zogen, über Gebirgsketten, Siedlungen, Ozeane, wir flattern um den Mond nnd zwischen Sternreihen hindurch, um schließlich ermattet die funkelnde Fläche eines ruhig flutenden Wassers im Fluge mit den Zehen zu berühren und endlich zu unserem eigenen Erstaunen im Tänzerschritt oder in feierlich schweren Tritten über das regungslose Meer zu schreiten ... So macht uns der Traum zu Wassertänzern, wie er uns von Kindhett an zu Lustfliegern ausbildet. Was der Traum über die umflorten Sinne vermag, das gelingt in gleichem Maße dem Wink der Tichter, die über unsere wachen Sinne gebieten. So klingt in abertausend Liedern, Märchen, Gefangen seit Urzeiten die Sehnsucht nach jener rätselhaften Jmgelkrast, die in die Lüfte trägt und über Menschenköpfe, Tücher und Kuppen hinweg gewaltige Entfernungen in einem winzigen Zeitteilchen durchmißt. Oder es ist die Sehnsucht nach einer absonderlichen menschlichen Inn en kraft, die über die Wogen zu führen vermag und den Willen des Windes oder die Hilfe sonstiger Naturmächte geringschätzt. Es ist das „Wenn ich ein Vöglein wär ", „Wenn ich ein Falter wär'" usw. in seinen zahllosen Varianten und Tonlagen. Und es kann als gutes Beispiel schöner Selbstlosigkeit genommen werden, daß sie, die Tichter, die solches ersehnen, an uns, die wir die Genießenden sirrd, durch Zauberkraft diese Transformation vornehmen und unserer Seele Vogelschtvingen oder Falterflügel anschnallen, die uns über ben Erdball in seraphische Atmosphären tragen, wo es weder Körperschwere noch irdisches Gelvicht giebt. Was der Traum wirkt, wirken die Tichter. Traumkrast, dichterische Schöpferkraft —: zwei Gestalten, die aus verwandten Klüften aufsteigen. Aber das ist vielleicht, wenn ich es so sage, ein fehlerhafter Zirkel, eine verdächttg schillerride Begriffsschiange, bte sich selber in ben Schwanz beißt. Tenn im Grunde genommen scheint Phantasie nichts anderes als Traum, aber ein Traum, der sich den Schlaf aus den Augen gerieben, bevor er in schöpferische Aktion trat. Traumkraft, KünstUnkraft — diesen beiden gestaltenden Elementen hat sich ein drittes zugeseltt, das an gestaltender Macht und an laterrter Poesie, die hinter den Erscheinungen schlummert, den beiden anderen überlegen ist. Tie Technik. Tie praktische, die in Laboratorien, Werkstätten, Jabrikshallen, geräuschvolle Mirakel schafft, für die man in den guten alten Zeiten, da die besten deutschen Märchen entstanden, mit den. yt -riebe gebüßt hätte. Tie Phan- tasre : . Lichter t sgleichen, das mülten. -’.V mit Lei .> ■ -nttle. und der ttaulich schnur- renden .ch'.n,pulc iytu V nafl ic^on dem Küwmattara- phen Platz gemacht — unb man wird daS fruchtbare Staunen verloren haben, sowie es Herrn Ix aus Vpsllon in der Tat und tadellos gelungen ist, von London nach Vokohama, eine Havanna im Munde, mit der Geschwindigkeit einer Schwalbe zu fliegen, oder wie Herr Mpha aus Omega das Wunder vollbracht hat, ohne Krückstock und ohne Jähre, eine Gianaclis zwischen den Fingern, auf dem balkenlosen Wasser zu tanzen. Herr Alpha aus Omega ist dem Wunder nahe. Er hat soeben ein broschiertes Buch herausgegeben unter dem Titel „Das Problem des Gehens auf dem Wasser", bas jebermann offensteht, dem das Aufschneiden Freue macht. Wer biefe ernsten Worte für einen schlechten Witz nimmt, wirb sich gründlich bestraft sehen, wenn er bas Buch auf- geschnitten. Er wirb eine unerbittlich strenge Sachlichkeit, eine nicht eben nasse Wissenschaftlichkeit vorfinden, die