Nr. 92 Urschet»! täglich auüet Sonn lag». Dem Siebener 11 rueiQtr werden im Wech'el mit dein hrsfilckr» tanbmirl bi* siebener $anullte- blauer viermal in der Wrxtze bttqeltgu ZRotauonebrud u. Vertag txi f r ü I) Indien Umurd.-t'iid)- u.6iein- biudrici(Dicild)4tbck>lubIlr 51. DienStag 21. April 1903 153. Jahrgang Zweites Blatt. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger monatlich «öiM., oiertel* (ähihd) 2.2U. durch llbbolf- il ^ivfiflfielltn monathd) 6d ilL; durch die Post Mk.L—oienel« fährt auil vormittag« IU Uhr. 5etlcnpi(i«. lokal 15*91^ dueivan« BU tilg. Verantworilicd *Qt den pohl unb üdqem. Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WW $ü heutige Nummer umjuht 8 Seiten. KcKanntmachung. Die am 24. Oktober v. IS. ongeordnete Sperre des KreuzunqSpunklea Bahnhofstraße—Wcstanlage wird hiennü für die Si.chtung o b e re B a h n h os st r a ß e — We sla a la g e— Reustadt aufgehoben. Gießen, den 20. April 1908. Großherzogtiaee ii-ujciamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Die Bahnhofstraße, zmijchcn Schanzenstraße uni^ Löwengaste, wird wegen Vornahme von ttanaltfattonSarbeiten von Vtiliivoch, den 22. d MlS. ab bt8 auf weitere« für den Fuhrwerks- und Fahrradoerlchr gefperrt. Gießen, den 20. April 1903. >a>coßherzogttck cs potizeiamt Gießen. Hechler. i 1 ■ 1 ------ Unsere Kreunde in ZSusymgton. Mit den Vereinigten Staaten ist wieder einmal alles (n Ordnung. Es war ein bedauerliches „Mißverständnis" deS Flotteiidepartenieiits, daß daS a m c r i k a n i s ch e Geschwader zwar nach Alarse^lte. aber nicht nach Kid gehen sollte. Präsident Roosevelt soll, wie wir gestern becerts ineldctcn, perj ältlich die Cache ins Gelds gebracht und bii Anwesenheit des Geschwaders bei den Kielet Festlichkeiten angeordnct haben. Der „Post" zufolge ist allerdings in Berlin an amtlicher Stelle noch n i ch t S d a vo n bek an n t; daß ein amerikanisches Gcschivader in nächster Zeit auf einer Rückfahrt auch Kiel einen Besuch ab- palten werde. Nach der Meldung eines anderen Ber- liner Blattes ries aber Roosevelt den deutschen Vertreter in V-ash.ngont, Frhrn. Speck v. Sternburg, telegraphisch an und versicherte ihm, daß der Besuch ui Marseille keine Kränkung für Tcuischlano sei. Das ist za freilich eine etwas seltsame Art, eine grobe Unhöflichkeit und Ungeschicklichkeit gutzumachen. Im g^wohnli(t>en Leben wird die Absage einer Einladung an der einen Stelle, die Annahme an einer anderen Stelle als eine Brüskierung betrachtet. Und die Begrüßung des Präsibcnten 1* o u b e t in Marseille durch das amerikanische Geschwader grüitdet sich nirlst emtnal auf c.iie osjtzielle Aussoroerung, fonbeen, wie das Reuter sche Bureau in einem Wchhaigwuer Tel.gr amm sich ausdrückt, au| den Wunsch des Flltteiidrparicmeuts, „dem 1$ cif .beulen Loubet und feinem Volke die gräßtmögli chste Eour - toisie zu zeigen." Sehr feinfühlig und auftnerksain. Um- sornehc aber verlebt der Mangel an Eourtoifie Deutschland gegenüber. Wir Mächten nun eine Wiederholung der Ein- loduiig an die Amerikaner nicht für zweckniäßig halten; es laßt sich ja noch garnickst absth.n, ob nicht in leyter Stunde w.ed.r „dienstliche Schwierigle.ten" den B such „unmöglich" machen. Die Anwesenh-.t deS omer.kanickstn Geschwaders bei den Kieler F-cstlichlliten kann ohne Schmerz entbehrt werden. Daß beißleid^n Besuche für die politischen Beziehungen sehr gering zu veranschlagen finb, das weiß man zur Genüge, denn nach den Ucberschwäilglichkeiten beim Besuch des Pr.nzen Heinrich in den Bereinigten Staaten müßten Amerikaner und Deutsche sckster ein Bock von Brü- dern geworden fein. Erscheint das Geschwader in Kiel, so kann cd natüilich auf eine gastliche Aufnahme rechnen. Tas Humoristische an dem Zwischenfall ist, daß von den amerikanischen Staatsmännern keiner es gewesen sein will, der die merkwürdigen, von Roosevelt korrigierten Anvrd- nungen erlassen hat. Mr. Woody, der Staa.bsckcetär der Marine, beteuert ebenso seine „warme Freundschaft" für Deutschland wie Staatssekretär Hay dies tut. Beide sind doll Verlangens, die vielfachen freundlichen AchtungS- berocife Deulfckstands für die Union zu erwidern. Wo steckt denn nun eigentlich in Washington das Mitglied der Regierung, das immer wieder die ehrlichen, aufrichtigen, überzeugten Freunde Deutschlands an der Betätigung dieser Gcs.nnungen hiiidcrt? Auch bei der De n e zue l a - Aktion war diese interessante Frage aufzuwerfen, sie ist auch bei Der G. legcnh.it unbeantwortet geblichen. In einem dl)man uon Tickens spielt eine Figur ein Haiidelsntaiin, der die ^'äne seiner gesck-äsllichcn Grundsähe aus einen rni)steriä,e>i Kompagnon schiebt und so auf bicfen nicht existierenden Dunkelmann den Groll der Kunden obladet: „Kompagiue" will es nicht — ick) täte es herzlich gern! „Kompagnie" ist so furchtbar streng. — An diesen nicht üblen Trick wird man zuweilen durch daS Verhalten der Washingtoner '.Regierung erinnert Jedermann ist Deutschlands Freund — logar Admiral Dewey entdeckt, weniisck-on nachträglich, sein „bewunderndes" Herz für die deutsckst Seemackst — jedermann ist geruhet von den deutschen Aufmerksamkriten. Ta ist es denn ein Rätsel, weshalb bei soviel gutem Willen und soviel Herzlichkeit die Miuverständnisse gerade im Bericht mit Washington kein Ende nehinen wollen. Zw.scheu deutschen und am er ikanischen Offizier e n hat wieder einmal ein Austausch iwn FreundschascS- lundgebungcn slatlgesunden. Zu Ehren des Grafen Divota, Kommaiidunien der „Gazelle", welche an der venezolanischen Blockade teilnahm, wurde an Bord des Kreuzers „Westvirginia" in Newport ein Bankett gegeben, an deni zahlreiche höhere Seeoffiziere und Parlainentarier teil- nahmen. Graf Lriolu beanUvoriete den Kaiser Wilhelm uiid Teulschlaiid gcwidmeten Triukwruch solgendermaßen: „Bon gew.ssen Preßtreibereien abgcs.h.n, exij.iert wirklich nichts, was die innige Z-reundschast zwischen den Bereinig- len Staaten und Deutschland zu stören vermöchte. Einen Wettstreit gieht cs allerdings zwischen beiden Böckern, aber friedlich ist er, und er soll es bleiben." Diesen Worten folgte großer Beifall, der sich zum EnthnsiasuiuS steigerte, als Der ehemalige Marinestaatssekretär Ehandler ausries: ,'lhree cbeeie for our gernian (neuda.