Zweites Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 17. September 1903 GietzenerAnzeiger ° General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Nr. 318 Erscheint täglich rußer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dein hessischen Landwirt die Gießener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch- u.Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresie für Depeschenr «nzetger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. BezugöpretS» monatliches Pl^ viertel- iäbrlich Mk. 2L0; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePostMk.2.-vierlel- jährt. ausscht. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die Tagesnummer dis vormittag« 10 Uhr. ZetlenpreiS: lokal 12 Pf, auswärts 20 Pfg. Veraarworrltch für den polit. and allgem. Teil: P öittto: für »Stadt und ßantr und »GerichtssaalEi August Götz; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Are heutige Yummer umfaßt 8 Seite«. Aer Sturm öricht tos! Die Einberufung der bulgarischen Reserven wird allgemein als der ernsthafte Beginn einer Mobilmachung gegen die Türkei aufgefaßt. Von unterrichteter Seite wird folgendes mitgeteilt: Vor etwa vier Wochen war in Sofia der Plan gefaßt, worden, größere Kavalleriemanöver in Südbulgarien abzuhalten. Man wollte auf diese Weise gegen die Türkei demonstrieren. Auf dringende Vorstellungen seitens Rußlands und Oesterreichs wurde diese Absicht fallen gelassen. Die jetzige Einberufung der Reservisten beweist, so schreibt die „Voss. Ztg."^ daß man jede weitere Mahnung in Yen Wind zu schlagen gedenkt. Eine ausführliche Darlegung des „Daily- Telegraph"^ Korrespondenten in Sofia, welche zweifellos an der bulgarischen Regierung inspiriert ist, bereitet darauf vor, daß in wenigen Tagen die Würfel fallen würden. Alle möglichen trefflichen Eigenschaften erkennt sich in dieser Rechtfertigung die bulgarische Regierung zu: korrekte, gemäßigte, loyale Haltung, ja sogar eine „geradezu donquixotische loyale Haltung," Wohlgemerkt, nicht etwa gegen die mace- donischen Aufständischen — das träfe ja zu —, sondern gegen die Türkei, gegen Europa. Nun aber tötme Bulgarien die türkischen Schändlichkeiten, insbesondere die an Frauen und Kindern verübten, nicht länger mitansehen. Daß die Türken in unerhörter barbarischer Weise auch die Wehrlosen niedergemetzelt haben, haben wir allerdings bereits nach zuverlässigen Meldungen berichtet. Eine Meldung der „Agence Bulgare" bringt Einzelheiten über Tag für Tag von türkischen Truppen begangenen Greueltaten. Dieselben übersteigen jede Vorstellung. Es herrsche allgemein die Ansicht, daß es in Macedonien und in der Stadt Adrianopel bald keine christliche Bevölkerung mehr geben wird. Ein englischer Offizier, der in der vorigen Woche einen Ritt von Ochrida nach Monastir unternahm, meldet, daß diese sonst so belebte Handelsstraße total aus gestorben sei uird nur eine groß e Meng e abgeschnittener Menschenköpfe gebe eine Vorstellung von der grausamen Verwüstung und dem barbarischen Fanatismus. Andererseits aber erfährt man, wie von Sofia aus die Meldungen von türkischen Freveltaten übertrieben werden. So sind 'in dem Torfe Ahmadzik nicht, wie von der Hauptstadt Ferdinands aus gemeldet wurde, 220 Bul gar en hin gerichtet worden, sondern nur 22! Daß von türkischer Seite überhaupt solche Mutbäder angerichtet wurden,' dafür wird die Geschichte Bulgarien einen sehr großen Teil der Verantwortung zuschreiben. Die niederträchtigen Dynamit-Attentate der Aufständischen, wobei ebenfalls zahlr eiche Schuld lose zum Opfer fielen, belasten das Konto der Regierung in Sofia, die es duldete, daß unter ihren Augen Depots von Sprengstoffen angelegt wurden. Die bulgarische Regierung, übrigens auch die fr an züs ische Regierung, die letztere nur etwas vorsichtiger und heimlicher, hat den Brand auf dem Balkan geschürt, sie hat die macedonischen Führer iu chrer unseligen Verblendung bestärkt, daß bei einem energischen und zähen' Vorgehen schließlich Rußland und Oesterreich eingreifen und die Macedonier befreien helfen würden. Hat etwa die Türkei soviel Sympathien in der kultivierten Welt, daß man ihr von vornherein mehr zu glauben geneigt ist, als Bulgarien ? Nein, trotzdem die türkischen Massakres schärfste Verurteilung finden, wird Bulgarien allgemein der bei weitem größere Teil der Schuld zuerkannt. Bulgarien spielt jetzt va banque, weil seine Regierung empfindet, daß sie nicht noch mehr verlieren kann in der öffentlichen Achtung. Daß Bulgarien völlig allein steht in dem Kampf, den es führen will, darüber gibt man sich in Sofia keiner Täuschung hin. Der Armee fehlt es an Munition, denn die in Oesterreich gemachten Bestellungen sind zurückgehalten worden. Gleichwohl und wenn auch der Ausgang bei der üsbermacht der Türkei nicht zweifelhaft sein kann: auf eine baldige Entscheidung ist nicht zu rechnen. Es wird ein K r i e g ä h n l i ch dem südafrikanischen werden, lange sich hinziehend. Und darin liegt bei den verwickelten Balkan-Interessen der Mächte die größte Gefahr für den Weltfrieden. Vorläufig werden von den Mächten noch Versuche gemacht, dem Ausbruch des Krieges vorzubeugen. So hat die englische Regierung beschlossen, in Konstantinopel Vorstellungen behufs Beendigung der Metzeleien in Macedonien zu machen. Den Vorstellungen sollen durch Entsendung eines britischen Geschwaders Nachdruck verliehen werden. Wer das geniert die Herren Bulgaren nicht weiter und sie fahren in ihren Freveltaten und Drohungen fort. In Konstantinopel zirkulieren seit einigen Tagen abermals Gerüchte über bevorstehende bulgarische Dynamitattentate. In einer der letzten Nächte versuchten drei Individuen, die Gasleitung nächst der sranzöl- sischen Botschaft in Pera zu zerstören, man vermutet, in der Absicht, eine Gasexplosion herbeizuführen. Das Leben des Großtürken selber ist im höchsten Grade gefährdet. So nahm sogar infolge des Verdachtes, gegen den Sultan eine Verschwörung angezettelt zu haben, die Polizei unter Mtwirkung des persönlichen Adjutanten des Sultans Mohamed Pascha eine Haussuchung bei dem Großreferendar vor. Die Angelegenheit wird geheim gehalten. Es klingt seltsam, daß bei dem Sturm, der den Balkan ourchtobt, zwei dort belegene Staaten sich ungetrübter politischer Rühe erfreuen, und doch ist dem so. Rumän ien uni) Montenegro präsentieren sich als friedliche Eilande im aufgewühlten Meer. Bei Rumänien nimmt dies weniger Wunder; es ist von dem eigentlichen Herde des Aufruhrs geographisch entfernter und besitzt zudem einen Regenten und eine Regierung, die es weit von sich weisen, politischen Menteuern nachAujagen. Von Montenegro läßt sich das nicht sagen. Dessen Regent, der Fürst Nikita, verfolgt hochfliegende Plane. Er,hat es bekanntlich auf den serbischen Königsthron abgesehen und würde wohl kaum Anstand nehmen, die verworrene Situation in Serbien seinen Wsichten nutzbar zu machen, wenn nicht sein großer Gönner, der Zar, jede Einmischung untersagt hätte, was ohne weiteres anzunehmen ist. Welchen Ausgang immer der Wirrwarr in Serbien finden mag — für