druckere» (Pietsch Erven) welche Gchulstratze 7. Adresse für Depeschenr Auzetger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 5L Dslitilche Tagesschau. Der Kaiser und das Jesuiteugesetz. Sozialdemokratischer Vorsitz im Reichstag. In der nationalliberalen Halbmonatsschrift ^Deutsche Stimmen" finden wir folgende Ausführungen: „An und für sich wäre es freilich ein recht heilsam erzieherisches Mittel, dem deutschen Bürger und Bauer mal zu zeigen, was ein Sozialdemokrat als Vizepräsident bedeutet. Nur schade, daß man eine solche Probe aufs Exempel nicht aus einer wüsten Insel machen kann. Aber am Körper des deutschen Parla- mentarismus ein Experiment machen, das der Vivisektion verzweifelt ähnlich wäre, ist von vornherein ausgeschlossen. Die Konservativen und Freikonseroativen wissen sehr wohl, warum sie den Gedanken von der Schwelle abgewiesen haben. Das Zentrum hat sich nicht minder beeilt, bei Thron und Altar sich als beste Stütze in empfehlende Erinnerung zu bringen und sich in diesem Fall als Scheidewand zwischen die Person des Kaisers nnd den Herrn Singer zu schieben. Bei den Nationalliberalen sind es nicht derart spekulative, sondern grundsätzliche Erwägungen, die ebenso zum „non possumus" führen. Irgendwelches Recht, irgend ein Anspruch der Partei auf diesen oder jenen Sitz im Präsidium ist nicht m der Geschäftsordnung begründet, und über den „Geist" der Geschäftsordnung können wir uns feit den Debatten über § 19 doch nicht mehr verstehen. Halten wir uns also lediglich an den Buchstaben, und der weiß absolut nichts von einem solchen Anspruch. Also hängt es von dem guten Willen der Mehrheit ab, und nur von ihm, ob sie ein Mitglied der zweitstärksten Partei des Hauses im Präsidium und Bureau aufnehmen mag oder nicht. Guter Wille hat Vertrauen zur Voraussetzung. Wer von allen Bürgerlichen hat aber das Vertrauen, daß der erklärte Feind unserer gesamten Verfassungszustände, dem auch unser Parlament und das „Par- lamenteln" daselbst nur Mittel zum Zweck ist, die Grundlagen dieses Parlaments schützen, das Notwendige dazu rechtzeitig erkennen und wollen wird, daß er durch seine Person Mitwirken will, daß der eine gesetzgebende Körper mit dem andern und daß die Reichsfaktoren untereinander in guter Beziehung leben? Wer kann überhaupt sagen, ob der Kaiser einen Sozialdemokraten, wenn dieser, und gerade weil er das Parlament mit repräsentiert, empfangen mag? Wie, wenn der Vorwärts nach dem Empfang Singers im königlichen Schloß einen Bericht bringt, der es klipp und klar ausspricht, daß der Kaiser durch diese „Anerkennung" der Sozialdemokratie ihr die Ausgabe für 20 bis 30 Agitatoren erspart hat? Aber nicht nur diese Rücksicht, ebenso gebietet die Rücksicht auf das, was erst kurz hinter uns, und auf das, was im Schoß der Zukunft liegt, daß die bürgerlichen Parteien sich so fühlen, wie sie von der Sozialdemokratie behandelt werden: als die „eine" Masse, und daß sie keinem Düpierungsversuch der Sozialdemokratie mehr zum Opfer fallen, mag er noch so geschickt in Szene gesetzt sein. Nr. 194 Grschetut täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem vesfischen Landwirt die Siebener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlangen ift, Läßt sich noch nicht klar ernennen. Jedenfalls haben die Russen bezw. der Zar den Schritt der formellen Annexion erst getan, -nachdem die wesentlichen Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt waren. Daß die Amerikaner eine Zeit lang sich als Sachwalter der russischen Juden aufspiellen anläßlich der Greuel von Kischinew und so taten, als vb sie weiß was für mannhafte Proteste deswegen beim Zaren im Namen der Humanität zu erheben gedächten, um dann die Leute, die sich vertrauensvoll an sie gewendet, abzuspeisen und fallen zu lassen, nachdem die Affäre den Dienst einer Pression gegen Rußland offenbar erfüllt hatte, das war ein politischer Schachzug, den man Amerika zu gute hält, der aber, hätte ihn eine europäische Macht — außer vielleicht England — vollzogen, die stürmischste Kritik von allen Seiten sich zugezogen haben würde. Jedenfalls bedeutet die Erledigung der Mandschureifrage für Rußland einen großen Erfolg. Während der Gewinn, den die übrigen bei der chinesischen Affäre seinerzeit beteiligten Mächte machten, mehr zweifelhafter Natur ist, hat die russische Politik, trotzdem sie die zurückhaltendste war, den größten Vorteil davongetragen. zusammen, um eine starke Mißstimmung nicht nur in akademischen Kreisen, sonbern auch in der Bürgerschaft hervor- öuvulAlle Schwierigkeiten wrirden aber schließlich auf gütlichem Wege beseitigt dank einem verständigen Nachgeben von beiden Seiten, und wir konnten dem Feste somit mit einem gewissen Vertrauen, jedenfalls aber mit der größten Spannung entgegensehen. Bis jetzt ist auch alles gut gegangen, und wenn es weiterhin so gut geht, können wir zufrieden sein. — Gestern am Eröffnungstag machte ich morgens einen Bummel durch die Stadt, die ein reiches Feftgewand angelegt hatte. Blauer Himmel — endlich einmal — richtiges Jubiläumswetter, wie man es sich nur wünschen kann. — Langsam schlendere ich am Neckarstrande entlang nach der neuen Stadthalle zu, die auch ohne Laub- und Fahnendekorationen schon durch ihre reiche Architektur sich würdig geschmückt dargestellt haben würde. — Die Stadtanlagen sind mit einer endlosen Reihe von laubumwundenen Fahnenmasten geziert, die durch eine ununterbrochene Kette von Tannengewinden mitein- ander verbunden sind. Am Nachmittag soll die Stadthalle feierlich vom Großherzog offiziell eröffnet und ihrer Bestimmung übergeben werden; abends soll dann hier aus dem sogenannten Jubiläumsplatz der Huldigungs-Fackelzug der Studentenschaft von dem erlauchten Rektor magnifieen- tissimus der Ruperto-Carola entgegengeuommen werden. Wie ich nun so vor unserer stolzen Stadthalle stehe und zusehe, wie die letzten Vorbereitungen am Haupteingang zur Ausschmückung der Empfangshalle getroffen werden, tritt ein älterer, vornehm gekleideter Herr auf mich zu und fragt: „Gute Morgen! llas sein das?" Als ich mich verblüfft umwende und ihn fragend mustere, wiederholt er: „Ich meinen, uas sein das für eine Bau?" — Ich erkläre ihm, dies fei die neue Stadthalle. — Darauf nach' einigen Momenten staunenden schweigens: „lloudervull! — Uozu sein diese Stadthallen da?" — Die Bestimmung der Stadthalle einem Ausländer verständlich zu machen, scheint mir nun im Augenblick etwas schwierig; ich helfe mir aber, indeni ich sie vergleiche mit einem Kasino der Stadt oder Keidelverger Kestcsüläiige. (In Briefen.) *) Heidelberg, 6. August 1903. Lieber Freund! Gestern endlich hat sie begonnen, die Reihe der Festlichkeiten zu Ehren unserer alma mater. — Endlich, satze ich; denn die Vorbereitungen zum Jubiläum pichen bis in den Beginn des Semesters zurück und haben seit Wochen Studentenschaft und Bürgerschaft in Atem gehalten, interessant war es zweifellos in den letzten Wochen, die Entwicklung der Dinge zu beobachten, denn