Nkv. ISS Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u* Ber- •g der Brüh l'sehen ^.^tvers^Buch-u.Stein- ukerei (Pietsch Erben) ’ebottton, Expedition und Druckerei: l^chulftratze 7. ^esse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. isprechanschluß Nr. öl. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 18. Aagnft 1903 Metzener Anzeiger " Seneral-Aiyeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen BezngSpretSi monatlich75Ps., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- tährl. ausschl. Beftellg. Annahme von Anzeigen ür dle Tagesnummer aus vormMagS 10 Uhr. ZeüenprrtS: lokal 12 Pf, auswärts 20 Psg. verantwortlich Mr den poltt. und allgem. Teil: P. Wtttto: für „Stadt und LandE und .GerichtSfaal": August Götz; für den An» zeigentell: HanS Beck. Are heutige Wummer umfaßt 8 Setten. Auswärtige KolttiK. Gießen, IS. August. L ^or wenigen Tagen war, wie wir berichteten, eine leb- Debatte über unsere auswärtige Politik geführt worden, fyc.. ^gerufen durch Blätter, denen das feindliche und wie sie me. k en ^bloßstellende" Verhalten Deutschlands nach außen hm .ucht gefiel. Nun sind verschiedene Bewegungen im Gange, die der Oeffentlichkeit erneut Anlaß geben werden, diese oder jene diplomatische Tat oder Kundgebung zu beurteilen. Diese Bewegungen gelten sogar direkt der Erhaltung des europäischen Friedens und werden darum nicht wenig Momente der auswärtigen Politik in den Vordergrund rücken. Englische und französische Parlamentarier wollen sich demnächst in Brüssel zu einer Friedenskundgebung zusammenfinden. In Wien gedenkt die internationale Friedenskonferenz zu tagen, um insbesondere für den Gedanken zu demonstrieren, daß in alle dazu geeigneten Verträge eine Schiedsgerichtsklausel ausgenommen und in Streitfällen vorzugsweise der permanente Schiedsgerichtshof im Haag angerufen werden solle. — Daneben verlautet aber von Vorbereitungen für eine neue deutsche Armeevorlage, bei der der neue Kriegsminister gleich bei Beginn seiner Amtstätigkeit eine große Aufgabe hat, und auch im Ausland geht man verschiedentlich damit um, die Rüstungen zu Wasser und zu Land zu verstärken. So war es immer. Durch die Jahrhunderte hallte der Waffen eherner Klang und dazwischen ertönen milde Mahnrufe zur Versöhnung der Völker. Wer die Dinge nimmt, wie sie sind, wird deshalb gegenwärtig zwar alle Bestrebungen unterstützen, die auf Erhaltung des Friedens gehen, aber er wird seiner eigenen Nation nicht zumuten, sich ihrer Macht zu entäußern. Die Haltung unserer deutschen Regierung, die kürzlich, wie erwähnt, so scharf kritisiert worden ist, hat aber im Hinblick auf die Friedensbestrebungen dieser Tage gar keine Ursache, nach irgend einer Seite sich schroff zu verhalten. Gerade die jetzige Lage erfordert von einem Land, das von mancherlei Seiten und aus mancherlei Ursachen angefeindet wird — man denke nur an das Verhalten Frankreichs bei der Papstwahl — daß es sich vorsichtig und abwartend verhält. Und wenn man unsere Situation genauer untersucht, so ergeben sich für uns kaum die Verluste, die der Leitung unserer auswärtigen Politik in diesen Tagen zum Vorwurf gemacht worden sind. Wir finden heute im „Rhein. Kurier" einen Aufsatz, der, auch wenn er positive Erfolge der deutschen Politik etwas kühn und in zu scharfem Umriß hinstellt, doch gut kennzeichnet, daß wir uns durchaus keines Drängens und Hastens zu befleißigen haben. Menn wir in dem bunten und reichgestaltigen Getriebe der hohen Politik, so heißt es in der Zuschrift des „Rh. Kur.", während der letzten zehn Jahre den einzelnen Schachzügen der Mitspieler nachgehen und den sie leitenden Grundgedanken zu ermitteln versuchen, so kommen wir zu dem Ergebnis, daß Bismarcks Leitsatz von den ,cheiden Eisen im Feuer" gleichsam das Erbstück der Epigonen-Epoche geworden ist und daß heute sich keine Macht mehr in Europa findet, die nicht zwei Sehnen an ihrem Bogen führte. Bismarcks genial^ Diplomatie hatte es zuwege gebracht, Deutschland gegenüber den von West und Ost drohenden Angriffen rricU nur das Bollwerk des Dreibundes als sicherste Schutzwehr zur Verfügung zu stellen, sondern er hatte es auch — ohne die Bundestreue gegenüber Oesterreich zu verletzen — verstanden, für Deutschland an und für sich jede Gefahr eines Angriffs von feiten Rußlands zu bannen. Caprivi schien dieses Spiel bekanntlich zu schwer; er zog sich aus den Mei- bund zurück — nicht zum Vorteil der äußeren Machtstellung des Reiches, das unter seiner Aegide eher zurückgegangen, als vorwärtsgeschritten ish Dafür näherte sich aber Oesterreich-Ungarn dem russischen Nachbar und unter Ausschaltung solcher Gebiete, auf denen beide Mächte auch weiterhin konkurrieren, kam jenes Uebereinkomnren vom Frühjahr 1897 zustande, das aus dem Balkan jede Periode eines russisch- östreichischen Zusammenwirkens inaugurierte, dessen bedeutendste und wichtigste Kundgebung wir in der gegenwärtigen Friedensaktion beider Kabinette gegen die Wirren in den türkischen Provinzen vor uns sehen. Auch Deutschland hat unter dem Grafen Bülow seine Politik wieder derart eingerichtet, daß es in freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland, aber auch zu England steht, von denen erstere für die Kontinentalpolitik des Reiches in Frage kommen, während letztere bei der Ueberseepolitik nicht ohne Geschick und Vortell ausgenutzt worden sind. Daneben ist aber auch das Treibundverhältnis von deutscher Seite aufrichtig gepflegt worden, sodaß von einer diplomatischen Vereinsamung Deutschlands absolut keine Rede sein kann, wenn auch natürlich die Anforderungen, die man an die Freunde und Bundesgenossen stellen kann, verschieden bemessen sind und in Bezug aus ihre Belastung sorgfältig geprüft werden müssen. Aus den Pfaden der „Zwei-Eisen-Politik" folgte dann Italien, das sein Verhältnis zu Frankreich revidierte und freundnachharliche Beziehungen wieder herstellte. Der Endzweck dieser Schenkung war: Italien, sein Anrecht auf Tripolis zu sichern, ein Verlangen, dem England in selten kurzsichtiger Weise opponierte, welche Blöße dann sofort der tätige französische Botschafter in Rom, Canrllle Barröre, benützte, um Frankreichs Unterstützung anzubieten. Glück- lrchierweise entdeckte Lord Salisbury und sein Nachfolger noch zeitig genug diese ungünstige Wendung für Großbritannien im MittelrneerbÄen. Man kam Italien in allen seinen Wünschen entgegen und so genießt jetzt die Well das gewiß, sellene Schauspiel, daß alle drei Haupt- konkurreuten im Mitteln:eer emttächtig Hand in Hand gehen: Italien von England und Frankreich umworben und auf den Dreibund sich stützend. Just dasselbe Beispiel hat Frankreich befolgt. Trotz aller Bündnistteue gegenüber Rußland hat es willig England seine Hand entgegenstreckt und sein Verhältnis zu Italien haben wir ja oben schpn genügend zergliedert. England hat endlich durch seine Annäherung an Frankreich und Wiederannäherung an Italien seine „Isolierung" in Europa aufgehoben, die es ja in Asien schon längst aufgegeben hatte. Bei den gegenwärtigen Bündnis- und Freundschjafts- verhältnissen in Europa ist kaum abzusehen, wo und wie ein Konflikt entstehen könnte. Ein Zusammenstoß zwischw Zweibund und Dreibund wird durch die Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland, die Entente zwischen Rußland und Oesterreich und die Verständigung zwischen Frantteich und Italien beinahe unmöglich gemacht; einen Krieg zwischen England