Montag 18. Mail «03 153. Jahrgang Erstes Blatt tUntfle für Tepes chnn «njetflfr (Birten. $milprcd)anld)luf} 'Jlr 51. Nr. 115 »rschetnt täglich außer Sonnlag«. Dem Dreßen er Anzeiger werden Im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Sießener Zamilien- blätter otcrmal in der Woche beigclegt Rota non» druck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers^vuch-u. Sleru- drucke rel iPielsch (fcrben) «edaknou. LrvebMon und Drucke rerr /PQ ZX 'ygfT Ä monaiUch75P^ viertel- GlehenerAMgers General-Anzeiger w v w den poltL und allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen MD O " zelgenteil: Han« Beck. VoMische Wochenschau. Gießen, 18. Mai. Eine besonder- prunkhaste Form ist der Enthüllung des EhristuSportals an der Metzer Kathedrale gegeben worden. Die der katholischen Kirche eigene Pomp- enlscütung im Verein mit dem höfischen und militärischen Glanz schuf der an sich mehr vom künstlerischen denn vom kirchlichen Standpunkte aus bemerkenswerten Feier einen Rahmen, wie er bisher bei der Einweihung großer protestantischer Bauwerke noch niemals zu verzeichnen gewesen ift, und dem entsprechen ja auch die Prätensionen, die daran geknüpft werden. Das führende Organ des Zentrums legte sogar dieser Veranstaltung die Bedeutung einer Anerkennung der Reichslande als deutschen Besitzstandes durch den Papst bei, well dieser in der Person des jeardinal-Fürstbischoss Dr. Kopp einen besonderen Vertreter dazu entsandt hatte. Also die Zeiten des „Helligen römischen Reiches deutscher Ration" werden wieder erweckt, um so den Boden zu bereiten, auf dem die vom Zentrum vertretenen Ansprüche der Krrche an den Staat mit immer stärkerem Nachdruck erhoben werden können. ES ist auch in der verflossenen Woche viel Tinte verspritzt worden über die angeblich vom Kaiser gewünschte Ermächtigung, das Protektorat über die im AuSlaiide lebenden deutschen Christen katholischer Konfession ausüben zu dürfen. Wer will eS dem deutschen Reiche wehren, diesen seinen Angehörigen auch ohne Zustimmung RomS Schutz angedeihen zu lassen und sich ihrer Interessen anzunehmen? llns will sogar dünken, als erfülle das Reich damll eine ganz selbstverständliche Pflicht, der es sich gar nicht entschlagcn kann, wenn es nicht an 'einem Ansehen im AuSlande Einbuße erleiden will. Die Pläne, die Gras Bülow hinsicktlich des Jesuitengesetzes hegt, haben indes wohl doch mehr Aufregung tycroorgerufen, als an sich vielleicht gerechtfertigt ist. Ob der Rcichskanzler übrigens noch ein großes Interesse an dem Ausfall der Wah len hat, weiß man nicht. Wahl- agitationsbroschüren werden zwar durch die bekannte Militär- und kgl. Hofbuchhandlung Mittler und Sohn in Berlin in Massen auf den Markt geworfen. Heute erst wurde uns eine solche auf den Tisch gelegt, die auf die Frage „Warum muß auch derJndustriearbeiterfür Agrarzölle stimmend eine Antwort erteilt, die sich aus der Fragestellung von selbst ergiebt. Aber es ist ohne weiteres anzunehmen, daß die genannte kgl. Hofbuchhandlung mit diesem „Gespräche zwischen dem Fabrikarbeiter August und dem Kleinbauersohne Wllhelm" sich auf einet Fährte befindet, die von d?m von den Grafen Bulow uiU> Pofadowsky betretenen Pfade weit abweicht. Dem Reichskanzler wurde aber deswegen bereits in einzelnen konservativen Blättern sein letztes Stündlein angesagt, falls das Resultat des 16. Juni nicht eine Mehrheit nach dem Sinne der des verstossenen Reichstages zu verzeichnen ist, und daran glauben wir vorläufig noch nicht. Der Zug nach links ist doch unverkennbar, wenn wir Herumblicken auf die Wahlkreise nah und fern. "Die Aussichten der unentwegt ganz rechts stehenden jiantiibattm sind bisher wenigstens, nicht groß. Dazu kommt, daß Vorgänge, wie z. B. die Verabschiedung des Erbprinzen von Meiningen, ohne Fraae geeignet sind, die Sache der alleräußersten Linken zu fördern, weil man es im Volke nicht verstehen wird, und auch nicht verstehen kann, daß Anordnungen, die eigentlich überflüssig sein müßten und, erweisen sie sich nun einmal als nötig, zum mindesten Anerkennung erheischen, zum Anlaß derart auffälliger Maßnahmen gemacht und obendrein zurückgezogen werden. Solange Soldatenmißhand- lungen zu verzeichnen sind, solange ist es nur am Platze, wenn von Kommandostellen aus immer von neuem wieder Maßregeln getroffen werden, sie zu unterdrücken. Der Mißbrauch der Tienstgewalt dem wehrlosen Untergebenen aeaeuüber ist in jedem Falle verwerflich. Auch in dem aemeinen Soldaten ist der Sohn des Bolles zu achten und ?u schützen, des Volkes, das in erster Linie unserer Armee Macht und Kraft zu geben vermag. Und von diesem Standpunkte aus war die Zurücknahme des Erlasses des Erbprinzen eine Mangel, die im Interesse des Heeres zu bedauern bleibt