Nr. ÄÄO Srscheivt tS-lich außer SomuagS. Dem Gießenerdln^eiger werden tm Wechsel mH dem Hessischen Landwirt die Gießener Kamillen- Hättet viermal in der Woche beigelegL RottUwnSdruck u. Cerlag bei DrühNche« Untnerj.-Buch- u. 6kta* drucker« (Pietsch Erders «Edattton, fcpebtttam imb Druckerei: Gchnlflratze 7. Tlbrefle sür Depeschen» «nzetger Gtetze«^ Ferntprrchanschluß Nr. 6L Erstes Blatt. 153. Jahrgang Samstag 18. September 1903 Gießener Anzeiger M General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen Ve-ugspret-r monaluch^dPs., viertel» jährlich Mk. 3L0; durch Aohote* u. Zweigstellen rnonatlich 6o Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- |ä()vl au-schl. Beslellg. Annahme oon Anzeigen kür oie TageSnumrner bis vormittag- 10 Uhr. Zetlenpret-r lokal 1L Pf* nuSrvärt- 20 Pfg. Oeraatwartilch fflt den poltt an> ullgem, Teil; P. Wtttko: füe «Stadl und tianb* und «GertchtSsaal^r August Äöy; für den An- -etgentetlr panS Beck. Aas letzte Vierter des Zaßres 1903 wird ein an gemein reges politisches Leben zeigen. Im Groß Herzogtum Reffen steht zunächst die Darmstädter Landtagswahl bevor, die vielleicht wieder außer- odentliche Ueberrraschungen bringen wird, und dann werden wohl auch recht tateteffeinte Kamrnerdebatten zu erwarten sein. Im Reiche ist das Mchtigste der Zusammentritt des neuen Reichstages, in welchem schon gleich die Frage der Präsidenten wähl wohl zu ähnlich lebhaften Auseinandersetzungen sichren dürfte wie z. Z. aus dem Dresdener sozialdemokratischen Parteitage. Ferner ist anzunehwen, daß die mehr und mehr in den Vordergrund tretende Frage der Reichssinanzreform alsbald von Bedeutung für die innerpolitische Lage werden wird. Immer bedenklicher gestalten sich die Dinge in Oesterreich-Ungarn. Durch die magyarischen Sorrderbestreb- uugeu wird jetzt sogar die Einheit des Heeres bedroht, desjenigen Faktors, auf welchem der Zusammenhalt der alten habsburgischen Monarchie noch am meisten beruht. Der soeben erlassene ArmeebesehlKaiserFranzJosefs hat saft ebenso sensationell gewirkt, wie der Rücktritt des englischen Kolonialministers Joe Chamberlain. Die weitere Entwicklung der englischen Ministerkrise ist von größter allgemeiner Bedeutung. Um dasPulverfaßimOrient züngeln gefährliche Flammen. Die Revolutionäre glauben sich stark genug, Bulgarien gegen die Negierung mit sich zu reißen und diese gegebenenfalls! mit dem Fürsten wegzufegen. Die Hauptfrage ist, ob Rußland nicht mit seinem Doppelspiel zwischen die ernstlichen Bemühungen der Türkei fährt, möglichst ohne internationalen Anstoß den ernsten Aufruhr zu ersticken. Erst üach Beruhigung Macedoniens kann von der Türkei die Durchführung der Reformen erwartet werden, die man von ihr fordert. Jedenfalls wird der Sultan die Rechte ferner: Souveränität über Bulgarien wie ein Verzweifelter verteidigen, denn Maeedonien verlieren heißt für ihn Stambul verlieren. Das ist es, worauf Rußland feit zweihundert Jahren hinaus will; es würde nicht einen Augenblick anstehen, alle Verabredungen, Zusagen, Verträge über den Haufen zu werfen, wenn es den geeigneten Zeitpunkt dafür gekommen glaubt. Ter Gießener Anzeiger wird über alle diese Vorgänge auch in Zukunft erschöpfend berichten und forit- fahren, feine Stellung als größtes und bestunterrichtetes Provinzialblatt mit Hilfe feiner bewährten alten und einer Anzahl tüchtiger neu erworbener Mitarbeiter in Stadt und Land immer mehr auszubauen. Bestellungen für das 4. Vierteljahr 1903 auf den Gießener Anzeiger nehmen alle Postanstalten, unsere Träger, unsere Zweigstellen und die Spedition, Schulstraße 7 in Gießen, an. Zur Vermeidung von llnregelmäßigkeiten in der Zustellung empfehlen wir unseren verehrten Postabonne nt e n, die Bestellung s ch o n j e tzt bei den Briefträgern zu erneuern. Neu eintretende Bezieher erhalten gegen Einsendung des Post-Bestellscheins die Zeitung unentgeltlich, und post- ftei bis Ende September durch die Geschäftsstelle zugesandt. 