WS v ' I - R ' - 153. Jahrgang Erstes Blatt Amts- Md Anzeigeblatt für dm Kreis Gießen Nr. 2L)7 Srlchetnt tägltch außer Sonntags. Dem Gletzener Anzeiger werden in, Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal tn bei Woche beigelegt. Notattonsdruck u. Verlag bei Brüh l 'schen Univers.-Buch- u.6tem- druderet (Pietsch Hrden) flUbaftton. ürpebitloe unb Druckerei: Vch ulstraße 7. Adresse tüx Depeschenr Anzeiger Ätetzeu. 5 entgegensieht. Der Verlauf der Etatsdebatte, der von den Vertretern der bür "-erlich en Parteien angeschlagene, maßvolle Ton, die Erklärung des Zentrums- Abg, Dr. 'S ch ä d I e r, den „guten Kern" aus der F i n a n z- reform herausschälen zu wollen, die -geschlossene Haltung «gegenüber der Sozialdemokratie — alles das hat 'mit Befriedigung unb guten Erwartungen fiir die Zukunft er- füllt. „Mit diesem Reichstag läßt sich auskommen", soll ein hoher Beamter im Gespräch mit einem Parlamentarier bemerkt haben. Auch die Teilnehmer des kürzlich vom Abg. Frhrn. v. Heyl veranstalteten geselligen Abends emp- siugen, wie wir bören, aus den Aeußerungen der als Gäste anwesenden Staatssekretäre— Graf Posadowskv, Frhr. v. Richthofen, v. Tirpitz — den Eindruck der Befriedigung. Rach Weihnachten gelangen zahlreiche Interpellationen auf die Taaesordnung des Reichstags. Diese hergebrachtermaßen ziemlich kategorisch abgefaßten Anfragen, warum die Regierung dies tut und jenes unterläßt, sehen bedrohlicher aus, als sie in Wirklichkeit sind. Gleich die erste Sitzung- bringt sämtliche Interpellationen auf einmal. Die „Rati-onal-Ztg." hält für selbstverständlich, daß die Zentrumsinterpellation über die Regelung der Rechtsverhältnisse der Berufsvereine und die Errichtung von Ar b ei t s ka m m ern die erste Sitzung voll in Anspruch nehmen wird, zumal durch den Frcmk- furter Arbeiterkongreß und den Empfang der Arbeiter- Abordnung durch ' den Reichskanzler in die Erörterung dieser Fragen neue Gesicbtsvunkte gebracht werden. Wir unsererseits nehmen an, day sich eine über mehrere Tage reichende sozialpolitische Erörtung bei dieser Gelegenheit entspinnen, und daß Graf Bülow nicht ermanaeln wird, persönlich in die Debatte einzugreifeu. Die Erlasse des Kaisers vom Jahre 1890, die bekanntlich bei den Meinungsverschiedenheiten, die zum Rücktritt des Fürsten Bismarck führten, eine große Rolle spielten, werden zweifellos im Vordergrund stehen. Es sind also gleich nach den Ferien sehr in ß h-erzv g-s von Oldenburg, welcher zurzeit in Dresden bei Professor Tr. von Reyher zur Kur weilt, hat sich, wie die „Pos^ erfährt, derart gebessert, daß dctr Großherz-og noch vor Weihnachten die Rückreise nach OOenbirrg- wird antreten können. — Das Komturkreuz 1. Klaffe des Großh. Hessischen Verdienstordens Philipps türs Großmütigen wurde dem Unterstaatssekretär im preueß. Finanzministerium, Wrnkl. Geh. Obersinanzrat Dombv-is: das Komturkreuz 2. Kl. desselben Ordens dem Geh. Obersinanzrat Bonnenberg, Vortragendem Rat im Fin angrn i'niste rium oeMehen. — Der Bunde srat ojenehmkgte den Antrag Sachsem Koburg und Gotha betresiivnd die Aussiihrttugsbestinun- ungen zum Gesetze über d'te Kin d erarb eit in gewerblichen Betrieben, sodann iJen Gesetzentwurf wegen Verlängerung der Friedens Präsenz stärke des deutschen Heeres vont 25. MLirz 1899. Der Entwurf einer Prüfunesordnung für Apotheker wurde den zuständigen Ausschüssen überwiesen. — Die Abteilunaen dsts Reichstages haben sich der Prüfung der R ei ch s a g sw a hle n unterzogen und bis jetzt 151 Mandate gefküft