Wie übrigens das neueste Mellllnger Tageblatt wissen will, sei die Ernennung des Erbprinzen zum General-Inspekteur der 2. Armee-Inspektion bereits vollzogen. Dadurch wäre freilich manches wohl wieder gutgemacht Die Wirren auf dem Balkan zeigen im wesentlichen das bekannte Bild. Tas Neueste ist, daß die türkischen Generale Nassir und Schernsi Pascha nut einer stattlichen Truppenmacht den revoltierenden und ihre „Siege" täglich ausposauneiiden Albanesen sehr empfindlich auf den IJeib geruckt find. Sie find in den nordalbanesischen Hauptagitationsort Ipek, unwell der ferbischen und montenegrinischen Grenze, emgezoaen und haben dort mit Waffengewalt den Widerstand der albanejischen Notabcln gebrochen. Tie opposllionellen Elemente aber haben sich in die benachbarten Waldungen zurückgezogen. In Macedonien aber schreitet die Ansammlung von türkischen Truppenmassen wellet fort und die Meldungen von türkifch-ferbischen Grenz- ftreitigleiten, bei denen es nie ohne Tote abgeht, nehmen kein Ende. Auch Greueltaten scheinen tagtäglich noch vor- zukommen. In der macedonischen Stadt Mona st i r sollen neuerdings durch den llebereiset des türkischen Truppcn- Kommandeuts 20 Christen getötet und 40 verwundet und in dem Dorfe Zaparin bei Monastir von Baschibozuls 13 Christen getötet worden fein. Dabei will man weder in Konstantinopel noch in Sofia ein Verschulden an den revolutionären Vorgängen gelten lassen, und man giebt vor, so sehr an die Wiedereinkehr geordneter Verhättnissc zu glauben, daß sogar Fürst Ferdinand, der sich auch diesmal während der Wirren „fern von Madrid" aufhielt, gewagt hat, nach feiner Residenz zurückzukehren, um dort sofort, anscheinend nur aus Liebe zur Abwechslung, eine M inist er kti s e herauszubefchwören und sich dann allerdings schleunigst mit einem dichten Milllät- kordou in seinem Res id entschlösse zu verschanzen. In Paris, Mo. man der aufständischen Bewegung in Macedonien mit merkbarer Sympathie und verdächtiger Hilfsberellfchaft gegenübersteht und auch über mancherlei Fäden zur Newa verfügt, hoffte Ferdinaiid Beistand in seiner nicht unverschuldeten Bedrängnis zu finden, aber auch Präsident lloubet, — der übrigens privatim mitgeteilt haben soll, daß er nach Ablauf seines Präsidenten-Mandats unter keinen Umständen eine Wiederwahl zum Präsidenten annehmen würde — verschloß ihm fein Herz, wenn auch wohl nur um des Zaren willen. Man hat in Frankreich freilich auch etwas anderes zu tun, als sich der Bulgaren anzunehmen. Der Kampf gegen den Klenkalismus nimmt im Innern die Strafte der Regierung nach wie vor in vollem Umfange in Anspruch im Aeußern aber sind es die Unruhen in M a r o l k o, die der französischen Regierung nicht geringe Sorgen bereiten. Die Rebellen machen, trotz der Unterstützung des Sultans durch englische Hilfsmittel, immer größere Fortschritte, und je erfolgreicher sie sind, desto größer wird die Gefahr, daß sie vor allem die Interessen Frankreichs in einer Weise verletzen, die es diesem zur Pflicht mack)t, dem entgegenzu- treten. Vorkehrungen dazu find getroffen; französische Truppen stehen marschberell, des verhängnisvollen Augenblicks gewärtig, der das Unwetter zur Enlladung bringt. Ob der Befnck) Kllig Edwards dann wohl noch nachwirken wirb? » Zu de» Keränderungeu in den obersten militärischen Sollen. In der offiziösen Münchener .Allg. Ztg." wird die Verabschiedung deS Erbprinzen von Meiningen wie folgt dargestellt: 21m 30. 21prll erhielt der Erbprinz ein Ha ndschreiben deS Kaisers mit dem Befehle, den bekannten Erlaß über die Soldatenmißhandlungen zurückzunehmen. Daraus reichte der Erbprinz fein Abschi edsgesuch ein. Am 3. Mai wurde telegraphisch von Rom aus der erbetene Urlaub bewilligt. Es hätten, so wird der Münchener ,21üg. ßtg.* weiter versichert, keinerlei andere Beweggründe zur Einreichung deS Abschiedsgesuches Vorgelegen, als das kaiserliche Handschreiben. Von militärischer Selle wird dem Blatt hierzu noch geschrieben: ES scheint ein formeller Fehler deS Erlasses vorzuliegen, und zwar darin, daß bestimmt worden ist, der Erlaß sei nicht nur den Offizieren, sondern auch den Mannschaften vorzulesen; statt daß er nur den Offizieren oorgelefen werden sollte, um die Mannschaften in diesem Sinne zu belehren. lieber den Wechsel im Kriegsministerium veröffentlicht das .Berl. uagebL* eine interessante Zuschrift ,oon unterrichteter Seite", in der es heißt: Bereits im August deS vorigen llahreS war die Stellung Herrn v. Goßlers infolge der aufgedeckten Mißstände beim Rernonte- welen nnd der GesiutSverwaUung in Trakehnen derart prekrär geworden, daß man damals schon den Rücktritt deS KriegsinimsterS für nahe bevorstehend ansah. Ter Kaiser hatte ursprünglich einen kommandierenden