Samstag, 21. Mävz 1903 153. Jahrg. mtt thiMbmt M Comttafl«. Di .Otrtzer. fttellleibiancr* werden dem Anzeiger o erma wöchentlich detgelegt. Der ..hrißtch« U»*»br erscheint maaatttch etnmoL Giehener Anzeiger Beranttvartkich Nh de» iflgrww<— TaCi tk ttilti»; tüt de» Ürunyrmnl. Be< Äftan4 Millionen Francs jährlich zu leisten, sie that daS nicht und allmälig summten sich bie Forbe- rungen der EisenbaHngesellsckaft auf ben Betrag von 8*4 Millionen Francs an. Darauf wurde 1896 eine neue Vereinbarung zwischen der Gesellschaft und der venezolanischen Regierung getroffen, wonach dieie ber Gesellschaft als Abfinbmc, für bie rückständigen 8^4 Millionen Francs, sowie für die gefammte 7proz, Garantie einen Betrag von 86 Millionen Francs in TitreS einer neuen 5proz. Anleihe überwies. Diese Anleihe ist emittirt worben von der Disconto-Gesellsckaft. imb zwar im Betrage von 50 Millionen Francs. Die überschießenben 14 Millionen Francs hat bie venezolanische Regierung bekommen unb verwenbct zu Abfindungen für andere Eifenbahngarantien, welche sie Engländern. Franzosen und Holländern gewährt hatte. lHort. hört!) Bei ben 86 Millionen Francs. Vie ber Großen Venezuela- Eisenbabngesellschaft übrrtoiefen sind, legte die venezolanische Regierung auS inneren Gründen Werth darauf. 26 Millionen als Abfindung unb 10 Millionen als Emissionsgebühr zu bezeichnen. sHort. hört!) In Virklichkeit ist bie eine wie bie mibe re Summe an bie Große Venezuela-Eifenbahngefellfckaft gelangt. Hierbei hatte also bie Gesellschaft nur ein Geschäft gemacht, welches nicht einmal bei bem hiesigen Zinsfuß alS ein glänzcnbes bezeichnet werben kann. Im llebrigen hat bie venezolanische Regierung bie Zinsen für biefe Anleihe nur ganz kurze Zeit bezahlt. daS Geschäft ist also bis jetzt passen. f.Aeitrrfctt.) Dir wollen nur. er auck Kürassierftiefel anriehen kann, wo es noth thut. Denn man ■■ uns im Ausland fckon nicht liebt, so soll man uns wenigstens stehen aber, wie gc’agt. andere Ävmaai..g n fürdjtrn. (ffrifaU rrftf.) ®rai>na-r hwSr „K w Imn man da- »an Staatssekretär Frhr. v. Rickthofen: Der Herr Vorredner hat 'einem dem Gesandten Frbrn. Sveck v. Sternburg die Fähigkeit zuqe C sprechen, durch das, was er fogtc. Mißverständnisse zu erwecken Ick kann dessen engerer Lm'dSmann, ben Herrn Abg. Dr. >7 nicht vollständig v"i b:-:- Fähigkeit freiftrrechen, benn au d was er sowohl ge - gesagt bat, könnte doe' seit» über dis Aktion . diese als verwerflich bezeichn'^ ^. andpunki aus verstehen Dir üben, daß sie gut sind. €b mar immer b;e Leute trifft, bie man treffen will, kann man freilich nie-’, mit Gera'.nakeit wissen Auck in VanS unb London ------ - ähnliche (Ftrnd’iur-'cn Die Va&inw ber Fremden- voli-ci ■ i - - cilick ber Reicksko nz. Soweir a’ao B^- , erlangen sind, n ?cn sie vom Reick über- ffassunge'.i ein.-r- wack 7er H:.. V.V. Dr. Gradnauer hat aber über ber. Amts- über die! kreis des Auswärtigen Amts einen etwas irrigen Begriff, wenn er Varlamentnriidie Vkrhaiivliiiigrn. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Neickstaq. $88. Sitzung vom 20. März. 1 llhr. DaS Haus ist äußerst schwach besetzt. Am BundeSrathStisch: Frhr. v. Richthofen, Stoebel xnb Andere. Die zweite Berathung bei Etat! del Auswärtigen «mtl wird fortgesetzt beim Titel ,Gehalt deS Staatssekretärs". Abg Bern ft ein (soz.): Ter Staatssekretär hat eS gestern zu- Ä, daß die russische Regierung Kundschafter zur Ucbertoachung lwchiSmul in Deutschland hätte. Er meinte, das fei selbstverständlich. Hiergegen muß ich entschieden protestiren. Der Begriff bei Anarchismus ist ein sehr »ielbeutiger, eS giebt Anarchisten der verschiedensten Abtönungen, darunter auch Anarchisten, bie keinem Menschen ein Ham krümmen. Kunbschafter, die solche Leute überwachen, pflegen oft erst Verbrechen zu erfinden, sie züchten sie geradezu, anstatt sie zu verhindern. Daß in England eine Deutschland feindliche Stimmung herrscht, ist erklärlich, Eng land ist bas Lmib bei FreihanbelS, währcnb Deutschland sich burck hohe Gckuyzölle abzusperren sucht unb durch seine Kartellbildung die Dame vertheuert. Auch wird England fortgesetzt in Deutschland beschimpft, es giebt viele