Nr- 191 Erstes Bla«. 153. Jahrgang Montag IV Anqusi 1903 S SÄ* JW* A ' 20. Bise: mtAftMiM* =«<~ Woche betgeleg?" MW M 8 UM 8 8 8^ S JP i S 8 K 8 l Siolattonödruck u. Ver- Br ML H Kl H ML 88 |M, W> ML 8MJ&01 Oak-z M, - für öte LageSnuminer MjÄS v »'rovHtvt' jvy“iV”vw5r druÄere.(Pi°tjchLrben» J\JF SanSwttr« 2v PIg. Mödattton, Erpedtttoa Xz VllVI'Wv ^4-lljvlUvt öetartroertltdb Ar und Druckerei: den poltt und aügem. MM Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MM KekMntmachuug. Nachdem von berechtigter Secte bie Rückgabe der von dem verstorbenen Dienstmann Johann Georg (Simon dahier gestellten Dienstkaution verlangt worden ist, fordern wir diejenigen auf, welche Ansprüche an diese Kaution aus der Eigenschaft des p. Simon als Dienstmann erheben zu können glauben, solche bei Meldung des Ausschlusses binnen acht Tagen bei uns vorzubringen. Gießen, den 15. August 1903. GroßherzoglrcheL, Polizeiamt Gießen. I. V.: Noth. Völkische Wochenschau. Gießen, 17. August. Das politische Interesse hat sich allmählich wieder von Nom und dem neuen Papst angewandt. Dafür beschäftigte man sich in diesen Tagen mit mancherlei Angelegenheiten Deutschlands, besonders aber auch des Orientes. In Schlesien war man au der Arbeit, die Schäden des schrecklichen Hochwassers, die so viele Familien ins Unglück gestürzt haben, zu beseitigen und den Betroffenen Hilfe zu bringen. Als Trösterin und Spenderin willkommener Unterstützungen chst die Kaiserin in den Ueber- schwemmungsgebieten erschienen. Sie sah die Verheerungen, die das Wasser angerichtet hat, au allen Orten cm, ließ sich Berichte erstatten und nahm selbst Teil an den Verhandlungen der Unterstützungstomitees. Sie hat die Traditionen des Hohenzollernhauses festgehaltim, und das Land hat es ihr gedankt. Ueberall, wo sie erschien, ist sie mit Begeisterung und Jubel empsangen worden. Weitere Verhandlungen und Vorschläge in der Hoch- wassersrage sollten im Kronrat auf der Tagesordnung stehen, lieber diesen Kronrat war viel Unrichtiges in den Blättern ausgestreut worden. Man munkelte von Ministerkrisen und der Ungnade des Kaisers. Vorläufig ist über die Verhandlungen, die am Freitag stattgefunden haben, noch nicht viel bekannt. Die „Nordd. Allg. Ztg." schrieb, es habe sich nur um eine Besprechung der ernsten Folgen der jüngsten Elementarereignisse gehandelt, und bei der Teilnahme und dem lebhaften Interesse, die der Monarch zu der Frage bekundet habe, sei der Gedanke naheliegend gewesen, eine Sitzung des Staatsministeriums unter seiner persönlichen Teilnahme abzuhalten. Die Ergebnisse der Beratung würden in einer dem Landtag zu unterbreitenden Vorlage Ausdruck finden. Die „Franks. Ztg." führte in ihrer Sonntagsnummer zu dieser offiziösen Darlegung an, daß „die Worte dazu da seien, die Gedanken zu verbergen" und spitzt die ganze Angelegenheit in der Frage zu: Mittellandkanal oder nicht?.. . . Die Frage der Kanalvorlage ist in dieser Woche häufig der Gegenstand von Erörterungen der Presse gewesen; — ob sie es auch im Kronrat war, wird man ab warten müssen. Ten schon längere Zeit erwarteten Wechsel im Kriegsministerium hat nun das Ende der vergangenen Woche gebracht. Der Rücktritt des Kriegsministers v. Go ß ler ist nur die Ausführung eines längst bekannten aus Eigenem Antrieb gefaßten Entschlusses des Generals, lieber die Persönlichkeit des neuen Kriegsministers v. Einem, dessen Ernennung auch keine Ueberraschung ist, geben wir heute in der politischen Tagesschau einige Notizen. Tie Blätter sprechen sich über ihn durchweg günstig aus. Noch ein Anderer ist dieser Tage aus dem politischen Leben, aus dieser Welt überhaupt, geschieden: der ftühere Reichstagspräsident v. Lev eyo w. Er gehörte einer größeren Zeit des deutschen Parlamentarismus an, als wir sie heute haben. 15 Jahre hat er die Präsidentschaft des Reichstages geführt, die er in dem Augenblick niederlegte, als der Reichstag dem Fürsten Bismarck den Gluckwunsch zum 80. Geburtstag versagte. Dieser Schritt gereicht dem Manne zu großer Ehre. Von der Demission des Ministerpräsidenten Khueu- Hedervary, mit der die politische Unsicherheit nun in Oesterreich-Ungarn ihren Höhepunkt erreicht hcck, kann man weniger Rühmendes berichten. Es rst nicht lw- zusehen, von wem und wie die östreich-isch^upgarische Politik von jetzt ab geleitet werden soll. Der Käfter hat sich aus der Jschler Sommerfrische nach Budapest begeben, um nach einem Mann zu suchen, der eine Mehrheit im unllarrschen Abgeordneccnhause zusammenbringen konnte Eine, euD- giltige Bestimmung ist bis letzt noch nicht getroffen In große Verlegenheit ist auch König Peter von Ser b i e^n gekommen. Er muß erfahren, daß der Mord ein schlechter Bahnbrecher für den ^hron ist. Er befindet sich zurzeit aanz in den Händen der Königsmorder. Wir HZe^m Samstag berichtet wie diese l^ Ernennrmg eines nicht zu ihnen gehörenden Manrys als emen Bexrat teaB König Peter rst doch mehr amSwrz der Dy- nastie Obrenowitsch beteiligt Spesen, als man Affings beliauvten konnte Dieser Tage lasen wir sogar m Deut- Mittungen. 