Samstag, 17. Januar 1903 153. Jahrg« erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener FamlUenblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger Verantwortlich für den allgemeinen Teil'. P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universilätsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für Öen Kreis Gießen. Parlamentarische Bcrhan-lnngen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 239. Sitzung vom 16. Januar. 1 Uhr. Das Haus ist schwach besetzt. Am Bundesrathstisch: Graf Posadowsky u. A. Die Berathung der zum Zolltarif eingebrachten Resolutionen Frhr. v. Hehl (nat.-lib.) Kündigung der Meistbegünstigungsverträge ohne Reziprozität) und Speck (Ctt.) (ftünbigung solcher Meistbegünstigungsverträge, die Deutschland nachrheilig gewesen sind) wird fortgesetzt. Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim (nat.-lib.): Unsere Resolution hat den Vorzug größerer Klarheit vor der des Abg. Speck. Sollte sic aber abgelehnt werden, so würden wir für die Resolution Speck stimmen. Deutschland hat sich bei den Meistbegünstigungsverträgen, die es mit anderen Staaten abgeschlossen hat, gebunden, während das die Vertragsstaaten nicht gethan haben. Der Abg. Semler ha: meine Rede entweder nicht vom Anfang an gehört, oder er hat sie mißverstanden. Ich habe mich nur gegen die reine Meistbegünstigung gewandt, aber nicht gegen die Meistbegünstigungs- klausel. Das Saratoga-Abkommen ist für Deutschland eine Wirth- schaftliche Niederlage allerschlimmster Art, die Herren, die es ver- theidigt haben, scheinen seinen Inhalt nicht zu kennen. Der Abg. Bernstein steht im Gegensatz zu Herrn Calwer auf dem Boden des Parteiheiligen Marx; in der Kommission haben die Sozialdemokraten das Prinzip des unbedingten Freihandels vertreten, während sich Herr Calwer in den „Soz. Monatsheften" nur bedingt dafür ausspricht. Wäre Herr Calwer hier, so müßte er, seinen Ausführungen in dem betreffenden Artikel entsprechend, für die Resolution Kardorff stimmen, welche die Regierungen auffordert, beim Abschluß von Handelsverträgen nicht unter die in zweiter Lesung i schlossen gewesenen Minimalzölle für Vieh und Fleisch herab- zitg»hen. Herr Kollege Bernstein wirft mir vor, ich hätte die „Sr-ialistischcn Monatshefte" mit Unrecht gegen ihn zitirt. Das ist mu t der Fall. Ich lese die „Sozialistischen Monatshefte", die einen freieren Spielraum lassen als die offiziellen Blätter der Partei. Cs heißt ja immer, in der Sozialdemokratie herrsche volle Freiheit out Wissenschaft. Nun, ich bin gewohnt, die sozialistische Presse genau zu studiren, sowohl die offizielle als die inoffizielle, die offiziellen Berichte sind leider nicht immer genau. Ich habe z. B. verqcblick in dem Protokoll des letzten Parteitags die kräftigen Ausführungen des Kollegen Ulrich gesucht, mit denen er sich gegen die Parte: iresse wandte. (Heiterkeit.) Mit der Freiheit im Zukunftsßaat 'cheint es auch nicht weit her zu sein. Sagte doch Herr Heine auf dem letzten Parteitag: «Die Geistesfreiheit, die wir in der Zu „st haben wollen, sollten wir auch in der Gegenwart beanspruö Die „Soz. Monatshefte" sind seiner Zeit begründet worden G-VchtZDUnkte heraus, lediglich für freie Diskussion auf ■ 6*'0**1 oes toodiuiix-ums ein Organ zu schaffen, das durch offizielle tü-V <(f)ten nicht eingeschränkt wird. fHört, hört!) Auf solche ''sführungen eines sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten IjtV war ich doch wohl zu meinen Ausführungen berechtigt, und ich glaube, Herrn Bernstein sagen zu dür.m, daß ich sein Zeugniß als ein äußerst unzuverlässiges betrachte. Herr Pachnicke sprach gestern davon, daß ich mit