Leute bei uni. die sich danach sehnen, über England herzusallen. und deshalb fortgesetzt eine Vermehrung ber Flotte forbern. Die Verhältnisse in Mazedonien werden sich nicht eher bessern, bis nicht auch die Steuerverhältnisse von Grund aus reformirt werden. Ein weiteres Kapitel, daS unsere auswärtige Politik auch angeht, da es mit dem Berliner Vertrag gleichfalls im Zusammenhang steht, ist daS der rumänischen Juden. Der rumänische Staat bankt sein Dasein ber Intervention Europas, in bem bamalS noch ber liberale Gebanke herrschte. Unb jetzt hat Europa baS Recht, von Rumänien eine humane Behandlung feiner ruffifchen Unter« thanen zu verlangen. In Rumänien ist eS der böfc Wille, ber es verhindert, daß den Juden die Rechte eingeräumt werben, die sie in Europa zu verlangen berechtigt find. Die rumänischen Juden sind Handwerker unb Arbeiter, Proletarier, unb gegen biefe verfolgen die rumänischen Staatsmänner — die mit ber ihnen eigenen Schlauheit sich um ihre DertragSverpflichtungen herurnbrücken_ — eine Politik ber Aushungerung, indem sie sie für Fremde erklären — ein schreiendes Unrecht schmählichster Art. Und Europa sieht dieser niedrigen Vertragsverletzung gleichmütig zu! Deutschland ist Mitunterzeichner des Berliner VerttagS, eS ist mit verantwortlich für alle! Unrecht, daS entgegen den Bestimmungen dieses Vertrags geschieht. (Beifall bei den Soz.j Abg. Dr. Detlef skons): Der Vorredner hat mit Mund und Hand einen flammenden Protest gegen die Behandlung der rumänischen Juden erhoben. Nun hat Europa diesen Protest gehört, unb Europa wirb sich danach zu richten haben. (Weiterleit.) Es fragt sich aber, ob Deutschland daS Recht hat, sich hier inS Mittel zu legen. Gewiß ist Deutschland Mitunterzeichner des Berliner Ver- ttags, aber bie rumänische Regierung ist nicht der Ansicht, daß sie gegen denselben verstoßen habe, auch meines Wissens die eiwo- päischen Regierungen nickt. Ick habe daher nicht die Absicht, auf diese Materie näher einzugehen, auck nickt auf Rumänien und Mazedonien. Wohin soll eS führen, wenn wir hier im deutscken Reichstag uns mit fremden Angelegenheiten beschäftigen! Die Herren von der äußersten Linken haben stets ihre Mißstimmung über den Alldeutschen verband ausgesprochen, weil er sich in die inneren Angelegenheiten fremder Nationen mischt und daher Verstimmung erregt. Unb jetzt sollen wir daS thun! UebrigcnS würben. wenn ber Reichskanzler auf Herrn Bernstein Horen unb eine Aktton gegen die Türkei einleiten wollte, bie Herren von ber äußersten Linken bie Mittel dazu verweigern. lSehr gut! rechts.) Auf bie akademischen Erörterungen des Vorrebners über theoretischen unb praktischen Anarchismus gehe ich nicht ein. Ich halte ben Anarchismus für eine böse Krankheit, die au8gerottct werden muß. und ich wünsche, daß die Regierungen mit einander in Verbindung treten, um eine internationale Ueberwackung der Anarchisten zu ermöglichen. Wir müssen dadurch auch dafür sorgen, daß die .theorett- fefjen" Anarchisten gar nicht tn bie Lage kommen, praktische" glaubt, baß diese! auch Ausländer gegen ihre eigene Regierung gn schützen habe. WaS ben Fall Kalajew betrifft, so gehört er inS preußische Äbgeorbnetcnhau-?. ES mag ja vom Standpunkt deS Herrn Grad- naucr bedauerlich fein, daß er nicht im Abgeorduelenhaufe sitzt, aber das kann ich nicht ändern. (Heiterkeit.) Hierher gehören nur bie Fälle Kugel unb Buckbolz. DaS russische Erkenntniß in Sacken bet Frau Henriette Äugel besagt, baß biefe Jahre lang behilflich gewesen fei, Erzeugnisse revolutionärer Literatur in Rußlanb ein» zufckrnuggeln. Nun hat Herr Gradnauer einen Unterschied zwischen „revolutionär" und .sozial" gemacht. DaS mag von seinem Standpunkt auS und für die hiesigen Verhältnisse zuttessen. Aber eS kommt darauf an, daß man in Rußland jene Erzeugnisse als .rebo« lutioi ' bezeichnet und in deren Verbreitung einen strafbaren Akt erblickt. WaS den Fall Buckholz betrifft, so hat Herr Buckholz in einer längeren Zuschrift an ben „Vorwärts" behauptet, .bah bie russische Negierung unferm Botschafter ein so geringes Entgegenkommen erwiesen habe." DaS muß ick in Abrebe stellen. Im Großen unb Ganzen kann über