Nr. 115 »rfchetut tSgltch außer Sonntag«, Lern Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem KesKschen tandwlri die Lietzener Zamilien- blätter oiennal tn der Woche beigelegt. Rolatlon-druck u. Verlag bet vrü h l'schen Untoe tL'®ud>- u.6tctn- b rudern (Prehch Erben) Kebattwa. fcpeöUtxm und Druckemr GchNlßraße 7. Adresse Mr Deveschenr Anzeiger Wiefern. ^ernlpredjanld)lu69lr.6L Montag 18. Mai 1903 153. Jahrgang Zweites Blatt. vezngdpre»»: monatlich 7bPl„vlettel- iährlich Mk. 2JO; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich to Ps.; durch diePost "Iik.r.—menel- jührl. auSschl. Bestellst. Annahme von Anzeigen tot die lagetnummer bis vormuiagi 10 Uhr. geilen prell: lokal 12'91, auflrodrtl tu Big. Berantwortltch tüt den poltL und allstem. Teil: P. Wittko. für »Stadt und Vanb* und -GerrchtssaalE: August Götz; tot den Anzeigenteil: Pani Beck. Gießener Anzeiger Tjr General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 5>k heutige Mummer umfaßt 10 Seit«. r-- ____। । ■ 1 " ■ - L—!!.!!■ 3>it AeichslagsKandidatureu in Kesse«. Der diesmalige Wahlkampf wird, tote fast überall 6n Reich, so auch bei unS in Hessen, kein wahrhafter Kampf iverden, der von großen, einheitlichen Gesichts- punkten geleitet wird, sondern ein kleinlicher Interessenkamps. Die etwaigen Hoffnungen, daß sich das Volk nach den Erfahrungen bei den letztjährigen stnrmbewegten Reichstagsverhandlungen endlich einmal aufraffen und unter Beiseitelassung aller niedrigen Parteigelüste einen Reichstag nach Berlin schicken würde, der von frischem, nationalem Geist beseelt, eine würdige, der ncuerwachten deutschen Nation angemessene Vertretung darstellt und die gesamten Interessen des großen Erwerbs- und Wirtschaftslebens gleichmäßig zu berücksichtigen verspricht, müssen It.-er schon jetzt als gescheitert betrachtet werden. Von diesen großen nationalen Gesichtspunkten ist leider auch bei uns in Hessen wenig zu verspüren. In Worms, Darmstadt (siehe die Meldung von dort an andere» Stcklle), Main^ u. a. 0. leisten sich die Liberalen ^aS gefährliche Spiel einer Doppelkandidatur, und da, nL> es wirklich glücklich gelingen Mächte, alle liberalen Wähler unter einen Hut zu bringen, wie bei uns in liegen, da findet sich mcyt der richtige Mann, oder es wird ihm von der Körperschaft, deren Inter- essen er b *nt, die Genehmigung zur Annahme eines Mandats versagt. Auch hier tragt also die leidige In- teresselipolitik wieder den Sieg über die großen nationalen Gesichtspunkte davon! Wir erhalten heute folgende Anschrift vom Lande aus der Gegend von Nidda: Wer ist denn das liberale Wahlkomitee in Gießen? Herr Dr. G u t 1 l e i s ch wäre für die liberalen Parteien der Kandidat, der A u S s l ch t auf (£ r f o l g hat. Er hat, fowett ich die Sache auf bem Xlanöc überschaue, das unbegrenzte Vertrauen der ^andleule. Ist er gar nicht.zu bewegen! Das schreibt uns ein Mann, von dem wir an» nehmen du: ,eu, daß er feine Leute und die Verhältnisse in feiner Gegend genau übersteht und zudem nicht ohne Einfluß auf eine stattliche Zahl von Wählern ist. Das Gießener liberale Wahllomitee fetzt sich zufammen ans oen Vorständen des nattoiialiiberalen und des freisinnigen Wahlvereins und giebt sich die größte Mühe, geeignete ^Persönlichkeiten zur Annahme des Mandats zu bewegen. Aber alle Verhandlungen sind leider vergeblich gewesen. Man hat das Planbar mehreren Männern von Einfluß und Bedeutung angetragen, aber immer ohne ben erwünschten Erfolg. Die augenblickllck-eu Verhandlungen aber werden hoffentlich zu einem erfreulichen Re- ^^Noch^uiwerständlicher aber alS das Vorgehen der Offen- zachcr Handelskammer erscheint uns das Verhalten der hessischen Zentrumspartei. Sie hat beschlossen, in allen Wahlkreisen mit ihren Sonderkandidaturen hervor- lutreien, auch da, wv nicht die geringste Aussicht auf eine neniienswerie Zahl von Stimmen für den Zentrnmstanbr- Daten vorhanden ist. Mit diesem unverständlichen Beginnen wird den bürgerlichen Kandidaten eine mehr ober minder große Zahl von Stimmen entzogen. Selbst in Tarinftadt und Offenbach konnte sich das sozialistensreuudliche Zentrum nicht entschließen, seine Kaiididatengelüste zu bezähmen. In Darmstadt hat man sogar den Geniestreich begangen, den früheren Reichstagsabg. Tr. Schmitt, der eme Wiederwahl in Mainz absolut ablehnte, als Zählkandidaten zu nennen Da wissen denn also die Wähler wenigstens von vornherein, daß ihr LHeg zur Wahlurne zwecklos ist und ihre Stimmen auf PSrteiparole einfach verpuffen sollen Vielleicht entschließet sich die Witzbolde da lieber, dem populären Herrn Müller oder Schulze ihre Stimme -u geben, wenn sie nicht, was wir hoffen wollen, verständiger handeln als die Parteileitung und nach Pflicht und Gewissen auf denjenigen Kandidaten ihre Stimmen vereinigen, von dem sie sich eine angemessene, würdige Vertretung 6er allgemeinen vaterländischen Jrrteresfen versprechen bür i en. Politische Tagesschau. Studentische Ehrengerichte. Die Vereinigung der Alten Herren der im Kosen er S. C bereinigten studentischen Korps will, wie man der ,,^gL Rundschau" mitteilt, bei dem bevorstehenden Kösener Kon> grefj eine für die gesamten dem S. C. angehörenden Korps gültige Ehrengerichtsordnung für Zwei!amp f e mit schweren Waffen beantragen, die folgende Punkte ^Kein Ehrengericht darf vor Ablauf von 24 stunden nach Ueberbringung der Forderung zusammenrreten. Bei Forderungen auf Pistolen muß, wenn ine (jrage nach Genehmigung der Forderung gestellt ist, auf ^rlangen tutch nur eines Ehrenrichters die Beschlutzfasfung um 24 stunden verschoben werden und muß dieser, eine nochmalige Verhandlung vorausgehen (im Anschluß an § 83 der Kv^ner Statuten). Nach F-cstftellung des Tatbestandes