o-ie „Balkan- wächter" Rußland und Oesterreich-Ungarn bleibt er eine „innere Angelegenheit" Serbiens. Tritt eine Katastrophe ein, dann werden die Wachter ohne Zweifel chres Amtes waltey, und es ist nicht ausgeschlossen, daß dann dem ehrgeizigen Regenten Montenegros als reife Frucht in den Schoß fällt, wonach sein Verlangen steht. Volitische Tagesschau. Polnische Demokraten. Mau schreibt uns aus Berlin, 16. September: Die demokrat ische Pol en Partei hat beschlossen, auch für die preußischen Landtagswahlen eigene Kandidaturen aufzustellen und alle bisherigen polnisch-konservativen, der „Hofpartei" angehörigen Abgeordneten fallen zu lassen. Diese letzteren Ab- geordneten verstanden zwar auch im preußischen Landtag kräftige Töne anzuschlagen; doch sie lehnten es nicht ab, persönlich mit den Attnistern in aller Freundschaft zu verkehren. Tas liebte besonders der alte Kämpfer v. Iad- ze ws ki, der gleichfalls „abgeführt" werden soll. Ob diese Politik der polnischen Demokraten klug ist, mag dahingestellt sein. Allzu scharf macht schartig. Die zunehmende politische Radikalisierung der Polen läßt aber erkennen, daß man sich von den freundschaftlichen Beziehungen der Familien des polnischen Hochadels zu den Hof- und Regierungskreisen — Fürst Radziwill, v. Koscielski u. a. — keinen Vorteil für die polnische Sache mehr verspricht. Man will reine Kampfpartei sein, alles Diplo- matisieren soll abgetan sein. Vom deutschen Standpunkte aus läßt sich dagegen nichts einwenden. Je radikaler der Angriff, um so radikaler die Mwehr. Deutsches Keich. Berlin, 16. Sept. Der deutsche Kaiser begab sich, wie aus Mo ha cs gemeldet wird, heute früh auf die Pürsch und arbeitete dann bis zum Dejeuner. Nachmittags 5 Uhr ging der Kaiser abermals auf die Pürsch im Revier Karapanska, wohin er sich morgen früh zum letzten Male begeben wird. Atorgeu nachmittag wird der Kaiser das Volksfest in Beeder besuchen und abends nach Men abreisen. — Gegenüber einer Meldung, daß zu einer neuen Auslandsreise des Fürsten Ferdinand von Bulgarien in aller Sttlle in Sofia Vorbereitungen getroffen werden, und daß der Fürst unter anderm Mitte Oktober in Berlin sein werde, wird der „Post" an den hiesigen geeigneten Stellen versichert, daß von einem solchen Besuche des Fürsten nichts bekannt ist. — Reichskanzler Graf Bülow traf heute in Berlin ein, um sich morgen nach Wien zu begeben. — Nach einer Meldung aus Thorn hat jetzt der Kriegsminister die Genehmigung zur Entfestigung vvn Thorns West- und' Novdsette erteilt. — Die Frage der Entfestigung des rechtsrheinischen Kölner Stadtteils dürfte als gelöst gellen. Wie angeblich zuverlässig aus Köln verlautet, ist zwischen dem Kriegsministerium und der Stadtverwaltung ein Ueberein- kommen erzielt worden, über dessen Einzelheiten noch- Stillschweigen bewahrt wird. Näheres soll am Tage der Enthüllung der Denkmäler für die Kaiserin Augusta und für Kaiser Friedrich bekannt werden. — Tas Zeugniszwangsverfahren gegen den verhafteten Nttdalleur ider „Bergarb.-Ztg." Leimpeters ist nach einer Bochumer Tepesche eingestellt und Leim- peters heute mittag auf freien Fuß gesetzt worden. Sein Rechtsbeistand hatte der Staatsanwaltschaft dargelegt, daß das Verfahren unzulässig sei, da bei der Verhaftung Leimpeters ein Sttafversahren gegen ihn noch nicht ein- gelellet war. — Die „Dtschj, Tagesztg." erllärt sich nachdrücklich gegen die Kandidatur von Landräten bei den pre uß. Landtagswahlen, weil chnen durchdie bekannten Maßregelungen die unabhängige Ausübung eines parlamentarischen Mandats ziemlich unmöglich- gemacht sei. — Zu der Meldung, daß in den nächsten Wochen die Handelsvertra gsverhandlungen zwischen der Schweiz und Deutschland beginnen, erfährt der„Lokalanz." aus Bern, daß dieselben deutschen Delegierten, welche mll Rußland verhandelten, auch die Verhandlungen mit der Schjveiz führen werden. Der Zeitpunkt und der Ort der Verhandlung ist noch nicht festgestelll. — Ein Vermächtnis von 10000 Frcs. ist in den letzten Tagen nach dem Pariser Blatt „La Presse" Bebel in Straßburg ausgezahlt worden. Der ehemalige Straßburger Bankier Stähling hatte diese 10 000 Frcs. Bebel letztwillig vermacht, weil er zurzeit des deutsch-ftanzösi- schen Krieges energisch gegen die Einverleibung (Asaß-Loth- ringens durch Deutschland Einspruch erhoben habe. — Ter „ReichDanz." giebt erneut die Bekanntmachung des Kricgsministeriums bekannt, nach der den Unteroffizieren und Mannschaften die Teilnahme an Versammlungen und Festlichkeiten ohne dienstliche Erlaubnis, sowie pie Betätigung revolutionärer Gesinnung, sowie das Halten und die Verbreitung sozialdemokratischer Schriften verboten ist. Hamburg, 16. Sept. In der heutigen Scylußsitz- ung des Vereins für Sozialpolitik kam es zu einem ziemlich lebhaften Zusammenstoß zwischen dem agrarischen Rechtsanwalt Eschenbach-Berlin und dem freisinnigen Abg. Gothein. Eschenbachs Ausführungen auf die Börse gaben den Anlaß. In seinem zusammenfassenden Schlußwort gab der Vorsitzende, Professor v. Philippovich, dem Gedanken Ausdruck, daß die diesmaligen Verhandlungen das Krisenproblem nicht wesentlich vorwärts gebracht hätten. Wv der Verein in zwei Jahren tagt, ist noch unbestimmt. Der Ausschuß beschloß eine Enqueteüberkommunale Sozialpolitik. Hamburg, 16. Sept. Ter Senat beantragt bei der Bürgerschaft die Bewllligung von 8301500 Mk. zur Herstellung einer Wasserstraße für den oberelbischen Flußschiffsverkehr nach Kuhwärderhafen und die Errichtung neuer Zollabferttgungsstellen hierfür nebst der Herstellung einer Bahnverbindung von Peute nach dem Bahnhof Wilhelmsburg. Danzig, 16. Sept. Der Kaiser wird^ bei seiner Anwesenheit anläßlich^ der Enthüllung des Denkmals für Kaiser Mlhelm I. einen Ausschuß der Arbeiterschaft der StaatSwerkstätten in Stärke von 50 Mann empfangen. Dresden, 16. Sept. Der Kaiser verlieh dem kom- mand. General des 19. Armeekorps v. T r e i t s ch k e und dem sächsischen Kriegsminister v. Hausen das Großkreuz des Roten Adlerordens. Dem Kriegsminister wurde vom Großherzog von Sachsen das Großkreuz des sachsen- weimarischen Hausordens der Wachsamkeit verliehen. München, 16. Sept. Wie die Wendblätter melden, hat der Prinzregent bezüglich der Vertretung Bayerns im Bundesrar und zwar im Ressort der Finanzverwaltung bestimmt, daß der stellvertreterwe Bun- desratsbevollmächtigte Ministerialdirektor Geiger vom 1. Oktober an seinen Wohnsitz in Berlin nimmt und daß ferner zum weiteren stellverttetenden Bevollmächtigten Ministerialrat und Kronanwalt Burkhard ernannt wird. Ausland. London, 16. Sept. Die „Pall Mall Gazette" erfährt, das Kabinett brachte gestern die Erwägungen über die Handelspolitik zum Wschluß. Chamberlain modifizierte wahrscheinlich seine Vorschläge, um sie mit Balfours Anschauungen in E i n k l a n g zu bringen. Der 5)auptpunkt der Abänderungen sei die Beseittgung aller auf eine höhere Besteuerung von Nahrungsmitteln und Rohmaterial gerichteten Anregungen. — Heute ist hier vom Handelsamt ein Bl au buch veröffentlicht worden. Ausführlich sind die Fragen des Einfuhr- und