und Rußland dürfte aber die französischf-englische Freundschaft zu vermeiden wissen und der Kampf um das Mittelmeer und seine noch unbesetzten Küstenländer scheint durch die neue Mittelmeer-Trias für längere Zeit aufgefchoben. Man muß wirklich mehr als aufmerksam umherspähen, wenn mau einen Punkt entdecken will, wo ein Feuer ausbrechten könnte. Und doch birgt gerade diese künstliche Friedensbürgschaft viele Gefahren in ihrem Schoße; denn gemeinsame Interessen und entgegengesetzte har es stets gegeben und wird es stets geben und die vielen Eisen, welche zur Zeit die europäischen Kabinette im Feuer haben, können leicht dazu führen, daß man sich einmal vergreift, oder das rechte Eisen zu lange im Feuer läßt. Diese ganze künstliche Pazifizierungsmethode dünkt uns nicht sonderliche glücklich; sie erinnert nur an die Systeme früherer Jahrhunderte, die schon durch chre Komplizierthell den Frieden stets bedrohten. Denn schließlich ist in der Polittk, wie im Leben, nur das Einsachie gesund und vernünftig. Zur Iiesorm der Schwurgerichte. Von unserem juristischen Mitarbeiter. (Originalartikel des „Gieß Anz.") (Nachdruck verboten.) Ein anderer Vorschlag zur Lösung der Frage der Schwurgerichte geht dahin, daß das Gericht wie bei den Schöffengerichten zusammengesetzt werde aus ständigen rechtsgelehrten Richtern und unständigen Laienrichtern, die gemeinsam mit gleichen Rechten über die Schuld- und Straf frage entscheiden. Der Entwurf der Straf- Prozeßordnung nach den Beschlüssen der vom Bundesrat eingesetzten Kommission von 1873 stand auf diesem Standpunkt. Nach ihm sollten alle Strafurteile erster Instanz nicht mehr von rechtsgelehrten Richtern allein, sondern überall unter Mllwirtüng von Laien gefällt werden. Die erkennenden Gerichte erster Instanz sollten große, mittlere und kleine Schöffengerichte sein. Die Einrichtung des Schwurgerichts hatte der Entwurf nicht ausgenommen. Dieser Standpunkt hatte wenigstens den Vorzug konsequent zu sein, während der jetzige Zustand mit seiner Einteilung in Schöffengerichte, Strafkammern und Schwurgerichte der unkonsequenteste ist, den man sich denken kann. Diese Lösung der Frage der Schwurgerichte würde den Wünschen derjenigen entgegenkommen, die an der Zuziehung des Laienelementes zur Rechtsprechung festhalten. Gelehrte- und Laienrichter würden zu einem Kollegium verbunden. Mit Recht hat jedoch gerade unser hessisches Ministerium mit Schreiben vom November 1870 her- vorgehoben,' daß eine erfolgreiche, wirksame Kollcgialjustiz Gleichheit der Verhältnisse der Kollegialmitglieder erfordert, daß die Elemente, auf welchen der Einfluß der Staatsrichter besteht, wesentlich andere sind als die der Schöffen und daß als praktisches Resultat der Vereinigung zweier so heterogener Bestandteile nicht sowohl die erwartete Einheit und Geschlossenheit der Beratung, als vielmehr entweder ein gesteigerter Dualismus zwischen den ungelehrten und gelehrten Mitgliedern des Kollegiums oder die gänzliche Bedeutungslosigkeit der Schöffen überhaupt zutage treten wird. Wesentlich mitsprechen würde bei Lösung der Frage des Schwurgerichts nach diesem Vorschlag die Beantwortung der ro eiter en Frage, in welchem Verhältnis das Rickster- kollegium aus Laien- und Berussrichtern zusammenzusetzen sei. Gefordert wird, daß die Zahl' der Laienrichter m in - bestens der der Berufsrichter gleich sei. Trotzdem aber würde wohl bei einer gleichen Besetzung des Gerichts mit Berufs- und Laienrichtern der Schwerpunkt in den ersteren zu suchen sein, insbesondere wenn sie unter sich einig sind, da die letzteren schon vermöge ihrer meist geringeren geistigen Ausbildung, ihrer Ungeübtheit im anhaltenden und folgerichtigen Denken und ihrer Unbe- Feuilleton. Alfred Bock: Kantor Schildköters Haus. Roman — Verlag von Egon Fleischet & Co., Berlin. — Preis Mk. 2.—. — Unser heimischer Dichter Alfted Bock hat uns einen neuen Roman beschert, der sicher gerade bei den Landsleuten und Freunden des Verfassers. lebhaftes Interesse erregen wird. Alfred Bock hat auch in seinem neuen Roman den Boden seines Heimatlandes nicht ver> lassen. — Im Bannkreis eines hessischen Landckadtchens spielt sich ein ergreifendes Drama ab. Der Sohn des Kan- tvrs Schrldköter, ein musikalisch hochbegabter junger Mann, ist von seinem Vater soweit vorgebildet worden, dag er rmnmehr auf dem Konservatorium feine Studien vollenden tonnte Allem der Kantor kann die Mittel nicht ausbrmgen, ^ren der Sohn zu seinem musikalischen Bildungsgang bedarf Zwar besitzt er am Marktplatz des Städtchens ein Laus diesis ist jedoch mit Schulden belastet, und an Miet- erträgnissen nimmt er nur die kleine Summe ein die ihm fein bester Freund Hildebrand für den Laden und die Wohn- Lg im Ldgeschvß zahlt Der Kantor und Hildebrand sind seit frühesten Jugendtagen miteinander aufs engste befreundet Hildebrand, ein alter Junggeselle und leidenschaftlicher Schmetterlingssammler, wird von feinem Ge- fchaftcüen das er meist etner alten Ladnerm überlaste Iblecku und recht ernährt. Immerhin sichert ihm die gute Lage des Ladens am Marktplatz einen gewissen Erfolg. Das! er jemals in seiner Miete gesteigert, oder daß ihm nar gekündigt werden könne, dünkt ihm schier unmöglich. Ter Kantor verzehrt sich in Sorgen, wie er das Geld für das Studium des Sohnes beschaffen solle. Der junge Mensch der von seinem Vater nichts mehr lernen kann, ungeduldig umher und ersehnt den Augenblick herbei, in den: Konservatorium seine Fähigkeiten zu entwickeln. Oa tritt über die Schwelle des Kautorhauses ein fremder j>err mit Namen Krakauer, der sich mit der Absicht trägt, o Städtchen ein Kvufhaus modernen Stils zu errichten. Der Agent Hupifekd, der in dem Roman eine große Rolle spielt, hat ihn an Schildköter verwiesen, und Krakauer richtet an den Kantor die Frage, ob er ihm seinen Laden vermieten wolle, und zwar bietet er ihm zweitausend Mark, während Hildebrand für Laden uno Wohnung nur fünfhundert Mark bezahlt. Der Kantor ist zunächst ganz perplex, aber in dem Gedanken an seinen besten Freund, der seit 22Jahren sein Hausgenosse ist, dem er nicht kündigen kann, lehnt er das Ansinnen Krakauers ab. In äußerst geschickt geführter Szene wird nun gezeigt, wie der Kantor den Ueberredungs- künsten Krakauers gegenüber allmählich in seinen Grundsätzen wankend wlld und im Hinblick aus feinen Sohn, für den Krakauer das Geld zum Studium vorschießen will, Laden und.Wohnung des Erdgeschosses um zweitausend Mark vermietet. Dies tat er, ohne vorher Hildebrand, seinen besten Freund, davon zu verständigen. Zwischen den Freunden kommt es zum Bruch, aber auch des Kantors Sohn weigert sich, mit dem Gelde zu studieren, auf dem, seinem Glauben nach, der Fluch entheiligter Freundschaft ruht. Von Kindesbeinen an ist ihm Hildebrand, der Hausgenosse, lieb und wert gewesen, und sein Herz drängt mehr zu ihm hin als zum Vater, dessen Liebe sich hinter Rauhell und Strenge verbirgt. Der Kantor, aufs äußerste erbittert, schneidet zwischen sich und seinem Sohne das Tischtuch entzwei. Aus Liebe zu seinem Kinde hat er den Treubruch an seinem Freunde begangen, nun wird ihm mit schnödem Undank gelohnt. Krakauer, der Kaufhausmann, zieht ein. Die Eröffnung des Kaufhauses ist ein Ereignis im Städtchen, sofern die gesamte Kaufmannschaft bisher von der neuen Zeit nicht berührt worden ist und bei hohem Verdienste und geringer Leistung ein höchst behagliches Leben führt. In dies