5>tr StapeLauf des Linienschiffes „Keffen". Kiel, 18. Sept. Heute vormittag fand auf der „Germaniawerft" der Stapellauf des Linienschiffes L", eines Schwesterfchiffes der „Braunschweig, in feierlicher Weise statt. Vor dem Vordersteven des gewaltigen Schiffes nach der inneren Werft zu war die mit geschmackvollen Draperien versehene Taufkanzel, an der Steuerbordseite ein Pavillon für die hohen Herrschaften errichtet. Sämtliche Werftgebände und die Werft' wäret: reich, mit Flaggen und ft Ochern Grün geschmückt. Nachdem die vom ersten ^eebatall«on gestellte Ehrenwache Aufstellung genommen hatte, trafm die militärischen Abordnungen und die überaus zahlreich geladenen Gäste ein; ferner hatten sich eingefunden der Inspekteur der Marineinfanterie Oberst Dürr, die Kommandunten der hier anwesenden Schisse, andere hohe Offiziere, außerdem die Spitzen der Zivilbehörden. Auch die Beamten und zahl- reiche Arbeiter der Germaniawerft hatten in der Umgebung des Schiffes Ausstellung genommen. Der Grothe r z o g von Hessen sowie Prinz und Prinzessin H e r n- r i ch von Preußen nebst Gefolge trafen um 11 Vs llhr auf der Werft ein und wurden durch den Staatsserretar oes Reichsmarineamts v. Tirpitz empfangen. Die ^Ehrenwache präsentierte unter den Klängen des Prajentier- marsches. Nach Vorstellung der Herren der Direktion durch den Staatssekretär v. Tirpitz begaben sich die,hohen Herrschaften aus die Tauskanzel, worauf die hessische Flagge gehißt wurde. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog hiell mit weithin schallender Stimme folgende Taufrede: Seine Majestät der Kaiser haben Mir und Meinem Lande eine hohe Ehre erwiesen, indem Allerhöchstdieselben geruht haben, dem Linienschiff JLU den Namen „Hessen" zu verleihen und Mir den Auftrag zu erteilen, den Taufakt zu vollziehen. Seiner Majestät dem Kaiser spreche Ich für diese Huld Meinen und Meines Landes tiefgefühltesten Tank aus. Dem neuen Linienschiffe aber als Träger deutscher Wehrkraft im Frieden wie im Kriege wünsche Ich Glück und Segen auf alle feine Wege und zu allen seinen Aufgaben, in der Zuversicht, daß es seinem und dem deutschen Namen tu allen Meeren und in allen Welten Ehre machen und das Band noch befestigen werde, welches Mich und Mein Volt mit der deutschen Marine verknüpft. Aufj Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät des Kaisers übergebe Ich da§ stolze Schiff, ein rühmliches Zeugnis deutscher Intelligenz und deutschen Fleißes, der: Wellen — und taufe es auf den Namen „Hessen". Nach dem Taufakt sprach Se. Kgl. H. der Groß- herzog folgende Worte: Seiner Majestät Linienschiff „Hefsen" begrüße Ich mit dem Rufe, der in den Herzen Meiner Untertanen und aller Deutschen widerhallen möge: Seine Majestät der Kaiser Hurra! Hurra! Hurra 1 Die Musikkapelle spielte die Nationalhymne. Unter brausenden Hurrarufen der Menge glitt das gewaltige Schiff ins Wasser hinab. Nach der Feierlichkeit begaben sich die fürstlichen Herrschaften mit ihrem Gefolge in das königliche Schloß zurück. Anschließend an den Stapellaus fand zu Ehren des Großherzogs im hiesigen Schlosse Mittagsmahl statt, an der Prinz Waldemar von Preußen, Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg und Prinz Heinrich der 32. zu Neuß teil- uahmen. Ferner waren geladen der hiesige Hofstaat, das Gefolge des Großherzogs, Staatssekretär