'aus /reistm d« den schworcnen nahcstchen, worm behanptet nnrd, W in Serbien maßgebenden Personlrchkerten erm 'm «jch eines den König schwer kompromittierenden Ochrlftstu^s, mit dem jie den Herrscher ganz letten wußten Der König wird natürlich auf alle mögliche Werse dieser un bequemen Lage zu entrinnen versuchen. Ein politischer Mord, freilich, an keinem Manne vom Äiang eines Fürsten, ist dieser Tage auch rm ^bewegten Macedonien begangen worden. Der rusfischie Kon,ul Jl lowski in V’cmaftir ist von einem türkischen Gendarmen ariederaeschosft'n worden. Freilich scheint der Konfill etwas cheftia und herausfordernd aufgetreten zu sein, llllem die Pforte mußte dennoch für ein so schweres Verbrechern sogleich Genugtuung geben, die sie bereits mit vollen Händen ausgeteilt hat. Daß übrigens, wie wir am Samstag kurz meldeten, Italien zur Verhinderung ähnlichier Vor- komninisse vor anderen Wichten ddie Initiative ergriffen habe, klingt etwas merkwürdig und nicht recht glaublich. Vielleicht wird diese Meldung noch dementiert. Tie Unruhen der macedouischen Banden dauern ungeschpiächt fort Ja, in den letzten Tagen trafen fortgesetzt Meldungen von ernsthaften und blutigen Scharmützeln ein. Vielleicht werden die Kämpfe doch zu einem langwierigen Guerillakrieg. Die Türkei hat indessen eifrig mobil gemacht, und die Soldaten des Großherrn gehen, wie aus den Nachrichten zu ersehen ist, ebenfalls ziemlich schonungslos gegen Menschenleben vor. Der Verkehr ist in dem aufständischen Gebiet natürlich ganz unterbrochen. HoffentUch dauert es nicht allzulange, bis in dem von der Revolution durchtobten Land wieder friedliche Zustände herrschen. KoMische Tagesschau. Der neue Kriegöminijter, Karl v. Einem, gen. v. Rothmaler, der seit dem Mai mit der Wahrnehmung der Geschäfte betraut war, ist seiner Geburt nach Hannoveraner. Sem Vater war Rittmeister und Schwadronschef im Hannoverschen Garde-Kürassierregi- ment. Karl v. Einern, der am 1. Januar 1853 in Herzberg cl H. geboren wurde, macyte den Feldzug gegen Fr cuttreich beim 2. Hannoverschen Ulanenregiment Nr. 14 mit und wurde am 12. Dezember 1870 in Feindeslands Offizier. Im Treffen bei Tertry-Poeuilly am 18. Januar 1871 erwarb er sich für seine Bravour bei einem Angriff auf französische Mobilgarden das Eiserne Kreuz. Die Gemahlin des Generals, Marie, ist eine Tochter des verstorbenen.Generals von Rothmaler, des letzten fernes Stammes, und am 11. Oktober 1884 erhielt Herr v. Einern nacy dem Tode des Generals die Erlaubnis, den Namen von Rothmaler mitführen zu dürfen. Die v. Einems sind ein Einbecker uraltes Patriziergeschlecht. In seiner außerordentlich schnellen Karriere war der General nur kurze Zeit Eskadronschef im Kurmärkischen Dragonerregiment Nr. 14 und als Kommandeur der Münsterischen Kürassiere im Frontdienste, sonst gehörte er stets dem Generalstabe und dem Kriegsministerium an. v. Einem ist also erst 50 Jahre alt, in voller Frische und Kraft. Auch innere Gründe lassen ihn als sehr geeignet für das schwierige Amt des preußischen Kriegsministers erscheinen. v. Einem ist infolge seiner langjährigen Zugehörigkeit und als bisheriger Vorsteher des wichtigen allgemeinen Kriegsdepartements sozusagen Fachmann par excellenze. Er hat sich im letzten Winter, als er dem sozialdemokratischen Schreier Zubeil im Reichstage eine gründliche Abfuhr erteilte, als schneidiger Parlamentsredner bereits die Sporen verdient. Kriegsminister v. Einem ist also kein Neuling im Reichshause am Königsplatze. Subskription bei Beamten. Die Eisenbahndirektion Berlin teilt im „Amtsblatte" mit, daß den ihr Nachgeordneten Stellen ein Prospekt nefcf't Subskriptionsliste über Bilder des Kaisers und der Kaiserin zugeheu soll. Jedes Bild koste ungerahmt 50 Pfg., im Rahmen 2,65 Mk. Es heißt alsdann in der Bekanntmachung: „Die Subskriptionslisten sind mit einer Abschrift dieser Amtsblattversügung bei sämtlichen Beamten und Arbeitern alsbald in Umlauf zu setzen. . . . Die Liste ist auch den Bahnhosswirten mit dem Anheimstellen vorzulegen, die Kaiserbildnisse zur Ausschmückung der Warte- raume zu beschaffen. Die Subskriptionslisten sind, auch wenn Bildnisse nicht bestellt sind, bis zum 25. August den vorgesetzten Inspektionen vorzulegen" Man stimmt mit dem „Vorwärts" gewiß höchst selten überein, aber diesmal muß man ihm recht geben, wenn er meint, die Beamten und Arbeiter würden bei dieser Anerbietung der Monarchenporträts sich der Freiheit ihrer Wahl benommen und zum Ankauf genötigt fühlen, weil sie fürchten würden, daß aus der Ablehnung ihnen Nachteile erwachsen könnten. Alle Subskriptionen dieser Art, mögen sie sich auf welchen Gegenstand immer beziehen, sind grundsätzlich zu verurteilen. In allen diesen Fällen ist von einer freiwilligen Entschließung nicht die Rede, und die Folge davon ist, daß selbst solche Personen, die fteiwillig zu dem betreffenden Zwecke sehr gern beisteuern würden, sich durch die Form der Sammlung verletzt und erbittert fühlen. Damit wird der, wenn man so sagen darf, „innere Zweck" der Sammlung in das Gegenteil. verkehrt. Mit dem Gefühl der Anhänglichkeit an das Herrscherhaus ist es nicht gut bestellt, wenn sie in dem Augenblick, wo sie zu den Bildern emporblicken, von der Erinnerung erfaßt werden, in welcher Weise sie in den Besitz der Bilder gelangt sind. Der „Vorwärts" hat ganz recht, wenn er sagt: „Gerade, wenn die Beamten und Arbeiter nicht bloß verpflichtete, sondern überzeugte Monarchisten sind, werden sie diese seltsame Erziehung zum MonorchisTnrrs durch die über