Mittwoch 22. Npril 1903 153. Jahrgang Nr. 93 YrfteS Blatt. iuiw» wi«11»;“ rldip ac>uqi. ll*7*_____Wiausburg 3. «jifl« fle|ud)t. ,3200 echevjn , u2. Äbreflt tüt Tevelchen: «a-ei-er «icfcrn. ^miiprfd)anid)lii6 4tr 61. das aber doch auch zu gereiften Zetten em gar lustiges Siebes- dueU zu spielen pflegt mit halsbrecherischen Jagden, Kitzeln und Sieden und Herabkollern, biß Herr und Frau Fleber- inauS sich in ihre Flughäute wickeln wie in ein gemeinsames Suren. Lian erinnert sich deS niedlichen Gedichtleinß deß alten Fechner vom Mäuschen, daß die (fcfte eineß Küchen- heerdeß empocblickt und den Himmel zu sehen glaubt; denn da oben hangen im Rauchsang ungezählte Speckseiten, umkreist von geflügelten Maußengeln: Fledermäusen, die ihr Siebeßspiel treiben. Doch nicht viele kennen dies Fledermauß- potzm, alle Welt aber hebt daß anmutigste Stiefkind der großen Oper, die .Fledermaus von Joh. Strauß, die beste aller Operetten, die selbst von sauertöpfischen Verächtern der Karrikatur-und Parodieopernmusik ebemo gern gehört zu werden pflegt wie, trotz ihres LhampagnergesprudelS, von dem biero- kralischesten Hypochonder. Tiefer so ausgelassene als, im beiien Sinne, artige Wildfang ist heute noch, trotz seines verhältnismäßig hohen Alters von nahezu 80 Jahren, von berückender Liebenswürdigkeit. In der Geivandkammer der Operette hängt die .Fledermaus' vorn an im FefttagSfchrank, und wenn sie 'mal wieder hervorgeholt wird, ergötzt man sich weidlich an ihrem Staat. Flott, adrett, voll Sangeslust und Walzerfreudigkeü ging der neckische Kobold über unsere Bühne, vom feinfühligen Kapellmeister, Herrn Schatz, an nicht allzu strammem Zügel gehalten, von reger Lach- und Beifallßfreudigkeit der zahlreichen Empfangsverfammlung an- gefeuert Nicht wenig zu der lebhaften, ja für unsere Verhältnisse glänzenden Aufnahme trug Frl. Bartl bei in der Rolle der Adele. Die junge Künstlerin besitzt nicht nur Anmut und Liebenswürdigkeit, sondern auch daß ganze Gehabe, das die Soubrette eines guten Theaters charakterisiert. Ihre niedliche Stubenmädelgrazie hielt sich in fern komischer Kunst taktvoll fern von derberer Karrikatur, und auch gesungen hat Frl. B. ihre Partie sehr schön mit reizend harmlosem Geschmack. Tie Schlußszene mit dem Direktor des sidclen Gefängnisses freilich hätte mimisch reicher auSgeftaliei fein können; eine stärkere Ausprägung der improvisierten drei Charaktere hätte sich sogar empfohlen. Frl. Stöger aufcci €onntag«. Dem Hiebenee Anzeiger werden im Wechsel mit dem kelfllche, tanbrolrt d>e Glebeoer Kamille»' Miller viermal in der Woche bei gelegt. RoiaiionSdruck u. Vertag bei Blüh l'lchen Univett.-Buch-u. Klein- brudem (PieNch lieben) Äebafhon, LrpedUio» ner Familie um guter limng. Cjitrtcu unter I an bie ttipcb. ö. tu MM Mi i„er guter Heilung. ijotl, toniHbtTrtcvit. ot. 15BE- Hlii" " ,X6*aÄ stellte die Rosalinde sehr geschickt und gewandt, vor allem aber temperament- und humt^voll dar. Allerdings läßt sich Leichtsinn mit Vornehmheit merklicher mit einander verbinden. Auf daß Angenehmste berührte die sorgfältige, elegante Kostümierung, die wir vor zwei Jahren ungern vermißten. Musikalisch liegt die Partie Frl. Stöger vortrefflich, so daß sie auch nach dieser Seite hin meist vollkommen befriedigte, trotz ihrer offenbaren leichten Erkältung. Temperament ist m jeder ihrer Sloten. Ihr volltönendes Organ spricht namentlich nach der Höhe zu sehr an, und ihren Csardaß im 2. Akte trug sie sehr hübsch vor. Herr Nolte, der alß allzuflotter Ehemann schließlich in eine fest »geschloffene Gesellschaft' gerät, war wieder recht guter Saune, und sang, wie fein Weibchen, con amore, fidel vom Scheitel biß zur tanzfrohen Lohle. In seinem Gefängnis ließ in liebenswürdigster Weise Herr Bruck brummen wer da wollte und wie eß jeder wollte. Er war launig und witzig und hielt dabei weise das rechte Maß. Tie tolle Trunkenheitß-Traumscene tm S. &fte, in der sich der sektfröhliche Direktor und der nordhäuser- fehge Diener wie zwei Kameraden auf gleicher Höhe der Wirkungen beß Alkohols begegnen — em sozialer Ausgleich „ach unten — wirkte einige Tage nach dem Bremer Antialko- holisten.Kongreß schier wie eine 3)emon|traiion Sie wurde, wenn von ihr auch nicht die eigene, von den satanychen Ko- bolöen des Weines und Branntweines absonderlich msi- zierte Stimmung in einer die Hörer mit KaiedraUcn packen, öen Weise auSgmg, namentlich von Herrn Ganzert, einem aanx vortrefflichen Charakterkomiker, ungemein erheiternd ge- ÜMeli. Jeder fühlte, wo das Zwerchfell sitzt. Aber ichließlich wirken doch auf die Tauer die beiden Parallelräusche nichts weniger als erquicklich. Kürze ist des Witzes Seele schon feit des alten Po- ioniuß sagenhaften Zeiten, und auch das Groteske hot eme Grenze. Herr Sommer war als Üppiger Tenor von dauerhaftestem Organ der geeignete Vertreter des Gesanglehrers. Als der schon mehr langweilige als gelangweilte Prinz Orlosski fungierte Frl. Kalbern, offenbar eine Anfängerin, die mit ihrem kleinen Stimmchen manchmal noch den richtigen Einsatz verpafft und um die musikalische und bar- Wt lt|W)|, I lin älterer 3äüub dwiilichaiuichr üilutU(. »' jung, mann, |lcn ßticrmet W Um wem? wi •Union d. !vl, haiiigerUchch^ hi« Reiben inr Heller und iomuue flef. d.Hauu Lohne, Siforfabuf. AausiU" ?!!tJipöiiö-ulJ Gu-ßrnrr glaMtljratrr. Die Fledermaus. Operette von Johann Strauß. Der Lenz befl Jahres 1899 war ein wahrer Totenfrühling für bie Kunst. In Kiel starb Klauß Groth, bet grob« plattdeullche P°kt, btt T>chln beS .Ou>ckb°m , Frankreich verlor einen seiner populärsten