153. Jahrgang Zweigstellen 35 W.; durch Aus der italienischen Kammer. kwfrte Staatsmänner handelt. Ein solcher ist dieser drei Herren und am wenigsten vielleicht Litteratur und Kunst Tas savoyische Königreiw hat in kurzer Aufeinanderfolge dreimal den Minister des Auswärtigen gewechselt. Düs beansprucht schon Beachtung, wenn es sich um erprobte Staatsmänner handelt. Ein solcher ist aber keiner sonstige Weise sind 5 Sklaven frei geworden. Die gegen das Vorjahr erheblich größer gewordene Zahl der Sklaven, die durch. amtliche Freiertlärung ihre Freiheit erhielten (965 gegen 444), beweist die Zweckmäßigkeit der Verordnungen des Reichskanzlers und der dazu erlassenen Aus- sührungsbestimmungen. Die Bestimmungen dieser Verordnung sind in der eingeborenen Bevölkerung rasch be- kannt geworden; so weiß zurzeit jeder Sklave, daß er sich ntit einer verhältnismäßig geringen und leicht zu ver-- dienenden Summe seine Freiheit erkaufen kann. Laß sich unter diesen .Verhältnissen nicht mehr Sklaven frergekaujt haben, nur 723 gegen 646 im Vorjahre, ist ein Beweis dafür, daß das Verhältnis vom Sklaven zum Herrn ein ziemlich loses Abhängigtettsverhältnis ist, das, frei von aller Grausamkeit, dem Charakter und den Gewohnheiten des eingeborenen Negers etwas durchaus Geläufiges und Bequemes ist. Auf dem mit den erwähnten Verordnungen betretenen Wege wird die völlige Aufhebung der Sklaverei angebahnt; sie wird unbedenklich durch Freierklärung aller nach einem bestimmten Datum Neugeborenen eingeleitet werden können, sobald dem Schutzgebiet die Aussicht eröffnet wird, durch Verbesserung seiner Verkehrsverhältnisse eine moderne wirtschaftliche Grundlage als Ersatz für die bisherige, auf der Sklavenarbeit beruhende zu erhalten. deutsche Spielmann. Eine Auswahl aus dem Schatze deutscher Dichtung für Jugend und Volk, herNr. 29G Erscheine tSgltch außer Sonnlags. Dein (Ätefcener Anzeiger werben tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener ^amtlten* blätter viermal in bet Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Per- lag bet Brüh l'scheu Univers.-Buch-u.Slem« bruckeret (Pietsch Erben) RedakNon. Expebittoa und Druckerei. Schalstrabe 7* Ädresse für Depeichenr Anzeiger (Kietzen. £rrn1prrd)an1d)ht& Wr 51. Erstes Blatt Q Donnerstag 17. Dezember 1903 vt-agdpretsi monatlich 7b Pt^ oiettel» tabrlid) URL 2.20, durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch daran selbst in das bescheidene Bürgerhaus zu tragen. Tie 16 Folge enthält Matt 91. Terborch, Das Konzert, cio cy öan Eyck, Ter Väann mit der Nelke. 93. Valezquez, Tie Infantin Maria Teresa. 94. Cuyp, Flußlandschast. 95. Watteau, Tie Einschiffung nach Cythere. 96. Watteau, — Von d er anonymen Verfasserin der Briese, die ihn nich t erreichten". Ueber die Verfasserin dieses Modebuchs wird jetzt folgendes bekannt: „Baronin Elisabeth v. Heyking, die Verfasserin der , Briefe , die ihn nicht erreichten", ist eine geborene Gräfin Flemming. Frau v. H. war in erster Ehe mit dem früh verstorbenen Professor der Staatswrss en schäft en rn Halle Tr. Stephan zu Putlitz vermählt, einem Sohne des Dichters Gustav zu Putlitz und Bruder des gegenwärtigenSLuttgarter Intendanten; in zweiter Ehe verheiratete sie sich mit dem jetzigen deutschen Gesandten in Mexiko, Frhrn. Edmund v. Heyking, der früher in gleicher Eigenschaft in Peking tätig, war Auch ihre jüngere Schwester Irene, die rn erster Ehe mit ihrem Vetter Grafen Or io la (ebenfalls ernem Enkel Achim von Arnims) vermählt war und später den englischen Obersten a. D. Forbes-Mosse geheiratet hat, ist unter diesem letzteren Namen schxiftstelleriich hervorgetreten. — Meisterbilder fürs deutsche Haus", her- ausaeaeben vom Kunstwort. 16. Folge, Blatt 91 96. Ver- lao ^ von Georg D. W. Callwey, München, Preis redes Blattes 25 Psg. - In diesen Meisterbildern, denen die verschiedenen Mappen des Kunstworts über Turer, Schwund, Ludwin Richter usw. ergänzend zur Sette treten, smd für ein wahrhaft lächerlich germges Geld (25 Pfg. das LLatt) vorzügliche Reproduktionen einer großen Zahl der erM Kunstwerke der Wett gegeben. Tre Wiedergaben smd so dan ne sowohl zum Studium in hohem Grade geeignet sind als auch zur Verwendung als Wandschmuck nur warm empfohlen werden können. Ter billige Preis war nur dadurch zu ermöglichen, daß eme Pistung für diese Veröffentlichung zur Verjügung stand, ^eden.alls^ tragt dies Unternehmen sein redliches Teil dazu bei, dav Verständnis für die Meisterwerke der Kunst und die Freude J r-vV.rj. bescheidene Bürgerhaus zu tragen. Mtt 91. Terborch, Das Konzert. ausgegeben von Ernst Weber. Preis eines Bandes Mk. 1. Soeben sind erschienen Band 4: Hochland illustr. von Franz Hoch; Bd. 5: Meer ill. von I. V. C i s s a r z in Darmstadt; Bd. 6: Helden ill. von W. Weingartner; Bd. 7: Schalk ill. von Julius Tietz. (Verlag des deutschen Spielmanns Georg T. W. Callwey und Carl Haushatter G. m. b. H. in München.) — Ein literarisches Unternehmen von epochemachender Bedeutung hat Ernst Weber hier ausgeführt. Mchts geringeres als eine Auslese alles dessen aus den Werken aller deutschen Dichter, was unser Volk, was besonders unsere Kinder verstehen und genießen können. Jedes Bändchen, charakteristisch illustriert von nur je einem Künstler, bildet ein abgeschlossenes Ganzes. Das Unternehmen ist eben.o originell wie großzügig, vornehm wie volkstümlich, mühevoll' wie billig, und bildet für sich eine wertvolle Hausbücherei. Seine Ltzahl als Weihnachts- geichenk erspart vieljähriges Wählen und Quälen. Des Kindes und zugleich auch des Erwachsenen Herz und Sinn läßt sich gern von diesen reinsten und feinsten Perlen deutscher Lyrik ergreifen und gefangen nehmen. Besonders wertvoll sind auch die zahlreichen schwarzen und mehrfarbigen Wider, dre den Stimmungscharakter des Ganzen in wundervoller Weise zum Ausdruck bringen und für sich allein imstande sind, die Stimmungen, von denen das Ganze getragen ist, auszulösen. In denr den „Helden" gewidmeten Bändchen hätten wohl allerdings auch die großartigen Gestalten der Nibelungensage, aus dem Schatze unserer deutschen Dichtkunst ausgewählt, Berücksichtigung furden können. Sonst aber zeugt gerade die Auswahl von vornehmstem Geschmack. — „50 Kinderlieber mit 50 Bildern" legte der leider viel zu früh verstorbene Lieblingspoet der deutschen Jugend, Tr. Julius L o h m e y e r den Kleinen Heuer auf den Weihnachtsttsch Wieviel frohe Stunden der Freude und Erheiterung verdanken unsere Vdütter und Kinder nicht Julius 'Lohmeyer, diesem Liebling der Fugend! Edlen Samen in die jungen Herzen zu streuen, das war ihm stets eine heilige An,gäbe, denn in einer kraftvoll erblühenden Jugend sah er dre Zukunft der Nation. Aus seinem reichen Gemüt heraus schrieb er für die Kinder, nicht als ein finsterer Lehrmeister, sondern als ein