Nr. 68 Viertes Blatt. 153. Jahrgang Samstag 21. März 1903 • rietet tlflflft au Bei Sonniag». Dem Gießener Anzeige, »erben im toedjlcl mit bcm Hessische, taebmlrt die Gießener Zamtliei- dlLlier oiermal in bn Woche be,gelegt. lUtafionebrud u. ver» lag bet brüt) l'lchen Unipe rl^Bud)- u.eifi» brudrrel (liietld) ftrbe*) Re ha f non, H^pebitwi unb Druckerei! «illreb 7. fcbrefle fOt Deoelcdeai •■irtert Wiede». Bern I,rr*an«d)lu6*t 51 MhenerAnzeiger General-Anzeiger w '*s7 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen vez» gdpestO» wtonalhd'«b'Vk oterl* inhrhdj fit iJO, durch Abhote- u. HrofieftfUe* monatlich 6o DL, durch bicfuH ‘1'3 2.— Dienet» |äbrl auelcfct beliellg, Jlnnattr.c ood Knjelge« |üt bi« iayeanummet bi* eermuiag* 10 Uhr. yeUrnpvei» Ivfal 1>aft einheitlich geregelt. Tie Reaierung müsse aber anerkennen, daß die Verkehrsverhatlnisse auf dem Bahnhof Gießen verbesserungsbedürftig seien, und sie habe Veranlassung genommen, die Aufmerksamkeit des preußischen Ministe- riums auf diese Tatsache hinzulenken. Abg. Leun geht aus die Arbeitsleistungen des Gießener Rangierpersonals näher ein und schildert kurz die Art der stattgehabten Unfälle. Eine Verbreiterung der Geleiseabstände fei im Interesse der Die unsicher heil dringend geboten. Er bitte dringend, hier eine oaldige Abhilfe veranlassen zu wollen. Abg. HaaS-Mainz weist auf die Betriebsverhältnisse in Mainz hin und fragt, ivie es möglich sei, daß trotz der Bestimmung des zehnstündigen Dienstes die Arbeiter zwölf Stunden beschäftigt wurden. Die einmal getroffenen Bestimmungen zum Schutz der Arbeiter mußten doch auch unter allen Umständen eingehalten werden. Auf die dringliche Anfrage der Abgg. Noack und Gen. über die L o h n o e r bä lt n i s f e der Arbeiter ander ehemaligen Main-Rectarvahn vertieft Finanz Minister Gnauth eine M.klärung der Regierung, worin es heißt, daß für sie keine Veranlassung vorliege, noch einmal auf die Angelegenheit einzugehen. Es sei seuens der Großh. Regierung alles geschehen, um alle Harten, die sich beim Uel,ergänz bet Matn-Rectarbahn in die Venvaltungsgemeinschast herausgeftellt hätten, zu beseitigen. Die Klagen bezögen sich nur auf gewisse kleine Kategorien und wenige Ar- beüet. Zur Erleichterung der Besprechung über die Frage habe er den Dezernenten in Mainz zur Beiwohnung der heutigen Verhandlung eingeladen, derselbe fei aber durch einen Todesfall am Erscheinen behindert, stehe aber in der nächsten äwche zur Verfügung. Tas Haus beschließt auf Antrag des Abg. Noack, die Besprechung bis zur nächsten Woche auszu,etzen. Der BerwaltungSvoranschlaa bet zweiten Kammer, ber vom vorstanb auf 68 930 Mark festgestellt worden ist, wirb barauf ohne Debatte genehmigt. AlS land ständisches Mitglied xur Großh Staatsschuldenverwaltung wird darauf der Abg. M ü l l i n g e r und zu dessen Stellvertreter Abg. H a a s-Tarmstadt ernannt. Zum landständiscl-en Lonirolleur zur Staatsschulden- oerwallung ernennt die Lämmer einstimmig Herrn Kanzlei- direktor Schenk, zu dessen Stellvertreter ^errn kanzlei- injpektor Köhler. Als letzter Gegenstand der Tagesordnung gelangt der Gesetzentwurf über Die Ausführung oes Reichsge«etzes, betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau, zur Beratung. Abg. Dr. Schmitt (Zentt.) führt aus, er habe zwar seine Hauptbedenken gegen oie Di rju/iebenen Bestimmungen des Gesetzentwurfs erst bei ber Ein^clbcratung vvizu- bringen, er wolle aber doch scl>on in oer Qkneiatbebatte Dcrfajiebenc An stäube erheben. Es sei schon im vorigen Jahr Das dringende Verlangen nach einer bauäge it Vorlage däfes GesetzentwursS gestellt worden, und tro^dcm Lnime nun oie Regierung jetzt erst, kurz vor dem Termin, an welchem das Gesetz in jlraft treten soll, unD verlange dafür Die Dring- lidjlcit. Er müsse uberhai.pl beklagen, daß man eine soln-e Vorlage hier gemacht habe, ohne vorher die berufnen Faktoren Darüber zu