Nr. fll Sri chetn« tägktch auBci Sonnlag«. ffcem «ÄiebeneT 'Üryeiqer werden im flkdilel mit dem hrlfilche, fanörolrt dir Oiehrner Kamillen* Härter viermal in der Woche beiqelegL Roinuoneöiud u. Ker» laq bei Brüh l'Ichen Uniueri.'ttiid)- u. Bient- dructerei (PieNch ürbcrx) -tedattiom (trpföiiion und truderet. Gchatfteatze 7. tlbielle tüt Develchen: Anzeiger Sieftea. pfrn’pifd)ani(f)hi6 Jtr 51. bestes Blatt. 153. Jahrgang Montag 20. April 1903 SietzenerAnzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen Bezugspreis: monatlich 7bM.. viertel» jährlich 2.2V. durch Adlrole- u. Hrveigfiellnt monatlich 65 ’UL. durch öiet'oii Mk.L— öiertcl- |äbd. oudctiL Benellg. Annahme von Anzeige» füt die Laqeeiiiiiiuner bte öorminage 1U Uhr. 3eilenprei<: total 12ittw auemärte tu tilg. Beianirvoritich *üt den pohi und aüqem. Teil ti Witt ko »ür .Stadt und vanir und .toencbtelaal* Auouft ®ä». Ktr den vht- teiaentcil Van« Beck. politische Wochenschau. „Croßc Tinge sprechen fif> durch Schweigen auS", sagt rin polnische» GpriapoorL Auch auf die gegenwärtige inner- pvlitifd)e Lituatwn könnte man es, wenn man Optimist oder Ironiker Ist, in Anwendung btiuaen, denn, so verwunderlich e- ist, tiefes Echtoergen Lagert über der ganzen Linie, und nur hier und da arbeiten einzelne Parteien daran, Rüst- ungen zu dem Wahlfeldzu ge zu treffen. Bon feinem Ausfall hängt auf Jahre hinaus das Wohl und LRHe des Reiches, mehr noch das des Volkes ab, und je nach feinem Berlaufe wird sich »u entscherden haben, ob in Zukunft Aussicht vorhanden Ist, den Weg zur wirtschaftlichen Ent- Wicklung des Landes mit Vertrauen zu gehen. Tie Hoffnungen, bau der Wahlkampf sich in Bahnen bewegen wird, die den Entscheidungen gerecht werden, zu denen der neue Reichstag berufen ist, sind nii)t allzu groß. Es zeigt sich leider vielfach ein hoher Grad tun Unentschtossenhett in verschiedenen Lagern i niemand aber mag zween Herren dienen ..... Jedenfalls darf eS für niemanden, der es ernst mit feinem Batet.lande meint, in den nächsten Dtonaien, selbstverständlich außer seinen besonderen Pflichten, eine wichtigere Aufgabe geben, als für fein Teil alles zu tun, um die weitesten Kreise über die Bedeutung der Wahlen ausznklären. Leider messen noch viele Bürger dem Ausfall der Wahlen so geringe Bedeutung bei, bag sie es nicht einmal ber Müde wert finben, zur Urne zu schreiten, ja baß sie sich um bie Wahlen überhaupt nicht rümincm. Diese haben gewiß nie auch nur einen Augenblick barüber nachgedacht, welche namenlosen Opfer gebracht worden sind, wieviel LebenSglück in die Schanze geschlagen wurde, wie viele edle Menschen zu Tiä.rtijrem werden mußten, ehe dieses Wahlrecht, auf das sie so verächtlich herabsehen, errungen werden tonnte I Tie Männer, welche dem Absolutismus das MitbestinimungSrecht des Volkes ab» getrotzt haben, hinterließen uns als köstlichstes Erbe jene Institution, die unS gestattet über das Wohl und Wehe des Staates mit zu entscheiden, dessen Bürger wir find. Leider kümmern sich Millionen in ruhigen Zecken überhaupt nicht um Tinge, welche bei den Wahlen die Hauptrolle spielen, wenigsten- soweit ihre materiellen ober sonstigen rein persönlichen Interessen babei nicht in Frage kommen Die Berusstätigkeit, Sorgen um framilic, Haus unb Hof, Vergnügen, Sport unb bergt nehmen bie Zeit vieler Menschen derart in Anspruch daß sie sich um öffent- ließe Tinge überhaupt nicht kümmern. Wenn bann bie Wahl- zeil h.rannaht, betrachten es naturgemäß gewisse Parteien als ihre vornehmste Aufgabe, eben diese Kreise, welche der Politik fern sichen, durch geschickte Agitation zu sich herüberzuziehen. Unter „geschickter Agitaitiou" versteht man die Jlunft, den Blick der Wähler von den wichtigsten Kultursragen abzuziehen, damit sie nicht auf den Gedanken kommen können, baß es sich noch upn andere Tinge handelt, als etwa um Zölle, Liebesgaben und Kriegsschiffe. Bon einer tolleren Warte aus betrachtet, ist, wie bie Frankfurter fcaltiiumaisfdjrift „Das freie Wort" sehr richtig ausführt, jede Wahlagitation als Beleidigung gegen ben Wähler au betrachte n, weil ihm damit tiidirekr gesagt wird, dag er keine Zeit oder Qklegenbeü gefunden bat, zu einer eigenen Meinung in politischen Tingen zu gelangen. Der Ideal-Wähler ist ein solcher, der sich von vornherein darüber ün Klaren ist, auf welches Programm bin er einem Kandidaten feine Stimme geben ober versagen wird, der sich aber auch den ÄänbJxiten daraufhin ansieht, ot er ein Charakter ist, auf den man bauen darf.... Die kathocksck-e „Köln. Voltsztg." fährt inzwischen fort, energisch die Entschließung des Bundesrats über das Jesu i t e n g e s e h zu fordern. TaS Blatt sagt, es sei wohl Zeit, daß der Rerchskanzler Jemen Worten die Tat folgen lasse, sonst könnten die Folgen kehr unerfreulich werden. Tie Folgen einer Ablehnung des Rcick-stagSveschlusjcs wurden sich nicht auf Erschütterung der Autorität des Reichskanzlers beschränken. Im katholisä-en Volke würde bie Erbitterung so grog werden, daß sie dem Zentrum feine bisherige Stellung zur Regierung wahrschemlich unmöglich mad)cn würde. Tee Reiches Kanzler wird also wohl am 18. d. M. nick-t sonderlich erleichtert die Rückfahrt aus dem sonnigen Sorrent nach der kühlen Reichshauptstadt angetreten haben, wo seiner neue Arbeit harrt. Auf innerem wie äußerem (Gebiete. £at er auch verwunderliä/erweise einem Mitarbeiter des „Temps" soeben nocd erklärt, daß die europäische Lage trotz der Unruhen aus dem Balkan zu Besorgnissen leinen Anlaß gebe, unb dag das Verhältnis znnsckxn Teutschtond und Frankreich so frteolich- schiedlich sei, luie immer man es nur wünschen tonne, so wird er trotz des Zursa-autragens vergnugieiter Miene doch innerlich darauf gefaßt sein, daß urplötzlich Fragen aus- tauche», deren Eiitschetoung von inuneujer Tragweite |ein W^Die Unruhen in Macedonien wollen eine ernft- Hdre gefallt für den europäischen Frieden nicht bedeuten, wenn es gelingt, sie scharf zu umgrenzen, sie können aber au einer solchen in dem Augendtta.e werden, in dem Rußland oder Oesterreich bte Geduld verlieren. Ter seines Konsuls hat Rußland veranlaßt, von der Türkei auger anderem die Konzentrierung von 20000 Mann um ben £'crö der Unruhen zu verlangen, in Oest-erre.ch erwog man einen Auaenb.