warmherziger, getreuer Freund, der es wie wenige verstand, mit den Fröhlichen fröhlich zu sein. Der sonnigste Humor lacht uns Uebermaß von Freundschaft für Rußland tadelte Abg.! Bebel aus allgemeinen politischen Gründen, mehr noch aus persönlicher Abneigung gegen den „Barbareilstaat", und auch der Wortführer der Rechten, Abg. Gras Limburg, glaubte, vor zu weitgehenden handelspolitischen Zugeständnissen an Rußland warnen zu sollen. Tatsache ist, daß die deutsch-englischen Beziehungen seit längerem eine merkliche Abkühlung erfahren haben. Die natürliche Folge war die größere Annäherung an Rußland. Ueber die Gründe der Erkaltung der deutsch-englischen Freundschaft ist Genaueres bisher nicht bekannt geworden. Die Unterlassung eines Besuchs König Eduards in Berlin oder Potsdam kann nicht als ein verstimmendes Motiv in Betracht kommen, obschon der König, der sich ja viel Bewegung gemacht hat, ganz gut auch diesen Besuch in seinen Reiseplan hätte aufnehmen können. Wir haben jüngst von einem in London lebenden Deutschen, der in dortigen unterrichteten Kreisen verkehrt, die Andeutung erhalten, daß man von deut;cher Seite gewissen überra s chen d en Unfreundlichkeiten Englands auf die Spur gekommen sei, die das Vertrauen auf die Auftichtigkeit der englischen Freundschaft auch an denjenigen Stellen in Berlin zu erschüttern geeignet waren, auf die die Anfeindungen Englands während des Burenlrieges keinen Einfluß übten. Worin diese Unfreundlichkeiten bestehen, darüber fehlen einstweilen zuverlässig beglaubigte Mitteilungen. 9hir soviel, daß sie mehr auf persönlichem Gebiete, als aus dem Gebiet der hohen Politik zu suchen sein sollen. Die Wirkung war, wie gesagt, der englischen Politik sehr unbeqnem; sie ist der rusiiichen Politik speziell' in Ostaften zugute gekommen. Die Bemühungen der englischen Presse, Japan zum Krieg gegen Rußland wegen der Mandschurei aujzustacheln, sind wiederholt in der osfiziösen „dtordd. Allg. Ztg." mit allem Sarkasmus behandett worden. Auch das war ein nicht zu unterschätzendes Stimmungssymptom. Die gegenwärtige Haltung Berlins gegenüber dem Londoner Kabinett läßt sich als kühl ges chä ft- l i ch bezeichnen. Zur Sklaveufrage in Deutsch-Ostafrika macht die Derttschxift des Auswärtigen Amtes folgende Mitteilungen: „ Um dem Sklavenhandel, der in den von den Mttttar- stationen abgelegenen Gebieten des Innern noch im Geheimen betrieben wird, entgegenzutreten, wurden die Lokal- behörden zu einer möglichst scharfen Kontrolle der kleinen farbigen 5)ändler, die gelegentlich in jenen Gebieten Sklaven auskausen und zur Küste bringen, angewiesen. Insbesondere wurde in AusfuhrurW des § 5 der Verordnung des Reichskanzlers, betreffend die Hausklaverei, vom 29. Stovember 1901 bestimmt, daß zur Genehmigung der Uebertragung des Herrenrechts an einem Haussttaven nur die Verwaltungsstelle zuständig sein soll, in deren Bezirk der Sklave ansässig ist, mithin entsprechende Anträge bezüglich der aus anderen Bezttken, vor allem aus dem Innern, etwa angebrachten Sklaven abzülehnen sind. Fenrer soll stets die Rechtmäßigkeit des Sklavenverhältnisses geprüft und, wenn sie nicht jestzustellen ist, dem Sklaven ein Freibrief erteilt werden. Im Berichtsjahre 1902/03 wurden irn ganzen 2420 Freibriefe ausgestellt gegen 2031 im Vorjahre. Davon entfielen 723 aus Freikauf, 675 aus Freilassung, 965 au amttiche Freierklärung; durch den Tod des Herrn und aus aus allen seinen Kinderliedern entgegen, Und gerades faszinierend wirken manche seiner Schöpfungen, wie z. B. Kinderball bei Ferkelchens" und „Vor dem Zirkus". Das aroßformatige Buch kostet in dauerhaftem Bande 3 Mark und ist in jeder Buchhandlung zu haben. (Verlag von W. Bob ach u. Co., Berlin N. 4.) — Deutsches Frauenlebeu int Wandel der Jahrhunderte. Von Eduard Otto. Mit 25 Abbildungen im Text. „Aus Natur und Geisteswelt". Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Tarstellunaen aus allen Gebieten des Wissens. 45. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. VI u. 154 S. Preis geb. 1.2o Mk. Tie Schrift versucht, das deutsche Frauenleben von der Urzett bis zum 19. Jahrhundert im Umriß zu zeichnen. Im ersten Abschnitt gibt der Verfasser ein Mld von der Stellung des Weibes in der germanischen Urzett. Im -weiten wird nchch-turzer Erörterung der Stellung des deutschen Weibes zum Christenwm und zur Kirche das Frauenleben der sränkischen Zeit geschildert und der karolingischen Frauen gedacht. — Es folgt die Darstellung des deutschen Frauenlebens während der Ottonen- und Salierzett. Tas nächste Kapitel ist der Ritter- und Minnezeit gewidmet. In'des Bürgertums Blütezeit führt der fünfte Abschnitt ein. In daö Jahrhundert des großen Krieges leitet uns der siebente Abschnitt. Die zahlreichen Illustrationen geben von der äußeren Erschsttnung der deutschen Frau in den verschiedenen Zeitaltern eine vollständige Anscyauung. — Zur zuverlässigen Orientierung ant nächtlichenSternen Himmel leistet gute Dienste eine im Verlag von Otto Maier in Ravensburg erschienene Drehbare Sternkarte". Wer — selbst ohne astrono- nnsche Vorkenntnisse — an der Hand dieser Stertikarte bie Gestirne betrachtet, wird freudig überrascht sein, denn so einfach die Vorrichtung ist, mittelst welcher an jedem be- sttmmten Tag iuti) zu jeder Stunde der Nacht die jeweils sichtbaren Partien des Himmels dargestellt werden, so sicher gelingt selbst jedem Laien das sofortige Aussinoen der! einzelnen Sternbilder. Tie „Drehbare Sternkarte" kostet in kleiner Wand-Ausgabe, 18 : 18 Ctm. 50 Psg. Ein prak- tifches Textbüchlein hierzu (20 Pfg) klärt in leichtverständ- licher Sprache über die Vorgänge am Nachthintmel auf. Volltische Tagesschau. Die Abkühlung der deutsch-englischen Beziehungen. Aus Berlin, 16. Tezenvber, wird uns geschrieben: Dem Vorwurf der „Eugländerei", einer zu weit getriebenen Freundjchaft für England, ist im Gegensatz zu den Etatsdebatten früherer Jahre diesmal die Leltung unserer auswärttgeu Politik nicht ausgesetzt gewesen. Ein )t der gegenwärtig antti'erende Minister Titloni, der am Dienstag in der römischen Kammer debütierte. Was er über die auswärtige Politik, speziell über die Stellung Italiens zum Dreibund sagte, ist im Wesentlichen eine Wleder- holung der Darlegungen des früheren Ministers Prinetti. Tittoni wird sich hoffentlich nicht der Täuschung hingeben, daß der Treibund für Deutschland eine größere Notwendigkeit sei, als für Italien, eine Auffassung, die man bei den Besuchen König. Viktor Emanuels in Paris und London möglicherweise versucht hat, der italienischen Tiplomatte beizubringen. Der Minister wird sich hosfent- lrch im Gegenteil sagen, daß Italien zu keiner Zeit mehr Anlaß gehocht hat, zu Deutschland und Oesterreicy-Ungarn fteundliche Beziehungen zu unterhalten, als gegenwärtig, wo diese beiden Staaten