befragen. Weder die Vertretungen Der Landwirtschaft, noch oie des Hanoioeris ober b.r Städte seien bei bcm Gesetzentwurf gehört worden, der doch so tief in die Verhältnisse ber Landwirtschaft sowohl, wie in bie gewerblichen und Die städtischen Verhältnisse eingreift, und namentlich die letzteren so ung.h.uer b.lastet. Man habe die Vorlage einfach Dom grünen Tisch aus dekretiert. DaS Haus habe keinen Anlaß, zu der Veterinärooteilung des Ministeriums irgend welcyeS Vertrauen zu hegen, Dkl- mehr fei ein sehr berechtigtes Mißtrauen am P.a^e. Hinsichtlich ber Tuberkulose huvc bie h^s.sche Landwirtschaft infolge der eigenarligen Ansichten des hes,.scheu Vertreters im Ministerium Hundertlausende verloren. Er erinnere auch Daran, welche geradezu unglaubliche Vorschriften derselbe bei der Eröffnung des Mainzer Schlacht- unD Virhhofes gemacht habe, sodaß es erst dem Dazivischentreten des Staatsministers ui danken war, daß Die Stadt überhaupt dazu kam, den Scl)lachthos zu eröf,nen. Und noch heute könnten viele Metzger insolge der zu strengen Vorschriften ihr Gewerbe nicht richtig betreiben und zogen daher vor, nach Wiesbaden ober Frankfurt zu geben. Es werde eine Strenge ausgeübt, die weit aber bie G^b-Hc hinausg. he und wie sie in keinem anderen Lande zu finden sei. Andererseits aber werde dafür z. B. bei Verwendung des Fleisches von Schtveinen nicht diejenige Sorgfalt ekigehalten, die im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung von anderer Seite als notwendig crachrei werde. Alle die,e Umstände brädjkn den Redner Dahm, jede einzelne Bestimmung des Gcietz- entwurfs zu bekämpfen, die nicht mit den betreffenden Vorschriften in Preußen und Baden, den eigentlichen Zlvnkur- renteil Hessens, in Einklang ständen. Wir hätten schwer mit der Konkurrenz dieser beiden Staaten zu lämpfen und durften schon deshalb keine schwierigere Bestimmungen haben. Jetzt fei es so, daß drüben in Preußen die Händler die Gescl)äfte machen und die Mainzer hätten das Nachsehen. Hessen sei viel zu klein, um auf bie।em Gebiete bahnbrechend vorzugehen, und die Hoffnung, daß die hessischen Vorschriften auch in das Reichsgesetz au|genommen werden würben, sei durch Preußens Widerspruch vereiL.lt woroen. Hcss.n h^be fd)on jahrelang unter den schärferen Bestimmungen der Nachbarstaaten zu leiden gehabt. Wäre bie Zeit nicht schon zu weit vorgeschritten und bie Fertigstellung bes Gesetzes vis zum 1. April notwendig, so würde er den Antrag stellen, bie ganze Vorlage noch einmal an ben Ausschuß zurückzuvernnisen und zu verlangen, baß auch bie berufenen Interessentenkreise aus Landwirtschaft und Gewerbe unb aus ben Stäbten einmal gehört werden. (Lebhafte Zustimmung.) Obermedizinalrat Dr. Lorenz entgegnet, er wolle auf die persönlichen Angriffe hier nicht weiter eingchen, sie könnten auch ihn persönlich nicht treffen. Tie B-s^werden des Vorredners könnLen sich doch nur um einzelne wenige Bestimmungen drehen, bie übrigen seien ja ben Bundesraus- vorfchriften entsprechend festgesetzL Abg. Langenbach (frej) spricht ebenfalls feine Ber- tounberung über bie lange Verzögerung ber Vorlage au». Er unterschreibe Wort für Dort, was Mg. Tr. Schmitt herüber gesagt. Tas Schlachthaus in Tarmstadl rentiere zurzeit nur mit 0.52 Proz: für fold)c große Opfer, wie sie bie Städte brächten, h.ittc man sie doch wenigstens um ihre Meinung befragen können. Ministerialrat Weber bemerkt, er könne den Vorwurf ber zu späten Einbringung der Vorlage nicht acceptieren. Dieselbe sei am 28. Februar bcm Präsidenten befl Hauses übergeben worben. Gerade die vielen Vorarbeiten unb Umfragen bezüglich des Entwurfs hätten eine frühere Fertigstellung unmöglich gemacht. In Darmstadt sei der am meisten berufene Vertreter, der Direktor deS SchlachtoiehhofeS befragt worben und habe sich mit den Bestimmungen deS Entwurf einoerstanden erklärt. Abg. Schönberger (nat.