Zweites Blatt. Donnerstag Äv. August 1903 Air Heutige Kummer umsaßt 8 Seite«. 158. Jahrgang Zur Aesorm der Schwurgerichte. Von unserem juristischen Mitarbeiter. (Originalartikel des „Gieß, Anz.^ (Nachdruck verboten.) Bezugsprersr monallich75Pt, viertel» jährlich Mk. 2L0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mt. 2.— viertel- fährt, ausschl. BesteÜg. Annahme von Anzeigen ür die Tagesnurnmer 3tis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Pf» auSwürtS 20 Pfg. Äerautwortltch für den poltt an- allgem. Teil: P. Wtttko' für »Stadt und Land^ und «Gerichtsfaal-: August Gütz- für den Anzeigenteil: HanS Beck. Nolitische Tagesschau. Aus dem sozialdemokratischen Geschäftsbericht. Von der Parteipresse wird berichtet, daß Neugründ- ungen im verflossenen Jahre nicht stattfanden, du man zu sehr mit den Reichstagswahlen 'beschäftigt war, daß bo- gegen die Wonneutenzahl der verschiedenen Blätter stark zugenonmren habet;> fio stieg der ,^Vorwärts" auf 78 500, die Leipziger Volkszeitmr g" auf 30 000, das Hamburger Echo" auf 37 000. Die den sozialdemokratischen BUitterrr beigelegte Unterhaltungsbeigabe „Neue Welt" wurde in 278 000 Exemplaren gedruckt. Der Reinertrag des „Vorw." betrug 72338 Mk., während die „Neue 3eit" mit 7000 Mk. Verlust arbeitete, und der „Wahre Jakob" einen Ueberschuß von 24 666 Mk. ergab. Die Buchhandlung des „Vorwärts" hat im letzten Jahre etwa 2i/2 Millionen Exemplare sozialistischer Flugschriften und Broschüren im eigenen Verlage erscheinen lassen, außerdem noch rund eine Million aus anderen parteigenössischen Verlägev zur Verbreitung gebracht. Was die Kosten für die Reichstagswahl betrifft, so Die Anforderungen, die die Neuzeit an den Berufsrichter stellt, sind in stetem Wachsen begriffen. Nicht nur häuft und mehrt sich mit jedem Tage der Stoff, der in der eigenen Wissenschaft zu «bewältigen ist, .sondern es wird mit Recht auch verlangt, daß der Richter in alle möglichen Grenzgebiete seiner Wissenschaft eindringe, es wird von chm erwartet, daß er wachen Auges die Fortschritte der Wissenschaft, die Rechtssprechung der höchsten Gerichtshöfe, die Ergebnisse moderner Forschung verfolge und daß er insbesondere sich in steter Fühlung mit deni Leben und Volksempfinden halte, um überhaupt befähigt zu sein, und befähigt zu bleiben, das Richteramt auszu- übeu. Es liegt auf der Hand, daß diese Anforderungen, die an den Richter zu stellen sind, sich umsomehr steigern, je schwerer die Straftat ist, über die er zu Gericht zu sitzen hat, je schwerer der Eingriff in die höchsten "siech ts guter des Menschen ist, dder die Folge seiner Tätigkeit als Rcich- rer bildet. Es kommt dies bei der Bildung des Gerichtshofs beim Schwurgericht dadurch zum Ausdruck, daß die Mitglieder desselben dem Richterkollegium des Landgerichts entnommen werden, einem Kollegium von Männern, deren Lebenserfahrung und wissenschaftliche Befähigung in langjährigem Gerichtsdienst erprobt ist. Eine derartige Vorsicht der Auswahl der Richter,' deren Entscheidung wir das Höchste ustd Letzte, das wir besitzen, Leben, Freiheit, Ehre und Vermögen schrankenlos anvertrauen,' ist um so angebrachter, als das Urteil der Schwurgerichte — Korrektheit des Verfahrens und der Fragestellung vorausgesetzt — nahezu unanfechtbar ist, 9Üchts liegt daher näher, als die Annahme, daß auch von den Geschworenen, in deren Händen ja die eigentliche schwerwiegende Entscheidung ruht, besondere Garcurtieen gefordert werden. So unsinnig, so unnatürlich es auch klingt, nichts wird in dieser Beziehung verlangt! Lediglich solche Menschen, denen die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter gerichtsseitig abgesprochen ist, solche, die nicht im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind, solche, die selbst; in ein gerichtliches Verfahren wegen bestimmter schwerer Delikte verwickelt sind und solche, welche infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt sind, können nicht zu dem Amt eines Geschworenen berufen werden. Dieser winzigen Gruppe von Menschen, deren Ausschließung von dem Richteramt etwas nur zu Natürliches und Selbstverständliches ist, steht die Allgemeinheit gegenüber, die ohne Ausnahme, ohne Rücksicht auf Vorbildung, auf Vorleben, auf Bildung des Herzens und Verstandes, auf Charakter und Sittenreinheit berufen sein soll, unser Richter zu sein. Von dem gelehrten Richter werden die höchsten Garantien verlangt und doch wird ihm gerade bei deck allerschwersten Zur Lage iu Ostafieu. Korea, so wurde der „Times" geschrieben, ist unzweifelhaft das Schlachtfeld, auf dem sich der große Entscheidungskamps zwischen Rußland und Japan um die Oberherrschaft in Ostasien abspielen wird. In Korea selbst sieht man'der Zukunft mit großer Beängstigung entgegen, denn man sagt sich, daß, tote auch immer die Sache schließlich ausgehen möge, die Selbshündigkeit des Kaiserreiches " immer gefährdet sei. Viele fürchten, daß die Japaner eines Tages, um das Gleichgewicht wieder herzuftelten, in aller Ruhe Korea besehen