Zweites Blatt. 153. Jahrgang Montag AÄ. Juni 1903 GletzenerAnzergerW General-Anzeiger " 3ESK w den poltL und augere. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WUZ __V zetgentell: HanS Beck. Nr. 143 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Ver> lag der Brühlffchen Univers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Die heutige Dummer umfaßt 10 Seite«. Politische Wochenschau. Die Wahlschlacht ist geschlafen. Wohl tocnbenüber fast die Hälfte der Mandate die Würfel erst in den Stichwahlen fallen, aber die Signatur des Gefechtsfeldes wird dadurch' nicht wesentlich verändert. Diese «Ägnatur ist ein mächtiger Ruck nach, links und zwar nach ganz links. Die Sozialdemokratie hat gleich beim ersten Gange chn Dutzend Mandate in solchen Wahlkreisen erobert, die ihr bisher nicht gehört hatten, und ungeheuer ist chr Stimmen- znwachs. In Essen beispielsweise war sie bisher mit ihren 41/2 Tausend Stimmen gegen die 20 und 30 Tausend des Zentrums und der vereinigten Parteien geradezu bedeutungslos. Sie ging diesmal mit einem Ruck auf 22 000 Stimmen in die Höhe. Die grade unter Arbeitern wegen ihres unbeschränkten Wohlwollens und ihrer Schlichtheit allgemein beliebte Persönlichkeit Krupps war aii sich ein Damm gegen, die Sozialdemokratie. Heute ist er nicht mehr. Aehnlich in anderen Kreisen. So bat in Teltow-Charlotten- burg Zubeil statt 51000 jetzt 71000 Stimmen erhalten, in Berlin haben Singer 22 000, Ledebour 20 000 Stimmen mehr erhalten als vor 5 Jahren. Am stärksten haben bei diesen Siegen die beiden freisinnigen Parteien bluten müssen, sie sind diesmal in der Hauptwahl ganz ausgefallen. Zwar sind sie auch im Jahr^ 1898 bei den Hauptwahlen nur mit einem Mandat siegreich geblieben, um dann in den Stichwahlen im ganzen 42 Mandate zu behaupten. Aber eine Reihe Verluste find diesmal durch die Hauptwahlen bereits endgiltig geworden und nach den Stichwahlen werden sic auch im günstigsten Falle nicht unerheblich geschwächt in den Reichstag wieder einziehen. Alle freisinnigen Gruppen sind an 43 Stichwahlen beteiligt. Auch die Nationalliberalen, die im alten Reichstage 48 Sitze hatten, müssen, wollen sie annähernd die frühere Zahl behaupten, in sehr vielen Stichwahlen siegreich sein. Sie haben im ersten Wahlgang 5 Mandate errungen und sind an 65 Stichwahlen beteiligt. Das dürfen wir allerdings, trotz aller unbegreiflichen agrarischen und antisemitischen Stimmungsmache zu Gunsten der Sozialdemokratie, bei uns in Gießen und zum mindesten auch noch in ein paar anderen hessischen Wahlkreisen erhoffen. Ein vollständiges Fiasko hat der Bund der Landwirte gemacht. Wenn er die Häupter feiner Lieben zählen wird im neuen Reichstage, so — ist ihm im günstigsten Falle nur ein teures Haupt geblieben. Der noch in der Stichwahl hängen gebliebene Dr. Oertel, das publizistische Haupt des Bundes, muß um sein Mandat noch einen verzweifelten Kamps mit dem Sozialisten Tischlermeister Schulze ausfechten. Alte anderen hat die Hauptwahl verschlungen. Wissende hatten den Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie vorhergesagt, wenn sie auch vor den Wahlen aus begreiflichen taktischen Gründen in der Oessentlichkeit geschwiegen hatten. Außerdem wurde bald nach den Hauplt- wahlen darauf hingewiesen, daß Zentrum und Sozialdemokraten als Parteien, die sich lediglich auf die Massen stützen, naturgemäß und immer im ersten Wahlsieg mit Wahlsiegen prunken können. Am 25. Ium wird hoffentlich manches wetit gemacht werden, was am 16. Juni verloren. Die politische Lage wird im neuen Reichstag trotz allem keine wesentliche Veränderung gegen früher ausweisen. Die Mehrheit des