soll jedes Ehrengericht sich zunächst eingehend mit der -^rage beschäftigen, ob im vorliegenden Falle das Verhalten leider,Parteien korrekt gewesen ist. Stellt es sich heraus, day die Veranlassung zu dem Ehrenhandel, der der Forderung zu Grurrde liegt, auf grundlose ober leichtfertige Provokation des einen Teils zurückzustchren ist, ,o kann da» Ehrengericht Revokation und Tevrekatron verlangen und die Angelegenheit endgültig damit für er l e b i gt erklären. Hat einer der beiden Kontrahenten sich durch fein Verhalten einer Handlungsweise schuldig gemacht, welche mit den Begriffen der Ehre unvereinbar ist, so soll daS Ehrengericht es untersagen, daß die Angelegenheit überhauptmitderWaffe ausgemacht wird. Ob dieser Fall gegeben ist, darüber entscheiden die Ehrenrichter mit Stimmenmehrheit. Bereut der Beleidiger feine Handlungsweise und ist er zur Revokation bereit, so ist der Beleidigte verpflichtet, dieselbe anzunehmen, wenn nach dem Urteile des Ehrengerichts dadurch seiner Ehre kein Eintrag geschieht (im Anschluß an 8 84 der Kösener Statuten). Das Ehrengericht soll in jeder Weise versuchen, durch ernstliche Verteilungen eine Versöhnung der Parteien anzustreben und insbesondere alle Umstände, welche den Ehrenhandel und seine Veranlassung in milderem Lichte erscheinen lassen (Trunkenheit, sonstige Erregung usw.) in diesem Sinne verwerten. ________________________________________________ Deutsches Reich. Berlin, 17. Mai. Man meldet aus Knrzel: Heute vormittag trafen der Kaiser und die Kaiserin von Schloß Uroille unter Glockengeläute ein und nahmen an dem Gottesdienste in der Kaiserkirche teil. Nachher begab sich das llaiserpaar nach dem Wilhelm- und Viktoriastist für alte Leute und von dort nach der neuen evangelischen Pension im alten Hugenottenschloß. Nach der Besichtigung fuhr das Kaiserpaar nach Uroille zurück. Zu dem Frühstück im Schlöße waren u. a. geladen der neue kommandierende General des 16. Armeekorps, v. Stößer, BezirkSprasident Graf Zeppelin - Aschhausen und Kreisdirektor Graf VillerS- Grigencourt. — Der Chef des MilitärkabinetS, v. Hülsen-Häfeler, erlitt während des Exerzierens eine Herzaffcktion und wurde in das Lazarett gebracht. Der Kaiser besuchte mit dem General v. Stößer den bisherigen kommandierenden General deS 16. Armeekorps, Grafen Hüfeler, und verweilte eine halbe Stunde. Nach dem Besuche bei dem Grasen Häseler fuhr der Kaiser gestern nach dem Amphitheater. In der Mitte der Arena war ein Tisch aufgestellt, auf dem die Pläne des Amphitheaters aufgelegt waren. Zunächst erklärte Major Schramm die Ausgrabungsarbeiten deS Amphitheaters bei der später in und auf ihm erbauten Kapelle, der FestungS- mauer u. s. w. — Ueber die Ansprache deS Kaisers in Bitsch als Antwort auf die Begrüßung durch den Vizepräsidenten deS LandeSauSschusieS, Jaunez, berichtet die »Köln, ßtg.*: Der Kaiser sagte, er wisse, daß das Bitscher Land nicht reich sei. Wer arm fei, lerne sich mit wenigem einrichten. Er wisie, daß die Bewohner ihm treue Untertanen feien, und Treue, Zucht und Ordnung — hier machte er eine Pause, dann winkte er der versammelten Geistlichkeit mit dem Marsch a 11 st a b zu — und christliche Gesinnung feien aber auch nötig. — Ter Kaiser teilte nach der .Köln. VollSztg.* gelegentlich der Metzer Feier dem Erzbischof Fischer feine bem- nächstige Ernennung zum Kardinal mit. Er legte Wert darauf, daß Fischer diese Nachricht zuerst aus dem Munde des Kaisers erfahre. — Gelegentlich feiner jüngsten Anwesenheit in Straßburg empfing der Kaiser, wie nachträglich gemeldet wird, im dortigen Kaiserpalais den Generaladjutanten des Königs von Spanien, Marquis de Bascaran, in Audienz, der dem Kaiser das Bild des jungen KömgS vorlegte, welcher dasselbe anläßlich seiner Ernennung zum Chef deS preußischen Jnsant.-RegtS. Nr. 66 diesem Regiment verliehen hat. TaS Bild wird voraussichtlich morgen auf dem Truppenübungsplatz Alten-Gradow dem Kommandeur deS Regiments feierlich überreicht werden. Zu Ehren deS spanischen Gesandten fand später vor demselben auf Befehl des Kaisers ein Vorexerzieren einer Eskadron Husaren sowie einer Batterie Feldartillerie statt, woran sich unter Leitung deS Kommandeurs der 30. Division eine Gefechtsübung anschloß. — Der preußische Finanzminister Frhr. v. Rhein- baben ist auf seiner Amerikareise in New-Port eingetroffen. Nach einer Depesche des ,93erl. 2agebß/ hat Mstr. Perkins von der Firma I. P. Morgan u. Co. gestern zu Ehren des Ministers ein Frühstück gegeben. — Aus Caracas wird vom 15. Mai gemeldet: Der heute fällige Wechsel zur Bezahlung der deutschen Re» flamation wurde ein gelöst. Von den deutschen erst- ((affigen Forderungen von 1 718 815,67 Bolivares sind nunmehr 1086 289,39 Bolivares bar bezahlt. Die Mitglieder der zur Festsetzung der deutschen zweilklasiigen Forderungen eingesetzten gemischten Kommisiion sind jetzt sämtlich ernannt. Für Deutschland ist der hier vor einigen Wochen eingetroffene Legationsrat Goetsch, für Venezuela der Rechtsanwalt Zu- loaga und als Obmann der Generaladvokat Luffield aus Detroit ernannt worden. Meiningen, 17. Mai. Der Erbprinz von Sachsen- Meiningen hat am Vormittag im Palais Wohnung gc- nommen. Neben den drei in der Presse letzhin erwähnten Erlasien des Erbprinzen existiert übrigens, einem schlesischen Blatte zufolge, noch ein weiterer, durch welchen die dis dahin zugelasienen polnischenPredigten in den Garnisonen des 6. Armeekorvs untersagt worden seien, soweit die Garnisonen Ersatz aus polnischen Gegenden haben. Stuttgart, 17. Mai. Die Frische und Rüstigkeit, die Generalfeldmarschall Graf Waldersee bei seinem gegenwärtigen Aufenthalt in Württemberg an ben Taq legt, fällt allgemein auf. Tag für Tag