Donnerstag 18. Juni 1003 153. Jahrgang (Erstes Blatt. !eret; unb flbrtfle für Tevefchem «ozetger «irfcnu grnilptrd)anldilu§9h.6L Nr. 140 Grschet»t tieft* anher Sonntags. Dem Gtttzrner Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Keffische» tanbrolrt die Siebener Zamiiten« blätter otermal in der Woche beigcUflL Roianxmebrud u. Verlag der Brühl 'sehen Unwert.-Bach- a.Stei»- bcudectt (tlKÖd) tirbe*) monatlich 76 vl, otetttt« tährltd) Mk. 1.20; durch vibbole- il Zweigstellen monatlich 65 'öl.; durch die Post Mk.3.—olenel- läbrL au«1d)L Bestellg. Annahme von Anzeigen tüx die Lagesnummer bis vormittag« 10 Uhr. ZeUenprei»: total 11 PI» auiroäct» 10 Plg. Teil. P. Sittloi tüt ,3labt und tianb* und (Aenchtssaaf. Auguft Götz, tüi den *ln- zeigenteil: Hans Beck. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Wach den Wahlen. Es lagen bis heule mittag nach uns Angegangenen Drahtmeldungen aus Berlin 396 Wahlresultate vor Hiervon sind 213 endgiltig, während 183 Stichwahlen erforderlich sind. Tie 213 gewählten Abgeordneten setzen sich wie folgt zusammen: 31 Konservative, 1 Bd. der Landw., 2 Bauerndündler, 6 Reichsp., 86 Zentr., 5 Natlib., 1 Freis. Bereinig., 1 2lntis., 1 Christl^-Soz, 14 Polen, 1 Däne, 7 Elsässer und 57 Soziald em. — Bei den Stichwahlen sind beteiligt 35 Lons., 13 Bd. d. Landw., 15 Reichsp., 35 Zentr., 66 Natlib., 13 Freis. Bereinig., 24 Freis. Dolksp., 9 deutsche Dolksp., 11 Antis., 2 Christi-So-., 6 Polen, 9 Welfen, 1 Nationalsoz, 4 Elsässer, 120 Sozial- bem., 2 Wilde und 1 Dauerndündler. Die Ergebnisse der Wahl zeigen eine deutliche Niederlage der extremen Agrarier. Vom Bunde der Landwirte sind drei Führer, Nösicke, Dr. Hahn und Lucke unterlegen. Die Linksliberalen verloren mindestens ein Drittel ihres Besitzstandes. Nicht wiedergewählt sind Lrüger - Wiesbaden, Beckh-Loburg, Schra d er-LandSberg und Fr es e - Bremen. Die Sozialdemokraten gewannen bisher 12 Sitze, nämlich: 5. Berlin, Reichenbach, Aschersleben, Kiel, Solingen, Löbau, Meißen, Pirna, Mittweida, Annaberg, Plauen, Schwarzburg-Sondershausen, sie verloren Bernburg und Sorau. Die Konservatieen gewannen Zsillichau und Bütow und verloren Erfurt, Löbau und Plauen. Die Nationalliberalen gewannen Sorau und Bernburg, verloren Aschersleben, Herford, Mitt- weida, Annaberg und Sondershausen. Das Zentrum verlor Reichenbach, Straubing und Fraustadt. Die Freisinnige DolkSpartei verlor 5. Berlin, Lüben, Quer» furt, Eisenach, Koburg, Schaumburg und Wiesbaden. Die Freisinnige Vereinigung verlor Lands berg, Züllichau, Bütow, Czarnikau, Schleswig, Kiel und Bremen. Die Deutsche Volks Partei verlor Ansbach, Böblingen und Backnang. Die Reformpartei verlor Gießen, Pirna, Meißen. Der Bund der Landwirte verlor Kaiserslautern, Bretten und Geestemünde. Die Welfen verloren zwei Sitze, die Reichspartei, Wilden und Anti. semiten je einen Sitz. Im Königreich Sachsen erhielten, wie wir bereits gestern kurz mitteilten, die Sozialdemokaten allein 100,000 Stimmen mehr als alle anderen Parteien zusammengenommen. Von den 23 Wahlkreisen siegten die Sozialdemokraten in 18, während kein einziger bürgerlicher Kandidat gewählt wurde. In den 5 übrigen Kreisen kommen die Sozialdemokraten mit 3 Konservativen, 1 Sintisemit und 1 Nationalliberalen in Stichwahl. Der.Vorwärts* ergeht sich bereits also in den höchsten Jubeltönen: Berlin, die Hauptstadt der Sozialdemokratie I Deutschland, das Reich der Sozialdemokratie I Berlin-Deutschland hat das Tischtuch mit der Reaktion aller Farben endgültig zerschnitten, m Berlin herrscht ungeheure Beaetsteruiig, der Zusammenbruch deS Freising ist vollständig, der Besuch der Konservativen, Boden m der Retchs- hauprstadt zu gewinnen, ist kläglich gescheuert. Berlin hat um 68 000 sozialdemokratische Stimmen zugenommen; gewaltig sind auck die Erfolge in den Berlin vorgelagerten Wahlkreisen, und Sieg auf Sieg künden auch die Nachrichten aus der Prcwinz, unsere Hochburgen haben wir behauptet, übaraU mit starkem Stimmenzuwachs. Sachfen ist völlig das rote Königreich geworden seM "eiozia-Stadt ist nah« dem sozialdemokratifchen Stege, eme Siegesnachricht drängt die andere, nur ganz vereinzelt kommen Meldungen, die geringere FortschritUe zeigen Ruck,chrttte nirgends. Auck in rem agrarische Wahlkreise, wie Altenburg sind wir siegreich eingedrungen, im Zentrums türm Kassen btt Risse, Äattoroig, der Ae S'tz der Klerikalen, ist für das Zentrum verloren, tm rhemtsch- westZischen Industriebezirk ist die «ozmldemokratie mächtig gegen das Zentrum vorgedrungen, m Württemberg gegen die Demottmie. Das deutsche Voll hat den gewaltigsten Protest gegen dre herrschend« Reaktion abgegeben, nut Donnerittmme reden di« Zahlen der Stimmen der Brotwucher ist gerichtet und alle», roa» um cho ftch ötanat, die Wahlen sind em zerschmetternder Dchlag für da»ganz« berrickende Snstem - wem, dre