Reichstages sind 198 Mitglieder. Ehe dis Sozialdemokraten diese Mehrheit nicht haben — heute prophezeien ihnen selbst Optimisten nur zwischen 70 und 90 Sitze im neuen Reichs tage — können sie von ausschlaggebender Bedeutung nicht werden. Und selbst dann, wenn es nicht mehr bloß aufs Randalieren, sondern aufs Regieren ankommt, werden sie, wenn sie klug sind, ein wesentlich anderes Gesicht zeigen als heute. Im neuen Reichstag wird die Sozialdemokratie fast überall nach wie vor als schmollende Minderheit beiseite stehen und das Zentrum wird die ausschlaggebende Partei bleiben, ohne die die Negierung keine Mehrheit bilden kann. Ter Konservativen Wahlparole haben sich die Nat i 0n all i b er al e n durchaus angeschlossen: „gegen die Sozialdemokratie", Es liegt etwas Wahres darin, wenn Professor Delbrück ausführt, daß die agrarische Gefahr, die er vor den Wahlen mit größtem Nachdruck hervorgehoben, nach den Wahlen erheblich nachgelassen habe. Delbrück meint, daß man es jetzt viel eher wagen können die Zahl der bündlerisch - hochkonsekvativen Abgeordneten zu vermehren, während eine weitere Vermehrung der S 0ziald e m0 kriati e die Herauf- beschwörung innerer Konflikte nur sehr in den Bereich der Möglichkeit rücke. Sei somit vor den Wahlen der Agrarier als der Feind zu betrachten gewesen, so sei es jetzt der Sozialdemokrat. Daß die deutsche Arbeiterklasse trotz ihres Strebens, ihrer Tüchtigkeit und ihrer Intelligenz, die übrigens nur Mitgift des deutschen Votkscharakterß überhaupt ist, nicht zur Herrschaft befähigt ist, daß doch auch andere Volksklassen als'Arbeiter und andere politische Machtmittel als Worte und Versprechungen im Staatsleben eine Rollo spielen, und trotz aller Revolutionen in lebensfähigen Staatswesen immer Bildung und Besitz einen gewissen Vorrang behaupten müssen, gegen diese harten Tatsachen verstopft sich in Deutschland alles, was sozialistisch ist, die Obren. Kaiser Wilhclin sprach einst das stolze Wort:„Mt der Sozialdemokratie lassen Sie mich fertig werden!" Und heute nach genau fünfzehnjähriger Regierung? Wie es heißt, hat er den Ausfall der W a h len „m i t tiefem Ernst und wachsender Verstimmung" ausgenommen. Der Traum vom Löuigstreuen Arbeiter im Reichstage ist zerronnen. Die größere Wahrung des Wahlgeheimnisses, von der Graf Bülow auch eine Stärkung der bürgerlichen Parteien erhoffte, hat lediglich die Sozialdemokratie in oen Sattel gehoben. Und der neue Kurs sieht, daß allgemach die Zahl der „Nörgler" ins Riesengroße gewachsen ist. Etwa 700 000 Nörgler zeigt heute das gleich mehr als im Fahre 1898. lieber die Haltung der Parteien bei den Stichwahlen liegen folgende Meldungen vor: Für Hessen-Nassau beschlossen Nation a lliberale und Zentrum unter gegenseitiger Unterstützung überall gegen die Sozialdemokraten zu stimmen. In Baden proklamierten die Sozialdemokraten Stimmenthaltung bei den Stichwahlen zwischen Zentrum und Nationalliberalen. Das Provinzial - Wahl - Komitee der schlesischen Zentrumspartei hat einstimmig beschlossen, den Anhängern des Zentrums dringend zu empfehlen, bei allen schlesischen Stichwahlen soweit sozialdemokratische Kandidaten in Frage kommen, gegen die Sozialdemokraten einzutreten. In das Getümmel der deutschen Wahlbewegung klang von außen nur hin und wieder eine schrille Dissonanz aus der serbischen Tragödie hinein. Einzelheiten illustrierten von neuem die Barbarei bei den Vorgängen der Mordnacht. Peter ist trotzdem sofort von Rußland anerkannt. Die englische Regierung aber brach tat- fachlich die diplomatischen Beziehungen zu Serbien ab. Der Gesandte ist abberufen und verlaßt Belgrad heute, am Montag, um sich nach