mtt chren Zolltarifen gerüstet dastehen, während Italien mit seinen Handelsvertrags- Vorarbeiten noch im Rückstände ist. Italien mußte es sich gefallen lassen, daß die kleine Schweiz nur ihm Den Handelsvertrag kündigte, was sie Deutschland und Oesterreich-Ungarn gegenüber nicht tat. Andererseits sind die Aussichten nicht eben groß, daß der letztere Staat im neuen Handelsvertrag, mit Italien diesem wiederum die taris^rische Vorzugsbehandlung italienischer Weine zugesteht. Wenn Minister Tritroni in richtiger Erkenntnis dieser Situation das treue Feschalten am Dreibund proklamiert hat, dann bekunde er ein Verständnis für die realen Verhälttrisse des politischen Lebens, das auf seine Amtsführung nur günstig einwirken kann. Am Dttttwoch hat er sich auch beretts zur Frage der Handelsverträge geäußert. Er sagte, er erkennen an, daß es nicht nützlich jein würde, jetzt schon einen Generaltarif aufzustellen. Dre Regierung bringe aber eine Vorlage ein, die sie für verschiedene Eventualitäten ermächtige, zum Schutze der italienischen Interessen entsprechende Maßregeln zu treffen. Der Dttnister sagte Wetter, er freue sich, erklären zu können, daß die Verhandlungen mit Deutschland einen günstigen Fortgang nehmen und einen befriedigenden Abschluß erwarten ließen. Tie Verhandlungen mit der Schw eiz würden eifrig in Angriff genommen. Er könne aber nicht verhehlen, daß die Schwierigkeiten weder wenig zahlreich noch geringfügig seien. Bezüglich der Verhandlungen mtt Oester? reich liege die Schwierigkeit in den Dingen selbst; aus beiden Setten sei aber der gute Wille groß. Attin müsje das Vertrauen haben, daß tuan im gemeinsamen Interesse zu einer Verständigung' gelange. Deutsches Reich. Berlin, 16. Dez. Der Kaiser hörte heute den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts v. Lueanus und empfing den neuernannten brasilianischen Gesandten Ta Costa-Diotta. — König Christian und Prinz Waldemar von Tänemark trafen heute abend hier ein. Nach Empfang, durch den Kommandanten von Berlin, General v. Höpsner, begaben sie sich im Galawagen nach dem königlichen Schloß, wo sie Wohnung nahmen. Sie werden an der morgigen F-rühstückstafel beim Kaiserpaar im Neuen Palais in Potsdam teilnehmen. — An den bevorstehenden königlichen Hosjagden in. Göhrde werden als Jagdgäste u. a. teilnehmen: Prinz Heinrich von Preußen, Isäinz Joachim Albrecht von Preußen, Großfürst Wladimir von Rußland, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Herzog Friedrich Ferdinand von Schles-^ wig-Holstein, Prinz Albert von Schleswig-Holstettr, Haus- minister v. Wedel, Staatsminister v. Podbielski, Staatsminister Frhr. v. Hammerstein, Generalfeldmarschall Graf Waldersee, Staatsminister a. D Frhr. v. Hammerstei^ Loxten. . o — Wie verlautet, hat der Reichsichatzsekretar v. Stengel an einzelne große hiesige Banken und' Bankhäuser die Einladung ergehen lassen, an einer am 21. d. M. im Reichsschatzamt ftattsindenden Besprechung über die Novelle zum Neichsstempel-Ab gab egesetz teilzunehmen. — Bei dem Empfang des Reichstagspräsidiums durch den Kaiser trug Graf Balleftrem die 5oostracht eines Wirklichen Geheimen 3iat, Graf Stolberg die mttitärische Paradeuniform der Gardes du Corps, Tr. Paasch e den bürgerlichen Frack. (Hof, Mttitär, Mrger- hmt — Zentrum, Konservative, Liberalismus, eine passende Verttetung des Reichstags und des deutschen Volkes.) — Tie Generawei' ammlung des Zentralverban- des des deutschen Bank- und Bankier-Ge- brePost Mk. 2.—viertel- täbrl außlcbl Bettellg. Annahme von Anzeigen üi Die iaqeSnummex L>tS oorrnNiagS 10 Uhr, v,eilen pm8: total 12VÜ General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MM WerbeS sprach in einte Resolution die bestimmte Erwartung aus, daß die vom Zentralverband Veröffentlichten Denkschriften dazu beitragen werden, daß die erforderliche Revision des Börsengesetzes und ebenso bic wichtige Reform der Bör, en steuer baldigst in durchgreifender Weise von den gesetzgebenden Faktoren zur Aus- führung gebraclxt werde. — lieber bie Kreistierarztvorlage, dre dem oreuß. Landtage unterbreitet werden wird, macht Prof. Schmach einige Angaben aus sicherer Quelle: Die ^ehaltseryöbung wird im Etat 1905 erscheinen. Die Vorlage, weiche die Dien^bcz> ige der Kreistierärzte anderweitig regeln und den Kreistierärzten die Pensionsberechtigung geben soll, wird dem Landtage alsbald zugehen. Dresden, 15. Dez. Die Negierung soll folgende Wahlrechts Vorschläge beabsichtigen: Luchsen in 16 'Wahlkreise einzuteilen, tue Einteilung nach Wähl-erklassen wie bisher zu lassen. Jeder Wahlkreis soll- drei s2lbf geordnete, für jede Klasse einen, loählen. Für die Wahl von 35 Abgeordneten soll ein Plural-wahlrecht ein- geführt werden f 15 von ihnen sollen ausschließlich gewählt werden von zum Landesluliurrat Wahlberechtigten, zehn von den zur Handelskammer und zur Gewecbe- Lunmer Wahlberechtigten, zehn von Selbständigen, die mindestens einen Arbeiter beschäjiigen. Die Wahlen sind direkt. Im übrigen entsprechen die Voraussetzungen für die Wahlberechtigung den bist-erig-en Bestimmungen. Meiningen, 15. Tez. Wie die „Franks. Zlg." aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat die so z ia-t-d e m o kr a- tische Fraktion des Meininger Landtages unter der Ueverjchrijt „An den Herzog", an den letzteren eine Jmmediat-Eingabe gerichtet. In dieser Eingabe protestieren die sozialdemokratischen Lairhm^smttgttedur gegen den von der hiesigen Militärbehörde verhängten Boy rott über ein Gasthaus, in dem sozialdemolratifche Abgeordnete wohnten, und ersuchen den Herzog- die zum Schutze der Abgeordneten erforderlichen Bttchregeln in die Wege zu leiten. (Tie Tatsache, daß sich sozialdemokratische Abgeordnete hilfesuchend au den Lalidesfürsten wenden, ist immerhin interessant.) *^arlauieiiiaiifd)C0» Berlin, 16. Dez. Das Referat der Budgetkommifsion über den Mllitäretat ist dem konservativen Abg. v. Eiern (Stellvertreter R o e r e n), das über den Marineetat dem Abg. von Thünefeld (Z.) (Stellvertreter Graf Oriola [SIL]) übertragen worden. — Die von konservativer Seite eingebrachte Interpellation lautet: Warum ist die im Interesse der deutschen Landwirtschaft gebotene und von den verbündeten Regierungen wiederholt als dringlich anerkannte Kündigung der in den Jahren 1891 bis 1894 nut mehreren anderen Staaten abgeschlossenen Tarifverträge noch nicht erfolgt? — Die Geschäftsordnungskommission des Reichstags hat den Abg. Dr. Sattler (natl.) zum Vorsitzenden gewählt. — Die nationalliberale Reichstags-Fraktion beschloß die vorweihnachtliche Kampagne mit einem geselligen Beisammensein nn Kontinental-Hotel, wohin der parlamentarische Senior der Fraktion, Jrhr. v. Heyl, die Parteifreunde geladen hatte. Zu den Reichslagsabgeordneten, die sich fast vollzählig zusammengefunden