Nr. 219 Erstes Blatt. 153. Jahrgang Freitag 18. September 1903 Erscheint täglich außer Sonntags. jEBy W l Vf4 v W Glehener Anzeiger “W General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Fkrnfprechanfcbluß Nr. 51. BezngSpretSi monatlich 75M3U viertel* jährlich Mc. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pst; durch diePost Mk.2.— viertel- jährst ausjchst Bestellg. Annahme von Anzeigen für Oie LageSnummer bis vormMag» 10 Uhr. Zeilenpre«: total ILPf^ auSwärlS 20 Plg. Brraatwortitch Hh den poltt and allgrm, TeUi P. Wtttto: für »Stadl und tianO* und -GertchtSjaalE: August Götz; für den An- geigenteil: Han« Beck. MWWWWWWWU Die landw. Wirtterschule zu Alsfeld beginnt ihren 32. Winterkursus Dienstag, den 3. November Fs., vormittags 11 Uhr. Indem wir zum Besuche der Schule einladen, bemerken wir, daß die Schule das Ziel verfolgt, jungen Landwirten diejenigen Fachkenntnisse, welche heute zur rationellen Bewirtschaftung bäuerlicher Güter notwendig find, in zwei fünfmonatlichen Winterkursen zu vermitteln. Zur Erreichung dieses Zieles lehren an der Schule 3 Landwirtschaftslehrer und 4 Hilfslehrer. Die Schule ist mit einer reichen Lehrmittelsammlung zweckentsprechend ausgerüstet. Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, welche das Unterrichtsziel der Volksschule erreicht haben; in den oberen Kursus nur solche, welche schon den unteren Kursus mit Erfolg besucht haben, oder welche nachweisen, daß fie die Kenntniffe, welche der untere Kursus vermitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirte können als Hospitanten ausgenommen werden. Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer und müssen sich der Schulordnung unbedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien und können Wohnungen zu 30 bis 40 Mark per Monat von dem Vorsteher der Schule, Herrn Oekonomierat Leithiger, nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt für das Wintersemester 25 Mk. — Für Söhne von Landwirten aus dem Kreise Alsfeld hat die Sparkafie Alsfeld das Schulgeld für 4 Freistellen zur Verfügung gestellt. Bewerber um diese Freistellen wollen diesbezügliche Gesuche bei der Anmeldung der Schüler durch den Schulvorfteher an den Auf- sichtsrat richten. Anmeldungen sind an den Auffichtsrat oder an Herrn Oekonomierat Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, speziellere Anfragen zu beantworten. Alsfeld, den 8. September 1903. Der Auffichtsrat der landw. Winterschule Alsfeld: Dr. Melior. Kekannlmachung. /Betr.: Die Rotlaufseuche in dem Gehöfte de§ Friedrich Schön LL zu Lollar. Die wegen Ausbruchs deS Schwernerotlaufs über -t>aS Gehöft deS Friedrich Schön II zu Lollar verhängten Sperrmaßregeln werden aufgehoben. Gießen, den 16. September 1908. j Großhcrzoglicyes Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Kranzbühler. Wow sozialdemokratischen Karteitage iu Aresden. IV. Dresden, 17. Sept. Ter sozialistische Parteitag verhandelte heute vormittag über dieparlamentarischeTätigkeitderPartei. Zahlreiche sozialpolitische Anträge wurden der Reichstags- sraktion zur Berücksichtigung überwiesen. Der Bericht wurde von Stadthagen erstattet. Zur Diskussion stehen dann noch etwa 20 Anträge. Stadthagen betont, daß es eine Ueberschätzung des Parlamentarismus sei, wenn so viele Anttäge über die parlamentarische Tätigkeit eingebracht werden. Die Hauptsache sei die Revolutionierung der Gedanken. Im übrigen werde die Fraktion im Reichstage hauptsächlich den Zoll und für das Koalitionsrecht, sowie für die Arbeiterschutzgesetzgebung eintteten. Er bitte, die überflüssigen Anträge abzulehuen. Keil-Stuttgart begründet einen Anttag, die Fraktion möge für eine Reichseisenbahngemeinschaft eintteten. Es folgt ein An-« trag, die Fraktion möge die Beseitigung des Maje- stätsbeleidigungsparagraphen fordern usw. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird abgelehnt. Katzen stein erklärt es für unerhört, daß man tue vorliegenden Anttäge, von denen einige noch gar nicht begründet seien, ohne weiteres abtun wolle. Nach unendlich langen und langweiligen Erörterungen wurde der Reichstagsfraktion das Bertrauen ausgesprochen und beschlossen, den Amsterdamer intermationalen Kongreß von 1904 zahlreich zu beschicken. Nachmittags begannen die Verhandlmrgen über dre Taktik. Es haben sich 55 Redner gemeldet. Zunächst spricht Bebe l. Durch die Dahlen ist eine Verstärkung der Linken insofern eingetreten, als die Linke durch das Wachstum der Sozialdemottatie entschiedener wurde. Im übrigen ist aber doch die Rechte die Machthaberin. Charakteristisch dafür sind die Verständigungsver- suche zwischen protestantischen, Konservativen und t'atho- schem Zentrum und symptomatisch die Haltung des Kaisers zum Papst uiib Klerus. Sie zeigt seit Jahren, wohin die Fahrt geht: Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Wrr haben einen gewaltigen Stimmenzuwachs. Das verdanken wir der weitverbreiteten Empörung über die inneren Zuflände, dem Unwillen über den Zolltarif, den Blamagen unserer aus- wärti >en " olitik usw. Wo ein Nagel m der Welt ist, da wollen wie eilt Schild daran hängen und eine Kolonie , ründen. Dao lostet Geld. Herr v. Stengel kam ins Mml- iterium, niTt durch ihn das Zentrum sür die n c u e n Steuern zu gewinnen, und diese Steuern werden wieder den unteren Klassen auferlegt werden, weil unser Staat ut f(•,.'