v. Tirpitz, der hessische Staatsminister D-r. Rothe, der hessische Gesandte in Berlin, v. Neidhardt rc. An den Kaiser hat S. K. H. der Großherzog folgendes Telegramm gerichtet: An des Deutschen Kaisers Majestät. Euerer Majestät melde Ich, daß die Taufe des Linienschiffes JL“ auf den Namen „Hessen" heute von Mir vollzogen und der Stapellauf des Schiffes glücklich von statten gegangen ist. Indem Ich Euerer Majestät nochmals für den Mir übertragenen ehren- volleu Auftrag Meinen wärmsten Dank ausspreche, hege Ich zugleich die Hoffnung, daß das stolze Schiff sich im Dienst Euerer Majestät unb des deutschen Vaterlandes stets der Traditionen unserer Flotte würdig erweisen werde. Ern st Ludwig. Kaiser Wilhelm in Wien. Wien, 18. September. In Erwartung der Ankunft des deutschen Kaisers fanden sich trotz des kühlen, trüben Wetters schon ftüh auf dem Wege von der Hofburg bis zum Südbabnhof Tausende von Menschen ein. Die Stadt hat Festschmuck angelegt. Auf den Plätzen sind Triurnphpfosten errichtet, welche mit Guirlanden untereinander verbunden und mit dem Reichsadler und der Kaiserkrone geschmückt sind. Schon am frühen Morgen waren die spalierbildenden Truppen, im ganzen 27 Bataillone Infanterie, 18 Eskadrons Kavallerie und 10 Batterien ausgerückt und hatten dem äußeren Burgtor gegenüber Aufftellung genommen. Gegen 9 Uhr trat Kaiser Franz Josef in der Uniform eines deutschen Generalfeldmarschalls mit dem Bunde des schwarzen Adlerordens die Fahrt zum Bahnhof an. In dem mit Env- blernen und Fahnen in den Farben der beiden Reiche dekorierten Südbahnhofe waren die hier anwesenden Erzherzöge, die Mitglieder der deutschen Botschaft, Generalkonsul von Liebig, der bayrische und sächsische Gesandte, der deutsche Generalkonsul in Budapest, der Verein Mederwald, der Verein der Bayern, die deutsche Vereinigung der Offiziere des Beurlaubtenstandes, der deutsche Hilssverein, eine Abordnung des deutschen Er^ieherinnenheiins rc. rc. erscheinen. Um halb 10 Uhr lief der Hofzug mit dem Kaiser in die Hatte ein. Unter den Klängen der preußischer: Hymne verließ Kaiser Wilhelm, der die Uniform der L k. Generale der Kavallerie mit dem Bande des Stefansordens trug, den Wagen. Nach herzlicher Begrüßung der Monarchen durch Händedruck, Umarmung ruck> wiederholtes Küssen begrüßte Kaiser Wilhelm die Erzherzöge und die Mitglieder der deutschen Botschaft. Beide Monarchen schritten sodann die Front der Ehrenkompagnie ab und bestiegen den Wagen, der unter stürmischen Hochrufen der ^Menschenmenge den Weg zur Hofburg nahm. In weiteren Wagen folgten Reichskanzler Graf Bülow, das deutsche Gefolge, Dr. v. Lu- canus, Oberstabsarzt Dr. Jlberg rc. Als der Zug bei dem äußeren Burgtor anlangte, wurden die Standarten beider Herrscher gehißt, während die Batterie 24 Schüsse abgab. Um 10 Uhr fuhren beide Kaiser in die Hofburg ein. Hier nahm Kaiser Wtthelm bald die Vorstellung der Würder> träger entgegen, uui> zwar der gemeinsamen Mirttster mit dem Grafen Goluchowsty än der Spitze, der Minister des österreichischen Kabinetts mit dem Ministerpräsidenten von Körber an der Spitze, des ungarischen Ministerpräsidentei: Grafen Khuen-Hedervary rc. Nach kurzem Eercle, bei den: Kaiser Franz Josef die Anwesenden feinem Gast vorstellte, zog sich Kaiser Wilhelm in seine Appartements zurück. Der Kaiser unterhielt sich bei dem Begrüßungseercle lange mit dem Mnisterpräjidenten v. KöÄer und dem Grasen Khuen-Hedervary und gab Karten bei den beiden und bei dem Grafeil Goluckp)wsti ab. Nuntius Taliani gckb in der Hofburg seine Karte für Kaiser Wilhelm ab. Kaiser Wilhelm stattete dann dem Kaiser Franz Josef einen längeren Besuch ab. Um 11 Uhr