Kürassierstiefeln die Handelsverträge zertrete. Nun, seitdem Fürst Bismarck die Kürassieruniform getragen hat, gilt diese als ein Zeichen der Kraft. Mir sind die Kürassierstiefel immer noch lieber, als die goldenen Ketten, die dem Handelsvertragsverein von der haute finance umgehängt sind. (Sehr gut! rechts.) Ich komme zum Schluß. Ich habe schon einmal auf die kleine Schweiz verwiesen, die ihre Jrtteressen gegenüber den Vereinigten Staaten in der erfolgreichsten Weise vertreten hat, indem sie den Meistbegünstigungsvertrag kündigte. Das große deutsche Reich hat das nicht gethan. Die Sozialdemokraten haben keinen Grund, von einem Wuchertarif zu sprechen. Sie haben doch auch die Caprivischen Handelsverträge angenommen; und ich sage: Wer überhaupt wuchert, der wuchert auch mit 3,50 Mk. (Heiterkeit.) Herr Moeller hat sich als Abgeordneter durchaus in unserem Sinne geäußert. Hoffentlich wird er diese Grundsätze auch als Minister beibehalten. Möge nun die eine ober bie anbere Resolution angenommen werben, jebenfalls glaube ich nicht, baß ber Reichstag jemals wieder solche Hanbelsverträge genehmigen wird, wie sie unter Graf Caprivi abgeschlossen wurden. Abg. Lucke (Bund der Landwirthe) erklärt, daß seine Freunde für die Resolution Hehl stimmen werden. Deutschland wird in dem Konventionaltarif um etwa 25 Prozent gegenüber Amerika benach- theiligt. Deutschland ist der beste Käufer der Welt, alsp sind wir voll und ganz (sehr gut! rechts) in ber Lage, bie Verträge in unferm Interesse zu gestalten. Wir dürfen nicht die Interessen des Auslandes wahrnehmen. Abg. Gothcin (freif. Vgg.): Wir müssen jede Verdächtigung, als ob dem Handelsvertragsverein goldene Ketten um den Hals gelegt seien, auf das Entschiedenste zurückweisen. Ich fordere Herrn von Heyl auf, den Wahrheitsbeweis für diese Verdächtigung — ich finde keinen anderen Ausdruck dafür — anzutreten. Wir sind jederzeit in der Lage, den vollen Gegenbeweis zu erbringen. Es ist jetzt Mode und auch stüher schon Mode gewesen, alle unbequemen Gegner als Agenten des Auslandes zu bezeichnen. Indessen, das kann uns nicht irritiren. Wir wissen, daß unser Vorgehen mir im nationalen Interesse liegt. Ich gebe zu, daß wir von Amerika nicht sehr schön behandelt werden. Aber so etwas beruht stets auf Gegenseitigkeit. Amerika hat den Vertrag von 1828 illoyal ausgelegt. Aber bis 1861 kannten wir überhaupt gar keine volle Meistbegünstigung, es war lediglich davon die Rede, daß die allgemein gewährten Vergünstigungen dem Vertragslande zu Gute kommen sollten, dagegen nicht die einem einzelnen anderen Staate gewährten. Erst durch den stanzösisch-englischen Handelsvertrag von 1860 erhielt die Meistbegünstigungsklausel ihren modernen Sinn. Die Stellung der Konservativen zur Vertragspolitik war nicht immer bie, bie sie heute einnehmen. Denken Sie an den Jubel, mit dem der preußisch- französische Vertrag von 1862 aufgenommen wurde. Was soll nun jetzt bie zum Ueberdruß gehörte Weisheit, bie angeblich von Bismarck stammen soll, baß man wirthschaftliche Fragen nicht mit politischen verquicken solle? Gcrabe Bismarck war ein Meister in ber Kunst dieser Verquickung, das hat er noch im Frankfurter Friebensvertrag 1871 bewiesen, wo bie Meistbegünstigung als unkünbbar mit auf genommen würbe. Heute soll diese Meistbegünstigung ein Unsinn fein! Was ist das überhaupt für eine Argumentation, die von den Gegnern der Meistbegünstigung beliebt wird? Die Herren reiten immer noch das unbrauchbare Steckenpferd von der passiven Handelsbilanz vor, das doch längst zum alten Eisen geworfen sein sollte. Jeder, der etwas von der Sache versteht, weiß doch, daß die Wissenschaft