und einstweilen für giltig erklärt. Rach Ablauf der wrgeschriebencn 10 tägigen Frist, innerhalb deren Einsprüche, zu berücksichtigen sind, sind diese Mandate definitiv giftig. — In Berlin und in Üen Vororten^ sanden heute abend 23 Versammlungen statt, in denen sozialdemokratische Abgeordnete über den Crimmitschauer Aus st and referierten. Ueberall ttntrden gleichlautende Resolutionen angenommckr, welche den Crimmitschauer Ausgesperrten vollste Sttmpathie aussprechen und versprechen, für materielle Unterstützung- zu sorgen.^ Außerdem wird in den ResoM-tionen arcf das Koalitionsrech-t besonders Gewicht gelegt. — Die „Berl. Polit. Mchr." melden: In einer Sitzung des ZentralverbanS es deutscher Industrieller erstattete Generalsekretär Bueck Bericht über die Tätigkeit des Verbandes seit Ertde März und besprach dann den Crimmitschauer Ausstand, bei dem es sich um eine reine Machtfrage handele. Das Direktorium des Zentralverbandes beschloß, die dortigen Arbeitgeber moralisch und materiell zu unterstck-tzen. Es sollen nicht allein die Textilindustriellen, simderu alle JndustrieUen des Zeu- tralverbandes um eine Vc-rihilfe stir die notleidenden Arbeitgeber in Crimmitschau angegangen werden. München, 17. DLF. Der Vrinzregent hat heute den Ministerialrat im Könisil. Staa'sministerium des Aeußern, Ritter Heinrich von Frauendorfer Minister ernannt. Ausland. Paris, 17. Dez. Rach einem hier vorliegenden Kopenhagener Privattelegrarsm soll der König von Dänemark gelegentlich seines Berliner Besuches die Verheiratung seiner Enkelin, der Herzogin von Cumberland, mit dem deutschen Kronprinzen vorbereiten. (??) — Der Senat Ssgarrn die Diskuffion über den Antrag -Ournac aus Freigabe des Tabakbaues, der bisher von der KonN'ffion der Monopolverwaltung ab- hängt. Ournac führte aus, daß die Verwaltung die Entwicklung des Tabakbaues hemnre und Material im AuL- lande kaufe, das in Frankreich seM kultiviert werden könne. Redner beklagt sich, !daß die Tabakregie selbst deutschen Tabak kaufe, was her1 Regierung-Vertreter jedoch bestreitet. Die Verwaltung kau'se in Antwerpen und Hamburg nur brasilianischen Tabak an. Bern, 17. Dez. Die Bundesversammlung wählte zum Bunde sprüside Uten ftir 1904 den Bundesrat Comte s s e - Neuenburg (rsdikalX zum Vizepräsidenten den Hundesrar Ruchet-Waadt (radikal). Helsingfors,' 17. Dez. Der verbannte Finnländer, frühere CSardekaprtän Fraser, der bei Professor Jakowlew in Petersburg wohnte und plötzlich nachts verhaftet wurde, ist seitdem spurlos verschwunden. Ueber das Schicksal des verhafteten Bü r g er m e iste r A Hallonblad und des verhafteten Volksschullehrers Wainiv herrscht ebenfalls vollständiges Dunkel. Niemand kennt deren Aufenthaltsort. Sidney, 17. Dez. Die bisherigen Wahlen zum Bundesparlament haben folgendes Ergebnis gehabt: Für den Senat 4 Oppositionelle und 1 Unabhängiger, für das Repräsentantenhaus 24 Ministerielle, 21 Oppositionelle und 15 Mitglieder der Arbeiterpartei. Das frühere Parteiverhältnis "ist soweit kaum verändert. — In Südwales haben die Freihändler einen glänzenden Sieg errungen, da Reibt mit großer Majorität gewählt worden ist. Dieser Sieg ist freilich durch anderweitige Ergebnisse ausgeglichen worden. Ter deutsche Bauer Hume wurde inr Wahlkreis Lyne gewählt. Kus Stadl und Sand. Gießen, den 18. Dezember 1903. ** Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Hoforganisten und Hofkantor Karl Magel das Hosdienst-Ehrenzeichcn für 25 Dienstjahre verliehen. ” 51 it § d e in Bureau des Stadttheaters. Morgen (Samstag) nachmittag 3*/, Uhr ist Kindervorstellung Hänsel und Gretel.