auch an dramatischen Effekten hat es hie und da nicht gefehlt und es gab Augenblicke, wo wir mit Besorgnis um da» Gelingen und den harmonischen Verlauf des Festes erfüllt fern Und welchen Anteil hat die Bürgerschaft unserer Musenstadt an allen diesen Vorgängen genommen. Wohl rn keiner anderen Universitätsstadt ist diese derart mit ihren SEm- benten und deren Schicksalen verwachsen wre hier rn Heidelberg und kaum in einer anderen Unlversitatsstadi. zeigt jeder einzelne Bürger soviel Interesse für die Angelegenheiten der Studentenschaft wie gerade hier. _ , , Tu wirst nun auch neugierig geworden sein, was denn eigentlich bei uns hier los gewesen ist; ;a, lieber Freund, ausführlich kann ich Dir das nicht hier auseinandersetzen, dazu fehlt es a)i Zeit und Platz; aber andeuten will ich Dir kur/ um was Ä sich handelt. Streitigkeiten zwischen dem Senat der Universität uiid dem Ausschuß d-erStuden'tew- schaft, dann Streitigkeiten innerhalb des Aus,chusses über die Art und den Umfang der Beteiligung der Nichtinkorpo- rierten, kurz «allgemeine Unzufriedenhell^und Unklarheit bei den Studenten über die Anordnung des Fellprogramins von leiten der Professorenschaft und der otadl, alles oaS wirkte *) Diese Briefe eines Freundes unseres Blattes weiten auch /echt, nachdem die glanzvolle Heidelberger Feier vorüber ur, n"cn e nliaes Interesse haben. D. Red. Kin ßrsolg der russischen FotttiL. Nachdem seit Jahr mrd Tag die Frage der Besitzerareif- ung der Mandschurei durcy die Russen Gegenstand der Verhandlungen, der diplomatischen Schachzüge gewesen war und nicht vom Fleck zu rucken schien, ist durch einen Federstrich. des Zaren die ganze Angelegenheit erledigt Der Ukas vom 12. d. M., durcy welchen aus dem Amuraebiet und dem Kwantunggebiet eine besondere Statthalterei gebildet und zum Statthaller der Generaladjutant des Boren Alexejew ernannt wird, bedeutet nichts anderes als die endgültige Einverleibung der Mandschurei. Rußland erkält damit einen ZuwachS von 942 000 Qkm., d. h. ein Land fast doppelt so groß, als das Deutsche Reich. Dieses große Gebiet zählt erst etwa 8 Millionen Einwohner; aber seine natürliche Beschaffenheit ist geeignet, das Doppelte und Dreifache von Menschen zu ernähren und die neue Provinz zu einem sehr wertvollen Teil des russischen Reiches zu machen. Tas Land ist stark bewässert, und in seinem größten Teil sehr fruchtbar. Während im Norden ungeheure Wälder den Boden bedecken, deren Wert unschätzbar ist, gedeihen im Süden alle Getreidearten, nicht minder aber werden Tabak, Hanf, Baumwolle gepflanzt. Ein Blick auf die Karte ergibt die große politische Bedeutung dieses neuen Besitzes. Nachdem Rußland von Norden her durch das Küstengebiet bereits an Korea stoßt, wird es als Besitzer der Mandschurei nunmehr längs der ganzen Westgrenze dessen Nachbar, dasselbe vom Land her aus allen Seiten umklammernd. Im Süden reicht die russische Position jetzt bis ans Gelbe Meer, und von Mugden, der Hauptstadt der Mandschurei, beträgt die Entfernung nach Peking kaum viel mehr als 50 Meilen. Tie Bahnen, welche Rußland teils schon gebaut, teils zu bauen begonnen hat, bedeuten mehr als bloß die wirtschaftliche Erschließung des reichen Landes; sie setzen die Russen instand, in kürzester Frist ihre Truppen bis an die Küsten Chinas zu werfen, sie geben ihnen die tatsächliche Vorherrschaft über den ganzen Nordosten des chinesischen Reiches. die Zeitgeschichte nach gewissen Konzepten zu schreiben versteht, (der Reichskanzler gefällt gewissen konservativen Kreisen nicht mehr. D. Red.) wäre. Die Sache erscheint uns aber um so wahrscheinlicher, als an offiziösen Stellen immer die im Reichstage vorhandene Mehrhell für die Aushebung des § 2 geltend gemacht wurde, die man für idenllsch 'hielt mit der Mehrheit der Nation, was aber keineswegs der Fall war." Im konservativen „Reichsboten" lieft man: „Die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes, welche der Reichskanzler dem Zentrum in Aussicht stellte, indem er versprach, als preußischer Ministerpräsident die 17 preußischen Stimmen im Kundesrat dafür einzusetzen, galt bisher als daran gescheitert, daß die Mehrheit der Stimmen der anderen Bundesstaaten für diese Abbröckelung des Je- smtengesetzes nicht zu haben war. Inzwischen sprachen auch Anzeichen dafür, daß der Reichskanzler in Sachsen, Württemberg, Bayern usw. Anstrengungen machte, um diese Mehrheit für seine rom- und jesuitensreundlichen Pläne doch noch zu schaffen. Nun hören wll aber aus einer Quelle, die gut unterrichtet sein kann, daß der Rückzug, welchen dre Offiziösen in Sachen des Jesuitengesetzes an- getreten haben, noch einen anderen Hintergrund besitzen soll. Als die evangelische Bevölkerung und die national gesinnte Presse immer lebhafter unh erregter ficfi gegen den Antrag eurer unbeschränkten Wrederzulassung des Jesuitenordens aussprach hat es auch der evangelische Ober-- krrchenrat für ferne Micht gehalten, bei dein preußischen König seine Stimme warnend zu erheben. Es ist dann über die ganze Frage auch zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Monarchen und dem Grafen Bülow gekommen, bei welcher ^der Kaiser die Klage erhoben hat, daß er über die wahre Stimmung des Landes, insbesondere der evangelischen Mehrheit, irreführend unterrichtet gewesen fei. Im Anschluß daran soll dann^der allerhöchste Wunsch, erfolgt sein, daß die preußischen Stimmen im Bundesrat für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes nicht mehr geltend gemacht würden. Wenn diese Darstellung, welche wir jo wiedergeben, wie sie uns zugeht, zutrifst, so Hütte also Graf Bülow für den Abbruch des Jesullengesetzes nicht einmal mehr die preußischen Stimmen hinter sich. Es wäre angebracht, daß sich die Offiziösen über diesen interessanten Puurr näher ausließen; ihr Rückzug in Sachen der Jesuiterei würde dadurch erst in eine erschöpfende Beleuchtung rücken. Da die allerhöchste Willensmeinung in Gegenwart von arrderen Ministern erfolgt fein soll, muß sich oarüber ja leichter Aufklärung schaffen lassen, als wenn sie nur em Sondergeheimnis der Wilhelmstraße, wo man so virtuos etwa einem — Kursaal. — „Ooh! eine Kürsaal! also uird man haben Theater-Variete und uird man können spielen für Geld?" — Bums! Diese Definition war also verfehlt. — „Nein", sage ich, das giebt's bei uns nicht (mit einem gewissen Ausdruck sittlicher Entrüstung); die Stadthalle dient zu Festlichkeiten der Stadt? zu Konzerten und Bällen; es ist auch gute Restauration drin." — Das letztere scheint dem Engländer am meisten einzuleuchten und er wendet sich schon dem Eingang zur Restauration zu, — da kommt er schon wieder zurück und sagt: „Ich uill sehen die Gefängnis für das verbrechenden Student!" — Ich bedeute ihm, daß v,bie Gefängnis für das Student" nicht in der Stadthalle sei, sondern in der Universität selbst, in der Stadt. — Da ich nichts anderes vorhabe und mich der Fall belustigt, führe ich meinen Fremden der Universität zu. Als