irgenb eine Ungefälligkeit oder Verzögerung seitens der russischen Regierung nicht geklagt werden. ES ift im Ucbrigen bedauerlich, daß der deutsche Botschafter überhaupt veranlaßt werden soll, für derartige Angelegenheiten seine Zeit und seine Kräfte einzusetzen. (Unruhe links.) Denn die Leute über die Grenze gehen und Verbrechen gegen die bärtigen LanbeS- geseye verüben, so sollen sie auch selber die Folgen zu tragen haben. (Hört! hört I unb Unruhe links.) Der Vorrebner hat von der Ehre unb Würde des deutschen Reiches gesprochen. Derartige „patriotische unb nationale Phrasen" ganz ä la Milleranb höre ich von jener Seite mit großer Genugthuung. Aber ich glaube, baS deutsche Ansehen wird weder Durch ben Import von sremben Nihilisten unb Anarchisten, noch burch ben Export von deutschen Kolporteusen ftem- der verbotener Schriften wesentlick gestärft. (Beifall rechts. Lärm bei den Soz.) Abg. Schrempf (kons.) meint, eS müßte dock im deutschen Reichstag erlaubt sein, daß man den Deutschen in Ungarn feine Svmpathie aussprecke; durch die Behandlung, die bie Deutschen jetzt in Ungarn genössen, würde bet Dreibunb nicht gestärkt Wenn man sich hier russischer Anarchisten unb rumänischer Juben an- nehmen bürfc, müßte auch ein gutes Wort für bie Deutschen in Siebenbürgen gestattet sein. Abg. Ledebonr (Soz, bei ber Unruhe be8 HauseS schwer verständlich) beftreitet es, daß bie Frau Buchbolz revolutionäre Schriften nach Rußland gebracht habe, bad behaupte baS Auswärtige Amt nur, um dadurch seine Verfehlungen zu beschönigen. Vicepräsident Vllssng ruft den Redner wegen dieser Aeuherung zur Ordnung. Abg. Ledebonr (fortfahrend) polemisirt gegen den Abg. Dr. Hasse unb wirft den Alldeutschen Blättern große Leichtferttgkeit unb grenzenlose Unwissenheit vor, weil sie immer gegen Amerika hetzten. Wenn man sich über bie Bedrängung der Deutschen in Ungarn aufhalten wolle, müßte man erst damit aufhören, die polnische Natton bei uns zu unterdrücken. Tas deuftche Reiche habe nur ein Interesse daran, bie beutsche Arbeit im Jnlanbe zu erhalten, wenn man es aber immer so mache wie in Venezuela, und den deutschen Spekulanten selbst eine hohe Risikoprämie garantire, so treibe man damit daS deutsche Kapital inS Ausland. Staatssekretär von Nichthofen: Der Auffassung deS Vorredners über bie Risikovrämie kann ick mich nicht anschließen. In dem Stonflift mit Venezuela hanbelte es sich zudem überhaupt nicht um Risikoprämien. Auf den Fall Buchholz muß ich nochmals zurück-- kommen. Der Vorredner stellte es so dar, als ob AlleS, was ich gesagt hätte, unrichtig wäre. Aber Alles, was ich sagte, beruhte auf den Berichten ber kaiserlichen Botschaft und ben eigenen Angaben des Ehemannes. ES ist gegen die Frau ein Verfahren ein« geleitet, weil bei einer Haussuchung revolutionäre Schriften bei ihr gefunden sind. Es ist auch ein Erkenntniß gegen sie ergangen. In solchen Fällen können wir nicht schneidiger vorgehen, wir können nur da schneidig vorgehen, wo eS sich um offenbare Verletzungen , der Rechte deutfcher Unterthemen handelt. Abg. Schrader (freif. Serag., fast unverständlich) schließt sich bem Abg. Dr. Paai'cke in ber Vertheidigung ber Bahnen in Venezuela an. Es handle sich dort um ein Unternehmen, das von der deuttcken Industtie gebaut sei, unb auch im AuSlande das Ansehen des deutschen Reiches stärke. Ferner spricht Redner ben Wunsch auS, datz die Signatarmächte sich der rumänischen Juden annehmen. Aba Mevqer (Soz.) beschwert sich über ein rigoroses Vorgehen des deutschen Konsuls in Hongkong gegen erkrankte deutsche Seeleute Die Konsuln un Auslände müßten angewiesen werden, die deutscken Gesetze, besonders die Seemannsordnung, zweckentsprechend anzuwenden. Staatssekretär Frhr. v. Rickthofen: Ich kann dem Vorredner nicht auf die einzelnen Fälle antworten, da ich sie nicht kenne. Es kommt so oft vor, daß man etwas einseitig als wider Recht unb Gesetz, als haarsträubend unb skanbalos hinstellen hört, WaS, nachdem man ben anderen Theil gehört hat, in vollständig anderem Lickte erscheint. Also, eines Mannes Rede ist keines ManneS Rede: man soll sie billig hören alle beede! Ick meine auch, ber beutsche ©eamtenuanb