^ Am Mittwoch, den 23. Dez. muß das seiner Zeit verschobene Nachtasyl-Gastspiel stattfinden, da eine andere Zeit nicht tnehr zu vereinbaren war. Schon heute sei auf diese überaus interessante Vorstellung hingewiesen. * * Christbaumverkauf. Heute früh um 8 Uhr fand, wie alljährlich, auf dem Hose der Bürgermeisterei ein Christbaumverkauf aus den städtischen Waldungen statt. Etwa 350 Bäumchen waren in zirka einer Stunde verkauft. "Eine verfrühte Weihnachtsbescherung bereiteten einige die Ferien antretende Musensöhne ihrem Profeffor. Vor ihrem Scheiden schmückten sie ein Tannenbäumchen mit allem Weihnachtsschmuck und befestigten es, indem sie die Lichter daran anzündeten, an dem Torpfosten der Wohnung des zu Ehrenden. Dieser erkannte in einem Briefchen die ^lbsicht dec Geschenkgeber und wußte die Freundlichkeit seiner Verehrer zu schätzen, indem^ er den Weihnachts- bäum in seine Wohnung brachte. • * Zeitungspreisliste für 1904. Die neue Zeitungspreisliste für das kommende Jahr unterscheidet sich im wesentlichen von den Vorgängerinnen dadurch, daß die einzelnen Zeitungen nicht mehr unter fortlaufenden Nummern eingetragen sind. Das Verzeichnis der Zeitungen und Zeitschriften in deutscher Sprache enthält 10 041 Zeitungen usw. Es können ferner durch Vermittelung der deutschen Postanstalten bezogen werden: je 3 Blätter in arabischer, slowakischer, türkischer, hebräischer, bulgarischer und kroatischer, 29 in tschechischer, 236 in dänischer, 1074 in englischer, 14 in finnischer, 994 in französischer, je 7 in griechischer, littauischer und wendischer, 130 in holländischer, 165 in italienischer und je ein Blatt in lateinischer, ruthenischer und armenischer, je 2 Blätter in lettischer, romanischer und slowenischer und isländischer Sprache. In norwegischer Sprache weist das Verzeichnis 99, in schwedischer 193, in polnischer 146, in russischer dagegen nur 119, in portugiesischer 12, in spanischer 86, in rumänischer 14, in serbischer 55, in ungarischer 44 und endlich in flämischer Sprache 8 Zeitungen auf. - t. Rudingshain, 17. Dez. Kürzlich fand hier ein von der Gemeinde sehr gut besuchter Missionsgottesdienst statt. Pfarrer Groth von Wingershausen schilderte in fesselnder Weise die Wirksamkeit der Mission in Indien. Im Anschluß an den Gottesdienst wurden Missionsschriften verkauft. Die dafür gelösten 15 Mk. wurden der Baseler Mission zugewiesen. An demselben Tage versammelten sich die Gemeindeglieder in dem „Deutschen Haus" zu einem Familienabend. Pfarrvikar Laut hielt einen Vortrag über „Luther in seiner Familie". Darnach trug der von Lehrer Linck geleitete Mannergesangverein, verstärkt durch mehrere Jungfrauen der Gemeinde, einige Chorgesänge vor. Im Laufe des Winters sollen noch mehrere Jamiltenabende veranstaltet werden. Darmstadt, 17. Dez. Die geplante Reise, des Großherzogs ist auf den nächsten Januar verschoben worden. Sie wird nicht nach Kiel, sondern nach Rußland führen. Die Weihnachtsfeiertage und das Neujahrsfest ver<- bringt der Großherzog in Darmstadt. (Franks. Ztg.) [] Marburg, 14. Dez. Wie bestimmt verlautet, steht man hier vor einem Ries enprojekt, dessen Verwirklichung für die Stadt Marburg von ungeahnter Bedeutung sein würde. In dem noch zur Gemarkung Marburg zählenden, aber doch sonst abgeschlossen am nordwestlichen Abhange des waldgekrönten DammelSbergS nach dem von Tannenwäldern umgebenen Dörfchen Marbach neigenden Terrain, welches zum großen Teile bereits Eigentum des Geh. Med.