üt lang einen Einmarsch in bie revolutionären ßtebiete unb auch Alexander von Serbien, bem sein jungjicr Gtaatsüreiü) be.f - zu betouimen sthemt, ais er es Durbunt, fuieite in ci er Ansprache gelegentlich seines Geburtstages mit bem Ernst ber Situation. E-.nsuoe.ten hat ber ©ul.an uüüi den behacken, uno eS steht zu yos,en, baß das AufeiiiUi^erjchlagen ber Boller wen hinten m der Türkei b.esmal noch vermieden werden wiro. Ter oj*er- eichijche Botschafter unb ber russische Bmscha^er brangcn in gemeinsamer Audienz beim Sultan auf Grund gleichlautender Instruktionen auf rasche und voltständ ge Turd)» ührung der angenommenen Reformen,und auch von ver- chiedenen anderen diplomalisä-en Seiten erhielt er »rlnaenbe Ratschläge, gegen die Opposition ber Albanesen im tiilajet Uesküb energisck» vorzugehen. Tic je Raisck-läge scheinen eine Wirkung auszuübeii. Auch der deutsche Ge- schäjtSlräger Frhr. v. Wanaenheim riet dem Sultan in einer Audienz ein gleiches Vorgehen. Ob der A u f st a n d in Marokko durch die eigene Tatkraft beS dortigen Sultans wird erstickt werden können, siebt dagegen noch sehr in Frage. Tie revolutionären Scharen haben seinen Truppen im Lause der vergangenen Woche recht empfindlich« Schläge versetzt, haben ein bei Melilla belegenes Fort erstürmt, das sie jetzt für ihre Zwecke neu errichten wollen, tue flüchtigen Suckansscharen verfolgt, bu8 diese bie rettenden Grenzen des spanischen und französischen Gebiete- erreicht und die Grenzstadt Udjda eingenommen hatten. Zwar hat der Sultan nunmehr, der Rot gehörajtmb, nicht dem eigenen Triebe, bie in seinem Tienfi befindlichen Europäer, deren Berufung die Ursache dcS Aufstandes ist, entlaßen, aber schon meldet man auS Melilla, der Kronprätendent Ijabe verkündet, daß er sich in Fez zum Souverän erklären laßen luerbe. Ja, wie weiter gemeldet wird, richtete der Prätendent sogar bereits an den Vertreter des Sultans für auSivärtige Angelegenheiten in Tanger, Mohammed Ben el Arbi et ToreS, ein Schreiben, in loeldjem er denselben ersucht, ihn zum Sultan ausrufen zu lassen. Tie streikenden Arbeiter in Holland unb Italien gedachten einen gewaltigen Generalstreik zu inszeliieren,ang^sichts ber entschlossenen Haltung der Arbeitgeber jedoch und des entschiedenen AusiretenS der Behörden gaben sie schließlich klein bei. So leichtfertig im Haag sowohl wie in Rom der AuSstand vom Zaune gebrochen worden war. so groß i t bie Wieher Lage, die bie Ausständigen erlitten haben, insbe onbere in Holland. Hätte sich die Kammer durch ben Ausstaitd ob halten lassen, den Gesetzentwurf, ber bie Verabredung von Eisenbahnausständen unter Strafe stellt, zu erledigen, so würde das gleichbedeutend mit einer Abdankung vor der rohen Qteioalt gaoefen sein und den ganzen Parlamentarisinus bloß- gestellt haben. Schon aus diesem Grunde mußte über manches hiiiweggesehen werden, was unter normalen Verhältnissen nicht in das Gesetz gekommen wäre, und so haben es sich bie Arbeiter selbst zuzuschreiben, wenn das Gesetz schärfer ausgefallen ist, als von vornherein zu erwarten war. Während heute, Uilontag, die Aussperrung der holländischen VirbeUer ihr Ende nehmen sock, der Hafenbetrieb al lei utlj alben wieder beginnt und von heute an Waren aus Deutschland, Franlreicb und Belgien nach Amsterdam wieder verfrachtet werden können, womit die Beschränkung im Wareniraiisport für die Staatsbahnen wegsallen, kommt aus Krefeld die Meldung, daß in Krefeld und Viersen 107 Betriebe mit zusammen 25 000 Arbeitern zum 4. Mat die allgemeine Sperre verkündeten, weil die ftreilenben Aroeiter emes Betriebes trotz des von ihnen selbstgewollten Schiedsspruches des Einigungsamtes weiter |ueitteiL Angcjicl>ts des Elends, das zahireick-en ßamdien drohte, besannen sich die Streikenden sofort eines Besseren und bejü-lossen, heute zur Arbeu wieder anzutreten. Tie gemapregecken Arbeiter aber verzichteten auf Wiedereinstellung. So wird denn dort eine MassenauLsperrung nicht enureten. Hier aifo waren die Arbeiter im rechten Augenblick die Klügeren. Derartige Vorgänge sind überaus lehrreich und follten, bei der immer mehr zunehmeiiden Streitlust in allen Ländern, die Arbeiterführer davon abhalten, aus bloßer Temonstratrons- sucht AnSsiände herbeizufuhren, deren Wirtschafnichc Rach- teiie rn jebem Falle bie Vorteile, mögen jie nun ideeller ober materieller Ratur sein, überwiegen. Allzu fchors macht eben sck-arng! Polilisüie €uyes|d)au. Tai Ueberroudjern bei florpiflubeuttntumi in ber preußischen Verwaltung, wie es kürzlich von dem Organ der Korps, „Akad. Monatshefte", heroor- gehoben wurde, hat die „Bursck-enschaftl. Blatter" auf den Kampfplatz gerufen. Sie schreiben u. a: „Tag eine so große Zahl alter Korpsburschen es bis zum Regierungspräsidenten gebracht hat, beiveist dreierlei: L Daß die VerwaltungSkarriere in Preußen eine Sache angemessener Geldmittel, guter atLger Beziehungen und lobenswerter Korpskonnextonen ist. Alles drei liefern und leisten die Korps, die bei der Besetzung von Höheren Verwaltungsstellen in Preußen in Frage kommen (Vandalia, SaL0-Boru>s.ch Borussia-Bonn, SaLonia-Göt- tingen rc.). i^s beiveist 2., daß die alte Oxenstjernasche Lebensweisheit, es sei nicht eigentlich ein großes Maß von Kenntnissen zum Weilreg.eten nötig, bei uns zurzeit in günstiger Entwicklung sich befindet. Denn daß die Korps gerade auf wi.s^usu^ftteche Ausbildung ihrer Mckoliedrr Gewicht legten, das wurde namentlich von den vornehmeren Korps a.s eine unjtemliuK Zumutung abgelehnt werden. ö. beweist es unseres Erachtens, daß die preußische RegierungSmc.schme nach einem euvas eui,e.tigen Sy,i^m gebaut i|t uno daher Gefahr lauft, bei komplizierten pmiiischen Vorgängen zu ver,agen, wicht.gen vtelsi.it.gen Kuckuraufgaoen nicht gerecht zu iverden, überhaupt eine nicht gcreu/te Bevorzugung verwandter, v-ckschwugcrter oder vei|iW>;er Kruis. im ganzen ^laaisorgauismus jhstemat.sch ourchzufu^ren, d.e mehr jenen ÄTui(e.i a.s drin otafliSiih-jcn zu gute kommt." t ------------- Wahl-Bewegung. — Nach einer Meldung ber bauernbündkerischen .Volks» wachf hat ber Bunb ber Lanbwirte für ben Wahlkreis Offenbach-Dieburg ben nalionaUiberalcn LandtagSato Schöne berger als Reichslagskanbibaten aufgeitcllL a. Marburg, 19. Apnl. Der konservaiioe unb bet dünblensche Reichstagslanbibat für ben hiesigen Wahlkreis Frhr. v. PappenHelm-Liedenau stellte sich gestern nachmittag feinen Marburger Wählern vor. Seme Ausführungen bewegten sich ganz un Rahmen beS Programms ber konservativen Partei. Er betonte wieberholt, baß er zu ber jetzigen Regierung nicht das mindeste Vertrauen habe, und baß eS mit berselden voraussichtlich zu schweren Kämpfen kommen werbe, vor benen er nicht zurückbebe. An einen weiteren Ausbau ber sozialen Gesetzgebung von Reichsivegen dürfe nur mit äußer ft er Vorsicht herangegangen werden, dies sei ben Einzelstaaten zu überlassen. Eine Besierung ber Reichssinanzen müsse durch eine ausgebildete indirekte Besteuerung bewirkt werden, besonders auf Luxusartikel, wozu er auch Bier und Tabak rechne. Ueber feine Stellung zum allgemeinen, gleichen, direkten, geheimen Wahlrecht sprach er sich nicht auS. — Die Versammlung, die von Justizrat Handschuh eröffnet unb geleitet würbe, war nur schwach besucht. — Die Frage, ob Personen, bie am 16. Juni b. I. ihr 26. Lebensjahr zurücklegen, zur Teilnahme an ber ReichSta gSwa hl berechtigt finb, ist zu bejahen. Bisher waren bie Staatsbürger, bie erst am Wahltag die Wahlmün- bigkeit erreichten, allerbmgS nicht wahlberechtigt. 