Nr. 248 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Giehener Anzeiger werden tm Wechsel nut dem hessischen Landwirt die Gießener Familien» Hättet viermal in der Woche beigeUgL Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Untvers.-Buch- u. Stein» druck erei (Pietsch w tbcn) Redaktion. Sxpedittoa und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Vietze«. Ferniprechanschiuß Nr. 51. ZEQ Zweites Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 22. Oktober 1903 Bezugspreis. /Wf gSk Jhfc. Jk -WSF monatlich 7b W-, Giertet- SÄ™ M V A jährlich ’M 2L0. durch Gietzener Anzeiger« ° General-Anzeiger 99 ** —h. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureir Gießen MM Die heatige Yummer umfaßt 8 Seite«. KeKmmrmachnng. Betr.: Aenderung an Wegübergängen der Bahnstrecke Gießen-Fulda. Der landespolizeiliche Erorterungstermin für die in unserer Bekanntmachung vom 13. l. Mts^ Kreisblatt Nr. 122, erwähnte Aenderung des Wegnberganges bei km 22,42 der Bahnstrecke Gießen—Fulda in der Nahe der Station Grünberg findet Dienstag den 27. d. Mts., vormittags 10 Uhr 36 bei km 22,42 statt. Die Beteiligten werden aufgesordert, in dem Termin an Ort und Stelle zu erscheinen und etwaige Einwendungen, Anträge und Wünsche daselbst vorzubringen. Gießen, den 21. Oktober 1903. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. B r e i d e r t. Bekanntmachung. Betr.: Gesuch des Gutspächters Ferdinand Kammer von Hungen um Genehmigung zur Errichtung einer Dampfkesselanlage. Ferdinand Kammer zu Hungen beabsichtigt, auf dem Grundstück Flur I Nr. 96 der Gemarkung Hungen eine Dampfkesselanlage zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang vom Erscheinen dieses im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Hungen zur Einsicht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meldung des Ausschlusses bei Großh. Bürgermeisterei Hungen vorzubringen. Gießen, den 20. Oktober 1903. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Der Aücktritt des italienisch-« Ministeriums. Tie „Agenzia Stefani" veröffentlicht folgende Note: Im gestrigen Ministerrate teilte Zanardellis dem Ministerkollegium mit, daß er gemäß seiner schpn früher kund- ge geb en en Entschließung den König in einem Briefe gebeten habe, ihn von dem Amt eines Ministerpräsidenten zu entheben. Er habe dem König geschrieben, daß er seit einiger Zeit die Ueberzeugung gewonnen habe, wegen seines gesundheitlichen Zustandes fein hohes Amt nicht mit der intensiven Arbeitskraft verwalten zu können, die er früher aufgewendet habe und die er als Pflicht und Notwendigkeit betrachte. Er sei deshalb durch die unab- weislichen Forderungen seines körperlichen Zustandes, der sich während der verflossenen Zeit relativer Ruhe nicht gebessert habe, gezwungen, den König &u bitten, seine De- mrssion anzunehmen. Er habe damit einige Wochen gewartet, weil er es nicht für passend gehalten habe, vor Beendigung der Reise des Königs und der Königin nach Paris eine Krise hervorzurufen. Die anderen Minister bedauerten sehr den Grund, der den Ministerpräsidenten zu seinem Entschlüsse bestimmt habe, und beschlossen einstimmig, ebenfalls die Demission einzureichen. Man erwartet in Rom das Eintreffen des Königs aus Schloß San Rossore. Zanardelli begiebt sich, sobald angängig, nach Äladerno und nimmt seine begonnene Kur wieder auf. Es gilt als sichjer, daß der König die Demission des Kabinetts annimmt. Zanardelli hat dem König Visconti V e n o st a zum Nachfolger und Gallo zum Minister des Innern vorgeschlagen. Man bezweifelt jedoch, ob Visconti Venosta die Mission übernimmt. Auch den ehemalig en Mmi,.e< Präs dritten und spät:renMr nister des Innern im Kabinett Zanardelli, Giolitti, ist wieder die Bahn frei zum leitenden Negierungsamt. Daß, worüber ja trotz aller Krankheit Zanardellis kaum zu zwei- faln ist, eine Angelegenheit der auswärtigen Politik, der unterbliebene Zaren besuch, dies bewirtt hat, wird nicht zuletzt Giolittt selbst überraschend kommen, umsomehr, als nach der Ersetzung des Ministers Prinettr durch Morrn in der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Italiens am politischen Horizont grade nach dieser Richtung hin keine Bewölkung zu erwarten war. Das Prophezeien ist bekanntlich nirgend so undankbar als in der Politik, und die Zeichendeuter — zu denen Giolittt selbst gehört —, die damit rechneten, daß das Kabinett Zanardelli über die innere Politik zu Fall kommen werde, haben vorbergeraten. Es liegt also keine innenpolitische Aktion vor, die gewissermaßen die Folie abgeben könnte zum Einzug Gio- littis ins Ministerpräsidium, und ebensowenig würde die Ablösung Zanardellis durch den Staatsmann aus Piemont eine wesentliche Aenderung des politischen Kurses bedeuten. Auch Giolittt gehört der Linken an, allerdings der gemäßigten, und er würde im allgenreinen aus dieselbe Mehrheit sich stützen, wie Zanardelli. Wenn man die Kabinettsttisis unter einem höheren Gesichtspunkt betrach^- tet so erscheint bemerkenswert, daß von der Wahrschern- lichkeit der Ueberttagung des Premierportefeuilles an einen Politiker der Rechten nicht die Rede ist, obwohl z. B. der früher wiederholt „am Steuer" gewesene Marquis dr Rud kni nicht versäumte, in den ihm nahestehenden Blättern sich der Krone in enrpfehlende Erinnerung zu bringen. Darin prägt sich wohl die Ueberzeugung der öffentlichen Meinung Italiens aus, daß König Viktor E m a rt u e l bei der Wahl eures leitenden Staatsmannes die demokratischen Grundsätze irr er ster Linie berücksichtigt. An dem Verhältnisse Italiens Zum Dreibund würde sich, unter einem Ministerium Giolitte nichts