Nr. LSI Grschetirt tSglkch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien- dlätter viermal in der Woche bergelegt. RotattonSbrud u. Verlag der Brüh lachen Unlvers.-Buch-u. Stein- druckerei (Piets ch Erden) Redaktion. Erpedttton «nd Druckerei: Gchnlstratze 7. Adreße für Depeschen: Vluzetger Gießen. Ferusprechanschluß Nr. 5L Zweites Blatt. L5S Jahrgang Montag AL.Septemver LVV3 ______ _ veHNgspretSr M W O monatÜch7bP,., viertel. v r^r W ™ jährlich ML. SLO; durch Sietzener Anzeiger« w General-Anzeiger v aSSSt Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW Die heutige Wummer umfaßt 10 Seiten. Bekanntmachung. Betr.: Schweineseuche; hier: die Abhaltung des Schweinemarktes in Gießen. Das mit Rücksicht auf den Ausbruch der Schweinepest erlassene Verbot der Schweinemärkte im Kreise Gießen wird hiermit ausgehoben. Die Abhaltung der Schweinemärkte wird indessen bis aus weiteres an folgende Beding- nngen geknüpft: L Landwirte, welche Schweine zum Markte bringen, muffen mit einem Zeugnis der Bürgermeisterei versehen sein, daß die auf den Markt zu bringenden Schweine selbst gezogen oder mindestens 4 Wochen im Besitze des Verkäufers sind und daß das Gehöft und der Ort, aus welchem sie zum Markt gebracht werden, seit länger als 4 Wochen frei von Schrveinc- seuche und Schweinepest ist. 2. Händler müssen das Zeugnis eines beamtet'en Tierarztes besitzen, worin bescheinigt ist, daß die Schweine frei von seucheverdächtigen Erscheinungen sind und entweder aus unoerseuchten hessischen Zuchten stammen oder 5 Tage in Hessen unter Quarantäne gestanden haben. 3. Der Auftrieb von Schweinen aus dem Kreise Friedberg ist mit Rücksicht auf die daselbst herrschende Schweineseuche verboten. 4. Die Transportwagen sind so einzurichten, daß die Schweine aus denselben herausgenommen und untersucht werden können. 5. Hinsichtlich der aus den Regierungsbezirken Koblenz und Wiesbaden aufzutreibenden Schweine gelten die in unserer Bekanntmachung vom 7. September I. I. angeordneten Bestimmungen. Gießen, den 21. September 1903. Großherzogliches Kreisamr Gießen- I. V.: Dr. Kranzbühier. Ausland. London, 20. Sept. Lord Balfonr of BurlergH, Staatssekretär für Schottland, und Ellrot, Finanzsekretär im Schatzamt, reichten ihre Entlassung ein. Brüssel, 20. Sept. „Petit bleu" behauptet zu wissen, daß der eigentliche Zweck Englands bei dem kvngofeindlichen Feldzuge darin besteht, oem König Leopold die Provinz Bar El Gazar und das Einflußgebiet am Lado unentgeltlich abzutrptzen. — Heute fand ein Riesenmeeting statt, an dem alle Exmilitärs tellnehmen, um Hegen den englischen Feldzug gegen den Kongostaat Einspruch zu erheben. , Paris, 20. Sept. Das Blatt „Croix" hat eine öffentliche Geldsammlung veranstaltet, um in Treguier gegenüber dem Renan-Denkmal ein katholisches Den km a l in Gestalt einer Nachbildung des Calvarien- berges mit den drei Kreuzen zu errichten. Saint-Emilion, 20. Sept. Kriegsminister Andre wohnte hier der Einweihung der neuen Mairie bei. Unter den vom Minister Empfangenen befand sich auch der Führer der sozialistischen Partei von Libourne, Lablegnie, der die Wünsche seiner Partei vortrug und den Minister bat, für die Milderung des Militärdienstes einzutreten. Der Minister erwiderte, daß demnächst dem Parlament die Vorlage betreffend die Reform des Militär- strafverfahren Ä vorgelegt werde, aber, fügte der Minister hinzu, kennen Sie das Lied „Internationale", besonders den Vers, in welchem es heißt: Die Kugeln sind für unsere Generale? Nun, ich erkläre Ihnen, daß ich derartiges nicht dulde, wenn man das „Internationale" spielen sollte, würde ich mich entfernen. Wir wollen über diesen Prmkt nicht bi3fntieren; ich teile Ihre Ansichten nicht Hinlänglich, um gestatten zu rönnen, daß über das Erwähnte auch nur debattiert würde. Budapest, 19. Sept. Kossuth läßt erklären, die Nation ist wehrlos und es wäre Wahnsinn, sie in eine Revolution zu treiben. Ein Demonstratrvns- zug der Studenten zum Grabe Kossuths, an dem sich über 1000 Personen beteiligten, wurde heute nachmittag ausgeführt. Die Studenten zogen, patriotische Lieder singend, durch die Straßen. Bor dem Grabe Kossuths, das bekränzt war, hielt ein Student Hoffmann die Rede, in deren Verlauf er den Armeebefehl aus der Tasche zog und ihn, nachdem er den Befehl als eine Beleidigung und Herausforderung Ungarns bezeichnet hatte, unter überaus scharfen Ausdrücken tote „Schm ach und „konstitutionelle Tyrannei" in Stkü ck e zerr iß, welchem Akte Eljenrufe der Menge und dre llbfingung oev Kossuthliedes folgte. ..... Newyork, 20. Sept. Als der Präsident von Kuba, Palma, vor dem Regierungspalast in Santiago sprach, e n t l u d s i ch d a s G e w e hr eines Polizeriergean- ten, wodurch eine Panik hervorgerufen wurde. Mehrere Personen wurden verletzt. Iur Nervcguyg in Wuzedornerr. Ju einer Audienz, welche der russi sBot - i ch a s t e r Sinowjew am letzten Freitag beim Sultan hatte wurde die Bewegung in Macedonien e in geh en o besprochen. Der Sultan gab seiner danibaren Befriedigung über die Haltung der Großmächte Ausdruck. Smotojeto empfahl dem Sultan dringend, daß bei der Bekämpfung deS Bandenunwesens Ausschreitungen, wie solche in Kru- schewo und an anderen Orten des Wllajets Monastir und des Sandschaks Krrkilisse vorgekommen seien, verhütet werden. Der Sultan erklärte, daß er in dieser Richtung erlassene Befehl erneuern würde und fügte hinzu, daß bereits über zwei Drittel der Gebiete, in welchen das Bandenunwesen herrsche, von den Banden gesäubert seien und daß die Säuberung der übrigen Gebietsteile sehr bald zu erwarten sei. Die bulgarische Landbevölkerung, die zum Anschluß an die BanDenbewegung verleitet wurde, sei bereits zum größten Teile zurückgekehrt und habe sich unterworfen. Der montenegrinische Minister des Aeußern, Wukowitsch, der ebenfalls vom Sultan in Audienz empfangen wurde, wies auf die Hindernisse hin, die die Montenegriner von selten der Lokalbehördeti bei Der Schiffahrt auf dem Aojonaflusse erfahren. Er bat um Ernennung eines türkischen politischen Kommissars in 'Moj- korac an der türkischen Grenze, der gemeinschaftlich mit dem montenegrinischen Kommissar die zeitweise vorkommenden Grenzkonflikte zu regeln hätte. Der Sultan versprach, dieser Bitte nachzukommen und dankte dein Fürsten Mkolaus für die korrekte Haltung in der gegenwärtigen Situation. Dem türkischen Kommissar, welcher am 19. d. M. dem bulgarischen Ministerpräsidenten in Angelegenheit der macedonischen Bewegung eine Note seiner Regierung überreichte, erklärte der Ministerpräsident in kategorischer Form, daß die guten bulgarisch-türkischen Beziehungen allein von der Haltung der Türkei und von der sofortigen Einstellung der jetzigen, jeder Menschlichkeit Hohn sprechenden Christenverfolgungen in Maceöonien abhängen. Ein als Frau verkleideter, mit Dolch und Revolver bewaffneter Türke versuchte eine Audienz beim Erzbischof Dr. Stadler von Serajewo zu erlangen. Als derselbe vom Torwächter wegen Verdächtigkeit angehalten wurde, gestand er, die Absicht