hatten, gesellten sich führende Rationalliberale aus dem Landtag. Auch die Staatssekretäre Graf Posadowsky, Frhr. v. Richt Hofen, Tirpitz unb Kraetke waren der Einladung gefolgt. In angeregter Unterhaltung wurden die überwiegend befriedigenden Eindrücke der letzten Tage ausgetauscht und die persönlichen Beziehungen zwischen den Mitgliedern der fast zur Hälfte neue Gesichter aufweisenden Fraktion befestigt. ___________________________ Kirche ur.d Schule. Cottbus, 16. Tez. Realjchuldirektor Dr. Rudolf Heine hat über seine Zwangspensionierung wegen angeblicher Geistesschwäche eine Broschüre erscheinen lassen, die er als einen „Beitrag zur ^.andzeich- nung von Mißständen auf dem Gebiete der praktischen Psychiatrie bezeichnet. Als Kronzeugen führt Tr. Heine den früheren Oberbürgermeister u, gegen dessen Wahl er gewesen, und einige andere einflußreiche Persönlichkeiten, darunter auch den Kreisarzt. Ausland. Leeds, 15. Tez. Chamberlain schloß heute seinen Feldzug in der Provinz mit einer An.prache in einer hier abgehaltenen zahlreich besuchten Versammlung. Earl- Fitzwilliam stell'te Chamberlain als den g e j ch ä f t s - sührendenTirektor derFirmaJohn Dulland Comp., Lim., hin. Chamberlain begann seine Aus,ühc- ungen mit der Ertlärung, daß der Fr e i han d e l kein unumstößlicher Lehrsatz sei, und fragte, ob es überhaupt eine Einrichtung in der Welt gebe, Die nicht nach 60 Jahren der Nachprüfung bedürfe. Im weiteren Verlaufe seiner Rede wies Chamberlain auf die liebel hin, die durch die Schleuderpreise des Auslandes hervorgerusen wurden, und erklärte, nach seiner Ansicht würde b.e Lage des britischen Handels in wenigen Monaten noch schlimmer sein als jetzt. Chamberlain kündigte dann an, unter den Auspizien des Tanfrejormkomilees werde ein Ausschuß von Sachverständigen gebildet werden, der über Die Lage des britischen Handels beraten solle. Dem Ausschuß würden Ver.re.er der Kronkolonien, Indiens uno der Kolonien mit Sechnverw-attung angehören, und aus jedem Handelszweige sollten Sachverständige vernommen werden. Später werde der Ausschuß ein Tarif must er ausarbeiten. Es wird vielleicht unmöglich sein, die kommerzielle Union des Reich es herbeizusuhren, aber die 9rua.)welt wttd uns n.emaes verzechen, wenn w.r bie geringste Gelegenheit verlieren, uns dic.e Union zu sichern. Wenn ich als Botschafter mit Vrttmachten nach den Kolonien ge.andt wcr^e, Lmue ich Vorschläge machen, die ihrer Annahme wert wären, und konnte als Gegengabe gleichwertige Wohltaten für das Vaterland er .an gen. Die glänzende Ab , on derun g Englands ist leine Absonderung eines durch Alter gescywächten Individuums, sondern die Absonderung einer Familie, die eme gemenn same Körperschaft bildet in jtylecy.en wie in ßuien Zetten. Nach Schluß der Lttrjammiulig wurde Chamber.anl mit einem Iaaeizug nach '.einer Wen iwiijut Tavis und den Behörden in Alexa ndrette wies die rjeegterung konttea^mirat Cotton, der sich gegenwärtig mit fernem G.sD-wader in Attxanorien befindet, an, em Kriegsschiff oem Konsul zur Verfügung zu stellen. Aus Hluöt und Kuuöü Gießen, den 17. Dezember 1903. — Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem städtischen Vauinspektor Hemrich Högy zu Riainz die Krone zum Silbernen kreuz des Verdiensiordens Philipps des Großmüttgen verliehen. — Ernannt wurde der Gesaugen- aufjeher am Provinzialarrcsthaus in Gießen Heinrich Goß- mann zum Hausbeschließer im Iustizgebäude zu Gießen. • # Akademischer Vortrag. Zum Vortrag von Prof. Dr. Siebeck über ^Psychologie der ilHufif* waren gestern abend ziemlich viel Besucher, meist Damen, gekommen. Professor Siebeck stellte subjektive Betrachtungen an und schloß Erörterungen über den Ursprung der Musik aus. Er ging auf die Beanlagung des Kulturmenschen em und die in Betracht kommenden Hauptsinne und ihre Funklionen, wie sie in psychologischem Lichte erscheinen, und unterschied nach der vorheirschenden Vleiguiig aus bem Gebiete der Aeslhetit optische, akustische und motorische Individualitäten. Tann arbeitete der Vortragende den Gegensatz intuitiver und dis- kursiver dlaturen heraus und illustrierte, auch mit Hilfe von Goethe-Worten, das Wesen des musikalischen Rtenschen. Tie Riusik ist die am unmittelbarsten zu uns sprechende Kunst, weit sie den künstlerischen Genuß, der im Gegensatz zu un- künstlerischen Feststellungen mit Begriffen uns nut bloßen charakteristischen Andeutungen, einer ästhetischen Stiinmung, erfüllt, ohne unser weiteres Zutun in den Tönen uns ansprechen und zugleich wirken läßt und höchstens zu dem Gefüge zusammengejetzler Harmonien ein aktives Erfassen und ZilsaiNluensügen von uns verlangt. — Ter Vortrag bot in knapp einer Stunde viel Ausklärung und Anregung. * * Sammlung. Durch den Aufruf „An alle Hessen" ist bereits bekannt geworden, daß Sr. Künigl. Hoh. dem Großherzog die herzliche Teilnahme und das Rtttgesühl der ganzen Bevölkerung anläßlich des Ablebens I. Gr. Hoheit der Prinzessin Elisabeth durch Sammlung von Unterschriften zum Ausdruck gebracht werden soll, daß auch weiter beabsichtigt ist, dem Großherzog zu Seiner am 1. Januar 1904 slattfindenden Geburtstagsfeier eine Freude dadurch zu bereiten, daß durch freiwillige Gaben aus allen Berusskreisen ein Fonds geschaffen und dem Großherzog für die Förderung der Kunstpflege zur Verfügung gestellt wird. 9luch die kleinste Gabe ist willkommen. 2Jlit der Sammlung von Unterschriften und Erhebung freiwilliger Gaben wird nunmehr begonnen. Es werden zu diesem Zweck Listen und Sammelbüchsen in Umlauf gesetzt. Die Bürgerschaft wird ersiicht, ihre Flamen, auch diejenigen erwachsener Farnilienaiigehörigen, m die Liste emzuschreiben, freiwillige Gaben aber m die verschlossene Bäche des Sarninlers direkt einwersen zu wollen, ohne diesen Betrag in die Liste einzutragen. • * Ausstellung von Schülerarbeiten. Samstag und Sonntag findet wie alljährlich in der Handarbeitsschule von Irl. Landmann eine Aiisstellung der Cchülerarbeiten statt, die wieder viel Sehenswertes, und in Haiidarbeilen sowohl, als auch in der Technik der Liebhaberlänste, mancherlei 'Reuhciteii ausiveisen wird. Wir verweisen auf das Inserat in heutiger Rümmer. '* Aus dem Bureau des Stadttheaters. Arn Freitag findet als 9 Abonneinenlsvorstellimg eine Aufführung des liebenswürdigen Lustspiels von Schönthan und Koppel- Ellseld „Renaiji ance" statt. Beschäftigt sind die Tarnen Hohl, H e 11 b e r g, G r o ß in ü 1 l e r, L e in b a ch im d I e n n y, ]üiuie die Herren Stein goctter, Te leky unb Conradi. — Ta von verfchedenen Seiten der Wiiiisch ausgesprochen wurde, em Thea terabonne ment als Weihnachtsgeschenk unter den Chrislbaum legen zu wollen, giebt die Direktion von jetzt ab bis Welhnaü.)ten halbe Abomiements- blocks zu 10 Billets aus, die in gefälligem Umichlag als Weihnachtsgeschenk Eingang finden