Nacht vollendet, was dte Mitter- nacht^begonnen, dann bereitet-sich WAM-e^ dn deutsch« Politik vor. Deutschland wird zum Lande SoztaltSmi^, de» uniiberwindlich vorwärts drängenden, zum Befreier Erich«, der Steg des deutschen Proletariat» ist der Sieg der deuychen Kultur, tmser das Reich, unser die Weit. Die Stichwahlen werden den Herren Sozialdemokraten ru beweisen haben, daß eS mit der Umwandlung des deutschen Reiches in einen sozialistischen ^dealstaat^ noch gute Wege hat. Der Fortschritt der Sozialdemokratie mid die starke Niederlage der Agrarier, das sind dte allerdings ins Auge fallenden Ergebnisse d«w Wahlen wie bet uns, so im Reiche. Auch das verwohnte Zentrum bat Schlappen erlitten und muß von seiner non 106 Mitgliedern eine Anzahl Stufen herabstergen. Deutsche Reichspartei hört auf eine ^raktron ru bilden; es reicht nicht mehr dazu, und wenn he in den Stichwahlen selbst noch ^ halbes Dutzend iianby datm durmdrächie. Lon betn g^lch-n Schicksal der Auf. lösens roeroen die Polen betr°n,en. Freisinn, ge Bolksvarter, deutsche Volispartei und srer innige Vereinig, ung sind äu- dem ersten Wichlgcmg Mit einem ein- -iaen Mann hervorgegangem Lon Antisemiten Geschwinden mit Herrn Kohler-Langsdor, alle bis aus vielleicht zwer oder drei Vertreter aus dem Reichstag. Die Nationalliberalen dagegen wie die Shm- servatioen haben nicht übel abgeschnitten. Bei den Natio- nalliberalen entscheiden freilich wie bei unS, jo in Lauterbach, Friedberg, Offenbach, Worms und ebenso im ganzen Reiche erst die Stichwahlen, doch berechtigt der größere teil der Wahlkreise zu guten Aussichten. (Erne Zeile, die dies bereits in unserm gestrigen Artikel aussprach, ist durch ein-technisches Versehen gestern in Fortfall gekommen.) Nicht so günstist stehen die Chancen für die Konservativen in der Stichwahl. Andererseits haben sie schon über 30 Mandate hinter sich, während die Nationalliberalen zurzeit kaum ein halbes Dutzend ihr eigen nennen. Ter Sozialdemokraten bekannte Wortführer ind ohne Ausnahme sofort, und stellenweise mit sehr erheblicher Diehrheit wiedergewählt worden. Ten anderen Parteien, mit Ausnahme des Zentrums, fehlen einstweilen die Häupter. Tie bisherige sozialistische Parteistärke (58) ist fast erreicht, und die 120 Stichwahlbstei- ligungen, hauptsächlich gegen NationallibKale, Freisinnige und Zentrum, werfen vielleicht doch noch einen Gewinn von 20 bis 30 Mandaten für sie ab. In der Reichshaupt- stadt wird der erste Wahlkreis, der einzige der freisinnigen Volkspariei nicht verloren gegangene, nur durch die entschiedenste Unterstützung von konservativer Seite zu retten fein. Bei den Wahl-Mißerfolgen wird in vielen Wahlkreisen nach den Schuldigen geforscht. Rechts wird der Reichsregierung das Hauptmaß der Verantwortlichkeit bei- gemessen für das Anwachsen der Sozialdemvlratie. Die Regierung habe mit verschränkten Armen der sozialdemokratischen Wahl-Propaganda zugesehen, es sei ihr nicht ein- Je fallen, auch nur den Versuch zu machen, die gröbsten ozialdemokratischen Bebauptungen zu widerlegen. Bis in •ie neueste Zeit sei vielmehr die Sozialdemokratie von der Regierung fast mit Wohlwollen behandelt worden. Links schiebt man die Schuld an dem Rückgang des Liberalismus vielfach auf den Führer der freisinnigen Bollspartei. Seine taktische Haltung beim Zolltarif habe große Massen von Wählern ins Lager der entschiedenen Opposition hinübergetrieben. Wir erklären uns die sozialdemokratischen Erfolge iux Reiche aus zwei weniger ko.nplizierten Gründen. Wer irgendwie glaubt Grund zu persönlichen Nagen zu haben, der ist von vornherein geneigt, feine Stimme derjenigen Partei zu geben, die der ganzen bestehenden Gesellschaftsordnung den Krieg erklärt. Es kommt hinzu diese oder jene politische Verstimmung, die sich im Laufe der Fahre an gesammelt hat, gewisse Unbegreiflichkeiten ans verschiedenen Gebieten des öffenllichen Lebens, die nicht begreif- licher geworden sind durch offizielle und offiziöse Erklärungen. Wir brauchen an die „Fälle", welche die öffentliche Aufmerksamkeit erregten, nicht im einzelnen zu erinnern. Und gar so klein ist das Häuflein derer nicht, so namentlich unter den allzu jugendlichen, unreifen Wählern, die da aus reinem sträflichen lieber mut sagen: „Wir wollen doch mal sehen, wie s geht, wenn die Sozialdemokraten in der Mehrheit sind!" Endlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß die dem Zentrum von der Regierung immer völliger eingeräumte Machtstellung auch zur Mehrung des Mißbehagens beigetragen hat. Es sind aber ganz gewiß keineswegs alle überzeugte Sozialdemokraten, im Parteisinne, die sozialdemokratisch gewählt haben, ja nicht einmal alle überhaupt Unzufriedene! Ballestrem. Der neue Reichstaa wird feinen alten Präsid eilten wieder erhalten: Graf Ballestrem hat sein ob«schlesi- sches Mandat im ersten Wahlgange