“ Uulilifrtje Tagesschau. Herrfcherbkgkgnua-ell und Handelsverträge. Man schreibt uns aus Berllii, 20. April: Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, ist ein Besuch Kaiser Franz Josefs in Berlin in diesem Jahre nickst uliwahrsck-cinlrch. Sollte die Einladung in der Tat ergangen (ein, dann darf wohl angenommen werden, daß Kaiser Wckhclm auch durch diese Begegnung die Besiegelung der neuen Handelsverträge zum Ausdruck zu bringen wünscht. In ähnlichem Sinne deutet man den bevorstehenden Besuch des Kaisers in Rom. Dann würde aber noch ein Zufamnientrefjen mit dem Zaren in Frage kommen, denn auch mit Rußland will Deutschland bad Handelsvertragsverhältnis erneuern, und dieser Vertrag ist vielleickst der wichtigste. In parlamentarischen Kreisen begegnet man beiläufig der Auffassung, daß der russische Haiiodsvertrag zuerst zur Beratung aefiellt werden wird. Die Regierung, so meint man, werde wohl mit diesem vermutlich am meisten umstrittenen Vertrage die Kampfära einlciten, weil die anderen Verträge bann leichter durch- zubringen sein würden. Tie Derliaer RcichSiagSkaudidale« sind nunmehr alle ausgestellt rooruen. Das B.ld sieht demnach wie folgt aus: L Berliner Wahlkreis: Vereinigte Rechte: Generalmajor a. D. Bartels, (reif. Dollspartd: Stadtältester Kampf (bisher Langerl-ans), Soz.aldcmvkraten: Dr. Lev Arons, der ehemalige Berliner Prioatdvzcnt; 2. Wahlkreis: Vereinigte Rechte: Prof. Dr. Adolf v. Wcnck- iern, freif. Vvikspartei: Lic. Pastor Graebner (Berlin), Soz.: sZisck-cr (bisheriger Vertreter); 3. Wahlkreis: Vereinigte Rechte: Schriststerler Wegner, freif. Dollspartei —, Soziald. : Singer (bisheriger Vertreter); 5. Wahlkreis: Vereinigte Reckste: Verleger Bruhn, freif. Volkspartei: Dr. Zwick (bisheriger Vertreter), Soziald.: 'Robert Schmidt; 6. Wahlkreis: Vereinigte Reckste: Rechtsanwalt Ulrich, Soziald.: Ledebour ibiöheriger Vertreter). Die yer f Klitterung unter den bürgerlichen Parteien, über dre die offiziöse „Äkordd. Allg. Ztg." unlängst Klage führte, mackst (ia) auch in der Rcichühaript- iiabt geltend. An Ansätzen zur Einigkeit bat es nicht ge- ,ehlt, aber fic sind gar bald ivieder in die Brüche gegangen. Aussicht, gegen die Sozialdemokratie das Feld zu behaupten ober zu erobern, besteht in Berlin nur für die 3reifmnigen. Die Konservativen der verschiedenen Schat- ncrungen hätten ihre Wahlck-anec nicht verschlechtert, wenn sie von vornherein auf die Aufstellung eigener Kandibaten verzichtet hätten. Zum Teil i|t von Seiten der rechtsstehenden Parteien so entsch.eden gegen die freisinnigen Kandidaturen Steilung genommen worden, daß wohl auch diesmal bei der Stichwahl in den Wahlkreisen 2, 3 und 5 viele Konservative der Abstimmung fick) enthalten werden, was natürlich dem sozialdemokratischen Kandidaten zugute kommt. Trotz der lonservativen Wahlparole „Gegen die Sozialdemokratie!" Nur der erste Wahlireis ist auch diesmal sicherer Besitz der Freisinnigen. Die Sozialdemokraten hingegen find aus den Arbeitervierteln des Ostens und Nordens, oen Wahlkreisen 4 und 6, nicht zu verdrängen, und auch die deiiackstiarten großen Londtreise Teltow unb Niederbarnim mit ihrer beträchtlichen Arbeiterdevolkerung luerben der äußersten sinken fckstvcrlich abzuringen (ein. DaS Wahlbüchleiu zur ReichStagSwahl 1903, das eben von dem Borpande der Deutschen konservativen Partei ausgegeben worden ist, schreibt über Eugen Richters Freisinnige Volkspartei, nachdem Die prinzipiell gegensätzliche Stellung zuvor klar uno turz Hervorgehoben woroen ist: „In benjenigcn Kreisen aber, rn denen Die Entscheidung zwischen eurem Kandidaten der freisinnigen Vollspartei, gegen einen Sozialdemokraten, Nationalsozralen oder Wadelirrumpfier zu treffen ist, wird von konjervativer Seite stets für das londidierende Mitglied Der Rickstersckstn Partei einzutreten fein. Die frei- ।innige Volkspartei ist ein ehrlicher Gegner, von dem man weiß, wen man vor sich hat; er buoet in dieser Hinsicht einen bebeutetioen Grgensatz zu der freifiiuügen Bereinigung, die mck Hinterlist uno unehrlichen Mitteln tämpfL... Wir betrachten, im Vergleich zu den übrigen OpposutoiiS- parteren, dce Rickstersche Gruppe wegen ihrer yaitmig gegenüber Der Sozialdemokratie als das kleinere liebet Die freisinnige Vottspartei hat für Die bevorstehenden Wahlen, und schon bei Der LbsiruktionSiampagne, entschieden unb unjiveiocutig gegen Die Soziaidenrotratie Stellung ge- nonimen." grulfdjts Acich. Berlin, 20. ^prit Der Kaiser besuchte heute den Staatssekretär Fihrn. v. Nichthosen, hörte später im Schloß Den Vor trag des r^hefs des Eivilkabinetts v. Lucanus unb empfing hierauf den Marinemaler Professor Hans Bohrdt in Geaenwart des Staatssekretärs v. Tirpitz und des Ehefs des Marinekabinetts v. Senden-Bibran. Kurz darauf empfing der Kaiser den früheren deutschen Botschafter in Wien, Fürsten Eulenburg, in Audienz. — Der Kaiser wird am Mittwochvormittag no,ch Gotha ab reifen, dort dem jungen Herzog von Sachsen- Eolurg-Gotha sowie dem Prinzregenten einen kurzen Besuch abstatten und dann die Weiterreise noch der Wartburg FcuiUtton. Vom Anti-Alko holkongreß. Unter den letzten Vorträgen ragte nur noch der von Prof. Peter Behrens, dem Direktor der Kunstgemerbeschule in Düsseldorf, früher in Darmstadt, hervor. Er sprach über Alkohol und Ku n st. Durch den Alkoholgenuß wird die kritische Urteilskraft beeinträchtigt. Je mehr durch die Enthaltsamkeit der kritisl/e Instinkt geschärft, der Sinn allem Oberflächlichen abgeroenoet, allem Tiefem zugewcndet wird, umfomchr wird der Mensch Verständnis gewinnen für die [eheimsten Offenbarungen der Kunst. Gerade die Künstler ind, wie Smith sagt, jensiblen Herzens. Diese Empfind- ichkeit erklärt ihre gesährUcbe Reaktion gegen den Alkohol. Selten kommt es vor, dag ein genialer Mensch nicht an ben Folgen des Alkoholismus zu Grunbe geht, wenn auch Familie und Mitwelt fick» bemühen, den Untergang ganz andern Ursachen zuzuschreiben. Behrens wünscht, Dag gerade Die Kulturforbcrcr nicht untergehen. Daß sie den Widersacher Alkohol übcrwrnden, denn dann smd von ihnen die Höchstleistungen zielbewußter Arbeit zu erwarten. — Zn der Besprechung des Themas „Erziehung und Schule im Kampfe gegen den Alkohol.srnus" ergri f auch Oberprimaner Pe tersen (Haubinda, Thüringen), Vertreter der abstinenten SchülerverdänDe, das Wort. Er führte aus: Die abstinenten SckMerverbind- ungen haben in München ihren Anfang genommen, sie feien aber sehr bald von der Obrigkeit unterdrückt worden. (Hort!) Es habe sich alsdann eine abstinente Schüler- Verbindung, genannt „Francon.a", in 'Nürnberg gebildet, die auch niehlfach 'Jia^,üi)mung gesunden i,abe. ^ugerd-m fei auf Anregvlig des Soi-nes des Pros.s ors F-orei in .. au- binbu eine abfnnente SaüherDerbinbuiig, genannt „Germania", ins Leben gerufen werden, die ebenfalls Nachahmung gefunden habe. In Nürnberg, München, Bonn I und Sckstverin fei die Verbindung unterdrückt worden. Es, fei doch bedeutend leichter, Schüler als Erwachsene zu Abstinenten zu machen. Möge daher der Kongreß den absnnenten Schülerverbindungen seine tatkräftige Unterstützung zu teil werden lassen und dafür sorgen, daß die Lehrer diese Bereinigungen nickst mit Hohn und Spott behandeln. (Stürmischer Beifall.) Der Redner teilte noch mit, daß die Schülerverbindungen die Herausgabe eines Korrefpondenzblattes beabsichtigen. Frau Eich holz (Hamburg, meint: Man appelliere an die Mitarbeit der Frau, deren Einfluß g.he aber wenig über die Kinderstube hinaus. (Widerspruch.