Ms «J der Krankheit links.) nition.) 630 an- ir mich •utigen Üier3 n leu 153, Jahrg Montag, 19, Januar 1903 Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'schen Universilätsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen. w Abg vr. Sattler (nat.-lrb.): Es ist falsch, daß der geringere Zoll für Futtergerste nur den Großgrundbesitzern zu Gute kommt Im Gcgentheil, in NorDwest-Deutschland sind gerade die Bauern auf den Bezug von Futtergerste angewiesen, und es liegt deshalb m deren Interesse, daß der Zoll nicht zu hoch ist. Das ist auch der Grund dafür, daß diejenigen, die von vornherein über die Vorschläge der verbündeten Regierungen nicht hinauszugelien entschlossen waren, in der Nichtfestsehung eines Zolls auf Futtergerste eine entsprechende Kompensation für die Heraufsetzung des Mindestzolls für die Malz, qerftc erblicken konnten. Die Erklärung des Staatssekretärs war durchaus genügend, die ganze Frage wird doch erst praktisch beim Abschluß der Handelsverträge. Ich habe deshalb keinen Grund, mich weiter an der Debatte zu bethciligen. Reichskanzler gestellte Frage implicite an den Bundesrath gerich- zusortiren. Außerdem bleibt mit Roggen gemischte Malzgerste doch immer Malzgerste. Und dann, meine Herren von der Rechten, wollen Sie sich vielleicht der Gefahr aussetzen, daß Roggen in der Gerste eingeführt wird, um nicht den 5 Mk.-Zoll für Roggen zu zahlen? Herr Heim rühmt sich in seinem Wahlkreis, daß er es ist, der die Negierung in die Sackgasse getrieben hat. So leicht ist die Unterscheidung denn doch nicht, wie cs Herr Professor Braungart in München hinstcllt, der meint, jeder Zollbeamte könne die Unterscheidung in 10 bis 12 Tagen lernen. Wie das möglich ist, ist mir ein Räthscl. Ich bebaute nur, daß Herr Professor Lraun- gart nicht so oft vervielfäln'gt werden kann, wie sein Mittel. (Hei- ierfeit.) Man muß doch auch auf das Braugewerbe Rücksicht nehmen. Ein Gewerbe, das der Landwirthschaft alljährlich für 18 bis 19 Millionen Mark Gerste abkauft, das dem Staate 90—100 Millionen Mk. Steuern im Jahre einbringt, hat ein Anrecht darauf, daß es nicht als Versuchsobjekt in Zollsachen benutzt wird. Tie Hast, mit der der Zolltarif hier durchgepeitscht wurde, hat man damit zu entschuldigen versucht, daß man sagte, die Würde des Parlaments würde darunter leiden, wenn der Zolltarif nicht schnell zu Stande käme. Ich sage, die Würde des Parlaments habe viel mehr darunter gelitten, wie der Zolltarif zu Stande gebracht wurde. (Sehr richtig! links.) Tic Regierungen haben sich aber nicht nur vor dem deutschen Volke, sondern vor der ganzen Welt blamirt, dadurch, daß sie im Gegensatz zu ihren ftühcren Erllärungen nun doch der Aufnahme der Position „Malzgerste" in den Tarif zustimmten. Wie soll man einem Reichskanzler, der in dieser Art vorgeht, in Zukunft noch Glauben schenken! Ich werde auf den Tisch des Hauses eine Anzahl von Proben Brau- unb Futtergerste legen und fordere die Herren Landwirthe auf, zu versuchen, ob sie den Unterschied herausfinden. (Heiterkeit und Beifall links. —- Redner legt auf den Tisch neun Papierbeutel mit 'Gerstenproben nieder, die von zahlreichen Abgeordneten sofort eifrig geprüft werden.) Staatssekretär Freiherr von Thielmann: Ter Vorredner hat am Schluß seiner Rede den Reichskanzler persönlich apostrophirt. "Darauf werde ich nicht eingehen, denn es steht mit der Interpellation -in feinem Zusammenhang. Ich werde mich streng an den Wortlaut 2er Interpellation halten. Es wäre richtiger gewesen, dieselbe an 2cn Bundesrath zu richten, denn dem Bundesrath liegt doch die 'Ausführung des Zolltarifs ob, aber ich nehme an, daß die dem Abg. Wurm lSoz.): Die Antwort des Herrn Schatzsekretärs bestand lediglich aus leeren Ausflüchten und beweist, daß die Regierung selbst noch nicht weiß, wie sie ihr eigenes Gesetz aufzufassen hat. Es scheint fast so, als wäre der deutsche Bauer gründlich hinter» iliau geführt worden. (Sehr wahr!) Der kleine Bauer, der seine guttergerftq kaufen muß, hat die Kosten Ihrer „Baucrii- «rschemt tSgNch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Zamilienblötter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal Parlamentarische Berhandliinaen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 240. Sitzung vom 17. Januar. 1 Uhr. Das Haus ist schwach besetzt. Am Bundesra'thstisch Frhr. v. Thielmannu A m b£ .?a£e§?rbnÄ '^ht Zunächst die Interpellation No, icke (freif. Vg.j und Gen.: Welche Maßnahmen gedenkt der Reichskanzler zu treffen, um festzustellen, was unter dem im § 1 des Zolltarif-Geseves enthaltenen Begriff „Malzgerste" zu verstehen ist? Auf die Frage des Präsidenten, ob und wann der Reichskanzler die Interpellation beantworten werde, erwidert Schatzsekretär Frhr. v. Thielmann: Ich bin bereit, die Interpellation heute zu beantworten. Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Lehrling', I RiMnn eventl. auch W Änliquaualsabteüu»«eu>knUhr' ling/BuechttMgsjchm M " . d^'ästdcnt Graf Ballcsttcm: Sie dürfen einen Beschluß des Reichstags nicht einen Rcchrsbruch nennen. Das ist nicht gängig. fSSäSfe Ml MH Abg. Roesicke (freif. Vgg.): Im Gegensatz zum Vorredner muß ich hervorheben, daß mich die Erklärung des Staatssekretärs keine», Wegs befriebigt hat. Im Gegentheil, mich hat es sehr gcwunbert das; der Staatssekretär es noch nicht für nothwenbig befunden Hai sich mit der Frage der Unterscheidung von Brau- und Futtergerste zu beschäfttgen. Ebenso verstehe ich es nicht, wie er mich fragen konnte, warum ich annehme, daß die Gerste disferenziell behandelt werden soll. Ich mußte dazu auf Grund der Erklärung des Reichskanzlers kommen. Wenn man die jetzt wegeskamotiren will, bann i|t es allerdings nicht schwer, aus schwarz weiß zu machen. Würden die Agrarier sich Wohl zufrieden geben, wenn sie bei einer land- wirthschaftlichen Interpellation eine solche Antwort erhielten wie diese, mit der sich heute das große Braugewerbe zufrieden geben oll? Aus der Antwort des Staatssekretärs entnehme ich nur, daß die Regierungen gar nichts wissen, daß sie keine Ahnung haben, wie die beiden Gerstensorten unterschieden werden sollen. Der Staatssekretär hat den Reichskanzler geradezu bloßgestellt. Allerdings beruht das Kriterium der Malzgcrstc auf einem hohen Maße von Keimfähigkeit. Die Steuerbeamten werden aber niemals in der Lage sein, die sehr schwierigen Untersuchungen anzustellen, ob dieses Maß von Keimfähigkeit vorhanden ist, oder nicht. Wir sind leider so wett gekommen, daß jetzt Gesetze gemacht werden, deren Inhalt und Sinn von den Gesetzgebern selbst nicht verstanden wirb und die nur geeignet sind, das Parlament und die Regierung vor der Welt zu blamiren. (Beifall links.) Abg. Nistler (kons.): Sie von der Linken, die Sie uns fort- wahrend Brodwucher vorwerfen, sind es gewesen, die uns kleine Bauern durch Ihre Politik gezwungen haben, unsere gute Braugerste zu verfüttern. Unsere Brauereien können auch ohne auS- andiiche Gerste auskommen. Ich verkehre jeden Tag in dem hie- igcn Restaurant der Brauerei Weihenstcphcm (Heiterkeit), welche ein sehr gutes Bier liefert, und ich kann Ihnen einen Bericht dieser Brauere, zeigen, woraus hervorgeht, daß diese große bairische Staatsbrauerei nur bairische Gerste, bairischen Hopfen und bairisches Malz verwendet. ' m der Interpellation die Unterstellung enthalten, daß Malzgerste und andere Gerste bei dem Abschluß von Hande lsver- tragen emem verschiedenen Zollsatz unterworfen werden soll. Woher schöpft der Herr Interpellant diese Annahme? (Lack)cn links.) Weder im Zolltarif noch im Zolltarifgesetz steht etwas davon, daß Malzgerste und andere Gerste, beispielsweise Futtergcrstc, vcr- ! Mieden verzollt werden sollen. (Große Bewegung links. Zuruf: Bauernfängerei l — Unruhe rechts. — Präsident Graf Ballestrem rügt Den Zuruf.) Wir denken auch gar nicht daran, irgend einer ' auswärtigen Macht etwa einen niedrigeren Zollsatz für Futtergcrstc auf dem Prasentirteller entgegenzubringen. Tie Regierung hat vis jetzt Mit keiner fremden Macht Handelsverttagsvcrhandlungcn : begonnen, und ebensowenig ist eine auswärtige Macht bisher mit bestimmten Anforderungen auf Tarifherabsetzungen an uns hcran- getreten. Die Regierung wird also ruhig abwartcn, ob bei den spateren Verttagsverhandlungen solche Wünsche an sie herantreten, Md wenn dies der Fall ist, bann wirb sie cs sich sehr überlegen, Lage ist, solchen Wünschen nachzukommen. (Beifall rechts.) Der Vorrebner meint, der Zoll auf Futtergerste solle 2 Mk betragen Davon weiß ich nichts: das steht nicht in dem Tarif. Das ist ja der jetzige Zollsatz für Gerste.) Es handelt sich wohl hier nur um den speziellen Wunsch des Interpellanten. Wenn bei einem Zollsatz von 2 Mk. geschrotete oder gedörrte Gerste eingeführt wird, dann soll ja nach ocr Annahme der Herren von der Linken ein Vortheil gegenüber dem höheren Zollsatz für Malzgerste überhaupt nicht mehr herauskommen, weil die' Kosten für Da§ Schroten u--d Darren zu hoch sind. Wenn das der Fall ist, dann ist es um so weniger norhwenbig, daß der Bundcsrath schon' M die tfrage ber Unterscheidung von Malzgerste und anderer Gerste behandelt. Also auf die Frage, welche Maßnahmen zu diesem Zwecke getroffen werden sollen, brauche ich jetzt noch nicht einzugehen. Solche Maßnahmen werden gegenwärtig noch von keiner Seite gefordert, und wenn sie gefordert werden sollten, dann wird sich die Regierung völlig freie Hand Vorbehalten, wie sie dieselben in Kraft setzt. Daß eine Unterscheidung zwischen den beiden Gerstensorten möglich ist, hat nicht nur der Professor Vraun- gart zugegeben, sondern es haben auch andere Sachverständige anerkannt, daß es für die Zollverwaltung ein leichtes sein werde, eiM Unterscheidungsmittel zu gewinnen. Die Regierung hat also noch vollkommen freie Hand. (Lachen links.) £b wir einer etwaigen ö’oröerung nach einer verschiedenartigen zollteckmischen Behcmd- lung der einzelnen Gerstensortcn nachgeben würden und welches Unterscheidungsmittel wir bann wählen würden, das kann ich heute noch nicht sagen; das weiß ich selbst noch nicht; jedenfalls ?ber giebt cd außer dem Schroten und Darren auch noch andere Mittel. Wir haben also ein weites Feld noch vor uns, sehen aber keinen Grund, schon jetzt eine solche Unterscheidung zu treffen. (Lachen links.) Auf Antrag des Abg. Dr. Barth (freif. Vgg.) findet eine Besprechung der Interpellation statt. Abg. Udo Graf zu Stolberg-Wernigerode (kons.): Die Ant- Staatssekretärs hat auch mich mit hoher Freude erfüllt Die