zurück erobert. Mit der Gegnerschaft der Polen ist eS also nicht so schlimm geworden, wie die polnische Presse glauben machen wollte, oder aber es hat dre Beliebtheit des Grasen Ballestrem bei der Berg- arbeiterbevöllerung des Gleiwitzer Bezirks den Sieg davongetragen über die Wahlmanöver der polnischen Blätter. Die Möglichkeit, daß Gras Ballestrem von einer erneuten Be- tDcnbung um das Reichstagspräsidium Abstand nehmen könne, ist wohl als ausgeschlossen zu betrachten. Wahlkreis vießen. Den uns heute vorlregenden l-tachvichten aus unserem Wah l krei se Gi e ß en - Gr ünberg-Nid da zufolge hat sich allenthalben bei uns das Wahlgeschäst sehr ruhig abgespielt. UeberaH sorgten natürlich am frühesten die Sozialdemokraten für Verteilung ihrer Stimmzettel. Zunge SWt* nahmen Hans für Haus vor und gaben meist zwei Stimmzettel ab. Die bürgerlichen Parteien könnten sich das zum Vorbild nehmen. " Auch das Ergebnis des letzten fehlenden Ortes, Röthges, liegt heute vor. Danach erhielten dort Heyligen- staedt 1, Löhler 35 und Krumm 4 Stimmen. Demnach das endgiltige Schlntzresnttat: Heyligenftaedt 5356, Köhler 5022, Krumm 6034. 1896: Natlib. 2442, Freis. 2129, Antis. 4477, Soz 3351; 1898: Natlib. 4159, Antis. 4718, S03. 4495. Das Zentrum hatte 1898 79, diesmal 91 Stimmen tm ganzen Wahlkreise. $m Wahlbureau des 3. Wahlbezirks im Turmhaus am Brand fand man auf einem Wahlzelle! folgende .poetische« Bemerkung vor, die allerdings an Blödsinn mchtS zu wünschen übrig läßt: Heut ist der Tag zur Wahl m ^eusicylands Runde, Es gehr nmnches Won im Vollesrnunde, Welcher gewählle Ranuibat wird am bestrebtesten fein, Ter kämpsl für Recht und Gut Und niajt fürs Ausbeutungs-Verein. Sm nördlichen Teil unseres Wahlkreises war die Wahll tätigteu ziemlich flau; ost erreichte die Zahl der Stimmenden laum die Halste der Stimmberechtigten. Somit wurde gerade der Partei, die alle Mann an ttorb ruft, der „Sieg" leicht gemacht. ES ist ganz zweifellos, daß trotz allem bu Zahl der Gleichgilltgen, Lässigen, Wahlfaulen sich aus den Äiännem der imtucren Rcchtung rekrutierte. Wenn wir die jetzigen Ergebnisse in den einzelnen Ortschaften mit denen vor fünf Fahren vergleichen, so ergeben ich hier und da überraschende Veränderungen. Zn Gießen ist die Zahl der Soz. von 1296 auf 1565 gestiegen, die Zahl der liberalen Wähler aber von 1707 auf 2240. In Mbach ist die Zahl der Stimmen für den liberalen Kandidaten von 14 auf 30 angewachfen. In Allendors a. d. L. fiel die Zahl der Stimmen für Herrn Nöhler von 158 auf 96. In Allertshausen ist dte Zahl der Sozialdemokraten von 2 auf 12 gestiegen, in Annerod von 8 auf 31. In Bettenhausen siel t>ie Zahl der Stimmen für Köhler von 68 auf 46 und in Steuern von 73 auf 49, sehr zu Ohinftcu der beiden übrigen Kandidaten. In Burkhardsfelden stieg die Zahl der Sozialdenwkraten von 10 auf 30. In lltttttgshauicn gingen etwa 20 Stimmen von Köhler auf den Sozialdemokraten über. In Göbelnrod stieg die Zahl der lib. Stimmen von 17 auf 41. In Großen-Buseck hat Köhler 36 Stimmen verloren, der Sozialdemokrat 9. In Grünberg stieg die Zahl der üb. Stimmen von 148 auf 205, während die Soz. nur 2 Stimmen mehr erhalten haben. In Grüningen hat Köhler von 71 Wählern nur 32 behalten. In Harbach erhiellen die Lid. stüher 13, diesmal 45 Stimmen. In Hausen ist die Zahl der Soz. von 42 auf 61 gestiegen zu Ungun ft en des Üb. Kandidaten (stüher 23, jetzt 9). Heuchelheim hat nur 3 soziald. Stimmen mehr (268) 271; Köhler dagegen hat dort 20 Stimmen gewonnen. In Kesselbach hat Köhler statt stüher 47 Stimmen jetzt 16 erhallen. In Klein- Lind en ist die Zahl der lib. Wähler von 27 auf 67 gestiegen; die Soziald. haben nur 11 Stimmen mehr (88) 99 erhalten. In Lang-Göns ist die Zahl der Wähler von Köhler von 208 auf 142 gesunken, die der Soziald. ist dagegen von 7 auf 62 gestiegen. In Langsdorf find Kohler die ihm 1698 treu gewesenen 78 Stimmen vollständig erhalten geblieben, aber auch um keine aeftieaen. Leihgestern hat früher 8, jetzt 30 liberale, und stüher 84, jetzt 135 soziald. Stimmen abgegeben. In Lindenstruth sind 10 Wähler von Köhler auf den Soz. übergegangen. Ter Fabrikort Lollar yat 34 soz. Stimmen mehr (132) 166. In Londorf sind 12 soziald. Stimmen weniger, die zur Hälfte dem Liberalen jugefallen sind. In Stornien- rod ist die Zahl der lib. Wähler von 7 auf 38 gestiegen und die der Antis. von 21 auf 6 gefallen. In Oueckbvrn ist etwa die Hälfte der früheren Wähler diesmal nicht an der Urne erschienen. In Reinhardhain erhielt der liberale Kandidat jetzt 39, früher 16 Stimmen; in Reiskirchen sogar statt 27 55, die sämtlich dem Soz verloren aingen. In Stangenrod stieg die Zahl der Wähler Köhlers ron 18 auf 44. — In Trais-Horloff hat der Soz 27 6t gewonnen, d. h. er stieg von 7 auf 34. Watzenborn wählte statt früher 17 diesmal 36 Liberale und statt 168 Soz diesmal