mustert er anberc Teile unseres Armeekorps unb bewährt babei eine erstaunliche Ausdauer. Er scheint sich von den Sttapazen der Chinaexpeditton und der nachfolgenden Erkrankung ausgezeichnet erholt zu haben. Bei der Besichtigung deS hiesigen Dragoner-Regiments setzte er sich an die Spitze der Schwadronen und nahm in scharfem Ritt allen voran auf der Rennbahn sämtliche Hindermsie. Dieses Reiterstück des alten Herrn imponierte gewaltig. Der König erweist dem Generalfeldmarschall huldvollste Aufmerk- amkeit. Wahl-Bcwcgnng. n. Aus dem Wahlbezirk Alsfeld-Lauterbach- Schotten liegen uns heute zwei Zuschriften vor. Die eine, aus der Lauterbacher Gegend, lautet: Heute, am Sonntag, hat in Lauterbach zu Gunsten der Kandidatur von jviciSrat Dr. Wallau eine VertrauenSmänner-Versamm- lung stattgefunden. Da der seitherige ReichStagS- abgeorbnete, Maler Bindewald, bereits im Herbst und Winter seinen Bezirk bereift unb in fast allen Orten Versammlungen abgehalten — unb auch baS sei nicht verschwiegen, nicht ohne Erfolg —, so wäre eine sehr rege Agitation beS Wallau-Komitees durchaus am Platze. Allerdings darf sie nicht nur in Wahlaufrufen und Versammlungen nur in den größeren Orten bestehen. Bei der Lauheck unserer Bevölkerung heißt eS arbeiten auch im, kleinsten Orte. Nicht die Wähler müssen zu den Kandidaten, sondern der Kandidat oder wenigstens besten Vertrauensmänner müssen zu den Wählern kommen. Einflußreiche Männer in jedem Orte gewinnen, das bedeutet sicheren Erfolg! — Ferner schreibt man uns aus Ulrichstein: Nachdem, sich KreiSrat Dr. Wallau bereit erklärt hat, ein Reichstagsmandat für unseren Wahlkreis anzunehmen, sind die vereinigten liberalen Parteien eifrig mit ihren Wahlaufrufen beschäftigt. Auch hier Haden sich die Führer der nationalliberalen unb freisinnigen Parteien beschlossen, biefe Kandidatur nach besten Kräften zu unterstützen. Wenn alle Faktoren treu zusammen» halten, wird es auch leicht gelingen, Herrn Bindewald, der für unsere Landwirte auch nicht daS geringste übrig zu haben scheint und es auch in den vielen Jahren, wo er die Ehre hatte, unseren Wahlkreis im Reichstag zu vertreten, nicht einmal der Mühe wert gefunden hat, vor seinen Wählern über sein Tun und Treiben im Reichstag Rechenschaft abzulegen, auS dem Sattel zu heben und damit einer hochgeachteten Persönlichkeit, die seit Jahren mit den Wünschen der Bevölkerung innigft vertraut ist, Gelegenheck zu geben, die Vertretung unseres Wahlkreises im deutschen Reichsparlamente zu übernehmen. a. Marburg, 16. Mai. Gestern abend hielt der sozialdemokratische Reichstagskandidat Bader- München eine öffentliche Versammlung ab. Ihm trat in ’/tftonbiger Rede der nationalsoziale Kandidat von Gerlach entgegen, während von den Konservativen niemand erschienen war. Die Diskussion, die bis 1 Uhr nachts währte, spielte sich haupffächlich zwischen dem Genossen Dr. MichelS uqb Herrn von Gerlach ab. Von Interests war die Aeußerung Baders, er werde, da er auf den Dörfern wohl kein Versammlungslokal bekommen werde, in den von Gerlachschen Versammlungen daselbst als Diskussionsredner auftreten, um für seine Partei Propaganda zu machen. Braunschweig, 17. Mai. Eine in Wolfenbüttel stattgehabte Versammlung von Landwirten erklärte mit Ausnahme eines Herrn ihren Au st ritt aus dem Bunde der Landwirte und sprach sich gleichzeitig fü r die Kandidatur dcS Nationalliberalen Kaufmann aus. Ausland. Stockholm, 16. Mai. Beide Kammern nahmen ohne Debatte die Vorlage an, durch welche die Regierung ermächtigt wird, von dem Rechte abzusehen, Wismar mit Umgebung durch die Erlegung der Psandsumme wieder einzulöscn. Tie Kammervräsidenlen sprachen der Stabt Wismar die besten Grüße und Wünsche für ihren „Eintritt in das deutsche Vaterland" aus. London, 17. Mai. Ter „Exchange Telegraph Company" wird aus Portsmouth gemeldet: Tie Jacht König Eduards erhielt Befehl, sich zum 18. Juni seefertig zu halten. Es heiße, der Herrscher werde T e u t s ch 1 a n d und Rußland besuchen. Paris, 17. Mai. Ter Landwirtschaftsminister empfing gestern eine Gruppe Pariser Abgeordneter, welche angesichts der Brotteuerung eine Herabsetzung der Getreidezölle von ihm erwirken wollten. Ter Minister erklärte, die jetzigen Getreidepreise rechtfertigten eine solche Maßregel nicht. — Präsioent Loubet empfing gestern den Großfürsten MichaelMicharlowitsch; demselben wurden militärische Ehren erwiesen. Loubet stattete später dem Großfürsten einen Gegenbesuch ab. — Heute nachmittag kam es in der Kirche des Bezirks Belleville zu einer Schlägerei, bei der etwa z e h n P e r - fönen verletzt wurden. In dem Augenblick, wo der Geistliche die Predigt begann, erscholl aus einer Gruppe von Freidenkern, die unmittelbar unter dem Altar Platz genommen hatten, der Ruf: „Genug!" Sofort fielen mehrere klerikal gesinnte junge Leute mit Stockhieben und Faust- schlägen über die Freidenker her. Tas Handgemeirge mürbe schnell allgemein; es wurde mit Stühlen geworfen. Tie^ Polizei griff ein und trennte die Kämpfenden und führte etwa 50 Personen, die an den Ausschreitungen teilgenommen hatten, hinaus. Fünf Personen wurden verhaftet. Madrid, 17. Mai. Einem Telegramm aus Melilla zufolge griffen die Truppen des Sultans Taz za an und nahmen es im Sturm. Vorher hatten sie die Umgebung des Ortes geplündert und in Brand gesteckt. Zahd reiche Personen büßten ihr Leben ein. Sofia, 17. Mai. Fürst Ferdinand nahm die Demiffion des Kabinetts Danew an und betraute den General Petrow mit der Neubildung. Petersburg, 16. Mai. Wahrend der gestrigen Pa- rade sprang ein Mann aus dem Volke hervor, als der Kaiser auf dem Platz vor dem Winter- palars die Front der Kavallerie-Regimenter ab- ntt* er siel vor dem Kaiser auf die Knie, um eine Bitt- schrrft zu überreichen. Als der Kaiser auf dem Marsfeld die Front der anderen Truppenteile abritt, trat ein anderer Mann an den Wagen der beiden Kaiserinnen heran und überreichte gleichfalls eine Bittschrift, die die Kaiserin Alexandra entgegennahm. Zur Zur Feststellung chrer Persönlichkeiten wurden wurderi beide Münner von der Polizei ab geführt. Uesküb, 17. Mai. Die türkischen Truppen, die ohne Widerstand zu finden Ipek erreicht haben, versprengten die Albanesen von Junik und schossen rhre Blockhäuser zusammen. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist noch unbekannt. Auch der Widerstand Djakowas ist gebrachen. Die Bewohner erwarten die Gnade des Sultans. Aus Stadt und Land. Gießen, 16. Mai 1903. L. U. Der ordentliche Professor Geh. Hofrat Dr. Otto Behaghel wurde zum Mitglied des Gesarnt- vorstandeö des Römisch-germanischen Zentralmuseums ernannt. L. U. Der Feinmechaniker Ernst Gotthold Hempel wurde zum Mechaniker und Maschinisten bei der psychiatrischen Klinik ernannt. — Personalnachrichten. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 13. Mai den Palaisinspektor Daniel Germann mit Wirkung vom 1. Juni 1903 an zum Jagdzeuginspektor zu ernennen. — In den Ruhestand wurde versetzt der Zugführer in der Hessisch- Preußischen Eisenbahngemeinschaft Johannes Schwalb zu Groß-Umstadt mit Wirkung vom 1. Juli L Js. ab. Der Großh. Geh. Oberfinanzrat Weigel ist infolge seiner Versetzung in den Ruhestand von den Funktionen des Vorsitzenden der Landeskommission für Steuersachen mit Wirkung vom 1. d. M. an entbunden und der Großh. Oberfinanzrat Glässing zum Vorsitzenden dieser Kommission ernannt worden. Zu Vertretern des Vorsitzenden wurden bestellt der Großh. Oberfinanzrat Dr. Kn eil und der mit Aushilfeleistung bei der Abteilung für Steuerwesen beauftragte Großb. Steuerkommlssär Frenz. — Das Großherzogl. Regierungsblatt, Beilage Nr. 14, ausgegeben am 15. Mai, enthält: 1. Bekanntmachung, die Landeskommission für Steuerfachen betreffend. 2. Bekanntmachung, den Gehalt des Rabbinen zu Alzey betreffend. 3. Uebersicht der für das Jahr 1903/04 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Friedberg. 4. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1903/04 genehmigten Umlagen der Kommunalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Alsfeld. 5. Berichtigung. — Oktroi 1902/03. Die Einnahmen aus den Verbrauchsabgaben für das abgelaufene Jahr sind um rund 1500 Mark gegen die des Vorjahres zurück geblieben. Gewiß tragen die hohen Fleischpreise, welche wir im vergangenen Jahre hatten, dazu bei, den Verbrauch und damit den Erlös aus dem Oktroi zu vermindern, aber auch die schlechte Lage von Handel, Industrie und Gewerbe haben in unserer Stadt im vergangenen Jahre ihr gut Teil Schuld gehabt, daß wir mit einem Fehlbetrag von 8000 Mark am Oktroi rechnen müssen. * * A. W. v. Hofmann, bekanntlich ein Schüler Liebigs m Gießen, erzählte gern folgenden von ihn» verübten Stu d enten st reich: Als Liebig mit seinen Entdeckungen auf dem Gebiete der Chemie des Ackerbaues hervortrat, wurde alles, waS aus dem Laboratorium in Gießen kam, als Offenbarung angestaunt und ausgenommen. Hofmann schrieb also an die „DidaLkalia" in Frankfurt, in Gießen hätte man jetzt gefunden, daß man den Ertrag eines Ackers durch Besprengung mit konzentrierter Schwefelsäure unmittelbar nach der Aussaat um das Zehnfache steigern könne. In Wirklichkeit wäre natürlich die Saat durch die Säure verbrannt und verkohlt. Die ,Didaskalia" brachte, auf den Namen Liebig bauend^ anstandslos die Notiz. Wie groß war aber die Freude in Gießen, als in der nächstfolgenden Nummer der »Dtdaskalia* eine Zuschrift eines süddeutschen Professors zu lesen war, die Besprengung mit Schwefelsäure zur Steigerung des Ertrages der Aecker sei durchaus nichts neues, er hätte dieselbe Beobachtung schon vor zehn Jahren gemacht. * • Selbstm ord. Man bedauert in unserer Stadt den Selbstmord eines in der Bürgerschaft mit Recht geachteten Herrn, den ein hartnäckiges Herzleiden, zu dem m letzter Zeit eine schwere Gemütserkrankung trat, in den Tod getrieben hat. Man fand die Leiche des Erschaffenen am Samstag vormittag auf dem Trieb. - Die diesjährige Radrenn - Saison scheint .echt lebhaft zu werden. Die Direktion liegt in sachkundigen Händen. Schon am 7. Juni findet ein größeres Rennen auf der Rennbahn an der Hardt statt, an baß sich ein Volksfest anschließen wird. Zu der am Donnerstag gemeldeten Verpachtung der Rennbahn an der Hardt ist zu bemerken, daß der Name des Pächters Gennies (nicht Dennges, wie ein Druckfehler ihn entstellte) heißt. Lich, 17. Mai. Zu der Gesellenprüfung hatten sich ini Ganzen 20 junge Handwerker gemeldet, dem Gewerbe nach 4 Maurer, 1 Zimmermann, 2 Spengler, 2 Küfer und Schreiner, 8 Sattler, 2 Schmiede und 1 Schneider. Diese haben ihr Gesellenstück in ArbettSprobe in Gegemvart des betr. SchaumeisterS verfertigt. Heute fand die theoretische Prüfung in Gegenwart des Prüfungsausschustes der Meister statt. Sodann hielt der Vorsitzende des GcwerbcvereinS, Glasermeister Scherff, eine Ansprache, und überreichte die Geseüeudiplome, welche alle die Note gut erhielten mit Ausnahme von zweien, welche sehr gut hatten. Hierauf ergrif Lehrer Alt das Wort und beleuchtete in einer längeren Rede den Wert und die Vorteile der Gesellen- und Meisterprüfung und schloß mit dem Wunsche, daß der Befähigungsnachweis im Handwerk wieder eingeführt werde. Der Saal im .Holländischen Hof' war bis auf den letzten Platz gefüllt. t. Steinbach, 16. Mai. Ein junges Mädchen, welches hier im Dienst stand, erkrankte plötzlich und starb heute, nach Feststellung des Arztes, an Typhus. Das Mädchen soll unreines Master