altväterische Treiben platzt das Kaufhaus wie eine Bombe hinein. Der vielgewandte Krakauer versteht es, das kaufende Publikum heranzuziehen und erzielt Tag für Tag eine volle Ladeukässe. Einer der ersten, der dem Kaufhaus zum Opfer fällt, ist der alte Hildebrand. Er ist mit feinem Kurzwarenkrämchen in ein Seitengäßchen gezogen und dort sehr bald in Konkurs geraten. Der Kantor hat nun das Geld im Kasten, nach dem er sich so lange gesehnt hat, allein sein Sohn verschmäht es und geht bei Nacht und Nebel nach Leipzig, um sich dort auf eigene Faust die Mittel zum Studium zu erringen. Wie er in der Großstadt eine Enttäuschung nach der anderen erfährt und schließlich in seiner Verzweiflung den Tod sucht, wird in beweglichen Worten geschildert. In dem hessischen Landstädtchen wlld dfer Kantor von dem Haß seiner Mitbürger verfolgt, da man ihm, der den Laden an Krakauer vermietet hat, die Schuld an dem allgemeinen Niedergang der Geschäfte ausbürdet. Die Flucht seines Sohnes bringt ihn ganz und gar aus der Fassung, und als er aus Leipzig dessen Todesnachricht empfängt, kommt der Wahnsinn bei ihm zum Ausbruch. In der Nacht begibt er sich in das Magazin des Kaufhauses und zündet es an. Bald steht das Haus in hellen Flammen, er selber kommt darin um. — Auch in diesem neuen Werk hat Alfred Bock gezeigt, daß ihm die Kunst der Charakteristik in hohem Maße zu eigen ist. Scharf umrissen, oft nur mit ein paar markigen Strichen gezeichnet, stehen seine Menschen da, wie sie das Leben würfelt. Aber Bock ist niemals nur Wirklich keits schiller er, sondern seine Gestalten sind auch vom Hauch echter Poesie umwittert. Wer dieses Buch einmal gelesen hat, wird es sobald nicht wieder vergessen. Ohne dem Geschmack des großen Publikums Konzessionen zu machen, geht Bock seinen eigenen Weg. Und daß in diesen Roman eine „brennende Frage" hineinspielt, verleiht dem Buch ein besonderes Interesse. Jules Verne ist jetzt fast vollständig blind geworden. Der Operation des grauen Stars, die dringend nötig wäre, will sich der berühmte Schriftsteller nicht unterziehen, da er glaubt, bei seinen 75 Jahren sich einem solchen chirurgischen Eingriff nicht ohne Gefahr unterwerfen zu können. Er hat soeben seinen 100. Roman vollendet. Er lebt völlig zurückgezogen in seinem kleinen Hause, das er seit 17 Jahren bewohnt. r-mntschaft oft mit elementaren Rechtstzrundsütz.en kann, im Stande fein werden, der Autorität und Tialektik der rechtsnelehrten Richter zu widerstehen, deren Gründe in einer anderen als ihnen selbst nnzurerchend erscheinenden Weise tn widerlegen. Um das Gleichgewicht zwischcu Laien- mid rechtsgelehrten Richteim herzustellen, müßten tue ersteren m erheblich größerer Anzahl an dem Richterkvlle- gium beteiligt sein als die letzteren, wenn sie überhaupt ein Korrektiv gegenüber dein Äerufsrichter bilden sollen. Gewonnen wäre durch diese Art der Regelung zlv eis el- los das, daß die gröbsten Fehlsprüche vermieden würden, konsequent müßten ader dann auch die Strafkammern m Schöffengerichte unter Heranziehung des Laienelementes mn-gesraltet werden und diese Heranziehung des Laien- elements zur gesamten Strafrechtspflege wurde gleichbedeutend sein mit einer ganz außerordentlichen Belast- una de^ Publikums. Tie Zuziehung der Laien zu andern außerhalb des Gebietes der Rechtspflege liegenden Zweigen des öffentlichen Dienstes ist in stetem Wachsen begriffen, käme nun noch dazu, daß tagtäglich eine Unmenge Schof- fen zur Besetzung der Strafgerichte bei den Amts- und Landgerichten einberusen lverden müßten, so würde bald eine Uederbürdung eintreten und das Ehrenamt als Schöffe lediglich als eine Last angesehen werden. Es müßte dann auch bei Auswahl der Schöffen in so weite Kreise gegriffen werden, nm eine Uederbürdung einzelner Krei.se zu vermeiden, daß dadurch die Qualität der Schöffen zum Schadeii der Rechtssprechung sicher nicht gewinnen würde. Daran dürfte auch dieser Vorschlag scheitern. Ein ariderer Vorschlag zur Regelung der Schwnr- gerichtsfrage geht dahin, das Richterkollegium und die Gejckpvorenenbank als getrennte Institute beizubehalten, den Geschworenen jedoch lediglich einen entscheidenden Einfluß auf die Tat frage eiuzuräumen, die Enlscheidnllg der Rechtsfrage aber den rechtsgelehrten Richtern zu überlassen. Eine solche scharfe Trennung der Tat- und Rechtsfrage ist aber unnwglich. — Eine weitere Lösiing der Frage wird davon erwartet, daß die seitherige Organisation der Schwurgerichte beibehalten wird, daß aber dem Richterkollegium bei Entscheidung der Geschworenenbank über die ^chuldfrage und umgekehrt den Geschworenen bei Entscheidung des Richterlollegiums über die Straffrage die beratende Teilnahme gestattet sei. Dieser Vorschlag kann nur als ein Verlegenheitsnotbehelj bezeichnet werden, denn er würde weder eine Einheit der Rechtssprechung herbeiführen noch auch die oben erwähnten Mißstände der Trennung der Schuld- und Straffrage aus der Welt schaffen, da kein Teil gezwungen werden könnte, sich der Auffassung des anderen, der ja lediglich beratend Mitwirken würde, anzuschließen und zu beugen. Schon diese Auswahl aus den vorliegenden Vorschlägen zeigt, auf welche Schwierigkeiten die Reform des Schwurgerichts schon aus diesem einen Gesichtspunkt heraus stößt. rv. Die Geschworenen sind, wie vorstehend ausgeführt ist, zwar dazu berufen, die Schuldfrage in ihrem vollen Umfang zu entscheiden, es ist ihnen jedoch insofern hierbei eine Beschränkung auferlegt, als sich ihr Wahrspruch nicht frei unmittelbar auf die Anklage bezieht, sondern es ist ihnen eine begrenzte Bahn dadurch gezogen, daß ihnen der Gerichtshof formulierte Fragen vorschreibt, auf deren Beantwortung sie sich zu beschränken haben. Ten Geschworenen ist nur insoweit ein Einfluß auf die Fragestellung eingeräumt, als sie gleich der Staatsanwaltschaft, der Verteidigung und dem Angeklagten befugt sind, auf Mängel in der Fragestellung aufmerksam zu machen, sowie auf Abänderung und Ergänzung der Fragen anzutragen. Täe Feststellung der Fragen erfolgt aber selbstständig und unabhängig durch das Gericht und sie kann selbstverständlich auch gegen die von den Geschworenen gestellten Anträge erfolgen. Dieser Zwang, der zweifellos durch die formulierte Fragestellung aus den Spruck der Geschworenen ausgeübt wird, könnte dadurch vermieden werden, da-ß' man den Geschworenen unmittelbar die Anklageformel zur Entscheidung überwiese, es der von dem Vorsitzenden zu erteilenden Rechtsbelehrung anheimstelle, den Geschworenen zu erläutern, daß bie betreffende Tat unter Umständen auch aus anderen rechtlichen Gesichtspunkten angesehen werden könne und es dann den Geschworenen überließe, ihren Spruch je nach dem Verbrechensbegriff, den sie als gegeben annehmen, zu formulieren. Tie Stellung der Geschworenen wäre in diesem Fall zweifellos eine freiere und selbstständigere, allein die Annahme des Vorschlags scheitert allein schon daran, daß von den Geschworenen billigerweise nicht erwartet werden kann, dciy sie aus Grund einer naturgemäß kurzen mündlichen Rechtsbeleyrung in der Lage sind, selbständig die Subsummierung unter meist recht schwierige Rechtsbegriffe vorzunehmen und gar zu formulieren. Uebrigens sorgt schon die Bestimmung, daß sowohl Staatsanwaltschast als auch Verteidigung befugt sind, weitere Fragen zu beantragen, daß solche auch von Amtswegen seitens des Gerichtshofs gestellt werden können, dafür, daß die einzelne Straftat