vormittags empfing Kaiser Wilhelm den deutschen Botschafter Grasen von Wedel. Der Kaiser fuhr mittags zur Kapuzinergrust, wo ec auf den Särgen der Kaiserin Elisabech ur:d des Kronprinzen Rudolf Kränze niederlegte. Sodann ^gjab der Kaiser bei den Erzherzölwu und Erzherzöginnen seine Karte ab. Nach der Hofburg Mrückgekehrt, nahm der Kaiser mit den Herren des Ehrendienstes unb des Gefolges das Frühstück ein. Zur Frühstückstafel wäre:: der Reichskanzler Graf Bülow, der deutsche Botschafter Graf Wedel, das Gefolge und der österreichische Ehre:tdienst zugezogen. Bei der Gala täfel brachte Kaiser Franz Josef folgenden Trink sprach aus: Herzlich willkommen heiße ich Ew. Majestät und gebt der auftichtigen Freude Ausdruck, den treuen Freund und Bundesgenossen heute in unserer Mitte zu empfangen. Ew. Majestät sind durch Hierheckunft dem von mir gehegten Wunsche eines Wiedersehens mit einer Bereitwilligkeit entgegengekommen, die in mir das Gefühl warmer Erkenntlichkeit wachrust und die das schon so feste Gefüge unserer gegenseitigen Beziehungen gewiß mit neu erhöhter Kraft ausstatten wird. Von dieser Zuversicht durchdrungen bitte ich (Äv. Majestät zu gestatten, daß ich mein Glas auf Ihr Wohl sowie auf unsere unerschütterliche Freundschaft erhebe und dabei ansruse: Se. Majestät Kaiser Wilhelm lebe hoch! Die Anweserlden stimmten begeistert ein. Die Musik intonierte „Heil Dir im Sieger kränz". Auf den Trinkspruch erwiderteKaiserWilhelm: Von tiefer Dankbarkeit erfüllt, bitte ich Ew. Majestät, in Gnaden bei: Ausdruck meines innigen Dankes ent> gegennehmen zu ivollen für die fteunduchen Worte, mit denen Elo. Majestät mich soeben bewillkommnet haben, sowie für den herzlichen und glänzenden Empfang', den mir die stets gastfreie, ewig schöne Kaiserstabt an der Donau, Ew. Majestät Residenz, bereitet haben. Nichts konnte mir willkommener sein, als den Wünschen Ov. Majestät entsprecheiw hierherzueilen, um meinen in EhFfurcht geliebten erhabenen Freund und Bundesgenossen zu begrüßen. Der Anblick Gv. Majestät stolzer Regimenter war mir eine Herzensfreude, denn den Bund unserer Länder tragen unb festigen unsere beiden Heere zum Wohle des Friedens in Europa. Wenn ich mein Glas nunmehr auf das Wohl Ew. Majestät erhebe, bitte ich zugleich^, dec Dolmetsch der Gefühle atter Deutschen im Reich sein zu dürfen,' wenn ich dem Wm:sche Ausdruck gebe: Gott segne unb erhalte Ew. Majestät unb Ihr erlauchtes Haus. Ke. Majestät Kaiser unb König Franz Josef hurra! Die Versammelten stimmten begeistert ein. Kaiser Wilhelm stattete heute nachmittag der Königin Mutter von Spanien einen Besuch ab. Auf der Fahrt von der Wiener Neustadt nach Wien hörte der Kaiser den Vortrag des Reichskanzlers Grafen v. Bülow. Abends wohnten die Mvnarchei: einer Festvorstellung in der Hofoper bei, wo die „Weiße Dame" gegeben wurde, und kehrten gegen 10 Uhr in die Hofburg zurück. Kaiser Wilheln: überbrachte seinem Infanterieregiment Nr. 34 ein Gemälde, darstellend Die Parade des Regiments vor Wilhelm I. in Berlin im Jahre 1864. Kaiser Wilhelm verlieh zahlreiche Orb end and* Zeichnungen, darunter die Kette zum schwarzen Adlerorden den: Erzherzog Le-ovold Salvator, ot'e Brillanten zum schwarzen Adlerorder: dem Oberhofmeister Fürsten von und zu Liechtenstein, bei: Verdienstorben der preußischen Krone den Ministerpräsidenten v. Körber und Grafen Khuen- Hedervary, dem Bürgermeister Dr. Lueger den roten Sblererben zweiter Klasse mit dem Stern. Kaiser Franz Josef verlieh dem Botschafter Grafen von Medel das Großkrenz des Stefansordens. Die „Nordd. Aklg. Ztg." schreibt: Auch in Deutsche land weiß man jede Bekräftigung der u n v e r b