SamStag 18. April 1903 153. Jahrgang (VrfteS Blatt erzogs von tlMrfle tüt Tfpddten: Vtujftflcr eicfccn. ^rniptrd)dn«ng, Uibamma und Uunuciljunfl des vvo* v l nz i a l l i e ch e n l) a uj e s zu imcücii, loivie m den bei leiVflC- imniucr Q>clcnciil)cu gefallenen iHcbcn finden wir keine Andeulung darnber, ob unö ivie die pnndeue Liechen relinwjcn Troll be- foinmcn lolleiu pai man vleUeichl ganz Die Leeliorge verndien ? Icm ivnrdiger Staunt 'ur die ionnmgliclicii Woiiesöiemie oder 2inDachlen vorhanden. Hal Die tincycncr weistlichkeu und das foroBlicnonl. Cbcvfonfiflüvium sich »nchl Damm beiimbt, day bieic hiimanlläre Awiall lur Die wichngsten BcDnrsnisie ihrer VNeglinge sorgt? Wir fuiD fleiviy, day Das geschehen ist, warum jcheinl e» keinen Eriolg gehabt zu haben? . ... VS sind viele ßiagen, Deren Deanlwortung sehr erwünscht ist. Tiefe Anaeleaenheit ist von prinzipieller Bedculnng, da nur verlangen muhen, Day staatliche, an. Honen der chrnll.chen Steuerzahler erbaute Liechenhaiher and) Das Leelenwohl Der ihr an- vertranten Hinnten ebenso psiegen inusjen lassen, wie es mit dein leiblichen Wohl geschieht. U. 21. w. g. Bon berufener Seite wrrd uns dazu gc- schrieben: , Zur B.ratung des Lauprogramms des gep fluten Pro- vinzial sieche ii Hauses war als Vertreter der Geist- Psarrer Tr. ö) r e i n zugczogen worden, der die Notwendigkeit, den Bedürfnissen der ^Seelsorge und des wandle sich Oberbürgermeister Struckmann-Hilbt-Heim. In Sparta sei es ja gestattet gewesen, schivächliche lUnbct zu befeitinciL Tr. Rüdrns Worte halten ihn denken lassen: „Gott schuhe mich inüc meinen Freunden." ES gäbe keinen Gegenbeweis gegen seine Aufsagung, daß niästig irinlcnbc uherii blüh.nDe Müder haben löiiuleii. Ein inaßiger Alko- l)oigcnuü sei nicht schädlich. Tie Vertreter dec gänzlichen ailthaUsanilcit sollten etwa- bescheidener auflreten. Tie Abstinenzler füllten die auoere Richtung nicht an feinden. Nun berufe man sich immer aus die Wissenschaft und behaupte, daß dieselbe ganz aus Seiten dec Abstinenz steht. Ter Teutsche Verein gegen Den Mißbrauch geistiger Wc- tränke Hal Pros.s,or Frankel beaus.ragt, e.ne Lmqiage zu verait statt en. Lieser l-at an sältilliche Professoren der Pst-ä-oiogie, Pl).,s.ologie, Pathologie, Pl-armatoiogie, Hygiene usw. an allen deutschen Ho^-schulen Die llmfmge ge- rlchlct: „Halten Sie Den Uknug atkol/oltscher Qkuänte unter alten Umständen unD in lieuien Giengen für gesund- heilSscl-äotich, und wenn nicht, wetche Grenze besteht für Die Srr-äDtiehkeit^ Von U3 Anfragen sind öJ Wiuivoricn ein gelaufen; Davon haben nur einige wenige Die erste Fruge bejaht, fast alle andern sagten: wir halten einen mäßigen Gebrauch beb Alkoh oiS s ü r unbedenklich, die Grenze wurde cUoas höher oder Niedriger angegeben. (Hort, hort!) Also: Die ärztliche Wissen,chast hat ,ich Duru/diis niu)t durch den Munv ihrer beiuäljnen Vertreter sür unbedingte Abstinenz ausge,pcochen. (Leb- hiisler Beifall.) LaS zeigt, wie vor,ichlig man sein must, luenn man sich aus die iLrfaheungen Dec Wissenschaft be- tujen w.lL Prof. Lr. IntoStawoli-Krakuu: Yllkin Die Abstinenz ocrkil/e Eharal.eritäcke und Wttiensttflft. Psr. Kruse-Lmdorf bezeichnete Lr. UiuDinb Forderungen atS Ein» gri,s in Gottes biegduent Lberingenü-ur und y>utteinplec- Großmeister Aßnmfsen-Hamburg von den Abstiuenzlerii mit srenetischem Veisait empsangen: Bei dem Ratssrühstück lunnle man maiichen „Wäßigt'eiller" sehen, der eine ganze Ilasche Rotwein auöitanL (Heiterkeit und Zurufe.) Tas i|t Doch ein Mast, daS auch die Grenzen der Mäßigkeit überschreitet. Wolleii wir abtvacien, dis die Pcoseooren sich einig sind und bis jeder Mensch mit einem 211 tufaldinetet oecsiheil ist? (Heiterkeit.) (gegenüber den Herren Professoren hatten wir unS am gesunden Menschenverstand. ^Beifall und Gutachter.) Wir ,ragen doch auch die Q5c- lehcten n icht, toieuiel Tinte wir tcuilcn Uhuien. (Heiterkeit.) Wik wolten nur wissen, was der Alkohol nützt. Und Da sagen wir: er naht gar nichts^ (Sturmisiher Beifall.) W»r nehmen Den Knüppel, Den Sie uns um Ihrer Um» ।tage zwischen Die Werne geworfen haben, aus und werden ihn gebrauchen gegenüber Den Mäßigen und Gelehrten, ^ndluser Bi.ifall Der Abstinenten.) Im Schlußwort verteidigt Tr. Ploetz - Berlin die ra,senhhgten.schen Forderungen gegenüber Dem Vorwurf Da (AMiknigleiL Tann |ci auch f.de Hagelverstclperung eine Auftthuung gegen Lottes iKcguncm. (Wideripruch.