England zu begeben, und der Gesandte der Niederlande in Belgrad ist von seiner Regierung ermächtigt worden, sich der Haltung Englands anzuschließen. Deutschland dagegen betrachtet die Vorgänge in Belgrad als innere serbische Angelegenheit, von der es die Bestätigung der neuen Regierung nicht abhängig zu machen gewillt ist. Mehr Schmerzen indes als die Haltung Englands wird dem neuen König die Beantwortung der Frage bereiten: Wie soll ich die Blutflecken von dem Throne meiner Väter wegwischen? Ein König, der sich „von Gottes Gnaden" nennt und es von Mörders Gnaden ist? Peter wird sich damit Zeit lassen. Daß er nichts mit den Mördern zu tun haben will, hat er schon zu erkennen gegeben. Er wird denselben Leuten mit Rücksicht auf das Ausland den Prozeß machen und sie, wenn auch nur zum Schein, bestrafen müssen, in denen das serbische Volk doch die „glorreichen" Urheber der politischen Umwandlung sieht, und über deren Absicht es den Abscheu vor all der Verräterei und dem Blutdurst der Staätserretter vergißt. Man kann nicht sagen, daß Peter bei seinem Einzug in das Land der politischen Morde um seine Königswürde sonderlich zu beneiden ist. Seine Mreise von Genf erfolgt heute abend, die Ankunft in Wien Dienstag abend. In Wien wird der König eine Delegation der Staat Belgrad empfangen. Mittwoch früh trifft der König in Belgrad ein. Sogleich nach der Ankunft sindet feierlicher Gottesdienst in der Kathedrale statt. Nach dem Gottesdienst begibt sich der König ins neue Palais, wo er verschiedene Delegationen empfängt. Am Donnerstag ftüh wird er vor dem Parlament den Eid auf die Verfassung schwören. Am Abend findet Gala-Vorstellung im Theater statt. Honny soit qui mal y pense! Der Umsturz in Seröieu. Tie aus 28 Personen bestehende Abordnung der serbischen Nationalversammlung ist am Sonntag in Gens eingetroffen und wurde vom König Peter empfangen. Senatspräsident Welimirvwitsch richtete an den König eine Ansprache, in der er u. a. sagte: Wir hoffen, daß der König Serbien einer besseren Zukunft zuführen wird. Wir führen den Auftrag, den König zu begrüßen, aus, indem wir ihm eine lange und glückliche Regierung zum Ruhme seiner Person und Familie wünschen. Der Senatspräsident überreichte darauf dem Könige das Sitzungsprotokoll. Der König erwiderte: In diesem durch Beweise von Ergebenheit und Treue seitens meines Volkes, in dessen Namen Sie mich begrüßen, für mich so feierlichen Augenblicke erfüllt mich eine so tiefe Bewegung, daß ich nicht alle die Dankbarkeit wiedergeben kann, von der mein Herz heute erfüllt ist, wo ich vor mir als König von Serbien die Helden sehe, die mit meinem heldenhaften Großvater und hochherzigen Vater den Keim zu der Unabhängigkeit des Königreichs Serbien, meines und Ihres Vaterlandes, gelegt haben. Begnügen Sie sich damit, daß ich meine Dankbarkeit durch den einfachen Ruf ausdrücke: Es lebe Serbien! Möge die Gnade Gottes für alle Zeit unser geliebtes serbisches Vaterland begleiten! Präsident Welimirvwitsch stellte darauf die Mitglieder der Mordnung dem Könige" vor, welcher besonders liebenswürdig die in Nationalkleidung erschienenen Bauern begrüßte. Der König wies noch einmal darauf hin, wie tief bewegt er sei, die Mitglieder der Abordnung vor sich zu sehen. Besonders glücklich mache ihn der Gedanke, nach 45 jähriger Verbannung in sein teures Vaterland zurückkehren zu dürfen. Nach einem Telegramm des „Daily Expreß" zu schließen, scheint es Peter von Serbien sehr eilig zu haben, sich eine Krone zu besorgen. Er beauftragte seinen Bruder, den Prinzen Arsene, bei dem Pariser Juwelier Andrö Salize eine Krone zu bestellen. Sie muß in "drei Wochen fertig