gehabt zu haben, den Erzbischof zu ermorden. Konsularmeldungen aus Saloniki berichten von einem Attentat auf das r u s s i s ch e K o n s u l a t in Mi tr o - witza. Der Großwesier beorderte den Wall von Uesküb, Schakir Pascha, mittels Extrazuges nach Mitrowitza; dieser meldet, das Attentat auf das russische Konsulat sei erfunden. Es haben vor einigen Tagen nur einige Schreier eine Kundgebung vor dem Konsulat veranstaltet. Zwei Generale und drei Obersten wurden auf Befehl des Sultans wegen der Hinschlachtung von Griechen bei Kirkllisse und Monastir verhaftet. Der bulgarische Bandensthrer Schischmanow sowie 15 Mitschul- dige wiirden in der Selimkaseme bei Haidar Pascha, wo seinerzeit die griechischen Kriegsgefangenen untergebracht waren, interniert 350 jüngst zu Offizieren promovierte Kriegsschüler sind zu den Grenztruppen abgegangen. Neues aus Serbien. Bei deut zweiten Diner zu Ehren derOffiziere der Belgrader Gartiison hielt der König eine Rede, in der er sagte: Die Augen des ganzen Serbentums sind in diesen schweren Tagen auf die Armee gerichtet. Das Volk setzt auch jetzt in das Heer das vollkommene Vertrauen, das durchs die Geschichte des Heeres begründet ist. Als oberster Kriegs he rr bin ich glücklich, konstatieren zu können, daß ein Zerwürfnis n i cht b e ste h t, daß die Llrmee einig ist und auch weiterhin das Vertrauen des Volkes verdient. Die Eintracht zwischen den Offizieren untereinander, sowie zwischen den Offizieren und dem Volke wird ermöglichen, Serbien au§ allen schwierigen Lagen glücklich herauszuführen. Prinz Arsen, der „edle Ritter" Serbiens, der Bruder König Peters, hat sich von Belgrad nach Paris begeben und scheint beauftragt zu sein, verschiedene Unterhandlungen zu führen, über deren Endzweck indessen nichts Sicheres verlautet. Der Prinz ist, wie aus Paris berichtet wird, dort eingetroffen nttd es darf als wahrscheinlich angenommen werden, daß er gewisse auf Serbiens Finanzlage bezügliche Besprechungen pflegen wird, von deren Ergebnis auch die Dauer seiner Reise abhängig ist. Bemerkenswert ist, daß nicht nur Armeelieferanten, sondern auch ehemalige Offiziere verschiedener Lander die Ankunft des Prinzen erwarten, iti der Meinung, daß in Serbien eine Fremdenlegion nach dem Muster der französischen gebildet werden soll. In der Tat soll König Peter diesen Plan erwogen haben, dann aber eitlstweilen davon zurück- gekommen sein. Eurer Belgrader Depesche zufolge wurde der türkische Gesandte Fethy Pascha vom König Peter in Audienz empfangen. Wie verlautet, drohte der Gesandte bei dieser Gelegenheit mit Repressalien und wies auf die Möglichkeit eines neuen Gemetzels unter den Serben hin, falls die Nachricht über diese Banderrbildung zu Ohren der ohnehin serbenfeindlichen mohamedanischen De- völkemng Altserbiens und Maeedoniens dringe. 1500 SsIdutenMißyandlunge». Berlin, 20. Sept. Das O b e r kr i e. gs g er i ch t verhandelte gestern als Berufungsinstanz gegen den Utl ter Offizier Breid ew b ach von der 11. Komp, des vierten GardeMegiments zu Fuß, der am 10. August wegen Mißhandlung von Untergebenen in 1500 Fällen — herunter 300 schwere Mißhandlungen, von denen eine zum Selbstmord beo Füsiliers Hill führte — zu jährigem Gefängnis uno Degradation verurteilt toormji war. ~as Obe^riegsgericht erkannte auf 8 I a h r i- Gefängnis und Degradation. Von den 1207 Fällen des Mißbrauchs der Dienftgewalt erkennt das Berufungsgericht 15 schwere Mißhandlungen an. Als straferschwerend erÜärt das Berufungsgericht die unglaubliche Roheit, als strafmildernd die Jugend und den Ehrgeiz des Angeklagten. Breidenbach behält sich das Recht einer Revision vor. Aus der Verhandlung heben wir folgendes hervor: Ms erster Zeuge wird der Kompaguie-Chef des 21m geklagten, Hauptmann v. Grolman, vernommen. Er sagt aus, daß B. ehrgeizig, aber nicht jähzornig gewesen sei. Der Zeuge gibt an, daß die Korporalfchaft des B. aus „kleinen und krummen Leuten" bestanden habe. Daß geschlagen wurde, davon weiß ich nichts. Ich habe den Unteroffizieren öfters gesagt, sie möchten nicht die Leute wegen jeder geringen Kleinigkeit melden, denn wenn sie meldeten, müßte ich strafen, und wie bald ist die Disziplinargewalt eines Hauptmanns erschöpft. Dann träten schwerere Strafen ein, und die Leute würden für chr Leben unglüMch Hierauf wird der Zeuge Leutnant Joachim v. Hellermann vernommen. Er gibt an, daß er zur Zeit Rekrutenoffizier gewesen. Breidenbach war heftig und aufgeregt. — Ber- handlungssührer: Haben Sie, Herr Leutnant, jemals Rekruten geschlagen? — Zeuge: Ich verweigere hierauf bte Antwort. — V.: Sind die Unteroffiziere von chren Vorgesetzten nicht unterstützt worden? — Z.: Ich verweigere hierauf die Antwort. — V.: Haben Sie vor dem Tage, als der Rekrut Hill sich erschoß, diesem mit der Faust unter das Kinn geschlagen? — Z.: Darauf verweigere ich die Anllvort. — Nachc Vernehmung des Unterarztes Dr. Michaelis, der den Hill wegen Zertrümmerung des Mittelhandknochens im März v. I. behandelt hat, wird der Füsllier Bademacher vernommen. Er sagt aus: Ich bin fürchterlich von Breidenbach geschlagen worden. Breidenbach schlug mit her Hand, der Faust und Instrumenten. Die Schläge taten mir stets sehr wehe. — Ver- handlungsführer: Aber warum haben Sie keine Meldung gemacht, Zeuge? — Zeuge: Das hat uns der Herr Unteroffizier gleich vom ersten Tage an streng verboten. Der Füsllier Rademacher hatte sich ein kleines dienstliches Versehen zu schulden kommen lassen. Daraufhin ließ Breidenbach hie Mannschaften auf der Stube antreten und befahl ihnen, Rademacher durchzuprügeln. Dann entfernte sich der Unteroffizier aus her Stube, Rademacher, ans Angst, daß ihm nun entsetzliche Schläge bevor ständen, sprang auf die Fensterbrüstung des im 3. Stockwerk be- legenen Zimmers und schickte sich an, zum Fenster hin-- auszuspringen, um, wie er später erzählte, den Händen seiner Peiniger zu entgehen. Es gelang seinen Karne- raden, den Aufgeregten noch im letzten Augenblick herabzuziehen, und ihm sein Vorhaben auszureden. — Der Füsllier Prnette sagt aus: Br. hat mich mit dem Seitengewehr mißhandelt, unh einmal versetzte er mir einen solchen Faustschlag ins Gesicht, daß mir das Blut aus Mund und Nase floß. Dann mußte ich mit dem Wischtuch den Boden von meinem Blut säubern. Oesters auch habe ich mich auf den Schemel legen müssen, und dann schlug mich her Unteroffizier mit einer Stellstange, so daß ich heftige Schmerzen empfand. Ich kann annehmen, daß ich in der Zeit vom November v. I. bis zum Juli wohl 100 mal von B. mißhandelt worden bin. Der verstorbene Hill aber wurde noch viel mehr geschlagen. Eines Tages behielt ihn der Unteroffizier auf der Stube zurück, und hieß uns andere hinausgehen. Da hörten wir ein großes Geschrei und Hilferufe, dann kam Hill heraus und rief weinend, eben habe er sich auf den Schemel legen müssen und dann habe ihn der Unteroffizier mit der Stellstange verhauen. Ein andermal ließ mich Breidenbach in der Stube vortreten und fragte mich, ob ich schon von ihm geschlagen tvorden sei; ich