^) Lr. Rüorn: Man habe küilsttich einen Unterschied zwischen den Wahrheiten der Wis,enschdst gemacht und der Anwendung in dec Praxis. Tie vifljsinhhgiene als Wtj,enschasl sei schon langst zu absolut sichern Tatsachen gelangt Es sei absolute Wahrheit, Daß Die Rasse nur fortschreiten kann, wenn die rntn- Dciwcctigcn Elemente niöglirhst zurüclgehalteil und von der Kmd^rerzeugung zuruag.halten werden. Tast der Al- lol/ol in rajsenhhgieniicher XKziehung schädigend wie kl, sei auch seststchende Tatsache. Leider sei bother praktisch dagegen nichts getan worden. (Beifall.) Ter Voi>itzend« Lr. Telbcüek b.liet zur Vermeidung von T.sserenzen künftig auch in religiösen Lingen in der Debatte Sleutraltlät iiinezuhalten. (Lebhafter Beifall.) lieber die UuulLe oeS Alkohols i m Haushalt ber Kulturvölker verbreitete sich Tr. polit HelemuS-Hel- fingfors. Teutschlaiid verbrauche juh^lich gegen 2‘/i Mill. Hektoliter Alkohol in beftillierten tiktcanten unb gegen «u Mill. Hektoliter Bier, Den Wern nicht gerechnet. Die Iahresausgube Dafür sei minbestens 3uüj Millionen Mack, tts werbe für Altohol drei bis viermal soviel als für Heer unb Ilotte verausgabt. Dafür lönnte man 2:14285<1 uOO kilagramm bürgen kausViu Berechnet man ater auch die inbirelteii Ausgaben, b. h all ben Schaden, den die geistigen uleUänte an^ichten, so steigt die Summe sehr beträchtlich Es liegt offen, daß, je wohlhabender ein Volk ist, um so größere Summen zahlt es an direkter Steuer; je mehr es dem Alloholgenuß i.önt, um so größer wird Die Zahl Derer, von Denen Der Staat keine Direkte Steuer euoattcn kann. In Den meisten Ländern ist Die Alluholsteuer ein verhältnismäßig geringer Teil der gesamten Summe, die Der Altuholstrom des Landes in sich aussauat. — Was i st Migv rauch geistiger Getränke? Diese Irage beantwortete Tr. med. MartiiiS- bivs.oet vom Stanop^i.k.e Der A.äßigkeii auS. Man könne Den Alkul^lgenuß nicht grundsählich verdammen. (Widerspruch- Seal Vater sei jeyt vd Jahre alt unb habe sich siets, obwuht er täglich in beschewenem Mage ein gutes i^las Wein genieße, edier guten i^esundheit erfreut Man könne ihn deswegen doch nicht atS Läufer bezeichnen. Eifahrungsgemäß fei es bebeutenb schwiercher, bie Lch.l^pSsucht unter ber HibederoeoöJ.rung, als bie *t.niun|itren ber besseren L,ej.lts^a,tstli.s en zu bekämpfen. ^Widerspruch.) Nicht Gesetzgebung unb Polizeimaßregeln, ionbern gute L^h.iungen, gute Nahrung unb Au.klärung seien am besten imstaitde, das Hebel wirkungsooll zu bekämpf.n. B.ldung, w^hre Herzensb.lbung mauje frei — auch vom Alt-Hol. „Ter Mensch unb Die Narkose" lautete endlich baS Lor^ragKihema DeS Prof. Tr. meb. A. Iorel-Eh gny vd ist falsch. Daß bie ktuliurmenschheit ober bie Naturmenschh.it irgend eine Narkose nö.ig hätte. Tie Nicnschen U1..L.1 unb uatLt.|üren ,i^ nur u.6yalb, weil ihli.lt Die bezüglichen Mittel unter bie Nase gebracht werden, weil eine aedankenlose Gewohnheit Das Alkohol- Nr. 90 Erschein« «Sglich ouyn eoiuuaq*. Trm siebener A n trifltr werden im ftfertilcl mil dein hesfilchen Landwirt die Siebener Familien blätter viermal in ber Woflre deigetegt. Roiaiiontbrud u. t*er- laq bei t< r ü b IJitxn ttnioeri.Vntb- u.eifin- btudnri (iiiertdj liibeii) Kebufnon, Eroebilion unb rrudcrti: ®crtld)te über eine Annäherung zwischen unserem ss a i s e r h a n s e und dem Herzog von Eumberland iaudjen jetzt auch von welfiscl-cr Leite auf. Aus Hannover wird gemeldet: Die vom „Dailh Telegraph" gebrachte Meldung, daß der Kronprinz bes deutschen Reiches im £auie des Sommers zum Besuche bes Prinzen Max von Boden unb Ekmahlill ui dessen Schlosse zu Harlsiuhe eilitrcfseil und dort der Prinzessin Alexandra von C u m b c r I a 11 D begegnen werbe, wird nuliniehr aus Gntun- den d c st ä t i g t Lein „Hannov. Anz." ginn jernet am Tvnnersiag auS Gmunden die Nacl^richt Ar K- m * s u ch des Kaisers am Hofe des H . „ Cumberland für ben Herbst b. I. bevorsiehe. Tcr Kaiser luerbc voraussichtlich als Iagdgast des Herzogs mehrere Lage in Gmunben uenueüen. Tas genannte Blatt mar über die Vorgänge in Gmunden bisher stets gut unterrichtet. IN maiichen ivetfifchen Kreisen scheint man indessen Skeptiker zu sein. Bei einem Festmahle, bad bie Welfen zur Feier des 85. Geburtstages Der Königin Marie von Hannover in Hannover veranstalteten, berührte Der Reichs- tagSabgeordntte Frhr. v. Hodenbecg-Ribbe.sbuttel auch das Thema Der Kopenhagener Kaiserrei.e. Baron v. Hodenberg, ber sicherlich eine gew.s.e Fühlung mit dem Gmunoener Ho,e hat, jagte: Jedenfalls habe Der Herzog von GumbcrlanD von der geplanten Kaijeitc.se gerougl, unb luenn er trotzbim nauj Kopenhagen gejahren ,ei, so gehe daraus hervor, daß er einer Begegnung uut dem Kaiser du.