- Wenn man haben wolle, daß die Frau mitarbeite, Dann wirke man dafür, daß die Frauen in die Schuld».Hörden, Schulkommissionen ufw. gewählt werden. (Be.sall.) Lehrerin Fräulein Duensin.g ^Hannover) teilte mit, daß die männlichen L.hrer noch vielfach die Abstinenzbewcguna mit Hohn und Spott überschütten. Dor einiger Zeit habe man auf einem Schüler fest Die abstinenten Schüler zum Siermiuen zwingen wollen. Es sei daher zum F-austkamps getonunen, in dem, wie immer, die Abstinenten Sieger blieben. (Stürmischer Beifall und Heiterkeit.) Die Lehrerin Fräulein Lischnewsk a- Spandau teilte mit: Sie sei zu dem 80. Geburtstage des Fürsten Bismarck in Friedrichsluh gtroqen. Es hauen sich zu demselben auch zahlreiche Studenten eingefunden. Diese haben sich nach beenDeter Feier gründlich b e- trunken, und seien alsdann nach Hamburg gefahren. Dort haben sie weiter gekneipt und wie ihr mitgeteilt uorb.n, in Freudenhäusern die ärgsten Orgien gefeiert Es sei das umsomehr zu verdammen. Da D.ese jungen L.ute berusen seien, dereinst Die höck)sten Staatsstellungen zu betieu)en. Wenn ein gesundes G.schlecht und ein gures Familienleben her gestellt werden solle, dann müssen die Mütter ihre Söhne zu tugendhaften, enthaltsamen Menschen erziehen. Nur bann werde cs gelingen, den Alkoholismus auszurotten und den jungen Männern die erforderliche Achtung vor dem weiblichen Geschlecht anzu- erzichen. (Lebhafter Beifall.) — Dem Kongreß gingen einige Zuschriften zu. Eine Postkarte lautet: „Sehr geehrte Herren! Dem Ochs.n giebt das Wasser Kraft, Dem Menschen Sier und Rebensaft, , Drum laßt uns trinken Bier unD Wein, Denn niemand will ein Rindvieh sein! Stammtisch „Saurer Hering". Ein Stammtisch in Stettin schreibt: „Den braven Theoretikern bringen ein kräftiges Profit fünf alle Praktiker!" (Stürmische Heiterkeit) Eme weitere Karte lautet- Noch eine Sage! Es lebe Oberbürgermeister Struck- mann!" (Stürmische Heiterkeit Kufe: S^r gut! da hat er die Quittung für feine Mäßigkeit!- Aus Berlin ist ein Telegramm eingclaufen folgenden Inhalts. „Unterzeichnete geftaikn sich Ihre ideale Bewegung mit vollen Kräften ku unterstützen, indem sie allen cklk^hol zu vertagen sucht Burschenschaft der Klofteraner Berlin." (Große Heiterkeit.) Eine neue Cpere tte „Maöame Sherry", kam dieser Tage zum erj.enmalc im Theater am Gärtnerplatz in München zur ersten Ausührung. Das Libretto ist äußerst hi|iig und geschickt gc.maast und auch die Musik vermag wegen ib.er £rißin(uuät zu interessieren, und doch kann man sich, nach der „Münch. Ztg.", Des Gefühls nie enoehren, daß Libretto und Musik eigentlich gar nicht zusammengehöreii, fvUDern baß jebe» für sich etwas vom rcr MisL- ung von fran^. , .1 uno w.ene.i^chem Stil, wächst niegt organisch aus beni Libretto heraus. cm treten, wv Vie Ankunft nachmittags erfolgt Seinen Aufenlhalt hort ßäenft der Kaiser bis zum 26. d. Mts. 'Lu^ubefyncn. — Gut^n Vernehmen nach steht ein abermaliger Besuch -es Kronprinzen von Dänemark am Berliner Hofe im Juni bevor. Der Kronprinz wird mit seiner Gemahlin auf der Rückreise von Nizza nach Kopenhagen Mitte Juni auf Einladung des Kaisers hier Station machen, um einige Tage zum Besuche bei ber Kaiserlichen Familie zu verweilen. — Die der „Post" berichtet wird, ist der Großherzog von Oldenburg an einer Mandelentzündung, ver- Lunden mit influenzaartigen Erscheinungen, erkrankt — Reichslanzler Gras v. Bülow ist heute hier wieder eingetrvfsen. ,, — Ter Präsident des Reichstages, Graf v. Balle- strem, der heute in Berlin eintressen sollte, ist mit dem Zuge im Schnee st ecken geblieben. — Ter vom nationallib. Abg. Dr. Hoffman n - Dillenburg erstattete Bericht über den Entwurf betreffend weitere Abänderungen des Krankenkassenver sicher- ungsgeseßes umfaßt 52 Druckseiten. Es sind darin ausführlich die Aeußerungen der Bundesratsbevollmach- ttgten über deren Stellungnahme zu einer Gesamtrevision des Krankenkassengesetzes niedergelegt. Mit dem vorliegenden Entwürfe soll nur das zunächst Dringliche erreicht werden; eine umfassende Krankenkasseii-Novclle, welche auch die Stellung der Aerzte und Apotheker zu Krankenkassen ordnet, wird sobald als möglich dem Reichstag in der nächsten Legislaturperiode vorgelegt — Dun den 433 Mitgliedern des preußischen Abge- drdnetenhauses stehen im Alter von 70 bis 80 Iahren 45 Abgeordnete, über80Jabre8 Abgeordnete. Dresden, 20. April.. Nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen wird der König von Sachsen voraussichtlich am 23. ds. Cardone wieder verlassen, in Men vom 27. bis 29. April, in München vom 29. bis 1. Mai und in Stuttgart vom 1. Mai bis 2. Mai zum Besuch des Kaisers Franz Josef bezw. des Prinzregenten von Bayern und des Königs von Württemberg verweilen. München, 20. April. Nach der „Augsb. Abendztg." findet voraussichtlich im Mai in Nürnberg eine Konferenz der beteiligten Mainuserstaaten wegen der Mainkanali- s i e r u n g aus der Strecke O f f e n b a ch - A s ch a s f e n b u r g statt. _________ Kirche und Schule. — Die diesjährige große deutsche General-Versammlung des evangelischen Bundes findet in Ulm a. d. D. voraussichtlich vom 5. bis 8. Oktober statt. Peteröburg, 20. April. Der Kaiser stellte für eine weitere Schulreform folgende Grundlagen fest: Die klassischen Gymnasien bleiben bestehen, jedoch soll in der Mehrzahl der Anstalten Griechisch nicht obligatorisch sein. Die Absolvierung eines Gymnasialkursus berechtigt zum Unioersitätsstudlum. Die Beendigung siebenklassiger Real- schulen giebt em Anrecht auf die höhere technische Bildung und die der geplanten sechsllassigen auf den Staatsdienst in der Provinz. Tie technische Fachbildung ist möglichst zu für- dern. Eine besondere Aufn»erlsamkeit ist der Hebung der religiös-sittlichen und patriotischen Erziehung durch die Schule zuzuwenden. Es sind ferner Maßnahmen zu treffen, daß d,e Lehrer eine der Schulreform entsprechende Ausbildung erhalten. Für die Schüler gewissey Gruppen von Lehranstalten sind Pensionsanstallen einzurichten. Ausland. Haag, 20. April. Man will von einem hohen Hof- -eamten ersahren haben, daß Königin Wilhelmina sich in gesegneten Umständen befinde. Paris, 20. April. Jaurös gab den Arzt Brissaud als Gewährsmann dafür an, daß General Mercier einer Pariser Familie das mit der g e f ä l s ch t e n R a n d g l o s s e Kaiser Wilhelms versehene Bordereau gezeigt und dieses Photogramm als wichtiges Beioeisstück gegen Drey- fus erklärt habe. Brissaud würde, amtlich vernommen, die Aeußerung umständlich wiederholen. — Jaurös beschäftigt sich in einem längeren Artikel mit dem Kaiserbries und verösfentlicht einen Bries des Herrn de Bonbon, welcher eine Unterredung mit dem Obersten Stössel wiedergegeben hatte. Stössel hatte