der Schaden wird auf eine Million Dinar geschätzt. _______________ Kunst und Wissenschaft. Berlin, 20. Juni. Der Bundesral har in seiner letzten Sitzung, entsprechend einem Reichstagsbeschluß, mehrere Gesuche um ein strafrechtliches Verbot medizinischer Eingriffe an Menschen zu anderen als diagnostischen, Heil- und Jmmunisierungszwecken, als insbesondere zu wissenschaftlichen Versuchen, dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Indessen bedeiltet die Ueberweisnng keineswegs eine Billigung dieses Verlangens. In Biindesratskreisen war man vielmehr der Ansicht, daß dre and Anlaß der bekannten Fälle des Breslauer Professors 9!ersser und des Tr. Stubell getroffenen Anordnungen des preußischen Kullusministers und anderer deutscher Unterrichlsverwatt- llngen vollständig ausreichten, um ähnliche wissenschaftliche AicS- schreitnngen in Zukunft zu verhüten. Brunsbüttel, 22.Juni. Die neue Station für drahtlos e T e l e g r a p h i e in Brunsbüttelkoog wurde jetzt mit dem neu kombinierten System Slaby-Arco-Braun-Siemens ausaestattet. Ursprünglich war die Station für das System Braun-Siemens bestimmt, toic tauschte in den letzten Tagen erfolgreich telegraphische Nachrichten mit der „Hohenzollern", Helgoland, Cuxhaven und Hamburg aus und wird in nächster Zeil eine Verständigung mit dein Feuerschiff ausnehmen und allinählich den gesamten wellen- telegrapbischen Verkehr mit den Stationen am Nordostseekanal und mit den diesen passierenden Kriegsschiffen auirechl erhallen. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 22. Juni 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Haiidel und Industrie, ^Gießen.) Die neiie Börseiiivoche eröffnete in derselben lustlosen Stimmung, in welcher die vergangene endete. Nennenswerte Anregungen lagen voll keiner Seite vor, imb über allzu belangreiche Ordres Hörle man auch nirgends klagen, so daß der Verkehr^sich im allgemeinen ohne wesentliche Abwechseluiig hinschleppte. Für Canada Shares lagen bessere Newyorker Indikationen vor; man setzte bereits in üemlich guter Stimmung sür dieses Effekt ein und blieb nach kleinen Schwankungen auf dem ungefähren Anfaugskurse. Gegen Börsen- schluß erfuhren Schiffahrtsaktien einen schärferen Rückgang infolge der ungeklärten Slluation des Schiffahrtstrustes. Der Kassamarkt zeigte bei geringen Umsätzen gute Disposition. Privat-DlSkont 3 7« Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. M S Ci ’S? L) ä o ä G o Gi n G c „ SO- — O C Ö2g . . -2> *2 3 > ’5t>'~ tJÄ e £ C <5 S s 'S' e® ^»2 n •■ N « G .. c ZL S . v N 'S , E . .E &> «ß ^*t3 gS'S g®Ä r-» d kO CJ o N- xß Ls — g - H 3 s-> a> g S $j 3 •3?’g‘5 E "%2 2K-»£SS VG'. . • • ~ S-:? 3J s-q - L o M E “ sjs^zr ° rt . ? cl» s *—* )C\ r-> C DZ- 8 ZZZ§ - >-» «v s&ig' 'er 5$ oä» -5 S Ä d" 2 "g'S'S d- £ £oi OJ .jy. — a -H 2 g £ xr- s| dZ G >G Z > > CO uQ CD 5- ä u°2o •' 2 L KH'S g >LT>^ü?g 3 ..82) .. - >d - öS-- E .2 3 --.^ -LS, <*D42o ro — rK> — •“ — ü ” o c ö|O ° £ - L ’T-^ fe-'T' «'°^5§s£ KkM ® DJ X c~. *» 0* ** urt iM o ^5? ^r- x> „ c i> CCM ^ xr 3-# Ä d c- >S c S' K - OKaK_ a 1-1 cE — ___ JO " E c5 co •— -_ •-> - o c ZZ.K n 11 v> K «ja Ql c CD ■4-. >G- E-r: 3*n «s» S' e ~ 3 N «j» S' cd8tt ar» i-4 3 «k> j=s SS 3 oj "§,-e L?'Z = , =G <— «• a r^. —>#■*** . CD S C K . G C MCE O 's ■*- CD •— G ’-l 2 C , Cu Q-f "e S "d «6% 65 Ä « o> >iR) "55" l£) co o ci ‘oC? N s o p -O -u CJ E E V e JO "5 — C 3 *- iG. 3 G CPn3 o - Z «■ge vJ eS s o öj 3 G w & g3 =e© e ’~* i£pc6 “2 .. o 5 ä ’S B»« &Ö-S ULUZI i-i dTeS^ jO sG G, C O “ —< ^ sC- a e G ej cm ., *$7 era a»S o g MAGGI’5 ä 12 und 16 Psq. für 2 getrennte Portionen, mit feinstem Fleischextrakt, Gemüsen Fleisch-- oder Kraftbrühe. Stets frisch zu haben bei rc. hergesteNt, enthalten alle Bestandteile einer vollständigen Gustav Walter, Mäusburg 13. Bekanntmachung, die Feldbereiniguug in der Gemarkung Gietzcu rechts der Lahn betreffend. Die nachstehende Bekanntmachung des Großh. Feldbereinigungs- Koinmissärs zu Friedberg bringe ich' hiermit zur Kenntnis der beteiligten Grundbesitzer. Gießen, den 22; Juni 1903. 