Erstes Blatt. Samstag 17. Oktober 1903 153. Jahrgang Gchalftratze 7« Mbrefle für Depeschenr Auzetger Gtetzeu. Krrnsprechanschluß Nr. 5L Teil- V. Shttto: für , Stadl und HanD* und -GerlchtSfaaL*-. Avaust Götz; füi den An» -etgentetlr Han« Geck. vezugdpretSr monatlich 7b Pf^ otertel- tährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.' durch dre Post Mk.2.—vtenel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Lagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilen preis: total 12 Pf^ auSwÜctt Al Pfg. Nr. 344 SrfchetAt täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Lamilien' blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Univers.-Buch- u. Stein» drucke rer (Pietsch Erben- »Redaktton, Expedition GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bekanntmachung. Detr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Bettenhausen. Samstag de« 24. Oktober L I. findet die Ueber- weisung der Ersatzgrundstücke und die Versteigerung der Massegrundstücke im Winterfeld an Ort und Stelle statt. Zusammenkunft vormittags 972 Uhr am Rathaus zu Bettenhausen, woselbst auch die Versteigerungsbedingungen bekannt gegeben werden. Die Ueberweisung erfolgt vorbehaltlich der rm Termin bekannt zu gebenden weiteren Bedingungen unter folgenden: 1. Meliorationsarbetten können auf den überwiesenen Grundstücken auch fernerhin vorgenommen werden; 2. Eigentumsveränderungen, die infolge der Ausführung von Meliorationsarbeiten, der Anlage von Wegen und Gräben und dergleichen innerhalb der Zeit der Ausführung dieser Arbeiten notwendig werden, müssen die neuen Eigentümer dulden. Ein hierdurch bedingter Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentümer nach dem Bonitätswect vergütet, bezw. zugeschrieben. Friedberg, den 14. Oktober 1903. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Spam er, Kreisamtmann. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Berstadt; hier den allgemeinen Meliorationsplan. In der Zeit vom 17. Oktober bis einschließlich 30. Oktober 1903 liegen auf dem Rathaus zu Berstadt die Arbeiten des L Abschnittes obiger Feldbereinigung, nämlich: der allgemeine Meliorationsplan nebst Erläuterungsbericht und Prüfungsprotokoll söwie das Protokollbuch lur Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Erttgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt Samstag, den 31. Oktober 1903, vormittags lO1^ bis 11 i/2 Uhr, tm Rathause zu Berstadt, wozu ich die beteiligten Grundbesitzer mit dem ZLnfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. -Die Einwendungen sind schriftlich (Papier in Aktengröße) abzufassen und zu begründen. Büdingen, den 12. Oktober 1903. Der Großh. Feldbereinigungskommissar. Schnittspahn, Regierungsassessor. Bekanntmachung. In der Zett vom 10. bis 17. Oktober 1903 wurde in hiesiger Stadt gefunden: 1 Scheere mit Kette; verloren: 1 Kravattennadel. Der Empfangsberechtigte der Scheere beliebe seinen Anspruch alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 17. Oktober 1903. Großherzogliches PolizeiamL Gießen. Hechler. Dekanntmallfung. Die Löwengasse wttd wegen Vornahme von Kanalisationsarbetten von Montag, den 19. L Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 16. Oktober 1903. Grohherzogliches Pottzeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Die Kirch st raße wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Montag, den 19. I. Alts, an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 17. Oktober 1903. Großherzogliches Polizeiamt Gießen Hechler. Sas italienische Köuigspaar in Faris. Paris, 16. Okt. Auf den Boulevards und in den Straßen hielt gestern der rege Verkehr bis Hegen 1 .ll.hr nachts an.. In der Avenue de l'Opera wurden gestern abend 11 S o z i a l i st e n, welche die Carmagnole anstimmten, verhaftet. — Der Arbeiter-Verband hat in der letzten Nacht eine Kundgebung anschlagen lassen, worin gegen die aus Anlaß der Anwesenheit des italienischen Königspaares veranstalteten Festlichkeiten protestiert wird, weil die Regierung ungerechtfertigt Verhaftungen vorgerrommen und Truppen gegen die Ausständigen im Nord-Departement mobilisiert habe. Das Wnigspaar machte heute früh mit dem Präsidenten Loubet und dem übrigen Gefolge