■. - üaat ist und sein muß. Wie sehr man diese raucht, dafür habe ich heute ein merkwürdiges .(l)/ i. Früye' zaylte der Staat seine Lieferanten, io rasch 1'ie wollten. Jetzt ist das schon nicht mehr der Fall. Die Lieferanten müssen warten. (Hört, hört!) Die Kassen sind eben leer und doch kommt sicher eine He eres- vorlage und auch in der Marine scheint etwas vorzugehen, und das alles in einer Zeit, in der toir einer neuen wirtschaftlichen Krise entgegengehen. Daß man gegen uns ein Ausnahmegestz mache oder das Wahlrecht ändern werde, glaube ich nicht. Nun hat man gesagt, toir müssen unsere Taktik ändern. Gewiß müssen wir stets manches ändern, aber nicht in den Grundlagen. (Lebhafter Beifall.) Es wird nötig werden, daß die Partei den Führern die Taktik vorschreibt, und wer dann nicht pariert, der fliegt allerdürgs hinaus. (Stürmischer Beifall.) Nie waren wir uneiniger als jetzt. Ich habe das Vertuschen satt. (Lebhafter Beifall.) Bernsteins Ansehen hat gelitten, seit er aus London zurückkam (Sehr richtig), weil er das enfant terrible geworden ist. Schlimmeres konnte er .aber nicht machen, als die Vizepräsidentenfrage öffentlich aufzuwerfen und noch dazu in dem Moment, wo es galt, den Sieg auszunutzen, schärfer vorzugehen, und in dem Atoment, wo noch die Reden von Essen und Breslau wie Backpfeifen auf unserer Wange brannten. (Tosender Beifall.) Und wer nicht weiß, daß der Mann, der die Macht hat zu Wasser und zu Lande, wo er die Zeit für gekommen halten würde, diese Macht gegen uns marschieren zu lassen, es auch täte — wer das nicht weiß, soll lieber aufhören, Politik zu spielen. (Tosender Beifall.) Man .ist nicht mit der Parteisache im Kontakt, wenn man solche Vorschläge macht wie Bernstein. Welche Entrüstung herrscht darüber, besonders seit V o l l m a r eingriff. München ist das Capua der Sozialdemottatie. Man wandelt nicht ungestraft unter den Biertrügen. (Schallende Heiterkeit.) Selbst Parvus, die stolze radikale Säule, ist dort gebrochen. (Heiterkeit.) Ich würde mich vor mir selber fürchten,'wenn ich nach München. zöge. (Große Heiterkeit.) Mehr bedauere ich, daß Auer die Vizepräsidentenfrage sehr kühl beurteilte. Ich bin ein Feind der bürgerlichen Gesellschaft und bleibe es, fo fange ich lebe. (Großer Beifall.) dcun möge nur niemand glauben, daß Vollmar und ich auf unsere Popularität gegenseitig eifersüchtig seien. Woltte das einer behaupten, würde ich sagen wie einst Goethe: Stteitet nicht, wer größer sei, Schiller oder Goethe, seid froh, daß ihr uns beide habt, und die, welche Vollmar ursprünglich lobten, haben ihn dann gehöhnt. Je mehr Kanonen wir bewilligen würden, umsomehr würden Volksrechte bedroht. (Sehr richtig!) Der Revisionismus tft in Süddeutschland zu Hause. Das hat seinen Hauptgrund in der rückständigen ökonomischen Entwicklung Süddcutschfands, und doch toiU dieses dem fortgeschrittenen Norden eine neue Tattit vorschfreiben. Unsere inneren Differenzen kehren seit Jahren immer wieder. Unsere Revisionisten meinen, je weniger sie verlangen, desto mehr bekämen sie. Es ist aber umgekehrt. Mcht drängen, sagen sie, die Massen sind noch nicht reif. Mr wollen drängen; denn unsere ganze Tätigkeit geht ja darauf hinaus, das Leben der bürgerlichen Gesellschaft abzukürzen. Es ist aber das Streben nach Annäherung an die bürgerliche Gesellschaft, was unsere Revisionisten beseelt. (Sehr richtig!) Am ärgsten sind die, die immer vertuschen wollen, und sagen, es gäbe ja gar keine Differenzen ernsterer Natur. Der Revisionismus in unserer Partei hat zwar keinen Erfolg (Lebhafter Beifall), aber er schadet uns; denn er z!v i n g t u n s z u r U n e i n i g k e i t. (Sehr richtig!) Wer sind diese Revisionisten? Akademiter und Proletarier in gebotenerer wirtschaftlicher Lage. Ich weiß, daß in der Fraktion eine Stärkung des Revisionismus eingetreten ist, ich weiß, daß man in dieser den Versuch machen toirb, revisionistisch vorzugehen. Da muß also der Parteitag entscheiden, welche Taktik die deutsche Sozialdemokratie