könnten. Andererseits ist die aggresive Aktivität Rußlands gegen Korea sehr bedenklich. Diese beschränke sich nicht nur auf die Grenzen, sondern die Russen, die beabsichtigten, eine Bahn von Lianyang an der mandschurischen Bahn durch Feng-hwang-ffchenn nach dem Yaluflusse zu bauen, rechneten schon mit der Zeit, wo sie in der Lage sein würden, diese Bahn durch Wijn am Yalu nach Soeul weiter zu bauen. Tie inneren Verhältnisse in Korea sind günstig, und die Ernte biete gute Aussichten. Tie Berichte über eine kolossale Einwanderung von Japanern sind über- Delikten die Entscheidung nicht anvertraut. Dieselbe Entscheidung, nabezü unanfechtbar, vertrauen wir aber nach dem Stand der heutigen Gesetzgebung einem von dem Zufall einer Viertelstunde zusammengewürfelten HäufchM Menschen an, bezüglich deren keine andere Garantie verlangt wird, als daß sie uich.t zu den besonders Gebrandmarkten des Lebens gehören Ein Unding, ein Widersinn! Die Motive zum Gerichtsversassungsgesetz stehen aus dem Standpunkt, daß die Befähigung zum Schöffen- und Geschworenendienst auf der breitest möglichen Grundlage fteizugeben und daß von jeder Beschränkung durch einen Vermögens- oder Bildungszensus ab zuseh en sei. Mrs dem weiten Kreis der hiernach gesetzlich befähigten Personen sollen diejenigen ausgewählt werden, welche nad) ihrer intellektuellen Begabung und Urteilsfähigkert, nach ihrer sittlichen Tüchtigkeit und Selbständigkeit für die wirMche Ausübung des Gerichtsdienstes die am besten geeigneten sind. Allerdings wird an anderer Stelle ausgeführt, daß es auf der Hand liege, daß nur solche Personen die wichtigen Ausgaben des Geschworenen- und Schöffenamtes aus- zufüllen vermögen, welche ein gewisses Maß von Bildung und praktischer Einsicht besitzen und außerdem ihrer Vermögenslage nach im stand sind, den mit dem Amt verbundenen Aufwand zu tragen. In beiden Beziehungen wird denn auch bei Auswahl der Geschworenen Wcksicht genommen und dadurch ist der Kreis, aus denen die Geschworenen hervorgehen, tatsächlich doch ein beschränkter. Ob dies gerade dem Ansehen des Schwurgerichts zum Vorteil gereicht, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls ist die Annahme, daß bei dem Vorhandensein eines gewissen Wohlstandes ein größeres Maß von Tüchtigkeit und Einsicht zu erwarten sei, sehr oft eine trügerische und durch den geltenden Zustand werden tatsächlich manche von dem Gerichtsdienst ausgeschlossen, denen die Befähigung zur Erfüllung der Aufgaben eines Geschworenen im vollsten Maß innewohnt. (Fortsetzung folgt.) hat die Zentralkasse 554 00u Mk. ausgegeben, die man wohl ganz auf Wahlkosten rechnen kann. Auch die allgemeinen Agitatiouskosten haben sich erhöht (um 28 000 Mk.), doch schließt trotzdem die Rechnung mit einem kleinen Ueberschuß ab, dank der Opferwilligkeit der Genossen, die beispielshalber allein im sechsten Berliner Wahlkreise 66 000 Mk. an die Zentralkasse ablieferten. Deutschland uud England. Im „Standard" findet sich vom 18. August ein an die Redaktion des genannten Blattes gerichteter Brief, dessen Verfasser dem Wunsche Ausdruck gibt, daß derselbe dazu beitragen möge, die. gegenseitigen Beziehungen zwischen Deutschland und England herzlicher zu gestalten. Der Verfasser erzählt, daß er jüngst an Bord des Dampfers „Ophir" der Orient-Company eine Vergnügungsfahrt an der norwegischen Küste mitgemacht habe. Am letzten Sonntag ankerte das Schiff im Hardanger Fjord, ganz in der Nähe der Kaiseryacht „Hohenzollern"; die Passagiere konnten durch die Ferngläser beobachten, wie der Kaiser den Gottesdienst an Bord abhielt. Nachher schickte der Kaiser herüber und ließ die Passagiere ausfordern, an Bord der „Hohenzollern" zu kommen und das Schiss zu besichtigen. Er lud dann Prinz und Prinzessin Tesno, die er dem Namen nach kannte, und zwei andere Passagiere ein, bei ihm zum Tee zu bleiben, und diese wurden dort sehr freundlich empfangen. Abends vor der Abfahrt umkreiste der englische Dampfer die „Hohenzollern", und die Passagiere brachten dem Kaiser mehrere Hochs aus, die von der Besatzung der Kaiserjacht beantwortet wurden, der Kaiser selbst winkte mit dem Hut und befahl der Schiffskapelle, „Rule Britannia" zu spielen. „Mag der Tag recht fern sein", fügt der Briefschreiber hinzu, „an dem britische und deutsche Schiffe in einer anderen Weise zusammentreffen." Wir schließen uns diesem Wunsche von ganzem Herzen an, bezweifeln aber, daß solche Ereignisse, so bedeutsam sie für denjenigen sind, der sie miterlebt, viel zur Besserung der allgemeinen politischen Beziehungen beitragen werden. Gießener Anzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Nr. 194 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem vefstschen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lftchen Untvers^Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erden) Redaktion, Lxpedttioa und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Aas Wetter. *) Von A. Peppler-Gießen. Unsere Erde ist von einer Lufthülle umgeben, welche