Samstag IN. Dezember 1903 Nr. Ä98 153. Jahrgang Zweites Blatt c£os vom Anion Jack! ist, ist schon berichtet. Ter Wertbetrag der verbrauchten worden seien. c ,, , .... Die Zeugen Sergeant Güncher und UnLerossrzrer Sauerbering betunden, daß Hauptmann v. Grolman fehr aut fcu. den Leuten gewesen und das Unterofjizierkorps die Spuren der Schläge aus Unfälle zurück- s ährt en. Tas Kriegsgericht habe angenommen, daß mangelnde Aussicht Vorgelegen, an der es em besonnener Kompagnieches nicht schien lassen dur.e. Haupt mann v. Grolman fyabe es in fortgesetzter Werse cm Aussicht fehlen lassen; strafmildernd sei es gewesen, daß der An- gellagte ein sehr tüchtiger Offizier und von ausgezeichneter Führung gewesen. .. Hauptmann v. Grolman glaubt, er fei nicht schuldige tueil er altes mögliche getan, was von einem Kompagnie- mes verlangt weroen turnte. Daß Breidenbach leicht aufgeregt sei, wäre ihm belannt gewesen. Oesters habe er oem Unteroffizier gesagt: „Nicht so laut, -'^ann, machen Sie nicht so viel Krach" Es sei jedoch em Unterschied zwischen einem erregten und jähzornigen Menschen. Daß es in Breidenbachs Korporalschaft nur „krumme Leute gegeben, sei nicht zntrefsend. Die Rekruten seien nach der Größe eingeteUt woroen. Zufällig habe wohl B. einen oder zwei wirklich „Krumme" bekommen; von Anfang an ! tonne man nicht wissen, wer ungeschickt sei und wer nicht. Tre Leute des B. seien alle willig gewesen. Zu dessen Charakteristik müsse er ansühren, daß Breidenbach wenn Leute Forischritte machten, ihm dies mit lobenden Worteni gemeldet, ja gebeten habe, die Leute aus der zweiten Exerziertlasse herauszunehmen. Wenn er B. gegenüber den Ausdruck gebrauch, er solle sich die Leute erziehen, so wisse er nicht, wie er sich anders Hütte ausdrüaen sollen. Er habe gemeint: „Erziehen mit erlaubten Mitteln", >zhm .ei von den Mißhandelten stets Komödie vorgespielt worden. Er habe seinem Dienst als Kompagniechej mit unermüdlichem Eifer obgelegen, habe am Tage und nachts in der Kaserne revidiert, aber nie etwas Verdächtiges bemerkt, weil die Unteroffiziere durch den Rus „Achtung' von der Gegenwart eines Vorgesetzten in Kenntnis gesetzt würden. Kauplmaun v. Krolman vor dlm Overkriegsgencht in Berlin. tbnn siebenten Male Halle sich am Freitag ein Kriegs- aeriÄt des (Kardekorps mit dem Fall Äreidenbach zu beicbaitiaen Diesmal war es toieoet Hauptmann t>. Grvl- man der aus der Anklagebank erschien. Ter Kompagnle- ches Breidenbachs war belanntlich. wie wer s-lnerzell mll- teilten vor dem Kriegsgericht der 1. <Äarde-Jn,anterie- SL iu »ier Wochen Stubenarrest verurteilt worden, well er in schulvhast sahrläsFger Weise Äujliülkn und der Knmmujchuuer Zöeverjireik. Berlin, 18. Dez. Aus Berlin wird uns gejchrieben: Cs ist bekannt, daß CH amb er la in besonderen Wert . legt auf die Belehrung Kanadas zu seinen zollpolitischen Plänen. Er will sogar eine Reise dorthin nicht scheuen, um der Agitation durch die Wucht seiner Persönlichkeit. Nachdruck zu verleihen. Dieses Nacydruas bedarf es allerdings, sowohl wegen des spröden Verhaltens der Kanadier zu den Chamberlain'scheu Plänen als auch wegen der politischen Tendenzen, die in dieser Kolonie an Boden gewinnen. Es regt sich ein T r a n g nach Lo s l ö s u n g aus dem britischen Staatsverband im kanadischen Volk, von dem anscheinend auch die Regierung an- aesteckt ist. Tenn wie anders sonst läßt es sich erklären, daß Kanada mit dem Bau von zwei Kreuzern jetzt die Gründung einer eigenen Kriegsflotte in Angriff nimmt? Man lehnt es also wohl ab, weiterhin Beiträge zu den Kosten der Unterhaltung der britischen