Dramatiker, Eb. Pailleron, unb bie heroorragenbe Tiermalerin Rose. Bonheur, unb baß Walzerreich ward seines KömgS Johann Strauß beraubt. Oßkar Blumenthal schilderte damals m glücklichen Versen den letzten dieser vier großen Toten, .der unß so oft mit seinem ZaubeMabe entlockte m baß Märchenzauberland . Johann Strauß war, so führte baß Gebicht auß, em Tröster feiner Zeit, ber unß über schwere Stunben hinweghalf, unb auf jein Grabmal sollte bie Muse bie Worte setzen. Dir war bie Kunst kein trübet WermutSbccher, Dir war sie Freudenborn und Sorgenbrecher. So oft Tu sprachst, wards unfern Herzen warmer, Slun bist Du stumm — wir wurden alle armer! Rosa Poppe trug batnalß diese Verse im Kroll'schen kql. Operntheater zu Berlin vor und gleich danach setzte .die Fledermaus' mit ihren tollen Weisen ein. Diese Anstührung galt den Manen beß soeben Verstorbenen, aber wer kann nachdenklich bleiben, wenn eS von bet Bühne spöttisch- äugend herniedertönt: .O jeck, o jeck, wie rührt mich bieß"3 wenn die verführerischsten Walzer locken! Und gewiß war die frohe Stimmung an jenem schönen, den heurigen scheußlichen Lenztagen so gründlich verschiedenen FruhlmgS- abend, die sich im Theater und draußen un luftigen Konzert- garten geltend machte, mehr im Sinne des Meisters Strauß als e:wa Pathos unb Feierlichkeit, obwohl Johann Strauß sein Leben lang em unglücklicher Liebhaber bes feierlich Pathetischen, namentlich aber ber ernsten Musik gewesen >", - mufften. Diese wohl noch frische fcinneruna an leine eigene Haltung hielt den Fähnrich aber nicht ab, sich moralisch ,u entrüsten, weil der Zwriiährige Hartmann in augen- cheinlich stark angeheiterter Stimmung eine Wirtschaft betreten wollte. Heber die persönliche Seite der Sache kann man kaum mehr ein Wort verlieren. Die Erbitterung über den Täter ist in allen Volkslreisen ebenmäßig groß, wenngleich bisher nur die Sozialdemokraten mit der polttisck-en Ausbeutung des Falles in Versammlungen vorgegangen sind. Allein aus (Erbitterung und Zorn allein kann man leine fruchtbaren Gedanken schöpfen, sondern eß ist nötig, den inneren Ursachen dieser grausigen Tat naajgugeyen. Charakteristisch ist der Brief, den Hustener bald nach der Tat an die Eltern des Erstochenen richtete; er ist noch mehr als die Tat selbst der Beweis einer geradezu ungewöhnlick/en Unreife, welclM läck-erlich wirkte, wenn der Fall nicht so traurig wäre, hüssener hat offenbar noch nillst das geringste Bewußtsein, ui welcher Frivolität er seinen Konflikt qerauf- bcschworen Hal. Er hüllt sich vielmehr in das heroische Gewand eines allen Romers, ter aus Soldatenpflicht den Sohn tötet, spricht von einer „harten, harren eolbaien- pfUcht", der er sich unterziehen mußte und kommt sich augenscheinlich noch als ein musterhafres Opfer von Svl- batentugenben unb als großer Held vor, der in der iUHifuni der Pflichten untergehll Skbenbei verflu-ert er die Familie des Verstorbenen (einer „innigsten Teiinahme" und glaubt, „nxnn bie Mutter ihm verzeihe, die übrige Welt iLm auch verzeihen" werde. Angesichts eines solchen burlesken ^-eelenzu,mndeß hat man (ich unter voller Anrechnung der persönlichen Unreife des Taters dre Frage vorzuligen: Wie kann eine derartige Verkennung ber Wttllichkett, euie solche uollftänbige Venoechslung von Recht und Unrecht entstehen, auf welchem Boden ist sie erwachsen? Es will uns scheinen, daß bei der Erziehung des Offiziers unb bes 6urbaten überhaupt zwar nut Recht ber -schn-erpiinkt auf bie EntwicktUiig beß Selbsibewußtseins und der Tatkraft gelegt wird, daß aber dabei nicht genügend das notwendige Gleichgewicht ber Seele dadurch her gepellt wird, daß man dem Soldaten alß ausschließliches Ziel die Verteidigung des Vaterlaiides hinstelll, das deutsche-Volk als einen einheitlichen Körper bezeichnet und so baß absolute, stets gegenwärtige Bewugisrifl befagt in WirNicd- leit gar nichts anbereß, als: Wird em «oldat bedroht oder angegriffen, so hat er nicht ein Gericht anzurufen, solidem er füll, trotzdem er Partei ist, sofort Recht unb Un reckst ab wagen und gleid^xtig Richter sein, sich selbst zu seinem wirklichen oder vermeintlichen Recht verhelfen. Den dadurch entstandenen zahllosen Zusammenstößen und oft tieftraurigen Ereignissen kann man nur vor beugen, menn man wenigstens den zwanzigjährigen gemeinen öobbaten und jungen Berufssoldaten im Urlaub bie Waffe nimmt. Im Falle Hüffen er handelt eß sich nicht um diesen Gebrauch ober Mißbrauch ber Waffe bei Angriffen. Angesichts ber ber Untersua-ungskommisiion schon gegebenen Zeugenaussagen ist die Behauptung Hüsjeners, Hartmann habe gegen ihn zum Schlage ausgeholt, hmfällig. Allerdings würde Hüssener, wenn er ohne Waffe in den Urlaub gefuiicü wäre, auch keinen Unfug mit der Wasfe in diesem öaik haben anstiften können. Allem im Grunds ad kommen yier bie Vorschriften zum Waffengebrauch beim wleil Verhafteter in Betracht. Die Instruktion bestimmt, daß, wenn em verhafteter Soidat entspringt, von den Waffen Gebrauch gemacht weiden soll, bis der Ztoeck erreicht i|t. Dunkel ist der Siebe Smu; und 2OU auSivendig gelernte Paradigmen tonnen ihn nicht erläutern, denn das Leben schafft immer neue, andere Falle. Der Zweck ist doch erreicht, wenn die Wiederverhaftung gesichert ist. Welche Gefahr liegt wohl vor, daß em sinnlos Betrun kener entwischt? ES sollte doch eme einfache vernünftige Uebetlegung dahin ühren, daß einem Betrunlenen gegenüber, der in diesem Zustande seines Verstandes zum Teil beraubt ist. überhaupt von ber Waffe kein Gebrauch gemacht werden darf. Wenn der erstochene Hartmann in den unklaren