General als Nachfolger Herrn o. GoßlerS in Aussicht genommen, kam dann aber später von seiner Absicht zurück, da man in gewissen Kreisen dem Kandidaten seine in verschiedenen wissenschaftlichen Gesellschaften zum Vortrag gebrachten etwas freien Anschauungen sehr verdachte. Die persönlichen Beziehungen deS Monarchen zum Kriegsminister beschränkten sich tat- sächlich bereits seit Monaten auf die unumgänglichen Formen; der Kaiser verkehrte mit Herrn v. Goßler schließlich nur noch durch Vermittelung des Miluärtabinetts. Umsomehr mußte es auffaUen, daß der Kriegsmimster im persönlichen Verlebe noch häufiger als 'rüber durch Schroffheit verletzte. Selbst hochgestellte Militärs mußten mitunter ziemlich lange antichambrieren, ehe sie das Vergnügen hatten, bei Herrii v. Goßler, der Öfters nur mit allen Zeichen der Gelangweiltheit ihren Ausfübrungen folgte, vorgelassen zu werden. Alles dieses kam schließlich dem Kaiser zu Ohren. Am 29. April, kurz vor der Abreise deS Monarchen nach Bückeburg und Rom, wurde Herr v. Goßler auf» Schloß besohlen. Es gab eine sehr ungnädigeSzene, worauf Herr o. Goßler sein Abschiedsgesuch einreichte. Dasselbe wurde in Form der Erteilung eines dreimonatigen Urlaubs sofort b e w i 11 i g t. AIS eine hochgestellte dritte Persönlichkeit nach der Rückkehr des Kaisers aus Italien sich persönlich bemühte, ein Wort der Fürsprache für den in Ungnade gefallenen Kriegsminister einzulegen beziehungsweise ihm eine Abschiedsaudienz zu erwirken, bemerkte der Kaiser wörtlich: .Ach was — ich will ihn garnicht mehr sehen 1* General v. Goßler ist denn auch nicht mehr vom Kaiser empfangen worden, während er zum Beispiel den Monarchen früher stets auf dessen Reisen nach Lothringen begleitete, und hat inzwischen am 15. d. M. seinen letzten Urlaub, der ihn zunächst nach fDlarienbab führt, angetreten. Die verabschiedete Exzellenz steht übrigens in Unterhandlungen bezüglich Kaufs einer Billa in einem Vorort ^Berlins, um sich dort tm Herbst dauernd zur Ruhe zu setzen. Der mit der Stellvertretung des Kriegs Ministers beauftragte Generalleutnant v. Einem genannt v. Rath- maler, in dem man wohl den künftigen Kriegsminister zu sehen hat, ist am 1. Januar 1853 geboren, steht also im 51. Lebensjahre. Er trat 1870 als Fähnrich in daS 2. hannoversche Ulanenregiment em und machte den deutsch- französischen Krieg mit. Sein Avancement ist dann sehr schnell gewesen. 1895 wurde er Generalstabschef des VII. Armeekorps. 1898 trat er als Abteilungschef im Kriegsministerium ein, und seit 1900 war er Direktor des allgemeinen KriegS- departements. Er hat sich im Reichstage allseitige Sympathien erworben. Dem komandierenden General, Grafen Häse le r, ist nun tatsächlich der Abschied bewilligt und der Gouverneur von Metz, Generalleutnant Stützer, zu seinem Nachfolger ernannt worden. Heer und Flotte. Berlin, 16. Mai. Die .Voss. Ztg." hört, der Kaiser beabsichtige nicht, den diesjährigen Flottenmanövern beizuwohnen. Der Chef der Marinestation der Nordsee hat eine Verfügung erlassen, die sich gegen die Schwerfälligkeiten des deutschen Kanzleistils wendet und von neuem auf die Notwendigkeit einer klaren und knappen Ausdrucksweise in allen Dienstschreiben hinweist. U. a. ist darin gesagt, daß jeder Entwurf daraufhin geprüft werden muß, ob sich das Gesagte nicht in kürzeren und weniger Sätzen wiedergeben läßt. Namentlich die häufige Bildung von Relativsätzen wirkt Feuilleton. R.B. Darmstadt, 18. Mai. In unserem Hof- 1h e ater trat am Donnerstag, Freitag und heute abend das beliebte frühere Mitglied der Hofbühne, Fräulein Alma Saccur auf und wurde jedesmal nut stürmischem Beifall und Lorbeerkränzen ausgezeichnet. Frl. Saccur ist z. Z. am Stadttheater in Breslau engagiert. Sie gab am Donnerstag die Rosa Friquet im .Glöckchen des Eremiten*, am Freitag die Maria 2lnna in .Die kleinen Michas* von Maffager und heute abend Alesia in .Die Puppe" von Audran; den Lancelot fang Herr Würtheln, ebenfalls vom Stadttheater zu Breslau. Tas Haus war jedesmal ausverkauft, auch S. K. H. der Gr oßh erzog wohnte allen den Gastspielen bei. Mit der strichlosen Aufführung von WagnerS Tetralogie .Ter Ring der Nibelungen* schließt das Hoftheater am 24. Mai seine diesjährige Spielsaison. Ein Test der Schau- spielkräste gastictt bereits heute in Kaiserslautern mit .Monna Vanna*. Weimar. Unser A-Korrespondcnt schreibt: Tie Ueber- ficbelung des Malers Ludw. v. Hofmann und des oonreff- lichen Kunstgewerblers v. d. Velde nach der Goethe-Schiller- Stadt hat in Künstlerkreisen Aufsehen geniacht. Vielleicht kann Weimar in gewisser Hinsicht auch die Nietzsche-Stadt heißen. Bekanntlich hat hier der bedauernswerte geniale Philosoph in geistiger Umnachtung fein Leben beschlossen und