steht zu hock, um durch solche allgemeine Angriffe getroffen zu werden. Daß die deutschen Seeleute von den Konsulaten nicht unterstützt werben, ist völlig unrichtig. Denn auch vielleicht hier unb ba ein Versehen einmal baffirt sein mag, so erkennen bock taufenbe beutsche Seeleute bankbar bie Hilfe und thatkräfttge Unterstützung an, bie ihnen burch bie beutschen Konsuln im AuSlanbe zu theil wirb. Abg. Dr. Derlei (kons): Das ich über bie DiSkontogesellsckaft gesagt habe, hat ber Staatssekretär in ber Hauptsache zu gegeben. sDiderfpruch.) Er hat es bestätigt, baß bet Zinsfuß 7 Pro- betrug. Die Haupttacke war, baß bie Forberungen der DiSkonto- flcfeEfcbaft keine erstklassigen Ford-wungen waren unb baß wir ber Diskontogesellfchaft allein hxaen bie gan/e Ervebitton nicht unternommen hätten Den Ausdruck Eensur habe ich gegenüber bem Reichskanzler nur in scherzhaftem Sinne gebraucht. Herrn Saal ehe bestreite ich aber das Reckt, darüber zu befinden, was ich mir berausrunebmen habe. Ich werde wohl noch oft etwaS sagen, was Herrn Vaafche nickt gefällt, aber ick werde es mir niemals beratiS- r.ehmen, von einem Kollegen zu sagen, daß er sich etwas heraus- nimmt. (Heiterkett.) Ter Ti^el .Staatsf-kretär" wird herauf bewilligt, desgleichen ein- ^".?abl weiterer Titel. Beim Titel „Sorto und Tel-gramm- cebübren ?c." bat die Kommission 15 000 Mk. gesttichen und anstatt 675 0^0 Mk. nur «66 000 Mk bewilligt. Das Haus tritt bie’em Beschluß bei. Der Rest des Etats des Auswärtigen Amt? wird ohne $ebci‘* erledigt. - ' ."huna des Kolonialetats wird aus Sonnabend 10 11 f r ' -rin -t. Außerdem EtatSreste.) Schluß Uhr. Parlamentarisches. Berlin, 20. März. Die Budgetkommission des Reichstages beriet die Zuschußanleihe und die außerordentlichen Deckungsmittel. Die Abgg. Speck und MüUer-Fulda beantragen, die Zuschußanleihe, entsprechend den beschlossenen Minderausgaben im ordentlichen Etat von 7 275 000 Mark und den Mehreinnahmen im ordentlichen Etat von 15 000000 Mark, um 22 275 000 Mark zu vermindern, mithin statt 95 000 000 Mark nur 72 72a OuO Mk. zu genehmigen und bei den außerordentlichen Teckungs- Mitteln, Titel la, anstatt 14 797 816 Mk. zu beschließen, 34 776 130 Mark, ferner bei Titel I anasttt 194 u66 739 Mk. auS der Anleihe zu einmaligen Ausgaben, entsprechend der Äng des Titels la um 19 978314 Mk. uno entsprechend Minderung der Zuschußanleihe um 22 273l0j Mark entsprechend ferner den Abstrichen bei den einmaligen Aus- oaben des außerordentlichen Etats um 17 223 000 Mark, zusammen um 59 478314 Mark, nur zu genehmigen 135 188 425 Marl und dementsprechend im Etatsgesetz § 2 anstatt 219 921739 Mart Anleihe nur zu genehmigen 160 443 423 Mark. Tie Abgg. Speck und Müller Fulda beantragen ferner den Gesetzentwurf, betreffend Verwendung von Mehrerträgen der Ueberweisungssteuern zur Schulden- tilgung umzuändern in einen Gesetzentwurf, betreffend Verwendung der Mehrerträge der Reichseinnahmen und Ueberiveisungssteuern zur Schuldentilgung. Danach soll statt der im Regierungs<.ntmurf borge, ehenen Zuschußanleihe von 95000 000 Mart gesetzt werden 72 725 000 Mark. Ferner wird beantragt, yinzuzusügcn: In gleicher Weise sind erforderlichen Falles die lieber» schüfe zu verwenden, welche sich etwa aus dem Rechnungsjahre 1903 im eigenen Reichshaushalt ergeben, und ein neuer § 2. Insoweit die im § 1 bezetchneten lieber» schlisse und Mehrerträge zur Tilgung der Zuschußanleihe von 72 725 000 Mark nicht ausr^ichen sollten, sind auch die Mehrbeträge zu dieser Tilgung zu verwenden, um welche die Rechnungsjahre 1904 und die folgenden die Ueberweisungen an die Bundesstaaten und bie Matrikular- beiträge übersteigen. Die Bestimmungen des § 1 finden im übrigen entsprechende Anwendung. Sämtliche Anträge der Abgg. Speck und Müller-Fulda werden angenommen, ebenso der Rest der noch zu beratenden Materie, Der gestern ausgesetzte Titel 4, Stempelabgaben, wird genehmigt. Dazu roirö eine Resolution Speck angenommen, pir einen gleichmäßigeren Vollzug der Prüfungen der Stempelabgabeentrichtung zu sorgen. Hiermit ist die Etatsberatung der Kommission erledigt. Berlin, 20. Äiärz. Zm preuß, Abgcordne ten- hause wurde