längst nachg.'wiesen hat, daß es nicht auf die Handelsbilanz, sondern auf die Zahlungsbilanz ankommt. Auch kommt noch in Betracht, dap uns noch Millionen von Frachten anzurechnen sind, da Amerika noch keine interozeanische Flotte hat. Es hat keinen Zweck, hier mit Kürassierstiefeln die amerikanisch-deutschen Handelsbeziehungen entzweitrampeln zu wollen, so sehr ich den Kürassier stiefel für eine achtungswerthe Erscheinung halte, an einem Kürassier nämlich, weniger steilich an einem Diplomaten. Auch wir sind der Meinung, daß langfristige Tarifverträge weit besser sind, als Meistbegünsti- gungsverrräge. Aber wo wir erstere nicht erlangen können, da ist es noch immer besser, wie haben Meistbegünstigungsverträge, als einen vertragslosen Zustand. Jedenfalls, glaube ich, haben wir vollständig Zeit, mit der Kündigung der Meistbegünstigung zu warten, bis wir die Handelsverträge mit den übrigen Staaten unter Dach gebracht haben. Abg. Fürst Bismarck (6. k. Fr): Herr Graf Posadowsky hat gestern erklärt, es würde ihm zur großen Freude gereichen, wenn es zum Abschluß eines Tarifvertrags mit den Vereinigten Staaten von Amerika kommen würde. Diese Worte sind mir ein Beweis dafür, daß die Regierung sich bemühen wird, einen solchen Vertrag zu Stande zu bringen, und bei ber Tüchtigkeit unserer leitenden Staatsmänner haben wir alle Aussicht, daß sie ihre Absicht auch durchsetzen. Das ist auch der Zweck der Resolution. Es ist ein nationaler Wunsch, daß dem jetzt bestehenden für uns nachtheiligen Zustand ein Ende bereitet werde. Wie das zu machen ist, ist Sache der Regierung, die, wie ich glaube, für bie vielen ihr hier von sachkundigen Männern gegebenen Anregungen dankbar sein wird. Graf Posadowsky hat zugegeben, daß reine Meistbegiinstigungsver- träge schwere Lasten mit sich bringen. Dies Anerkenntniß vom Regierungstisch ist mit Freuden zu begrüßen als Zeichen der Absicht, uns von dem unbequemen nachtheiligen Meistbegünstigungsvertrag mit Nordamerika zu befreien. Ich habe mit Genugthuung konsta- tirt, daß der Abg. Gothein am Schluß seiner Rede in viel milderem Sinne gesprochen hat als es in den Organen und Versammlungen seiner Partei noch bis vor einigen Wochen und Monaten geschah (Sehr richtig! rechts.) Der Wortführer der Handelsvertragsvartei par excellence giebt die Möglichkeit zu, daß mit Amerika günstigere Handelsverträge abgeschlossen werden könnten. Hoffentlich wird in nicht zu langer Zeit diese Möglichkeit zur Gewißheit werden. Das Abkommen von 1900 sollte unsere Unterhändler, welche es mich sein mögen, möglichst vorsichtig machen und ihnen das Gewissen schärfen, damit sie nicht wieder ein so nachtheiliges Abkommen schließen wie das Saratoga-Abkommen. Es erscheint auch fraglich, ob das Sara- toga-Abkommen nicht dem Reichstag hätte vorgelegt werden müssen; Graf Posadowsky verneint das. Ich will dem nicht widersprechen, sondern mich mit dem Hinweis begnügen, daß thatsäch- lich Zweifel darüber bestehen. Es handelt sich da nicht einmal um die volle Meistbegünstigung, denn wir sind im Schaumwein differenzirt. Wir haben volle Reziprozität den Amerikanern gegenüber bewiesen, aber diese haben in Bezug auf den Schaumwein einen Vorbehalt gemacht und differenzirt. Auch der Zucker in den westindischen und englischen Kolonien und Puerto Rico ist von Amerika trotz des Abkommens bevorzugt. Weiter besteht doch die Gefahr des Abschlusses des Vertrags zwischen Amerika und Kuba. Ich halte es für richtig, bie Aufmerksamkeit ber Regierung auch hierauf zu lenken. Enblich genießt auch ber Bitterschnaps in Frankreich eine bessere Verzollung als bei uns. Dies sehr kümmerliche Abkommen von 1900, bas nicht