seine Freunde konnten hier das außerordentlich interefiante Nietzsche-Archiv zu seinem Gedächtnis schaffen. Die unermüdlich für den Nachruhm und die Popularttät ihres Bruders wirkende Frau Dr. Elisabeth Förster-Nietzsche hat jetzt van de Velde die stilvolle Herrichtung eines Nietzsche-Zimmers übertragen, in dem die Bibliothek des Phllosophen, die Bilder und Kunstgegenstände, nut denen er sich zu umgeben pflegte, Aufstellung finden sollen. Eme auS gelblichem Marmor von Klinger gefertigte Büste (nicht zu verwechseln mit der bereits bekannten, auf der Düsseldorfer Ausstellung im Klinger- saal vorgeführten Büste) wird den Mittelpunkt bilden. Das ganze Interieur soll nach diesem plastischen Werk abgestimmt werden. Man glaubt, daß die Einweihung dieses philosophischen Sanktuariums m einem der Sommermonate stattfinden kann. — Nicht ganz richtig ist das litteraturgeschichtliche Merksprüchlein in Berliner Mundart, das Prof. Dr. Friedrich van Hoffs der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins mitteill: .Nicht Läoater heeßl er, Laväter, Ter weeß ick vom Uriroßvater. Aberst Növalis, nich Novslw, Weil Löhniisch un Latein nich ejal iS, Un EhLmisso, nich Ehainifso — So betont Kladderadatsch, i n et iS so/ — Aber — der Berliner Humor in Ehren — et iS nich so. Laoaters Name wird allerdings nicht auf der ersten, sondern auf der zweiten Silbe richtig betont. Dagegen wird das Pseudonym Novalis, das sich der Romantiker Friedrich von Hardenberg nach einem Familiengut gab, auf der zwecken, nicht auf der ersten Silbe betont. Was die Aussprache des NamenS Chamisso betrifft, so ist die Betonung der ersten Silbe richtig, nur darf man nicht, wie üblich, .Schamiffo" sagen. Ter Dichter selbst sprach seinen Namen .KLmisso* aus. Es ist dies die berechtigte italienische Aussprache, denn die ChamiffoS waren ein Florentiner Geschlecht, das nach Frankreich auSwanderte. — .Die weiße Flagge", Szenen aus dem Burenkriege, eine einaktige Operndichtung, Musik von Pierre Maurice, einem Deutsch-Schweizer, erlebte in Kassel die Uraufführung im Königl. Hoftheater. Tie sehr dramatische, aufregenbe Handlung errang bei guter Darstellung und Interpretierung durch das Orchester einen starken Erfolg. Ter Dichterkomponist, Kapellmeister Dr. Beyer und die Hauptdarsteller wurden mehrfach gerufen. — Irene Trieicb und I o ' c v h Kainz werden auch zu Beginn der ^nächsten Spielzeit gemeinsam ein Gastspiel am Staduyeater in Frankfurt 2. M. absolvieren. Zur Aufführung gelangt .Romeo und Julie" mit beiden Künstlern in den Titelrollen. oft so störend, daß der Sinn des Satzes erst nach mehrfachem Durchlesen verstanden wird. kommen noch viele Wendungen vor, die, ohne den Sinn zu stören, wegfallen können, z. B. „feitenS", „derselbe", „der genannte", „zurZeit", „diesseits", „dortseits" u. s. w. Auch der Gebrauch der Fremdwörter müsse, so weit nur irgend durchführbar, eingeschränkt werden. Wahlbeweguug. R. B. Darmstadt, 18. Mai. (Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz."). Seit gestern hat nun auch Darmstadt glücklich die fünfte Kandidatur für den Reichstag erhalten. Der Vorstand der hiesigen freisinnigen Partei hat nämlich, wie wir bestimmt erfahren, Professor Dr. Harnack von der Technischen Hochschule hier zum Reichstagskandidaten nominiert. Prof. H. hat auch bereits seine Zustimmung erklärt und wird sich am nächsten Mittwoch einer Vertrauensmänner-Versammlung vorstellen. Prof. Dr. Harnack ist Literaturhistoriker und hat sich hier in weiteren Kreisen durch seine literarischen Vorträge bekannt gemacht, ist auch Vorsitzender des hiesigen Goethebundes. Die übrigen Reichstagskandidaten für den Darmstädter Wahlkreis sind bekanntlich: Rechtsanwalt Dr. Stein (nationalliberal), Generalmajor v. Klüden-Wiesbaden (Bund der Landwirte), Rechtsanwalt Dr. Schmitt (Zentrum) und Cramer (Sozialdemokrat). Mainz, 16. Mai. Der Vorstandsausschuß der demokratischen Partei beschloß gestern abend einstimmig, bei der Reichstagswahl für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Dr. David einzutreten. Kartogramm zur ReichstagSwahl. Zwei Wahlkarten des Deutschen Reiches in alter und neuer Darstellung mit politisch-statistischen Begleitworten und kartographischen Erläuterungen von Dr. H. Haack und H. Wiechel. Gotha: JustuS Perthes. Preis 1 Mk. — Richt die Fläche, die Einwohnerzahl entscheidet! DaS neue Kartogramm zur Reichstagswahl stellt zum erstenmale die Wahlkreise unter möglichster Wahrung ihrer Gestalt und geographischen Lage in der Größe dar, die ihnen nach ihrer Einwohnerzahl zukommt. Während die bisherigen Wahlkarten die nach Millionen zählenden Menschenmassen der Großstädte zu winzigen Punkten zusammendrängten und einen menschenleeren hinterpommer- schen