wünscht, und ich bitte Sie, die von mir eingebrachte Resolution mit überwiegender Majorität anzunehmen. (Stürmischer Beifall.) Tie Resolution lautet: Ter Parteitag fordert die Fraktion auf, ihren Anspruch geltend zu machen auf einen Vizepräsidenten und einen Schriftführer, aber es abzulehnen, höfische oder sonstige Verpflichtungen zu übernehmen, die nicht in der Reichsverfassung begründen sind. Der Parteitag verurteilt aus das Entschiedenste die revisionistischen Bestrebungen, unsere bisherige bewährte und sieggekrönte, auf den Klassenkampf beruhende Taktik in dem oinne zu ändern, daß an Stelle der Abänderung der politischen Macht durch Ueberwindung der Gegner eine Politik des Entgegenkommens an die bestehende Ordnung der Dinge tritt. Die Folge einer derartigen revisionistischen Taktik wäre, daß aus einer Partei, die auf die möglichst rasche Umwandlung der bestehenden bürgerlichen in die sozia- listische Gesellschaftsordnung hinarbette, eine Partei tritt, die sich mit der Reformierung der bürgerlichen Gesellschaft begnügt. Der Parteitag verurteilt ferner jedes Bestreben, die vorhandenen stets wachsenden Klassengegensätze zu vertuschen, um eine Anlehnung an bürgerliche Parteien zu erleichtern. Ter Parteitag erwartet, daß die Fraktion die größere Macht, die sie durch die vermehrte Zahl ihrer Mitglieder, wie durch die gewaltige Zunahme der hinter ihr stehenden Wählermassen erlangt, entsprechend den Grundsätzen unseres Programms dazu benützt, die Interessen der, Arbeiterklassen, die Erweiterung und Sicherung der politischen Freiheit, und des gleichen Rechts für alle aufs Kraftvollste und Nachdrücklichste wahrzuneymen und den Kampf wider Militarismus und Marinismus, wider Kolonial- und Weltpolitik, wider Unrecht, Unterdrückung und Ausbeutung in jeglicher Gestalt noch energischer zu führen, als es rhr bisher möglich gewesen ist. Bebel sprach drei Stunden, worauf dre Setzung vertagt wurde. Aus der Debatte ifaer die Mitarbeit an der bürgerlichen Presse haben wir noch folgendes nachzw- tragen: Ulrich (Offenbach): Es habe sich eine Unsitjte in der Partei eingebürgert, die gefährlich und korrumpierend toir f en müsse. Bedauerlich sei es ihm stets, wenn er sehe, wie junge Doktoren, dre niemand in der Partei kenne, plötzlich ein Reichstagsmandat erhalten. Das ist ein Beweis von mangelndem Selbstverttauen in Arbeiterkreisen. (Bebel: Sehr gut!) Es ist bedauerlich, daß man sich nicht zunächst erst einmal nach dem Charatter des Aufzustellenden erkundigt. Der Name allein tut es doch nicht. (Beifall.) Alte bewährte Genossen werden bei Seite gesetzt gegenüber ganz fraglichen Personen. (Lebhafter Beifall.) Bei der Vizepräsidentenftage werden wir uns ja no.ch genauer Darüber unterhalten, wie die Besetzung der höchsten Ehrenämter der Partei stattfindet. Daß Genossen an der bürgerlichen Presse arbeiten, läßt sich bei dem Wachsen der Partei nicht vermeiden, aber wir müssen uns wehren, daß diese Leute sich in die vordere Reihe stellen. Die Zweiseelentheorie ist nicht bei uns angängig. (Lebhafter Beifall.) Dr. Michels-Marburg, der bekanntlich zurzeit der letzten Reichstagswahlen in Alsfeld als sozial dem. Kandidat auftrat, stellte sich als ehemaliger Zögling der Kriegsschule in Hannover vor, der noch vor einiger Zeit die Offizier-Uniform trug. Er meinte, daß das Miß- ttauen gegen die Akademiker doch nicht so ganz gerechtfertigt sei. Auch sollte man die Mitarbeit an bürgerlichen Blättern nicht ein- für allemal verbieten. Er habe als Zögling der Kriegsschule die Reden Bebels in der Kreuz- Zeitung und der Post gelesen urrd sei dadurch Sozialdemokrat geworden. Knche «ni> Schule. Professor Dr. Collin-Gießen wird am 24. und 31. Oktober, sowie am 7. November einen Cyklns akademischer Vorlesungen für Volksschullehrer und Lehrerinnen in Limburg halten. Gegenstand der Vorlesurrgen sind „Schiller und Goethe"'. Braunschweig, 17. Sept. Der 32. Kongreß für innere Mission tagt hier vom 21. bis 24. September. Professor Dr. Mayer-Srraßburg wird über die Ausgaben der inneren Mission sprechen, die Pastoren Oehlker-Han- nover und Weidauer-Dresden über innere Mission in den Gemeinden. Kolonialpost. Tie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt in einem Artikel über die Eisenbahn Süv a k o p - Windhoek il a.: In den jüngsten Tagen gingen durch eine Reihe Zeitungen Mitteilungen, welche die Befittchtung ausdruckten, daß bei der nach Vollendung der Bahn notwendig gewordenen Neu- Einrichtung des Bettiebes besonders bet der Revision der Tarife wenig Rücksichten auf den Verkehr als einer falschen, in den Wirkungen schädlichen Sparsamkeit Rechnung ge- tragen worden sei. Jedenfalls wttd zugegeben werden