getrunfen haben. Darm stadt, 15. Mai. Tie Hessische Landes- Hypothekeu-Bank hat die Darlehensbedingungen, gültig für ihre Zusagen von heute an, bis auf wetteres wie folgt angesetzt: Bei Hypothekar-Darlehen an Private beträgt die einmalige Vergütung für die mit der Geldbeschaffung mit der Bank verbundenen Auslagen iya pCt. Diese Vergütung wird bei Auszahlung des Darlehens einbehalten. Doch kann sie auch in der Form eines Zusatz- darlehens zur Verrechnung kommen, sofern die Belcch- ungsgrenze der Bank damit nicht überschrttten wird. Diese einmalige Vergütung kann auch dadurch geleistet werden, daß sofort ber der Auszahlung nur 1 pCt. vom Kapital in Abzug kommt und das restliche i/z PCt. im Laufe des ersten Jahres an Stelle des Kcrpitab-Tilgungsbeitrags entrichtet wird. Bei i/2 Pro^. Tilgungsdarlehen würde die Tilgung sonach erst mit dem zweiten Jahr beginnen. sd. Darmstadt, 17. Mai. Wie uns soeben aus bester Quelle mitgeteilt wird, beabsichtigen die zahlreichen Freunde unseres leider allzufrüh dahingeschiedenen Landsmannes, des unvergeßlichen Dichters Gottfried Schwab, demselben ein Denkmal zu errichten. In hochherziger Weise hat S. K. Ho- hett der Großherzog an belebter Stelle der Künstler-Kolonie, an der Nordecke des Alexanderweges nächst der ruffischen Kapelle, ein idyllisches Plätzchen zur Verfügung gestellt. Tie Ausführung ist Prof. Ludw. Habich übertragen worden. — Der im 70. Lebensjahre stehende Pflegling des Siegenhauses Niederamstäderstr. 175, Peter Seibert aus Bran- dau L O., hier, hat sich in der vergangenen Nacht aus einem Fenster gestürzt und ist kurze Zett darauf verschieden. Darmstadt, 17. Mai. Se. K. H. der Großherzog empfingen am 16. Mai u. a. den Oberleutnant Soldan vom Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116, den Professor Dr. Strack, den Privatdozenten Dr. Helm, den Museumskonseroator Kramer, den Landgerichtsrat Schäfer und den Ingenieur Schiele, sämtlich von Gießen. Nieder-Jngelheim, 16. Mai. Ein Augenzeuge, der sich um die Zett von seinem Wohnhaus auf der Steig zur Arbett begeben wollte, macht dem „Rheinh. Beob.' über den Automobil-Unfall, den wir vorgestern schon gemeldet haben, noch folgende Angaben: Das Automobil kam auf der Chaussee angerast bis an eine quer über die Landstraße ziehende Mulde. An dieser Vertiefung, welche die Fahrer nicht sehen konnten, prallte das Gefährt heftig an, hob sich in die Höhe, überschlug sich und wurde etwa 50 Meter weit fort in den Chauffeegraben geschleudert. Der Benzinbehäller explodierte nicht, dagegen wurde ber Wagen demoliert. Bei dem Anprall brach die vordere Achse. Die beiden Insassen wurden rechts und links mit furchtbarer Gewalt aus dem Automobil geschleudert, der Besitzer tarn auf den Rücken, der Führer auf das Gesicht zu liegen. Die Bedauernswerten, besonders der Monteur, trugen schreckliche Verletzungen davon. Ingenieur Albert blieb wie leblos liegen, während der Führer unzusammenhängende Adressen angab, nach seinem Herrn jammerte und bald darauf ebenfalls bewußtlos wurde. Nachdem der Augenzeuge die stark blutenden Verunglückten mtt seiner Frau etwas abgewaschen hatte, holte er den Arzt Dr. Lambert, der die Ueberführung der Schwerverletzten nach dem Krankenhause anordnete. Die Verwundeten wurden darauf mit Tragbahren dorthin gebracht. Es bestand am Nachmtttag wenig Hoffnung, den Besitzer des Automobils am Leben zu erhalten. Der Chauffeur Heinrich Saaler, der als Monteur bei Albert auf der Amöneburg beschäftigt ist, liegt lebensgefährlich verletzt darnieder. Wie ferner der „Rh. Kur." erfährt, ist der Ingenieur Paul Albert gestern abend in Ingelheim seinen schweren Verletzungen erlegen. Nach einer weiteren Meldung wollten die beiden Automobilfahrer nach Paris und waren die Nacht vor dem Unglücksfall von Mainz ab» gef hren. Frankfurt a. M., 16. Mai. Der Hauptausschuß für den Gesangs-Wettstreit teilt mit: Für den Begrüßungs- abend, wie für das Preissingen sind die Eintrittskarten vollständig ausverkauft und auch für die Wettgesänge ist nur noch eine beschränkte Anzahl Karten vorhanden. Frankfurt a. M., 17. Mai. In der letzten Woche ereignete sich in Neu-Isenburg ein Fall, welcher bei Hausbesitzern wohl selten vorkommt, wohl aber öfters bei Mietern. Es ist nänilich, wie der „Fr. G. A." mitteiÜ, ein Hausbesitzer zu nachtschlafender Zeit „gerückt". In der Bahnhofstraße kaufte ein Mann em Haus im Preise von 24000 Mark. Leider hatte der Hausherr aber mit dem Vermieten der Wohnungen Pech, so daß seine Wohnungen längere Zeit leer standen. Es kam die Zett, wo die Kapitalzinsen fällig waren, aber es war kein Geld da. Um Mitternacht fuhr nun ein Möbelwagen vor, der Hausbesitzer packte feine Mobilien in den Wagen und suchte das Weite. Wohin er reiste, ist nicht bekannt. a. Marburg, 16. Mai. Die 4. Jahresversammlung des Zweigoereins Hessen-Nassau des deutschen Vereins für das höhere Mädchen schulwesen wurde heute in Gegenwart von Vertretern der staatlichen, städtischen und UniversitätSbehörden sowie zahlreicher Gäste (auch Gießen war vertreten) in der festlich geschmückten Aula der hiesigen höheren Mädchenschule eröffnet. Begrüßungsreden hielten Direktor Dr. ^eehaußen, Se. Exz. der Oberpräsident Gras Zedlitz-Trützschler, Landrat von Siegelern, Geheimrat Prof. i.r. Lehmann, Stadtschulrat Dr. Lümmen-Frankfurt, Direktor ■tr. Aly und Direktor Dr. Knabe. Den Jahresbericht er- Itaticic der Vorsitzende, Oberlehrer Bethge-Frankfurt. Der Verein zählt 158 Mitglieder in 11 Orten, lieber die Kassen- oerhältnisse berichtete Oberlehrer Appel-Hanau. Einer Einnahme von 374.02 Mk. steht eine Ausgabe von 167.86 Mk. gegenüber, sodaß cm Kaffenbestand von 206.16 Mk. ver- bleibt. Ten Hauptvorlrag hielt Direktor Horn von der Humboldschule m jranlfurt über „Die deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts auf der höheren Mädchenschule". An die sehr interefianten Ausführungen schloß sich eine lebhafte Tis- kussion. Ferner sprach Frl. Clotilde von Lengerke von hier über „Steins Bestrebungen auf dem Gebiete des Erziehungswesens". Es wurde beschloffen, die nächste Jahresversammlung in Frankfurt abzuhalten und von einer Neuwahl deS Vorstandes bis dahin abzusehen. Um 3*/, Uhr fand im Museum ein Festesten statt, an das sich theatralische und sonstige Aufführungen anschlosten. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Infolge ber Wahl des seitherigen be* soldeten Beigeordneten der Stadt Worms zum Bürgermeister der Stadt Bad-Nauheim ist desten Stelle neu zu besetzen. Die Wahl erfolgt auf die Tauer von 12 Jahren. Der Anfangsgehalt beträgt 4500 Mk. und steigt innerhalb der Wahlperiode bis 7200 Mk. Geeignetenfalls kann auch ein höherer als der genannte Anfangsgehalt von 4500 Mk. gemährt werden. Die Bewerber müsten die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst oder zum Richteramt nachweisen. — In Mainz hat sich ein Hilfskomitee für die unglücklichen Juden in Kischinew gebildet. — An Blutvergiftung durch Milzbrand erkrankten in Neuenhain in Oberhesten drei Landwirte, die sich beim Abziehen einer verendeten Kuh angesteckt hatten und mußten in die Klinik nach Marburg gebracht werden. Da an Milzbrand erkranktes Vieh verbrannt werden muß, wird die Angelegenheit noch em gerichtliches Nachspiel haben. — In Frankfurt starb Dr. Ernst Lucius, der 26 Jahre dem Stadtverordnetenkollegium angehört hat. Erst bei den letzten Wahlen trat er freiwillig zurück. Er war nationalliberal. Die Oeffentlichkeit hat in den meisten Fällen nichts von seiner fast unbegrenzten Wohltätigkeit erfahren. Ein Bruder von Dr. Lucius ist der frühere preußische Landwirtschaftsminister. — In Bad-Nauheim ist dieser Tage der Prachtbau des „Grand Hotel Metropole", ein Unternehmen großen Stiles, in desten Räumen sich alle Vorzüge modernen Komforts mit einer vornehmen Gediegenheit paaren, eröffnet worden. Vermischtes. * Berlin, 15. Mai. Tie Gewinner des gestern ge» zogenen großen Loses der preu ßischeu Klassenlotterie sind mehrere in der Nähe von Neuß am Rhein Landansässige, unbemittelte Handwerker und Landleute. * Schönborn, 17. Mai. Bei der Einfahrt des Per- sonen-Sonderzuges 1504, beseht mit Mitgliedern des Breslauer Eiscnbahnvereins, in die Haltestelle Schönborn entgleisten infolge vorzeitiger Umstellung der Einfahrtsweiche früh 5% Uhr die letzten fünf Wagen. Zwei Personen wurden schwer und neun leicht verletzt. * Betrügerischer Bankerott. Wie der „Frkf. Ztg." aus Mannheim berichtet wird, sind ber Fahrrad- Händler Hans Edelmann und dessen Bruder, Kaufmann Peter Edelmann, wegen betrügerischen Bankerotrs verhaftet worden. * Künstlicher Ersatz für Menscbenhaar. Zu den verschiedenen Anwendungen der künstlichen Seide ist noch eine neue gekommen. vLachdem man sie als Ersatz für Roßhaare mit Erfolg verwendet hat, speziell für Tamen- hüte, ist neuerdings ein Kunstprodukt aus Mtrocellulose und Cellulose als Ersatz des Men scheu Haares patentiert worden. Nun ist trotz der Beimengung von Cellulose das künstliche Seidenhaar noch zu glänzend. Um diesem Uebel- l'tanbc abzuhelfeu, unterwirft R. Freericks in Elberfeld das zu eutglänzende Haar einer Behandlung mit uichttrocknen- dem Oel (z. B Olivenöl) und einem feinen, indifferenten, geschmeidigen Pulver (z. B. Taleum). Bei hellerem Haar wird im allgemeinen etwas weniger, bei dunkleren Farben etwas mehr Pulver angeroenbet. Mit der Mischung der beiden Produkte wird das Haar gut durchgearbeitei und tüchtig gehechelt. Durch diese Behandlung imrb alles überschüssige Pulver entfernt, sodaß selbst bei schwarzem Haar nichts von dem Pulver sichtbar bleibt. SnnimiirtfdjafL [] Marburg, 17. Mai. In ber gestern abgehaltenen Generalversammlung der Herdbuch-Gesellschaft für bas Vogelsberger Rind wurde eine Kommission gewählt, welche das auf der Verbandsausstellung in Gießen aus dem Kreise Marburg auszustellende Vogelsberger Vieh vorher einer eingehenden Besichtigung unterziehen soll. Die Transportkosten für die Tiere bezahlt der Kreis. Würzburg, 16. 'Mai. Zum bayerischen Kanal-Vei> vereiustag sind 250 Teilnehmer von auswärts anwesend. Beim heutigen Empfaugsabeub wies Prinz Lubwig auf bie Bedeutung der Wasserstraßen für die Landwirtschaft hin. Wie bie Landwirte früher gegen bie Erbauung von Bahnen agitierten unb jetzt große Opfer für Lokalbahnen bringen, werbe auch bie Agitation gegen den Bau von Wasserstraßen einmal aufhören. Gcrichtssiial. C) Gießen, 16. Mai. Strafkammer. Ein sehr straf- würdiges Vergehen führte gestern den Bäckermeister A. M. von Reichelsheim bei Friedberg wegen Urkundenfälschung auf die Anklagebank. Die Tat des Angeklagten, so führte der die Anklage vertretende Staatsanwalt Reuß aus, fei geeignet, die Rechtssicherheit im Staate m erheblichem Maße zu gefährden. Heimtücke, Bosheit und Rache haben den Ai. geleitet, der jeme Tat begangen, um einen Gegner wegen Dleineides ins Zuchthaus zu bringen und ju diesem Zwecke Urfunbenial|d)ung begangen habe. Ter Tat- bestand der Anklage war folgender: M. hat im Jahre 1901 eine Anzeige erstattet, daß zwei junge Leute ihn hmternicks überiallen und zusammengeschlagen hätten. Tte in dieser Richtung geführte Unteffuchung hatte daS Ergebnis, daß sich heraussteUte, daß zwar der eine der jungen Leute, K., mit 'M. cm ganz unbedeutendes Rencontre gehabt hat, bei dem des letzteren Kleider Rot gelitten haben, daß aber der andere junge Staun bei dieser Sache nicht un gernigiicn beteiligt war. Es wurde weiter feftgeftellt, daß der Angeklagte die Anzeige bei der Gendarmerie nur zu dem Zwecke gestellt hat, um mit der Behauptung, er sei zujammengeschlagen worden, den wohlhabenden K. zu veranlassen, mit ihm einen Vergleich zu schließen, damit dieser ihm 40 'Mk. für die beschädigten Kleiber zahlen sollte. Dieser Vergleich wurde denn auch geschloßen. Tas Verfahren, ivelches gegen die beiden jungen Leute wegen Körperverletzung cmgeleitet war, wurde im Ermittlungsverfahren eingestellt und gegen den Tenuuzianten ein Verfahren wegen wissentlich solcher Anzeige eingeleitet, das mit dessen Verurteilung zu zwei 'Monaten Geiängnis endete. In diesem Verfahren gegen M. beschwor K., er habe den 'M. nicht zujammengeschlagen. 