man profund nennen muß, weil sie es wenigstens in theoretischer Hinsicht verschmäht, auf der Oberfläche zu tanzen. Tenn Herr Alpha aus Omega ist durchaus kein Windbeutel in der Art teuer technologischen Kuriosenschreiber, die ben gespalten Ohren ihrer Lorstadtgemeinde heute über flüssige Diamanten und morgen über pechschwarze Milch ober über Kunstbutter aus Seegras berichten. Er ist ordentlicher Universitätsprofessor, ist Doktor der Medizin und Philosophie, ist als Verfasser einer psychiatrischen Diagnostik und eines Lehrbuches der psycyo -pathol-ogischen Untersuchungsmethoden sehr geschätzt, hat sich einen respektierten Namen gemacht und lebt in Gießen, wo es überhaupt nur seriöse Menschen gibt. Profestor Sommer ist weit entfernt davon, seine Leser aufs Eis zu führen. Er will sie aufs Wasser führen. Er schneidet das „Problem, des Gehens auf dem Wasser" an unb legt in fachgemäßer Weise dar, daß solche Spaziergänge auf der Oberfläche glatter Wasserstrecken möglich und nützlich wären. Ueber die Nützlichkeit ist wohl ntd# erst zu debattieren. Wenn ich zu Fuß über den Kanal La Manche lauft oder die ’ifyr habe, daß mich bq- Mittelländische Meer nicht für einen Hohlkopf aus Itotf mch Pappe aniui)en wird, wenn ich ihm zumute, mich ^rechisn Ganges von Küste zu Küste über die spiegelblanke Ftut marschieren zu lassen, so ist das entschieden höchst nützlich für mich, weil es mir die großartige Wglichkcil gM, den Tücken der Natur von einer neuen, vornehmen, bequemen Sette beizukommen, und weil es mir anderseits die billige Gelegenheit verschafft, ohne Dampsschiftbillet, ohne Ruderer-, Schwimmer- und Scglerqualen auf das gegenübvcliegende Trockene zu nn ich tteichsam zwischen zwei Drücken bte iw meiner Linken urid lrego« lajse, Erstes Blatt. 158. Jahrgang Aas Geyen auf dem Wasser. Adresse für Depeichvrr Anzetge, Gieße«. sternsprechanIchlußNr &L Mittwoch 21. Januar 1903 je nicht, vrM der Reichs. kedr auMckt hat. Senn er ft sehen, zu einem w ne VeMlüssiuig vorlag. IW Zatsetzung der kW Aus Stadt uud Saud. Gießen, 21. Januar 1903. * * Das Großherzogliche Regierungblatt Nr. 4, ausgegeben am 19. Januar d. I., enthält: Bekanntmachung, die Besetzung der Subaltern- und Unterbeamtenstellen bei den Staatsbehörden mit Milrtäranwärtern betreffend Vom 10. Januar 1902. (Umfaßt bas Verzeichnis der ben Militär, anwättern vorbehaltenen Dienststellen, bas an die Stelle des . . Unb Er drängte die Jünger, das Schiff zu besteigen und an das jenseitige Ufer vorauszufahren, bis I ür die Massen entließe. Und als er die Massen entlassen hatte, stieg Er auf ben Berg, bei Seite zu beten. Ta es aber Abeno ward, stand Er allein das.lbst, das Schiss aber j var schon viele Stadium vom Laube ab unb wurde von ben ’ ? Äellen hart bebrangi, denn ber Winb war widrig. Um „ die v ierte Nachtwache aber tarn Er zu ihnen, auf dem See wandelnd. Tie Jünger aber, da sie Ihn auf bem See 1 toanbelit sahen, touioen bestürzt uno jagten „ES ist ein Üespenst" unb schrien vor Furcht. Alsbald aber redete |l| iw sie an: Seid getrost, Ich bin eS, fürchtet Euch nicht! Petrus aber cmttvortete Ihm unb sagte: Herr, wenn Tu t» bist, so laß mich zu Tir kommen auf bem Wasser! Er :'■[ ober sagte: Koomme! Unb Pelms stieg aus dem Schisse md wandelte auf bem Wasser. . Seit jenen biblischen Tagen hat bas „Problem des I] Gehens auf bem Wasser" vieic Köpfe erhitzt. Es hat die ’■ Cehnsucht vieler Nienschen beschäftigt und in ihren Träumen em wichtiges Kapitel gebildet. Tas können wir nach- ifdjte. Leber die MM Jthj oalb toitt das „Äeri ubt haben: W fc m ytäulein v. Gralven n Shwester derselben leim ein LiebesverhäW em, ler AÄtt d» toeff* 11>. A-w-rt, trat MJ Mck auf |euie i^ute ernten. & wk 1* Mlstnschasl. «>n »n|i 1» "ST.