«r» 148 Eriche»»« »Lgltch au feer Bonn tagt. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die •itjjtntr jamlllcn* blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotatlontonid u. Verlag der Brüh l'ich« Unwert Buch- u.etrl*- brudern (Putsch Erden» NedakNon. fcpebtttxxi and Druckerei: Echulftrate 7. Adresse für Deveschvu Anzeiger «teße». ^tmlpnd)anld)lu6 Ar. 6L KrsteS Blatt. 153. Jahrgang Samstag 2v.Inn'lVV8 A Au Jük -w/* Q r—ruftft” 75^1.. otertel- Eichener Anzeiger w General-Anzeiger w äSS-Ss Amlr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZWZ lax* inb an bett war, bah gestern s)lad)t Wirchstüle herrschte, da im andern Falle es wohl nicht möglich gewesen sein wnrbe, beu Äranb aus die Scheuer yi beschränken und von ben neuen Häusern der Robhermerstraße abzuhalten. "* Für entlassene Geistes! ran Die am 20. April 1908 augeorbnele Sperre der Bahnhofstraße zwischen Schanzenstraße und Lüwengasse wird hiermit ausgehoben. Gießen, 20. Juni 1908. Großherzogliäjes Polizeiamt Dießen. Hechler. FoMische Kraue». Draaa ist tot. Äm Grabe der Königin Viktoria balten di- englischen Zmpcrialiften Gedächtnisfeiern ab. Der Schatten der d ä n i s ch - n „« ch w > e g - r m u 11 - r Guropas" Aus uni) Kani). Dießen, den 20. Juni 1908. - Personalien. Se. Kgl. H. der Großherzog haben das Mitglied der König!. Preuß. und Großh. Hess. Eisenbahnbirektion Mainz, Oberregierungsrat Wilh. Weicker, unter Verleihung des Titels »Geheimer Rcgicrungsrat" zum Hessischen vortragenden Rot im Königl. Preuß. Ministerium der öffentlichen Arbeiten ernannt. — Ter Großh. Landgestütsdiener Johannes Peth in Darmstadt wurde in den Ruhe- stand versetzt. — Dem Gärtner in Privatdiensten Friedrich Zeh II. in Jugenheim a. d. B. wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mü der Inschrift »Für treue Arbeit' ver- liehen. StichroahL-Kuhyaudtl im Kelche. Der „Kuhhandel" für die Stichwahlen ist im vollen Gange. Sehr von oben herab behandelt das sozialdemokratische ^entralorgan, der „BorwartS", die freisinnigen ib^ärmer. Für den Fall, daß sie die Hilke mü Undank lohnen sollten, wird ihnen schon seht Vergeltung bei den preußischen LandtagSwahlen crngekundigt. Dabei braudjt doch auch die SozialdemoIratie die Freisinnigen zum Durch komm en in manchen Reichswahl kreis. Des Zentrums tzauptbedingung ist, daß der Bewerber keine Kul- turkampssneigungen hegt, daß er mindestens der Aufhebung des tz 2 des Jesuitengesehes nicht widerspricht. Bass ermann hat das letztere feierlich versprochen. Das ^pfer ist vergeblich gebracht, denn eS wird soeben bekcmcki, daß oer Zentralvorstaud des badischen Zentrums für Karlsruhe, Pforzheim und Mannheim Stimmenthaltung proklamiert. Auf jeden Fall wird dadurch Bajser- maniiö Mandat in große Gefahr gebracht. ÄLahezu aussichtslos find die beiden anderen badischen Städte für die RationaUrberalen. Die Gewinner find' auch hier wieder oie Sozialdemokraten. Verfrüht erscheint bei dieser Sach- läge, wenn, wie wir schon mitteitten, die „Stordd. AUg. Ztg." die „berechtigte Erwartung", ausspricht, bis zum ^.tichwahltag werde bei allen "Parteien die llcberzeugung zum Durchbruch gelangen, daß der Kamps gegen Ine So- zialdemotratie ihm nächstliegende Aufgabe sei. Vorher ttagt das offiziöse Blatt darüber, daß nicht nach seinen „steten Mahnungen und Aufforderungen" gehattbelt worden qt sonst wäre oie Sozialbemvtratic schwerlich in die Lage gekommen. Den Triumph zu feiern, den chr ote Zer splitterungderbürgerlicheu Parteien letzt bereitet hat. Man tritt der,/Jtorbb. Allg. Ztg." wohl kaiun zu nahe, wenn man behauptet, daß sie jetzt, da oas Malheur geschehen, bei weitem mehr Rührigkeit in der Samuiluiig der ,^)rdnungsparteien" entfaltet, als