Mittwoch 18. Miirzl 803 153. Jahrgang Erftcö Blatt. tlbtefle tüt Droscheni eajftgtr Sieten. 6«aOro*< ■tenallutTb in, ptctW [äbrltcb Ät HO. durch Abdole* u. rtwagfleÜni monaihrt) 6o DI., durch bie’Ml tot r.— Vtrntl» löfctl auelchl Drfirllfr Umarme von Bnjrtgea füt bi« lügeenummet bii poimmoQe 10 Uhr. ZeNenpreiH lokal IHN» »■♦redrtl tu 10, den polu b. afigifiK, teil D Wttkko tüf ,Siabl und Vanb* unb .Grrichioioal' lud V loto. lüi den An» tfhientftl Pan« 6 eck. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen nf zum Aufdruck zu bringen. TaS die uns bereitet. König von Sachsen folgenden Trinkspruch auS: Sw. kaiserliche Majestät gestatten mir, für den heutigen so ............. hnen meinen und der meinigen Kaiser Wilhelm in Trcsdev. Der Kaiser ist am Dienstag nachmittag in Dresden ein» getroffen. Von Elsterwerda, bifl wohin Kronprinz Friedrich August dem Kaiser entgegengefahren war, fuhr er mit dem Kronprinzen allein in einem Wagen, während die Begleitung in einem anderen Wagen Platz genommen hatte. Auf dem Bahnhofe in Dresden waren zur Begrüßung des Kaisers anwesend König Georg, in preußischer Ulanen-Uniform, Prinz Johann Georg, sämtliche LtaatSmimster und die Spitzen der Behör» den. Ter Kaiser eilte auf den König zu, umarmte und küßte ihn auf beide Wangen. Dem Prinzen Johann Georg druckte der Kaiser die Hand. Nachdem der Kaiser sodann auch die Minister unb anwesenden hohen Militärs begrüßt hatte, schritt er auf dem Platze vor dem Bahnhofe die Ehren» kompagnie ab und bestieg hierauf mit dem König den Wagen, um durch die Bia triumphaliS nach dem kgl. Schloß zu fahren. Eine dicht gedrängte Menschenmenge hatte die Straßen, welche die Monarchen passierten, besetzt und brachte ihnen Ovationen dar. Im Schloß fand um 6 Uhr eine Ä olatafel statt, an welcher außer den beiden Monarchen die kgl. Familie, die Minister, die beiderseitigen Gesandten, daS Gefolge und der kommandierende General des 19. Armee- KorpS, v. Treitzschke, teil nahmen. Bei der Tafel brachte der Aom hessischen Parlament. K.B. Darmstadt, 17. März. urteilt. „ .. - Hinsichtlich des Etats hat nun zunächst btc erste Kammer das Wort. Sie pflegt ja in den allermeisten Punkten die Beschlüsse des anderen Hauses zu sanltwnieren, und nur da, wo sie etwa vorgenommene Streichungen von Rcgicrungsforderungen als mit dem allgemeinen Lan- desinterejse nicht vereinbar erachtet, saßt sie ihren Beschluß aus Wiedereinfügung der betrefsenoen Positron. zie Sache geht alsdann sofort an die zweite Kammer gurüd und wenn auch diese auf ihrem Standpunkt verharrt, so wird in einer gemeinschaftlichen Schuna beider Kammern die endgiltige Entscheidung herbergcsuhrt. Es ist indessen kaum anzunehmen, daß man es diesmal ]o weit kommen lassen wird. Die zweite Kammer hat, das muß zu ihrem täuhme hier gesagt werden, für die Ausgaben unb Bedürfnisse unseres Staatslebens ein offenes Auge und ebenso os.ene Hand gezeigt. Tie wenigen und durchweg minimalen Streichungen, die in dem ordentlichen (rtat Sw. kaiserliche Maiestar oefiatten mir, für oen yeungen io yoch erfreulichen Besuch höchst Ihnen meinen und der meinigen herzlichsten und tiefgefühltesten Dank zum Ausdruck zu bringen. Dieser Besuch ist ein erneute« Zeichen dcS Wohlwollens und der herzlichen Gesinnung, bie uns Sw. Majestät in allen Zenen, in Tyreub und Leid erwiesen haben und welche namenilich in der legten ernsten Zeit unserem Herzen so wohl getan hat. Ten Gefühlen des Danke« und der herzlichen Anhänglichkeit an Eurer kaiserlichen Majestät erhabene Persönlichkeit erlaube ich mir Ausdruck zu geben, indem ich saae: Gott segne, Gott schütze Euere kaiserliche Majesiät 1 Sw. kaiserliche Majestät lebe hoch, nochmals war wirklich eine recht angenehme lleberraschung, die zweite Kammer seit langer Zett einmal Sie hat am Freitag den ganzen Haushaltsplan fertig gestellt unb sich Dann bis nächsten Donnerstag vertagt. Unb warum? Weil sie nichts weiter zu beraten hat. Es ist wirklich so unb keine Ironie, die Kammer leidet an Stof f mangel. Allerdings nur für den Augenblick. Sie hat in der letzten Woche sich mit einem wahren Feuereifer über den Rest des Etats heraemacht, und doppelte und dreifache Arbeit getan. Da 6ltcE) für Die Ausschüsse wenig Zeit zur Vorbereitung für die Plenarsitzungen übrig, unb so sieht sich benn die Kammer plötzlich vis-a-vis de rien, das sie zu einer kleinen Ruhepause oerhoch und abermals hoch 1 Der Kaiser antwortete: Gestatten Sw. kgl. Majestät, daß ich meinen innigsten und tiefgefühltesten Dank für die gnädigen Worte und sür den schönen (tmpfang, den Sw. Majestät mir bereiteten, zu Füßen legen darf. Es ist mir ein Bedürfnis gewesen, den Besuch Sw. Majestät baldmöglichst erividern zu dürfen, und ich trage hiermit eine DankcovfUcht ab, zu welcher Sw. Majestät mir Gelegenheit gegeben haben. Sw. Majestät können versichert sein, daß, gleichwie »ch einst zu meinem Hochfellgen Oheim für die Fürsorge, die mir dieser in meinem jungen Leben erwiefen hat, die tielfle und innigste Zuneigung faßte, ich diese setzt aus daS erhabene Haupt Eurer Maiesläl und Ihr Hau- mir erlaube zu übertragen. Zualeich versichere