Nr. S71 Erscheint tLgttch außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Samtlien» blätter viermal in der Woche beigelegt. RotattonSdrnck tu Verlag de, Brühl fchen llntverl^Buch- n. Stetn- brurferti (Pietsch Erden) Btaaftton. erpebttion und Druckerei: «chnlstratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gieße«. Aernlprechanlchluß 9ir. 61. ——imw Zweites Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 18. NavemverlvvS 17 _ Bezagdpreid jmmjv ■yvT monatlich7bolertet» Zjg/ V /ö A irj V tShrltch M. ßLO. durch GletzenerAnzeiger« General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW 3>ie heutige Yummer umfaßt 10 Seite«. Gieße«, den 14. November 1903. Betr.: Die Unterstützung von Familien der zu Friedens- Übungen einberufenen Mannschaften. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir beauftragen Sie, soweit dies noch nicht geschehen ist, die Gemeinde-Einnehmer anzuweisen, bezüglich der von denselben in obigem Betreffe pro 1902/03 vorgelegten Beträge mit unserer Kreiskaffe alsbald abzurechnen. ______________I. V.r Dr. Heinrichs._______________ Gießen, den 17. November 1903. Betr.: Landwirtschaftliche Bodenbenutzung im Jahre 1903. Das Grotzherzoqliche Kreisamt Gießen oä die Grohh. Bürgermeistereien des Kreises. Unter Bezugnahme auf unser Ausjchreloen vom 1 /. Mai L Js^ Kreisblatt Nr. 51, erwarten wir die alsbaldige Einsendung des entsprechend ausgefüllten Formulars 2 b insoweit dies noch nicht geschehen ist. ______________I. V.: Dr. Heinrichs._______________ Gießen, den 17. November 1903. Betr.: Remuneration für den Unterricht in der Fortbildungsschule. Die Großh. Kreisschulkommission Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Wir sehen bis 15. Dezember l. Js. Ihrem Berichte darüber entgegen, wie hoch sich die Vergütung für jede von den Lehrern Ihrer Gemeinde in der Fortbildungsschule gehaltene Stunde beläuft. _______________________Dr. Breidert.________________________ Kriraiullmuchung. Betr.: Den Schutz junger Obstbäume gegen Hasenftaß. Wir machen die Landwirte unseres Kreises darauf aufmerksam, daß sie ihre jungen Obstbäume in gehöriger Wei^e gegen Hasenfraß schützen mögen. Das Umwickeln der Bäume mit Stroh oder Ginstern, rote es vielfach üblich ist, ist nicht genügend, da der Hase die beiden Schutzmittel leicht durchnagt; auch nisten sich im Stroh gern Obstbaumschädlinge ein. Einen wirklichen Schutz gewährt vielmehr nur ein dichtes Umbinden der Bäume mit Dornen oder das Anbringen eines Drahtgeflechts. Bei der großen Bedeutung, welche der Obstbaum zurzeit hat, liegt es in dringendem Interesse der Landwirts, ihren Bäumen diesen Schutz angedeihen zu lassen. Besonders bemerken wir hierzu noch, daß nach Art. 2 deS Gesetzes vom 2. August 1899, den Ersatz des Wildschadens betreffend, der Wlldschaden, der an Obstbäumen und Baumschulen angerichtet wird, nicht zu ersetzen ist, wenn die Herrichtung von Schutzvorrichtungen unterblieben ist, die unter gewöhnlichen Umständen zur Abwendung des Schadens auSreichen. Gießen, den 17. November 1903. Groß herzoglich es Kreisamt Gießen- I. V.: Dr. Heinrichs. Kekanntmachung. Betr.: Rotlauf zu Langsdorf. In dem Gehöft des Christian Jung zu LangSdorf ist Schweinerotlauf festgestellt worden. Die kranken Schweine sind der Stallsp erre, die der Seuche verdächtigen Tiere der Ge Höft sperre unterworfen. Der Schweinebestand wurde der Schutzimpfung unterworfen. Gießen, den 16. November 1903. GrotzherzogUches Krersaun Gießen. I. V.: Dr. K r a n z b ü h l e r. Amtliche Nachrichten über Viehseuchen. Unter dem Schweinebestand der Landes-Heilanstalt Marburg ist ein Schwein an Rotlausseuche erkrankt Es ist Gehöftsperre angeordnet. Die unter den Schweinen in Münchhausen (Kreis Marburg) ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen, die Sperrmaßregeln wieder aufgehoben. Politische Tagesschau. Der neue Reichstagsvorstand. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt uns unterm 18. November: Es besteht in parlamentarischen Kreisen kein Zweifel darüber, daß für die Posten des Präsidenten und der beiden Vizepräsidenten des Reichstags wieder je ein Mitglied des Zentrums, der Konservativen und der N a t i o n a l l i b e r a l en in Betracht kommt. Und man hält die Kandidatur des Grasen Balle ft rem für ebenso feststehend wie diejenige des Grafen Stolberg- Wernigerode als seines ersten Vertreters. An Stelle des dem neuen Reichstag nicht anaehörenden Herrn Büsing werden die Nationalliberalen vielleicht den mit den Vor- standsgeschäkten vertrauten und gewandten Abg. Dr. Paasche für das Amt des zweiten Vizepräsidenten präsentieren. Tie Möglichkeit einer sozialdemokratischen Kandidatur wird für unwahrscheinlich gehalten, da^ gegen