angegeben, der Graf von Münster habe ihm gegenüber behauptet, der Kaiserbries sei echt Jaurös dementiert diese Behauptung. — Die von der nattonalisttschen Presse begonnene Protestkampagne gegen den bevorstehenden Besuch des Königs von England nimmt täglich zu. Die gesamte chauvinistische Presse fordert entweder zur Manifestation auf, oder empfiehlt dem Publikum, durch ver- achttiches Schweigen feine Gesinnung zu bekunden. — Wie aus Mentone berichtet wird, verläßt Expräsi- bent Krüger am 17. Mai Mentone. Pastor Heymans ist beauftragt worden, für den Präsidenten Krüger einen Minterausenthaltsort ausfindig zu inachen. Wie aus Pretoria berichtet wird, soll das Landhaus des Präsidenten Krüger in Pretoria für den Preis von 100 000 Francs ver- steigert worden sein. Madrid, 20. April. Die marokkanischen Aufständischen bestehen aus der Auslieferung des marokkanischen Zollamtes in Melilla, da die Herrschaft des Sultans am Riss nicht mehr bestehe. Gerüchtweise wird behauptet, daß der Prätendent eine drohende Haltung angenommen. Die gesamte spanische Presse ist der Ansicht, daß die Lage in Marokko äußerst ernst ist. Wie berietet wird, sind mehrereeuropäischeRei sende von Ma» roklanern ermordet worden, was eine Intervention der Mächte nötig machen dürfte. Rom, 20. April. Ter Papst beklagte sich den fron- zösischen Pilgern gegenüber, die er gestern empfing, bitter über die Lage des Katholizismus in Frankreich. Unter Tränen sagte der Papst: 95knn Frankreich fortfahren wird, sich von feinen religiösen Traditionen abzuwenden, dann ist es verloren. Wien, 20. April. In der Hofpfarrkirche wurde beute tormittag die Vermählung der Erzherzogin Eli» s a b e t h A m a l i a mit dem Prinzen Alois Liech- t e n |"t e i n vollzogen. Der Feierlichkeit wohnten bei, der Kaiser, die Erzherzoge und Erzherzoginnen, Prinz Arnulf von Bayern mit Gemahlin und Sohn, die nadmen Verwandten des Bräutigams, die obersten Hofwürdenträger, die Minister und bie Generalität — Zu Ehren des Kronprinzen von Dänemark war ain Iuichmittag bei dem dänischen Gesandten ein Festmahl, zu dem der Ministerpräsident v. Körber und b»- txAuiiÄft. ÄotldxLfter aaladen waren. — In der heutigen Sitzung des niederöstreichischen Landtages kam es bei der Debatte über Annullierung des Mandates des Amstettener Abg. Schmidl zu Skan - d a l s z e n e n. Ter Christlichsoziale Diehlolowek griff unter dem Beifall seiner Parteigenossen heftig den Richterstand des Bezirkes St Poelten an und besonders den Bezirkshauptmann von Amstetten. Als der Statthalter Kielmanns- egg den letzteren gegen die Angriffe verteidigte, entstand bei den Christlichsozialen eine große Erregung. Stürmische Rufe gegen den Statthalter: Hinaus, er darf hier nicht ö reden! ertönten. — Gestern fanden in Lemberg anläßlich des 109. Jahrestages des Warschau er Auf stand es lärmende Kundgebungen statt Am Vormittag wurde eine Fest- verfammlung veranstaltet, welcher der Bürgermeister und Zahlreiche Würdenttäger beiwohnten. Am Abend sammelten ich Hunderte von halbwüchsigen Burschen an und durchzogen lärmend die Stadt. Ansammlungen vor dem russischen Konsulat und dem Golucl-owski-Tenkmal wurden von der Polizei verhindert; auck vor dem deutschen Konsulat waren Vorsichtsmaßregeln gettoffen worden. Lett in je, 20. April. Nach einer hier eingetroffenen Meldung Haden die Albanesen in Skutari zwei christliche Beamte durch Revolverschüsse schwer verwundet. Die Attentäter sind entkommen. Ottawa, 20. April. Die kanadische Regierung teilte den beteiligten Kreisen mit, daß sie die vor dem 1. Juli zur Verzollung gelangenden Sendungen aus Deutschland vom Zujchlagszoll auszunehmen beab- ichttge, sofern die betreffenden Bestellungen vor dem l7. April in die Hände der deutschen Exporteure gelangt ind. Aus §tüi)i uni» £unD. Gießen, 21. April 1903. — Versetzung in den Ruhestand. Wie uns soeben ein Privattelegramm aus Darmstadt meldet, hat S. K. H. der Großherzog am 18. d. M. lt. amtl. Bekanntmachung der .Darmst. Ztg." den a.-o. Prof, bei der jur. Fakultät der Landesuniversität, Dr. Joh. Bapt. Braun, mit Wirkung vom 1. Mai d. I. in den Ruhestand versetzt. *• Heinrich Jac. Vogt f. Heute nacht starb hier der Ottsgerichtsmaon Heinrich Jacob Vogt im 67. Lebensjahre. Der Verstorbene gehötte längere Jahre der Stadt- verordneten-Versammlung an und mar in mehreren Deputationen hervorragend tätig. Krankheit zwang ihn vor mehreren Jahren, sein Stadtverordnetenmandat niederzulegen. Vogt entstammt einer alteingesessenen Bürgerfannlle; sein Vater war bis zur Einführung der Städteordnung Bürgermeister der Stadt Gießen. •* Daö Großh. Regierungsblatt Rr. 26 enthält 1. Bekanntmachung, die Dienstbücher der Schiffsmannschaft auf deutschen Rheinschiffen betreffend; 2. Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber betreffend; 3. Bekanntmachung, Einführung des Lokomotiv- betriebs auf der in der Gemarkung Rieder-Ramstadt gelegenen Schmalspurbahn der Firma Odenwälder Hattstein-Jndustrie betreffend; 4. Berichtigung. St. A b s ch i e d s s e i e r. Eine stille Wehmut hatte sich wohl der m.tjien derjenigen b.n.ächtet, die sich Hute im Neuen Saalbau Derfanuncii hatten, um zum letztenmal mit zwei Männern vereint zu sein, die zum Wohl der Stadt, des Kreises und der Proviiiz jahrelang ihre Kräfte eingesetzt habem ,Lweier starker Stützen" sieht sich Provinzial- direktor Dr. Breidert durch den Weggangvon Baurat Stahl und Prof. Dr. Luciu s auf einmal beraubt Nachdem der Vorsitzende bei der Feier, Dr. Breidert, im Anschluß an einige herzliche Abschiedsworte ba$ Hoch auf Kaiser und Reich ausgebracht hatte, hob Landgerichitsrat Schäfer die Verdienste von Daarat Stahl für Stadt und Kreis Gießen hervor. In den verschiedenen Ansprachen, die im Verlaus der Feier weiterhin noch erfolgten, kamen fortgesetzt die Sympathien der Kreise zum Ausdruck, die mit beiden Herren in amtlicher ober persönlicher Beziehung geftanben haben. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die längere Ansprache des Vorsitzenden des Gießener Lehrervereins, Herrn Lehrer V. Müller. In seinen herzlichen Worten, bie wohl bie Stimmung ber gesamten Lehrerschaft bes Kreises wiebergegeben hat, führte er aus, baß es Pros. Dr. Lucius während seiner siebenjährigen Tättgkeit im Kreise Gießen verstanden habe, sich bie herzen aller seiner Lehrer zu erringen. In würdigster Weise habe er bie von seinem Vorgänger übernommene Erbschaft verwaltet Liebenswürdigkeit, Gerechtigkeit und freundliches, vertrauensvolles Entgegenkommen, das waren bie stärksten Momente, bie in seiner Persönlichkeit immer toieber hervortaten. Pros. Lucius war keiner von den Vorgesetzten, bei deren Anblick es sich wie ein Alp auf bie Brust bes Untergebenen legt Als Feind jeglicher pedantischen Schablone und bureaukrattschen Bevormundung, durch welche bie Schule zur Maschine herabsinkt, zeigte er sich Lehrern und Kindern gegenüber stets als liebenswürdiger, wch.wollender Berater. Ter Redner schloß mit dem Wunsch daß auch im neuen Wirkungskreise dem Scheidenden die Herzen seiner Untergebenen so vertrauensvoll entgegenschlagen möchten, wie es seither hier der Fall gewesen, daß auch auf dem neuen Arbeitsfeld feine Tättgkeit mit vollem Erfolg gekrönt fein möge. — Zur Verschönerung der Feier, die sich bis in die Nacht ausdehnte und in würdigster Weise verlief, trugen bie Bauer sche Kapelle und die Gesangsabteilung des Beamten- Vereins bet Letztere trug unter der bewahrten Leitung des Herrn Görlach einige stimmungsvolle Lieder in an- sprechender Weise vor. Dafür fei an dieser Stelle herzlichster Dank gesagt; den scheidenden Herren aber rufen wir noch ein recht herzliches ,ficbt wohl!" nach - Don den zur Einziehung gelangenden Münzen waren Ende März dieses Jahres noch im Verkehr für 3.7 Mill. M. halbe Kronen, d. i. bei einer Gesamtaus- orägiing von Münzen dieser Att in Höhe von rund 28 Mill. M. 13.2 Proz. der überhaupt in Umlauf gesetzten goldenen Fünfmarkstücke, für 5.5 Mill. M. silberne Zwanzig. Pfennigstücke oder 15.4 Proz. der mit 35.7 Mill. M. im Umlauf gesetzten Münzen dieser Art und für 0.8 Mill. M. Nicke l-Zwanzigpf enntg stücke ober 19 Proz. der überhaupt im Betrage von 4.2 Mill. M. vorhanden gewesenen. Bitzher ist die Einziehung verhältnismäßig immer noch für die goldenen Fünfmarkstucke am ausgedehntesten gelungen. Aus der Wetterau, 20. April. Dem ersten Hasensatz, welcher infolge trockener Witterung gut durchgekommen war und zu den besten Hoffnungen berechtigte, ist durch die Kälte der letzten Tage mit ihren Schneestürmen (bis zu 4° Kälte R.) arg mitaeieielt worden. In manchen Gemarkungen der westlichen Wetterau fanden Lanvwtrre hier uno oa jungt bäslein erfroren. ed. Darmstadt, 19. April. Heute Vormittag wurdl im Saale der Stadt Pfungstadt die Vetteilung der durch den hiesigen GesellenprüfungsauSfchuß ausgefettigten Ge- ellenbriefe ausgegcben. Sie fielen auf nachstehend Genannte: Weißbinder 10, Maler und Lackierer 9, Spengler und Installateure 8, Feinmechaniker 6, Maurer u. Schreiner je 4, Schlosier 6, Maschinenschlosser und Wagenlackierer je 3, Schmiede, Wagner, Zimmerlenle je 2, Gättner, Kürschner, Sattler, Stuckateure, Tapezierer Pstästerer je 1, — zusammen 64. Namens der Stadt hielt Beig. Baurat Jäger eine Ansprache. NamenS der Handwerkskammer sprach Stadtv. Rockel, für den Ausschuß der Vorsitzende, Ph. Hillgart. ner. Mit ber Vetteilung war eine Ausstellung einer An- j ahl sehr hübscher Gesellenstücke verbunden. Langendiebach, 20. April. Der Taglöhner Joh. Fr. Zins aus Klausmarbach im Kreise Hünfeld wurde heute morgen hier wegen Bettelns festgenommen und inS Haftlokal gebracht. Als man ihm den Kaffee bringen wollte, fand man ihn erhängt. Mainz, 20. April. Recht empfindliche Kälte wechselte gestern nut zum Teil heftigem Schneefall. Die Befürchtungen, baß das Wetter großen Schaben an Bäumen und Sträuchern angerichtet habe, trifft für unsere Gegend bis jetzt nicht zu. Vielmehr wird es darauf ankommen, was der nächste Monat rür Wetter bringt. Frankfurt, 19. April. An der General versamm- lung des Hessischen LandeSrechner-VerbandeS, die heute im Saal des .Storch" hier stattfand, nahmen über 100 Mitglieder teil. Ten Vorsitz führte der Verbandsoor, itzende Rendant Wolfschmidt-Schotten. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der.ReichSanz." veröffentlicht die Erkennung des Landrats Dr. jur o. Meister aus Homburg v. d. H. zum Geh. Reg.-Rat und vottragendcn Rat im preuß. Ministerium deS Innern. Vermischtes. "Köln, 20. April. DerReferendar Camphausen, der im 59. Attillerieregiment dient, hat sich erschossen. Uebcr die Beweggründe der Tat kursieren die verschiedensten Gerüchte. Angeblich liegt ein amerikanischeSDuell vor. " Kattowitz, 20. April. Beim Lösen eines Böller- chusies anläßlich eines Festes fiel dem Arbeiter kurdziel in Plaza bei Chrzanowo ein Funken auS der Tabakpfeife ins Pulver. Kurdziel, seine Frau und drei Kinder wurden auf der Stelle getötet, zwei andere Kinder starben auf dem Transpott ins Krankenhaus. Em Wohnhaus stürzte em, die Trümmer verbrannten. • Paris, 20. April. Der Deutsche, Schmidt, der auf der bayrischen Gesandtschaft einen Einbruchsdiebstahl verübt hatte und nach England geflüchtet war, ist aus- geliefert und gestern in Calais von französischen Gendarmen in Empfang genommen worden. • Genua, 20. April. Wessel wurde in das Gefäng» nis in Genua gebracht und der GettchtSbehörde überwiesen, welche zu entscheiden haben wird, ob eS sich um ein gewöhnliches oder politisches Verbrechen handle. Im letzteren Falle wird der Auslieferung nicht stattgegeben werden. "Riva (Südtirol), 20. 9lpril. Hier entstand durch einen losgelasienen Luftballon ein Waldbrand. Derselbe nahm einen gewaltigen Umfang an. • Zur Konitzer Mordaffäre wird noch gemeldet: Die in der Abottgrube der städtischen Knabenschule gefundenen Gamaschen befinden sich, wie schon mitgeteilt, in Prech- lau bei den Eltern des ermordeten Ernst Winter zweck« genauerer Feststellung, ob sie wirklich dem Ermordeten gehötten. Es wird indes mit ziemlicher Bestimmtheit angenommen, daß sie Eigentum des Toten sind, da sie in gutem Zustande an die jetzige Fundstelle gebracht worden sind, und ihre Größe mit der, wie sie Winter getragen haben konnte, überemftinunt. Irgend welche Folgen hat die Auffindung der Knochen und der Stiefel bis jetzt nicht gchabt. Was man längst wußte, hat sich bestätigt. Der Täter ober die Täter haben Leicheu- teile und Kleidungsstücke möglichst verstreut. Eine Handhabe, gegen irgend jemand vorzugehen, bietet sich bi« jetzt der Staatsanwaltschaft ebenfalls nicht. Nur ein glücklicher Zufall kann ihr zu Hilfe kommen. • Ein Schnellzug der Eriebahn (Nordamerika), der von Chicago nach Newyork abging, fuhr bei Redhouse im Staate Newyork mit voller Geschwindigkeit in einen Güterzug. Drei Schlafwagen und zwei andere Waggons des Schnellzuges gerieten in Brand. Zwei Frauen und ein Kind tarnen in den Flammen um._____________ ^luivcrlitüls Nachrichten. — Dem Lr. W. Schli nk in D a r m fl a d i wurde die venia legendi für Mecbanik an der Darmstädter ledjmjdjen Hochfchule erteilt. — Aus Atarburg wird geichrieben: Ter Prioatdo.ient Protestor Dr. W e ch I f l e r auS Halle ist beauftragt worden, während des eommcilemefierS 1903 und des Wmterfemester41903 04 Borlejnngen und Hebungen über romanische Philologie zu hallen. — Amtlich wird bekannt gegeben, daß dem a. o. Prviesfor Tr. K r ö n r g in Leipzig das erledigte Crbmariat für Gynäkologie an der Universität Jena übertragen worden ist. — An der Wiener Theresianischen Akademie rourbe ein Lehrstuhl für alba- nestfche Sprache emd)tet und auf demselben Tr. phil. Petmezovic aus Cd)xiba