ändern, vielleicht aber käme ein frischer Zug in die den Abschluß neuer Handelsverträge vorbereitenden Arbeiten. Der italienische Botschafter in Petersburg, Gras Morra, der sich gegenwärtig in Viareggio aufhalt, erklärte einem Redatteur des „Giornale d'Jtalia", er sei durch Paris gereist, ohne weder den König noch den Mi- nister Morin giesehen zu haben. Als er am 13. Oktober aus Petersburg abgereist sei, sagte Graf Lam s d or fs ihm: „A u s W i e d e r s e h e n i n R o m !" Morra bemerkte weiter, nicht in Petersburg,,sondern in Romereignetesichd er beklagenswerte Zwischenfall, der die Verschiebung des Besuches des Kaisers verursachte. Er glaube, die Mißdeutung der Verschiebung, die nicht durch die sozialistische Agitation verschuldet sei, werde leicht beseitigt werden. Der Kaiser werde demnächst den Besuch des Königs erwidern. Das „Giornale d'Jtalte" teilt mit, da ßder Botschafter Nelidow in allernächster Zeit einen Urlaub antrete. We die „Kl. Pr." berichtet, soll die Zarin wieder einem Familienzuwachs entgegensetzen. Dieser Umstand sei der Hauptgrund dafür, daß die Reise des russischen Kaiserpaares nach Rom auf geschoben wurde. WMische Tagesschau. Die Kaiserin Auguste Viktoria vollendet heute, Donnerstag, ihr 4 5. Lebeusjah r. Mehr als zwei Jahrzehnte ist die erlauchte Frau die treue Lebensgefährtin des Kaisers, teilt sie mit ihm Freud und Leid und Hilst ihm die Pflichten seines schweren Berufes tragen. Als Gattin und Mutter ist die Kaiserin ein Vorbild für die deutschen Frauen. Wo es gilt, httfteiche Hand zu bieten, da ist sie die erste. In dem ab gelaufenen Lebensjahr erlitt die Kaiserin einen Unfall. Sie stürzte vom Pferde und zog sich einen Bruch des linken Unterarmes zu. Ein Trost in dem Schmerze war ihr die Liebe und Anteilnahme, die man allenthalben bekundete, und die zeigten, wie sehr allen das Wohl der Kaiserin teuer ist. Zu dem heutigen Geburtstage bringt auch die hessische Bevölkerung der hohen Frau ihre aufrichttgen Glückwünsche dar. Deutsches Keich. Berlin, 21. Okt. Der Kaiser hörte heute die Vor- ttäge des Oberstkämmerers Grafen Solms-Daruth, des Chefs des Zivilkabinetts v. Lucanus und des Ministers des Innern Frhrn. v. Hammerstein. — Der deutsche Botschafter Speck v. Sternburg reiste heute von Washington ab nach seiner sächsischen .Heimat. Der Botschafter überbringt dem deutschen Ka iser und dem Prinzen Heinrich Versicherungen der Freundschaft des Präside nten Roosevelt. Die Rückkehr nach Washington ist für Ende November in Aussicht genommen. — Der preuß. Justizminister Dr. Schönstedt kann am 23. d. M. auf 50 Jahre juristischer Tätigkeit zurückblicken. 1833 zu Broich a. d. Ruhr geboren, studierte er in Bonn ,Heidelberg und Berlin die Rechte. 1865 erfolgte seine Anstellung als Kreisrichter in Broich und 1867 seine Versetzung nach Duisburg. Nach, vorübergehender Beschäftigung im Justizministerium bei Gesetzgebungsarbetten wurde er 1872 Appellationsgerichtsrat in Glogau, von wo er 1876 nach Frankfurt a.M. versetzt wurde. 1879 wurde Schönstedt Landgerichtsdirektor in Frankfurt a. M., 1883 Land- aerichtspräsident in Neuwied und J.884 als solcher nach Kassel versetzt. 1892 erfolgte seine Ernennung zum Präsidenten des Oberlandesgertchts in Celle, 1894 die zum Staats- und Justizminister und 1895 seine Berufung in das Herrenhaus auf Lebenszett sowie zum Kronsyndikus. Im Jahre 1900 verlieh ihm die juristische Fakultät der Berliner Universität ehrenhalber das Diplom eines Doktors der Rechte. Dr. Schönstedt ist zurzeit dem Range wie auch dem Lebensalter nach der älteste der aktiven preußischen Staatsminister. — Das preuß. Staatsmini st erium hat die Aufnahme einer neuen Anleihe der Stadt Berlin in Höhe von 228 Millionen Mark nach Antrag des Magistrats mit unerheblichen Modifikationen genehmigt. r— Zu den Finanzministerkonferenzen erfährt die „Natl. Korresp.": Der Meinung, daß aus den agrarischen Zöllen verhättnismäßig hohe Einnahmen zu erwarten seien, begegne die andere Ansicht, die finanzielle Wirkung der Zollerhöhung werde durch Prohibitivzölle stark beeinträchtigt werden. Ue Verein stimmend sprachen sich die Teilnehmer der Konferenz dafür aus, bei der Aufstellung des Etats die äußerste Sparsamkeit einzuhalten und die Schuldentilgung mehr in den Vordergrund treten zu lassen als bisher. Abstimmungen wurden nicht vorgenommen. Die Vorschläge werden den einzelnen Regierungen vorgelegt werden und dann im Bundesrate weiter beraten. — Gegenüber verschiedenartigen Gerüchten, welche zur- zett über die K a n a l v o r I a ge im Umlauf sind, kann das „B. T." feststellen, daß die preußische Regierung durchaus au den Erklärungen sesthalte, welche Gras Bülow und zuletzt Minister Budde im Abgeordneteuhause abgegeben haben. Ob aber eine diesbezügliche Vorlage bereits beschlossen ist, dürfe schon mit Rücksicht darauf bezweifelt werden, daß der neue Landtag noci) nicht gewühlt und die Fertigstellung des Etats die dringendste Aufgabe fei. — Welche Großstädte voll den m e i ft c_n Schulden bedrüctt werden, zeigt eine Ueberficht int Statistischen Jahrbuch deutscher Städte. Allen voran steht die Reichs- hauptftaot mit 313 Millionen Anleche- und sonstigen Schulden, einschließlich eines „vorübergehe-nd ausgenommenen" Darlehens von 9,7 und der Amts- ic. Kautionen von 11,2 Millionen Mark. Die nächstgrößte Schuldenlast hat die Stadt München (147i/2 Millionen), dann folgen Frankfurt a. M. mit 107, Leipzig mit 82,6, Köln mit 73,4, Hannover mit 68,8, Dresden mit 631/2 und Breslau mit 57 Mill. Mark. Unter den folgenden sieben Städten, die zwischen 40 und 50 Millionen Schulden haben, befinden