glaubt nian, daß die äußerste Linke mindestens einen Schriftführerposten beanspruchen wird, um im Reichstagsbureau nicht länger unvertreten zu sein. In der letzten Legislaturperiode präsentierte die äußerste Linke für das Schriftführeramt den Abg, Schippet, sie vermochte aber nicht, dessen Wahl durchzusetzen. Aas italienische Königspaar in England. Portsmouth, 17. Nov. Die Jacht „Viktoria" and Albert*' mit dem Königspaar von Italien ist um 11 Uhr 40 Min. hier erngetroften. Der Prinz von Wales begab sich an Bord und begrüßte das Königspaar. London, 17. Nov. Das italienische Königspaar traf in Windsor heute nachmittag 3 Uhr 30 Mm. von Portsmouth ein. An beiden Orten bereitete ihm die Bevölkerung einen enthusiastischen Empfang. Der König und die Kö- nigin begrüßten ihre hohen Gäste auf das herzlichste mu) geleiteten sie nach Windsoreastle. Windsor, 17. Nov. Bei der Einfahrt des Zuges mit dem italienischen Königspaar präsentierten die Truppen, die Musik spielte die italienische Hymne, die Glocken läuteten. Am Bahnhof hatten sich König Eduard, Königin Alexandra, Prinz Christian, Prinzessin Viltoria und eine große Anzahl von Generalen und Würdenträgern einge- sunden. Als der Zug hielt, stieg König Viktor Emanuel aus und schritt mit ausgebreiteten Armen aus König Eduard zu. Die Monarchen küßten einander auf beide Wangen. König Eduard küßte der Königm Helene die Hand, worauf beide Königinnen sich herzlich umarmten. Der Könia von Italien trug Generalsunijonn, König Eduard Felomar- jchallsuniform. Nachdem der Könige von Italien eine vom Mayor überreichte Adresse entgegengenommen hatte, wurde in acht offenen Galawagen die Fahrt ins Schloß angetreten. Im ersten Wagen saßen beide Liönige, der Herzog vonl ^.onnaught und der Prinz von Wales, in zweiten bie beiden Königinnen und Prinzessin Viltoria. Bei der Fahrt durch die Straßen, in denen Truppen Spalier bildeten, wurden den Majestäten von der Menge stürmische Huldigungen dargebracht. Kijenöahnprojekte. s. Ulrichstein, 16. November. Gestern fand dahier im Darmstädter Hof um 3 Uhr eine allegmeine Versammlung statt, in welcher das A l s s e l d e r Komitee sein neues Eisenbahn-Projekt „Zell —Romrod — Niederbreidenbach, — Oberbreidenb ach — Windhausen — Ulrich stecn — Rudingshain- Schotten" zur Sprache orachte Die ^tadt Atejeld war durch acht Herren und Kreisrat Dr. Atelior vertreten, Schotten durch den Bürgermeister Kromm, Beigeordneten Eella- rius, Forstmeister Diessenbach» LÄichdruck-ereibesitzer Erigol und noch mehrere andere. Außeidem waren vertreten die Orte Oberbreidenbachs Windhausen, Storndorf, Die uh es, Helpershain, Ulrichstem, R.bge-hain, Felötrüuen, Rubinos' Harri, Oberseibertenrod, Sturnpertenrod, Göbenhausen, Ob.r- ohmen, Ruppertenrod, Engelrod unb Eichernod. Der Vor sitze ride, Fabrikant Grünewald aus Alsfeld, erklärte zunächsst den Unterschied zwischen den bestehenden Projekten und führte dann weiter aus, daß der hessische Staat Eisenbahnen auf eigene Kopen nur dann baue, wenn eine Rentabilität von 2 Prozent garantiert werde, andernfalls empfehle er den Dau durch Privatgesellschaften und achtet nich üeiben diest Gießener Theaterverein. Maria von Magdala. Drama in 5 Akten von Paul Heyse. (Buchausgabe: 21. Ausl. 1903, Stuttgart, Cotta.) in Aufregung bringen. Merkwürdige Parallelen das, dre man zwischen zwer tn der letzten Zeit am meisten besprochenen deutschen Büchern findet, zwischen Heyses „Maria von Magdala" und ßeut» nant Mses militärischem Zeitb'ilde „Aus einer kleinen Gar- nison". , r So wie Aulus Flavins, der runge elegante römische Offizier,, der Neffe des Landpslegers Pontius Pilatus, wert lieber in Rom wäre als in dem fernen Jerusalem, so sehnte Bilse sich hinaus aus dem lothrrngrsch-franzvftsch^n Garnt- fonnefte nach seiner reichsdeutsck^n .Hennat. „Werl zwei leichtsinnige Vögel", so erzählt Btl.e in fernem verbotenem Buche, „nicht Dtaß halten konnten, wurde das ganze Ossl- zier orps in diesem elenden Neste eingesperrt (durch öen Befehl des Kommandeurs, das betrachbarte Saarbrücken nur bei ausdnüetlicher Urlanbserteilnng besuchen zu dürfen), die einzige Abwechslung, ein Konzert oder em gute^ Gms Bier gehörte nun auch wie so vieles unter die Rnberk der frommen Wünsche .... Fragte eine Dame des Regrments ihren Gatten, ob er nicht Lust habe, sre am Abend ber den Besorgungen Tn der Nachbarstadt zu begleiten, weil dort alles besser und billiger fei, so hieß es: „diern, ich darf nicht, ich muß erst fragen, wie ein Schuljunge feuren Mehrer, ob er einmal hinaus dürfe". — Wie der ^rarnoatarl- lons - Kommandeur in Forbach, |o der Mrnrster des Innern in Preußen. Weil „Diarra von Magdala^ dre Ein wahrer Jammer für einen lebensfrohen jungen Offizier, in