erwiderte: ,La, Herr Unteroffizier." Da erhielt ich einen heftigen Schlag ins Gesicht von ihm, und wieder fragte er mich: „Habe ich Dich schon einmal geschlagen?" Abermals sagte ich: „Ja, Herr Unteroffizier" und erhielt eine weitere Ohrfeige von ihm. Erst als er mich zum dritten Mal fragte, antwortete ich: „Nein, Herr Unteroffizier, Sie haben mich noch nicht geschlagen!" Daß wir die Mißhandlungen nicht gemeldet, liegt daran, daß wir zu viel Angst vor dem Unteroffizier hatten. Er hat uns gleich von vornherein gesagt: „Wenn Euch jemand fragt, woher ihr hie verschwollenen Gesichter habt, so sagt nur: „Wir haben uns am Schrank gestoßen!" Von den vielen Ohrfeigen habe ich öfters dicke Lippen gehabt. — Der Füsilier Denevin in Lothringen gebürtig, wurde des öfteren geprügelt, weil er nicht gut deutsch sprach. Im übrigen aber verschmähte es her Angeklagte nicht, seine Untergebenen anzuborgen. — Der Vertreter der Anklage führte ans: Der Fall Breü denbach hat Auffehen erregt wegen her ungenügenden Aufsicht, hie in her Kompagnie geherrscht hatte. Und da treffe die größte Schuld den Feldwebel Bischoff, her den inneren Dienst in her Kompagnie zu versehen hatte, und her wissen mußte, daß derartige Mißhandlimgen vorgekommen seien. Ein Menschenleben i ft g e o p f e r t. Deshalb beantrage er 10 Jahre Gefängnis und Degradation. Kegcn den Zweikamps- Frankfurt, 20. Sept. Die Deutsche An ti-T ue t l-Lig a hielt heute nach» mittag im Konferenzsaal des Hauptbahnhofs ihre ordentliche Generalversammlung ab. Ter Vorsitzende der Liga, F ü r st von L ö w e n st e\ n, verlas den Bericht für das letzte Geschäftsjahr. Dieser betont, daß die Liga ihren Zweck, auf Abschaffung des Duells l::nzuwirken, nur erreichen iönne durch Ausllürung über das wahre Wesen der Ehre und des Duells, durch literari)er, e Tätigkeit wie durch Gewinnung von Mitgliedern. Zu diesem Zweck ist mit her Errichtung von Ortsgruppen begonnen worben, so in Der Giessener I G Schre und bl normal gieumg Macht Jtalier erlaße! 73328 82291 91963 18033 89441 derer Ausgabe eingeräumt. — Mit seinen! Beiblättern „Gieß. Fa- wrlienblätter" und „Der Hess. Landwirt" ist der „Gieß. Anzeiger" die unterhaltendste Zeitung unserer Provinz, die in der Vorzüglichkeit ihrer Quellen und der Gediegenheit ihres Inhaltes alle anderen Blätter Oberheflens weit übertrifft. Darmstadt, 19. Sept. Die ,,D. Ztg." schreibt: Sei Ankunft Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin von Rußland hier wird zum 25. dss. Mts. entgegengesehen. ** Offenbach, 20. Sept. Eine interessante politische Gerichtsverhandlung steht hier bevor. Es hatte sich eine Polemik zwischen der nationalliberalen Offenbacher Zeitung und dem sozialdemokratischen Offenbacher Abendblatt entspannen, die zu einer Klage der ersteren gegen das letztere geführt hat. Das sozialdemokratische Blatt hatte behauptet, der Abg. Ullrich habe, als er zum Schriftführer der II. Kammer gewählt wurde, kein Versprechen abgegeben, während als allgemein bekannt gilt, daß er allen seinen mit seinem Amte verknüpften Pflichten Nachkommen zu wollen versichert habe. Die Offenbacher Zeitung wird die Ladung mehrerer Abgeordneter als Zeugen beantragen. Kleine Mitteilungen aus Hessen und-den Nachbarstaaten. Bei der Posthilfstelle in Inheiden bei Hungen ist eine Telegraphenanstalt mit öffentlicher Sprechstelle und Unfallmeldestelle eröffnet worden. — In der Dettenhausener Gemarkung soll die Feldbereinigung zur Ausführung kommen, die Kosten sind aus zirka 3 500 Mk. veranschlagt.— In Grünberg erhält die Stadtkirche gegenwärtig eine Heizungsanlage, wodurch einem langgehegten Bedürfnis Rechnung getragen wird. -h- Burkh ards, 20. Sept. Der hiesige Schulhausneubau geht seiner Vollendung entgegen. Das Haus wird am 1. Oktober bezogen; die Einweihung findet später statt. Das Gebäude ist eine Zierde des ganzen Dorfes, geräumig, entspricht allen Anforderungen und ist wohl das schönste des ganzen Kreises. Der Plan wurde s. Zt. von Baurat Stahl- Gießen entworfen. I. Bad-Salzhausen, 19. Sept. Nachdem die hier versammelten Oberförster gestern durch Exkursionen in die Wälder der weiteren Umgebung ihre Kenntnisse und Erfahrungen erweitert, gesammelt und ausgetauscht hatten, fanden heute im prachtvoll dekorierten Tanzsaale wissenschaftliche Vorträge statt, wobei die Negierung durch Finanz- minister Gnauth vertreten war. U. a. waren auch Gäste aus dem Schwarzwald, und aus Oesterreich erschienen; ja sogar aus Persien war ein Berufsgenosse zugegen. Eine Anzahl neu erfundener Geräte wurde gezeigt und vorgeführt. Am Nachmittag wurden in dem Harbwald größere Maschinen, darunter eine Pflanzmaschine, tm Betrieb gezeigt. Diese, in Oesterreich erfunden, von einem österreichischen Fachmann erklärt, wurde beifällig ausgenommen und zur Einführung empfohlen. Die letzten Abendzüge entführten die Herren wieder nach allen Richtungen in ihre Heimat. ist die älteste und angesehenste Zeitung Oberhessens und der umliegenden Gebiete, die täglich über alle Vor- kommniffe in Stadt und Land, im Reiche und im Auslande erschöpfend unterrichtet und den reichhaltigsten Nachrichtenteil besitzt. Den Reichstags- und Laudtags- Verhandlungen wird brei- tester Raum in beson- 96997. (Ohne Gewähr.) Eine seltsame Himmelserscheinung. Am Sonntag abend um 7 Uhr 19 Min. erschien am östlichen Himmel in einer Höhe von etwa 10J über dem Horizont, ziemlich genau über dem Planeten Jupiter, eine prächtige Feuerkugel, die sich, einen Schweif nach sich ziehend, langsam durch mehrere Grade in senkrechter Richtung Wer rasch und gut unterrichtet sein will, und eine gewissenhafte uud trotz Vielseitigkeit übersichtliche Tageszeitung zu lesen liebt, die die neuesten! Meldungen gleichzeitig mit den Grotzstadtblätteru j bringt, wer ein Blatt ernsthaften und gediegenen! Charakters zu halten wünscht, der bestelle beim nächsten Postamt, den Briefträgern oder unseren Zettnngsträgern den Gießener Anzeiger, verbreitet in Stadt und Land in ganz Oberhesjen bei dem kaufträftigen Publikum. £ 'N §>*!•» Aus Stadt und Land. Gießen, 21. Sept. 1903. 2mppa Stiebßi Stiebe, t müßen, f denlstzv in eine Er will halten! in loen Geistes versüL gwn d Tchlüss! Ämjt Die Schumi tynt bi tat sich der ihm breiten ( dem Ans endlich i heimis lösen ve mit sollt keines durch em -um fam WlQUj Wteiune, j * bet - Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe fiel ein Gewinn von 20 000 Mk. aus Nr. 52098 (nach Saalfeld, Gewinne von 10 000 Mk. auf Nr. 33620 (nach Offenbach) 48012 (nach Oppenheim) 63753 (nach Offenbach), Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 7544 (nach Darmstadt), Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 3677 (nach Butzbach) 12012 (nach Offenbach) 25748 (nach Büdingen) 28976 (nach Mainz) 35088 (nach Groß-Zimmern) 45062 (nach Alsfeld) 45639 (nach Oldenburg) 47829 (nach Mainz) 66780 (nach Schmardau) (nach Köthen) 73615 (nach Greiz) 76500 (nach Jena) (nach Groß-Umstadt) 83056 (nach Groß-Umstadt) (nach Gotha), Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 12451 22989 27605 42147 44496 48744 49830 61293 L ssi-n 8| lur Nü K‘s 1892 ’x G-°r„ * mittags in die Qmrrttere in und uni Wetzlar. In Wetzlar liegen die Regimenter 116 und 117, das 2. mtb 3. SSataxIlOTi bet 115er je eine Abteilung Tragoner Nr, 24 und Feld- artülerie Nr 61 und das Santtatseorps; im ganzen zirka 5000 Mann. Ter Stab der 25. Division liegt ui Burgsolms, der Stab der 50 Jnf.