fich> auch Char- lottenburg mit 431/2 Millionen, mehr haben Elberjeld, Magdeburg, Nürnberg und Düsseldorf (von 47 Millionen herab bis auf 44), weniger Mannheim und Stettin (42 Millionen). Auch in bezug auf die 5Me der Gesamtausgaben für Tilgung und Verzinsung der Sck>uldenlast steht Berlin (mit 16i/4 Millionen Mark) an der Spitze; den nächst höheren Betrag hat zu diesem Zwecke aber Köln (mit 10,8 Millionen 1 auszuwenderi, und ihm folgen dann erst München (mit 8,4] und Frankfurt a. Wä (mit 7,4 Millionen Mark). Die Ge- santtsumme der Pas,wen für die 52 Städte beläuft sich aus über 1865 Millionen Mark, nicht gerechnet eine inzwischen ausgenommene Anleiheschuld von 216 Mttlionen, zu her bald auch noch die Berliner 228 Millionenanleihe wird zu rechnen sein. (Die armen Steuerzahler! Die Red^) Potsdam, 21. Okt. Heute wurde das von der Stadt vor dem Brandenburger Äir errichtete Standbild des Kaisers Friedrich feierlich enthüllt .in Gegenwart des Kaiserpaares, des Kronprinzen, sämtlich.er in Potsdam und in Berlin weilenden Prinzen und Prinzessinnen, der Zivil- und Militärbehörden, sowie der Stadtvertretung. Das Kaiserpaar nahm, nachdem der Kaiser die Front der Ehrerlkompagnie obgeschritten war, Aufstellung unter dem prunkvollen Baldachin. Bürgermeister Vortasmer hiett eine Ansprache und feierte Kaiser Friedrich, der Jahrzehnte taxv^ unter den Potsdamern gelebt, als Vorbild der Tapferkett, Mannhaftigkeit, Standhasttgkett, Gottergebenheit und Geduld, als den Förderer des Kunstgewerbes, der Volksbildung und Jugenderziehung, als den Mithelfer an der Errichtung des Reichs. Durch dies Brandenburger Tor sei 1871 der Kronprinz nach dem Siege mit den Garden eingezogen, hier brachte ihm die Vaterstadt Potsdam den letzten Scheidegruß auf dem Wege zur Gruft, diach: der Rede fiel aus den Wink des Kaisers die Denkmalshülle. Das Kaiserpaar besichtigte das Denkmal und zog den Schöpfer, Boermel, den Bürgermeister und anbere ins Gespräch Nürnberg, 2L Okt. In vier sozialistischen Versanimlungen wurde nach Vortragen der Abg. Sude- ium, Haller, Segitz und Merkel eine gleichLautende Resolution angenommen, welche die Verbesserungen des LandtagswaHl-Gesetzentwurfs anerkannt, jedoch die Fraktion zur Vertretung der prinzipiellen Forderungen, namenllich die Hintanhallung der Hinaufschraubung des Wahlalters und bezüglicb Benachtettigung der Städte auffordert. München, 21. Okt. In der gestrigen Sitzung des Finanzausschusses wurde bei der Beratung des Mttitär- etats konstatiert, daß die Soldatenmißhandlungen in der bayerischen Armee wesentlich zurückgegau- qen seien. Der Kriegsminister bemerkt, daß der Etat für 1904 voraussichtlich keine besondere Verstärkung der Armee bringen werde. Keer und Ilolte. — Nach dem „Militärwochenblatt" ist General bet Kavallerie v. Massow, kommandierender General des 9. Armeekorps, zur Vertretung des erkrankten Präsidenten des Reichsmilitärgerichts nach Berlin kommandiert, Generalmajor v. Rohrscheidt, Kommandeur der ostasiatischen Besatzungsbrigade, von seiner Stelle enthoben und auf sechs Monate beurlaubt. An seine Stelle tritt Oberst Petzel, Kommandeur des zweiten ostasiatischen Jnfantertteregiments, unter Beförderung zum Generalmajor. — Der Ablüsnngstransport der ostasiatischen Besatzungs- brigade ist auf dem Dampfer „Silvia" am 21. Oktober in Aden eingetroffen und am selben Tage nach Suez weitergegangen. Ausland. C h r i ft i a n i a, 21. Ott. Im heutigen Staatsrat reichte das Ministerium Blehr sein Entlassungsgesuch ein. Der Führer der Rechten im Storthing, Professor Dr. Hagerup, erhielt den Aufttag zur Kabinettsbildung. Ten Wenblättern zufolge verlautet folgende Zusammensetzung des Ministeriums: Prof. Hagerup Ministerpräsident und Justizminister, Dr. Sigurd Ibsen norwegischer Staatsminister in Stockholm, Prediger Hans Nielsen-Hange Minister für Kirche und Unterricht, Postmeister Dr. Schoe- nin g Minister für Handel und Industrie, Großkaufmann Bttger Kildal Minister für Finanzen und Zölle, Amtsingenieur Hansen, Minister der öffentlichen Arbeiten, Gutsbesitzer Matheesen Ackerbauminister, Oberstleutnant Strngstadt Kriegsminister. Rom, 21. Ott. Die zur Untersuchung der Verwaltung der Atarine eingesetzte Kommission begann ihre Arbeiten. Sie beschloß, die Untersuchungen ohne Rücksicht auf die Dauer auf die ganze Marine auszudehnen und sie sowohl unter dem Gesichtspunkt der Verwaltung, als der Moral zu führen. Die Untersuchung soll zunächst mit den im Juni vorigen Jahres im Parlament zur Sprache gebrachten Vorgängen ihren Anfang nehmen und den Zeitraum feit 1884, wenn nötig selbst die Zeit vor 1884 umfassen. Vei der heutigen Landtagsmahl gaben bericht.) Landgerichtsrat Wien 21. Oft. Der Kaiser empfing heute Lord Me- ithuen, di er ihm int Auftrage des Königs W>uard einen Marschallftab überreichte. Konstantinopel, 21. Ott. Die Pforte beabsichtigt, wegen ter schwierigen finanziellen Lage, in welcher ftch tie Türkei infolge des Kriegszustandes befindet, die Zölle auf 11 Prozent zu erhöhen. in unbändige Heiterkeit ausbrach. Viele derer, die nicht imstande waren, ihren Ernst und ihre Würde zu bewahren, machten ihren Anstrengungen in lauten, langen Tönen Luft. Nachdem dies Lachen um des Lachens Witten einigermaßen unterdrückt war, ging es wieder von neuem los, als Herr Ado Conrad als Ord inarius seinen Sekundanern von den Heldentaten des Leonidas erzählte und seinen Vortrag jeden Augenblick mit Warnungen und mehr oder minder hitzigen Aeußer- ungen seines Unwillens unterbrechen mußte. — Der erste Vortragsabend des Kaufmännischen Vereins war sehr unterhaltend. Die Besucher, die, wie bereits