in der Fragestellung unter allen nur denkbar möglichen rechtlichen Gesichtspunkten gewürdigt wird. So wird saft stets die Hauptfrage nach dem Vorliegen eines Mordes hilssfragen nach dem Vorliegen eines Totschlags, einer Körperverletzung mit tötl ich e m E rsolg und ost noch andere nach sich ziehen. Diese Mehrheit der Fragen ;edoch birgt den großen Nachteil in sich, daß die Fragestellung leicht unklar und unübersichtlich wird und diese Unklarheit uno Unübersichtlichkeit wird noch dadurch vermehrt, daß bei einer Mehrzahl von Angeklagten oder von strafbaren Handlungen die Fragen für jeden Angeklagten und chr jede strafbare Handlung einzeln gestellt werden müssen. Es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß aus diese Art und Weise das Gericht genötigt ist, den Geschworenen hundert und mehr Fragen vorzulegen. Sich durch dieses Gewirr von Hauptfragen, tziljsfragen und Nebenfragen mit Sicherheit ourchf- zuarbeiten, ist ost selbst für den Juristen eine schwere Aufgabe, um wie viel weniger kann von dem ungeübten Geschworenen verlangt werden, daß er die Technik dieser verwirrten Fragestellung übersieht. Gar manchier Fehl- spruch erklärt sich daraus, daß die Geschworenen sich zwar in der Sache selbst ganz klar sind, dag sie aber durch die Fragestellung verwirrt und unsicher weroen und hierdurch ;.u einem Spruch kommen, der keineswegs dem entspricht, was sie eigentlich wollen. Erhöht wird Oie Schwierigkeit und Unübersichtlichkeit der Fragestellung dadurch, daß die dem Angeklagten zur Last gelegte Tat nach ihren gesetzlichen Merkmalen und unter Hervorhebung oer zu ihrer Unrer- ,a>>moung e-.,vrderlichen Umstände bezeichnet werden muß. Vic gestmichen Merkmale der unter Anklage gestellten Tat sind also mit dein AuSdrucke des Gesetzes, d. h. mit den im speziellen Teil des Strafgesetzbuches bei denselben gebrauchten Morten in die Frage aufzunehmen. Es dürfen " also selbst allgemein bekannte mrd in ihrer Anwendbarkeit auf den gegebenen Rechtsfall unbestrittene Rechtsbegriffe luie etwa Mord, Diebstahl, Unterschlagung, Betrug, Versuch usw. nicht in die Fragestellung ausgenommen werden, sondern selbst diese feststehenden Rechtsbegriffe müssen in ihre gesetzliche Tatbestandsmerkmale aufgelöst werden. Die Frage nach versuchtem Mord darf daher nicht etwa lautet!: „Ist der Angeklagte des Mordversuches an dem X schuldig?", sondern sie muß lauten: „Ist der Angeklagte schuldig, am so und jo vielsten des Monats. . . des Jahres ... zu Y den Entschluß, den X zu töten, durch vorsätzliche und mit Ueberlegung ausgesührte Handlungen, welche einen Anfang der Ausführung dieses Verbrechens enthalten, betätigt zu haben?" In diesem Falle ist die Frage wenigstens noch einigermaßen übersichtlich und ver- tündlich, wie aber, wenn ein komplizierterer Tatbestand, etlva der des Betrugsversuchs, in Frage kommt? Dann lautet die Frage: „Ist der Angeklagte schuldig, am so und so vielsten des Monats... des Jahres... zu Y den Entschluß, in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen des Z dadurch zu schädigen, daß er durch Vorspiegelung falscher und Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Jrrlum zu erregen oder zu unterhalten versuchte, durch Handlungen betätigt habe, welche einen Anfang der Ausführung dieses Vergehens enthalten?" Tiese Art der Fragestellung ist nicht etwa eine willkürliche, an den Haaren herbeigezogene Erfindung, sondern so muß die Frage lauten, wenn nicht ein Revisionsgrund geschaffen werden soll, und in dieser Fassung, wird die Frage fast in jeder Schwurgerichtssesjion gestellt. Was wird )id) aber der Geschworene dabei denken, und wird es nröglich sein, daß er sich aus diesem Wust von Worten mit der erforderlichen Sicherheit und Klarheit herausfindet, nm in der Lage zu sein, ein zutreffendes Urteil zu geben? Ich sage nein. Es bedarf deshalb keiner weiteren Ausführung, daß auch in Hinsicht auf die Fragestellung die Reform einzusetzen hat. Auch in dieser Beziehung wäre die nächstliegendste und einfachste Lösung die, daß Schuld- und Strafsrage in einem Kollegium beraten und entschieden würden. Tann fiele die ganze Fragestellung weg. (Fortsetzung folgt.) Politische Tagesschau. Oesterreich und die Papstwahl. Das „Wiener Fremdenblatt" schreibt: Tie Wahl Pius X. hat der Presse reichlichen Stoff zur Diskussion geboten; und dabei ist auch die Nachricht vielfach dementiert worden, daß von Oesterreich-Ungarn gegen eine der Kandidaturen Einbruch erhoben wurde. Wenngleich die, vielfach zum Teil ehr dramatischen, Ausschmückungen, mit denen diese Nachricht verbreitet wurde, und besonders die Darstellung, als wäre es aus diesem Anlaß im heiligen Kollegium zu förmlichen Debatten gekommen, den Eindruck des phantasievoll Erfundenen machen, so ist es doch, wie wir nach bei maßgebender Stelle eingeholren Erkundigungen festzustellen in der Lage sind, eine Tatsache, daß die M o n a r ch i e von ihrem Vetorecht Gebrauch gemacht hat. Unser Kabinett hat dabei den Zweck verfolgt, die Erwählung eines Kardinals von friedlichem und versöhnlichem Sinne herbeizuführen, und es darf ihm zur Genugtuung gereichen, daß aus der Urne ein Mann hervorging, der überall mit Beifall begrüßt wurde. In Pius X. har ein Mann den päpstlichen Stuhl bestiegen, besten maßvolles und festes Wesen die Hoffnung eröffnet, daß keine Reibungen eintreten rcnd daß ich nicht politische Gesichtspunkte in den Vordergrund drängen und die Erfüllung der erhabenen Mission der Kirche beeinträchtigen weroen. ^n unserem Interesse lag es, daß einer Wahl vorgebeugt wurde, die, wie aus mancher Er- ahrung der letzten Zeit sich schließen ließ, Differenzen Härte mit sich bringen können, die gerade ein Verhältnis, wie es das zwischen Staat und Kirche ist, nicht trüben sollten. Man braucht denn auch wohl kaum hervorzuheben, daß das östreichisch-ungarische Kabinett nicht durch, eine Anregung von irgend einer anderen Macht zu dem Schritte bewogen wurde, den es unternommen hat." Der Meldung, daß der Kardinal-Erzbischof von Krakau, Puzyna, der dem Vernehmen nach d'as Konklave von dem. Entschluß Oesterreich-Ungarns, die Wahl Rainpollas zu perhorreszieren, in Kenntnis gesetzt hatte, auf der Rückreise in seine Diözese vom Kaiser empfangen worden sei, ist die vorstehende ofsiziche Verlautbarung auf dem Fuße gefolgt. Man hat es also in Wien an maßgebender Stelle offenbar für schicklich gehalten, mit einer bestimmten Erklärung so lange zuruckznyalten, bis das mit der Einlegnng des Veto beauftragt gewesene Mitglied des Konklave die Möglichkeit gesunden hatte, dem Monarchen über die Ausführung seiner Mission Bericht zu erstatten. Rußland und die Türkei. Mit rücksichtsloser Schneidigleit benützt Rußland den Zwischenfall in Monastir, um die Türkei zu demütigen. Am Samstag veröffentlichte der Petersburger „Regierungsbote" ein Telegramm des Grafen Lamsdorsf an den russischen Botschafter in Konstantinopel. Darin sagt der Minister des Answärtigen, der Kaiser fordere nnter Ablehnung leerer Versprechungen die strengste Bestrafung des, Mörders Rostkowskis und des Individuums, das auf die Equipage des Konsuls schoß, die sofortige Vorlegung positiver Angaben über die Verbannung des Walt von Monastir uiid die sofortige strenge Bestrafung aller für den Mord verantwortlichen Zivil- und Militärpersonen. Außerdem wird der Botschafter beauftragt, folgende Forderungen zu stellen: alle türkischen Beamten, auf deren enrpörende