153. Jahrg. trlirhrt NlgNch mit ÄuSnabm« bet Sonntags. General-Anzeiger. Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen man RotationSbrucf unb P erlog bet f* 10 b1 *Mwä UnuxrfuätSbrudnti Wiettch Di „Gießener LamUiendlätter" werben bem Anzeiger oierma wöchentlich beigelegt. Der „hrsßfche Laüdwtr'- erschemi monatlich einmal. VerantwortNch Kh btn oflg#met*ei te BeC Ich kann bei dieser Gelegenheit nur nochmals mein Bedauern darüber ausdrücken, daß Sie den Lermitchandel damals a.geschg'ss haben; es wäre auch im Interesse der Landwirthschaft gewesen, wenn Sie das nicht gethan hätten. Ich hoffe, daß die Zeil noch kommen wird, wo man den Terminhaiiöcl wieder einfuhrr. (Lebh. Beifall links.) Abg. Herold verthcidigt nochmals die Position, es sei unbedingt norhwendig, daß ein möglichst umfassender Nachrichtendienst eingeführt würde, um die Landwinhe zu schützen. Abg. Frese (freis. Vgg.): Ich glaube für mich in Anspruch nehmen zu dürfen, daß rch den verehrien Kollegen Herold durchaus nicht mißverstanden habe, auch nicht in seiner zweiten Rede, in der er meines Erachtens selbst etwas Mißveriränülichcs produzirl hat, da der Eingang seiner Rede etwas Arideres besagt, als das Ende. Er hat beim Beginn seiner Rede gesagt, es müsse mir doch bekannt sein, daß cs häufiger vorkäme, daß durch augenblickliche Knappheit von Getreide beispielsweise in Dcurschland eine große Preis,le.gerung erfolgen könne. Damit hat er doch konstatirt, daß trotz der Aoschaf- fung des Terminhandels Derartiges auch heute noch vottommt. (Abg. Herold ruft: Natürlich!) Eben, das wollte ich hier nur feststellen, daß Sie das gesagt haben. Tas spricht doch gegen das Verbot des Terminhandels; denn von den Anhängern dieses Verbots ist seiner Zeit ja immer behauptet worden, derartige plötzliche Preissieigerungen könnten nachher nicht mehr Vorkommen. Das Umgekehrte ist der Fall Gerade beim Terminhandel kommen keine plötzlichen Stürze vor, da immer wieder Käufer ausirelcn, um den Preissturz erst nach und nach cintrelen zu lassen und auf d.ese Weise dem dabei interessirtcn Publikum Gelegenheit zu geben, zu weniger ruinösen Preisen zu verkaufen. Dasselbe ist ja für die Börsengeschäfte gestern hier des Weiteren ausgeführt worden, und ich > brauche darauf nicht näher einzugehen. Ich möchte aber hier noch darauf himveisen, wie der Wunsch des Herrn Herold, erfüll, sich in der Praxis gestalten würde. Er wünscht, daß eine Einrich ung getroffen werde, wo sozusagen von der Mehrheit in der Koinmission der Preis sestgcstelli ivird. daß also ein Preis für eine ge.ri e Zeit dckretirt werden soll. Tas würde ja eine Einrichtung siin, an der sich alle Spckulantei- betheiligen können. Wenn sie es du.ch 7ycn, daß sie für eine bestimmte Zett eine Stabilität eine» ihnen gen .neu Preises haben können, so iann sich Außerordentlich gut eine Spekulation darauf einriebten. Wollen Sic Derartiges einfütjun — ich kann es Ihnen nicht verdenken Aber ich glaube: das bekommen Sie nie fertig. (Beifall links.) rxug. u.ehiö) (kons.) führt aus, der Vorredner habe sich großer lieber...jungen scouuug gemacht, die iqm in Mecklenburg teiner g.uuoen werde. Er miste daher bitten, H.rr Dr. H.rzf.ld solle ihrr Vicepräsidenten Büsing zweimal zur Sache gerufen und auf die gefa ä).»ordnungsmäßigen Folgen eines dritten ptufs zur Sache aufmerksam gemamt. (Beifall rcazts und tm Eentrum. Zuruf des wrg. Sair.cr: Laß, Va.er. genug sein des grausamen Spiels.) Abg. Heizfeiv ssortfahrend) erklärt, mit Bezug auf diesen I Zlvisa/cnrus ag nur auf Leiten der Soziatdemokratcn noch Sinn unöVcrstunkmig für Kultur fragen herrsche. (Lachen rechts und im Eentrum.) Er bitte den L:aa.ssclretär, dieser Frage sein Augenmerk zu scbenken. Zur Förderung des Absatzes landwirth schastlicher Erzeugniffe und zur Unterstützung allgemeiner landwirthschaftssreundlicher Bestrebungen werden 75 U00 Mk. verlangt. m Abg. Herold (Cenrr.) wünscht eine bessere und gründlichere Aufklärung der Landwirthe über die internationale Preisbewegung aller Agrarprodukte. Er wünscht zu diesem Zwecke die Bildung einer besonderen Korporation, die vom Landwirrhschaftsraih werden soll. Parlamentarische Pcrhandlniiszcii. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestaltet. Deutscher Reichstag. 268. Sitzung vom 20. Februar. 1 Uhr. Das Haus ist mäßig besetzt. Am BundeSrathstisch: Graf Posadowskh u. A. Eingegangen ist die Novelle zum Krankenkassengesetz. Die zweite Berathung des Etats des Reichsamts des Innern ivird fortgesetzt. Zunächst zur Debatte steht der Titel: Maßnahmen $ur Bekämpfung der Reblauskrankheit. Hierzu liegt die Resolution Dr. Blankenhorn lnat.