erwähnt wurde, den großen Theatersaal fast bis auf den letzten Platz füllten, werden mit Interesse der irächsteu Veranstaltung entgegensehen. — In Sachen der Enteignung des Geländes für die zu erbauenden Kliniken ist, wie wir hören, der Entscheid des Großh. Ministeriums eingetroffen. Das Ministerium verwirft die Beschwerden der Geländeeigentümer. ** Rettung. Heute vormittag wurde die 16 jährige Tochter eines hiesigen Straßenkehrers, die anscheinend freiwillig ihren Tod am sogen. Konsirmandensprtmg in der Lahn suchen wollte, in dem Moment, als sie untergehen wollte, von dem Bademeister Philipp Müller hier gerettet. Derselbe war ca. 80—100 Meter von dem Tatorte entfernt und sprang dem Mädchen, das etwa 20—25 Meter vom User entfernt war, nach. Dasselbe wurde seinen Eltern zugeführt. ** Jubiläum. Eberhardt Schäfer, Oberknecht am Gießener Braunsteinbergwerk, feiert heute sein 25 jähriges Dienstjubiläum. ** Gemälde-Ausstellung. Dr. Easar, der Besitzer des alten Apothekenhauses am Markt, hat die unteren Räume auf einige Wochen Herrn Leib dem Aelteren überlaffen, der dort eine Gemälde-Ausstellung veranstaltet. ** Eine Besichtigung der Heyligenstaedt- schen Fabrik. Im Anschluß an eine Konferenz statteten gestern die Lehrer an der hiesigen Fortbildungsschule und Rektor Huhu den Heyllgenstaedtschen Fabrikanlagen einen Besuch ab. Die Besichtigung dieses ausgedehnten, modernen Betriebes erfolgte in unterrichtlichem Interesse und gewährte unter der liebenswürdigen Leitung der Herren Kommerzienrat Heyligenstaedt und Ingenieur Fahrenkamp einen lehrreichen Einblick in die emsige Tätigkeit der Arbeiter und Maschinen Welche Summe potenzierter Kraft zeigt sich da überall: von dem Schmelzofen, dem das glut- lüssige Material entströmt, bis zu der riesigen Schneide- majchrne, die mit einem Druck von 250000 Klg. ein dickes Flacheisen glatt durchjchneidet! — Nach Schluß des Rundganges sprach Rektor Hahn den Herren Heyligenstaedt und Fahrenkamp für die in zuvorkommendster Weise übernommene Führung und sachgemäße Erläuterung aller Einzelheiten den Dank der Besucher aus und wies dabei ganz besonders auf das lebhafte Interesse hin, das Kommerzienrat Heyligenstaedt den fachunterrichtlichen Bestrebungen, namentlich aber auch der Fortbildungsschule, stets entgegen^ gebracht habe. In einer längeren Aussprache gab dann Kommerzienrat Heyligenstaedt der lleberzeugung Ausdruck, daß die hiesige Fortbildungsschule bei stets zunehmender Berücksichtigung der gewerblichen Interessen der Sck)üler von außerordentlicher Wichtigkeit für deren Ausbildung ser. Einen Ansporn für seine eigenen Lehrlinge hat er in einer Prämie geschaffen, die schon seit mehreren Jahren diejenigen mit guten Noten im Betragen und Kenntnissen erhallen — eine Einrichtung, die zweifellos vollste Llnerkenn- ung und weitere Empfehlung verdient. § Butzbach, 21. Okt. Seit einigen Tagen ist die Frau eines hiesigen Einwohners verschwunden. — Zwecks Vollzug der Gründung einer Bezirkssparkasse Butzbach ür die bisher dem Mathildenstijte Friedberg-Butzbach, Zweigverwaltung Butzbach, angehörigen 22 diesseitigen Orte wird am 29. l. Mts. unter Vorsitz des Großh. Kreisrats Fey zu 103 Wahlmänner ihre Stimmen ab. Aus Studt und Land. Gießen, den 22. Oktober 1903. Empfang bei Hofe. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen am 21. Oktober u. a. den Pfarrer Bernd eck von Okarben, den Oberpfarrer Vogt von Lauterbach und den Profeffor Gisevius von der Landesuniversität Gießen. - Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Landgerichtsrat beim Landgericht der Provinz Starkenburg Dr. Otto Schwarz zum richterlichen Mitglied der Landeskommission in Feldbereinigungssachen bestellt. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder fteiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitglieds der fteiw. Feuerwehr zu Lauterbach Karl Theodor Helsenbein. "Neuer Pfarrer. Wie unS aus sicherer Quelle mit- geteilt wird, ist Pfarrer Schwabe zu Rödgen zum Pfarrer der hiesigen Markusgemeinde ernannt worden. " Miltärdienstnachrichten. v. Klipstein, Oberl. t'm 1. Großh. Feldart.-Regt. Nr. 25 (Großh. Hess. Art.-Korps), wurde zum Adjutanten der 17. Feldart.-Brigade ernannt. Frhr. v. Hügel, Hauptm. und Komp.-Ches im 1. Großh. Hess. Jnf.-(Leibgarde-)Regt. Nr. 115, als Lehrer zur Kriegsschule in Metz versetzt. Branscheid, Fähnrich im Jnf.- Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hefl.) Nr. 117, zum Leutnant befördert. — Im Beurlaubtenstande: Zu Leutnants der Reserve befördert die Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeister: Born (Marburg) des Jnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Glenz (Worms) des 1. Großh. Hess. Jnf.-(Leibgarde-)Regiments Nr. 115, Bechtold (I Darmstadt) des Jns.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116, Klump (Worms) des 4. Großh. Heff. Jns.-Regts. (Prinz Karl) Nr. 118, Kröll (Worms) des 5. Großh. Heff. Jnf.