dies vorher zu bemerken gewesen ist. Während des Wahl- tampses hat siel) die „üreuzztg.", oft darüber geärgert, daß daS konservative Feldge,u.)rei: Wider die Sozialdemokratie' nicht mit gebührendem Enthusiasmus im Regier- ungslager ausgenommen wurde. Tatsächlich acceptieren erst legt die Ofsizidjen aus der ganzen Linie die Parole. Und ebenso verdatet ist es, dag erst letzt das Organ der Regierung der Deutung entgegentriu, die der „Vorwärts" der Aeußerung des preuß. V e r l e h r s m i n i st e r S B u d d e 4m preußischen Abgeordnetenhaus gegeben hatte. . Die Bediensteten (der Bahnen- können wählen, wie sie wollen, auch Sozialdemokraten, dagegen habe ich garnichtS". Daraus niuchte der Torwarts", vom taltischetiL-tanopunkte aus nicht ungeschickt, folgende Formel: „Wählt sozialdemokratisch., 23ubbe will es". Jetzt erfahrt bie Leffentlichkeit durch bie Mrdd Allg. Zig.", baß an sämtliche Eisenbahndirektionen, unmittelbar nach dem „Täuschungsoersuch" bie telegra- vdische Weisung erüangeu ist, bei vom .^Vorworts" belebten Ausdeutung der Aeußerung des Mmi)ters in geeigneter Weise entgegenzutreren. Warum ist lxw nicht |o- a U ich bekannt gegeben worden? Durch das Still)chwei- “ n rmtütc allerdings ber Eindruck entliehen, baß die Regierung die nicht ganz glückliche Wendung des Ministers «übt LU erläutern brauche, ebetqo nicht die Ausdeutung des „Vonvärts". Wie dw Tinge liegen, ist. irgendwelche Illusion hinsichtlich deS vermutlichen Ergebni,seS der L>ttch- w ah len garnichr am Platz- Hilfsverein für Geisteskranke in Hessen bei der diesjährigen Sammlung in (Siegen durch freiwillige Gaben 750 Mark zusammengekommen. Im abgelaufenen Verernsiahr hat der Verein an Personen, welche in Gießen ihren Wohnsitz haben, 2573 Mt. gespendet, und um oie)en Betrag die städtische Armenpflege entlastet. Es wurden unterstützt je eine Person mit 1701 Mk. resp. 300 Mk. zwei Personen mit je 180 Mk., je eine Person mit 128 Mk., 32 Mk., 20 Mk., 16 Mk. und 6 Mk. und zwei Personen mit \t 5 Ml. — Ter Verein hat ben Zweck, aus den Anstalten entlassene Geisteskranke zu un terätzen und ihnen so zu Helsen, bis sie wieder einen Erwerb finden ober in anberer Weise für sie gesorgt wirb. Die Stadtverordneten-Versammlung tagt wegen der vorzunchmenden Stichwahl zum Reichstag in der nächsten "Woche erst am Freitag. ** Gleiberg-Verein. Ten ihm in ber letzten Generalversammlung übertragenen Bor)in im Gleiberg-Ber- ein hat Provinzialbirektor Dr. vreidert in dankenswerter Weise angenommen. Ein interessanter Fund ist im Hause der Architekten Stein und Meyer am Walltor gemacht worden, nämlich ein Wappenschild auö dem Anfang des 17. Jahrhunderts, vermutlich ein Schild mit dem Postwappen von Turn und Taxis. - Das Fundftück ist dem 'Museum des Tberhesjljchen Geschichtsvereins übergeben worden. nein Lehrermangel in Gießen! Für die drei vakanten Lehrerstellen an unserer Volksschule, bie ausgeschrieben waren, haben sich nicht weniger als 60 Bewerber gemeldet, unjer denen die Schuldeputation resp. die Stabtoerordiietenoersammlung chre Auswahl trifft. Tas Konzert unserer Militärkapelle vorgestern abenb im Neuen Saaibau konnte im Freien ftattfinbcn, ohne.daß die Mtterung den Aufenthalt im Garten irgendwie uncuigenehm nuui)tt. Ter Besuch war recht gut. Die Leistungen der Kapelle fanden ui alle» Nummern des Programms wieder allgemcineii Beifall. Musikdirektor KEauße gewährte mehrere Beigaben, wodurch er viel Tank und Hanoeklatschen hervorrres. (Die 'Jtotift ist durch em Versehen bis heute zuruckgestellt worden.j *♦ Feuer. Heute 'Jiatht kurz vor 12Uhr brach m dec dem Oekonomen Phil, nchwan gehörigen, hinter der Puloermähle liegenden Scheune Feuer aus, das mit rasender