^-auS nicht abgeneigt mar.. Fatts oaher jur feine fiuhzeiiige Diuäteyr nach Gmunden außer Der arlrantung Des Prinzen Ernst Auau,t mut.ich noch andere Grunde maßgebend gewesen fein füllten, was er (Redner) nicht w.j.e, jo würben dieselben vielleicht Darin zu suchen fein, Dag man sich in Berlin noch nicht Dazu l;aoe verstechen können. Dem Herzog diele n i g e Steilung ein jutäuinen, die er als Deut- fdxr Bundesfürst bea>.sVruchen tonne. Vorläufig neigen auch wir mehr Den Skeptiteru a^s den Lptimisten zu. Gottesdienstes ausreiä-end Rechnuilg zu tragen, sehr ent- chiedcn zur Geltung brachte. Der Erfolg war, daß zuerst Der Bau einer Kapelle, Dann wenigstens eines genügend großen Festsaales in Ausf.cht genümmen wurde. Tie Ab- ichl fdjcilette an Den Losten. Um bie Errichtung der Siechei»- anstatt überhaupt zu retten, »lußte sich Die Kommission cntsclstießcil. Den Plan weicntliäi zu reduzieren. Dem fiel in erster Linie Der Saal zum Opfer. Wir glauben nid>i ehlzugeheii, wenn wir anncijmen, baß bie Üomniijsion sich nur beshalb Dazu entschlop, weil sie Der Ueberzeugung war, Das BcDücsliis werbe sich aeSbalo als so unabweisbat Herausstellen, Daß für seine Be,riebigung tiachtraglich gesorgt werben mufje. Daß dies jchieutiig,t geschehe, ist aus bas Driiigcnbite zu wünschen. Es wäre ein schweres Unrecht, wenn man Diese alten schtvacheli Leute ohne Den Trust unb Halt ließe, Den Diesen altem GotteS Wort unD Gebet geben tann. Tie Vertreter ber Gemeiliben, bie ihre ©icd^n „ach Gießen fenben, sollen nur nicht mube weiden, diese oorbeiulig geltend zu mad-en. Sie jolle 11 sich Damit aber in erster Linie an ihre Ylbgcorbncten zum Provinziatiag wenden, die es der Pt.ovinzia^behorbe unb der Kommission onrch ihre übertriebene «parsalliieit unmöglich gemacht haben, für die reiigibjen Beburjuisse ber Pj.e^ldige ebenso ausceid-end zu sorgen, wie für bie hygienischen. Laß Die Gießener ebangelijux Qkmcuibe angifichts bieser Gleid)- gitt.gleit des Piovinzialtages beschlossen hat, sid^zuliachji abwatiend zu verhütten uno Die Ueoernähme Der Seelsorge rni Provdizialjiechenhaus Davon abijangig zu machen, Dap Dafür Die notigen Bedingungen geiajujieu werben, wird wohl jeder Em sichtige begrei|en, bUligeiu Leipzig, 18. April. Tie 13. Jahresversammlung bes Sächsischen Ghmnafiattehrervereins sagte cin|iimmig folgenden bebeutjamen Besustuß: „Der Ghmna,ialiehrerverein ertennt bie auf emheiuiche Zusamuiensassung bei Oberlehrer Deutschlands gendjleten ^e|lrebungen ats berechtigt an unb ermächtigt den Vorsiailb, mit den Vorständen oer anderen Vereine höherer Lehrer Deutjd-- ialids deswegen Fuhlulig zu liehmeti. ES ist wuiijchenSlorrt, daß zum Ziverke ber Vertretung ber gemeinsamen Interessen des Standes die Gründung eines förmlich organisierten (!) Verbandes in Angcisl genommen werde, dag oicjer Verband auf Gruiid bes korporativen Zufammen- ich^usjes der hoheten Lehcervereilie ms Leben tritt, und baß zuln Ztveeke Der botiau|igen Entwerfung euies Veibands- itatuts eine von adeu ho »-er en Lehrerveremen zu bejd-tttelide Leiegieittlive^fanimlulig zusaniiltenirttt m Verbindung mit der im Herbst D. I. ui Halle a. S. abzuhaltenDen Versammlung Dcutfdjcr Philologen und Schulmaiiner." ^iKütnaliviiület Moußrifi BcOkU deu LLlkohousmus. 1LL Bremen, 15. April. Heute abend fand im Kasino eme öffentliche Vecsamm- lung statt. tiud Der Praris lautete baS Thema bes Hflitplrebners, beS Iührers ber la.lst,l scheu M2ßi^ke.E.b.>v.guiig in Ober- schienen, bes Pfarrers napipa (Tiü-uu-. Ail oer yaiib znhl- i^icher Beispiele und Erlebnisse aus Dem pruk.ischen ikbe» legte Regner m eindrucksvoller Weise Dar, wie Die Grundsätze Der Mäßigkeit — und zwar vor allem Durch energische Bekämpfung der heutigell Tritikjitten — in Die Praxis ubeczusuhi^n fcieiu Wenn auch, so führte Redlier aufl, jur die meisten Trinker Die harmäuige ubleugnung ihrer unglüdfeligtii Schtoäcl-e charakttnstiju) ist, uno I-Hre unD Iahczehlite hindurch Die yiaiweiuiigLd einer MaoigkettS- tciü^gung bestritten würbe, so wird heute Diese ^koiwenDig- leit von allen Guigesiltliten rüa^lt.uS anetkuiiiit. Ireilieh, man Denkt Dabei nur zu oft, unter Verkennung Des Begriffs Des modernen Ar ko Holismus, an Den Ru tisch oder an Die Truliksncht. Aber Die Dicitung Der eigentlichen Trinker ist ungeheuer selstver, jo lange Die best.henDeil Trüiksikten nicht durchbrochen find, und so werden wir gut tun, im praktischen Eiben bas Hauptgewicht nicht sv- lvohl auf bie Bekehrung der Trinker, sondern der gut- gesutnten, mäßigen Elemente au Lgen. (Beifall.) In an- jchaulichen, und zuln Teil mit brasti,ä-em Humor gewürjien Ausfuhrullgen legt 'Jiedncr, wnderhott voll Ubh^stem Beifall unterbooch^n, Dar, wie er in seiner engem Heimat Dem Alk-H.lmchbrauch nut vollem E.