Erstes Blatt 183. Jahrgang Gießener Stadtthealer noch Dienstag SO. Januar 1903 Hbtefit tüt Depeichenl «nzetger «tehen. ^milt>trd)onld)lu6!Jh 6L Noch einmal die Schlicrseer. Die Schlierseer sind uns zum Schlüsse wirklich Technik, so daß man in ihm den Oberfeuerwerker des ganzen Ensembles dieser bayerischen Dialektscharispieler bewundert. Er erschien hier als „blauer Teufel" in der Uniform der bayerischen Jäger. Dieser Toni war ein so g'spassiger Kerl, daß nicht nur das hübsche Madel in Feindesland, sondern auch das ganze Publikum ihm gut sein mußte, trotz aller seiner vielen allzu aufdringlichen Absichtlichkeiten. Diesen beiden Leichtigkeiten folgte eine echte und rechte kleine Komödie, „Die Medaille" von Lu dwig Thom a, alias „Peter Schlemihl", dem Chefredakteur des Simplicissi- muS. Non diesem schärfsten und witzigsten aller satirischen Preß-Poeten Jüngstdeutschlands hatte man etwas besonders Ergötzliches zu erwarten. Und er enttäuschte auch nicht. „Tie Medaille" ist so etwas wie ein grobes Seitenstücklein zu Hauptmanns „Biberpelz", ein Werklein derben, farbensatten Humors. Em etwas streberischer Bezirksamtmann will sich bei seinen vorgesetzten Behörden beliebt machen und benutzt die Gelegenheit der Verleihung einer silbernen Verdienstmedaille an den sein goldenes Dienstjubiläum begehen- den Amtsdiener zur Veranstaltung eines Festmahles, da? weniger an die durch die genialen Künstler Alt-Venedig-Z uns überlieferte Pracht in den Palästen am Canale g ran ne als an die durch die großen Niederländer uns verewigten derben bäuerischen Zechgelage erinnert. Die Gäste sind das jokose jubilierende Ehepaar, der korrekte langwamsige Schul- meister. ein schlagfertiger Dorfmetzger, der zugleich Landtags- abgeordneter ist, foivie einige im Bezirksausschüsse sitzende vierschrötige Großbauern. Alan denke sich baneben die hochnäsige, prüde und verbildete Frau Bezirksamtsmännin mit einem ewigen Wtlliorreuverluste der Landwirtschaft. Ein Wort an die Bauer». Ihr führt gewiß kein bequemes Leben auf eurer Acker- schölle. Legt ifyr das Samenkorn für die neue Ernte auch, mit noch so viel kluger Berechnung und fleißiger Sorgfalt, in den gepflügten Boden — widrige Winde und ungünstiges Wetter können eure Hoffnungen bis in den Grund *u Schanden machen. Es gehört viel Mut dazu und vÄ ^iävve-Gesicht und den feudalen Herrn Assessor. Natürlich macht Thoma ein Bildchen kecksten Humors daraus. Mit unbarmherzigem Realismus verspottet er hier neben den Herren Moser und Defregger und Konsorten, den schön- färbenben Fabrikanten von „Salontiroler"-Krimkrams in Lltteratur und Malerei, das moderne Strebertum Die prächtigen urwüchsigen Bauerntypen, die uns Thoma vorführt, sind mit ganz famosem Scharfblick beobachtet. Wir sehen die Bauernschläue, den treffenden Bauernhumor, der unter gutmütigster und einfältigster Maske von keckster Spitzsindig- keit ist, an ein paar meisterhaft gezeichneten und kräftig kolorierten Figuren illustriert, und haben unsere Freude an dieser riicksichtSlosen und robusten Gesundheit von Autor und Werk. Tie bajuvarische Drastck geht aber doch mitunter ein wenig über das rechte Maß hinaus, und geradezu mißglückt ist die allzu flüchtige Charaklerislik der Gattm des Bezirksamtmannes und des jungen schneidig sein sollenden Affeffors. Beide werden sich in der ihnen nun einmal aufgezwungenen Situation als Menschen von Blldung zu benehmen wiffen und mit den Wölfen auf möglichst gemütliche Art müzuheulen sich bemühen. So.shocking*' sie das ganze Milieu finden, so peinlich sie auch berührt werden mögen, so werden sie sich doch etwas mehr beherrschen können und etwas weniger Steifheit zur Schau tragen. Hier hat Thoma recht zu Üngunsten der Glaubwürdigkeit übertrieben. Er hat hier mit wenigen schnellen und fehlgehenden Strichen skizziert, statt sie wie die Bauerncharaktere mit gleicher Hingabe zu zeichnen. Die Lacher hätten die Bauern trotzdem recht gut auf ihrer Seite behalten keimen. Witze, wie „ein lebendiger Hund ist besser litterarisch gekommen. Sie haben uns bewiesen, daß sie mehr können als nur die immer nach einem Schema, nämlich nach dem der Gartenlaubenromane zurechtgeschnittenen sogenannten Volksstücke durch ihre eigene urwüchsige Derbheit, durch den aus aller stofflichen Oberflächlichkeit immer wieder hindurchklingenden Grundton eigener Herzhaftigkeit, durch eigenes reiches Gemütsleben recht genießbar, ja sogar lebensvoll zu machen. Ueber die beiden ersten Kleinigkeiten deS gestrigen Abends freilich zu reden, wäre sträfliche Zeitvergeudung. Nur so viel, daß in der ersten —sonst hab' ich sie vergessen — Meth als ein Meister der Darstellungskunst sich zeigte, und daß die zweite nichts Anderes war, als das auf 1870 und ins ■■ Hranzösich-Bayerische flau und pointenlos übertragene uralte Genrebild „Kurmärker und Pikarde". Ein paar Worte ü her den besten aus der fröhlich blau-weiß beflaggten Kunst- unb Naturarena, Herrn Xaver Terofal, finb hier aber * ö.och am Platze. Er hat sich ja längst in der Gunst unseres V Publikums em Heimatsrecht erworben. Aber man erfreut ’ ih jebesmal aufs neue an diesem liebenswürdigen und feiner Wirkungen vollkommen sicheren humoristischen Naturell. Die | eigentliche kümiiciiiche Herzenskraft beruht ja im Dialekt | dieses naturtinblici) behaglichen Komikers. Dazu aber kommt nachgerade die Virtuosität einer glänzenden theatralischen Nr. 16 Grlcheiut täglich äuget Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt bit Lietzener Kamillen. Hättet viermal in bet Woche beigelegt. biomttonsdruck u. Verlag bei B t ü h l'schen Nnwets^Buch- u. Stein« brucfecet (Pietsch Erben) -Redaktion, (fcrpcbtttou und Dencfetel: i> Lanö. b-ichichn N, ^"'zekonigsTelhi dasK »og jrafen, wie bereits fc in Bomb? ^kretar des politischm Vertreter des Vizekönjgs empfangen und an ajnten zugleich die Mcl- ^len englischen Offiziers m entern vom Vizekmiia i"9- der am Sonnlag, 28. “L S.. E Hoheit fuhren ■' Wenigs W. Edgerley !