9tach bem damals geltenden Recht wurde bei bet Berechnung deS Lebensalters ber Tag ber Geburt nicht mitgerechnet, unb da ber § 1 beS ReichStagSwahlgesetzeS {eben Deutschen, ber das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, für wahlberechtigt erklärt, so war diese Voraussetzung für bie am 16. Juni 1878 Geborenen erst mit bem Ablauf beS 16. Juni 1898 erreicht. Run kommt aber § 187 beS inzwischen erlassenen Bürgerlichen Gesetzbuchs in Betracht, nach bem, falls ber Beginn eines Tages ber für ben Anfang einer Frist maßgebenbe Zeitpunkt ist, bieser Tag bei ber Berechnung der Frist mitgerechnet wirb. Es wird bann noch ausbrücklich hinzugefügt, daß dieS auch bei ber Berechnung des Lebensalters von bem Tage ber Geburt gilt. Danach ist eS nicht zweifelhaft, baß die am 16. Juni 1878 geborenen Personen bei den bevorstehenden Wahlen wahlberechtigt sind unb in bie Wählerliste^ ausgenommen werben müssen. Nos, Richarb, ReichSoerfassung unb Reichs- tagSwahlrecht. Was jeher Wähler bavon wissen muß. Mit Anhang; Statistik ber ReichStagSwahlen, Verfassung unb Wahlrecht ber hauptsächlichsten anberen Staaten. Freiburg i. Br. Fr. Paul Lorenz. 1903. 50 Pfg. — Auf die ReichStagSwahlen vorzubereiten unb inSbefonbere auch jenen Anregung zu geben, bie baS ihnen zustehende Recht nicht gekannt ober nicht hinreichend gewürdigt haben unb demgemäß von den Wahlen femgcblieben sind, baS ist ber Zweck biefefl Büchleins. Internationaler Kongretz gegen den LtltoholismnS. IV. Bremen, 17. April. Eine- der wichtigsten Kapitel des Kongrrsses, die Frage der Entmündigung wegen Trunksucht, grla. gte heute zur Derhaiidlung. Tas dteferat erstatteten Prof. Tr. Gramer (Göttingen) und Pros. Tr. jur. Endemann (Halle a. S.). Tie Referenten führten aus, daß nach dem deutschen Gesetz die Eiitniündigung meßen Trunksucht nur sehr selten plaßgreife, weil man sich scheut, sie zu beantragen, und die Gerichte sie nur bei völliger Handlungsunfähigkeit aussprechen. W-aldschmidt (Berlin,), Pros. F^rel und Asmussen gaben übereinstimmend der Ansicht Ausdruck, daß die Heilung durch Rettungsvereine viel leichter und wirksamer Qurchzusnhcen fei als in Anstalten. Tr. Taum ton stuckerte, baß die deu.scheu Juristen zu demselben Resultat tonunen wie die österreichischen. Am wichtigsten sei es, die Kinder den trunkiüchtigen Eltern »u entziehen. Rach neuesten statistischen Taten ist die Hälfte von Kindermißhandlungen auf die Trunksucht der Eltern zurückzuführen. Ueber die Gasthausresorm referiert sodann Bently (England). Er teilte mit, daß in England sechs Millionen in Temperenzwirtschaften mit 6 bis 7 Prozent investiert seien. Mehr als IbO üuü Bi.suchet weisen dic,e Gasthäuser auf, die Zahl der Bediensteten allein beträgt 3UOO. oitger (Goth.nburg, sprach über die Gasthausreform in Deutschland und v^rte^igre d.n Betrieb alL^freier Wirtschaften nach dem Go.h-nburger System, das den Privat- gewmn ausschließt uno durch Gründung von Vereinen für ir-asthausreform eine Zentralisierung in der Erhaltung dieser Wirschaften anstr.bt. Z-Hlrckche bi.bner sprachen sich für alk^hcksreie Wirtschaften aus. Tr. Taum brachte den Mi- nisteckal^rlaß vom topnl 19J2 zu Gunsten der Konzessto- nierung aiL^l;r.ier Wirtschaften in Wien zur Berlcfung. Ten Vois tz fah.te heute auch wähtend der in englischer Sprache geführten Verhandlungen Vizeptäsck>ent Tr Fröhlich. z..e ernsten Kongreßa.b.iten criit.en geftern abenb eine angen.hme unteto..ujui;g. on b.ii ^jurulljihen fand das Wil dem Gutt^n.vteiotoen veranstalt.te F r ü hl i n g s f est statt, das sich za einer Massen'unog.bung für Die Bestreb- rngen bet alkoholfreien Vergnügungen gestaltete. Die riesigen Säle waren von tausenden von Besuchern dicht gefüllt. Festaufführungen musikalischer und theatralischer Natur lösten einander ab. Nach den Begrüßungsansprachen betrat Prof. Hueppe (Prag) die Rednertribüne und gab die Erklärung ab, daß er seine Ansicht, die Abstinenten seien Asketen, wohl modifizieren müsse, denn eine solche, von ungezwungenster Festfreude getragene Massendemonstration sei Wohl der beste Beweis gegen seine frühere Auffassung. Stürmischen Beifall fanden die SkioptiLonbilder unter dem Titel: „Cingefangene Guttempler aus nah und fern". Sie zeigten die Führer der Abstinenzbewegung, Eine Wiener Straßenszene, in deren Vordergrund die bekanntesten Wiener Abstinenzler sich befanden, wurde besonders akklamiert. Bremen, 18. April. Heute nachmittag fand im Gewerbchause eine öffentliche Versammlung der Vorstände der Trinkerheilstätten statt. Pastor Kruse (Lindorf) berichtete über Geschichte und Bestand der Trinkerhellstätten in den verschiedenen Ländern. In Deutschland gicbt es danach zurzeit 46 Anstalten. Sanitätsrat Tr. Schaefer (Lengerich) referierte über die gesetzlichen Bestimmungen zur Unterbringung von Trunksüchtigen. Direktor Dr. Frank (Münsterlingen- sprach über die ärztliche Seite der Trinkerbchandlung. Redner steht auf dem Standpunkt, daß die Trunksucht kein Laster und keine Leidenschaft sei, sondern eine Geisteskrank- heit, die die Funktionen der Gehirntätigkeit beeinträchtige und die Moral und den Willen untergrabe. Deshalb solle man den Trinker nicht als Lumpen und Sünder behandeln, sondern lediglich als krank. Ueber die sittlich-religiöse Seite der Trinkerrettung referiert Pfarrer Neumann (Mündt). Die Frage der sittlichreligiösen Einwirkung auf die Trink- oder Trunksüchtigen, so führte Redner etwa aus, dürfe auch in einem Ztongreß nicht unberücksichtigt bleiben, der interenational, interkonfessionell und vielleicht sogar interreligiös sei; sie müsse besprochen werden, weil die Behandlung der Trinkfrage doch möglichst allseitig sein solle und weil die Erfahrung ge- zeigt habe, daß der höchste Prozentsatz dauernd geeilter Trinker dort zu finden sei, wo es gelungen sei, den ganzen Menschen zu packen, wo die ärztliche und die sittlich-religiöse Behandlung sich ergänzten. (Beifall und Zustimmung). Mancher wäre nicht ein Opfer des Alkohols geworden, wenn er in einem christlichen Familienleben einen sittlichen halt gefunden hätte. (Beifall.) Die Unmäßigkeit ist es ja, die mit den Forderungen des