Geschwindigteit um sich griff unb in kurzem stand bie Scheune in Hellen Flammen. Die sofort herbeigeeiltc städtische und Gailsche Feuerwehr unter der bewährten Führung der Herren Wigand uno Lindenstrut konnte trotz Ivfortigen energischen Eingreifens da- Feuer nur auf seinen Herd veschränien und die aidjt unbeträchtliche Gefcchr für Die umliegenden Häuser abtuenben. Binnen einer -atunbe war die mit frisch eingesahrenem Heu angefülUe Scheuer ein Raub der Flammen. Glücklicherweise ist ein Verlust an Mensü-enleben nicht zu beflogen, währenb oer materielle Schaben ein nicht unbeträchtliche: fein soll. Die um Mitternacht burch bie ganze Stadt ertönenden Feueralarmsignale sowie die Sturmglocke hatten eine große Anzahl Zuschauer an die Feuerstätte gelockt. Als einer der erjten erschien Beigeordneter Eurschmann auf dem Brandplatze. Heber die Entstehung des Feuers verlautet rwch nichts bestimmtes, doch soll ber Verdacht einer Brandstiftung naheliegen. Von anderer Seite wirb uns noa) folgendes geschrieben: Die Feldscheuer des Lekonomen PH. Schwan, hinter dem Schlachthaus gelegen, ist etwa 1895 neu erbaut worden, unb zwar an derselben Stelle, Ivo kurz vorher ebenfalls eine Schjvan- jaje Scheuer durch Feuer total zerstört wurde. Gestern abend kurz vor 12y« Uhr war die Feuerwehr schon in voller Tätigkeit; man besprengte die neuen Häuser an der Rod- heimerstraßc an ihien nach dem Feuer zu gekehrten Hinterfronten kräftig mit Wasser, welches aus einem Hydranten vor dem Schlachthause abgegeben wurde. An der brennenden Scheuer war nichts mehr zu retten, sie stand in vollen Flammen, welche einen kräftigen Funkenregen über die "Nachbarhäuser entsandten. Gleich nack; y>l llhr brach der Dachstuhl des Bamoerks prasselnd zusammen, dem der Rest des Gebäudes kaum eine Viertelstunde folgte, (fein Glück ist von unserem Kaiser eubgiltig überwunden. Die russi- che Kaiserin-Witwe ist für die große Politik in polar- artige Dunkelheit verschollen, "llahezu ausgetilat erscheint chon beinahe der kurzlebige Einflug, den die Irrung der KronprinzessinLuise auf die Stellung deS sächsischen Königshauses auszuüben drohte. Heber dem Haupte deS ugendlichen KoiiigS von Spanikii hält C h r i st i n e bie Tugend reiche die )chützenbe Hand nicht mehr. In unserer inneren Politik ist in Lily Braun der Sozialdemokratie keine Gräfin Hatzfeld erstanden. Rosa Luxemburg und die tapfere Zetkin gelten in Genossen kreisen als typische, aber nicht als bedeutende Figuren. Unb bie trutzige Mannhaftigkeit bes Frl. Dr. jur. Anita Auas- ,ur g hat einen Zug ins Groteske. Ist ber politische Einfluß >er Frauen im Schwinben begriffen? Am italienischen Ho,e tämpfen zwei Frauen um Herz unb Hirn bes Königs. Die geijireia)e beutschfreunb- liche itünigin^Vlutter Margherita und bie junge montenegrinische Königin, bie ben gemütlichen häuslichen Umgang und bie slavisch-französischen Bezieh- unacn pflegt unb böse barüber ist, daß ber ritterliche Greis auf bem östreichifchen Üaiserthron iwch keinen Besuch ab- gestallet Imt. ftaijer Franz Josef, ber unermüdliche, vor- nehme Väter seiner ßänber, ist alt geworben. Ter weib- lia-e (Süifluß, ber sich früher im beutsch-liberalen Sinne in seiner Umgebung geltenb machte, scheint nicht mehr bie frühere Bedeutung zu besitzen. Die kirchliche Richtuiig, der undeutsche Geist in der Umgebung der Gräfin Ehotek, der morganatischen Gattin Erzherzogs Ferbi- naiids, bes künftigen Kaisers, gibt manchem Teutsch-Oester- reicher ernstlich zu benlen. Eher über bie Stellung amerikanischer, als englischer Frauen in ber Politik würbe heute ein Bismarck Beschwerbe führen; er würbe in ihm vielleicht doch einen mehr als episodischen Charakter erkennen. Heber das Eon- lissenspiel