sich nicht ins Unermeßliche erstreckt, sondern in großen Höchen eine Grenze hat. Da die Luft schwer ist, muß sie einen Truck ia| brannten mit. , )( Ruppertenrod, 19. Aug. Ein elfjähriger Knabe' bestieg hier einen Kirschbaum von ansehnlicher Höhe, dessen Aeste durch das Regenwetter schlüpfrig geworden waren. Ter Junge glitt aus und stürzte herab auf einen Holzhausen, der neben dem Garten sich befand. Da er mit dem Kopfe auflchlug, so trug er eine Gehirner- Uebungsplatze bei. P1 .' < ri Marburg, 19. Aug. Der Bor stand der Handwerkskammer hat in seiner gestern in Eassel abgehaltenen Sitzung bestimmt, daß der in der Vollversammlung vom 28. und 29. Juli beschlossene Vertretertag sämtlicher Innungen und Gewerbevererne des Bezirks der Easieler Handwerkskammer am Sonntag, den 20. iLeptemver, hier ur Marburg statt findet. - Berlin, 19. Aug. Zwei junge Angestellte einer hiesigen Bank sind wegen Unterschlagung von mehr als 40000 Mark verhaftet worden. Etwa die Halste des Geldes wurde noch in ihrem Besitz gefunden und der geschädigten Bank wieder zugestellt. Die andere Halste hatten sie in leichtsinniger Gesellschaft durchgebracht. * All en st ein, 19. Aug. Gestern abeno 8 Uhr fand im hiesigen Sradtwalde ein Duell zwischen dem Leutnant Kavser und dem Leutnant Klauenfiugel vom 73. Feld- Artillerie-Regiment statt. Kayser wurde s chwer verwundet in seine Wohnung gebracht. Ur.ache des ^^lls war ein Streit im Kasino anläßlich der Ab,chredsserer schütterung davon. . )( Ober-Ohmen, 19. Aug. Zwei kleine Kinder im Alter von 4 und 5 Jahren gerieten auf den Einfall, ein Feuerchen zu machen. Sie wählten zu diesem Zwecke die allergefährlichste Stelle, die Scheuertenne. Während die Mutter mit der Ernte int Felde beschäftigt war, trugen! sie zwei Bündel Stroh zusammen und zündeten sie an. Bald standen nicht nur diese, sondern die ganze Scheuer in Flammen. Sie brannte volstlandig nieder, und nur dem tapferen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu danken, daß weiteres Unheil abgewandt wurde. — Kaum hatte die Feuerwehr den Brand gelöscht, so rief sie ein Kamin-' brand nach einem anderen Teile des Orres. Dieser Brand wurde im Keime erstickt. - Ein 17 jähriger Bursche von hier war vor wenigen Tagen mit anderen Arbeitern zur Dreschmaschine in die Wetterau gegangen. Jetzt erhielten seine Eltern die traurige Nachricht, day er bei den Ma- ** Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Lauter-! bach Philipp Hill unter Anerkennung seiner treuen Dienste auf fern Nachsuchen in den Ruhestand versetzt. Dem Ortsgerichtsmann Johannes Daum III. in Neutsch wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen. — Arn 15. August d. Js. wurde der Gefangenaufseher am Provinzialarresthaus in Mainz Jakob Neuroth seines Dienstes entlassen. — Ernannt wurde der Gerichtsschreibergehilfe Peter Ketterle in Mainz zum Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgerichts Mainz. — Dem Forstwart der Forstwartei Kühkopf, Förster Karl Damm zu Forsthaus Kühkopf, wurde aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das L-ilberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Landwirtschaftliche Ausstellung, Abt. VII., Bienenzucht. Entgegen der früher gebrachten Mitteilung, daß die Honigausstellung und Hauptversammlung des Ober- hessischen Bienenzüchtervereins in der Restauration zur „Germania" stattfinde, wird uns nun geschrieben, daß die Aus-' stellung von Homg, Lehrmitteln der Bienenzucht und Geräten in einem eigens dazu errichteten Gebäude nächst der Festhalle auf der unteren Seite des Triebweges stattsindet. Der Stand für lebende Bienen befindet sich nahe dabei im Garten der „Liebigshöhe". Die Flugrichtung der Bienen geht nach dem Wiesental. — Die Hauptversammlung findet Freitag den 11. September, vormittags halb 11 Uhr, im großen Saale der Restauration zur „Liebigshöhe" statt. Daran wird sich ebenda für die Teilnehmer an der Hauptversammlung em • Ein preisgekrönter Liebesbrief. In Milwaukee wurde kürzlich, vermutlich von einer Zeitung, ein Preis für den besten Liebesbrief ausgeschrieben, und Fräulein Anna Evans ungenannten Alters hat den Preis, 10 Dollar erhalten. Ob sie den Brief eigens zu dem Zweck aufgesetzt oder aus ihrer Sammlung zurückerstatteter Korrespondenzen ausgelesen hat, wird gleichfalls nicht bekannt gegeben. Uebrigens ist der Bries sehr hübsch und gedankenvoll, wenn les auch auffällt, daß die Schreiberin sich durchaus als Geber, nicht als Empfänger fühlt, und was könnte charakteristischer sein für die junge Amerikanerin l Hier ist das Briefchen: „Liebes Herz! Mein erster Liebesbrief — was soll ich Dir sagen? Was anders als daß ich heute abend reich bin, reich an dem Ueberfluß des Weibes, der Freude am Geben. Allen Frohsinn der Kinderjahre, des Mädchens zartes heimliches Träumen von dem sich entfaltenden Mysterium des Lebens, die ganze Opferkraft des Weibes münze ich m das neue glänzende Gold meiner Liebe, aus Bergestiefen, die nur Du erraten und ergründet hast und ich gebe es nicht