- Äzekönlgs und untere G eine Rundfahrt durch ".Montag, 29. Tezember, «5 ^izeuinigs und des' i t. Hoheit waren bei dem "b nahmen zu Wagen an m einer Erladron des 15. lauf desMn mar tzrüh- MLreis mit M. hh. n von EonnanM, meichem mit General v. Lachter und : beiwohnten. Am lienstag, h.'it bei der feierlichen Er- nSfteUung durch den Vize- eurer Einladung des Aze- mten befolge. Am folaen- ’t mehrere SeHenÄvürdig- ei bem ©oiwemeur Don Kras Pulow im preußische» AbgeorduelenSaus. Ein anderer parlamentarischer Mitarbeiter schreibt uns aus Berlin, 19. Januar: Tie Anwesenheit des Grafen Bülow im preußischen Mgeordnetenhause, seine Reden zur Polenpolitik verliehen dent heutigen Beginn der Etatsdebatte Bedeutung. Sachlich viel neues über die Polenpolitik vermaa freilich auch ein Ministerpräsident nicht zu sagen, zumal die Grundsätze dieser Politik wiederholt an derselben Stelle von ihm erläutert worden sind. Immerhin war die Ankündigung interessant und eine Ueberraschung für das Haus, daß in ter demnächst erscheinenden Sekunoärbahnvorlage 34 Mill. Gießener Anzeiger w General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblait für den Kreis Gießen null * i'.LflJ Mark für die Provinzen Posen und Westpreußen ausgeworfen sind. Es wird also bald ein Vorzug werden, in den Ostmarken ansässig zu sein, bei diesen zärtlichen Bemühungen der preußischen Regierung um ihr „Sorgen- lind"! Wie schon frül/er bezeichnete G-raf Bülow die Ostmarkenfrage als die wichtigste der inneren preußischen Politik. Der Ansiedlungskommission steht eine Neuorganisation bevor. Begreiflicherweise erregten die Ausführungen sowohl bei den Polen wie im Zentrum nichts weniger als Befriedigung. In den Reiben dieser Abgeordnetett wuchs die Unruhe mehr und mehr, sodaß der Redner, ohnehin nicht zum besten disponiert, stellenweise auf der Tribüne nicht zu verstehen war. Beifall zollte hauptsächlich die Rechte, etwas kühler verhielten sich die Rationaltiberalen. In den Etatsreden der Parteiführer spielten Zolltarif, Wahlen und insbesondere das Verhältnis oer Bundesstaaten zum Reich eine Rolle. Der rheinische Abg. Fritzen vom Zentrum, der stets gerne gehört wird wegen der liebenswürdigen, vom trockenen Tone sich srechaltenden Art seines Vortrags, sammelte glühende Kohlen auf das Haupt der Polen: Keine Partei werde in der polnischen Presse schärfer angegriffen, als das Zentrum. Also sei die Be- känrpfung der Polenpolitik durch das Zentrum gewiß von objektiven Bedenken veranlaßt. Rach einer im ganzen recht entgegenkommenden Elatskritik durch den Grafen Lim- bürg — für die Akustik des 'Abgeordnetenhauses einer der ungeeigneifteii Sprecher — antwortete Graf Bülow mit einer zweiten, kürzeren Rede, worin er u. a. die Landwirtschaft über die künftigen Handelsverträge beruhigte („gewissenhafte Wahrnehmung ihrer Interessen") unb für den geplanten Bau eines Reswenzschlosses in Pofen geltend machte, daß das kaiserliche Rejidenzschloß in Straßburg nach seinen eigenen Beobachtungen wesentlich bei- getragen habe zur Verschmelzung der Reichslande mit dem bleich. — Die 'Jeationailiberatcn designierten diesmal zum Etav zunächst ein minder bekanntes Mitglieo, den Abg. Nölle, der sich aber [einer Aufgabe mit Geschick entledigte. Zum Zolltarif stellte Herr 'Nölle fest, daß auch die nationalliberale Landtagsfraktion mit ganz wenigen; Ausnahmen die Haltung der Rationalliberalen im Reichs tage zum Antrag v. Kardorff usw. billige. Unerfrew* lich sei das finanzielle Verhältnis der Bundesstaaten zuml Reich; leider versage das Zentrum feine Mitwirkung zu einer zweckmäßigen Umgestalturlg dieser Beziehungen. Gleichfalls auf einen im wesentlichen wohlwollenden Ton gestimmt war die Darlegung des fr ei konservativen Abg. Frhni. von Zedlitz. Daß Herr v. Zedlitz die Regierung belobte, daß sie nicht aus ine Kanalprojekte zurückgekommen ist, waÄ Herr Stolle bedauert hatte, war zu erwarten. llebrigenZ wurden die langen Ausführungen völlig frei Dorgetragen, eine bemerkenswerte Leistung bei den vielen Einzelheiten, die der Etat zu erwähnen Veranlassung giebt Die Opposition vertraten heute die Wgg Dr. Wiemer (freif. Vp.) und Ehlers (frei,'. Vgg.), der Erstere, indem er namentlich die polizeilichen Uebergrifje und die durch den Trakehner; Schulprozeß enthüllten Zustände geißelte, der Letztere durch die entschiedene Stellungnahme gegen die geplanten Aiaß- regeln der Polenpolitik, die nicht zweckmäßig seien. Grass Bülow, der mehrere Abgeordnete ins G^präch gezogen; hatte, empfahl sich während der Rede des Herrn v. Zedlitz» um auch im Reichstag dis Pflichten des „Mannes am Steuer" wahrzunehmen. Ker tztat im Reichstag. L Unser Berliner parlamentarischer I. R.