wir in die Hauptstraße kommen, — es ist mittlerwelle i/212 Uhr geworden, — wogt dort eine festlich gestimmte Menge die reich mit Fahnen und Laubgewinden geschmückte Straße auf und ab, — es ist ein Hasten und Treiben, wie man es sonst in Heidelberg nicht sieht. Mein Engländer drückt sich unbekümmert unter reichlicher Anwendung seiner Ellbogen durch die Menge und steuert ruhig, aber sicher dem von mir gezeigten Ludwigsplatz zu. Vor der alma mater machen wir Halt. — Arme alma, wie hast Tu Dich verändert! — Man mag sich vielleicht über die Dekoration wundern, man mag sie großartig nennen, aber für geschmackvoll hatte ich sie nicht, und ich stehe mit meiner Ansicht aus dem Boden jeder unbefangenen, künstlerischen Anschauung. — Einen ehrwürdigen Bau, wie das Köllegien- gebäude der Ruperto Carola, verschont man am besten mit Goldschmuck von solcher aufdringlichen Wirkung, wie es hier geschehen ist. Einfach und würdig ist stets allein der grüne Schmuck. — Mein Begleiter scheint auch nicht besonders über die goldene Wanddekoration erfreut zu fein; er schüttelt den Kopf und jagt: very merkwürdig! — Uo fein die Gefängnis? — Diese Mahnung, ihm den Karzer zu zeigen, schreckt mich aus meinen Betrachtungen aus und wir betreten die den Musen feit Jahrhunderten aeweibte Bekanntlich hat Rußland, obwohl es faktisch sell den chinefischen Wirren im Besitz der Mandschurei war, doch lange gezögert, bis es den nun erfolgten Schritt der formellen Besitzergreifung tat. Starke Schwierigkeiten schienen sich zu erheben. Nicht seitens Chinas, dem diese wertvolle Provinz mirnichts, dirnichts von den Russen weggenommen wurde, das aber über ohnyräcktige Hrote^e, nicht hinaus-! kann, sondern vor allem von feiten Japans, das allerdings Ursache hat, das Vordringen Rußlands höchst bedenklich zu finden, da ihm durch dasselbe die Aussichten auf Korea (Siehe unsere heutige politische Tagesschau. D. Red.), auf das es sichere Anwartschaft zu haben glaubte, und überhaupt auf eine dominierende Stellung im äußersten Osten sehr verdunkelt werden. Japan hat darum jenes Bündnis mit England geschlossen, das eines Tages wie vom Himmel heruntergeschneit kam, und ist, wie das gewöhnlich bei Bündnissen mit England zu gehen Pflegt, von diesem trotzdem im Stich gelassen worden. Jedenfalls hat dieses Bünonis die Annexion der Mandschurei nicht hindern können, und die Japaner sollen darum von ihren Bundesgenossen nichts weniger als erbaut sein. _ Auch die Vereinigten Staaten haben einige Zeit den Russen Schwierigkeiten gemacht, und sie haben einmal so ftarf mit dem Sabel gerasselt, daß man meinen konnte, es sei ihnen in der Tat Ernst. Wahrscheinlich handelte es sich für sie aber nur darum, diejenigen Konzessionen zu erhalten, welche den Interessen des amerikanischen Handels in der Mandschurei, die in den letzten Jahren beträchtlich geworden sind, förderlich erschienen. Inwieweit das ge- Evftes Matt. 153. Jahrgang Donnerstag Äv. August 1903 © X9X BezugspretSr X . Ä» WM W nwnatllch75Pf„otec1el« Gießener Anzeiger w General-Anzeiger ® AlluZ- und Mzeigtblaü für den Kreis Gießen WWZ rnMi..m _______________________________________ -etgentetl: Han« Beck. Au der nordafrikamscheu „Sonne" tinll sich Spanien seinen Platz, sichern. Die Besatzung der vier PresidioS und der Kanarischen Inseln soll bedeutend verstärkt werden. ES heißt, daß der Ministerpräsident Dillaverde und der Kriegsminister zu diesen: Zwecke eine Vermehrung der Armee um 40 000 Mann fordern werden. Tas läßt allerdings nicht darauf schließen, daß ein förmliches Abkommen zwischen Spanien und Frankreich betreffs Marokko zustande.gekommen ist. Denn sonst könnte die spanische Regierung von der den Etat schwer- belastenden Maßregel, wie eine Heeresvermeerung in diesem Umfang es ist, wohl Abstand nehmen. Die Kortes freilich dürften im günstigsten Fall kaum mehr als die Hälfte der Forderung bewilligen._________________________ Deutsches Keich. Cronberg, 19. August. Das Kaiserpaar hat für nächsten Montag seinen Besuch bei dem Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen auf Schloß Friedrichshof angekündigt. Homburg v. d. H., 19. August. Der Kaiser trifft Dienstag mittag hier em und wird die Saalburg sowie die Arbeiten an der neuen evangelischen Kirche besichtigen. Berlin, 19. August. Am 30. August findet im Zeughause die feierliche Nagelung und Weihe von 44 neuen Fahnen und Standarten durch den Kaiser statt. — lieber die Reisepläne des Kaisers wird mitgeteilt, daß er nach der Rückkehr aus Wien am 21. September zur Einweihung des Denknials Kaiser Wilhelms m Danzig eintrifft und dann nach Rominten reifen wird, wo em achttägiger Zagdaufenthalt in Aussicht genommen ist. In militärischen Kreisen verlautet, daß der Kaiser der am 1. Oktober m Köln stattftndenden Enthüllung der Denkniäler der Kaiserin Augusta und des Kaisers Friedrich beslimnit beiwohnen und eine Parade über die Kölner Garnison ab- halten werde. — Die ,9torddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Man hat sich in der Presse darüber lebhaft beklagt, daß genauere Mitteilungen über den Eisenbahnunfall bei Teltow am letzten Samstag sehr verspätet m die Oeffent- lichkeit gedrungen sind. Bon der Eisenbahnverwaltung wird, wie wir wissen, der größte Werl darauf gelegt, datz Umfang und Folgen schwerer Eisenbahn-Unfällc sobald als möglich öffentlich betannl und insbesondere auch die Namen der Verletzten, sobald sie sicher angegeben werden können, durch die Presse verbreitet werden. Entsprechende Vorschriften bestehen seit langer Zett. Worauf die Verzögerung am letzten Samstag zurückzuführen ist, wird die vom Minister der öffentlichen Arbeiten eingeleitete Untersuchung ergeben. — Zur weiteren Ausgestaltung Der Fu rsorge für die Hinterbliebenen verstorbener Offiziere )dI£ für. jedes Armeekorps cm Mcntärpilfsverem gegründet unb sur alle diese Vereine eine Zentralstelle geschaffen werden. Tie Zentralstelle dürfte bereits am 1. Oktober ins Leben treten. — Admiral Thomsen wird nach der „Voss. Ztg." demnächst aus dem aktiven Tienst scheiden und Vizeadmiral Bendemann an seiner Stelle zum Chef der Marinestation der Nordsee ernannt werden. — Am 26. August sind 90 Jahre verflossen, seitdem Theodor Körner für das Vaterland gefallen. Aus diesem Anlaß soll am genannten Tage am Grabe Körners zu Wöbbelin eine große Gedächtnisfeier abgehalten werden; auch der Tirektor des Körnermuseums in Dresden, Hosrat Tr. Peschel, wird der Feier beiwohnen. Hamburg, 19. Aug. Ter Sohn King Akwas in Kamerun wurde hier wegen bedeutender Zechprellereien und Schwindeleien verhaftet; er war vollständig nAttellos. Stätte, deren Halle und Treppenhaus in einen Palmen- und Blütenhain verwandelt sind. In der Vorhalle erblickte ich gerade meinen alten Freund, den Hausmeister und teile ihm mir, was der Fremde zu besichtigen wünscht. Mein Engländer tritt nun auf mich zu unD fragt, indem er einen musternden Blick über~ meine bierbauchgeschmückte Gesteckt gleiten läßt: „Sein Sie