Handlungsweise der Konsulsverweser in Ues- küb mrd der östreichische Konsul hingewiesen haben, sind unverzüglich strengstens zu bestrasen; der verabschiedete Ismail Haiti, über den Hilmipajcha ein günstiges Gutachten zugegangen ist, wieder in sein Anit einzusetz-en; die Bauern, welche diesen Konsuln türkische Grausamkeiten berichteten, sind sofort in Freiheit zu fetzen: die Verwa.lt- ungsbeamten, denen Mißbräuchje nachgewiesen werden, sind sofort abznsetzen und zu bestrafen; enolich )ini) ausländische Ofsiziere in der Gendarmerie und Polizei unverzüglich zu ernennen, zur Beruhigung der friedlichen Be- ung und Herbeiführung gesetzlicher Ordnung. — Selbstverständlich wird sich die Pforte diesen kätegorischen beschönigen, meldet der rüst ich),e Konsulatsoerweser in Monastir, das Ger io - habe folgenoes festgestellt: Als der Wachtposten dem Konsul Kostkowski die militärischen Ehren nicht erwies, machte ihm der Korisul zuerst ein Zeichen, verließ dann den Wagen und fragte ihn nach dem Warnen. Es sei unzweifelhaft erwiesen, daß er auf Halim nicht geschossen hat und ihn in keiner Weise beleidigte. .Halim schoß sofort einige Male auf den Konsul. Als dieser am Boden lag, trat Halim hinzu und sckwß noch^ mals, dicht am Kopf des Konsuls anlegend, und versetzte ihm einen Kolbenschlag gegen die Schläfe. — Ob diese Fest- kellungen den Tatsachen entsprechen, ist eine andere Frage. Aber da Rußland es befahl, wurden Halim und ein anderer Wachtposten zum Tode verurteilt und schleunigst gehängt. In Maeedonien weiß man also, wessen Befehlen die Pforte zu gehorchen hat, und auch die Bulgaren werden daraus neuen Mut zur Fortsetzung ihrer Greueltaten schöpfen. Keer und Alotte. Für das Studium neuer Fremdsprachen in der Armee sind vom Kaiser neue Bestimmungen ergangen. Als Ziel des Studiums wird der Wunsch bezeichnet, in jedem Armeekorps eine größere Zahl von Offizieren und einige Beamte zur Verfügung zu haben, die in einer der militärisch wichtigen Fremdsprachen als Dolmetscher dienen können; dann aber wird auch das allgemeine Bedürfnis betont, daß eine Anzahl von Beamten der Heeresverwaltung genügende Kenntnisse zur Verständigung in einer der neueren Fremdsprachen erlange. Für die Armeekorps östlich der Elbe komme vorzugsweise Russisch und Polnisch für die übrigen Französisch für alle daneben Englisch und Italienisch in Betrach; den Neigungen und der Vorbildung des einzelnen soll dabei Rechnung getragen werden. Zur Förderung des Studiums erhalten die Generalkommandos besondere Mittel: „Sprachstudienfonds." Aus Stadl und Kund. Gießen, 18. August 1903. ** Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Magazinarbeiter Anton Sättig zu Mainz, in Diensten der Firma Otto Zickwolf, Eisengroßhandlung zu Mainz, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für reue Arbeit" verliehen. — Se. Kgl. tz. der Großherzog haben den Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Fritz Eller zum Landgerichtsrat bei diesem Gericht ernannt und dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß-Gerau Ludwig Jonas den Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt. Der Gerichtsschreiber in Offenbach Georg Uhrig wurde zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Zwingenberg, der Gerichtsschreiber in Gießen Heinrich Dahmer zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Offenbach ernannt. Dem Ortsgerichtsvorsteher Georg Jeckel in Rimborn wurde das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Schaffung einer Staats Medaille für Aus» 'tellungen. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 44 enthält ölgende Bestimmung und Bekanntmachung des MinisteriumZ des Innern: Um bei Ausstellungen von nicht bloß lokaler Bedeutung innerhalb und außerhalb des Großherzogtums hervorragende Leistungen auszuzeichnen, wird eine Staatsmedaille in drei Klassen (Gold, Silber, Bronze) geschaffen. Sie enthält in allen Klassen auf der Vorderseite das große Staatswappen, auf der Rückseite die Aufschrift: „Staatsmedaille des Großherzogtums Hessen. In Anerkennung hervorragender Leistungen" und ist für Aussteller bestimmt, die hessische Staatsangehörige, sowie persönlich und geschäftlich zuverlässig und tüchtig sind. Bei besonders hervorragenden Leistungen auf Ausstellungen, die innerhalb des Großherzogtums stattfinden, kann sie ausnahmsweise auch nichthejsischen Ausstellern verliehen werden. Die Staatsmedaille darf von dem Empfänger nicht getragen werden und ist nach seinem Tode nicht zurückzugeben. Auf Vorschlag des Ausstellungs-. Preisgerichts wird die goldene Medaille von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog, die silberne und bronzene Medaille von dem zuständigen Ressortministerium verliehen. Hessischen Staatsangehörigen wird die Staatsmedaille kostenfrei verliehen, von nichthessischen Empfängern ist an den Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke eine Abgabe von 20 Mk. für die bronzene, 40 Mk. für die silberne und 60 Mk. für die goldene Medaille zu entrichten. ** Der diesjährige (12.) Fortbildungskursus für Organisten und Kantoren des Großherzogtums Hessen soll unter Leitung des Kirchenmusikmeifters Herrn Professors Arnold Mendelssohn in der Zeit vom 21. September bis 12. Oktober in Dcirmstadt abgehalten werden. ** Ob st Verwertungskursus und Milchner- w e r t u n g s k u r s u s für Frauen und M ä d ch e n. An der Großh. Obstbauschute und landwirtschaftlichen Winterschule in Friedberg findet vom Montag, den 24. bis Mittwoch, den 26. August ein Kursus über Obstverwertung im Haushalt für Frauen und Mädchen statt. Während desselben wird gelehrt und praktisch geübt das Dörren von Obst und Gemüse, Bereitung von Atarmelade und Gelee, Obstsäften und Syrupen, Beerenweinen, kandierten Früchten iind Obst und Geuiüse- präserven. Unterricht sowohl als Hebungen finden in der Küche und Obstverwertungsanstalt der Schule statt. Im Bedarfsfall wird auch noch ein zweiter Kursus vom 20. bis 23. September abgehalten. Im Anschluß an den einen oder beide Kurse finden solche über Milchverwertung im bäuerlichen Haushalt in der Dauer von 3 Tagen statt mit praktischer Anleitimg unter Benutzung der neuesten Handmaschinen. Zweck der Kurse ist, Frauen und Mädchen auf die Bedeutung der genosselischaftlichen Verarbeitung der Milch hinzuweisen und das Unzureichende der bisherigen häuslichen Verarbeitung nachzuweisen. b. Lich, 17. Aug. Der Vollendung der Bahn Butzbach-Lieh stehen Terrainschwierigkeiten nicht mehr entgegen. Indem man auf die vorherige Aberntung der Felder überall Rücksicht genommen hat, wird die Eröffnung sicherem Vernehmeii nach bis 15. Oktober erfolgen, es sei denn, daß außergewöhnliche Hindernisse, wie z. B. andauerndes Regenwetter, die Vollendung bis 1. 9looember verzögern. — Der Jahrestag der blutigen Reiterschlacht bei Vionville-Mars la Tour (16. August) und des dritten Kampfes um Aietz (bei Grave- lottc 18. August) wird von den hiesigen Veteranen, ea. 20 an der Zahl, während drei hiesige Kämpfer damals fielen, festlich begangen. Nächsten Sonntag soll aus diesem Anlo' ein Ausflug auf den Stiebermalb stattfinden. Ganrb ach, 16. Aug. Auf dvr Chaussee zwischen Ganr- oach und Griedel wurde an mehreren jungen Obst- 6 QsU ^Le n * r 0 n e f a ft g änzlich ab g eschnitten, irn.