berufen. — AlS Privatdozenlen wurden zugelasfen: Tr. I. Grünwald an der philosophischen Fakultät und Tr. Sternberg an der medizinischen Fakultät der Universität Wien und Tr. Th. Müller an der inedinnischen Fakultät ber Uui- oersität Graz. — Professor I. Tauf in i in Palermo, einer ber bebcuienblien Chirurgen Italiens, rourbe al« Nachfolger bes verstorbenen Prof. Bottim auf den Lehrstuhl für Chirurgie an der Universität Pavia berufen. — Ter Rezitator Tr. Emil Milan au« ,Frankfurt a. TL ist zum Lektor für Vonragskunst in der philosophischen Fakultät der Berliner Universität berufen worden. Milan studierte seil dein Wintersemester 1899 an der Züricher Universität und promovierte dort vor einigen Tagen. — Ter Großherzog von Baben bat dem ordentlichen Pro» fefior ber technischen Physik an ber Technischen Hochschule, Vorstand der Großh. Landesgewerbehalle in Karlsruhe voirat Dr ph 1. Heinrich Meibinger den Tuet als Geh. Hoirat verliehen. Aleibuiger ist 1831 in Frankfurt a. M. geboten, studierte Physik und Chemie m Wiege n, Heidelberg, Pans und Berlin. Mit emer Schrift: „lieber voltameirilche Messungen" promovierte er 1853 in Gießen zum Ut. phil. 1857 babilmcrie er sich in Heidel- berq für Technologie und dozierte bort bis Ende 1864. 1865 wurde er nach Karlsruhe al5 Dorfrand bet neugegründeten Landes. Reichsgcrichtsbricfe. (Nachdruck verboten.) H. tt. Leipzig, 20. April. Sin gefährlicher Wildschütz. Ter Handarbeiter vilhelm Pfeil wurde nm 2. Dlarz d. IS. vorn Schwuraerichl ju Sieben wegen versuchten Totschlags und unbefugter Iagdaus- Übung verurteilt. Seine Revision gegen dieses Urteil stutzte sich auf die Rüge formaler Rechtsnormen. Zunächst sei das Augen- scheuisprotololl vorn 16. Januar d. IS. nur teilweise verlesen worden und zwar mit Ausnahme eines Satzes, der kenntlich gemacht worden se», wie es im Litzung-protokolle heißt. Aus der (tiflänmg des Gerichtshofes geht hervor, daß ausdrücklich vor Begum der Lerlesung verkündet wurde, daß der durch Blaustift bezeichnete Say nusgelasfen werden solle. — Wetter wurde gerügt, dau mehrere Zeugen, bereit Vernehmung bereu- abgeschlossen war, ohne nochmalige Vereidigung ober Berumng aus den bereits früher geleisteten (iib, nochmals vernommen worden seien. Ter Reichs- amoaU erklärte die Besch,verdcn für hinfällig, da in der Hauptverhandlung kein Antrag aus Verlesung diese-^ayeS aeslellt wordeti sei, der übrigens gar nicht zu den herbeigeschaislen Beweismitteln gehöre, da daS Augenscheinsprotokoll einen Teil der Boruntersuchung bilde. Auch würbe es durchaus unzuträglich fein, wenn bei nochmaliger Vernehmung mehrerer Zeugen wegen einer Hauptverhandlung die ILtde sich häufen wurden, wie es die Revision fordere. Im Einklänge mit diesen Ausführungen erkannte der erste Strafsenat aus kostenpiltchtige Verwerfung der Revision des Angeklagten. — Wegen Meineids wurde der Schneidermeister peumd) H orr amb. MärtdLS. vom Schwurgericht (Dieben unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr drei fUlonaten verurteilt. Ter Angeklagte war in einer Ltrafprozedur gegen Ofterleg wegen unbefugten Jagens al6 Entlastungszeuge vernommen worden, seine Aussage haue aber gleich den Eindruck der Unwahrheit erweckt, der sich allmählich zum bringenden Verdacht verdichtete, aus (Drunb bessen bas Hauptverfahreti gegen ben Entlastungszeugen eröffnet würbe. Ter Gerichis- l)of zog zu (Dunften des Angellagten strafmildernd in Berücksichtigung, daß der Angeklagte sich durch Angabe der Wahrheit selbst einer strafbaren Handlung hätte bezichtigen müssen. In feiner Revision rügte der Angeklagte lediglich prozesfuale Rechtsverletzung, indem die Verurteilung laut Urteilötenor Auin Teil auf Grund anderer Paragraphen erfolgt sei, alS der EroffnungSbeschluß an- sichre, ohne bay ber Beschwerdeführer nach den Bestimmungen der Sl.-P.-L. auf die Veränderung des rechtlichen (Sesichtspunktes aufmerksam gemacht worden sei. Der Reichsanwalt erachtete die Be- chwerde für unbegründet; denn wenn auch als richtig zuzugeben sei, daß eine Belehrung über Veränderung des rechtlichen Gesichls- pimktes nicht ausdrücklich erfolgt sei, so sei doch eine auf eine andere rechtliche Auffassung der Straftat hinweisende Nebenfrage gefteUt worden, wonach der Judikatur zufolge ein besonderer Hinweis auf Veränderung de- rechtlichen Gesichtspunktes erübrigt werde. Auch fei der Angeklagte darüber gehört worden, ob er hierzu Einwendungen zu machen habe, was aber ausweislich deS «itzungsprotokolles nicht erfolgt feu Der erste Strafsenat erkannte dem Anträge des Reichsanwalts entsprechend auf kostenpflichtige Verwerfung der Revision deS Angeklagten. — Wegen versuchten Totschlags wurde der Fabrikarbeiter Alexander S ch in i b t am 4. März d. IS. vom Schwurgerichte zu Gießen zu einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren verurteilt. Seine Revision gegen bas Urteil stützte sich lediglich aus die Beschwerde prozessualer Rechtsverletzung, inbein eine Zeugin, die tatsächlich unbeeibet vernommen worben sei, ausweislich des SitzungsprotokollS unter Eid vernommen worben |eu Auf Grund der Gegenerklärung wies der Reichsanwalt hm, daß lediglich infolge versehentlichen ÄuSglettenS der Feder, oder weil sich em Haar in derselben beiunben habe, ber salsche Anschein erweckt worben sei, als seien bie ersten zwei Buchstaben beS Wortes u n bceibigt durchstrichen. Ter erste Strafsenat erkannte nach dem Anträge deS Reichsanwalts auf Verwerfung ber Revision des Angeklagten und überbürdete dem Beschwerdeführer die Kosten feines Rechtsmittels. Gerichlssaal. Frankfurt a. M., 20. April. Die Klage beS AmtSgerichtS- eakS Göring gegen Redakteur Wtlh. Zander wegen Beleidigung durch die Presse, in einem Artikel .Wmterleidei/ der „Volks- fiimme" endete vor der Straffanuner durch Vergleich. Hanau, 20. April. Die Strafkammer verurteilte ben Bankier Leopold Lilienfeld von hier wegen schwerer U r - kundenfälschnng und Betrug in 9 Fällen au einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Lilienfeld hatte in 9 Fällen Wechsel, die auf 5oo—2000 Mk. lauteten, gefälscht. Ter Staatsanwalt hatte drei Jahre Zuchthaus beantragt. Am Freitag dieser Woche hat sich Lilienfeld außerdem noch vor dem Schwurgericht wegen Vergehens gegen das Depot- und Bankgesey, wegen Untreue und Unterschlagung zu verantworten. Wiesbaden, 20. April. Im Zivilprozeß, welchen die ^anzösische E h a m p a g n e r i i r m a E h a n do n u. E o. wider das deutsche Selthaus L ö h n l e i n u. E o. m Schierstem wegen der Taufe ber Kaiser-Yacht Meteor angestrengt hat, wirb ber ehemalige deutsche Botschafter in Washington von Holleben persönlich zu einem hier fiatifinbenben Termin als Zeuge erscheinen. Dresden, 20. April. Rechtsanwalt Tr. Bernhard wiirde gestern nach viertägiger Verhandlung wegen Betruges zu sechs 3)1 o n a t e n Gefängnis