diesem trübseligen, verlassenen Orte fern von der großen Welt sitzen zu müssen, wo jeder halbwegs gebildete oder bildungsbeflissene Mensch von guter Herkunft sich zum Sterben langweilt. Man arbeitet natürlich recht gern für seine Karriere, aber ein bischen lustiger könnte es schon sein. Das reichsverdrossene Volk hier in der A-remüe kümmert sich in seiner Gehässigkeit wenig um dre militärischen Stützen des Thrones. Man gehorcht, aber man achtet nicht das Reich. Das ist deutlich zu spüren. Ueberall bleiben drese hier unter ficl>, verschlossen, unzugänglich- ungeseNig. Sre meiden die ftemden Eroberer, fast so wie man Aussätzige meidet. Alles in allem: ein schwer und unerfreullche-r Dienst. Schwerer und unerfreulicher als sonst irgendwo in einer Provinz. Und dann noch mitunter Scherereien, die man mit der Bevölkerung hat, Zwistigkeiten, dre den ganzen Ort Dichtung eines hochgesinnten ideatii risch en Dichters, der seit mehreren Jahrzehnten anerkannt ist als einer der vorzüglichsten deutschen Poeten, sämtlichen preußischen Verivalt- ungsgerichtsentscheidungen zufolge einen „Angriff auf die Religion" bedeute, erging durch den Minister auf Grund einer aus dem Jahre 1817 (!) stammenden Verordnung über die ganze preußische Mionarchie das Aufführungsverbot. Und im preußischen Abgeordnetenhause sprach der- telbe Minister, unter dem Beifall eines großen Teiles der vreußischen Parlamentarier, das große Wort gelassen aus, daß man seine Töchter ohne Erröten müsse in das Theater schicken können. Als ob das Theater eine Vorbereitungsanstalt für höhere Töchterschulen fei, als ob es nicht stets eine Frage des Erziehers sein muß, ob er feine Pflegebefohlenen in dieses Drama oder in jenes Museum gehen läßt. Tie Kunst, auch> die dramatische und d.e mimische, Hot wahrlich nicht auf unreife Personen Rücksicht zu nehmen. Sonst verlöre sie nur allzu schnell jede Kraft, jeden Schwung, jede Kühnheit in der Erörterung menschslicher, sozialer, sckllicher Probleme. Wie beschämend für ganz Deutscyland, daß der oberste Polizeibeamte des größten deutschen Bundesstaat».s in der Buhne so etwas wie ein streng zu überwachendes notwendiges Nebel erblickt, während man in allen Kulturstaaten seit Schillers Zeiten danach strebt, die Bühne Äiun nationalen und kulturgeschichtlichen Heiligtum oder doch zu einem der wichtigsten Träger allgemeiner Geiftestultur zu machen. In Forbach verbietet der Bataillonstommandeur seinen sämtlichen Offizieren den Besuch der Nachbarstadt; tn Preußen verbietet der Alinister des Innern, trotz der flammendsten Proteste der Goethebünde einfckstießlich des hessischen, trotz der schönsten Reden der Herren Sudermann und sZnlda, die man in einer bei S. Uscher in Berlin erschienenen Broschüre nachlesen kann, nach Gutdünken Theatervorstellungen und beaufsichtigt reife Männer, ebenfalls wie Schulkinder, bezüglich ihrer geistigen und künstlerischen Nahrung. Und wie in Preußen, so in Bat)em, während in England und Amerika das Drama vor fünf Jahren schon ein Zugstück war! Erst mit dem Verbot des preußischen Ministers in diesem Frühjahr wurde das allgemeine Interesse auf dieses Drama gelenkt, das heute wohl in weit mehr noch denn 21000 Exemplaren verbreitet sein mag, zumal auch in Preußen die Dichtung — wie unsäglich komisch! — nicht nur jedermann für 1.60 Mk. bei seinem Buchhändler kaufen, sondern auch in öffentlichen Vorlesungen hören darf! Bei uns in Hessen gibt es verständigerweise keine Zensur in Theaterdingen. So hat denn in der hessischen Landes- Universitätsstadt die Aufführung des Heyseschen Dramas ohne alle Weiterungen slattiinoeu lunnen. Und wem gestern der Gedanke gekommen ist, Heyse habe in diesem Drama einen „Angriff auf die Religion" unternehmen wollen, der melde sichü Verfolgen wir die -Erlebnisse der lebensvollsten Figur des Stückes, die uns am ungezwungensten, fiisch und phrasenlos, als Dcensch zu Menschen, entgegen tritt, des jungen römischen Offiziers Aulus Flavins. In seiner langweiligen Garnisonstadt Jerusalem dünkt ihm das einzig Reizende die fchöne Maria, die ihrem Manne davongelaufen und von Magdala am See Genezareth hergekommen ist, um hier in Pracht und Freude die Qual ihrer Ehe zu vergessen. Maria, die Buhlerin, die allen Wohlanständigen zum Aergernis lebt, an deren Tür aber nachts die jungen Männer bebend klopfen. Sie vielleicht wäre ein angenehmer Zeitvertreib, bei dem man sich mit der unwirtlichen Garnison verföhnen könnte. Allem dem jungen Romer weigert sich Maria, ihm bleibt die Kammer verschlossen. Dann kommt die, um im Sinne des Römers weiter zu reden, merkwürdige Begebenheit mit dem jungen Wanderprediger, der so großen Zulauf hat und für den Maria fich begeistert. Völlig verwandelt ist