einmal bie volle Reziprozität gewährt, ist von vielen maßgebenben Seiten als eine Nieberlage, als »in Zukurzkommen unsererseits bezeichnet worben. Wenn man sich bin Zustände vergegenwärtigt, bie von 1891 bis 1900 hier herrschten, wo das peinliche Gefühl hatten, daß wir als selbstständige Großmacht schlechter behandelt wurden, als andere Mächte und als wir die andern behandeln, so wird man es vorn nationalen Standpunkt aus lebhaft begrüßen können, daß dieser Zustand wenigstens prinzipiell aus ber Welt geschafft ist. Erinnern Sie sich boch ber Debatte vor vier Jahren, als ber bamaHge Staatssekretär bes Auswärtigen, Graf Bülow, noch bevor bie Besprechung begann, ein Schriftstück verlas, wonach bie Beschwerben gegen Amerika sich auf vier Punkte foncentrirten, in denen nach unserer Ueberzeugung die Regierung der Union uns gegenüber den Rechtsboden verlassen hatte. Auf Wunsch der Regierung wurde damals hier mit möglichster Milde debattirt, weil die Verhandlungen noch schwebten. Das Er- gebniß war das etwa fünf Vierteljahre darauf abgeschlossene Abkommen vom Sommer 1900. Ich kann darin dem Abgeordneten Gothein nicht folgen ,daß wir durch eine zu frühe Kündigung des Meistbegünstigungsverhältnisses benachtheiligt würden. Ich will ja nicht sagen, daß die Kündigung heute oder morgen geschehen solle; wann sie eintritt, muß den Herren von der Regierung überlassen bleiben; aber das Verhältniß noct) über Jahr und Tag bestehen zu lassen, das halte ich nicht für richtig. Bei ber kolossalen Einfuhr von Amerika nach Deutschland werden sich bie Amerikaner bann schneller bereit finben lassen, unsere Wünsche zu erfüllen. Jebenfalls werben wir bann nicht schlechter fahren als jetzt. Erst ber Dingley-Tarif hat bie Herren von ber Regierung auf gerüttelt. Ich halte es für richtig, bas zu betonen, weil je mehr hier in ber breiten Öffentlichkeit bebattirt wirb, befto mehr ber Regierung ber Rücken gestärkt wirb und bei ihr bie Ueberzeugung hervortreten muß, baß eine rabilate Aenberung in unseren Vertragsbeziehungen nothwenbig ist. Gmiz im Gegensatz zu bem Grafen Posabowsky kann i<£ nicht zugeben, baß bie Bemerkungen des Grafen Kanitz bie Positron ber Regierung erschweren würden. Im Gegentheil, je mehr bie Trommel gerührt unb gesagt wirb, wir wollen uns nicht länger über ben Löffel barbiren lassen, unb unsere Lammsgebulb wirb enblich in Ungebulb verwandelt, desto mehr wird die Regierung bestärkt werden. Nach meiner Meinung schwächen gerade einzelne Aeußerungen ber Herren von der Linken bie Position ber Regierung. Ich halte es nicht gcrabe für richtig, bie auswärtigen Staaten bar auf hinzuweisen, inwieweit sie Maßnahmen gegen uns ergreifen können. Das Hauptmoment ber Rebe des Herrn Abgeordneten Speck bestand darin, daß er hervorhob, daß diese Meistbegünstigungsbeziehung zu den Vereinigten Staaten der größte Nachtheil für unsere Vertragsstaaten sei. Und daß wir Oesterreich, Rußland und unsere übrigen nächsten Nachbarn mehr berücksichtigen müssen, als Amerika, das halten wir doch für selbstverständlich. Eine Aeußerung des Abg. Bernstein, man könne den amerikanischen Weizen schlechter behandeln, hat mich sehr interessirt; sie wird ber Regierung als schätzbares Material zu unterbreiten sein. Dem Abg. Bernstein sinb, ebenso wie bem Abg. Semler, zahlreiche Jrrthümer unterlaufen; sie übersehen, baß ber Import aus Amerika auch für bie Jnbuitrie eine große Gefahr bebeutet. Herr Gold- berger ist in Amerika in einen wahren Taumel über bie dortige Industrie gerathen; trotz ber großen Entfernung erwächst baraus Deutscklanb eine große Konkurrenz, unb wenn wir bie Amerikaner noef) mehr stärken, so wirb bie Gefahr