-Brrg. in Braunfels, der 25. Kavallerie-Brigade in Ehringshausen, in Wetzlar liegen die Stäbe der 49. Infanterie- und 25. Feldartillerre- Brraade. Morgen früh beginnt das Korpsmanöver; tue 25. Tivision rückt westlich nach Mehrenberg und Weilburg, um die 21 Division aus der Gegend Hadamar und Rennerod -u erwarten. Die letzte führt Generalmajor v. Festen- berg die erste Generalmajor v. Bredow. Montag abend belieben sämtliche Truppen Biwak nordwestlich von Weilburg Infolge des nassen und kalten Wetters der letzten iTage haben Mannscl>asten und Tiere sehr gelitten. Eine Anzahl erkrankter Reservisten wurde in die Garnison zu- ! rückgesandt. Bad-Nauheim, 20. Sept. Dienstag den 22. d§. findet nachmittags und abends Konzert der Kurkapelle statt. § Schotten, 20. Sept. Der in verflossener Woche verstorbene Kaufmann Karl Donecker hat den hiesigen Armen ein Kapital von 2500 Mark gestiftet, ebenso ein solches seiner Heimatgemeinde Katzenellenbogen. — Die 3 Burschen aus dem benachbarten Michelbach, welche wegen der Ueberfallsaffaire in Untersuchungshaft genommen waren, wurden mangels an Beweisen wieder freigelassen. historischen Verein für Oberheffen 1884), ist dies deutlich zu ersehen. Das Mauerwerk dürfte dasjenige der Thorgebäude- Fundamente sein, das nach Vergleich des übrigens ziemlich genauen Laurens'schen Planes mit dem Plane der Stadt Gießen 1902/03 ba§ Torgebäude fast unmittelbar am Eingänge des Weges zum Volksbad lag. Von den vier Torgebäuden, nicht zu verwechseln mit den Türrnen oder „Porten", war dasjenige am Selterstor nach dem üaurens'schen Plane das größte; es maß in der Länge etwa 35 Meter, während die übrigen nur etwa 10—12 Nieter in der Länge und Breite hatten. Ein kleines Gouachebild aus dem Jahre 1774 gibt ein klares Bild von einem Torbau. Das Bildchen ist | vorn kleinen Steinweg aus ausgenommen und stellt das Neuenwegertor nebst Ravelin dar. Deutlich unterscheidet man von dem grünen Walde die gemauerte Eskarpe. Leider existiert meines Wissens keine andere ältere Ansicht der Festung Gießen als von der Ostseite her. Der bekannte Merian'sche Kupferstich von 1660 sowie die mir bekannten Gouachebildchen 2C., teilweise im Besitz des historischen Vereins, sind alle von dieser Seite ausgenommen — ivie e§ noch heute geschieht, jedenfalls um den landschaftlichen Hintergrund des Gleibergs, Vetzbergs und Dünsbergs mit zu verwerten. Es wäre gewiß von großem Interesse gewesen, zu erfahren, zu welchem Zwecke em 35 Meter langes Torhaus gedient habey mag. ’• A ** Vom M anö v e r. Die Konzentration der! 25. Hessischen Division in und um Wetzlar Hut sich gestern I vollzogen, und Wetzlar uud die umliegenden Ortschaften gleichen heute ein ein Heerlager; die Zahl der Soldaten überbietet fast die der Bewohner. Freitag und Samstag sanden die letzten Gefechte des Brigade-, bezw. Divisions- manövers statt. Die Brigaden'wurden geführt von den beiden Brigadegeneralen Grafen von Kanitz und Freiherrn von Ledebur; die Gesamtleitung hatte der Divisionsgeneral Freiherr von Gall. Am Freitag war das Gefecht zwischen Roßbach, Wilsbach, Mudersbach und Erba. Für die 49. Brigade galt es, den Höhenzug südlich Roßbach zu nehmen. I Tie 50. Brigade wurde nach Altenstädten zurückgedrangi und die Truppen bezogen abends statt des Biwaks nach dem Abkochen Massenquartiere. Gestern wurde das Gefecht südwärts von Hohensolms und Königsberg fortgesetzt, der I Hauptkampj entwickelte sich an der Grube Moritzburg und am Bleibenberg an der Straße nach Blasbach Um IO1/2 >Uhr war das Gefecht beendet, und die Truppen rückten bewegte. ** Zum Besuch des Bauer'schen Gesangvereins weilte gestern, Sonntag, der Blumental'sche Männerchor von Homburg hier. Man versammelte sich im „Postkeller", wo man bei Gesang und Konzert einige vergnügte Stunden verlebte. *♦ Der Gesang-Verein .Heiterkeit" feierte Samstag abend im Cafö Leib sein 2 5 j ä hri g es Stift un g §- fest, das bei Konzert und Gesangsvorträgen einen schönen Verlauf nahm. An der Feier nahmen u. a. teil: Sänger- Ehor des Turnvereins, Liederkranz-Gießen, Harmonie-Gießen, Bauer'sche^ Gesangverein-Gießen und Liedertafel-Lollar. ** Der katholische Gesellenverein machte gestern von hier einen Ausflug nach Heuchelheim, wohin auch der Wetzlarer Verein gekommen war. ** Neuer Geflüaelzuchtverein. Bei der außer- ordeutlichen Generalversammlung des neuen Geflügelzuchtvereins für Gießen und Umgegend von 1903 waren 31 Mitglieder anwesend. In den V 0 rstand wurden gewählt: Peter Berg als 1. Vorsitzender, Louis Adam 2. Vorsitzender, Wilh. Nees als Schriftführer, Joh. Hecker als Rechner; als Beisitzer: Karl Lich, Lechgestern, Wilh. Dech.ert und Kaspar Dresden. Serßn, Breslau, Stuttgart, Karlsruhe. Heidel- »--^Darmstadt, .tollt; später fall die Bttdimg von Erraten uri> Ehrengerichten in Angriff Semmunen wei> tot. Aus dem nach Zeitschriften ustv. gefammelten Material wird demnächst eine Zusammenstellung aller feit 1901 statt- gefundenen Duelle an gefertigt. Darauf sprach Dr. Kolo-Darmstadt über: „®ieh Duelle der letzten drei Jahre". Wke der Redner , ausführte, sind in Deutschland zurzeit noch die Anhänger ( deS Duells in der Mehrheit, unter voller Sympathie des § Kaisers und der in der "Regierung vertretenen Kreise. Das . Strafgesetz wird durch die häufigen Begnadigungen negiert. Die Gegner des Duells werden aus dem Ossizierkorps aus- ' aeftoßen. Aufgabe der Duellgegner, auf deren Seite Recht £nb Humanität steht, ist es, dem von der Mehrheit aus- ■ aeübten unerträglichen Zwang entgegenzuarbeiten, ^enn and) bisher das Publikum durch einzelne Duelle in Entsetzen und zu schärfster Verurteilung hingerissen wurde, ■ ia schlaft diese Erregung bald wieder ein bis zum nächsten Mule. Darum muß das Publikum scharf gemacht werden durch die Statistik, ebenso wie die Regierung, die sogar in dem furchtbaren Fall Kotze-Schrader 1896 nur die Antwort hatte, der Reichskanzler wäre „mit Erwägungen beschäftigt". Denn durch die Statistik wird sich ergeben, in welchem Maße unter den Augen und somit gewissermaßen unter Mitschuld der Regierung die gröblichsten Gesetzesverletzungen stattfinden, eine Erkenntnis, unter der auch die Autorität der Krone schwer leiden muß. Die Zusammenstellung, die sicherlich noch, keineswegs vollständig ist, umfaßt 124 Fälle, davon u a. 51 in Oesterreich-Ungarn, 44 in Deutschland, 17 in Frankreich Von Waffen wurden 48 ALol Pistolen, 2 Mal das amerikanische System angewandt; mit leichteren, ungefährlichen Waffen wurden nur 6 Duelle ausgefochten, die schwerste Bedingung war 14maliger Kugelwechsel, wobei allerdings schon (!) im neunten Gange der eine Gegner tot blieb. Was die