das Extraordinär ium des Titels höhere Lehranstalten im Kultus-Ctat debattelos bewilligt und dann die Beratung über die in dem Etat des Finanzministeriums eingestellte Forderung für die Ostmarken-Politik der Regierung (Oftmarken-Zulage und königliches Residenzschloß in Posen) fortgesetzt. Die hierzu vorliegenden freisinnigen Anträge wurden abaelehnt und die Ostmarken-Titel angenommen. Damit ist der Etat des Finanzministeriums erledigt und es wurde in die Beratung des KultuS- Etats fortgefahren. Beim Kapitel Elementarschulwesen verursachen die Titel 35 a, 37, 37 a und 43, welche von der Zulage an Volksschüllehrer und Lehrerinnen handeln, längere Debatten. Sämtliche dazu vorliegenden Anträge wurden abgelehnt und die Titel angenommen. Erzbischof Dr. Fischer von Äöln hat den ersten Hirtenbrief erlassen. Der Erzbischof sagt in demselben zunächst, als Erzbischof von Köln, der altehrwürdigen deutschen Stadt an den Ufern des Rheins, sei und bleibe er deutscher Bischof, der mit der Liebe zu Christo, dem Herrn seiner heiligen Kirche, die Liebe zu feinem Volke und seinem Vaterlande zu verbinden wissen werde. Wir deutschen Katholiken, so hecht es weiter. Heben Rom und Heben den Papst, aber wir Heben auch unser Vaterland und unser Volk und protestiere laut dagegen, wenn hier und da in Unverstand oder Leidenschaft versucht wird, zwischen dem Katholizismus und dem deutschen Volkstum einen Grenzwall aufzurichten. Der Erzbischof betont dann, daß er stets in unentwegter Treue zu seinem Herrscher stehen werde, der von Gottes Gnaden die Geschicke des neuen deutschen Reiches zu lenken berufen ist, und daß er immerdar das Wort predigen werde: fürchte Gott und ehret den König. Der Erzbischof ermahnt die Erz- diözesanen, die andersgläubigen Mitbürger nicht nur zu dulden, sondern zu lieben und für sie zu beten. Es wäre geradezu ein an dem deutschen Volke begangenes Verbrechen, wenn man durch gewissenlose Aufreizungen den konfessionellen Haß schüren und den einen Volksteil wider den andern verbittern und verhetzen und dadurch den einmal bestehenden Zwiespalt noch vergrößern und verschärfen mürbe. Der Hirtenbrief schließt mit ber nochmaligen Ausforberung an die Erzdiözesanen, bei aller unentwegten katholischen Glaubenstreue stets liebevoll und verträglich gegen die andersgläubigen Mitbürger zu bleiben. Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 20. März 1903. Anwesend: Oberbgm. Mecum, Belg. Georgi, Assessor Curschmann und 23 Stadtverordnete. Vor Eintritt in die Tagesordnung richtet Stadtv. Orbig eine Anfrage an den Oberbürgermeister. Wegen der im Saale herrschenden Unruhe sind die Ausführungen des Redners schwer verständlich. Es handelt sich um folgendes: Auf Veranlassung des Prof. Dr. Bossius haben Lehrer von der Volksschule Schülerinnen aufgefordert, in die Augenklinik zu gehen, um sich dort gegen cm Entgelt von 5 ober 10 Pfennig zu S tudienzw ecken bie Aua en untersuchen zu lassen. Redner rügt diese Handlungsweise der Lehrer, die um so weniger zu rechtfertigen sei, als der Schulvorstand davon nicht in Kenntnis gesetzt worden sei. Die Kinder sollten nicht zu Versuchskaninchen benutzt werden. — Cberbgm. Mecum erklärt, daß ihm von dieser Angelegenheit nichts bekannt gewesen sei; eine Genehmigung seitens des Schulvorstandes sei jedenfalls nid)! erteilt worden. Er werde dafür Sorge tragen, daß es den Lehrern untersagt werde, an die Kinder solche Aufforderungen ergehen zu lassen. — Stadtv. Georgi mödtfe die Namen der Leher wessen. — Stadtv. Orbig nennt einen Namen und teilt dazu mit, daß ihm von anderer kscite das Vorhandensein der erwähnten Mißstände bestätigt worden sei. Aus die Kinder sei allerdings kein Druck ausgeübt rooroen, die Lehrer hatten sich mit der einfachen Mitteilung des Gesuchs bey 3ros. Bossius begnügt Auch in der Knabenschule soll eine ähnliche Aufforderung an die Kinder ergangen sein. — Stadtv. Hanan halt e5 für sehr bedenklich, daß die Kinder, oft wohl ohne Wissen der Eltern, Geld in die Hände bekämen, das sie doch nur zu Näschereien verwendeten. — Stadtv. Gaffky bedauert, den Anfang der Anfrage des Stadtv. Orbig nicht gehört zu haben. Er weise aber darauf