ich, dap, wie der Wettiner Freud und Leid stets auch derHohenzollern Freud und Leid ist, ich ebenso sühle wie Sw. Maiestät und mem ganzes Bott mit mir. Ich schließe meinen Dank für den herrlichen (fcmpiang und die gütigen Worte, indem ich der Hostiiung lebe, daß Sw. Majestät auf ber Reife den vollen Zauder de« sonnigen Südens finden und gestärkt znrücktehren möge zu Ihrem lieben Sachsenvotte. König Georg Hurrah, Hurrah, Hurrahl Der Kaiser verlieh beni kommandierenden General des 19. Armeekorps, General der Infanterie, v. Treitschke, das Großkreuz deS Rothen AdlerordenS. Nach dem Thee zog sich der Kaiser kurze Zeit zurück und empfing dann den ältesten Sohn deS Kronprinzen, Prinzen Georg. Später legte der Kaiser tn der katholischen Hofkirche auf dem Sarge des Königs Albert einen Kranz nieder und stattete darauf dem Prinzen und der Prinzesiin Johann Georg einen Besuch ab. Der Kaiser, dem der König, der Kronprinz und Prinz Johann Georg das Geleit zuiö Bahnhof gaben, hat um 8 Uhr die Rückreise nach Berlin angctreten, wo er um 11 Uhr wieder eintraf. Der König und Prinzessin Mathilde reiften nach dem Süden ab. beschlossen ttnrrben, finb meist im Einverständnis mtt ber Regierung selber erfolgt; was sie verlangte und als im StaatSinteresse notwendig bezeichnete, ist anstandslos bewilligt worden. Ungleich größer sind dagegen die Ab- ftridje im außerordentlichen Etat. Hier hat sich ein recht beklagenswerter Gegensatz zwischen der Kammer- Mehrheit und der F i n a n z a u s s ch u ß m e h r h e i t ge- zeigt. Während die letztere die Ablehnung des neuen Amtsgerichts in Dieburg empfahl, wurde dieses pon der elfteren mit 26 gegen 16 Stimmen angenommen unb wäh- renb die Forderung von 558 700 Mark für bie Er weiter- ungSbauten an der Technischen Hochs chule im Ausschuß miit 6 gegen 1 Stimme auf Grund des von der die» gtcrung beigebrachten umfangueidjen Materials als notwendig anerkannt und zur Bcwittigung empfohlen wurde, hat die Kanimermehrhett die Forderung kurzweg abgelehnt, ohne daß auch nur ein einziges Wort zur Rechtfertigung dieser Abstimmung Dorgebraujt worden wäre. Tie erste Kammer wird hier wohl chre Stimme zu Gunsten der Forderung erheben. M^r die diesjährigen Etatsberatungen mit einiger Aufmerksam leit naher verfolgt hat, bun wirb Jn bem Gang der Verhandlungen manujcrici auf gefallen sein. Von eigentlichen stürmischen Partei- oder 3iikrif|Ciitänip|en, wie sie in anderen Parlamenten bei dieser Gelegenheit aus> gcfodjtcn zu werden psiegen, ist die Etatsdebatte gtüiflidjcr- weise fast gänzlich ver|dpnt geblieben. ES waren eben Tank der vorsichtigen Rechnungsausstellung nur wenig iHcibefläajen |ür gegensätzliche An.chauungen geboten. Der Etat gab jedem das Seine, forooj dem ,zbreige|iirntcii" Ministerium des Inuern, Handel, Gnoerbe und Landwirt- schaft, wie den Auforderungen des Finanz- uitd des Iujtiz- ministeriunis, und mußte duher im al.gemeinen uxnigiieua Die fiadtijcyen, wie Die rand»ru--en V^liSL-ertreter im gUcchen Matze befriedigen. Wenn trotzdem von manchen Rebnem häutiger über bas Ziel h i n a u s g e s ch o s - sen ivuroe, so geschah dies meist un H.ublick auf Die kommenden Reichstagswahlen. Es mußten eben Reden zum Fenster hinaus gehalten werden, (denn es dürfte so ziemlich ein volles Dutzend unserer Landiagsabgeord* neten auch nach einem Reühsragsmandat seine Fühlhörner aus strecken). Arn mtereffantesten war bei der Etatsberatung die Haltung der Sozialdemokratie. In anderen Parlamenten stehen die Herren bekanntlich fest geschtosjen und bis an die Zähne bewaffnet dem „Racker von Staat" gegenüber, dem sie „keinen Mann und leinen Groschen" zu bewilligen jich verschworen — in Hessen sind ihnen dagegen die „Zwölslauseiid-Mürkelchen" Ministergehalt nid)t hoch genug; sie haben, nachdem sie wenigstens den Schein gewahrt und gegen bic Zivilliste unb eiiuge bauliche Veränderungen in den Großh. Schlossern gestimmt, schlankweg alle Forderungen und sogar noch mehr bewilligt, als der Finanzausschuß selber beantragt hatte, wie z. D. die erste Rate von 95 000 Mark für die von sehr vielen Leuten sür überflüssig gehattene Errichtung eines neuen Amtsgerichts in Dieburg. Ja, der heißblütige Wortführer ber Partei und „Arbeitsminister in spe", wie er seit seiner Aeußerung von den Zwöljtausenb-Mrleld-en vielfach bezeichnet wirb, nahm sogar keinen Anstand, es offen auszufprechen, daß er aud) vor weiteren Steuererhohungen nicht zurück schrecken würde, wenn es gelte, gewisse Beamtengehälter weiter aufzubessern, — mehr kann man seinen „unentwegten" Umsturzideen wohl kaum die Zügel schießen lassen! Es wäre übrigens eine interessante Frage, ob Herr Ulrich diese feine Beamtelifympothien allein auf bie hessischen Beamten beschränkt ober ob er bie Strahlen seiner Gunst : auch auf bie meist recht kärglich besoldeten sozioldemokro- ! tischen Parteibeamten leuchten lassen will. Bisher hat man nichts davon vernommen, daß er auf den Parteitagen denselben Eifer für deren Besserstellung entwickelt hätte! Dculschcs Keich. Berlin, 17. März. Der Kaiser sprach heute beim Reichskanzler Grafen Bülow vor, und hörte spater im Schlosse Den