DämmerungS- gebanlen eines Berauschten versuchte, ben vorgesetzten Kapellen z. S., ber ihn verhaftete, gemütlich unter den Arm zo nehmen, so muffte es dem Kadetten doch vollkommen tiar (em, daß ber tuumn nicht mehr zurechnungssähig war. Die Anweiidung ber Wafseninstruktion war bannt doch ohne weiteres außer Kraft gesetzt. Der Fehler liegt aber darin, bah man diese Uebetlegung und Entscheidung in das Belieben und in das rasche Urteil der Begleitmannschaft setzt. Während erwack>sene SJiänner nach stundenlangen, oft tagelangen SchwurgerichtSverHandlungen noch ängstlich (mb, bas Urteil über Sehen und Tod zu fällen, lad hier em Ihjähriger unreifer Mensch in lö ^Sekunden sich bar über klar weroen, ob er die Wasfe gebrauchen muß, unb wie wett er sie gebrauchen muß. Bei bem Dünkel unb dem Jähzorn, vielleicht auch dem Dienstübereifer deS Taters, der durch die, wie er (ich |pater ausdrüctte, plumpe Vertraulichkeit" des Hartniann in seinem Bewufflsem eben erlangter FähnnchSwurde schwer verletzt war, ist dann dieses Urteil erschrecklich irre gegangen und so kam es daHU, daß in den Straßen EjsenS in den scheinbaren 3>ct Kall Küssener. Die Vorgänge in Effen, denen ein (unneff Menschen- Zehen zum Opfer fiel, haben überall in Deutschloiid großes Aufsehen unb schmerzlick-eS Bebauern hervorgerufen. Die Erwägung, daß an dem entsetzlichen Vorkommnis auch der Alkohol wieder beteiligt war, kann die Empörung, die alle Gemüter ob des Vorganges erfaßt hat, nicht herabmindern. konnte nicht fehlen, daß man die tat des Hüssener zu entschuldigen versuchen wird, aber eine sorgsame unb gereckste Beurteilung aller Einzelheiten des Falles kann nur mr schärfsten und rückhaltlosesten Verurteilung dieses offenbar von Größenwahn befallenen jungen Menschen fuhren. Das Rechtsgesühl beS Volkes verlangt strengste Bestrafung deS gewissenlosen SJlärberß, darntt ein Exempel (tatuiert wird. In der „Rhein.-Westt. Zttz." finden wir in einem objektiv geschriebenen Arttkel eine Zusammenstellung aller pshchologisüstn Motive, bie für die Beurteilung beß Falles maßgebend sind. Wtt wollen deshalb die Ausführungen beß Blattes, baß am Tatorte erscheint und wohl in der Lage ist, alle Einzelhriten zu übersehen, wörllich hierherfetzen. „Die Voruntersuchung in der Angelegenheit hüssener ist beendet unb die Zeugenaussagen stehen sviveit fest, daß man sich bereits ein Urteil über den Verlauf des Falles im allgemeinen und seine Ursachen bilden uum. Rach der Behandlung beß hüssener sollen bie See- kadelten von ihrem Vorgesetzten in Kid mit der Weisung in den Urlaub entlassen worden sein, Sorge ju_ tragen, bah fie von ben gemeinen Soldaten vorschriftsmäßig gegrüßt würden. Glaubwürdiger llingt die andere Wendung, welckst ein Seekadett auß hiesiger Gegend im Eltern- Hause berichtet hat, nach welcher die jungen Kadetten selbst Iiaj vor der Abreise aus Kiel gegenseitig das Wort gegeben lätten, jeden Soldaten zu stellen, ivelcper sie nicht grüße oder befjen Kleidung nicht vorschriflßniäßig sei. Jedenjallö reisten bie jungen Leute auß Kiel ab mit bem festen Vorsatz, ihre ellvaS geschtvollene Autorität in der Heimat zur Geltung zu bringen. Es ist baß alß Unterlage beß Ereignisses nicht unwichtig. Die F-olgen dieser Absprache haben sich an mehreren Orten bemerkbar gemacht, u. a. auch in Schalke, wo See- labetten gemeine Soldaten auf der Straße „stellten", aber burch die droheiide Haltung der Arbeiterbevölkerung ge- -iwungen wurden, (ich rafd^il zurückzuziehen. Der Fähnrich zur See hüisener scheint zur Durchführung feiner Absichten U.-fen systematisch durchstreift zu hoben, denn in feinem Rotizbiich and man bet der Ablieferung die Namen vvn nicktt weniger alß 20 durch ihn au\ der Straße gefielUen Soivaten, die er nach den Festtagen wizuzeigen beob- sichtigt^ tommt jene UnglückSszene in der Ostemacht, büfienet selbst war keineSivegß em grundsätzlicher Abstinenzler, sondern er hat sich noch vor nicht langer Zen aeiegenllich einer Familienfeier m einem Hotel schwer berauscht, mit dem Hotelier Streit angefangen und dann, von feinem seitdem verstorbenen Vater nach Hause geschickt, in einem Anfall (innlojer Wut dermaßen im Hause getobt unb baß Mobiliar -erschlagen, daß die allem zu Hause verbliebenen Dienstmädchen durch die 8«ii|ter fluchten totfudjt 1. 'Dlai ahen W nach ouewart* S'mraifcti ttüchenmabchtuiul pme!. Helle. .. bereß LndwiflSi'l^ Viädcheu d.-lclbenuachtu^ ^ikn ... . < . aiultlllr Jl Tlf Q monntlict7b'Ul.,Dierte(- JbBroe ▼ Rv M ▼ * . tfihrhd) Tir 8JO; bunt» Kichener Anzeiger ** General-Anzeiger 17 v ben polu. unb allqem. Amts- und Anzeigeblaff für den Kreis Gießen MW V 1 geiaentetl: Han« Beck. 'Formen Rechtens eine Hinrichtung Vvll-vgru wurde, die einfach grausig ist. Die aufgebrachte Erbitterung beschrankt sich durchaus nicht auf die Sozialdemokraten, sondern es -eigen sich sämtliche Kreise des Bürgertums gleichmäßig aufgewühlt und empört, und die allgemeine politische Ermahnung, die aus diesem traurigen Ereignis wieder hervorleuchtet, ist eine schleunige und umfassende Durchsicht aller Bestimmungen, welche sich auf den Gebrauch der Waffen im Frieden und dem Bürgertum gegenüber beziehen." Herr Hüssener, 19jähriger Fähnrich war durch die -plumpe Vertraulichkeit" des Hartmann, der den jungen Menschen offenbar nicht für voll nahm, so in seiner Mannes- und „höheren" Soldatenwürde „verletzt", daß er den Bettunkenen glaubte arretieren zu müssen. Daraus entstand dann das ganze gräßliche Unglück. Mr haben es in der Tat des Hüssener mit einem Akt ausgebildeten Größenwahns zu tun, einer Ueberschätzung