\. ä.war an solchen, die am schönsten und! um meisten vor- M chatten, srnd. Es mnß dies in der Sonntags n acht ae- schehen fern. Auch am vorigen Montag konnte man lt. "Butzb. Zhg." sehen, daß Obstbäumchen abgekuickt bezw durchschnitten waren, was auch im vorigen Jahre wrederholt geschehen ist. Es wäre'nur zu wünschendem rohen Frevler auf die Spur zu kommen, um ihm sein ae- meines Handwerk zu legen und ihm den verdienten Lohn zu geben. Ostheim, 17. Ang. Die Beteiligung an beringe st ri- He n land w. Demonstration hier war sehr stark. Nach dem Besuch des Versuchsfeldes fand noch eine Versammlung in der Gastwirtschaft zur Eisenbahn statt, in welcher Dr. von Peter einen sebr interessanten Vortrag hielt. Es ist erfreulich daß. solche demonstrative Vorträge bei unseren Landwirten immer größerem Interesse begegnen (Brchb. Ztg.) ’ 3- Schlitz, 16. Aug. Seit längerer Zeit litt der hiesige Schuhmacher Jakob Heil an Verfolgungswahnsinn. Er hatte schon mehrfach Selbstmordversuche gemacht, die aber alsbald bemerkt und in ihrem Erfolge vereitelt' wurden. Heil fürchtete, jeden Augenblick verhaftet zu werden, wegen Meineids. Ob! er tatsächlich in einer acht Jahre zurückliegenden Gerichtsverhandlung einen bewußten Meineid geschworen oder sich nur krankhaft eingebildet hat, daß Meineidsverdacht auf ihm ruhe, ist ungewiß. Mitten in der Nacht vom 9. auf den 10. August lief er, nur mit einem Hemd bekleidet, vom Hause fort und blieb seitdem verschwunden. Erst heute fand man seine L e i ch e in der Schlitz. k. Erbenhausen, 17. Aug. Tie kürzlich hier erbaute Maschinenhalle brach dieser Tage zusammen. Leicht hätte dabei ein größeres Unglück entstehen können, denn während eines kurz vorher niedergegangenen Regenwetters hielten sich einige Personen in ihr auf. Die neu angeschaffte Dreschmaschine stand zu allem Glück auch nicht in der Halle, sodaß'ein größerer Schaden nicht entstanden ist. Schwa den rod, 16. Aug. Dem Kaiser'schen Ehepaar zu Greifenhain, das dieser Tage das Fest der goldenen Hochzeit beging, wurde von S. K. H. dem Großherzog dessen Portrait sowie em huldvolles Begleitschreiben übersandt. (Schott. Kreisbl.") Offenbach, 17. Aug. An der Stelle der Groß- Krotzenburger Römerbrücke sind durch Strombaumeister Krolikowski ein weiterer fester Pfeiler und mehrere Pfähle nachgewiesen worden. Im Mainbette wurde ein schönes altes Ruder gesunden, das jedenfalls in den Besitz des Hanauer Geschichtsvereins übergehen wird. (Off. Ztg.) Mainz, 17. Aug. Ertrunken ist am Freitag am Brückenbau auf der Ingelheimer Aue ein fremder Arbeiter, der auf der Brücke mit Abladen von Stammholz beschäftigt war. Als ein Stück ins Rollen kam, sprang er bei Seite, tat einen Fehltritt und stürzte in den Rhein. (M. Tgbl.) Bingen, 16. Aug. Tas 61jährige Fräulein K. Sander hier hatte gestern nach Besorgungen im Keller die Falltür offen stehen lassen. Bei einem späteren Gange dachte sie nicht mehr daran, stürzte in den Keller und erlitt dabei schwere Schädelverletzungen, daß sie nach einigen Stunden starb. — Ein schwerer Unglückssall ereignete sich auf der Eisenbahnstelle in Münster; eine dortige Schulklasse kehrte mit der Bahn von einem Ausfluge zurück. Zwei Knaben stiegen auf der verkehrten Seite aus, der 11jährige Sohn des Metzgers Frickhofen aus Sarmsheim kam unter die Maschine eines von der entgegengesetzten Seite einlaufenden Personenzuges, und als man den Aermsten unter der Maschine hervorzog, ergab sich, daß ihm der rechte Unterarm, sowie die linke Hand abgefahren waren. Er kam ins Hospital Bingen. (M. Tgbl.) Frankfurt, 17. Aug. Das etwa 12jähr. Töchterchen Emilie des Spezereihändlers Weick, Thiergartenstraße 76, besuchte gestern vormittag im Hause Thiergartenstraße 86 eine Freundin. Das Mädchen rutschte dort das Treppengeländer hinunter — das bekannte gefährliche Kinderspiel — bekam das Uebergewicht und stürzte auf die Steine des Hausflurs. Eine starke Gehirnerschütternng und ein Bluterguß in das Gehirn war die nächste Folge, bald darauf trat der Tod des hoffnungsvollen Kindes ein. (Kl. Pr.) w. Wetzlar, 17. Aug. Der für Niedergirmes-Wetzlar vorgesehene Kirchenneubau ist nun beschlossene Sache. Cs ist nicht allein die Platzfrage entschieden, sondern auch schon der Vertrag mit dem bauleitenden Architekten zum Abschluß gekommen. Architekt Hofmann in Herborn verlangt nach persönlicher Besprechung mit dem Bürgermeister für seine Bemühungen eine Vergütung von 5 pEt. der Anschlagssumme. Die Stadtverordneten haben einstimmig beschlossen, Herrn Hofmann mit dem Entwürfe und der Leitung des Neubaues zu betrauen. ^5- 21. Deutscher Weinbaukongreß. Mainz, 17. August. au Beginn der gestrigen Sitzung referierte Professor Mi Wagner-Ettetbruch (Luxemburg) über „Dre ^unaung der Reben". Der Redner beschafttgt sich schon seit Jahren mit dieser für den Wrnzerstand hochw'ch- !men Srnnc In Winzertreisen Herrichten hierüber, so führte er^naw der Jrkf. Ztg." aus, die absonderlichsten Meinungen. Ter Wirtschaftsdünger fehle in den Weinbergsgegenden in» olge der gkringen Landwirtschaft vollständig; auch der rransvort spiele eine Rolle. Ter Kunstdünger ube auf dre Qualität des Weines, wie das vielfach angenommen werde, einerlei Einfluß aus. Welcher Kunstdünger dem Wmzer u emv ehlen sei, das komme auf die Bodenbeschafsenheit Sit Der Redner empfahl Volldüngung mit künstlichem tS;' r Das wurde auch in der Diskussion von verschiedenen Rednern Unterstützt; ohne Kunstdünger sei in der heutigen aSt tiicftt mehr auszukommen. — Danach referierte Dr. Krömer Assistent der kgl. Lehranstalt in Geisenheim, ^r das Wurzelleben der Reben. Dr Gustav Lüftner, Dirigent der pflanzenpatholo- aiscben 'Versuchsstation der Lehranstalt in Geisenheim, hielt kum Schlüsse der zweiten Sitzung einen Vortrag über die Eueren Erfahrungen bei Bekämpfung der Reronospora und des OidiumsE Mit verschie- denen Mitteln sei man gegen diese schädlich^ Pilze vorge- na en mit Verbrennen oder Bespritzen der Blatter. Zuletzt nabe Man mit Erfolg Kupfervitriol angewendet was nur mn Nachteil gehabt habe, daß die Rebstöcke stark beschavigt u-nrden, da^ vermied man später durch Zusatz von Kalk, wit dem Bespritzen allein sei es nicht getan, es komme darauf an, wann gespritzt werde. Es müsse nur vor der Blüte und dann Mitte Juli die Bespritzung vorgenommen werden. Als «Bespritzungsmittel komme noch Kupfer-Soda- Brühe in Frage. Die Präparate des Handels taugten nichts, der Weinbergbesitzer «müsse sich das Rüttel selbst zubereiten. Für das Oi'dium, das ein Sommerpilz sei (im Winter trete es nur selten auf), sei die beste Bekämpfung Schwefel. Er wirke auch günstig auf die Entwicklung des Stockes. Ein einheitliches Bekänipfungsmittel für Peronospora und Oidium gebe es nicht, es empfehle sich getrennte Bekämpfungsart. — Prof. Dr. Ku lisch-Kolmar empfahl die Kupfer-Soda-Brühe als das beste Mittel und forderte hauptsächlich, das rechtzeitige Bespritzen. Warnen müsse er vor der Verwendung des übermangansauren Kali. Redner warnte davor, den Winzern zu viel Mittel zu nennen. Das führe zur Verwirrung. Am Nachmittag wurde mit den beiden Dampfern der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft „Rheingold" und „Overstolz" eine Rheinfahrt bis Kaub unternommen. Zu Beginn der Montagssitzung verlas der Vorsitzende ein Danktelegramm des Kaisers. Dr. Kittel- Würzburg referierte über die Maßnahmen zur Beförderung frostempfindlicher Güter, namentlich Weine, auf den deutschen Eisenbahnen während der Wintermonate. In Bayern feien mit den geheizten Wagen gute Erfahrungen gemacht worden. Der Redner sprach den