'M. verfolgte gegen das ihn verurtellende Erkcimtnis mit Erfolg die Revision, doch in der erneuten Verhandlung vor der Strafkammer ließ diese es bet der früher zugemefsenen (Sciangnisftrafe bewende». Ter Angeklagte haue diese zur Hällte verbüßt, da fiel es ihm ein, den H. wegen Meineids zur Anzeige zu bringen. Tie Staatsbehörde untersuchte den Fall. M. war inzwischen aus dem Gefängnis Land Lii*” Ä’U Sfb» hatte, ob' Arides S etra'l ML mache, gleich klärte, er aEn "mit 13° Angelt Ans'cht w einer getr richt htr« Urkunden Oktober Schuhmo Wlei und Lerl Jahren Monatm Landespc aber dao Mc Leitung'', tztrafk Tie einen ro „Wilhelm mn die l dem Bah> 16. Tezem mit der r wurde ein joüen schn stellen. D mit die be rückweisen bw Mona eventuell c chruch wir Uln Etüden Retzimrnl dem Rti Körper gebrauch dienslag von mch kam schl weil er f sich schlu deutende! winkel, fh unb ftub, tintn Stia Seyer unb MteÜung Albers noch Lrrsolgn r nicht auä l traf Geyer Gericht sp daß es fid und perur Daffengeb schlossen, l (tilget Die die Temis aus unser die heute welche bi, gemäß R gängig eti anleihe, d Die hunder Cftap - Ein L einer Un kreis. 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Um bWm W\* lLL in Werseld das ag mit nichttrocknen- seinen, indisserenlen, Bei hellerem haar bei dunkleren Farben it der Mischung der durch^earbeite: und ung mrd alles über- bei schwarzem Haar ■ gestern abgehaltenen leiellidiaitiit“ jion gewählt * i-ß-n aus dm toH« ßieh vorher einer em* Die Transportkosten ML ner des gestern ge» tischen »lassen. >on Neuß am Rhein ndwerker und : Einfahrt des Pn. itgliedern des Bres. le Schönborn ent. der Einsahrtsweiche va. Zwei Personen , Ein se r stral^ mme- von ^ermeiM u An- eiiiälschu>'g Anklage sühre eeignet. ?,, $elinlll£fe, [ geiahte b anden, der i«"etrten «"> «-d>h°us'U 2itM. .aufle» hat un übev'allen •SyirS teren W ' bei dieser ö bet >"' .- sestge'^n Zwecke lene ‘ r-nuiien^i; suer« K?KS lüii'ä ts fauS d--" Olt o.h di. 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Bochum ...... Harpener..... 'I’endens: ruhig. Ceft Kredit. Deutsche Bank . Darmstädter Bank Bochumer Guß . 4'lb% Oestorr, bilberrenb 4% Ungar. Goldrente . 4°/j Italien. Rente . . 4*11% Portugiesen . . 80/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . lückenlose..... Sammle, Velvets, 3 direkt so Private, y Man vertane e Muster. LLLi Krefeld. gewannen Arendt und Eiiegaarvr. — ^n Prinzenpark-Bahn siegte im Stundenreimen Lontcnet von . 27.01 . 98.05 . 96.02 . 103.07 . 210.05 . 189.02 . 139.05 . 149.02 . 146.08 . 15.04 . 190.07 . 219.00 . 179.00 . 183.75 . 102.85 . 92.— . 102.01 . 92.01 . 101.01 . 100.00 . 103.04 100.08 . 102.25 . 108.08 . 61.00 . 32.00 . 32 85 . 181.04 Harpener Bergbau • » 18330 ,Schluß-Tendenz: ruhig. LperuhauS. Dienstag den 19. Mai, abends 7 Uhr: .Rigoletto.' Schauspielhaus. Dienstag den 19. Mai, abends 7 Uhr: .Die LiebesschaukeL' Stuttgart. Sind wir so eingelebt und emgefuhrt in btt gute alte Zeit". Mancher von uns sindet wohl auch hier | wieder, was ihm selbst in früher Kindheit Großvater und Großmutter erzählten. Mein Großvater erzählte gern von seiner öfteren Fahrt im eigenen Gespann von den ostpreußi- chen Städten Lyck über Warschau nach Karlsbad. So stergt n tlarer Plastil das äußere und innere Gebäude des armseligen, schwer beweglichen, durch Zollschranken verengten, zünsti ch und ständisch geschiedenen Wirtschaftslebens von Anno dazumal vor uns empor. Da aber fährt ein -sturm durch die Stille. Es regen und bewegen sich die tretenden Kräfte eines neuen Daseins. Durch deutsches Land und deutsches Volk, durcb deutsches Recht und deutsche Arbeit führt' uns ein nachschaftender Geist zu ungeahnten Höhen: immer klarer wird es, wie die Arbeit im neunzehnten Jahrhundert der technische Fortschritt bestimmt. Zhm ist der Weg zu danken von der Oelfunzel, an der Jahrtausende sich entzündeten, bis zum Glüh- und Bogen- licht, das unsere Augen verdirbt; vom sechssitzigen Postwagen bis zum Lukuszug, vom Gemischtwarenkramer bis zu den großen Warenhäusern der Weltstädte, vom Land- briefträger bis zur Telephonistin. Das große Rätsel dieses übermächtigen Umschwunges aber konnte erst gelöst werden, als der technische Fortschritt, der seinen Ursprung den angewandten Naturwissenschaften verdankt, in den Dienst einer anderen großen modernen Idee trat, der Idee des Kapitalismus, der mit den Wundern moderner Teä/nil durch seinen Großbetrieb die jahrhundertalte handwerksmäßige Produktion verdrängte. Um diesen modernen Herkules bei der Arbeit zu zeigen, führt uns Sombart im L-aupttei' seines Werken durch Banken und Börsen, durch Genossenschaften und Aktiengesellschaften, durch Eisenbahn- knotenpuntte und Dampfschiffsrhcdereien, durch Warenhäuser und Textilfabriken; wir sehen überall ein gewaltiges Werden und Wachsen; doch unter der Last dieser cntlopWn Ungeheuer ächzt leise ein sterbender Ton: nicht blon der singeiidc Nachtwächter, den sombart das Symbol der alten Zeit nennt, auch der kleine Handwerksmann, bene Rad