müssen, daß bei den bisherigen Betriebsergebnissen die Kolonialverwaltung und die Leitung der Eisenbahn die Verpflichtung hatten, eingehend zu prüfen, ob es nicht möglich sei, die Kosten des Betriebes in größerem Maße mit den Einnahmen in Einklang zu bringen, als es bisher der Fall war. Tast dabei eine Vereinfachung und Einschränkung des Betriebes nur insoweit angesttebt wurde, als die Bedürfnisse des Verkehrs es gestatten, ist ebenso selbstverständlia) wie die Tatsache, daß jede Herabsetzung der Zahl der Züge in beteiligten Kreisen eine gewisse Mißstimmung erregen muß, die um so begreiflicher ist, wenn gleichzettig eine teilweise Erhöhung der Tarife eintritt. Allein auch die letztere Maßnahme ist besonders bei den Personentarifen unbedingt notwendig. Die neuen Tarife sind immer noch niedriger als die der meisten andern aftikanischen Bahnen, was in dem Artikel zahlenmäßig nach gewiesen wird. ___________________ _______ Aus HtM und Kund. Gießen, 18. Sept. 1903. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben der durch die evangelische Dekanatssynode des Dekanats Grünberg auf die Dauer von fünf Jahren vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Ferdinand Dörr zu Ober-Ofleiden zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Grünberg die Bestätigung etteilt. •* Die hessische Handw erkskammer bemerkt, der „Frkf. Ztg»" zufolge, in ihrem soeben erschienenen Jahres- bericht, daß sie davon Abstand genommen habe, dies Jahr einen Bericht über die Lage des Handwerks zu veröffentlichen; als Veranlassung dazu wird angegeben, bei den mufangreichen und schwierigen Erhebungen, die hierzu erforderlich seien, erschiene es ratsam, etwa alle drei Jahre einen solchen Bericht erscheinen zu lassen, wenn der Bericht ein genaues und zuverlässiges Bild des Handwerks geben sollte. ** Ein nettes Stückchen, das während der Aus» stellung hier passiert sein soll, wird vielfach in der Stadt erzählt: Ein biederes Bäuerlein aus einem benachbarten Orte wußte am vergangenen Samstag, an dem dritten, so regnerischen und stürmischen Ausstellungstag, das Gute mit dem Nützlichen zu verbinden, und kaufte sich früh morgens in der Stadt einen nagelneuen Negenschirrn. Damit bewaffnet, wanderte er vergnügt nach der Ausstellung. Gerade als er mit der Besichtigung fertig war, fing es an zu regnen, was es konnte. Das Bäuerlein nahm seinen Hut und fleckte ihn unter den langen blauen Kittel, ebenso verfuhr es mit dem neuen Schirm. Auf die verwunderte Frage, ivesivegen er denn den Schirm nicht aufspanne, antwortete es: »Aich i Sin u ielegramm, lautet: eottt uvd Vx € M netS, w mit diese derS D Chamber erörtert i bereits w in Engla reparatur stand vie es durch Vermischtes. * Essen, 17. Sept. Auf der Zeche Zentrum wurde durch einen Sprengschuß ein Bergmann getötet und'ein anderer tödlich verletzt. * Göttingen, 17. Sept. In Breitenberg ermordete der 24jährige Maurer Stolze seinen Vater durch Deilhiebe, weil dieser Mitwisser einer von ihm begangenen Brandstiftung war. * Der Luxuszug Mailan d—B e r l i n ist am Donnerstag in der Nähe von Jüterbvgk zum Teil entgleist. Tie beiden mittleren Wagen sprangen infolge Schienenbruchs aus dem Gleise. Unter den Passagieren entstand eine Panik, die sich jedoch schnell legte, nachdem man sich davon überzeugt hatte, daß es sich um keinen ernsten Unfall handelte. Verletzt wurde niemand. Der Materialschaden ist unbedeutend. * Vergiftet. Dem ^,Br. Gen.-Anz." zufolge wurden auf dem Dominium Oberschaube bei Guhrau von neun jugendlichen polnischen Arbeitern sieben durch Kohlenoxyd g a s vergiftet. Zwei, welche noch Lebenszeichen von sich gaben, wurden in das Guhrauer Krankenhaus gebracht. * I m Berner Oberland schneit es seit Sonntag beständig; bis unter 1000 Meter hinunter siel der Schnee. Die Bauern und ihr Vieh, die in den letzten Tagen von den Alpen in die Weiden (Vorsätzen) zogen, sind übel daran. Es liegt viel abgemähtes und noch stehendes Oehmd unter der Schneedecke. Der Schneefall hat die im besten Gang befindliche Nachsaison jäh unterbrochen. Die Fremden waren, vevor der Schnee fiel und widerwärtige Kälte sich einstellte, noch ziemlich zahlreich im Lerner Oberland. Nun haben sie sozusagen die Flucht ergriffen, wie man an ihrer großen Zahl im Bahnhof Bern merkte. Auf dem Urnerboden lag der Schnee mehrere Centimeter tief. Die über den Klausen (Glarus-Uri) führende Post mußte die Fahrten wegen Lawinengefahr einstellen. Die Bahn Eisp- Zermatt und die Goruergratbahn hatten während dieser Fremdensaison bedeutende Einnahme. Am meisten Passagiere hatte die Gornetgratbahn am 20. August, nämlich 838 Personen. Im Jahre 1902 betrug das Maximum 753, eÄnll' rmets" Mer der langst al Mer de zeigte stä ieinem 5 selbst v< Zylinder CheerS kalen B Lertrete vereinzel Mr. CH im Heim ferner ftc Brand w emporgelc Ikanblegt. ljaite; er den Bestcv Grund, n licher Z Mimsterr zu sage, ist, wie i Iain, Jii anzunehrn die schwer lich vollzog Kleeblattes liche Komr feit oorlieg 5fenbening 1,1 anderen mü größter lam hat sch, in ein West er dachte, tz 'M Minister Anderen K ?ander und luhren solle ^abinet nid ”nb Ritchie, sind C?lc( seines gehabt und 2 'faero'ü -harten übet ? Clni9=n Tag, 06 aJ‘,M lich, cs- ^e ilteu-r nachdem r e *en„ ro(tl)ren6 «'Sen 6h0 , Von he,. 