-Mitarbeiter schreibt unterm 19. Januar: Wo sind die schönen Zeiten hin, da Staatssekretär Frhr. v. Thielmann die Volksvertretung ersuchte, ihm doch nicht neue Steuern aufzudrängen, da das Reich ja im Gelds schwimme- Es war das vor knapp drei Jahren, und heute ist der Schatzsekretär in der Lage, int Reichstag einen Elats- entrourf einzubringen, der mit einem rechnungsmäßigen Fehlbetrag von 118 Millionen Mark abschließt, der zur Deckung der lausenden Ausgaben im ordentlichen Etat einer Zuschußanleihe von 95 Millionen Mark bedarf. Tas ist ein überraschend schneller Umschlag; er erscheint aber in etwas milderem Lichte, wenn man berücksichtigt, daß in den Etatsentwurf für 1903 der Fehlbetrag des Jahres 1901 mit 48 Millionen Mark — als einmalige Ausgabe — yineingerechnet ift Diesen Fehlbetrag bezeichnete Frhr. von Thielmann als „erstaunlich hoch", „niemals sei die Schätzung hinter der Wirklichkeit derart zurückgeblieben". In „Paranthese" gedachte der Schatzsekretär auch der Reichs- finauzreform, die bei der mißlichen Finanzlage der Einzcl- ftaateu a ls immer dringlicher sich erweist. „Da im hohen Hause wenig Neigung vorhanden ist, der Negierung neue Steuerquellen zu erschließen, sieht diese sich zur Zeit nicht in ber Lage, oie Reichsfiimnzreform ins Werk zu setzen." Im übrigen ist aus der über ein Zahlenheer dahin- gteiteiibeu, ziemlich farblos vorgetragenen Rede des Schatz- sekretärs die Bemerlung, interessant, daß die Regierung ron der Einbringung eines Nacytragsetats aus Anlaß der Venezuela-Aktion einstweilen Abstand nimmt, weil sich die Tauer der Blockade nicht voraussehen läßt. — Tie Herren Staatssekretäre touren vollzählig auf der Bundesestrade versammelt und legten achtungsvolle Teilnahme für den Vortrag Frhrn. v. Thielmanns an den Tag. Ter Reichskanzler fehlte zunächst, er war auch im preußischen Landtag „engagiert". Im Parkett saßen wohlgezählte 60 Llbgeordnete; in sie kam erst Leben, als nach dem Schatzsekretär Abg. Dr. Schädler (Ztr.) das Wort ergriff. Tessen Randglossen mögen der Regierung nicht gerade erfreulich getoefen sein. Dr. Schädler rügte grollenden Tones die andauernden Etatsüberschreitungen, die die Aufstellung eines Etats- ooranschlags eigentlich überflüssig machten. „So darf es nicht toeitergehen! Jedes Neftorr wirtschaftet darauf los; das Auswänige Amt mit kostspieligen Ehina-Telegrammen, die Poftverwaltung, die Militärverwaltung mit Manöverausgaben, das Marineamt, das ja immer aus dem Vollen schöpfe usw." Als Dr. Schädler erhobenen Tones verkün- bete, daß der Reichstag den Rotstift nachdrücklichst werde ..«fr Dcnl Giev-"' iß 0 11 vez» 5«vret»» monatlich7bP^ piert* tährhd) Ml. 2^0; durch Abhole- u. Zweigstellen monutÜd) Pf.; durch diePost Ult. 2.— oienet- lährl. auslchl Bestellg. Annahme von Anzeige« fü< die TageSnunrrn« bi« pormUtagfl 10 Uhr. Zellenpret» lokaHSPr. auSroärtfl 20 Psg. 13e tarn reotf lid)! tür den »o(tL m. allgem, itetl: P. öttttPj fül .Stabt und Canb4 uni (Äend)tß|aale: Earl Plato, kür den Am- jeigenleil: pan< Veck. gebrauchen, den Etat nach Kräften werde zusammenstreichen wüssen — „ob notwendig, ob dringend norwendig, ob unerläßlich notwendig: das müsse auseinandergehalten werden" —, betrat strahlenden Antlitzes Graf Bülow den Saal. Doch bei den Ankündigungen Tr. Schädlers wich seine Heiterkeit tiefem Ernst. Er ergriff die Bleifeder und machte Notizen. Herr Schädler sorgte auch fernerhin für Stoff zu Bemerkungen. So wünschte er Auskunft über den Stand der Venezuela-Aktion und kritisierte das Swinemünder Kaisertelegramm an den Prinzregenten Luitpold vom August v. I., das geeignet sei, die Freuden am Reich in Baiern zu dämpfen. In der Erörterung dieser Sache fanb Tr. Schädler die kräftigsten Accente. Er müsse gegen die Verwirrung der konstitutionellen Begriffe Verwahrung einlegen, wenn auch das Kaisertelegramin offenbar auf Grund unzutreffender Informationen abgefaßt worden fei. Deshalb erlaube er sich, den verautwortuchen Sierra Reichskanzler zu fragen, ob er die Information erteilt und die Veröffentlichung der Depesche gutgeheißen habe? (Lachen und Zurufs links.) Wohl eine halbe Stunde lang behandelte Tr. Schädler diesen heiklen Fall; er sprach während dieser Zeit mit sehr lauter Stimme und rief am Schluß überlaut die Worte in den Saal: „Recht muß Recht bleiben!", was im Zentrum dröhnenden Beifall auslöste. Im weiteren!Ver-< tauf seiner Rede forderte er die schleunige Bewilligung von Anwesenheitsgeldern für die Reichstagsmitglieder; verkündete er, daß das Zentrum für eine Abänderung des bestehenden Neichswahlrechts nicht zu haben fei und verlangte schließlich schärfere Bestrafung der Duelle, Weiteren Ausbau der sozialen Gesetzgebung und Aufhebung des Jesuitengesetzes. Vom rhetoriichen Standpunkt betrachtet, war cs eine der besten Leistungen des Bamverger Domherrn. Ohne Verzug erhob sich Graf Bülow, um seine Stellung zum Swinemünder üatfertelegramm darzulegen. Er tat es in merklicher Aufregung, heftiger als sonst sprechend. Es handele sich, so führte er izus, um eine persönliche Kundgebung zwischen zrvel befreundeten Souveränen, nicht um eine Staatsaktion; eine Verantwortung für das Käiser- telegramm habe er sonach verfassungsmäßig nicht zu tragen. Tie moralische Verantwortung für die Rückwirkungen des Telegramms auf die Beziehungen zwischen Berlin und München übernehme er gerne, und, soweit ihm bekannt, sei eine Trübung dieser Beziehungen nicht