polnischer Frauen in der inneren preußischen Politik machte ber Minister Frhr. v. Hammerstein m ber letzten Se,)ion des preußischen Abgeordnetenhauses Andeutungen, welche die pollrischen Adelsparteiler lebhaft erzürnten. Diese Hinweise sind keineswegs gegenstandslos. Xer politische Einfluß der Frauen ist heute mehr nach Süden und Osten, mehr ins Dunkel verschoben. Ter In- telligenz, Opferwilligkeit unb Verschlagenheit der polnischen Frauen kommt in der Geschichte des ^lusschtoungs emeS deutsch-feindlichen Mittelstandes und der Sozialdemokratie in den Ostprovinzen eine große Rolle zu. Eine noch größere der Wirksamkeit der Polinnen im AuSlande. Säbelrasselnde Revolutionäre gibt es allerdings nicht mehr, die aus dem mit Sekt gefüllten Stiefelchen polnischer Heldinnen „Blutrausch' trinken. Aber wer die verkappten polnischen Publizistinnen und ihre Busenfreunde, wer die polnische Kolonie im Pariser Millelpunlte der politischen Journalistik und Geheinipolitik Europas beobachtet hat, wird diese Gesellschaft nicht unterschätzen. Vielgestaltig sind die Maskierungen dieser Quertreiberei. Gern arbeitet bie slavische Politik durch bie schonungsbebürftigcn geräuschlosen Hände der Frau. In Paris ist unter dem Vorsitze ber Prinzessin Wizniewska jetzt eine Liga eifrig tätig, bie Annäherung Frankreichs unb Englanbs zu förbern. In Wahrheit handelt es sich um deutsch-feindliche Winkelzüge, denen der russiflzierte Teil der französischen Presse lebhaft applaudiert !Deutschland hat kein „Glück bei den ö-raue n"' Sie Kemälde- und Kuoftgeweröüche Ausstellung nnnü der'Verhältnisse konnte zwar nur ein Bruchteil der Jntarsien-Fabrik R. Macco in Heidelberg. .. ._______ mrrhpn. boeb bietet rinhet iirb ein Kartenkaitchen, das in gleicher einaeliEierten siunfuvetle auifle|tdlt werden, bod). bitiet die Ausstellung schließlich jebem etn>as unb rüst m ben Äeiuwern unwiltturlich staunen wach udcr bie Menen Fortschritte, bie bas hessische Äunfthanbwer! Unter der Staina ber Künstler genommen hat Letreten wir ben Tr^venaufgang zum Saal, so sehen wir an ben hohen Mtn^en einige Tapeten nach ben Entwurien von Pro,, (fh^iftianieii, Pros. Behrens und Paul Burk us dem Wahlkreis : Ei, ich hab' den Bindewald gewählt. A.: Sooo, Du hast den Bindewald gewählt; weist Du bann auch warum? B.: Bindewald ist mir ja noch lang net recht; ich hätt' den Kreisrat Wal lau viel lieber gewählt, — wenn er nur net Beamter wär'. A.: Was haben uns denn die Beamten getan? Sei froh, daß die uns aufklären, die wollen gerade unser Bestes. Ich glaube, der Kreisrat Wal lau versteht mehr von unseren Verhältnissen, als 50 Bindewalde zusammen, und er wird auch 5Omal mehr für uns tun. Man brauch nur einmal seiner Rede zuzuhören — und man müßte ein... . sein, wenn man nicht merkte, daß es diesem Rianne sein völliger Ernst ist, was er verspricht. B.: Du haft ja ganz recht, aber guck' doch e'mol, was es den Bindewald für ein Geld kostet; er muß doch Interesse an uns haben; er stammt ja auch aus dem Vogelsberg. A.: Bist Du denn noch so dumm, daß Du nicht merkst, oo das Geld herkömmt? Bin bewald ist ja von den o st elbischen Junkern und Rittergutsbesitzern aufgestellt worden. Warum? Doch nur zu ihrem Vorteil und zu unserem Nachteil. Wenn ich mir die Mndetvaldzettelträger anguck', da möcht' ich mit dem Prügel dazwischen fahren. Das sind fast lauter Leute, die das ganze Jahr ihr Brot kaufen müssen. Und die laufen für Bindewald herum, der im Reichstag für so hohe Zölle gestimmt hat, daß der Laib Brot auf 6 0 — 70 Pfennige gekommen, wenn es ihm nach- gegangen wäre. Ist das eine Vertretung für den Vogelsberg, wo fast alle Bauern überhaupt keine F-rucht verkaufen, wo die große Mehrzahl