-Rat Exzellenz Profesior Dr. v. Behring geworden ist, soll nämlich ein staatliches Institut für die ganze Monarchie zur Herstellung der verschiedenartigsten Heilserums für Menschen und für Tiere • errichtet werden. Es dürfte unter die Oberaufsicht des genannten Gelehrten gestellt werden. Kürzlich fand bereits durch staatliche und städtische Behörden eine Besichtigung des in Frage kommenden TerrainS statt. Herborn, 17. Dez. Unsere Bergleute haben es als großen Uebelstand empfunden, daß der Abendzug in Dillenburg den einige Minuten vorher nach Oberscheld - 9ljkolaus- stollen absahrenden Zug nicht mehr erreicht. Beschivcrdcn waren bisher ohne Erfolg. Neichstagsabg. Dr. Burckhardt hat die Sache im Elsenbahnmimsterium vorgebracht, der Decernent selbst war erstaunt, daß der Zug in Dillenburg nicht so lange wartet, bis derjenige von Herborn bezw. Niederwalgern eingelaufen ist und hat unserem Vertreter Abhilfe versprochen. Ebenso hat Dr. Burckhardt sich im Elsen- bahnministeruun bcmüt)t, das; die auf 60 Kilometer beschränkten Arbeiterkarten in unserem und den benachbarten Wahlkreisen Biedenkopf und Wlttgenstem auf eine längere Kilometcrzahl ausgedehnt werden, sodaß die vom Kreise Biedenkopf, vom Aartal und Ditzholztal, z. B.aus Slraßcbcrs- bach, ins Siegerland fahrenden Bergleute, ebenso die vom Westerwald kommenden, ond) die billigen Arbeiterkarten erhalten, auch luenn sie weiter als 60 Kilometer wohnen. Der Antrag ist der Frankfurter Direktion bereits zugegangen und wird voraussichtlich vom Minister genehmigt. Fulda, 17. Dez. Sim Vloiitag abend wurden in unserer Oberstadt und m der südwestlichen Rhön mehr oder milider starke Erdstöße verspürt. Zn hiesigen Häiisern klirrten die Fenster. Die gleichen Wahrnehmungen hat man in einer Reihe von Dörfern geuiacht, z. B. m Zirkenbach wo eine Tischlampe umfiel, in Bronzell, Hattenhof und m Neuhof. Am auffallendsten trat das Naturereignis in die Erscheinung zu Hofbieber, wo man Getöse und Gepolter gehört haben will, als wäre in der Nähe ein Pulvermagazin in die Luft geflogen, und wo das Beben von eleltrijchen Ittcht- erscheiniingen begleitet war. Auf dem Bieberstein waren die Stöße so arg, daß die Schloßbewohnec das Wanten des Gebäudes zu verspüren glaubten. Kleine M i l t e i t u n g e n aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Düdelsheikn sand eine Versammlung zur Gründung einer gemeinnützigen Baugenossenschaft statt. Die Konstituierung der Genossenschaft soll Anfang Januar erfolgen. — In Worms hat am 17. d. Mts. bie silberne Jubiläumsfeier der Aliceschule stallgefunden. An den eigentlichen Festakt, wobei viel Ansprachen gehalten wurden und wobei Lehrer Christmann den Bericht über die Geschichte der Schule erstattete, folgte die Alifführung des Theaterstüekes ,Nlitternachtszauber* und eines anderen Stückes, „Die bösen und die guten Geisler der Schule*. Ärrillischlrü. * Lübeck, 17. Dez. Der im Untersuchungsgefängnis wegen Ermordung seines eigenen Sohnes in Haft befindliche Arbeiter Lebermann aus Treushorft ho-t Selbstmord verübt. * Paris, 17. Dez. Tie Matter berichten, daß man im Kr iegsministerium neuen Unregelmäßigkeiten auf die Spur gekommen sei. Zwei Beamte sollen falsche Stempel des Ministeriums angesertigt und damit Waren abgestempelt haben. Aus diese Weife gelang es ihnen, unbrauchbares Material, dessen Annahme verweigert worden war, wieder an das Ministerium abzusetzen. Man glaubt, daß nvch anbere Beamte in diese Asfaire