Reichsmarine ;u zahlen; man verzichtet auch daraus, die beiden neuen Kreuzer oder wenigstens einen der Reichsmarine anzu- aliedern wie dies vor nicht langer Zeit die Regierung der Kapkobonie tat. Es ist im Gegenteil ausdrücklich be- schloisen, je einen Kreuzer an der atlantischen Küste und auf den großen Seeen zu stationieren, sie also gewisrer- maßen im kanadischen Lokaldienst zu verwenoen. Dieses Vorgehen der Leiter des „Dominion" hat natürlich im Mutterlande Befremden erregt, aber nachdem die erste Bestürzung überwunden ist, fühlen sich einige Londoner Gatter gedrungen, zu ermitteln, was solche Entschließung wohl veranlaßt paben könne. Und da ftndet man erwünschte Gelegenheit, Deutschland wieder einmal etwas an- ruhangen. Es wird nämlich mit dem „rollenwidrigen Seiten,prung" der kanadischen Regierung die Tatsache in Verbindung gebracht, daß im Hochsommer dieses Jahres der deutsa-e Kreuzer „Gazelle" als erstes deutsches Krieasschifs den St. Lorenzstrom hinaussuhr bis zum Ontario-See, wobei die Hauptstädte Quebec und Montreal besucht wurden. Das foll den leitenden Männern des Torrftnion wider den Strich gegangen sem und sie auf den Gedanken gebracht haben, fich einige Kreuzer anzuschafsen, damit in Zukunft fremde Krie gs- iffe niajt mehr unkontrolliert kanadische Ge- mäiier be.at>ten. Nun, der Kormnandant der „Gazelle' hat nichts darüber berichtet, daß die kanadische Regierung Die Cottbuser Zusamuienkunst der deutschen Textil- indusiriellen, die sich eines massenhaften Besuches er- fteute, hat eine außerordentlich niederfchlagende Wirkung aus die Streikführer gehabt; sie sehen jetzt ein, daß die Krimmitschauer Arbeitgeber nicht vor der Sozialdemokratie kapitulieren werden und darum kommen sie mit allerlei Insinuationen; niemand in Cottbus uiid Forst denkt daran, die Arbecteii auszu- ühren, in denen die Krimmitschauer Textilfabriken Spezialitäten waren; keine deutsche Trxtft.ab^ic hat üle.ha..pt oer,ucht, jene eigenartigen G.webe nachzumachcn, du-ch die ich die Krimmitschauer auszeichneten. Wer in Cot.bus der Versammlung beigewohnt hat, wird nur bestätigen können, daß eine Einmütigleit die deut,chen Textilinouitrietlen be- ------- o—t s .• eelt, wie sie noch niemals dagewejeu ist; jeder fühlt in- oft vor Mißhandlungen gewarnt habe. Tann wird der tinktiv, daß es sich hier um die Existenz eines geordneten frühere Unterojjizier Breidenbach vernomrnen. — Ber- Wirtscuaftslebens handelt. „Nie hätte ich geglaubt", so Handlungsführer: Was haben Sie darunter verstanden, erklärte ein Vertreter aus Forst, „daß die Einigkeit unter roenn Ihnen der Herr Hauptmann fügte. Sie sollten die den deutschen Fabrikanten so groß wäre, wir haben die Leute besser erziehen? — Breidenbach: ^zch will es Nicht Gelder sowrt mitgebracht." Wenn vie Vertreter zahlreicher fo verstanden haben, daß ich darauft)in die Leute ge- Jndustriebezirke, fo von Luckenwalde, die Erklärung ab- >chlagen habe. — Verhandlungsführer: Haben Sie angegeben: „Was sie auch beschließen mögen zum Kampfe gegen nommen, daß Ihnen der Angeklagte die Wahl der Aus- oen gemeinsamen Feind, wir werden immer hinter chnen bildungsmittel freigeslellt hat? — Breidenbach: Nem, das stehen; die deutschen Industriellen würden gegen das Wohl habe ich nicht. — Verhandlungsführer: Haben Sie das des deutschen Vaterlaiides handeln, wenn sie hier mit Gefühl gehabt, daß Sie von Jyren Vorgefetzten nickft ge- Standesinteressen kämen", so war das für die Kampsi-s- nügend unterstützt worden juid? Smd Sie insolgedeffen ftimmuiig in der Versammlung ungemein chrakteristisch. zur Selbsthilfe