ihr-Amt und Mot entscheidenden Vorgesetzten als unwürdige Zumutung zurückweisen." Deutsches Reich. Berlin, 15. Aug. Der Kaiser hörte heute morgen von 10 Uhr ab im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts v. Lueanus und des Kriegsministers v. Einem. — Ter ftühere zweite Vizepräsident des Reichstages, Geh. Finanzrat Büsing, erhielt den Kronenorden 2. Kl. — Der evangelische Feldprobst Oberkonsistorialrat Richter hat vom Kaiser den Charakter als wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exeellenz erhalten. — Als Nachfolgerdes zum Kriegsminister ernannten Generalleutnants v. Einem in der Stellung des Direktors des allgemeinen Kriegsdepartements soll Generalmajor Sixtus v. Arnim in Frage kommen. Helgoland, 16. Aug. In der Nacht vom 14. auf den 15. d. M. lief das Torpedoboot „G 112" beim Nachtangriff gegen das Linienschiff „Kaiser Friedrich III.". Von der Besatzung wurde niemand verletzt bis auf den Obermatrosen Julius Stohr aus Stuttgart, der Quetschungen erlitt. Er ist seinen Verletzungen heute morgen erlegen. Das Torpedoboot wird in Wilhelmshaven außer Dienst gestellt. Kassel, 15. Aug. Im Königl. Residenzschjlosse zu Kassel findet am 28. und 29. d. M. ein Galad in er statt, welches der Kaiser den Offizieren des 11. Armeekorps, bezw. den Provinzialständen und Civilbeamten, giebt. Aus diesem Anlaß werden auch eine große Anzahl von Fürstlichkeiten als Gäste des Kaisers anwesend sein. Homburg v. d. H., 15. Aug. Heute mittag 3 Uhr wurde in der englischen Kirche die Gedenktafel zu Ehren der Kaiserin Friedrich enthüllt. Der geter wohnten bei Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, der Herzog von Cambridge und dessen Sohn, als Vertreter des Königs von Englandd der englische Botschjafter in Berlin, Sir Franc Lascelles, und als Vertreter des Kaisers Oberst v. Jacobi vom 80. Infanterie-Regiment. Ferner waren Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden anwesend. Die Tafel ist in Marmor ausgeführt und trägt das Bronze-Brustbild der Kaiserin. Meses ist von einem Schüler des Städel'schen Kunst-Instituts in FrankfurtsM., Bildhauer Mlhelm Ohly, hergestellt, der auch noch der Kirche die Relief-Bilder der vier Evangelisten zum Geichenk machte. Stuttgart, 15. Llugnst. Bei der gestrigen Felddienstübung der 51. Infanterie-Brigade kamen 7 Fälle von Hitzs chlag vor und 30 bis 40 Mann wurden marsch- unfähig. — Die Meldung einiger auswärtiger Blätter, daß mehrere Mann gestorben seien, bestätigt sich nicht. Keer und Atotte. General v. Goßler hat nicht nur für die preußische Armee, deren Verwaltung ihm unterstellt war, viel geleistet, sondern er hat sich auch in der Erfüllung der Pflichten, die chm als Bundesratsbevollmächtigten oblagen, ausgezeichnet. In der Verteidigung der parlamentarischen Vorlagen hat er sich stets als äußerst sachkundig und als einen Mann von Takt gezeigt. Durch seine Geschicklichkeit, mit der er den Anforderungen, die an einen militärischen Vertreter im Bundesrat gestellt werden, gerecht wurde, hat er sich auch zugleich um die sämtlichen verbündeten Kontingente verdient gemacht und um die gesamte deutsche Wehrkraft hohe Verdienste er-- worben. Seine Amtsführung läßt sich, bezeichnen als eine Zeit her vorsichtig und ohne Ueberstnrzung aber mit nie rastender Aufmertsamkeit durchgeführten Reformen, die trotz der Fortsch^ritte in der Waffentechnik die Armee ohne unnötige tiefere Eingriffe in die bestehende Organisation und ohne übermäßige Erhöhung der Ausgaben und des Bestandes doch auf einem mnstergiltigen Stande erhalten haben. 5zeinrich v. Goßler ist geboren am 29. Sept. 1841 in Weißenfels, er trat 1860 in das 1. preuß. Infanterie-Regiment ein, und nahm an den Feldzügen gegen Oesterreich, und Frankreich mit Auszeichnung teil. In seiner weiteren militärischen Laufbahn wurde er 1885 zum Abteilungschef im Kriegsministerium, 1888 zum Obersten, 1891 zum Direktor im Kriegsministerium ernannt Spater wieder in der Armee Divisionskommandeur in Darmstadt, wurde Heinrich von Goßler am 14. August 1896 Kriegsminister. Ausland. London, 16. Aug. Lord Salisburys Zustand ist sehr ernst. Man befürchtet einen schlimmen Ausgang. — Vierzehn namhafte Nationalökonomen, darunter Profefforen der Universitäten Oxford, Cambridge, Dublin, London, Liverpool, Edinburg, St. Andrews und Glasgow, veröffentlichen in den Blattern eine vernichtende Kritik von Chamberlains Zoll-Ideen. Die ^Times" tadelt diese Profefforen dafür, daß sie nur negativ kritisieren und nicht positiv angeben, wie sonst das britische Weltreich zu einigen sei. Päris, 15. Aug. Die Abgeordneten von Paris und dem Seine-Departement hielten gestern unter dem Vorsitz des Abgeordneten Berry eine Sitzung ab. Es wurde ein Ausschuß von 14 Mitgliedrrn gewählt, welche sich nach dem Diinisterium begaben, um den Minister des Innern zu ersuchen, den Hinterbliebenen der Opfer der Metro- politan-Vahn-Katastrophe Geld-Unterstützungen zu überweisen und dieselben dem Budget des Innern zu entnehmen. Petersburg, 15. Aug. Der Regierungsbote meldet, daß eine Abteilung d^r Schwarzen Meerflotte zur Verfügung des russischen Botschafters in Konstantinopel nach den türkischen Gewässern abgehen werde. Konstantinopel, 15. Aug. Die Witwe des er^ mordeten Konsuls Rostkowskij richtete an den russischen