Wahlkreis in zwanzigfacher Größe zur Darstellung brachten, erscheint auf dem Kartogramm der Wahllreis als der größte, der die meisten Wähler in sich vereinigt. Das Kartenbild der alten Darstellung beherrschten die Farben der Parteien, welche die dünn bevölkerten, aber ausgedehnten Kreise vertraten; bei der neuen Darstellung widerfährt jeder Partei Gerechtigkeit. Haacks politisch-statistische Ausführungen zeigen, daß die Veränderung aller Verhältnisse in den 30 Jahren seit dem Erlaß des Wahlgesetzes den Grundgedanken der gleichen Wahl beinahe illusorisch macht, daß die erreichte Sicherheit der Wahl gegenüber der bestehenden Ungleichheit der relativen Wahlberechtigung kaum mehr als eine halbe Maßregel bedeutet. Eine umfangreiche Tabelle giebt die Ergebnisse der letzten Wahlen für alle Parteien und alle Wahlkreise des Reiches, verzeichnet ihre Einwohnerzahl nach der neuesten Zählung und läßt Raum zur Einzeichnung der Ergebnisse der bevorstehenden Wahl. Während der aktuell-politische Teil gerade in diesen Wochen jedem Wähler erwünschte Aufklärung liefern wird, heben Wiechels kartographisch-wissenschaftliche Ausführungen die Arbeit über das Interesse des Tages hinaus. LaynLanattsatiou. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") W. Limburg, 17. Mai. Die Versammlung aller Interessenten der Lahnkanalisation, die aus ollen Teilen des Lahngebietes sowie von Vertretern der preußischen und hessischen Regierung zahlreich besucht war, faßte nach Gründung einesLahnkanal- Vereins unter dem Vorsitz des Generaldirektors Kai ser- Wetzlar folgenden Beschluß: In Erwägnung, daß die große wasserwirtschaftliche Vorlage der Regierung, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Ausnahme des Mosel- und Saarkanalprojektes eine Erweiterung erfährt, in absehbarer Zeit zur Verabschiedung kommen wird, fordert die Selbsterhaltung der im Gebiet der Lahn und Till angesiedelten industriellen Unternehmungen gebieterisch auch die Kanalisation der Lahn. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß die Ablehnung dieser Forderung die Vernichtung dar Jahrhunderte alten Industrie des Lahngebietes und damit die Verödung eines blühenden Landesteiles *ur Folge haben müßte, gibt die Versammlung einmütig der Erwartung Ausdruck, daß die Staatsregierung die Berechtigung dieser Forderung anerkennt und das Projekt der Lahnkanalisierung nachträglich in den Plan der wasserwirtschaftlitzenVorlageaufnimmt. Ueber den Verlauf der Versammlung wird uns ausführlich geschrieben: Als Vertreter der preuß. Behörden waren erschienen: Oberpräsidialrat Dr. Mauve-Kassel, die Regierungsräte Rasch und Tr. Grimm- Wiesbaden, Baurat Röder- Diez als Vertreter der Kgl. Wasserbau-Inspektion, ferner waren anwesend die Landräte der Kreise Weilburg, Montabaur, .Diez und Wetzlar, von Gießen u. a. Pro- vinzialdirektor Dr. Brerdert, Kommerzienrat Heyligen- städt, Ingenieur Schiele und Syndikus Tr. Knipper. Rach einer Begrüßung der Erschienenen durch Generaldirektor Kaiser- Wetzlar erstattete dieser eingehend Bericht über die bisherige Tätigkeit der Kommission zur Förderung der Lahnkanalisation. Ei' schickte voraus, wie id)on jell 30 Jahren Bestrebunaen si chgezeigt hätten, die Lahn zu kanali- her en. Zwar 1841 waren die Uferstaaten Preußen, Nassau und Hessen übereingekommen, die Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen soweit zu. ermöglichen, daß Schisse von 31,4 Meter Länge 5 Meter Breite und 0,94 Meter Tiefgang die Lahn bis Gießen befahren könnten. Es wurden auch infolgedessen 21 schleusen gebaut uni» verschiedene Hemmnisse der Schiffahrt beseitigt. Die erforderliche Fahrtiefe lvurde jedoch nicht erreicht. Auch sonst gelangten die Pläne nur unvollkommen zur Ausführung uni) ex» reichten ihren Zweck nicht. 1873/74 wurde ein Antrag der preußischen Regierung, 6 750000 Mk. zur Verbesserung des Fahrwassers in der Latin zu dewilllgen, von der Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses abgelehnt, well ein Be- dürfnrs dafür nicht naclrgewiesen sei. 18. - wurde von *en Beteiligten ein weiterer Plan — das Cunosche Projekt — ausgearbeitet, welcher einen Verkehr von Schiffen von 200 Torrn en Tragfähigkeit Vorsatz. Es sei, >o meinte der Referent, nicht zu bedauern, daß dieses für den Verkehr ganz unzulängliche Projekt nicht zur Ausführung gekommen fei, denn Grundbedingung einer jeden Kanalisation der Lahn müsse sein, daß darauf Schiffe in der Größe eines mittleren Rheinfchisfes, welche also 5—600 Tonnen enthalten, fahren können, damit die Transporte der Güter ohne Umladung von der Lahn zum Rhein und umgekehrt passieren können. Im Jahre 1891 faßte der Kommunallandtag für Hessen- Nassau und die Handelskammer Limburg Beschlüsse, welche die Lahnkanalisation