auch so eine Student?"' — Und als ich lächelnd bejahte, stellt er sich als „eine Tokter aus Amerika" vor. — Ich verabschiede mich nun von meinem „Tokter aus Amerika" und überlasse ihn der bewährten Führung unseres würdigen Hausmeisters. — Hoffentlich hat ihm „die Gefängnis für das verbrechende Student" den gebührenden Eindruck gemacht! Eiligen Schrittes wandte ich mich nun dem „Bremeck" zu, wo um 12 Uhr ein großes Erösfnungs-Frühschoppen- konzert für die gesamte Studentenschaft stattfinden sollte. Eine stattliche Reihe langer Tische, dichtbesetzt mit Kommilitonen aller Heidelberger Farben, daneben eine große Anzahl nichtjärbentragender Studenten an kleineren Tischen. — Etwa bis 1 Uhr blieb id) sitzen, da eine Menge Freunde und Bekannte da waren — dann aber schnell zum Essen in den „Rodensteiner", der auch festlichen Schmuck angelegt hat. Am Nachmittag gleich nach dem Mittagessen hatte ich eine Gesangprobe in der Stadthalle zu einem großen Huldigungschor, der, von unserem bewährten Univcrsitätsmusik- dircktor eigens zu dem Jubiläum komponiert, der dem Großherzog cm Freitag bei dem 2. Festaktus vorgetragen werden soll. Bis jetzt klappt es ganz gut; der Eindruck muß imposant werden. Toch jetzt habe ich zu tun; also muß ich heute schließen. Es grüßt Dich herzlich Dein Heinz. Zeitgemäße Umdichtung aus Schillers Glocke. Tie Frau muß hinweg Don Kochtops und Nadeln, Muß rauchen und radeln, Muß fechten, studieren Und politisieren, Muß mitreden immer Und zu Haus bleiben nimmer. Toch innen waltet Ter züchtige Hausherr, Der Vater der Kinder, Und schasset leise Im häuslichen Kreise, Und ehret die Mädchen, Uno prügelt die Knaben, Steht uilter'm Pantoffel Und schält die Kartoffel Mit stillem Behagen, — Und hat Nischt zu sagen! (Jugend.) Kassel, 19. Aug. Die in Wolfhagen abgehaltene Jahresversammlung deS hessischen Ge sch ich ts Vereins ernannte den Oberpräsidenten Graf Zedlitz-, T r ü tz s ch l e r zum Ehrenmitglied. Der Oberpräsident hielt eine warm empfundene Ansprache als Scheidegruß vom Hessenlande, dessen Wohl ihm der Kaiser einst besonders warm ans Herz legte. . Essen, 19. Aug. Für Sonntag sind un Ruhrbezirk abermals zahlreiche B e r g ar b e it e r v e r sa m in lu n g e n angekündigt. Der alte Bergarbeiterverband setzte 11 Versammlungen an. Breslau, 18. Aug. In der Ellguther Forst bei Oels, unweit der Försterei, wird sich Kronprinz Wilhelm ein neues Jagdschloß bauen lassen, um dort alljährlich im Herbst Jagdaufcuthalt zu nehmen. Die Grundsteinlegung zu dem Bau findet im Beisein des Kronprinzen am 24. d. M. statt. Der Entwurf zu dem Bau stammt zum Teck von d-er Hand des Thronfolgers, ebenso die Grundidee für den um das Schloß anzulegenden Park, mit dessen Schaffung der Kronprinz einen königlichen Hofgärtner aus Potsdam betraut hat. Fr an l für t a. M., 19. Aug. Ter „Frks. Ztg." wird auS London depeschiert, daß König Eduard nach seinem Besuch in Wien der Herzogin Marie von Sachsen-Koburg auf Schloß Rothenau, dem Groß!) erzog von Hessen in Darmstadt und dem deutschen Kaiser und der Kaiserin auf Wilhelmshöhe kurze Besuche abstatten werde. Marburg, 19. Aug. Am Montag abend fand eine Mitgliederversammlung des hiesigen national sozialen Vereins statt, in der der ReichstagSabgeordnete v. Ger- l a ch in längeren Ausführungen über den Antrag der Mehrzahl der Berliner Vorstandsmitglieder, den nationalsozialen Hauplverein aufzulösen und den Anschluß der national- sozialen Orts- und Landesvereine an den liberalen Wahlverein zu' vollziehen, sprach. Er trat für diesen Antrag ein, erklärte aber zugleich, daß er getreu seinem Versprechen im Wahlkampf auch bei einem Anschluß an den liberalen Wahlvcrcin der Fraktion der Freisinnigen Vereinigung im Reichstag nur als Hospitant beitreten werde. Tie Diskussion gestaltete sich ziemlich lebhaft und dauerte bis über Mitternacht hinaus. In ihr traten fast alle Redner dem Berliner Antrag entgegen, und bei der Abstimmung wurde ein Antrag angenommen, der das selbständige Fortbestehen der jetzigen Organisation fordert. Dieser Antrag soll von den Marburger delegierten bei dem am 29. und 30. August abzuhaltcuden Parteitag in Göttingen vertreten werden. In diesem Sinne fand auch die Wahl der Delegierten statt, lieber die Stellungnahme zu den Landtagswahlen soll in der nächsten Versammlung beraten werden. Ausland. Kopenhagen, 19. Aug. Bei dem F e st m a h l anläßlich des dänischen H a n d e l s t a g e s brachte Etatsrat Adolph ein Hochruf den deutschen Kaiser aus. In der Begrüßungsansprache an die Hamburger Vertreter sagte Schovelin: Nach der ritterlichen Huldigung, die der deutsche Kaiser unserem greisen Könige dargebracht hat, nach «alledem, was hier geschehen ist, werden wir dennoch nicht vergessen, daß viele bedeutsame Fragen die Völker voneinander trennen und dap der Weg zum Endziele der brüderlichen Vereinigung sehr weit ist; aber die Richtung, die wir einschlagen müssen, um diesen Weg zu wandern, hoffen wir doch hier gefunden zu haben. London, 19. Aug. Am 5. September findet ein Mini st e r r a t statt, in dem Chamberlains politische Pläne neuerdings erörtert werden sollen, damit die Minister in den Stand gesetzt werden, sich über ihre Haltung für den bevorstehenden großen Kampf zwischen Freihändlern und Schutzzöllnern zu verständigen. Die Differenzen im Kabinett bestehen nach wie vor in aller Schärfe. Hauptsächlich will man nicht wissen, wie weit Chamberlain zu gehen gedenkt. Paris, 19. Aug. Der Generalrat von Avey- r o n, dessen Vorsitzender und politischer Führer Combes^ ArbeitsMinister Marues Jouls ist, hat eine gegen Com- bes Kirch enp olitit gerichtete Tagesordnung cmgc- nommeu. Wien, 19. Aug. Ter Kaiser reiste heute nachmittag nach Bud apest ab. Budapest, 19. Aug. Gestern kam es in vielen Orten Kroatiens, wo anläßlich des Geburtstages des Kaisers neben der kroatischen auch ungarische Fahnen gehißt wurden, zu Exzesse n. In Agram erfolgten mehrfach Zusammenstöße zwischen Polizei und den Demonstranten. Aus anderen Orten, wo demonstriert wurde, fehlen nähere Nachrichten ganz, da alle hierauf bezüglichen Depeschen inhibiert und alle oppositionellen Blätter Kroatiens tonfisziert wurden. Belgrad, 19. Aug. Beim gestrigen Offiziers- Empfang betonte der König unter anderem die Notwendigkeit, einträchtig zusammenzuhalten in der Armee. Er hov mit besonderem Nachdruck hervor, daß ihm durch solche Eintracht große Freude bereitet würde. Petersburg, 19. Aug. Im Hinblick auf die unruhige politische Lage ist die in Aussicht genommen all-slawische kunstgewerbliche Ausstellung auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Kosrantinopel, 19. Aug. Der russische Botschafter Sinowjew forderte in einer der Pforte überreichten Note, daß der Generalinspettenr Hilmi-Pascha wegen der zweideutigen Haltung und der fortwährenden Ausschreitungen türkischer Beamten gegen Christen amtlich eine strenge Rüge erhält. Der französische Botschafter Constans gab seine Urlaubsreise wegen der bedrohlichen