«olg cntgtgengetrelcn sei. Früher wat es Sitte, Daß am Ehristabciu), baß bei Taufen unb Begräbnissen unmäßig Schnaps getrunken wurde, und Daß s.ch nunianb Dieiem Mißbrauch entzirhen tonnte. Tas hat jetzt ausgchört ^Beifall-jetzt gut bei uns baS Trmkeit als eine Schaube, Das Nichttrinken als Ehre. (Erneuter stürmischer Be.f..ll.- Es .st g.luugen, bie Tt.nksitten bei ber Feldarbeit obzuscl>.sfelt; ich habe bic Bauern gebet c n: Gebt Den Leuten keinen Schnaps — gebt ihnen dafür lieber gute Bezahlung! Endlich ist cs auch g.lungm, bei Hochzeiten oen Trink,itten cm Ende zu machen, vr-her war nur zu oft bas Trinken Hauptsache, das Heiraten Nebensache. (Heiterkeit.- heute werden schon Hochzeiten unter Anschluß aller acholischen Getränke gefeiert (Lebhafter Beifall.) lieber o.e örage, so schließt Redner, ob Abstinenz, ob Mäßigkeit, wotten wir unö h.ute nicht streiten; aber darin wollen wir einig sein: Wieder mit bem Trinkzwang! (Stürmischer a..haltender Beifall.) Zum Schlug b.fürwor.ett P.arrer Müller (Gropptn- borf; eine Resolution um gesetzlit^e ...aßnahmeil geg.n ben af.ttan schen ^.p.ri.ULs-icha.wet Ti.f lae wu.be e.nst.mmig angenouimen. Tr. med. Rubin-Berlin sprach da.an an knüpfend über die Züchtung» frage uno empsah. eine Re.he gewaltsamer Maßregeln bei beiden Geschlechtern. Tag.gen JUäS* ▼ fv H . sümiich Mk. mich GietzenerAMgttA ™ General-Anzeiger 99 =« Amts- und Anzeigeblett für den Kreis Gießen MW Gießen, den 11. April 1903. Betr.: Daß neue LinbenifungSoerfahcen durch Kriegs» bioibcrungen und Paßnottzen (Mob.-Initr. I 37. 10). Tas ßrofihrrtoflliifie Krrisamt Eikhtn an die Wroßh. vürgcrnieistcrcicn der Landgcmciudcn dco Mrcijce. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 24. Fcbiuac L I-. (KrciSblatt 9lr. 21) noch nicht ent- fpcochen haben, werben an deren sofortige Erledigung ruiniert I. v.: Dr. Wagner. yfliiuiiitimid)iuig. Es wird hiermit bekannt gemacht, daß in der Zeit vom 20. April bis lö. Biai l. Js. die Straße Gießen — Vtödgcu—wroßcu-Bufcck geivalzt wird und daher für schweies Va|i|ui)iiucrf nicht passierbar ist Gießen, den lö. April 1903. Gcoßhcrzogtiu)es Ktcwamt Gießen. Dr. B r e t b e r t j3rliuiinlma(l)iiiiß. Vetr.: Die Ausführung der Verordnung, betr. baS Gewerbe ber Gelindevermieter und SleUeiwermittler. Wir bringen l)iennit zur üfsentlichen Kenntnis, baß bic von ben hiesigen Vernnelfrauen beanjpmchle Gebühr beträgt 1. für Veiuuttlung eines Dienstboten an eine Herrlchaft in Gießen........Mk. 5.— 2. für Vermittlung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auswärts......Mk, 7.— (Frau Heßler Mk. 5.—) wovon ber Dienstbole jeweils Mk. 2.— zu entrichten hat. Gießen, ben 17. April 1903. wioßi)erzogiia»es *i‘uiijviamt Gießen. Hechler. aber«nur in Flaschen, wo Plakate anahnngcn. als beliebt zu erwähnen auf M3 Bekannt werden der Dividende von u. Dr. Cchlufekurfe. 212,70 211,50 140,75 190,00 186,12 Hof-Ülbelhibrik und Kunshhbrelnerel von Ludwig Alter in Darmstadt Anfangs- 212,50 211,25 140,75 189,40 Handel und KerKrtzr. Aolksioirtschast. Verltmer Vörfe von» 17. April 1003. (Thigetedt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Animiert durch die stramme Haltung der gestrigen New-Yorker Börse eröffnete man hiev auf allen Gebieten in guter Stimmung. Ani Elfen- und Ikohleniverle waren noch besonders die guten Berichte eu8 dem Rheinland von Einfluff, fo daß schließlich die Äeiitremme, welche fiel) ni den letzten Togen fo einsig zeigte, doch zu Deckungen ver- leiten liefe und dadurch den Markt im -erlauf der Börse zu einer weiteren Auiivan-dewegung verhalf. Canad« DhareS auf festes Rew-Aork und London gefragt' von Bahnen sind noch Lübecker Ceft Kredit. Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . 6V, p6t Schiffahnsaktien weiterhin in fester Haltung. Bon Renten waren Spanier gedrückt auf Verkäufe des Heimatlandes, während sich für Türkenwerte, die anfangs ebenfalls matt lagen, späterhin auf Pariser Anregung hin rege Kauflust bei anziehenden Kursen zeigte. Ter Kaffa-Industriemarkt zeigte durchwegs günstigere Disposition. Prwat-DiZkonI 2>/, Prozent. yrrniifdjtrs. • Leipzig, 17. April. DaS Gnadengesuch für den s. Zt. zu drei Jahren Gefängnis verurteilten früheren Direktor der Leipziger Bank Dr. Ge n tz fch ist von der Staatsanwaltschaft befürwortet worden. 