der eigenen Persönlichkeit, die für einen Teil des soeben herangewachsenen Geschlechtes leider typisch zu worden droht. Volilische Tagesschau. Deutschlaud und Kanada. Wie das „Berl. Tagebl." hört, wird noch einige Zeit vergehen, bis deutscherseits bestimmte Entschlüsse als Antwort auf die zollpolitiscl-en Maßregeln Kanadas gefaßt sein können. Dres erllärt sich daraus, daß weder das Auswärtige Amt, noch das 8ieichsamt des Innern allein in der Angelegenheit entscheiden können, vielmehr haben sich auch noch andere amtliche Stellen dazu zu äußern. Ferner ist beabsichtigt, Interessentenkreise gutachtlich über die Frage zu hören. Die „Nationalztg." vernimmt, daß in Montreal bereits Milderungen der angekündigten Maßregeln erwogen werden. Als eine solche Milderung ist aufzufassen, daß die kanadische Regierung die vor dem 1. Juli zur Verzollung gelangenden Sendungen von dem Zuschlagszoll auszunehmen beabsichttgt, sofern die betreffenden Bestellungen vor dem 17. April in die Hände des deutschen Exporteurs gelangt sind. Trotzdem wird für alle Fälle auf deutscher Seite Abwehr zu erfolgen haben, denn es ist nicht wahrscheinlich, daß die kanadische Regierung emwilugt, die deutsche Einfuhr zollpoliliscd nicht ungünstiger zu behandeln wie die englische Einfuhr. Großstadtluft. Unter dieser Spitzmarke bringen die ,Deutsch-Soz. Blätter" ^Herausgeber Liebermann von Sonnenberg) in ihrer letzten Nummer folgenden Artikel: „Für das Jahr 1901 zählte man in der Reichshauptstadt nach 6er jetzt veröffentlichten Statistik 7891 außereheliche Geburten. Die Mütter standen meist zwischen Vollendung des 17. und 30. Lebensjahres. Aeller als 30 Jahre waren aber immerhin noch 983, jünger als 17 Jahre 135 außereheliche Mütter. Von den ältesten halten 2 bereits das 47. und 1 das 48. Lebensjahr hinter sich, von den jüngsten waren 6 noch nicht 15 Jahre alt!" Ein Spiel deö Zufalls will es, daß zur selben Zeit die ,Deutsche Wirtschaftspolitik' einen größeren Attikel über die „deutsche Bevölkerungsstatistik" veröffentlicht, worin es bezüglich der unehelichen Geburten heißt: „AlS bemerkenswert mag übrigens noch angeführt werden, baß die Verhältnisziffer der unehelichen Geburten in Berlin und den Hansestädten ziemlich niedrig ist. Es entsielen auf 1000 im Alter von 16— 50 Jahren stehende Frauen in Berlin 27,4, in Hamburg 27,8, in Lübeck 26,1, in Bremen gar nur 16,9 %o gegenüber einem Relchsdurchschmtt von 29,4 Dagegen weist beispielsweise Ostpreußen 33,9, Pommern 87J, Ateckleirburg-Schwerur 37, Mecklenburg-Strebtz 41,1 auf. Die fremden Saisonarbeiter. Aus Berlin, 21. April, wird uns geschrieben: Der Zuzug ftember Saisonarbeiter nach Deutschland ist in diesem Jahre wieder sehr bedeutend. Tag für Tag langen große Scharen von männlichen und weiblichen Arbeitern aus Rußland, Polen und Galizien auf den den Durchgangsverkehr von Osten nach Westen vermittelnden Berliner Bahnhöfen an. Diese Leute sinden meist Beschäftigung in den landwirtschaftlichen Betrieben, in der Zucterrübenkultur usw. Westelbiens. Doch nicht der Osten allein stellt solche Saisonarbeiter, sie kommen auch aus dem Süden. Tirolern B. begegnet man im Herzog- tum Anhalt, wo sie Eisenbahnschwellen Herstellen und bei ihrer Anspruchslosigkeit Ersparnisse mit nach Hause nehmen. Es ist zu bedauern, daß das Geld nicht im Lande bleibt, daß die deutschen Arbeller diese Verdienstgelegenhellen sich entgegen lassen. Die Industrie zahll zwar höhere Löhne, ist aber auf Jahre hinaus nicht in der Lage, allen Arbeitslosen Beschäftigung zu geben. Ihnen eröffnet sich allerdings bei Beschränkung in den Lebensgewohnheiten und Lohnforderungen, in der Landwirtschaft diejenige Aussicht auf Verdienst, die Jahr aus Jahr ein die fremden Saisonarbeiter sich zu nutze machen. Kauptv.rsammlullg des Kereins für Schulreform. Ter Verein für Schulreform hatte dieser Tage in Berlin seine 14. ordenlliche Hauptversammlung. Ter Vorsitzende Abg. Kommerzienrat Vor st er-Köln eröffnete sie mit einigen Begrüßungsworten. Dann gab Professor Dr. Lentz- Danzig einen kurzen Geschäftsbericht, an den er einen Ausblick auf die welleren Aufgaben der Schulreformbewegung anknüpfte: Tie Zahl der Reformschulen hat sich Ostern um 16 vermehrt und steigt damll aus 68; unter neuen Anstalten befinden sich 2 Gymnasien (Posen und Krotoschin). Trotzdem warnte der Vortragende vor einer günstigen Auffassung der Sachlage. Professor Lentz wies darauf hin, daß bte Kundgebungen des Vereins niemals die Berechtig- ung des Gymnasiums angegriffen hätten. Während der Verein noch mehr als bisher die Kenntnis vom Wesen und den Erfolgen der neuen Schulen verbreiten müsse, dürfe er auf der anderen Seite auch die Bildung weiterer Schul- sormen nicht aus dem Auge verlieren. (Beifall.) Reichstagsabg. Prof. Tr. R Eickhofs äußerte sich gegen die Bildung neuer Formen der Reformschulen und für die Verbreitung des Wesens der jetzigen Reformschulen und ihrer günstigen Ergebnisse. Kommerzienrat Borster brachte einige Bedürfnisse der Praxis zur Sprache: Es mangle vor allem die Kenntnis der Heimatkunde, deren Grundgesetze, der Verfassung re., ferner unserer wirt- schastlichen Verhältnisse, nicht minder sei die vollständige Unkenntnis des Auslandes, zum Beispiel die Entwickelung Englands rc., ein Mangel unserer Bildung. Borster empfahl durch kleine Werbeschriften die wellesten Kreise Über die Schulreformfrage aufzuklären. Unter lebhaftem Beifall betonte Dr. Gurlitt-Steglitz, daß die Kraft für die besten Dinge verloren gehe durch das intensive Lernen fremder Sprachen; er unterstützte das Verlangen