Vortrag des Chefs deS Miltärkabinetts. Um 12 Uhr trat ber Kaiser mittelst Sonderzuges bie Reise nach Dresden an. — Nach einem Telearamm aus Luxor geht e5 bem Kronprinzen auch heute besser. Er hat nuc noch schwaches Fieber. Prinz Eitel Friedrich hat bereits das Bett verlassen. Die Reise der Prinzen wird nach dem Programm fortgesetzt werden, wie man hofft, in etwa 10 Tagen. - -$?ic eine Korrespondenz berichtet, hat sich das preußische Staatöminifterium in feiner letzten Sitzung u. a. mit ber vom Minister bes Innern im Landtage tn Aussicht gestellten Aenberung bes preußischen Wahlgesetzes besaßt. — Wie eine Korrespondenz berichtet, hat Regierungspräsident v. Brandenstein, ehe er fein Abschiedsgesuch einreichte, den Wunsch geäußert, dem Kaiser persönlich in feinen Angelegenheiten Vortrag halten zu dürfen, hat aber die erbetene Audienz nicht erlangen können. — Major a. D. Ende 11 erklärt in einer Zuschrift an das „Verb Tagebl.", es sei richtig, daß fettens Der Posener Regierung gegen den Generalsekretär ber Lanbwirtschafts- kammer Eberl bas Disziplinarverfahren einae- leitet worben ist, weil derselbe der Kummer gehörige Bück) er und Abrechnungen beiseite geschafft habe. Dagegen habe seine Person mit dem Verfahren nichts zu tun. — Tie Budgetkommission des Reichstages beschäftigte sich heule mit ber Frage ber Beschickung bet Weltausstellung in St Louis, wofür eine erste Rate von iy2 Millionen verlangt wirb. Der Referent v. Tiedemann hatte verschiebene Bedenken, welche auch von Liebermann v. Sonnenberg geteilt wurden. Dagegen befürwortete der Abg. Singer bie Beteiligung. Auf eine Anfrage erklärte Graf Posadowsly, baß sich bie Kosten insgesamt auf drei Millionen belaufen werben. Die Forberung wurde schließlich mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. — Ter Zentraloerbanb deutjcher Industrieller hielt eine Telegierttnoersammlung ab. Diese nahm bezüglich der Handelsvertrag e eine Resolution an, welche den Abschluß langfristiger Ha.idelsoerträge unter Bindung bezw. Herabsetzung der für die deutsche Ausfuhr wichtigen fremden Zoiliätze unb Sicherung ber Meistbegünstigung befürwortet und bei den Handelsvertrags- Verhandlungen weitere Ermäßigungen der Jndustriezölle möglichst ausgeschlossen zu sehen wünscht. — Wie man ber „T. R." miUeili, i,t in Preußen auf die Wiebereinbringung d^s Gesetzenuvuifes betrefsenb bas juristische Studium endgillig verzichtet worben; bagegen wirb eine Abänderung bes P r ü f u n g s m o b u s beim Asses sorexamen in eknstliche Eiwägung gezogen. Wahlbcwegung. Zu ben Reid)stagswahlen steckt die beutsch-soziale Reformpartei int Wahlkreise Alsfelb-Lauter- bach-Schotten ben bisherigen Vertreter Binbewalb auf, in Friebberg-BüDingen ben Selonomen Dtth. Baer- zerren Hag, im Wahllrcis Erbach im Obenwald den Lanbtagsabg. Hirf chel-Lffenbach für ben Fack, daß Antrag dahin, drei Millionen abzusetzen. Dieser Antrag wirb schließlich angenommen. Also China kostet bem deutschen Reiche zu viel. Die Ausgaben stchcn in keinem Verhältnis zu dem dhitieiL DaS war die allgemeine Auffassung. Tas große Rügland, das neben England die erheblichsten Interessen in China wahrzunehmen hat, begnügt sich mit einer ickuppenzahl von 850 Mann ;faft doppelt soviel wendet Deutschland in Petschili auf. Bekanntlich haben die Verein. Staaten ihre Truppen fett längerem ganz zurückgezogen. Die Befürworter einer starken militärischen Stellung berufen sich auf internationale Vereinbarungen und auf bie Möglich kett neuer fremdenfeindlicher Unruhen. Internationale Vereinbarungen können aber durch Verhandlungen ab- Mildert werden, wie Abg. Richter vorsdjlug. Und frei von Inruhcn wird ein Riesenreid; niemals fein. Der Hof und die Regierung in Peking haben sich in überraschend kurzer Zeit zu modernen Anfd)auungen bekehrt. Wurde doch kürttich das für unmöglich Gehaltene berichtet, daß die europäische Tracht am Pekinger Hofe angelegt worden ist und bei- behalten werben sott. DaS ist ein noch bcbeutungsvottereS Zeichen ber Annäherung an bie Zivilisation, als bie Ge- Itaitung deS Baues von Eiseubahiien und aiideren Verkehrsmitteln. Die Bewegung gegen die Fremden hat in China in demselben Slugenblid nachgelassen, als bie chinesische Zentralregierung es für klug hielt, sich auf friebliajen Fuß mit den Mächten zu stellen. Tie leltenbeii Persönlichkeiten un Reiche der Mitte haben Geschmack art ber Kultur gefunben. Tas gewährleistet besser als eine Trupvenbesetzung, bie Im Ernstfälle bald vernicytet sein würde, die Aufrechterhaltung der Ordnung. Das von unserer Regierung eingeholte Gutachten des deutschen Gesandten in Peking spricht sich ja selbst dahin aus, daß die Zustände stch konsolidiert haben. Ist dies ber Fall, und loiuüe daraufhin die Räumung Shanghais erfolgen, so ist nicht ersichtlich, warum nid/1 ebenso über Die allmähliche Zurückziehung ber Truppen ui Tschitt in Verhandlung getreten werben sott. Sogar von konservativer Seite wurde in ber Bubgetkonimission iür bie Verminderung der Besatzung eingetreten. Die Millionen unb bie Regionen" sollen aus China, baS ist die Forderung, welcher ber Reichstag durch ben Abstrich