Sttlengesetzes in einem unvereinbaren Gegensatz steht; sie ist aber auch der Nährboden, auf dem die verschiedensten Bazillen für alle möglichen Seelen- und Leibeskraniheiten gezüchtet werden. Wenn man sich die Erfolge vergegenwärtigt, die außerhalb der Anstalten, ohne fachmännische ärztliche Leitung erzielt worden sind, so wird man zugestehen müssen, daß die Bedeutung der sittlich-religiösen Ernwirlung auf die Alkoholkranken gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. (Beifall.) Und so denke ich, wenn wir zu den Waffen, die uns die Wissenschaft liefert, auch noch die übernatürlichen Heilsmittel hin- zunehmen — jene in 20 Jahrhunderten bewährten Heilsmittel (Beifall) — dann wird es uns gelingen, den neuen gemeinsamen Feind zu überwinden. (Lebhafter Beifall.) Zum Schluß sprach noch Dr. Fock (Hamburg- über den Be- griff der Heilung in der Behandlung Alkoholkranker. I» der Diskussion wurde mehrfach betont, oaß mindestens ebenso wichtig wie die Behandlung der Trinker in den Anstalten die dauernde Wirkung aus pie entlassenen Trinker in den Ab- stinenzvereinen sei. Bremen, 19. April. Der internationale Kongreß gegen Alkoh^lismus wurde Heute geschlossen. In der Schlußsitzung dankte Prof. Forell nochmals der Reichsregierung und der Stadt Bremen für die Unterstützung, woraus Bürgermeister Pauli erwiderte. Der nächste Kongreß soll im Jahre 1905 inBuda - pe st abgehalten werden. Aus ^tuUt und Lliilö. Gießen, 19. April 1903. ** Parlamentarisches. Die Abg. Schönberger tinb 22 Genossen beantragen: „Hohe Kammer wolle die Großb. Negierung ersuchen, alsbald dem Landtage cm Gesetz vorzulegen, das die Uebernahme der Volksschullasten auf den Staat anordnet, auf der Grundlage, daß sämtliche persönliche Volksschnllasten durch progressiv adgesluste Zuschläge zur staatlichen Einkommensteuer für das ganze Land gleichmäßig aufgebracht werden." — Der Abg. Wolf beantragt: Hohe Kammer wolle die Großh. Regterung ersuchen, die Verordnungen lt. Artikel 9 vom 23. Januar 1844, Art. 4 vom 8. Dezember 1852 und die gleiche Verordnung lt. Amtsblatt des Großh. Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen, im Amtsblatt Nr. 41 vom 10. November 1899 nicht auf die zeitlichen, vorübergehenden, landwirtschaft- lichen Kulturoeränderungen anzuwenden, sondern sich in diesen Fällen mit einer Schätzung des Inhaltes der in Frage fommn- den Kulturveränderungen durch die Feldgejchworenen zu begnügen. Mainz, 18. April. Gestern nachmittag wurde hier auf einen Steckbrief der Staatsanwaltschaft Hanau ein Reisender verhaftet, der nach Unterschlagungen von mehreren tausend Mark flüchtig gegangen war. — Die hiesige Polizei fahndet auf einen Falschmünzer, der gestern in Gemeinschaft mit einem anderen in Höchst den Versuch gemacht hatte, falsche 20-Ma r kst ücke zu verausgaben. Einer der Falschmünzer ist bereits verhaftet. — TaS Gesuch bet beiden kommunalen Vereine des Vereins Altstadt und des Vereins für Gartenfelder Angelegenheiten an die Stadtverwaltung um Herabsetzung des GaSpreiseS — er beträgt gegenwärtig für Leuchtgas 18 Pfg. und für Koch- und Jndustrie- gaS 12 Pfg. pro cbm. — wurde von der GaSdeputation abschlägig beschieden. Im abgelaufcnen Jahre betrug der Reingewinn an unseren beiden Gaswerken 174 000 Mk. — Die Reifeprüfung bestand als erste Abiturientin Ella Wolf-Alzey am Ostergymnasium, wo sie die Zulassung erst nach mehrmaligen Abweisungen erlangen konnte. Fra nkfurt a. M., 18. April. Anläßlich deS hundertjährigen Bestehens der Musterschule (Reformgymnasium) und der Elisabethenschule (höhere Töchterschule) fand heute vormittag im Saalbau eine gemeinsame akademische Feier statt, der als Regierungsoettreter Ober- präsideitt von Zedlitz-Trützschler, als Vertreter der Stadt Bürgermeister Dr. Varrentrapp und Stadtrat Grimm beiwohnten. Die Feier war außerordentlich stark besucht. Der Vorsitzende des Festausschusses Tr. med. Knoblauch begrüßte tUe Erschienenen. Die Direktoren Rehorn von der Elisabethen» schule und Walter von der Mufterschule hielten ebenfalls De- grüßungS-Ansprachen, Oberpräsident von Zedlitz-Trützschler sprach namens der obersten Schulbehörde und der königlichen Staatsregierung, die den beiden Schulen wärmstes Interesse entgegenbringe und vollste Anerkennung zolle. Redner feierte Frankfurt als Schulstadt par excellence. Bürgermeister Dr. Varrentrapp sprach für die Stadtverwaltung, Stadtrat Grimm für das Kuratorium der höheren Schulen. Ferner sprachen Rektor Birdt von der Universität Marburg, Rektor Krüger von der Universität Gießen, Rektor Pfarr von der technischen Hochschule Darmstadt, Rektor Morff von der hiesigen Sozialakademie, zahlreiche hiesige Schuldirektoren und Vertreter von Vereinen, Kommerzienrat Andreae-Passaoant für die Handelskammer usw. Im ganzen wurden 22 Reden gehalten und u. a. von einer Jubiläumsstiftung Mitteilung gemacht, welche begabten Schülerinnen und Schülern nach Verlassen der Schule zur Weiterbildung verhelfen soll. Die Stiftung rühtt von ehemaligen Schülern her und beträgt für die Musterschule 28 000 Mk., für die Elisabethenschule 23 000 Mark. Gesang eröffnete und beschloß die Feier. Hanau, 18. April. Eisenbahnminister Budde war heute hier anwesend und nahm eine eingehende Besichtigung der hiesigen Bahnanlagen vor. Mittags fand ein Diner zu 12 Gedecken im Ostbahnhof statt. Man erhofft von der Besichtigung eine baldige Verbesserung der hiesigen für den heutigen Verkehr nicht mehr zulänglichen Bahnanlagen. «Hessischer Kberleyrertag. X Gießen, 20. April. Nachdem am Freitag der Bierabend, über den wir bereits berichtet haben, einen wohlgelungenen Verlauf genommen hatte, fand am Samstag vormittag die Hauptversammlung des Vereins akademisch gebildeter Lehrer im Großherzogtum Hessen statt. Pünktlich um 11 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Oberlehrer Block-Gießen, die Sitzung. Er hieß zunächst die erschienenen Teilnehmer und Gäste herzlich willkommen und begrüßte besonders Provinzialdirektor Dr. Breidert, Herrn Prorektor Prof. Dr. Hansen als Vertreter der Landesunioersität, sowie die anderen anwesenden Universitätsprosesforen, ferner die Vertreter nicht- bessischer Landes- und Provinzialvereine akademisch gebildeter Lehrer, unter ihnen Direktor Dr. Keller-Freiburg, Prof. Dr. Cramer- Heilbronn und Prof. Dr. Lohr- Wiesbaden. Leider war es, wie Geheimer Oberschulrat Nod- nagel dem Vorsitzenden mitgeteilt hatte, diesmal der hessischen Regierung nicht möglich gewesen, einen Vertreter zu der Versammlung zu entsenden. Provinzialdirektor Dr. Breidert dankte für die Einladung und hieß die Versammlung im Namen der Provinz Lberhessen und des Kreises