® ,lu v'-1' ® Tre „Post" und die „Kr euzzeitun g" kommen auf bie gestrige Tebatte im Reichstage über bas Swinemün- ber Kaisertelegramm zurück. Erstgenanntes Blatt führt aus, mit vollem Recht habe ber Reichskanzler bem Abg. Schäbler gegenüber hervorgehoben, baß es sich bei jener Depesche nicht um einen Akt bentscher Reichspolittk hanbele, für ben er bie Verantwortung zu übernehmen haben werbe, sonoern um einen persönlichen Meinungsaustausch von Bunbesfürst zu Buiidesfürft. Indessen liege es zweifellos im Interesse des monarchischen Prinzips, baß bem Parlament möglichst wenig Anlaß gegeben totrb, sich mit ber Person bes Herrschers zu befassen. Man könne auch nur wünschen, daß auch auf ben für freie persönliche Betätigung des Monarchen geeigneten Gebieten die äußerste Vorsicht und Zurückhaltung geübt werde. — Tie „iitcutota." meint, man werde nicht leugnen können, daß der Reichskanzler in feiner Erwiderung einen hohen Grad von Geschick bekundet habe. Er habe alles getan, wa- zur Beseitigung bayerischer Empftnblichkeit als erforderlich betrautet werden müsse. Bedauerlich bleibe troyöcm, daß der Telegramm- wechsel veröffentlicht wuroe. Man würde jedoch gut tun, nicht weiter nach bem Urheber ber Veröffentlichung zu Äunb bie ganze Angelegenheit nunmehr als erledigt achten. • Im Anschluß an die Bemerkungen des Kanzlers über die Vorgänge in Venezuela ist folgende Meldung Reuter- aus Port of Spain vom 20. Januar von Interesse: Tie von Trinidad aus verbreitete Meldung, daß sich unter den bri - tischen Offizieren eine starke Stimmung gegen das Zusammengehen mit Deutschland zeige, ist unwahr. Es herrschen vielmehr die besten Beziehungen -wischen beiden Teilen. Lei ®it6 iien^' JnD dl-', # te 9cl . _ s>«d «A ipÖr/Äet qiall' Nliiht?os mbetDiat8uJ-^tüirb die .,n die,em be"-. 1°"st tH? die gNNt dem ff vir Gebäude, b0* T. uj Md biaigerer tn Mer < ,?«len würden P^eL andere Bundes nitf? ^age tn ernsthafte !aftI’J.e Depression bauert tenm^TUber9^en' Jten «Birhmgen von der n" ^es geschieht, wirb ff* SEe diese Hoffnung Steuern haben. In der bi^ * gearbeitet werden. iählen, wir alle, denn mancher Traum, ben wir träumen, bringt uns auch heute noch bie nämliche Sehnsucht. Sie liest gerabezu in der Natur ber Träume. Es liegt in .. bei Natur der Träume, daß sie das Schwankende fest, das öefste schwankend machen. Tie gemeine Logik des Tages : ttsiihrt eine reizvolle Revision, die Prämisieu verschieden - ich, bie Syllogismen schlagen charmante Kapriolen, bas |i rwpfvarflüjsige wirb gußeisern, das Gußeiserne wird seilt Mioeich ober zerfällt iu abertausend Kcystallsplitter, das I Bukruierende besinnt sich in seinem Laus uns schimmert |i »löblich wie eine endlose Spiegelfläche iu farblosen Farben tt auf; über die man gemächlich gehen oder in einer schweren d’I Aoosluische friedlich dahmrolreu tarnt. So tteibt die Älut- hitzie ber Traumphanlusle das Wasser zu einem Gefrier- I pumEi hinauf, ber ungefähr taufena Grad über dem Null- striih schwebt und eishart gesottenes Wasser schafft. Höl- pmies Eisen wird möglich unb gläsernes Holz wirb sehr natürlich, bie Luft aber verdickt sich zu einem gigaittischen :: fje:rberüclen, auf dem man retten