dürften. Diese werden bei Herrn Challier ausgegeben. Gegen die Blocks von 20 Billets werden diese Weihnachtsblocks mit einem kleinen Preiszuschlag — natürlich im Verhältnis — ausgegeben. " * Von der Ka na ti। a tion. Am 20. d. Wt. werden die Arbeiten on der Karnttisation für dieses Jahr eingestellt, um Mule Februar lommenden Jahres, wenn das Welter günstig üt, fortgesetzt zu werden. Viach unjerec Information sind bisher rund 1800 Meter gemauertes del im Profil 60/75—156/195 fertig gestellt, ferner 4300 Meter Stein- zeugrohr für Schmutzwäsfer-Abführung, und 3200 Rteter Zementrohr für Regenwasfer. Hierzu kommen noch die Rohre für das Siechenhaiis, deren Legung ebenfalls vom Tiefbauamt überwacht und kontrolliert worden ist. Im Ganzen dürsten etwa 12000 lllleter der Kanalisation fertig gestellt sein. Die Arbeiten, welche bisher geleistet wurden, erstrecken sich vom Wieseckerweg, Marburger Straße, Wall- thorstraße, Wetzsteingasse, entlang dem Stadtbach, Bahnhofstraße bis zur Mündung der Wiejeck in die Lahn. Ferner Schanzenstraße, Wolken- und Lölvengasse, Tensels-Lustgärlchen, Katharinen- und KaplanLgasse, Dlarttstraße, Ritter-, Wetler- unb Sanbgasse, Burggrciben, Klrchstraße, Wetzfieinslraße, Damm- unb Schillerstraße, Asterweg, Brauhailsgasse, Linben-, Kirch- unb Marktplatz, Mäusburg, Kreuzplatz, Seltersweg. dtorbanlage, Rloltte-, Grünberger-, Licher- unb Lanbmann- straße jüiuie Schifsenbergerweg von der Licher- bis zur Bergstraße. Es ist al,o schon ein erhebliches Stück des Kanalnetzes in der Altstadt, trotz der verhältnismäßig kurzen Bauzeit iiiid bei teilweise schwierigen Untergrunbverhältnissen fertig gestellt. Wir hören übrigens, baß gleich bei Anfang des neuen Jahres wahrscheinlich ein weiterer Teil der Kanali- jationsarbeiten zur ©ubnuffion ausgeschrieben wirb. '* Sonber-Personenzüge finb aus Anlaß des Weihnachts- unb bes Neujahrsfestes vorgesehen, worüber uns heute von ber Eisenbahndiretlion ein gedruckter Fahrplan zu- ging. Auf ber un§ am meisten interessierenden Strecke Frankfiirt-Kassel verkehren folgende Züge: Von Gießen ab nach Frankfurt am 22., 23., 24. und 25. Dezember ein Schnellzug 1.—3. Klaffe nachts 450, Frankfurt an 602; am 24. Dezember ein Personenzng 1.—4. Klaffe 1148 vorniittags, Frankfurt an 203; am 23., 24. und 28. Dezember unb 2. Januar Personenzug 1.—4. Klaffe 207 neid)ul, Frankfurt an 413; am 23., 24. unb 28. Dezember Zug 1.—4. Klaffe 454 nachm., 630 Frankfurt an. In ber Richtung nach Kassel fahren folgenbe Sonberzüge von Gießen ab: am 23. unb 24. Dezember 1.—4. Klaffe 455 nachm.; am 23. unb 24. Dezember 1.—4. Klasse 758 abenbs unb am 22., 23., 24., 25. Dezember Schnellzug 1.—3. Klasse 1226 nachts. (!) Großen-Linden, 15. Dez. Die evangelische Pfaerstelle zu Allenborf mit dem Dekanat Großen- Linden ist bem Pfarrer Haineback) aus Wersau übertragen ivorden. Zu ber hiesigen Pfarrstelle gehört einschließlich der Filiale Klein-Linben eine Gemeinbe von über 3000 Seelen, ioährenb ber Pfarrer von Allenborf, dessen Wohnsitz ebenfalls hier ist, nur eine Gemeinde von 900 Seelen Hot. w. Krofdorf, 16. Dez. Rach einer Bekanntmachung des hiesigen Bürgermeisteranites sollen im Januar 1904 die beiden Gemeindejagden Vetzberg und Garben heim öffentlich verpachtet werden. Die Jagd von Garbenheun, an der Bahnlinie Gießen - Wetzlar gelegen, umfaßt 782 ha., darunter 65 ha. Wald. Sie ist sehr reich an Wild, noment- lich guten Rehbestand unb soll am 9. Januar 1904 iw Gasthof Henopp in Garbenheim, nachmittags 4 Uhr, verpachtet werben. Die Jogb von Vetzberg, 66 ha. Feld, kommt am 11. Januar vormittags 11 Uhr in ber Beckec'schen Wirtschaft in Garbenheun zum Ausgebot. § Friebberg, 16. Tez. Der Voranschlag der Stadt weist eine Gesamteinnohme von 435 607 Mk. auf, darunter eine Kapitalausnahme von 114 250 ^Dit, einen Ueber- schuß vom Gas- unb Wasserwerk von 37 600 Mk. unb Ge- meinbeumlagen von 176 500 Rck. )( Grünberg, 16. Dez. In der heutigen Hauptver«- samnilung ber hiesigen Spar- unb Leihkasse begrüßte Oberamlsrichter Äiickel bie erschienenen Mttglieber unb Vertreter ber Gemeinden, sowie Provinzialdireklor Dr. Breibert. Der Geschästsbericht bilanziert bei einem Reingewinn von 7806.55 Rlark in Aktiva unb Passiva mit 1753 492 Mk. 98 Psg. Tas Rechnungsergebnis für 1902 weist eine Einnahme von 756017.80 Black auf gegenüber einer ^liisgabe von 714053.64 Alark, sobaß em Reit von 41964.16 Mark verbleibt. Die Zahl der Einlagen beträgt 2627 mit einer Gesamtsumme von 1592442.15 Black, gegenüber bem Vorjahr eine Zunahme um 49863.39 Black. Der Antrag bes Vocitandes, den Zinsfuß ber an politische unb Kirchengemeinben geliehenen Kapitalien von 4 aus 33/4°/0 zu ermäßigen, wurde emitmuiiig genehmigt. Der Reingewinn wird wie folgt verwandt: Abschreibung an Jminobilien 1250 Mark, und Mobilien 1602 Black, an gemeinnützige Anstalten 690 Black; 3000 Black werden dem Reservefonds zugefügt. Ohne weitere Debatte gelangten dann noch die Satzungen der neugeblldeten Bezicksiparkasse Grünbecg zur Annahme. Damit schloß die letzte Generalversammlung bec Spar- unb Leihkasse unb man trat in die erste Blttgtteber- vecjammlung ber Bezirksjparkasse em. Die bisherigen Beamten würben wiedergewählt, Qberamtsrid)ter Blickei als Direktor, Karl als Redpier und Diehl als Kontrolleur; ebenfalls per Akklamation würben als weitere Vorstanbsmitglieber bie Herren Willems unb Bl. Jöckel bestimmt. 9lach dem Spar- lasfegesetz muß ferner em Aufsichtsrat von zehn Per,onen ge- wählt werdeii und mindestens bic Hälfte ben Orisooritänbcn der bei der Anstatt beteiligten Gemeinden angehören, Denn nur noch solche werben als Blitglieder aufgenommen. Das Resultat ber durch Stimmzettel vorgenommenen Wahl des Aus sich tsrenes war nachsleheubcs: Forstmeister Schneider, Steuerkommissäc Wenzel, Dekan Wagner, Rechner Schäfer imd Bürgermeister Zimmer, sämtlich aus Grünberg; Herren Bürgermeister Westrupp-Ruppertenrod, Kratz - Ober - Ohmen, ^ang-Odeuhaujen, Schultheiß-Liiiuda unb Schnndt-Queckborn. "Nach Feltietzung der Vertretergebühcen begaben sich )auuUd)e Teilnehmer 511m gcmeinjnnien Essen m bas Gaithaiis zum Hirsch, ivo Provuizialdiceklor Dr. Breidect eine die neue Kaffe betreffende Aniprack)e mit einem Hock) aus ben Großherzog schloß unb Oberamtsrichtcr Blicket em solches auf den Provinzialbircktor auSbrachle. Bad Salzhauien, 16. Dez. Nachbcui im vorigem Jahre an unserem aufblühenden Bade bedeutende Verbesfer- ungen unb Vergrößerungen von ber Hess. Regieciing voc- genommen wurden, soll demnächst mit der Erbauung eines LonziaaleS begonnen werden, welcher bi5 Beginn der nächsten Saiion vollendet sein foil. 4" Alsfeld, 17. Tez. Ter Stabtrat stimmte bem Kanalisationsprojekt des Kulturtechnikers Buhl zu, welches bie Kanattileriing eines Teiles dec Stadt zu 5800 Blk. Vorsicht. Der Voranschlag wurde der Baukommission über: Die benachbarten Orte Groß-Felda und wiesen. Telephonischer Kursbericht« ... 