-Regts. Nr. 168,> Kranzbühler (Worms) des 2. Großh. Heff. Feldartillerie-Negts. Nr. 61, Meng er (Worms) des Großh. Heff. Train-Bats. Nr. 18, Bücking, Lt. der Res. des Kurheff. Train-Bats. Nr. 11, (Frankfurt a. M.), zu den Reserveoffizieren des Großh. Heff. Train-Bats. Nr. 18 versetzt. Zimmermann, Lt. der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots (Gießen), der Abschied bewilligt. Dr. Fresenius, Oberarzt der Reserve (Worms), zum Stabsarzt, Dr. Degen, Unterarzt der Res. (I Darmstadt), solchen Ofen im Zimmer besitzt, wachte nachts auf und fühlte sich so entkräftet, daß er nur mit Anstrengung die Glocke zu ziehen vermochte. Man merkte sofort, daß das Zimmer mit giftigen Gasen angefüllt war, die ihren Ausgang vom Friedberg eine Generalversammlung abgehalten. g. Friedberg, 21. Ott. Heute tagte hier die Hessi- che Missionskvnferenz. Eine stattliche Versammlung von ungefähr 150—200 Anwesenden, zahlreiche Glieder der Gemeinde eingerechnet, füllte die Burgkrrche. Nachdem um y210 Uhr die Vertreter der einzelnen Dekanate aus Oberhessen und Startenburg mit dem Vorstande gemeinsame Beratung gepflogen hatten, wurde um 10 Uhr die Ver- anunlung durch Pfarrer Ntes-Melbach mit Schriftbetrachtung und Gebet eingelettet. Hierauf begrüßte der Vorsitzende die Konferenz, Landgerickstsdirektoc Kolb-Darmstadt die Anwesenden mit sehr warmen Worten, auf die Ausgaben der Konferenz hinweisend, und übergab sodann dem ersten Referenten, Professor Dr. Johannes Lepsins das Wort zu seinem Vortrage: „Wellmisfion und Weltkultur". Der Redner fesselte die Hörer in einstündigem, fteien Vortrage ganz außerordentlich. Es ist unmöglich, den interessanten und tiefgehenden Vortrag in kurzem Auszüge miederzugeben. Es sei nur das Resultat wiedergegeöen. Beide stehen sich nicht feindlich gegenüber, sondern gehören zusammen. Die christliche Kultur ist der Weg, aus dem Gott in der Welt Mission treibt. Das nationale und kulturelle Leben der Völker darf von der christlichen Mission nicht ignoriert werden. Es gllt nicht nur einzelne Christen hier und da zu sammeln, sondern vor allem das ganze Volksleben christlich zu beeinflussen usw. Eine lebhaste Diskussion folgte dem prächtigen Vortrage. Das zweite Referat hielt Lehrer Spam er von Braunshardt über das Thema: „Die Mission in der Schule". Durch freund- liches Entgegenkommen der Direktion des Lehrerseminars mar es der obersten Klasse dieser Anstalt gestattet, diesen Vortrag anzuhören. Auch! dieser Redner erschöpfte sein Thema in sehr sachkundiger und fesselnder Weise. Er beantwortete vier Fragen: 1. Soll Missionsunterricht in der Schotte getrieben werden? Ja 2. Was hat die Schule bis jetzt getan? Wenig. 3. In welcher Art soll Allssionsunterricht erteilt werden? 4. Wie kommt Mission in drü Schiule, die trotz aller Bestrebungen auf diesem Gebiete ihr verschlossen geblieben ist? — Nach kurzer Diskussion — die Zett mar inzwischen weit vorgerückt — wurden noch einige gewöhnliche Angelegenheiten geregelt und die Bersammlllng mit Gesang und kurzem Gebet geschlossen. Heute abend findet im Neuen Saalbau öffentliche Versammlung statt mit Vorführung von Skiopttkon-Bildern über „Nacht und Sonnenschein in Indien". ß Grün berg, 21. Okt. Wiegesährlich die amerika Nischen Zirnmerösen sind, zeigt wieder einmal ein Vorkommnis in unserer Stadt. Ein Geschäftsmann, der einen die Sache bis zu den untersten Organen weiter, bis der Feldwebel pustend vor Gift und Galle mit donnernder Stimme die Kompagnie antreten läßt, um sie mit seinem Tadel zu zerschmettern. Noch lustiger war die Art, wie der Vortragende oas Lachen aus verschiedenen Ursachen vortrug, das Lachen der Verlegenheit, des Hohnes, )es Zornes und besonders des Selbstamüsements, wobei so ein närrisches Huhn etwas erzählen will, aber sich schüttelnd Vor Lachen kaum ein Wort hervorzubringen vermag. Das wirkte so ansteckend, daß ein großer Teil der Anwesenden Dr. Buff (nl.) erhielt 101, Architekt Müller (nl.) 100, Fabrikant Langenbach 1 Stimme. Außerdem wurde ein weißer Zettel abgegeben. Die nationalliberalen Kandidaten sind also gewählt. Darmstadt, 20. Okt. Hofkapellmeisier Willem de Haan begeht heute die Feier seines 25jährigen D i e n st j u b i l ä u m s als Kapellmeister am hiesigen Hos- theater. sd. Darmstadt, 21. Ott. Die diesjährige Generalversammlung des Alrce-Frauen-Vereins für Krankenpflege fand heute nachmittag 3y2 Uhr unter dem Vorsitz I. G. H. der Prinzessin Ludwig von Battenberg im Saale der Vereinigten Gesellschaft bei sehr guter Betettigung statt. Negierungsrat Dr. Kratz begrüßte die Anwesenden, worauf Ministerialsekretär Gräff den sehr ausführlicher Geschäftsbericht verlas, der zunächst die guten Beziehungen mit allen Schwester an st alten hervorhebt und die Aenderungen im Vorstand bekannt giebt. Danach ist a. ai. für die aus geschiedene Frau Staatsminister Finger, Frau Staatsminister Rothe zur 1. Präsidentin des hiesigen Zweigvereins durch Se. Kgl. Hoheit den Großherzog ernannt worden. Den Kassebericht giebt der Schatzmeister Medttinal- rat Dr. Lauer, danach ist im Jahre 1900 eine Mehr einnah me von 269 Mk., in 1901 ein Fehlbettag von 372 Mk. zu verzeichnen. Die jährlichen Beiträge blieben sich ungefähr gleich, die Einnahmen für Krankenpflege sind gelegen, die Ausgaben für Pensionen sehr gewachsen; sie dürften pro 1904 voraussichtlich ein Mehr von 2400 Mk. betragen. Für Privatpflege war ein Zuschuß von 16 760 Mk. nötig. Das Kapitalvermögen beträgt 155 800 Mk. Es folgt >er Bericht der Vorsteherin des Alieehospitclls, welches 1902 zusammen 66 Schwestern und 3 Lohnpfleg er innen beschäftigt. Die Privat-Armenpsiege sowie die tzospttalpflege war in den Berichtsjahren sehr ausgedehnt. Verschiedene Schwestern wurden für ihre langjährige Tätigkett von S. K. H. dem Großherzog huldvollst ausgezeichnet. Nach zweijähriger Tätigkeit erhielten ihr Anstellungsdiplom die Schwestern: Elise Trumpsheller, Ernesttne Buß, Kath. Lippert, Maria Bräunig, Magdalene Bohmann, Laura Gartenfeld, Alwrne Fries und Kathinka Jung von I. Gr. H. der Prinzessin Ludwig persönlich überreicht. Es folgen Berichte über die einzelnen Abteilungen des Alieeftauenvereins, insbesondere Kinderabteilung 2c., Bericht der Abteilung für Beaufsichttg- ung der in Pflege gegebenen Kinder, welche alle eine regsame Tätigkeit ersehen