kann, und das Wajser [\ Br.:b zuui Tanzboden. So hat das Wasser schließlich Ballen. || Ibesc es sind Ballen, die nichts Kompaktes an sich haben inbo dennoch härter als Stahl scheinen, well es rn ben v'\ Lißbern der Tänzer roeixr Gewicht noch Schwerkraft giebt. Litt dieses „Weder — noch" löst in unserer Lranmseele die | Mich sie psindung cuy. x~-ir fühlen uas leichter als Luf. inbo Wa wir aleiten. wl. uo;i u.. i '.tönen Jaden ae- Nr. 17 • ti«n« Außer 6orauag4. Dem Gießener AoHetger werden tm Wechsel mit dem Kesfischea Landwirt bie Gteßener 5«mültn» lUtttet viermal in der Woche betgelegt EtottonflbrMcf u. 8er» bet 8 t fl b 114x* wers-Vacd- a.Sterw» bnufetei (Pietsch $rben> t® Ausführungen, deren letzter Zweck nicht zu verkennen war. Graf BÜlow verzichtete darauf, dem „Herausforderer^ sofort ent gegen zu tteten, sodaß nach einer sinanzpolttischen Richtigstellung seitens des bayerischen Reichsrats Frhrn. v. Stengeider StatSredner der Nation alliberalen, Abg. Dr. Sattler, -u Worte kam. Er erklärte, daß auch die Nationalliberalen für eine Aenüerung des NeichSwahlrechts nicht zu haben seien, und hiell Herrn Dr. Schädler gegenüber den Satz auftecht, dag gegenwärtig Zentrum „Trumpf" sei. DaS fei ja auch erwiesen durch bie Möglichkeit der parlamentarischen Erörterung bes Swinemünber Kaisertele- grammes, welches nicht im „Reichsanz." gestauben habe. Parlamentarisch zulässig sei allenfalls bie Kritik an ber Veröfsentlichung bes Telegramms burch bas Wolffsche Bureau. Wenn Dr. Schäbler ein Uebriges getan habe, so bekunbe er bamit sein schlechtes Gewissen. (Heiterkeit..) Die Kritik Dr. Sattlers am Etat selbst war ruhig' unb sachlich gehalten; als hervorragender Finanzkennec beschäftigte er sich eingehend mit ber Frage ber Reichsfinanzreform. Graf Bülow konferierte mittlerwelle angelegentlich mit dem neben ihm sitzenben Staatssekretär Grafen Posa- bowSky; bann legte er sein Notizenmaterial zusammen und sah gedankenvoll, wie in Vorbereitung auf eine Rede, Über das Parkett hinweg. Der Schein trog nicht. Graf Bülow ergriff nach Dr. Sattler das Wort, um auf Voll- marS Rede zu entgegnen. Es war eine Wiberlegung, ausgehend von ber Behauptung, daß es historisch und psycho- ogisch unbegründet sei, die Monarchie in Teutschland anti* ozialer Tendenzen zu verdächtigen. Nirgends sei so viel ür bie Arbeiter geschehen, als in Deutschlanb; bas habe besonders lebhaft der sozialistische französische Handels- Minister Millerand anerkannt. Mit Humor wies Graf Bülow alsdann die Andeutung v. Vollmars zurück, als nähere sich Deutschland dem Cäsarismus oder Msoluttsmus. Ihm feien weder deutsche Fürsten noch Regierungen bekannt, die derartigen TendenLen huldigten. Abfolutismus sei überhaupt kein deutsches Wort. (Heiterkeit.) Der Kaiser könne fthr wohl Widerspruch ertragen, und wolle keinen Reichskanzler, der nicht gelegentlich auch widerspreche. (Bewegung.) Aber der Kanzler müsse „Augenmaß" haben, bürfe nur „um großen Gegenstanb sick regen". Die voll- komme n fte Ueberraschung bereitete Graf Bülow, als er in Bezug auf daS ReichSw ah lr echt bem Hause eröffnete, baß allerbings beim Bunbesrat vom Reichskanzler ein Antrag auf 8lbän ber un g eingegangen sei, baß dieser Anttag aber die Sicherung des Wahlgeheimnisses bezwecke und voraussichtlich bei den näch- ften Wahlen in Wir ksamkeit treten werde. (Lebhafter Beifall.) Eindrucksvoll und stellenweise humorvoll waren auch die Darlegungen des Kanzlers über die Aus- laudspolitik, die