für bie Industrie noch größer. Vor Allem gilt es bie Eiseninbustrie zu schützen, bie in allen Länbern als Rückgrat ber Jnbustric anzusehen ist. Hüten wir uns, daß wir mit unserer Handelspolitik auf den Nullpunkt oder noch darunter sinken! Einen Zollkrieg brmichen wir nicht zu fürchten, ich hoffe, daß wir bald zu annehmbaren Verträgen kommen. (Beifall rechts.) Abg. Bernstein (Soz.): Alle intereHirten Kreise sind sich darüber klar^ von welcher großen Gefahr ein Zollkrieg mit Amerika für unsere gefammte Volkswirthschaft ist. Unter solchen Umständen kann man die Ausführungen des Abg. Fürst Bismarck nur als leere Drohungen ansehen, von denen er doch selbst sagte, man dürfe sie nicht ausstoßen. Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim bemerkt, er habe keineswegs eine Verdächtigung gegen die freisinnige Vereinigung ausgesprochen, sondern nur sich gegen den Handelsvertragsverein gewandt; es lasse sich doch nicht leugnen, daß die haute finance große Summen dem Handelsvertragsverein zur Verfügung gestellt hätte. Eine Verdächtigung sei es jedoch, wenn man ihm (Redner) den Vorwurf mache, daß er bie Ketten bes Bunbes ber Lanbwirthe trage, er habe^ mit dem Bund der Landwirthe nicht das Mindeste zu thun. Herrn Pachnicke empfehle er, seine Kürassiersticfel in Zukunft in der Mappe zu behalten. (Große Heiterkeit^ Redner zieht hierauf seine Resolution zu Gunsten ber Resolution Speck zurück. Nach weiteren kurzen Bemerkungen ber Abgg. Dr. Pachmcke und Semler (nat.-lib.) schließt die Diskussion. Das Haus hat sich inzwischen ziemlich gefüllt. Die A b st i m m u n g über die Resolution Speck ist emc namentliche. Die Resolution toiio mit 141 gegen 67 Stimmen angenommen, bei 2 Stimmenthaltungen. Der Wortlaut der Resolution Speck ist folgender: Der Reichstag wolle beschließen, ben Reichskanzler zu er» suchen, thunlichst bald, wenn möglich noch vor Erneuerung von Tarifverträgen, das vertragsmäßig oder herkömmlich bestehende Mcistbegünstigungsverhältniß zu allen denjenigen Ländern zu lösen, bei welchen bie Erfahrung gezeigt hat, baß ein solches Verhältniß ben beutschcn Interessen nachtheilig gewesen ist, unb bar» auf hinzuwirken, daß mit solchen Ländern reine Meistbegünstt- gungSbcrträge nicht mehr abgeschlossen werden. Es folgt die Berathung der Resolution der Sozialdemokraten: v , Der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu er« suchen, einen Gesetzentwurf baldigst vorzulegen, durch den untersagt wird, in Straf-, Versorgungs- und Beschäftig u n g s a n st a l t e n , welche aus öffentlichen Mitteln unter# halten ober unterstützt werden, andere gewerbliche Arbeiten als solche für den eigenen Bedarf, für ben Vebarf des Reichs, eines deutschen Staats ober Gemeinbeverbanbes auszuführen unb ben Verkauf gewerblicher Erzeugnisse für eigene Rechnung, für Rechnung des Reichs, eines beutschen Staats ober eines Gemeinbe- verbandcs zu niebrigeren als ben marktmäßigen Preisen statt- finben zu lasten. . ,, Abg. Säubert (Soz.) begründet bie Resolutton. Gerade letzt bei ber andauernden wirthschastlichen Depression müssen wir unbedingt eine Einschränkung ber Zuchthaus- unb Gefängnißarbesi ferbern. Wie schwere Konkurrenz biese Arbeit bem freien Arbeiter wacht, zeigen bie zahlreichen Petitionen, bie hierüber wiederhol* bem Reichstage zugegangen sinb. Der Reichstag ist geradezu verpflichtet, in einem Augenblick, wo man ein solches Gesetz, wie ben Zolltarif, angenommen hat, wenigstens in diesem Punkte ben Handwerkern unb Arbeitern zu helfen. Abg. Schlumberger (nat.4ibj: In ber Kommission wurde diese Resolution abgelehnt, weil diese Angelegenheit nicht zur Kompetenz des Reiches, sondern zu