-lib.) vor, in welcher der Reichskanzler ersucht wird, Maßnahmen zu treffen, um der Reülauskrankheit in Elsaß-Lothringen entgegenzutreten, damit sie nicht auf anbere Bundesstaaten übergreife. Abg. Preih (Els.): Auch der elsaß-lothringischt Weinbau will das Ausrottungsverfahrcn mitmachcn, soweit er dazu genügend leistungsfähig ift. Die elsaß-lothringische Verwaltung hat bis jetzt auch ihre Pflicht gethan. Daher sind besondere Maßnahmen nicht mehr nothwendig. Tas Reich, das in den siebziger Jahren die Verwaltung hatte, hat die Reblaus sich einbürgern lassen. Damals beging das Reich die Unterlassungssünde. Die Landesverwaltung ist schuldlos. Also muß auch die Ausrottung der Reblaus Reichssache sein. Wenn daS Reich die Kosten trägt, sind wir mit dem Verfahren ganz einverstanden. Die Resolution ist gegenstandslos, da die Regierung das, was sie verlangt, bereits gclhan hat, indem sie in nähere Erwägungen cingeircten ist. Abg. Baumann (Ctr.) hält im Gcgcnthcil die Resolution für höchst dringend, da die große Gefahr bestehe, daß die Reblaus von Elsaß-Lothringen nach den Nachbarländern verschleppt werde. Besonders in seinem Bezirk, in Unterfranken, fei Gefahr im Verzüge. Redner beleuchtet in kurzen Worten die dortigen Verhältnisse. Abg. Dr. Tcinhard (nat.-lib.) 3d) 'habe schon im vorigen Jahre darauf aufmerksam gemackst, welche Gefahr dem fränkischen Weinbau durch die Verschleppung der Reblaus aus Elsaß-Lothringen droht. Tamals hielt ick; das Eingreifen des Reichskanzlers allerdings nock) nicht für nothwendig. Mittlerweile Haden sich die Vcc- hälmisse berfdjärft. Unser Antrag ist keineswegs diktirt von Mißtrauen oder Uebelwollen gegen die elsaß-lothringische Verwaltung. Das ist aber nicht richtig, daß die Reblaus schon tm Frankfurter Frieden übernommen ist. Wäre die Infektion so alt, so gäbe es überhaupt keinen Weinbau mehr. Tie elsaß-lothringische Verwal- Abg. Graf Schwerin-Lowitz (kons.) führt aus, daß cs sich hier nicht nur um Interessen der Landwiichschajt, sondern auch um wich- g.bildet tige Unteren en der Konsumenten handle, cuicr Kommis.on, die I , t zetzt f0,011 in Paris bestehe, sollten die Mittel gewahrt toe.uen, Mtt- .. Pr;. Ludekum (Soz.) erklärt, feine Partei wolle überall rhrilungen iibct die Lage des gijamnucn Getre.den.ar.tes zu itc Staiiftif fördern, könne es aber nicht billigen, wenn einer rein- bringen. Durch bencie Information wurde cs mog.ia) fein, all^u große Schwankungen auf dem Gctrcidemarkt zu verhüten. Ein Äortheil des BörsengesctzcS sei eS, daß in den Gcttcibep.eisen eine größere Stabilität herbeigcfuhrt sei. Staatssekretär Graf Posadowöky erklärt, daß cS sich er't her» ausstcllcn muhte, ob die Kommission and) streng Wissenschaf, lich und objektiv arbeite. Biö jeyt sei noch keine Unterirutzung gewährt Worten. Sollte cS sich zeigen, daß nicht wissenschaftlich und objektiv gearbeitet werde, so werde die Regierung keine Zuschüße gcw ihren. Abg. Dr. R^sickc (B. d. Landw) meint, Herr Frese scheine den Bund der Landwirthe nidir genügend zu kennen. Er möge nur mal nach der Tessaiierstraße kommen, dann würde er staunen über die praktische Arbeit, die dort geleistet werde. Tas Reid; könne noch viel thun um die Landwirthschaft besser 311 insormiren. Für den 1 guten Rath der Linken, nur der Börse und ihren Spekulationen, zu | folgen, danke die Landwirthschaft, da sie sonst nur d.n Beutel der Spekulanten füllen mußte. Kein Mensch hätte es verlangt, daß durch Majorität die Preise fcssgesiellt würden. Tic Regierung, möge fid) nicht von der Linken umgarnen lassen, sondern den beliebten Mittelweg gehen. Abg. Gothcin (frei)'. Vcr.) bemerkt, aus den Reden der Herren von der Rechten gehe nur der Wunsch hervor, wieder eine Pceis- j r.otirung zu haben, wie man sie früher hatte. Ta hätten die i Herren aber das Barometer zerschlagen uiid jetzt sollte die Re- , gierung für Ersatz sorgen. Wenn es sich nur um eine Verbesse- , rung der Statistik handle, so würde kein Mensch etwas dagegen ' haben. Aber hier handle es sich um eine Zuwendung an eine i private Gesellschaft, gerade als ob cs kein amtliches statistisches Amt gebe. Wenn die Vcröffcn.Eichungen nach Art der „Nachrichten für Handel und Industrie" erfdicincn sollten, kämen sie monatelang zu spat, eS sei also ein Versuch mit untauglichen Mitteln. Der Hauptzweck sei wohl nur, einen Einfluß auf die Preise zu gewinnen. Ein Beweis dafür, daß seit dem Verbot des Termin- handelS die Schwankungen der Getreidepreise geringer geworden, sei in keiner Weise erbracht. Jetzt solle die Zeitschrift „Ter Getreidemarkt" von Prof. Ruhland subvcntionirt werden, und dabei habe gerade dieser Herr zu den wüstesten Spekulationen aufgefordert. Wenn die Landwirthe ein Interesse an Nachrichten hätten, müßten sie sie aud) selbst bezahlen. Abg. Frhr. v. Wangenheim (kons.) führt aus, wenn die Landwirthschaft etwas Gemeinnütziges wolle, mache die Linke gleich mobil. Wenn aber gar die Dessauerstratze mit in Betracht komme, dann erhebe sich gleich ein Lärm, als ob es sich um ein Werk deS Teufels handle. Und dabei solle hier dod; nur eine feste AuS- kunftSstelle gefdjaffen werden, die von Beamten unmöglich ins Samstag, 21. Februar 1903 Giehener Anzeiger agrarischen Korporation Mittel zur Verfügung gestellt werden sollen. Staatssekretär Dr. Graf von PosadowSky erklärt, daß an sich ein solches Bestreben nach einer Statistik durchaus zu unterstützen fei. Doch hätten an der Aufstellung derselben nicht nur die Lmid- wirthschaft, sondern auch die Mühlenindustrie und der Handel Interesse. Einer solcherart zusammengesetzten Korporation könnte sehr wohl eine Beihilfe gewährt werden, doch habe sic sich nod; nicht ge- । bildet, und auch von einer Zusage der Regierung könne einstweilen noch keine Rede sein. Abg. Frese (freis. Sorg.): Ich bin über die Rede des Abg. Herold einigermaßen erstaunt ; er wünscht, man möge