Differcnzirung der Gerste ist nach dem Tarif zwar möglich, aber Nicht erforderlich. Das wird eben von den kommenden Handelsverträgen abhängen. Der Herr Interpellant ist aber im grrthum, tocim er glaubt, mit dem Ausdruck „Malzgerste" sei den Antragstellern em Jrrthum unterlaufen. Im Gegentheil. Wäre es bet dem Ausdruck „Braugerste" geblieben, so hätten wir dem Tarif nicht zustimmen können, da der Ausdruck „Malzgerste" viel weiter geht, als der Ausdruck „Braugerste". Im Uebrigen ist es Sache der verbündeten Regierungen, nachdem sie dem Gesetz zrige- sttmmt haben, auch die Kriterien für die Unterschcibring zu finben, wenn diese nothwendig werden sollte. Abg. vr. Müller-Meiningen (freif. Vp.): Die Antwort des Schatzsekretars hat uns so enttäuscht, wie noch nie eine Antwort vom Regierungstisch. Die Interpellation war ganz richtig an den Reichskanzler gerichtet, da er der einzige verantwortliche Rcichsbeamre ist, an den wir uns zu halten haben. Jetzt redet der Regierungsvertreter auf einmal so. Ja, was und wem soll man überhaupt noch glauben? Wenn Sie eine Unterscheidung nicht machen wollten, so war die ganze Aktion nichts weiter als ein Manöver, um die zögernden Herren vom Rheinland und aus Baiern zur Zustimmung zum Zolltarif zu bewegen. Es hat offenbar hier der Zweck das Mittel geheiligt: Die Bauern werden es fein, die die Zeche der ganzen „Tiffcrenzirung" zu zahlen haben. Der Zweck der Interpellation ist übrigens keineswegs erledigt. Wir wollen eine authentische Interpretation des Reichsgesetzes haben, bas einen uns unbekannten Ausdruck enthält. Tas geht nicht, daß die Regierung erklärt, wir müssen freie Hand haben. Nicht in der Zukunft soll man wissen, was man unter Malzgerste zu verstehen har. In der Gegenwart wollen wir das wissen, dazu hat Handel, Industrie und die ganze Bevölkerung ein wohlbegründetcs Recht. Glaubi der Herr Schatzsekretär, mit allgemeinen Redensarten über die Verlegenheit Hinwegkommen zu können, in die er durch das technische Problem versetzt ist, eine Unterscheidung zwischen Brau- und Futtergerste herbeiführen zu müssen? Man lese blos die technischen Blätter von den letzten 6 Wochen! Was da Alles an Vorschlägen gemacht wird! Nicht weniger als 14 verschiedene Haupivorschläge sind gemacht worden, ungerechnet die Varietäten derselben! Aber bei jedem Vorschlag ist sofort der Nachweis der Undurchführbarkeit oder Schädlichkeit auf dem Fuße gefolgt. (Das Haus hat sich inzwischen völlig geleert. Von der Rechten und dem Gentrum sind insgesammt nur 7 Abgeordnete zurückgeblieben! Auch die Bänke der Linken sind ziemlich leer.) Redner verbreitet sich über einzelne dieser Disferenzirungsmethodcn und behandelt sodann in ironischer Weise die Haltung des bairischen Bauernbundes und des Abg. Dr. Heim, den er zu seinem Bedauern nicht im Hause sieht. Der Zolltarif ist jetzt da, aber Niemand freut sich seiner. Auch bei der Mehrheit hat sich ein starker moralischer Katzenjammer eingestellt. Die Regierung hat ihre volle Unfähigkeit gezeigt, Klarheir zu schaffen. Das genügt uns. Damit ist der Zweck der Interpellation erreicht. (Sehr richtig!) Abg. Jäger (Gtr.): Wir sind mit dem Ausdruck „Malzgersteganz zufrieden. Wir waren dagegen, ihn durch „Braugerste" zu ersetzen, da letzterer Begriff ein engerer ist. Unsere hochwcrthige Gerstenkultur muß gegen die minderwcrthige Konkurrenz des Auslandes genügend geschützt werden. Daß das Braugewerbe durch den Zoll geschädigt wird, glaube ich nicht. (Einige Abgeordnete, vor Allem 5er Abg. Gamp, kosten inzwischen mit sachverständiger Miene weiter von den Gerstenproben. Abg. Gamp geht mit triumphirenden Gebärden auf Den Abg. Gothein zu und zeigt ihm einige Gerstenkörner auf Der flachen Hand, an denen er anscheinend eine Entdeckung gemacht zu haben glaubt.) Jbg. Dr. Barth (freif. Vgg.): Die Aeußcrungen des Schah- sekrctars waren m hohem Maße kompromitttrend für den Reichs- kauzler, und sobald der Reichskanzler sich hier im Reichstage wieder blicken lassen wird, werden wir ihn auf Grund dieser Aeuße- rungen mit dem Schatzsckretär fonfrontiren. (Heiterkeit.) Es steht )a Alles, was der Schatzsckretär heute sagte, in diametralem Gegensatz zu dem, was uns der Reichskanzler mitgetheilt hat. Zwischen den beiden Herren scheint nicht der richtige Rapport zu Stande 9c”n 3“ fein. Wenn der erste Beamte des Reiches es aus- drucklich erklärt, daß er den größten Werth darauf lege, daß eine fefte Unterscheidung zwischen Malz- und Futtergerste gewonnen daß er nur in dieser Voraussetzung über dcn ursprünglichen, von der Regierung zugestandenen Zollsatz hinansgehe, dann ist es eine Schande, wenn es hier Leute giebt, die so thun, bcr Reichskanzler gar keinen Glauben an dcn Ernst seiner l oJuniiL keanfpnidit. Gewundert habe ich mich über Die Rede Deg Abg. Sattler. Die national-liberale Partei kann doch nach ihrer ganzen Stellungnahme zum Zolltarif gar nicht durch die Erklärung des sraatssekrerärs zufricbengeslellt sein, wenn sie auch Den Rechts- brueg Des Antrags KarDorff mitgemacht hat. Abg. Dr. Barth (fortfahrend): Ich stütze mich für meine Bemerkung auf einen unserer bekanntesten Staatsrechtslehrer, der sicherlich auch in diesem Hause eine besondere Autorität besitzt, auf SabanD. Laband hat den Antrag KarDorff als zweifellos geschäfts- ordnungswiDrig bezeichnet. (Zuruf rechts: Tas versteht der nicht.)