Aus fu h r ver k e h r s Englands und der hauptsächlich in Betracht kommenden fremden Länder, wie Frankreich, Deutschland, Amerika und die brittschew Kolonien, behandelt. Es werden die Zollveränderunge n in diesen Ländern dargelegt; eingehend wird die Frage der Lebensmittel, ihre Zufuhr, Preise uW Besteuerung in England und im Auslande behandelt. Ferner wttd tüe Behandlung erörtert, die die Produlle Englands und seiner Kolonien seitens dev ftemden Länder erfahren, ein Vergleich der Arbeitslöhne in den verschiedenen Ländern aufgestellt und die Exportpolittk der Trusts in Deutschland, Amerika und Oesterreich-Ungarn dargelegt. Montelimar, 16.' Sept. Präsident Loubet nahm heute die Parade über das 14. und- 15. Armeekorps ab, deren große Manöver heute beendet wurden. Der Präsident wohnte dann einen: Frühstück bei und hiell eine Rede, in der er zunächst die ftemden Offiziers begrüßte und die Hoffnung aussprach, daß sie die syrnpattsischen herzlichen Gefühle, die sie in der ganzen ftanzösischen Wmee gefunden hätten, in gutem Andenken behalten würden. Er bemerlle schließlich, es seider Wunsch der Republik, ein unterrichtetes, wohl diszipliniertes und starkes Heer zu haben, denn ein solches sei die beste Bürgschaft für den Frieden, da die Völker gern sich dem Starken näherten, aber selten dem Schwachen, dessen Freundschaft und Beistand ihnen nichts nütze. Petersburg, 16. Sept. In Kars eilte am 15. Oktober unter Glockengeläute eine große Menge Armenier herbei und lagerte sich um die Kirche, als die Beamten zum Empfang der armenischen Kirchengüter schritten. Die Aufforderung der Polizei, auseinander zu gehen, beantwortete die Menge mit Steinhagel und Schüssen und dränAe die Polizei zurück. Zum Schutze derselben eilten 200 Kosaken herbei. Die stetig anwachsende Menge empfing diese mit Steinen und Schüssen. Ta der Aufforderung, auseinanderzugehen, nicht gefolgt wurde, waren die Kosaken gezwungen, einzelne Schüsse abzugeben, worauf der Platz geräumt wurde. Mehrere Soldaten wurden verletzt, von der Menge einer getötet und zwei verwundet. Verhaftet wurden 77 -Personen, darunter zwei Geistliche. Aus Stadt und KanS. Gießen, 17. Sept. 1903. ^Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Friedrich Möller aus Heblos, Kreis Lauterbach, mit Wirkung vom 1. Oktober 1903 an zum Hauswärter ernannt. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Gräfenhausen, Heinrich Klein, Adam Reitz VII., Wilhelm Mantel, Jakob Fischer, Ernst Langen do rf III., Johannes Schmidt, Jakob Klein, Valentin Christian Reitz, Jakob Büchsel IL, Jakob Schnitzspan III. — In den Ruhestand mürbe versetzt der Gerichtsvollzieher mit dem ?ünLssitzc in Homberg a. d. O., Theodor Metz, aus sein Nachsuchen, unter 'Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und Verleihung deS Silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — Ernannt wurden der Amtsgerichtsdiener in Worms, Georg Schnell b ach er, zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Oppenheim und der Garde-Unteroffizier zu Darmstadt, Wilhelm O l l w e i l e r, zum Amtsgenchtsdiener bei dem Amtsgericht Worms. *♦ Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei 0er heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fielen drei Gewinne von je 10 000 Mk. auf Nr. 38335 (nach Mainz), 84738 (nach Darmstadt) und 90154 (nach Darmstadt), zwei Gewinne von 5 000 Mk. auf Nr. 10932 (nach Babenhausen) und 81732, Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 6282 17299 28456 31378 42087 45100 52380 55603 63068 63842 66774 69677 71553 76758 78080 80227 92091 95396 95981, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 9538 10128 10165 13133 13603 13935 20025 24110 26111 28864 30971 31269 38073 41503 48844 49244 54785 56806 56949 58602 63914 65166 67887 68165 69230 70169 85725 88420 90481 95998 96759 96877 99174. (Ohne Gewähr.) ** Die Vorstellungen des Theaters unter der neuen Direktion Steingötter sollen am 29. d. M. chren Anfang nehmen. Für die Eröffnungsvorstellung sind drei klassische Einakter vorgesehen: „Der zerbrochene Krug" von Heinrich v. Kleist, „Die Geschwister" von Goethe und ,LLal lenst eins Lager" von Schiller. Unter dem Personal werden wir unsere komische Alte Frau Jenny wieder begrüßen, deren Gatte als Theatermeister wieder engagiert ist. ** Der Kartenverkauf der landwirtschaftlichen Ausstellung hat, wie wir hören, eine Einnahme von ca. 12 000 Mk. gebracht. Das bedeutet eine Mindereinnahme von 3000 Mk. gegen den schon sehr vorsichtig aufgestellten Voranschlag. Das greuliche Wetter hat ihm einen dicken Strich durch die ganze Rechnung gemacht, sodaß fich wohl ein Gesamtdefizit von 5 — 6 000 Mark ergeben wird. — In unserem Prämiierungsbericht der 9kr. 215 muß es übrigens bezüglich des Vogelsberger Viehs heißen: Anerkennung in Klaffe 4 (nicht Haber sondern) Ludwig Faber IV„ und Klaffe V., 4. Preis (nicht Keißer sondern) Ludwig Keßler V. ** Der Neubau der katholischen Kirche ist;jetzt soweit gediehen, daß dieser Tage mit dem Ausschlagen Des Gebälks und des Daches begonnen werden kann. Das Mauerwerk hat eine Höhe von ca. 16 Meter. Das Dach wird noch, im Herbst, fertiggestellt und erhall ein kleines Türmchen. Im Winter wird das Gerippe zu dem Kreuzgewölbe hergestellt, im Frühjahr alsdann mit den Gewölben begonnen. Bis M i tt e n äch st en Iah r e s gedentt man den inneren Ausbau zu vollenden, um das Gotteshaus im Juli 1904 in Gebrauch nehmen zu können. Die Kirche wird nicht sofort fertiggebaut, sondern vorläufig nur Chor, Kreuzschiff, Kapelle und Sakristei ausgebaut, während der größte Teil des Längs- und der beiden Seitenschiffe und die beiden Türme in späteren Jahren erbaut werden. Ter vorgesehene Raum wird 800 Personen fassen. w. Wißmar, 16. Sept. Einen recht schönen Erfolg erztelle die hiesige Gemeinde mit ihrem Gemeindebullen auf der landwirtschaftlichen Ausstellung zu Gießen. Das ausgestellte Tier ist jetzt drei Jahre alt und hat schon auf gar mancher Ausstellung bei starker Konkurrenz unter den Vogelsbergern einen Siegerpreis daoongellageu. Die Gemeinde hat das Tier seiner Zell in Sinn angekaust, von wo es auf dem Preismarkt der benachbarten Stadt Herborn zum erstenmal prämiiert wurde. Aber auch von den großen Ausstellungen zu Aiannhenn und Düsseldorf und bei dem Wetzlarer Tierschaufest im Finsterloh erhiell der stolze Bulle stets die ersten Preise. ß Rockenberg, 17. Sept. Für das hier bestehende Landeszuchthaus Marienschloß sind sechs Aufjeherwohn- gebäude errichtet worden, die bis zum inneren Ausbau fertig find. § Oppershofen, 17. Sept. Für unsere Gemarkung tritt mit dem 20. l. Mts. ebenfalls das neue Grundbuch und Berggrundbuch in Kraft. Von der Anlegung ausgenommen sind nach amtlicher Bekanntmachung die den Oppers- hojer—Rockenberger Markwald enthaltenden Güterflächen, bezüglich welcher demnächst ein eigenes Grundbuch gebildet werden soll. Darmstadt, 16. Sept. S. K. H. der Großherzog trat die Reise zur Vornahme der Taufe des Linienschiffes „Lu nach Kiel heute abend 8 Uhr an. Im Gefolge befinden sich Generaladjutant Generalmajor