Wunsch aus, daß die Eisenbahnen den Wein als Eilgut ohne erhöhten Frachtsatz befördern und auf den größeren Verkehrsrouten isolierte und geheizte Wagen allgemein einführen. Auf Antrag des Geheimen Kommerzienrats Michel- Mainz wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Der 21. deutsche Weinbaukongreß richtet an den Ausschuß der Verkehrsinteressenten das Ersuchen, bei der ständigen Tarifkommission der Eisenbahnen Deutschlands zu beantragen, daß Weine in den vier Monaten November bis Februar in das Verzeichnis des Spezialtariss für bestimmte Eilgüter auszunehmen seien. Prof. Dr. Kulis ch-Kolmar berichtet über die neueren Erfahrungen auf dem Gebiete der Weinbehandlung und Kellerwirtschast. Ter Referent empfahl dringend, daß die Winzer bei reinen Weinen die Trauben sofort keltern und nicht erst angären lassen, weil der Wein sonst braun und ungesund werde. Ferner empfahl er mäßige Einbrennung mir Schwefel und zur besseren Gärung Verwendung von Reinhese, die schon bei der Lesung der Trauben beizumischen sei. Am Schlüsse der Sitzung sprach Heinrich Koch-Mainz über die modernen Anforderungen an die Qualität des Weines. Ter Firma Kupfer berg wurde für die gestrige Veranstaltung der Rheinfahrt von dem Vorsitzenden Geh. Kommerzienrat Wegeler der Dank ausgesprochen. Der nächste Kongreß findet im Jahre 1905 in Neustadt a. H. statt. Vermischtes. • Die Münchener „Jugend" in Ungarn. In Ungarn ist ein neuer Sturrn ausgebrochen, man ist dort über die Münchener „Jugend" so aus dem Häuschen geraten, daß es sogar zu einer öffentlichen Verbrennung der mißliebigen letzten Nummer dieses Blattes kam. In dieser ist eine von einem „deutsch-österreichischen Staatsmanns" eingesandte „Familiennachricht" enthalten, die folgendermaßen lautet: „Liebe Jugend! Allen Freunden und Bekannten zur gefälligen Kenntnisnahme, daß ich demnächst meinem kostspieligen Verhältnisse mit der frechen ungarischen Person ein Ende zu machen gedenke". Dieser „Familiennachricht" ist eine Zeichnung beigefügt, welche die Szene darstellt, wie der deutsch-österreichische Staatsbürger die Scheidung von der Hungaria mit Hilfe eines Fußtrittes vollzieht. Infolgedessen wurde in Budapest eine Agitation gegen das Blatt eingeleitet, die vorgestern abend damit ihren Anfang nahm, daß einige junge Literaten und Künstler im Cafe New-Port das Blatt unter kolossalem Halloh einiger hundert Zuschauer feierlich verbrannten. Dann richtete die ungarische Export- und Packet- aktiengesellschaft, die auf den ungarischen Staatsbahnen mit dem Vertriebe der Zeitungen betraut ist, an die Redaktion der „Jugend" ein Schreiben, das in'sämtlichen Budapester Abendblättern veröffentlicht wurde. Dann wurde die Redaktion der „Jugend" verständigt, daß die Gesellschaft den Vertrieb der „Jugend" auf sämtlichen Bahnhöfen der ungarischen Staatsbahnen eingestellt hat. Die Einstellung erfolgte unter ausdrücklicher Berufung auf die erwähnte Illustration. Zugleich verfügte die Gesellschaft, daß alle noch auf den Bahnhöfen vorhandenen Exemplaren dieser Nummer der „Jugend" eingezogen worden. Die Blätter melden, daß die Innung der Cafetiers demnächst zu einer Sitzung zusammentreten und an ihre Mitglieder die Aufforderung richten wird, die „Jugend" aus ihren Lokalen zu verbannen. Einzelne Vereine sind mit dem Beispiele vorausgegangen und haben die „Jugend" von ihren Lesetischen entfernt. *BelgischerDurst. Bei der Eröffnung der Session int Provinzialrat vom Henn eg au hiett der Gouverneur Baron du Sart de Bouland eine Rede, die eine Reche von ganz erstaunlichen Tatsachen enthüllte: Der Belgier charakterisierte sich durch einen unglaublichen und andauernden Durst. Er ttinke am Morgen, um sich Mut z,a machen; zu Mittag, um seinen Appettt zu steigern; wenn er vom Tisch aussteht, um die Verdauung zu erleichtern; nach der Arbeit, um neue Kräfte zu sammeln, und am Abend, um besser zu schlafen. Er trinke am Samstag, weil dies der Zahltag ist, am Sonntag, weil es der Tag des Herrn ist, und natürlich trinke er auch am „blauen Montag". Er trinke, wenn es heiß ist, aber auch, wenn es kalt ist; er trinke, um sich über die Ratschläge seines Arztes oder die Vorstellungen' seiner Frau lustig zu machen; er trinke bei den Taufen, bei den Hochzeiten und bet den Begräbnissen; seine Fähigkeit, Getränke zu verttlgen, sei fast wunderbar. Von allen belgischen Provinzen soll es im Hennegau am schlimmsten sein. Bei einer Bevölkerung von 1143 000 Einwohnern zahle diese Provinz 48 669 Kneipen, d. h. im Durchschnitt 4.5 auf 100 Einwohner. Die Gemeinde, die den Rekord hiett, sei Sivry im Arrondissement Thuin; sehe man hier von den Frauen und Kindern ab, so habe Sivry ein Restaurant für fünf Einwohner. Ein Hauptgrund für dieses liebet sei die hohe Zahl der Kir- messe, der Taubenschießen, der Armbrustschießen und der anderen Schützenseste, der Bälle und der Hahnenkämpfe, die alle Anlaß zu Trinkgelagen gaben. Nachdem der Redner noch festgestellt hatte, daß bye Ortsbehörden in ihrem Kampfe gegen den Alkohol Fiasko gemacht hätten, schlug er folgende Mittel vor: in zunehmendem Maße die. Zahl der Kneipen zu beschränken, den Alkohol mit beträchtlichen Abgaben zu belegen, die Reglements zu verschärfen und streng durchzusühren, den Ban. von billigen Häusern zu fördern, die Ortsbehörden zu Abweyrmaßregeln anzuyatten und auf den öffentlichen Geist kräftig einzuwrrken. Schwer allerdings wird der Kampf sein gegen so tüchtigen Durst. Landwirtschaft. Fe st gäbe für den 21. Weinbau ko ngreß. Den Teilnehmern am Kongresse wurde von dem Verband Rheinhessischer Weinhändler eine hübsche Festgabe in Gestalt eines soeben erschienenen Merkchens dargeboten, welches sich „Grüße aus Rheinhessen" betitelt und in einer anschaulichen, lebendigen Darstellung aus der Feder des Herrn Karl Heinrich Koch das rheinhessische Weinbaugebiet, seine Geschichte und seine Bedeutung, be- handelt. Wir erfahren daraus, daß vielleicht schon zur Zeil der rönüschen Herrschaft der Weinbau im jetzigen Rheinhessen bekannt war, daß aber der erste urkundliche Nachweis aus dem Jahre 753 vom 18. Januar stammt, an welchem Tage das Kloster Fulda einen Weinberg in dem bei Mainz gelegenen Bretzenheim (Pritta- norum yilla) kaufte. Diese und andere Urkunden beweisen, daß schon früher der Weinbau in fraglicher Gegend in hoher Blüte ge- standen haben muß und daß daher die Legende, wonach Karl der Große den Weinbau an den Rhein gebracht habe, jedenfalls unrichtig ist, ivenngleich diesein großen Kaiser sicher hohe Verdienste an der Verbesserung und Ausbreitung des Weinbaues zutommen. Nach dem geschichtlichen Rückblick und einigen allgemeinen Betrachtungen werden die einzeliien Bezirke des rhciiihessischen Wem- gebietes, ihr Unifang, Eharatter und ihre Leistungen eiirgehend und anziehend in einzelnen Abschnitten besprochen: die Gegend von Worms bis Ludivigshöhe, Oppenheim und Tienheini, Nierstein, Nackenheim, Bodenheim, Laubenheim, Mainz, das Ingelheimer Gebiet, die Bingener Gegend und das Innere der Provinz. Aus dem in die Darstellung eingeflochtenen Material sei u. a. erwähnt, daß die ganze Provinz — ein Unikum im deutschen Produktlonsgebiet — ein einziges großes Weinland bildet, vori dessen 137 343 Hektaren Gesamtfläche nicht weniger als 13 931 Hektaren mit Reben bepflanzt sind, daß die Weinbaufläche mehr als den zehnten Teil der Gesamtweinbaufläche Deutschlands ausmacht und daß der durchschnittliche Ertrag