Cotnet . _ London, 18. Mai. Rach Ankunft des TampfcrS Um- bria in Liverpool wurde an Bord des Schiffes eine ein* gehende polizeiliche Untersuchung vorgenommen. Man ver- mutete, daß der Franzose Rosse au, der das Dynamit- attewtat vorbereitet hatte, sich unter den Passagieren des Schiffes befinde Tie Untersuchung blieb e r f o I g l o S. London, 18. Mai. Das Reuter schc Bur^u meldet aus Santiago de Chili: Don gut unterrichteter seite wird erklärt, daß zwischen Chile und Bolivia in der seit -angcm bestehenden G r e n z f r a g e ein freundschaftliches Abkommen abgeschlossen ist. <• - _ Paris, 18. Mai. Auf einer Probefahrt für die bevorstehende Automobil-Fern fahrt PariS-Rladrid verunglückte der schwere Wagen von Richard BrassierS. Der Mechaniker wurde hierbei getötet. Wien, 18. Mai. Bei der zweiten Luftballon- Verfolgung durch Automobile wurde der Beweis erbracht, daß die wirklichcVerfolgung eines Ballons inKriegS- zciten praktisch nicht durchführbar ist. Der Ballon Lonbctc, trotzdem er von mehreren Fahrern verfolgt wurde, nach vierstündiger Fahrt, ohne eine spur von den Verfolgern wahrgenommen zu haben, in der Nähe von Prag. Wien, 18. Mai Ter bekannte Theater-Kapellmeister Leo Held hat sich erschossen. Ter 20jährige Komponist ist einem schweren nervösen Leiden zum Opfer gefallen. Newyork, 18. Mai. Tie hiesigen Arbeitgeber deS Bauhandwerks und der Großindustrie haben beschlossen, eine Organisation der Arbeitgeber ins Leben zu rufen um dem Terrorismus der Arbeiter ein Ende zu machen. Sie hielten eine Versammlung ab, an welcher 800 Arbeitgeber teilnahmen und ein Kapital von 2i/2 Milliarde vertreten. Es wurde beschlossen, eine Organi- sation ins Wert zu setzen, um für die Ausführung der «r- beiten eine größere Gewähr zu haben. 8’/,X 4% Oesterr. Goldrente Haarausfall und Haarleiden ISä bei Krankheiten des Kopfes und der Haare (Haarausfall) ,Dber- ineyer's Herba-Seife* mit zufriedenstellendem Erfolg angewandt. Z. h. in all. Apotheken, Drogerien u. Par;-1262 I idyllischen Leutchen liegen mit zertretenem Brustkasten unter I irgend einem Rade neuester Erfindung, und an den leeren Taschen der Verendenden geht der moderne Hochstapler und Deftaudant mit stolzem Mitleid vorüber. O alte Setz- haftigkeit, wohin bist du geschwunden! Wo sind die chönen Grundsätze „Bleibe im Lande und nähre dich redlich" und vom schuster beim Leisten, vom getreuen Nachbarn! Sombart sindet für die neue Gesellschaft aanz neue Grundzüge, Wirtschaft und Kültur bedingen sich heutzutage gegenseitig in einer von unseren Großvätern nie gekannten Weise durch „Masse und Wechsel", sagt Sombart. Für wieviel von dem, was uns umflicht, offner dieses glückliche Schlagwort unser Auge. Mit einem Blick auf die sozialen Klassen schließt Sombart seine frische, bisweilen tief ans Herz greifende Erzählung. Marcel Prevost, „Die Jungfrau (^ttres ä Franooise. 1. Band. Tie moderne Frau. Muna-en, A. Langen. 316 S.). In diesem Buch, das die Briefe eines „Sittenprediger-Enkels" an seine junye Nichte enthalt, bildet das Mißverhältnis zwischen Erziehung und Leben den Ausgangspunkt, die Tarstellung ist ruhig und versöhnlich Bei aller Anerkennung der berechtigten Ziele der Frauenbewegung ist der Verfasser doch em Feind jehed revolutionären Vorwärts treibens. „Tas Geheimnis der Er- ziehunq", sagt er einmal, „ist, man soll das Ueberlieferte verbessern" Tas ist auch Die Quintessenz semes Buches, das ebenso sehr f. selt durch die reiche Lebenserfahrung wie durch die schöne Sprache und warme Darstellung, in ber bie Theoreme lebendig und plastisch werden. Man wird nicht mit allen Aufstellungen des Verfassers sympathisieren; aber manches, was Prevost für das ftanzö- ische Mädchen der bemittelten Stände fordert, wird auch ur'deutsche Eltern von Wert sein. Der Verfasser bespricht der Pflege des Interesses für Stand, Famllie, Volt und Vaterland, Bekämpfung der eiteln Putzsucht und Koketterie, Zugendlektüre, die Notwendigkeit gründlich zu lernen und aus eine angemessene Weiterbildung b?dachi zu sein, sorgfältige Prüfung des eigenen Herzei. vor der Ehe usw. Telephonischer Kursbericht. Franktart m. Jä., 18. Mai 1908. wieder in fernem HeimaiSdocke angelangt, da machten sich Iba^aanle^felbft an^den^Drackl^komme'iwe 'DlalraaL und feiner Meineidsanzeige D r^ b17Ät^ # ” Lndelsb.lanz zeigen bie diefen verneh.nungen nicht geladen, er edeb.m aber trotzdem »n p«mailand zu Kaufen, doch Bürgermeis.ere.gebäude, dräng.- sich an den Beam.m heran und, Prwat-TiLkont 3/. übergab als belastendes Beweisstück dem Staatsanwalt dm ca. 2 Zahn früher abaefchloffenen schriftlichen Vergleich -wischen chm und K., der von letzlerem untesichrieben war und den satz enthielt weil ich ihn zusammengefchlagen habe. Dieser -ay, das war sür den Beamten der StaatSanwaUschatt offen- kundig, war nachträglich von dem Angeklagten, der auch das Schriftstück s. Zt. verfaßt hatte, der Urkunde hmzugefugt. Tn An- ^^1=r,n9a,bneryn°dnnÄo^‘' .rüuberg, « Don chm gemacht worden, nachdem K. unnterfchrieben preis pro 100 Kilo.) Weuen ^^50 biS »Ä» ÄÄI dchsnÄü°d^s e'ch^ftsü'cks Slanbm ^abcTalV er' tu Ukut- ^^^'fc7Frau^irt ». Mau "lTelegr cng^Berich^ d (Offene Stellen Zu verkaufen $tellen-(6ernd)e 25 23 23 20 18 14 Mai, nachmittags 31/« Uhr, von aus statt. 13 Mk., 1500 Stück nur 18 Mk. Neptun-Cigarette aromat. türkisch. Tabak, 68 mm Sestejbj KindcrjBTr |Tahrung^’ 14 Hühner n. Hahn Buff’ 02440] H. Sack, Gr. Mühlgasse 5. Miner Laden nutWahnW per 1. August zu vermieten. [4036 LouisScharmann, Lindenplatz 3. Die Beerdigung findet Dienstag den 19. der Friedhofskavelle Kräftiger Arbeiter, der auch mit Pierden umgehen kann, gesucht. [02447s I. Happel. 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