sein und darf nicht mehr (!) als 50 000 Frcs. kosten. Gin Vetter des Königs hat die Krone entworfen, und wird deren Fertigstellung überwachen. Bisher haben die serbischen Monarchen keine Krone besessen, und die Krönung der Könige Milan und Alexander fand ohne Krone statt. Vor einigen Tagen jagte sich der O b erstleu tnant Milo slaw Sh ivstko w itsch in selb stmörderischer Absicht eine Revolverkugel in den Kopf. Trotzdem kleine Gehirnfasern herausgetrieben wurden, blieb er wie durch ein Wunder am Leben. Nun kennt man die wahre Ursache.' Shiwkowitsch schickte am Vorabend des Attentates, am 10. Juni mittags einen Brief mit voller Unterschrift an den Köni$, in dem er genau den Plan des Ueber- falles mrtteilte. Der König empsing im Momente gerade eine Deputation, steckte den Brief uneröffnet in seine Generalsbluse und vergaß gänzlich, ihn später zu eröffnen. So fand man auch den Brief in der Bluse und nach, der Eröffnung des Briefes erfuhr man den wahren Grund des Selbstmordversuches des Oberstleutnants Shiwkowitsch. Tie „Sch.tampa" berichtet, der ftühere Finanznrinister. Marino witsch werde unter Anklage gestellt, Weiler angeblich dem König Alexander aus der Staatskasse die Zivilliste für drei Jahre (3600000 Dinar) borge- s cho ssen habe. Wie verlautet, haben mehrere diplomatische Vertreter wegen der Ernennung des Anführers der Königsmörder, Oberstleutnant Misitsch, zum Platzkom- mandanten von Belgrad bei dem Ministerpräsidenten Avakumowitsch energisch Protest erhoben. Nach einer Meldung aus Wien erklärten die Schwester« der Königin Draga, nach den Erklärungen der sie bewachenden Soldaten hätte König Alexander noch gelebt, als man ihn aus dem Fenster geworfen habe, und auch noch Lebenszeichen gegeben, als er wieder in den Konak gebracht wurde. Er sei erst dort gestorben. Nach einer weiteren Meldung aus Wien verlangt PeterRosegger die Bestrafung der serbischen K'önigsmördcr. Wenn auch die Staatsanwälte schwiegen, sollten doch die Menschenanwälte um so lauter sprechen und die Bestrafung der Mörder nach dem Gesetz fordern. Deutsches Reich. Berlin, 21. Juni. Der Kaiser hörte gestern auf bet Fahrt von Hannover nach Hamburg im Sonderzuge den Vortrag des Chefs des Marinekabinets. Heute morgen hielt der Kaiser in Hamburg an Bord der „Hohenzollern" Gottesdienst ab, dem die Bürgermeister Dr. Burchard, Dr. Hach- mann und der Gesandte Dr. Klügmann beiwohnten. Das Frühstück nahm der Kaiser bei dem Gesandten v. Tschirschky und Bögendorff ein und begab sich nachmittags zum Hamburger Derby. Der Kaiser verbleibt hier bis morgen mittag und geht dann direkt nach Cuxhaven zur Unterelbe-Regatta. Die Fahrt nach Helgoland wurde aufgegeben. — Auf den Wunsch des Kaisers wohnt der General» feldmarschall Graf Waldersee zum ersten Male den Kaiserregatten in Kiel bei. Da§ Spezialschiff ^Pelikan" läßt sein schnellstes Boot auf der Reichswerft in Stand setzen und wird es dem Feldmarschall während seines Aufenthaltes zur Verfügung stellen. In der Vollziehung des Taufaktes des Panzerkreuzers „Ersatz Kaiser" erblickt man eine besondere Ehrung des Grafen Waldersee durch den Kaiser. Die Amerikaner veranstalten an Bord des Flaggschiffes „Kearsage" eine Festtafel, an der das Kaiserpaar, die Großherzögc von Hessen, Baden, Mecklenburg- Schwerin, Graf Waldersee, die anwesenden höchsten Würdenträger und Seeofftziere teilnehmen werden. Französische unb belgische Pachten, darunter die Sonderklassenyachten „Menlan" und „Belgien", sind bereits in Kiel eingetroffen. Auf den Pacht- und Bootswerften des Kriegshafens herrscht eine fieberhafte Tätigkeit, um die aus allen Sportzentren kommenden Pachten für die