ein- getreten. Ter Prinziegent von Bat)ern habe im Gegenteil dem Kaiser durch den Prinzen Ludwig nochmals feinen Dank für das Telegramm übermittelt. Rach alledem könne er die Art und Weise, wie Tr. Schädler den Fall hier erörtert habe, nur tief bedauern; solche Kritik erwecke im Ausland Zweifel an der Geschlossenheit des geeinigten Deutschland, in dem die Slaiferioee weit kräftiger lebendig sei, als Dr. Schädler anzuueymen scheine. Graf Bülow erweckte mit seiner Darlegung teils Beifall, teils Widerspruch. In den nächsten Tagen werden die Geister wohl noch scharf aufeinanderplatzen, u. a. will Abg. Vollrnar, der Führer der bayrischen Sozialdemokraten, das Wort ergreifen. Ter Etatsredner der Konservativen, Abg. Graf Stolberg, der heute den Beschluß machte, und sich im Allgemeinen wohlwolleiid äußerte, tat deA Falles Berlin- München nicht Erwähnung. SSM DK ,^cr^nblS Quelle et. 1 wrj j. U ZehM 2'ngsweise ,Mhrt, dA.^vokat b ihrer Eh?,,? ton- 000 Mark ru Jtdl'lllin >ll£S. btra W«I««duit auf Urfauh in bet W „ älterer SNti«®* «nrirt worben w«r. „worben. ** L, den cm SchG « ' , Leiche mmbe oon be J.rniionyelt** tesSL** & ^sst ;,Wi * j» * BSi- m9 hei dem der Z coolocychu^ Bekanntmachung. ©etr,: Milzbrand in WeiterSham. In dem Gehöft deS Landwirts Friedrich Dietz in Wei- terSHain ist bei einem Rind Milzbrand festgestellt worden. Die Absonderung der übrigen Tiere desselben Stalles ist an- geordnet. Gießen, den 20. Jannar 1903. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Treibert Krlmnntmachung. Betr.: Schweinerotlauf in Saasen. Jrn Gehöft des Landwirts Peter Aff IIT. in Saasen ist Schweinerotlauf festgestellt worden. Es ist Gehöftsperre angeordnet. Gießen, den 20. Januar 1903. Großherzogliu.)c>.. ün ^anit Gießen- Dr. Breidert. harter Trotz, jahraus, jahrein von neuem trotz aller Fehl schlüge zu säen und zu bauen, um schließlich nach ein paar leidlichen Sommern wieder einmal schlimm enttäuscht zu werden. Ihr habt die Not der Zeit oft genug am eigenen Leibe gespürt und ihr habt Ausschau gehalten nach Rettung, und dies und jenes abgeändert, was euren Vätern unbekannt war. Ihr habt euch mit Euresgleichen zusammengetan, um eure Produkte durch Genossenschaften besser zu verwerten; ihr habt angefangen, mit Arbeit und Geld ersparenden Maschinen zu wirtschaften; ihr habt eure nassen Böden durch Drainierung und magere Äcker durch Mergelung gehoben; ihr habt künstliche Düngemittel verwendet und in euren Wirtschaften eine rano- nellere Fruchtfolge eingeführt, und manches andere noch. Gewiß, ihr habt nicht auf der Bärenhaut gelegen, und doch — wenn ihr's recht betrachtet, fehlt's noch immer an allen Ecken und Enden. So fleißig ihr auch seid, ihr müßt es euch sagen lassen: Industrie und Handel sind fixer, als ihr es seid! Sie studieren früh und spät das, was man Konjunktur nennt; sie haltet: sich nicht lange aus mit solchen Erwerbszweigen, die nichts einbringen, die heute gehen und morgen nicht gehen; sie rechnen mit den neuen Bedürfnissen der neuen Zeit und schassen sich neue Absatzgebiete, wo die alten nicht mehr lohnen; sie wenden ein schweres Stück Geld aus, um mit der Zett fortzuschreiten, und haben es fertig gebracht, dem alten, gefürchteten Konkurrenten England den Rang streitig zu machen. Und wieviel Jahre hat das gedauert? — Keine fünfundzwanzig! In verhältnismäßig kurzer Zeit haben fie sich zu einer ganz kolossalen Macht hochgeschwungen unb viel blankes Gold in die tiefen Taschen gefüllt. Wenn Industrie und Handel noch heute an das alte Wort glauben: „Das Geld liegt auf der Straße!" warum seht ihr euch dieses Wort nicht auch einmal prüfend an? Auch für euch liegt das Geld heutzutage noch auf der Straße, ihr müßt das nur sehen! Ihr werdet sofort das erkennen, wenn ihr einen Blia ui die Einfuhrstatistik des Deutschen Reiches tut. Greifen wir nur die kurze Periode von 1898 bis 1901, also vier Wirtschaftsjahre heraus; auch sei nur das genommen, was ihr Bauern in unferm Lande produzieren könnt, und sogar sämtliches Getreide, Mehl, Kleie und Samen- zeug> aus i>cm Spiel gelassen. Wir werden bei dieser Rechnung in Milliarden geraten und uns sagen: Wie tonnten wir nur so viel heimisches Geld in das Ausland gehen lassen? Können wir das nicht selber verdienen? In den genannten vier Jahren sind von dem deutschen Nationalvermögen in das Ausland geflossen: für gereinigte und zugei mMe Bett federn 1'1,01 Millionen Mark, hauptsächlich nach Oesterreich-Ungarn; für rohe Bett- sedern 37,36 Millionen Mark nach Oeperreich, Rußland rc.; jur Borsten 65,0a Millionen Mark nach Rußland, Oesterreich, rc.; für Butter 89,46 Millionen Mart nach Oesterreich, Holland, Rußland, Dänemark; für Därme, Blasen, Magen 144,43 Millionen Mark nach Amerika, Rußland, Dänemark, Holland, Oesterreick) rc.; für Eier von Geflügel 389,48 Millionen Marl nach Oesterreich, Rußland, Italien, Holland rc.; für Gänse 73,48 Millionen Mark nach 9iußland und Oesterreich; für g e s ch l a ch t e t e S F e d e r - Vieh 26,13 Millionen Mark nach Oesterreich, Rußland, Frankreich; für Fleisch von Vieh 232,68 Mlitionen nach Amerika, Holland, Oesterreich, Dänemark; für Haare von Pferden 2u,81 Millionen Mark nach tituylcuiD rc.; für Felle und Häute von Kaninchen, Kälbern, Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen 645,05 Milllvneu Mark nach allen Teilen der Erde; für trockene Bohnen, Erbsen