von drei Millionen den wünschenswerten Nachdruck verleiht. Politische Tagesschau. Zurück aus China. Jn berBubgelkommiss ionbesReichstages gab am Dienstag beim Etat für bie Expebition nach D ft ap en Staatssekretär Frhr. v. Richthofen zunächst Auskunft über die Räumung Shanghais. Für bie deutsche Politik während ber chinesischen Wirren waren zwei Gesichtspunkte maßgebenb: im Einvernehmen mtt ben anderen Mächten zu bleiben, unb ben Schutz der Reichs an gehörigen unb unserer wirtschaftlichen Interessen in nicht geringerem Maße wah.zunehmen, als die anderen Mächte den Schutz ihrer Interessen. Der Anregung, Shanghai zu räumen, stimmten wir zu, nachdem ein Gutachten des Gesandten in Peking eingetrossen war, daß die Zustände so konsolidiert seien, daß ohne Gefahr für unsere Interessen bie Aufrechterhaltung ber Ordnung wie früher ben chinesischen Vizekönigcn überlassen werden tönne. Die augenblickliche Lage ist, daß auf chinesischem Gebiete, abgesehen von Kiautschou, Wei-Hei-Wei und der Mandschurei, nur in Pet- schili noch fremde Truppen unterhalten werden. Tie Zahl der fremden Truppen beträgt 74CO. Unsere regelmäßige Besatzung in Kiautschou beträgt nur 1700 Mann. Von den aus Petschili zurückgezogenen Truppen sind 600 Mann zur Verstärkung m Kiaut'^u zurüdb.halten. Abg. Richter bekämpft die wettere Besetzung der Provinz Tschtti und beantragt, von diesem Etat 5 Millionen abzu,etzen. Kriegs- Minister v. Goßlcr erklärt, bie Militärverwaltung folge in China nur ben Weisungen der Politik und Diplomatie. Staatssekretär v. Richthv ' en erhärt, die Besetzung von Tschili erfolgte un der Pckmgec G-faiwt a-ajten unb werde nur so lange ausrechtcrhaltcn, als es unbeoaigt notwendig ist. Abg. Richter ermäßigt hierauf seinen der seitherige Vertreter Gey. Negierunasrat HaaS (nL) eine Kaudibarur nicht mehr annehmen sollte. Kassel, 17. Marz. Die Nationalliberalen haben in Gemeinschaft mit den Konservativen und Freisinnigen den bisherigen Landtagsabg. für Kassel- Land, Gutsbesitzer Beinhauer - Vollmarshausen, als Reichstagslandidaten aufgestellt. Tas beabsichtigte Kartell zwischen den Konservativen, dem Bunde der Landwirte und den Deutschsozialen ist nicht zu stände gekommen. Aus Stad! und KanS. Gießen, den 18. März* 1903. — Das Programm des GießenerGymnasiums für 1902/03 ist soeben erschienen. Außer den üblichen Schul- nachrichten enthält das Programm eine Uebersetzung einzelner Telle des Ovid in poetischer Form von Oberlehrer Otto Alt en darf. Wir sind zwar der Meinung, daß, wer sich der Erziehung der Jugend widmet, der Welt nichts weiter schuldig ist; umsomehr aber können wir die große Arbeit würdigen, die uns in dieser Uebersetzung vorliegt. Die Uebersetzung umfaßt: Lykaon, Die Flut, Deukalion und Pyrrha; Phaöton; Kadmus, Perseus und Andromeda und Niobe. Es sind also die schönsten Kapitel aus den Metamorphosen, die Herr Altendors gewählt hat; die Uebersetzung wird deshalb ohne Zweifel ein größeres Publikum sinden, als es sonst den Schulprogrammen beschieden ist. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadt - verordneten-Versammlung auf Freitag, den 20. März 1903, nachmittags 4 Uhr. 1. Vorlage der Rechnung und des Verwaltungsberichts für 1901/2. 2. Gesuch des Karl Schneider zu Gießen um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Bahnhofstraße 48. — In der geheimen Sitzung wird, wie wir schon mitteilten, auch die Begebung der 3l/,p rozentigen Anleihe von l1/, Millionen Mark beschlossen werden. Wahrscheinlich wird auch auf die Verhandlung in der letzten Sitzung des Provinzialausschusses zurückgegriffen werden und nainentlich wohl auf die von Jö ekel-Friedberg und Rechtsanwali Grünewald abgegebenen Erklärungen. (Vergl. unseren heutigen Provinzialausschuß-Bericht). * • Das Crednerhaus in der Crednerstraße ist heute für den Preis von 25 000 Mk. an die Louis Dauernheim- schen Eheleute verkauft worden. "In allen Volksschulen des Großherzogtums Hessen schließt das Schuljahr am 4. April. An diesem Tage werden die 14jährigen Schüler und Schülerinnen entlassen. Das neue Schuljahr beginnt am 21. April. — Gießener Pferdemarkt. Die Pferdemarkt-Kom- mission hat beschlossen, gleichwie bei dem vorjährigen Herbst- Pferdemarkt auch bei dem am 25. März ^stattfindenden Früh- jahrsmarkt Pferde im Privatbesitz zur Vorführung, bezrv. Prämiierung zuzulassen. Es sind hierfür folgende Abtellungen vorgesehen und zwar: 1. Reitpferde unter dem Reüer gezeigt, 2. Wagenschläge einzeln oder paarweise im Geschirr oder vorgeführt, 3. Arbeitsschläge einzeln oder paarweise im Geschirr oder vorgeführt. In jeder Abteilung wird ein Ehrenpreis gegeben. Anmeldungen zur Prämiierung haben bei Oetonomicrat Schlenke-Hardthof oder Weinhändler A. Schwan-Gießen zu erfolgen. Die Vorführung der Privatpferde beginnt vormittags 11 Uhr in dem hierfür vorgesehenen Prämlieruugsring. Für die Zuschauer ist ein besonderer abgeschlossener Raum geschaffen, für die geladenen Gäste eine kleine Tribüne errichtet. " Prof. Ruh land. Als agrarischer Nationalökonom für unsere Landesuniversität ist bekanntlich vom Abg. Köhler- Langsdorf ist der Vertrauensmann des