Minister des Auswärtigen, Grafen Lamsdorsf, ein Telegramm, worin sie erklärt, es wäre eine Beleidigung des Andenkens des Ermordeten, wenn sie türkisches Geld annehmen würde. Graf Lamsdorff antwortete mit dem Rate, die Entschädigung anzunehmen, und versicherte ihr, daß ihr durch die Annahme die Protektion der Kaiserin nicht verloren gehe. Au > stand in Mazedonien. Tie allgemeine Lage in Maced-onien wird immer schlimmer. Ein Militärzug wurde zwischen Seleneko und Koprili auf der Linie Ueskiib-Galoniki durch Explodieren einer Dynamitbombe auf den Schienen leicht beschädigt. Ein Soldat wurde getötet, mehrere wurden verwundet. Auf der Bardar-Ersenbahnbrücke bei Koprili wurden zwei Sack Dynamit gefunden, die auf die S ch i e - nen gebunden worden waren. In dem Ban den kam Pf, der am 11. August bei Guemendje im Kreise Jenidscho-Vardar, VilajetSaloniki, stattfand, sollen die Insurgenten zahlreiche Dynamitbomben geworfen haben, deren Detonation bis zu der 15 Kilometer entfernten Bahnstation vernommen wurde. Tie Meldungen über die Einnahme von Kruschewo sind bisher amtlich nicht bestätigt. Nach Angaben von türkischer Seite haben in der Umgegend vor: Perlepe blutige Bandenkämpfe stattgefunden, in denen die Verluste der Banden angeblich über 100 Mann betragen. Im Kreise Florina wurden von Komiteebanden 4 Mühlen und an zahlreichen Orten die Getreideernten verbrannten. Im ganzen Sandschak wurden zahlreiche, Türken gehörige, Meierhöfe niedergebrannt und Feldwächter und Gendarmen, darunter auch christliche, ermordet, die Viehherden und Nahrungsmittel geraubt und die Telegraphenlinien an verschiedenen Orten zerstört. Zwischen manchen Orten ist die Verbindung nur durch Bahntelegraphen möglich. Tie Bahnwachen werden fortwährend beschossen, türkische Zivilbeamte erhalten zahlreiche Drohbriefe. Die Lage im Sandschak Monastir und der Umgebung des Grenzgebietes hat sich in den letzten Tagen zwar nicht wesentlich verschlechtert, doch ist die baldige Herstellung der Ordnung nur durch einen selbständigen energischen Kommandanten, der im Besitze entsprechender Vollmachten ist, zu erreichen. In Sofia verlief eine Volksversammlung zur Unterstützung des macedonischen Komitees bei nicht besonders starker Beteiligung ohne besonderen Zwischenfall. Tie Resolution, die zum Schlug angenommen wurde, gelobt den Kämpfern um die Freiheit Macedoniens moralische und materielle Unterstützung. Ans Serbien. Tie wichtigsten Tifferenzen unter den Ministern konnten im Laufe der Nacht vom Freitag auf Samstag bcigelegt werden. Tie Unabhängigen und Radikalen bleiben dem neuen Kabinett fern. Ter zweite Führer der Liberalen, Stojan Ribaraz, hat das ihm angebotene Justiz-Portefeuille abgelehnt und auch der Kriegsminister Atanazkowitsch scheidet aus dem Ministerium aus. Tie neue Regierung soll nach den bisherigen Dispositionen wie folgt gebildet werden: Präsidium ohne Portefeuille Avakumowitsch, Aeußeres Kaljewitsch, Bauten Oberst Maschin, Handel Gent- schitsch. Inneres Stojan Protitsch, alles bereits Mitglieder des bisherigen Kabinetts. Neu sind der Kriegsminister Solarowitsch, ein Artillerie-Oberst, ferner der Finanzminister Hochschul-Professor Boreslawjewitso, liberal. Kultusminister Professor Ruschitsck, radikal, und der Justizminister, bisheriger Sektionschef im Justizministerium, Jvanowitsch, neutral. Ter Kriegsminister wird seiner Parteistellung nach als neutral bezeichnet. Aus Stadt und Land. Gießen, 17. August 1903. •• Direktor Heinrich Wagner f. Gestern abend ist nach langem Leiden der langjährige Rechner der Gewerbebank, Heinrich Wagner, im 66. Lebensjahre verschieden. Der Dahingeschiedene, ein geborener Gießener, widmete sich nach seinem Austritt aus der Schule dem Aktuariatssach und war in der Folge bei dem Aktuar Weiß in Herbstein, dann bei Aktuar Funk in Gießen tätig. Später trat er zum damaligen Stadtgericht Gießen, sowie zunr Polizeiamt Gießen über, welche Stellen er im Jahre 1874 mit einer von der Gewerbebank Gießen vertauschte, in der er als Kontrolleur mit dem damaligen Rechner Wallenfels tätig war. Nach dem Ableben des Letztgenannten wurde ihm die Rechnerstelle übertragen, die er mit Umsicht und Sachkenntnis volle 22 Jahre versah. Ein im Jahre 1901 sich einstellendes Leiden zwang ihn, zunächst in Urlaub zu gehen, dann um seine Pensionierung einzukommen, die ihm in der außerordentlichen Generalversammlung im vorigen Jahre unter ehrender Anerkennung für seine aufopfernde Tätigkeit bewilligt wurde. In der Geschichte der besonders in den letzten 20 Jahren in erfreulichem Aufblühen begriffenen Gewerbe- bank wird dem ehemaligen Rechner und Direktor Wagner ein Ehrenblatt dauernd erhalten bleiben. — Ehre seinem Andenken! ** Tie Feier des 18. August, des Ehrentages der hessischen Division im Kriege gegen Frankreich, wurde am gestrigen Sonntage in der seit Jahren üblichen Form begangen. Diesmal nahmen an der Feier sämtliche militärischen Vereine Gießens, nämlich der Kriegerverein, der Veteranen-Verein, die Kriegerkameradschaft, der Marine- Verein, der Artillerie-Verein und der Garde-Verein teil. Nach dem gemeinschaftlichen Kirchgänge marschierten die Vereine nach dem alten Friedhöfe, wo an den Gräbern der für das Vaterland Gefallenen oder an Verwundungen und Krankheiten gestorbenen Kameraden Pfarrer