u n d L i u s e n 70,80 Millionen Mark nach Rußland, Oesterreich rc.; für Käse 79,8a Millionen Mark nach Holland, der Schweiz, Frankreich; für K a r t o f s e l n, Kartoffelstärke und Kartoffelmehl 34,14 Millionen Mark nach Holland, Oesterreich, Rußland rc- für Aepfel rund 53 Millionen Mark nach Oesterreich, Italien, Holland, der Schweiz; für Birnen ruild la Millionen Mark nach Oesterreich, Belgien; für Steinobst außer Kirschen rund 28 Millionen Mark; für getrocknetes und eingekochtes ObÜ 89,43 Millionen Mark nach Amerika, Oesterreich, Serbien, Frankreich; für Schmalz, und schmalzarlige Fette 353,4« Millionen Mark vornehmlich nach Amerika; für T a l g 50,25 Millionen Mark nach Amerika, Australien, England, Frankreich; für lebendes Vieh, und zwar für Jungvieh 50,31 Millionen Mark nach Oesterreich, Dänemark, der Schweiz; für K ühe 82,11 Millionen Mark nach denselben Ländern; für Ochsen 94,18 Millionen Mark nach Oesterreich, Dänemark; für Pferde 336,90 Millionen Mark nach Belgien, Dänemark, Rußland, Oesterreich, Frankreich, Holland; für Schweine 23,78 Millionen Mark vornehmlich nach Rußland. Unter diese Millivnenzisfern setzen wir nun einen dicken Strich und zählen sie zusammen. WaS wird sich ergeben? — Nun, daß unser deutsches Vaterland im Lause der Jahre 1898—1901 für die auf geführten landwirtschaftlichen Produkte ohne Getreide und ähnliches die ungeheure Summe von 3194 Millionen Mark an das Ausland gezahlt hat. Rechnet man 194 Millionen Mark auf diejenigen Produkte ab, die aus klimatischen oder anderen Gründen bei uns nicht recht gedeihen können (Maltakartoffeln, einige Obstsorten, verschiedene Käse, diverse Ziegenfelle, mehrere Hühnersorten, chinesische Daunen), so ergievt sich für unsere deutsche Landwirtschaft ein nn- aerechtfertigter Verlust von 3 Milliarden Mark, während des knappen Zeitraumes von vier Jahren. Der deutsche Bauernstand ist allein im stände, dieses Defizit zu decken. Rechnet man zu den bäuerlichen Gütern alle landwirtschaftlichen Betriebe bis zu einem Umfange von 50 Hektar, so kann man als bäuerlich rund 22 Millionen Hektar bezeichnen. Demnach hätte jeder bäuerliche Hektar ca. 137 Mk. in den genannten vier Jahren an das Ausland verloren. Jeder Landwirt kann darnach den eigenen Verlust berechnen. In welcher Weise dieser ungeheure und ständig wiederkehrende Verlust an unserem Nationalvermögen zu verhüten ist, das läßt sich mit zwei Worten nicht sagen. In ihren 23ereincu werden die Landwirte Gelegenheit haben, sich darüber, soweit ihre Umsetzung in die Praxis in Frage kommt, mit Erfolg auszusprechen. Heer und Flotte. T i e n st j u b i l ä e u 19u3. In der preußischen Armee werden das fünfzigjährige Tien stjubiläum begehen: Generaloberst und tommanbierciwcr General des 16. Armeekorps Grafv. Haefeler am 26. April, General der Kavallerie, Generatadjutanl uni) Eh es des General-' stabes der Armee Gras v. Schliessen am 1. April. In her Bayerischen Armee begeht das ftinszigjähttge Dienst- jubiläum u. a.: General der Kavallerie Herzog Karl Theodor in Bayern, Inhaber des 3. Ehevaullgers- regiments am 11. Oktober. Aus AM luiii Land. Gießen, den 20. Januar 1903. * * Gedenktage. Bor 90 Jahren, am 20. Januar 1813, starb Vater Wieland im Alter von 80 Jahren zu Weimar. Durch seine heilere Weltanschauung, seine anziehenden, in leichte, liebliche Sprache gekleideten, oft sinnlichen und schlüpferigen Schilderungen der Liebe legte er in seinen Schriften seine Lebensansichten nieder. Die Frommen verdammten seine Schriften, der Götlinger Dichterbund verbrannte sie. Wieland tonnte sich aber aus seine reinen Absichten, aus fein Streben nach Wahrheit und aus seinen musterhaften Lebenswandel berufen. * * Bestätigung. Der bisherige Geoßh. hessische Re- gierilngsaffeffor Heinrich Schlosser aus Gießen i|t von der Kgl. preußischen Regierurig als besoldeter Beigeordneter der Stadt Meiderich auf zwölf Jahre bestätigt worden. ** Für die Mitglwoer Der uetiMi husigen Sektionen des D e u t s ch - O e st e r r e i ch i s ch e n A l p e n v e r e i n 3 ist ein merkwürdiges Vorkommnis in Bozen interessant. Bekaniitlich besitzt diese auch von manchem Gießener besuchte Stadt Sndlivols noch kein evangelisches Got- reshauö. Tie dortige evangelische Geuieillde suchte deshalb um käufliche Ueberlasiuilg eines KitthbanplatzeS bei der Stadt nach. In der GemeinderiitSsitzung üoin 8. Ium wies der G.-Ää Weger u. a. auch daraus l)in, daß infolge des Fehlens einer evangellfcheii Kirche sich viele znwan- beruhe protestantische Familien lieber in Dem Von Krankerr erfüllten Meran nieder ließen. Ter GeNieiirderat fußte denn auch mit allen gegen eine Stimme den Beschluß, der Bitte der evangelischen Gemeinde zu rvillfahren. Diese einzige gegnerische Stimme war die des Tr. Kraul- Schneide r. Dieser Herr aber ist---Vorstand der Lektion Bozen des Teulfch-Oesterreichischen Alpenvereins." Wir sind der Meinung, daß irinerhalb des Teutsch-Olester- reichischen Alpenvereins tonfessioiiellen Meinungsverschie- denheiten keinerlei Ausdruck gegeben werden sollte. Heute wird uns noch aus Bozen gemeldet, daß um 18. d. M. in allen Kirchen der Ephorie Bozen gegen die Errichtung einer evangelischen Kirche gepredigt uub alle Katholiken zum Protest ausgefordert wurden! ** Kriegs Minister und Submission. Bonder Vergebung von Arbeiten an die Mindestfordernden will das preußische Kriegsministerium künftig in einzelnen Fällen absehen. Bestimmend für diesen Entschluß sind verschiedene .Vorgänge gewesen, die sich in der Militär- efseklenbranche zugeiragen haben. In dieser sind von den Arbeitern schon leit geraumer Zett Klagen über Lohn- drückerei erhoben worden. Tatsache ist, daß zum Beispiel verschiedene Fabrikanten in Berlin Arbeiten, wie die Anfertigung von Helmen, Tornistern, Patronentaschen ufro. erheblich billiger übernehmen als bie Artillerretverkslatt in Spandau selbst an ihre Arbeiter (Sattler) dafür zahlt. — Ob die übrigen Staatsminister ihrem Kollegen folgen werden? Es wäre zu wünschen! * * Delkenheim. 