17. Dezember isu3 trau 204. . 102.46 . 91.90 . 102.10 . 91.90 . 101 60 . 99.80 . 103.00 Oest. Kredit. Deutsche Bank Tar»nslädter Bank Bochumer Guß . 4% linear. Uoldrmto , 4° Italien. Rente . . 4',% Portugieser > . 0/ Portugiesen. . . . 1% C. Türaen . . . 1 urkenlüse .... 4°/ü Uriech. Monopo’.-Anl 4* . % äussere Argontiner Anfangs- u. 216.^0 223.40 148.- 190.60 Reicheanleihe do. Konsole . do. . . Hessen gen die Berlin, 16.Dez. Die Versuche, durch drahtlose Telegraphie von hier aus mit der schwedischen Marine- ft ü t i o n in Karlskrona in Verkehr zu treten, sind heute von der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie liach dem Sysiem der Telesunten mit bestem Erfolge begonnen worden. Trog der Ent- sernung von 460 Kilometer sind zahlreiche Depeschen gut an- geloinuien. . 100.55 . 103.70 . 64.20 . 32.70 . 37.85 . 142 20 45.00 43 20 3*/,% Oberhessen . 4% Oesterr. Go.drente 3J/o Mexikaner . . , 4Vs /u Chinesen . . . . Electric, oct uckert . . < Nordd Lloyd . . . , hreditaktien . . . e < Disk onto-Kommandit. . Darmstädter Bank . t Dresdener Bank . . . . Ber iner Handelsges. . Oesterr. btaatsbahn . . Lombarden . ... üottuar ibahn . . . . Laurauütte ..... Bochum...... liarpuner ..... Tendenz : rabig. 3V/'/a 3°/0 3V,% 3°/o Kirchliche Knchrichlen. Evangelische Gemeinde. Freitag den 18. Dezember, nachmittags 5 V3 Uf)r: Vereinigung der fonfirnuerten Mädchden der Liikasgemeinde im Konsirmanden- saal der Johanneskirche. Pfarrer (Luter. Israelitische Ncligionsgemeinde. Gottesdienst tu der Synagoge, Südaulage. Samstag, d e n 19. Dezember 1903. Vorabend 4.15 U h r. A! orgens 9.00 Uhr. Predigt. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabbathausgaiig 5.15 Uhr. ^sttrsbirnß der isrncldifdjcn KcligionsgesrHschast. Sabbathieier a m^!9. Dezember 1903. Freitagabend 4.00 Uhr. Canistag Vormittag 8.30 Uhr. Predigt. Nachmittag 3.30 Uhr. Cabbathausgang 5.15 Uhr. Wochengottesdieilst: morgens 7.10 Uhr, abends 4.00 Uhr. . 26.20 . 92.30 . 109.10 . 105.50 . 217.10 . 199.40 . 147.80 . 160.00 . 165.00 . 146.00 . 17.60 . 190.50 . 240.00 . 190.60 . 204.90 Kestrich planen den Bau einer gemeinsamen Wasserleitung, welche zu 60 000 Alk. veranschlagt ist. Groß- Felda wird die Leitung erbauen, da Kestrich im Besitz der Quellen ist. Darnistadt, 16 Dez. Bei der hiesigen Staatsanwaltschaft schiveben Ermittelungen wegen Doppelwahlen, die am 16. Juni vorgetommen sein sollen. Tie Ermitlelung läuft darauf hinaus, ob Wähler — Arbeiter aus dem Wahlkreis Darmfladk-Groß-Gerau, die in Frankfurt beschäftigt sind — an einem und demselben Tag an zwei verschiedenen Orlen, in Frankfurt und in der Heimat, 'von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben, und zwar am Tag der Hauptwahl. In Tarmsladt-Gcoß-Gerau ist bekanntlich der Sozialist Cramer sofort gewählt worden. Auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft l>t, wie die .Franks. Ztg." mitteilt, m einer Reichstags- wahlaffaire tätig geivesen, die aber nicht in den Tarmiiädter, sondern in den Homburg-Höchst-Usmger Kreis hinüberspielt. Es war nämlich die Anzeige eingelaufen, daß zwei Weißbinder doppelt gewählt haben sollen, in Frankfurt und in Usingen. Die zuständige Staatsanwaltschaft ui Wiesbaden wurde benachrichtigt und hat schon am 26. November die Verfolgung der Angelegenheit übernommen. Es ist noch nichi bekannt geivorden, wie weit die Affäre gediehen ist und ob es zu einer Anklage fonnnen wird. Kleine Mitteilungen aus .Hessen und den Nachbarstaaten. Der Vertrag, betreffend den UcHergang der Straßenbahn an die Stadt Mainz ist in der m Darmstadt abgehaltencn Generalversammlung der Süddeutschen EisenbahngejeUschaft genehmigt und unterzeichnet worden. — Wie die Worms. Ztg. gerüchtweise mitteilt, soll die preuß.-hess. Eisenbahngememjchaft beabsichtigen, den schon längst ersehnten Bahn bau Bensheim —Lindenfels aus ihre (losten zur Ausführung zu bringen. Hamburq, 18. Dez. Dl- Teilnehmer an NordenZk. i ö l d s L i> d v o I a r e x p c ü i l i o n Irenen von Äncnos-Aires am 1 Januar hier ein und werden ofiijietl begrubt werben. Kliionlitüts-Kachrichten. Freiburg i. B r., 16. Dez. Der Professor für deutsches und Kircheurechl an der hiesigen Universität, Ulrich Stutz, erhielt emen AM nach Bonn. . . ... ... — Ter Landtag des Herzogtums Memmgen ist über die Petition auf Errichtung eines Lehrstuhls für das Statur- he i l v e ri a h ren an der Universität Jena zur Tagesordiiung u berg eg an gen. . Harpeiter Bergbatt . . 204. Tendenz: Befjer. Dernri-cyte». Boppard, 16. Dez. Die Oberin der Zwangs-Er- ziehun grünst ast St. Acartin fand zwei Mädchen erhängt auf. Das eine war tot, das andere tonnte i; s Leben zurüagerufen werden. Die Lebensmüden waren ans der Ausialt entwichen, jedoch wieder fepg^nonuncn worden. * M a i l a n d, 16. Sept. Die Baumwollspinnerei von Gazzauiger bei Bergamo ist in der vergangenen Nachr abgebrannt. T^r Schaden beträgt mehrere Hunoerk- taujenb Mart. Tie Arbeiter sind auf mehrere Wochen beschäl tigungslos. Graz, 16. Dez. Wegen einer Stndentendemonstration belegte das Rektorat der hiesigen technischen Hochschule die katholisch-deutsche Studentenverbindung „Caroli n a" mit dem Farben verbot und reli - gierte drei Chargierte der Verbindung. * I m Wesergevirge wurde ein mehrere Sekunden dauentoes Erdbeben, verbunden mit donnerahnlich^m Getöse, wahrgenommen. * Blattern. Rach einer Meldung der „Frkf. Ztg." aus Mailand sind in Cal i er o bei Verona die schwarzen Blattern ausgebrochien. Bisher fuii) vier Fälle konstatiert worden, von oenen einer tödlich verlief. * M o r d t a t e n. Aus L i e g n i tz wird berichtet: Im Schloßparc in Zösting bei Freyseadt wurde die 22jährige unvereheirchte Pauline Witt ne r, die seit längerer Zeit im Schlosse häusliche Arbeiten verrichrete, erwürgt auf- gesunoeii. Tw Leiche hatte einen trist um den Hals sowie verschiedene Kratzwunden an den Händen und im Gesicht. — Rach einer Meldung aus Königsberg i. Pr. ist in der Nähe von Lohen ein ungarischer Drahtbinder ermordet und beraubt worden. Der Körper des Ermordeten wurde, in einem Säst fteaend, aus dem Löwentin-See gelandet. Ein der Tat verdächtiger Mann ist verhaftet worden, * Lustiges aus d em I a hr e 1848. In seinen Ju- genderinneruugen erzählt der verstorbene preußische Kul- tusminisier Bosse auch manche drastische Episode aus dem bösen Fahre 1848. Er plaudert: Tte Studenten, die in den großen Ferien, also gegen Ende August, von den verschiedenen Universitäten in die Heimat kamen, brachten allerhand Schnurren mit, die nicht gerade geeignet waren, für das soveräne Bott und die Revolution Begeisterung zu erregen. Ich ent;inne mich einer solchen, die von Marburg erzählt wurde. Tort in Hessen waren