übergegangen? — Breidenbach: Das kann Me hatte Lucas Schmidt, der Vorsitzende des Krimmit- ich nicht behaupten Ich habe den Leuten gefügt, sie follen schauer Textilarbeiterverbaudes auch gesprochen, so schlicht nicht angeben, daß ich (ie geschlagen, sondern fie haften und doch fesselnd. Es müchte einen eigenartigen Eiiidruck, sich gefloßen. Herr v. Grolmann nmtzte, daß ich ein hitziges als er erzählte, daß alte Arbeiter zu ihm gekommen Temperament besitze, er wollte einer Mißhandlung wohl wären und gesagt hätten: „Wir möchten zu gern vorbeugen. Ich bm der festen Ueberzeugung, daß wieder in die Fabrik, aber wir dürfen nicht." der Herr Hauptmann nichtsda von gewußt Szenen von dem Terrorismus der Streikenden hat. — Verhandlungsführer: Hatten Sie den Eiiidruck, daß wurden mitgeteilt. Die deutschen Arbeitgeber haben die oer Herr Hauptmann nicht wollte, daß geschlügen wurde? Gefahr begriffen, welckte ihnen droht; und wenn der Streik — Breidenabch: Nein, das woUte er Nicht. — Verhaiw- sich noch viete Wochen hinziehen solfte, die Krimmitschauer lungsführer: Haben Sie jo heimlich die Leute geschlagen, Textilinduftriellen werden nicht kapitulieren. Und die Cott- paß der Herr Hauptmann niemals etwas davon merken buser Versammlung hat laut und bestimmt erklärt, daß sie tonnte? — Breidenbach: Jawohl. ließ eins weiß mit ihren Krimmitschauer Kollegen und daß Das Oberrriegsgericht hob fchließlich nach mehreren -eine pekuniäre Hilfe, welche eventuell verlangt werden weiteren für Hauptmann v. G. günstigen Zeugenausfagen sollte verweigert werden würde. . Idas Urteil des Divisionsgerichts auf und erkannte auf 14 1 ' • jTage einfachen Stubenarrest. meldet: Tie Amishauptmannschaft und der hiesige ^-tadt- AUS §lüVl UllV rat beschto,jen, dte o-planten sleben Werhna-hts. lÄießen, den 19. Dezember 1903. bescberungen für hiesige im Ausftande beftNdliche I 14.03« a Textilarbeiter und deren Familien nicht zu ge- •* Das Großh. Hess. Regierungsblatt Nr. 54 l'tatten Das Verbot wird eingehend damit begründet, enthält: 1. Verordnung, die Abänderung und Ergänzung der daß das terroristische Verhalten der ausständigen Ar- Verordnung vom 28. Dezember 1876 über die Aufhebung beiter gegen die Arbeitswilligen in verfftirktem Maße wahr- Obermedizinaldirettion und die Organisation der Riedlzinal- zunehrnen gewesen sei. Ferirer weist die Behörde daraus joroic bie Bildung der Riedizinalbezirke betreffend. Yin, daß in den letzten Dagen.rn: aufwärtsä?bgehaltenen Bekanntmachung, das Inkrafttreten der Bekanntmachung Lm'amAllungcn und rn Wtotent Beh-m n und 'Ltbstd-sp-nsi-ren dcr h°.nöopathi,ch.n A-rzte, ,o« Einr'chtung und den Bctneb h°mö°Mh'sch°° den sodaß zu erlvarten stehe, daß die geplanten Weih- Apotheken und Dispenfatorien vom 6. Dezember 1902 nacktsbescherungen zu ähnlichen Verhetzungen mißbraucht gierungsblatt Seite 563) betrestend. - 3. Bekanntmachung, die Vorbereitung für den Staatsdienst im Justiz- und Ver- maltiingsfache, hier die Unterweisung von Gerichtsassessoren in der Gesängmskunde betreffend. *• Die Zahl der Postwertzeichen, die im Jahre 1902 an das Publikum abgesetzt oder von den Verkehrsanstalten verwendet sind, hat rund 3289 Millionen Stück betragen gegen 3129 Millionen im Jahre 1901, so daß im Jahre 1902 eine Zunahme um 160 Millionen Stück oder 6,1 v. H. stattgefunden hat. An jedem Tage des Jahres wurden durchschnittlich 9 Millionen Stück Wertzeichen verwendet. Tas am meisten benutzte Postwertzeichen ist die Rtarke zu 5 Pfg., von der 891 Millionen Stück verbraucht sind gegen 843 Millionen im Jahre^ 1901. Die Aiarke zu 5 Pfg. hat damit zum ersten