verschwenderisch, sondern mit eifersüchtiger Sorge, daß jedes Stück seiner Kostbarkeit unberührt zu Dir gelangt. Ja, ich bin 'eifersüchtig, nicht auf Deine Liebe zu mir, sondern auf meine Liebe für Dich. Denn so unaussprechlich teuer mir Deine Liebe zu mir ist, so ist doch dies mein Leben, nämlich meine Liebe zu Dir. Sie muß wohl Gottes große Gabe an das Weib sein, und selbst diese gebe ich Dir hin. Gute Nacht!" * Ein Schwabenstreich. In einem Hotel eines württembergischen Städtchens hart an der bayerischen Grenze logierten dieser Tage zwei Münchener Herren. Nachts gerieten mehrere Holzbalken des Zimmerbodens infolge eines nahegelegenen Kamins ins Glühen. Die Zimmerbewohner alarmierten sofort Polizei und Feuerwehr, worauf ein Polizist und ein Feuerwehrmann in Zivil erschienen und sich die Sache ansahen. Der Polizist erklärte trocken, nachdem er sah, daß die Balken „erst" glimmten: „Dös müssat ihr selba macha, da krieget ihr kom Hydranta", während der I Feuerwehrmann meinte: „D' Fuirwehr femmet erscht, wenn d' Flamma rausschlaga!" Nun machten sich die Hotelgäste selbst im Verein mit den Hotelangestellten an die Arbeit und I entfernten die glimmenden Balken, was nach mehrstündiger für einen Hauptmann. r. „ , kl London, 19. Aug. Aus der hiesigen U n t e r g r u n d- bahn geriet gestern ein Wagen dadurch m Brand daß mehrere Eijenstübe, welche sich losgelost hatten, mit der Stromschiene in Berührung kamen und' dadurch rod- glühend wurden. Die Passagiere verließen in panikartigem Schrecken den Wagen. Das Feuer wurde jedoch bald gelöscht. Seit der Katastrophe in Paris fiiw bte Ei ii nah men der hiesigen Untergrundbahn in em er Woche um mehr als 1000 Pfund zurückgegangen. * Paris, 19. Aug. Die großen Fichtenwald- mn gen im Departement Var stehen seit zwei Tagen m Flammen. Der Schaden ist ungeheuer. Funken auv einer Lokomotive sollen den Brand verursacht haben. * P a r i s, 18. Aug. Die Kampagne gegen die t a d b bahn-Geell schäft wird von einigen Zeitungen mit aroßer Energie fortgeführt, weil es bis jetzt den Anschein hat, daß die zuerp erhobenen und von den Behörden unterstützten Forderungen von durchgreifenden Maßregeln I Aur Sicherung des Betriebes nur teilweise durchgefuhrt werden dürften. Alles was zu kostffiietig erscheint, wie Anlagen von Treppen und Ausgängen nack) beroen Richtungen der Bahnhöfe, Einführung neuer eiserner Motorwagen ohne Personenabteile, Herstellung von asphaltierten Stegen längs des Bahnkörpers usw., ist vorläufig aus dem Programme der Stadtbahnreformen gestrichen worden. Die einzige, durchgreifende Aenderung, auf die I seitens der Behörden bestanden wird, ist die Sonderung der elektrischen Beleuchtung der Tunnels von der Triebkraft Die sonstigen Bestimmungen, die spätestens binnen vierzehn Tagen in Kraft treten sollen, wie Alarmglocken für die Zugführer dürften kaum das Vertrauen des Publikums zu der Untergrundbahn heben. Allerdings sind das alles nur vorläufige Maßregeln und man verspricht, der Gesellschaft noch viel strengere Bedingungen, besonders bezüglich des Materials und der Beaufsichtigung aufzu- I erlegen, aber man müsse ihr dazu etwas Zeit lassen. Die Action" behauptet, daß diese außerordentliche Milde gegenüber der Stadtbahngesellschaft sich daraus erkläre, daß der Hauptniacher, der belgische Finanzmann Empam sich der besonderen Protektion seines Herrschers erfteue. Daß das Stadtbahnmaterial zttsvielen Aussetzungen Veranlassung bietet, wird durch leider nur zu häufige Betriebsschaden auch nach der Katastrophe bestätigt. Seit dieser sind nämlich bereits dreimal so defekte Motorwagen Zugen nut- gegeben worden, daß mitten in der Fahrt Stockungen entstanden und das Publikum durch Feueralarme m den größten Schrecken versetzt wurde. Am Sonntag mußten sogar zwei'Züge hinter einander wegen schadhafter Motoren ganz ausgeschaltet werden. * Cherbourg, 19. Aug. An der Küste herrscht ein furchtbarer Sturm. Mehrere Schiffsunfälle wurden bereits signalisiert. noch gar- nicht besuchtet gewesen, die Jammer haben aber angefangen, einige Leuchttürnre zu bauen. Die GerüäM, daß Korea sich eine Flotte anschaften wolle sind unsinnig, sie sind nur daraus entstanden, daß der Kaiser neuerdings ein altes Scksisi gekauft, es wie em Kriegsschiff hat anstteichen lassen, und daß dasselbe ^etzt zum Salutieren gebraucht wird. } Wegen Zusatzes von Stärkemehl zu Wurst tauben m 2 Fällen Verurteilungen statt. Wegen Verkaufes von ranziger Buller trat in einem Falle Bestrafung ein; desgl. wegen Verwendung von Konfervenjalz bei der Wurstiabrikanon. lieber den Ausgang der von dem Untersuchungsamt ausgesprochenen Beanstandungen wird uns in der Regel nur in den Fallen etwas bekannt, in welchen der Berichterstatter als Experte bei Gericht persönlich zugezogen wird. Es wäre im Interesse der I 'Sache sehr wünschenswert, daß dem Unterjuchungsamte seitens derjenigen Behörde, welche die etwaige Strafverfolgung veranlaßt, dezw. eine solche nicht veranlaßt, m jedem einzelnen Falle in Bezug darauf