'London, 17. April. In DanS ermordete ein Kutscher während der Rächt seine Frau sowie drei Töchter, indem er ihnen mit einem Rasiermesser die Gurgel durchschnitt. Der Täter beging hierauf Selbstmord. Tie Tat wurde von einem Verwandten des Mörders, welcher gewaltsam in die Wohnung eindrang, entdeckt. ' Barcelona, 17. April. Von einem Automobil, deffen Führer die Gewalt über dasselbe verloren hatte, ivurden ze^n Personen überfahren und zum Teil schwer verletzt. ' Einen Beitrag zur polnischen AdclSsucht liefert die LebcnSgeschichle des kürzlich an der Riviera verunglückten „Grafen" Zborowsky. Er war 1863 in den Ver- einigten Staaten als Amerikaner geboren. Sein Vater hieb Martin Zabriski. Der junge Zabriski studierte die Rechte, wurde Sachverständiger für Bcsitzrccht und erwarb grobe Grundstücke am Broadway in Rcwyork. Wie die Allgcm. Automobilztg. erfährt, reiste er in Familienangelegenheiten nach Polen, änderte die Schreibweise seines Namens und erhielt em Adelspatent. Rach seiner Heirat mit einer Astor lebte er in Europa. Die Beilegung deS AdclStitels ist cm beliebter Schwank bei Polen und sonstigen Völkern, namentlich an der Riviera, wo die gut und schlecht erzogenen Gimpel am zahlreichsten sind, wird er mit Vorliebe getrieben. Richt nur sich, sondern auch ihre Umgebung adelt daS dortige Völkchen. So hieß cS in einer biographischen Notiz über den Begleiter ZborowSkyS, dab Baron Palange einer der edelsten französischen AdelSfaniilien angehörc, aber infolge eines verlorenen Prozesses verarmt sei. Gin französisches Sportblatt bringt nun eine Berichtigung, worin es beißt, daß Palange kein Baron sei. Gr war anfangs der Mechaniker deS „Grafen", später fein Vertrauter und Gesellschafter. (Die Herren Franzosen haben durchaus keinen Grund, über die polnische Adelssucht sich gar so sehr aufzuregen. Guy de Maupassant erzählt in seinem Roman „Mon ann" recht hübsch, wie sich im republikanischen Frankreich gar Viele keineswegs genierten, daS schmückende Wörtchen „de" vor ihren bürgerlichen Namen anS eigener Machtvollkommenheit keck zu setzen.) * (Sine neue Seuche? AuS Madrid berichtet die „Frkf. Ztg." daß in Barcelona eine unbekannte Epidemie auSgebrochen ist. Mehrere tausend Personen erkrankten plötzlich an Durchfall und Erbrechen. B.Sher ist kein Todesfall eingetreten. Die Ursack-e der Erkrankungen wird in dem schlechten Trinkwasser und dem Genuß gefälschter Lebensmittel gesucht. Etabli»#»meni a.lerersten Hange« Grwh. Meislseher an4 leiierlirt ReulMNer HelUeferant Permanente Ausstellung von 120 Zimmer-Einrichtonge^ lot Wonvb kestrnloM» Cnierbreitang memer Baopt-Kollektion Aus und Land. Gie feen, 18. April 1908. - Abschiedsfeier. Die durch Herrn Provinzial» direkter Dr. Breidert angeregte AbschiedSfeier zu Ehren der von Dieben scheidenden Herren Professor Dr. Lucius und Baurat Stahl dürfte sich voraussichtlich einer zahlreichen Beteiligung erfreuen.. Vor allem wird die Lehrerschaft dcS KreiseS Dieben vollzählig zugegen fern. Bei einer Versammlung der Vorsitzenden der BezirtSlehreroereine deS Kreises, die heute tm Hotel Schütz statlfand, klang die einmütige Ueber- zeugung durch, daß die Lehrerschaft Mcmn für Mann sich einsinden wird, um ihren seitherigen Vorgesetzten zum letzten- male vor feinem Scheiden ihrer herzlichen Sympathien zu Ihre Verdauung wird geregelt wenn Sie nach jeder Mahlzeit ein Gläschen Dr. W. Knecht’s Magenbitter „SÄHTXS“ zu skh nehmen. Grosse Flasche M. 2 50. ProbeOasche M. 1.—. Ueberall erhältlich. Harpener Bergbau . . 185,30 Schluß-Tendenz: fest. Hochfeiie. stilvolle i Einrichtungen | versichern, und ihm zu zeigen, wie sehr sie seinen Weggang bedauert. — Die Feier nimmt um 3‘/t Uhr Montag nach- mittag ihren Anfang. *• St adtt Heater. DaS Operetten-Ensemble fährt mit seinen Vorstellungen erfolgreich fort. Gestern abend wat eS .Giro flö-Girofla*, die unS einige angenehme Stunden der Unterhaltung bereitete. Tie Operette ist 1874 erschienen und ßecocq, der französische Operettenkomponist, hat damit auch in Deutschland Anklang gefunden. Tas Werk birgt große musikalische Schönheiten mit Vorzügen des Gemütes und des künstlerischen Maßhaltens. Freilich, der Text ist mangelhaft. Man möchte sich zu dem Quell der Melodieen zurückziehen, um in der Stille der Einsamkeit sich ihrer zu erfreuen. Aber das wird erschwert durch die künstlerisch nicht bewegte Alltäglichkeit der Handlung. Ten Spässen, die der alte Ton Bolero unter dcm Pantoffel seiner Eheherrin produziert, ist kaum zu entrinnen. Wie störend wird das empfunden, wenn man nach einer anmutigen Arie, die den Hörer ins Lauschen versenkt hat, augenblicklich merkt: nun kommt wieder was Billiges. Beim Spiel der braven El- binger Künstler und des tüchtigen Orchesters haben die Schätze der Musik ihre entsprechende Wirkung gehabt. Girofle-Gt- rofla, daS reizende Zwillingspaar, wurde