dafür sorgen,- daß die Preise immer ganz stabil seien. Wie macht man das? Tas ist doch ganz unmöglich. Es ivird nie cinzurichien fein, daß 1 wir ganz feste Getreidcprcise haben; wer soll daö garantiren? (£8 j wird darüber geklagt, daß die Landwirthe sehr häufig nicht genau über den Stand der Preise unterrichtet sind. Ja, warum hat denn die Majorität des Hauses damals daS beste Instrument, welches ja der Handel erfunden hat, den Terminhaiidel todtge- schlagcn (Sehr gut! links.) Damals hatten Sie cm ganz genau gehendes Instrument, das Ihnen jeden Tag anzeigte, wie durch die Gestaltung des Wettmarltes sich die Preise in Deutschland 1 stellten. Dies Instrument ist entzwei, aud) gegen den Rath be- ; rühmler Männer der Wissenschaft. Und nun wollen Sic von der Negierung Gelder, um Ziffern einzuziehcn zur genauen Feststellung der Preise. Tas ist ein sehr umständliches Verfahren, mit dem' Sie immer post festum kommen werden. (Sehr richtig! links.) ! Wenn Sie erst eine Kommission bilden wollen aus den vcischieden- । Werk gefebi werden könne. Abg. Frese erklärt, niemals habe die Rechte den Beweis dafür erbracht, daß der Terminhandel große Schwankungen der Ge- trcidepreise herbeigeführt habe. Die Preisstürze hätten eine ganz andere Ursache gehabt. Hier handle es sich nur darum, daS Material einer privaten Korporation zu sammeln, um daraus Schlußfolgerungen bezüglich der Preisfeststellungen zu ziehen. , Seine Freunde würden nichts dagegen haben, wenn das ftattsttsche Amt Veröffentlichungen der gewünschten Art herausgäbe, einer privaten Gesellschaft würden sie jedoch keine Mittel bewilligen. Abg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim (nat.-lib.j unterstützt die Anregung des Abg. Herold. Der Titel wird hierauf bewilligt, ebenso eine Reihe I weiterer Titel. Beim Titel „ReichSkommissariate, Ueberwachung des Aul» wandcrungswesens" erörtert Abg. Eahenöly JSentr.) Mißstände tm AuSwanderungswesen und bittet den Staatssekretär für Abhilfe Sorge zu tragen. Beim Titel .ReichSschulkommission" macht Abg. Dr. Pachnicke (freis. Vgg.) darauf aufmerksam, daß die Reichsschulkommission Veranlassung genommen habe, die Verhältnisse in der Ritterschaftsschule in Lubthenen zu rügen. Die mecklenburgische Ritterschaft habe aber nichts gethan, um den offenbaren Mißständen abzuhelfcu. Auch die mecklenburgischen Volksschulen ließen noch viel zu wünschen i'ürig, die Lehrer seien vollständig von den Patronen abhängig. Ti: Gehälter, selbst der wissenschaftlichen Lehrer, feien dort viel zu gering, ein Oberlehrer, ein hervor- raernber Kenner der mecklenburgischen Geschichte, habe nach 80jäh- i ger Dienstzeit nur 2300 Mt. Gehalt bekommen. Dabei seien die Lehrer auf halbjährige Kündigung angestellt und hätten keinen gesetzlichen Anspruch auf Pension. Nur das Reich könne helfen, vor Allem müsse Mecklenburg eine Verfassung bekommen. Vicepräsident Büsing bittet den Redner, bei diesem Titel doch nicht die ganzen internen Verhältnisse eines einzelnen Bundesstaates zu erörtern. Abg. Dr. Pachnicke (fortfahrend) führt aus, daß nur daS Reich den elenden Schulzuständen in Mecklenburg ein Ende machen könne, da die Rttterschafl nichts thue, und die mecklenburgische Regierung zu rückständig sei. Abg. Dr. Herzfeld (Soz.) unterstützt die Anregung des Vorredners. Dian müsse aber vorher die Kompetenzen der Neichsschul- fommifjion erweitern, vielleicht ein Rcichs-Schu.amr gründen, m l der Dcsugniß, auch wirkliche Reformen durchzusührei - in Mecklenburg, sondern auch in anderen BundeSsta sd)rciende Mißstände auf dem Gebiete der VollSscknw: Reich hätte die dringendste Verpflichtung, für die Vottsbildu-g -u sorgen. Auch für eine bessere Bezahlung der Lehrer müßte gesorgt werden. Redner verbreitet sich ausführlich über die BesoldungSoerbättnisse dcr Lehrer in Mecklenburg und fordert ein Mimmal-Gelalt für die Lehrer. Vicepräsident Büsing bittet den Redner, doch nicht allzusehr sich auf die materielle Lage der Lehrer einlassen. Ich sehe keinen Zusammenhang mit dieser Forderung unb dem Etatslitel. Abg. Herzfeld (forlsahrend): Ich sehe den Grund nicht em, weshalb ich nicht darüber sprechen soll. Viccpräsidcnt Büsing: Ich ersuche Sie dringend, eine Kritik der Geschäftsführung des Präsidenten zu unterlassen. Abg. Herzfeld (forlfahrend) versucht wiederholt, die materielle . Lage dcr Lehrer in Mecklenburg zu erörtern und wird mehrere Male vom Vicepräsidemen Büsing umerorodjen. Als Redner trotzdem noch Tabellen über die Gepalter der Lehrer borlcgt, wird er vom sten Berufen — Sie wollen ja sogar die Güte haben, einige Leute I vom Handel zuzuziebeu, die aber wahrscheinlich nichts zu sagen I haben werden, weil die Mehrheit aus Landwirthen bestehen wird, hat doch gestern sck;on Graf Kanitz sogar bedeutet, daß im Börsen- j auSschuß Leute, die mit der Börse zu thun haben, die Mehrheit! bilden, da werden Sie doch sicher, wie wir in Anspruch nehmen, daß in Börsensachen die Herren von der Börse die Sachverständigen sind, für sich, wenn die Sache im Landwirlhschaflsraih gemacht wird, in Anspruch nehmen, daß dort die L.mdwirthe die Sachverständigen sind. Wenn da vielleicht die zugezogelien Kaufleute eine gegenteilige Meinung über die Bewegung der Ernten und die Preise äußern sollten, so wird