11 g. Nach Mitteilung des Großh. Mirristeriums der Fi- nanzen werden oem Anträge der Handelskammer enb- sprechend in dem zum Versand an die Holzkäufer bestimmten Exemplaren der „Zusammenstellung der Meistgebote bei den Holz-Verkäufen aus hessischen Domanialwaldungeu" in Zukunft nicht mehr Namen und Wohnort der Käufer angegeben. 2. Revision der Handelsregister. In der letzten Zeit hat sich mehrfach das Bedürfnis herausgestellt, daß die von den auswärtigen Amtsgerichten des Kammerbezirks geführten Handelsregister eine Vervollständigung und Berichtigung erfahren. Tie Handelskammer beauftragste daher ihre auswärtigen Mitglieder an der Hand der von ihr geführten Register etwaige Vorschläge für Neueintragungen ooer Löschungen für die Firmenregister der Amts^ geeichte ihr zur weiteren Veranlassung mitzuteilen. 3. Verhängen der Schaufenster an Sonn- und Festtagen. Von dem Großh. Ministerium des! Innern wurde bei Kammer mitgeteilt, daß es der Frage der Aufhebung des § 227 Abs. 1 des Polizeistrafgesetzbuches, der die Offenhallung der Schaufenster an Sonn- und Festtagen verbietet, nähertreten würde, wenn die Gewähr vorhanden sei, daß von dem Offenhalten der Schau- fenster keine Beeinträchtigung der Sonntagsruhe der Geschäftsangestellten befürchtet zu werden brauche. Die Kammer war der Ansicht, daß nach wie vor die Offenhaltung der Schaufenster an Sonn- und Festtagen zu erstreben fei und daß von der Offenhaltung eine Beeinträchtigung der Sonntagsruhe der Angestellten nicht befürchtet werden könne, da jeder Prinzipal wisse, daß er sich damit einer strafbaren Handlung schuldig mache. 4. Ursprungszeugnisse für Kaffee. Infolge des Zollkrieges zwischen dem Deutschen Reiche uni) der Republik Haiti müssen alle aus den übrigen Produktionsländern nach dem Jnlande eingeführten Kaffesendungen mit einem Ursprungszeugnis versehen sein, um zu dem niedrigen Zollsätze eingesührt werden zu können. Da die Beibringung von Ursprungszeugnissen mit erheblichen Belästigungen uud Kosten für Iden Handelsstand verbunden ist, so beschloß die Handelskammer, darauf hinzuwirken, daß bei dem Hauptsteueramt Gießen die Vorlage von Fakturen der großen Seeplätze Hamburg, Bremen usw., in welchen die nichthaitianische Herkunft des Kaffees ausdrücklich bestätigt wird, als hinreichender Nachweis für die Verzollung zum allgemeinen Zollsätze gelten möge, welches Verfahren beim Hauptsteueramt in Frankfurt a. Ml seit eniger Zeit in Uebung ist und zu Bedenken nicht Anlaß gegeben hat. 5. Mißstände beimZollschuppen des Haupt- steueramts Gießen Von verschiedenen Firmen sind der Handelskammer Klagen darüber' zugegangen, daß der hiesige Zollschuppen zu klein sei und es nicht ermögliche, daß mehrere Waggons gleichzeitig zur Abfertigung kommen können. Die Kammer beschloß, diese Beschwerden dem Hauptsteueramt zu übermitteln und eine Erweiterung des Zollschuppens zu beantragen 6. Eingänge. Stand des Kaufmännischen Fortbildungsschulwesens in Hessen, Geschäftsübersichten der Eich- ansmlten im Großherzogtum Hessen im Jahre 1902, Bericht über die Tätigkeit des Chemischen Untersuchungsamts Sr die Provinz Oberhesjen von: L4. 02 bis 1. 4. 03, Kehm, die Entstehung und Entwicklung der Gießener Tabak-Industrie, O. Bergen, Direktor des Städtischen Gas- und Wasserwerks Gießen, die Ausführung von Haus-, Gus- und Wajsereinrichtungen durch Gemeindeanstallen, Frhr. von Biegeleben, Großh. Ministerialrat, Schiffahrtsabgaben, Protokolle der Jahreshauptversammlung des deutschen Tabakvereins, der Interessenten der Lakpikanalisatiou, des Deutsch-nationalen Handlungs-Gehilfen-Verbandes. Mit- tellungen des Berg- und Hüttenmännischen Vereins in Siegen, Heft 22, 1903. Eingaöe des deutschen Tabakvereins an das Reichsamt des Innern, betr. die Entwürfe zu Verordnungen über die Einrichtung und den Betrieb der zur Herstellung von Zigarren usw. bestimmten Anlagen. Von zuverlässiger Seite sind der Kammer Mitteilungen zugegangen über den amerikanischen Tabaktrust, den amerikanischen Lobo Mobilentrust, Absatz von Maschinen für die Tabakfabrikation nach Japan, die amerikanische Konkurrenz in Australien, Kolumbien, Hankau, Mexiko, die Eisenindustrie in Australien, Zollstrafen in Jquitos (Peru), Absatz baumwollener Hosenstoffe uad) Peru, Ausfuhr russischer Textilwaren; ferner über zweifelhafte Firmen in Tripoli, La Valetta (Malta), Adadrrd, Rustschuk, Bern, Budapest, Apeldoorn, London. Die Eingänge können auf dem Sekretariat der Handelskammer während der üblichen Geschäftszeit eingesehen werden. 