noch dazukaufen muß? Wenn man die Wählerei in S. u. W. betrachtet, da weiß man nicht, was man sagen soll; dort haben jsich die Bäu,erchenundTaglöhnerihreneigenenBrot- ve rteuerer gewählt. Mnbewald stammt aus dem Vogelsberg; es stammt noch mancher andere aus dem Vogelsberg und rennt die Stätte seiner Jugend nicht mehr. Bindewald hat an uns nur so lange Interesse, bis wir ihn gewählt haben. Das wollen wir aber diesmal bleiben lassen. Im Versprechen leistet er ja Großartiges. Wie ist's über mit dem Halten ferner Versprechungen? Die Antwort geben uns die Abstimmungen im Reichstag. Wie kann es auch anders sein,' Bindewald wohnt ja in Berlin, er kann ja gar nicht wissen, was uns not tut! B.: Du hast doch recht; gut, daß wir Stichwahl kriegen, ich tat mich sonst kaput ärgern, daß ich den Bindewald gewählt hab'. Bei der Stichwahl wähl ich den Kreisrait Wallau und bring noch e’ paar Bindewaldianer für Kreisrat Wallau herum Antisemiten giebt's ja nicht mehr,diesindzumBundderostelbischenGroß- grundbesrtzer, zu denen auch e* paar dicke Bauern aus dem Vogelsberg gern gehören wollen, üb ergegan gen. Bindewald mag nach Ostelbten gehen — wohin er gehört. — Derartige Zwiegespräche,*so schreibt man uns, werden hier und da unter den Bauern gehalten und man kann daraus entnehmen, daß der Bauer irn Vogelsberg nicht so dumm ist, wie ihn sich Herr Bindewald vor stellen mag. Die Bindewald'schen Hetzereien gegen die Beamten haben an manchen Orten entgegengesetzte Wirkung. Die Aufklärung der Bevölkerung schreitet stetig fort, sie läßt sich keinen Dunst mehr vormachen. Die Bevölkerung erkennt aber auch ferner, daß gerade die Beamten das wenigste Interesse daran haben, wer in den Reichstag gewühlt wird; daß alles, was von den Beamten gearbeitet wird, in der Bevölkerung Interesse geschieht. Die Beamten sind bestrebt, darauf hinzuwirken, daß es der Bevölkerung, mit der sie leben müssen, gut geht! Vermischtes. * Berlin, 19. Juni. Nach dem Beschluß der heutigen Pest-Konferenz werden der Postbeamte Leytin, bei dem der verstorbene Dr. Sachs wohnte, und sein Neffe, der in der kritischen Zeit mit seinen Kindern spielte, morgen entlassen. Frau Leytin und ihre beiden Kinder bleiben bis Montag in der Baracke. Die Wärter Aiarggraf, Botzen und der Jnstitutsdiener Mai bleiben noch weitere 10 Tage in Beobachtung, ebenso die Aerzte Otto, Pflugmacher und Horn. Das Befinden Marggrafs ist noch immer sehr gut. Die Polizeiwache wird morgen aufgelöst. * Berlin, 20. Juni. Gestern abend verwundete im Tiergarten der Matrose der Handelsmarine Glaubitz seine Geliebte aus Eifersucht durch Revolver- jchüsse, schoß dann erfolglos aus den sie begleitenden Mann und verletzte sich dann durch weitere Schüsse. Beide Verwundete wurden ins Krankenhaus gebracht. * P o t s d a m, 19. Juni. Landgerichtsrat Nickse erschoß sich in einem Anfall von Geistesstörung. Er war 47 Jahre alt. ♦ Dresden-Plauen, 19. Juni. Der seit Samstag, den 13. d. M. vermißte Lehrling Fritz Schubert, der von seinem Lehrherrn mit 833 Mk. Arbeitslöhnen nach einem Neubau in Koschütz geschickt worden war, ist heute vormittag in Weißeritz tot aufgefunden wurden. Es liegt wahrscheinlich ein Raubmord vor. Der Tat verdächtig erscheint ein Ziegelkutscher, der fiüher bei dem Lehrherrn Schuberts bedienstet war. * Mannheim, 19. Juni. Auf einer Chaussee in der Nähe von Ludwigshafen fuhren zwei Radfahrer in schnellem Tempo aufeinander, wurden von den Maschinen geschleudert und blieben schwer verletzt liegen. Einer derselben ist gestorben, der andere schwebt in Lebensgefahr. * Prinzessin Luise. Die „Chemnitzer Allg. Ztg." ist in der Lage, mitzuteilen, daß der derzeitige offizielle Titel der früheren Kronprinzessin von