deren 211. In Wieseck ist die Zahl der Soz auch nur um 26 gestiegen. In Bernsfeld hat sich das Ergebnis einfach umgekehrt; statt 40 Lib. sind diesmal 47 bauernbündlerische Stimmen abgegeben worden. In Nieder- Ohmen stieg die Zahl der Soz von 24 auf 51, in Gedern ton 41 auf 72, wahrscheinlich weil noch am letzten Sonntag Krumm mit seinem Stab dort hingeeill war und eifrig agitierte. In Steinberg sind 11 Wähler Herrn Köhler zu Gunsten Krumms untreu geworden. Volkartshain hat diesmal allein 34 lib. Stimmen abgegeben; vor 5 Jahren überhaupt nur 13, und zwar 6 lib., 3 bauembbünbL und, wie auch diesmal, 4 sozialdemoIratische. Im Kreise Büdingen scheint fast durchweg ein Stimmenzuwachs für Köhler ftattgefun* den zu haben. 3m übrigen ist schon nach diesen flüchtigen Gegenüberstellungen der Rückgang ber bauern- bündlerischen Stimmen, namentlich im nördlichen Teile des Wahlkreises, ganz eklatant. — In Geiß- Nidda stieg die Zahl der liberalen Wähler von 12 auf 45, in Gelnhaar von 17 auf 66. In der Stadt Nidda hat der Liberalismus 54 Stimmen gewonnen. Großherzogtnm Heffen. In Laubach herrschte, wie man uns von dort schreibt, eine große Interesselosigkeit an der Wahl, indem nur der dritte Teil der Wsichlberechtigten von seinem Wahlrecht Gebrauch machte. Es wurden 85 Stimmen für Dr. Wallau, 54 für Bindewald abgegeben. In den Orten des Amtsgerichtsbezirks Laubach erhielt Wallau sehr wenig Stimmen. Wie die Stichwahl ausfälll, läßt sich nicht Jagen. lieber die Wahl rm Streife Offenbach-Dieburg liegen noch nicht aus allen Orten die Ziffern vor, allein es steht annähernd fest, daß Mnch 16485 Stimmen, Dr. Becker 11796 Stimmen und PH. liebel 6313 Stimmen erhalten haben und somit, wie wir schon meldeten, zwischen dem Liberalen Dr. Becker unb dem Svzialijten Ulrich Stichwahl nötig ist. Lehr charakteristisch i|t selbst noch dem ,^nenb. Abendbl.' des Herrn Ulrich das ungemeine Anwachsen der Liberal-Antisemitischen Vereinigung. Dor fünf Jahren brachten es die beiden Kandidaten der Parteien auf 5725 Stimmen, während sie diesmal doppelt so viel Stimmen auf ihren gemeinsamen Kandidaten vereinigten. Dieser Zuchwachs ist zum Teil der vortrefflichen Agitation der vereinigten bürgerlichen Parteien zuzüschreiben, indem sie namentlich für günstige Hand el erkannten. Aus Mainz wird uns folgendes getrieben: Vorbehaltlich einiger kleiner Abänderungen ist das Gesamt^ wahlresullal im Wahlkreis i'.tainz-Oppenheim: Von 35 823 Wahlberechtigter, l ;cn 2-; 613 —ähler abgestimmt. Davon erhielt der Sozialdemokrat Dr. David 12 890, ber Kandidat bet Zentrumspartei Oberpostrat Dr. fför nig 8103, der Nackonalliberale Rechtsanwalt Tr. Pagenstecher 4968, der Kandidat des Bundes der Landwirte Geometer Wolf in Stadecken 677 Stimmen. Es ist mithin eine Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten Dr. David und dem Kandidaten der Zentrumspariei erforderlich. Tie Wahlbeteiligung in der Stadt Mainz war recht rege, indem über 65 Prozent der Wähler ihre Stimme abgaben, und zwar stimmten hier für Tr. David 8010, für Dr. König 2742, für Dr. Pagenstecher 2416 und für Wolf 18 Wähler. Gegen die erste Wahl im Jahre 1898 haben die sozialdemokratischen Stimmen im ganzen Wahlkreis einen Zuwachs von 2136, die Stimmen der Zentrumspartei einen solchen von 726 und die der Nationalliberalen von nur 164 Stimmen erhalten. Bei der Stichwahl im Jahre 1898 erhielt der damalige Zentrumstandidat Tr. Schmidt 12881 Stimmen und der sozialdemokratische Kandidat Dr. Tavid 12004 Stimmen und ersterer blieb somit nur mit der geringen Stimmenzahl von 877 Stimmen Sieger. Preußen. In den neun Ortschaften des preußischen Hin ter - laudkreises (Bezirk Rodheim), welche dem Wahlkreis Wetzlar-Altenkirchen zugeteilt sind, wurde die Reichstagswahl auch mit Eifer betrieben. Während bei der vorigen Reichstagswahl in Rodheim der National- liberale Krämer 31 Stimmen erhielt, wurden diesmal 47 für ihn abgegeben. In sämtlichen neun Gemeinden hat er aber diesmal nur einen Zuwachs von 81 Stimmen zu verzeichnen. Dahingegen hat sich durchweg eineStirn- menmehrheit für die Sozialdemokratie geltend gemacht. 1898 wählten in Rod heim nur 17 Wahlmänner Beoel, diesmal 42; im ganzen Bezirk erhielt er diesmal 260 Stünmen gegen 146 bei der früheren Wahl, mithin eine Mehrheit von 114 Stimmen. Preßstimmeu. Das Organ der Reichsregierung, die „Nordd. Allg. Ztg.", macht die Zersplitterung der Parteien in Verbindung mit der Lässigkeit der Wähler für die sozialdemokratischen Wahlerfolge verantwortlich. Pflicht aller Parteien sei, oei den Stichwahlen jede andere Rücksichtb ei seitezulassen und, wo sozialdemokratische Kandidaturen in Frage kommen, geschlossen gegen diese zu stimmen. Die „2Soff. Ztg." beantwortet die Frage, weshalb die Sozialdemokratie glänzende Erfolge errungen, dahin: „Weil sie die Partei der radikalsten Opposition gegen