die Wogen der revolutionären Bewegung unter Projessoren, Bürgern und Studenten recht hoch gegangen, freilich nicht ohne einen gewissen Widerstand „reaktionärer" Elemente. Infolge dec Wiener Mcnvorgänge war dort unter zahlreicher Beteiligung von Studenten eine große Volksversammlung abgehalten und aus dieser der Antrag gestellt worden, das Haus Habsburg der Krone für verlustig zu erklären. Eine beträchtliche Anzahl' norddeutscher Studenten unter Führung des Mecklenburgers Rudolf Clvers — er ist später em ungewöhnlich tudjuger Mann geworden, und als Landrat und Gh. Regierungstat in Wernigerode gestorben — hatte diesem Anfrage alle nur erdenkliche Oppo.it ion gemacht. Elvers hatte auf die Unzuständigkeit der Versammlung und die völlige Unwick- samkeik, ja Lächerlich test eines solchen Beschlusses hinge- wie.en. brnturlid) berge Mieth. Mit erdrückender Majorität wurde wirtlich beschlossen, das Haus Habsburg der Krone jur verlustig zu eriUuen. Ta meldete sich der Studiosus Clvers nochmals zum Wort und bekam es auck> Er erklärte, er habe dem Beschlüsse nicht zugejtimmt, sondern — ftestich vergeblich — davon abgetalen. Nachdem aber der Beschluß einmal gefaßt worden sei, mus.e man fich ihm jeiv,.verständlich loyal- unterwerfen, nun aber auch vollen Ernst bainit machen. Er beantragte deshalb, eine Kommijfton zu ernennen, die mit der alsbaldigen Ausführung des B-e.chiu,ses beauftragt werde. ^Natürlich entstand ein ungeheures Hallo uno Gelächter. Das Präsidium aber lieg den Studio,us Clvers gemalt.am aus der Ver- sammlung entfernen. Er wurde an die Lust gesetzt. |kur|tr jtU'lüiuiflCH. Originaldrahtmcldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 17. Tez. Ten Reden, welche Reichskanzler Craf Bülow bei der Etats Debatte im Reichstage gegen die Sozialdemokra ten gehalten hat, soll' in ihrem Wortlaut die weitest mögliche Verbreitung gegeben werden. Es wird angenommen, daß die zahllosen Vereine und Verbände im deutschen Reich, welche auf monarchischem^ Boden stehen, sich an dieser Verbreitung beteiligen werden. Hamburg, 17. Dez. Eine Frau Kampf wurde aus schweren Kopfwunden blutend, tot in ihrer Wohnung, aufgefunden. Unter dem Verdacht d e s Mo r d e s wurde' die e i ge n e To ch t e r und ein bei ihr befindlicher unbekannter Mann verhaftet. Marseille, 17. Dez. Der Brand ist jetzt volb- 'tändig gelöscht. Ter in B.and geratene Schooner mit der Ealeiummrbidladung sank ohne zu explodieren. Spalato, 17. Tez Ter Po lizeiwachmann Malvan wurde zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er einen Häftling derart mißhand elt hatte, daß Herichtssaal. ** Gießen, 16. Tez. Jrn Anschluß an die Verhandlung über den Wcchlkrcuvall in Burqqräieurooe sand vor der Slraf- karnrner eine weitere statt gegen den Gastivirt I. K. wegen Di a j e ft a t 5 5 e l e i b i g u n g. Er wird beschuldigt, den Liaijer und Den Großberzog beleidigt zu haben. Ter Angeklagte bestreitet lebe Schuld. Ais einziger Zeuge, dem gegenüber die straibare Aeußeruug geiallen ist, erscheint, wie oben bereits erwähnt, der auch an der Burggräieuroder Affäre beteiligte I. F. K. Tie zeugen- eidliche Aussage dieses Alauues aber ivirb unteritütjt durch die beeideten Aussagen ziveier weiterer Zeugen, denen, gegenüber der "llngeflagte ähnliche unehrerbietige Bemerkungen gemacht hat, so daß an seiner Schuld fein Zweckel besteht. Das Gericht erkennt ani eine Gefängnis st rafe von 2 Monate n. A U l r i cf) ft c in, 16. Tez. Eine nicht nninterenante Angelegenheit sand vor dem hiesigen Schöffengericht ihre Verhandlung. Ein' 'IJiann aus einem Vlachbarorte haue eine offene P o st k a r t e mit der Adresse: „A n den Sozialdemokraten 9L 9L und voll des gröbsten Inhaltes empfangen, natürlich ohne Unterschrift. 5)er Empfänger dieser Karle Hane ob der Schrift einen gewissen Verdacht. Em Schristexperte aus Fraukiurt bestätigte diesen Verdacht durch Schrifivergleichuug. Dec Angeklagte wurde darauf hm zu 40 'Mark Geldstrafe verurteilt, hat mdesseu Berufung em* Brandwunden erlitten. Eonstantine, 17. Tez. Das Schwurgericht verurteilte den Musiker Trubort, welcher seine Geliebte getötet und zerstückelt hatte, zu 15 Jahren Gefängnis. Tanger, 17. Tez. Seit mehreren Monaten haben französische Bankhäuser dem Sultan von Marokko den? Vorjchiag gemaüft, eine Anleihe v o n 50 M i l b i o n e n Francs auizunehnien. Sie verlangen hierfür als Garantie einen Teil der Zolieinkünste und oie Ernennung europäü- jcher Zelibeamten. Ter Sultan zögert, den Vorschlag an- znnehmen, weil er darin eine Beeinträchtigung seines Unabhängigkeit erblickt. — Gewerkschaft Gießener Braunfteinbergwerke »orm- Fernie in Gießen. Es wurde beschlossen, pro Kux eine Ausbeute von 100 Alk. pro Januar zur Verteilung zu bringen. Außerdem soll sämtlichen Beamten und Arbeitern des Werkes aus Anlaß des Welhnachtsfestes eine außerordentliche Gratifikation gewahrt? iverb _ Wetzlar, 16. Dez. Tie Verwaltung der Bu d erus'schen Eisenwerke teilt und unter dem üblichen Vorbehalt nut, daß sie beabsichtigt, bei der nächsten ordentlichen Generalversammlung für 1903 eine Dividende von etwa 5 Prozent (im Vorjahre ebenfalls 5 Proz.) bei unge'ähr denselben Abschreibungen wie im Bor- ,ahre in Vorschlag zu bringen. __ 4‘ 6% Oesterr. büberrento 101.05 er ft a r b. Wien, 17. Dez. Kaiser Franz Foses hat beim Empfange der Delegationen vielfach bemerkenswerte Aeußerungen getan. Ten Tschechen gegenüber sprach er wiederholt sein Bedauern aus, über die Haltung ihrer Parteigetwjfen im Reichsrate und meinte, man stärke dadurch die radikalen Strömungen. Ten Deutschen versicherte er, daß nichts geschehen werde, was oie Grundlage der Armee verrücken könnte und hob energisch die Rotweudigkeit des AusgleichD mit Ungarn hervor. Ter Ministerpräsident von Körber wurde vom Kaiser in einer' Weise getobt, die den Eindruck hervorrief, der Kaiser werde von dem gegenwärtigen Kurse der inneren Politik nicht' abgehen. Zu dem Lungljchechen Kramarc^ sagte der Kaiser, die Tschechen hätten keinen Grund, immer ühetf Unterdrückung zu klagen. Sie müßten vor allem ihre Stellung im Parlament aufgeben, wenn die nötigen wirt- jchaftlia-en Maßnahmen zur Durchführung gelangen sollen. Am schärfsten sprach sich der Monarch den kroatischen Telegierten gegenüber aus. Wien, 17. Tez. Der Kampf gegen die „ßoi von Rom"-B>ew egung in Böhmen, der unter der Führung des Kardinal-Furst-Erzbischofs von Skrebensky eingeleitet wurde, hat nunmehr mit einem Aufruf an alle Katholiken begonnen. In demseLen wird daraus hingewiesen, daß infolge der durch die Protestanten oie ratholi,che Kirche gerichteten Angriffe und durch zahllosen Flugschriften, die mit dem GeLe des Gustav^ Adolf-Vereins und des evangelischen Bundes in ganz Oesterreich verbreitet werden, die Zahl der Abgefallenen tatjächlich das 30. Tausend bereits