Sachsen lautet: Prinzessin Luise von Habsburg-Lothringen und Toscana. — Aus der Begrüßung der Prinzessin durch den österreichischen Boffchafisattacheee bei der Durchfahrt in Lyon dürfte auch auf einen der Prinzessin günstigen Umschwung im Verhältnis des östreichischen Hofes zur Prinzessin zu schließen sein. * Ein Redakteur Ehrendoktor. Die philosophische Fakultät der Universität Groningen hat einen der Redakteure des „Meuwe Rotterdamsche Courant", Caston, für feine wissenschaftlichen Arbeiten über die Milchstraße zum Ehrendoktor ernannt. Easton hat an keiner Universität studiert, aber seit langen Jahren sich mit astronomischen Studien beschäftigt. Professor Kapiteyn, der die Ehrenpromotion vorn ahm, bezeugte laut, daß alle weiteren Forschungen über das Problem der Milchstraße die Easton- schen Studien in erster Linie zu berücksichtigen hatten. Die Universität Groningen besitzt zwar keine eigene Sternwarte, sie hat aber ein trefflich ausgestattetes astronomisches Laboratorium, dessen sich nur sehr wenige Hochschulen rühmen können. Gerichtssaat. BR. Darmstadt, 19. Ium. Unter Ausschluß der Ceffent- lichkeit wurde heute vor dem Schwurgericht gegen den 19jährigen Weißbinder Adam Haas aus Pfungstadt verhandelt. Er war beschuldigt, am 15. Mai vor dem hiesigen Amtsgericht in einer Alimentationssache einen salschen Eid geleistet au haben. Er hatte beschworen, daß er mit einem Mädchen aus Pfungstadt, das einen anderen aus Zahlung von Alimenten verklagte, keinen Umgang gehabt habe, während chm nachgewiesen wurde, daß er zu dem Mädchen doch in nähere Beziehungen getreten war. Die Anklage führte Staatsanwalt Müller, die Verteidigung Rechtsanwalt HaU- wachs. Das Urteil lautet auf 1 Jahr Gefängnis. Berlin, 19. Juni. Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I begann heute der Prozeß gegen den Rechtsanwalt Liebling und ben rumänischen Agenten Covo wegen eines Erpressungsversuchs gegen die DiSkonto-Bank und wegen Betrugs gegen diese und Bleichröder, begangen anläßlich der Aufdeckung der Betrügereien bei der Ziehung der rumänischen Rente. Der Erpresiungsversuch wird in einem Briese Lieblings an die Diskontobant gefunden, der Betrug darin, daß die Angeklagten verschwiegen, daß ihr Gewährsmann bei den Betrügereien anläßlich der Rentenziehung beteiligt war. Die Angeklagten bestreiten ihre Schuld. Kiel, 19. Juni. Die Berusungs-Vechandlung gegen den Fähnrich Hüfsener vor dem Lberkriegsgericht der Ostsee-Station findet anfang Juli statt. Leipzig, 19. Juni. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Grasen Pückler-Klein-Tschirne, der am 24. Dezember 1902 vom Landgericht 1 Berlin wegen Beleidigung der Richter zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden war Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Kraftfuttermittel. Tie Stimmung im Futtermittelmarkte ist dieselbe geblieben wie in der Vorwoche; die Umsätze beschränken sich auf eilt geringes Quantum. — In den Preisverhältnisien haben wesentliche Aendertingen nicht stattgefunden, ausgenommen für deutsche Rappskuchen, die Mk. 3—4 pro 100 Kg. höher zu notieren sind. — In Baumwollsaatmehl neuer Eriite liegen Angebote von drüben noch nicht vor, auch besteht wenig Neigung, sich zu engagieren, da die Qualität des amerikanischen Baumwollsaatmehls speziell der Texasware, nach den Ersahrungen der letzten Saison kaum die bisherige Garantie von 58 pCt. zulasfen wird ; beim nicht nur ber Boden ergibt nach dem vieljährigen Anbau der Baumwollpflanze ein geringeres Produkt, vielmehr versuchen auch die Mühlen durch Verbesserung ber Pressen mehr Cel bezw. Fett zu gewinnen. — Demgegenüber zeigen Erdnußkuchen einen höheren Gehalt als in früheren Jahren teils bis 58 