Mitteilung gemacht würde. Außer durch die angeführten Untersuchungen war das Unter» siichungsamt m Anspruch genommen durch Abgabe einer Anzahl größerer und kleinerer Gutachten, durch eine Reihe von gerichtlichen Terminen unt) öon örtlichen Besichtigungen, durch die mit der Ausführung der regelmäßigen Kontrolle der Nahrungsmittel, Genußmittel und Gebrauchsgegenstände oer- bunbenen Amtshanblungen sowie burch einen lebhaften nuinb» lidjen unb schriftlichen Verkehr mit ben Behörben und Privaten. In dem Bericht wirb durch eine Reche von Gründen als dringendes Bedürfnis bezeichnet, daß im Interesse einer gedeihlichen Weiterentwickelung des Untersuch- ii n g 5 a nt t e § tunlichst bald wesentlich größere Räume für die I Unterkunft desselben gewonnen werden. Wie in früheren Jahren, so fand auch im letztverflosienen eine I chemische unb bakteriologische Untersuchung bes Wassers' sowohl aus ber neueren, wie auef) ber älteren Wasserversorgungs-! anlage ber Stabt Gießen, ersteres aus den Quellen zu Queckborn, letzteres aus ben Quellen bei Großen-Buseck stammend, statt. Aus einem Vergleiche der Resultate der letztjährigen Untersuchung des I Wassers mit denjenigen der vorjährigen ergiebt sich, daß die I chemische Zusammensetzung des von den Queckborner Quellen gelieferten Wassers in beiden Jahren im wesentlichen die gleiche ist. Es ist dasselbe daher auch dieses Mal wieder als von großer Reinheit im hygienischen Sinne und als vortrefflich geeignet zur Versorgung mit Genuß- und Hausgebrauchswafser, wie auch für . I technische Zwecke zu bezeichnen. Ter uns vorliegende Jahresbericht des Untersuchungsamtes beweist, daß das Institut auch im letzten Jahre hervorragend von Privaien benutzt worben ist; es sei deshalb allen, die Bedenken hinsichtlich der Verwendung von Nahrungs-, Genußmitteln und GebrauchSgegenstänben haben, empfohlen, solche durch bas Unter- suchungsamt auf ihre Unschäblichkeit prüfen zu lassen. . , . . . .r_x_. cLftfWnfirt fliffierwlfehtne verun glückt und an den Folgen der erhaltenen! trieben, dagegen nimmt die lapanischr ^>cknfsahrt ISripfvmmen gestorben fei --deutlich 5u:_®te »Ife»KI Äs d/m B?3’e13fietj, 19. Aug Dw Wetter- reael treibt die Eiche vor der Esche" — halt der Sommer aroße Wäsche"', welche Erscheinung in diesem Frühlinge aus- trat, bewahrheitet sich vollauf. Wie der Julr ve^egnete so verrecrnet auch der August. Dadurch ist das Ernte- wette r^recht schlecht. Tros-dem gelang es, das Korn »rem- lich gut in die Scheuern zu bringen. Da es überreif ge-^ worden, fiel es viel aus. Auch beim Weizen, dessen Ernt Zurzeit stattfindet, wird vrel über Ausfall geklagt. Gerste und Hafer sind größtenteils noch nicht reis, der Wetterau nähert man sich indessen schon ,dem ^de der Ernte. Dort brummen bereits die DreschmasckMcn, während sie bei uns noch ruhen. Der erste Ausdrusch bey Korns ist recht zu- '"“»ÄH, 19. 6«. S»mgt. t>*il d.r Großherzoq wohnten heute vormittag der Besichtigung im ! Schießen berReserve-Felb-Artillerie-i)lbteilung durch ben kommanbierenben General auf dem -L-ruppen- Der Plan der Grünbung einer Universität in Transvaal, der zuerst anläßlich ber Reise Chamberlains burch die neuen Kolonien" austauchte unb in bem „Kolonialmimster einen warmen Befürworter fand, bürste bemnächsl verwirklichl werben. Die Kommission zur Vorbereitung eines solchen^ Unternehmens hat ihre Arbeiten beendet unb die Resultate in einem ausführlichen Bericht niedergelegt. Es wirb barm bie Erwerbung bes nötigen Grunb unb Bobens aus englischen Staatsmitteln vorgeschlagen, wobei allerbings noch zu ergänzen ist, ob die Gelber von ber Abminislration ber neuen Provinzen ober von ber Regierung des Mutterlandes kommen sollen. In dem Lehrplan der zu gründenden Universität soll natürlich bie technische Erziehung vor allem einen hervorragenben Platz einnehmen, unb man verspricht sich von biejem Arrangement außerorbentlich viel, wenn man sich auch ganz klar barüber ist, baß bie Früchte der Tätig- ____ ---- --------------- : i feit her neuen Lehranstalt erst nach vielen Jahren geerntet Ztnter^uchuvgsamt j»k Olt ^rovlNj werden können. Die Kommission legt in ihrem Bericht ganz HveryefftN. besonders Wert darauf, daß die Universität so gelegen fern bem nahre igo2/O3 wurden im Untersuchungsamie im soll daß sie von den Städten Johannesburg und ^prcioria, I VON Behörben 955, VON Privaten 9925, zusammen 10880, sowie von dem Randgebiete au5 leicht erreichbar ist. Untersuchungen ausgesührt. U'"^ucht wui»en solgende Oegen- stände m der habet angegebenen 3abl. Slbroa fer 8, JJter W, Branntwein 1, Brot und Backwaren 1, Buchsenfletsch 2, Butter 63, bickwrien 2 Erze 6, Essig 100, Farben 2, Flupwaßer 3, Futter- mÄel 8, Fruchtgelees 5, Gettchtliche Objekte 6, Gewürze 105, Gummibälle unb Gummi puppen 36, Hackfleisch^, Kaje 2, Kakao 6, Kautschukmunbstücke für Saugflajchen unb Warzenhutchen 24, Kinbermehl 1, Kohlensäure, flüssige 1, Konbilorelwaren 12, Kuchengeschirr 21, Leichenteile, menschliche 2, Leinöl 1, SDlargarme 12, Mebikamente 