der der Einzelstaaten gehört. Prinzipiell aber erklärten sich die meisten Abgeordneten mit dem Sinne der Resolution einverstanden. Sonderbar ist es, daß die Sozialdemokraten hier die Konkurrenz der Gefängnißanstalten beseitigen wollen, während sic in der Kommission überall für Zollfreiheit eingetreten sind und den deutschen Arbeiter dadurch der Konkurrenz des Auslandes ausliefern wollten. Redner verbreitet sich hieraus ausführlich über die Lage des Textilmarktes. Präsident Gras v. Ballcstrem: Herr Abgeordneter, Sie können boch unmöglich bei bieser Resolution sich über bie gefammte Arbeiterfrage äußern. Abg. Schlumberger (fortfahrenbj bittet darauf die Resolution abzulehnen. Geheimrath Dr. Kröhne: Seit langer Zeit sind schon Verfügungen erlassen, die ein Unterbieten ber freien Arbeit burdj die Gefängnißarbeit verbieten. Letztere hat auch immer mehr abgenommen, unb es ist Aussicht vorhanben, daß sie in absehbarer Zeit so gut wie ganz verschwinden wird. Natürlich kann so etwas nicht innerhalb weniger Jahre geschehen. Es herrscht immer mehr das Bestreben, bie Gefangenen nur noch zu lanbwirthschaftlichen Arbeiten, bie ber allgemeinen Lanbeskultur bienen, heranzuziehen und bamit der Ansiedelung von kleinen bäuerlichen Grundbesitzern Vorschub zu leisten. Abg. Gamp (Np.) spricht dem Regierungsvertreter Dank auS für seine Mittheilungen, die allerdings für einen Kenner der Verhältnisse nichts Neues enthielten. Für Sträflinge giebt es gar keine angemessenere Beschäftigung, als die Hebung der Landeskultur. Dem sozialdemokratischen Eintrag kann man nicht zustimmen, weil er das unbedingte Verbot jeder gewerblichen Arbeit für Gefängniß- arbeiter verlangt. Das geht natürlich viel zu weit, daß man die Gefängnißarbeiker besser stellt, als bie freien Arbeiter, inbem man sie auf Staatskosten ernährt unb sie von jeder Arbeit befreit. Abg. Schrader (freif. Vgg.): Es ist kein Zweifel, daß ein großer Theil unserer Arbeiter durch Gefängnißarbeit fchtoer geschädigt wird. Da, wo die Gefängnißarbeit eingreift, werden bie inbuftrieUen Arbeiter von ben Zöllen besonbers schwer getroffen. Das zeigt sich z. B. bei ber Papierindustrie. Trotzdem die Resolution nicht glücklich gefaßt ist unb einige Inkorrektheiten enthält, werben meine Freunbe dafür stimmen, denn wir halten eine weserüliche Einschränkung ber Gefängnißarbeit für bringend nöthig. Abg. Dr. Schädler (Ctr.j: Den Forderungen der Resolutton wird schon jetzt stelleniveise Rechnung getragen. Die Folge davon ist ein wesentlicher Rückgang der Gefängnißarbeit; ein solcher ist u. A. auch in Baiern zu verzeichnen. Im preußischen Abgeordnetenhaufe hak besonders mein Freund Euler wiederholt auf bie Konkurrenz, die die Gefängnißarbeit dem Handwerk macht, hingewiesen. Wir erkennen an, daß die Resolution einen berechtigten Kern enthält, aber die Regelung der Materie, die sie behandelt, ist der Landesgesetzgebung Vorbehalten, und deshalb werden wir dagegen stimmen, so sehr wir auch mit dem Prinzip derselben einverstanden sind. Abg. Bauden (Soz.) oolemisirt gegen den Abg. Schlumberger und versucht, sich über die Verhältnisse in der Textilindustrie zu verbreiten, wirb aber vom Präsidenten daran gehindert. Hiermit s ch l i e ß t die D e b a 11 e. Die Resolution wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten abgelehnt. Das Hans vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 1 Uhr. (Interpellation Roesicke betr. Malzgerste, Berathung der Resolution zum Zolltarif bett, die Viehzölle, Petitionen). Schluß 5% Uhr. Born würtembergischen Etat. Parlamentarisches. Berlin, 16. Jan. Die konservative Reichstagsfraktion hat sich heute nochmals mit der