die Meinung so hinaus dekretirt werden, wie es nad) Ansicht dcr Herren von der Landwirthschaft sein soll. Der ^Wunsch, daß die Getreidepreise möglichst stabil bleiben, kann nie erfüllt werden. Dagegen spricht doch der gesunde Menschenverstand. (Sehr gut! links.) Sie werden die gemachten Ermittelungen nicht so rasch an den Mann bringen, daß irichr unterdessen längst eine andere Konjunktur cingeircten ist. (Sehr richtigI links.) So werden Sie nicht erreichen, daß der Landwirth gut orientirt wird, um zur echten Zeit zu verkaufen. Tas ift nur eine allgemeine Binsenwahrheit, daß, wenn die Preise heruntergehen, das Publikum' glaubt, mit der Konjunktur stehe es sehr sdjlccht und daß, wenn die Preise hinaufgehen, das Publikum glaubt, sie würden noch Wetter steigen. Das siiid tagtägliche Erscheinungen; solchen eventuellen Täuschungen unterliegt Jeder, der der Sache nicht näher getreten ist. Früher hatte der Landwirth es einfacher, er braud;te imUebrigen nicht so außerordentlich unterrichtet zu sein, wenn er sich nur Darum kümmerte, welche Preise der Tcrminhandel jeden Tag anzeigte. Da hätte er einen außerordentlich wichtigen Werthmesser. Wenn gesagt wird, die Ge- tteidehändler sind selbst für Abschaffung des Terminhandels ein- getreten, so mache ich aufmerksam darauf, daß schon bei der Berathung des Börsengesetzes mit Recht bemerkt ist, daß ein Ge- treidehändler wohl ein Interesse daran haben kann, nicht jeden Tag genau durch die Einrichtung des Terminhandels den Preis angeben zu lassen; er kann ein großes Interesse daran haben in einer Zeit, die ihm für den Einkauf billig erscheint, zu kaufen,! um dann später, wenn die Verhältnisse sich so gestaltet haben, wie er 1 es sich bei seinen Einläufen gedacht hat, mit gutem Nutzen sein Getreide wieder los zu werden, vielleicht in einem Augenblick, der, wenn der Terminhanoel und seine Einrichtungen nod) exislirten, ihm den Nutzen nicht bringen würde. Weshalb die Landwirth- schäft sich hier auf die Getreidehändler berufen will, verstehe ist nicht. tung ist aber, wie mir scheint, nicht stets mit dem nöthigen Emst vorgegangcn. Aus verschiedenen Berichten geht hervor, daß man Monate lang um die Verseuchung mancher Bezirke gewußt hat, ohne daß man ,ich beeilt hat, einzuschreiten. Es genügt auch nicht, daß man irgend welche an sich wohlgemeinte Maßnahmen ergreift. Man muß solche anwenden, die wirklich die Nachbargebiete schützen. Und vazu ift allein das AuSrottungSverfahren geeignet. Allerdings muß bei der Entschädigung gerecht Vorgehen. Im Uebrigen glaube ich: Wenn irgend eines der deutschen Vaterländer in der Lage ist, etwas zu diesem Zweck aufzubringen, so ist es gerade Elsaß- Lothringen mit seiner schonen, wohlentwickelten Jndusttie. Tas Reich hat genügend für Elsah-Lothringen gethan: es hat z. B. dort Reid;scisenbahnen gebaut, die dem Lande außerordentlich nützen, ohne daß sie dem Reich die entsprechende Verzinsung bringen. Da sollte auch Elsaß-Lothringen dessen eingedenk sein, was es den übrigen deutschen Landesiyeilen schuldet. Abg. Wctterle (Els.) behauptet, daß von Seiten der elsaß-loth- ttngischen Verwaltung alles Mögliche geschehen fei. Jetzt müsse das Reick) eingreifen. Geheimrath Halley: Wir sind beunruhigt, ja beängstigt. Durch' die Ausführungen des Abg. Deinhard ging ein Gefühl des Miß-, trauens gegen die elfaß-loihiingisd)e Regierung. Darin ist er aber 1 im Unrecht. Sie hat in der Thai Alles geihan und ist im Begriff, | noch mehr zu thun. Dem Mißtrauen des Abg. Deinhard ]icl)t । gegenüber das vollständige Vertrauen der elsaß-lothringischen Be-1 völkerung. Wenn bei der mangelhaften Finanzlage solche Opfer, gebracht werden, wie es geschehen ist, so kann man von Lästigkeit । nicht sprechen. Redner gicbt eine Uebersicht über alle getroffenen Maßnahmen, die seiner Meinung nach alles darstellen, was über- : happt gegen die Weircrverbccitung der Seuche geschehen kann. * Abg. Ecihcnöly (Centr.) befürwortet den vorliegenden Anttag, ebenso Abg. Dr. Mllller-Sagan (freis. Vp.), der die schwersten Besorgnisse in Bezug auf die Zukunft des deutschen Weinbaus äußert. ' Abg. Lucke (B. d. L.) bezweifelt ja nicht, daß die elsaß-lothringische Regierung sich bemüht habe. Tie Frage sei nur: Wiel Wäre man in Elsaß-Lothringen mit der Energie der preußischen ' Regierung aufgetreten, die NcblauSgcfahr wäre bereits befeitigt. Es sei nicht gewissenhaft, sich vor den Ausgaben zu drücken und die Augen vor der drohenden Gefahr zu schließen. Geheimrath Halley bestreitet, daß die elsaß-lothringische Verwaltung nicht mit der genügenden Rücksichtslosigleit gegen die Reblausgefahr äufnete. Abg. Preiß (Els.) hält den Kampfton nicht für angebracht, ben der Abg. Deinhard gegen Elsaß-Lothringen angeschlagen habe. ' 2lian solle gemeinsam vorgehen gegen den Feind und sich nicht gegenseitig verbittern. Ueberhaupt sei es ein bedenklicher Weg, den man ginge, wenn man die Reichsregierung zur Rettisizirung einer Landesregierung anrufe. Deinhard (natl.) erklärt, er kämpfe hier gegen die Jtcülauy und nicht gegen Elfaß-Lothringen. (Hettcrkcit.) Der Reblaus sei es gleichgtttig, ob sie Reben von lothringischem Rothwein 00er von Riesling-Weißwein von der Mosel zu sich nimmt. (Hciter- tttt.I xqb r^ehler gemacht worden seien, müsse offen anerkannt1 werden. ' Geheimrath Halley bereitet nochmals, daß Elsaß solche Fehler ' gemacht habe. D 1 0 ' 0 ’ \ , Hierauf schließt die Debatte. Die Resolution wird'1 gegen d,e stimmen der Elsässer angenommen. Zu Aufwendungen für Einrichtungen und Veranstaltungen im ; Interesse von Handel und Gewerbe werden 50 000 Mk. verlangt. 