wieder ins Treiben brachten und eine im Dezember desselben wahres ein berufene Versammlung der Interessenten wählte eine Kommission von 10 Personen, welche mit der Aufgabe betraut wurde, die Angelegenheit zu betreiben. Eine Eingabe dieser Kommission an den preußischen Minister beantwortete dieser dahin, daß man ihm erst ein Projekt vorlegen solle. Aus Mitteln des Kommunallandtags und der Kreise wurde darauf das jetzt vorliegende Projekt der Bauräte Havestadt und Contag- Wilmersdorf-Berlin ausgearbeitet. So stand die Angelegen- hell, als in diesem Jahre die Handelskammer Wetzlar sich der Sache annahm, eine Versammlung einberief, in welcher die jetzt bestehende lögliedrige Kommission gebildet wurde, welche, nachdem für die Lahnkanalisation die technische Unterlage beschafft war, auch eine Unterlage für die wirtschaftliche Beurteilung der Frage zu beschaffen beauftragt wurde, was nunmehr auch ausgeführt ist. Die für die vorbereitenden Schritte zur Durchführung des Lahntanalprojekts zur Verfügung gestellten Mittel betrugen 18 217,95 Mk. von welchen 15 710 Mk. verausgabt wurden, so daß noch 2507,95 Mk. zur Verfügung stehen. Hierauf nahm der Reichs- und Land tags ab geordnete Ca- hensly - Limburg das Wort, um darzutun, wie die Interessenten von der Mosel und der Saar alles daransetzten, um in die kommende große wasserwirtschaftliche Vorlage mit einbezogen zu werden. Der frühere Eisenbahnminister Sielen habe es ganz entschieden abgelehnt, der Lahnkanalisation näher zu treten, und zwar, well, wie er behauptete, die wertvolleren Erze besonders an der oberen Lahn zum großen Seil bereits abgebaut seien. Diese Ansicht sei aber ganz und gar irrig, und man müsse ganz energisch vorgehen, damit Nassau bei der kommenden großen Mittellands-Kanal-Borlage nicht zu kurz komme. Und zwar fei dies nötig, weil, wenn die Mosel und Saar kanalisiert werden, was mit dem Mittellandkanal gleichzeitig zu erwarten steht, ohne daß die Lahn auch mit einbezogen wird, der Ruin unseres Jahrhunderte alten nassauischen Bergbaues zu erwarten steht. Regierungsbaumeifter Holzapfel-Berlin, der Vertreter der Bauräte Hovestadt und Contog, giebt hierauf ein Bild, wie die geplante Lahnkanalisation gedacht ist. Nur iöcnn man die Wasserstraße für Fahrzeuge von 400—600 Tonnen Ladefähigkeit durchfuhrt, wobei an Schiffe von 60 Meter Länge, 8 Meter Breite und 1,80 Meter Tiefgang gedacht ist, fei eine Rentabilität des Unternehmens zu erwarten, und daran knüpfe das vorliegende Projekt an, welches sich von der preußisch-hessischen Grenze bis zur Mündung der Lahn erstreckt. Die Strecke Weilburg-Wetzlar ist derjenige Teil des Kanalbaues, der am schwierigsten sich ausführen läßt, well in Wetzlar die Brücken- und Eisenbabnverhältnisse stören, und weil in Wellburg der bestehende Unter gründ kan al erweitert werden muh. Auf der Strecke Weilburg-Wetzlar werden vorzunehmende Durchstiche die Srace abkürzen. Von Weilburg bis aur Mündung handelt es sich nur um eine Erweiterung des Profils des Flusses und man muß von Durchsuchen von vornherein wegen der hohen Losten abseheu. Die Breite des zweischifligen Kanals ist nach dem vorliegenden Projekt in der Sohle auf 18 Meter,' in der Höhe des gestauten Medrigwasserspiegels auf 24 Meter bei einer Tiefe von 2 Meter vorgesehen. Geplant sind im Ganzen 28 Schleusen und Wehre mll 10,5 Meter Kammerweite, 8,6 Meter Lichtweite zwischen den Toren und 67 Meter nutzbare Länge. Außerdem sind 11 Nadellvehren vorgesehen und zwei Stromschnellen unterhalb der Wehr bei Ems und Niederlahn- stein. Den Mlltelpunkt für den wirtschaftlichen Verkehr auf der Lahn werden für den Kanal die Städte Wetzlar, Weilburg, Limburg, Diez, Nassau, Ems, Meder Iah nj tein und Oberlahnstein mit zusammen 47 000 Einwohner bilden, während man für das Gesamtgebiet, dem die Lahnlanali- fation wirtschaftlich zu gut kommt, 200 000 Menschen rechnet. Die Schleusen sind so in Aussicht genommen, daß binnen 24 Stunden 82 Schiffe oder rund 20 MO Fahrzeuge pasfieren können, bei denen man mindestens auf eine Versrachtungs- möglichleit von 4 Millionen Tonnen bergab und 3 Rllll. Tonnen bergan rechnet. Die 5tü|ien der Lahnkanalisation nach dem vorliegenden Projekt sind auf 31 Millionen Mark veranschlagt, gleich 235 000 Mark pro Kilometer durchschnlltlich. Die Schiffbarmachung der Lahn ist nur bis unterhalb Wetzlars gedacht, da nur, wenn die Großh. hessische Regierung zu den Kosten beisteuert, an eine Weiterführung des Kanalbaues bis Gießen gedacht werden kann. Diese Mehrkosten sind aber nicht erheblich, da auf dieser Strecke Schwierigkeiten nicht zu überwinden sind und man eventuell mll einer Schleuse auskommt. Der Redner verwies noch darauf, daß in dem vorliegenden Projekt tunlichst die