Ursachen der Duelle betrifft, so findet man neben Ehebruch am zahlreichsten Zank in der Trunkenheit, Streit beim Kartenspiel, Familienzwist, Beleidigung durch einen Brief, im Affekt. Als Ausgänge der Duelle zeigt die Statistik 22 Todesfälle und 90 Verwundungen, davon 50 schwere. Von den Todesfällen kommen 12 aus Deutschland. Daß der Ausgang des Duells vielfach vom Zufall abhängt, braucht nicht bewiesen zu werden. t „ ,. _ _ I Ter Vorfitzende wies daraus hin, daß die Llntt-Duell- Bewegung sich nicht etwa nur auf Deutschland beschränkt, daß sie vielmehr international ist und überall gute Fortschritte macht. Besonders stark ist sie in Italien, wo in der Armee große Erfolge eryelt wurden. Zwanzig Generale, auch der Ministerpräsident, sind dort Mitglieder der Liga. Für unbedingt erforderlich hiell es der Redner, daß alte Militärs, vor allem aber auch hochgestellte Persönlichkeiten, Minister usw. der Liga zugeführt werden. Es entspann sich bann eine Debatte über die Propaganda. Der Vorschlag eines Redners, schon auf die Primaner durch die Religionslehrer einzuwirken, sand wenig Anllang und wurde von einem anwesenden Gymnasialdirektor bekämpft. Es folgte dann als zweites Referat ein Vortrag von Dr. Antoni, Oberbürgermeister von Fulda, über die „Einwürfe gegen die Liga und über die Auffassung des Duells". Der zu gunsten des Duells erhobene Einwand, das sei eine alle deutsche Sitte, kann, so führte der Redner aus, ebensogut für Raubrittertum, Hexenprozesse und Folter geltend gemacht werden. Die meisten Dnellan- . ten hoffen wohl, gesund wieder Heimzukommen, viele aber handeln überhaupt nicht freiwillig, sondern unter einem stwang, der Furcht vor der gesellschaftlichen Aechtung. Wohl mag es Fälle geben, wo die gesetzlichen Bestimmungen nicht ausreichend oder geeignet erscheinen zur Verteidigung der Ehre, aber das beweist doch nur die Not- wendigkell einer Aenderung der Gesetze. Man sagt auch, das Duell soll der Rache dienen: edel, christlich, sozial^ ist es nicht, die Rache ist dem Einzelnen eben entzogen. Endlich wird eingewandt, das Duell sei die ultima ratto gegen! die Verwilderung der menschlichen Gesellschaft und unentbehrlich für die Armee, wobei man auf die int englischen Offizierkorps vorgekommenen Roheiten verweist. Aber das ist doch die schwerste Beleidigung gerade gegen die Armee; wenn das Duell allein die Tüchtigkeit der Armee bedünge, so müßte man es in das Exerzier-Reglement einfügen! Notwendig für die Manneszucht ist vielmehr die Befolgung der Gesetze. Schuld an dem ganzen Duell- Unwesen ist eben der falsche Ehrbegriff. Nach dreistündiger Dauer wurde die Tagung geschloffen. Kling elhöfer. ** Von der landwirtschaftlichen Ausstellung wird uns nachträgliche bekannt, daß der Großherzog bei seinem Rundgang besonderen Gefallen an der „Abteilung für Bienen" sand, wo er ziemlich lange verweilte. Besonderes Interesse zeigte S. K. Hohell für das Leben und Treiben der lebenden Völker. Lchrer Hensel ans Hirzenhain nahm ein Volk auseinander, um dem Landesfürsten den König und die Königin zu zeigen. Während die Begleiter vor den heruüischwärmeuden Bienen zurückwichen, blieb der Großherzig bewegungslos stehen, das Treibens beobachtend. Eine Anzahl Bienen hatten sogar auf Rock und Zylinder des hohen Besuchers Platz genommen. Indessen ließ diese „^Nonarchenbegegnnng" auf keiner Selle einen Stachel zurück. ** lieber die aufgegrabenen Mauerreste auf Idirn Seltersweg schreibt man und, daß sie zu der Schloß- besestigung gehören; an der Stelle, wo der Weg zum Volksbad abzweigt, war die „SelterSthor-Bastian", die wohl in Iber Sllaßenaxe des Seltersweges lag. Die Straße führte indessen nicht gerade aus, sondern zweigte von der Stadt aus rechts ab, durch die gewölbte und gepflasterte Durchfahrt des Torgebäudes, über die Zugbrücke des Festungsgrabens nach dem südwestlich gelegenen Ravelin, welche zum Schutze des Stadteingangs von Landgraf Georg II. (residierte von 1631 bis 1647 in Gießen) erbaut wurde, und von da aus zur Frankfurter Straße. Aus dem Plan der Stadt und Festung Gießen von li>59, ergänzt nach dem Plan des Jng. Majors Laurens vom 22. November 1792 (Herausgegeben vom Riebet Ein Lause-Gefänguis. Ein Kulturbild ans dem Osten hat der Wreschener Fluchibegünsttgungsprozeß in Gnesen enthüllt: Der Angeklagte Janicki kratzt sich fortwährend, und die neben ihm sitzenden Angellagten v. Koscielski und Probst LÄedzki rücken ein Stück von ihm ab. Die Sache erregt großes Aufsehen, und auch dem Präsidenten fällt es auf. Da in der Runde nunmehr alle an fang en, sich zu kratzen, wird öie Situation komisch. Endlich sagt Janicki: „Ich kann es nicht mehr aushalten, die Läuse beißen mich so furchtbar." Auf die Frage des Präsidenten, was es mit dem Ungeziefer für eine Bewandtnis habe, erwidert Janicki, daß es in der Gefängniszelle, in der er die Nacht habe zubringen müssen, von Läusen wimmele. Er stteicht die 'Herme! hoch und zeigt die zer bissenen Arme, greift an den Kopf und bringt Läuse herunter, greift bann hinter den Kragen an den Hals und zieht auch von hort ein paar Läufe hervor. Niemand will neben Janicki auf der Anklagebank sitzen, und der Präsident beschließt, daß Janicki abseits sitzen solle. Der Präsident weist dem Angeklagten nunmehr einen Platz an, und Janicki setzt sich jetzt in die Nähe des Tisches für die Berichterstatter, und zwar in die Nähe der Vertreter der polnischen Presse unter denen sich verschiedene Warfchauer befinden. Die Voss. Ztg." b-emerft hierzu: Ein ekelhaftes Bild, und doch dürfen wir nicht an ihm vorbeiseheu, weil es ein Kulturbild ist. Der Justizminister wird nun wohl dafür sorgen, daß Ordnung in Gnesen geschaffen werde, und nebenbei wird er vielleicht auch erwägen, ob es zu recht- fertigen ist, einen Menschen wie Janicki zu eigener und zu anberer Qual im Gerichtssaale zu belassen. Vorläufig freilich werden wir nur den Spott der Polen und Ruff en haben, die es nicht wenig befriedigen mag, daß Halbaffen auch noch in das Deuifche Reich hiueiureicht. Erheiternd wirkt jetzt auf" alle, denen es „vergönn! ist", einen Mick in das Gefängnis zu tun, die rege Tätigkeit in demselben. Es ist ein „Großreinemache 11" im Gnesener Gefängnis aus gebrochen, das auch die „scheuer- wütigste" Hausfiau vollkommen zuffieden stellen könnte. Und dies hat mit feinem Erzählen von den Gefängnis- L.....der Angeklagte Janicki getan!" . S« t.tnit“! ichid-S d-- f«? di- Kb-i-'u Präsides s an W' Veslprrub ländisch" euN1’;9, fftü .Po ;M 61 AooiM IN ** einet Da Tod fai • d Abgeort fahrt gegen 5 fassen^ et d'Aba! verhafte! Worten Verhafte haben, verhaftet verwickel! leien per vdcha r Vermischtes. • Berlin, 20. Sept. Eine Sitzung des Reichskomitees zu gunsten der durch das H o chwasser Geschädigten wurde heute im Stadtverordnetensaale des Rathauses abgehalten. Oberbürgermeister Kirschner sprach dem anwesenden Kronprinzen den Dank für die Uebernahme des Protektorats aus. Der Schriftführer hob hervor, daß die Schäden sich als größer herausgestellt hätten, als man angenommen hatte, namentlich sei Schlesien hart betroffen. Er betonte, daß 200 deutsche Städte, mehrere Bundesfürsten, Präsident Loubet und das „Rote Kreuz" Gaben gespendet hätten und schlug vor, von den heute zur Verfügung stehenden 225 000 Mk. 150 000 Mk. an Schlesien. 