4988 Der Oberbürgermeister: Mecum. Bekanntmachung. Betr. Wie oben. Mit Rücksicht auf die am 25. Juni l. I. stattfindende Reichstagsstichwahl wird der aus diesen Tag anberaumte Termin zur Entgegennahme der Wünsche bezüglich der Zuteilung im obigen Bereinigungsbezirk auf Montag den 29. Juni l. I., vormittags 107, bis W/2 Uhr, verlegt. Friedberg, den 19. Juni 1903. Der Großh. Feldbereinigungs-Kommissär: (gez.) Spam er, Kreisaintnrann. ASicc-K'ochschule. Der zweite Kursus beginnt Montag den 29. Juni. Den Schülerinnen ist dabei die unentgeltliche Teilnahme am Einmachekursus gestattet, welcher mit Anfang Juli beginnt. 2lnmcldnngen nimmt die Lehrerin Frl. Renner ent gegen. 4928 vM 24 Preis-Medaillen! nnderfeerg-Boenekamji, MMMMWWN HoflieferantSelner Ma|esfäf des Kaisers und Königs Wilhelm II. amRafhhausein SmläEER® am Niedqrrhein. Gegr. 1846. Anerkannt bester Bitterlikör! wem per idem1 Fabrikation alleiniges Oehelmnlie dir flrmii Unentbehrlich für jede Familie! Iergeöung von Waumöerten. Zur Erbauung der veterinär-medizinischen Institute in Gießen, zunächst der normalen Anatomie, der pathologischen Anatomie und der chirurgischen Klinik werden die solgendeu Rohbauarbeiten unter Hinweis aus den Atinistcrialerlaß vom 16. Juni 1893 hiermit öffentlich ausgeschrieben: A, Normale Anatomie. Los Los Los Los Los Los Los Los Los Los Los Los I Zimmerarbeiten, dorunter 94 cbm Tannenholz, 63 lfd. m Gesimse. II Dachdcckerarbciten, 893 qm Schieferdach rc. III Spenglerarbeiten, darunter 132 lfd. m Rinnen, 1U9 lfd. m Abfallrohre, Kupferbekrönungen. IV Blitzableiteranlage. B. Pathologische Anatomie. V Zimmerarbeiten VI Dachdeckerarbeiteu VII Speuglerarbeiteu VIII Blitzableiteranlage ungefähr die gleichen Massen wie bei A. C« Chirurgische Minik. IX Zimmerarbeiten, darunter 146 cbm Tannenholz, ca. 180 lfd. m Gesims. X ' Dachdeckerarbeiten, 1620 qm Schieferdach rc. XI Spenglerarbeiteu, darunter 215 lfd. m Rinnen, 145 lfd. m Abfallrohre, Kupferbekrönungen. XII Blitzableiteranlage. Angebotsunterlagen können auf unserem Zweigbureau, Frankfurterstraße 83, eingesehen, Angebotsformulare (keine Zeichnungen) gegen Selbstkostenpreis dorther bezogen werden. 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Juni, abends 9 Uhr: Versteigerung. Das Heugras von den Wiesen der Pfarrei Wieseck soll gleich nach Beendigung der Versteigerung des Heugrases von den Gemeindewiesen in dem Dorfeld'schen Garten dahier versteigert werden. 4994 Wieseck, am 22. Juni 1903. Sommerlad, Bürgermeister. Mobitiar- Versteigerung. Mittwoch den 24. Juni, nachmittags 2»/, Uhr, werden in dem Hause Steinftraße 63 nachverzeichnete Gegenstände gegen Barzahlung versteigert: 2 vollständ. Betten, ein Nachttisch, 2 Tische, 1 Sopha, 1 Kommode, 1 Schränkchen, 1 Rohrsessel, mehrere Stühle, Kleider und Weißzeug, Hausund Küchengeräte, sowie eine Partie Brennmaterialien. [4991 I. A.: Schneider. Versteigerung. »Mittwoch den 24. Juni, vormittags 9 Uhr, werden im Anwesen der Ludwig Rabenau 11. Wwe. in Alten- Buseck versteigert: Haus- re. Wirschaftsgeräte, land- wirtfchaftl. Geräte, Häckselmaschine, 1 Musikautomat und verschiedenes Hausmobiliar.[4980 Nene Mjes-Hemge per Stück 10 Pfg. Neue ital. 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