sie, seit der milde Prophet ^in der Stadt erschien. Sie hält sich einsam zu §aafe, schafft die fröhlicy genießende Gefellschaft ab, Liebe und Liebelei, und ist ganz im Banne des i!razareners. Dew aber wollen die Priester ans Kreuz heften, irs nutzt nichts, daß er dem Statthalter sympatyisch ist. Tie Priester wiegeln das Volk auf, bitten, drängen, toben, drohen mit Beschwerden, und Poilllas Pilams, der ih-.en störrischen, fanatischen Eigensinn kennt, loäscht seine ^ände und tut ihnen den Gefallen um des lieben Friedens willen. Was liegt auch schließlich daran? Der V«-rioaitungsbeyörde kann die Sache gleich sein, und am Ende ist es gar nicht so unklug, diesen schwer zu behandelnden Juden in Kleinigkeiten ihren Willen zu lassen. Maria von Magdala verzweifelt, und Aulus Flavins überlegt, ob er ans diesem Zwischenfall nicht Vorteil ziehen könne. Nun wohl: Vielleicht ist die schöne Maria noch einmal zu einem kleinen Rückfall zu bewegen! Wenn sie dem Retter die Tür aufriegelt, dann mag der Nazarener entschlüpfen. Um diesen Lohn, der nach ihrem Vorleben ihr ja gar nicht so schwer fallen kann, wird sie gewiß gern ihren Seelensreund vom Kreuze befreien! Im übrigen läßt sich die Sache ja auch leichr bewensieiligen. Ist er doch der Neffe des Pilatus. Er wird den Wachen jagen, der Onkel wünsche, daß Der Gefangene heimlich entweiche. Und alle wijfen es zudem, daß der StaUbalter! gebe dann dazu einen KostenHuschrrtz von 15—20 000 Mark pro Kilometer. Nach seinen, im ganzen höchst interessanten, wenn auch natürlich etwas zweckdienlich gefärbten Ausführungen würde Ulrichstein durcy eine Bahn nach Alsfeld nur gewannen können, durch jede andere, so z. B. durch den über Mücke nach Gießen ganz sicher verlieren. Ter nächste Redner, Bürgermeister Kr o m m-Schotten, unterschreibt alles, was der Vorsitzende gesagt hat und bittet dann um Auskunft über die Kostenverreilung. Darauf erklärt der Vorsitzende des Bahnkomitees „Mücke—Ulrich- tein—Rixfeld", Kassenarzt Schmidt, daß die Gemeinden eines Komitees auf ihrern alten Projekt nach Mücke be- tehen blieben, dem neuen Projekt wohl sympathisch gegenüber stünden, es aber zurzeit nicht unterstützen könnten, um ihr eigenes Projekt dadurch nicht Weiter zu verzögern und zu gefährden. Herr Grünewald bezweifelt dann noch die Möglichkeit der Ausführung und die Rentabilität einer Strecke, die von Mücke abgeht, während er und Herr Bücking- Alsfeld beides in hohem Mutze für die Linie nach Alsfeld in Anspruch nahmen. Zum Schlüsse forderten sie und Bürgermeister Kromm- Schotten von dem Ulrichsteiner Komitee Aufschluß über bie Finanzierung und Rentabilität chres Projektes. Kassenarzt Schmidt erklärte, daß das ohne das nöäge Aktenmaterial heute nicht möglich sei, daß man aber in Anbetracht der Lünnut der Bevölkerung hoffe, daß die projektierte Bahn nach Mücke doch noch auf Staatskosten gebaut werde. Herr Grünewald replizierte, das sei kaum zu erwarten, weil vor allem Preußen sich ablehnend verhalten werde. Herr Bücking-Alsfeld weist dann an Versa),iebenen Beispielen nach daß nie und nimmermehr der Personenverkehr eine Bahn rentabel mache, sondern bloß der Güterverkehr, und der werde bei ihrem Projekt gesichert durch die Ausbeutung der großen Lungsteinlager zwischen Köddingen und Helpershain. Ihm hielt dann Beigeordneter Reiber von Ruppertenrod entgegen, diese Lungsteine kämen gerade so gut auch für die Linie nach Mücke zur Verwertung, überhaupt käme alle Fracht von Mücke aus viel billiger als über Schotten oder Alsfeld. Er erläutert dies an einigen drastischen Beispielen, und es entspinnt sich zwischen ihm und Bücking-Alsfeld eine interessante Kontroverse. Bezirks kassierer Strack von Ulrichstein erklärt, er gehöre keinem Komitee an und stehe deshalb unparteiisch da. Alle bestehenden Projekte berücksichtigten Ulrichstein, und darum sei Ulrichstein nun eben in einer Zwickmühle; Menn Ulrichstein seine zwei Sparkassen und seine Beamten nicht hätte, so wäre es gar nichts und es wäre ihm Rebges- hain schon über mit seiner Ziechenindustrie. Er plaidiert schließlich füL den Anschluß an Alsfeld. Grünewald-Alsfeld weist dann noch den Einwurf S ch m i d t's - U l r r ch st e i n, daß die Bahn von Alsfeld her nur ganz unbedeutende Orte berühren würde, zurück als unzutreffend, habe doch Romrod allein über 700 Einwohner, Niederbreidenbach zirka 300, Oberbreidenbach »zirka 600 und Windhausen zirka 500 Einwohner. Taoon schweige man aber wohlweislich, daß dann auf der ganzen Linie von Ulrichstein bis nach Schotten bloß das einzige Torf Rudingshain liegt. Kreisrat Tr. Melior dankte dann der Versammlung für die Aufklärungen, die er für und wider das auf- gestellte Projekt, namentlrcb von jetten seiner Kreisgemein- den