lassen. — Heber die Tätigkeit des reiw. Erziehungsbeirates berichtet Regterrrngs- rat Hölzinger. Danach sind ca. 40 Mitglieder als Pfleger und Pflegerinnen tätig und die Erfolge durch Unterbringung in entsprechenden Fortbildungsschulen aller Art sehr Mit. Medizinalrat Krug-Mainz berichtete über die Tätigten o-e» Zweigvereins Mainz, dessen Mitgliederzahl um 27 zugenom- men hat und der einie sehr rege Arbeitsamkeit entfaltete. Hervorzuheben ist hier, daß der Verein einen Bauplatz erworben hat und demnächst mit der Errichtung eines eigenen Heims, das mit innerer Einrichtung 170 000 Mk. kosten Wrrd, beginnt. — Fabrikant Böhm berichtet über die Erfolge de» Zweigvereins Ostenbach, Bürgermeister Dr. Karser über Bad-- Wautjeim, Pfarrer Kingelhöfser über Lich, der.171 Mrtglre- der hat. Bad-Nauheim will demnächst ebenfalls ein eigenes Heim errichten. Nach dem Bericht des Großh, Mmisterral- sekretür Gräff haben die Zweigvereine Alzey 215, Büdingen 143, Butzbach 300, Gießen 206, Reinheim 20, Friedberg 237, Schotten 18 Mitglieder. Biedenkopf, 21. Okt. Die Reichst agswahl m Siegen-Wittgensiein-Biedenkopf wird gegen den Abg. Stöcker noch ein gerichtliches Nachspiel zur Folge haben. Stöcker bezeichnete die sehr leicht nachzumeisende Tatsache seines häufigen Fehlens im Reichstage gegenüber dem national- liberalen Parteisekretär Dr. Fetzer und dem Herrn ^ranz Philipps, Herausgeber des »Magazin sür Literatur', in öffentlicher Versammlung als „Lügen, infame Lügen'. Beide Herren haben gegen den Abg. Stöcker die Privatklage wegen Beleidigung anhängig gemacht. Vermischtes. • Görlitz, 21. Okt. In der vergangenen Nacht wurde an einem Bahnübergang ein Fletschersuhrwerk von dem Berliner Güterzuge überfahren. Der Kutscher wurde getötet und das Pferd zermalmt. , * Kiel, 21. Okt. In verflossener Nacht kollidrerten die großen Fracht da rupf er ^Saxonia" aus Stettin und „Sparta" aus Königsberg. Die „Saxonia" erreichte den Friedrichsorter Strand, wo sic sank; von der „Sparta" ist der Vorderraunt vollgelausen, das schiff erhielt fick schwimmend. Die Nlannfchajten sind geborgen. * Hamburg, 21. Okt. Im „Rauhen Haus" legte zum Assistenzarzt befördert. ♦* Der erste Vortragsabend des Kaufman- -nischeu Vereins hatte einen vollbesetzten Saal. Herr Ado Conrad aus Hamburg war zu Rezitationen gewonnen worden, und er bereitete mit dem Vortrag ernster und heiterer Dichturrgen den Anwesenden gute, anregende Unterhaltung. Zwar ist er nicht in so hohem Maße Künstler, tote sein engerer Landsmann, der vortreffliche Emil Milan, der wohl auch wieder diesen Winter auf Vorttagsreisen geht. Herr Conrad weiß indessen wohl, was zu machen ist, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu erhalten. Die beiden ersten Gedichte: „Rose und Edelraute" von Baumbach, und „Die sterbende Eiche^h die der Vor- ttagende selbst verfaßt und dem Andenken des großen Toten im Sachsenwald gewidmet hat, waren kurz und gut und gingen nicht allzu nahe. Ein anderes war aber dann von dem einstmaligen Königsberger Schauspieler und jetzigen ostpreußischen Rezitators Robert Johannes ein tief ernstes und erschütterndes Lebensbild vom sterbenden Mütterlein, wobei die rührenden Liebeworte der Kinder, die den Tod noch nicht verstehen, ihren Eindruck nicht verfehlen. Der Vorttagskünstler erwies sich dann afe ein glücklicher Interpret nied erbst re ich isch er, ober* und Niederbayer i scher Mundart und brachte uns darauf in der Rezitation der Melchthal-Szene aus „Wilhelm Teil'" die Probe auf seine künstlerische und dramatische Begabung. Bei dieser Aufgabe kann uns ein Künstler so recht sagen, was er ist. Schillers feuriges Pathos erhält in Melchthals Rede durch den Schmerz des Sohnes um den erblindeten, greifen Vater eine seelische Vertiefung, die so häufig leider von Schauspielern verständnislos ignoriert toirb. Die herrliche Stelle: „O eine edle Himmels gäbe ist das Licht des Auges . . ." könnte auch ein anderer als der Sohn des unglücklichen geblendeten Greises sprechen; und bann würben bie Worte chr llangvolles, bewegtes, aber unerschüttertes Pathos behalten bürfen. Allein es spricht ber schmerzgebeugte Sohn; unb ber ganze Schmerz bes eblen Jünglings, ber weinenden Auges das unermeßliche Unglück sieht, wttd nur in leise unb traurig gesprochenen Worten ganz unb sinnvoll zum Ausdruck kommen. So kommt auch nach ber Verschwörung ber brei bie Erinnerung über Attlchtal, baß er klagenb spricht: „Blinber, alter Vater!", unb weiter voll nebenher Trauer: „Du kannst ben Tag ber Freibett nicht mehr schauen, Du sollst ihn hören. . ." Wer dieses „schauen" unb „hören" tönenb unb schwörenb ruft, verletzt bie Schönheit ber Dichtung. Herr Abo Conrad trug dann eine alte scherzhafte Variation des Liedchens „Kommt ein Vogel geflogen" vor in Umdichtungen nach ber Art Schillers, Uhlanbs, Freiligraths unb anderer Dichter, bis er am Schluß ben Spötter Heine von bem Vöglein bichten laßt: „Da läßt er etwas fallen, boch leider nicht das Blatts. — Wir hörten von dem Vortragenden noch niedliche, heitere G-edichte von Otto Sommerstorf, bem Berliner Schauspieler, unb von Johannes Trojan, bem „Mobbe* rabatsch"-Rebakteur. Die übrigen Vorträge erregten stürmische Heiterkeit. „Nach b e r P a r a b e" spricht ber General bem Obersten seine Anerkennung im allgemeinen mit milben Morten aus; nur ber linke Flügel machte eine Bewegung nicht ganz exatt; „ich bin aber zufrieben, ja Herr Oberst, gut' Morgen". In ber Mitteilung bes Obersts an ben Major liegt schon ein wenig Verstimmung, bie biefer schon be- beutenb verstärkt bem Hauptmann zu hören gibt. So geht Ofen genommen hatten. Wenige Minuten