! Präsident Graf Ballestrem: Der Staatsrechtslehrer Laband untersteht nicht meiner Disziplin, wohl aber Die Mitglieder dieses Hauses, und Denen kann ich es nicht erlauben, Daß sie einen Reichs- tagsbeschluß als Rechisbruch bezeichnen. Abo. Dr. Bartl, (fortfahrend): Die ■ die, daß ein unlösbarer Widerspruch bcitebi Erklärung des Schatzsekretärs und der Erklär vom 13. Dezemver. Wir werden es uns Reichskanzler deswegen zu geignetcr Zei fall links.) Abg. Dr. Sattler (nat.-lib.): Wir s,. -sgegang« ^n der Annahme, daß cine Unterscheidung zwischen >- und Futtergerste nwgl.ch sei, wir und auch beute noch dieser Meinung, und die ge- wmimie heutige Verhandlung hat nichts ergeben, das uns in dieser Meinung wankend machen könnte. (Lachen links.) Abg. Rösicke (freif. 93g.): Im Zolltarifgesetz ist auf Antrag Herold u. Gen. für Malzgerste ein Mindestzoll von 4 Mark festgesetzt. Die Antragsteller haben es in der berühmten oder berüchtigten Sitzung vom 13. Dezember nicht für nöthig gehalten, zu begründen, was sie unter Malzgerste verstehen. Ter Reichskanzler hat zu erkennen gegeben, daß die verbündeten Regierungen dieser Zollerhöhung zustimmen würden, er hat es aber nicht Der Mühe für Werth gehalten. Den Widerspruch zwischen feiner früheren Erklärung, wonach die verbündeten Regierungen über die vorgeschlagenen Zölle nicht hinausgehen, und seine zustimmende Haltung zu 4 Mk. Zoll für Malzgerste zu klären. Er stellte nur die Malzgerste als werthvollere Waare der Futtergerste gegenüber. Wie sollen diese beiden Sorten von Gerste unterschieden werden? Die Antwort darauf ist mir der Reichskanzler und die Herren von den Mehrheitsparteien, auf deren Initiative der Antrag zurückzu- führcn ist, schuldig geblieben. Tas Braugewerbe hat ein Interesse daran, zu erfahren, welche Art von Gerste mit einem Mindest- Zoll von 4 Mk. belegt ist. Um das zu erfahren, habe ich f. Z. einen offenen Brief an den Reichskanzler gerichtet, auf den er gleichfalls nicht geantwortet hat. So bleibt nur der Weg der Interpellation übrig. Der Zoll auf Gerste soll Den Zweck haben. Die für Brauereien verwendete Gerste höher zu besteuern, als die für landwirthschastliche Dinge. Tas ergiebt sich klar aus dem Gang der Debatte. Nun ist aber die Unterscheidung zwischen Brau- unD Futtergerste nicht nur schwierig, sondern fast unmöglich. Da jede Gerste vermalzt werden kann. Der Futtergerste die Malz- gerste gegenüberzustellen, ist geradezu widersinnig. Der Reichs- kanzler war sich des Unterschiedes selbst nicht bewußt, er meinte: Kümmert Euch um gar nichts, wir werden die Sache schon machen! Tic Regierung ist nicht berechtigt, irgend eine Gerste unter 4 Mk. zu verzollen, denn sie kann nicht wissen, ob sie nicht zu Brauzwecken verwendet wird. Nachdem die Regierung bereits einen Zoll von 3 Mk. in den Motiven zum Zolltarifgcsetz als Den höchst zulässigen bezeichnet hat, so hätte sie Dem 4 Mk.-Zoll nun und nimmer zu- Jtimmen Dürfen. Der Reichskanzler hat ausdrücklich anerkannt, daß diejenige Gerste zur höheren Verzollung kommt, welche als Malzgerste verwendet werden kann. Es kommt also nicht darauf an, ob Gerste als Malz- oder Futtergerste angeboten wird, zumal die Futtergerste oft viel besser keimt, als Braugerste. Von Rechtswegen müßte für die Verzollung die Gerste unterschieden werden in solche, welche keimt, und solck)e, welche nicht keimt. Das ist aber ganz unmöglich, und so bleibt nur übrig, daß der Zweck Der Verwendung als Merkmal Der Verzollung festgehalten toirD. Dem widerspricht aber Der Sprachgebrauch Des Zolltarifs. Derselbe untcrscheiDet z. B. Bau- unD Nutzholz, aber Damit ist doch nicht gesagt, daß Bauholz nur solches Holz ist, das wirklich zum Bau verwendet wird, sondern solches, welches dazu verwendet werden k a n n. Genau so muß also auch bei der Gerste diejenige mit 4 SJlf. verzollt werden, die zum Brauen verwendet werden kann. Die einzige Möglichkeit, die Gerste gerecht zu verzollen, ist dadurch gegeben, daß man ihr Die Keimfähigkeit nimmt. Das geht entweder durch Erhitzen auf der Darre, das wäre aber viel zu kostspielig, auch wurde die Gerste dadurch an Gewicht verlieren. Das andere Mittel, ihr Die Keimfähigkeit zu nehmen, ist Das Schroten. Aber auch das kostet viel Geld und setzt noch dazu Die Gerste dem Verderben aus. Geschrotete Gerste ist im Uebrigen gar keine Gerste mehr, ebensowenig wie Weizenmehl Weizen ist. Schon aus diesem Grunde ist der Vorschlag nicht acceptabel. Widersinnig ist Der Vorschlag^ Den angeblich Die bairische Negierung gemacht haben soll, als Futtergerste solche zu betrachten. Die mit Roggen vermischt ist, denn es giebt Mittel, beide ©etreibearten wieder auseinander- ' svrA"3'** ÄsKl &**5Ä4 Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amtr- und Anzejgeblatt für den Kreis Sichen. üüusiä. vöhnt aäjlbatev Glient, welche Ml^bto.bitNitarünbliaiiu tdtrnm, fmbtn in SlMaptile Unltt ßuschMNtz llusbilbung Vttunbl Mnatyne, Näheres bei Herrn Henn. Biuu, Mechaniker hierieibsl, 427 I PhrlilW nWG m. Ein- bCHl ilhg Mgen-Zeugins n Ci'iern für hiesiges Zigarren- abnt-Wlt gesucht. Meres unter Sir. 686 bei ■r (fypebitwn b. Bi. freundlichkett" zu tragen. Er