Kieler Wochen auszurüsten und ihnen für die Kaisertage ein schmuckes Aeußere zu geben. — Die Urwahlen zum preußischen Landtag werden nach einer neueren Meldung voraussichtlich erst in der ersten Rooemberwoche vorgenommen werden. — Rach einem Heidelberger Telegramm wurde in Grünwinkel der zweitesozialdemokratischeBürger- meifter Badens rechtsgiltig gewählt. Dresden, 21. Juni. Der hier gegenwärtig tagend! Verband der deutschen Berufsfeuerwehren wünscht, daß durch eine einzusetzende technische Reichsbehörde der Verkehr mit Mineralölen in allen Bundesstaaten gleichmäßig geordnet wird. Die Vorarbeiten zur Begründung eines Reichsverbandes freiwilliger unb Pflichtfeuerwehren sind soweit gediehen, daß der Verband spätestens im nächsten Jahre ins Leben treten wird. Karlsruhe, 20. Juni. Der landständische Ausschuß hielt eine Sitzung ab, in der Finanzminister Buchenberger ein trübes Bild unserer gegenwärtigen Finanzlage entwarf. Das Jahr 1902 schloß mit einem Fehlbetrag von Mk. 4 200000 ab, sodaß der umlaufende Betriebsfonds von rund 18 Millionen auf 13,9 Millionen zurück- ging. Der ungünstige Stand der Finanzen kommt auch darin zum Ausdruck, daß die Landeshauptkasse an die Amortisations- kasse eine Schuld von einer halben Million hat, während sse bisher ein Guthaben bei ihr hatte, das sich im Jahre 1899 noch auf 14 Millionen belief. Auch der Eisenbahnbetrieb hat 1902 keinen nennenswerten höheren Betrag als im Vorjahre abgeworfen. Die Erträgnisse waren 1899 24 Millionen, 1900 17,1 Millionen, 1901 1 1,9 Mill., 1902 13,9 Mill. Die Passivzinsen sind in dem gleichen Zeiträume von 12,2 Millionen auf 14,7 Millionen? gewachsen. Die Eisenbahnschuld ist von 377 auf 397 Millionen angewachsen. um dort ein Johannisfeuer abzubrcnnen. Beinl Aufstieg Dr. Bauer aus Caf. ies der Jugend ein nachahmens- Der 15 Jahre alle Täter wurde verhaftet. — Aus Alten- Buseck wird uns mitgetcill, daß zu unserer Notiz vom letzten Donnerstag bezüglich Diebstahls in Großcn-Buseck nachzutragen sei, daß die betr. Frau nicht verhaftet worden ist. stürzte ein Mitglied der Gesellschaft, München, ab und blieb sofort tot. auf dem Potsdamer Platze vergiften würde. Statt dessen wählte sie später ein Abteil zweiter blasse eines Zuges, der vom Potsdamer Bahnhofe abzufahren im Begriffe stand und suchte dort mit einigen Sublimatpillen ihrem Leben ein Ende zu machen. Als man ihr Hilfe brachte, erklärte sie, sie habe mit Absicht an einem öffentlichen Orte das Gift genommen, damit ihr Selbstmord in der Oeffentlichkeit bekannt werde. Tie Lebensmüde wurde Worms, 20.Juni. Auf das Ausschreiben der 1. Beigeordneten stelle, die durch die Ernennung des Hrn. Dr. * Metzingen, 21. Juni. Heute nacht l/2l Uhr geriet der Personcnzug Nr. 217 infolge unrichtiger Stellung des Ausfahrtssignals auf das Stadtgcleis, das oberhalb der quer vorbeiführcndcn Straße endigt. Der Prellbock wurde abgedrückt und die Maschine und der Tender stürzten auf die Straße hinab. Ter Gepäckwagen siel unr und blieb auf dem Bahndamin liegen, während der hinter ihm befindliche Personenwagen sich auf ihn auftürmte. Verletzt wurden der Lokomotivführer, der Heizer und ein Schaffner. Reisende sind nicht verletzt worden. Der Main bedenklichem Zustande in ein Krankenhaus einge liefert. hur- h A-Z< Währ« 4953 Wahre, ^aher wie Nri geröst Aus Staöt und Kund. Gießen, 22. Juni 1903. Nachrichten aus Stadt und Land find uns stets willkommen und werden angemessen honoriert! *• Empfang bei Hofe. S. K. H. der Großherzog empfingen am 20. Juni den Bürgermeister Dr. Kayser von Bad Nauheim, den Assistenten Dr. Schneider von der Gewerbe-Inspektion Gießen. ** Gießener Radfahrern erein 