1, Mehl 17, Milch 92, Milch, Stallproben 6, Mi ch für Alolkereizwecke 9767, Milch, Buttermilch 1, Milch, Magermilch 3 Mineralien 1, Mineralwasser, künstliches 7, Mineralwasser, natürliches 3, Mörtel 3, Palmin 3, Petroleum 106, Physiologische Objekte 2, Rahm für Molkereizwecke 30, Rauchfleisch 1, Rubsamen 2 Schweinefett 13, Seife 1, Seifenpulver 2, Setfenunkerlauge 8, ouielwarenö, Tapeten unbBuntpapiere, Btlberbücher94, Terpentinöl 1 Tierleichen 2, Wasser für Genuß- unb Hausgebrauchszwecke 92, Wasser' für technische Zwecke 5, Wein 65, Würste 78, Zimigerate 4, Arbeit auch gelang. * Gegen bie Langweiligkeit der geraden Häuserreihen wendet sich die Münchener Architekten^ schäft in einer Eingabe an die zuständige Behörde. Schnurgerade Straßen wird man so wie so in München nicht mehr anlegen, aber in dieser Eingabe wiro nach einem Berichte von H. A. Waldner in der „Bauhütte" aua) entpfohlen, die Baulinie nicht mehr genau parallel mit der Straßenrands zu führen, sondern ihr ein eigenes Leben zu. gönnen. Mn Rücksicht aus die Straßenbreite ist es häufig unnrögllch die Giebel und Erker des Hauses durch Hochfüyrnng trastlg ! zu betonen. Dachneigungen über 50 Grad, die für oa» deutsche Haus gerade kennzeichnend sind, können evensa u aus diesem Grunde oft nicht gewählt werden, wiro nm in der Eingabe angeregt, ziva, eine Minoestbrene oe Straßen sestzusetzen, Die für Verkehrsstraßen ko Meter, fu Wohnstraßen 10 Meter betragen soll, aber den cipüna Platzbesitzer, der an der Straße bauen will, nicht unbeotng zu zwingen, seinen Bau bis an die Grenze heranzurücken. Vielmehr soll man dem Besitzer gestatten oder ihm geeigneten Falles sogar vorschreiben, den Neubau mit seiner Front mehr oder weniger hinter die Straßenfluchjtlinie zurückzulegen, sodaß also das ganze Straßenbild mehrOeben erhält und durch diese freiere Beweglichkeit die einzelnen Bauten auf eine charakteristische räumliche Wirkung beregnet werden können, während sie bisher allein durch die Flächendekoration der Schauseiten wirken konnten. Gleichzeitig wäre dann der Architekt auch in der Ausbilduug der Giebel und Aufbauten nicht mehr so sehr durch die Vorschriften über die Gebäudehöhen beengt, denn wenn es die Architekturwirkung erfordert, daß ein Giebel kräftig empor- steigt, ist es mögliche diesen Wunsch dadurch zu erfüuen, daß man den Bau von der Straß enfluchtliuie abrückt und dadurch also die absolute Straßenbreite um so viel vergrößert, als es die gewünschte Gebäudehöhe nötig macht Der Platz, der durch das Zurücktreten eines Hauses vor demselben frei wird, bleibt im Besitze des Hauseigentümers der einen gewissen Prozentsatz mit Freitreppen, Erkern,' Risaliten oder Terrassen überbauen darf, während der Rest zum Fußgängersteig gezogen wird. Gerichtssmil. Gießen, 19. August. Strafkammer. Gegen ein Urteil öeä Großh. Schöffengerichts Laubach, welches den Kuhschweizer % T. von Wollersleben und den Maurer F. K. von Ruppertsburg wegen Körperverletzung, gemeinschaftlich begangen auf dem yennettenhof bei Ruppertsburg an dem Pächter Otto Müller, mit Gefängnis, und zwar T. mit vier Wochen, bestraft hatte, war von dem letzteren Berufung emgelegt worden, während das Urteil gegen K. in Rechtskraft übergegangen ist. Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß der Angeklagte T. in angetrunkenem Zustand während eines Wortwechsels mit seinem Dienstherrn, dem genannten Pächter, auf diesen mit geballten Fäusten einschlug, sodaß er blutende Wunden davontrug. Die Tat wurde gemeinschaftlich mit K. begangen. Tas Gericht verwarf, da es auch die in erster Instanz auserlegte Strafe für angemessen hielt, die Berufung des Angeklagten unter Belastung desselben mit den Kosten der zweiten Instanz. — Der Fuhrknecht A. G. von Londorf, beschäftigt bei der Aktienbrauerei m Gießen, überfuhr im Juli d. Js. mit seinem vierräderigen Wagen den 19 Monate alten Philipp Wißner zu Londorf, das Söhnchen seiner eigenen Schwester. Das Kind starb an den Folgen der Verletzung. Die Anklage war daher gerichtet auf Tötung eines Menschen aus Fahrlässigkeit, indem G. diejenige Ausmerksamkeit nicht beobachtet habe, zu derer vermöge seines Berufes als Fuhrmann besonders verpflichtet gewesen wäre. Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß sich das Kind etwa 8 Meter vor dem im Schritt fahrenden Wagen mitten auf die Straße legte. Der Fuhrmann saß auf der einen Längsseite seines Wagens, mit dein Gesicht gegen die, die eine Straßenseite begrenzenden Gärten, mit dem Rücken gegen die Häuserfront, so daß er das Kind nicht sah. Das Rufen einer Frau, welche die Gefahr wahrnahm, hat er zu spät vernommen. Der Verteidiger nannte noch wertere Zeugen, welche zum heruigen Termin nicht hatteir sistiert werden können und beantragte Vertagung. Das Gericht vertagte dementsprechend die Verhandlung auf nächsten Freitag. — Gegen ein ihn wegen Diebstahls 'verurteilen- des Erkenntnis des Gr. Schöffengerichts Vilbel hatte der I. E. zu Fräntfrrrl n. Al. Berufu n g emgelegt. Da der Angeklagte einen