eine Rundfahrt durch die innere Stadt, zuerst zum Besuch der Staats münze, für welche der König als dttrmismatiker ein besonderes Interesse besitzt. Der Finanzminister Itouvier und dessen junge Frau empfingen die Gäste und führten sie durch die Werkstätten und durch das Medattlenmuseum. Rouvier erklärte dem König alles Interessante, ost aber drehte sich auch das Gespräch um und der König gab dem Minister seinerseits mit großer Lebhaftigkeit Aufklärungen.. Der König, den wir hier aus unmittelbarer Nähe und ohne Kopfbedeckung sehen konnten, ist genau ebenso groß, oder vielmehr ebenso klein, wie der Präsident Loubet, er ist jedoch kräftig gebaut und hat ein frisches Gesicht, dessen untere breite Partie mit einer scharfen, von den Lippen ab ziehenden Falte trotz des Altersunterschiedes an das charakteristische Gesicht von Waldeck-Rousseau erinnert Die Kön igin ist um einen Kops größer als der König, sehr schlank und hat ein scharfes Profil mit dunklen Augen und schwarzen Haaren. Sie trägt heute ein dunkles, mit Pelz garniertes Iakett auf hellem Kleide und einen hellen Hut mit schwarzen Federn. Loubet erklärte ihr mit großem Eifer die Denkmünzen des Museums. Schließlich wurde im Beisein der Gäste eine goldene Medaille zur Erinnerung an den heutigen Besuch geprägt, und Loubet, sowie der Finanzminister überreichten dem König und der Königin als Geschenk Etuis mit historisch interessanten Medaillen. Das Königspaar begab sich alsdann zu dem Rathause. Im „Hotel de Ville" erwarteten das Königspaar die Munrzipalräte, die Generalräte des Seine-Departements, sowie eine große Anzahl Geladener. Der Präsident des Municipalrats und der Präfekt des Departements hießen das Königspaar willkommen. Sie gaben namens der Stadt Paris der Freude Ausdruck, das Königspaar im Stadthause empfangen zu können. Der König dankte mit großer Herzlichkeit für den überaus warmen Empfang, den Paris ihm bereitete. Das Königspaar besichtigte verschiedene Säle des Stadthauses. Am Buffet bat Präfekt Deselves den König um die Erlaubnis, der Stadt Rom einen Gruß ferer Stadt Paris übermitteln zu dürfen. Sodann zeichnete sich das Königspaar in das goldene Buch von Paris ein, worauf ihnen Kunstgegenstände als Geschenk der Stadt überreicht wurden. Hieraus begab sich das Königspaar in Begleitung" des Präsidenten Loubet und seiner Gemahlin nach dem Hotel des Invalides. In der Avenue de l'Opera, Rue de la Paix, Rue Rivoli und auf dem Kontordienplatz, welche die Majestäten passierten, sammelte sich eine große Menge an und begrüßte das Wnigspaar mit Hochrufen, Händeklatschen und Tücherschwenken. Gegen 12 Uhr 30 Minuten verließ das Königspaar, der Präsident und feine Gemahlin das Hotel des Invalides und fuhren nach dem Ministerium des Auswärtigen, wo sich der Präsident und Frau Loubet vom Wnigspaar verabschiedeten. Um ein Uhr nahm das Wnigspaar, der Präsident mit Frau Loubet an dem Frühstück in der italienischen Botschaft teil. Nach dem Frühstück empfing das Wnigspaar eine Abordnung der italienischen Kolonie und mehrerer fran- zösisch-itallenischer Vereine. Sodann kehrten die Majestäten in das Ministerium des Aeußern zurück. Heute abend fand beim Minister des Auswärtigen, D e I c a {f e, ein Diner statt, an dem das Wnigspaar, Präsident und Madame Loubet, der italienische Botschafter Tornielli, die Präsidenten des Senats und der Wmmer. die Botschafter mit ihren Damen u. a. teilnahmen. UoMische Tagesschau. FinauMmister-Beratuug in Berlin. Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns ,unterm 16. Oktober: Nach einer Münchener Meldung des „Berliner Tagebl." wird der bayrische Finanzminister Frhr. v. Riedel in Berlin erwartet; offiziell gatten als Gegenstand der Beratung die Handelsverträge, doch verlautet, daß in erster Linie die R e i ch s f i n a n z r e f o r m zur Erörterung stehen werde. Sowett die Meldung. Mr können hinzu- fügen, daß Frhr. v. Riedel seit längerem ein Projekt, und zwar unabhängig von der bekannten Miquel'schen Reichs- sinauzreform, dem sogenannten „Automaten" ausgearbeitet hat. Vielleicht wünscht man in Beriln, wo man mit den Vorarbeiten zu einer reinlichen Scheidung der Reichs- und Bundesstaats-Finanzen beschäftigt ist, diese Vorschläge