Schlosser die von allen Teilnehmern tiefempfundene Gedächtnisrede hielt und sowohl das Denkmal der deutschen, wie dasjenige der französischen Krieger mit Blumen und Kränzen geschmückt wurde. Darauf zogen die Vereine mit klingendem Spiel nach dem Kriegerdenkmal am Marktplatz, wo ebenfalls ein Kran^ »niedergelegt wurde, und nach dem vom Vorsitzenden auf Kaiser und Großherzog ausgebrachten Hoch die Kaiserhymne und die Wacht am Rhein erklangen. — Der Nachmittag vereinigte die Veteranen zur geselligen und Familienfeier auf Textors Hardt. Von der Feier im Hardtwäldchen mußte des unbeständigen Wetters negen Abstand genommen werden. ** Ter Wettläufer Ort^gue zeigte gestern auf dem Sportplatz an der Hardt seine Künste einem nicht sehr zahl- -eichen Publikum. Die Straße nach Heuchelheim war überaus belebt; aber weitaus die meisten zogen die Kirchweihe 9or. Es war indessen sehr unterhaltend und interessant, den Wettkämpfen zuzusehen, die der fremde Sportsman mit einer größeren Anzahl von Wettbewerbern veranstaltete. Diebetz, ein belgischer Läufer, oder Mitläufer des Franzosen, siegte im ersten Rennen, wobei er 6 Runden, sein Gegner, ein Radfahrer, in der gleichen Zeit 14 Runden machen sollte, hielt sich im übrigen recht wacker, mußte aber doch später seinem Herrn und Meister Ort^gue zurückstehen. Dieser trug in 10 Runden, wobei er seinem Wettbewerber Dibetz einen Vorsprung oon einer halben Runde ließ, mit eleganter Leichtigkeit den Sieg davon. Ein Motor-Radfahrer blieb mit seinen 22 Runden weit zurück. Von Interesse war auch das Rennen von mehreren Schnellfahrern auf, dem Rad, die am Schluffe dem Läufer — verhältnismäßig — nicht viel nachgaben. — Des kühlen Wetters wegen war eine Anzahl der Besucher etwas vorzeitig weggegangen. Als man oben in Textors Saal saß und sich's wohlschmeckcn ließ, ging plötzlich die Türe auf, und nun hieß es, sich mit einem Vortrage des den Schnelläufer begleitenden Sekretärs abzufinden. Damit war zuletzt der größte Sprung in den Wettläufen des Tages gemacht, denn der Sekretär teilte den Verblüfften mit, daß er „wolle halten einen Vortrag über seine 15jährigen Kriegserlebnisse in Afrika und China". Obgleich diese Inanspruchnahme der Besucher der Rennbahn und zwar der ahnungslosen Unbeteiligten, die die große Mehrheit unter den vereinzelt Dasitzenden bildeten, etwas sehr familiärer Natur war, störte den Redner an seinem Vorhaben niemand. Da nach einer reichlichen Stunde erst die Hälfte des Vortrages erledigt war und eine Pause eintrat, so darf man wohl annehmen, daß die Ausführungen des Redners bis in die späte Nacht hinein dauerten. s. Vom Dünsberg, 16. Aug. Ein wolkenbruch- artiger Regen ging gestern nachmittag über die hiesige Gegend. Zum Glück ging er, ohne merklichen Schaden zu nehmen, vorüber. Da man hier noch mitten in der Fruch-t- ernte steht, so wäre eine bessere Witterung erwünscht, zumal es uns während des Sommerv an Regen nie gemangelt hat. r. Rod heim a. d. Bieber, 16. Aug. Ein recht schönes Missionsfest wurde am heutigen Sonntag hier gefeiert. Schoir beim Hauptgottesdiensie erwies sich unsere alte Kirche viel zu klein, und die Zahl der Festteilnehmer wär^ gewiß noch weit größer gewesen, wenn nicht die unbeständige Witterung geherrscht hätte. Als Festprediger waren erschienen Pfarrer Nies-Melbach und Pfarrer Brüner-Erda, der letztere an Stelle des angekündeten Missionars Zehme. Der Nachmittagsgottesdienst wurde am herrlichen Waldabhange gegenüber dem Torfe abgehalten. Zur Verherrlichung des Festes wirkte ein gemischter Chor sowie unser Posaunenckwr tüchtig mit. Am späten Nachmittag wurde noch eine schöne Nachversammlung vor der Kirche gehalten, wobei mehrere Geistliche aus der Nachbarschaft Ansprachen hielten. b. Langsdorf, 16. Aug. Einen frischen Zug in die heute begonnene L a n g s d o r f e r K i r ch w e i h brachte Herr Bürgermeister Köhlers indem er dieselbe zum ersten- male durch einen Zug der Jugend und, wie immer, durch eine passende Ansprache einleitete. Auf dem Platze hinter dem „Deutschen Hans" unter kühlen Zeltdächern entfaltete sich dann ein ungetrübt fröhliches Beisammensein, wobei besonders die starke Beteiligung aus der Umgegend und die Stimmung angenehm berührte, die, wenn man sie verallgemeinern könnte, den Weltfrieden sichern müßte. Es ist prächtiges Wetter, und es gedenkt niemandem, daß bie Lcrngsdorfer Kirchweih verregnet worden wäre. Tie Tanzmusik ist unausgesetzt tätig, sind es doch sieben begeisterte Jünger der schönen Harmonie. Tic Geschäfte blühen ausgezeichnet lMetzelsuppe — Sauce — Würstchen, der Meter ein paar Pfennige ohne Konkurrenz) und die Herzen ebenfalls (am Knopfloch Veilchenschteife mit Motto „Liebe mich, wie ich Tich liebe", oder „Ich suche eine ganz kleine Frau"V Alte Bekannte finden sich wieder und neue auch. Es ist doch noch schön auf der Welt! Butzbach, 15. Aug. Hier gefällt sich zur Zeit ein gewisser Unbekannter darin, das verabscheuungswerte Wesen eines anonymen Briefschreibers zu treiben. Eine ganze Anzahl hiesiger Einwohner haben anonyme Briefe, teils beleidigenden Inhalts, erhalten; teils wurde in den Briesen über dritte, bem Empfänger nahestehende Personen in der gemeinsten Weise hergezogen und mit öffentlichen Unwahrheiten umgegangen. Bis jetzt ist, so viel man erfahren konnte, den