das herrschende System ist." Das „Berl. Tageblatt" bemerkt u. a.: „Die Hoffnung, daß aus diesen Wahlen und den darauf folgenden Stichwahlen ein Reichstag mit einheitlicherem Gepräge zustande kommen werde, als es sein Vorgänger gehabt, hat sich schlechterdings nicht verwirklicht. Es wird sich auch im neuen Hause immer nur eine Mehrheit von Fall zu Fall bilden können." Die „Kreuzztg." äußert die Hoffnung, daß bei den Konservativen die Mandatsverluste sich vielleicht noch durch Gewinne würden ausgleichen lassen. Tie Befürchtung, daß der neue Reichstag in nationalen Fragen versagen werde, scheine ausgeschlossen, sofern das Zentrum bei der Haltung verbleibt, die es in den letzten Jahren eingenommen hat. Ausland. Die „Frkf. Ztg." meldet aus Brüssel: Die Nachricht von dem Erfolg der deutschen Sozialdemokratie wurde hier in früher Morgenstunde durcb Extraausgaben des sozialistischen Organs in den Straßen verbreitet. Das sozialistische Bolkshaus zog sofort die rote Fahne aus, der Generalrat uni) die parlamentarische Gruppe der belgischen sozialisti- jcheu Partei sandten Glückwunschdepeschen an die deutschen Genossen. Das sozialistische Organ schreibt den Sieg der Sozialdemokratie teilweise dem deutschen Kaiser zu, erkennt aber seine Loyalität an, mit der er die Beeinflussung bei den Wahlen verhindert habe. Weitere Wahlergebnisse, soweit sie allgemeines Interesse haben. Kassel: Stichwahl zwischen Lattmann (Neformp.) und Thiel (S.). Mittweida: Goehre (S.) gewählt. Lublinitz: Graf Bal le st rem (Z.) gewählt. Parchim: Stichwahl zwischen Pachnicke (Vg.) Große (Soz.). Dillenburg: Stichwahl zwischen Hofmann (natl.) und Burckhardt (christl.-soz.). Saarburg.Saarlouis: Roeren (Z.) gewählt. Montabaur: Dr. Dahlem (Z.) gewählt. Deutsch.Krone: Stichwahl zwischen Gamp (Rp.) und Bredow (Z.) Lüneburg.Wins en: Stichwahl zwischen Frhrn. von Wangenheim und Dr. Jaenecke (natl.). Leobschütz: Klose (ß.) gewählt. Schwetz: Stichwahl zwischen Holtz (ReichSp.) und Ta- woritz (ß.) Siegen: Stöcker (christl.-soz) gewählt. Pilllallen: Graf Komtz (k.) gewählt. Hersfeld-Rothenburg: Stichwahl zwischen Müller- Fulda (ß.) und Werner (Antis.). Schwerin-WiSmar: Stichwahl zwischen Büsina (nl.) und Groth (S.). Varel: Stichwahl zwischen Träger (Volksp.) und Hug (S.). ArnSwalde -Friedeberg: Stichwahl zwischen Bruhn (Antis.) und Obst (S.). Guben: Stichwahl zwischen Prinz Schonaich-Carolath (n(.) und Kotzke (S.). Kreuzberg: Fürst Hohenlohe-Oehringen (k.) gewählt. Salzmedel.Gardelegen: v. Kröchcr (L) gewählt. Ottensen: v. Elm (S.) gewählt. Strerkfieber. In Chicago ist eine merkwürdige neue Mode „aus- gebrochen". Die Tunten der fcmftcn Gesellschaft veranstalten Lunch-Partien nach den vornehmsten Hotels und bedienen frort ine Gäste.- Draußen heult die Menge, durch das Fenster stiegen die steine, denn die Ladies fungieren als Streikbrecherinnen! In Chicago sind nämlich die Kellner im Ausstande, mrd der Streit mit den Arbeitgebern hat die schärfste Form angenommen, da diese unter feinen Umständen nachgeben wollen. Darin offenbart sich schon, daß die Bedeutung des .Kampfes über die komische Seite und das reine totale Interesse weit yinaus- geht. Sic erstreckt sich in ba* grundsätzliche, in bar- pö livische, ui das soziale Bereich. Der Streck ist zugleich ein Symptom, wirtschaftlich nicht mehr ganz gechmder Zu stände in der Union. Der HoteKriea hat sich jetzt bereits nach Newyork übertragen, und droht anm Die anderen großen Städte zu ergreifen. Frederik Bovmann, der Vorsitzende der Chicagoer Gruppe, reist zu Organisationszwecken umher. In den Versammlungen spricht er in vier Sprachen, besonders aber in der „Memuse", einem aus Englisch und Französisch gemischtem Volapük, bq|cn sich in den ersten Hotels Oberkellner und Buchhalter bedienen, wenn sie sich über die Ausschreibung der Rechnung für besonders „schwere" Gäste verständigen wollen. In Newyork ist es ihm gelungen, 800 Köche der City-Hotels zum Einstellen der Arbeit zu bewegen. Im übrigen kann er unter den 50000 Hotelangestellten der City aber nur auf die Mitwirkung von etwa 6000 Personen rechnen. Die Arbeitswilligen rekrutieren sich namentlich aus dem Personal der vornehmen Häuser, das mit Gewinnbeteiligung angestellt ist. Seine Anhänger stndet er bei den Bortenders, d. h. den auf eigene Rechnung arbeitenden Schenkkellner und den Zimmermädchen. Aber auch diese beiden Gruppen haben ihre selbständige Organisation und folgen den Befehlen der internationalen Hotelangestellten-Vereinigung. Treten sie in den Ausstand, so droht sich der Streik auch aus den alten Kontinent zu übertragen. Ter Generalmaneger eines Hotels in St. Louis sagte uns kürzlich, vor der Ausstellungszeit sei ein bis auss Messer zu führender Ausstand zu erwarten. Wie ernst der Kampf jetzt schon zu nehmen ist, geht daraus hervor, daß die Hoteliers sich nicht scheuen, die