1 : '^iüllcr-^agan (frei). Vp.) spricht über die vom 1 Re'ch-amt des Innern herausgegebenen Nachrichten für handel unb 1 Sntuime. Er wünscht, batz dieselben bem großen Publikum mehr i zugänglich gemachi werben sollen. i §S. \ iunpfe 3 1488t | ic. :c. • ÄHs mufc 'ectraQ6haJ?lnd nahm ^°"disch^lung^ wünschi ^L der lungen -ach. ÖStarTin« Stern iMit ^o^ampfer von r^AuSkiinstertheilen itat Linie in Antwerpen Retter im F1 Sonne" in Gietzen, 80 pstein in LangSdors- ^jktzkll vvd ifpolstern »w’.Ä’SV en, y5titui8unb Ebenen ich dem vack -""'"»enanfle'er. * on land*e!,r ,r\K in ben eilte« »fühlt billigt ' c. 58. mit solchen Uebertreibungen vom Leibe bleiben. Er lehne eS ab, ihm gi antworten. Mq. Dr. Sattler (natl): ?llS Herr Herzfeld seinen Zusammenstoß mit dem Präsidenten hatte, erlaubte ich mir den Zwischenruf: »Laß, Vater, genug sein dcZ grausamen Spiels I" Es sollte dies ein Ausdruck des Mitleids für Herrn Herzfeld darstellen, der von dem Präsidenten reltifizirt wurde. Herr Herz-1 seid hat aber diesen Zwischenruf so ausgelcgt, als ob ich das Dcrhälmiß der Volksschulen in Mecklenburg zu ihren Patronen als ein grausames Spiel bezeichnet hätte. Wir sind immer für die Volksschule und deren Hebung eingetreten. (Widerspruch bei den Soz.), so daß ich es gar nicht nöthia hätte, jenes Mißver- ständniß auszuklärcn. Wenn ich es trotzdem thue, so aus dem OJrunbc, weil ich die Gewohnheiten der Preße der Partei des Herrn Herzfeld kenne (Unruhe bei den Soz.), die die Gelegenheit vermuthlich wieder benutzen wird, um in ihrer bekannten Weise die Sache wieder so darzustcllen, als seien aus meinem Kreise ungünstige und höhnische Bemerkungen über die Volksschule und was damit zusammenhängt gefallen. Ich bezeichne batjer die Ausführungen des Abg. Herzfeld als eine durch nichts begründete Unterstellung und weise seine Auslassungen als nichtig und verkehrt zurück. (Beifall links.) Abg. Dr. Pachnicke (freis. Vgg.): Der Abg. Rettich hat sich die Erwiderung auf die Rede des Kollegen Herzfeld sehr leicht gemacht. Er lehnt es einfach ab, zu antworten. Es wird in Mecklenburg nicht anders werden, ehe nicht der Bevölkerung politische Rechte gewährt werden, damit sie an der Gesetzgebung und Verwaltung des Landes theilnehmen kann. Vieepräsident Büsing: Da? gebärt doch nicht zur Sache. Abg. Dr. Pachnicke lfortfahrend): Ich glaube, da? zur Abwehr sagen zu müßen. Es ist dringend nöthig, daß in Mecklenburg endlich eine Verfassung eingeführt wird. Abg. Dr. Herzfeld (Soz.): Der mecklenburgische Bevollmächtigte alänzt wieder durch Abwesenheit. An seiner Stelle tritt Herr Rettich für die Mecklenburger Ritterschaft ein. (Abg. Rettich: Nein, da- habe ich garnicht gethan!) Der Abg. Sattler hat seinem Zwischenruf eine andere Auslegung gegeben, aber ich weise barmrf hin, daß er im Landtage nichts thut, um die schlechten polnischen Schulzustände zu bessern; er ist das größte Hindcrniß für die Verbesserung der Schule im Osten. Staatssekretär Graf Posadowsky: Ein Mitglied dieses Hauses hat einmal das geflügelte Wort gesprochen: Vom Bund'srathstisch hört man nichts wie Schweigen. (Heiterkeit.) Ich möchte nicht. daß man dies Wort auch jetzt anwendet und will deshalb kurz erwidern. Der Abg. Herzfeld ist auf die mecklenburgischen Verhältnisse -u sprechen gekommen und har bedauert, daß der mecklenburgische BundesrathZbevollmächtigte nicht hier ist. Das ist entschuldbar, ! denn er konnte unmöglich voraussehen, daß sich an den Titel »Schul- I lomwission" eine Debatte über die Volksschule in Mecklenburg an- ! knüpfen würde. (Sehr richtig! rechts.) Tie Reichsschulkommission hat keine andere Aufgabe, als zu prüfen, ob die Anstalten, deren Lehrplan dahin geht, jungen Leuten die Bildung für den einjährigen Dienst beizubringen, auch ihrem Zweck entsprechen. Wäre der mecklenburgische Bundesrathsbevollmächtigte hier anwesend gewesen, so hätte er jedenfalls die Einwände in schlagender Weise dadurch erledigt, daß er erklärt hätte, daS mecklenburgische VolkS- schulwesen stehe nrii der Reichsschulkommission in keinem Zusammenhang. (Sehr richttg!) Bei dieser Gelegenheit eine kleine staatsrechtliche Ercnrsion. Das deutsche Reich ist seiner Zeit begründet worden unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Die einzelnen Regierungen baben auf gewisse Rechte verzichtet zum Besten deS deutschen Nationalstaats. Sie haben ihrem Verzicht in der NeichSverfassung ganz beftimnrte Grenzen gegeben. Weder der Reichstag noc6 der Bundesrath ist in der Lage, beliebig diest Grundlage zu verändern. DaS kann nur geschehen auf Beschluß aller betheiliaten Negieruuaeu, und dieser wird nie derartige Beschlüsse fasten, wenn der betreffende Einzelstaat nicht einverstanden ist. «Widerspruch b. d. Szd.) Beweisen Sie mir doch, wo das Gegenthcil der Fall war I Wir können nickt gegen den Dillen der Bundesstaaten die Grundlagen verändern, die bei der Schaffung des Reichs maßgebend gewesen sind. Wenn auf die Rcichs-Antomobil-Ordnung hingewiesen lüirb, so erwidere ich, daß wir garnicht daran denken, ein solches Gesetz zu erlassen, sondern ‘ eS soll eine Uebereinstimmung sämmtlicher Bundesstaaten herdeigeführt werden über gewisse Grundsätze, die für den Erlaß von Polizeiverordmingen mastgel>eud sein sollten. Daß die Bundesstaaten jemals damit einverstanden sein sollten, daS DolkSschnkwesen dem Reich zu unterstellen, halte ich für ganz ausgeschlossen. Preußen wäre der erste Staat, der dagegen lebhaften Diderwruch erheben würde. Abg. Dr. Sattler (nat.