r Ü ch l: ch e"n Freundschaft und Bund es treue, die die Oberhäupter durch Geschichte, Ueberlieferung und gemeinsame Interessen eng verknüpfen unb die mitteleuropäischen Kaisermächte umschließen, als Bürgschaft des Friedens und der Wohlfahrt hoch einzuschatzen unb begleitet den Verlauf der Wiener Kaisertage mit dem zuversichtlichen Vertrauen, daß über ihnen, wie über dem gesamten^ Wirker: der beiden verbündeten Herrscher der Geist rückhaltloser Friedensliebe ausgebreitet ist, von der gleichen Ten- denz, des dürfen die Völker Deutschlands und Oesterreich- Ungarns, sowie ganz Europas gewiß sein, die Unterredungen beider Monarchen unb der leitende:: Staatsmänner beherrsch! bleiben, die von der hohen Mission des Bünd- n i s s es beseelt sind, das birrnen wenig mehr denn Jahres- ftist auf ein Vierteljahrhundert ungeschwäch- ten Bestandes zurückzublicken vermag. Die gegenwärtige Begegnung unseres Kaisers mit den: verehrungswürdigen Monarchen auf dem Thron der Habsburger wirb dazu beitragen, die Überzeugung zu festigen, daß der Bupd der Herrscher und der Völker Deutschlands unb Oesterreich- Ungarns in unerschütterlicher Lebenskraft fort* bauert zum Heile der Nationen, bie er umfaßt, und zum Segen aller Friedensbestrebungen. Wom sozialdemokralischen Farleitage in Dresden. . v. Dresden, 18. ^»ept. Die heutige Sitzung wurde von Singer erösfnet. Auf der Tagesordrlunq ftanb1 die Fo r tsetzunAder r e v: s t o * nistischcn Debatte. Nach Bekanntgabe zweier Abänderungs-Anträge zu dec Resolution BLbel->singer- Kautsky erhielt Voll mar das Wort. Er führte m auv: Bebel habe die innere Lage der Parte: gejchild^rt, so wie sie sich in seinem Kopfe male, und b-abe: einen großen äußeren Eindruck erzielt. Er, Redner, fei ^^^enuber im Nachteil, da er kein solches Nednertalent besitze uiü) nicht über die Mittel verfüge, welche Bebel angewandt habe. Er bedauere die Abschweifung bei den Berhandlimgen, wodurch man weit vom Ziele gekommen sei, und werde sich bemühen, dies wieder gut zu machen. Es heißt immer, die Meinungsfreiheit unter uns sei gesichert, ja, aber es ist ebenso wie das militärische Beschwerderecht. Sagt einer etwas, was der Majorität nicht paßt, dann fallen sie wie die Wölfe über ihn her. So geschieht es auch Bernstein, und das hat mich schon lange angeekelt. Wenn, wie viele meinen, die Teilnahme im Präsidium ganz wertlos ist, warum fordern wir denn dann die stelle des einen Vizepräsidenten? Nachdem nun einmal die Partei so empfindet, wie es der Fall ist, ist gan zselb st verständlich die Angelegenheit damit erledigt, denn die Partei entscheidet. Aber es gibt bei uns Leute, denen nicht wohl ist, wenn sie nicht die Partei in Gefahr sehen, um sie daraus retten zu können. (Sehr gut.) Schade, daß wir keine Geschichte der ParteitakM haben, denn da hätten wir eine Geschichte der prinzipiellen Versumpfung unserer Partei. (Sehr gut!) Was ist nicht alles als Giftbecher angesehen worden, und dann hat die Partei ihn doch getrunken und sich dabei sehr wohl befunden. Nur wurde freilich die Giftetikette dann immer einem anderen Glase angehängt, das allerdings nach einiger Zeit auch wieder geleert wurde. Früher regte Besbel sllh darüber aus, als wir mit Bürgerlichen eine Konferenz über Arbeitsnachweis hielten. Das war Wadenstriimpfelei, sagte er, und zwei Jahre spater hat derselbe Bebel in Zürich mit Bürgerlichen getagt auf der Arbeiterschuhkonserenz. (Bebel ruft dazwischen.) Ja, lieber Bebel, ich hatte die Wadenstrümpfe schon, Du mußtest sie Dir damals erst erwerben. (Heiterkeit.) Unsere Bewegung .ist eben Bewegung, nichts Feststehendes. Das war so und wird immer so sein. Zwischen heute