näher kennen zu lernen. Eine Konferenz der deutschen Finanzminister sicht ohnehin in Aussicht. Nicht nur die Reichsfinanzreform kommt in Betracht, die gesamte Finanzlage des Reiches mit ihrer Wirkung auf die Ansprüche an die Bundes st aaien läßt ein Konsilium von Sachverständigen zweckmäßig erscheinen. Auch darüber wird die Entscheidung satten müssen, ob eine neue Reichs steuer zur Deckung der militärischen Ausgaben verschiedener Art erforderlich ist. Graf Bülow, legt, wie man weiß, großen Wert auf die Pflege der Beziehungen zwischen Preußen und den anderen Bundesstaaten. Eine persönliche Aussprache dient der Herstellung und Erhaltung der Einheitlichkeit am besten. Daß der Süden, wie es früher wohl geschehen ist, vor Ueberraschungen und vollzogenen Gießener StaiMtMer. Neber den Wassern. Drama in drei Aufzügen von Georg Engel. Wir Menschen können unser mühseliges Dasein nur tragen, wenn wir uns gegenseitig ein Bischen verzeihen wollten. Ein einziges Bischen Verzeihung, das ift alles! In diesen Worten liegt die leider auch von Berufenen nicht immer befolgte fromme Wahrheit, die Georg Engel, den das Gießener Theaterpublikum bereits aus seiner zur letzten Landtagswahlzeit gegebenen Wahl- und Wühlkomödie „Der Ausflug ins Sittliche" kennt, in feinem Drama „Ueber den Wassern" verficht. Dcm Konsistorium ist zu Ohren gekommen, daß Pastor Siewert nicht die Würde seines Amtes aufrecht zu halten vermocht hat. Die 30 Jahre seines nicht mit dem Herzen ausgeübtcn Berufes haben ihre Spuren tief emge- graben in den Geist des Alten; er ist nicht gewesen, was er feinen armseligen Pfarrkindern hätte sein sollen; statt sie zu erheben, ist er zu ihnen hinabgestiegen, hat sich ihren Lebens- gewohnheiten eingefügt, hat mit ihnen gezecht unb ift mol)! auch anderen Lockungen gegenüber nicht immer standhaft geblieben. Da hat denn das Konsistormm kurzen Prozeß gemacht, es hat ihm den Stuhl vor die Tür des Pfarrhauses gesetzt. Der Alte, Haltlose wird abgelöst durch den Eifrigen. Das neue Haupt der Gemeinde, Holm, will neue Ordnung in sie bringen. Ihm haftet nichts Weiches, Nachsichtiges an. Rücksichtslos will er einschreiten und den Leuten zeigen, was ein energischer Gemeindehirt vermag. Er zwingt die (Gemeinde zu einem Damm bau gegen des Meeces Sturmflut. Wie dieser den Ort vor dem tobenden Element da draußen beschützen soll, so will er sich selbst dem im Orte umgehenden Geiste entgegenstemmen. Er und der Damm sind eins. Hart und unerbittlich gedenkt er seinen Weg zu gehen. Aber nur zu schnell muß er erkennen lernen, daß Menschenwerk und Menschenwille nichts sind, und daß das Leben unter seine Ansichten nicht das Siegel gedrückt hat. Im Orte ist eine Person gestorben, die mitsamt ihrer Tochter nur dem Laster gelebt hat Holm will ihr den Segen der Kirche auf dem Friedhöfe versagen. Da ertönt ein vielstimmiger Schrei vom Orte herauf/ brausendes Getöse verkündet ihm, daß der nach seinem Willen errichtete Damm gebrochen ist. Durch die, die ihm die personifizierte Sünde ist, muß er vernehmen, daß alles verloren, alles von den Fluten eines höheren Willens verschlungen ist, Haus und Hof, Mensch und Tier, der ganze Ort Nur das Pfarrhaus und die Kirche blieben bisher verschont, aber stündlich steigt die Flut und droht auch das letzte fortzuspülen. Wir sehen, daß Sturmflut und Damm nur ein Sinnbild sind des gleichzeitig andringenden Unwillens Gottes und der Menschen! Der da neu eingesetzt ist, die Seelen zu retten, wandelt auch nicht auf Gottes rechten Wegen. Bis ins innerste getroffen von der dräuenden Flut furchtbarer Gewalt, diesem göttlichen Strafgericht, rafft sich Holm empor und ruft den Sterbesegen für die Verlorenen in den Sturm hinaus. Dann wird er eine Beute wütender Verzweiflung. Alle seine Pläne sind vernichtet; er wollte die unsichtbare Kirche auf bauen und nun hat er nichts vollbringen können. Da weist ihn sein alter Amtsbcuder auf Stine Kos, die Dorfdirne, hin. In dieser verwilderten Seele soll er die Reue zu erwecken suchen, das wäre ein Werk würdig der unheilvollen Stunde. Aber Holms ganzes Wesen, das nur zu richten, nicht zu verzeihen vermag, sträubt sich heftig gegen den Vorschlag. Da erinnert Siewert an die Goethe'schen Verse: „Es