hin, daß auch im Gymnasium bie Augen sämtlicher Schüler untersucht worben seien, was zu seht wertvollen Ergebnissen geführt hätte. Es sei tatsächlich burch eine verbesserte Hygiene eine Verminberung der Kurzsichtigkeit usw. herbeigeführt worben. Derartige Untersuchungen lägen im Interesse bet Kinder selbst. — Cberbgm. Mecum meint, daß es sich hier nicht um Untersuchungen in ber Schule hanbele, wie es seinerzeit im Gymnasium ber Fall gewesen sei, sondern darum, daß die Kinder nach der Klinik geschickt worden seien, um gegen ein Entgelt von 10 Pfg. als Studienmaterial zu dienen. Tas halte er, soweit eine Mitwirkung der Lehrer in Frage komme, für ungehörig. — Stadtv. Löber hätte gegen Die Untersuchungen an sich nichts einzuwenden, dagegen halte er die Vergütung von 10 Pfg. allerdings für bedenklich. Tie Untersuchung der Augen könnte im übrigen den Kindern nur von Vorteil sein. — Stadtv. Jann spricht sich ebenfalls dagegen aus, daß die Kinder zu Studienzwecken benutzt wurden. — Stadtv. Gaffky teilt im allgemeinen bie' vorgebrachten Debenken, möchte aber zunächst doch erst bie Einzelheiten ber Angelegenheit festgestellt sehen. (Zustimmung.- — Damit ist die Anfrage erledigt. Es folgt die Verlesung der B e t r i e b s r e ch n u n g für das vergangene Etatsjahr aus dem soeben erschienenen Verwaltungsbericht durch Cberbgm. Mecum. (Einen Auszug aus dieser Betricbsrechnung finden unsere Leser in der heutigen Abendausgabe.) Die Rechnung wird auf Antrag des Cberbgm. Mecum der Finanzkommission überwiesen, als deren Vorsitzender Stadtv. Schmall bis zur Erledigung der Rechnung fungieren wird. Sto. Loeber beschwert sich beim Oberbürgermeister, baß in der Presse Mitteilungen über bas Resultat der Ausschreibung ber 1 ’/, Millionenanleihe gebracht worben seien. Es sei bekannt gegeben worben, baß 10 Offerten eingelaufen feien, unb baß bas Höchstgebot 99,775 pCt. betragen habe. Seiner Meinung nach hätte bieses Resultat zunächst ber Versammlung mitgeteilt werben müssen. — Oberbgm. Mecum erroibert, baß mehrere Bankiers ihn, nachbem bie Offerten geöffnet waren, um Bekanntgabe bes Resultats ersucht hätten. Er habe keinen Anstanb genommen, es ihnen mitzuteilen. — Stv. Loeber meint, eine solche vorzeitige Bekanntgabe sei bisher doch nicht Usus gewesen. — Oberbgm. Mecum erklärt, daß bie Bankiers em sehr erhebliches Interesse an ber schleunigen Bekanntgabe des Resultats hätten. — Stv. Gaffky hält bie Hanblungsweise bes Oberbürgermeisters für vollkommen gerechtfertigt, er könne sie nicht beanftanben. — Sto. Heichelheim weist darauf hin, baß bie Bankiers ein sehr erhebliches Interesse an ber sofortigen Bekanntgabe des Resultats hätten. Würben bie Bankiers bas Resultat erst, wie es im oorliegenbcn Falle geforbert werbe, einen ganzen Tag später erfahren, so könnte bas eventuell von großem Nachteil für sie fein. Die gestrige sofortige Bekanntgabe des Resultats sei burchaus zulässig unb habe nicmanben geschähet. Heute entschiebe bie Versammlung über bie vorliegenden Angebote ganz korrekt. — Beig. Georgi erklärt, daß ihn bie Notiz in ber Presse ebenfalls eigentümlich berührt habe. Der Oberbürgermeister hätte jebe Auskunft ablehnen müßen. So fei es auch früher gehalten worben. Die Versammlung möge sich bahin aussprechen, baß in Zukunft ber frühere Gebrauch wieberhergestellt werbe. — Oberbgm. Mecum erklärt, baß er burchaus richtig verfahren sei (Zustimmung). Ja, er sei noch weiter gegangen. Er habe in Gegenwart von zwei Beamten bie Offerten geöffnet unb habe bie Herren, bie das Resultat erfahren wollten, draußen warten lassen. Die Herren hätten indessen sehr wohl das Recht gehabt, der Eröffnung der Offerten beizuwohnen. Dennoch habe er sich darauf beschränkt, nur das Höchstgebot mitzuteilen, über die andern Offerten aber Stillschweigen zu bewahren. Er habe also durchaus korrekt gehandelt (Zustimmung). — Stv. Krumm hält die große Heimlichtuerei für vollkommen zwecklos. Die Interessenten erführen ja doch alles eher als die Versammlung. Er fei überhaupt dafür, daß viel mehr öffentlich verhandelt werde und nicht so viel in den Kommissionen und der geheimen Sitzung. Weiterhin möchte er mehrere Anfragen