von Frl. Stöger im anmutigsten Wechselspiel zur Darstellung gebracht. Tas war keine ganz leichte Aufgabe. U. A. sang Frl. Stöger: .Ich stand heut am Altar" mit allerbestem Gelingen. Auch die übrigen Mitwirkenden waren in ihren Leistungen durchaus erfolgreich. Marasquin und Mourzouk, die beiden Bräutigams erschienen in der Person der Herren Sommer und Nolte und entzückten namentlich bei den Bravourstücken, die ihre Nollen enthalten. Die an sich bester ausgestattete der beiden ist ja ohne Zweifel die deS MaraSquin. Allein auch der schwere Maure, als welcher Herr Nolte in bester MaSkc erschien, sang sein .O schöne Girofla" vorzüglich Herr Bruck stellte den Don Bolero so gut wie möglich vor uns hin. Wenn wir noch den flotten Diener Pedro, der von Fräulein Bartl mit bester Kunst gespielt wurde, erwähnen, haben wir die Hauptrollen gewürdigt. Das Zusammenspiel war wiederum vorzüglich. Das Operetten-Ensemble wird mehr und mehr die Gunst des Gießener Publikums gewinnen. Der Besuch der Vorstellungen empfiehlt sich in jeder Weise. ** Kälte. Heute in der Nacht sank das Thermometer 3 Grad unter Null. fc. Kassel, 16. April. Der Landesausschnß hatte dem Kaiser, der aus Anian der d-iesjährigen Manöver in Kassel anwesend sein wird, ein Fesidiner angeboren. Der Kaiser hat, wie in der gestrigen Sitzung des Lanbcsaus- schusses mitgeteilt wurde, mit dem Bemerken dankend abgelehnt, daß er grundsätzlich teüie von den Kvmmunal- sländcn aus Anlaß der Manöver dargebotene Festessen mehr annehme, und weiter bemerkt, daß er die Mitglieder des Landtages an der kaiserlichen Tafel sehen werde. Diese findet voraussichtlich am 29. August hier statt. Senatspräsldent Dr. jur. Strauß und Torney-Berlin schilderte danach die Grundsätze und Erfahrungen des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke und remerttc: Wäre der Verein nicht vorhanden, dann müßte er hier in Bremen gegründet werden. — Abg. Gteaf Doug- las-Bcrlui, mit Beifall empfangen, wandte sich gegen den IndifserentismuS. Der Alkvholismus sei die größte Pest, deren Bekämpfung Pflicht aller gesitteten Menschen sei. „Wer nicht rettet, wo er nsch kann, der mordet, wenn auch nur im Affekt." ®frid)tslmiL Mannheim, 17. April. Unter großem Andrang fand vor dem Schwurgericht die Verhandlung gegen den in Heidelberg wohn- hafien früheren evangelischen Plärrer Gottfried L d) w a r z aus Kornlhal bei Stuttgart wegen Vergehens gegen § l06 statt. Tie Freiburger Kurie haue den Antrag gestellt wegen Beschimpfung der katholischen R i r d) e, uisbejondere des AUarsakramenls, in zwei Broschüren. Stad) 4‘,stündigen Verhandlungen, wobei der Angeklagte teilweise seine Verteidigung selbst führte nut einem liefen sittlichen Ernst, der großen Gmdrud Hervorriei, verneinten die Geschworenen die Sd;uldfrage, worauf Frei- f p r c d) u n g erfolgte. Am Schlüße seiner Red)t2belehrung an die Geschworenen hatte der Vorsitzende bemerkt, daß Verurteilungen, die auf Grund des § 166 erfolgen, im allgememen nicht geeignet seien, der Religion zu dienen. Leipzig, 17. April. TaS Reichsgericht verwarf die Revision deS Redakteurs Bötticher und des Verlegers Bruhn von der „Staats bürge rztg/, luetdje vom Landgericht 1 Berlin am 11. Oktober 19v2 wegen Beleidigung des Ge- rrdstS und der Verwaltungsbehörden in Könitz, foivie dortiger jüdischer Einwohner anläßlich der W i n t e r'schen Mordsache zu einem Jahre, bezw. sechs Monaten Gefängnis verurteilt ivaren. Warnung! Die meiwtMi Nacbahmnngen v»n D HnmmHa na»matoy«»n werd en, um cl», [). K. P. so. bi,3ei za imgriien, int Zuoi teoaäaie ron AMhnr bereitet, ein Zaeatz, der inebeeondere lür Kinder und Korvioe direkt schädlich ist. Um sicher zu sein, da* aetherfr*!* Original-Präparat zu erhalten, verlange man stets ausurücz.rvti DrHammeTg Haematogen und achte auf die Schatzmarke „Säu- gende LüWtn. 92 trinken zur sogenannten Sitte gemacht hat, und weil die Geldgier des Kapitals diese leichte Erwerbsquelle aufgreift und das Gift gewissenlos allen Menschen aufbrängt Ueberall da, wo ein Volk die Kraft fyatte, in seiner Mehrheit sich zur Abstinenz zu bekehren, gab cs einen gewaltigen Aufschwung, eine herzerfrischende und hoffnungsvolle Auf- wärtsbewegung des Körpers und des Geistes der einzelnen wie der ganzen Gesellschaft. Ter Vortragende zeigte dann, wie die Narkose auf die verschiedenen Menschen wirkt. Tie Narkotika, der Alkohol bei uns, das Opium bei den Chinesen, sind die größten Totengräber der Gesundheit und dadurch die größten Feinde der Menschen. Spater wurde die Besprechung über den Alkohol als Genuß mittel fortgesetzt. Mons. Maurice de Miomande-La