des verstorbenen Professors Hermann Schiller, daß die Stilimitation aufhören müsse; ein tieferes Eingehen auf die kulturellen Werte sei wichtiger, als daß man ut, quin und ouominus richtig behandeln lerne. Hierauf wurde einstimmig folgende Resolution beschlossen: „Der Verein für Schulreform erlernt! dankend die Bemühungen der preußischen Unterrichtsverwaltung für die bisherige Durchführung der Gleichberechtigung an, giebt aber gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, daß die Zukunft eine völlige .Gleichstellung der höheren Lehranstalten bringen werde." Den welleren Gegenstand der Verhandlung bildete die Schulreform in Berlin. Das Referat hatte Reichstagsabg. Pros. Dr. Eickhofs-Remscheid übernommen. Zwei Wege sind möglich: Entweder hebe man die Sexta und Quinta der Realschulen auf und stelle eine organische Verbindung mit den Gemeindeschulen her; oder man lasse das System fallen und beginne mit dem Französischen schon üt Sexta. Rach Einführung der 8. Volks schulklasse ist ja das Prinzip, aus dem die Berliner Realschule aufgebaut ist, an sich durchbrochen. Prof. Eickhoff gab zwei Wege für eine Berliner Schulreform an: Einmal könne man (natürlich nach Er- riajtung des gemeinsamen französischen Unterbaus) diese ohne jene Realschule zu einer Oberrealschule ausbauen. Empfehlenswerter sei noch der andere Weg: Man verbinde mit einer Reihe von allen Realschulen den Mlltel- und Oberbau eines Realgymnasiums und gebe den so verbundenen Anstallen den bewährten Frankfurter Lehrplan. Daneben sollle die Berliner Schulverwaltung das Versäumte nachholen und die eine oder andere Vollanstalt allen Systems in ein Reformgymnasium Frankfurter Stiles um« wandeln, das in glücklichster Weise das alte humanistische und das zellgemäße reale Bildungsbedürfnis vereine. Tann kam folgender Antrag zur einstimmigenAnnahme: „Ter Verein für Schulreform richtet im Anschluß an das Referat von Prof. Dr. Eickhofs an die Stadt Berlin eine Eingabe, um sie zu erneuter Prüfung der Schulreformfrage und der Einführung von Resormschulen in Berlin aufzufordern." In den Ausschuß wurden neugewählt Generaldirektor v. Oechclhäuser und Abg. Prof. Eickhosf. Gerichtssaat. W. (Sieben, 21. April. Strafkammer. Wegen versuchter betrügerischer Erpressung Halle sich gestern der 60 Jahre alte, gut situierte Landwirt K. R. von Almenrov vor der Strafkammer zu verantworten. Ter Angeklagte war seinerzeit vom Schöffengericht wegen Körperverletzung, die er gegen einen gewisse« Wegwan begangen halte, mit einer Woche Gefängnis bestraft worden. Ter Verletzte hatte in jener Verhandlung erklärt, daß et den R. wegen der Körperverletzung nicht zur Anzeige gebracht Hobe, und annehme, daß dies vom schmied Ltstinann geschehen sei. Ter Angeklagte hat nun an diesen nach der Verhandlung einen Bnef geschrieben, worin er jenem unter dem Motto: ,'bste Tu mir, so ich Tir' mitteilte, daß er dessen Sohn wegen Diebstahls oder Unterschlagung bei der Staatsanwaltschaft anzeige, wenn er, der Vater, ihn nicht wegen der 100 Mk. betragenden Konen der Köroer- verletziingSsache entschädigen würde. Ter Angeklagte sagte, daß e4 ihm mit seinem Briese nicht daraus angenommen sei, von Listmano Geld zu erhalten, sondern daß das Schreiben bezwecken sollte, diese« abzuhatten, gegen ihn im Torie Reden zu führen. In der Verhandlung wird durch die Vernehmung Listmanns und des Gendarmerieivachtmeislers, der die Anzeige betrieben batte, fesp gestellt, daß der erstere an der Bestrafung des Angeklagten wegen Körperverletzung gänzlich unbeteiligt war. Ter Gerichtshof verurteilte R zu 3 Wochen Gefängnis, die Milde des Urteils damit begründend, daß dieser bis zu fernem 60. Lebenswahre mit dem Strafgesetz nicht in Konflikt gekommen sei. — Der Arbeiter G. A. L. von Bockenhelm, zuletzt in Bad Nauheim wohnhaft, und der Händler V. T. von Offenbach, beide 25 Jahre alle, schon mehrfach wegen Unterschlagung und Betrugs oorbeiirafte Menschen, verfolgen Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Bad Nauheim, dal sie wegen Betrugs zu 4 Atonalen Gefäiignis verurteilt hat. L. will zu Unrecht schuldig befunden worden sein, während T. wegen zu hohen Strafmaßes an die höhere Instanz appelliert. Ader auch der Vertreter der Staatsbehörde hat die Berufung verfolgt. Ter Tatbestand, um den es sich dreht, ist nach der Beweisarnnahme der folgende: Im vergangenen Jahre hatte in Bad Nauheim der Inhaber einer Bierwirstchaft fchlechie Geschäfte gemacht; er geriet auf die schiefe Ebene und der Gerichtsvollzieher ivar häusiger Gast bei ihm. Zu seinem Unglück wurde der Wirt mehrere Wochen bettlägerig krank, und da erbot sich der bei ihm Öfter anwesend« Angeklagte L, ihn auS Freundschaft in der Wirtschaft zu oemeteu. Ter Witt erklärte, dies dankbar annehmen zu wollen, jagte aber gleich, er könne dem Helfer in der Slot weiter nichts bieten al« Wohnung, Essen und Trinken. Wenn er damit zufrieden fei, könne er ja sich nützlich machen. L., der keine Arbeit hatte, war damll einverstanden. Er merkte bald, wie es mit den Verhältnissen deS Wirtes stand, und ebenso der Mitangeklagte D., der auch Öfter in der Wirtschaft verkehrte. Tteser letztere ersuchte nun den vollständig ausgepfändeten Wirt, ihm feine wenigen, der Psänduna nicht unterliegenden Habseligkeiten zum Schein zu vettaufen. Trotzdem dec von seinen Gläubigern arg bedrängte Wirt vom Gerichtsvollzieher auf fein Befragen den Bescheid erhalten hatte, daß er ihm von den noch pfandfrei gelassenen Gegenständen kein Stück mehr nehmen würde, ließ sich der Wirt, der nebenbei bemerkt, immer noch leidend