1885. Bei dem gestern in Kirchhain stattgehabten Sommerfest des Nordbezirks, Gau 9 des Deutschen 9iadfahrer-Bundes, errang der genannte Verein beim Reigenfahren den Ehrenpreis, der von den Damen Kirchhains gestiftet war. Der Preis besteht in einem formschönen, prächtigen Humpen, und ist im Schaufenster des Zweiggeschäfts der Firma H. Kaeß Nachfolger ausgestellt. ** Rad-Klub „Germania". Einen schönen Erfolg errang der hiesige Rad-Klub „Germania" am gestrigen Sonntag bei der Vereinsdauerfahrt des Nordbezirks des Gaues IX nach Kirchhain. Unter sehr starker Konkurrenz gewann er den 1. Preis in Gruppe II, bestehend in einer prachtvollen silbernen Bowle mit Löffel, gestiftet von den Damen Kirchhains. Trotz völlig aufgeweichten Straßen und beständigen Regens legte d^er Verein mit 15 aktiven Mitgliedern die 100.5 Kilometer lange Strecke Gießen—Grünberg—Londorf— Daubringen —Wiescck — Frohnhausen—Marburg-Kirchhain in circa 6 Stunden zurück. ** Das Feldbergfest, das gestern einen so großartigen Verlauf nehmen sollte und an dem auch hiesige Turner sich beteiligen sollten, fiel wegen der ungünstigen Witterung aus. •’ Kan alisati on. Die angefangenen Strecken der Kanalisationsarbeiten werden, wie man uns mitteilt, in 4 bis 5 Wochen fertig gestellt sein. Die in Umlauf gesetzten Nachrichten, daß dann die Unternehmer ihre Arbeiten einsiellen Müßten, sind nicht zutreffend, da der Firma Rumpf u. Jäger auch die Fortführung des Sieles von der Wieseckmündung die Lahn abwärts übertragen ist. Im übrigen ist ein weiteres Los der Kanalisation ausgeschrieben, desien Submission am 6. Juli ansteht. *' Der Brandstifter, der, wie jetzt tatsächlich feststeht, den Brand der Schwanschen Scheuer verschuldete, ist in der Person des vorbestraften Möckel aus Langenhain ermittelt morden. Er wurde am Samstag verhaftet und ist geständig. ** Auf der Butterschau, welche mit der Ausstellung der deutschen Landwirtschaftsgesellschafl vom 18.-23. Ium in Hannover verbunden war, entfielen auf das Großherzogtum Hesien zwei Preise und zwar an die Dampfmolkerei Gießen, Jac. Persyu, und an die Molkereigenossenschaft in Groß- Fclda. s. Lollar, 21. Jpni. Bei der am 18. d. Mts. statt- gehabten Bcigcordneten-Wahl erhielten Heinrich Schmidt VI. 85, Karl Schwalm 4 , Ludwig Hofmann V. 42, und Kaufmann Georg Plitt 13 Stimmen. Montag, den 29. d. Mts. findet Stichwahl zwischen Heinrich Schmidt VI. und Karl Schwalm statt. Rockenberg, 20. Juni. Em Soldat des hier liegenden Wachkommandos vom 3. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 117 stürzte gestern im Zimmer so? unglücklich, daß er ein Bein brach. Er wurde alsbald in das Militärlazaret nach Gießen gebracht. (B. Z.) Bad Nauheim, 21. Juni. Folgende Unterhaltungen sind in dieser Woche vorgesehen: Dienstag nachm. und abends auf der Terrasie Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: „Mamselle Nitouche". — Mittwoch nachm. und abends auf der Terrasie Konzert der Kurkapelle. Bei gutem Wetter gegen 10 Uhr großes Feuerwerk vor der Terrässe. — Donnerstag nachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung „Der Hochtourist". — Freitag nachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Theatervorstellung: „Der Vogelhändler". — Samstag nachm. und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends musikalisch-humoristische Soiree des Klavier-, Gesangs- und Deklamationshumoristen O. Lamborg aus Wien. — Sonn- t a g Konzert der Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 116 aus Gießen. Abends Konzert der Kgl. Sächs. und Großh. Hess. Kammersängerin Frau Erika Wedekind. — In der nächsten Sitzung der Stadto.