Gießen willkommen. Aus der Rechnungsablage des Oberlehrers Ritsert-Darmstadt, die darauf erfolgte, erwähnen wir nur, daß erfreulicherweise alle zum Eintritt Berechtigten dem Verein als Mitglieder angehören, und daß die Mitgliederzahl zurzeit 546 beträgt. Der Vorstand, dem seither aus Starkenburg angehörten die Herren Oberlehrer Prof. Dr. Becker-Darmstadt, Prof. Heddacus- Darmstadt, Prof. Tr. Keu tzer-Offenbach, Tr. Ne ß lin g- Darrnstadt und Ritsert- Tarmstadt, aus R h e i n h e s s e n Prof. Dr. Beck-Mainz, Prof. Dr. Denig - Mainz, aus lberhessen Block-Gießen und Prof. Grein-Friedberg, umrde nahezu einstimmig wiedergewählt. Auf die Einladung des Darmstädter Oberlehrervereins hin, die Oberlehrer Hensing überbrachte, wurde Darmstadt zum Ort der nächsten Hauptversammlung bestimmt. Oberlehrer Block berichtete sodann über das dbgelaufene Vereins- jahr und teilte u. a. mit, daß die Verhandlungen wegen der Veranstaltung eines allgemeinen Oberlehrer- tages soweit gediehen seien, daß wohl der erste noch in diesem Herbst in Halle a. S. im Anschluß an die Versammlung deutscher Philologen und deutscher Schulmänner statt- inden könne. Große Freude erregte die Nachricht, daß eine Sammlung von Gesetzen und Verfügungen über das höhere Schulwesen Hessens von Geh. Oberschulrat Nodnagel oeben erschienen sei. Durch, diese Festesgabe hat die Regierung einen schon lange bestehenden Lieblingswunsch der Oberlehrer erfüllt Es folgte darauf ein überaus anregenden Vortrag von Prof. Dr. Strack über „Aufgaben und Bedeutung der Volks künde". Ter nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Beschlußfassung über die von Oberlehrer Dr. Messer-Gießen auf der letzten Hauptversammlung in Mainz aufgeftellten Leitsätze über die Berechtigungsfrage. Nach einer lebhaften Erörterung, an der sich besonders Direktor Tr. Mangold- Darmstadt, Prof. Dr. Stand in ge r-Darmstadt und der Antragsteller beteiligten, wurden von den drei Sätzen die beiden ersten in folgender Fassung angenommen: 1. Es empfiehlt sich die Gleichstellung der Realgymnasien und Overrea.schulen mit den Gymnasien hinsichtlich der Zulassung ihrer Abiturienten zur Immatrikulation, zu Staatsprüfungen und Promotionen. 2. Zunächt erscheint der Grundsatz der Gleichberechtigung praktisch durchführbar bezüglich der juristischen und )hitosophifck)cn Fakultät. Der erste Satz wurde gegen eine, der zweite gegen 54 Stimmen angenommen. Ein weiterer Dortrag von Oberehrer Roller- Darmstadt über „Kurzsichtigkeit und Schulbücher druck" zeigte, daß gerade in den höheren Schulen die Kurzsichtigkeit unter den Schülern sehr häufig t und daß daran nicht zum wenigsten der ost den ein- ach sic n Regeln der GesunoyeitSlehre widersvreck-ende Buck)- druck die Schuld trägt; eine Waiidlung und Besserung sei hier erst durch ein entschiedenes Eingreifen der Regierung zu erwarten. Am Schlüsse wurde der Antrag des Oberlehrers Schierholz-G.eßen, den settherigen Namen des Vereins: „Verein akademisch gebildeter Lehrer im Groß- Herzogtum Hessen" in „Hessischer Oberlehrer-Verein" umzuwandeln, einstimmig angenommen. Unmittelbar an die Verhandlungen schloß sich ein gemeinsames Mittagsmahl an. Tie Reihe der Tischreden eröffnete der Vorsitzende mit einem Hoch auf den LandcSherrn- Pros. Tr. Beck-Mainz braüjie einen Trinkspruch aus auf die Herren Universitätsprofessoren, in deren Namen Prof. Dr. H a n | e n banke. Prof. Tr. Keutzer sprach auf die nicht- hesssschcn Gäste, für die Prof. Dr. Cramer-Heilbronn dankte, Prof. G r c i n-Friedberg auf den Gießener Ober- lehrerverein, Prof. Tr. Ltaudiuger auf den Vorstand dcs Gesamtixreins, besonders auf den Verätzenden, B.ock, und >en Schriftführer Ritsert, auf deren La,uttern die Haupt- lall der Gesck-aftSführung ruhte. Am Abend vereinigte ein AbschiedStrunk einen großen Teil der Festgenossen im Saale deS Hotels „Grvßherzog von Hessen": Dazu hatte ich Provinziaidirektvr Tr. Breidert wieder eingtfunben, oivie Hrci» amt mann Dr. Kranzbühler. Tie launigen Vorträge deS Pros. Tr. Nover-Mainz, der auch die sonstigen Veranstaltungen durch seinen Humor verschont hatte, machte den Gästen den Abschied besonders schwer. Tie Beteiligung an beiden Tagen war in flnbetraebt der ungünstigen Sage von Gießen recht rege. An der Hauptversammlung nahmen über 170 Personen teil. Ohne Zweifel hat diese Zusammenkunft das Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht allein der hessischen, sondern auch der gesamten deutschen Oberlehrer neu gestärkt und go -l'tigt 2>er Kerem Hessischer Zahnärzte. (Ausführlicher Eigenbericht.) R. B. Darmstadt, 19. April. Ter Verein hessischer Zahnärzte, der eine sehr stattliche Anzahl von Derussgenoisen in den verschiedenstenTeilen des Reiches zu seinen Mitgliedern zählt, hielt gestern und heute hier seine 9. Jahresversammlung ab, mit der zugleich ein achttägiger Fortoildungslursus verbunden ist. Ter erste Vorsitzende des Vereins, G. Koch L aus Gießen, begrüßte die im Physikalischen Hörsal der Technischen Hochschule Versammelten mit herzlichen Worten und warf dann einen Rückblick auf das verflossene Bereinsjahr, dessen schönster Erfolg die am 1. Dezember v. I. vollzogene Eröffnung einer Poliklinik für die Zahnpflege der Kinder in den Darmstädter Volksschulen sei. Tann begannen die wissenschaftlichen Vorträge. Ten ersten hielt Zahnarzt Günther-Bonn über Mund- und Zahnpflege. Redner betrachtet als Hauptaufgabe einer rationellen Mund- und Zahnpflege die täglich mehrmalige Reinigung des Mundes mit gut warmem Wasser, und das Putzen der Zähne und des Zahnfleisches mit einer nicht zu harten Bürste; für die sorgfältige Reiniguna der Zwischenräume der Zahne seien pfeilartige Zahnhölzchen zu verwenden, mit denen besonders die Zahnfleischzipfelchen bearbeitet werden müßten. Eine Behandlung der Zähne mit kaltem Wasser empfehle sich nicht, es werde auch dadurch keine Kräftigung der Zähne erreicht, wie man vielfach annehme. Pflicht der Eltern fei es, ihre Kinder frühzettig an die einfache Prozedur des Zähneputzens mit warmem Wasser zu gewöhnen, wobei man auch Zahnpulver aus Kreide verwenden könne. Durch einige Tropfen Karbol im Wasser werde auch jeder Fäulniserreger irn Munde zerstört. — Ten. zweiten Vortrag hielt Michel- Würzburg über Artikulatoren, wobei der Redner einige interessante fachwissenschaftliche Demonstrationen torfühtte. Herr S to ck-Tarmstadt sprach dann noch über die Anwendung von Kali hydricum eornpositurn und Herr Alb recht-Marburg zeigte verschiedene neue Instrumente für die Zahnheilkunoe, verknüpft mit pralttschen Demonstrationen vor. Den interessantesten Teil dar Sitzung blldete nach einer längeren