Hulpe betonte in längeren Ausführungen in französischer Sprache, daß die Alkoholsteuer nichts genutzt habe, um den Alkoholkonsum hintanzuhalten. Tie Löhne der Arbeiter seien um den Betrag ihrer Ausbesserung wieder draufgegangen. B o n n e - Klein-Flottbek betonte, daß die Beobach - , . M Beobachtungen über Quartalssäufer von den Guttemplern als das für sie beste Material angesehen würden. Wenn man den Leuten den Trinkerdruck desuggeriere, würden sie ohne Asylbehandlung brauchbare Menschen für uns. Trinksitten feien Suggestionskrankheit. Fn yoordamerika habe man sich gesagt, um den Eisenbahnverkehr sicher zu stellen, sei cs notwendig, nüchterne Beamte anzustellen. Wie wichtig die Enthaltsamkeit vom Alkoholgenug bei der Marine sei, sei daraus ersichtliche daß der Genuß von Alkohol leicht dazu führen könne, daß der komplizierte Apparat der Maschinen elektrischer Leitungen burd) die Nachlässigkeit eines Alkoholikers leicht versagen könne. Ein zu später Truck auf den elektrischen Knops genüge unter Umständen schon. Besonders eindringlich wandte Redner sich dann an die sozialdemokratischen Führer, sowie an die Geistlichen, Lehrer usw., mitzuarbeiten bei der Tätigkeit, die Ideen, die die Wissenschaft gebe, in die Praxis unizusetzen. „Gift ist Gift und bleibt Gift. Wir wollen unser Vaterland glücklich, frei und reich sehen." Beigeordneter Dr. Sch wand er-Straßburg-Elf.: Wenn wir für unsere Bestrebungen praktischen Boden gewinnen wollen, dann dürfen wir nicht volle Enthaltsamkeit verlangen. Ich gehöre keineswegs zu denen, die der andern Richtung den berühmten Knüppel zwischen die Beine werfen wollen. Wer die Fehler und Schwächen der Menfd)en kennt, kann nicht hoffen, daß mit der Forderung der vollen Enthaltsamkeit praktische Erfolge zu erreichen sein werden. Der Staat muß ganz besonders bei der Wohnungs-, Ernährungspolitik usw. in erster Reihe die Bekämpfung des Al- koholismus im Auge haben. — Lehrerin Fr ä u l e i n L i s ch- n e w sk a-Spandau: Von dem färgtidjen Lrhn der Arbeiter werden 14 bis 20 v. H. für Alkohol audgegeben. Sie richte an die Vertreter der Negierung und Stadlbchör- ben bie Mahnung: möglichst allerorten 5^aushaltungs- schulen zu errichten, die aud) den Töchtern der ärmeren Klassen offen stehen müssen. Wenn die Arbeiterfrauen in Haushaltungsschulen ausgebildet werden, dann dürften diese auf den Mann betreffs Steuerung der Trunksucht größeren Einsluß geroinnen. Selbstverständlich müßten die Haushaltunasfchulen zur Abstinenz erziehen. Dr. med. F r ö h l i ch - Wien: Es ist kein Zweifel, daß höhere Löhne höhere Ausgaben für geistige Getränke im Gefolge haben. Dies darf aber durchaus kein Grund fein, die Lohnerhöhungen zu bekämpfen. Wir müssen die Arbeiter belehren, daß 'die höheren Löhne zur besseren Lebenshaltung im Interesse des Kultursorlschritts verwendet werden sollen. (Lebhafter Beifall.) Wir haben in Wien vier sozialdemokratische Abstinenten-Vereinigungen, denen 600 organisierte Industriearbeiter angehören. (Stürmischer Beifall.) Wenn Professor Hüppe s.hen würde, wie in Wien junge Arbeiter im Alter von 20 bis 25 Jahren am Sonntag weite Märsche machen, und alsdann nod) drei Stunden einer Abstinentenversammlung beiwihnen, bann würbe er von den praktischen Erfolgen ber Abstinenz überzeugt werben. Die sogenannte Freiheit bcs Trinkens bedeutet boch nur, sich dem Trinkzwang anderer zu beugen. (Stürmischer Beifall.) Befehdungen der beiden Richtungen sind nutzlos und schaden nur der Sache. Die'Wahrheit wird den Sieg davontragen. Die Abstinenz ist das Programm der Tat, zu dessen Durchführung nur per.önlicher Mut nötig ist. — Krankenanstaltsdirekoor Dr. Stöve- sandt-Bremen: Ich stehe nicht auf dcm Standpunkt der Abstinenz, weil ich sie nicht für durchführbar halte. Die Abstinenzler sollten den Anhängern der Mäßigkeitsbestrcb- ungen den Kampf nicht erschweren. DaS kommt doch bloß den Gjcgnern der Antialkoholbestrcbungen zugute. Cs wäre besser, wenn beide Richtungen im Frieden zusammenarbeiteten. — Dr. Helenius-Helsingsors warf die Frage auf, ob Deutschland denn wirklick) so reich fei, daß es sich gestatten könne, jährlick) 3 Milliarden für Getränke auszugeben, die ba5 Volk an Leib und Seele vergiften. — Professor Dr. Forel-Lausanne: Er stimme Dr. Stöve- sandt bei, daß die beiden Richtungen sich nicht bekämpfen, sondern gemeinsam an dem schönen Werke arbeiten sollten. Er müsse aber feststellen, daß Professor Dr. Hüppe ihm Kritiklosigkeit, Ucbertreibung, Anmaßung und Unwissen- schastlichkeit vorgcworfen hÄ>e. Der Vorsitzende Dr. Delbrück erklärte danach die Besprechung für geschlossen