ist vom Großgrundbesitzer wieder bMlnal gründlich hineingclcgt worden. Redner versucht Dann ans- ttchrlich nachzuweisen, daß eine Differenzirung der Gerste in der Dhat technisch und praktisch absolut unausführbar sei. Abg. Gamp (Rp.): Von einer Schädigung Der Interessen deS Bauernstandes durch den Gerstenzoll kann keine Rcde sein. Gerade der kleine Bauer, nicht aber der Großgrundbesitzer, hat doch Den ;)off verlangt. Der Bauer erzeugt 80—90 Prozent Der Futter- mittel selbst, nur ausnahmsweise kauft er aus Dem Ausland Gerste hlnzu. Wie gerade Der Kollege Roesicke dazu kommt, eine Klärung des Unterschiedes zwischen den verschiedenen Gcrstcnarten zu verlangen, verstehe ich nicht, die Brmiindustrie hat doch auf alle Fälle Den Zoll zu zahlen. Was brauchen wir uns heute schon Den Kopf des BunDesraths zu zerbrechen? Warten wir doch ab, bis Die Sache praktisch wird. (Lachen links.) Uns befriedigen ja die Aeußerungen der Regierung nicht immer, aber Die heutige Rede des Staaissekretärs hat uns vollauf befriedigt. (Erneutes Lachen links.) Der Zolltarif kennt nur Malzgerste. Das ist solche Gerste, welche eine solche Keimkraft besitzt, daß das aus hier hcr- geftettte Malz für Brauzwccke verwendet werden kann. (Gelächter ' Was lachen Sic Denn? (Rufe links: Uebcr Ihre Desi- . Wenn Sie Den stenographischen Bericht lesen, werDen Sie fliiden, daß Das Lachen Durch Das falsche Vcrständniß Jhrerseils hervorgerufcu ist. Von Den Proben, die Herr Roesicke auf Den Tisch des Hauses nieDcrgclcgt hat, scheinen nur sehr wenige Braugcrfie zu fein. Jedenfalls ist keine Dabei, die Herr Roesicke in seiner Brauerei benutzen würde. Ich kann im Uebrigen den Herren Inter, pellanten nur banken, denn sie haben durch ihre Interpellation eine uns zufriedenstellende Erklärung Der Regierung extrahirt. Damit ist Mc Besprechung der Interpellation beendet. Eö folgt die Besprechung folgender zum Zolltarif gestellten Resolution Herold (Ztr.), v. K a r d o r f f (Np.), ix Kröch er (kons.): Der Reichstag wolle beschließen: In Erwägung, daß die Stellungnahme des Deutschen Reichstags zu neuen Handelsverträgen wesentlich mit davon avhängt, welcher Schutz der deutschen Landwirtschaft gewährt bleibt, ssiricht der Reichstag die Erwartung aus, daß der Herr Reichskanzler beim Abschlüsse boi't Handelsverträgen namentlich auf ausreichende Schußzölle für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse Bedacht nehmen und insbesondere die Zollsätze der Tarisstellen Nr. 99, 102, 103, 105 und 107 (Vieh und Fleisch) nicht unter die bei der zweiten Lesung des § 1 des Zolltarifgesetzes vom Reichstag beschlossenen Sätze (Minimaltarif) ermäßigt wird. Außerdem erwartet der Reichstag, daß der Herr Reichskanzler bei den Handelsvertragsverhandlungen sich des Beirats nicht nur der industriellen, sondern auch der landwirtschaftlichen Sachverständigen des wirtschaftlichen Ausschusses bedienen und im Bedarfsfälle die Zahl oer letzteren aus der Mitte der Vertretungskörper der deutschen Landwirtschaft ergänzen wird. A!bg. Bro em ei (frcis. Vgg.) beantragt, von dieser Resolutwn Herold 1. die Absätze 1 und 2 ab zu lehn en; 3. dem Avsatz 3 folgende Fassung zu geben: „Der Reichstag spricht die Erwartung aus, daß der Herr Reichskanzler bei den Handelsvertragsverhalchlunaen sich des Beirats von Sachverständigen der Land- und Forstwirtschaft, des Handels und der Schiffahrt, der Industrie und des Handwerks sowie von Vertretern geeigneter Konsu- mentcii-Verciiiigungen in ausreichendem Umfange bedienen wird." Abg. Herold (Ztr.) begründet die Resolution. Wir müssen den allergrößten Wert darauf legen, daß die von uns in der zweiten Lesung beschlossenen Minimalsätze beibehalten werden. Tie weitergehenden Forderungen des Bundes der Landwirte waren mit Recht zu verwerfen. Ihre Anträge betr. die Gemüsezölle waren nur ein Schlag ins Wasser. Zum Glück ist nran kurzer Hand über sie hinweg-- gegangen; sonst lväre man mit dem Zolltarif heute noch nicht fertig. Dagegen ist unser Verlangen nach hohen Fleischzöllen im Interesse des Bauernstandes zum Schutze unserer einljcimifajcn Produktion mehr als berechtigt. Die Flcischprcise sind ohnehin setzt wieder gesunken, sodaß die Besorgnisse, die hinsichtlich der Fleischteuerung geäußert sind, unbegründet erscheinen. Einen gewissen indirekten Schutz genießt unsere einheimische Fleischproduktion ja durch die sanitären Maßregeln, die an der Grenze bestehen und die uns die schlimmste Konkurrenz fernhalten. Ausreichend fiuh diese aber keineswegs. Wir geben uns daher der Hoffnung hin, daß uns auch ein wirklich ausreichender Zolt- schutz gelvährt wird. Wir würden gar keine Handelsverträge lieber sehen als Handelsverträge, in denen unsere Bauernschaft zu kurz kommt. Die Sachverständigen haben sich dafür ausgesprochen. Man komnie uns nicht mit dem Interesse der Kott,umentcn! Jeder Sachverständige ist auch sehr wesentlich Konsument. Hierauf vertagt sich das Haus. Mchste Sitzung: Montag 2 klhr (erste Beratung des Etats). Schluß 51/2 Uhr. Parlamentär ijcyeS. Berlin, 17. Jan. Der dem preuß. Landtage zu- gegangcne Gesetzentwurfüber die Befähigung 3um oberen Verwaltungsdienst bestimmt in der Hauptsache, daß der Referendar („Accessist" in Hessen) nach neunmonatigem Vorbereitungsdienst