Briefen kein besonderer Wert beigelegt worden. Vielleicht gelingt es, den Missetäter zu fassen und ihn einer exemplarischen Strafe zuzuführen. § Butzbach, 16. Aug. Nach fast vierteljähriger Pause darf am 20. l. Mts. wieder ein Sch weine markt hier abgehalten werden. Die Händler müssen die üblichen amtlichen Gesundheitsatteste bezüglich der zu Markt kommenden Tiere, die Schweinezüchter die Ursprungszeugnisse, mitbringen. § Op pers Hofen, 17. Aug. Die gestrige Kirchweih e erfreute sich eines guten Besuchs uud verlief in schöner Weise. — Verstossene Woche beging Pfarrer Kohl in dem Nachbarorte Nieder-Mörlen das silberne Priesterjubiläum. (:) Rendel, 15. Ang. Auf dem Speicher erhängt aufgefunden wurde dieser Tage der 70 jährige Landwirt Kötter; Lebensüberdruß soll die Ursache des Selbstmordes sein. — t Nidda, 16. Aug. Heute fand im „Gambrinus" die Generalversammlung des Veteranenverbandes von Nidda und Umgegend statt. Von den 109 Mitgliedern waren gegen 70 erschienen. Man gedachte der heißen Tage der hessischen Division vor 33 Jahren und mancher herzliche Händedruck wurde gewechselt. An Se. K. H. den Großherzog wurde ein Huldigungstetegramm gesandt. Ter Jahresbericht erwähnt außer den genannten aktiven 51 passive Mitglieder, deren Vertreter Oberpfarrer Werner zu Nidda ist. Tas Vermögen des Vereins beträgt 1168,65 Mk. Tie Jahreseinnahmc betrug 653,05 Mk., die Ausgabe 515,83 Mk. (meist Sterbegelder, welche an Witwen verstorbener Kameraden gezahlt wurden. Ter Vorstand wurde wiedergewählt; an Stelle eines verstorbenen Mitgliedes trat Mühlenbesitzer Ruppel- Unter-Schmitten. Der Vorsitzende mahnte noch zum Festhalten an treuer Kameradschaft, die in der Schlacht besiegelt worden sei, und brachte hierauf ein .Hoch aus. Ter Verband begab sich hierauf in Krafts Saalbau, wo zur Feier der Schlacht bei Gravelotte die Dauersche Kapelle von Gießen konzertierte. — In Geiß-Nidda verunglückte der betagte Landwirt Strauch dadurch, daß er, während fein Sohn die Wagenbremse anzog, von dem beladenen Erntewagen fiel und einen Beinbruch davontrug. Er wurde nach Gießen zur Klinik gebracht. (?) Klein-Karben, 16. Aug. Heute beging einer der ältesten Gesangvereine der Metterau, „Germania"- Klein-Karben, sein üOjähriges Stiftungsfest unter allgemeiner Teilnahme der Gemeinde. Tie am Ufer der Nidda gelegene schattige Kastanienaltee war zum Festplatz ausgewählt worden. Dirigent Lehrer Kost hielt die Be- grüßungS- und Festrede und gedachte der Gründer des Vereine. Von ihnen leben noch der erste Dirigent, Letzrer >-,P. Walter, jetzt in Rendel wohnhaft, und zwölf hiesige Einwohner, die sämtlich am Feie teilnahmen und denen zur Ehrung durch Fräulein Marie Kost Chrenschleifcn überreicht und von den Festdamen angeheftet wurden. Der fast 80 Jahre alte Lehrer Walter schilderte in humorvoller Weise die Gründung und Entwicklung des Vereins. Die Fahne des Vereins ist 40 Jahre alt. Die hiesigen Vereine, Gesangverein „Konkordia", Krieacrvercin und die beiden Turnvereine, überreichten der „Germania" Ehrengeschenke. Leider brach um| 4 Ahr ein Gewitter los, welches die Fest- gäste vom Festplatz verscheuchte. )( Groß-Karben, 16. Aug. Die 21 jährige Dienst- rnagd Anna Dröller wurde gestern als Leiche in der Nidda aufgefmtben. Sie hatte sich gegen einen Arbeiter, der sie neckte, gewehrt, wobei diesem die- Zigarre in den Kornhaufen flog, der dadurch verbrannte. Aus Furcht vor Strafe suchte das geängstigte Mädchexr den Tod in der Nidda. So mußte ein Menschenleben wegen eines Mert- objckts von etwa 4—5 Mark zu Grunde gehen. w. Wetzlar, 16. August. Die hiesige Handels- kamrner hat in ihrer letzten Sitzung bezüglich des schon so ost angeregten Vahnbaues durch den südlichen Teil des Kreises Wetzlar folgende Resolution gefaßt: Die Kammer ist der Ansicht, daß eine Weiterführung der geplanten Bahn Metzlar—Brandoberndorf uacn Grävenwiesbach für den Kreis vorteilhafter ist, als die Linienführung nach Butzbach, weil dadurch eine direkte Verbindung mit Usingen—Homburg— Frankfurt a. M. geschaffen wird, was den jetzt schon bestehenden lebhaften Handelsbeziehungen nur günstig sein könnte. Dabei hält die Kammer es aber für dringend wünschenswert, daß die Linienführung, wenn möglich, so gewählt wird, daß sie den Kreis in der Mitte durchschneidet und daß im Interesse des Handelsstandes der Altstadt der Stadt Metzlar im Südende eine Personenhaltcstelle errichtet wird. () Ma rb u r g, 16. Aug. Ein unliebsame Reiseunterbrechung erfuhren gestern drei russische Damen, die von Moskau kamen und nach Bad-Nauheim wollten, auf der hiesigen Station. Auf Veranlassung einer Reisegefährtin, die mit ihnen von Berlin aus in einem Abteil gefahren war, und plötzlich unterwegs ihre goldene Uhr vermißte, die, wie sie bestimmt wußte, bei oer Abfahrt ans Kassel noch in ihrem Besitz gewesen war, wurden sie hier ausgesetzt und dem Stationsvorsteher vorgeführt. Der sofort telephonisch herbeigerufene Polizeikommissar konnte jedoch rasch, ohne daß es zu einer Untersuchung der Verdächtigen zu kommen brauchte, die Angelegenheit als einen bedauerlichen Irrtum aufklären, da auf sein Ersuchen hin die angebiich Bestohlene zunächst noch einmal ihre eigene Kleidung genauer untersuchte, wobei sich bie Uhr, die sich wahrscheinlich bei einem Hinauslehnen aus