war, von den beiden Angeklagten bestimmen, den Rest seiner, für ihn und feine Familie so notwendigen Habe an T. zum Schein zu vettaufen. Ende September vorigen Jahres wurde bann zwischen den Angeklagten verabredet, daß D. auf seinem Wägelchen die »hm scheinbar übereigneten Sachen nach Offenbach mitnehmen sollte, wohin der Wirt mit seiner Familie ziehen wollte, um sich eine neue Existenz zu gründen. Dian packte — es handelte sich m dec Hauptsache um Wäsche und Kleider —, diese in einen Koffer und einen Wäschekorb, die beide fest verschlossen und auf T^s Wage« geladen wurden. Kurz vorher suchten die beiden Angeklagten den Wirt zu bestimmen, die Sachen an den Angeklagten L. in der Weise zu verkaufen, daß er diesem ein Schriftstück unterschrieb, worin er anerkennt, jenem für rückständigen Lohn 15 Alk. schuldig zu fein, wogegen er ihm der Inhalt des Koffers und des Reifekorbes als Eigentum überlasse. Man redete dem Wirt ein, diese Manipulation sei zum Schein nötig, damit nicht noch im letzten Moment em Gläubiger komme und Koffer und Reifttorb pfände. Tie Angeklagten machten, nachdem ihr Tnk geglückt war, zweifellos Kippe und verkauften die Sachen in Frankfurt a. M. L. will dem Gerichtshof glauben machen, der Handel, den er mit dem Witt geschlossen habe, sei echt gewesen und er habe noch Lohn zu sordern gehabt. Was der Witt von dem Scheinvettaus rc. sage, fei nicht wahr. D. will von feiner» Genossen L. in Frankfurt nur 6 Mk. al8 Fuhrlohn erhalten haben. Die Strafkammer war der Ansicht, daß die Feslstelluiigen der Vorderrichlers in keinem Punkte in der erneuten Verhandlung erschüttert seien. Es handle sich nicht nur um einen Betrug, den beide Angeklagte gemeinsam auSgeführt hätten, sondern dieser Betrug sei planmäßig mll großem Raffinement ausgeführt worden. Die Angeklagten seien beide äußerst gemeingefährliche Menschen, welche der ehrlichen Arbell aus dem Wege gingen, sie hätten stch demnächst noch wegen eines gemeinsam ausgefübnen schweren Tieb- stahls zu verantworten. Es sei der Berufung oes Staatsanwaltes stattzugeben und das vom Vorderrichter erkannte Strafmaß von 3 Monate gegen jeden der beiden Angeklagten um 2 Monate zu erhöhen. Besonders schwer wiege auch der Umstand, daß die Angeklagten sich einen bedauernswerten, in VermÖgensoersall geratenen Menschen als Opfer ihrer betrügerischen Handlung aus- ersehen hätten und diesen um ferne wenige aUcmotroenbigfle Hab« betrogen hätten. Darmstädter Möbelfabrik (160 Zimm.-Einricht.), Preis l. grat 291 Sammte. Velvets, 3 direkt in PnveU. verlerne Master. GStot Krefeld. stellerische AuSmünzung ihrer Pattie gar verlegen war. Freilich läßt sich aus dieser blassen und farblosen Hosenrolle darstellerisch nicht viel holen. Den Regisseur der dem geistreichen französischen Schwanke .Reveillon' (Neujahrsscherz) für den Wiener Vorstadtgeschmack mit merkwürdigem Geschick fürs Triviale nachgedtldeten KarncoalSinlrigue, den Dr. Falke, spielte und sang Herr Gehring ganz munter. Die bunten Figuren des zweiten Aktes waren zumeist von gesunder Lebendigkeit, obwohl tm musikalisch tadellos sicheren Chor hm und wieder, wie z. B. während des reizenden Lachliedchcns AdelcnS, mehr individuelles Leben hätte herrschen können. Der flott gesungene und getanzte Schlußwalzer tat seine volle Schuldigkeit. Das Zusammenspiel des Ensembles aus der nordischen Phönikersladt unweit Drewenz und Drausensee war durchaus angemesien, flott und munter und ließ em sorgfältiges Studium erkennen, und gelegentliches verspätetes Erscheinen oder ein paar Taktwidrigkeiten zwischen Sänger und Orchester beeinträchtigten kaum die im ganzen äußerst günstige Wirkung der Vorstellung. P. W. — Erinnerungen an Johann Strauß. Joh. Strauß war, so erzählt der Cellist S. Bürger, eine echte Künstlerseelc, immer gütig und zuoorkouimend und dabei bescheiden, jeder Verherrlichung, deren er in der ganzen Welt teilhaftig ward, möglichst aus dem Wege gehend. In seinem reizenden Wiener Heim, sowie in Ischl fanden sich täglich Verehrer und Freunde seiner Kunst, sowie seiner so reizenden Persönlichkeit zusammen, und wie oft mußte er von seinem geliebten „Tavock" aufstchen, nm den neu Ankommenden einige verbindliche Worte zu sagen. Jedoch sofort kehrte er an den Kartentisch zurück, um sein „Blatt" zu kontrolieren, und eine kindische Freude hatte er, wenn er seinen Partnern einen Ultimo oder gar, wenn die Spielwogen hoch gingen, einen Solo abgewinnen konnte. Es wurde stets Jn dem ansehnlichen Satze von zwei Kreuzern per Potnt gespielt, und wie freute sich Meister Johann, wenn er seine Spielmarken gegen die Unsumme von 60 oder 80 Kr. am Schlüsse des Spiels einlösen konnte — das war ihm lieber als so mancher künstlerische Erfolg. Auf der Veranda seiner Jschler Villa, die früher der gräflichen Familie Erdödy gehörte, sanden sich täglich, „06 schön, ob Regen", Punkt 4 Uhr die Tarockgetreuen ein; da war der erste der Schwiegerpapa Teutsch, Vater der Frau Adele Strauß, stets über sein Verhängnis klagend, von den elendesten Karten heimgesucht zu werden, worüber sich Herr von Dösendorfer königlich amüsierte, der den „S-chwtegerpapa" beim Spiel, zur höheren Belustigung Meister Sttauß', mit seinen urdrolligen Bemerkungen stets neckte. Tann kam der Meister vom hohen Tarockstuhl, der Schwager Simon, dessen Devise: „Jede Partie muß gewonnen werden." Wie viel Vorwürfe bekam da Meister Strauß zu hören, und wie bescheiden versprach er, sich zu bessern und nie mehr so grobe Fehler zu begehen. Auch Sektiottschef von Doczy war manchmal von der Partte, und wenn gar der Humottst