mit- v-erwickelt sind. * Warschau, 17. Dez. 4 Sol baten vorn hiesigen zweiten Festungsregiment überfieltti in dem Torfe Go- labfi das Gehöft des Kolonisten Mikolajeczek, töteten diesen und feinen Sohn unb raubten 2060 r-cubel. Die Möroer sinb verhaftet. * A l g i e r, 17. Dez. Bei einer in einem Dorfe in der Nähe von Philippville ansgcbrochenen Feuersbrunst, bie vier Wohnhäuser zerstörte, kauien ein Greis, zwei Mädchen unb mehrere kleine Kinder in den Flammen um. * Heber ein Geschenk des Nachtasyl-Dichters Maxim Gorki an Bebel wird aus Berlin berichtet: Maxim Gorki sandte an Bebel, sür den er Sympathien hat, ein Timen faß. Er hat dieses selbst als Ge- jchenk von einem sibirischen Sträfling erhalten, der es aus einem Vbammuthzahn verfertigt hat. * Heber das schreckliche Fa m i li e n d r a m a, das sich in Meißen abgespielt hat, werben der „Boss. Ztg." noch folgende Einzelheiten berichtet: Der Fcüwtt- wächter Bienert vergiftete sich und seine Frau, mit der er nach hinterlassenen Niederschriften in vollem Ein- verständuis haribelte, sowie seine sechs Kinber im Alter Von 2, 5, 7, 8, 91/2 unb 11 Jahren mittels Karbols, weil seine Frau unheilbar unterlechskrank war und beide fürchteten, daß, wenn sie gestorben sei, die Familie „zu Grunde gehen" wurde. Tie Eltern nahmen das Gift in titum, den Kindern gaben sie es in start gezuckertem Kaffee. Als man die Tur zur Wohnung der Hiigiucklichen sprengte, fano man die Frau nur notdürftig bekleidet, in der Küche liegen, in der Stube lag auf dem Boden ausgestreckt Bienert, neben ihm ein Kind, ein anderes lag zw sich en Bett unb Wand, wohin es offenbar in schwerem Tvbestarnpf g-e- fallen war, die vier übrigen in ihren Betten. Alte waren tot, dis aus Bienert, der noch im Krankenhause liegt Tie Aerzte haben nur wenig Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Bienerts war äußerst fleißig und die Fcau arbeitete als Wäscherin, konnte aber zuletzt wegen ihres Leibens den Beruf nicht mehr ausuben. „Was wirb bann aus Euch, wenn ich sterbe?" hatte die Frau noch kurz vor der Tat zu ihrem 11jährigen Töchterchen gesagt, woraus dieses erwiderte: „Wenn Du stirbst, dann sterbe ich mit." Kunst und lUiHi'iiidjniL D er leuchtend Mensch Wir haben mitgeteilt, daß die Physiker an dec Hn.verrät Nancy, Cha.pentier und Blonbelot, nachgewiesen haben wollen, daß Der menschliche Körper ähnlich wie bas Radium Lichtstrahlen aus,ende; bie;e Lichtstrahlen sol.en sich bei verstörter Muskel- unb Nervenarbeit in erhöhtem Maße zeigen. Tie Beobachtung, baß der.Mensch unb die Tiere unter bestimmten atmosphärischen Verhältnissen scheinbar leuchten, ist alt. Stein Geringerer . als Goethe hat diese Beobachtung gemacht unb im „Faust" verwertet; der Pudel, hinter dem em „Feuer- strubel" zieht, beruht aus richtiger Beobachtung. Auch bie Vermutung- daß der Mensch unter allen Verhältnissen iLchtslrahlen aussende, ist ait — sie ist nur bis zum heutigen Tage nicht einwandfrei bewiesen. Pr.se, sor Good- fpeed o-on ver Universität in Pennsylvanien hat vor Jayren die Behauptung ausgestellt, daß der men.chliche Körper Licht ausstrahle. In einem finsteren Zimmer wollte er mit Hilfe von lichtempfindlichen Platten bie Lichtstrahlen festgehalten haben, die von einer Hand aus gegangen sind. Eood,peed hat ferner behauptet, baß nur infolge dieser vom Körper ausgehenden Lichtstrahlen die T.ere auch in den dunrelsten raunten dem Menschen ausloeichen. Tie Physiologie weiß freilich für die bemnute Ta.,ache, bap tiere, zum Bespiel Fledermäuse, sich