v. Wachter und die Flügel- adjutanten Rlltmeister Kraemer und Hauptmann Freiherr Schäffer v. Bernstein. sd. Darmstadt, 16. Sept. Der seither beim hiesigen Trainbataillon im Dienst gewesene Zahlmeister-Asprrant W., welcher sich dem Steuerfach gewidmet hatte, und zur Zeit eine Probezeit bei der Straßburger Steuerbehörde ab- macht, hat sich ein Sittlichkeitsverbrechen an einem 13 jährigen Mädchen zu schulden kommen lassen, und wurde dieser Tage von der dortigen Behörde verhaftet. Er war mit einem Bessunger Mädchen verlobt. — Am Sonntag früh fand man das Goethedenkmal Habicht's mit einem Feigenblatte bekleidet, auf dem die Worte standen: ,Herrn Pfarrer Wähl in Langen die sittlich entrüsteten Studenten von Darmstadt." — In eine sehr peinliche Situation wäre gestern abend beinahe eine mit dem letzten Zug hier zurück gereifte Dame geraten. Sie wollte un Bahnhofshotel übernachten, da aber kein Zimmer zur Verfügung stand, bot sich ein Kutscher an, sie ncuiy einem Men Hotel zu fahren, was sie auch annahm. Als aber nach kurzer Fahrzeit alles untrer dunkel wurde, sprang sie in ihrer Verzweiflung aus dem Wagen, ohne sich zum Glück zu verletzen. In vollständig beschmutztem Zustande gelangte sie nach kurzer Zell wieder auf den Bahnhof, und es stellte sich heraus, daß sie der Kutscher, jeden- salls nicht in der besten Absicht, in den Wald gefahren hatte Die Adrefse des Kutschers ist festgestellt worden. — Eine Vertrauensmännerversammlung hielt am Dienstag abend die FreisinnigeVereinigung hier ab zur Beratung über die bevorstehende Landtagswahl. Es entstand eine lebhafte Debatte darüber, ob man der Sozialdemokratie Konzessionen machen ober selbständig vorgehen solle. Es kam aber zu keiner Verständigung. Diese Woche soll eine zweite Versammlung ftattfinden. — Der Einjährig- Fr eiwillige R. von der 7. Komp, des Jnf.-Leibgarde- Regiments Nr. 115, welcher am Montag aus einer mehrtägigen Arreststrafe entlassen, auch nicht mit im Manöver war, ist seit Dienstag früh verschwunden, ohne eine Spur hinterlassen zu haben. Darmstadt, 16. Sevt. Mit der jüngsten sozial- demokratischen Landeskonferenz befaßte sich eine am Samstag abgehaltene Versammlung der hiesigen „Genossen". In der Diskussion über den erstatteten Bericht wurde, nach Blättermeldungen, die fast diktatorische Geschäftsführung des Genossen Ulrich bemängelt und der Wunsch ausgesprochen, die Landeskonferenz zwei Tage fernerhin stattfinden zu lassen. Mißbilligt wurde ebenfalls, daß die hiesigen Delegierten den Antrag auf Gründung eines Organs für den oberen Teil der Provinz Starkenburg mit dem Sitz in Darmstadt zurückgezogen haben und diese Frage soll auch fernerhin nicht aus dem Auge gelassen werden. — Der hiesige Reichs- tagsabg. Cramer veranschlagt in einer Zuschrift an das Mainzer Parteiorgan den „agitatorischen Wert der letzten Konse renz sehr gering. Das Arbeiten in solcher Hast, das Unterdrücken der freien Aussprache durch die etwas schroffeGeschästsführung und noch manches andere gab der Konferenz kein besonders schönes Aussehen. Welchen agitatorischen Wert soll es Haben, wenn nach einem dreiviertelftündigen Referat im ganzen fünf Redner mit je fünf Minuten Redezeit zum Wort kommen? Dann wird abgestimmt und die Laube ist fertig." Ferner wird dem Herrn Ulrich der Vorwurf gemacht, er solle doch nicht so bureaukratisch vorgehen, wie er es den Genossen Döller, dem Geschäftsführer der Mainzer Volkszeitung, gegenüber getan hat." Offenbach, 16. Sept. Gestern tagte im Stadtgarten der geschäftsführende Ausschuß der Obst- und Gartenbauausstellung, um noch einige sehr wichtige Ausstellungsangelegenheiten zu beraten. Kreisrat v. Hombergk verlas zunächst die sehr zahlreich gestifteten Ehrenpreise; es sind deren 32 Stück. Samstag mittag 12 Uhr findet die feierliche Eröffnung der Ausstellung und daran anschließend ein Festessen statt. Nach den eingelausenen Anmeldungen — es sind well über 200 Nummern — wird die Ausstellung reich beschickt. (Offenb. Ztg.> Mainz, 16. Sept. Man schreibt dem „Rheinh. Beob.": „Durch verschiedene Blätter lief folgende 9öotiz aus Nllllnz: „Tas auf dem hiesigen Friedhof befindliche Grab des gerichteten MördersDetr ois wurde von unbekannter Hand mit Blumen geschmückt." Ich habe den Tetrois genau gekannt und kann Ihnen bestimmt mitteilen, daß das Grab von den beiden Kellnerinnen, die eine große Rolle gespielt haben und mit denen er einen großen Teil „seines" Geldes verjubelt hat, geschmückt worden ist". Um diese „Gefühlsduselei" richtig zu charakterisieren, sei an einen Vorfall bei der Schwurgerichtsverhandlung gegen Tetrois erinnert: Damals wurden die beiden Kellnerinnen aus dem Saal gewiesen, weil sie sich ausfällig betrugen, weil sie lachten und sich laut unterhielten, und weil sie es für richtig befunden fjatten, fich zu einer Verhandlung, bei der sie nichts verlören hatten, da sie am Tage zuvor als Zeuginnen gehört und entlassen worden waren, große Blumensträuße anzustecken. Am Tage, nachdem Tetrois zum Tode verurteilt worden war, trieben sie sich in der Stadt herum, und abends sah man die beiden in Herrengesellschaft außerordentlich vergnügt in hiesigen" Wirtschaften. )( Mainz, 16. Sept. Die R h e i n s ch i f f a h r t s ko m- mission, welche heute ihre diesjährige Strombefahrung von Rüdesheim aus begonnen hat, hat gestern hier auch eine längere Zusammenkunft gehabt. Wie wir hören, kam in der stattgehabten Besprechung auch die Erweiterung der Floßrinne zwischen Kostheim und hier zur Erörterung. Ob und welche Beschlüsse hierüber gefaßt worden sind, darüber verlautet zunächst nichts. Frankfurt a. M., 16. Sept. Hier fand dieser Tage eine vom „Deutschen Verein" einberufene öffentliche Versammlung statt. Nach dem Kaiserhoch sprach Reichstagsabg. Wilhelm Bruhn über den „Warenhausbrand in Pest und die sich für uns daraus ergebenden Pflichten". An der Aussprache beteiligten sich u. a. der einzrge antisemitische Stadtv. Frankfurts, Hettler, Redakteur Reuter-Offenbach, der mit dem Landtagsabg. Hirschel von dort zu der Versammlung herübergekommen war. Der zweite Vorsitzende des hessischen Bauernbundes, Wölb, der ans dem eine Stunde von Frankfurt entfernt liegenden Bergen mit mehreren Freunden gekommen war, bat Bruhn, am Sonntag in feinem Heimatsorte in der dortigen Ortsgruppe des Bauernbundes zu sprechen. Bruhn versprach, dieser Bitte nachzukommen. Die Versammlung wurde mit einem von Herrn Kämmer mit einem Appell an die Versammlung ausgebrachten Hoch auf das deutsche Vaterland und dem Gesänge: „Deutschland, Deutschland über alles!" geschlossen. -k. Frankfurt a. M., 16. Sept. Dieser Tage fand hier eine zahlreich besuchte Versammlung christlich-sozialer Vertrauensmänner aus Knrhessen, Frankfurt und dem Großherzogtum Hessen statt, in der namentlich Organisationsfragen behandelt wurden. Zum Zweck der Gestaltung einer planmäßigen Agitation wurde der Zusammenschluß der Christlich-sozialen der genannten Gebiete zu einer gemeinsamen Organisation beschlossen. In den Vorstand derselben wurden gewählt die Herren: Pfarrer Bembeck-Okar- ben ,1. Vorsitzender; Pfarrer Stoppel-Fechenheim, 2. Bors.; Lehrer Diehl-Frankfurt, Pfarrer Fritsch-Preungeshain, Pfr. Fritsch-Ruppertsburg, Kaufmann Haustein-Fechenheim, Gisenbahnwerkmeister Hüfener-Darmstadt, Fabrikant Röm- held-Friedrichshütte, Freiherr von Schenck zu Schcheinsberg^- Darmstadt, Fabrikant Scheuerle-Frankfurt, Pfarrer Wahl- Langen. Auf dem am 23. September in Mühlheim a. d. R. ftattfindenden Parteitage wird die neu gegründete Organisation durch sechs Delegierte vertreten werden. Frankfurt, 16. Sept. -Im Sommertheater Hippodrom hat sich heute ein Unfall zugetragen. Es war als neueste Nummer Looping the Loop aus Tandem angesetzt worden. Nachdem die Vorbereitungen etwa 25 Minuten gedauert hatten, erschienen Mr. Barber und Miß Brandon. Auf das Signal hin sauste das Tandem von der Höhe herab und bog die Schleife hinauf. Da hörte man ein Krachen, schon lagen beide Fahrer auf dem Boden. Da der Sturz nicht von großer Höhe erfolgt war, schadete er den Fahrern nicht. Miß Brandon, die ohnmächtig hinaus- getragen worden war, konnte sich bald dem Publikum wieder zeigen; sie hatte nur eine Hautabschürfung an der Hand erlitten, während Barber mit einer Keinen Wunde über dem Auge davongekommen war. Da die beiden Fahrer hier fünfmal zur Probe die Fahrt glücklich zurückgelegt hatten, war man in cingeweihten .Streiken der Ansicht, daß der Unfall durch einen technischen Fehler bei dem Znlegen der Lücke hervorgerufen worden fei/ a. Marburg, 16. Sept. Em frecher Gtnvrucys- diebstahl wurde in vergangener Nacht in der vor dem Weidenhäuser Tor gelegenen Restauration Zeiß verübt. Dort war wegen des gestrigen Pferde,narktes recht lebhafter Verkehr gewesen, und die Aussicht auf reiche Beute mußte wohl einen mit den örtlichen Verhältnissen genau Vertrauten veranlaßt haben, vom Garten aus die Fensterladen zu erbrechen, eine Scheibe einzudrücken und einzusteigen. Doch fielen ihm nur etwa 20 Mark Wechselgeld sowie verschiedene Ansichtskarten und Briefmarken in die Hände. Da ihm diese Beute anscheinend nicht genügte, nahm er noch alles, was an Eß- üorräten da stand' sowie von den vorhandenen Zigarren 5 Kistchen Auswahl mit. — Der Professor der Theologie, Dr. Karl Mirbt, ist zum Konsistorialrat ernannt worden. Wiesbaden, 16. Sept. In einem hiesigen Klub wettete ein hier zur Kur lebender englischer Offizier um 500 Mk., mit jedem Pferde über den Rhein schwimmen zu wollen. Gestern nachmittag sollte nun dieses Experiment ausgeführt werden. Dpr Engländer — nebenbei bemerkt, ein ganz kleiner Herr — mietet sich ein Pferd und trabt dem Rheine zu. In der Nähe von Mainz treibt er, nachdem er sich recht fest in den Sattel gesetzt, das Pferd in den Strom. Selbstverständlich hatte das Tier mit den Wellen stark zu kämpfen und sicherlich wären Roß und Reiter elendiglich zu Grunde gegangen, wejnn der ganze Vorgang nicht vom Ufer aus beobachtet worden wäre. Man nahm an, es entweder mit einem Selbstmörder oder mit einem Geistesgestörten zu tun zu haben. In der letzten Annahme wurden die mutigen Retter noch bestärkt, als der Engländer den Rettungsversuchen Widerstand entgegensetzte und auf seine Retter aus Leibeskräften schimpfte und fluchte. Mit Gewalt gelang es schließlich, nachdem man dem sonderbaren Herrn die Zügel und Steigbügel durchschnitten hatte. Roß und Reiter an Land zu bringen. An die hiesige Polizeidirektion wurde gemeldet, man habe einen Herrn hier mit seinem Pferde aus dem Rheine gefischt, worauf sofort ein Kriminalbeamter nach dem Ort der Tat abging. Ter Engländer versuchte, der Polizei jedoch llar zu "machen, daß die ganze Sache sie nichts angehe, unb ist fest entschlossen, nochmals zu versuchen, seine Wette zu gewinnen. Neuwied, 14. Sept. Unsere Stadt begeht am 19. und 20. d. Mts. die Feier ihres 250jährigen Bestehens. Der eigentliche Gründungstag der Stadt war der 26. August. Der Hauptfesttag ist Sonntag den 20.; es findet Festakt in den Schulen, Festgottesdienst, Volkskonzerte, Festakt iw Schlosse, Festessen, Feuerwerk und Beleuchtung statt. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Hanau soll am 1. April u. I. eine Eisenbahn-Detriebs-Jnspektion errichtet werden. Dieser würden die Strecken Ofsenbach-Elm-Hanau-Afchaffenburg und Offenbach-Reinheim unterstellt. Diese Strecke gehört zurzeit noch zur Direktion Mainz. — Der deutsche Verein für das Fortbildungsschulwesen hält zurzeit in F r a n f f u r t a. Main Kurse für Lehrer an Fortbildungsschulen ab. Dieselben werden von 26 Rektoren und Lehrern aus Westfalen, den Rheinlanden, aus Bayern, Baden, dem Elsaß, dem Königreich Sachsen, aus Schlesien und Frankfurt besucht. — Elf Volksschüler von Mainz sind in Untersuchung gezogen worden, weil sie in einem Geschäft Fahrrad teile gestohlen hatten. Von den Knaben ist keiner 12 Jahre alt. — Landtagsabgeordneter I. A. Möllinger in Pfedders« heim feierte am 16. September seinen 80. Geburtstag. — Ter Weinhändler Johann Freudenberger, aus Alz ey gebürtig, zurzeit in Türkheim ansässig und verheiratet, ist dieser Tage aus dem Schnellzuge gestürzt. F. kam unter die Räder und wurde gräßlich verstümmelt. Freudenberger hat beim Einsteigen in Homburg sich vom Schaffner ein besonderes Abteil geben lassen, um schlafen zu können. Das Unglück ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß Freudenberger in der Schlaftrunkenheit das Kupee öffnete. — Die Gattin des Gastwirts Schmitt zu Hohn bei Steinbach in der Rhön wurde in der Küche ermordet aufgefunden. Die unglückliche Frau, die einige 40 Jahre alt ist, hatte einen tiefen Messerstich mitten in das Herz erhalten, welcher den sofortigen Tod herbeigeführt haben muß. Gestern wurde nun der Gatte der Ermordeten, Gastwirt Schmitt, unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet. Kunst und Wissenschaft Das neue Stadltheater in Bern, dessen Bau sich infolge finanzieller Schwierigkeiten durch Jahre hingezogen hat, soll in diesen Tagen eröffnet werden. Zur Weihe des Hauses wird aber nicht etwa, wie es in der schweizerischen Bundesstadt zu erwarten gewesen wäre, Schillers „Wilhelm Tell" gegeben, oder ein patriotisches Drama des schweizerischen Dichters Arnow Ott, sondern — „Tannhäuser", natürlich mit neuen Dekorationen und vermutlich auch mit einem Anflug von Ballet. Da erst kürzlich aus der schweizerischen Presse ein Klageschrei über den angeblich zurückgesetzten „degradierten" und „malträtierten" Schiller vernommen worden ist, nimmt es sich doppelt verwunderlich aus, Friedrich Schiller bei der Eröffnungsfeier des neuen Berner Theaters, das doch wohl in erster Linie ein Schauspielhaus repräsentiert, fehlen zu sehen. Statt Apselschuß und Rütlischwur-Ensemble also Venusberg und Pilgerzug nach Roin, statt Teils Monolog — das Lied an den Abendstern. — Mußte das fein? Freilich, wird der Herr Direktor sagen, die Mode will's! Die Oper hat nun einmal den Vorrang und die Berner wollen von altersher hinter chren Kantonsbrüdern zu Zürich nicht zurückstehen. Dort nämlich wird die dieswinterliche Saison auch mit einer Oper, laut der „Neuen Zürcher Zeitung" sogar mit einer „prächtigen" Oper, eröffnet und zwar — wer lacht da? — mit Bellinis „Norma!" Ta kommen wir Gießener, mein' ich, doch, noch besser weg. Kan-wirischnft s. Aus b em Biebert al, 16. Sept. Der Regen kommt auch hier dem Landmann höchst ungelegen und läßt es nicht zu, daß er fein Grummet einerntet. Tie Grummeternte versprach diesmal so reichlich zu werden, wie kaum in einem Jahre zuvor, denn der Stand des Grases war infolge des nassen Sommers überall, selbst auf trocknen Wiesen sehr günstig. Nun liegt das Gras bereits 14 Tage abgcmätjt, oder man hat es aus Kegel gebracht, und der Landmann schaut von Tag zu Tag nach dem Himmel, ob er uns nicht bald Sonnenschein bringen möchte. So sehr auch die nasse Witterung anhält, hat aber "bei der herrschenden Kühle das Grummetgras seine Farbe noch nicht verloren; jedenfalls aber wird seine Qualität diesmal eine sehr minderwertige werden, auch menn bald bessere Witterung eintritt. Zandei und Verkehr. UsikLwirischast. Berliner Börse vom 16. September 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Jrrdustrie, Gießen.) Im Vordergründe des heutigen Verkehrs standen wiederum, wie feit langer Zeit, Kohlenwerte, welche ausnahmslos mehr- prozentige Steigerungen zu verzeichnen haben. Die Bildung des Syndikats, welche dieser Tage bestimmt zustande zu kommen scheint, veranlaßt das Ausland zu andauernden Käufen, und auch das hiesige tapitalskräftigste Publikum zeigt sich zu unrfangreichen Käufen zu Anlagezwecken geneigt. Eisenwerte folgten der Auswärts-- bewegung, doch waren die Umsätze in denselben nur unbedeutend. Der Banken- wie auch Rentenmarkt war still und die Umsätze nur geringe, da die Besürchtullg einer neuerlichen Diskonterhöhung in London der Spekulation eine gewisse Reserve auferlegt. Auf dem Kafsaindustriemarkt zeigte sich außer für Kohlenwerte noch ganz besonderes Interesse für Zementaktien. Privcu-Diskont 3% Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest Kredit.... 201.40 201.25 Deutsche Bank . . . 211.40 211.10 Darmstädter Bank . . 136.10 135.80 Bochumer Guß . . . 183.50 183.10 Harpener Bergbau . . 184.25 185,25 Schluß-Tendenz: schwächer. — Bekanntmachung. Der Ersenbahnweg über Sibirien wird am 1. Oktober für den internationalen Postverkehr eröffnet urrd zur Beförderung von Briefsendungen aller Art aus Deutschland nach folgenden Länderrr aus Ostasien benutzt werden: 1. nach China mit Ausschluß des südlichen Teils, 2. nach dem deutschen Schutzgebiet von Kiautschou, 3. nach Japcur mit Ausschluß der Insel Formosa, 4. nach Korea. Es bietet sich auf diesem Wege eine wöchenllich viermalige Verbindung rrach Peking, Tientsin, Tongku und Tschifu und eure wöchentlich mindestens einmalige Verbindung nach Shanghm und nach Japmr. Der erste Versarrd über Sibirien wird anr 30. September von Berlin abgehen. Die Absendung erfolgt täglich. Die Dauer der Beförderrmg beträgt je nach den Anschlüssen von Berlin bis Peking und Tientsin 20—22 Tage, bis Shanghai und bis Nagasaki 22—28 Tage. Der Staatssekretär des Reichs -Po st amt s. I. V.: Wittko. — Deutsche Reichsauleiheu. Es fei an dieser Stelle besonders hervorgehoben, daß sich sowohl am Berliner, wie am Frankfurter Börsenplatz endlich wieder etwas Nachfrage für deutsche Staatsfonds zeigte. Wenn dies auch in den Kursen lürs erste nur in sehr bescheidenem Maße zum Ausdruck kommt, so ist es doch an sich erfreulich, daß die heimischen Staatswerte wieder gesucht sind. — Zur industriellen Lage. Ueber den gegenwärtigen Geschäftsgang bei der Voigtländffchen Maschinenfabrik vormals I. C. u. H. Diettich in Plauen ist mitzuteilen, daß das Unternehmen mit Aufträgen im Stickmaschinenbau reichlich, mtt solchen im Buchdruckmaschinenbau sehr gut versehen sei. — Zur Tabakerute von der Bergstraße wird geschrieben: Mit dem Brechen des Tabaks hat man zum Teil schon in verflossener Woche begonnen, vollständig an diese Arbeit geht es aber erst diese Woche. Besonders Erfreuliches von demselben ist dieses Jahr nicht viel zu berichten. Zum ersten ist derselbe sehr ungleichmäßig und ungleich gewachsen. Derjenige, welcher im Frühjahr- zeitig gepflanzt wurde, ist so ziemlich zufriedenstellend, jedoch kann von schön wie in sonstige.: Jahren nicht im entferntesten die Rede sein. Infolge der vielen Regenfälle im Monat Juli bekam der Tabak ein Aussehen, daß man im aUgenicinen vermutet, daß er dieses Jahr überhaupt nichts werden wollte. Erst durch die etwas später eingetretene bessere Witterung scheint er sich etwas erholt zu haben, aber sein Ertrag reicht lange nicht an den in verflossenen Jahre oder gar an den des vorigen Jahres hin. Wie der Tabak in unserer Gegend dieses Jahr an Qualität ausfällt, läßt sich für jetzt rwch nicht sicher beurtellen. — Türkeulose. Es sei hier mitgeteilt, daß bereits vom 1. Oktober ab die Einlösung der Treffer mit 100 Prozent und der Nieten mit 60 Proz. erfolgen wird. Bisher wurden in beiden Fällen nur 58 Proz. gezahlt. — Neue Goldgruben irr Mexiko. Englische Minenleute, die die südafrikanischen Minen genau kennen, haben die vor kurzer Zeit in Mexiko gefundenen Goldadern untersucht und reicher ge- frmden, als die des Rand. Es wird versichert, daß die Minen in kurzer Zeit zu den reichste!: und besten der ganzen Welt gehören. Märkte. § Gedern, 15. Sept. Der heutige Schweinemarkt war außerordenllich zahlreich von Verkäufer,: aus nah und fern besucht, jedoch stockte der Handel ungemein, was wohl dem Mangel an Käufern imd der ungünstigen Witterung zuzuschreiben war. Die Preise sind gegen den letzten Markt anfangs dieses Monats sehr gesunken. So wurden fette Schweine mit nur 43—44 Pfg. pro Pfund (Lebendgewicht), Einlegschweine mit 60— 90 Mk., bessere Qualität bis zu 100 Mk., Läufer mit 40—60 Mk., Ferkel mit 18—30 Mk. per Paar verkauft. Viele Leute nahmen ihre Ware wieder mit nach Hause. Limburg a. d. L., 16. Sept. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Neuer Weizen 13.50 Mk., altes Korn 00.00 Mk., neues Korn 10.00 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 6.98 Alk., neuer Hafer 0.00 Alk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Alk. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst der israelitischen Keligümsgestllschast. S a b b a t h f e i e r am 19. September 1903. Freitagabend 6.10 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 7.20 Uhr. Wochengorleüdieust: morgens 5.15 Uhr, abends 6.00 Uhr. Vermischtes. • Berlin, 16. Sept. Das Schwebebahnprojekt scheint wieder in Fluß kommen zu sollen. Neuerdings wird eine Kommission mit Oberbürgermeister Kirschner sich nach Elberfeld begeben, um die dortige Schwebebahnanlage zu besi^» Berlin, 16. Sept. Nach beträchtlichen Unterschlagungen ist der Buchhalter des Vieh-Kommissionsgeschäftes von Steinborn u. Go. auf dem Viehhofe zu Friedrichsfelde durchgebrannt. — Der Geschäftsführer eines Vergnügungs- und Versammlungslokals m Rixdorf ist wegen Unterschlagungen verhaftet worden. ♦ Altona, 17. Sept» Em wegen Ungebuhr aus der Fabrik enllassener Arbeiter versuchte den Werkmeister zu erschießen. Er fehlte aber und erschoß sich dann s e l b st. ♦ Madrid, 17. Sept. Wegen bedeutender Betrügereien, die kürzlich bei der Madrider Polizei vorgekommen sind, wurde der Polizeichef seines Amtes enthoben und durch einen Beamten des Sicherheitsdienstes ersetzt. Sämtliche Polizeiagenteu wurden ebenfalls abgesetzt. Die Ursachen dieser Entschließung werden amtlich bekannt gegeben. * Der ehemalige Bankier August Sternberg, der nach seiner Entlassung aus dem Zuchthause alsbald mit der Veräußerung seiner Berliner Besitzungen begann und seinen Wohnsitz nach Paris verlegte, hat von dort aus jetzt die erforderlichen Schritte getan, um aus dem preußischen Staatsverbande auszuscheiden. DerkiinstigeFranzose war bekanntlich ursprünglich Hesse und wurde erst später Preuße. ♦ Kindersegen in Berlin. Der kürzlich erschienene Monatsbericht des Berliner Statistischen A:ntes für den Juli 1903 weist nach, daß in diesem Monat drei Mütter je ihr 2 2. und eine ihr 2 4. Kind bekamen. Die Geburt eines 22 Kindes ist auch aus dem Februar des laufenden Jahres gemeldet worden, die Geburt je eines 20. aus dem Februar, dem Aprll und dem Mai. Im Jahre 1902 wurden in Berlin gleichfalls drei 20. Kinder geboren, ferner zwei 22. und ein 23. Kind. Das Jahr 1901 hatte vier 20. Kinder zu verzeichnen, drei 21., ein 23. und ein — 28. Kind. 28 Kinder von ein und derselben Mutter, das ist in Berlin die höchste Zahl, die aus neuerer Zeit bekannt geworden und standesamtlich „festgenagelt" worden ist. Aber eine ähnliche Höhe wurde auch in den 90er Jahren erreicht. 1893 und 1899 wurde je ein 26., 1898 em 27. Kind zur Welt gebracht. * Ehe und Bildung. Wir lesen in der „Tägl. Rdsch." folgendes amüsante Gespräch: „Schiedsmann zum Gatten: „Auf die von Ihnen gemachte Angabe hin, daß Ihre Frau zu ungebildet, wollten Sie sich von Ihrer braven Gattin, der Mutter Ihrer Kinder, trennen? Da liegen doch wohl andere, ttefere Gründe vor. Reden Sie ganz offen!" — Stilzke: „Das will ich tun: Mehrschtentells sind es innere Jründe, die uns veruneinigen. Ich bin nämlich ein Mensch von Bildung und tue darin for Weib und Kind, was ich man kann. 9lu nehmen Se an, ich führe meine Frau vorigten Sonntag in „Tell", un aufn Nachhauseweg will ich mit ihr darüber reden, un da hat se noch mch mal die Po-engte (Pointe) von's janze Stück verstanden!! Mit so was kann ich nicht auskommen." * Zur Ge s chi chte eines Ritualmordmärchens. Mr erzählten neulich nach Berliner Blättern von der Zerstörung eines Ritualmordmärchons. Vor sechs Jahren sollte im Dorfe Mienken im Kreise' Arnswalde das dreijährige Söhnchen des Besitzers Jenske spurlos verschwunden sein, und die Bevöllerung des antisemttischen Reichstagswahlkreises Arnswalde-Friedeberg habe damals ans dem Verschwinden des Knaben Anlaß zur dteubeleb- ung des Märchens vom Ritualmord genommen. Man habe gejagt, die Juden hättten den verschwundenen Knaben ge- jchächtet, es läge ein Ritualmord vor und die Bewohner des Kreises hätten sich zu argen Ausschreitungen gegen die Inden hinreißeu lassen; nur dem energischen D-aZwischen- treten der Behörden sei es gelungen, der Jüdenh.etze Einhalt zu tun. Jetzt nach sechs Jahren, so hieß es weiter, habe nun der Förster Janke in Mienken auf dem Sterbebette gestanden, daß er der Aäörder jenes vor sechs Jahren verschwundenen, angeblich geschachteten Knaben gewesen sei. — Jetzt behauptet die antisemitische „Staatsb. Ztg.", „daß die ganze Geschichte von Anfang bis zu Ende erlogen" sei. Es habe im Dorfe Mienken oder in der Umgegend niemals einen Förster namens Janke gegeben, es sei auch kein Förster ähnlichen Namens verstorben, der jemals vorher auf dem Sterbebette ein solches Geständnis abgelegt hätte; es habe auch niemals eine Judenhetze dort stattgefunden. • Triftige Gründe. Die „Tägl. Rundsch." veröffentlicht folgende, der Sammelmappe eines Predigers entstammende Schreiben von Gemeindemitgliedern: 1. Geehrter Herr Prediger! Ich, der Almosenempfänger W. Sch-, bitte den Herrn Prediger, mir meinen Taufschein so bald wie möglich und unentgeltlich zuzustellen, da ich schon 83 Jahre zähle und mich der liebe Gott jeden Tag abrufen kann, was ja hier in Berlin ohne- Taufschein große Schwierigkeiten macht. Hochachtungsvoll W. Sch. 21 Ew. Hochwürden wollte ich hiermit bitten, meine Tochter Ida vom Konsirmandenunter- richt zu dispensieren, da ich eine große Viehzucht angelegt habe und meine Frau schon 200 Pfund wiegt und die Wirtschaft nicht nachkommen kann. Herrn Suppredenten besten Dank im Voraus. I. V. Sport. Der Weltradler Schwiegershausen aus Leipzig wird binnen kurzem seine Weltreise beenden und von Amerika, wo er sich jetzt aufhätt, nach Europa zuruckkehren. Schwiegershausen begann seine Exkursion am 10. Juni 1899 in Paris, von wo aus er sämtliche 5 Weltteile durchquerte. Seine 2 Begleiter haben schon frühzeitig diese einzig dastehende Dauerfahrt abgebrochen. Bislang hat der Weltreisende mtt dem Rade folgende Lander berührt: Frankreich, Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Serbien, Bulgarien, Türkei, Klein-Asien, Syrien, Palästina, Egypten, Arabien, Assyrien, Persien, Belutschistan, m Ost-Asien, China, Japan, Südafrika, Australien, Tasmanien, Neu-Seeland, Südamerika. Zur Zeit häll er sich in Austin-Texas auf, unb wird binnen kurzem feine Rückreise nach der Ostküste Amerikas sortfetzen, um dann durch Portugal, Spanien, Algerien und Tunis und zuletzt über Italien nach Hause zu radeln. Die von ihm durchgefuhrte Reiseroute ist von zahlreichen Potentaten und amtlichen Persönlichkeiten der betreffenden Lander beglaubigt worden. Vielfach war die Tour mit großen Entbehrungen und Anstrengungen verknüpft, namentlich auf den Strecken durch unbewohnte wüste Gegendem Die ganze Reise wird nach ihrer Vollendung ca. 60 000 Meilen betragen. Zu dieser gewaltigen Strecke gebrauchte Schwiegershausen im ganzen 3 Räder und 24 (Gummireifen. Das englische Rennpferd Ard Patrick ist nach einer außerordentlich erfolgreichen Renntätigkeit zur Hebung der preußischen Pferdezucht für das Gestüt Graditz ,für 400 000 Mark angekauft worden. Von dem wertvollen Hengst verspricht man sich eine bedeutende Verbesserung unseres edlen Pferdematerials, welches in den letzten Jahren bei allen Rennen sehr schlecht abgefchnitlen hat. Vor kurzem noch gewann Ard Pattick für seinen Besitzer und Züchter, den M. ®ubbin§, einen 200 000 Mark-Preis, so daß der bisherige Eigentümer der: von der preußischen Regierung vereinbarten Kauf gegen ein Reugeld von derselben Summe rückgängig machen wollte. Jndeffen ist mau nicht daraut eingegangen, und so wird denn Ard Patrick unter der Leitung seines Trainers Hinrichs demnächst in Graditza einziehen, wo er nur noch zu Zuchtzwecken verwendet werden soll. Der Hengst zeigt außerordentlich schöne Formen, so daß er schon deshalb in Deutschland Bewunderung erregen dürfte. Seine Laufbahn als Rennpferd hat mit der Ein- ri " in das Gestüt Graditz ihr Ende erreicht. Universitäts-Nachrichten. — Aus M a r b u r g wird geschrieben: Professor Tr. Kalbfleisch in N o st o ck erhielt einer: Rui an die hiesige Universität. Zur Zeit