Niale die zu 10 Pfg überflügelt, deren Verbrauch nur von 854 auf 877 Millionen Stück gestiegen ist. An dritter Stelle steht die Marke zu !3 Pfg. mit 470 (1901 442) Millionen, während von der Marke zu 2 Pfg. nur 223 (201) Millionen in Gebrauch I kamen. Marken zu 1 Mk. siud über 6 Millionen Stück verwendet, Marken zu 2 Rtk. 956 878? zu 3 Alk. 242 304 und zu 5 Mk. 101 208. Die Zahl der verwendeten Postkarten ist von 391 auf 408 Millionen Stück gestiegen. An der Zunahme sind die Postkarten zu 2 Pfg. mit fast 12 Millionen, die zu 5 Pfg. nur mit 3H, Millionen Sluck beteiligt. Die Benutzung der letzteren leidet unter dem immer mehr überhand nehmenden Verkehr der illustrierten Postkarten. Daß der Verbrauch der Kartenbriefe abermals etwas zurückgegangen x tolriirHri ZtloOilO -h°!ftich- lMdwill-- erlernt monatl.d) einmal. & V ▼ UmDerfuitibruderet (»letfd) fobffl), etcfccu Genera!-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen. Postwertzeichen bcrrug 297,1 Millionen Mk. gegen 282,8 Millionen im Jahre 1901. w. Wißmar, 17. DcK. Zu den von der Bürgermeisterei Krofdorf bereits bekannt gegebenen Jagdverpachtungen möchten wir auch die hiesige Gemeindejagd- erwähnen. Tas Jagdrecht der Feldmark der hiesigen Gemeinde, 700 Hektar umsasseird, soll Montag, den 18. Januar 1904, mittags 12 Uhr, bei Gastwirt Bruck hier öffentlich ausgeboten werden. Die Pachtbedingungen können gleichfalls vorher auf der Bürgermeisterei eingesehen werden. -j- Friedberg, 18. Dez. Ein interessanter Streit ist hier ausgebrochen. Vor etwa drei Wochen wurde aus der Kaiserstraße die 24. Filiale eines Frankfurter Kolonialwarenhauses errichtet. Ueber die niedrigen Preise des Warenhauses herrscht unter den Kolonialwarenhändlern große Erregung, zumal alles in das Warenhaus strömt. 8. Ulfa, 18. Dez. Gestern abend hielt Pfarrvikar Zins er von Joachimstal in Böhmen vor gut besuchter Versammlung einen l1/, stündigen Vortrag über die evangelische Bewegung in Oesterreich und über seine Tätigkeit als evangelischer Geistlicher inmitten der katholischen Bevölkerung. In fesselnder Weise wußte er die Verhältnisse der evangelischen Glaubensgenossen in bewegten Worten zu schildern und am Schlüsse so herzlich für seine Gemeinde zu bitten, daß eine Tellerspende den Betrag von 25 Mark ergabt „s." B i e d e n k o p f,17. Dez. Dem Komitee des K r e i & kriegerdeukmals, dessen Grundsteinlegung bereits Sonntag, den L November, erfolgte, ist von den in Baltimore lebenden Biedenköpfern eure Beisteuer von 1000 Mark in diesen Tagen zugegangen. Gleichzeitig wurde Bürgermeister Grünewald nachstehendes Schreiben über- mittell: „Genehmigen Sie, unseren Herzensgefuhlen Ausdruck zu geben, indem wir sagen, wir sind stolz, unsere liebe Heinratstadt Biedenkopf mit einem Kunstwerk ge- chmückt zu wissen, das ewig Zeugnis ablegen wird von der eil)ft, zum Tode führenden Vaterlandsliebe der Bewohner ,)es Kreises Biederrkopf." E. B. Darmstadt, 18. Dez. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hat sich heute mittag nach Erledigung des Justizetats bis zum 5. Januar vertagt. Die Etatsberatung im Plenum dürfte demnach erst in der zwecken Hälfte des Januar chren Anfang nehmen. Frankfurt, 18. Tez. Die Erschließung neuer Einnahmequellen für das nächste Geschäftsjahr bildet gegenwärtig die Hauptsorge unserer städtischen Behörden. Als Oberbürgermeister Adickes vor einiger Zeit der Stadt- vevordneterr-Versammlung den Verwaltungsbericht überreichte, machte er bereits darauf aufmerksam, daß die ordentlichen Ausgaben, insbesondere für das Schul-, Kranken- und Armenwesen, um rund eine Million gestiegen