beim Amtsgericht zum Re- gicrungsreserendar ernannt wird und sodann mindestens einen Z^jährigen Vorbereitungsdienst bei einer Verwaltung durch- zumachen hat. Jeder muß bei einem Landrate (Kreis- ryt), einer Negierung, einem Bezirksausschüsse und außerdem b/i einer Selbstverwaltungsbehörde (Bürgermeister, Landwirtshaftskammer, Handelskammer rc.) beschäftigt werden. Die Vorbereitung beim Amtsgericht kann unter Verlängerung der Verwaltungsvorbereitung von den Ministern des Innern, der Finanzen und der Justiz herabgesetzt werden. Tie Begründung führt aus: Die angestelltcn Erwägungen führten dazu, das in Preußen altbewährte System besonderer adminlstra- tiver Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamten beizuhalten. In theoretischer Hinsicht sollen die Referendare veranlaßt werden, ihre wissenschaftlichen Kenntnisse, namentlich aus dem Gebiete der StaatSwlssenfchaften, zu vertiefen. Berlin, 17. Jan. Dem Reichstage ging ein Antrag Oriola-Roon zu, den Reichskanzler zu ersuchen, daS feit Jahren erwartete Militärpensionsgesetz noch in dieser Session dem Reichstage vorzulegen. Danzig, 17. Jan. (Amtliche Meldung.) Bei der am 13. Jan. stattgehabten ReichStagSersatzwahl im Wahlkreise Stadt Danzig wurden im Ganzen 16 376 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Bankdirektor M 0 m m s en-Ber- lin (fr eis. Vereinigung) 617 4, Kassenführer Bartel- Tanzig (Soz.) 6 5 6 9, Generalleutnant z. D. v. Heydebreck Berlin (kons.) 4273 und Pfarrer v. WolSlegier-PienorvSkowo (Pole) 345 Stimmen. Aas Krönungs- u«d Hrvensfest. Berlin, 18. Jan. Das KrönungS- und OrdenSfest wurde heute im königlichen Schlosse in den üblichen Formen gefeiert. Bei schönem Frostwetter begann schon zeitig die Anfahrt der Prinzen und Prinzessinnen, der Botschafter, Minister usw. Erne zahlreiche Menschenmenge begrüßte den von einer Spazierfahrt zurückkehrenden Kaiser mit stürmischen Zurufen. Gegen 10 Uhr empfingen die neu zu dekorierenden Herren die chnen verliehenen Ordensauszeichnunggen, wonach sie nach dem Rittersaal geführt wurden, wobei vorän das Kaiserpaar in feierlichem Zuge schritt. Hier nahm daS Kaiser- paar vor dem Thron Ausstellung, die Prinzessinnen traten rechts, die Prinzen links daneben. Nunmehr wurden die neuen Ritter vorgestellt, dann in einem anderen Gemache die neu dekorierten Damen des Wilhclmsordens, Luisen- ordens, Verdienstkreuzes usw. Dieselben schlossen sich alsdann dem Zuge des Kaiserpaares nach oer Schloßkäpelle an, wo die Staatssekretäre, Staatsminister, Botschafter, das diplomatische Korps und die Ritter des Schwarzen Adlerordens bereits versammelt waren. Als der Zug nahte, wobei der Kaiser die Kaiserin, Prinz Eitel Friedrich die Prinzessin Friedrich Leopold, Prinz Heinrich die Erdprin- zefsin von Hobenzollern führte, sang der Domchor den 47. Psalm. Ter Gottesdienst begann mit Gemeindegesang und mug des Fall der vollendete Kinderheilstätte zu 3>ie jäqfilchc KlonprmjUstu len und Tiamanten be der vergangenen Nacht in der Belle-Alliance- DrrmiWes. • Berlin, 17. Jan. Zu dem Pistolenduell im Grünewald, das mit dem Tode des Rechtsanwalts Dr. Aye endete, erfährt man, daß der überlebende Gegner der Oberleutnant der ostafrikanischen Schutztruppe Werner v. Gra- wert ist, der sich seit dem Herbst auf Urlaub m der Heimat befindet. Dem Zweikampf liegt ein älterer Zwist zu Grunde, der vom Ehrenrat eingehend geprüft worden war. Dem Kaiser ist heute Bericht erstattet worden. Schon beim zweiten Kugelwechsel brach Dr. Aye, den ein Schuß in den Hals tätlich verletzte, zusammen. Die Leiche wurde von dem Sekundanten des Erschossenen, Hauptmann v. d. Marwitz und einem Sanitätsoffizier nach dem Garnisonlazarett gebracht. Am Samstag hat seitens der Gerichtskoinniission der 1. Division die Besichtigung und darauf die Obduktion der Leiche Itattgefiinden, die dann zur Beisetzung frelgegeben wlirde. Ltn. v. Graivert mußte sich auf Anordnung der militärischen Behörde im Lazarett einfinden und vor der Kommission feine Aussagen machen. * Berlin, 17.Januar. Der bekannte Bankier August Sternberg hat, rote verlautet, für die im Bau fast “ ' ...... Belzig eine halbe Aus HlrM und Kani». * * H 0 fnachrichten. Weiteren brieflichen Nachrichten von der Reise S. K. H. des Grvßherzogsl n a ch I n d i e n datiert Lagerdes Vizekönigs Delhi, 31. Dezember 1902, entnimmt die „Tarrnst. Ztg." das folgende: S. K. H. der Groß Herzog trafen, wie bereits gemeldet, am Freitag, 26. Dezember, früh in Bombay ein und wurden durch den Ehes-Sekretär des politischen Departements W. Ergerley als Vertreter des Vizekönigs und den deutschen Konsul Gras Pfeil empfangen und an Land begleitet. S. K. .Hoheit nahmen zugleich die Mel-» düng des 31.1111 Dienst kommandierten englischen Offiziers entgegen. Tie Abfahrt erfolgte in einem vom .Vizekäuig zur Verfügung gestellten Sonderzug, der am Sonntag, 28. Dezember, früh in Delhi eintraf. S. K. Hoheit fuhren in Begleitung des Vertreters des Vizekönigs W. Edgerley nach feinem Zelt im Lager des Vizekönigs und untere nahmen im Lause des Nachmittags eine Rundfahrt durch das Lager und die Stadt. Am Montag, 29. Dezember, sand der feierliche Einzug des Vizekönigs und des' Herzogs von Conn-mght stakt. S. K'. Hoheit waren bei dem Empfang