po- lickschen Situation auf. — In der Frage der Unifizierung der türkischen Werte ist vollkommenes Einvernehmen erzielt. Der Vertrag wird morgen dem Ministerrate zur Genehmigung unterbreitet werden. Rom, 19. Aug. Der Papst äußerte dieser Tage auf eine Anfrage wörtlich folgendes: Erwarten Sie nichts Neues, Sensationelles von mir. Sagen Sie allen, daß ich bete und mich orientiere." — Im Anschluß hieran wird mttgeteilt, daß die Entscheidung über alle wichtigen Fragen von der Kurie bis Oktober vertagt ist. — Die Schwestern des Papstes werden in Nom erwartet. Sie werden aber nicht im Vatikan wohnen. Der Papst sandte seinen Geheim-Kaplan nach Venedig, um seine Privat-An- gelegenheiten ordnen zu lassen. Madrid, 19. Aug. Aus Tanger wird gemeldet: Der Kriegsminister ist gezwungen, Tazza zu verlassen und in das Lager des Sultans zu flüchten, da die Aufständischen die Wasserleitungen, welche die Stadt versorgen, ablenkten. In Tazza herrsche Elend und Verwirrung. Der Sultan ordnete in dem berühmtesten Heiligtum von Fez einen Stierkampf an, um dadurch die Hilfe Gottes zu erflehen. New-Port, 19. Aug. Nachrichten aus Cindal- Bolivar zufolge wurden dort deutsche, französische und italienische Kaufleute verhaftet, weil sie an den Präsidenten Castro Abgaben, die bereits erhoben waren, nicht nochmals zahlen wollten. Auistantz in Mazedonien. Die bulgarische Landbevölkerung des Wilajets Monastir, welche sich den Banden anschloß, wurde, wie man jetzt erfährt, auf 10 Tage unter der Vorspiegelung angeworben, daß in dieser Zeit die Enlscheidilng über Mazedonien durch eine europäische Intervention erfolgt fein werde. Nachdem nun 15 Tage verflossen sind und die Vorspiegelungen sich nicht belvahrheitet haben, beginnt nach türkischen Angaben der Abfall der irregeleiteten Bevölkerung. So fanden in den Kreisen Kastoria, Dibre und anderen Orten Unterwerfungen statt. — Der italienische Botschafter tat, wie kürzlich die übrigen Botschafter, neiierliche Schritte bezüglich eines wirksamen Schutzes der Konsuln in Mazedonien. — Im dritten Korpsbereich Saloniki beträgt die Gesamtstärke der konzen- trierten Infanterie, Kavallerie, Artillerie und Spezialwaffen ca. 170 000 Mann, wodurch man bei geschickter Führung auch der ausgedehnten Bewegiing gewachsen zu sein glaubt. — Die aus Sofia verbreiteten Nachrichten über Banden- Vorfälle sind teils falsch, teils maßlos übertrieben. Nach türkischen Angaben wurde in einem Orte des Kreises Kru- schewo eine einige Hundert Mann starke Kömiteebande umzingelt und teils vernichtet, teils gefangen genommen. Ein Teil der Bande flüchtete. Die Gefangenen wurden nach Monaslir gebracht. 91 ad) türkischen Berichten aus VN o n a ft i r versuchte eine 200 Mann starke Bande eme türkische Ortschaft im Bezirke Sorow itsch in Brand zu setzen. Türkische Truppen verfolgten die Bande, der es gelang, zu entkommen. In deni Orte Befeaza im Bezirk Jomina kam es zu Zu- saiiinienstößen zwischen Truppen und einer Bande, die das Torf durch Tynamttbomben fast vollständig in Brand gesteckt hatte, von türkischen Truppen aber unter beträchtlichen Verlusten in die Flucht geschlagen wurde. — Bei der Einnahme von Kruschewo verübten die türkischen Truppen entsetzliche Gra n f am feiten. 360 Häuser wurden zerstört und zahlreiche friedliche Personen getötet. — Die Blätter veröffentlichen in einem Privattelegramm den Bries Sarafvlvs aus Sofia an die Direktion der Orientalischen Bahnen, in dem der Generalstab des Revloiltionskoiiiitees von Mazedonien und Adrianopel die Direktion verständigt, daß der Aufstand zur Befreiung der christlichen Bevölkeriing Mazedoniens und Adrianopels von der türkischen Herrschaft neuerdings beschlossen sei. „Da wir", heißt es in dem Briefe „hierbei notwendig gegen die Eisenbahnen werden Attentate verüben müssen, bitten wir die Direktion, ans Menjchlichkeitsgründen keine Reisenden auf orientalischen Bahnen ausinnehmen, damit keine unnützen Opfer zu beklagen seien. Aus SIM und Kund. Gießen, den 20. August 1903. * * Militärdien st nachrichten. Neudörffer, Div.> Pfarrer, bisher bei der Großh. Hess. (25.) Division in Darmstadt, zur 1. Division nach Königsberg i. Pr. versetzt. — Becker, Zahlmeister, infolge Ernennung dem 3. Bataillon des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zugeteilt. * * Leichenländung. Wie der „Wetzl. Gen.-Anz." meldet, wurde am Dienstag in der Nähe des Dorfes Atzbach die Leiche des Landwirts Keller geländet. Man nimmt an, daß ein in einem Anfall von Schwermut begangener Selbstmord vorliegt. * * Handgepäck auf der Eisenbahn. Die königl. Eisenbahndirektion Berlin hat folgende Verfügung erlassen: „Die auf einigen Bahnhöfen versuchsweise angebrachten farbigen Striche für die Kontrolle des Handgepäcks sind zu entfernen. Für die Frage, m welchem Umfange Handgepäck mitgenommen werden kann, ist nach wie vor die Bestinirnung des § 283 der Eisenbahnverkehrsordnung maßgebend, wonach in der ersten, zweiten oder dritten Wagenklasse dem Reisenden nur der über und unter seinem Sitze befindliche Raum zur Unterbringung von Handgepäck zur Verfügung steht. Die Entscheidung darüber, ob der Umfang des Handgepäcks den gegebenen Bestimmungen entspricht, liegt im Einzelsalle dem diensthabenden Stationsbeamten und dem Zugführer ob". Die Direktion macht es den Beamten gleichzeitig zur besonderen Pflicht, darauf zu halten, daß sich das Handgepäck der einzelnen Reisenden innerhalb der gegebenen Abmessungen hält und daß insonderheit keine Sitzplätze mit Gepäck belegt werden. Friedberg, 18. Aug. Unter den hiesigen Eise n» bahn beamten wurde dieser Tage wiederum nachgefragt, wer sich nach Kattowitz und Posen inelden wolle, die Beamten scheinen jedoch wenig Lust hierzu zu verspüren. — Den Sitzungssaal der Stadtverordneten schmücken seit einiger Zeit die Oelbilder von fünf alten Kaisern bezw. Kaiserinnen, nämlich: Karl VI., Karl VII., Marie Theresia, Franz J. und Joseph 11. Man fand diese Bilde' auf dem Rathausspeicher unter altem Gerümpel und ließ sie wieder Herstellen; sie sind gut erhalten. — Die Gewerbe- Akademie schließt dieser Tage ihr Somnier-Semester. Die Zahl der Studierenden beträgt gegenwärtig rund 2 5 0. Die Errichtung eines neuen Akademie-Gebäudes wird in den nächsten Jahren in Angriff genommen, die Pläne sind bereits ausgearbeitet. Laubach, 18. Aug. Die bei Gründung des Gymnasiums 1875 entstandene K. Hotz'sche Buchhandlung ging am Heutigen zum Preise von 16 000 Mark an K. Hardegg, derzeiten in Stuttgart wohnhaft, durch Verkauf über. Die Uebergabe an den Käufer, einen Vetter des Herrn Pfarrers Fritsck) in Ruppertsburg, erfolgt am 1. Oktober d. I. (D. Tgl. Anz.) 9lIsfeld, 19. Aug. Das Anwesen des Herrn (S mu Lang, Obergasse, bestehend in Wohnhaus, Scheuer am Schwabenröderweg (sogen. Mange) nebst Garten und 2£He Rom, 20. Aug. Der 1 1(1) Für die Redaktion: I. V. August Götz. 14(4) 5(3) Telephonischer Kursbericht* 4% Oesterr. Goldrente . 