dem Fenster von der Kette losgelöst hatte, auch richtig vorfand. Man kann sich die peinliche Verlegenheit der jungen Dame vorstellen, die sich in Entschuldigungen erschöpfte und fußfällig um Verzeihung für ihre ungerechtfertigte Verdächtigung bat, was auch schließlich auf die fremden Damen, die anfangs erklärt hatten, sich an maßgebender Stelle beschweren zu wollen, Eindruck zu machen schien. So konnten sie, nach zweistündigem unfreiwilligen Aufenthalt ruhiger geworden, ihre Reise nach dem nun nicht mehr fernen Endziele fortsetzen. — Der Zuschlag auf die Zr/y prozentige Marburger Stabtanleihe von 3i/2 Millionen Mark zu 98,63 Prozent ist ber Vereinigung Dres- berter Bank-Berlin, Mauer u. Plaut-Kassel, H. Bartels-Hannover, Menke, Eichelberg unb Sohn-Marburg erteilt worben. — Im hessischen Geschichtsverein sprach heute abend ber Bezirkskonservator Prof. v. Drach über bett als Landschaftszeichner und Maler bekannten Major Johann Heinrich Müntz, ber in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunberts in Kassel lebte, und wies nach, daß dieser der Erfinder der neuen Art von Radierungen ist, die durch den jüngeren Tischbein allgemeiner bekannt geworden ist. 21. Deutscher Weinbaukongreß. r. Mainz, 15. August. Nachdem gestern abend eine feierliche Begrüßung ber Kongreßteilnehmer in Gutenbergs Kasino ftattgefunben hatte, wurde heute vormittag ber Kongreß eröffnet. Oberbürgermeister Dr. Gaßner hieß bie Kongreßteilnehmer namens der Stabt herzlich willkommen. Durch ihren ausgedehnten Weinhanbel habe bie Stabt für den Weinbau eine große Bedeutung. Den Verhandlungen wünsche er den besten Erfolg; möchten sie, so sagte er, fortschrittlich wirken im Interesse des Weinbaues und des Weinhandels. Auf Vorschlag des Oberbürgermeisters Dr. Gaßner wurde Geheimer Kommerzienrat Wegeler als Vorsitzender unb die Herren Blankenhorn unb Deinharbt als Beisitzer gewählt. Geh. Kommerzienrat Wegeler bankte für ben herzlichen Empfang unb bie Begrüßungsworte des Oberbürgermeisters. Staatsminister Rothe bedauerte in einem Telegramm, dem Kongreß nicht beiwohnen zu können, ebenso ber Ober* Präsident der Nheinprovinz, Regierungsrat Nasse. Der Vorsitzende bemerkte, daß der Hauptdank dem Großherzog gebühre, da er dem Kongreß bie hohe Ehre erwiesen habe, bie Ausstellung in eigner Person zu eröffnen. Zum Zeichen des Dankes erheben sich bie Kongreßteilnehmer von ihren Sitzen. Nachdem, bie Vertreter der höheren Behörden und Korporationen, bie dem Kongreß als Delegierte beiwohnten, verlesen waren, berief ber Vorsitzenbe bie Herren Oberregierungsrat Hölzinger, Geheimen Rat Michel, Oberbürgermeister Dr. Gaßner, Regierungsrat Steeg unb Lanbesökonomie- rat Dr. Müller zu Ehrenbeisitzern. Oberregierungsrat Hölzinger begrüßte namens des Ministeriums des Innern die Kongreßteilnehmer. Die Gr. Staatsregierung bringe den Bestrebungen des deutschen Weinbauvereins großes Interesse entgegen, das sich in den letzten Jahren durch die erworbenen Weinberge der Domäne noch erhöht habe. Damit sei der Staat in 'die Lage gekommen, am eignen Leibe die Freuden und Leiden des Winzerstandes kennen zu lernen. Beigeordneter Kommerzienrat Haffner begrüßte den Kongreß namens des Vorstandes Rheinhessischer Weinhändler. Tas Bestreben müsse dahin gehen, daß Weinbau und Weinhandel stets im besten Einvernehmen wirkten. Händler und Produzenten hätten ihre Sorgen; es sei deshalb sehr zu bedauern, wenn von gewissen Stellen eine Verhetzung beider Stände stattfinde. Tie Weinhändler seien als Pioniere der Produktion anzusehen und nicht als Feinde des Weinbaues. In diesem Sinne heiße er den Kongreß willkommen. In die Beratungen eintretend, sprach zunächst Prof. Tr. Nell, Vorstand des botanischen Instituts der kgl. landw. Akademie in Poppelsdorf über die ^Bedeutung früh- blühender Wein stücke bewährter Rebsorten für den Weinbau". In den letzten Maiwochen träten oft Temperaturen von 4—5 Grad auf, die letzten Juniwochen seien oft nur wenig verschieden. Wenn man die Blüte in die letzte Maiwoche verlegen könne, so sei dies für den Weinstock günstiger. Nur in Geisenheim und in Dürkheim Habe man bisher Züchtungen, welche J.4 Tage früher blüten. L-er Referent ersucht die Kongreßteilnehmer um Zuwendung weiteren Materials. In Bonn und Geisenheim mache man eitere Versuche nach dieser Richtung hin. Prof. Dr. Wortmann, Direktor der Königs. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim sprach über „Das Bitterwerden der Rotweine und b i e V erhütungresp. Heilung dieser Krankheit". Von der Krankheit werden Rotweine aller Gattungen befallen. Ganz Heller, klarer Wein werde oft bitter, öfters schon nach dem Ablaß, oft erst nach Jahren, ja (agar auf der Flasche. Die eingehendsten Untersuchungen Paquer gemacht, dem es gelungen sei, beim Estig- stich usw. als Krankheitserzeuger Mikroorganismen nach- zuwersen. Man vermeide die Krankheit am besten, wenn man keine faulen Beeren lese und rasch den Wein von der Hefe abbringe. Als Sgeihnittcl habe sich bis jetzt allein dre Umgahrung bewährt. Den Ausführungen des Prof. Dr. Wortmann schloß sich eine kurze Aussprache an. Landesökonomierat C z 6 h, Direktor der König!. Preuß. Weinbau- und Kellereiverwaltung in Wiesbaden, sprach so- dann über „Die Ergebnisse der in den Domanr a lw er n b e r g e n im R h e