etwa 280 000 Hektoliter Wein beträgt, während bei voller Ernte wohl 700 000 Hektoliter eingeheimst werden können. An die Darstellung schließt sich eine Aufzählung sämtlicher Wein- baugemeinden Rheinhessens nut Angabe der Rebftäche jeder einzelnen Gemarkung auf Grund der Ergebnisse der Landesstatistik für das Jahr 1902. Endlich ist dem Büchlein eme vorzügliche Karte von Rheinhessen (1:100 000) beigeheftet, in welcher die Weinbaugebiete nut grüner Farbe hervorgehoben sind. Die vornehme Ausstattung elitspricht dem Inhalt und so zweifeln wir nicht, daß das Werkchen nicht mir den Kongreßteilnehmern eine willkommene Festgabe sein, sondern daß es auch dazu beitragen wird, die Kenntnis über das gesegnete Weinland Rheinhessen und die Wertschätzung seiner Weine in immer weiteren Kreisen zu verbreiten und zu befestigen. ? V o n d e r L a h n, 16. Aug. Die Kornernte ist in diesen Tagen auch hier • beendet worden. Wie der erste Drusch zeigt, liefert sie an Korn und an Stroh mehr als niittelmäßigen Ertrag. Auf ein Hektar wurden durchschnittlich geerntet 4000 Kilo Stroh und 1800 Kilo Körner, das ist auf einen nassauischen Morgen 20 Zentner Stroh und 9 Zentner Körner. Auch der Weizen wird an Stroh und Körnern eine befriedigende Ernte geben. Der Hafer aber ist meistens kurz geblieben, hat mitunter nur 30—50 Zentimeter Höhe, liefert aber voraussichtlich einen guten Körnerertrag. Auszug aus ven Kircheubucheru der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Matthäusgemeinde. Den 8. Aug. Karl Wilke, Schlosser zu Gießen und Susanna Geller, Tochter des Landwirts August Geller zu Königsberg. Den 9. August. Heinrich Theodor Karl Ludwig Mühlig, Wagnermeister zu Gießen und Wilhelmine Emma Dorothea Kirchner, Tochter des verstorbenen Gastwirts Peter Kirchner zu Gießen. Denselben. Adolf Christian Jakob Emil Müller, Kanzleibeamter zu Kasfel und Marie Kirchner. Tochter des verstorb. Gastwirts Peter Kirchner zu Gießen. Getaufte. Diatthäusgemeinde. Den 7. August. Dem Expedient und Buchhalter Heinrich Sonntag eine Tochter Marie, geb. den 24. Dezember. Den 9. August. Dem Schlosser Wilhelm Noll eine Tochter Marie Emma, geb. den 18. Juli. Den 12. Aug. Dem praktischen Arzt Dr. Karl Ploch eine Tochter Hermine Bertha Ilse, geb. den 26. Juni. Markusgemeinde. Den 9. August. Dem Spengler Hermann Klotz ein^Sohn Adolf Hermann ^arl, geb. den 26. Mai. Denselben. Dem Spediteur Wilhelm Lynker eine Tochter Helene Elisabeth Mathilde Luise, geb. den 9. August. Lukasgem einde. Den 2. August. Dem Bauaufseher-Aspirant Wilhelm Fiedler ein Sohn Otto Wilhelm, geb. den 29. Juni. Denselben. Dem Wirt Paul Frenzel eine Tochter Karola Henriette Hedwig Frieda Minna, geb. den 21. Juni. Den 3. August. Dem Universitäts-Professor Dietrich Behrens ein Sohn Hans Onimo, geb. den 29. Juni. Ten 4. Aug. Dem Taglöhner Friedrich Jeschke ein Sohn Philipp, geb. den 17. Mai. Johannesgemeinde. Den 2. Aug. Dem Oberlehrer Otto Urstadt eine Tochter Karoline Henriette Luise Emilie Franziska, geb. den 28. Juni. Ät i l i t ärgern e i n d e. Den 2. August. Dem Sergeant Heinrich Schmidt ein Sohn Karl Hermann Johann Willy, geb. den 28. Juni. Denselben. Dem Hauptmann v. Bursztini ein Sohn Alfred Felix Georg, geb. den 14. Juni. Beerdigte. Markusgemeinde. Den 9. Aug. August Senst, Garnisonsverwaltungs-Jnspektor i. P., verheiratet, 69 Jähre alt, starb den 7. August. Den 13. Aug. Heinrich Klotz, Gemüsehändler, verheiratet, 58 Jahre alt, starb den 10. August. Mchrntlichk Wajichtder MksMr in drr Stadt Kießkii. 32. Woche. Vom 2.-8. August 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militär^ Sterblichkeitsziffer: 25,12, nach Abzug von 6 Ortsfremden: 13,53 D/Co. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Scharlach 1 — — 1 Darmkatarrh 3 — 2 1 Tuberkulose der Lungen 2 2 Schlagfluß 1 1 — — Gehirnkrankheiten 3 (3) 3 (3) Lungenentzündung 1 (1) 1 (1) - — — — Blinddarmentzündung 1(1) — nach Kopfverletzung 1 (1)_______—_______ 1(1) 1 (1) Summa: 13 (6) 7 (4) 2 4 (2) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke koinnren. Wer einmal die „Patent-Myrrholin-Seife" im Gebrauch gehabt und deren wohltätige, unübertroffene Wirkung auf die Häut kennen gelernt hat, der wird sich niemals mit einer anderen Seile waschen und sich nicht den schlimnien Folgen aussetzeii, welche durch Waschen der Haut mit schlechter Seife entstehen können. Es ist deshalb Vorsicht beim Gebrauch von Seite dringend geboten. Ueberall, auch in den "Apotheken erhältlich, woselbst auch Prospekte über die hochinteressanten Aiyrrholin-Bilder zu haben sind. 242 ■■ nmTi»-!.-. TUttringiscneg---- Technikum Ilmenau Ingenieure, -Techniker ' _ und. -Werkmeister. — Geschäfts - Empfehlungen uejed billigst Vrühl'sche Univeri'itätz Druckerei, Gietzen. © © © an ar, L r E sO CT an >§" co o O) o -- 's « Q <ß> c '>0' c V 'X z> 'P' -«-. ar« Q X r-e B 2 CT Q D an p an ÖS L) K s L « »«* N K o "e ** K o — ~e c.— <Ä S " #-* an jo ST- s€ «•♦* w « i$eS Q 'S* r-> r L r ä p A- O <§H s p Q g o ^E-CT c . *c ar, je c g ~ EjQ ~ +x q e CT E c o *o"EFl ©p "b r—» -Zs 5*2-- ZZ i ZZ 'S öo C j£ Ks o «■§ 2 o ,— CO 5 C cS *-<;±co p S»-# « §E CT, CT “ e p 2 ° 9- CQS g a_§ £ " ».£ -L ^-5 S> 2^ w p r-» 1 8 Q £ L- Z 'S* CT E o .2 -Ü 0 6=< o © an wQ cd E S? v 'o §$7 e s 5€Ä^f P(7?se - ‘q (U> -JJ O _ o 4? ® «0 •■• x 9 ^05 ’S E ZU Z8^ S."ZZ S L «^L-L^A Scö ■gs^’s’a^ Z^ c-« LZL-KsZ §§°° _ C 5? 'X o s g -g - E X C p 73 CT.E X = - x> EL E c ->) *° CT v 2 FL ^«*gW s - Sil §.#«1 g flf® r. - h L.- E O Q »Iß = *0 c o CT - x> ®3 q C E ^->b E O <3 CT CTT p «» «? E & Jq *. -** A JO <2 5 »L 5 ct o 2 5= o tCT *6" E er? an ct -L E Q- O P s e G o P *E c c R _ Q 5 E<^ E C *^_ E E oE P c an ® ±r c „ an § s E **“ P c -L _2 an ZZ'Z Q 3 E 5 o ~ 5 Q P C7v -O .2 R P JX. E Q x E S *0-2 | an c >b CO o >-P' R iS 0 S *§■ jd iE Z S an 'R -O'I X3 S'_9 5 LÄ O p .2 ’S R ‘s’-p XX. •" :c § -O CT P 5-> r m_ X -2 p ■g 3 O -° « O ° 5-> . 5^ _ P E 0 3 JQ -R P "tE, jQ S — O £ •— N *d - S» - q.S'0'-'«« c s g c 5 - c ct 0 20. an .E 'S co _ p p E ■ ■ an 2? 0 e p p dET p p “ -M ÄS«*B§ -P 2 CT. 2 - -p C E p ?3 * e y2 j-» s . ’S o CO _p CT • e" c9 2 p cS- 2 iS 2 .5 CT c N^VikdAlkt in Kildel. Dienstag den 25. August lfd. Js. findet dahier ein B i e h m a r k t aller Gattungen statt, wozu Interessenten sremrdlichft eingeladen werden. Ansang 7 Uhr morgens. Ter Austrieb geschieht nur von der Brücke aus. Äiit demselben ist eine Prämiierung der schönsten zu Markt gebrachten Tiere, sowohl von Händlern, wie von Selbstzüchtern, sowie eine Verlosung von Kühen, Rindern, Schweinen und einer Reihe praktischer Gevrauchsgegenslande verbunden. Lehtere findet aus dem Marktplätze statt. Wrr gestatten uns noch, daraus ausmerksam zu machen, daß sich der Markt seither eines wachsenden Zusprrichs zu erfreuen hatte und laden daher zu recht zahlreichem Besuche hierniit ergebenst ein. 6199 Das Komitee. Zur Anfertigung von Pumpen in Holz- und EisenKonstruKtion empfiehlt sich 5584 Carl Germer in HkiWem Garantie sür guten Gang urid höchste Leistung. __________Reparaturen gut und ßlfffg. JEäae T.WGK jeden Montag, Mittwoch und ^-rettag von *,29 Uhr ab bei [5837 K. V/ilh, Geagnagel, Neustadt 4ö. jeden Mourag, Mittwoch und Freitag von 9 Uhr ab. (5339 FHeds*, üoiE Hofbäcker. ■ Eilt! jn wenigen Tagen! ^IV. Garantiert Ziehung 22. August 1903 _ II. Wohitliäügkeits- üeM-LöUerie des Strassburg-Neudorfer k. 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