2(1) 1(1) italienische Geschw a der habe Befehl erhalten, sich in Port Augusta zu konzentrieren, um nach dem Orient ab- 10 2(2) 372% 3% 3V,% 3% 37r% »7.% 4*/Oesterr. Silberrente 100.40 4% Ungar. Goldrente . . 100.45 Reichsanleihe do. Konsols . do . . Hessen Oberhessen gegriffen, erwarte aber auch, daß das Parlament nicht in seine Rechte eingreife. Lemberg, 20. Aug. Seit einigen Tagen herrscht unter den Kindern eine Scharlach-Epidemie. Die trotzalledem faßten die Gerichte keinen Verdacht und fuhren fort, ihr Urteil in dem langwierigen Prozeß der Humberts« zu stellen und alle die Berufungen in allen Instanzen zu verhandeln. Die Staatsanwälte hatten aber jederzeit das Recht und die Mittel, Nachforschungen anzustellen. Darum Kinder-Hospitale sind so überfüllt, daß Baracken eingerichtet werden mußten. 103.10 49.40 30.40 34 75 128.20 44.00 41.20 handeire we^en Leerung von 1 Million Tonnen Dampfer- kohlen, die aus versch^eoene Marinestattonen gelegt werden sollen, besonders auf Gibraltar und Malta. Rußland verlangt annähernd die gleichen Mengen wie die britische Admiralität. Eine engliseye Firma allein hat soeben mit russischen Agenten einen Vertrag über Lieferung von y4 Million Tonnen abgeschlossen und hat bereits begonnen, den Vertrag bei beschleunigter Lieferung auszusühren. Türkische Agenten machen ebenfalls umfangrech-- Kohlen- täuse und erkundigen sich bei den Händlern nach den Preisen für weitere Bestellungen. sich durch ihre Winkelzüge nicht täuschen ließ und durch rhre Verurteilung dem Recht, der Wahrheit und der Gerechtigkeit, die die Angeklagten solange mißachtet haben, den Sieg sichern. Dem Staatsanwalt wurde am Schlüsse seiner Rede von den Zuschauern Beifall gespendet. Dann wurde die Sitzung unterbrochen. Bei der Wiederaufnahme ergreift Labori das Wort. Unter Totenstille begann er sein Plaidoyer, über das im voraus.schon so viel geredet worden war, da niemand sich vorstellen konnte, welchen Standpunkt der berühmte Anwalt in der Heiklen Affäre einnehmen werde und er durch sein Schweigen bereits die Erzählungen der Therese Humbert von ihrem fürchterlichen Geheimnis halb bestätigt hatte. Labori spricht sich zunächst über dies Geheimnis aus. Er sagt, wenn Therese ihm auch ihr „grausames Geheimnis" verraten habe, so könne er doch keine Garantie für die Wahrheit ihrer Aussagen übernehmen, da er absolut keine Zeit hatte, sie zu prüfen. Er selbst könne das Geheimnis jetzt noch nicht verraten, da Therese selbst sich den Zeitpunkt Vorbehalten habe, an dem sie sprechen wolle. Labori fährt dann fort: „Man kann die Belgrad, 20. August. Nachdem in der letzten Zeit in zahlreichen Städten Serbiens Versammlungen stattgefunden haben, in welchen gegen die türkischen Ausschreitungen gegen die in Mazedonien lebenden Serben protestiert und die Bildung einer Freischaar beschlossen wurde, erhob der türkische Gesandte bei der Regierung gegen diese Versammlungen Beschwerde. Die Regierung erklärte Alles zu tun, um einen eventuellen Uebertritt von neuen Banden zu verhindern, die Versammlungen selbst könnten jedoch nicht verboten werden. Sofia, 20. August. Wie in mazedonischen Kreisen ver- lautet, haben die bedeutendsten Führer der Aufständischen in einer kürzlichen Beratung beschlossen, einen ent- scheidendenAngriff gegen Monastir Kossowo und Saloniki zu unternehmen. Petersburg, 20. Aug. In hiesigen diplomatischen Kreisen vertritt man die Ansicht, daß es der Türkei beim besten Willen nicht gelingen werde, d en Auf- stand in Macedonien zu unterdrücken. Es werde nichts anderes übrig bleiben, als daß Oesterreich-Ungarn, welches seit Jahren alle Vorbereitungen zu einem Vormarsch von Bosnien oder der Herzegowina aus getroffen hat, eine militärische Intervention zur Herstellung geordneter Verhältnisse unternimmt. Petersburg, 20. Aug. Die Lage in Persien ist ernst. Es herrscht eine förmliche Anarchie. Selbst in der Hauptstadt Teheran gährt es bedenklich. Die vom Schah anbefohlene Mobilisierung von 30 000 Mann konnte wegen Geldmangel nicht ausgesührt werden. Die Truppen weigern sich, zu marschieren, weit der Sold seit Jahren rückständig ift. San Sebastian, 20. Aug. Die Konferenz zwischen Villaverde, Castillos und Cambon betraf den spanisch-französischen Handelsvertrag. New-Port, 20. Aug. Nach der Mitteilung der Ablehnung des Panama-Vertrages seitens des kolumbischen Senats sind dietelegraphischenVerbindungen zwischen Kolumbien und den Vereinigten Staaten unterbrochen. * New-Dork, 19. Aug. Der Mexikaner Alvarado ist gestorben. Er hinterläßt 7 0 Millionen Dollar. 3% Mexikaner . . 4%% Chinesen Electric, bohuckert . . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kominandit. . Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . . Berliner Haudelsges. Oesterr. Staatsbahn . . Lombarden . . . . Gottharubahn .... Laurahütte..... Bochum ... ... Harpenor .... Tendenz: matt. Ier Kumöcrt-Arozetz geht (einem Enda entgegen. Die Verhandlung wurde Mittwoch mittag unter großem Andrang des Publikums mit der Fortsetzung der Anklagerede des Gen er al an- walts Blondel wieder ausgenommen. Er führt aus, Romain und Emil Taurignae hatten in Bayonne für die Crawfords in Prokura.gezeichnet und damit die Fälschung begangen. Er geht dann die verschiedenen Kategorien von Personen durch, die den Humberts Geld geliehen haben. Er bemerkt, diese haben nicht geklagt, weil sie sich nicht als Düpierte bekennen wollten. Redner geht dann zu der Gaunerei über, welche die Angeklagten mit der Rente viagere vollführt haben. Er behandelt die Rolle der einzelnen Angeklagten dabei und ihre Verantwortlichkeit. Blondel weist auf die Hauptrollen hin, die Therese und Frederie spielten. Dieser legte den Grund zu der ungeheuren Betrügerei. Therese suchte mit allen Mitteln sehr reich zu werden. Beide bildeten mit Romain und Crmilc Taurignae ein Räuberunternehmen. Blondel faßte dann das dreifache Vergehen der Humberts vom moralischen, sozialen und materiellen Stunopunkt zusammen. Ter der öffentlichen Moral zugesügte Schaven bestehe in der schweren Verletzung der Justiz durch 17 Jahre Prozeßführung zu gunsten einer nicht existierenden Partei Die Geschworenen würden ihre soziale Ausgabe mit Verständnis und Festigkeit erfüllen; sie würden den Angeklagten zeigen, daß das Pariser Gericht Neueste Meldiulgeu. Origirraldrahtmeldurrgen des Gießener Anzeigers. Berlin, 20. Aug. Zu den deutschen Herbstmanöver n hat der Kaiser nach einer Meldung der „Westminster Gazette" den Herzog von T o ck, Major im ersten englischen Life Guards Regiment eingeladen und König Eduard hat seine Zustimmung zu dem Besuch erteilt. Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. 1903. . 26.55 . 92.10 . 94.50 . 9975 . 203.00 . 185.60 . 135.50 . 146.10 . 151.90 . 139.00 . 16.40 . 190.00 . 223J>0 . 180.50 . 178.50 Schiffsvachrichten. Red Star Linie. Ter Postdampfer „Vaderland" der Red Star Linie in Antwerpen^ ist laut Telegramm am 17. August wohlbehalten in New- York angekommen. . 101.70 . 90.00 . 101.25 . 89.95 . 100.40 . 99.20 . 