freut sich die Gottheit der reuigen Sünder, Unsterbliche Heven verlorene Kinder ÜJiit feurigen Armen zum Hmunel empor." „Wer das geschrieben hat, der hat von uns Dreien die rechte Religion gehabt," fügt Siewert hinzu. Aber auch das ist vergeblich. Erst die äußerste Gefahr macht Verächter und Verachtete gleich. Holm behält die Sticke, die Sünde, die unter den Augen des alten Pastors so groß emporgewachsen ist, daß selbst ihm, dem alten, vor ihr zu grauen beginnt, bet sich im Hause. Mit loderndem Haß verfolgte sie den neuen Pfarrer, der sie von sich gewiesen hat und den es schaudert vor ihr. Ein heißes Ringen zwischen dem entflammten Fataniker und dem verbitterten, mißtrauischen Geschöpf hebt an. Wie er sich auch fträubte, wie sich sein Zelotismus auch dagegen auflehnte, allmählich hat sich doch nach hartem inneren Kampfe in ihm die Wandlung vom Eiferer zum Erkenner des Wesens wahren Christentums vollzogen. Er spricht ihr von Reue und Vergebung: Wer die Liebe umgebracht hat und will sühnen, der muß die höchste Liebe besitzen. Die höchste Liebe aber hat der, der selbstlos ohne Lohn sich opfert für andere! Diese Rede bleibt in ihr hasten. Und sie geht hin, um sich zum Heile der anderen von den Fluten verschlingen zu lassen, während die Rettung von anderer Seite naht. Nun muß sich Pastor Holm aufrichten lassen von dem für unwürdig befundenen Alten durch weise Worte von der Notwendigkeit der Duldung und Verzeihung unter den Menschen. Pastor Holm erkennt, daß der Mensch nichts ist, wenn Gott nicht will, daß christliche Ergebenheit, Demut und Slachsicht den Boden bilden, auf dem allein wahres Christentum bestehen kann! Die Gießener Aufführung dieses Stückes bedeutet eint Dctt! Der Dichter tritt uns als ein Ethiker entgegen, der neben allgemeinen Lehren eine religiöse Wahrheit predigt, die von manchem, dem die Förderung des Christentums anvertraut ist, vergessen wird. In der aufs äußerste gespannten Situation werden die Seelen nackt. Wir sehKi, daß in dem Alten der göttliche Funke nicht ganz erloschen ist, daß er weiser i|i und nach seinem Herzen ivürdiger der Kirche, die ihn verstieß, daß er in seiner praktischen Lebensphilosophie Tatsachen gestellt wird, dürste unter dem Grafen Bülow als Kanzler ausgeschlossen )ein. Es wird rn Berlin mehr als je auf die (Stimmung im Süden Rü ck- sicht g e n o m m c n. Die Neigung zum Zusammenarbeiten hat dadurch eine entscheidende und erfreuliche Förderung erfahren. Der Aufmarsch der Parteien in Preußen. Man fei)reibt uns ferner aus Berlin, 16. Oktober: Eine längere Betrachtung der „Konserv. Korr." über den Aufmarsch der Parteien zu den preußischen Wahlen wird in der heutigen „Nordd. Allg, Ztg." zum Ausdruck gebracht. Es heißt in der als parteioffiziös anzusehenden Auslassung u. cu: bie Für ch t vor dem reaktionären G e s p e n st und vor den s ch w a r z e n .P l ä n e n der „k l e - rikal-konservativen Mehrheit" in Bezug auf die B o l k s s ch ule bilden die Ei nigungs punkte für den Gesamtliberalismus in Preußen und den Köder, mit dem auch die Sozialdemokraten „krebsen". Das Ideal der bürgerlichen Linken, in geschlossener Phalanx g e g e n d i e „R e a k t i o n" zu marschieren, sei nal)ezu verwirklicht. Die schroffe Abkehr der National- liberalen von der Rechten könne nur als ein vermutlich von den Nationalliberalen selbst für nötig gehaltener Beweis gelten, daß die nationalliberale Partei nunmehr aufhören wolle, eine Mittelpartei zu sein. Tie Abkehr der Nationalliberalen v o n d e r R e ch t e n hat sich in Wirklichkeit längst vollzogen. Der erste und hauptsächliche Llnstoß dazu ist die Bekämpfung der Verkehrsprojekte durch die Konservativen gewesen, sodann die immer mehr in Erscheinung tretende Annäherung zwischen Konser- vatcven und Zentrum. Andererseits ergab sich bei sehr vielen Fragen eine ll e b e r e i n st i in m u n g der Nationalliberalen und der Freisinnigen im Landtag. Es ist nur folgerichtig, daß die Nationalliberalen das Kartell mit den Konservativen gekündigt und vielfach gemeinsame Kand idaturen mit den Freisinnigen aufgestellt haben. Konservative, die nicht in der Selbsttäuschung befangen sind, rechnen sehr ernstlich mit einer Dtschütter- ung des Besitzstandes, namentlich, da