neuen Zeugen, dessen Adresse er erst jetzt aussindig gemacht habe, angab, wurde die Verhandlung auf seinen Antrag vertagt. — Desgleichen wurde wegen Ausbleibens eines Sachverständigen die Strafsache gegen M. und M. G. aus Groß-Karben wegen Zuwiderhandlung gegen das Vermögens- und (Änkommensteuergesetz vertagt. — Gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts Lich, welcher gegen den Schafhirten G. W. aus Burkhardsfelden und den Landwirt H. St. aus Hattenrod ergangen war, auf Grund der Beschuldigung hin, sie hätten für die letztere Gemeinde zum Gebrauche zubereitete Buchenreisstangen entwendet, hatten die Beschuldigten Einspruch erhoben und ihre Freisprechung erzielt. Gegen dieses Urteil m erster Instanz hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Strafkammer gelangte zu der Entscheidung, daß die Angeklagten weder das Holz entwendet haben, noch auch einer Uebertretung des Art. 71 des Forststrafgesetzes (Abfahren von Holz aus dem Gemeindewalde ohne Abfahrtsschein) schuldig sind; sie vewarf daher die Berufung der Gr. Staatsanwaltschaft als nnbe- gründet unter Verurteilung der Staatskasse in die Kosten der Berufungsinstanz. Braunschweig, 19. Aug. Der Acheiter Werstadt wurde heute von der hiesigen Strafkammer wegen Wahlfälschungen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Werstadt hatte sich gegenüber dem Wahlvorsteher einen falschen Namen beigelegt in der Absicht, für den Betreffenden zu stimmen. Der Angeklagte entschuldigte sich damit, daß er sich nichts Böses dabei gedacht habe. Das Gericht erklärte, daß es in einer Wahlfälschung ein leichteres Delikt nicht erblicken könne und ging über den Antrag des Staatsanwalts, der auf 5 Tage Gefängnis lautete, weit hinaus. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 19. August 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Da die gestern aus Wien gemeldeten Gerüchte sich nicht bestätigten, war die Tendenz an der heutigen Börse im allgemeinen eine bessere, wenn auch die Umsätze noch recht minimale waren. Ziemlich lebhaft gestaltete sich anfangs das Gefchäft in Türkenwerten, die infolge der Melduiig, daß die Unisikanons-Verhand- lungen nunmehr zum Abschluß gelangt und das Projekt morgen dem Ministerrat zur Unterzeichnung vorgelegt roerbeit soll, eine größere Steigerung erfuhren. Späterhin trat Paris für genannte Werte als Abgeber auf, so daß auch hier der Kurs wieder entsprechend abbröckelte. Auf Eanada Shares wirkte ein guter amerikanischer Erntebericht animierend. Montanwerke und Bankaktien lagen bei stillem Verkehr gut behauptet. Der Kassaindustrie- markt zeigte andauernd gute Haltung; besonders erwähnenswert ist die rapide Steigerung der Vorzugsaktien der Rheinischen Metallwaarenfabrik, welche bei großen Umsätzen ll1/* pEt. über gestern notierten. Privat-Diskont 3% Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit .... 205.10 205.10 Deutsche Bank . . . 210.75 210.90 Darmstädter Bank . . 136.75 135.75 Bochumer Guß . . . 180.50 179.87 Harpener Bergbau . . 178.25 178.62 Bom süddeutschen Kohleumarkt. Das Geschäft hat in der letzten Zeit keine Fortschritte mehr gemacht. Ter Versand bleibt zwar dauernd etwas besser, die Preise wollen aber gar nicht nachkommen. Die Besserung gründet sich eben fast ganz auf die vorgeschrittene Jahreszeit, die Industrie hat herzlich wenig damit zu tun. Inzwischen haben sich einige Grundsätze für die Preisbemessung für Spätjahrs- und Winterlieserungen herauSgebildet, aber sie zeigen in ihrer Ungenügendheit schon, wie wenig hoffnungsfreudig man dem Spätjahrsgeschäst entgegengeht. Es werden aus Abschluß bis 1. April n. Js. verlangt für "grobe Nüsse nach- gesiebt 180 Akk., für Nuß IU 160 All., Nuß IV'150 Mk., melierte Hausbrand- und Maschinenkohlen 130—135 Mk., alles für 10 t ab hier. Auch in Brechkoks beginnt sich der Versand langsam zu heben. Die Preise hiersür sind noch sehr unbestimmt, man glaubt sogar eine Abschwächung wahrnehmen zu sollen. Briketts haben etwas angezogen. Die Forderungen belaufen sich arck etwa 160 Mark für 10 t ab hier. In Anthracitnüssen ist noch gar kein Geschäft. Märkte. Limburg a. d. L., 19. Aug. Frucht markt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 00.00 Mk., altes Korn 11.00 Mk., neues Korn 10.28 Alk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 7.37 Mk., Erbsen 0.00 Alk., Kartoffeln 0.00 Mk. Mngesanöt. (Für Form und Inhalt uUef uniec dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) e c Gießen, 18. August. Auf das „Eingesandt" der Ortsgruppe Gießen des Deutsch- nationalen Handlungsgehilsenverbandes vom 6. d. M. erlaube ich mir zu erwidern, daß die angesührten „Tatsachen", obwohl sie im Grunde genommen nicht bestritten werden können, doch für alle Verhältnisse nicht zutreffen. Genannte Ortsgruppe steht gewiß auf dem Standpunkt, daß die Verhältnisse in Darmstadt und Mainz mit denjenigen unserer Stadt identisch seien. Die Geschäfte in Gießen, welche an Sonntagen zu tun haben, gehören nun durchweg der Manusaklurwarenbranche an, während die Inhaber der Geschäfte anderer Branchen meines Erachtens ohne Schaden schon jetzt um 1 Uhr ihre Läden schließen könnten. Hier ist nun die Erörterung der Frage unerläßlich: „Wird die Landbevölkerung auch bei Einführung des 1 Uhr Ladenschlusses an Sonntagen ihre Einkäufe in den hiesigen Manusakturwarengeschäften fortsetzen, oder wird dieser Branche durch den 1 Uhr Ladenschluß ein nennenswerter Schaden zngesügt?" Es wäre erfreulich, wenn die Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen H.