102.70 Messagero^ berichtet, das waren auch alle Advokaten der Humberts berechtigt, an die Aufrichtigkeit ihrer Klienten zu glauben. I Labori philosophische Betrachtungen über den Verfall der - - Sitten einfließen läßt, will er beweisen, daß das Verbrechen daß Kaiser Franz Josef sich entschlossen habe, die der Fälschung nicht existiere. Andererseits gehöre das Delikt rneisten Forderungender Ungarn zu erfüllen bis auf des Betrugs nicht vor das Schwurgericht- Er sagt, er zwei, ber denen er in keinem Falle nachgeben wlll. Es ist selbst glaube an das Geheimnis der Therese dies die ungarische Kommandosprache, weil durch die Auf- Humbert und fragt sich, ob nicht selbst der jetzige Prozeß Hebung der einheitlichen Kommandosprache der Verband der nur eine Phase des Kampfes darstelle, den die Humberts Armee gelöst werde. Weiter wird der Kaiser zu einer gegen die unbekannten Gegner führen mögen, ob diese nun Aenderung der Embleme der Armee, Fahnen usw. seine Crawford heißen oder nicht. Die mit aller oratorischen.Zustimmung nicht geben. Der Kaiser soll geäußert haben, Kunst vorgetragene Rede Laboris verfehlt ihre Wirkung er habe nie in die Rechte des ungarischen Parlaments ein- aufs Auditorium nicht, doch fühlt man, daß er selbst die Hohlheit seiner Beweisführung empfindet und mit Bewußtsein die Taktik adoptiert, die Frau Therese Humbert bisher beobachtet hat. Labori wird das Plaidoyer Donnerstag fortsetzen. ganze Erbschaftsgeschichte nicht für einen völlig frei erfundenen Schwindel halten, denn um sie in allen Stücken zu erfinden, dazu gehört die Phantasie eines Balzac." Der Staatsanwalt fragte heute sehr großmütig nach den Vergehen, die die Humberts begangen haben sollen. Tie Richter fragten während der Verhandlungen stets nachdem Verbleib der Millionen und der Crawfords. Madame Humbert ihrerseits behauptet stets, daß die Millionen und die Crawfords existieren. Es ist nicht ihre Sache, die Existenz derselben zu beweisen. Es ist hingegen wohl die Sache des Staatsanwalts, zu beweisen, daß diese nicht existieren. Labori führt dann weiter aus, die Justizbehörden hätten kein Recht, jetzt so hochmütig nach den Millionen zu fragen, an welche er selbst seit 20 Jahren geglaubt hätte, denn in der Tat sei an der Wahrheit der Erbschaftsgeschichte schon viel früher gezweifelt worden. Im Jahre 1895 führte eine Pariser Zeitung eine heftige Campagne gegen die Humberts. Im Jahre 1898 sprach Waldeck-Rousseau das berühmte Wort von der größten Shwindelei des Jahrhunderts, aber London, 20. Aug. Die Morgenblätter widmen den Vorgängen in Mazedonien spaltenlange Artikel. Die ministerielle Presse empsiehlt, die Ereignisse abzuwarten, die liberalen Blätter dagegen verlangen em sofortiges Eingreifen Englands und der übrigen Mächte. London, 20. Aug. „Daily Chronicle" meldet: Der kommandierende Admiral des Mittelmeer-Geschwaders, Compton Domoile, erhielt von den Marinebehörden in Downingstreet wichtige Befehle und beorderte daraufhin einige Schiffe in die Nähe von Sal oniki ab. L. London, 20. Aug. England, Rußland und die Türkei bereiten sich der „Daily Mail" zufolge durch Anhäufen großer Vorräte von Wales ko y len auf polirsia/e Möglichkeiten vor. Tie britische Admiralität unter* 4U/V Italien. Rente . . 4'',56 Portugiesen . . ,0/ Portugiesen. . . . 1% C. Tilrkeu . , . Türkenlose..... 4% Uriech. Monopol.-Anl. 4‘/,% äussere Argentiner Frankfurt a. 16., 20. August Paris, 19. Aug. Die Beamten und Arbeiter der Stadtbahn nahmen abends in einer Versammlung eine Tagesordnung an, wo die Gesellschaft für das kürzlich erfolgte Eisenbahnunglück verantwortlich gemacht wird und Aenderungen hinsichtlich des Materials und Personals verlangt werden. Ferner wird darin den Polizeibeamten des Seinedepartements allzu große Gefälligkeit gegen die Gesellschaft vorgeworfen und ihre Ersetzung durch andere gefordert. Paris, 20. Aug. „Lanterne" glaubt heute mitteilen zu können, der Name, welchen Frau Humbert augeben wolle und der, wie Labori andeutete, das Herz eines jeden Franzosen aufs tiefste erschüttern werde, sei derjenige Bazaines. Kunst und Wissenschaft. Lacote-St. Andre, 19. Aug. Kapellmeister Weingartner legte im Auftrage der Musiker Deutschlands im Geburtshause Berlioz's einen Kram nieder. Weingartner wurde dabei der Gegenstand herzlicher Ehrungen. Abends wurde ihm von der Bevölkerung ein Fackelzua dargebracht. Indem dann Zudampfen. " " " ' _ ^en, 20. Aug. In unterrichteten Kreisen verlautet. im „Grund", ging zum Preise von 40 000 Mk. in den Besitz des Herrn David Duchardt (im städtischen Weinhaus) über. g. Romrod, 19. Aug. Se. Königl. Hoheit der Groß- yerzog von Hessen hat vor kurzem bei seinem Aufenthalt auf dem hiesigen Jagdschloß von einem hiesigen Einwohner verschiedene, aus dem Freiherrlich Bieberauschen Nachlaß stammende Altertümer (ein kupferner Schwenkkübel und mehrere alte Leuchter) im Wert von 80 Mk. entgegengenommen. Die genannten Altertümer werden im hiesigen Schlosse aufbewahrt. — Bei den Erd arbeiten, die man vor einiger Zeit bei der Erweiterung des hiesigen Schloßparkes vorgenommen hat, ist eine altertümliche Tafel gesunden worden, die eine Inschrift und ein Bild trägt, welche das Gleichnis vom verlorenen Sohn zu behandeln scheinen. Die jedenfalls zu einem Ofen gehörende Platte ist im hiesigen, Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog gehörigen Schlosse ausgestellt uno kann von jedermu.m besichtigt werden. E.B. Darmstadt, 20. Aug. (Originaltelegramm des Gieß. Anz.) Der Großherzog hat den Seniorchef des Gräflichen Hauses Erbach-Schönberg anläßlich seines 40jährigen Besitzes der StandeF- herrschaft in den erblichen Fürstenstand erhoben. — Erbach-Schönberg ist bekanntlich die jüngste Linie des Hauses Erbach; die mittlere Linie ist Erbach-Erbach und die ältere Erbach-Fürstenau. Es ist seit langer Zeit das erste Mal, daß im Großherzogtum Hessen eine solche Auszeichnung verliehen wird. Unseres Wissens ist nur unter der Regierung des Großherzogs Ludwig II. der Graf Psenburg- Büdingen mit der erblichen Fürstenwürde ausgezeichnet worden. Mainz, 19. Aug. Das Denunziantentum, das die Kellerkontrolle naturgemäß wachrufen mußte, zeitigt mitunter recht sonderbare Früchte. Vor kurzer Zeit lief bei der Staatsanwaltschaft wieder eine Anzeige ein, da^ drei Leute, deren Namen genau angegeben waren, gefälschte Weine in ihren Kellern hätten. Der staatliche Kellerkontrolleur, Herr Oekonomierat Dettweiler, erhielt deshalb! den Auftrag, die bezeichneten Kellereien zu untere suchen. Ta aber einer überhaupt keinen Keller, die anderen beiden, zwei arme Leute, noch nie einen Tropfen Wein in ihren kleinen Kellerverschlägen gehabt haben, so verlief die Untersuchung ergebnislos. Ter unbekannte Briefschrerber,. der sich somit einen recht faulen Spaß hatte machen wollen, ist noch nicht entdeckt. Are Kundert-Jayrfeier Der Stadt Wismar. Zu dem gestrigen Festtage, also Mittwoch, traf bald nach 10 Uhr vormittags der Großherzog ein, begleitet vom Prinzgemahl Heinrich der Niederlande