Venezuela-Aktion und das Verhältnis Deutschland- zu England. Den Schriftsteller Rudyard Kipling nannte er einen „wildgewordenen Poeten von großem Talent, der sich bis zu Verbalinjurien verstiegen habe." (Schmähgedicht auf Deutschland.) Die Beziehungen -rvischen der deutschen und englischen Regie- $tt $tat im Aeichstag. n Unser Berliner parlamentarischer Mitarbetter schreibt untern 20. Januar: Für den Parlamentarier, zumal für den StatSredner, hat e» immer etwa- Mißliches, wenn er seinen sorgfältta auen 4 ,/«kob Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfrageu bleibeu unberücksichtigt.) G. Die neue Hessische Landeshypothekenbank wurde mit einem Nominalkapital von 4 600 000 Mark, von denen etwa 3 SDUllionea sofort emgezahlt sind, gegrünbet. Ter hessische Staat übernimm/ vom nominellen Grutidkapual 85 pCt., vom eingezahlten 68 pCt über bie Donau aber beit Rhein (vom romantischeren Mississippi gar nicht zu reden) leichthin promenieren kann, ohne verschluckt zu werden, so ist das für mich ganz zweifellos von Nutzen. Oder wenn ich eine Nordseepartie — — doch wozu diese honigsüßen Eventualitäten auskosten, wo ich vorderhand mit der bitteren Erkenntnis rechnen muß, weder wasserdicht noch luftleer zu sein? Professor Sommer malt zahlreiche Argumente und Konsequenzen aus, die für die praktische Rentabilität und 9totwendigkeit dieser Problemlösung sprechen. So hat er eH, wie viele gleich ihm, bei Wanderungen oft als starke Hemmung empfunden, bad man durch schmäle Wasserflächen zu grotzen Umwegen genötigt wird. Manchmal zwingen Flußläuse in den Städten zu zeitraubenden Rundzangen, weil die wenigen Brücken durch allzuweite Intervalle von einander geschieden sind. Ebenso störend war mir — so schreibt er — bei einer norwegischen Reise, welche mich durch Telemarken führte, die Nottvendigkeit, wegen relativ kleiner Seen mit auegebuchteten Rändern große Uferstrecken zurücklegen zu müssen, während ein Weg über den See die Strecke bedeutend gekürzt hätte. Dazu kommt, meint er, daß durch unfreiwillige Uferpartien dieser Mt, die von der Mitte des Sees fernhalten, viel landschaftliche Schön- hett verloren geht. Auch sei die Schönheit vieler Seen (z. B. im Norden und Nordosten Deutschlands) mangels geeigneter Transportmtttel völlig unausgeschlossen. Diese unentbedten, weil unzugänglichen Gebiete landschaftlicher Wunder, deren es weit mehr gtttt, als sich bie Schul- und Bädeker-Weisheit der Wanderfexen und Geographen träumen läßt, könnten erst durch eine Erfindung erobert werden, die das Gehen auf dem Wasser ermöglicht. Neben den sonstigen Vorteilen realer und idealer Natur, bie aus solch einer Erfindung resultieren mühten, ergäbe sich zunächst auch chre besondere Verwendbarkett im praktischen Ver- kehrsdicnst. In den Kolonien beispielsweise, wo die Fahrstraßen fehlen, könnte sie das wichtigste und bequemste Kommunikationsmitte-l werden. Mer in erster Linie wäre sie „ein persönliches Instrument zu beliebiger Bewegung auf Flußläufen und Seen". Professor Sommer geht weiter. Er schreibt der Wassergeh-Erfindung sogar die Möglichkeit einer zettgeschichtlichen oder, sagen wir, kriegspolitisch- revolutionären Bedeutung zu. Die Machtlosigkeit der kontinentalen Staaten England gegenüber beruht lediglich, meint er, auf der kaum angreifbaren Lage der englischen Inseln. Diese Situation nötigt die kontinentalen Staaten, die Entscheidung auf dem Gebiete bev Meeres zu suchen, auf dem sie — auch vereint — der englischen 9Nacht kaum je (?) gewachsen sein werden. Die inbireite, wirtschaftliche Form des Kampfes, die Napoleon I. gewählt hat, als er die Kontinentalsperre statuierte, war vergeblich; keine Macht vermochte zu verhindern, daß beispielsweise alle wichtigen Posten auf dem Mtttelmeerwege nach Indien in Englands Hunde fielen. Gelänge es nun, kalkuliert Professor Sommer, den Kanal, per Großbritannien vom Festlande trennt, per pedes zu überschreiten, so wäre England plötzlich einer massenhaften Invasion vom Kontinent her ausgesetzt — und die AngrisfSmethoden des Landkrieges könnten mit entsprechender Modifikation auf das Jnselreich wandt in Gießen nach den Angaben des Professors fertigte. Oktober 1‘JOl fanden im Volksbade zu Gießen die erften Versuche statt, die nach technischen Ergänzungen und konstruktiven Verbesserungen allmälig vollständig gelangen und somit das „Problem des Gehens auf dem Wasser" als gelöst erscheinen ließen. Man kann nun also, versickert der Erfinder, mit den Sommer'schen „Wasserschuhen" Fluß« läuft und Seen gefahrlos überschreiten. Ob sich die Instruktion auch zu Spaziergängen über Meeresteile eignen wird, kann erst bie korrigierende Praxis lehren. Und die Geschichte der menschlichen Erfindungen besagt, tote man weiß, zur Genüge, daß bie weitere praktische Entwicke- lung gesetzmäßig fortschreitet, sobald einmal das Haupt- Problem durch eine zweckmäßige GrundEonstruktion richtig gelöst worden. „ . . lieber den Apparat selbst muß auch em Wort gesagt werden. Er besteht aus zwei Schwimmkörpern („Wasier- schuhen"), die aus Tannenholz und Eiche gefertigt furo, hat die Gestalt zweier Schiffchen, die sich keilförmig nach unten zuspitzen (obere Basis 25 Zentimeter breit und zwet Zentimeter dick, Seitenwände 32 Zentimeter breit und ein Zentimeter stark); sie sind zwei Meter lang und mtt hohen Stützen aus Mannesmannstahlrohr, mit Handgriffen aus Hartgummi, mit Steuerrudern am Hintersteven, mit Puffern am Vordersteven, mit was«erdichten Lotten und mtt einem Kiel versehen. Also großmachtige Was, er- chlittschuhe, wenn man will, die sich wie ?i^tt>immeitöe Holzscheite ausnchmcn, ober gigantische Holzgalostyen, tue oben horizontal geschlossen sind und nach unten hin spitz ferner vermerkt werden bafi ber Sontan« -waenieur Thvmas William PES uniJtayitan Paul Bay. £tr 1RA3 älmlicke Wasserstiefel" konstruierten, Die aber vom Standpunkt physiologischer Mechanik und auch praktisch wenig in Betracht kommen; fte haben im Gegen,atz zu bpm dreieckigen Sommer'schen einen runoen Querschnitt und Operieren unter anber'ennut Flößern. Eine °n°lA prfinbuna hat der Wiener Moritz Ritter v. ^abel 1894 anaemefbet, bereu praktische Verwendbarkeit Professor Sommer in fünf Punkten bestreitet. Bon diesen beiden Versuchen erhielt er erst nach Fertigstellung seines Modells durch das Patentamt Kenntnis. Auch mag es interessieren, daß sich vor nicht gar langer Zeit in ben Hauptstädten cut Kapitän namens Großmann, ein Wasserartist sozusagen, auf zwei schwimmenden Zinkröhren als Wasserläuftr produziert hat. Wer bas gehört mehr ins Kapitel der Bauch- werden. Dabei käme in Betracht, baß die Erfindung als sozusagen persönliches Fortbewegungs-Instrument an zahllosen Stellen Landungen gestatten würde, was den Kriegsschiffen, die von besonderen Hafenverhältnissen abhängig sind, natürlich nicht möglich wäre. Die eminente Verwendbarkeit der Wassergeh-Erfindung zu Kriegszwecken springt also mit kautschukartiger