Julius Bauer kam, da gabs Wort- und Kartenspiele, amüsanter als manches Theaterstück An jedem Sonntag war Diner bei Strauß, und da sartd sich eine höchst interefsante Gesellschaft ein. Als einer der Getreuesten kam der intim befreundete Meister Johannes Brahms. Tie Gemütlichkeit war ja beiden Johannes eigen, nur mußte sie bei Johannes dem Ernsteren erst ein wenig angefacht werden, und das verstand man im Hause Sttauß vorttefslich. Am Schlüsse der Tafelfreuden war Brahms so fröhlich gestimmt, daß er ganz jovial wurde, fick) oftmals selost ans Klavier setzte und Straußische Walzer oder Operettenmelodien spreite. Unvergeßlich wird der Moment bleiben, als nach einem dieser köstlichen Tiners Brahms mit Sttauß oierhändige Walzer spielte, das ging in die Füße, und nur die heilige Scheu vor diesen beiden Heroen der Musik ließ die Gesellschaft bei diesen prickelnden 3iht)lhmen ruhia bleiben. An einem dieser Diuerrage harrte jedoch der^beiden Meister eine unliebsame lleberraschung. In aller Stille wurde ein Photograph mit feinem Apparat geholt, und als die beiden Meister gemüllich auf der Veranda ffnnben, bat sie plötzlich flehentlich ein Mann mit einem schwarzen Tuch über dem Kopf, doch „ein recht freundliches Gesicht" machen zu ivollen. Tie Beiden ergaben sich in ihr Schicksal, und so entstand das bekannte Bild „Brcchms und Sttauß". Ganz beglückt schien Johann Sttauß, wenn ernste Musik in seinem ^alon gemacht wurde. Mehrmals hatte ich das Glück, dem verehrten Meister Werke von Beethoven, Brahms, Grieg, Schubert vorzuspielen, meine Partnerin war meistens die Pianistin Ilona Eibenschütz; auck) mit den Mitgliedern be8 bekannten Kneisel-Quartetts aus Boston spielten wir mehrmals rein klassische Musik, und stets war Ltrauß von bie;er Kunstgattung begeistert und danvtv gerührt für die Aufmerksamkeit. Ta schlich sogar Brahms auf den Fußspitzen, wie es so seine Art war, in den Salon, und bot sich gar einmal an, mit uns gemeinsam zu musizieren — das waren herrliche Stunden, die jedem Teilnehmenden unvergeßlich bleiben werden. — Frankfurt, a. TL 20. April. Tie Komödie ,Tei Schlachtenlenker' deS englischen Dichters Bernhard Shaw, deutsch von Siegfried ä.rebilfch, fand bei der hiesigen Auffühiung nur geringen Anklang. Shaw stellt Napoleon Boua- pane einer Spionin halb licbcgirrenb, halb al4 Tyrann ziemlich unnatürlich gegenüber. Unsere Tarstcller spielten manieriert, statt zu mildern, sodaß das Publikum schließlich ermüdeie und das Stück ablehnie. — Von Schnitzlers .Leyte 'JJ< asten* und .Literatur', die ebenfalls in Frankfurt zum ersten Male gegeben wurden, wurde das erste wenig freundlich, das andere beifällig aufgenommen. — Man schreibt aus Darmstadt vom 20. d. M.: Im Goethe-Bund hielt Ministerialrat Tr. Best einen uitcrefian- ten Vonrag über ,Tas Urheberrecht an Werken der Literatur und Der bildenden Kunst'. Ter Aiännerchor .Humanstas' veranstaltete un städtischen Saalbau zu Besten des Frauen-Schtller-Bundes ein Konzert, baS sich eines statten Besuches erfreute. Tie Leistungen deS von Tr. Prelinger geleitete» Vereins und die Darbietungen der Stonjcriiängcrm Frl. Bellwidt aus Frankfurt und deS Pianisten Karl Friedberg au5 Frankfurt fanden verdienten Beifall. «r? °tt0; MS"1 $nn wegen Io ! ?"^'ge, n>in? obet ?enMen ScT* bn ^ßetlaqie i^.^ver. "Wien fei, Ä '-3 d ''blecken ofe“ fuhren, yn x t'°t> - Wnns 8; betrieben £ ,b? $h!,,aÄ «,Krr rZT'-" itt&Sa r« ÄS ^a'le gemach,-, er amel damit zu neben iei| könne 'nutrbhUftroat damit 2f J* ^rhÄtniffm m D., der auch öfter in rfuchie nun den volluandig der vlänbuna nicht um er» verkamen. Trotzdem der irt vom Gerichtsvollzieher )atte,^aß er ihm von dm kein Stück mehr nehmm merkt, immer noch leibend imen, den tieft feiner^ für abe an T. zum Schein zu -res wurde dann zwischen feinem Wägelchen die ihm enbach mitnehmen sollte, en wollte, um sich eine - es handelte sich m der diese in einen Rofler und assen und auf Tck Wage, iie beiden Angeklagten den llugeklaglen Lin bette stück unterschrieb, worin er ;n 15 Mk. schuldig zu itm, d desReijekorbesaläkigen- ein, diese SDlanipulation sei >tzlen Moment emSläudiger !. Tie Angeklaglen machten, os Rippe und verkauften die dem Gerichtshof glaubt» iti geld)Ml'en frobejei echt m gehabt. Was der Wirt wahr. L. will von ieinem Fuhrlohn erhallen haben, ß die Wlellungen de» erneuten Verhandlung er- iUr um eineii dm hüllen, sondern dieser Ae- nement ausgesuhrl worden, gemeingesährliche Müschen, liege gmgen, sie hallen "w ; ausgesichnen schweren Dieb- erusung des viaal5anwal.es e? eckannie Sirasmatz °o" «SenumiWI- ? * SftÄ*«.: HL'S «S*S5*- jjjg- !Ägtf-r,S MW W^£ J&***tf* UJjt unb von 8 bii 6 Uhr geöffnet. ®n beu 8354 Gesang-Unterricht nach bewährter Methode. 8836 Ltephanftratze 13. Anmeldungen zu jeder Zett. 2220 Fabriken in 3355 Gießen, den 22. April 1903. Massgebendes Urteil! Mk. 1 , 12 ♦ [2953 Bilanz Pro 1903 v*L $ Geschäftsanteil 298.95 2. 10445.02 2. 237872.34 3. 219638.05 3. 4. 369.61 5. 1842.47 6. 2899.11 7. 2200.— Gewinn-Saldo 1599.64 8. 239009.63 3356 gehäkelte Decken. kleidet) etc. kostet eine Binse schön und echt zu färben. StlgSepkti»UrverwaKn0? des Kgl. MineralHades BrOckenau. 38.05 800.29 i 12 1281 h. 2. 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Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße 2 (Bürgermetsteretgebäube) St«»er Wr. 14. Der ArdettSnachwet« hat die thifoabe, »wischen Arbeitgebern und vrbeiwehmern <«r»eltern jeglicher «rt, Dtenstbote, »nd Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. Bekanntmachung, betreffend: Löber'sche Stiftung. «ui obiger Stiftung ist eine Pfründe von 260 Mk an einen in Dießen geborenen, verwitweten Handwerker zu vergeben, welcher einen guten Rus besitzt, fortwährend einen gesitteten Lebenswandel geführt hat und wahrhaft dürftig sein muß. Anmeldungen werben von heute an binnen 14 Tagen aus dem Aktiva. 