und dem Endziel ist noch so manches, wovon unsere Schulweisheit sich nichts träumen läßt. Aus einer alten Geschichte eine Haupd- und Staatsaktion zu machen, wie Bebel es tut, als ob es etwas Funkelnagelneues wäre, ist unnötig. Man mag noch sv viele Rücksicht auf Bebels Temperament nehmen, einen Freibrief für alles gibt es ihm doch nicht- (Sehr richtig!) Das ungezügelle Temperament schadet nicht nur auf Fürstenthronen, sondern auch auf Parteithroueu. (Lebhafter Beifall.) Wer andere beherrschen will, muß erst sich selbst beherrschen. (Beifall.) Wenn Bebel so empfindlich ist gegen die leiseste Berührung, dann soll er auch nicht gegen andere losfahren mit einer Wahllosigkeit der Mittel wie hier. Es giebt noch mehr Leute als er, die etwas für die Partei getan haben. Er soll chnen die Arbeit nicht verekeln. Er maßte sich sogar an, auch über die persönliche Ehre von Genossen und Genossinnen ab sprech end zu nitriten, hoch- mögende Zensuren auszuteileu, die Genossen in wahre und falsche eirrzuteilen usw. Bebel hat dann ganze Landstriche als schlecht hingestellt, den Süden, Bayern, München, das Capua der Sozialdemokratie. Ja, es kann doch nicht jeder ein Preuß' fein! Einen Dienst hat er mit seinen Bemerkungen uns nichjt erwiesen, und wie hat er uns hier behandelt? Ist das nicht die Sprache eines Diktators? (Lebhafter Beifall.) Ich erhebe die Fahne der Rebellion immer dann über Bebel, wenn die Mehrheit der Partei nicht einverstanden ist. Wir wollen frei sein im Rat, allerdings einig in der Tat. Bebel ist in den letzten Jahren öfter in die Minderheit gekommen als früher, und das muß dann der Grund dafür sein, daß -die Partei tu Gefahr sei. Mer wählt denn die Revisio- nisten? Doch wohl auch die Masse. Wenn man das nicht will, soll man hall einen Index aufftellen und nur siebenmal Gesiebte zu Kandidaten machen. Bebel hat mich aud), mit Millerand verglichen. Ich möchte mich schön bedanken, der deutsche Millerand zu fein, schon deshalb, weil die Steigerung in Berlin ist (große Heiterkell) und ich mir einen angenehmeren Aufenthalt weiß. Man sollte dem widerlichen Byzantinismus in der Partei- Presse ein Ende machen. Gegen das Wort Bebels, daß wir Komödie spielen, protesüere ich aufs Entschiedenste. Dieses Wort hat uns großen Schaden gebracht. Kautsky ist ein Fanatiker der Theorie, ein deutscher Professor, der lieber die Welt Grunde gehen läßt, als einen Spahn aus seinem Lehrgebäude zu ziehen. (Unruhe.) Parteigenossen! Wem: Ihr Bebel angehört habt, ist es auch Eure verdammte Pflicht, mich! anzuhören, sonst könnte man meinen, Ihr terrorisiert. (Beifall.) Man macht uns hier einen politischen Tendenzprozeß schlimmster Art. (Sehr richtig.) Kautsky sagte, das Anzweifeln der zur zell geltenden Sätze müsse eingestellt werden. (Zuruf: zurückgestelll) So, also die Meinungsfreiheit wird nicht verboten, sondern vertagt! Ja, das können Sie in der katholischen Kirche beim Papst auch haben. Wenn man mir einen/ Maulkorb zumutet, dann ist es mir gleich, ob es ein polizeilicher oder demokratischer ift (Beifall.) B . u der Reso- lullon Halle ich mehrere Sätze für falsch. Volkmar erklärte, der Revisionismus sei ein Popanz. Niemals fei die Einigkeit größer gewesen als jetzt. Ter Parteitag müsse entweder Personen zum Austritt aus der Partei oder zur Unterwersiurg auffordern, aber allgemeine Angriffe beiseite lassen. Hoffentlich werde bei Parteitag erkennen, daß die Dinge gufgebauscht worden seien und die Führer rechts und links auf den Posten gegen den gemeinsamen Feind zurückrufen. Die Rede Vollnrars dauerte beinahe vier Stunden und wurde mit großem Beifall aufgenommen. Tann folgte die Diskus