sind, während die zur Deckung bestimmte Einkommensteuer nur eine Steigerung von etwa 30 000 Mark erwarten läßt. In der jüngsten Stadtverordneteniitzung betonte der Oberbürgermeister nochmals, daß an oer Äeiaerung der Ausgaben nur das Wachsen der regelmäßigen Lasten schuld sei, nicht etwa die von ihm befolgte Sozialpolitik, die sich in Straßendurchbrüchen und großen Landankäusen äußert. Tie städtische Einkommensteuer wird in gleicher Hohe wie die staatliche erhoben, aber nur in den oberen Steuer- stufen, in der mittleren und unteren treten geringere Sähe ein, und an dieser Einrichtung aus Miquetscher Zeit wrll man nicht rütteln. Tex steuer juchende Blick eches zu diesem. Behufe eingesetzten gemischten Ausschusses ist deshalb auf andere Einnahmequellen verfallen. Neben einer Erhöhung der Hundesteuer (die bisher 15 Mark beträgt) schlägt er die Erhebung einer Abfuhr- mrd einer K'analgebühr von den Mietern vor und erhofft davon eine Einnahme von 800 000 Mark im Jahre. Außerdem soll nunmehr auch ein Lieblingsgedanke des Oberbürgermeisters Adickes greifbare Gestalt gewinnen, nämlich die Besteuerung des Wertzuwachses von Grund und Boden. Einzelheiten über diese neuen Steuern sind noch nicht bekannt; der Bericht des Steuerausschusses wird aber in allernächster Zeit erscheinen. [] Alarbürg, 18. Dez. Die Strafkammer verurteilte heute einen etwa 70 Jahre alten Invaliden Namens Hch. Scheidemantel aus Spießtappei wegen eines an einem kleinen Mädchen begangenen Sittlichkeitsverbrechens zu 6 Monaten Gefängnis. [] Marburg, 18. Dez. Ein älterer verheirateter Maler von hier stürzte so unglücklich vom Gerüst, daß er an den erhallenen Verletzungen starb. [] Kirchhain, 18. Dez. Die Kornhaus-Genossenschaft für den Kreis Kirchhain beschloß gestern, neben dem neuen Kornhaus am früheren Ohmtalbahnhof noch ein großes Lagerhaus zu erbauen. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Aus Kassel meldet man, daß laut Mitteilung an die Kreisbehörden, die Erhebung einer Bezirkssteuer von 6,6 pEt. des bezirksabgabenpflichtigen Steuersolls in Aussicht genommen ist. — Im Lumdatal wurde dieser Tage die Regulierung der Lumda bei Treis und Daubringen beendet. Oerichtssaal. — Das Reichsgericht hat entschieden, dc vertrieb im Wege des Schneeballverfa Lawinen-, Hydra-, Gella- usw. System genannt) als Veranstaltung einer Ausspielung im Sinne des § 286 des Strafgesetzbuchs und der §§ 22 ff. des Reichsstempelgesetzes vom 14. Juni 1900 anzusehen ist. Da derartige Ausspielungen nur mit obrigkeitlicher Genehmigung zulässig sind und einer hohen Stempel ab gäbe unterliegen, so bat das ermähnte Urteil dahin geführt, daß die gedachte Geschäftsform seitens inländischer Gewerbetreibender nicht mehr zur Anwendung gelangt Dagegen sind neuerlich mehrfach Bestrebungen ausländischer Gewerbetreibender hervorgetreten, durch unerlaubte Anwendung des in weniger urteilsfähigen Kreisen anscheinend noch immer als vorteilhaft angesehenen Schneeball- verfahrens in Deutschland Absatz zu verschaffen und dadurch dem reellen inländischen Geschäft unlautere Kontur r e na zu machen. Auf diese Weise sind bis jetzt nachgewiesener- maßen Uhren und hier bei uns in G i e ß e n namentlich wollene, baumwollene oder seidene Damenkleid ungs st ücke zur Einfuhr gelangt; es ist aber keineswegs ausgeschlossen, daß auch andere Waren im Wege des Schneeballverfahrens angeboten werden. Die in letzter Zeck beobachtete Zunahme dieser 2lrt des Geschäftsverkehrs gibt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß nach § 286 des Strafgesetzbuchs die Veranstaltung einer öffentlichen