Schnellkraft in bie Augen. Wirer tapp en uns aus einem Lächsln, auf einem skeptischen, vielleicht bornierten Lächeln, das wir aber sofort wieder von den Lippen wischen. Denn der Verfasser konkludiert: „Den Spott derftnigen, die bei einer Erfindung nur das Gegenwärtige sehen und die theoretisch möglichen Folgen als phantastische Einbttdungen ablehnen, will id) gern hin- nehmen und die weitere Entwicklung der Ssche getrost der Zukunft überlassen." Die „toeitere" Entwicklung? Ja, hat sich denn htcr bereits etwas „entwickelt"? In der Tat. Der angenehm gespannte Leser wird verzeihen, daß ich ihm dies nicht gleich verraten habe. Professor Sommer ist nämlich seit dem 18. dlovember 1901 Inhaber des deutschen Reichspatents Nr. 130174. Das heißt: er hat die Wassergeh- Erfindung, von der hier bie Rede war, bereits gemacht. Dabei ist er von feinen Untersuchungen über bie Musbrucks- bewegungen*) des Menschen ausgegangen, die er in seinem Lehrbuch der pfi)cho-pathologrschen Untersuchungsmethoden und in seiner Diagnostik der Geisteskrankheiten bargelegt hat. Dies führte chn auf eine vergleichende Betrachtung der Mderstände, bie sich den Bewegungen des menschlichen Körpers in verschiedenen Medien entgegenstellen. So gelangte er zu dem Problem der aktiven Fortbewegung tm Wasser und zur Konstruktion eines Wparates, der bas Gehen aus dem Wasser ermöglicht. Dabei waren technische Teilprobleme zu lösen, die sich hier nur ganz knapp hersagen lassen; nämlich: 1. Suspension d-S spezifisch schwereren Körpers über der Wasseroberfläche. 2. Dalanzierung des vertttal auf dem Wasser stehenden Körpers. 3. Eive Fortbewegung. 4. Willkürliche Aenderuna der Richtungslmie. Jeder Fuß des Wassergehers mußte also zunächst mit einem Suspensionsapparat versehen werden. Beide Fußapparate zusammengenommen hätten natürlich so viel Wasser zu verdrängen, daß das Körper- und Apparatgewicht dem Gewichte des verdrängten Wassers gleich oder nahezu gteid)* käme. Um bie aktive Bewegung lediglich durch MuZleltätig- kett der Deine (ohne außermenschliche Kräfte, wie Wind, Dampf, Elektrizität usw.) mögftch zu machen, mußte bie Reibung der Apparate im Wasser auf ein Minimum reduziert werden. Tie Gleit-, Bilanzier- und Lenkfählgkeit ließ sich burch sinnreiche Berechnungen, die zu^prakttsa^n Konstruktionen führten, allmälig erzwingen. Möglichkeit eines Tahingleitens in felb!rgeway.t^r tung, etwa wie mit Schneeschuhen über Schneeftä^en, durey, Schreitbewegungen der Bettie ohne Ruderhilft gegevcn unu gleichzettig die Gefahr eines Umfallens nach vor-, ruck- ober seitwärts vorgebcugt. Winter 1900 kam em Mod-.ll zu stände, das der Adechaniker der psychiatrischen Sui.m *) Bewegungen, bie als Begleiterscheinungen ober äls Abdruck physischer Zustände entstehen. tänze. . Nach aff dem läßt sich prophezeien, daß wir wohl bald Gelegenhett haben werben, zu Fuß nach Amerika zu wandern oder über das Rote Meer zu promenieren, ohne auf die entgegenL)Mmende5^öflichkeit einer <£bb: spekulieren zu müssen. Zu Fuß. Per pcdcs apostolorum. Und wst ' ' Eingangs zitierte Bibelstelle beweist, tyaben uns bie Aposteln auch diese Sensation in durchaus genialer Weise vorweggenommen. Anton Lindner (im Wiener Fremdenblatt). ♦♦♦♦ Seltersweg 70 Telephon 65 w ■> .K I I K 4 , & <•* h- e t 8 MÜcit ein A. _ . mbleunt« »v'Ichen toSmJJ.JSpn Q.8U komm,, da? hÄS81 «»er Plätze 2 ’5^ •■kssmj “Sä'Ss ULZ M m das Eigentum % ^de» Kaiserpreis in Kraul. ÄÄYte MfÖ mehrerer von