pCt. und darüber, so daß dieser Artikel, welcher nicht nur im Preise, sondern auch dem Gehalte nach sich billiger stellt als Baumwollsaatmehl, berufen erscheint, letzteres vielfach zu ersetzen. — Biehmartt. Die Freguenz an den einschlägigen Märkten war keine große, die Zutriebe bewegten sich in mittleren Grenzen, aber auch der Verkauf entwickelte sich nur sehr In. öl'am. Prima Großvieh, nicht zu stark angeboten, war verhältnismäßig flott abgesetzt, mittlere Qualitäten waren dagegen weniger beachtet. Kälber, wie seither nur in begrenzter Zahl zugeführt, erhielten sich auf bisherigen Preisen; es wurde auch nur das Notwendigste gekauft, sodaß etwas Ueberftmb verblieb. Fette Schweine gut angeboten, ber Berkaus konnte sich jedoch nur langsam abwickeln, es blieb nicht geringer Ueberftonb. Tabak. Wir sind nicht in der Lage über eine Besserung im Geschäfte sowohl in Mannheim als auch nach auswärts zu berichten, es ist sehr still. Von größeren Abschlüssen konnten wir nichts erfahren, kleinere Posten 1901er entrippter Einlage wurden zu AU. 80—82 und Einlagetabake zu Mk. 40 - 42 verkauft. Die neuen (1902er) Tabake, bie jetzt auseinander kommen, entwickeln sich etwas sehr kräftig und beanspruchen viel Arbeit, um sie in trockenen und pack- reifen Zustand zu bringen. Die 1902er Herbsttabake lassen im Sortiment viel zu wünschen übrig und stellen sich deshalb im Preise sehr hoch. Nach unserer Ansicht wird infolge des teueren Einkaufs wenig, ober garnichts hieran oerbient werben. In losen psälzer Rippen geschäftslos, lose feine Mk. 10,50—11, gebünbelte seine Mk. 12. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) A. in Fulda. Der Zentrumsfraktion bes vorigen Reichstags haben 5 lutherische Welsen als Hospitanten angehört, unb zwar bie Herren v. Arnswalbt-Harbenbostel, v. Arns- walbt-Böhme, Götz v. Olenhusen, v. Schell unb Wangenheim. An die Wähler des Herrn Bürgermeister Köhler - Langrdorf. Wir sind in in der Hauptwahl geschlagen um 235 Stimmen. Der Wahlkreis ist bei gegebener Gelegenheit zurückzugewinnen. lieber die Ursachen der Niederlage soll man sich nur in vertrauten Kreisen äußern. Die Stichwahl steht vor der Tür, was soll geschehen? Ich habe mich in der Hauptwahl gegen die Kandidatur des Herrn Heyligenstaedt ansgesprochen und fühle die Verpflichtung, mich nun auch bef der Stichwahl zu äußern. Mit offenem Visir habe ich für unsere Sache gestritten und in feiger niedriger.Weise hat ein Teil meiner Gegner ohne Namensnennung mich persönlich anzugreifen gesucht. Ich bin wohl in diesem Wahlkampf der am schwersten Gekränkte. Aber das kann mich keinen Augenblick irre machen an dem, was ich bei der Stichwahl zu tun für Pflicht halte. Ich trage am 25. einen Wahlzettel für Herrn Heyligenstaedt zur Wahlurne und bitte alle, die mit mir für Herrn Bürgermeister Köhler bei der Hanptwahl eintraten, dasselbe zu tun. Ich würde mich freuen, wenn alle diese schwere Selbstüberwindung übten. Es ist — ich bitte mir zu vertrauen — das einzig Nichtige, was uns bei der Stichwahl zu tun übrig bleibt. Gießen (Hardthof), 19. Juni 1903. [4917] Schlenke l-sTbieS r>t Stei "Schluß der n#6_. gegen den igjN^- landelt. (fr9,atofien ^ungfiaX', bas s, Jfc«jp i9ms. roaü Hall. rQitonuntT o^i. ^Reckl;7?