in bin duntelsten Winkeln -urechlsinden, eme einfache unb einwandfreie Erklärung Man darf didher gespannt darauf sein, was bei der Na ^Prüfung der ttenen stnibe 'iinq heianskommt. yniufiTitiits-yadjridjtciL — Die Gejamizahl der Sliwierenden an der Tierärztlichen Hochschule zu Berlin betragt in diesem Winter 630 (oline Gastzuhörer), eiuschlieszlich der 134 von der Mllilarvelerinar- Akadenue lonunandierien -Studierenden. — Tie von der Akademie der Wissenschaften zu Berlin vollzogene Wahl des ordentlichen Pro'esjors der vergleichenden Sprachlvissenschast an der Friebrich-Wühclins-Hiuversual, Tr. Wilhelm Schutze, zum orbenllichen Atugliede ihrer phllojophlich- historischen Ktasie i|i benötigt worden. -- Dem Privaidozeiuen m der medizinischen Fakultät der Friebrich-Wlthetms-HuiverUtat zu Berlin, Tr. Murnu Ficker, ist das Prädikat Proiehor bei- gelegl worden. Gerichtssaal. 8d. Darmstadt, 10. Aea. ha 1 ß e 11 e r Drahtderi ch t.) Die S l r a s k a Ni m er üe r u r t e U t e soeben den B a h n • rnärier Kaiser, welcher am 4. S"ptember abeitbä **/4lu Uhr dillch Aitflcgen einer Eijenbahnichiene aui das Bahngeleis bei Atühlhciin a. M. den D'Zug gefährdete, m bie höchst zulässige Slruie von 1 Jahr G e 's ä n g n i s unb erließ iownigen Hail- beseht. Ta er augab, gebucht zu haben, fiel) eine Prämie ver- bieiien zu wollen, war er auch wegcii Betrngs angetlagl; er würbe aber wegen dieses Telikies trveigejvrouien. KiiilSrt uni» ilnlulir. ouUÜiuulsdjilsr. Berlrucr Börse vom 17. Dezember 11)03. (DtitgeteiU voll der Bank iür Handel uiib Industrie, Gießen.) Tas paupiilileresie an der henligen Börse teufte sich auf irembe 9ieuum; Tiirten jowie Älrgelumier lvurden in großen 'Vollen für Pariser Rechnunss ans dem Marti genommen und tonnlen lllfotgedefseli ihr nur-. Niveau luejemlui) erhöhe«, stm allgemeinen beioegien sich die Uiniäije in nur Heinen Grenzen, unb ist ivohl mir noch bie Steigerung der österreichischen Kredilaklien — iniolge Wiener Kätlse zu erivähnen. Bautullieu unb Aionlan" werte verkehrten bei geringem Bert ehr m guter Tendenz. Der hvaiiaiiiOuiiricniürft zeigie riü)ii-7sernwrechdlenfies für Wiesbaden fort 4t-iuuilirii^hidindilrii. Gestorben: Dr. med. Iiillus Goerg, Stabsarzt der Lo,id° wehr 1., rn Mainz. — Friedrich ^alte, Bierbrauereibeiitzer, Felsen- feller bei Offenbach a. Ät. — Frau Älorie Hamann, geb. Schäfer, m Offenbach a. At. EittgcsilnLh 'Für Form und Juhan u..v. ser Rubrik stehenden Artikel übernimmt Die Rebalnon oem Publikum gegenüber keinerlei Verantwort)lng.) Annerod, 17. Tezember. Tie Straße A n n e r 0 d-G 1 e g e n ist so verschlammt, daß man kaum durchkann. Ohne hohe Echnhe oder Slieiel ist sie überhanpt nicht zu passieren. An em Ausweichen ist nicht zu denken; entweder gerät man auf frische Deckung oder Schlamm. Ist da nicht Abhilie zu schajfeli'? Einer, der dell Weg jeden Tag passiert. 11 cndir Wcldlliigen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. R. B. Darmstadt, 18. Dez. (Eigener Drahtbericht). Die 1. Ka innrer trat heute zu einer kurzen Sitzung zilsaninren rind wählte an Stelle des ausgeschiedenen Mitgliedes StaatSministers Finger den Wirkt. Geh. Rat Exz. Knorr znm 3. Präsidenten. Dann nahin die Kaniiner eine A dresse an den Groß herz 0 g an, die das Präfidirtnt um ll1/* Uhr dem Großherzog persönlich überreichte. Sämtliche auf der Tagesordnung stehenden G e f e tz i n 1 iv ü rse ivurden ohne Dcbaite an gen 0 m men. Daraus verragte sich das Haits auf unbestimmte Zeit. tc. Mainz, 18. Dez. (Eigener