Bundes der Landwirte, Professor Ruhland, vorgeschlagen worden. Ein landwirtschaftliches Blatt berichtet nun, daß Ruhland für ein von ihm errichtetes neues statistisches Bureau und für seinen „Getreidemarkt' die Hilfe des Geh. Kommerzienrats Frentzel und einzelner Mllglieder der Berliner Handelskammer und des Vereins Berliner Getreidehändler erbeten habe. Er habe sich sogar bereit erklärt, seine früheren Angriffe auf den „Zwischenhandel* zu widerrufen, wenn sein „ Getreidemarkt ° finanziell über Wasser gehalten werde. Die genannten Industriellen haben das Anerbieten Ruhlands wegen dessen wiederholten politischen Meinungswechsels abgelehnt. "Nur eine Sternschnuppe. Die am Sonntag hier beobachtete, von uns in unserem Montagsblatte erwähnte Himmelßerscheinung war weder ein Komet noch ein Meteor, noch eine meteorartige Erscheinung. Es war eine Sternschnuppe von etwas bevorzugter Dimension, wie deren stets im August und November zahlreiche zu beobachten sind. Ihre Bahn war bogenförmig, die Konvexität des Segmentes lag oben. Sie verlief mitten im Sternbild des „BooteS", über besten Hauptstern, dem Arcturus, zwischen ihm und dem Großen Bären. Auf einer Sternkarte eingetragen, ergab die Bahn nur 15 Grad Länge, sie liegt in 10 Grad Entfernung über dem Arcturus. "Deutschlands älteste Zeitungen. Nachdem das Frankfurter Journal, das bisher als die älteste deutsche Zeitung galt, nach 287jährigcm Bestehen am 9. März eingegangen ist, rückt nunmehr die Ma gdebur gische Zeitung auf die erste Stelle in derAncietmitätslisto der noch bestehenden deutschen Zellungen vor. Das Jahr ihres Ursprungs ist nicht nachzuweisen; die älteste noch vorhandene Nummer stammt aus dem Jahre 1626. Weller folgen: Königsb. Hartungscho Ztg., gegründet um die Mitte des 17. Jahrhunderts unter anderem Titel; Leipz. Ztg., gegründet 1660 von Timotheus Ritzfch, feit 1761 Staatseigentum; Jenaische Zeitung. gegründet 1674; Augsburger Postztg. seit 1686: Gothaische Ztg. 1691; Augsburger Abendzlg., gegründet in der zweiten Hälfte bcS 17. Jahrhunderts; Königl. priv. Berlinische Zeitung von Staats- und Gelehrten- Sachen (Voss. Ztg.), gegründet 1704 von dem Buchhändler Michael Rüdiger unter dem Titel Berlinische Ordinäre Ztg.; Lippstädter Ztg., gegründet 1709; Rostocker Ztg. seit 1710; Riedlingcr Ztg. (Württemberg), gegründet 1714 als Ordman- Riedlinger Freytags-Ztg.; Jntelligenzblatt der Stadt Frankfurt a. M. seit 1722; Koblenzer Zlg., gegründet 1748 als Gnädigst privll. Koblenzer Jntelligenzblatt (zur Franzosenzeit: Feuilles a'Atficne»); Dresdner Anzeiger, gegründet 1730 von G. (S. Hilscher als Der Kömgl. Pohln. Chursürsil. Sächsischen Residenz Stadt Dresden Wöchentlicher Anzeiger ober Nachricht; Darmstädter Tagblatt, gegründet 1736, seit 1764 un jetzigen Verlag; Schlesische Ztg., Breslau, gegründet 1742 von I. Korn auf Grund emes von Friedrich dem Großen am 22. Oktober 1741 erteilten Privilegiums als Schlesische Privilegierte Staats-, Kriegs- und FriedenSzellung; Bremer Nachrichten, feü 1743; Braunschweiger Anzeigen, seit Gründung — 1745 — Staatseigentum; Gieß. Anzeiger, gegründet von Joh. Krüger als ,(Siegener Wochenblatt" am 11. Januar 1750; Nördlinger Anzeigeblatt, ebenfalls 1750; Mecklenburgische Zellung, 1757 usw. " Stadträte als Journalisten. Im Etatsaus- chuß der Berliner Stadtverordneten-Versammlung wurde beim Etat der Magistratsgchälter mit Recht anerkennend hervor gehoben, daß von Mitgliedern der städtischen Verwaltung Journalistendienste geleistet werden. Man hob sehr richtig hervor, daß die Abfassung von Leitartikeln und größeren Aufsätzen für Zeitungen aus berufenen und erfahrenen Kreisen zur Aufklärung recht oft gute Dienste leiste, und erwähnte dabei, daß einige Herren der städtischen Verwaltung auch über Sitzungen und Vorgänge in der städtischen Verwaltung den Zeitungen Berichte gegen Bezahlung lieferten. r. Kleinlinden, 18. März. Der von hiesiger Gemeinde auf Ablösung der fiskalischen Jagd in bet Gemarkung Kleinlinden gestellte Antrag ist von der Gemeinde zurückgezogen worden. h. Friedberg, 17. Marz. Am 14. d. M. fand die öffentliche Schlußprüfung an derAckerbau-Winterschule tatt, an die sich die feierliche Entlaffung der Schüler schloß. — Gestern begannen die Kurse an der Obstbauschule für Baum- und Straßenwärter und Jntcreffenten. — Tas Mathilden stift Friedberg-Butzbach hat an 53 Dienstboten, die über fünf Jahre bei derselben Herrschaft dienten und sich gut führten, Prämien von je 10 Mark verteilt. — Dem hiesigen Stadtkirchenbauverein wurde von dem vcr- torbenen Fräulein Herpel ein Vermächtnis von 4520 Mk. hinterlaffen. () Rainrod, 17. März. Samstag abend fuhr der Besitzer einer hiesigen Wollspinnerei mit einem Wagen Lvllbündeln von Schotten heimwärts. An einer sehr ab» chüssigen Stelle scheute das Pferd. Rasch sprang B. vom Wagen, um das Hemmwerk zuzuschrauben, was chm jedoch nicht gelang. Hinter dem Fuhrwerk hereilend, sieht er auf >er Landstraße einen dunklen Gegenstand und erkennt — eine Frau als Leiche. Ob die Unglückliche auch von >em Wagen springen wollte oder von den Bündeln heruntergefallen ist, ist nicht aufgeklärt. Als das Fuhrwerk ohne seinen Besitzer heimkam, machte man sich auf die Suche und fand den jammernden Mann neben seiner toten Gattin. Vier Kinder, von denen das jüngste noch nickt >ie Schule besucht, standen heute wehklagend an dem Grabe »er Mutter. Das Mitleid mit der schwer heimgesuchten Familie ist allgemein. -k.