später wäre der Mann verloren gewesen. m. Lauterbach, 20. Okt. Am 18. b. M. fanb im Darmstäbter Hof zu Ulrichstein eine Versammlung ber nationalliberalen Wahlausschüsse bes Wahlkreises Alsselb-Lauterbach-Schotten statt. Die Versammlung zählte ttotz ber überaus ungünstigen Witterung 50 bis 60 Teilnehmer unb konnte ben Kreisrat bes Kreises Schotten, Geh. Regierungsrat Schönfelb, unb den Abgeorbneten bes Wahlkrerses, Kreisrat Dr. Wallau, willkommen heißen. Die Teilnehmer waren bar in einig, baß eine ftänbige Organisation ber Nationallib e- r al eit bes Wahlkreises geschaffen werden müsse. Die etwa dreistündige Beratung war beseelt von Arbeitsfteudigkett und Einmütig feit, sodaß die Grundlinien der Organisation um 2 Uhr nachmittags festgelegt waren. Daß der ernsten Tagung einige angenehme Stunden gemütlichenBeisammen- seins folgten, kann bei der allbekannten Liebenswürdigkeit der Ulrichsteiner und ber Trefflichkeit des Gasthofes nicht Wunber nehmen. R. B. Darmstadt, 21. Okt. Das Zarenpaar, der Großherzog, Prinz unb Prinzessin Heinrich kamen heute schon frühzeitig von Wolfsgarten nach Darmstadt. Der Groß- heriog begab sich ins Residenzschloß, wo er eine größere Anzahl Audienzen erteilte; die fürstlichen Damen wohnten einer Sitzung des 2llieen-Frauenvereins bei. Später versammelten sich sämtliche hohen Herrschaften im Alten Palais bet dem neu vermählten Paar, wo sie bis zum Nachmittag verblieben. In der Mittagsstunde konzertierten vor dem Palais die Kapelle des Leib-Dragoner-Regiments. Am Nachmittag unternahmen die fürstlichen Herrschaften Ausflüge in die Umgebung. sd. Darmstadt, 22. Okt. (Eigener Draht- eine Feuersbrunst 3 Gebäude nieder. Brandstifter ist vermutlich ein entflohener Zögling aus Berlin, der sich einschlich und nachher einen Selbstmordversuch machte. * Braunschweig, 21. Okt. Zwei Kinder eines hiesigen Arbeiters, ein bjähriger Knabe und ein bjähriges Mädchen, tranken in Abwesenheit der Eltern aus einer Medizinflasche, welche mit Chloroform gefüllt war. Der Knabe ist bereits gestorben, während das Mädchen hoffnungslos darniederliegt. • Luxemburg, 21. Oft In der Ortschaft Medernach erfolgte im Hause des Pfarrers eine Explosion, die großen Schaden anrichtete. An dem Gebäude war eine Dynamitpatrone zur Entzündung gebracht morden. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Racheakt gegen den Geisllichen, der von der Dorfgemeinde beschuldigt wurde, das Ausscheiden eines allgemein beliebten Lehrers aus dem Amte veranlaßt zu haben. * Lyon, 21. Okt. In dem Augenblick, als der Mörder der Eugenie Fougöre, Cäsar Ladermnnn, in Aix les Bains verhaftet werden sollte, jagte er sich eine Revolverkugel durcb den Kopf. Ec wurde in das Hospital geschafft. Kunst und Wissenschaft. Hei del berg, 21. Okt. Das hiesige Stad tth e ater feiert am 31. d. Ai. das Jubil ä um seines h al b hun d er tj ä h r i- gen Bestehens. An diesem Tage wurde vor 50 Jahren in Gegenwart des Großherzogs unsere städtische Bühne als erstes ständiges Theater unserer Universitäts- und Fremdenstadt eröffnet. Die Direktion führt seit einer Reihe von Jahren Herr Heinrich, ein Schüler Heinrich Laubes, früher Schauspieler an der Wiener Burg. Wenige Provinztheater dürften sich einer gleich tüchtigen künstlerischen Leitung erfreuen. Daneben hat Direktor Heinrich, der einen vorzüglichen Ruf als Schauspieler-Pädagoge genießt, fein Theater zu einer Art Seminar für junge, aufstrebende Bühnenta- lente eingerichtet. Und viele Künstler, die durch seine Schule gingen und heute sich zu ersten Bühnen durchgerungen haben, gedenken mit Freude und Dankbarkeit ihrer Heidelberger Lehrjahre. Das kommt auch bei dem heurigen Jubiläum unserer städtischen Bühne zum Ausdruck. Es ist ein Festspiel-Zyklus geplant, für dessen Rollen Schauspieler gewonnen sind, welche einst in Heidelberg ihre Laufbahn begannen, u. a. die Damen Wagner- Berlin, Boch-Frankfurt a. Di., die Herren Huth -Leipzig, Kallenberger und L u d w i g -Mannheim, Lützenkirchen- München. Handel und Uerkehr. UMsVirtschast. N e w y o r k, 21. Okt. Die finanzielle Krise in den Bereinigten Staaten dauert fort. Wie die Blätter berichten, haben 11 weitere Trustgesellschaften falliert. Gerichtssaal. fd. Frankfurt a. M., 2 1. Okt. Bei 17 Grad Kälte hatte das Ehepaar Alexander H er teri ch, als es in eine neue Wohnung zog, sein leibliches 3 jähriges Kind in der Wohnung zurückgelassen. 2 Tage lang hungerte und fror das arme Kind dort. Bor dem Schöffengericht entschuldigten sich die R a b e n e l t e r n damit, sie hätten das Kind vergessen gehabt. Auch sonst ist das Kind schwer mißhandelt worden. Das Gericht verurteilte den Vater zu 4 Monaten, die Mutter zu 2 Wochen Gefängnis. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst der israelitischen Keligiousgesellschast. . Sabbathfeier am 24. Oktober 1903. Freitagabend 4.50 Uhr. Samstag Vormittag 8.30 Uhr. Nachmittag 3.30 Uhr. Sabbathausgang 6.05 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7.00 Uhr, abeiids 5.00 Uhr. Die angeküudigte Trauerfeier findet Sonntag, den 25. Oktober, nachmittags 4 Uhr statt. Der V o r st a n d. Neueste Melöiiiigea. OriginaLdrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers. R. B. Darmstadt, 22. Okt. (Eigener Drahtbericht.) Die Landessynode genehmigte heute vormittag die Vorlage des Oberkonsistoriums, nach welcher die Orga- ni st enge Halter in Hessen auf 150 Mark bei einmaligem und auf 200 Mark bei Sonntags zweimaligem Dienst festgesetzt werden. Für die darauf zur Beratung gelangende Anfrage Weber betr. die Zustände am Friedberger Predigerjeminar wurde sowvhl für eine Erklärung des