ist er damit beschäftigt, im Auftrage der Berlmer Aka- demie die in den englischen Bibliotheken aufberoahrten Handschriften der griechischen und römischen Aerzte zu katalogisieren. Gerichtssaat. )( Mainz, 16. Sept. Als Nachspiel zu dem letzten Maurerausstand hatten sich gestern zehn Maurer vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten, die beschuldigt waren, hier und in den 'Mchbarorten Arbeitswillige bedroht zu haben. Die Angeklagten bestritten dies und behaupteten, nur den angekommenen Italienern zu- gerusen zu haben, daß in Marnz Maureraussperrung sei. Das Gericht sprach einen von den Angejchnldigte:: frei und verurteilte die Uebrigeu nur wegen gröben Unfugs zu 15 und 20 Mark. Einquartiert! Don einem poesiebegabten Teilnehmer am Manöver erhallen wir aus Wommelshausen folgenden Gruß: Es strömt der Regen. Und weil deswegen In dumpfer Stube Ich armer Bube Hier einsam sitze Und gar nicht schwitze, — Denn kall ists draußen In Wommelshausen — So soll begeistern Mich Poesie Und ich will meistern Das stolze Vieh, Den Pegasus Zu diesem Gruß! Ph. G. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers. Berlin, 17. Sept. Als gemeinsames Ergebnis der Verhandlungen zwischen der Gesellschaft der Hoch- und Untergrundbahn mit der Stadt darf als feststehende Tatsache gelten, daß über die einzelnen Baupunkte der Strecke Potsdamer Bahnhof nach dem Hausvogteiplatze eine Einigung erzielt ist. Wie das „B. T." erfährt, bringst auch der Kaiser dem Projekt lebhaftes Interesse entgegen. Ebenso fördert Minister Budde nach Möglichkett die vorbereitenden Arbetten. Kiel, 17. Sept. S. K. H. der Groß her zog von Hessen traf heute vormittag 10 Uhr 57 Min. zum Stapellauf eines neuen Linienschiffes ein. Am Bahnhof fand großer Empfang statt; zur Begrüßung waren anwesend: Prinz Heinrich, der Generaliuspetteur der Marine Admiral von Köster, Staatssekretär von Tirpitz sowie die orts- anwesenden Admirale. Tie Ehrenwache mtt Musik stellte das erste Seebataillon. Mailand, 17. Sept. Ter Adjutant des Königs, General Brusati wurde von einem Automobil-Unfall betroffen. Der Wagen des Generals rannte in dem Park Raceonigi gegen eine Mauer. Der Offizier wurde herausgeschleudert und erlitt Verletzungen an der Brust und den Beinen. Wien, 17. Sept. In diplomatischen Kreisen verlautet, es werde bei der Zusammenkunft zwischen Kaiser Franz Josef und dem Zaren bezweckt, auf dem Balkan f ür z e h n I a h r e Ru h e zu schaffen. Der zwischen Rußland und Oesterreich abzuschließende neue Vertrag geht von dem Prinzip der Aufrechterhaltung des Status quo aus dem Balkan aus und perhoresziert jeoe bewussnete Einmischung. Der Türkei werde für dre Durchführung der Reformen eine längere Frist eingeräumt werden. Falls Bulgarien keinen Krieg beginnt, würde ihm das Ende der Suzerenität und die Erhebung zum Königreich als Preis zugesagt. — Gestern erfolgte ein Kollektivschritt der Mächte in Sofia. Es wird in der Note betont, daß die Mächte zum letzten Male der bulgarischen Regierung nahelegteu, nicht zum Kriege gegen die Türkei zu treiben. 'Denn unbeschadet des Ausganges des Krieges würden weder Bulgarien noch Macedonien Vorteile daraus ziehen. Wien, 17. Sept. Der wegen der Affäre in der türkischen Botschaft ausgewiesene Botschaftsarzt hat sich in Preßburg niedergelassen, um die weitere Entwicklung der Affäre abzuwarten. — Kaiser Wilhelm hat den Wunsch geäußert, daß zu dem Tiner in der deutschen Botschaft, welches ihm zu Ehren am Samstag stattfindet, auch die Fürstin Pau l i n e Metternich geladen werde. Die Fürstin kommt deshalb heute von ihrem ungarischen Gipte nach Wien. Belgrad, 17. Sept. Das Kriegsgericht gegen die verhafteten Offiziere tritt morgen zusammen. — Wie aus Nisch gemeldet wird, wurde dort der abgesetzte General I a n k o w i t s ch, als er sich abends vom Kasino nach Hause begeben wollte, von einem Individuum, welches von dem General als ein in Zivil gekleideter Gendarm erkannt wurde, mit einem Messer angegriffen. Infolge eines wuchtigen Stockhiebes seitens des Generals ließ der Llttentäter das Messer fallen und entfloh. Konstantinopel, 16. Sept. (Wien. Korr^-Bur.). Nach diachrichten aus Sandschak Kirkllisse beginnt dort jett dem Abmärsche des albanesischen Redif-Bcttaillons Ruhe einzutreten. Die Geschäfte sind wieder geöffnet. Die Lokalbehörden sind bemüht, das in den Dörfern geraubte Eigentum den Besitzern wieder z!w verschaffen. In dem von Bulgaren und Griechen bewohnten Dorfe Evkarion wurden die griechischen Einwohner von einer Militär-Abtettung aufgefordert, das Dorf zju verlassen, da es als kompromitttert verbrannt werden müsse. Die Einwohnerschaft leistete der Aufforderung Folge. Inzwischen war aber Gewehrseuer eröffnet, bei dem 15 Griechen getötet wurden. Eine entsprechende Beschwerdeschrift des griechischen Bischofs, sowie des Konsularkorps ist von Konstantinopel abgegangen. Auch andere Dörfer sind vom gleichen Schicksal, wie Evkarion, seitens 'der Truppen und der Baschibozuks bedroht. X,. Newyork, 17. L>ept. Wie der „World" aus Richmond (Indiana) gemeldet wird, hat Tr. 5^amley in zwei Experimenten nachgewiesen, daß durch Anwendung von Röntgen-Strahlen graue Haare ihre ursprüngliche Farbe zurück erhalten. Newyork, 17. Sept. Die Stadt und die Umgebung wurde am 16. September von einem starken Sturm heimgejucht, bar großen Schaden anrichtete. Die Windstärke betrug 60 englische Meilen die Stunde. Seit Jahren herrschte kein so gewaltiger Sturm mehr an der Küste von ^New-Jersey. Präsident Roosevelt befand sich, als er sich an Lord der Flottenyacht „Sylph" zur Besichtigung der Ein- wanderer-Ernrichtungen nach Ellis-Jsland begab, infolge des Unwetters einige Zett in gefährlicher Lage. In der Rcöhe der „Sylph" fant ein Schleppdampfer bei der Durchfahrt durch das Höllentor. Telephonisches* Kursbericht. lianktnii 3 x/2% Reichsanleihe . . 101.10 3% do. . 89.25 37i°/o Konsols .... 101.10 3% do. 89.30 372% Hessen .... 100.15 37i% Oberhessen . . . 99.20 4% Oesterr. Goldrento . . 101.80 4l/6% Oesterr. tiilberrento 100.10 4% Ungar. Goldrente . . 99.10 4°/j Italien. Rente . . . 102.70 4% % Portugiesen . . . 50.45 3°/ Portugiesen 31.00 1% C. Türken . ... 34 70 Türkenloso 127.40 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 43.30 47a % äussere Argentiner 42.15 17. September iyu3 3j/q Mexikaner . . . 26.90 47s% Chinesen . . . . 91.20 Electric. Sohuckert . . . 96.40' Nordd. Lloyd . . , 10120 Kreditaktien 201.00 Diskonto-Kommandit. . . 185.40 Darmstädter Bank . . . 135 7g Dresdener Bank . . . . 145.20 Berliner Handelsges. . . 151.60 Oesterr. Staatsbahn . . . 138*50 Lombarden . . , . . 16.70 Gotthardbahn .... 188.7-j Laural. litte 229 50 ßocham.....* . 183’00 llarpener 185.70 Tendenz: ruhig. Letzte Sendung Mckkkttk heute eingetroffen. 6988 LJLSchulhof. Blumenzwiebeln in nur guten Sorten und schönen Farben empfiehlt 04338 Frau Karl Berger Wwe., _________Kirchenplatz 9. Kohlen, Briketts Lernen! Farben, Lacke etc. Futterartikel Künsil. Düngemittel empfiehlt 6962 Balth. 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