-lib.) gibt zu, daß einzelm. Bestimmungen der Vorlage schärfer seien, als in anderen Bundesstaaten, namentlich hinsichtlich der Städte; er ersuche aber doch, bie Debatte nut ruhiger Erwägung zu führen. Abg. d. Brentano (Zentr.) betont, auch er sei der Uebcrjeugung, daß bie Regierung die Pflicht gehabt hätte, die interessierten BerufSverbände rc. über die einzelnen Bestimmungen bcS Entwurfs zu hören. 9lbg. ©eelinger (nat.-lib.) hebt hervor, el drehten sich viele Beschwerden um die Schlachtoiehoersicherung und der Ausschuß habe einstimmig beschlossen, die Regierung zu er* suchen, daß. sie baldmöglichst eine Vorlage darüber machen möge. Dec ganze Streit drehe sich doch um ben Artikel 7, der die ftoften bestimmt und biefe würben in letzter Linie doch den Bauer treffen. Abg. Dr. David (Soz.) bemerkt, eS drehe sich bei dem vorliegenden Entwurf hauptsächlich darum, daß die hessischen Metzger in eine Sonderstellung kämen den Berufsgenossen in Frankfurt, Mannheim, Wiesbaden rc. gegenüber. Die gewerbsmäßigen Händler mit minderwertigem Vieh würden dasselbe mit Vorliebe in die hessischen Städte bringen, da ihnen hier bei Ueberroeifung auf bie Freibank ja keine Kostet entständen. Abg. Leun (fr. 93g.) wendet sich gleichfalls gegen die Vorlage und regt bie Frage an, ob man nicht auf bie Gefahr hin, daß bas Gesetz nicht am 1. April fertig sei, eö noch einmal an den Ausschuß zurückoenveisen solle. Abg. Häusel ist ebenfalls für Zurückverweisung, eoent Vertagung; die Abgg. K orell, HaaS-Mainz, v. Brentano, Hirsche!, Dr. David und Köhler sprachen ebenfalls für Zurückverweisung, während Abg. Schönberger sich gegen dieselbe ausspricht. Dos HauS beschließt alsdann fast einstimmig bie Zurückverweisung der Vorlage an den zweiten Ausschuß. Ministerialrat Weber bemerkt hierzu noch, eS werbe nach den geäußerten Wünschen am besten so verfahren, daß die Nlitglieder deS zweiten Ausschusses gemeinsam mit den oorgeschlagenen Sachverständigen Beratungen abhielten. BiS zua Fertigstellung deS neuen Gesetzes, bie nun natürlich erst nach dem 1. April erfolgen könne, würden vielleicht durch eine Regierungsverordnung die bisherigen Bestimmungen aufrecht erhalten werden können, damit in Ermangelung der neuen AusführungSbeftimmungen eine gesetzliche Unterlage für die Ausführung des neuen Reichsgesetzes gegeben sei. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Tie nächste Sitzung wird, um den Ausschüssen Zeit zur Beratung zu geben, auf ben 26. März anberaumt. ■ . 1 " 1 .■ — ■ Warnung! Die wehten Nachahmungen v.n I) Hummeln Haematogen werden, uui daa D. u f. No. 6«,övi zu umgrbeu, m t Zuu» fei.autue von A-i her bereitet, ein Zusatz, der insbesondere iQr Kinder und Mervöae direkt schädlich ist. Um sicher zu sein, das aetherfrete Original-Präparat in erhalten, verlange man stets auBdrUcK.ich Dr. Ho mm ei'» Haematogen und achte aal die Schutzmarke nS4u- geuue Löwin.“ 92 Interessant für Raucher. Schon seit Jahren haben sich Chemiker und Cigarrenfahrikauten vergeblich bemüht, eine Cigarre herzustellen, die gesundheitlich unschädlich ist, aber gleichzeitig dem Rancher den vollen Genuss belasst. Durch das neueste Patent der Firma Dr. R. Kiesling&Con Bremen, ist jetzt ein Fabrikat geschaffen worden, welches die lange ungelöste Aufgabe brillant erledigt hat. Ee ist nunmehr endgültig gelungen, die gesundheitsschädliche Wirkung des Rauchens zu beseitigen, ohne den Geschmack und das Aroma des Tabaks im mindesten zu beeinträchtigen. Dr. Kieslings Sanitäts-Cigarren, Cigaretten und Rauchtabake (K. D. R. ? ). die aus den auserlesensten rem überseeischen Tabaken hergestellt sind, werden durch das patentierte Herstellungs- vei fahren tun nichts verteuert. Bedeutende Aerzte, wie u. a. 8e. Exzellenz Herr Dr. v. Lauer, Leibarst Sr. Majestät, der Geh. Med.-Rat Herr Dr. v. Reyber, Dresden, sowie Herr Dr. 0. Dornbluth in Frankfurt a. 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