an den Oberbgm. richten. In der Zeitung habe er von einer bevorstehenden Steuererhöhung gelesen. Er mochte wiffen, wie es sich damit verhalte. Es sei ja leider eine Tatsache, daß das Publikum, wenn es etwas wissen wolle, sich an die Stadtverordneten zuletzt wende. (Heiterkeit.) Dann möchte ec anfragen, wie hoch sich die Gesamtkosten für den neuen Friedhof belaufen. — Oberbgm. Mecum erwidert, daß er es momentan nicht genau sagen könne; indessen stehe fest, daß gegen den Voranschlag eine Ersparnis von etwa 5000 Mk. eintreten werde. — Sto. Krumm meint, wenn er also gelegentlich wieder nach diesen Kosten gefragt werden sollte, könnte er nun getrost sagen, der Dberbürgeemeifter wiße es auch nicht. (Heiterkeit.) Schließlich möchte er noch anfragen, warum so viele Abteilungen in den städtischen Forsten ein» gezäunt würden. — Oberbgm. Mecum erwidert, daß seines Wissens nur Gehege und Schonungen eingezäunt würden; von anderen Forstabteilungen sei ihm derartiges nicht bekannt. — Mehrere Redner sprechen dann noch zu ber Anfrage Löber, betr. bie Veröffentlichung des Resultats der Anleihe. Sto. Schmall meint, daß man früher dissiciler in diesen Dingen verfahren sei. — Obgm. Mecum wiederholt nochmals, daß er gerade im vorliegenden Falle dissiciler angegangen sei, als er eigentlich verpflichtet gewesen wäre; er habe die Interessenten zu der Eröffnung der Offerten nicht zugelassen, obgleich sie es wohl hätten beanspruchen können. — Stv. Heichelhe im schlägt vor, in künftigen Fällen so zu verfahren, daß des morgens der Oberbürgermeister die Offerten öffne, mittags die Flnanzkommission befragt werde unb nachmittags die Stadtoerordneten-Versammlung ihren Beschluß faße. Auf die Anfrage Krumm, betr. bie bevorstehende Steuererhöhung teilt Oberbgm. Mecuin mit, daß im Voranschlag für das kommende Etatsjahr eine Erhöhung des Gemeindesteuerzuschlages von 100 auf 114 Prozent vorgesehen sei. Ter Voranschlag könne übrigens vor dem 1. April kaum fertiggestellt werden. °Er sei im Druck und würde in etwa 8 Tagen den Stadtv. zugehen. Zur Geschäftsordnung beantragt Stadtv. Orbig, die Angelegenheit, betr. Neubau einer Kaserne, statt in ber geheimen in der öffentlichen Sitzung zu beraten. Stv. Löber unterstützt den Antrag; die Bürgerschaft habe ein Recht, näheres darüber zu erfahren. Dem Anträge wird flott* gegeben. Es handelt sich um einen Antrag deS Militär- f l skuS, für bie beiben, inderZeughauSkaserne unter- gebrachten Kompagnien euren Neubau zu schaffen. Tie Flnanzkommission hat ben Antrag durchberaten, hat aber, wie Cberbgm. Mecum mitteilt, mit Rücksicht auf bie äugen- blickliche ungünstige Finanzlage ber Stadt und auf die Anleihen, die noch in nächster Zeit aufzunehmen sind, beschloßen. Den Antrag z. Zt. abzulehnen. — Stv. Heichelheim richtet Das Ersuchen an den Cberbgm., er möge feststellen laßen, worin bie Mängel in hygienischer Beziehung, bie zu bem Anträge bcS Militärfiskus nut Veranlassung gegeben haben, beständen. Vielleicht lasse sich Abhilfe schaffen. Cberbgm. 'Illecum sagt dies zu. — Nach einer weiteren kurzen Debatte wird der Antrag des Militärsiskus im Sinne ber Finanz- Kommission abgelehnt. Es folgt geheime Sitzung. Aus Stadt und AiiiS. Gießen, den 21. März 1903. "* Auf die 3^/zprozentige Gießener Stadtau- leihe von l1/, Millionen Mark ijt, wie wir geilere schon meldeten, das Höchstgebot von 99.771 , Prozent von der Mittel- deutschen Kreditbank in Gemeinschaft m t der deutschen Genossenschaftsbank abgegeben worden. Zn der gelingen gehe men Stadt- verordnetcnsitzung wurde dieses Angebot angeuomwen. ts. R o d h c i m a. b. B-, 18. 