gehört habe. Nachdem bann nocy Herr Haberkoru-Wrnd- hausen für das Projekt nach Alsfeld gesprochen hcttte, wurde beschlossen, ein Projekt „Alsseld — Ulrich- ein — Schotten" ausarbeiten zu lassen und es der Regierung bezw. den Landsländeu anheimzugeben, für welches der Konkurrenzprojekte „Ulrichstein—Mücke" und „Alsfeld—Schotten" sie sicy entscheiden wollen. Zu den Vorarbeiten ,oll die Gemeinde Ulrichstein nicht herangezogen werden. Diesem Beschluß treten bei die Gemeinden Windhausen, Oberbreidenbach, Storndorf, Meiches, Rudingshain, Schotten und Alsfeld. öMis £lai)i und Gießen, den 18. November 1903. ** Vortrag des Kaufmännischen Vereins. An zweiter Stelle des Vortragscyllus, den der hiesige Kauf- vur widerwlllig dieses Todesurteil gefällt hat. Flavins ist guter Dinge. Erstens spielt er dem ihm widerwärtigen Oberpriester einen Streich, zweitens rettet er den Propheten, den er persönlich recht gut leiden mag, und vor allem gewinnt er die wundersame Maria von Magdala. Diese aber schwankt, kämpft, zaudert — „Und jetzt — boxt — Seine Gestalt — Seine Augen dringen ins Innerste^- Seine Stimme: Dlaria, was willst du tun? Bist du nicht Wiedergeboren und hast eine neue Seele empfangen und einen neuen Leib, der geweiht ist durch, den Hauch meines Mundes, und der soll entweiht werden, entehrt um meinetwillen — Zurück von diesem Abgrund!" Die Nacht verrinnt — die Tür der einstigenV>uhlerin bleibt verschlossen. Flavius hat falsch spekuliert.-- Hat Heyse aus solchem Grunde eine Tragödie der Askese bauen wollen? Oder wollte er eine Tragödie der Läuterung schaffen? Der Gott und die Bajadere im Zeichen des Kreuzes — ähnlich Engels' Drama „Hebet den Wassern"? Jedenfalls ist unter Heyses weichen, zärtlichen Händen ein galantes Drama entstanden. Möge man behaupten, die eben zitierten Worte Marias wiesen aus eine Gottes Willen offenbarende Ehristusvifion, des Heckanos milde Macht habe das größte Wunder an ihr bereits vollbracht durch bie Veredlung ihres Wesens und chrer Denkart; mag man ein» wenden, Heyse habe durch Flavius' Frage im letzten Akte: „Wer sagt Dir, daß er die Hand bes Rellers ergriffen hätte, statt als ein Märtyrer und Held in den Tod zu gehen", auf die diva necessitas des Menschheittodes Christi und die Erfüllung seines Eroenwerles hrngedentet — man kommt über Marias bestimmte Worte im letzten Akte nicht hinweg: „Ich habe euren Herrn und Heiland in den Tod getrieben." Mit diesem uneingeschränkten bestimmten Bekenntnis wird jebe Einwendung zu Nichte gemacht: Heyse hat in seinem Drama tatsächlich Christi Too ui Veroindun^ gebracht mit dem Entschluß eines buhlerischen Weibes. Darüber kommen tvir nicht hinaus — trotz der Heberolle scharfsinniger Verteioig- ungen der Tendenz des Dramas. Derrn über „Maria von Magdala" ist von Kritikern, Poeten und Juristen mehr geschrieben worden als über sämtliche in 34 Bänden vorliegenden 45 Dramen Heyses zujammen. Maria, die Siitensuchn- derin, ist zu sittlicher, reiner Liebe zu Christus entbrannt; ob auch zu heiliger, macht Heyse nicht Lar. Seine Göttlichkeit ist ihr keineswegs bewußt geworden. So ist He^;.A Drama ein Drama der Kteingläub.gcn; oie Erlösung oer 'Bell ist, wenn auch scheinbar nur, den Händen des Golles- männischie Verein für das kommende Winterhalbjahr veranstaltet hat, stand ein Vortrag des Dr. O. Pohlmeyer- Berlin über „Stellung und: fJ-cbeuhmg Rußlands in der Gegenwart". Länger als I1/2 Stunde malte er in großen Zügen dieses dunkelste unentwirrbare Problem den Zuhörern aus. Er entrollte ein wahrscheinlich stark übertrieben düsteres Bild von diesem Rügland, das, wie er auAfnhrte, wohin es seinen Fuß setzt, die Knute mitbringt, das nur ein Ideal kennt, die Weltherrschaft, und dem Testament Peters des Großen getreu unablässig nach diesem Ziel strebt; nicht heute, nicht morgen, das bedeutete Krieg, nein, geduldig abwartend. 9tur von Zell zu Zell müssen seine Nach-- barn gegenseitig ihre Kräfte zerjplillern; dafür hat Rutz- land stets gesorgt. Rußland schreitet langsam aber sicher auf sein Ziel los. Seine einmal erfaßte Beute läßt es nicht wieder fahren. Will toeldjier Sicherheit und mit welcher Zähigkeit es seine Absicht verfolgt, zeigt am deutlichsten die Fertigstellung der sibirischen Bahn, die direkte Straße von Petersburg bis zum Stillen Ozean, die von einer derartig eminenten militärischen Bedeutung ist, wie kaum ein anderer Schienenstrang der Well. — Vor dieser Gefahr aus dem Osten müssen, so meinte der Vortragende, auch wir uns vorsehen. Das russische Volk ist ja friedliebend und will den Krieg gar nicht. Aber die noch mrgebrochenen Kräfte dieses Naturvolkes mit seinem starken Wander- und Aus dehnungstrieb läßt es doch über kurz oder lang mit