-Versammlung in etwa 8—10 Tagen, soll die Wahl von zwei Beigeordneten stattfinden und zwar in getrenntem Wahlgange, zuerst die Wahl des zunächst zur Vertretuug des Bürgermeisters berufenen Beigeordneten, dann die Wahl des in zweiter Linie zur Vertretung des Bürgermeisters berufenen Beigeordneten. — In der letztem Stadtverordnetensitzung teilte der Vorsitzende mit, daß unter Mitwirkung von Prof. Dr. Schott hier, Herr Karl August Siebert in Frankfurt a. M. einen Betrag von 2000 Mk. der Bürgermeisterei zur Verfügung gestellt hat, zwecks Errichtung einer Stiftung, aus deren Erträgnissen minderbemittelte Badegäste, welche die hiesige Bade- und Trinkkur gebrauchen, unterstützt werden können. fc. Mainz, 21. Juni. Der Raubmörder Detrois heulte und tobte tagelang nach seiner Verurteilung zum Tode in der Zelle und schrie beständig: „Ich will nicht sterben, ich will mich bessern!" Zu spät! Aü9U8tNo^f Vermischtes. * Berlin, 22. Juni. Auf der Oberspree bei Treptow stieß gestern ein kleiner Dampfer mit einem Ruderboot zusammen. Das Ruderboot sank. Von den vier- auf letzterem befindlichen jungen Leuten wurden zwei gerettet, die beiden anderen ertranken. * Trier, 19. Juni. Infolge Scheuwerdens des Pferdes geriet das Gespann des Besitzers des Kurhauses Ramstein, Werner, in die Kyll. Ein Kellner ertrank, während Werner sich beim Abspringen schwere Verletzungen zuzog. * Aachen, 19. Juni. Tas Zentrumsblatt „Der Volksfreund" berichtet über eine Soldatenmißhandlung, die ein Feldwebel der 12. Kompagnie des 40. Jnf.-Regts. sich zu schulden kommen ließ. Ter Feldwebel hatte einen Soldaten, der das Gewehr mit Petroleum geputzt hatte, nach einer dem kommandierenden General von dritter Seite erstatteten Anzeige genötigt, zur Strafe Petroleum zu trinken, wodurch der Soldat erkrankte. Tie Angelegenheit beschäftigt zurzeit das Kriegsgericht. — Heute vormittag fand in einem Laden in* der Annastraße eine Gasexplosiou statt. Schaufenster, Rollladen, sowie die Türen und Fenster des Nebenraums, eines Wollwarengeschäfts wurden zertrümmert; die Verkäuferin erlitt Brandwunden. "München, 21. Juni. Heute nacht unternahm eine größere Gesellschaft einen Ausflug nach dem Risserlogel, BR. D würbe heute Lerdrechmdl 1879 m Well Sie hatte m nach der G i brannl. Als ein ihr W dem Kinde el> die Verteidig! aus geständic verzichtet nw Umstande zue Gesängnis vc Berli /chen Der amvalt, bei, versuchten 1 lrng, der gessen habe verletzen, u fängnis un sei m den 1 Gendarmen des Hofes Zarenpaam die ein Hofb nur unbefti dächüz mao Ter Revolu Palais tour dem Zaren i tatsversuch Saatl unscenndliö mit Sonnei wirkte ein standes. S wenn nicht tenmgsums Dfnmiibe iv zu schneller Schädlinge erwähnt, al) tzaden Äer zelne s^ruch haltende Ki Witterungs ausgegliche weizen, bei gekommen während b' besserte. 02955] Seltersweg 75. Eine fast neue [4951 LadeneinricMung für Kolonial- und Eisemvaren- geschäft, steht billigst zu verkaufen. Näh. Dillenburg, Hatlptstr.40,111 Eme noch sehr gut erhaltene olwe PliischMitur umzugshalber billig abzugeben. Wo? sagt die Exp. d. Bl. [4779 02927] Sopha für 15 Mk. zu verkaufen Goelheslraße 42, I. Kauf-Gesuche zum Schlachten werden stets angekauft. [1790 Pferdemetzger. ZU vermieten 4962] Schönes Logis, 2 Zimmer, Küche :c. preiswert zu vermieten. M. Levi, Seltersweg 35. 02960] Ein kleines Logis 511 vermieten Nacharinengahe 7. 4960] Ludwigstr. 57 schöne 5-Zimmerwohnung zu vermieten. Näheres im Hinierhause daselbst. 02962] Bahnhofstraße 35 eine elegante 3-Zimmerwohnuug, Bel- Eiage, zu vermieten. 48541 Ostauiage 40, neben der Freimaurer-Loge, ist die Parterre-Wohnung per 1. 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