-G.-V. diese Frage treffend widerlegen könnte. Andernfalls hielte ich das Gebot des Ladenschlusses an Sonntagen für die Manufakturwarengeschäfte als eine zu verwerfende Beschränkung. s. Meteorologische Beobachtungen ________der Station Gießen. Drucksachen aller Art August 1903. I Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft 2lbsolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter I 19. 226 740,5 16,7 10,5 74 sw. 2 Bed. Himmel 19. 925 743,8 12,6 10,1 93 SW. 2 20. 72i 747,1 HP 9,7 92 sw. 2 ■ )chste 2 .empero tur a. m 18. -19. A ug. 17, 0 c. 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Z> ~ vQ <3 Oft 6, ° -O “2 =<2 = Oft KM «ft ’c E o o N 6-Q, ä uQ OD* g Oft vO X) LZL L ‘S' 5 E o JS rr >0 ■•E c ■“ .ra CS e_» «ft .5 --B <-> B-4-» CD aj <5D” 1 § ZÄE s E w IfhHH §f SKun®1 ou *42 5 nk ‘»t* r-Q H " ftil§ 5.5^ « - o s C2 E L ^■Äb o "o :ti CD w * 5-* kO L 5 oSh c£ --5 E cs ---- o E E <0 • JE O CD O Th t-T x6 «« £ o co CD o Häm _o 0 Sa "E «ft . ti) CO -L o B - 03 B o 1—< - Q AttHuch irrStniit mih örs Kreises Weir Bestelluugcu auf da§ Adreßbuch zum Vorzugspreise von Mk Wir weisen wiederholt darauf hin, daß unser -werden in unserer Geschäftsstelle und durch unsere Zeitungsträger entgegen genommen. Areir-Adretzbuch das gesamte Adressenmatenal der statt Glehn »j der sämtlichen Laudorte des Kreises in übersichtlicher und genauester Anordnung enthält. D 6215 dauerhaftes bequemes Schuhwerk 5 Grosse Auswahl in Reise-Pantoffeln. Grosse Auswahl in Reise-Pantoffeln. V. Reiss Giessen, Mänsburg 12. Frankfurter Schuhlager. 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Es werden daher alle diejenigen, welche rechtmäßige Ansprüche auf jene Parzellen erheben zu können glauben, aufgesordert, ihre Ansprüche binnen 3 Monaten von der Einrückung dieses bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden, widrigenfalls die Ueberschreibung der Parzellen auf die Gemeinde Lang-Göns verfügt werden wird. für Damen, Herren und Kinder. Schwalm, Zahnarzt, Gieße«, Bahnhofstraße 63. Gießen, den 18. August 1903. Großherzogucyes 'Amtsgericht. Vr Für die landwirtschaftliche Ausstellung in Gießen werden benötigt: 200 Centner Torfstreu, Hauptgewinn bar ohne Abzug Mk. 15 Los 1 Mk., 11 L. 10 Mk., Porto u. Liste 25 Pfg. extra, empfiehlt J. Stürmer, Loit.-General-Aoeni, Strassburg i. Els. und alle mit diesen Losen u. Plakaten kenutl. Verkaufsstellen. J. M. Schulhof Telephon 119. Vrornvler Versandt nach auöw. Vevlag des Gießener Anzeigen Bvühl'sche Dvaekevei. Außer den von mir serther geführten Bieren bringe jetzt auch Mainzer Mtienöier beliebt wegen seines reinen, milden Geschmackes und weil es außerordentlich gut bekommt, zum Verkauf und empfehle das- Geffenttiche Aufforderung. Die nachfolgenden im Grundbuche der Gemarkung Lang- Göns ohne Bezeichnung des Besitzers und Erwerbstitels eingetragenen Parzellen, nämlich: Bekanntmachung. Die Rechnung der Gemeindekrankenoersicherung für 1902 liegt «ährend 8 Tagen, vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an gerechnet, zur Einsicht der Beteiligten aus dem Bürgermeistereibureau — Zimmer Nr. 15 — offen. Bemerkungen zu derselben können in der genannten Zeil daselbst erhoben werden. Gießen, den 16. August 1903. 6284 Der Oberbürgermeister: I. V.: Curschmann. Verreist ab Montag den 24. August bis Dienstag den 8. September. Garbenbinder (Erntestricke) 6466 im Gebrauch wesentlich billiger wie Strohseile empfiehlt billigst N. Rosenthal Telephon 218. Liebigstr. 13. Sonntag den 23. und Montag den 24. 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V u 462 — 2163 , n 6) , VI V 441 — 5731 , n 7) , VII V 447 — 15169 , w 8) , vni 469 — 3425 , 9) . IX 433 — 12300 , w 10) . X w 434 — 16888 „ unbesteuerbares Gelände 11) , XI w 688 — 6668 , desgleichen 12) f XII M 2 — 9000 „ desgleichen 13) , XIV ■ 165 — 3619 , desgleichen 14) , XVI * 36 — 5094 „ desgleichen 15) , XVII ■ 597 — 8488 , desgleichen 16) , XVIII u 985 — 12 662 „ Wege 2C., unbesteuerbares Gelände 17) , XIX w 962 — 11881 , desgleichen 18) e X X u 736 — 34 262 , unbesleuerb. Gelände (Wege, Bäche 2c.) 19) , XXI ■ 1229 — 52 716 , unbesteuerb. Gelände 20) , XXII n 635 — 25 832 v desgleichen 21) .XXIII w 372 — 12 243 , desgleichen 22) „XXV M 264 — 36 969 , desgleichen 23) , XXVI W 297 — 6919 , desgleichen 24) „xxvn 594 — 12 787 „ desgleichen 25) , XXVIII , 833 — 25 463 y desgleichen 26) , xxx w 144 — 9781 , desgleichen sind seit ^undenklichen Zeiten in ungestörtem Besitz der Gemeinde Lang-Göns.