seinen westlichen Nachbarn zusammenstotzen. Im Interesse der Selbsterhaltung sei daher der Znsammensu.Mtz aller germanischen Völker gegen ein solches stavisches Vordringen geboten. — Wir müßten schon jetzt die Größe der Gefahr zu schätzen suchen; nur zm wenig sei über Rutzland selbst, über seine riesigen Schätze, die zurzeit niemand zu hoben vermöge, bekannt. Man sollte besoirders unter den Kaufleuten sich Kenntnisse über Rutzlaird aneiguen, die russische Sprache erlernen und dem Handelsverkehr mit Rußland mehr Aufmerksamkeit entgegenbringen. Unsere Firmen wagten sich selten weiter wie nach drei Plätzen, Petersburg, Moskau und Krakau, den Verkehr im Innern übernähmen russische Agenten. Wie dabei der deutsche Kaufmann von diesen Zwischenhändlern abhängig sei nno nicht selten ein Opfer von Betrügereien werde, hatten bereits Beispiele gelehrt. Dill derartigen Mahnworten schloß der Vortragende seine überaus interessanten Ausführungen, denen die Erschienenen Beifall zollten. (!) Grotzen-Linden, 16. Nov. Die Einweihung unserer Turnhalle fand gestern nachmittag von 3Uhr ab statt. Nach dem Eröffnungsmarsch begrüßte der Vorsitzende des Turnvereins Steuernagel die Festteilnehmer, worauf Lehrer Bach die Weiherede hielt und mll besonderem Tank oer Gemeirrdevertretung gedachte, die in anerkennenswerter Weise den Bauplatz zur Verfügung gestellt und die Baumaterialien zum Tell zu geringem Preise geliefert hat. Nach dem gemeinsamem Gesang des Liedes: „Stimmt an mit Hellem, hohem Klang" ergriff der Gauvertreter Helm- Gießen das Wort und gratulierte im Namen der erschienenen Vertreter der Naclcharvereine dem Turnverein zum heutigen Feste. Lehrer Bach verlas darauf ein Begrüßungstelegramm, welches im Auftrag der Festversammlung an den ersten Kreis Vertreter Turninspektor Schmuck-Darmstadt ge- janbt wurde. Der Vorsitzende des Gietzener Turnvereins, Stadtv. Pirr, gratulierte dem Verein und brachte dem Ortsvorstand Grotzen-Linden zum Dank ein „Gut Hell" aus, worauf Bürgermeister Leun auf die Gießener Turner toastete. Auch die Vertreter der Vereine Marburg, Butzbach und Wetzlar beglückwünschten den Verein zu seinen Erfolgen. 9tach dem Turnen der preisgekrönten Ntusterriege ergriff der erste Gauturnwart Wlll-Wetzlar das Wort. Er spornt die Turner zu tatkräftigem Weiterarbeiten an, um dadurch der edlen Turnsache in dem turnerfreundlichen Orte immer mehr Anhänger zu gewinnen. Sein „Gut Hell" galt dem Verein Grotzen-Linden. Den Schluß der Feier bitoete das gemeinsame Lied: ,,£) Deutschland hoch in Ehren". Sehr verschönert wurde die Feier durch die Mitwirkung der beiden hiesigen Gesangvereine Harmonie und Germania Außer den Mitgliedern des Gauaus schuss es nahmen etwa 12 Vereine am Feste teil. Abends wurde noch eine schöne Nachfeier bei Sljeater, Konzert und Tanz veranstaltet. b. Leihgestern, 17. Nov. Während heute Herr M. aus Gießen hier seine Kunden besuchte, setzte sich em 13jähr. Junge in dessen Chaise, um ein wenig spazieren zu fahren, sohnes entwunden und der Entsck-ließung eines bedrängten Frauenleibes anheimgegeben. Sobald Vlltria ihre Weigerung ausgesprochien hat, scheint das, was auf Golgatha ge- schieht, als Folge einer mißglückten Erpressung. In der städtischen Kunstsammlung zu Freiburg i. B. findet sich eine Kreuzigung von dem sog. Meister des Hausbuches. Zu Füßen des Gekreuzigten würfeln römische Soldaten um den Mantel des Herrn. Sieben der Gruppe der Trauernden bilden sie eine meisterlich tiefsinnige Staffage. In Fähs soeben in 2. Aufl. vollständig gewordenen prächtigen ^Geschichte der bildenden Künste^ (Freiburg, Herder) finde ich eine vortreffliche Reproduktion dieser Zeichnung aus dem 15. Jahrhundert. Dieser Kontrast ist künstlerisch durchaus berechtigt. Häßlich aber ist es, einen gierigen Niann mit einem schönen Weibe um das Leben Jesu feilschen zu hören; der «infache Sinn der Passion wird durch die schlecht erfundene Anekdote erschüttert, und das empfindet man schmerzlich. Es ist für jegliches Gefühl verwirrend, wenn man gezwungen wird, an die ersehnte Lustbarkeit des Flavius zugleich mit der möglichen Rettung Christi zu denken. Es fällt einem Maupasjants witzige Geschichte von der patriotischen kleinen Französin ein, die, sonst eben nicht spröde, im Siebzigerkriege einem deutschen Offizier Widerstand leistet. Und man erkennt, daß auf dem tiefsten Grunde solcher Konflikte der Humor schlununert. Paul Heyse hats ganz gewiß nicht bös gemeint. Er hat wohl nur geglaubt, dieses Dilemma sei ganz besonders dramatisch, und er hat mit dem Theater niemals viel Glück gehabt. Liest man etwas Episches von Heyse, z.B. in seinem soeben in 8. Auflage erschienenen Roman ^Merlin", so findet man sich von der leisen Gewalt