- Mainz, 17. März. Der zwölfköpfigen Einbrecherbande, welche die vergangene Woche hier erwischt und festgenommen wurde, werden 10 Einbruchsdieb- tähle zur Last gelegt. Mainz, 17. März. Der soeben erschienene städtische Harsh t .■ b i r in , chlag für das Rechnungsjahr 10 — 1904 ^liefet in Einnahme und Ausgabe mit tuiut «summe von 9 411887.20 Mark. Davon entfallen auf die Betriebsrechnung 6 430 850.96 Mk. und 2 951036.24 Mk. auf die Vermögensrechnung. Gegen das Vorjahr ftiegen die Einnahmen und Ausgaben um 1 918 067.09 Mk., denn dieselben waren im Voranschläge 1902—1903 nur mit 7 493 820.11 Mk. veranschlagt. Wiesbaden, 17. März. König Leopold von Belgien ist heute zu längerem Aufenthalt hier eingetroffen. a. Marburg, 17. März. Bei der heute unter dem Vorsitze des Provinzialschulrats Dr. Lahmeyer am hiesigen Gymnasium abgehaltenen Reifeprüfung wurde sämtlichen 14 Dbeiprprimanem das Zeugnis der Reife zuerkannt, 9 wurden von der mündlichen Prüfung dispensiert. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Frankfurt sprang am Montag nachmittag ein etwa 20 jähriges Mädchen auS dem ersten Stock eines HauseS in der Fahrgasse und erlllt so schwere Kopfverletzungen, daß eS innerhalb wenigen Minuten verstarb. — Auch in Mainz siegte bei der Gkwerbegerichts- wähl die Liste der Gewerbegerichtsbeisitzer (Arbellnehmer), die vom Gewerkschaftskartell aufgestellt wurde, gegen die Liste der christlichen Gewerkschaften und des evangelischen Arbeitervereins. — Die Erben des in Paris am 16. Juli v. I. so schmählich ermordeten Arztes Dr. Leopold Ordenstein haben der Gemeinde Offstein bei Worms, dem Geburtsort de§ letzteren einen Betrag von 8000 Mk. überwiesen, mit der Bestimmung, die Zinsen nur zu verwenden zur, resp. bei Anstellung einer Krankenschwester. — Mit dem Bau der Bahnstrecke Vilbel-Stockheim über Höchst a. d. Nidder wird nun Ernst gemacht. In den Waldungen, welche die neue Bahn durchquert, tst man gegenwärtig mit dem Fällen der Bäume beschäftigt.— Der Turnverein zu Saubringen beabsichtigt, Ende Juli fein Fahnenweihfest abzuhalten. — Die Gauturnfahrt des Gaues Hessen findet am 7. Juni tn Lollar statt. Vermischtes. * Berlin, 17. März. In der vergangenen Nacht wurden in der Heilandskirche fünf Opferbüchsen er- brachen und ihres Inhalts beraubt. Em der Tat ver- dächtiger Mensch, der sich in der Nähe der Kirche aufhielt, wurde zur Wache gebracht. • ^otöbam, 17. März. Im Hotel zum „Deutschen HauS* wurde heute vormittag ein Liebespaar, daS gestern abend dort abgestiegen war. vergiftet aufgefunden. Es handelt sich um einen Dr. Sittenberger und eine Schwester vorn Roten Kreuz namens Korwin, welche in einer Berliner Klinik tätig war. Die in Halle wohnende Mutter des Dr. Sittenberger wurde sofort benachrichtigt. Das Paar hatte sich anscheinend mit Morphium vergiftet. * Ahlen i. Wests., 17. März. Um das immer ärger werdende Schwänzen der Stadtverordneten einzuschränken, ist auf Veranlassung des Regierungspräsidenten eine Geschäftsordnung für Stadtverordneten - Versammlungen erlaffen worden. Wer von den Stadtverordneten ohne triftigen Grund, den er vorher anzugeben hat, eine Sitzung per- fäumt, muß im ersten Falle 50 Pfg., im Wiederholungsfälle bis zu 5 Mk. Strafe zahlen. Wer unnützes oder dummes Zeug redet, kann zur Wortentziehung verurteilt werden. Wer störend in d:e Versammlung eingreift, kann von der Sitzung ganz ausgeschloffen werden. • Köln, 17. März. Bei einem Teeabend in einem Tanzkränzchen brachen plötzlich zehn Damen unb beet Derren ohnmächtig zusammen. Man schaffte sofort ärztliche Hilfe herbei, die Vergiftung durch Kohlenoxydgas feststellte. Ter Zustand zweier Damen und emeS Herrn ist sehr bedenklich; die übagen Personen erholten sich wieder. ♦ Köln, 17. März. Auf der Kleinbahn Haspe-Börde entgleiste eine Lokomotive infolge böswilliger Beschädigung der Schienen. Ter Lokomotivführer wurde getötet * Kiel, 17. März. Zwei in einer Kiesgrube spielende Knaben wurden durch abitürzende K^smafien ve rsch littet und nach Stunden tot ausgegraben. * Hamburg, 17. März. Auf der Insel Wilhelmsburg tötete ein polnischer Arbeiter seine Logiswirtin, weil sie ihm Geld verweigerte. 