1. An Kapitalien- Unterricht in sämtlichen Fächern der Theorie (Harmonie, Kontrapunkt, Formenlehre, Instrumentation rc.> Paul Polster, fenpfllmnflrr Wie neu und dabei sehr billig färbt man im Haushalt mit Branns'3Chen Blnsenlarben: lirauns'scher Crenelarte: Giessener frei«. Feuerwehr Lrdtitlilhe Haupt-PerMmlW In das Handelsregister wurde heute bezüglich der Firma „Lrportbrauerei Friedel L ASpnon zu Gießen' eingetragen: Dem Kaufmann Carl Müller zu Gießen ist Prokura mit der Maßgabe erteilt, daß zur Zeichnung der Firma die Mitwirkung eines der Teilhaber erforderlich ist. 3353 Gießen, am 20. April 1903. Großherzogliches Amtsgericht. Die Rechnung pro 1902 liegt 8 Tage lang zur Gin» sicht der Genossen JohanneSstraße 5 offen; die Baupläne dagegen bei Architekt Hamann, Bergstraße 11. Versteigerung. Donnerstag deu 23. d. Mrs., nachmittags 8 Uhr, sollen dahier Sieuenweg 28 (tat Löwen) 1) eine größere Partie Schuhwaren. 2) zwei Warenschränke, 1 Ladentheke, ein Schreibtisch, ein Divan und ein vollst. Bett, 3) drei Mille Zigarren und 4) div. Möbel (darunter mehrere Sofas, Tische und Schränke) Zwangsweise gegen bar versteigert werden. 3365 Gießen, 22. April 1903. Seipel, Gerichtsvollzieher. BiMchiM i« «.Meiteitreiii zu Hießen. Eingetr. Genoffensch. mit beschr. Haftpflicht. Marburgerstraße 22. Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1901 Während 1902 gingen zu...... 3356 S. 4. 5. 6. 7. Portland-CemenUabrik „Germania“ Aktien Gesellschaft vormals H. Manmke 4t Co. DaS Mitglieder-Guthaben betrug Ende 1902 Mk. 10445.02 Die Haftsumme der Dtitglieder , , e • 21900. Gießen, den 22. April 1903. 3356 BMWkllsW M Mllgkl. Albcifmmius;n Ciksen Eingetr. Genoffensch. mit beschr. Haftpflicht. vvxXcXXXc^CAxXt 3ta-vvo^a-w Aas tuutoU 9« 3uh(uc. & ÄuA-Sa.'ftoA# Monatlicher Mttgliedsbettrag: Drei Mark. Bitte verlangen Sie Statuten und Losuummcru-Verzeich- uiS gratis und franko zur Einsicht vom Allgemeinen Los- und Sparverein „Augusta' in Augsburg. — Hegründct 1898. -- Spazierstöcke Letzte Neuheiten CasselerSthirmlabrik Giessen 9 Seltersweg 9. 3008 _ Heinrich Wallach Btsmarckstraße 14 empfiehlt sich zum 3160 An- and Verkauf von Immobilien. TageS-Ordnung. Mitteilungen. Vorlage der Bilanz und JahreSrechnung pro 1902 und Beschlußfaffung über Verteilung des Reingewinns. Erstattung des Rechenschaftsberichts. Bebauung des Geländes am Mittelweg und Wetzlarerweg. Beschaffung der Mittel. Abgabe von Häuschen an Genoffen. Wahlen in den Vorstand und Aufsichtsrat. 3169 Prima neue Maltakartoffeln Matjes-Heringe soeben frrsch emgetroffen bet H. E. Inghardt Inh. Aug. Wallenfels 15 Marktplatz 15. Tocring. HaaS. , , n ab ...... Daher Stand der Mitglieder Ende 1902 . Kinzig« ItnWand epftierenber Losbestand. • 5000 Stück • GriginLtLlaats.pränmll. Alllrheoslose alle gesetzlich erlaubt, erwarb bis jetzt der unterfertigte Verein tut seine Mttglteder. Jährl. 39 Gewiuuziehungen mit 119 600 Treffer im Gesamtbeträge von 20 Mim« B 121 Ziehungen vom Mai — August. | Heinen Bruch mehr!! srÄVAWÄ?: _____ öoebüe Auszeichnungen, lausende Tankschretben. —— Verlangt GratiSbroschüre von Dr Heimanns, Valkcnherg No. 611, Holland. Ta Ausland, Briete 20, Karlen 10 Psg. Porw. 2547 la. Kollsbriind-Nllß- Hohlen per Zentner frei vor das Haus ßauhehucKuGravierte Stempel 1 ullschilder. Copierpreasen BrltN WMgeaf'tocriafrt.ßrtnneisen. etc. Uttorvng tuth an private, findet am Montag dem 27. Aprils abend» 8‘/, Uhr. bet Hauptmann AUgaudI mit folgender TageS-Ordmmg statt, wozu wir die Kameraden hiermit emladen. i Jahresbericht. 2. Rechnungsablage für 1902/3 und (knt- lasttma des Rechners für 1901/8. 3. Voranschlag für 1903/4. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Etwaige Anträge gemäß § der Statuten. 3; A« Aalform, ZUenstaazag.Xa» Kommando. Lehrte, Misburg, Ennigerloh empfiehlt ihre als hervorragendesFabrlkal bekannte Akarke „tiermuiiia“. Jahresproduktion über 2 Millionen Faß General-Vertreter: ,MI Bachenheimer & Schaumberger Gießen, Marburgerstr. 22. la. Portland-Zement garantiert allerbeste Qualität 1 pw sack. C. Rühsamen. Lager: Westanlage 60 und Wißmarer Ein unparteiischer Maschmen-Jngenieur und Fachmann durch und durch urteilte jüngst über DiirHopp’s Diana-Fahrräder daß solchen der evste unter den wenigen erstklassigen Fabrikaten des In- und Auslandes gebührt. 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April L IS. der Kreisstraßenverwaltung zwecks Inangriffnahme der Bauarbeiten von der Vollzugskommission zur Verfügung gestellt werden wird. Friedberg, 9. April 19M. Der Großherzogliche Feldbereimglmqskommisiar. Spam er, Kreisamtmann. Gemüse- u. Obst-Konserven Lnppeuspargel Stangeospargel 2 Psd.-D. 0.95 xe- janlliverle von Alt. IUJuO. 535 andere Uriviuue un Ge- sanuivert von 'ML. 6uüü. Geucral-Bertricb der Lose: L. F. Ohnacker, Darmstadt. 3141 Beste erprobte Mischungei für bauemOeii Tepplchrajen , Rasen sur Schaitenlage , Tiergärten und ParkS , dauernden Bleich raien, , Tamine und Löschungen , trockene tüiejcn , feuchte Wieien Englisch -iaygra» Italienisch 2iaygras ThimotyccgraS. Diele Sorten Kit? <2- und sonstige lanüivirtsch. -Lamerelen Alles in bester und frischester Ware elngelrofsen und garantier, tür höchste Reumählgleit. H. F. 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