sion. Katzen stein-Berlin: Der heuttge (Streit beruht zum größten Tell auf persönlichen Stänkereien. Die muffen wir überwinden. Wir sollten das Programm auf dre Tagesordnung setzen. Der Zustand, daß Parteigenossen sich feindlich gegenüber fielen und kaum mehr grüßen, ist Nicht mehr zu ertragen. Pinn-München: Noch auf keinem Parteitag war das gegenseitige Mißtrauen so groß wie hier. Bebel hat in demagogischer Weise gegen uns gearbeitet Er hat an die niedersten Instinkte der Massen appelliert und sie gegen die besser gestellten Gewerkschaftsführer ausgestachell. Wenn einer und der andere auftritt und sagt es müsse gewissen Leuten der Stuhl vor die Tür gesetzt werden, darm fann wirklich einmal etwas kommen. Hat man nicht auch schon gesagt, freilich nicht öffentlich Auer abzusäaen. Auer: Es ist das Gerücht entstanden, der Genosse Mehring müsse den Parteivorstand in Händen haben, weil der Parteivorstand Mehring schütze. Ich halte Mehring für sehr talentiert und seine Mitarbeit für erwünscht und ui) wollte allerdings nicht, daß er in eine leitende Stellung kommt, wie es jetzt der Fall ist Ich erlläre aber, daß nie? manb im Besitze von Geheimnisfen ijt, deren wir uns zu sthamen hatten. Dafür lege icy die Hand ins Feuer. (Großer Beifall.) Nun zur Sache: Ich muß trotz meiner langen Bekanntschaft mit Bebel sagen, daß er selbst zuerst den harten Ton angeschlagen hat. Was ist denn dem guten August in den Leib gefahren? Alan hat hier gesagt Bernstein sei der neue Messias. Ich bin ein alter Freund Bernsteins, aber oas muß ich schon sagen, daß er mit einer Tappigkcll ohne gleichen immer daneben trifft. Wenn er afto der Messias ist, dann seien Sie ganz ruhig — er führt Sie nicht in den Himmel. (Heiterkell.) Schulter an Schulter haben wir vor wenigen Wochen gekämpft und jetzt schimpft mau hier, so könne es nicht weitergehen. Das war sehr überflüssig. Wenn er recht verstehe, verstehe man unter Revisionismus in der Partei die Aufgabe des Klassenkampfprinzips, Ueberbrückung der Gegensätze zu den bürgerlichen Parteien und Anschluß an die bürgerliche Linke. Man habe auch ihn einen Revisionisten genannt und er sei es. Wenn aber unter Revisionismus gemeint sei, Aufgabe der Selbständigkeit der Partei und wenn man mir unter schiebt, ich sei für die Ausgabe des Klassen- kampfprinzips, erkläre ich das als eine gemeine Ver- länmdung. Auer bezeichnet den 'Anschluß an die bürgerliche Linke als eine Dummheit. Lange Lärmszenen folgen auf die Mitteilung Fischers-Berlin, Berliner Delogierte agitierten, um Auer hinterrücks aus dem Parteivorstand heran s- z u b r i u g e n. Andere Berliner Delegierte erklären die Mitteilung für unwahr. Die Angelegenheit blieb unaufgeklärt. Die Tagung schloß erst um ^9 Uhr. Volitische Tagesschau. Gesetzliche Regelung der Heimarbeit in der Zigarrenindnstrie. Wie im Juli bekannt wurde, unterliegt gegenwärtig der Beratung bei den Bundesregierungen ein Gesetzentwurf über die Regelung der Zigarren-Hausindustrie. Dieser seinerzeit durch die Soziale Praxis inhaltlich veröffentlichte Gesetzentwurf wird von dem Heidelberger Privatdozenten Dr. Jasfö in demselben Organ einer ausführlichen Kritik unterzogen. Dr. Jaffö sttninll der vorgeschlagenen gesetzlichen Regelung im allgemeinen durchaus zu. Namentlich billigt er, daß der Entwurf davon absieht, die für Betriebe mit fremden Arbeitern geltenden Besttmmungen einfach auf die Familienbetriebe zu übertragen; würde anders verfahren, dann könnten viele Familien, die nicht imstande sind, in fremden Werkstätten zu arbeiten, ihren Verdienst verlieren. Das wäre um so beklagenswerter, als zum Beispiel int Regierungsbezirke Minden Hunderte