20 000 Mk. an Posen, 15 000 Mk. an Brandenburg, je 50 000 Mk. an Westpreußen und Pommern und den Rest an den Vaterländischen Frauenverein zu überweisen. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Minister Frhr. v. Hammerstein berichtete, der Gesamtschaden betrage 291/, Millionen, in Schlesien 20 Millionen, in Posen 3 Millionen, in Brandenburg 41/* Millionen, in Westpreußen 500 000 Mk. nnd in Pommern 600 000 Mk. * Posen, 20. Sept. Ein großer Holzschober des hiesigen Proviantamtes steht in Flammen, man hofft jedoch, das Feuer auf seinen Herd beschränken und das Proviantamt erhalten zu können. • Villach, 20. Sept. Bei einem Brande in der Ortschaft Labientschavel wurden bei den Rettungsarbeiten em in einer Dachkammer schlafender Schueidergeselle und zwei Lehrlinge vergeffen, so daß dieselben in den Flammen den Tod fanden. • Paris, 20. Sept. Der Senator Magnien und der Abgeordnete Ballande erlitten gestern bei einer Autom obil- fahrt ein schweres Unglück. Der Kraftwagen rannte gegen einen Kilometerstein und kippte um. Die beiden Insassen erlitten erhebliche Verletzungen. * Toulon, 17. Sept. In der Wohnung der Russin d'Abahsa, die jüngst unter dem Verdachte derSpionage verhaftet worden war, wurde ein Telegramm mit folgenden Worten gefunden: „Schicket Schriftstücke, erhaltet Geld!" Die Verhaftete soll auf Rechnung Englands Spionage getrieben haben. Als Mitschuldiger wurde ein Artillerieseuerwerker verhaftet und ein Polizeikommissar soll in die Angelegenhett verwickeü sein. Uebrigens soll d'Abahsa zahlreiche Schwindeleien perübt haben, indem sie sich als die Erbin eines in Odeffa verstorbenen reichen Bruders ausgab. * Marseille, 19. Sept. Der Gesundhettszustand ist normal. Der Präfekt hat die Konsuln gebeten, bei ihren Regierungen auf Aufhebung der Quarantäne für die Schiffe Marseiller Herkunft hinzuwirken. Portugal, Argentinien und Italien hatten von vornherein keine Ouarantänebestimmungen erlassen. * Pontresina, 20. Sept. Der serbische Profeffor Adolf Schrenk stürzte auf einer Bergtour in eine Gletscherspalte und blieb tot. • Lemberg, 19. Sept. In dem Stanislauer Kavallerie- Truppen -Kommando-Gebäude wurde gestern abend ein Diebstahl von Mobilisationsplänen entdeckt. Die Diebe, welche mit den Lokalitäten vertraut gewesen sein müssen, find entflohen. Es fehlt jede Spur von ihnen. ♦ Athen, 19. Sept. Der Direktor der Bibliothek des Deutschen archäologischen Instituts Prof. Dr. v. Prott hat in einem Anfall von Geistesstörung Selb st mord verübt. Er wurde tn dem Institut, in feder Hand einen Revolver haltend, mit zerschmettertem Schädel ausgesunden. Eine in wenig Tagen rasch zunehmende Umnachtung des klaren Geistes hat ihn in den Tod geführt. Seit seinen Uni» versitätsjahren war die Erforschung der griechischen Religion die Hauptaufgabe seiner Studien: hier sah er den Schlüssel für das Verständnis der griechischen Kultur und Kunst. In mühsamen Einzelarbetten hatte er feit Jahren die sichere Grundlage gelegt und unablässig war er den Zusammenhängen nachgegangen, wieder und wieder belohnt durch wettere Ausblicke tieferer Einsichten. Und nun tat sich ihm in den letzten Wochen ein Jdeenkreis aus, der ihm über alles ein neues fast grelles Licht zu verbreiten schien. Von Kaibels letzter wissenschaftlicher Arbett, dem Aufsatze über die Daktylen ausgehend, glaubte er endlich die ZmHersovrnel gefunden zu haben, die das Geheimnis der ältesten Stufen der griechischen Religion zu lösen versprach Und nun drang die Fülle der Ideen mtt solcher Gewalt auf ihn ein, daß er Dag und Nacht keine Ruhe sand, beglückt und doch geängstigt durch diese Rastlosigkett des Schauens und Verstehens. Er versuchte durch eine Reise sich abzulenken — er kam elend Herrn. Und nun kamen Tage der Ermattung, darüber ihn die Angst ergriff und nicht losließ, er werde über seiner Arbeit dem Wahnsinn verfallen. Die Beerdigung sand unter starker Beteiligung der deutschen Kolonie und der hiesigen Gelehrtenwelt statt. • Im größten Elend starb in Paris Luise Rance, die hervorragendste realisttsche Schauspielerin Frank- reichs, deren geniale Wiedergabe der Frauengestalten des Antoineschen Repertoires allseitig als musterglltig an- erkannt war. ___ Kunst und Wissenschaft. Berlin, 21. Sext. Gestern Abend sand in der Wandelhalle des Reichstags ein Begrüßungsabeud für die Tellnehmer der neunten Tagung des internationalen st a t i st i sch e n I n - stituts statt. Unter den Teilnehmern befanden sich u. a. der Präsident der kaiserlichen stattsttschen Amts, Wilhelmi, Minister v. Hammerstein, Staatssekretär Frhr. v. Richthofen, Schatzsekretär Frhr. v. Stengel, der Rektor der Universität, Gierke, die Professoren Schmolltr, Wagner und PhilippowitschWien. Musikalische Aufführungen leiteten den Abend ein, worauf ein Souper an den Buffets folgte. Rach dem Souper promenierten die Teilnehmer wieder in der Wandelhalle, während- die Musik ihre Klänge er= tönen ließ. Der Abend nahm den angeregtesten Verlauf. Sport. R. B. Darmstadt, 20. Sept. Die großen internationalen Radrennen, die der Rabfahrerverein Darmstadt von 1885 heute nachmittag veranstaltete, nahmen bei prächtigem Wetter einen sehr interessanten Verlauf. Zuerst hatte beim Gauverba nds-Wanverpreissah reu, offen für Mitglieder des Gaues 9, Frankfurt a. M. des D. R.--B., Herr H. Struth-Matt^ vom Velozipedklub Moguntia 1892, den Preis zu verteidigen. Er kam in Kainvf mit Georg Drescher-Mainz, E. Paes und W. Kellner, beide aus Frankfurt. Struth blieb audj), diesmal Sieger, Kellner, Gex- maitta-Frankfurt, wurde zweiter, Drescher-Mainz dritter. Das 10 Kilomet erfahr en mit Motorführung für Herrenfahrer und zwei Borläufen gewann im Endlauf bei 10000 Meter Adolf Seideusheimer-Mainz>, 2. wurde E. Paes-Hamburg, 3. W. Kellner-Frankfurt. Im Motor-Rennen, zwei Vorläuse von 5000 Meter, Endlauf 10000 Meter, beteiligten sich neun Fahrzeuge. Sieger im Endlauf wurde C. Hartmann-Rüsselsheim, als 2. kam Motor LurK-Francksurt, als 3. Motor Dewey-Amerika ans Ziel. Am interessantesten von allen Rennen war der Kamps um den großen Preis von Darmstadt, drei Bar preise von 500, 300 und 200 Mark, der zwischen dem chwarzen amerikanischen Meisterfahrer Woody Headspeth- Jndianapolis, E. Möder-Köln und Andreas Gräf-Frankfurt ausgefochten wurde. Es wurde sehr hart gekämpft. Im ersten Lauf, 5000 Meter, trug Moder-Köln den Sieg gegen den Amerikaner davon, wogegen im zwetten Lauf dieser erster, Moder zweiter wurde. Letzterer erlitt auch einen leichten Ohnmachjtsansall, erholte sich aber schnell uub war beim Endlauf mit 10000 Nietern wieder ganz auf dem Posten. Schon schien sich auch das Glück auf seine Seite zu dellen, er führte die letzten Runden; doch da schoß im letzten Moment der Amerikaner los und ging mit kaum i/2 Meter Vorsprung als Erster durchs Ziel. So viel ist aber jedem klar geworden, daß Möder, der Sieger vom Goldenen Rad von Mainz, zurzett der gefährlichste Gegner des Amerikaners ist. Gerichtssaal. b. Gießen, 20. Sept. (S traf kämm er sitzung vom 18. September.) Der Maurergeselle W. M. von Angenrod verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Alsfeld, das ihn wegen Körperverltzung zu 5 Monaten Gefängnis verurteitte. Die Sache wird zwecks Beiladung der Sengen vertagt. — Der 70 Jahre alte Landwirt B. S. zu Ober-Mörlen wird wegen Verbrechens im Sinne des § 176 Ziffer 3 R--Stt.