den Z. ^.ol9cn- weil viele Chöre am |djon der Lrchswochenchor N und der Ltundenchor vudr jugtlafienen Vereinen, fo 3 N der 'Doruag der selbst- vble Nivchelung biete; gleich- mb einige Lhöre doppelt zum LlKr !9§ wurde 3n(^e bemerk. teSlnb™h«»T10^ 4nQte rtiffe n seiych Sb ’ ^teiuber Lei )t. ^ItatrtfdjafL je» labaBritg. AuS Dresden netalbireltot von Georg A. Ja-- früher Mitinhaber der Zigaretten- Can Kranzidlo (Kalifornien) war. le Fabrik ebenfalls an die Ameri« jt, wie |e(bft in Fachblattern ju- ejer Tochtergesellschafl der ilmeri- ort Er ist von letzterer auser- amerikanischen Versuchsstation im k-iten', und zu diesem Zweck vor Minen. r tooton. tibtu uuberWchtigi.s blwothekenbank wurde M einer tt von denen etroa B Mürone- Ter WW ^ überniM pü, vom eingeMen 68 M des Proschors sertitzte. tt iahe zu MM die ersten Le» scken LlgaiMNgen und kon S'.SS$ :.L-M LFKl- Ä'Ü >si «vH Mi I“ holz und W na- fafiS&i't *•«?># ^rsW MW -MS y-^M iMI t tjcipw1', aeni^1, M l"!Ü*teVrc"li:" S'50 (tff Auf dielfeitigkn Wunsch unserer geehrten Kundschaft haben wir uns sämtliche Aurzwaren und Vesatzaüikel neu zugelegt. Durch bcbcufcnbc ^crßtö|)ctunß unserer Sofniitätcn können wir duin eine große Auswahl in bcstbclvährtcn Fairikatm $u allcrbllligsten Tagespreisen bieten. Wii* bitten um Beachtung unserer 4 Schaufenster. 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Drängendem So lange der Ausverkauf dauert, auf alle Waaren V 8 M M -E'' UW :?W M ■W .IW M bo schnell möglich den grössten Teil meiner IJIger auszuverkaufen Wegen bevorstehenden Eintreffens bedeutender Möbel-Lieferungen •ehe Ich edeh genötigt Daher verkaufe ich jetzt wie folgt: W6 8 englische Schlafolnmer, Satin mit Einlage (sat. pol.) 4 fransöiUehe Schlaftdiuaier, mH Spiegel- oder Kleidensehr Inken, Nussbaum poliert circa 50 komplette Butten, poliert, lackiert Messing und Eisen, die Einlage besteht aus Patent- oder Springfeder-MatraUen, 8 tetilgen Rosshaar-, Kapok-, Wolk oder Seegras-Ma- tmUea und dazu gehörenden Deckbetten nnd Kisten 87 Waechkeeunodea in verschiedenen Gröuaen (lackiert) 18 Watehkem modern, poliert, mit weissem oder grauem Marmor 83 iweltUrlgo -Kieidersehrfi&ke, poliert und lackiert, zum Ausei Bändern ehmen 88 einttirige KleldenchrBnke, lackiert, mit MuscnelauisaU, nm Au&einaadernehmen 60 Kachteehr&nkchen, poliert und lackiert 48 KftchenechrRnke, darunter mehrere bessere Küchen büffeta mit bunter Verglasung 83 poL Vertikow», in Jugendstil geschnitzt 18 lack. „ mit und ohne Spiegel IS Bfiffet» in Eichen- und Nussbaumholz, prachtvoll geschnitzt, mit Kunstverglasung, von einfacher bis zur feinsten Ausführung 28 Tnameaux-Spiegel mit geschlißenem Glas in verschiedenen Grössen 16 Schreibtische in Nussbaum und Eiehen, darunter mehrere amerikanische, in einfacher und besserer Ausführung, nebst dazu passenden Schreibsessehi circa 100 Pfeiler-, Quer- und Sofaspiegel 15 Ausaleh lieche in Eichen- und Nussbaumholz mit Stegverbindung in verschiedenen Grössen circa 40 Tische und zwar: Friestische, Wacha- tuchtische, Küchentische in verschiedenen Ausführungen 15 Sofas in verschiedenen Stoffen und Ausführungen IS Divans mit Kameltaschen- und Moquetbezug 9 Garnituren mit Sessel in Gobelin, Seidenplüsch, abgepassten Taschen, gepresstem Plüschbezug etwa SO Sofa-Divan» und Garnituren in weiss, Ueberzug nach Wahl circa 60 Dte ;v MW % Bys I Hel-Fabrik-Lager und Ausstattungs-Geschäft Kaplansgasse 18. 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