die Wahlbewegung zu wünschen übrig läßt. Eine Warnung au Landarbeiter. Man schreibt uns aus Kolonialkreisen: Wohl allenthalben auf dem Erdball begegnet man heutzutage deutschen Weltreisenden. Sie sehen sich Land und Leute in fernen Zonen an, doch nicht gerade oft zu dem Zwecke, durch Verbreitung der Kenntnis von dem, was ihnen auffiel, in Schrift oder Wort ihrem Vaterlande, chrem Volke einen Dienst zu erweisen. An Reisebeschreibungen fehlt es zwar nicht, wohl aber an solchen, .die wertvoll sind, durch Schilderung der sozialen Verhältnisse, durch Fingerzeige über Wirtschaftslage, Arbeitsund Lebensbedingungen in fremden Ländern. Um so anerkennenswerter ist es, wenn ein deutscher Weltreisender praktische Winke gibt, wie dies Moritz Schanz-Chemnitz jetzt im Organ der Deutschen Kolonialgesellschaft tut. Er warnt da die deutschen Landarbeiter auf das aller- dringendste vor der Auswanderung nach der Kap- ko lonie sowie davor, sich den dortigen Ob stsarm ern ,§u verdingen, die mit fortwährendem Mangel an zuverlässigen Arbeitern zu kämpfen haben. Einflußreiche Mitglieder des Kapparlaments, so berichtet Schanz, 'trachten danach, die Einwanderung deutscher landwirtschaftlicher Arbeiter nach der Kapkolonie in die Wege zu leiten; die Arbeitsbedingungen sind ungünstiger, als man sie den Kaffern zu stellen wagt. Wer auf sie eingeht, begibt sich in eine regelrechte Sklaverei. Daß kein encstischer Arbeiter auf die Kapländer Farmen sich verdingt, braucht eigentlich kaum hervorgehoben zu werden. Dagegen erscheint ein ausdrücklicher Hinweis darauf angezeigt, daß die italienische Megierung die Erlaubnis zur Organisierung der Auswanderung italienischer Landarbeiter nach Südafrika auf der Grundlage eines so beschaffenen Arbeitskontraktes rundweg versagte. Es ist das um deswillen bezeichnend, als ausgeprägtes soziales Empfinden den italienischen Ministern nicht gerade eigentümlich zu sein Pflegt, 'wie die traurige Lage der Landarbeiter in Italien selbst beweist. Für 2i/2 Shilling bei zehn- bis zwölf stündiger Arbeitszeit unter den teuren Lebensbedingungen der Kapkolonie zu arbeiten, das vermag allenfalls ein Asiate. Die kap ländische Regierung dürfte von der Einwanderung der Asiaten freilich ebenso- ivenig etwas wissen wollen, wie diejenige Australiens, doch diese Abneigung schwinden zu machen ist Sache der kap- ländischen Obstfarmer. An den Organen der öffentlichen Meinung in Deutschland ist es, verhüten zu helfen, daß deutsche Arbeiter zu englischem Nutz und Frommen ihre Haut zu Markte tragen. Wo deutsche Arbeiter sich mit dem Gedanken der Auswanderung nach dem dunklen Erdteil beschäftigen, da tun sie gut, in erster Linie Deutsch-Südwestafrika in Betracht zu ziehen und über die dortigen Verhältnisse bei der Reichs-Auskunftsstelle für Auswanderer in Berlin sich Rat zu holen.' Den Vorstellungen und Lockungen von Agenten ober sonstigen Mittelspersonen ist in keinem Fall Gehör zu geben. Wer sich trotzdem verleiten läßt, dem kann später kein Konsul und keine Regierung helfen. Adreßbuch der Stobt uni) des Kreises Wen. Am Montag, dem 19. Oktober, werden wir mit dem Einsammelu des Gießener Adressenmaterials beginnen lassen. Um nnn das Adreßbuch mit möglichster Genauigkeit herstetteu zu können, bitten wir Höst, um die freundliche Unterstützung der verehrt. Einwohner Gießens, die ja das größte Interesse an einem fehlerfreien Adreßbuch haben. Möge also jedermann die Güte haben, unseren Einsammlcrn mit genauen Angaben an Hand zu gehen. Mrühl'fche Nniversttäts-Pruckerei. Verlag des Kreis-Adreßbuches. Aus Stadt uni) Land. Gießen, den 17. Oktober 1903. *♦ Gefellschaft für Erd- und Völkerkunde. Wie bereits durch Anzeige bekannt gegeben ist, findet am Montag, den 19. Oktober, abends 8^/z Uhr im Hotel „Großherzog von Hessen" die jährliche Hauptversammlung der Gesellschaft statt, worauf wir an dieser Stelle nochmals Hinweisen wollen. ** In der Gemälde-Ausstellung am Brand findet kommende Woche ein größerer Wechsel der seit 14 Tagen ausgestellten Gemälde statt. Es sei darum nochmals auf die gegenwärtige Ausstellung hingewiesen. -s- Ettingshausen, 15. Okt. Der 20jährige Knecht des Landwirts Georg Serth sprang gestern nacht aus dem Fenster des zweiten