Oberkonsiftoriums wie für die ganze Besprechung der Angelegenheit, die Oefsentlichteit ausgeschlossen. — In der heute vormittag zu Ehren des Ho fkapellmeisters De Haan veranstalteten Feier teilte Generaldirektor Werner mit, daß der Großherzog dem Jubilar den Titel Hofrat und das goldene Ehrenkreuz für 25 jährige treue Hofdienste verliehen habe. Lübeck, 22. Okt. Tas nächstjährige StaatsDefi- zit wird auf 9 50000 M'k. veranschlagt. Infolgedessen schlägt die gemeinsame Kommission des Senats und der Bürgerschaft eine erhebliche progressive Erhöhung der E i n k o m m e n ste u e r und der Erbschaftssteuer, die Einführung einer Bill et -und Firmenschild ft euer, die Erhöhung der Hun de-,Lu st barkeits-und Fahrrad-Steuer vor. Mannheim- 22. Okt. Im Ortsarrest in Sandhofen wurde heute der Schiffer Faßbender von Niederspeyer bei Speyer erstickt aufgefunden. Auf unerklärliche Weise war die Pritsche, auf der er fchsief, in Brand geraten. Wien, 22. Okr. In der verflogenen Nacht trat irr ganz West-Oesterreich namentlich in Böhmen, Frost ein. Dass Barometer san k auf 6 G r a d C. u n t e r N u l l. Im Böhmerwalde, Erzgebirge und Riesengebirge ging starker Schneefall nieder. In der Gegend längs der Donau oberhalb Wien hat der Nachtfrost die noch nicht beendete Weinernte stark geschädigt. Ueberall brennen Rauchfeuer zur Milderung des Frostschadens. A gr am, 22. Ort. Der Hauptmann- der nvrdamerikanischen Armee Be ase, welcher am Grabe seiner Tochter, die bei einer Vergnügungsfahrt umgekommen und in Samober beerdigt ist, einen Kranz niederlegte, wurde am Grabe vom Schlage getroffen und neben seiner Tochter bestattet. Belgrad, 22. Okt. Auch Oberstleutnant Nisitsch sowie der Herausgeber der „Narodni List, Schibalitsch, erhielten Briefe, worin denselben chre bevorstehende Ermordung angezeigt wird. Belgrad, 22. Okt. Ein angebliches Gehe im-Ko- mitee teilte dem Obersten Ma. sch in mit, er möge innerhalb acht Tagen seine Angelegenheiten ordnen, weil er nach dieser Frist ermordet werden würde. Telephonischer Kursbericht »'riinkteart su ifi., 22. Oktober 1903. 3’/go/o Reichsanleihe . . 101.90 30/j do. ... 90.35 3V,°/o Konsola .... 101.90 3% do. 90.25 8* l/z% Hessen .... 100.10 37, % Oberhessen . . . 99,50 4% Oesterr. Goldrento . . 101.70 4lm% Oesterr. Silberrente 100.95 4% Ungar. Goldrento . . 98.75 4°/a Italien. Rente . . . 103.60 4Va% Portugiesen . . . 52.75 b°/o Portugiesen 32.05 1% C. Türken .... 37.25 Türkenlose ..... 139.20 4°/o 0riech. Monopol.-Anl. 44.00 41/, % äussere Argontiner —.— 3% Mexikaner .... 27.20 iVgQ/o Chinesen .... 91.80 Electric. Sch ackert . . . 108.00 Nordd. Lloyd . . . . 103.50 Kreditaktien 207.80 Diskonto-Kommandit. . . 191.70 Darmstädter Bank . . . 141.60 Dresdener Bank .... 151.80 Berliner Handelsges. . . 158.25 Oesterr. Staatsbahn . . . 140.90 Lombarden .... 16.00 Gotthardbahn .... 189.70 Laurahütte ..... 243.00 Bochum ...... 191.75 Harpener..... 202.90 Tendenz: fest. Flenstundc hat wirklich Kotd im Munde, wenn man regelmäßig Kathreiners Malzkaffee zum Frühstück trinkt, — nämlich das Gold der Gesundheit, Ruhe und Arbeitslust! Couverts mit Firma bMgst vrühl'sche Universitäts-Druckerei. Sietzen. Vieh- u. Lmrdwirtschastl. Maschmen-Versteigerurrg. Mittwoch, ien 28. Lktober, Vorm. 10 Uhr. taffen die Heinrich Jnderthal Erben auf der Großnrühle bei Alten-- Buseck, Station Rödgen versteigern: Kühe und Rinder Holland. Rasse, 7 Mutterschwerue, darunter 5 mit 43 Ferkeln, 13 Erstliugs-Mutterschweine, 9 Eirrlegeschweiue, 1 Zuchteber. Alle Zucht des großen weißen Edelschweines. 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Obstbäume. per 100 Stück Achsel-Hochstämme, je nach Stärke, Mk. 100.— bis Mk. 160.— Birnen- „ , „ 100.- , , 150.- Zwetscheu- „ „ „ „ 00.— „ „ 120.— sowie alle anderen Obstsorten in Hochstämmen und Formbäumen, Couiferen, Alleebäume, Ziersträucher, Rosen re. offerieren 35KÄ S. Li J. Rinz Baumschule in Oberursel a. T. 7937 __________Bureau: Markt 25, Frankfurt a. M. EVaejdisder fcbdterterdi. Stiftungsfest. Sonntag den 25. Oktober, nachmittags 5 Uhr: Gottesdienst in der Stadtkirche. Festprediger: Herr Pfarrer Wieder aus Garbenheim. — Nachfeier: abends 8 Uhr pünktlich in der Turnhalle. Theater, Musik- und Kesangs-Worträge. Saalöffnung Va8 Uhr. Nichtmitglieder können als Gäste teilnehmen. — Eintritt zur Turnhalle für Nichtmitglieder 30 Pfg.7935 WWWVWV Kaiser gar teil. Kneipe. Die von der Verbindung Hasso-Nhenania innegehabten Räunic sind vorn 1. Februar 1004 an zu vermieten. Steckbriefs-Ackgmig. Der , gegen den Webrmann (Arbeitssoldaten IL Kl.) Michael Seldner vom Landwehrbezirk Gießen, Taglöhner zu Gießen, wegen unerlaubter Entfernung unter dem 10. ds. Mts. erlassene Steckbrief ist erledigt. 7941 Darmstadt, d. 20. Oktober 1803. gez. Freiherr von Gall, Generalleutnant und Divisions- kommandeur. Kalbliao i ScbdUbckt in tadelloser frischer Ware bei Gf br. Berdux Bahnhofftr. 27. Lindenplatz 12. Scfeellfisclie la. lebeudfrisch 7957 soeben eingetroffen bei H. E. Jughsrdt, Inh.: August Wallenfels, Marktpl. 15. Telephon 390.__ Lebertran feinst. Medizinal, empfiehlt [6356 Emil storter Lchsiärstiescl Nr. 25—26 3 X, 27—30 3.30 M so lange Vorrat reicht. Franz Neumeier, Sonnenslr. 20-22. 77^ In verkaufen Eleganter vmßtziger Wagen, ohne Verdeck, steht zum Verkauf in Londorf, Oberburg. Näheres durch den Rendant daselbst. [7847 05211] Sofas, Tische, Schränke und Stühle z. verk. Südanlage 7. Ääüf-Äelllche Zu kaufen gesucht: MiyrinfsMi ÜÄeyer’s J. Rieker’sche Universitäts-Buchhandlung \ Südanlage 5. 7951 | Grostres @nt .. Oss. in. näh. 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