Ausspielung ohne obrigkeitliche Erlaubnis mit Gefängnis b i s zwei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 3000 M k. und nach §§ 25 und 27 des Reichsstempelgesetzes die Empsangnahine oder der Vertrieb ausländischer Spielausweise ohne Entrichtung der Stempelabgabe mit einer dem fünffachen Betrage der hinterzogenen Abgabe gleichkommenden Geldstrafe geahndet wird. der W ar eure n s (auch Handel und Verkehr. VolkLwirischafll! — Emisfiousmodalitäten bei der neuen Reichsauleihe. Demnächst schon sindet beim Reichsschatzsekretär eine Enquete statt, die die Modalitäten ausfindig machen soll, um bei Ausgabe einer neuen Reichsanleihe Erscheinungen zu vermelden, wie sie bei der letzten Anleihe zu Tage kamen. Es trat nicht allein bei der letzten Ausgabe der 3proz. Reichsanleihe, sondern auch bei früheren Ausgaben die unangenehme Erscheinung ein, daß kurze Zeit nach der Subskription die Kurse zurückgmgen; wie besonders empsindlich bie§. nach der letzten Anleihe der Fall war, daran braucht wohl nicht weiter erinnert zu werden; es ist übrigens auch schon ausgiebig! geschehen. Die Besprechungen sollen sehr bald beginnen und hierzu vorerst nur wenige große Bankhäuser und Banken eingeladen werden.. Die Frage der Ermäßigung der Börsenstener wird jedoch hierbei nicht in Betracht kommen. — Bei dieser Gelegenheit kommen wir nochmals auf die jüngst nach der „F. Z." gebrachte Mitteilung: zurück, es solle mit der Begebung einer neuen Anleihe zugewartet werden, inn den Markt nicht allzu sehr zu überladen, demgegenüber wird nicht mit Unrecht darauf hmgewiesen, daß schon im vorigen Jahre gerade die schon verhältnismäßig späte Begebung! nut ein nicht unwesentlicher Punkt der verfehlten Emission war. Es ist bekannt, daß gerade die ersten Monate jeroeilen für eine1 rege Emlssionstätigkeit benutzt werden und daß es daher verfehlt ist, wenn man erst dann erscheint, wenn gewissermaßen der Rahm schon abgeschöpft ist Schon jetzt erfährt man, daß im nächsten Jahre eine außergewöhnlich lebhafte Emissionstätigkeit bevorsleht und die neue Reichsanleihe wird so wie fo »lachhinken, da sie erst nach der Etatberatung herauskommen kann. Es märe also jede weitere Verzögerung nur von Nachteil. Zur industriellen Lage. Tie B u d e ru s s ch e n Eisenwerke in Wetzlar können wieder die gleiche Dividende wie im Vorjahr, nämlich 5 Proz., verteilen. Auch werden die Abschreibungeri gleich hoch wie die vorjährigen sein; damals betrugen diese 1*/« Millionen.— Die Düsseldorfer Eisen- hüttengesellschast hat wieder ein uligünstiges Jahr hinter sich. Sie hat einen Verlust von 46 998 Mk. zu verzeichnen. Tie Uiiterbilanz erhöht sich nach 33181 Alk. Abschreibungen auf 126 312 Alk. Boru Geldmarkt. Die Angelegenheit des Geldinarktes kommt jetzt hauptsächlich wegen der Börfenbedürfnisse zur Besprechung. In Berlin und Frankfurt macht sich nach ivie vor eine gewisse Zurückhaltung der Geldgeber mrd eine ziemlich starke Versteifung des Zliisfußes geltend. Zur Judustriclleu Lage. Nach der „Arbecksmarkt-Korr." ist in der Klelnelsenmdustrie eine wesentliche Besserung eingetreten, doch ist der Geschäftsgang iioch lange nicht gut genug, um alle Arbeitskräfte zu beschäftigen. Im Erzbergbau sind die gehegten Envar- tungen in Erfüllung gegangen. Die Förderung stieg und kam auch in den günstigen Ergebllissen zum Ausdruck. Flott beschäftigt sind die Siegerland- und die nassauischen Gruben. Nicht ganz so lebhaft war die FÖrderniig in anderen deutschen Bergrevieren; doch haben dieselben für die Gesamtförderung nur geringe Bedeutung. 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