18. Jan. Hier ereignete sich heute ein militärisches Schauspiel, das in der Geschichte der deutschen Armee wohl einzig in seiner Att gewesen sein mag. Das ganze Infantene-Regiment Nr. 87 aus Mainz fühtte in unserer Ortsstraße zu Ehren unseres ältesten Mitbürgers, des 100jährigen Landwirts Johann Georg Bccht, einen Parademarsch auf nach allen Regeln der Kunst. Herr Becht diente ,zu Nassaus Zeiten", in den Jahren 1823 bis 1828, in genanntem Regiment, das damals m Diez lag, als Unteroffizier und ist ohne Zweifel der älteste Angehörige dieses Regiments. Sämtliche Offiziere traten nach der Parade, die Herr Becht in kerzengerader Haltung entblößten Hauptes abnahm, zur persönlichen Begrüßung an ihn heran, und Herr Oberst Strauß gab die Versicherung, daß das Regiment alljährlich vor seinem ältesten Mitgliede in Parade aufmarschieren werde. Möge dies noch oft geschehen! Die Aussichten dazu sind vorhanden. Herr Becht i|t noch vollkommen gesund und würde heute vielleicht noch selbst einen Parademarsch mitmachen können. Vermischtes. * Die sächsische Kronprinzessin und bit Hhpuos e. Es kann, wie es scheint, unter der Sonne luchts mehr passieren, ohne baß nicht, gleich den Hyänen des Schlachtfeldes, gvldhungrige Seelen, jicij darüber hermachen. Daß sich auch der osscnbare Humbug der Affäre oer sächsischen Kvonprinzessiu und Girous oemächtigen könnte, bas hätte man wohl am wenigjien geglaubt, uiib doch liegen Belege vor, die kaum einen Zweifel daran lassen, oaß nut oer unerquicklichen Dresdener yof- geschichle eine eigenartige e-orte Spekulation getrieven wird, die noch dazu unter einer srommelnden Maske aujiriit. In einem Lepziger Blatte erschien kürzlich ein Inserat folgenden Jnhi.^s: Kronpruizesjm -tuqe ist hypnotisiert durch den Buben Gifon. Wer bringt ein pekuniäres Opfer zur Rettung deutscher Fr a ue n c h r e? Eine Leserin des „B. wollte scheu, was hinter der geheimnisvollen Geschichte stecke, und >o schrieb sie an die angegebene Chiftreadrefte. hieraus erhielt sie von einem oriiuieiii Georges, Leipzig-Eonnewitz, einen Brief folgenden Inhalts: „Soeben erst in den Besitz Ihrer Zeiten gelangt, teile ich Ihnen ui nur wenigen Loorten Mit, daß, wie ^ie selbst fühlen werden, ouiaj das entsetzliche Vorkommnis am sachlichen Hofe sämtliche oruuen Deutschlands in schmau-vollster Loeise geschändet worden sind. Daß keine ehrenhaste Frau, viel weniger eine Fürstin, der baldigst eine Krane winkt, sich |o wegwerfen iviro, wenn nicht andere Mittel georaucht ivorden mären durch diesen durchtriebenen Hallunken Girvii, bedarf keiner weiteren Erörterung». Uni die deutsch Frauen eh re zu retten, wird ßeijunöett lueimen, iuie — bleibt nach dein Gelingen Geheuniits, aber ehrlich uni) wahr ist es! — Es gehören aber große Mittel dazu! Wären diese vorhanden, war bereits gehandelt! Sind Sie nun in der Lage, ein entsprechendes Opfer zu bringen, so bttte, dies ungesännit zu tun, ehe dort oer veryaiigiiisvotte (!) Schrttt geschehen ist; in jedem Falle können Sie vertrauen, das schwöre ich Jhucti, aber höchste Ette ist geboten. Es sind leibet nur 15 Briefe, aber noch nicht viel Geld eingega»igen, ohne dieses tonnen zwei Personen solche Reise (?) nicht unter- neljuieu. Ich sende Ihnen das Inserat, welches uuch 6 Mark gekostet Hal, uitt, vielleicht, intetenieien Ste noch einige reiche Damen und veraiilassen sie zu großen Beiträgen. Das Unternehmen ist erlist uni) heilig. Gott kann und wird es nicht dulden, daß .... eine Mutter einfach davonlauft nut fo lugendlichent Buhlen. Sie wird weder Gatten noch viel weniger Kinoer uno eben,oweiiig ihr Land verlassen, wenn — sie nicht hypnotisiert wäre! Ich habe mich in keiner Beanttvortung der Briefe fo weit ausgelassen und hoffe, Sie werden dies berucksich- sichtigen. Bitte um sofortige Antlvort, eventuell telegra- pytsche Postanlveisung. In höchster Eile empfiehlt sich Ihnen. Folgt ltttterschrift." * Schneeberger Schnupftabak. Ein beliebtes Volksmtttel ist feit allen Zetten der bei Schneeberg und in Schneeberg selbst fabritinäßig hergestellle sogenannte Schnupftabak. Derselbe stellt ein gelbliches oder grünliches feines Pittver bar unb dient dazu, einen intensiven Reiz auf die Nasenfchleimhaut auszuuben, lvelcher zu heftigem ytiefeu führt. Der Schneeberger wird in erster Linie als SchnupsMittel, dann aber auch sehr oft ats Scherzartttel vertan s t, um Mesen zu erzeugen. Die Bestandteile sind iin lvejenttichen fein gepulverte Blüten und Wurzeln aromatischer Kräuter, Angelica Archangelica, Eonvalleria majatiÄ und zuwellen auch rhizoma veratri, Nieslvurz. als ein toter Professor" u. dgl., sind auch nicht gerade zu rühmen. In mangelhafterer Darstellung hätte das schließlich doch allzu