1901 784, 1900 607, 1899 651. Weil sv viele Fremde den Gornergrat besuchen, findet man auf diesem Gipfel kaum noch eine Spur von Edelweiß. x Leber den Fremdenverkehr in der Schweiz lesen wir in einem Züricher Blatte: „Wir haben eine Statistik über den Luzerner Fremdenverkehr zu Gesicht bekommen; es überwiegen dort die deutschen Reisenden. "Sie haben so viele Gäste gestellt, wie ungefähr Oesterreich, Großbritannien, Amerika und Frankreich zusammen. Das gibt zu denken, nicht den Schweizern, wohl aber den Leuten, die am Fremdenverkehr in den deutschen Alpen interessiert sind. Immer mehr sammeln sich die deutschen Sommerftischler in den Schweizer Landen, und das mag wohl seinen Grund darin haben, daß man sich in der Schweiz besser daraus versteht, den Reisenden den Aufenthalt angenehm zu machen, als in den bayerischen Bergen, die doch teilweise an landschaftlicher Schönheit dem Schweizer Hochgebirge nahe kommen. Ungehört ist das „Discite mo- niti!" verhallt, das man mehr denn einmal der deutschen Gebirgsbevölkerung zugerufen hat; man begreift dort noch nicht allenthalben, daß auch die Fremdenindustrie ein gewichtiger Nerv im wirtschaftlichen Leben des Landvolkes ist. Man sieht noch an vielen Orten im Sommerftischler den grillenhaften „Stadtftack", wie man sich in Oberbayern auszudrücken pflegt, und tut wenig oder gar nichts, um ihm die Sommerfrische lieb zu machen. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Daher neuerdings die begreiflichen Klagen über die Abnahme des Fremdenverkehrs in den deutschen Alpen, die besonders in diesem Jahre deutlich verspürbar sein soll. Anders in der Schweiz; ein hochentwickeltes Gasthosivesen, Anziehungspunkte aller Art, wie die ungezählten Bergbahnen, die eleganten internationalen Kurorte, sorgen dafür, daß der Fremdenverkehr in steter Zunahme begriffen ist." hun en ewwe erscht gekaaft, da geheert mer doch Schläg, wenn aich den gaure neue Schirm schun widder dreckig mache duhck •• Lollar, 17. Sept. An das hiesige Fernsprechnetz wurde angeschlossenr 9lr. 11, Konrad Moos, Metzgerei und Gastwirtschaft. h. Saasen, 17. Sept. Unser Schulhansneubau, nn vorigen Jahre begonnen, ist nun soweit fertig gestellt, daß die Einweihung desselben Sonntag, den 27. d. M. stattfinden soll. — Mit der Einweihung wird das Kirchweihfest verbunden werden. X. Bad-Nauheim, 16. Sept. Unsere Badestadt steht im Zeichen der Eisenbahn-Unfälle. Bor einigen Tagen wurde hier beim Rangieren ein Pferdewagen mit einem Militärpferd so stark abgestoßen, daß der Wagen durch den Anprall am Prellbock entgleiste. Ein in dem Wagen sich befindlicher Dragoner wurde schwer verletzt und liegt noch im hiesigen Krankenhause. Auch das Pferd wurde in Mitleidenschaft gezogen. — Heute nachmittag gegen 6 Uhr ereignete sich wiederum beim Rangieren ein Unfall, wobei vier Güterwagen entgleisten. Ein Arbeiter der Siemens'schen Fabrik wurde dabei erheblich verletzt. Er erlitt einen Beinbruch und Verletzungen am Gesicht und Arm. Die Macht des Anpralles der aufeinanderstoßenden Wagen war so stark, daß einer der Wagen vollständig quer über die Schienen zu liegen kam und plattgedrückt wurde. Der zweite Wagen bedrohte etwas das Hauptgeleise in der Richtung nach Franksirrt, indesien konnten die Züge gerade noch knapp durchfahren, bis der herbeigerufene Rettungswagen die Gefahr beseitigte. Hanau, 17. Sept. Gestern abend wurden zwei hier wohnende Goldarbeiter verhaftet und zwar der eine wegen Diebstahls, der andere wegen Hehlerei. Die Inhaber der Firma Ochs u. Bonn waren in letzter Zeit durch verschiedene Akte in dem Verdachte bestärkt worden, daß bei ihnen Diebstähle von Goldabfällen verübt würden, wobei sich der Verdacht auch auf eine bestimmte Persönlichkeit, den Goldarbeiter Karl B^ lenkte. Die davon benachrichtigte Polizei nahm nun gestern abend, als der genannte B. das Geschäft von O. u. B. verlaßen wollte, eine Leibesvisitation vor mit dem Resultate, daß etwa 63 Gramm Gold im Werte von über 100 Mark bei ihm gefunden wurden. Eingestandenernmßen hat B. die Diebstähle seit zwei Jahren verübt, indem er allwöchentlich Abfälle im Werte von etwa 20 Mk. an sich nahm. Es dürfte sich somit die Höhe des Wertes der gestohlenen Sachen auf 2—3000 M. stellen. Weiter gab B. an, die gestohlenen Abfälle an den in der Neuen Anlage wohnenden Goldarbeiter Ernst St. verkauft zu haben. Letzterer bestritt diese Angabe, wurde aber gleichfalls in Untersuchungshaft genommen. (H. Anz.) 7. Sitzung der Großh. Haudelskaunner Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld nnd Lanterdach. Protokoll-Aus zug. Gießen, 15. Sept. 1903. Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, Balser, Dürbeck, Grünewald, Hoos, Jhring, Moll, Nowack, Ruin, Röhr, Schirmer, Schmall, Steinecke, Wallach, sowie der Syndikus Dr^Tripper. L Aus dem Geschäftsber ichft ist folgendes mit- stellen: a. Der Fernsprechbereich von Schlitz ist urrzeit noch sehr beschränkt und genügt nicht entfernt den Bedürfnissen des Geschäftsverkehrs. Tie Handelskammer hat daher dessen weftnlliche Erweiterung empfohlen. b. Von der Kaiser!. Oberpostdirektion in Darmstadt ist der Kammer mitgeteill worden, daß die beantragte Teleph onv erbind ung Gr. b enh ain—Bermuthe Hain— Lichenroth dem Reichspostamt in Vorschlag gebrachst werden soll, doch kann ihre Ausführung nicht vor dem Jahre 1905 erwartet werden. c. Tie König!. Verkehrsinspektion Fulda hatte die Kammer um Auskunft ersucht, ob gegen die Verlegung des Annahmeschlusses von Frachtstückgütern in Schlitz von 7 auf 6 Uhr nachmittags Bedenken von den Interessenten gellend gemacht würden. Die Kammer hat sich nach Anhörung von Schützer Firmen mit dem früheren Schlüsse der Annahmezell einverstanden erklärt. d. Die von der Kammer beantragte Einführung diretter Fahrkarten und Gepäckabserttgung zivischen Gießen und umgekehrt ist von den beteiligten Eisenbahnver- waltungeu zugestanben worden. e. Außer den früher bekannt gegebenen Anttägen zum Winterfahrplan 1903/04 hat die Handelskammer noch folgende ihr von Interessenten übermittelte Anträge den beteiligten Behörden zur Kenntnis gebracht: Späterlegung des Zuges 906 Friedberg—Homburg (Friedberg ab 7.18 morgens) zum Anschluß an die Züge 1054 von Hungen (Friedberg an 7.40) mrd 792 von Gießen (Friedberg an 7.46); Einlegung eines Zugpaares auf der Strecke Gießen—5)ungen, bezw. Nidda, wovon der eine Zug als .Spätzug abends von Gießen abfahren, der Gegenzug mittags gegen 12 Uhr in Gießen eintreffen soll, zum Anschluß an die Züge nach Frankfurt und Cassel; Anhalten des Schnellzuges 71 (Gießen ab 10.16 morgens) in Lollar; Anhalten eines der beiden Nachtschnellzüge 101 (Gießen ab 12.36 nachts) oder 43 (Gießen ab 12.46 nachts) in Lollar; Späterlegung des Zuges 1114 Lollar—Wetzlar (Lollar ab 6.06 nachmittags); Umwandlung des Werktagszuges 1043 Londorf- Lollar (Lollar an 9.11 abends) in einen täglich verkehrenden Zug; Verminderutlg der Uebergangszell zwischen den Zügen 506 und 503 der Strecke Gießen— Gelnhausen und dem Zuge 1067 Hungen—Laubach (Hungen ab 9.20 morgens); Anhalten eines der beschleunigten Personenzüge 526, bezw. 527 der Sttecke Gießen—Fulda in Ehringshausen. Da drese Anttäge der Kammer sehr spät zugegangen sind, 10 werden sie sur den Winterfahrplan 1903/04 kaum n?ch von der Erietteahnverwaltung berücksichtigt werden tonnen. Es empfiehlt sich daher, daß die Interessenten schon jetzt ihre Wünffche für den Somm er fa h rpla n 19 0 4der Kam mer mitteilen s. In eurer Eingabe an den Herrn Reichskanzler hat die Kammer aus dre Gefahren hingewieseu, dre der deutschen Ausfuhr rrach der Schweiz infolge der vorae- seheneu schwerzerischen Zollerhöhungen auf Bestand- teüe von Baoeernrichtungen und Zenttalheizungs- gegenstande droheu ö Gerichtssaal. Chemnitz, 17. Sept. Die Strafkammer des hiesigen Land gerichts verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den Verwalter des Haltepunkres Buchholz bei Annaberg, Reinhardt, der angeklagt war, das Eisenbahn Unglück, auf dem Haltepunkt Buchholz am 24. Juli, wobei fünf Personen getötet und eine Anzahl verletzt worden waren, verschuldet zu haben, zu 9 Monaten Gefängnis; davon sind 6 Wochen als durch die Unter» suchungshaft verbüßt erachtet. Chemnitz, 17. Sept. Tie Strafkammer verurteilte den Vollsschullehrer Richter aus Leipzig wegen jahrelang an Schülerinnen begangener Sittlichkeits-Verbrechen zu 4 Jahren und 6 Monaten Gefängnis und Aberkennung der Ehrenrechte. Beuthen fOberschl.), 17. Sept. Im Laurahütter Krawall-Prozeß beantragte der Staatsanwalt gegen vier Angeklagte 3 Jahre Gefängnis, gegen siebzehn 2 Jahre, gegen sieben 1 Jahr, gegen die übrigen 6 Aionate bis 4 Wochen Gefängnis, gegen Korfantys Vater und Bruder je 2 Jahre und gegen Redakteur Wikik 3 Jahre. Gegen drei der Angeklagten ist Freisprechung beantragt. Das Urteil ist aufgeschoben worden. London, 17. Sept. Die Anklagejury hat beschlossen, den Finanzier Whitaker Wright vor Gericht zu stellen. Wright war am 