^nö. ’Wl, roalt iStontoÄ .tlne= SÄ -«■äS; KW Uverwars die Re- .Mittu, der am lm wegen Beieidigunq ^urteilt worden war 'llrswiüschgst. im Futtermitielmarkte die Umsätze beschränken reisverhaimissen haben n, ausgenommen jür Kg. Häher zu notieren liegen Angebote von Neigung, sich zu en- 1 Baumwollsaalmehls )en der letzten Sajon ssen wird; denn mcht n Anbau der Baum- r veriuchen auch die hr Del bezw. Fen zu suchen einen höheren pLt. und darüber, so eise, ionbern auch dem ollsaatmehl, berusm er- i einschlägigen Märkten ) in minieren Grenzen, sehr langsam. Prima erhältnisniaßig flott ab- oeniger beachtet. Kälber, iiühn, erhielten sich auf is Notwendigste gekauft, chweine gut angeboten, ibroiäeln, es blieb mcht Besserung im Teschäsie irts m berichten, es i't n wir nichts ersahmi, wurden zu M H, Die neuen (1902m itwideln sich etwas sehr sie in trockenen und pack- herbsltabake lassen an d stellen sich™ lirb infolge desleunm -dient werden. JIL 10,50-H, gebundelle rvberütksichtigt.> ixaktion des vorigvt n als H°sp« ^rdenboiiel, ^rns- Vwb Wangenhean^ M ,r Gelegen^ M r* die Kandidat^ IS I I I 1 I 1 Herr Kommerzienrat Heyligenstaedt kommt am 25. Juni mit dem Kandidaten der Sozialdemokratie, Herrn Krumm, in die Stichwahl. Es ist dies ein erfreulicher, aber doch erst halber Erfolg. Große Anstrengungen sind noch nötig, um unseren Kandidaten aus der Stichwahl als Abgeordneten des Wahlkreises heroorgehen zu sehen. Der sozial- demokratische Bewerber hat einen bedeutenden Vorsprung; der Opferwilligkeit und Rührigkeit seiner Anhänger wird es gelingen, für die Stichwahl die sozialdemokratische Stimmenzahl noch ganz erheblich zu steigern. Herr Heyligenstaedt wird deshalb nur dann siegen, wenn nicht nur alle, die am 16. Juni für ihn gestimmt haben, am 25. Juni es wieder tun, sondern wenn alle, die nicht Sozialdemokraten sind, an der Wahlurne erscheinen und Herrn Heyligenstaedt wählen. Der 16. Juni hat gezeigt, daß infolge der Bequemlichkeit und Gleichgiltigkeit des Bürgertums in Stadt und Land eine große Anzahl von Wahlkreisen von der Sozialdemokratie erobert worden sind. Ueberall im Reiche regt es sich jetzt, um wenigstens bei den Stichwahlen weitere Siege der Sozialdemokratie zu verhüten; vergessen wird, was vor der Hauptwahl die bürgerlichen Parteien getrennt hat. Die Sozialdemokratie ist ihrer aller Feind. Sie erstrebt die Beseitigung der Monarchie, der Kirche.und des Staats in seiner jetzigen Verfastung, sie will unsere ganze Gesellschaft- und Wirtschaftsordnung umstürzen und das Privateigentum am Grundbesitz und Kapital aufheben. Sie säet überall Unzufriedenheit und nimmt dem, der sich ihr dauernd ergeben hat, die Freude an seiner Arbeit und an seinem Berufe. Ganz besonders mögen die Wähler des Herrn Köhler in der Stichwahl für Herrn Heyligcnstacdt eintreten eingedenk der Worte ihres Führers, daß ^eine Partei das festeste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie sei! Wähler! Mehr als drei Viertel von Euch gehören nicht der Sozialdemokratie an! Bei der Stichwahl kann deren Kandidat nur dann gewählt werden, wenn die Mehrheit der Wähler in tadelnswerter Verkennung ihrer Pflicht der Wahl fernbleibt. ( Wir haben aber zu der Einsicht und Tatkraft der Wählermehrheit das Zutrauen, daß jeder, der treu zu Kaiser und Reich hält, es als seine Ehrenpflicht betrachtet, am 25. Juni zu stimmen für Herrn heyligenstaedt. Das liberale Wahlkomitee. Lubwigstraße 29. 3750 02928 Neustadt 14, L furt a. M. 4799 billig zu Wohnung Mäusburg 12. Delmenhorst 216. 02952 F. M. Simon. 02948 1898 zu vermieten. zu vermieten. 2802 ofort an 4458 4980 Bleichstr. 24. Afterweg 41. 4931 36331 Tas .Nvmmando X'lliccftr 4938 1 4941 Das Kommando. Verlchiedoncs 3jt verkaufen MMWMM Bn u muteten Stellend c[udjf WelgeMM Offene Stellen Montag den 22. ^uni abends präcis 8*/, Uhr «530*” Ucbuug. **Wc6 Wer braucht Geld?? auf Schuldschein, Wechsel, Möbel, Kautionen, Hypothek, der schreibe 2975] Schöne 3-Zimmerwohu- uug per L Juli zu vermieten Schottstratze 7. 3664] Schöne 3-Zlmmcrwohn. «ml. 'ct. mit allem Zubehör per .Juli zu vcrm. Dammstr.46,pnrt. Die Beleidigung gegen Fräul. 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