oor- handeneii Schleusen benutzt sind, resp. da wo nötig, nur wenig kostspielige Umbauten derselben erforderlich werden. Schluß folgt Kauptversammiung des Köerheff. Kbflbauvercins. (Eigener Bericht des „Gieß. Anz.") L Friedberg, 17. Mai. Die diesjährige Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbauvereins tagte gestern nachmittag von 3 Uhr ab unter dem Vorsitze des Grafen Oriola aus Büdeshelln im Gasthaus zu den „Drei Schwertern". Als Gäste wohnten der Versammlung bei: Landesökonomierat Müller- Darmstadt, Kreisrat Fe y-Friedberg, Bürgermeister Stahl-Friedberg und Herr Lorenz-Darmstadt; Provinzialdirektor Dr. Breidert war an der Teilnahme verhindert dtachdem Graf Oriola die zahlreiche Versammlung begrüßt Holle, gab er Direktor von Peter das Wort zu dem Rechenschaftsbericht für das Jahr 1902/03. Wir entnehmen daraus folgendes: Tie Mll- gliedcrzahl beträgt euua 4 700, welche sich verteilen auf die Kreise: Alsfeld 369, Büdingen 970, Friedberg 1581, Gießen 957, Lauterbach 420 und Schotten 405. Tie Der- einszeitschrist erscheint in ca. 6 200 Exemplaren und wird außer in Ooerhessen auch in den Kreisen Worms, Erback), Hanau u. a. gelesen. Größere illustrierte Bellagen konnten aus finanzieller Rücksicht seither nicht erfolgen, doch sind sie für die nächste Zeit geplant Drei Bersuchsgärten bestehen in Oberheffen, nämlich bei den land wirtschaft!. Schulen in Büdingen, Alsfeld und Friedberg. Um der Bevölkerung noch mehr Anregung zu geben, müssen seitens des Lberhess. Obsibauvereins Musterpflanzungen angelegt werden, auch sollen in Zukunft statt der seit Jahren gebräuchlichen Diplome bei Ausstellungen usw. mehr Prämien zur Verteilung kommen. In den Kreisen Alsfeld und Lauterbach geschieht im Interesse des Obstbaues feilend der Bevölkerung noch verhältnismäßig wenig, um Abhilfe zu schaffen, müssen mehr Leute als Baumwärter ausgebißtet werden. Ter Baumbestand in Oberhefsen hat sich wiederum wesentlich gebessert, die Sorten werden mehr und mehr nach Lage, Boden und Klima ansgewählt und an Stelle verkrüppelter und kranker Bäume guter Nachwuchs gepflanzt. Das Sortenverhälluis hat sich ebenfalls sehr gebessert. Bezogen wurden 3000 Bäume und über 30000 Edelreiser. Tie Beteiligung an den praktischen Hebungen war gut, Versammlungen und Vorträge wurden besonders in solchen Orten • stark besucht, wo die Feldbereinigung bereits eingeführt ifL Tas Kalken und Reinigen der Bäume, sowie das Anlegen der Fanggürtel für Insekten geschieht jetzt fast überall, doch mußte das letztere noch besser beachtet werden. Tie Mistel ist fast vollständig verschwunden. Pros. R e i ch e 11 - Friedberg sprach über die Wanderlehrtätigkeit. In Hausen und Steinback) bei Gießen sind zwei zum Sell basaltige Grundstücke mit neuen Baumpflanzungen versuchsweise angelegt worden. Sie zeigen ein recht gutes Aussehen und dürften den Beweis liefern, daß auch auf dem steinigen Boden des Vogelsbergs geeignete Obstsorten gedeihen. Infolge des Baues der neuen Bahnstrecke Lich-Butzbach wird der Baum bestand Oberhessens sich um rund 1300 verringern. Die Obstausstellung 1902 in Butzbach war von 95 Ausstellern beschickt. Die Obsternte von 1902 konnte trotz der schlechten Aussichten im Frühjahr 1902 als ziemlich gut bezeichnet werden. Der Obstbau Hessens bietet ein erfreuliches Bild, und man darf wohl sagen, daß Hessen an der Spitze Deutschlands steht, was ja die deutsche Obstausstellung in Stettin gezeigt hat. Im Oktober 1904 findet der allgemeine deutsche Pomologentag verbunden mit Ausstellung in Frankfurt a. M. statt. — Dr. von Peter verlas die Rechnungsablage. Die Gesamteinnahme betrug 17 207 Mark, ebenso die Ausgaben, der Kassenvorrat betrug 3733 Mark. Andere Einnahmen waren Staatszuschuß 2830 Mk., ferner 1400 Mk. von Kreisen usw., 147 Mk. Zinsen, 3124 Mk. aus der Vereinszellschrift, 4576 Mk. von Mitgliedern. Ausgabeposten waren u. a.: für Techniker 2400 Mk., für Schreibmaterial usw. 843 Mk., Vorlesungen 516 Mk., Prämiierung an Baumwärter 229 und 1897 Mk. für Versuchsgärten. Der Kosten-Voranschlag für 1903/04 sieht rund 14 200 Mk. als Annahme und Ausgabe vor, also ca. 3000 Mk. weniger gegen 1902/03. Tie Kosten für die Ausstellung in Gießen übernimmt der landwirtschaftl. Provinzialverein. — Gras Oriola erteilt hierauf im Einverständnis mit der Versammlung dem Rechner Decharge. — Obergärtner John- Friedberg referierte über „Neuere Erfahrungen über das Pflanzen der Obst- bäume". Von größtem Interesse ist dabei die auch von anderer Selle gemachte Mitteilung, daß Friedberg und seine nächste Umgebung nach genauen Feststellungen der trockenste, regenärmste Ort Hessens ist, was sich besonders tn der Trockenperiobe zeigt, in der wir uns feit Ende der 80er Jahre befinden. Während