i n g a u d u r chg e f ü h r t e n Versuch e zur Bekämpfung des 5^eu- und u e r w u r m e s". Einem Eimvohner aus Bingen ge» bühre das Verdienst, zunächst auf die Betämpfungsmittel aufmerksam gemacht zu haben. Die Lehranstalt in Geisenheim habe schon früher dankenswerte Betämpfungsoersuche angestellt, aber erst die Pfälzer Bernhard und Diesenhagen hätten mit chren Lampen und Klebfächern Erfolg gehabt. Im Steinberg habe man auch diese Versuche angestellt und nut den Lampen 16 977 und mit den Klebfächern 63 000 Motten gefangen. Mit dem Abkochen der Pfähle habe man ebenfalls gute Erfahrungen gemacht, weil dadurch zwei Generationen des Insekts vernichtet wurden. DaS Resultat der Bemühungen würde ein besseres sein, wenn gegen den Schädling gemeinsam vorgegangen würde; leider sei dies bisher nicht zu erreichen gewesen. Ein Redner aus Tyrol berichtet über den dort üblichen M o t t e n s a n g. Dort werden die Atvtten mit ausgespannten Regenschirmen gefangen. Die Weinlauben werden abgetlopft und die Motten fallen in die aufgespannten Schirme. Erne Anzahl von Rednern beteiligte sich noch an der Diskussion und brachte sehr Lehrreiches zu Tage. Damit war der erste Kongreß erledigt. Vermischtes. * Berlin, 16. Aug. Ueber die schon am Samstag kurz gemeldete Eisenbahnkatastrophe hört man weiter: Der Schnellzug München-Berlin, der gestern morgen um 81/4 Uhr auf dem hiesigen Anhalter Bahnhofe eintreffen sollte, hatte eine Verspätung von H/2 Stunden. Um 93/4 Uhr fuhr er in der Nähe der Stadt Teltow dem Personenzuge Berlin-Halle infolge falscher Weichenstellung in die Flanke. Der Zusammenstoß war äußerst heftig. 7 Personen sind schwer verletzt. Drei von ihnen wurden in einem von Berlin abgelassenen Rettungszuge hierher befördert. Aerztliche Hilfe war sogleich zur Stelle. Auf dem Anhalter Bahnhofe herrschte große Aufregung unter dem Publikum. Der Schaden ist ziemlich beträchtlich. — Nach einer weiteren Meldung giebt das Befinden der verletzten Personen zu keinen Befürchtungen Anlaß. * Halberstadt, 16. Aug. Auf der Festlichkeit, welche frte dem hiesigen Bezirkskommando angehörigen Offiziere gestern auf der Isenburg veranstalteten, wurde beim Abbrennen eines Feuerwerks durch Explosion aus der Zuschauermenge ein Mann getötet, ein junges Mädchen erlitt lebensgefährliche Verwundungen, mehrere andere Personen wurden leichter verletzt. * Stuttgart, 15. Aug. Im Alter von 61 Jahren ist gestern abend der Geheime Kommerzienrat v. Duttenhofer, ein hervorragender Industrieller Württembergs, gestorben. Duttenhoser war früher Besitzer der Rottweiler Pulverfabrik, ferner Vorsitzender des Aussichtsrates der vereinigten Köln-Rottweiler Pulverfabrik, der Daimler- -schen Motorwagenfabrik und Mitglied des Aufsichtsrates der Diskontogesellschaft und der Geislinger Metallwarenfabrik. Er gehörte 25 Jahre als Mitglied der Handelskammer an. * Stuttgart, 16. August. Heute nachmittag 4x/2 Uhr ist auf dem Hauptbahnhof die Maschinenhalle in Brand geraten. Das Feuer ist vermutlich unter dem Dach ausgebrochen. Das Fahrmaterial konnte gerettet werden. Kurz vor 5 Uhr flog das Dach mit starkem Knall in die Lust. Die Halle ist ganz ausgebrannt. Verletzungen sind nicht vorge- eommen, der Verkehr ist nicht nennenswert gestört. * Regensburg, 16. Aug. Heute nachmittag entgleiste von dem Schnellzug Hof-München ur der Nähe von Regensburg der Tender bei der Einfahrt auf der Toriaubrücke, wo der Zug, da aus der Brücke sich ein Gleis in Reparatur befindet, das Gleise wechseln mußte Infolge Versagens der Lokomotivbremse fuhr der Zug iwt?T die Brücke weiter und beschädigte dre Gleise und den Brückenholzbelag. Der Heizer kletterte von der Lokomotive in einen Personenwagen und zog dre Notbrenrs«, worauf der Zug zum Stehen gebracht wurde, als er oererts halb über die Brücke gefahren war. Um V28 Uhr wurde der Tender wieder eingehoben und nach Regensburg gebracht. Auf der Brücke sind die eisernen Deckplatten zwischen den Schienen völlig verbogen und die Gleise von der Brücke nach der Station Walhalla nach der Straße hm auf .ülW Bier 5980 deren Räume ich noch kürzlich durch sehenswerte dekorative Wandmalereien ausstatten ließ, in empfehlende Erinnerung. Zum Ausschank gelangen die anerkannt guten Biere der Brauerei Ihring, Lich, sowie reingehaltene Weine erster L L Firmen. 6147 Dem Dahingeschiedenen, welcher nahezu 27 Jahre sein verantwortliches Amt mit grösster Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue geführt hatte, wird die Bank stets ein ehrendes Andenken bewahren. Gewerbebankdirektor i. Pe gestern abend 61/2 Uhr nach langem, qualvollem Leiden im Alter von 66 Jahren sanft Um stille Teilnahme bitten tieftrauernden Hinterbliebenen: Johanna Felsing, geb. Wagner I/ina Zimmer, geb. Wagner Emma Wagner Carl Felsing, General-Agent Christian Zimmer, Photograph und drei Enkelkinder. 2 trocknen die Kußbodenfarbeu von Adolf Bieler, Drogerie, MarLtstraße 5. 6144 ^IgThOVBEN SOHN CARL, AACHENX Prospecte gratis-Vertreter an Fast allen Plätzen Todes-Anzeige. (Statt jeder besonderen Anzeige.) Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dass unser innigst geliebter Vater, Schwiegervater, Grossvater und Bruder Vorstand, Aufsichtsrat und die Beamten der Gewerbebank zu Giessen E. G. m. u. H. pvsseidorf 1902 - Gold Wfiil!e<