-lib.): Als der Abg. Herzfeld behauptete, ich sei ein Ha pthinderniß für die Heb: "g de? VolkSschnlwesenS in Osten, da fragte ich imdi: Do Hut Herr Herzfeld vielleicht in ! Kamerun oder nuf einer wildfremden Insel? (Heiterkeit.) Jeder. I der die preußischen Vcrhältniste kennt, weiß, daß I ich mit meinen Freunden jeder Zeit für die Hebung der Volksschule in jenen Provinzen eingetreten 'pM. Nun habe ich zu meiner Ueberraschung gesehen, daß Herr Herzfclv in Berlin wohnt. Ich kann mir also seine Behauptung nur so erklären, daß er sich entweder in die Verhättniste Mecklenburgs so tief hweinverbiffen hat «Heiterkeit), daß ihm die preußischen Zustände unbekannt sind, oder aber er muß ein weltfremder Sonderling sein, der von dem, waS um ihn vorgeht, keine Ahnung hat. Er hat ferner so gethan, als ob ich meinem Zuruf eine andere Auslegung gegeben habe. Ich verbitte mir solche Unterstellung, als ob sich mein Zwischenruf auf die Volksschule bezogen hät^e. (Beifall.) Abg. Dr. Pachnicke (freis. Vg.) wendet sich gegen die staatsrechtlichen Ausführungen deS Grafen PosadowSky. ES seien im Reichstage Anträge zur Derathung gelangt, die eine Einführung einer Verfassung in Mecklenburg bezweckten. DaS Reich habe zweifellos daS Recht, feine Kompetenzen nach gewisser Richtung zu erweitern. Das babc Graf PosadowSkv selber des öfteru anerkannt. Man dürfe den Mecklenburgern nicht länger daS voreuthalten, WaS die Kulturstaaten aller Welt besäßen. Dbg. Dr. Herzfeld führt auS, daß die National-Liberalen nichts gethan hätten um den Schulrnißftäudcn in den polnischen LandeS- theilcn ein Ende zu machen. Staatssekretär Graf PosadowSktz erinnert nochmal? daran, daß die Schulkommifsion mit den inneren Sckmlverhältnissen nichts zu thun habe, sondern lediglich eine rein militärische Institution sei zur Ueberwachung deS Einjährigen - Freiwilligen • Deiens. Allen Aisträgen auf Erweiterung ter Reich Skompetenz bezüglich deS Schulwesens würde Preußen den energischsten Widerspruch entgegensetzen. Auch würde sich hier eine einheitliche Regelung gar nicht durchführen lassen. Dbg. Dr. Sattler erwidert dem Dbg. Dr. Herzfeld, daß er keine Polendebatte entfesseln wolle. Die National-Liberalen hätten aber stets, wenn sie irgend welche Mißstände in den polnisch- sprechenden LandeSthetlen gehört hätten, daS ihrige gethan. tnr eine Beffernng herbeizuführen. Der Titel wird hierauf bewilligt, ebenso eine große Reihe weiterer Titel. Sodann vertagt das HauS die weitere Berathung auf Sonnabend 1 11 h r. Schluß 61, Uhr. Kejst/cher Landtag. R. B. Darmstadt, 20. Febr. Dm Ministerttsch: Staatsminister Rothe, Finanz^- Minister Dr. Gnan th. Geh. Staatsrat Krug v. Nidda unb die Ministerialräte Dr. Best, Braun und Dr. Becker. Das Haus setzt, nachdem Präs. Haas die Sitzung um 91/4 Uhr eröffnet, sofort die Etatsberatung bei Kap. 12, Direkte Steuern, Regalien, indirekte Auflagen und Einnahmen aus verschiedenen Quellen fort Abg. Dr. David (Soz.) bringt verschiedene Klagen über die Ausführung der Fahrradsteuer vor. Es erfolgten zu viele Strafen; man vergesse auch häufiger die Zahlung und sollte deshalb rechtKeitig daran erinnert werden Es würde auch häufiger der Versuch gema(cht, von der Steuer befreite Arbeiter für dieselbe heranKUKiehen Ministerialrat Dr. Best erwidert, es erfolgten alljähr- tich rechtzeitig die Aufforderungen in den Blättern zur Zahlung des Fahrradstempels. Die Regierung erwäge zurzeit ein weiteres Entgegenkommen in Bezug auf den Zahlungsmodus. Abg. Graf Oriola (natl.) fuhrt Beschwerde über die Handhabung der Hundesteuer, die nicht immer mit der nötigen Rücksicht und Milde geschehe, namentlich nicht mit Bezug aus die Bestimmungen des Gesetzes vom Jahre 1900. Man lege dasselbe zu fiskalisch aus. Redner führt hierzu einen Fall eines Mühlenbesitzers an. Er habe den Eindruck, daß den Herren Ulrich und Dr. David, die ja in der Sammlung von UnKusriedenheit ihre besondere Aufgabe erblicken, das meiste Material aus solchen, durch schroffe Anwendung der Gesetze mißgestimmten Kreisen zugeführt werde. Abg. Korell (h. Vp.) bemerkt zur Vermeidung von Mißverj'tändnissen, daß er in der Generaldebatte ganz den Anschauungen des Finanzministers entsprechend sich über die Finanzlage geäußert habe und die .Hoffnung hege, daß wir auch in Zukunft ohne Steuererhöhungen auskommen würden. Wenn die Steuerquelle ruhig und ergiebig weiter fließen solle, sei ein Schutz des Mittelstaub es notwendig. Ministerialrat Dr. Becker erwidert aus die vorgetragenen Beschwerden. Man dürfe doch nicht in seinen Ansprüchen zu weit gehen und zu viel von der Regierung verlangen, wie dies der Vorredner jüng'sh bezüglich der landwirtschaftlichen