'Hamburg, 17. März. Ter finanzielle Teil des Hamburger Schwebebahn-Projektes ist fernggestellt und dem Ausschuß der Bürgerschaft emgereichk. Die Kosten der Anlage würden sich auf etwa 35 Millionen Mark belaufen. • Stuttgart, 17. März. In Oedheim, Oberamt Neckarsulm, sind infolge Brandstiftung fünf Wohnhäuser und sieben Scheuern abgebrannt. * Lachenal, der am Sonntag in Lindau mit der Großherzogin von Toskana und der Prinzessin Luise mehrfache Unterredungen gehabt hat, erklärte, däß die Prinzessin die geplante Reise nach England aufgegeben habe. Lachenal konnte ihr die formeUe Zusage deü sächsischen Hofes übermitteln, daß sie nicht dazu angehalten werden soll, das zu erwartende Kind auszuliefern. Jnfolgedeffen wird die Prinzessin ihre Niederkunft in Lindau abwarten. * Paris, 17. März. Der Minister des Innern hat den Bürgermeister von Guidol »m Departenient Mordihan eines Amtes enthoben, weil derselbe nicht gestattet hatte, daß die Leiche emes jungen Mädchens, welches verführt worden war und, um der Schande zu entgehen, Selbstmord begangen hatte, auf geweihter Stelle auf dem Kirchhofe beigejegt wurde. * Belgrad, 1/. Aiarz. Mehrere Offiziere, die in einem Zeitungsartikel eine Beleidigung der ferbi- chen Armee erblickten, forderten den Prvsesjor an der Hochschule, Aza Borisaoljevitsch. Dessen Zeugen, die Führer der liberalen Partei, Avalumovttsä) tuw Ackarac, verweigerten namens des Geforderten die Satisfaktion; >er Verjasser habe nur eine erlaubte Kritik geübt ♦ Ein Pistolenduell sand am Somiiag ui Bamberg nach der „Post" zwischen einem Off izier unb einem Zivilisten statt. Letzerer wurde getötet. Arbeiterbewegung. Der Streik ucr Tabakarbeiteriuueu tu Rom. Die armen'* Roms streiten I Die Lohnoerhäluusje in den IgL iabab iabriken haben ihnen schon lange nicht mehr genagt und da der Direkior nicht nachgeben wollte, so haben sie die Arbeit niebevgc- legt. Ohne Scharmützel und Redegeiechte ging es natürlich Nicht ab — damr sind die Streikenden Tarnen und heißblütige Römerinnen. — Lange dürste der Streik kaum währen. Die Tireknon ivird die Lohne erhöhen, baiür die Eigneren etwas schlechter machen — was bei italienischen Eigarren allerdings recht schwer halt — sie sind schon jetzt gerade schlecht genug. Gerichlssaat. Seligenstadt, 17. März. Wie durchaus notroenbig eine trenge Handhabung des Nabrungsrnuielgesetzes ist, ergiebt sich wieder aus der gelingen Schöffengerichtssitzung, bei der nicht weniger als 4 Metzger sich wegen NahrungSmittelsälsch- u n g zu verantworten hatten. Sie hatten ihrer zum Verkaufe gestellten Wurst zwischen 1 und 4 Prozent Mehl zugeseyt und wurden deshalb sämtlich zu Geldstrasen und zu den Kosten verurteilt. Kandel und Uerbehr. UMsivirlschafl. 3 u chlußkurse. 217,75 217,50 193,00 179,62 Anfangs- . 217,20 . 217,50 . 141,60 . 193,20 . 179,00 Berliner Börse vom 17. Mär- 1903. (MngeteiU von oer Bank für üandel und Industrie, (fließen.) Auf besser klingende amerikanische Berichte eröffnete die heutige Börse in ziemlich günstiger Disposition bei allerdings recht geringem Geschäft. Das Hauptinteresse ivar wiederum den Bergwerkspapieren au- gewandt, von deueu besonders Teutsch-^uremburger beständig favorisiert sind. Gegen den offiziellen Schluß machte die feste Tendenz bei sehr lebhaften Umsätzen weitere Fortschritte und man schließt zu den höchsten Kursen. Kanada waren nach mehrsachen Schwankungen schließlich fest. Bochumer, Laura, Harpener bevorzugt. Die Umsätze in Bankaktien waren gering, doch ist auch hier Heftigkeit zu konstatieren. Fremde Renten sind vernachlässigt, ausgenommen Türken, welche für ausländische Rechnung aus dem Markte genommen worden. 3,5 pEV deutsche Anleihen höher, wogegen die 3 plSt. nachgeben mußten. Geld anziehend, Privatdiskont " Prozent. Deft Kredit. . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau Tendenz: Fester. — Wormser nette Ltadlauleihe. Die Lubnnmon aus die neue 3' .proz. Anleihe der Stadt Worms ,im Betrage von 3 •/, Mill. Mt. hat ftangeiunben. Eine größere Anzahl von Offenen wurde abgegeben; das Höchstgebot mit 99,87 pEt. flammte von einer Grupve, oer Dresdner Bank, dem Bankhaus L. u. E. Wert- betmber, der Westdeutschen Bank und der Kölnischen Wechsler- und Kommissiorisbank. gkiej Italien. -r. -r. tu Stockheim. Anonyme Zuschriften, Berichte usw. können nicht berücksichtigt werden. Tie Redaktion muß doch ihre Berichterstatter kennen, wenn sie deren Namen auch dem Publikum gegenüber Telephonischer Kursbericht. tmuklari *. *•.. 18. März tvi3 Reicheanleibo . . 102.50 1 8e/0 Mexikaner . . . 26.00 3*7 do. . . . 92.501 iVt /» Chineeen .... 92.60 z>/,*/, Konsole .... 102.35 Electric, öci uckert . . . 94.00 3°/o do ..... 92.20 Nordd Lloyd . . . . 9610 Heesen .... 101 30 Kreditaktien . ... 218.00 Sl/.9e ObernoMCu . . . 100.20 Diekonto-Kommandit. . 195.30 45j Oeeterr. Goidrente . . 103.60 Darmstädlrr bank . . . 141.90 4* 6% Oeeterr. Biiberrente 101.05 Dreedroer Back .... 150-25 4% Ungar. Uoldrentc . . 102.20 j Ber iner Handelegee. . . 160.80 4° Italien Rente . . . 103.501 Oesterr. StaaUbahn . . . 148.30 4’,% Porytguwtü . . . 50.851 Lombarden.....14.60 Portogiesrn..... 32.35 Ootthar 'bahn .... 187.80 194 C. THrnen . ... 33 00 Laura ütte...... 224.00 Türkenloee...... 133 40 . Bochum ...... 193.80 4*7o Urlech. Monopo’.-AnL 44.90 । Harpener......179.50 4l,,% äussere Argentiner —.