aus dem Bahnhof und nahmen zu Wagen an dem Festzug teil, eskortiert von einer Eskadron des 15. Husaren Regiments. Nach Verlaus desselben war Frühstück bei dem Vizekönig im engsten Kreis mit II. KK. HH. Dem Herzog und der Herzogin von Connaught, welchem auch S. K. H. der Großherzog mit General v. Wachter und Rittmeister Kraemer im Gesolg - beiwohnten. Am Dienstag, 30. Tezember, waren S. K. Hoheit bet der feierlichen Eröffnung der Indischen Landesausstellung durch den Vize- könig und folgten am Abend einer Einladung des Vize- lönigs zur Tafel mit dem gesamten Gefolge. Am folaen- den Tage besuchten S. K. Hoheit mehrere Sehenswürdigkeiten bet' Stadt und waren bei dem Gouverneur von Bombay zum Tiner geladen. Handel und Verkehr, yülkämidfdjflfl — HeMsche Landcöhypotyckenbaut Darmsmoi. Wie^feuoi' anaekündlgt, konstituierte sich am Samstag dieses Institut in ^oriu- stadt. Bei dem Gründungsakte wirkten außer dein Staate noch die Stadt Worms, vertreten durch Oberbürgermeister.Nobler, du sBrouhu Obcrhessen, vertreten durchJustizratTr. Gutflctfch die Spar- und Leihkasse Bingen und die Spar- und Lerhtaße Lppcn- beim mit. Als Mitglieder des Aufstchtsrats der Bank wurden derulei- Rentner Otto W 0 l i S k e h l-Darmsiadt, Geh.Reglcrungsral Plauz- Darmstadt Pros. Tr. Bier m e r-Gießen, Oekononnerat Dell- .veile r-Darmstadt, Justizrar Tr. G 111 f l e 'sch-Gießen, Jammet» öireftor Dr. K orel l-Büdingen, Oberförster Tr. W e d e r-KonradS« dors An Tirektoren mürben die Herren E. Bastian, seithei Prokurist und Bureauchef der bayerischen Bodenkrcdttanltall u Würilburq, und Gerichtsassessor Tr. Fresenius angenommen Ter -weite Hauplstaalskasse-Tireklor Heinrich Sch as e r m Darmstadt wurde ztlm Staatskommissär für die Hessische Landes-Hypothekenbank ernannt. — Eüddcutschc Eiseubahngcscllschaft Darmstadt. Einnahmen im Tezember 1902 betragen 362 231 Mark geger 388 921 Alk. im Vorjahre. Seit Beginn des Geschastsiahres wurde» 3 983 346 Mk. vereinnahmt gegen 4 U51 620 Mk. tm gleichen Zeit- raume des Vorjahres.__—----————» Schiffsllachrichlcn. ^Norddeutscher Lloyd» In Gießen vertreten durch Earl L 00 ^r,§Erchenvlatz. B r c m p n 12 Jan. (Per transatlanNschcir ^.clegraph. s wohlbehalten m Baltimore angekourmen. Million Mark gestiftet. * Berlin, 17. Januar. In wurde in einer Musikalienhandlung ftrafjc ein Raubmordversuch verübt, bei dem der Inhaber des Geschäftes durch 4 Revolverschüffe verletzt wurde. Die beiden Einbrecher wurden verhaftet. Liturgie, dann folgte die Predigt. Nach dem Gottesdienst begab sich das Kaiserpaar nach dem Weißen Saal, wo sich inzwischen die geladenen Gäste versammelt hatten. An der Hauplseite der Öaupttasel saß der Kaiser rechts von der Kaiserin, neben Dem Kaiser die Prinzessin Heinrich, neben der Kaiserin Prinz Eitel Friedrich. Gegenüber dem Kaiser- vaare saß der Oroenskanler Fürst Pleß zwischen den Botschaftern Graf Lanza und von Szögyeny-Marich. Bei der Tafel trank der Kaiser auf daS Wohl der neuernannten und der früheren Ritter. Es erhielten: Das Großkrenz des Noten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe: Herwarth v. B i 11 e n f e l d, kommandierender General des 15. Armeekorps ; das Großkreuz des Roten Ad-lerordens mit Eichenlaub: Stu en zner, kommandierender General des 10. Armeekorps; Aomiral Thomsen; den Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe: von Braunschweig, komm. General des 17. Armeekorps; den Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub: v. Hugo, komm. General des 13. Armeekorps, Stoetzer, Gouverneur von Metz; den Roten Mlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub: Hueffer, ordentlicher Professor an Der Universität in Bonn, v. Zastrow, Kommandant von Mainz; die Schleife zum Jlolcn Adlerorden 3. Kl.: der Rektor der Berliner Universität Prof. Gierke; den Roten Wlerorden 3. Kl. mit Schleife: Professor an der Berliner Universität Todler; den Roten Adlerorden 4. Kl.: Professor Dett- mann, Direktor der Kunstakademie in Königsberg i. Pr., Professor Ernst Francke in Berlin, Komponist Professor Humperdinck; den Kronenorden 2. Kl.: Geh. Medizinalrat Professor G u s s e r 0 w - Berlin; den Kronenorden 1. Kl.: v. Perbandt Generalleutnant, Generalinspekteur der Fußartillerie. niedergeschlagen und mutlos und zog sich in solchen Fällen zurück. Sie war bann für niemand zu sprechen, selbst nicht für Giron. Als ich kurz vor meiner Abreife von Genf mich von ihr verabschiedete, fand ich sie über eine Photographie gebückt, die ein Gruppenbild vl) ter Kinder darstellte. Tie Kronprinzessin kleidete sich nach ihrer Flucht aus Salzburg nach Art einer bürgerlichen Frau und schränkte sich in ihren Be^ dürsnissen nach Möglichkeit ein." — Am Tonnerciag war Kriminalkommissar Schwarz zum König Georg befohlen, um über feine Wahrnehmungen in Genf Vortrag zu halten. Wie die „Tresd. Nachr." aus zuverlässiger Quelle er- fahren haben wollen, haben die Verhandlungen des iuristi- fdjen Vertreters des Kronprinzen von Sachsen, Justizrats Dr. Körner, mit der Kronprinzessii^Lu i s e beziehungsweise ihren Vertretern, Rechtsanwalt Tr. Zehme und Advokat Lachenal, zu dem Ergebnis geführt, daß die Kronprinzessin auf sämtliche ihr aus ihrer Ehe zustehenden Titel, Rechte und Würden verzichtet und fortan