verurteilt. Tas Gericht nahm an, daß Tr. Bernhard einer Klientin einen rechtswidrigen Ver- mögensvorted verschaffen wollte. Straßburg u E., 20. April. Wegen Beleidigung des «Oberleutnants der «chutztruppe v. Grawert in der bekannten Duellaffäre mit dem Rechtsanwalt Tr. Aye aus Flensburg wurde der Redakteur des hiesigen Blattes .Der tlfäfiec' zu 1Ö0 Akk. Geldstrafe verurteilt. gewerdehalle beniten, an deren Spitze er noch setzt sieht. Seit 1869 lehn er an der Technischen Hochschule al« ordentlicher Professor. Von MeidingerS zahsreichen wifsenschasilichen Arbeiten nennen wir: Tie Durchsichtigkeit ber Luft im Hinblick auf Fernsichten' (1895), Die Anlage der Blitzableiter' (8. tiufL 1899), .Gasheizung und Gasöfen' (1894), ,Iie Heizung von Wohnräumen' (1897). — D i e kleinste Universität der Welt befindet fich in Sierra-Leone, der britischen Kolonie an der Westküste Afrika«. Tie Universität wurde vor drei Jahren in Fouratz e y, nicht weit von Freetown, ber Hauptstadt von Sierra-Leone, gegründet. Ihrem 9leuberen nach würde man sie eher für eine bescheidene Dorfschule als für einen Palast der Wissenschaften halten. Sie ist trotzdem zieinlich gut eingerichtet und enthält Vortragssäle, em Laboratorium, em naturgeschichtliches Museum und eine Bibliothek. ES fehlen ihr nur — Schüler. Gegenwärtig sind eS neunzehn, d»e die Kurse besuchen. Taiür hat bie Univerfttät von Foura- tzey fünf Prosefsoren, sodaß also aus jeden säst vier Schüler kommen. Arbeiterbewegung. Rom, 20. April. Tie „Tribuna' meldet aus Galatina in 6er Provinz Lecce : Von arbeitslosen San bleuten wurden fesiern vormittag hier, als Lebensmittel unter sie verteilt werden ollien, Ausschreitungen begangen, Fensterscheiben emgeworien und andere Gewalttaten verübt. Tie Polizei trieb die Menge auseinander und stellte die Ordnung wieder her. Als am Nachmittag das Verbot erging, daß Musik auf dein Platze spiele, wiederholten sich die Ruhestörungen. Tie Menge warf mit Steinen gegen die Gendarmen und gab R e v o 1 v e rs ch ü s s e auf sie ab, so daß die Gendarmen die Waffe gebrauchen mußten. Mehrere Ruhestörer wurden verwundet, cm Verwundeter erlag fernen Verletzungen. Auch ein Polireikommiffar und mehrere Gendarmen wurden verwundet. Tie Ruhe ist wieder hergesiellr. Krieskuslen ber ^ebalilian. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) G. Irene Trisch deklamierte schon als kleines Kinb Monologe und ganze Szenen ans klaffischen Werken. 5anbei und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner vSrse vom 20. April 1903. (Mttgetellt von ber Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Tie heutige Börse hatte unter großer GeschästSstillc zu leiben; im allgemeinen eröffnete man in ziemlich fester Haltung, die auch während bei ganzen Verkehrs anhielt. In Eanaba ShareS wurden in Erwartung einer festen Reiv-Yorker Börse größere MeumngSkäufe auSgeführt; von sonstigen Bahnen waren Heine Luxemburger Prince Henrybahn wieder lebhaft gefragt, während italienische Bahnen leicht abgeschwächt waren. Spanier, Türkenwerte, sowie alle von PanS abhängigen Werte schwach, infolge der schlechten Lage der dortigen Börse. Montanwerte, sowie Bank-Aktien lagen bei minimalen Umsätzen gut behauptet. Ter Rafjamarft zeigte werter gute Tendenz. Prtvat-DiSkont 2*/, Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Cefl Kredit .... 212,25 212,12 Deutsche Bank . . . 211,70 211,75 Darmstädter Bank . . 140.60 140,75 Bochumer Guß . . . 189,60 188,60 Harpener Bergbau . . 186,50 185,87 Schluß-Tendenz: ruhig. *Hen, 20. April. Tie Beschäftigung de« Kruppschen Werkes wird für diese« Jahr als mittelmäßig gut bezeichnet. Die Solinger Industrie verhält sich ablehnend gegen bie Beschickung der Weltausstellung in St. LouiS, ausgenommen eine Firma. Märkte. Gießen, 21. April. Marktbericht. Auf heutigem Dochenmarkl kosteten: Butterpr.Psd. 1,00—1,15 Mk., Hühnereier 1 St. 5—6 Pfg., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 12—13 Pfg., Enteneier6—7 Pfg., Käse vr.Stck.b—8 Pf., Käsematte2Stck. 5—6Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Imiben pr.Paar 1,00—1,20 Alk., Hühner pr. et. 1,00—1,70 SDIL, Hähne pr. Stück 0,85—2,00 Alk., Enten pr. Stück 2,00—2,40 Alk., Ganse pr. Psd. 54—60 Pfg., Lchsenfleisch pr. Pfund 61—76 Pfg., Ruh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—66 Pfg^ edjweine- fleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 66—72 Psg^ Hammelfleisch pr. Pfund 52—72 Psg., Kartoffeln pr. 100 Rgr. 6,50—0,00 Alk., Weißkraut per Stück 00—00 Psg., Zwiebeln pr. Zentner 6,00—0,00 Ack^ Alilch per Liter 18 Psg. Aepiel per Psd. 0—00 Psg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aiiec unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenubet keinerlei Verantwortung.) Tem Verfasser ber Notiz ,-H (Brimingen, 15. April' hn dritten Blatt der Nr. 87 des ,Gieß. Anz.' hiermit zur ölachricht, daß der Wahrheit ins Gesicht geschlagen wird, wenn es in fraglicher Notiz beißt .man hat ihm das Leben in der letzten Zeit von gewisser Seite recht schwer gemacht'. Es ist dies eine absichtliche Verkennung und Verdrehung ber Tatsachen, welche die Pensionierung des genannten Herrn zur Folge hatten. Mehr Wahrheitsliebe und Selbsterkenntnis, Herr ff I (Brüningen, 19. April 1903. Die »gewiße Seite'. H. I. E. B. (Ju derselben Angelegenheit ging uns vor einigen Tagen ein .Eingesandt" m ähnlichem Sinne von anderer, d. h. eben wieder der .gewissen' Seite zu, deffen Abdruck wir damals ablehnten, weil uns schien, der Einsender habe ohne entsprechendes Interesse der Oeffentlichkeit eine persönliche Sache zu weitgehend zur Sprache gebracht. Das diesmalige .Emgesandl' mag eine der Notiz in Nr. 87 unseres Blattes gegenteilige Meinung zum Ausdruck bringen. Tie Red.) Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 5.» Wett« L .5 8 *8 April 1903. •ß *2 | § 53 sr 5 CD 20. 2" 742,4 + 5,4 5,4 80 NW. 4 Sonnenschein 20. 9“ 741,5 8,8 4,7 78 b8W. 2 Heller Himm. 21. 7" 739,2 + 0,7 4,0 88 W. 1 Bed. Himmel Höchste Temperatur am 19.—20. April 4. 7,7° 6. Niedrigste ., 19.—20. , — 0,2' C. Ncucsle Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 21. April. Der Kaiser hat der „Not.