Stockes aus die Straße und zog sich schwere Verletzungen zu. Da er einen Schädelbruch erlitt, so ist sein Zustand sehr bedenklich. Der Fall wurde dadurch etwas gemildert, daß em anderer Bursche ihn auffing und am Rock faßte, sonst hätte der Tod auf der Stelle eintreten können. Ob Furcht vor der Militärzeit die Ursache ist, kann erst nach der Vernehmung des Rekruten festgestellt werden. Le. Friedberg, 16. Okt. Dekan Dr. Wurster in Blaubeuren hat einen Ruf als Professor an das Predigerseminar hier angenommen. E. B. Darmstadt, 16. Okt. Auch heute unternahmen die fürstlichen Herrschaften von Wolfsgarten aus Automobilfahrten. Die Abreise des Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen erfolgte heute abend von Station Egelsbach bei Wolfsgarten mit dem 8.04 Uhr hier abgehenden O-Zug. Das Prinzenpaar begibt sich nach Berlin und Kiel, gedenkt aber in etwa 8 Tagen noch einmal für kurze Zeit nach Wolfsgarten zurückzukehren, wo heute vormittag auch die beiden Söhne, Prinzen Sigismund und Heinrich, einge- Lroffen sind. Gestern nachmittag stattete auch Prinz Andreas von Griechenland mit seiner jungen Gattin in Wolfsgarten einen Besuch ab. — Die Uebergabe des Rektorats der Technischen Hochschule an den vom Großherzog neu ernannten Rektor, Prof. Dr. Dinge ldey, findet am nmyfien Dienstag vormittag in feierlicher Sitzung in der großen Aula statt. Gleichzeitig erfolgt in dieser Sitzung die Bekanntgabe der Preisverteilung für das Studienjahr 1902/03. Mainz, 16. Okt. Während die katholische Geiste lichkeit nach wie vvr keiner zur Feuerbestattung bestimmten Leiche das letzte Geleit gibt, und Leine kirch? liche Funktion bei einer solchen Leiche ausübt, nimmt die evangelische Geistlichkeit, die anfangs der Feuerbestattung gleichfalls ablehnend gegenüberstand, jetzt einen anderen Standpunkt ein. Mit Genehmigung des Oberkonsi- storiums luiro, nach der „Frkf. Ztg.", jeder Verstorbene evangelischen Glaubens, der durcy Feuer bestattet wird, durch einen besonders hierzu bestimmten evangelischen Geistlichen zur letzten Ruhe geleitet, auch werden die üblichen Zeremonien und Grabreden im Krematorium gehalten. Frankfurt, 16. Okt. Heute traten hier Vertreter von Kultusministerien verschiedener Einzelstaate^i zu einer Konferenz zusammen. Es sind hier erschienen bie Geheimräte Althoff- und Kirchner-Berlin, Obermedizinalrat Dr. Schmidt-Berlin, Ministerialdirektor Dr. Waentig-Tres- ben, Geh. Regierungsrat Dr. Schmaltz-Dresden, Ministerialrat Blauh-München, Ministerialdirektor Kern-Stuttgart, Ministerialrat Stäbler-Straßburg, Geh. Staatsrat Eggeling- Jena, Geh. Mebizinalrat Prof. Dr. Beck-Br aunschwerg, Geh. Ministerialrat Mühlenbruch-Schwerin. Heute vormittag sanb bie erste Konferenz statt. An bem gemeinschaftlichen Mittagsmahl nahm Oberbürgermeister Abickes teil. Nach 3 Uhr fuhren bie Herren zur Besichtigung der Saalburg nach Homburg v. d. H. Die Beratungen nehmen morgen ihren Fortgang. [ J Marburg, 15. Okt. Während der diesmalige» großen Ferien hat die Aula unserer Universität durch die prächtigen Freskomalereien des Direktors der Düsseldorfer Kunstschule, Professor Peter Janssen, einen neuen Schmuck erhalten. Der Zyklus von Wandgemälden, der seine Entstehung Maler Osten ans Cöln verdankt, behandelt Szenen aus der hessischen Landesgeschichte und die Bilderfolge zu der Sage von Otto dem Schütz. Nachdem die Malereien nunmehr vollendet sind und die Aula sich am nächsten Sonntag gelegentlich der Rektorseinführung einem größeren Publikum präsentiert, fand heute durch Ministerialdirektor Geh. Rat Althoff und dem Vortragenden Rat im Ministerium des Innern, Oberregierungs-Nat Dr. Schmidt, beide aus Berlin, eine Besichtigung statt, der die Spitzen der akademischen Behörden, sowie Professor Janffen aus Düsseldorf und Maler Osten aus Eöln beiwohnten. Wie man hört, hat der neue dekorative Schmuck großen Beifall und unumschränkte Anerkennung gefunden. Bum Wachstum der Kinder. Es kann allen Eltern und Erziehern nicht oft genug vorgehalten werden, daß starke, erregende Getränke nicht nur auf das Nervensystem der Kinder von nachteiligster Wirkung sind, sondern daß sie auch das Wachstum der Kleinen hindern. Die meisten Eltern sind nun zwar so vernünftig, ihren Kindern Wein und Bier vorzuenthalten, dabei geben sie ihnen aber ruhig Bohnenkaffee und Tee zu trinken, die doch, wie wissenschaftlich festgestellt ist, gerade auf den zarten, noch in der Entwicklung begriffenen Körper schädlich einwirken. Es ist dagegen darauf hinzuweisen, daß wir in Kathreiners Malzkaffee ein sehr zweckmäßiges Ersatzmittel für Bohnenkaffee und Tee besitzen, das den Kindern ausgezeichnet schmeckt und bekommt. Bei Kathreiners Malzkaffee, mit Milch gekocht, gedeihen auch die jüngsten Sprossen ganz vorzüglich.