—1 Tendenz; still. in düÄ''^n'd a®» 'rch äqi. m,n •*□"■ «*g ' So9'3h>ittu‘ Teil b« '? ’lt flitiggtit,«. J»’S'ft 3o *®*it $ia" C'bfjeim, An»« l6nI®obnbäujlt in L^dau mit der Wlh" Uuife mehr. Ie- ÖQB d-e Nnjeifin ^gegeben habe. 1 ,öe§ Wityn Hajes :lltn wetten joll, da- ' ^ujolgedesjen wird au abwarlen. Ater des Innern Hal Departement Äiorbihan eU)e nicht gestattet Mädchens, welches Schande zu entgehen, welhter Stelle aus -le Offiziere, die idigung der jerbi- den Prosesior an der >- Dessen Zeugen, dre Ml)it|ü) uiid Jiihawc, len die Salisfaktion; : Äiiiit geübt m Sonntag ui 8am* inem Offizier und vurde getötet. «• , , len ui Äom. Sie ,Car. uiie in den tgl ZabaL mehr gepaßt und da der n sie die Arbeil mederge- ! ging es naiiirlich nicht und heiMnge 'Jtomc? währen. Sie LMwn gurren eiivaS idfrditti allerdings recht schwer enug. ______ archauS notwendig eine lelaejetzes ist, erg'ebi sich Ang, bei der mchl we- ^rungsmillelsalsch' en ihrer zum Verfaule ge- nl Mehl iugefeyl und VolliSiiiillschafl. M3. ^JlugeieiU von ö« l Auf besser flmgen- fe"*“ SÄ,® toe «•nW'fÄtai elö anziehend, +■ still- .jjflin • rpe®er l0Qdenz: 7,50 1,60 >3,20 9,00 angs" u- 7,20 •218» iga.oO .E 1ö02> 'M 'M ‘ 14.6° ‘ 187-60 . 2-24 00 193.90 'M -chluykurse. 217,7o 217-0 M 193-00 179,62 planten au°> 3' ■ hie Hurs|>ef^^3 /.<*?**• • . «!° ctric-BC. . ”« W4 ■ . KOH*0 Kgak ' ' isO^flande1^68' ■ iterf .Mn . • * Landwirtschaft. — Der Tabakbau tu Hefte«. Im Jahre 1902/03 betrug bte Zahl der hexischen Tabakpslanzer 1368 gegen 1137 im Jahre 1900 01. Die Zahl der 2abafpf!nnjer, bie im Jahre 1896 97 2232 betrug, rft bi« zum Jahre 1899 1900 auf 1226jurüdgegongen. Erst tm nächsten Jahre hat die Zahl der Pflanzer wieder zugenommen. Ter Flächeninhalt, der in der Provinz Starkenburg mü Tabak bepflanzten Grundstücke beträgt 40 633,19 Ar. In den Provinzen Cberbeficn und Rheinhessen wurde kein Tabak gebaut. Ter Wen bet in ber Provinz Starkenburg geernteten Tabaks beträgt 667 823 M. gegenüber 608 566 Alk, im Jahre 1900 01.___________ Ktuchle Mtdilnacn. Criginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 18. März. Die Bud g e t ko m mis sion des Reichstages bewilligte für die Fortsetzung der oftafri- kanischen Bahn Tanga — Korogwe bls nach M o m b o 750000 Mark. Elberfeld, 18. März. Die Nationalliberalen und die Freisinnigen planen ein gemeinsames Dorgehen bei den Reichstagswahlen 2lls Kandidat ist der «bg. vchm idt-Elb erfeld von der freisinnigen Volks- Partei wieder aufgestellt. Oldenburg i. Sr , 18. März. Die Uraufführung deS Digandschen TramaS ^Nacht"' hatte im Hoftheater in Gegenwart des Großberrogspaares einen starken Erfolg. Das Drama behandelt das Trust-Problem. Am Schluß wurde der Autor, ein junger Bremer, mehrmals gerufen. Kopenhagen, lo. März. Ter König hat die Wahl des sozialistischen Bürgermeisters von Kopenhagen, des Malers Jensen, bestätigt. C h r i st i a n i a, 18. März. Tie festlichen Veranstaltungen, die für nächsten Freitag zu I b f e n s 75. Ge b u r t s- tage geplant waren, sind in legier Stunde abaefagt worden, da Ibsen an einet Feier nicht mehr teilnehmen kann. Er seinicht mehr im Vollbesitz seiner Geistes- krüste und seine Gesundhe it sei schwer erschüttert. Rom, '18. Mürz. Tie Sozialisten brachten-in der Kammer einen Antrag ein auf Einführung von Diäten für solche Abgeordnete, roeldjc ein Einkommen von unter 3000 Lire jährlich haben. Zürich, 18. Aiürz. In Rhaezuens bei Chur sind 27 Häuser abgebrannt, wobei zwei Kinder in den flammen umkamen. Wien, 18» Mürz. Der „Polit. Korresp." wird aus Rom berichtet, es lasse sich nicht in Abrede ste-llen, daß in hohen Kirchenkreisen in Rom ein sehr bezeichnender Umschwung zu Gunsten Deutschlands eingetreten ist, der auf das Zusammenwirken verschiedener Faktoren »urückzuführen ist, darunter auch der Haltung be§ deutschen Kaisers gegenüber den Katholiken. Wien, 18. März. Tie Pforte ist von ihren Agenten benachrichtigt worden, daß Rußland zu r ü ft e n fortfahre. Lbschon auch die Pforte rüste, sei sie von dieser Nachricht beunruhigt. Ter Kriegsminister hat angeordnet, daß große Manöver abgehalten werden sollen. Wien, 18. März. In dem Torfe Prespa hat ein Heb er (al! durch Aufständische stattgefunden, in dessen Verlauf der dortige Leutnant nebst öGendarmen getötet wurde. Warschau, 18. März. Unweit KoluSzki entgleiste ein Zug der Weichselbahn. Drei Wagen wurden zertrümmert. (Siner Frau wurde der Brustkasten eingedrückt und war sofort tot, mehrere Reisende erlitten Verletzungen. Ein Fahrgast wurde infolge des ausgestandenen LchreäcnS wahnsinnig. Tie Verletzten wurden in ein benachbarte- Hospital gebracht. Newyork, 18. März, lieber mehrere Zwischendeck- Passagiere des Dampfers „Kronprinz", bei denen Pocken foniiatiert worden sind, wurde die Quarantäne verhängt. Tie übrigen Passagiere konnten landen. ♦ 2343 Giessen, den 18. März 1903. kraftstttennittkl A. Katz, rüiiiinliw 1 ä Neuheiten JC 4 4 2311.29 »» 109.60 v* 52000.—152000.— 179052.65 48000.— 2240 empfiehlt » 6713L7 10000.— »» 24.54 210024.54 c Gewinne. 4 Gute Qualitäten. Billigste Preise. 30156.92 S2L7 Heilung garantiert. (Heilung g Bett bei je lern Alter n. 2889.83 nassen 99 99 745.99 öuloriiger Eriulg .Geschlecht durch neuestes, patentiertes Verfahren. 1680.- Der AufsichtSrat und Vorstand. Ace- Md ßiasjanitn 2142 empfiehlt J. M. Scnulhof M 4 | 26086.03 923.37 3703.63 Bestand w» 5 L. Verluste. An Artriebs-Hoalo: Betriebskoiien „ ^andlu-q». ^t.ltoficn-tzoulo: Versteigerung. Donnerstag, den 19. d. 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