Drahtbericht). Land- gerichtsdircktor Thaler, der kürzlich während einer Abendgesellschaft von Niagenblutungen befallen wurde und ^lusnahme m das Rochusspital nehmen mußte, ist heule früh gestorben. — An der Einweihungsfeier der neuen Eis en b a h n brücke im Aprit 1904 werden der Kaiser und der G r 0 ß h e r z 0 g t e i l n e h m e n. Berlin, 18. Tez. 9lu§ Göhrde meldet man: Heute früh 9 Uhr fuhr der Kaiser in dos Jagdrevier. Berlin, 18. Tez. Wie das „Berl. Tagebl." hört, steht die Einführung von Achselstücken aus den Offiz iers- mänteln nach russischem Wiufiec in allernächster Zeit bevor. Gitschin, 18. Dez. Der 16jährige Gymnasiast Kysela, Sohn eines Gutsbesitzers, wurde wahrend einer Eisenbahnfahrl nach Wostromler von dem nulrcijenbcn Baller Subala, mit welchem er in Streit floralen war, aus dem in voller Fahrt befindlichen Ziige auf das Geleise ge - w orfcn. Tor Gynmasiast ist tätlich verletzt. Subata wurde verhaftet. 9Nünchen, 18. Tez. Von dem Auflsburflor Kriefls- gericht luurbe der Unteroffizier Kart Heim von der 12. Kompagnie des 3. Jnjalilerle-9cegiments wogen 9Riß- handlung unb schwerer Beschimpfung einer Reihe von Elnjähriflon, die seiner Korporalschaft unterstellt waren, zu 5 0 na l e n Gefängnis und Tegradalion verurteilt und sofort in Haft genommen. Ter Unteroffizier hat die Einjährigen wiederholt mit der Spitze seines Seitengoivehrs gegen bie Kniekehle und auf die Brust gefloßen, einen Einjährigen sogar mit dem Säbel blutig geschlagen. Lorient, 18. Dez. Eine Feuersbrunst zerstörte bie Wohnung des Drogisten Ploey. Der Drogist, feine Frau und zwei Kinder kamen in den Flamnien um. Ein Drittes Kind un Alter von drei Jahren konnte gerettet iverdon. Wien, 18. Dez. Die Verhandliingen wegen Berufung dos Geheinierals Riedel von der Charlottenburger technischen Hochschule nach Wien find deshalb zerschlagen, well mitten in die darauf bezüglichen Erörterungen die 9Ait- leilung siel, daß Kaiser Wilhelm Riedlecs Verbleiben an der Charlottenburger technischen Hochschule in sehr bestimmter und sür Riedtec ehrenden Weise oerlangt habe. Budweis, 18. Dez. Die politische Behörde verbot aiis Gründen der Sittlichkeit die weitere Aussühriing des Theaterstückes ^Der heilige Rat" von Jungh0fer. Telephonischer Kursbericht, Frank tur«. ä. >«., 18. Dezeinoer )Vu3 3l/a°/0 Reichfianleibe , . 102.35 3"/, uo. . . . 91.86 3‘/,% KodkoIb , . . . 102.10 du/o do. .... 91.90 3‘/e% Hessen .... 101 30 31/, % Obernessen . . . 99.80 4% Öesterr. Go drente . . 102.85 4* 6% Oesterr. bilberrente 101.10 4% Un^ar. Goldrmto . . 100.70 4°/ Italien. Rente , . . 103.70 41;, % Portugieser ... 64.30 °/ )'ortugitisen. .... 62.70 1% C. Türken ...» 37.85 Türkenlose 142 20 4°/o Gneoh. Monopo’.-Anl. 45.00 4‘,% äussere Argentiner 43 00 I 3U/O Mexikaner .... 26 20 4,/g /j Chinesen .... 92.20 Electric. bo> uckert . . . 109.00 Mordd. Lloyd . . , . 105 75 hreditaktieu . ... 217.00 Diskonto-Kommandit. , . 108.90 Darmstädter Bank . . 147.80 Dresdener Bank . . , . 159.30 Ber iner Mandelsges. , . 165.20 Oesterr. Staatabahn . . , 146.00 Lombarden .... 17.15 Gottnar ihahn ...» 190.50 Laurai ütte . .... 240.00 Bochum ...... 191.70 ilarpener 2U4.75 Tendenz: schwächer. einen Füllfederhalter? Siud Sie W b-V damit zufrieden? Tieje beiden Fragen gehören unbedingt zufamnien, beim es werden leider in letzter Zeit derartig viele neue Füllfederhalter aus Den Markt gebracht, Die abjolnt den Zweck eines FüllseDerhalters nicht erfüllen. 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