man früher den Herbst für die beste Zell zum Pflanzen der Bäume hielt, hat der Vortragende die Erfahrung gemacht, daß die Frühjahrspflanzung sebr zu empfehlen ift. Süchtiges Anschlemmen der Wurzeln und kräftiges Gießen ist erforderlich. Letzteres jedoch nicht von oben, sondern durch Herstellen kleiner Gruben um den Baum von unten. Durch das Gießen von oben wird die Erde klumpig und verbinoert den Luftzutritt. — Profeffor Reichen berichtete üver die d e u t s ch« Obstausstellung in Stettin im Herbst 1902. Diese war außerordentlich glanzvoll, die Hälfte der Ausstellung füllte Hessen aus, welches wohl die besten Sachen bot und auch den Kasserpreis, eine goldene Medaille, und einen großen Humpen im Werte von 1000 Mk., sowie drei Geldpreise und ca. 16 Ehrendiplome erhielt. — Prof. Reichelt referierte bann über „Die Ob st aus ste llung im Rahmen der landwirtschaftlichen Provin- zialausstellung in Gießen im Herbst 1903." Ter Beginn am 10. September sei allerdings für das Obst zu früh, habe sich jedoch mit Rücksicht auf das Vieh nicht zurtlckflellen lassen. Auch solle ein Teil der Kaserne benutzt werden, und d.iefer müsse bei der Rückkehr des Militärs geräumt sein. Es werden nur Aussteller aus Oberhefsen zugelassen. 500 Mk. Geldpreise seien vorgesehen, darunter ein Ehrenpreis von 50 Mk. von dem Tanbro. Verein in Büdingen und einer vom Grasen Oriola. Ter Vorsitzende fordert zu zahlreicher Beschickung der Obstausstellung in Gießen auf. — Schließlich nahm der Vorsitzende Graf Oriola von Büdesheim die Verteilung der Preise und Diplome an Aussteller in Stettin und Butzbach, sowie die Verteilung der Diplome zum Sitel eines Vereinsbaum- warts vor: 1. P r e i s e von Stettin: Tie Obslbauschule Friedberg, je einen Geldpreis feie Stadt Friedberg, Georg Spamer- Butzbach und K. Loth-Wohnbach; Ehrendiplome: Gräfliches Gut Assenheim, Ziechner Nöding-Ober-Rosbach, Ortsgruppe Friedberg d^es Oberhessischen Obstbauvereins, Sllrppel- Kloppenheim. Hofmann-Münster bei Butzbach, Jung-Ock- stadl, Maul-Ossenheim, Fett-Münster b. B., Bad Nauheimer Lbstbauverein 2 und die Kreisstraßenverwaltung Friedberg 2. 2. Preise von Butzbach : Ter Pfarrer zu Münster, die Ortsgruppen: Fauerbach o. d. H., Langenhain, Groß- Karben, Dortelweil, Bruchenbrücken, Afsenheim und Bad- Nauheim, ferner Keller-Ossenheim, Rechner Nöding-Lber- Nosbach, Sck)refs-Druchenbrl:cken, Gemeinde Grödel, Jakobi- Rodhcim, Fink-Vilbel, Euser-Tad-Nauheim, Jung-Ockstadt, Hergert und Philivpi-Dohnbach, Decker Fauerbach,Hofmann- Münster, Gemeinde Langenhain, Dämon-Hochweisel, Sulz- bach-OppcrShofen, Schlottner-Wohnbach, Jung-Münster, Bürgermeister Reineck-Münfter, HuppeL Kleppenheun, Gemeinde Nieder-Mörlen, Maul Ossenheim, Fa.nM'W:hnbach, Fett-Münster, Lang-Vilbel, tocibel Äicm-Jtarben, Lehrer Nikolai-Ockstadt, Bar-Groß-Karben, Stadt Friedberg, Gan- ner-Assenheun, Schmidt-Butzbach, die Areisstraßenverwalt- ung Friedberg uni) einige andere. 3. Diplome zur Verleihung des Titels eines, Verernsbauwarts erhielten: Bach-Londorf, Jung-Holzheim, Weller-Albach, Dörr Reinhardshain, Wagner -Gellshaufen, sämtlich Kreis Gießen, ferner Müller Eckansborn, Fritzel-Nieder-Eschbach und )Michel-La)sgen» bergheim. Leibniz Kindermehl c. Qß ß ”6 - “ s 5 C S-L 0 S 9" s s c Kreisblati tat den Kreis Gieken rtiieW *5J*9*ä .'ZN rZL SftS Mter Nach^L & Ebenfalls £ unb Liber 300^0 'fchen UebunJS S?*hS Bereinigung Zargen der a K ^sekten '^letztere noch .8 ?ollständ^ l 'pr°ch über die und Steinbach Mundstücke nut » worden. St bu^ten den »Men des ?• ?1W des wird bet&um verringern. Tie on 95 Ausstellern luVti oezeichnet ersteuliches M, -n an der Spitze je Lbstausstelluiig M findet der all« 'n mit Ausstellung "ter verlas die einnchme betrug Kassenvorrat be- ;ren -taatszuschuh ■n u]ö., 147 Mt. cift, 4576 ML von l: für Techniker ML, Vorlesungen 129 und 1897 Ml. hlag für 1903/M nd Ausgabe vor, 3. Tie Losten für )er landwirtschastl. t hierauf im 6in« Rechner Techarge. irte über „Neuere zen der Obst« it dabei -die Mch ilung, daß Fried« mueu Feststellungen ist, was sich beson« wir uns seü Ende i fntyr den Herbst ume fyielt, Hat der rß ine 3} Anschlemmen brr mM- । tzerftelleu Ärmer Durch das Gießen verhindert den Lust- i über die deutsch« tzerbst 1902. Diese mlfte der Aus« ches wohl die besten ie goldene Medaille, on 1000 ML, sowie «c erhielt - P-° bftauäite Hung titfjen n h-rbit Linas für das Löst aui das Vieh mcht der Kaserne benutzt Maus «**g Ächtz-Ä- W“U”Ü ga>*» a«'g$ liosbach, a^npcb /verwalMö Pfarrer p W*L B-d- iinbe SÄS EL' - Titel- SSM 00 00 sr CO es c S so 2 T. 3 •e jO 5 B *S s Q c •- S © ZD X «El O S •" Q. -o(5 **"00 r ®« «3 S ec ö c 6 5 ZZ &E 5 o © — — c a 8? 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