Stellung zum Bunde der Landwirte beschäftigt. Nach längerer Beratung wurde nach einer neuen Erklärung des engeren Vorstandes des Bundes der Landwirte eine e n t g e g e n k o m m e n d c Resolution angenommen. — Wie verlautet, wird die Regierung bei der Beantwortung der Interpellation Räsicke, betreffend die Malzgerste, sich auf eine knappe Erklärung beschränken. Heer und Flotte. Berlin, 16. Jan. Generalleutnant v. Heering en, der seit fünf Jahren Direktor des Armeeverwaltungs-Departements im Kriegsministerium ist, wird deinnächst eine Division übernehmen. 'Sein Nachfolger wird der Kommandant der 29. Fcldartillerie-Brigade, Generalmajor Gallwitz. weniger als 750 Mitglieder in allen Landesteilen besitzt, hielt gestern nachmittag hier unter Vorsitz des Weingutsbesitzers Racke-Mainz im Coneordiensaale seine erste Haupt- Versammlung ab. Den Rechenschaftsbericht gab Prof. Scholl- Mainz, wonach das Vermögen des Vereins nach seinem erst einjährigen Bestehen bereits auf 6390 Mk. angewachsen ist. Als Vertreter der bischöflichen Behörde wohnte Domdekan Dr. Raich der sehr stark besilchten Versammlung bei. Derselbe nahm and) während der Beratungen das Wort und sagte na inens der kirchlichen Behörden deren wohlwollendste Unterstütziing der Verelnsbeprebilngen zii. Aus MM und Land. Gießen, den 17. Januar 1903. R. B. Der Wahlprüfungs - Ausschuß der Zweiten Kammer, der am vorigen Dienstag seine Tätigkeit begann, beschäftigt sich vorläufig nur mit der Prüfung der unbeanstandet gebliebenen Wahlergebnisse, sodaß also etivas „Interessantes" oder „Spannendes", wie jüngst in verschiedenen Blättern verkündet wurde, vorerst von dieser Seite aus nicht zu erwarten steht. Den gesetzlichen Bcstiinmungcn gemäß müssen bekanntlich sämtliche Landtagsmandate einer Prüfung, resp. Durchsicht der Wahlakten unterzogen werden. Die Beratung der zahlreichen beanstandeten Wahlen in Darmstadt, Offenbach-Land, Friedberg, Groß-Gerau re., wird erst später beginnen und eine sehr umfangreiche Tätigkeit erforderlich machen. , , . v ,, " Ein Schüler Liebigs. Jn K erfal bei Manchester ist am 13. ds. der Chemiker Dr. Eduard Schunk, der zugleich einer der angesehensten Bürger von Manchester war, im 83. Lebensjahre gestorben. Er hatte hier in Gießen unter Liebig studiert und später die Chemie der Alizarin- und Anilinfarben durch wertvolle Entdeckungen bereichert. Seit 1850 war Schunk Mitglied der Royal Society, im Jahre Jahre 1900 verlieh ihm die Society ot Chemical Industry ihre goldene Medaille. Sein Vater, der sich 1808 in Manchester niedergelassen hatte, besaß dort eine Calieofabrik, sein Großvater hatte als hessischer Offizier in Nord- amerika für England gekämpft. . ** Vortrag. Heute abend V29 Uhr findet un Lenz- fchen Felsenkeller ein öffentlicher Vortrag statt, in dem Frau Dr. David-Mainz über „Wie schützen wir uns gegen Verteuerung der Lebensmittel" sprechen wird. R. B. Darmstadt, 16. Jan. Der hessische Stu di en verein, der sich die Unterstützung der katholischen Eichenlaub. . . Nach dem Frühstück empfing der Kronprinz eine Abordnung der Stadtvertretung, geführt vom Oberbürgermeister, welche aus goldener Schüssel Brot und Salz,überreichte und den Kronprinzen bewillkommnete. Hierauf begab sich der Kronprinz, begleitet von seinem Gefolge und dem russischen Ehrendienste, nach der Peter-Pauls-Kathe- drale, um an der Gruft Nikolaus I., der Kaiserin Charlotte und Alexanders III. kostbare Kränze niederzulegen. Später stattete der Kronprinz Besuche bei den Großfürsten und Großfürstinnen, den Oberhosmeisterinnen der beiden Kaiserinnen, dem Minister des Aeußern, dem Kriegsminister und allen Rittern des preußischen Schwarzen