brennende Negerfrage von neuem zu entfachen, indem sie aus den Süostaaten ganze Züge schwarzer Kellner kommen lassen. Unter diesen Umständen dürfte man bald von Unruhen hören. Der Kellnerberuf ist noch immer derjenige, dessen Leistungen von der persönlichen Anstrengung des (Änzeluen abhängen, am wenigsten aber von der Maschine. Der deutsche Kellner ist in England, der französische in der Union so geschätzt, weil er sich von diesem Gesichtspunkte leiten läßt. Teshalb ist es bezeichnend, wenn auf dem alten wie dem neuen Kontinent auch in diesem Berufszweige der Stampf gegen das freie Arbeitsrecht des Einzelnen immer schärfer geführt wird; bezeichnend, daß selbst in dieses Gewerbe und in der Union der Kastengeist sich regt, die rftcht gelernten Wettbewerber auszu- fchließen, und das aus dem englischen Trade-Unionismus überkommene Bestreben sicb mit wachsender Kraft geltend macht, die persönliche Leistungsfähigkeit des Einzelnen behufs Einstellung zahlreicherer Arbeiter zu beschränken. Wohin das führt, zeigt der Fall bei den Bauten der Brckisch Westinghouse Co., wo die organisierten englischen Maurer nicht mehr als 800 Steine täglich legen wollten, bis man amerikanische Arbeiter kommen ließ, die den Rekord von 2000 Steinen aufstellten. Der auch in Deutschland bekannte Lotonwtivenbauer Fovter erklärt: „Tiefer Kampf entscheidet über die Zukunft der britischen Rasse". Der amerikanische Unterstaatssekretär Vanderliy, dessen Buch Über das Eindringen Amerikas in das europäische Wckt- schafstgebiet so viel Auffehen machte, ist der Ansicht: „Was von dem Geiste solcher Streiks zurückgeblieben ist, bleibt eine Gefahr für die gedeihliche Entwickelung Amerikas". Bostoner Privatberichte melden von einem bedenklichen Anwachsen des Streikfiebers unter den Arbeitern der Eisen- und Kohlenindustrie und von der Unfähigkeck der Arbeitgeber, weitere Zugeständnisse zu machen. Sie sehen hierin den dunklen Punkt der Konjunktur. Die Präsidentschafts- kampagne regt das Fieber an. Die Arbeiter wollen um jeden Preis mehr Einfluß im Parlamente. Hoffentlich schlägt das Streikfieber nicht nach Europa über. Volitische Tagesschau. Zentralverband deutscher Zudustrieller und Haudelsvertragsverem. In der Delegiertenversammlung des ßentraloerbandes deutscher Industrieller vom 17. März d. Js. hatte Generalsekretär Bueck seinem Erstaunen darüber Ausdruck gegeben, daß zahlreiche Müglieder des ßentraloerbandes, namentlich 18 Ausschußmitglieder, dem Handelsoertragsverein beigetreten sind. Hiergegen hatte das Organ des Handelsoertragsvereins polemisiert. Run schreibt Herr Bueck in der „Deutschen Juristenztg.* u. a.: „Bei der Unterstützung, die dem Handelsoertragsverein bei seiner Begründung von Mitgliedern des ßentraloerbandes zuteil wurde, handelte es sich durchaus nicht um „das Wanken der eigenen Schlachtreihen*, wie der Handelsoertragsverein zu glauben sich den Anschein giebt. Man nahm vielmehr an, daß auch der neue Verein das vom ßentraloerbanb stets hochgehaltene und erstrebte ßiel, den Abschluß guter Handelsverträge, mit allen seinen Kräften verfolgen werde, und daher glaubte man gut zu tun, auch ihn durch Beitritt zu kräftigen. Hätte man wißen können, daß dieser Handelsoertragsverein sich unter die Leckung der freisinnigen extremen Freihändler stellen würde, die in Gemeinschaft mit den Sozialdemokraten den Abschluß vorteilhafter Handelsverträge nicht weniger gefährden wie die extremsten Agrarier, so würde dem Handelsvertragsverein wohl kaum die Unterstützung irgend eines Mitgliedes des ßentraloerbandes zuteil geworden sein. Jetzt, nachdem jener Verein sein wahres Gesicht gezeigt hat, suchen die Mitglieder des ßentraloerbandes sich auch wieder von ihm zu trennen, was ihnen freilich nicht gerade leicht wird, da der Verein alle formalen Hilfsmittel anwendet, um die Beiträge der Mitglieder des ßentraloerbandes noch weiter zu beziehen.* Präsident Roosevelt über den deutschen Gesang. Am zweiten Tage des Sängerfestes des nordöstlichen Sängerbundes waren in Baltimore Präsident Roosevelt, der deutsche Gesandte Frhr. Speck v. Sternburg, Minister v. Rheinbaben und die hervorragendsten Staats- und Munizipalbeamten zugegen. Tas Marineamt hatte mehrere Trehschiffe zur Verherrlichung des Festes dorthin entsendet Bei dem Abendkonzert hieck Präsident Roosevelt vor 15 000 Anw es ende ii ein,1 längere Rede, in der er frie Deutschamerikaner pries, welche seit Mühlenbergs Zeilen alle Kampfe des amerikanischen Volkes mitge- fock)ten hacken, und welche zu den wertvockften Elementen des amerikanischen Volkes gehörten. (Pastor Peter Aiühlen- berg m Pennsylvaicken verließ im Unabhängigkeitskriege die Kan^l und nahm mit einem ans Männern seiner Gemeinde bestehenden Regiment hervorragenden Anteil am kampie.) Terdeutsche Ges an g erfülle eine Äultur- Mission, seine fernere Ausbreitung