________________________________________________7083 Warnung! Die meisten Nachahmungen von Dr. Hommels Haematogen werden, um das 1). K. P. No. bl,391 zu umgehen, mit Zuhilfenahme von Aether bereitet, ein Zusatz, der insbesondere für Kinder und Nervöse direkt schädlich ist. Um sicher zu sein, das aetherfreie Original-Präparat zu erhalten, verlange man stets ausdrücklich Dr. HommeFs Haematogen und achte auf die Schutzmarke „Säugende Löwin.“ 92 befähigter ist,* andere zu stützen, als der kurzsichtige Mann des harten Buchstabenglaubens mit der stählernen Stirn, der die Fehlenden zerschmettert, statt sie zu erheben, der da vergessen hat, daß der erhabene Stifter der christlichen Kirche eine Grundlehre dieser gab, als er mit den Zöllnern und Sündern speiste. Engel legt seiner Stirn, der Sünderin, ein schönes Wort in den Mund, das an des großen Norwegers Björnson freie und tiefe Religion erinnert. Als die Flut alles und alles vernichtet hat bis auf die Wenigen im Psarr- hause, da ruft die Dirne, deren verstorbener Mutter der Geistliche den Friedhofssegen zu erteilen sich geweigert hat, in rührender Glaubenseinfalt und dämmernder Erkenntnis von kirchlicher Härte: „®ott selbst hat bie Mutter begraben!" —-- Schade, daß bie bei uns besonders lebhafte Spannung weckende Engelsche Dichtung, bie von packenber Bühnenwirkung ist, gar zu klug unb bedächtig gearbeitet ist, baß der künstlerische Verstand weit größeren Anteil hat als das temperamentvoll schaffende dicytende Herz. Auch in der psychologischen Entwickelung der -Charaktere läßt es einiges zu wünschen übrig. Nicht absolut überzeugend ist das menschliche Wesen dieser Leute. Ist der Pastor Holm vielleicht um ein Kleines zu wenig aus menschlich-vielseitigen Zügen zusammengesetzt, so ist der durch eigene Schuld Gesunkene zu lichtvoll bargestellt, als baß man an dieses warmherzigen lieben alten Herrn Luderleben so recht glauben tonnte. Boll unb saftig steht bieser Alte vor uns, ein prächtiger Charakterkopf von gemütlicher Schicksals- unb Sünbenergebenheit, unb einer klugen Lebenserfahrenheiit, die uns statt Verachtung Achtung einflößt. Die dritte Gestalt, die Stine Kos, hat in ihrer Anlage einen nicht ganz zu. übersehenden Stich ins Literatur entsprossene; sie mag aus Sudermanns „.^atzensteg" zur Welk gekommen sein. Dieser weiblichen Hauchrolle des Stückes hat sich auch Frau Sorma bemächtigt. Gestern standen wir der Ver- törperung bieser Rolle durch Frl. Hagen gegenüber. Es galt die Bewältigung einer Charakterrolle mit leidenschaft- liGjen Accenten. Die sollte sie zeigen und die hat sie gezeigt. Allerdings war ihr Dialog von Anfang um mehrere Jcüancen zu ffem, zu gebildet, so wenig rustikal, ihr ganzes Besen zu rautendeleinhast |ür eine Dorfkokette. Frl. H. war keine vollsaftige, starttnochige niederdeutsche Dirne von der Waaterkant. Sie dachte wohl daran, daß (Stine immerhin einem Lehrer Hause entstammt. Darum wirkte bei chr mancher Ausdruck der Leidenschaft, vor allem das Bekenntnis des Hasses gegen den neuen Pastor, nicht so nervenerregend, wie es vom Dichter gewünscht sein mag. Und der allmählich mit Mühe anempfundene Widerwille gegen das Bessere, Reinlichepe, Höherstehende, die infame tückische Bosheit, in der sie vor dem alten Pastor sich- selber, offenbart, hatte nicht die rechte teuflische Besessenheit. Aber auf diese Weise fand sie besser den lieber gang vom Haß zur Zerknirschung, tgier, wo sie weniger itarker äußerlicher mimischer Mittel bedürfte, deutete sie den Entschluß zur Opfertat mit schöner Intimität und Innerlichkeit an, sie ließ ihn allmählich reifen und erzielte dadurch int letzten Akte eine viel künstlerischere Wirkung als in