und ersuchte: „für bie Folge die Hervorhebung der Gegensätze zwisck)en Mäßigkeit und Abstinenz zu unterlassen." RcichSbank. Am 1. Mai wird an Stelle ber letzt bestehenden Reichsbant n c b e n ft e 11 e in Zwickau eine Reichs bank stelle daselbst crrid)ict, von welcher die Reichsbanknebenstellen in Aue, Crimmitschau und Werdau abhängig sind. Wechsel aus Voiglsberg tauch Vogtsberg geschrieben) bei Lelsnitz i. Vgtl., welche vom 1. Mai d. ab fällig werden, werden von jetzt ab von der Reichsbank angekaust. Sie sind an die Reick)sbanknebenftelle zu Lelsnitz i. Vgtl. zu girieren. Ter amerikanische rabak-Truft hat seine FahreZoersamm- lnng in Fersey-Euy abgehallen. Ter Reingewinn belief sich „ach Abzug aller Ausgaben auf 13 291 458 Toll. Eiwa 6 , Millionen ivurden als 4prozenllge Zinsen für die .Bonds' der Gesellschau a»isge>vorsen, 6 'Millionen als eine 20prozenlige Dividende aui das Slammkapilal. lieber 900 000 Toll, wurden dem Reservefonds überwiesen. Ter Trust wird bekannllich durch die American Tobacco Eompany, die Eonsolidaied und die Continental gebildet. — Getreide. Tic Siimmung war während dieser Woche eine recht feste, angeregt durch die gute Haltung der amerikanischen 'Märkte und durch die kalte ungünstige Wlttei-ung bei uns. Tie Umsätze waren ziemlich lebhaft und die Preise konnten 2—3 Mk. per Tonne anziehen. Roggen ebenfalls fester. Gerste preishaltend. Hafer ruhig. 'Mais fest. — Tie heutigen Notierungen sind: Red- ,Dinier II, April-Mai-Abldg. 'Mk. 132.50, Redwuiter II, Fuli- August-Abldg. 'Mk. 129, Kansas II, April-Mai-Abldg. Mk. 131.50, Kansas il, August-September-Abldg. Mk. 128.00, Südrussischer Weizen Mk. 125-137, Russischer Roggen Mk. 104—107, Russische Fullergerste 'Mk. 99, Russ. Hafer Mk. 100—125, Mixed-MaiS 'Mk. 92. Per Tonne ab Rotterdam. — Tabak, lieber eine Besserung im Geschäft konnte man während der abgelaufenen Woche nichts wahrnehmen; wir stehen noch unter der feiertäglichen Ruhe der Vorivoche. Außer einigen kleineren Posten entrippter Einlage und Einlagetabake in der Preislage von 'Mk. 80—85 und 'Mk. 40—42 wurden uns Verkäufe nicht belannt. Tie Zigarrenfabrikanlen klagen sehr über ruhigen Geschäftsgang, doch hofft man, bei Eintritt besserer Witterung und dadurd) erwarteter allgemeiner Besserung der Gesck)äftslage ivieder lebhafter Jlach'rage zu begegnen. In losen Platzer Rippen ge« schäftslos, lose feine Mk. 10.50-11, gebündelte Alk. 12. — Vichuiarkt. In der abgelaufenen Wod)e waren die einschlägigen Aiärkle weniger frequentiert, aud; der Absatz ließ sehr zu wünsd)en übrig, ivas burd) den allenthalben reichlich gedeckten Lsierbedars begründet sein dürfte. Ter Handel m Grouvleh vollzog sich sehr schleppend, selbst prima Ware fand etwas weniger Berücksichtigung, sodaß hierin an einigen Plätzen etwas Uebcriiaiib blieb. 'Mittlere Qualitäten waren im Verhältnis gut gefragt, der Handel hierin ist als mittelmäßig zu bezeichnen. Ter Kälberhandel war an einigen Plätzen besonders lebhaft, immerhin blieb anderweitig wieder größerer Ueberstand, sodaß der Haiidel im allgemeinen ein mittelmäßiger genannt werden kann. Fette Sck)weme lebhafter gehandelt, tm Prei,e auch etwas nachgebend. dock) wurde nirgends volliländig verkauft. Vcrlin, 17. April. Auf die heute zur öffentlichen Zeichnung aufgelegten290 Millionen Mark ZprozentigeRelchS- a n l e i h e wurden nach vorläufiger Feststellung 13 755 400 000 Alk. gezeichnet. Konfirmanden-Stiefel Adschlaß Kilavk am 31. önrmbtt 1902 Jt £ 4 183247J1 70866.22 2897 96886.64 130.— 20024.16 486.— 8667.31 4. 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April 1003, nachmittags 3 Uhr, bet Gastwirt LouiS Heikler dahier nut folgender TageS-Ordnung stall: 1. Abhör der Rechnung pro 1902. 2. AusnchtSratSwahl. 3. Beschlutzfaffung über Verteilung der Dividenden. Moderne Muster! Aparte Neuheiten 1 Gutes PianmoÄ? kaufen cd. zu vermieten. Reflektanten belieben ihre Adr. uut. Nr. 01721 au d. Erp, abzugeben. M'M CRC mit großer, Heller HciUS Werkstalie losorl billigst bei geringer Anzahlung zu verkaufen. Gefl. Offert. unL Nr. 01805 an die Exved. d. Bl. für Knaben und Mädchen in unerreicht grosser Auswahl zu enorm billigen Preisen. Elegante Neuheiten in farbigen Damen- und Herren-Stiefeln U. l^SZSS der Siemens & Halske A.-G, Tlhimmelivlillalhe, schön, schwer, gängig, fehlerlos, 9jährig, zu verlausen. 3275 Näheres in der Expeb. d. Bl. Äerllha'ikill'itrhMl) 2e/. Jahre alt, Vrackttier, 6 mal prämiiert, verkäuflich. Näheres m der Ervebuion d. BI. 8206 2. Kassenvorrat 3. Unersctzte Vorlagen 624.18 6. 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