-G.-B. zu 2 Jahre Gefängnis verurteilt. Dre bürgerlichen Ehrenrechte erhält er auf die Dauer von 5 Jahren' aber tonnt. — Das Schöffengericht Nidda verurteilte den Beigeordneten Ehr. M. zu Ober- Schmttten wegen Beleidigung des Gendarmeriewachtmeisters Buchhammer zu Ortenberg zu einer Geldstrafe von 100 Mark.' Auf Änstehen des Großh. Kreisamts Bü- bingeit, das auf eine'Gefängnisstrafe erkannt wissen wollte, gelaugte die Angelegenhett in der Berufungsinstanz zur Verhandlung. Das Urteil lautete auf Einstellung des Verfahrens, da der Strafantrag nicht rechtzeitig gestellt war. — Die le&te Sache betraf die Strafsache gegen den evan- lischen Pfarrer F. in Rendel wegen Vergehens im Amt. Es wird ihm zur Last gelegt, anfangs 1901 und anfangs 1903 Sachen, welche er in amtlicher Eigenschaft empfangen bez. in Gewahrsam hatte, unterschlagen zu haben, Vergehen gegen § 305 St.-G.-Bs., der völlig geständige Angeklagte wurde im Jahre 1897 von seinem in Amertta lebenden und in großer finanzieller Bedrängnis befindlichen Bruder wiederholt um ein Darlehen angegangen. Um seinen Bruder nicht unter gehen zu lassen, beschloß der Angeklagte, da er selbst außer seinem Gehatt kein Vermögen besaß, ein Darlehen aufzunehmen. Nach dem im Jahre 1900 erfolgten Tode des Gläubigers wurde der StngeECagte von dem Anwalt der Witwe zur Rückzahlung des Darlehens aufgefordert. Hierzu nicht im stände, entnahm er ans dem der Kttche zu Rendel gehörigen, bei chm in Wertpapieren deponierten Vermögen Anteilscheine der land Wirtschaftlicheu Kreditbank über 1500 Mark und verkaufte sie bei dieser Bank in Frankfurta. M. Den Erlös verwandte er zur Rückzahlung des Darlehens, den Rest zur Bestreitung des Unterhaltes seiner beiden Söhne Im Jahre 1903 zur Rückzahlung eines anderen ebenfalls zu Gunsten seines Bruders aufgenommenen Darlehens aufgefordert, verpfändete der Angeklagte auch jetzt wieder in seiner Not dem erwähnten Kirchenvermögen gehörige Staatsobligationen im Betrage von 700 Mk. Der Angeklagte, der der Ordnung zuwider im Besitz beider Schlüssel zum Kasseuschrank war, will in der Entnahme der genannten Beträge nur die Ausnahme eines Darlehens erblickt haben und zur Rückzahlung vor der von ihm im Arbste vermuteten Revision infolge seines auf 5000 Mark erhöhten Gehalts und seines Kredits jede Zett im stände gewesen fein. Eure Schädigung des Kirchenvermögens habe er nicht beabsichttgt gehabt. Sofort nach Entdeckung der Fehlbeträge, die gelegentlich einer kurz vor Pfurgsten L I. erfolgten Revision seitens des Großh. Kreisamts Friedberg gemacht wurden, erfolgte die Suspendierung des Angeklagten vom Amt; der ganze Betrag wurde einen Tag später von Verwandten entdeckt. — Die Verkündung des Urtells wurde wegen der Frage, ob der evangelische Geistliche in Hessen als Beamter im ©inne des Reichssttafgesetzbuchs anzusehen fei, was der Verteidiger des Angeklagten in eingehender Darlegung bestritt, auf eine Woche vertagt. r. Alzey, 20. Sept. Bor dem Schöffengericht in Wöllstein wird demnächst ein Prinz als Angeklagter erscheinen, und zwar der Prinz Franz Josef von Battenberg, der sich gegen die Automobilfahrordnung vergangen haben soll. Dem „Rheinh. Beob." schreibt man über das Vorkommnis: „Im Sommer machte eine Meldung durch die Presse, der PrinH Franz Joses von Battenberg sei auf einer Automobilfahrt während seures Kuraufenthaltes in Bad Kreuznach einem Wagen entgegengefahren und sei so stark gefahren, daß die Pferde scheuten und über den Graben auf das Feld setzten. Der Kutscher erlitt bei seinem Sturze vom Bocke nur unbedeutende Verletzungen, während die Insassen be£ Wagens mit dem Schrecken davonkamen. Verschiedene den Unfall mtt ansehende Bauern hiellen mit ihrem Tadel über das schnelle Fahren nicht zurück, obwohl der Prinz volle Schadenersatzleistung zusagte. Damtt gab sich aber ein zufällig anwesender Wächter des Gesetzes nicht zufrieden, sondern zeigte den Automobttfahrer wegen Vergehens gegen die Automobilfahrordnung an, und so kommt die Sache jetzt demnächst vor das Schöffengericht in Wöllstein, welches, wie der „Rheinh. Beob." sehr richtig bemerkt, wohl noch nie in einer Sache gegen einen Prinzen Urteil zu fällen hatte. Leipzig, 18. Sept. Der Millionär Friedrich, lvelcher im Juli d. I. vom hiesigen Schwurgericht zu 6 Monaten Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust wegen Urkundenfälschung und Meineids verurteilt wurde, stand heute vor dem Kgl. Larrdgericht, beschuldigt des Diebstahls, des Betrugs, der Wechselstempelsteuerhinterziehung und der Fälschung von Hauslisten. Nur der' beiden letzteren Delitte tonnte der schmutzige Geizhals, der aus Habgier viele Existenzen, namentlich in Handwerker kreisen, vernichtet hat, überführt werden. Das Gericht sprach eine Zusatzstrafe von drei Mon at en Zuchthaus und 1625 Mark Geldstrafe aus- Handel und Uerlrehr. Volkswirtschaft. Märkte. Grünberg, 19. September. Fruchtmarkt. (Durchschnitts- preis pro 100 Kilo.) Weizen 16.00 bis 00— Mb, Korn 15.00 bis 00.00 Alk., Gerste 00.00 bis 00.00 Hafer 12.50 bis 12.82 Mk., Erbsen 00.00—00 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Dck., Wicken 00.00 Mark, Samen 00.00-00 Mk., Kartoffeln ODO bis 00.00 Mk. le. Frankfurt a. M., 21. Sept (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Drehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 471 Ochsen, 183 aus Oestreich, 58 Bullen, 1 aus Oestreich, 741 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 00 aus Oestreich, 265 Kalber, 111 Schafe und Hammel, 1626 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1.Qualität 72—74 Mk., 2. Qual. 68—70 Mk., 3. Qual. 64—66Alk.; Bullen l.Qrral. 64 bis 66 Alk., 2. Qual. 60—63 Mk.; Kühe 1. Qual. 66—69 Mk., 2.Qual. 65—66 Mk., 3. Qual. 54-56 Mk, 4. Qual. 51—53 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber: 1. Qualität85—86 Pfg., Lebendgewicht 52—55 Pft 2. Qual. 80—84 Pfg., Lebendgewicht 48—50 Pfg., Schlachtgewicht 70—73 Pfg., Schale: 1. Qual. Schlachtgewicht 70—73 Pfg^ 2. Qual. 66—69 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 60—00 Pfg., Lebendgew. 47 Pfg., 2.Qual. 59^00 Pfg., Lebendgewicht 46—00 Pfg., 3. Qual. 50—55 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft: bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend; bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. to. Frankfurt a. M., 21. Sept. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Anrtliche Notierrmgen der heutigen Fruchtmarktpreise: Weizen Rkt. 16.50—00.00, 5iurhessischer Äck. 16.75—00.00, La Plata Pck. 16.75—18.00, Kansas Dck. 16.75—18.00, Roggen (hiesiger) Mark 13.25—13.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.50—15.75, Franken- felderMk.l6,25-00,00,HaferMk.l3.25—13.75,Mais Mk. 13.00—00.00, Weizenmehl 0 Mk. 25.75—26.25, 2. Qualität Mk. 23.75 bis Mk. 24.25, 3. Qualität Mk. 21.75—22.25, Roggenmehl 0 Mk. 22.00—22.50,1. Qualität Mk. 19.25—20.25, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Alk. 0.00, Roggenkleie Mk. 9.75—10.25, Maiskeime Mk. 10.25 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Aik. 00.00—000.0. Alles per 100 Kg. ab hier. Neueste Meldungen. Orrginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Darmstadt, 21. Septbr. Der Kaiser richtete der „Darmst. Ztg." zufolge folgendes Telegramm aus Wien vom 19. ds. an den Großherzog von Hessen: ^Jch danke Dir für die freundliche Nachricht von dem glücklichen Stapellauf des Linienschiffes „Hessen". Die zukünftige deutsche Flotte, zusammengesetzt aus gepanzerten Vertretern aller deutschen Stämme, getauft von ihren angestammten Landesfürsten, erfüllt vom Geiste patriotischer Gesinnung, wird, so Gott will, wie die Armee ein stolzer Hort der Zuversicht sein für Kaiser und Reich. Wilhelm." Frankfurt, 21. Sept. Unter dem Verdacht, vor zwei Jahren den früheren Schutzmann Dietz ermordet zu haben, wurde gestern auf eine Anzeige hin der Weißbinder Andreas Jost feftgenommen. Jost wurde bei einer Schlägerei schwer verletzt nnd liegt einstweilen im städtischen Krankenhause. Berlin, 21. Sept. Der Barbier Hugo Walter ist unter dem dringenden Verdacht, seine Ehefrau ermordet zu haben, auf Ersuchen der Berliner Kriminalpolizei in Endringen in Holland verhaftet worden. Die Leiche der Frau wurde am 8. d. Mts. in der Nähe von Döberitz an einem Baume ausgehängt gefunden. L. London, 21. Sept. Wie das „Bureau £affanK von maßgebender Stelle erfährt, hatte gleichzeitig mit Chamberlain auch der Lordpräsident des Geheimen Rats, Herzog von Devonshire, und der Herzog von Aberdeen ihre Entlassungsgesuche eingereicht. Der Ministerpräsident Balfour will jedoch die Annahme dieser Demissionen Hinhalten, bis die Nachfolger der tatsächlich zurückgettetenen Minister ernannt sind, da er hofft, diese beiden KabinetS- mitgtieber zum Verbleiben in ihren Aemtern überreden zu können. — Kriegssekretär Br odrick begab sich gestern nach Balmoral zum Könige. Wien, 20. Sept. An dem Frühstück bei der Erzherzogin Maria Josepha nahtnen außer Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef Erzherzog Franz Ferdinand mit Gemahlin, der Fürstin Hohenberg, und die übrigen Mitglieder des kaiserlichen Hauses teil. Nachmittags um 6 Uhr fand im kaiserlichen Lustschloffe Schönbrunn Tafel statt. An der Hostafel nahmen u. a. teil: Reichskanzler Graf v. Bülow, der Minister des Aeußeren Graf Goluchowski, die Ministerpräsidenten v. Körber und Graf Kuhen-Hedervary. Beide Kaiser saßen in der Mitte der Tafel, Kaiser Wilhelm rechts von Kaiser Franz Josef, neben dem deutschen Kaiser die Erzherzogin Maria Josepha, neben Kaiser Franz die Erzherzogin Maria Annunziata. Um 8 Uhr abends fand in dem Schloßtheater im Schönbrunner Schlöffe Festvorstellung statt. Zur Aufführung gelangte zunächst Pailerons einakttges Lustspiel „S)er zündende Funke", darauf die Lortzingffche Spieloper „Die Opernprobe" mit Palleteinlagen, zum Schluß die Kinderszene aus „Der faule Hans" von Nebdal. Wien, 21. Sept. Kaiser Wilhelm verabschiedete sich von den Erzherzögen und Erzherzoginnen. In offener Hofequipage fuhren beide Kaiser zum Bahnhof Penzing. Fünf Minuten vor der Abfahrt kamen die Kaiser an. Sie küßten sich zweimal. Kaiser Wilhelm dankte fiir den herzlichen Empfang und die Fürsorge, und Kaiser Franz Josef gab herzliche Grüße für die Kaiserin. Vor dem offenen Fenster erfolgte nochmaliger Gruß und dann die Abfahrt nach Danzig. Kaiser Franz Josef bcgiebt sich nach Schönbrunn. Diiiviktsih. Anssteilmz Gieße». Wir ersuchen alle diejenigen, welche Rechnungen, die obige Ausstellung betreffend, zu stellen haben, diese baldgefälligst an die betr. Auftraggeber und zwar: 1. den Vorsitzenden des Bau- und Platz - Ausschuffes, z. H. des Herrn Bauaufseher Mohr in Gießen; 2. den Vorsitzenden des Finanz- und Verlosungs-Aus. schusses, Herrn Provinzialdirektor Dr. Breidert in Gießen; 3. den Vorsitzenden des Wirtschafts- und Vergnügungs- Ausschusses, Herrn Kreisrat Dr. Wallau in Lauterbach; 4. den Vorsitzenden des geschästsführenden Ausschusses, z. H. der Geschäftsstelle des landw. Prooinzialvereins in Alsfeld, einzusenden. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschuffes: Schlenke. 7097 7101 Gießen, den 21. September 1903 7109 Gießen, den 19. September 1903. Die Beerdigung findet Dienstag den 22. d. Mts^ nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. Blumenspenden dankend abgelehnt. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Bruders, Schwagers, Onkels und Großonkels Hem Ernst Müller sagen wir herzlichen Dank. Im Auftrag der trauernden Hinterbliebenen vr. A. Dettenheimer. Todes-Anzeige. Gestern vormittag 8 Uhr entschlief nach langem, schwerem Leiden im 2. Lebensjahre unsere liebe, unvergeßliche Tante WM» Auguste Engel. Um stille Teilnahme bitten 7101 Die trauernden Hinterbliebenen: C. Röhr und Frau. -AN ‘TT.A -:F T; - W ■ M ■w; WMWW WWW hSB< Wdn-Versttignöng. Mittwoch den 23. L Mts., mittags 12 Uhr, soll im Weinhaussaal zu Alsfeld das zur Konkursmasse des Direktors Jakob Bamberger gehörige Weirllager, sowie verschiedene Weintellereigeräte versteigert werden. Es kommen zum Ausgebot: Ca. 1500 Flaschen Weiß- und ca. 1000 Flaschen Rotwein, 4 Faß Weißwein, ca. 240 Liter, und 33 Flaschen Champagner, 2 ovale Fässer von i/i Stück und J/4 Stück, 5 runde Fässer von je J/4 Stück, 1 Faß von 100 Liter, 1 Korkmaschine, 1 Sectmaschine, 1 Schlauchgeschirr , 1 Filtrierapparat, 2 eiserne Naschenschränke für 200 und 400 Flaschen, eine Partie Selterswasserflaschen und 2 große Korbflaschen. Der zur Versteigerung gelangende Wein ist im Chemischen Untersuchuugsamt für die Provinz Ober- hesten in Gießen chemisch untersucht und als naturrein befunden worden. Im Anschluß an obige Wein-Versteigerung findet nachmittags noch eine Mobilien-Versteigerung statt, wobei eine sehr gute Scheibenbüchse mit Zubehör zum Ausgebot gelangt. 6915 Der Masseverwalter: Grünberg. Karl, Sparkasserechner. neuester Ernte China-Tee e . per Pfd. 1.70 Mk. Souchong ....... „ 2.— „ ff. Souchong-Mischung , „ 2.40 „ Pecco-Souchong mit Blüten . . „ K 3.— , Pauhoug-Souchong . w „ 4.— „ Hochfeiner Gesellschafts-Tee . „ „ 4.— „ Ceylon-Oravge-Pekoe per Pfd. 3 — Wik. und 3.50 „ tf. Tee-Spitzen . . per Pfd. L50 „ Tee in Original-Packung der Firmen Meßmer, Schepeler. Victoria-Tee und Souchong in luftdicht verschlossenen Dosen in allen Preislagen. Insgesamt bieten wir eine Auswahl von 30 Sorten Tee der renommiertesten Firmen. 6973 Gebrüder Berd^x Bahnhofstraße 27. Lrr.denplatz 12. 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