breit ausgemalte Sittenbild vielleicht hier und da ein wenig gelangweilt, so litterarisch wertvoll, so künstlerisch echt es auch ist. Aber die Schlierseer spielten fast allesamt das Stückchen mit sichtlicher Wonne. Auf bäuerlicher Seite ent- fesselten die Herren Terofal, Dirnberger, Schmidt- ^onz, 9)ieicr, Kopp, Schuller, Gailing und Frau Dirnberger mehrfach verständnisvolle Lachstürme. Viele kamen während der ganzen ergötzlichen Festtafel mit allem ihrem Nuancenreichtum vom ersten höchst kuriosen Schnäuzen Terosals an bis zu dem, durch den renitenten Vorhang etwas zn lang ausgedehnten Schluß-Raufbilde nicht aus einem behaglichen Lachen heraus. Die Herren Niedermeier und 9)1 etb und Frau Dengg fügten sich ergebungsvoll in das harte Schicksal, hochdeutsch zu reden, städtische Kleidung 311 tragen und sich gründlich lächerlich machen zu lasten. Sie alle aber zeigten hier, daß sie längst echte Künstler geworden sind und eS nicht nötig haben, es sich gefallen zu lasten, Bauernkomödianten genannt zu werden. -tt- Der Kaiser und der Frankfurter Gesangs- w et t st reit Bei dem Konzert, das der Hannoversche Männergesangvercin iin Nesidenzschlosse zu Hannover vor dem Kaiser gab, unterhielt der Kaiser sich längere Zett mit dem Senator Fink und dem Dirigenten Zerlett. Das Gespräch luurbe vom Kaiser auf beit Gesangswettstreit in Frankfurt gebracht unb der Monarch erklärte) baß es feine Absicht sei, den Sängertagen in Frankfurt beizuwohnen. Als man ihm sagte, daß 34 Vereine mit ca. 6200 Sängern bisher zu bem Sängerkriege angemeldet seien, bemertte der Kaiser, daß die Zahl der Lerettie immer noch sehr gering sei. Er bedauere besonders, daß die Vereine aus Süd eutsck- l a n d der Sache so interesselos gegenübcrständen. Gerade in Süddeulschland feien vorzüglich geschulte Männeraesangvereine mit ausgezeichnetem Stimmenmaterial vorhanden; er hoffe, daß in Zukunft die süddeutschen Sänger mehr als bisher an den GcsangSwettstretten teilnehmen würden. Die Lage Frankfurts sei doch sehr günstig für die Süddeutschen. Als der Kaiser die Sänger entließ, sagte er: „Auf Wiedersehen in Frankfurt, da wird wohl kräftig gesungen, aber Osuch kräftig getrunken werden!" In ihrer Broschüre „Eine Mutt er pflicht (Leipzig, Herrn. Seemann Nachf., Preis 50 Pfg.) bringt E. Stiehl eine Menge wertvoller Betträge zur sexuellen Erziehung speziell der weiblichen Jugend. Man hat mit Reck)t das neue Jahrhundert als das „Jahrhundert des Kindes" getauft, und man kann wohl sagen, daß die Erziehung unserer Kinder zusehends in ein neues Stadium zu treten beginnt TuS wichtigste Gebiet dieser Erziehung bildet die sexuelle Pädagogik, und es bricht sich in immer weiteren Kreisen die lleberzeugung Bahn: Wir dürfen in Bezug auf die Bolehrung unserer Kinder über gefchlechtliche Dinge nicht stehen bleiben bei der ererbten und anerzoaenen Gewohnheit ablehnender Prüderie. Wir müssen dein Kinde auf seine Fragen nach den natürlichen Dingen andere Antworten geben, als bisher. D'>se helligste Mutterpflicht behandelt die als Lehrerin tätige Berfasserui in ihrerSä-rifl, sie beweist, baß es bie ernsteste Aufgabe jeder gewissen- haflen Uliuttcr ist, bie Leitung unb Belehrung ihres Kindes auf dem zartesten und schwierigsten Gebiete der Erziehung selbständig vorzunehmen. Kein Buch enthält eine l^rEerc Ermahnung an Mütter und Erzieher, als wie sie von U. Stiehl gegeben wird. Möge sie auch beherzigt werden. Ein noch aktuelleres Thema behandelt bie in gleichem Verlag erschienene Broschüre von Hugo E. I u n g ,t „D i e Furcht vor dem Kinde". (50 Pfennige.) «ter Ber- sasser schrieb unter dem Eindruck der sura-ioaren imune- ruügen die in einer ganzen Reihe von torzlich er olglen und teilweise noch lausenoen Prozesicn wegen Verbrechen gegen Strafgesetzbuch § 218 zu tage kamen, in einer Dresdener Tageszeitung einen Mittel, in dem er den Ver.um unternahm, die zur Verhandlung stehenden Verbrechen ans ihre sozialen Ursachen zurückzusühren. Der Erfolg schon dieses Artikels war überrafck-end: Der Verfaiser erhielt eine so große Anzahl beachtenswerter Zuschriften aus allen Kreisen des Publikums, daß seine Stellung zur Frage sowohl wie ein Tett der Mttteilungen aus Den Kreisen des Publikums als eine zett gemäße Enquete über das schwerwiegende Problem betrachtet werden können. Der Verfasser geht alleroingS mit manchen erstarrten Moralgrundjätzen mitunter scharf ins Gericht, erweist sich aber als ein von so tiefem sozialen Mitleid erfüllter Bekenner, daß man sich kaum seinen mildeii und hilfeheischenden 'Worten wird ent- riehen tonnen. — Die beiden eben erwähnten Broschüren eignen sich selbstverständlich nur als Lektüre für reife Männer unb Frauen unb werden ohne Zweifel nicht allein auffläreub wirken, sondern auch viel praktischen Nutzen stiften. **««» in’ r bQ§ in der r?- Art b,meht 91 ? "»°rjch “s 3ot>an * * te ■* .9*Nein«, S M1, ‘i'-unb r*=iU«s **. gti* Btoifel ahm, iUC ..Ungerader o4 Ä* B°. jährlich Dor lfl B gab öie ' »«'?e. °fc«kf.en i- sind «2^»°ch u»d >4 ,te? tSime” A°L ZVüE Ml Suinbuj der JjL Olrotto üemüüjiiücn ie raum einen Lnei EMn Trenner L bpckularwn getrieben er iwriunelndeu Naske tmziich ein nn TU‘ M n Daß.... eine Met iOlirnem Ahlen- sie M .v «üuxr um) ebeilsvivenih iie nicht hypiwksierl Mim MvlMg der Aich s ;ie werden dies beruchich" Morl, eventuell tety«[ Jftfc «Fl* oftabat Ein belie t» yj hei Schneeberg und N .