fei dringend wüu- h\;:v‘oen. Baron v. Sternburg sprach mit Rücksicht auf den a. wesenden Prä; identen englisch. Er sagte, er freue I*“1- OandSleute begrüßen zu lönnen, welche so viel zum Ruhme des herrlichen Landes beigetragen. Aus Stadt und Land. Gießen, 18. Juni 1903. Nachrichten au8 Stadt und Land sind uns stets willkommen und werden angemeffen honoriert! •* Arbeitgeberverband. Gestern Abend fonjiituirte sich der .Verband der Arbeitgeber für das Schneider- Gewerbe m Gießen*, welchem fast sämtliche Firmen und selbständige Meister beitraten. Derselbe schließt sich dem Allg. Deutschen Arbeitgeber-Verband an. t. Alten-Bus eck, 16. Juni. Heute wurde die Fran des Schneiders G. wegen Diebstahls verhaftet. Sie war verdächtig, schon seit längerer Zeit aus der Ladenkasie des Konsums größere Geldbeträge entwendet zu haben, formte aber wegen Beweismangels nicht überführt werden, bis heute der Besitzer des Konfurns die Fran bei frischer Tat ertappte. Sie wurde sofort durch die Gendarmerie in Untersuchungshaft nach Gießen gebracht. n. Groß-Felda, 17. Juni. Sonntag den 21. l. M. feiert der weit und breit bekannte hiesige Gastwirt Kaspar Völzing das Fest der goldenen Hochzcitz 4- Aus dem Ohmtale, 17. Juni. Die Preise bei den gegenwärtig stattfindenden Grasversteigerungen von Kommunal- und Domanialwiesen sind entschieden höher, als man nach dem Stande des Heugrases erwarten sollte. Allerdings ist derselbe m nassen Lagen nicht der beste, aber sonst allgemein doch ein vorzüglicher. Der Zentner Heu stellt sich öfters bei den Versteigerungen höher, als er seither aus der Scheuer gegolten. Rian bezahlte letzthin für altes Heu 2 Mk. bis 2 Mk. 20 Pfg.; auf der Wiese kostete er nicht selten bis zu 2 Mk. 50 Pfg. — Großer Mangel herrscht zur Zeit in den Setzpflanzen, insonderheit Dickivurzpflanzen. Die jungen Sämereien sind meist der kalten Frühlingswitterung zum Opfer gefallen; andere schieben ihre Vernichtung der Unzahl von Regenwürmern auf das Kerbholz, die aber doch keine Pflänzchen — nach Behauptung der Raturgelehcken — fressen können. Einerlei, sie fehlen den meisten Landwirten unserer Ockschaften und müssen oft aus weiten Gegenden herbeigeschafft werden. -t- 5) a r m ft a b t, 17. Juni. Der gemeinnützig Bauverein „Daheim" hier hat im Geschäftsjahre 1902 eine größere Tätigkeit wie in den vorangegangenen Jahren entfaltet. Es konnten 7 Häuser (3 Doppelhäuser und 1 Einzelhaus) erbaut werden. Die Häuser gingen alsbald, zumeist schon vor ihrer Fertigstellung m den Besitz von Mitgliedern über. Es sind bisher im ganzen 22 Häuser erbaut worden im Werte von 157600 Mk.; dieselben sind an minderbemittelte Familien verkauft. Die Häuser machen in ihrer äußeren Ansicht einen sehr angenehmen Eindruck, die Fayadcn sind mit billigen Mitteln abwechslungsreich gestaltet, sodaß der Komplex ein villenartiges Gepräge trägt. Das Innere entspricht den Bedürfnissen der Bewohner, auch ist jedem Hause ein Gärtchen beigegeben. Die Finanzlage des Vereins ist eine sehr gute; im Jahre 1902 wurde eine Dividende von 3y2 pCt. verteilt und es steht zu hoffen, daß in Zukunft die statutgemäße Höchstdividende von 4 pCt. gezahlt werden kann. Die Reserven betragen 13 917,41 Mk. Im Jahre 1902 wurden wieder 29 Anteilscheine begeben, ein Zeichen dafür, daß die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereins m immer wetteren Kreisen Interesse finben. Universitüts Nachrichten. — Das Heibelderger Universitätsjubiläum. Im Einverständnis mit der städtischen Verwaltung, der groß- Yerzoglichen Regierrmg und dem Karlsruher Hof ist, wie die „Franks. Ztg." meldet, für öic Jubelfeier der Universität folgendes deftnitioe Programm festgesetzt worde-.i: Vorabend: Mittwoch, den 5. August: Empfang der Deputierten beim Prorektor. Allgemeiner Empfang von Festgästen in der Stadthalle. Fackelzug zur Begrüßung des Großherzogs. Erster Tag: Donnerstag, den 6. August, vormittags 9 Uhr: Unioersitätsgottesdienst in der Peterskirche (und Gottesdienste für die Angehörigen anderer Konsesflonen). Danach Imbiß im Saalbau (Mujeum). Vormittags 11 Uhr: Festaktus in der Aula. Nachmittags 4 Uhr: Festmahl in der Stadlhalle. Abends: Einladung der Stadt in den festlich beleuchteten Schloßhof. Zweiter ^.ag: Freitag, den 7. August, vormittags 11 Uhr: Festrede in der Stadlhalle. Mittags: private Vereinigungen. Abends 8 */, Uhr: Festkommers in der Stadlhalle. Dritter Tag: Samstag, den 8. August: vormittags 11 Uhr: Ehrenpromotionen in der Stadlhalle. Nachmittag und Abend Vorbehalten für die von dem Großherzog in Aussicht gestellte Festlichkeit in Schwetzingen. Sonntag, den 9. August, abends: Schloßbeleuchtung mit nachfolgender Reumon in der Stadthalle, gegeben von der Stadt. Gerichtschal. K. v. Darmstadt, 17. Juni. Schwurgericht. Wegen Unterschlagung und V erbreche ns im Amt hatte sich heute der Kreisamtsge Hilfe