'jJmrj. (Kinematvgraphische Vorführungen des Deutschen Flotten-Vereins.) Bekanntlich mußte Mohammed zum Berge gehen, weil dieser sich nicht zu ihm bequemte — wir sind glücklicher daran. Tie vielen, denen es nie, und diejenigen, denen es nur selten vergönnt ist, sich von den schönen, waldumrauschten Küsten der Ostsee oder von dem kahleren und doch poesieumwobenen Strande der Nordsee aus am Anblick der stolzen Schiffe unserer Kriegs- und Handelsflotte zu erfreuen, können sich trösten: der 4crg kommt diesmal zu Mohammed — die Schiffe kommen weit ins Binnenland. Ter Kinematograph, dieser Ararat von hervorragender Vollendung, wird uns im Bender scheu Saale dahier in_ ben nächsten Tagen im lebenden Bilde vieles auf das Seewesen bezügliche, eine Reihe von Stapelläufen, große Kriegsschiffe in voller Fahrt oder in Gefechtsübung, Vorgänge an Bord aus bem Leben der Matrosen u. dgl. Vorführern Für den Freund der Flottenbewegung versprechen die Tarstellungen hohen Genuß; für jeden aber kann es nur von größtem Interesse sein, auf diese zugleich belehrende und unterhaltende Weise sein Urteil über Seewesen und alles damit Zusammenhängende zu klären. Mir können deshalb den Besuch dieser Veranstaltung der hiesigen Ortsgruppe des Deutschen Flotten-Vereins nur auf das Angelegentlichste empfehlen. Alles Nähere ist aus dem Inserat in heutiger Nummer zu ersehen. » Mainz, 18. März. Heute vormittag tvollte unter der Straßenbrücke ein Schiffer mittels eines Nachens nach dem Schraubendampfer Karoline fahren. Der Nachen wurde von der Schraube des Dampfers erfaßt und umgeworfen und der Insasse in das Wasser geschleudert. Von dem Schraubendampfer konnte leiber nicht sofort Hilfe geleistet werden, da weder ein Rettungsgürtel vorhanden, noch ein Kahn angehängt war. Bis vom Lande Hilfe kommen konnte, verschwand der Mann unter einem großen Sandnachen und kam nicht wieder zum Vorschein. H e r s f e l d , 19. Nlärz. Durch einen Zusammenbruch des Gerüstes an dem Erweiterungsbau der Schilde'schen Maschinenfabrik stürzten fünf Maurer in die Tiefe, von denen der eine, Joh. Höhmann, derartige Verletzungen erlitt, daß er verschied. Tie anderen vier Maurer erlitten gleichfalls Verlegungen, die jedoch nicht als lebensgefährlich zu erachten sind. Vermischtes. • Ham bürg, 20. März. Als gestern sechs Arbeiter vom hannoverschen Elbufer nach der Arbeitsstätte bei ZulS- fanb an der Unterelbe sich begeben wollten, wurde ihr Boot durch den Sübweststurm auf den Strand geworfen unb zum Kentern gebracht. Vier ertranken. * Salzburg, 20. März. Heute traf die Großherzogin von Toskana, aus Lindau kommend, hier ein. * Mürzzuschlag, 20. März. Im Semmeringgebiet im Mürztale erfolgten in der vergangenen Nacht unb heute früh starke Erbstöße. • Drf oroa, 20. März. Im Bergwerk Ujbanje wurden burch eine Explosion schlagender Wetter6 Bergleute schwer verletzt. • Caen, 20. März. Tie Polizei verhaftete gestern einen Beamten der Dijoner Stadtkasse, welcher Veruntreuungen in Höhe von 200 000 Franks begangen hatte. Landwirtschaft. Viehseuchen in Hessen. Fm Großherzogtum Hessen treten seit kurier Zeit zwei neue, gefährliche Viehieuchen auf. Unter bem Rindvieh ist es der ansteckende Scheide n - k a 1 a r r h, der namentlich in Oberhessen und Rheinhessen auftrüt. Er ist der Zucht insofern gefährlich, als die davon befallenen BnUen mei|t unfruchtbar werden und 50 Prozent der infizierten Hübe überhaupt nicht mehr aufnehmen. — Unter den Schweinen ist die S ch w e i n e f e it ch e oder Schweinepest in einer grö Bereu Anzahl von Gemeinden und Gehöften verbreitet. Tie hohe SterblichteitszisterZ70—80 Prozent) macht dieselbe zu einer bejon bers gefährlichen Seuche, welcher namentlich bte Ferkel erliegen. Wie es scheint, handelt es sich in sehr vielen Fällen, die als Ferkel» lierben. Ruß, Pestraude unb bergl. bezeichnet werden, um diese Seuche, die jedemalls viel verbreiteter i|t, alß angenommen wurde. Las Wichtigste bei der Verbreitung dieser Seuche ist daher die richtige Diagnose. In dem »polyvelenten Schweinejerum' ist nach ben bisherigen Erfahrungen em wirksames Mittel zur Bekämpfung der Seuche gefunden unb dasselbe von ber Vereinigung deutscher Schweinezüchter in '.Berlin zu beziehen. ilrurjie itlrluuiiyrn. Criginalbraütmclbuitflcii des Gießener Anzeigers. B erlin, 21. März. Der am 23. b. M. hier sttttt- sfndcnbe Prozeß gegen das „Blurnenmediurn" Anna üothe nimmt immer größeren Umfang an. Bis jetzt finb 130 Zeugen geladen worden, 61 Betrugssälle stehen zur Verhandlung. üöln, 21. März Ter Fabrikdircktor und Stadtrat V r a u n wurde wegen Verleitung zum Meineid zu 11/$ Zähren Zuchthaus verurteilt. Außerdem schwebt noch in Verfahren gegen ihn wegen Unterschlagung von 30000 darf.