Frühstückspause ein Projettionsvortrag von Prof. Wal kho ff-München über „Tie ältesten menschlichen Knochenreste und ihre Bedeutung für die Abstammungslehre des Menschen." Der Redner hat sich neben seinem zahnärztlichen Beritt lange mit anthropologischen Studien beschäftigt und versuchte unter Demonstrierung einer großen Zahl von teilweiser mit Hilfe der Röntgenstrahlen gewonnener Lichtbilder den Nachweis zu führen, dag die Darwin sche Theorie von der Asfenabstammung des Menschen wissenschaftlick) unhaltbar sei. Sowohl der altdiluoiale Menschenrest aus dem Neaichertal bei Düsseldorf, wie Knochenreste aus dem Schipkatal und die Schädelsuiidc bei Spy in Belgien bewiesen im Gegensatz zu Virchows Anschauung, daß diese ältesten Kiwchenreste einer zwar anders gearteten, aber doch einer Menschenrasse angehörten. Ter Redner kommt auch auf Grund zahlreicher anberroeitiger Merkmale zu dem Schluß, daß die vorgeführten b.luoialen Knochenreste einer eigenen Gattung Honro angehörten unb daß diese Ureuropäer und der Afse höchst lvayrscheinlich zwei entgegeiigesetzte Zweige eines und desselben untergegangenen, bis jetzt nicht aufgefundenen Urstammes bilden. Ter höchst interessante Vortrag wurde mit lautem Beifall belohnt. Am Nachmittag um 5 Uhr fand ein gemeinsames Festmahl mit Tarnen im „Darmstädter Hof" statt. — Zu den heute vormittag fortgesetzten wissenschaftlichen Vorträgen waren auch als Regieruirgsvertreter Lbermedizinal- rat Dr. Neithardt unb Geh. Rat Krause erschienen. Zuerst sprach Prof. Por t-Heibelberg über die Verwendung der Röntgenstrahlen in der Zahnheilkunde, wobei er unter Vorführung interessanter Lichibilderdemonstrationen eine Reihe praktischer Winke für die Benutzung der Röntgen- trahlen gab. Tann sprach Zahnarzt Dill-Liestal uuer „Kombinierte Füllungen" und „Eh.oplastische Arbeiten", worauf Dr. Lautz-Tarmstadt verschiedene Erfahrungen über die Anwendung der Röntgenstrahlen mitteilte. Mit Worten herzlichen Dalikes an alle Vortragenden sckloß darauf Herr G. Koch I. aus Gießen die diesjährige Tagung. Ein Mittagsmahl im „Darmstädter Hof" Bereinigte darauf noch einmal die Mehrzahl der Tellnehmer in geselliger Weise. Derinischles. • Schwerin t Mecklcnbg., 19. April. Maurer fließen beim Abbruch eines Hauses im Keller auf einen Sarg, der ein menschliches Gerippe enthielt. Eine Untersuchung wurde eingeleitct • Dresden, 18. April. Die „DreSd. N. N." erfahren aus authentischer Quelle, daß bezüglich deS zu ermattenden Kindes der Prinzessin Luise der König unb der Kronprinz vor längerer Zett beschlossen haben, baS Kind, welches ber königlichen Familie gehört, vorläufig bei der Mutter zu lassen. * Kopenhagen, IT. April. Gestern abend übersielen drei dcusche Fleischergesellcn Straßenpassanten unb töteten einen unb verwunbeten mehrere berselben mit langen Flcischermesscrn. London, 17. April. Die neue Segelyacht „Dham». rock 3", welche der Millionär unb Freunb Königs Eduard, Sir Lipton, zur Konkurrenz um den Amerckapokal erbauen ließ, erlitt gestern bei ihrer Probefahrt bei Weymouth schwere Havarie. Ein gewaltiger Windstoß brach den Hauptmast unb riß einen Matrosen über Borb, welcher ertrank. Lipton unb mehrere MannschaftSmitglieber trugen mehr ober weniger chwere Verlegungen davon. * Pari«, 18. April. Bei dem gestern zwischen den beiden Schriftstellern Villars und Lassa y stattgehabten Duell erhielt letzterer beim dritten Gange einen Stich in den Unterleib, worauf der Kampf eingestellt wurde. e San Remo, 18. April. Der verhaftete frühere deutsche Ofsizicr Wessel erflärtc, daß alle in seinem Besitz befindlichen die D re yf u S - A f f är e betreffenden Dokumente in Brüssel in Sicherheit gebracht seien. Ti, französischen 'Jlationaliftcn hätten ihm für die Ueberlassung derselben 10000 Fram» geooten, um die kompromittierenden Schriftstücke zu vernichten. Wessel erfläne ferner, Beziehungen zu pCTtrg gehabt tmb von roetterm Fälschungen desselben Kennt- niS zu haben. Der Verhaftete wirb nach Genua transportiert werden, doch dürfte die italienische Regierung seine Auslieferung wahrscheinlich verweigern. • Mont Lucon, 19. April. Gestern erfolgte in einer hiesigen Eisengießerei eine Explosion, wobei zwei Arbeiter getötet wurden. * Taschkent, 17. April. Sech? bewaffnete Männer drangen abends in ein hiesiges Geschäft em, raubten die Kaffe und verwundeten den Wächter schwer. Die Täter entflohen. • Der in Essen verhaftete Fähnrich Hüssener, der den Artilleristen Hartmann erstochen hat, ist durch einen Oberleutnant deS Schulschiffes Blücher nach Kiel transportiert roorben. Da man Demonstrationen befürchtete, wurde, yach einer Meldung au« Essen, die Abfahrt geheim gehalten mb Hüssener in einer Droschke nach Alteneffen geschafft, weil große Menschenmengen bie bciben Essener Bahnhöfe besetzt hielten. Von Alten-Effen au8 brachte man Hüssener mit bem Hamburger Schnellzuge nach Kiel. Trotz aller Vorsicht hatten sich auch auf bem Alten-Effener Bahnhose zahlreiche Personen eingefunben, die laute Schmährufe auf Hüffener auSsließen. Verhaftungen Lärmender seitens der Polizei erfolgten nicht. In Kiel ist Hüffener in die GarnisonS-Arrestanstalt überführt worben. • Zu der Konitzer Mordaffäre meldet ein Telegramm, daß die gefundenen Knochen des ermordeten Ernst Winter, sowie auch der gefundene Stiefel von der Staatsanwaltschaft deschlagnahmt wurden. An den Vater Winters, den Bauunternehmer Winter in Prechlau, wurde von der Staatsanwaltschaft der gefundene Stiefel, neben dem auch die Knochen lagen, gesandt, mit dem Ersuchen, sich darüber zu äußern, ob der Stiefel seinem Sohne gehört hat. Die einzelnen Leichente,le und Kleidungsstücke Winter« wurden in folgender Reihenfolge aufgefunden: 13. Marz 1900: Rumpf (erst Oberkörper biß unter die Rippen, da« Rückgrad durchsägt, später der untere Teil deS Oberkörpers und die Gefäßdacken). Fundort: Spüle am Mönchsee. 16. März 1900: Der rechte Arm. Fundort: Seitentür des evangelischen Friedhofes. 16. März 1900: Der rechte Oberschenkel. Fundort: im Mönchsee. 15. April 1900: (1. Öfter- feiertag.) Der Kopf. Fundort: ein Graben hinter dem Stadt» wäldchen. 9. Januar 1901: Jacket, Weste, Taschentuch. Fundort: Tannenschonung am Zechlauer Wege zwischen SchützenhauS und Wilhelrnmenhöhe. 13. Januar 1901: Hose. Fundort: Konvlktgarten, dicht am Zaun, nach dem Konvikt zu, zwischen Mönchsee und Stadtschule. 