Buchführung getan habe. Die Hundesteuer sei herabgegangen, nicht wegen starker Abnahme der Zahl der in Hessen gehaltenen Hunde, sondern arößten- teils durch die Wirkung des Gesetzes von 1890, das die Steuerbefreiung für in einsamen Gehöften gehaltenen Hunde bestimmt Es wurden danach 1600 Hunde steuerfrei, was eine Mindereinnahme von 16 000 Mt ausmacht Es sei eine milde Anwendung zu Gunsten der ärmeren .Hundebesitzer angeordnet Abg. Weidner (chr. soz.) beklagt die frühzeitige Heranziehung junger Hunde zur Steuer nd die schroffe Erhebung des Stempels für Marktwirtschaften in Oberhessen. Abg. Dr. Schmitt (Zentr.) meint, daß bei uns zu Lande der heilige „Bureaukratius" eine große Rolle spiele und auch den Anlaß zu den vielen Beschwerden gebe. Der Finanzminister solle doch öfter einmal Anweisungen nach dem Beispiel Miquels an die Steuerbehörden erlassen, daß die Gesetze mit möglichster Rücksicht zur Anwendung gelangten. Auch er habe in Steuerangelegenhe'iten viel über den großen Eifer junger Assessoren zu klagen. Die älteren Beamten kämen den Steuerzahlern wohl meist mit Milde uni) Gerechtigkeit entgegen, aber der allzu große Eifer der jüngeren Beamten nähme c5 manchmal mit dem Inquisi- torium doch gar zu arg und werde überall peinlich empfunden. Auch die Landeskommission erfülle bei Reklamationen, wofür Redner mehrere Beispiele anführt Der ^erwaltungsgerichtshof komme daher häufig in die Lage, solche Entscheidungen umzustoßen. Eine Besserung bezüg- ltch der Behandlung der Steuerreklamanten sei dringend erforderlich. Finanzminister Dr. Gnauth bemerkt dem Vorredner, chm seien die angeführten Fälle bezüglich der Steuer-Deklarationen ebenfalls schon befannt geworden und es seien auch bereits die entsprechenden Aiiweisuugen erfolgt. Leider sei zurzeit der in Betracht kommende langjährige und verdienstvolle Beamte erkrankt, es sei aber inzwischen für eine geeignete Vertretung Sorcp getragen worden. Ministerialrat Dr. Bett er führt aus: Wenn über die nickst, immer rücksichtsvolle Behandlung der Steuerzahler durch junge Assessoren geklagt werde, so müsse er um die Bekanntgabe solcher Einzelfälle bitten. Schon in der Anweisung zum Steuergesetz werde bestimmt, daß bei Steuererklärungen die größte Vorsicht zu üben sei, auch in der Form. Jedenfalls dürfe die Feststellung bei Steuererklärungen, um die es sich ja meist handle, niemals in einer Form erfolgen, die für den Betreffenden beleibigend ober verletzend wäre. Leider zwinge aber auch häufiger die Macht der Tatsachen, mit großer Gründlichkeit vorzugehen; denn wenn jemand nur 1200 Mk. deklariert und in Wirklichkeit 47 000 Mk. bezieht, oder ein anderer ca. 40 000 Mk. Vermögen angiebt, der 320 000 Mk. besitze, so müsse streng nach den gesetzlichen Bestimmungen dagegen vorgegangen werden. Abg. Leun (fr.bringt ebenfalls einige Beschwerden über die Anwendung der Fahrrabsteuer vor. Abg. Langenbach (freis.) bittet, die OrtSkranken- kassenkonkvolleure von der Fahrradsteuer frei zu lassen. Die Abgg. Cramer (Soz.) und Säng (freis.) äußern einige Wünsche über die Stempelsteuer, worauf Ministerialrat Dr. Best erwidert, daß z. B. in Darmstadt von 4000 Fahrräöern etwa 1500 stempelfrei seien. Ministerialrat Braun geht ebenfalls kurz auf einige Beschwerden der Vorredner über die Stempelabgabe ein und bemerkt, daß eine Stempelabgabe für das Fahrrad eines Dienstmannes in Zukunft nicht mehr von diesem erhoben werden solle. Ministerialrat Dr. Decker stellt noch fest, daß die Stempel-Abgabe für eine Weihnachtsverlosung nicht die Landesgesetzgebung berühre. Die Abgabe für jede öffentliche Lotterie fließe in die Reichskassen. . Nach einigen weiteren Bemerkungen des Abg. Graf Oriola, der das Wort vom „heiligen Dureaukratismus" ebenfalls variiert, sagt Finanzminister Dr. Gnauth mit Humor, er wolle doch daran erinnern, daß es auch einen „heiligen Parlarnenta- rius" gebe. Die Debatte wird darauf geschlossen und Kap. 12 in Einnahme mit 15947 570 Mk. angenommen. Bei Titel Ausgabe 1 597 507 Mk. stellt Abg. Korell den Anttag, für die Steuerkommissariats- Assistenten den früheren Besoldungssatz wieder h'rzustellen, also anstatt 2800—6000 Mk. nur 2600—3400 Mk. Durch diese Aenderung würden etwa 1900 R?k. erspart werden. Abg. Molthan (Zentr.) besürwortet diesen Antrag. Finanzminister Dr. Gnauth bemerkt, es komme hier allerdings nur eine kleine Aenderung des Besoldungsgesetzes in Betracht. Dieselbe sei aber im Interesse des Dienstes notwendig. Es handle sich übrigens hier nur um 7 Stellen, die ein Mehr von 1900 Mk. erfordern würden. Die Initiative zu dieser Gehaltsänderung gehe nicht von den Beamten, sondern von der Regierung selber aus, und die Forderung werde erhoben, um die Beamten möglichst lange auf ihren Posten zu erhalten. Nach einigen Semcrhingen des Abg. Häusel führt Abg. Dr. Gutfleisch aus, die kleine Veränderung in der Desoldungsordnung könne doch wohl hier nicht in Bettacht kommen. Die Forderung sei eine Notwendigkeit, denn man müsse mit der Steuerveranlagung Beamte betrauen, die nicht alljährlich wechseln, sondern sich in ihrer Tätigkeit eine größere Erfahrung am Orte chrer Wirksamkeit angeeignet hätten. Zu diesem Zwecke sei die Anforderung seitens der Regierung gestellt worden und empfehle er die Zustimmung zu derselben. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Dolf, Molthan, Dr. Heidenreich und Möllinger wird der Antrag Korell in namentlicher Llbstimmung mit 20 gegen 17 Stimmen abgelehnt. Das Haus genehmigt darauf die AnSgabetitel mit Mk. 1597 507, ebenso die Aerzu beantragte Resolution. Es folgt die Beratung der 7. Hauptabteilung Staats- Ministerium. Tas Haus genehmigt ohne Debatte den unter Titel Ministerium geforderten Betrag von 82 270 Mk. für die Kabinettsdirektion 13 000 Mk., für Derwaltungs- gerichtshof 5820 Mk., für Oberrechnungskammer 234 320 Mark, für Haus- und Staatsarchiv 14 700 Mk., für Rheinschiffahrt 3250 Mk., für Sterbequartale 1500 Mk. und für Porto, Telegraphen und Fernsprechgebühren 4500 Mk. Tie 8. Hauptabteilung betrifft das Ministerium des Innern. Hei Kapitel 23 kommt Abg. Dr. Schmitt auf die beöorftcl/cnbc Reform ber Derwaltungsgcsetze zu sprechen, bic er mit Freube begrüße. Tie jetzige Gesetzgebung in dieser Richtung sei viel zu kompliziert, man dürfe wohl annehmeü, daß von tausend Leuten im Lande wenigstens 990 sich in dem verwickelten Instanzenweg unserer Verwaltung nicht zurechtfänden. Eine Vereinfachung müsse bei der in Aussicht gestellten Reform die Hauptaufgabe bilden. Es sei namentlich ein unhaltbarer Zustand, daß in verschiedenen Dingen und Beschwerden gegen das Ministerium dieses selbst auch die entscheidende Instanz bilde; es müsse doch da noch eine andere Instanz vorhanden sein. Wie eine solche geschaffen werden könne, sei allerdings nicht so leicht zu bestimmen. Sehr erwünscht wäre auch eine Revision des Verwaltungsgerichtshofs. Es müsse derjenige, der die Hülfe des Gerichts in Anspruch nehme, doch auch gehört werden. Redner führt mehrere Beispiele zum Beweis der Mißlichkeit des jetzigen LZerfahrens an und verlangt dann auch eine Ausdehnung der Oeffentlichkeit und das mündliche Verfahren. Ter Dispositionsfonds, auf den Redner nun zu sprechen kommt, sei zu wenig durchsichtig; die Summe für die Volksschulen sei ungemein hoch. Es empfehle sich, in Zukunft dabei auch die Lasten anzugeben, welche die einzelnen Gemeinden zu tragen hätten, und die Beiträge, die sie aus dem Disv-ofttionsfonds bezögen. Es komme hier im ganzen eine recyt hohe Summe in Betracht, die etwa ein Sechstel unserer ganzen Steuererträgnijfe ausmache, und da müsse nach allen Seiten hin gründliche Klarheit gegeben sein. Staatsminister Rothe geht auf die Ausführungen des Vorredners näher ein und teilt mit, daß er bestrebt sein werde, den Verwaltungsgesetzentwurf möglichst bald dem Hause vorzulegen. Ministerialrat Braun kommt ebenfalls noch in längeren Ausführungen auf die Wünsche des Abg. Dr. Schmitt zurück. Abg. Wolf beklagt noch, daß die Zigeunerplage auf dem Lande wieder reichlich zunehme und verlangt entsprechende Maßregeln dagegen. Tie Debatte wird darauf um U/4 Uhr abgebrochen. Nach einer längeren Geschäfcsorbnungsdebatte beschließt das Haus, am näaMen Tiensrag und Mittwoch keine Sitzung abzuhalten, dafür wird aber die Beschlußfassung über zwei Nactzmittagssitzungen in der nächsten Wocye Vorbehalten. Nächste Sitzung: Donnerstag, den 26. Februar, vor- mittags 10 Uhr. Marokko. Der Korrespondent eines spanischen Blattes in Tanger erhielt einen aus Fez vom 15. Februar datierten Brief, nach dem die dem Sultan ergebenen Truppen am 11., 12. und 13. Februar einen Kampf zu bestehen hatten gegen den Nachbarstamm der Hiainas, ohriu jedoch mit dem Gros der ©treifPrüfte des Prätendenten zusammenzustoßen. Wo letzterer sich gegenwärttg aufhalte, wisse man nicht genau. Der Verlust der Truppen des Sultans sei bedeutend, derjenige der Aufständischen aber noch größer. Nach einer anderen Depesche erhalten sich dort Gerüchte, nach denen einer der fremden Gesandtschaften die Nachricht zugegangen sei, oaß der marokkanische Krieasminiftcr El Menebbi tu dem Kampfe am 12. Februar gefallen sei. Der Pariser Korrespondent des Londoner „Standard" erfährt, dem französischen Minister Deleasss liege sehr viel daran, ein endgiltigeS Abkommen mit Eng land über die Zukunft Marokkos zu treffen. Delcasse fei bereit, aus der französischen Wirkungssphäre einen StrichlängS der Küste zwischen Tanger und Ceuta auSzu^ schließen, dessen Verwaltung eventuell Spanien an- vertraut werden könne und in dem die Errichtung von Befestigungen verboten sein solle. Frankreich würde in dem übrigen Teile Marokkos, dessen schließlichen Besitz Delcasse als vitale Notwendigkeit im Interesse der Sicherheit und Homogenität deS französischen Reiches in Nordaftcka bettachte, freie Hand haben. Der „Standard" bemerkt in einem Artikel -u dieser Meldung, daß fein Korrespondent auch in der Lage sei, zu erklären, daß DelcassS Lord Lansdowne diese Pläne bereits unterbreitet habe. • • Origiuatdrahtineldnngen de» Gießener Anzeigers. Madrid, 21. Febr. Einer Meldung aus Melilla zufolge ist ber Prätenbent von ben Sultanstruppen und den mit diesen verbündeten Friatamauren geschlagen worben. Tie Truppen bes Prätenbenten flüchteten nach ben Sewhaca. Der Prätenbent soll gefallen sein. Oran, 21. Febr. Eine Karawane würbe bei Assiel- begni von 100 Marokkanern angegriffen. 200 Kamele unb Wagen fielen ihnen zur Deute. Mehrere Personen sinb getötet. Truppen sind gegen bic Räuber abgesanbt.