Emanuel Hohen adel, geb. 26. März 1877 zu Mainz, kaih., zu verantwoneii. Der Angeklagte war auf dem Kreisamt zu Heppenheim beschäftigt und, da dort gerade ein Bedarf war, vom Schreibgehilfen mit 650 Mk. nach bestandenem Examen mit emem Gehalt von 1400 Mk. als Registrator augestellt worden. Er hat aber das in ihn gefetzte Vertrauen in schnödester Weise Mißbraucht. Kaum Halle er den Posten angetreten, so unterschlug er den Betrag von 20 Mk., den für einen armen verunglückten Stemhauer zur Beschaffung eines hölzernen Beines gespendet hatte, und weiter unterschlug er dann in 17 nachgewiesenen Fällen Beträge von 5, 6, 10, 30, 40, 60 Alk. u. f. w. öiiminen, die meist von wohltätigen Gebern für arme notleidende Familien bestimmt waren. Um diese Unterschlagungen zu verdecken, hat er dann die betreffenden Aktenstücke, Urkunden re. vernichtet oder bet Sette geschafft und sich überhaupt des Verbrecheiis un Amt nach 340, 344, 350 re. schuldig gemachk. Tie AnttaAe sühne Staatsanivall v. Psister, die Verteidigung Justizrat S ch m e e 1 I. Tie Verhandlung dauerte bis 6 Uhr abends. Tie Gefchivorenen sprachen den Angeklagten der Uitterfchlagung und der vorsätzlichen Beisetteschaffung oder Ver- ohc Un$ DOn llrllmdEu schukstg, verneinten jedoch die Frage der Abfichr einer Beschaffung von Vermögensooi teilen. Ter Staats- anwalt beantragte 3 Jahre Gesängms, das Urteil lautete auf 1 Monate, welch letztere durch die Unlersuchiingshaft oer- ouBt smd. Kandel uni» Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. - , Limburg a. d. L., 17. Juni. Fruchtmarkt. Turch- K^tspceife pr. Malter. Roter <1 : ,en 14.10 Mk., Weißer Weizen 00.00 Ack., Korn 1L14 Mk., Gerne 9.00 Mk., Vater 6.86 Mk. Erbsen 0.00 Alk^ Kartoffeln o.00 Alk. , .H iedberg, 17.Ium. Ter heutige Markt verlies ruhu, der fchlechtem Geschäftsgang, da der Schwememarkl wegen be' <^hu>e«epep verboten ist. y mb. 8e 5«nt 1903 ießt ß??,en und B dein Allg. c wurde die *w- ■ iu haben, (onntc '^rden, bisher itiMaV’dapple- ^ersuchungshaft tQ9 den 21. ( W S*'*' Ä"“* °°" Weben ^Ri 1U Wrtcn sollte. Aller. ,ec beste, aber sonst ""er Heu stell: sich er seither aus der x alles Heu 2 Ml. 'c e- nicht selten bis erriH zur Ze.l m an»CIL. Die jungen lwgswitterung jum nidjiung der Unzahl ne aber doch keine ^gelehrten-sresien Landwirten unserer 1 Gegenden herbei« gemeinnützig Bau« iftsjahrc 1902 eine 'genen Jahren ent« iuser und 1 Einzel« n alsbald, zumeist itz von Mitgliedern nijcr erbaut worden sind an minderbe« machen in ihm äu« adruck, die Fanden :eich gestaltet, sodaß ägt. Das Innere ent« auch ist jedem Hause ge des Vereins isl i eine Dividende von i, daß in Zukunft die Ct. gezahlt werden 41 M. Im Jahre egeöen, ein ßeidjen en des Vereins in U) c © •ew © © e? CO o O c z c S# o - 00 •£> C . 55 C4 «■ -- c, « r- o =O CI d c c CO 3 z >c o o CO 5 HO G M «O W o e> k O JA jG 5 C « A cd o M3 C c, JA e# >-» O O CD E c — ~ JT- Ft c 5- s <-* c & 0* ® 3 jO G : w ja - y Zs o z — N- ? . JO oj E> — . ‘G'—’S O CD SG '-Q .CD = C'P.SS A C vO tS Z *2 5 EÄ C y c o Z = c C . »c u <5> ^ © E c y ~ £ §* CD ES &*= — c c* - c xO c ZL E 'S* •“ G "C — o S CD“~ . = «. rr- L =^^0 32 .S’-S -i- - x S-Ex5S.S!f^ *z 2 iS o 14 VA C O *5 VA ~ d Z Z -— C o Z 2AÖ■ * =.i© JA ®. X U O © L-Z i 5 o u Z.S« jn’d' «-5? - CC X ,S E - z ~CS S^7 14 <» • '— vo CD A . _ = C E .. *g'1= o Q) C S Z^vS-’S lZD 3 *x?*3 £ z E. . = CD „ -Z-Z LZ c ,erskirche lund Gone- honen). Danach L'udiS Hhv1 (jcftaftuS m der Mo-.. etenLchwßhoi- 3roel^ führ? Abinds 8 /, U». i«8; Sn”™®«« ZL-'>d°- 1"mÄnu'i°.k? NS IN> . . p II a d e l, anuel Hah yn, reibgeh'lle» A flJ|L ah sExtr >,°d eilbCt 9“1* ' jne von o, t-w,,e^6 j&j* S- * ? Durch' ..-L'K-FK ArW61 )0 'Jlf" ,licj ruti1^ .ft pei"1'' öf' K^- * 2 tS « 55 ■c « 55 55 « OQ - CD z e - »b O <9 CO CDxd ' <Ä O © S eö .1! 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Oktober d. I. an entweder der Stadtkaffe Vilbel, , Deutschen Genossenschaftsbank in Frankfurt a. M. oder dem Bankhause I. Grünewald in Gießen. Die Rechnung liegt 8 Tage lang zur Einsicht beim Rechner Wilh. Schwalb II. offen. Daubrigen, den 17. Juni 1903. Arbcitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Amtsstunden auf unserer Schreibstube zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, sind bis zum obengenannten Zeitpunkt bei uns cinzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Vilbel, den 12. Juni 1903. Großh. Hess. Bürgermeisterei Vilbel. Mühlschwein. VwlimMmü Im Stricken u.Anstricken von Strümpfen empfehle ich mich angelegen Uchst SLrickgarneshßkSisi/.a'tllj habe ich stets vorrätig II. Wohlthätigkeits- Geld-Loilerie i. Mrniiir[-leiuL Irleiierheiiis M » 41000 Haopigeff. 115000 1 t(V. 3L 154IOO Ernestine Hopfner Sruabergerstraße 17. Wer wagt, gewinnt! 41. tiotijacr M-Lottme. Ziehung vom 23.-26. 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