14. Januar 1901: liebediener. Fundort: Hofwinkel an der Latrine der Stadtschule (Mädchenschule) nach der Wallgaffe zu. 16. April 1903: linker Arm, linkes Bein, rechter Unterschenkel, Stiefelreste. Fundort: Latrine der Stadtschule (Knabenschule), und zwar unterhalb der Retiradenöffnung. • Ertrunken. Nach einer Meldung auS Hamburg kehrten drei junge Leute aus Hamburg, die in Leumühlen mü einem MtetSbot auf den Elbstrom hinauSruderten, nicht zurück. Daß Bot wurde mit dem Kiel oben treibend im Finkenwärder Loch aufgefunden. Die Jnsaffen sind wahrscheinlich ertrunken. • Zu der Angelegenheit der Prinzessin Luise von Toskana weiß ein Genfer Blatt zu berichten, daß bie Affäre nunmehr vor ihrem letzten Stadium angelangt sei und biß Ablauf dieses Monats ihre definitive Lösung finden werde. Tie juristische Grundlage hierfür bilde ein von den Anwälten der Prinzessin verfaßtes l5Iahorat, in welchem die Ansprüche niedergelegt sind. Tie Formulierung ist derartig, daß ein Eimvano von sächsischer Seite kaum au besorgen ist. Man glaubt, daß gelegentlich der Anwesenheit des Königs Georg in Wien die Angelegenheit endgiltig ausgetragen werben wirb, lieber den Inhalt des Arrangements wirb noch strengste Geheiml^altung beobachtet. Doch wirb versichert, baß bie hauptsächlichsten Wünsche ber Prinzessin Berücksichtigung gefunben haben. • Auf der Moskauer Eisenbahn, etwa 200Werst von Moskau selbst entfernt, entgleiste ein mit zwei Lokomotiven bespannter Schnellzug. Der Gepäckwagen wurde vollständig zertrümmert und zwei Personen, die sich ohne BilletS emgeschlichen hatten, fanden auf der Stelle den Tod. In den anderen Wagen deß Zugeß wurden ein Rechtsanwalt, zwei Ingenieure und elf wettere Paffagiere schwer, zahlreiche andere leichter verletzt. • Neue Duellart. Zwei Gymnasiasten wetteifern um die Gunst eines Mädchens, das keinen von beiden bevorzugt. Um der Sache em Ende zu machen, beschließen sie, sich zu duellieren, und überlasten dem Mädchen die Waffen. ,Jhr duelliert Euch*, sagt eß nach kurzem Besinnen, „auf Zigarren. Wem zuerst schlecht wird, der muß auf mich verzichten l" UnivetMls-Nachrichtcn. ES ist nicht ohne Interesse, zu beobachten, wie bie soziale Frage ber Gegenwart als Lehrgegenstand an ben deutschen Universitäten einen immer breiteren Raum beansprucht. Eine birelte Behandlung biefer Frage kün- bigen z. B. bie Vorlesungen von Poos. Tr. Simmel-Berlin über „Sociologie mit Rücksicht auf fortale Probleme ber Gegenwart", von Pvof. Dr. Schumacher-Bonn über „Sozialpolitik", von Pvof. Dr. Oldenburg-Greifswald über bie „Soziale Frage", von Prof. Dr. Leser-Heidelberg über den „Sozialismus der Gegenwart", von Pvof. Dr. v. Schönberg-Tübingen über „Die soziale Frage" an. Auf allgemeiner Grundlage durfte sich auch das von Pros. Dr. v. Neumann-Tübingen angekündigte Kolleg über „Sozialismus und rwmmunismus, Geschichte und Kritik sozialistischer Anschau- ungen" bewegen. In den gleichen Rahmen gehört die Vorlesung von Pvof. Dr. Oncken-Gießen über „Epochen ber neuesten Ges chichte 1848 bis 1900 mit b e- sonb erer Rücksicht auf bie sozi ale Bewe gun g". Selbstverständlich nimmt die soziale Gesetzgebung Deutsche lands in der Erörterung des sozialen Problems der Gegenwart eine besonders hervorragende Stelle ein. Die Vorlesungen darüber sind zahlreich In dem Borlesunasver- Aeichuis der Universität Berlin allein finden wir folgende hierher gehörende: „lieber die wirtschaftliche und rechtliche Lage des heutigen Arbeiterstaiides" von Pvof. Dr. Schmoller, über „Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung in rechtlicher und sozialpolitischer Beziehung" von Prof. Dr. Zahn, über „Deutsches Arbeiterrecht" von Privaldozent Dr. o. Wenckstcrn, vhtb über „Die sozialpolitische Gesetzgebung des Tcutschen Reiches" (Reichs-LersickierungSrecht) tK>n Privatdozent Dr. Laß. In Heidelberg lieft Prof. Tr. Walz über „Tas Recht der Sozialgesetzgebung", in Bonn Pnvat- boAcnt Tr. Ceier-Somlo über „Die deutsche SoAialgesetz- gcrung" uni) in Tübingen Pros. Tr. v. Jolly über „DaS Recht ber deutschen Arbeiterversicherung". Änzelne Gebiete, welche das große Feld der sozialen Frage umschließt, behandeln u. a. Pros. Dr. v. Fuchs in Freiburg t B., der über „Tie Wohnungsfrage" lieft Tie „WohnungS- hygiene" ttakliert Privatdozent Tr. Wolpert Berlin, während Tr. Eberstadt-Berlin „Wohnungsfrage und städtische Bodenentwicklung" als Gegenstand einer Vorlesung an* giebt. Pros. Tr. Kirchner Berlin behandelt das „Reichsseuchengesetz", dem zweifellos ein wichtiger Platz in der sozialen Fiage gebührt. Allgemeiner, aber auch mit dem sozialen Pnoblem der Gegenwart ziisammenhäiigend sind u.-a . folgende Vorlesungen: „Deutschland als Industriestaat" von Tr. Wel^r-Berlin. „Moderne Agrar^o.ittk' von Dade Berlin, „Deutsche Handelsportlik und Well wirtschaft und „Tie deutsche Landwirlsckiafi und Industrie" von Prof. Dr. Lldenberg-Greifswalb. Hierher gehört auch eine von Prof. Tr. Hahn-Berlin angefünbigte Vorlesung: „Was lehrt bie Volkszählung von 19<0". Ter erst kürzlich als außerordentlicher Professor für Kunstgeschichte nau) Hall e berufene, b.sl>erige Direktor deS Deutschen Buchgewerbemusenniv in Leipzig und Privatdozent an der dortigen Universität, Tr. phil. Rudolf Kautzsch wird dem an ihn ergangenen Rufe als ordentlicher Professor desselben Fachs an die ethnische Hochschule in Darmstadt zum nächsten Wintersemester folgen. ©fridjtsfaal Klage-Androhung durch Po stkartcist straf* bar. Mit dieser Frage hatte sich das Schöffengericht in Liegnitz in einer Privatklage eines Kaufmanns baielbft mit einer Berliner Firma zu beschäftigen. Der Kaufmann sollte der Berliner Firma einen Schaden von etwa 4 Mk. ersetzen, der dieser durch Herabfallen eines Reklameschildes entstanden war. Der Kaufmann bestritt feine Zahlungsverpflichtung. Er empfing bann von ber Firma eine Postkarte folgenden Inhalts: „Herrn...... Wir benachrichtigen Sie höflichst, daß wir am 15. d. M. die Klage anstellen. Hochack;t* ungsvoll........" Durch diese Postkarte fühlte sich der Kaufmann beleidigt und verklagte den Schreiber der Karte wegen Beleidigung. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu 5 Mk. Geldstrafe. Ta öffentliche Beleidigung Vorlage wurde dem Kläger auch die Publikations- besugnis zugesprochen. Also Vorsicht in ähnlichen Fällen! Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) y. Von den 19 hessischen KreiSschulinspcttoren sind 3 aka* demisch gebildete Lehrer und 16 ehemalige Volksschullehrer. Beerenweine. — Südweine. Mit höchsten Preisen ausgezeichnet. 2584 Fr. Leo Nachfolger (C. Herber), SellerSweg 58. Bekanntmachung. Nachdem innerhalb der gesetzlichen Frist Beschwerden geaen bie am 14. März 19U3 oorgenommenc Wahi der Beisitzer des Ge- werbegerichtS Gießen nicht erhoben worden sind, bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß aL8 Beisitzer gewählt sind: L Arbeitgeber. 