überschritten hat. An- gestchts der Erfolge der Los von Rom-Bewegung mache sich die diotlage der ratholischen Kirche in Böhmen von vielen Seiten um so drückender fühlbar. Innsbruck, 17. Tez. Im Zillertal wurden in der Dtacht heftige Erdstöße verspürt. Selpitz (Böhmen), 17. Dez. Im Zeichensaale der hie. sigen Fortbildungsschule explodierte während des Unterrichts eine Petroleumlamp-e, wobei fünf Schüler gelegt. Frankfurt k. M, 16. Tez. Eine eigentümliche Anklage aus dem letzten Landl agswa hl kämpfe kam vor dem hiesigen Sck),öfsengericht zur Verhandlung. Am 6. Oktober ha.te die soziatoemokratische „V-ttsstinime" einen Bries veröfftntlichl, den ihr, wie sie sagte, eai günstiger , Wind auf den Redakstonsti.ch geweht hatre. Es war ein Schreiben vom Schriftführer des Zentrumswahlvereins an den nationalliberalen La.idtagsiand.daten, Lehrer Eo. Martell, worin die Unterstützung der beiden naEoualtiberalen Kandidaten zugesick)rri wurde, wenn bei den nächsten Stadt- verordnetenwalften drei vom Wahlausfchuß der Frankfurter Katholiken bezeichnete Kandidaten auch von nationalribc- raler Seite aufgestellt würden. Ter Brief war die Antwort auf eine Anfrage, die Martell, übrigens ohne vom Vorstand des uationrlliberalen Vereins ermächtigt zu sein, an die Zentrumspartet gerichtet hatte. Die Verö,friii.lchung erregte das größte Aufsehen, west durch diese Verhandlungen des nationalliberalen Kandidaten mit dem Zentrum seine eigenen Parteigenossen unangenehm überrascht lvurden. In Martells Hände ist die am 2. Oktober zur Post gegebene Antwort nickst gelangt, da er an diesem Tage nach Erfurt reifte und erst am 5. Oktober zuruck- kehrte, als der Brief bereits im Besitze der „Volts^unme" war. Ein Arbeiter hatte ihn ohne Umschlag und mit abgerissenem Rückblatt auf der Straße in dec Nähe der Mar- iullschen Wohnung gefunden, aus Neugier gelchen und dann uuj die ,-8olksstimme" gebrackst. Wer den Brief geöffnet und dann weggeworsen hat, weiß man nicht. Da die Briefe hier nickst in der Wohnung bestellt, sondern vom Briefträger in die an jedem Haus angebrachten Briefkasten gesteckt werden, ist der Brief wahrscheinlich aus dem Martell- schen Kasten heransgefallen oder herausgenommen worden. Martell begnügte sich aber mit dieser Aufklärung nicht, sondern zeigte den Vorfall der Staatsanwaltschaft an. Diese erhob gegen den verantwortlichen Leiter der „Volts- stinune", O. Zielowski, Anklage wegen Unterschlagung und beantragte eine Geldstrafe von 2G0 Mk. Das Schöffengericht erkannte jedoch au, Freisprechung, west eine Unterschlagung allenfalls vom Fi.nder des Briefes, aber nicht vom Veröffentlicher begangen sei, und auch keine Hehlerei vor Liege, weil der Angeklagte von der Veröffenstichung keinen Vorteil gehabt habe. Metz, 16. Dez. In Verfolg des Prozesses Schilling verhandelte das Kriegsgericht Hettle gegen bett Hauptmann Paschke und den Feldwebel K a f f a r n e ck der vierten .Kompagnie des Metzer Inicutterte-Regiments Nr. 98, die beschttldigl sind, dteitsiliche Beschwerden von Soldaten nicht weitergegeben und attdere Unterlassungen bedangen zu haben. Hattpitnamt Paschke tvttrde ßu fünf Tagen Stubenarrest verurteilt, der Feldwebel, der erst kurze Zeit sich in seiner jetzigen Stellung besindet, freigesprochen, da erwiejenertnaßen die Hauptschuld seinen Vorgänger trifft. — Wegen Soldaten Mißhandlung in 1520 Fällen, 80 Fällen vorschriftswidriger Behandlung von Untergebenen. 20 Fällen des Geldborgens und der vorsätzlichen Abhaltung von der Beschwerdeführung wurde der frühere Unteroffizier Otto Fr anzki vom Infanterie Regiment Nr. 85 vom Kriegsgericht in Rendsburg zu einer Gesammtstrafe von fünf Jahren G efängnis und zur Tegradatioti verurteilt Franzki war im September vom Regiment entlassen worden, weil sein Hauptmaim nicht länger mit ihm kapitulieren wollte; er wandte sich nun nach Hamburg, wo es ihm gelang, am 1. Oktober eine Stelle als Hilfs- jchutzmaim zu erhalten. — Vor Eintritt m die Verhandlmig stellte der Vertreter der Anklagebehörde, Kriegsgerichtsrat Dr. Reuter den Antrag, die Oeffenilichkeit nicht auszuschließen; denn auch das militärische Interesse erheische die volle Oef- f e n 11 i d) f e i t. In der Urteisbegründung wurde hervorgehoben, daß bei der Strafabmessung auf die höchst gemeine Gesinnung des Angeklagten, die sich m den brutalen Mißhandlungen seiner Soldaten und in seiner Freude an diesen Ackßhandlungen gezeigt habe, Rücksicht genommen sei. Ter Angeklagte habe nie in berechtigter Erregung gehandelt, denn die Vergehen und Versehen seiner Untergebenen 'seien nur solche geweseii, die im Soldatenleben täglich vorkommen und vortommen müssen; er habe mit der Brutalität emes Lchsenknechtes gehandelt, trotzdem es an der nötigen Beaufsichtigung fettens der Vorgesetzten nicht gefehlt habe. Ter Angeklagte erklärte, die Strafe sofort antreten zu wollen. — Der Prozeß gegen dte Prinzessin Alexandra Jsenb urg-B üdmg en wegen Betruges ist, wie man aus Frankfurt a. Ai. meldet, auf den 16. Januar vertagt. Miüst miD Wckichr. yulkbiuiilfdjafl Berliner Börse vom 16. Dezember 1903. Infolge der heute morgen vorgelegenen ungünstigen Reuter- schen Depeschen betreffenb die russifch°japa>iischen Streitigkeiten eröffnete inan hier m reservierter Haltung. Bald jedoch trat auf allen Gebieten eine scharfe Aufivärtsbewegung em, wozu das Ausland die indirekte Veranlassung war. Paris sowie London meldeten anhaltend feste Teiidenz und auch Wien notierte nach mattem An- iang späterhin gebesserte Kurse, so daß unser Alarkt der Anr-gmtg der freniden Platze willig folgen mußte. Von Renten erfreuten sich unifizierte 4proz. Türken neuerdings reger Slachfrage; Spanier nach schivachem Attfang zuni Schluß leicht gebenert. Bankaktien ivaren bet ruhigem Verkehr recht gut behauptet. Auf dem Aiontan' markt wareit Eisenaktien gut behauptet, Kohlemverte auf anhaltend . große Kau'e von guter Seite stark anziehend. Schifsahrtsaktten - logen recht fest. Nordfeefischereiaktien löl.-. , cUlitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Tiskont 3^/8 Prozent. f Schlußkurse. 213.— 223.62 148.25 191.- 204.13 I M L M W W ■ d ■ -:> I ■ • ■ ■ 9375 Vor Steckern, Schleifen. Spitzenkragen, Lavalliers, Gürteln, Schleiern F>el^«tiaaff©^ Colliers Schulterkragen, wollenen Westen, Kopishawls Winttr-'jlafldsdmhca ind TriKotagen Shlipsen und Herren-Wäsche Prima Ziegenleder-Giacehasidsch^he^. Julius Schulze Kreuzplatz empfiehlt in reicher Auswahl 7856 empfiehlt Westanlage 7. 9367 Gebrauchter, wenig getragener Herren-Anzug (norm. Fig.) sowie guterhalt.Wiuter-Neber- zieher zu tauten 0e$ucl)L Cff. ivo- möqL m. Preis u. 06150 a. d. Erp. und Rubmschnridtt Marburgerstraße 83. J. Happet Backzutaten gut und billig empfiehlt 9102 Robert Stuhl, Neustadt 23. Au». 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