ihren ursprünglichen Familiennamen rnieber an nimmt. In vermögeusrechtlicher Beziehung hat sich Kronprinz Friedrich Augtlst bereit erklärt, der Prinzessin aus eigenen Mitteln jährlich 30000 Mark zu überweisen. Ist diese Meldung richtig, so ist eine Scheidung des Kronprinzenpaares zu erwarten. Tenn nur im Fall der Scheidung kann die Kronprinzessin ihren Famitiellnamen wieder annehmen. Die obige aus Genf stammende Meldung steht mit der Mitteilung des Dresdener Blattes allerdings in Widerspruch. Der deutsche Kronprinz in Rußland. Petersburg, 16. Jan. Heute abend sand im Aint. epalais zu Ehren des Kronprinzen großes Gala diu er statt. Das Diner wurde in goldenen Schüsseln gereicht. Liltks von ber Kaiserin- Mutter saß der Kroilprinz, welcher auch die Kaiserilt-' Mutter zu Tisch führte, in der Uniform des >h,ll verliehenen Tragonerreaii.lents nut dem Ändreasord^n. Neben dem Ki:onpriilzen saß Großfürstin Alaria Ocorgieiuna. Den beiden Kaiserinnen gegenüber hatte Kaiser Nikolaus Platz genommen. Während der Tafel erhob sich der Kaiser und brachte, zum Kronprinzen gewandt, in franzöjischer Sprache folgenden Trinkspruch aus: „Erfreut, Sie unter uns Äiu sehen und Ihnen für Ihren liebenswürdigen Besuch dankend, trinke ich auf das Wohl Ihrer erhabenen Ellern, Ihrer Majestäten be£ Käfters und der Kaiserin und Euerer kaiserlichen und königl. Hwheit. Der Kronprinz erioibertc: „Tief bewegt durch die gnädigen Worte, welche Euere Majestät soeben an mich richteten, bitte ich mir zu gestatten, Jhmn im Namen Sr. Majestät des Kaisers und Königs, meines Vaters, und in meutern eignen Namen warmen Dank für den so herzlichen Empfatlg auszusprechen, der mir zu teil geworden ist und an den ich eine in mir unauslöschliche Erinnerung bewahren werde. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Eurer Majestät, Ihrer Aiajestäten der Kaiserinnen Maria Feodorowna und Alexandra Feodo-- rowna, sowie der ganzen kaiserlichen Familie." Nach dem Festmahl hielten das waiferpaar und der Kronprinz Cercle. Ter Kronprinz unterhielt sich längere Zeit mit dem Grafen Lamsdorsf und den Ministern Witte, KUropatkin, von Plehwe und Baron Fredericks foiuie Admiral Rojestwenski, welcher die Flottenmanöver bei Reval vor dem deutschen Kaiser kommandierte. Die Gi.oßfürsten waren in preußischen Uniformen erschienen. Petersburg, 17. Jan. Ter deutsche Kronprinz besichtigte heute vormittag die historischen Zimmer im Mn- terpalaiS und die Kunstschätze. Tas Frühstück fand im engsten Familienkreise beim Kaiser und der Kaiserin statt. Rach dem Frühstück besuchte der Kronprinz mit dem Gefolge und dem russischen Ehrendienst die Internationale Kostüm-Ausslellmia. Ter Kronprinz besichtigte eingehend die deutsche Bernstein-Abteilung. In der letzteren wurde ihm von der Tochter deS Leiters Professors K'lebs ein väosenbukett üerreicht. Am Abend folgte der 5tronprin^ einer Einladung des Großfürsten AlexiS Alexandrowitsch zum Tiner. 9lad) dem Tiner besuchte der Kronprinz mit dem Großfürsten das Französische Theater. Ter Kaiser verlieh dem Generalleutnant v. Moltke die Brillanten zum Annenorden zweiter Klasse. Ferner erhielten die Oberstleutnants v. Schwerin und Freiherr v. Lyncker und Major Friedeburg den Annenorden zlveiter Klasse und der OberleUtnanl v. Stülpnagel den Annenorden dritter Klasse. Tie Kronprinzessin von Sachsen und Giron haben zusammen Gens verlassen. Sie haben Lyon und Marseille am Sonntag passiert. Ihr Reiseziel ist Mentone. Ueber die plötzliche Abreise von Genf wird gemeldet, daß die dort sich aufhaltenden Berichterstatter durch zur Irreführung getroffene Maßregeln völlig getäuscht wurden. Tie Fahrkarten für Beide waren von einem Speditionshause besorgt worden, welches das Gepäck aus dem Hotel abholen ließ. Tie Kronprinzessin und Giron verließen das Hotel heimlich durch eine Nebentür und begaben sich auf Umwegen zum Bahnhof. Vor der Abreise beschenkten sie den Hoteleigentümer uno die Angestellten. Eislerem überreichte die Kronprinzessin eine prächtige Kravattennadel, mit Perlen und Tiamanten besetzt. Zwischen der Kronprinzessin, Giron und Lachenal sind anscheinend einige Meinungsverschiedenheiten entstanden, ^achenal nahm am SamSüag abend alS Vizepräsident des Stunde- rats an einem Festmahl teil, welches der Bundesrat in Vern dem diplomatischen Korps gab. Ter Dresdener Lriminalkommisiar Schwarz, der bekanntlich feit dem 21. Tezember v. I. im Auftrage des Ben Hofes in Genf weilte, und seit einigen Tagen nach 1 zurückgekehrt ist, hat sich einem dortigen Vertreter der PrZse über die Kronprinzessin Luise folgendermaßen geäußo.l: ,^ch habe mich während der ersten Zeit meines Aufenthaltes in Genf bei der Kronprinzessin nicht melden lassen, locil ich Auftrag hatte, die Kronprinzcsstll nur im Auge zu behalten und im Falle ihrer Abreise hierüber dem sächsischen Hofe sofort Meldung zu erstatten. Es ist un- ro a i) r, daß ich mit einem Haftbefehl der Kronprinzen u gegenüber ausgestattet war. Während niemer ckn- wej. nheii ix Genf war ich nur dreimal bei der Kronprm- zes ii. Giron habe ' vollständig ignoriert Nach meinem T iihalten trifft s nicht zu, daß Giron und, die .u i 0 n p r i n z e l 11 ständig mit ein an de r v e r» fehrten. Tie K^nprinzejsin war nicht selten sehr