-Ztg." zufolge angeordnet, daß für das gan ze H ee r eine n e u e Litewka aus grauem Tuch eingeführt wird. — Das Unwetter, das am Sonntag in Berlin und Umgegend herrschte, hat sich noch nicht ganz verzogen. Spree und Havel sind seit gestern in ununterbrock-enem Steigen begriffen. Auch auf dem Wannsee wütet der Sturm ganz besonders. Ausfallenderweise fiel im Westen Berlins in den letzten Tagen sehr wenig Schnee. Stettin, 21. April. Infolge des s chw eren Un- we tters ist der zur hiesigen Geibel'schen Rhederei ae- hörige Dampfer „Olga" in der Ostsee gesunken, wobei ein Matrose ums Leben kam. Bor Heringsdorf ist der zur Stengel-Rolke'schen Rhederei gehörige Dampfer „Pom- inerania" und bei Misdroy der in Rügenwalde beheimatete Dampfer „Patriot" gestrandet; bei Swinemünde find vier kleinere Segler, eine Quätze und eine Brigg verunglückt. Außerdem' tarnen verschiedene kleine Unfälle vor. Könitz, 21. April. Die in dem Abort der Knabenschule bei den Leichenteilen Winters gefundene Gamasche hat nach Feststellung der Eltern deS Ermordeten diesem nicht gehört. Kattowitz, 21. April. Die Myslowitzer Gendarmerie verhaftete bei der Paß-Revision ben russis chen Lehrer Popowskt, weil man bei ihm eine Menge aus Krakau stammender sozialistischer Schriften fand, die in Preußen verboten sind. Popowski gab an, daß er sie in Kattowitz an einen Unbekannten ab geben sollte. — Auf der Linie LSwiecim-Myslowitz sind drei Züge stecken geblieben und die östreichischen Grenzbahnen haben den Betrieb eingestellt. Ter in Schlesien angerichiete Schaden beläuft sich auf viele Hunderttausende. Im Kohlenrevier hat die Grubenförderung fast ganz aufgehört. Im Riesengebirge liegt der Schnee meterhoch. Niünchen, 21. April. Die Prinzessin Irmgard, die Tochter des in China weilenden Prinzen Ruprecht, ist heute morgen an Lungenentzündung ge ft 0 r ben. Pirmasens, 21. April. Tie entlassenen Arbeiter ber Schuhfabriken sollen nicht wieder beschäftigt werden, da sich ihr Verhalten nicht mit ihren Arbeiterpflichten vertrage. Kopenhagen, 20. April. Hier herrschte gestern Schneesturm. Zn ber Nacht und heute ging Schnee in großen Mengen nieder. Heute früh wurde der gesamte EisenbahnoerkLyr von S^penljagen nach allen Richtungen eingestellt. Auch bie Ueberfahrt von Gjebser nach Warner münde war gestern und tu ber Nacht eingestellt. Sämtliche Telephon-Verbindungen auf Seeland, fanrte die meistes Telegraphcnleitungen sind gestört. Stockholm, 20. April. In Mittel- und Südsckweden sind bie meisten Telegraphen- und Telephon-Leitungen unterbrochen. Worth, 21. April. Ter von der Küste von Schweden kommende Schooner .Schwalbe' aus Worth strandete infolge des NordweststurmeS. Von der Besatzung ist ein Mann gerettet, drei ertrunken. L. London, 21. April. Der deutsche Konsul in Montreal (Eanada) Bopp äußerte sich dem bärtigen Berichterstatter ber „Tailv Mail" gegenüber in scharfen Worten gegen die von Eanaba eingcfuhrtcn Z u s ch l a g S - »ölle auf deutsche Importe Ter Ävnsul sagte, er habe niemals erklärt, day Deutsc1)tand nid)t weiter mit Eanada unterhandeln wolle Die Berhandlungen seien nie abgcbrod)€n worden. Er habe der canabischen Regierung im November v. I. mitgeteilt, daß ein neues Taiisgesetz dem Reichstag vorliege und vor dessen Erledigung tein Vertrag abgeschlossen werden könne. Eanada habe seitdem niemals gefragt, ob Deutschland bereit sei, einen neuen Vertrag abzuschließen. London, 21. April. ES verlautet, daß ein Finanzmann, Sir Ernest Cassel, dem Sultan von Marokko ohne bis jetzt erkennbare Unterlage 250 000 Pfund Sterling geliehen hat. Teplig, 21. April. Tie CbcrSdorser Fichtenwaldungcn find durch einen Waldbrand vernichtet worden. Konstantinopel, 21. April. Ter Sultan, von dem b:r österreichische und ber russische Botschafter kat.gälisch bie eilige Durchführung ber Reformen und bie Unterwerfung ber Albanesen verlangten, erklärte, baß seine Absichten burch fremdlän bische Intriguen vereitelt würben. Man glaubt, der Sultan habe auf England anspielen wollen. Gestern überreichten die ersten Tragomaneil beider Botschaften der Pforte ein Memorandum, worin die Erkläruilg der B<'tschafler schristlick) wiederholt wurde. Wie verlautet, befürchtet der Sultan, daß bie Unmöglichkeit der Besänftigung der Albanesen eine bewaffnete fremde Intervention zur Folge haben werde. Hongkong, 20. April. Nach Meldungen auS bet Provinz Kwangsi ft erben dort Laufende als Opfer der Hungersnot. Frauen verkaufen sich als Sklaven, um dem Hungertod zu entgehen. Der amerikanische Konsul leitete Sammlungen ein. Telephonischer Kursbericht« Ffhii k I 3*/t% Reichnanleihe . . 102.75 8 7j do. ... 92.55 3*/,% Konsole .... 102.60 3°/o do.....92.65 8'/,0/» Hessen .... 101.25 3’/, X Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . . 104.00 4‘,,9t) Oesterr. bilberrento 101.05 4% Ungar. Goldrente . . 102.50 4°/ Italien. Rente . . . 103.50 4' ,54 Portugiesen . . . 50.15 »°/ Portugiesen. .... 81.40 154 C. Tttrken .... 81 70 TQrkenloee......181.40 4°/o Oriech. Monopol.-AnL 44.75 4'.% Bassere Ar^entiner —.— urt ». Jl., 21. April ivuS 5-/o Mexikaner .... 26.35 41/» la Chinesen .... 93.15 Electric, bcLückert . . . 101.90 Nordd Lloyd . . . . 103 UO Kreditaktien ..... 212.00 Diskonto-Kommandit. . . 189.10 Darmstädter Bank . . . 140.75 Dresdener Bank .... 149.30 Ber.lner Handelsgee. . . 157.20 Oesterr. btaaUbahn . . . 147.20 Lombarden • . . . . 18.00 Gottharubahn.....190.80 LauranQtte ...... 222.00 Bochum 187.40 Harpener......184.50 Tendens: schwach. Bekanntmachung. Die Felbberetnigung in der Gemarkung Gießen reaji der Lahn bett. Die nachstehend abgebruckle Bekanntmachung des Großherzogl. Bereinigungs-Komniiffärs zu Friedberg wird hiermü zur KennMis der beteiligten Grundbesitzer gebracht. Gießen, 17. Aprll 1903. 8325 ü)i.u)jhei .ugiiaie Bürgermeisterei Gießen. 3. 93.: Georgi, Beigeordneter. Vckalliitmachllng. Betreffend: Feldbereimgung in der Gemartung ließen rechts der Lahn. Ich bringe hiermit zur Kenntnis der Beteiligten, daß daS für den Neubau der Kreisslraße von Gießen nach Krofdorf erforderliche Gelände innerhalb der im Felde abgesteckien und ausgepstügten Grenzen mit dem 20. April L Is. der KreiSstraßenvcrwaltung zwecks Inangriffnahme der Bauarbeiten von der Vollzugskommifsiorr zur Verfügung gestellt werden wirb. Friedberg, 9. April 1903. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär. Spam er, Kreisamtmann. Sknographie-lfakmcht Unsere Anfänger-Kurse beginnen Anfangs Mai d. JL Es wird unterrichtet in Abteilungen a) für Herren unter 18 Jahren, b; , üerren über 18 Jahren, c) , Damen. Anmeldungen hierzu bitten wir bis spätestens den 1. Mai an den Unterzeichneten einreichen zu wollen. Ter Vorstand des Gabelsberger Stcnographcn-Vereins Gießen (E.V.) und des Tamcn-ttränzchcns. E. Nchiffnie, Grünbergerstraße 3. 8328 Lindenplatz 12 Bahnhofstraße 2 Mittwoch vormittag eintreffend in tadellos frischer Ware: 2- bis 4-pfünbig, do. Portionsfische, Rotzungen 3327 Kabiiauj kopslos per Pfund 20 Pfennig im Ausschnitt per Pfund 23 Pfennig. 01925 Konzert. 2! offerieren außergewöhnlich billig: 8323 Ü 01918) SDlobliertce Simmet zu oeun. -Leltersiveg 81, jlebentjaus. Schouilraße 7. mieten Achtung! BiShg! Erste HlHidbtsoZl - Anstalt iruher zu ucrinieteiu 2UUö die tixpedmon d. Bl. [3'j9 Bar L Wctterhahu. 2977 toicnen, ÜifotfabriL |3274 und Marktplatz 2. mieten Mark. au. I. Lteiu. ucumcieii. n Versäume niemand, bei mir besohlen zu lassen. 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