seiner Beredsamkeit immer wieder ergriffen. Seine Dramen aber, auch seine „Maria von Magdala", dichtet er, wie man vor Schiller Dramen dichtete. Er kann sich von seiner antiquarischen Großartigkeit der Worte nicht freimachen. „Schamloser, du wagst", „Ha du, aus meinen Augen!", „Fahr hin, wahnwitzige Tönn!" — derartige Ausrufe klingen uns heute unsäglich banal. Alles Worte, nichts als Worte, und obendrein die Charakterisierung der Personen herzlich schwach Auch der Nobilitierungsversuch des teils von jüdischem 'Nationalfanatismus, teils von fleischlicher Eifersucht geleiteten Judas ist nicht recht geglückt. Setzen wir uns zur Wehr, so oft ein Künstler an erlauchte, un allgemeinen Bewußtsein überlebensgroß gewordene Durch das ungeschickte Kutschieren wurde das Pferd so wild, daß es rasend bie Rathausstraße.hinunter rannte. Schmiede- meister P. fiel dem Pferde in die Zügel und konnte es mit großer Mühe beruhigen. Glücklicherweise ist nichts sonst passten.________________ Kunst und Wissenschaft. Stockholm, 17. Nov. Das Schiff der schweb, antarktischen Entsatzerpebition .Frithjof" kam gestern nachmittag in Punta Arenas an ber Ätagelhansstraße an. Paris. 17. Nov. Ter österreichische Bakteriologe Dr. M a r m 0 r e r, ber bis vor Kurzem Laborawriumschei im hiesigen Institut Pasteur war, machte in der heutigen Sitzung der Akademie be Medizine die Mitteilung, daß es ihm gelungen sei, em Ser u in zur Heilung der Tuberkulose herzustellen. Dr. Marmorek iührle in dem Vortrag aus, daß er vor 6 Jahren, als er seine diesbezüglichen Versuche begann, zu der Ueberzeiigung gelangt sei, daß das Tuberkulin nicht das eigentliche von den Tuberkelbazillen ausgeschiedene Gift sei, sondern lediglich ein Reagens, welches bie Tuberkelbazillen veranlaßt, ei» besonderes Gift auszuscheiden. Dr. Atar- morek fand, baß dieses Gift nur von jungen, noch nicht von emer Wachs- und Fettschicht umhüllten Bazillen ausgeschieben werde und daß dies unter ganz bestimmten Verhältnissen aus einem besonderen Nährboden geschehe. Jniolge der Beobachtung, daß der Tuberkelbazillus, umgeben von weißen Blutzellen, lebe, versuchte Tr. Marmorek entsprechende Lebensvedingungen sür bie Tuberkelbazillen zu schaffen. Er stellte einen Nährboden her, indem er einem Kalbe, welchem vorher reichlich Bluizellen emgespritzt worden waren, Serum entnahm, das er sodann nut einer Glyzerintösungs- Substanz m Verbindung brachte. Die Bazillen, welche sich aus diesem Slährboden entwickeln, scheiden das von Dlarmorek nach seiner Teorie und von der Tuberkulinwirkung vermutete Gift aus. Mit diesem Gist gelang es Marmorek nach fernen Angaben, zunächst Meerschweinchen und Kaninchen gegen eine nachträgliche Impfung mit Tuberkelbazillen zu immunisieren. Sodann schritt Marmorek zur Immunisierung von Pserden, welche ein Serum lieferten, das, wie Marmorek erklärte, seit 16 Alonaten von mehreren Klmiken bei einer Anzahl von Tuberkulosekranken in den verschiedensten Formen zum großen Teil mit E r s 0 l g angewendet worden sei. Schädliche Wirkungen seien nicht beobachtet worden. Dr. Aiarmorek erklärte am Schluß seines Vortrages, daß er aus dem Institut Pasteur ausgeschieden sei, weil er bie Verantwortung sür bie Veröffentlichung seiner Entdeckung ganz allein tragen wolle. Merichtslaal. 8. Mainz, 16. Nov. Der zweite Vorsitzende desZimmereV- oerbandes (Filiale Mainz) Wilhelm Schroeder von hier hatte un Sommer während der Aussperrung der Zimmerleute in einem Neubau in Kostheim einen sremden Arbeitswilligen durch Mißhandlungen und Bedrohungen zu nötigen versucht, die Arbeit niederzulegen. Tie Strafkammer verurteiltheute den Schroeder zu entern Monat Gefängnis. Leipzig, 17. Nov. Das erneute Gesuch des ehemaligen Bankdireklors G e n tz s ch um Wiederaufnahme des Prozeßversahrens gegen ihn in Sachen der Leipziger Bank wurde vom Land- gerichk als unbegründet v e r w 0 r s e n. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aim uie)'er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Rrr! ein ander Bilds Ein grauer Tag und Mars beherrscht die Stunde. — Laß es genug sem, Sem, komm herab! v 0 n E i n e m. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag den 19. November, abends 8 Uhr, im unteren Könsirmandensaale, Kirchstraße 9: Bibelstunde. (Apostelgeschichte 2, 42—47 und 4, 32—37.) Pfarrer Schwa 0 e. „chib mir ein tzüas ^ect, Schurke!" So herrschte seiner Zeit ber berühmte Schauspieler Lubwig Devrient mit dem bekannten Fallstaff-Citat den Kellner an, der ihm daraus verständnisinnig das gewohnte Getränk, den Champagner, brachte. Lebte Devrient heute noch, so würde er ohne Zweifel hinzufügen, natürlich nur Kupferberg Gold. Gestalten rührt, die er mit seiner geringeren Lebendigkeit nicht ausfüllt, und die er uns dann als leere, enttäuschende Attrappen zeigt, widerstrebt es unseren besten Gefühlen schon durchaus, einen kleinen Napoleon, einen zwerghaften Goethe auf dem Theater zu erblicken, dann begreift man den Widerstand weitester Kreise gegen dieses Drama nur zu wohl. Aber die unsichtbare Majestät, die das Drama beherrscht, steht trotzdem bis zuletzt in hoher Feierlichkeit, in vollendetem Ebenmaß, ini Sternenglanz hinter ber Handlung. Nur die Kleingläubigen sinds, die um ihn hangen und bangen. Ihre Empftndimgen versuchte der Dichter dramatisch zu konzipieren, ihr durchaus weltliches Verhalten nach dem an Durchschnittsmenschen längst erprobten Durchschnittsmaße zu messen. Flavius und Kaiphas denken bei Heyse durchaus im Geiste ihres Volkes. Darum hat das Drama Heyses mit der Religion ebenso wenig etwas zu tun, wie etwa Guido Renis süßliche bildliche Darstellung der büßenden Magdalena. Und darum durste von einem „Angriff auf die Religion" hier keine Rede sein. Wenn eine Reihe von Zufälligkeiten, wie wir sie aus den Evangelien kennen: bie Verräterei bes Jubas, bie Hartnäckigkeit bes Kaiphas,^ bie Lässigkeit des Pilatus — man denke, daß an deren Stelle ebenso wohl Männer von entgegengesetzter Charakterart hätten stehen können — den Mensch heitslod Jesu herbeiführten, ohne daß dadurch die metaphysische Weltordnung eine Störung erleidet, so kann das ebensowenig durch ein derartiges Lllotiv geschehen wie der Sinnenreiz eines Flavius oder die Hingebung einer Ntana Magdalena, so geschmacklos dieses auch ist und so sehr es auch den Evangelien widerspricht. Wilhelm Raabe schrieb neulich einem Gießener Herrn, er beneide nicht Heyse um den großen Verdienst, den ihm dieses Drama gebracht habe, denn er sei nicht verdient. Ich glaube, Heyse stimmt im stillen diesen Worten seines einzigen großen R.ivalen um den Ruhm, der größte deutsche ^loödlift zu heißen, zu. Die dekorative Dichtung fand am Dienstag bei hübschen neuen Dekorationen und Beleuchtungseffekten lebhaften Beifall. lieber die Darstellung, um bie sich in erster Linie Frl. Hohl und Herr San dorff sehr verdient machten, morgen noch ein paar Worte. P. W. FRANCK Bei leichter Arbeit erzielt man wollen Erfolg mit ___— Einmal versucht) wird sie stets gebraucht! .Seife < 'M t Stunbe. — 'on Sinern. 8 Ut)t, m unteren stunde. (Apotlel- lerSchwave. ende des Zimmere» "von hier baut «metUutc in einem lllrgen durch Mig. n versucht, die Immtr oelArteilts ns. öes ehemaligen 'es ^rozeßversahrens wurde vom tinnb» i Rubrik stehenden tiblihim gegenüber Schauspieler Ludwig at den Kellner an, wohnte (äeiränt ^ ule noch, (o * ;t Kups'erberg öi LebenS^^mchi Bauschende M SeWn schon ^basten Goethe nfl nur zu woh . W beherrscht, .Unvollendetem Sw Md bangen. ü -u konztpteren, BÄ* K*> -2 ^0u,löon u dl! ReUgwn -lu ^»Störung önung oder die V . d.-i-s -uch !#• (Usenet H?' iew 6in bient. 3* M hüE - p l«it. 6'°m, * ionjt hrved "^nutlag 101 e u„1 lei, em i er hnr c’^'^Qen Q5 eige^ugung lonbeYn . jUlen^ 1 J*e n. Tr qShe 'ch nicht vo'?^ ^gejchleden" eillec len aüj " w"de bachluug, Bhbe” eu, leb»' °a.ti ber iur d'Kchte den J Ferkel- ^Reiniibtöem er iS>tben on ^-w«F oenniueie (Z -»>«- LL°7 eint nactjttäq'i^ «f?obQnn schritt 6 ä^naun1* (.'“‘»“»Seiwnbu , “Miet roorben. 79ti| -r aus 7.n d>- Serant. )ed“ng ganz allem Cavete Collegae! Kollegen, welche sich für Kassenarztstellen in OöSll interessieren, werden dringend gebeten, sich vor der Bewerbung mit einem der Unterzeichneten in Verbindung zu setzen, die Auskunft erteilen. 8557 Dr™ Hartmann, Leipzig-Connewitz, Südstrasse 121 II. Vorsitzender des Verbandes der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen. San.-Rat Dr. Heller, Cöln, Aloertusstrasse 12, Vertrauensmann des Verbandes. Dr. Laspeyres, Bonn, Kaiserstrasse 26, Vertrauensmann des Verbandes. Dr. H. Koeppe, Giessen, Alicestrasse 3, Vertrauensmann des Verbandes. Santtüts-Kolonne. Grste Unterrichtsstunde Sonntag den 22. November, nachmittags 4 Uhr in der Turnhalle der Stadtmädlhenschnle an der Westanlage woselbst auch weitere Anmeldungen entgegengenommen werden. 6585 Cylinders er- ausstrahlt, stets unrein hält, tägliches Reinigen des fordert, tägliches sorgfältiges Dochtes verlangt, blakt und riecht, stark belästigende Hitze ein mattes gelbes Licht gibt, gegen Wind und Luftzug leicht empfindlich ist, nach dem Anzünden ein wiederholtes Regulieren der Flamme erfordert, pro 10 Hefnerkerzen u. Stunde 9/10 Pfg. kostet. Man verlange nur Putzen des Brennspiritus Marke „Herold“ z in Patentflaschen mit Original-Verschluss Original-Literflasche: ca. 90 Vol.% 25 Pf., ca. 95 Vol. % 30 Pf. excl. Glas. Ueberall erhältlich. 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