den beiden ersten. Man konnte meinen, die Darstellerin habe aus echtem Kunstgefühl vermittelt zwischen den hart aneinander gestellten Eharakterwandlungen, Uebergänge zu finden, Brücken zu fdjtagen, Schroffheiten auszugleichen versucht. Ein ganzer Etffolg mußte dieser Tätigkeit versagt bleiben, weil die dichterische Figur, wie Jbsen's Nora, in zwei von einander ganz verschiedenen Gestalten vor uns erscheint. Dieses ausgleichende Vermitteln gerade, oder vielmehr dessen notwendiges Mißlingen machte des Dramas kleine Schwäche offenbar, es war trefflich geeignet, eine lieber» schätzung des gewiß ernst durchdachten, aber doch nicht zu voller llarer Physiognomie gediehenen Werkes aus das rechte Maß zurückzuführen. Es machte bisweilen den Eindruck, als sei Frl. in ihrer Darstellung an kleine Aeußer- lichkeiten und Manieren eines ihr vorschwebenden Vorbildes hängen geblieben. Sehr fein zeigte sie in leiser Andeutung die heim .liche Lieoesleidenschaft zu Holm, die uns das Handeln des Viädchens — auch! eine Vcaria von Magdala — am einfachsten erklärt. Diese zeigte sie sehr klug zuerst in jener, lebhaft an Hedda Gabler — „Jetzt verlasse ich Dein Kind" — erinnernde Stelle im 2. Auszüge, wo sie mit der Hand über des Pastors Bücher fährt und zum alten Siewert sagt: Jetzt streichte id} seine heiligen Bücher mit meinen unreinen Händen. Der alte Pastor Siewert gab Herrn Linzen wieder Gelegenheit, fid} als hochbegabten (^arakteristiker zu zeigen. Er ging ganz innerlich in dieser wehmütig sympathischen Gestalt auf und fand eine Fülle gemütvoll sonniger Töne von naiver Herzensheiterkeit, die in dieser verschütteten Seele sich trotz allem erhalten haben. Es war eine köstliche Vollgestalt von größter Einfachheit wieder, bte der Künstler auf die Beine stellte. Ob er allerdings ganz den Intentionen des Dichters entsprach, ist zweisel- yaft. Der hat uns doch in diesem davongejagten Pastor den zynisch gewordenen Saufkumpan eines verlotterten Fischervolkes zeigen wollen. Wenigstens in der Maske hätte Herr L. da dem Dichter ein wenig mehr entsprechjen können. Ein fast ebenbürtiger Partner war Herr Sandor ff in der schwierigen und nicht durchweg dankbaren dankbaren Rolle des dästern Pastors Holm. Es war eine fein abgetönte Leistung, der man das Prädikat künstlerisch auch nicht oorenthalten darf und die im letzten Akte eine tiefe Wirkung nicht verfehlte. Aus dem Küster Rutschow hätte sich wohl eine ge* lungenere Halligengestalt machen lassen, als sie Herr Teleky gab, und Frau Fischer bemühte sich um den mecklenburgischen Klang auch mit weniger Erfolg als Herr Linzen. Immerhin fügten sich die beiden Staffagefiguren dem Ensemble nicht unangemessen ein. So machte denn die ganze Darstellung einen harmonischen Eindruck. Die Inszenierung des stimmungsschweren Dramas, das in seinem Milieu an Heyermcm's „Hoffnung" erinnert, verdient volle Anerkennung. Vom Franks urterT Heater. Maeterlincks „H e v- liger Antoniu s", in den Mitteln einer an sich guten Satire total vergriffen, weckte bei seiner ersten Aufführung int Frankfurter Schauspielhause Widerspruch und Befremden. Einige Begeisterte mit Ludwig Fulda an der Spitze konnten nicht durchdringen. Die Ausnahme glich einer Ablehnung. — Willy Buers, ein vielversprechender Barytonist der Frankfurter Oper, hat, „einen Antrag seitens der Berliner Hvfvper erhalten, als Vertreter erster dramatischer Barytonpartien in den Verband der königlichen Bühne einzutreten." Buers ist ein junger Mann von schöner Bühnenerscheittung und besitzt eine bemerkenswerte Stimme. Er ist Anfänger, und seine Leistungen sind noch unfertig. Wiesbaden, 14. Okt. Agnes Sorma eröffnete- heute im Residenztheater ein oreiaktigeS Gastspiel unb erntete in der Titelrolle von Katschs „Kollegin" großen Beifall. Versäumen Sie nicht meine amen-Konfektion welche sich durch v > G i. Die Preise 7256 Mk. Marktstr. 17 J. H eil' bronner M] Wohiiullg zu mimckn. 7815 entgeltlich. -F Winter Sandgasse 19. vermieten Es können eingestellt werden: 7816 7828 Giessen Mäusburg 12. Mäusburg 12. Nußkohlen, Authraeit, WERK5 ^/ssbVa^ gehackt 1.30 jedes Quantum frei ans Haus liefert 1163 Andr. Euler weitig su vermieten. 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