^ijteiue H** * "fita i» M*" i*n, * A j * t ei» J» 1-hr L MiS* gen. ^e nh -MjttßC? Blüten Md ^etia N'L.-» ° Such ttwL iie von L Zieher, ^.igt werden. kM- ^3ü«ä|l"w ,* i>* Beidreh U'«' ? Li m«4. 0 ZreMg Ql Vene oen JYwi' s$-A iÄÄS eben ef?£ 2 Q c «- ft» Z >2 Ä- C Xj ä c> ■’S, 'E' o a B 1 SLzä CB « 6> -O “ «ft L =o •« 'S' x> Z B S a - JO o E 3 's . C S o CQ * C O E -Z s r- •c L >6- CD 5- 'S B ~ 8® ® c Oft u. u E =2 c L CD 3 B § o £* = S •— <5 C=> JB O, 8 o -O z TD 3 3 CQ 2 H S 8 - . s 55 « u 2 ix a -ciQ« « => -b- CS 24 E B -4—» » 5^ en cd o c p — K -S vQ c c vC- «ft 8 W lSS o jO ff — 53 w CO SS —< Q a *—D S •- «ft 2 <£ „ QD ff X) «ft c; — ff ff § 5 .S .5 S -E «ft «ft c 25BITS° = B § «ft >— o _ _ „ E ** »CQ i-E G* V .2; § ff 9 C (ft z: -« *9'" 2 H - - o » g c 89 . ff 7 5 za o o » -p ,ff O .5 U ® 2 ff R .5 .ff p> ‘C cj <3° äo «ft ff tu J” jO ff ‘ U ,2i cd — » «= 8) /D CD ff Cu s - T ® T5 « 5 .*^-A o « A 5 c «J« C o c <7> ff £ eo o Cb ff CD 5 ’S T5 « E A a> c -ffff Cb» *-o V ff- rs H ff s # B r.g 3 CD >b'ff" .ff Ä o S c-® «ft 3 2 E •X? ff ff ff O Q *— o CD p Oh ■4X OS «ft 3= HaunbiirgeB* Engros-Lager Schulstrasse 4. Alexander Salomon & Co. Sdmistrasse 4 Von Donnerstag den 15. bis Donnerstag den L2. Januar werden nachstehend verzeichnete Artikel einem 473 Räu IllUligS - o Nur vom 15* bis SS. ds. Mts, und bei sofortiger Barzahlung wird der Rabatt gewährt. Gesnudeu und Ltranke» leiften MAGGI’5 Hrrrrn Abend nochmals euu S2er Vorstand D. O Giessen. Zwei Heinr. Marschner. 3. a. Die zwei Königakinder (deutsch) Toneatz v. J. Brahms - C. Hirsch. 4. Meter per Felix Woyrsch. 1» n zu ermässigtem Preise zu haben. 603 Handtuchstoffe . . per Meter 8 Pfg. e OL b. 24. 8. 03. * u 21 690 Der Vorstand. fm fin 1 ^gßdhräninChocolßdg ; -"Kinder verabscheuen flüssiqeriT^-^ #^$>Lebcrthrcm. alle essen aber gerne zfcf* Horn. 614 gänzungswcchlen. 634 Der Borstand. IAirzIlich empfohlen. Verkauf in Carions zu ALL- u M.2.- nurin Apotheken \ Prosptd gratis u franex». Fabrik phannacConolürcn.V'^h.NatkrecuMüiiditn^L 243 a Natterer'sLeberthranTablet 18 58 Roh. Schumann. Konr. Kreutzer. 10 130 12 6350 1400 250 39 14 Guet. Schreck. C. Hunzinger. Fr. Schubert. Leop. Geller. Hugo Wolf. Hans Pfltzner. unter Emma b. Am Aarensee (schwedisch) o. 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JBintrittskarten zu Mk. 1.50 (Sperrsitz Mk. 2.50), Sängerkarten Mk. 1.00, Schülerkarten Mk. 0.50 sind in der Musikalienhandlung von Ernst Challier (Rudolphs Nachf.) und abends an der Kasse, für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Stork 5. Zwei Männer-Chöre: a. Wo ist Gott? . , . b. 0, versenk dein Leid ..... 6. Lieder für Sopran: a. Gretchen am Spinnrad ..... b. Wiegenlied.......... c. Storchenbotschaft ....... d. Gretel............ 7. „Deutscher Heerbann“, Cantate f. Männer-Chor, Solostimmen u. Klavier........ Tischtücher, weiß Jacquard . per Stück 95 Servietten, „ , . i/, Dtzd. 195 Bettuchhalbleinen 160 cm br., per Meter 95 } Tonsatz v. J. Heim. 20% BOUILLON- KAPSELN » AihnNcke Zeugnisse laufe« fort- • während ein über da- für (mntütje ungefährliche, nur für Nagetiere tödliche Nattrnmiltel „Le hat • Ein Bersuch und man ist überzeugt. Ueberall zu haben d 50 Pfg- und Mk. 1.— in plombierten lkarlont. Ferner in Packeten b 1 kg Ölt. 6.-, Ga M Mk. 8.—. Mo nichi zu haben, durch die Fabrik Wilh. llnhait «. m- b. H-. Ostseedad Kolderg. Blnfcn, Kostümölke, ßapes, Zglkctis werden zu jedem annehmbaren Preise abgegeben. 65 Psg. 24 . 65 . 33 „ 24 „ 35 Dosiversteigerung Donnerstag, den 22. Januar 1903, von vormittags 9Va Uhr an, soll im Anne- röder Gemeindewald in Abt. 12 nachverzeichnetes Holz versteigert werden: A. Bau- und Werkholz. Kosten Cheviot, blau, rot ... . Bettkattune, waschecht . . Bcttbarchente, rot, gestreift Blusenstoffe, gestr., uen . Kleiderkattune, waschecht . Schürzeustoffe, doppellbreit ausgesetzt. Trotz billiger Preise werden noch 2O Prozent in Abzug gebracht. Verein für Krankenpflege MladAiig zur Ceueral-VechiiUlNg Mittwoch den 21. Januar, abends 8'/, Uhr (event. 91/» Uhr), in der „Bavaria" (Feidel): Zweite cheneral-Aersammkung. TageS »Ordnung: Berichterstattung. — Rechnungsablage. — Er- Degenseäiirm© in guter Auswahl. a. Waldlied a. d. Rose Pilgerfahrt (mit Klavier-Begl.)......... b. Die Kapelle 1. Recitatlv u. Arie der Anna: „Weh’ mir!“ a. d. z HF Reste g und saäB’ückgeseizte Waaren ® sind aus allen Abteilungen unseres Lagers unter Einkauf zu haben. GDGLTGDGSDTKDGVNTZHTNTST-GTGOGA Submission. Für unsere Klinik soll die Lieferung von Weitzzeug und Kleidungsstücken auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die Bedingungen liegen nachmittags von 3—5 Uhr auf dem VerwaltungSbüreau offen. Angebote, versiegelt und mit der 2 Aufschrift: „Angebot auf WeißzeugliefcrungE versehen, sind mit den Mustern bis zum 31. d. Mts., vormittags 11 Uhr, an welchem Zeitpunkte die Eröffnung der Angebote stattsinden wird, auf dem Verwaltungsbureau abzugeben. Die Zuschlagsfrist beträgt 14 Tage. Gießen, 17. Januar 1903. Gr. Direktion der chirurgischen Unlversitäts-Klinrk. PopperL 617 Einzig bestbewährte fahrbare Bandsäge mit Spaltmaschtue uud selbsttätiger Fortbcwegung sowie sämtliche HolzbealbeituntzS- maschincn liefert 477 Rud. KfiiEZe, Maschinenfabrik, Efltivgeu a. N. Ostertag Siahlpanz. 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