5. August unter der Anklage, die Bilanz der „London and Globe Finance Corporation" gefälscht zu haben, vor dem Guildhall^Polizeigericht erschienen, aber gegen eine Bürgschaft von 60 000 Lstr. auf freiem Fuß belaßen worden. Marseille, 17. Sept. Das Zuchtpolizeigericht verhandelte beute gegen die Italiener Picolo und Da.chrno, welche beschuldigt sind, am 9. August mit Tomaten nach dem Wagen des Ministerpräsidenten Combes geworfen zu haben. Dre Angeklagten werden wegen Beschimpfung von Ministern in amtlicher Tätigkeit, wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Ueberschreiten des Verbotes, Waffen zu tragen, zu 6, bezw. 3 Monaten Gefängnis verurteilt. ZanSel unö Uerkehr. UolküVirtschast. — Kohleushudikat und Börse. Da nun auch der Magde- burgische Bergwerksverein seine Zustimmung zum neuen Syndikats- Vertrag gegeben hat, so ist damit ein weiteres Hindernis der Verlängerung des Syndikats aus dem Wege geräumt. Es sind nur noch einige kleine Zechen, die widerspänstrg sind, aber deren Eigenwilligkeit wird auch besiegt werden. Dies hofft man an der Börse zuverlässig. Die Folge davon war, daß Kohlenaktien wesentlich anziehen fonnten; so sind seit 14. September gestiegen, Concordia rund 10 pCt., Gelsenkirchener 5.20 pCt., Harpener 2.20 pCt. und Hibernia 4 pCt. — Zur industriellen Lage. Vom Kabelweck Rheydt, das 12 pCt. gegen 10 pCt. i. V. verteilt, wird gemeldet, daß dre vorliegenden Aufträge eine lohnende Beschäftigung auch im neuen Jahr erhoffen lassen. — Zur Lage der Eisenindustrie ist nritzuteilen, daß die immer wieder auftauchenden Gerüchte und Nachrichten von amerikamschen Eisenangeboten nicht zu ernst zu nehmen sind. Die Zunahme des Jnlandbedarfs ist unverkennbar und von einem möglichst straffen Zusammenschluß darf man sich auch einiges Versprechern Daß die dahingehenden Bestrebungen mit Eifer verfolgt werden, davon liefern die jüngsten, von uns bereits erwähnten Beschlüsse des Halbzerlgverbandes den Beweis, ferner der Erfolg der Verhandlungen wegen Erneuerung des Röhrensyndikats auf 5 Jahre und die andauernden Verhandliingen zu Güsten des Allge- memen Stahlwerksverbandes. — Eine lukrative Aktiengesellschaft. Die internationale Bohrgesellschaft erzielte mit einem Aktienkapital von 1 Mill. Mk, nach 317 630 Abschreibimgen, einen Reingewinn von 1 194 686 Mk. und ist in der Lage, eine Dividende von 75 pCt. zu verteilen. 133 821 Mk. werden als Gewinnanteile verteilt, 250 000 All. dem Erneuerungsfonds zugewiesen und 202 740 All. auf neue Rechnung vorgetragen. Die Aktien sind bekaniitlich zum größten Teil im Besitz des A. Schaafhausen'schen Bankverein. — Dividenden schweizerischer Gesellschaften. Tie schweizerische Lokomotivenfabrik in Winterthiir wies für 1902/03 757 942 Frs., i. V. 630 789, 9ieingewinn aus, woraus 10 pCt. Dividende wie im Vorjahre vorgeschlagen werden. Die Jndustriegesellschaft in Heuhaufen erzielte 177 990 Frs. (i. V. 173 794) woraus wieder 8 pCt. Divldeiide verteilt werden. Leipzig, 17. Sept. Ter Schlußbericht des Konkursverwalters der Leipziger Bank weist einen Kassen- bestand von Mk. 12 570 730 auf, gerade ausreichend, um die bei früheren Verteilungen unerhoben gebliebenen oder zurückbehaltenen Abschlagsdividendeli auszuzahlen oder sicher zu stellen, um ferner 50 Proz. Dividende auszuzahlen oder sicher zu stellen auf die Forderungen, die erst nach dem Vollzug der zweiten Abfchlags- verteilung festgestellt, beziv. rechtsanhäiigig geworden sind, und schließlich 17 Pro z. S ch l u ß d i v i d e n d e auf die auf Mack 72 642 613 festgestellten bezw. im Prozesse befangenen nicht bevorrechtigten Forderungen auszuza^kn oder sicher 511 stellen. Mit dem am 4. September 1903 bewirkten Verkauf der Restliiasse an die Firma Erttel, Freyberg & Co. erreicht die Verwaltuiig des gesamten, zur Konkursmasle aehörigen Vermögens der Leipziger Bank ihr Ende, nachdem das Verfahreri zwei Jahre ulid vierzig Tage beansprucht hat. Die Gesamteuiliahmen beliefen sich auf Mack 59 722 335, wovon Alk. 50 926 320 an die Gläubiger bezahlt oder noch zu bezahlen sind. Einnahiiien entfallen auf vier Hauptgruppen: erstens Alk. 49 026 994 aus das Vermögen der Leipziger bem regelrechten Geschäftsbetriebe der Leipziger Batik herruhrend zu^«^«1 ist; zweitens Alk. 4 875 686 auf ^rebevincrte ; brittenS Alk 2 699 700 auf die vom Aufsichtsrat gezahlte Vergleichs,umme ; uiertcnd Mk. 3119 954 auf den Kaufpreis uUV Aoraußenlug der Restmasse an die Firma Erttel, Frey- berg L Co. Die C>e,amtsorderimge>t betragen Mk. 99 548 959, von welchen Mk. 72 317 4o0 .sestgeftelll und berücksichtigt sind. Die Ko kursverwaltung hatte insgesamt 49 Prozesse zu führen, in denen Streitigkeiten ausgefoebten