1. Beil, Louis, Lchremermeister 2. Berg, Kari, Lchuhmachermeister 3. Bierau, Bailh^ Glasenneister 4. EmmetmS, LouiS, Fabrikant 6. Faber, E. 9L, Spengiermeister 6. penningS, Fr., Bäckermeister 7. Krumm, Eduard Raufmann 8. Leib, Heinrich, Schneidermcister 9. Müller, Ludwig, Bäckermeister 10. Pirr, Ludwig, Aletzgermeister 11. Schmidt. Clio, Uhrmacher 12. Wmn, Heinrich, Bauunternehmer sämtlich von Gießen. II. Arbeiter. 1. Baum. Heinrich, Glaser m Gießen. 2. Bock, August, Drechsler in Gieven. 3. Tech, Karl, Eigarrenmacher m Wieseck. 4. Diehl, Johannes, Schneider in Gießen. 6. Toll, Ernst, Schmied in Gießen. 6. Hensel, Adolf, Schriftsetzer in Gießen. 7. Hollberg, Gustav, Brauer in Gießen. 8. Jakobi, Gabriel, Brauer in Gießen. 9. Krüger, Gustav, Metalldreher in Gießen. 10. Laucht, Wilhelm, Maurer m Gleiberg. 11. Männche, Heinrich, Schreiner m (Sieben. 12. Schäfer, Johs., Lackierer in Steinbach. Gießen, den 18. April 1903. 3303 Ter Oberbürgermeister. I. V.: Georgi, Beigeordneter. Bekanntmachung, betreffend den Besuch der Kaufmännischen Fachschule zu Gießen. Häufige Schulversäumniffe der einzelnen Schüler der Kaufmännischen Fachschule zu Gießen veranlassen unß, bei Beginn des neuen Schuljahres nochmals darauf hinzuweifen, daß geschäftliche Verhinderung, welche als Grund des Ausbleibens angegeben wurde, nur in außergewöhnlichen Fällen als Entschuldigung angesehen werden kann. Nach einem Erlaß des Großherzoglichen Ministeriums be5 Innern ist die unserer oberen Aufsicht und Leitung unterstellte Kaufmännische Fachschule zu Gießen als staatlich anerkannte UnternchtSanstalt im Sinne des § 76, Absatz 4, deS Handelsgesetzbuches und deS § 120 der Gewerbeordnung anzusehen, und die Herren Prinzipale sind daher verpflichtet, Lehrlingen die zum Besuche deS Unterrichts erforderliche Zett freizugeden. Bei unbegründeten Schuloersäumniffen werden die fortbildungSschulpflichtigen Lehrlinge der städttschen allgemeinen Fortbildungsschule überwiesen und die nicht fort- bildiingsschulpflichtigen Lehrlinge vom ferneren Besuche der Kaufmännischen Fachschule auSgeschloffen werden. Gießen, den 18. April 1903. 3279 Die Grotzherzogliche Handelskammer Sieben. Der Vorsitzende: Koch, Kommerzienrat. Vermietung von eisernen Schrankfächern »og. Safe« in unserem feuer' und einbruchssicheren Gewölbe für Effekten-Selbstverwaltung. Wir vermieten in einem auf Grund der neuesten Erfahrungen hergestellten, nach Ansicht bewährter Techntter feuer- und einbruchssicheren Gewölbe in schmiedeeiserne Schrärtte eingebaute, verschließbare Fächer ibafeej. Die Vermietung der Schrankfächer erfolgt je nach Vereinbarung auf ein Jahr oder auch aus einen kürzeren Zeitabschnitt. Tie ÜJliete stellt sich wie folgt: Grüße Nr. Hohe Breite Liefe Mietpreis für 1 Jahr 1 13 cm 23 cm 50 cm Mk. 15.- 2 24 em 23 cm 50 cm Mk. 30.- 8 39 cm 46 cm 50 cm Mk. 60.— Tie Einrichtung der Schrankfächer ist derart, daß nur unter gleichzeitiger Mitwirkung des fUheters und des beauftragten Beamten das Fach geöffnet werden kann. Jeder Mieter erhält von der Bank zwei Schlüssel zu feinem Schrankfache. Weitere Exemplare des gleichen Schlüssels existieren nicht. Ten ÜJlietem von Schrankfächern steht zur Vornahme der mit den niedergelegten Wertgegenständen erforderlichen Arbeiten (Trennung der Eoupons rc.) em separates, verschließbares Zimmer zur Verfügung. Tie Anzahl der oermietbaren Schrankfächer beträgt 112. Wir empfehlen unsere neueste Einrichtung im Allgemeinen, besonders aber solchen Kapitalisten, welche einen Kassenschrank nicht besitzen. Gießen, im März 1903. 2294 Bank für SM unii Wustrie. Pepostlenkasse Hießen. llrob und Hrnidelssihlilk '^92 (Privatschule mit Pensionat) m Marktbrett a/Main. Tie Reisezcugniffe berechtigen -nm einjährig.freiwill. Ticnst. Ausnahme-Aller 10—16 Jayre. Prospekte durch J. Dääuu, Sleltor. ^echllische Vmmi- nnb AsbeKsabrikate Tichlungcn für alle Zwecke, Schläuche jeder Art, sämtliche Bedarfsartikel für maschinelle Betriebe. 1463 Gebrüder Georg Televbon 249. Bismarckstraße 6. In der Strafsache gegen den Maurerlehrling Wilhelm Rabenau von Langsdorf wegen Beleidigung hat das Großherzogliche Schöffengericht in Lich am 8. April 1903 für Recht erkannt: Der Angeklagte Wilhelm Rabenau, 17 Jahre alt, evangelisch, ledig, Maurerlehrling m Langsdorf, wird des Vergehens der öffentlichen Be- amten-Beleidigung im Sinne der §§ 185, 196, 200 St. G. B. für schuldig erachtet und deshalb in eine im Falle der Uneinbringlichkeit mit drei Tagen Gefängnis zu verbüßende Geldstrafe von fünfzehn Mark, sowie in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Dem Beleidigten, Nachtwächter Heinrich Roth XltL in Langsdorf, wird die Befugnis zuerkannt, den entscheidenden Teil dieses Urteils binnen zwei Wochen von deffen Mitteilung an den Beleidigten durch anmaüge Einrückung in den .Gießener Anzeiger" auf Kosten des Verurteilten bekannt zu machen. Tie Richtigkeit der Abschrift der UrteilSformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. Lich, den 14. April 1903. Kohlheyer, 3285 Gerichtsschreiber deS Großherzoglichen Amtsgerichts. Bekanntmachung. Ter am 1. Mai d. I». in Kraft tretende Sommeilahrplan unseres Bezirks liegt m ber Zell vom 16. April bis 1. Mai o. Js. in den Tienstzimmern der Station*- Vorstände zur Einsich.".iahme osten. Tie wichtigeren Abweichungen gegen den seitherigen Fahrplan sind darauf in einer Zusammenstellung angegeben. 8992 Frankfurt a. M., im April 1903. Königliche Gifenbahnbirettion. Lied-Eier garantiert frisch, p. Stück 5 Psg. empfiehlt 01714 W. Ullrich, Schlvßgaffe 7. Versteigerung. 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April, abend» 8‘, Uhr, bet Hauptmann Wigaudt mit folgender Tages-Ordnung statt, wozu wir die Kameraden hiermit emloöen. 1. Jahresbericht. 2. Rechnungsablage für 1902 3 und Entlastung des Rechners für 1901/3. 3. Voranschlag für 1903 4. 4. Otenwahl deS Vorstandes, b. Etwaige Anträge gemäß Z 12 der Statuten. 328J All AllUor«, Piellklanzug. TaA Kommando. Stores G Rouleaus in weiss, erdme uud üuul 3283 Die neuesteu Muster der Saison! ii ii?. Ernst Bloedner. Hier»« Eisschränkc werden in allen Größen und vorzüglicher Ausführung angefertigt. 33oi C. BCIingelmeyer, Kostenanschläge gratis. Lchrctucrci, Ludwigstraste 5? Düsseldorf 1902 - GoId.nedfiillec^Y^ v.silbeme StAntsmedAille , Aachener | I Badeöfen 1 vber 75,000 Im Gebravcb BP er Schachtel 26 Pffl. zu haben In Apotheken u. OrogerienTg __________Fabrik chemisch-pharmacautlschar Präparate.____ B 2 Pascoes Brust-Pasti llenB Hütens empfohlen ^egen Husten. Heiserkeit. Erkältung, Kitzeln im Halse etc und tu, Erfrischung. 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