und den anderen Mitgliedern der großherzoglichen Familie. Vom Bahnho^ ritten der Großherzog und die übrigen Herzöge unter Glockengeläute m feierlichein Zuge durch die Stadt nach dem Rathause, wo der erste Bürgermeister Jörges den Großherzogin einer längeren Ansprache begrüßte. Redner gedachte darin der Vergangenheit und sprach den Dank der Stadt aus für die endgültige Wiedervereinigung mit dem mecklenburgischen Hause. Er schloß mit einem Hoch auf den Großherzog und das großherzogliche Haus. Der Großherzog dankte in längerer Ansprache. Hierauf bewegte sich der feierliche Zug nach der St. Georgienkirche, wo ein Gottesdienst stattfand. Darnach nahm der Großherzog aus dem Markte die Parade ab über das dort aufgestellte zweite Bataillon des Füsilier-Regts. Nr. 90 und begab sich gegen Mittag nach dem Dampfer „Fürst Blücher", welcher eine Fahrt in die See unternahm. Um 2,15 Uhr erfolgte die Rückkehr des Großherzogs und der übrigen Fürsllichkeiten von der Seefahrt. Nachmittags um 4 Uhr bewegte sich ein imposanter Festzug der Innungen, Gewerke, Fabriken, Korporationen und Vereine über den Marktplatz, wo die Fürstlichkeiten den Zug vorbeigehen ließen, nach dem Festplatze. — Bei dem Festmahle im Audienzsaale des Rathauses hielt Bürgermeister Krull eine Rede, in der er besonders die Treue betonte, die die Wismaraner in guten und bösen Tagen, auch den Tagen der schivedischen Herrschaft bewahrt haben und auch weiter betätigen würden. Der Großherzog dankte in seiner Erwiderung für das dargebrachte Gelöbnis der Treue und brachte ein Telegramm des Königs von Schweden zur Kenntnis, worin steht, der König entbiete ihm seinen Gruß und sage, die Treue Wismars auch in schweren Zeiten sei in dankbarer Erinnerung bei dem schwedischen Volke geblieben. Der König bitte den Großherzog, den Wismaranern den wärmsten Dank zu überbringen und die Wünsche für das Weitergedeihen der Stadt. Der Großherzog fuhr fort: Auf solches Zeugnis dürfen wir stolz sein. Aber außer der Treue erwähne ich noch die nie ermüdende Tatkraft, die die Wismarer bis auf den heutigen Tag bewiesen haben. — Auf dem Festplatze hielt Senator Witte die Weiherede für den vom Großherzog gestifteten Gedenkstein, der den Namen Schwedenstein erhielt und ein Erinnerungszeichen an die Zugehörigkeit der Stadt Wismar zu Schweden und an die Hundertjahrfeier sein soll. Universitäts-Nachrichten. Berlin, 19. Aug. Der „Kreuz-Ztg." zufolge ist der Professor an der hiesigen Universität, Dieteriei, gestern gestorben. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Samstag, d e n 22. A u g u st 1903. Freitagabend 7 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 8L0 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Uhr, abends 6.30 Uhr. Koillltlitzk ilebnjidjt der Todesfälle in Gießen. Monat Juli 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (infl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 22,7, nach Abzug von 25 Ortsfremden: 11,6 °/qo. Kinder : im vom Lebensjahr: 2.—15. Jahr Es starben an: Zusammen: Erwachsene i Masern 2(2) 2(2) Im Wochenbett 1(1) 1(1) Tuberkuose der Lungen 4(1) 4(1) Tuberkulose anderer Organe 4(1) 4(1) Lungenentzündung 2(2) 2(2) anderen Lungen- krankheiten 6(4) 4(3) Herzleiden 2(1) 1 Darmkatarrh 11 1 Lebensschwäche 2(2) — Neubildungen 3(2) 2(2) Altersschwäche 1 1 Sonst. Krankheiten 9(7) 9(7) Verunglückung 2(1) 1 Selbstmord 3 3 rötlicher Körper- Verletzung KD 1(D Summe 51 (25) 32 (18) Kekanntmachung. Durch Beschluß deS Kreisaußschnsses vom 18. Juli l. I. (ft der Ehefrau Anna Geisel dahier die Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbes als Gesindevermieterin erteilt worden. Die Gebühren derselben betragen: 1. Für Vermietung eines Dienstboten an eine Herrschaft in Gießen Mk. 5.—, 2. für Vermittlung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auswärts Mk. 5.—, wovon der Dienstbote jeweils 2 Mk. zu entrichten hat. Gießen, den 19. August 1903. Großherzoglicheo Polizeiamt Gießen. _________________I. V.: Roth.__________________ Lttkiif m Mem-AzciiWk«. Die der Stadt Bad-Nauheim gehörigen nachbcnannten Kellerei-Gegenstände sollen Donnerstag den 3. September, vormittags 10 Uhr, öffentlich meistbietend gegen Barzahlung in dem Keller der Stadt am Johannisberg versteigert werden. 8 Stückfässer, 8 */z-Stückfässer, 2 Fuder-Fässer, 1 Faß (300 Liter haltend), 1 Faß (200 Liter haltend), 3 Fässer (je 75 Liter haltend), 1 Kelter mit Zubehör, 1 Traubcn- mühle, 4 Bütten, 3 Butten, 2 Stutzen und Trichter. Die Gegenstände sind gut erhalten und können üom 31. August bis 2. September 1903, jedesmal vormittags von 11—12 Uhr, besichtigt werden. Bad-Nauheim, den 18. August 1903. Großh. Bürgermeisterei Bad-Nauheim- Dr. Kayser. 6301 Bekanntmachung In das Handelsregister Abt. A wurde heute eingetragen, daß die dem Kaufmann Karl Pfeiffer zu Gießen für die Firma „Goldenberg & Marcus" daselbst erteilte Prokura erloschen ist. 6298 Gießen, am 18. August 1903. Großherzogliches Amtsgericht. Arbeitsvergebung Die für bauliche Herstellungen im donn. Hause Bourgeois , Kirchenplatz Nr. 18, erforderlichen Maurer-, Zimmer- und Weißbinderarbeiten sollen Mittwoch den 26. August, vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Amtsstunden auf unserer Schreibstube (Zimmer Nr. 3) zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens zu obengenanntem Zeitpunkt an uns einzureichen. 6307 Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 19. August 1903. Städtisches Hochbauamt. I. A.: Altvater. Aollncrstag, IO. Zept. 1903 nachmittags 37, Uhr, werden am hiesigem Lrtsgerichl die vor den Namen des Carl Semmler und Ehefrau, geb. Gimbel, stehenden Grundstücke: Flur 1/1294 — 216 qm Hofraum mit Stallung in der Zozels- gasfe, Flur 1/1299 — 83 qm Hofraite in der Wallthorpraße öffenllich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 5. August 1903. Großh. Ortsgericht Gießen. _________Gros._______6037 Jagd Verpachtung. Dienstag den 1. September ö. F., nachmittags 2 Uhr, soll die an diesem Tage leihfällig werdende Jaelgl üer Gemeinde Waldgirmes mit zusammen 936 ha, davon 454 ha Wald, auf dem Rat- Hause dahier auf 6 Jahre verpachtet werden. Jagdgrenze von Bahnstation Wetzlar 3 km, von Dorlar und Bieber je 1 km entfernt. — Guter Wildstand. 6246 Waldgirmes, 14. Aug. 1903. Bernhardt, Bürgermeister. Stadt. Schlachthaus. gmbanL Heute und morgen: 6237 HuWeilch 48 jlffl. ZHBmrükilch 50 yfg. ft F“ labro bewährt sich nun- ■J L VWX mehr Heiter’* | Haarwasser (München) VV staatl. geprüft u. begutachtet. Z. h. um 40 -5, it. u verkaufen 1 Schaufenster, O 2,68x2,18. Steinstraße 76. Grummet n. Kleegras. 7 Morgen Klee, zweiter Schnitt, 8 Morgen Grummetgras bet den Blendsteinfabriken, 5 Morgen Grummetgras hinter dem Bahn- Hof will ich aus der Hand verkaufen. 6293 _______Keßler, Pferdemetzger. HiiKtWr SÄ billig zu verkaufen [03968 __________Walltorstraße 33, LL K«6mtiütF^ auf dem Stand oder geschnitten abzugeben. 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