von Zigarrenarbeitern während der letzten zehn Jahre sich ein" Stück Land gekauft und ein Haus darauf erbaut haben und sich durch die Verbindung von landwirtschaftlicher Nebenbeschäftigung und Zigarrenfabrikation auskömmlich ernähren. Die vorgeschriebene Mindesthöhe von 21/2 Meter für Arbeitsräume hält Jaffe in der Voraussetzung für aus-, reichend, daß die Praxis dieses Mindestmaß nach und nach überschreiten werde. Die Ausdehnung der Vorschriften des Kinderschutzgesetzes über die Beschäftigung fremder Kinder unter 12 Jahren für Dritte wird von Jaffe besonders anerkannt, da die Folge davon der erfreuliche Zustand ist, daß in der Zigarrenindustrie kein Kind unter 12 Jahren mehr tätig fein wird. Hiermit fei den schlimmsten Auswüchsen der hausindustriellen Zigarrenfabrikatton ein- für allemal der Boden entzogen. Die Gewährung zeitlich begrenzter Ausnahmen für die bei Erlaß des Gesetzes bestehenden Arbeitsstätten möchte Jaffe nicht zu freigebig erteilt sehen. Für unbedingt der Abänderung bedürftig aber erklärt er folgende Bestimmung des Entwurfes: ,^ti Räumen, in denen das Abrippen von Tabak, das Wickeln, Rollen oder Sortieren von Zigarren vorgenommen wird, muß auf jede Person, welche mit den oben genannten Verrichtungen beschäftigt ist, mindestens 10 Kubikmeter Luftraum entfallen, wobei die Anwesenheit anderer Personen außer Betracht bleibt. Für Räume, die ausschließlich als Arbeitsräume dienen, ist der Mindestluftraum auf 7 Kubikmeter festgesetzt." Die gesperrt gedruckte Stelle ermöglicht je nach der Größe der Familie die Herabdrückung des Luftraumes weit unter 7 Kubikmeter, d. h. unter das geringste zulässige Luftmaß für die Person. Deshalb fordert Jaffe entweder einen separaten Arbeitsraum für jeden Familienbetrieb, wobei dann ein Luftraum von 7 Kubikmeter pro Person genügte, oder es müsse bei der Bemessung des Luftraumes nicht pur auf die Zahl der arbeitenden, sondern auch auf die denselben Raum gewöhnlich benutzenden anderen Per- sonen Rücksicht genommen werden. Aus Stadt und Kand. Gießen, 19. Sept. 1903. •* Der wegen Hochstapelei kürzlich verhaftete Pharmaceut Schmidt wird demnächst vor der Strafkammer zur Abutteilung kommen. Die Voruntersuchung hat, wie man uns mitteilt, ergeben, daß etwa 10 hiesige Geschäfte zu ihrem Nachteil beteiligt sind. ** Ein verschwundenes LiebeSpärchen. Ein erst 17 Jahre alter Apothekerlehrling, Sohn achtbarer Eltern, verliebte sich in eine 27 Jahre alte Erzieherin. Das Paar ist, wie man erzählt, seit etwa 10 Tagen von hier verschwunden, über den Aufenthalt ist nichts bekannt. 0 Pfungstadt, 15. Sept. Der hiesige Gesangverein „Männergucfttett" veranstaltet im Juni kommenden Jahres anläßlich seines 30jährigen Bestehens einen großen Gesangswettstreit, zu dem bereits zahlreiche Einladungen ergangen sind. Zu dem Gesangswettstreit haben S. K. H. der Groß her zog einen Ehr enpr eis zu bewilligen geruht; und zahlreiche andere wertvolle Preise sind bereits zugesichert. Ober-Seibertenrod, 14. Sept. Die grä»°°mber gtfuchk (SgM Frau L. Noll, Bahnhosstr. ol. Gegend ständig zu besuchen, um. aa den Vertrieb von Kutterkalk, ^^0^1288 ULävllVll Mastpulver rc.sur eine erste chem. * Y (YY s Fabrik eneraisch in die Hand zu I äum 1. Vtlober für Küche und nehmen. Nur tätige gut beleum. gesucht, ^^^durszttui, Herren, welche die Vertret, als 6990^ndwigstraße 31. s»' Srmtä SiajhnäMet AdW Micrinen I. Hahn> Bäcker, Walltorstr. 31.1 zum Aufheften von «chirmeu 8S78f^Schön möb!.Zimmer >nit P°° ««ftcht. Pension zu verni. Lindenplatz 7. 3L. Levi, iseltersweg^— 04402] Niöbliertes Zimmer zu I Mädchen vermieten. 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