Adlerordens und den Botschaftern ab. Am Abend sand im Winterpalars Galadiner statt. Für morgen lud das Offizierkorps des Preobraschenskischen Leibgarderegimcnts den Kronprinzen zum Frühstück ein. Aus Anlaß des Besuches des deutschen Kronprinzen schreibt das „Journal de St. Petersbourg" (dus offttiöse Organ des russischen auswärtigen Amtes): Ter Besuch ist ein neues Kennzeichen der traditionellen Freundschaft s b e z i e h u n g e n , welche zwischen beiden Herrfcher- familien zum größten Wohle der beiden Staaten bestehen. — Ter ebenfalls deusch geschriebene „Pet. Herold" und die „Nowosti" äußern sich ebenfalls sympathisch. Tie „Nowosti" sagen u. a.: Wir wollen hofsen, daß der Besuch des Kronprinzen auch auf wirtschastltchem Gebiete, wo wir nicht immer harmonierten, die Beziehungen günstig beeinflussen wird. Rußland kann, obgleich kulturell selbständig, doch viel von dem großen Nachbarn lernen. Rußland begrüßt in dem Kronprinzen dao junge Deutschland, das mit ihm durch die Verwandtschaft der Dynastien, gegenseitige Interessen, historische Erinnerungen und gleiche kulturelle Bestrebungen verbunden ist. — Tie „Birschewija Wjedornosti" schreiben: Als Symptom der traditionellen verwandtschaftlich-freundschaftlichen Bande, die das Kaiserhaus mit dem deutschen Kaiserhaus verbinden, erhält der Besuch des Kronprinzen die Bedeutung eines politischen Ereignisses gerade in dem Augenblicke, wo die Gemüter unseres Weltteils durch die Zustände im nahen Orient beunruhigt werden. Ter Besuch des Kronpriuzen stellt das letzte Glied in der langen Reihe von Tatsachen dar, die sich seit der Zuq sammenkunft des deutschen Kaisers mit dem Kaiser Nikolaus ansammelten und sich noch frisch im Gedächtnis aller erhielten. Alles dies harmoniert aufs beste mit der äußeren Politik, welche Teutschland in den internationalen Fragen befolgt und welche aus die eine oder andere Weise Ruß? lands Interessen berühren. Seine eigenen realen Interessen, wie man sie in deutschen leitenden Kreisen in Berlin versteht, verfolgend und seine eigenen Wege gehend, vermied T e u t s ch l a n d a l l e s, was in der politischen Wag- schale als Gegengewicht gegen Rußland hätte interpretiert werden können. Besonders aber ist das treue Fest- halten Kaiser Wilhelms an dem Vermächtnis seines verstorbenen Großvaters in der Frage der Mandschurei und der Aussassung hervorgetreten, die das ganze ossizielle Teutschland über die Reise des russischen Ministers des Auswärtigen nach Sofia, Belgrad und Wien aussprach. Tie leitende Rolle Rußlands im nahen Orient begegnet in Teutschland unbedingtem Vertrauen und Zustimmung, wobei es gleich den übrigen Großmäcyten im voraus vollständige Bereitwilligkeit ausdrückte, die auf Erhaltung des Friedens auf der Balkanhalbinsel gerichtete Politik eines österreichisch-russischen Einvernehmens mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu unterstützen. Wir glauben das Ereignis nicht unrichtig zu verstehen, wenn wir behaupten, daß der Besuch des hohen Gastes in der Residenz Rußlands die Hoffnung zerstreuen muß, zwischen Rußland und Teutschland Zwist und Uneinigkeit hervorzurufen, wo man sie auch immer hegen mag, und welcherlei Neueste Melau ugeu. Originaldrahtmcldnngen des Gießener Anzeigers. Berlin, 17. Jan. Die „Voss. Ztg." meldet aus Ve- nedig, daß aus der Markusbibliothek des Dogen- palastes gestern in aller Elle 10000 Bände entfernt wurden. Infolge von erst jetzt entdeckten Aushöhlungen hatten sich in den Mauern breite Risse gebildet. — Die Morgenblätter melden, der bei dem Duell im Grünewald Verwundete sei der Rechtsanwalt Aye aus Flensburg. Aye, der Oberleutnant d. R. ist, ist bereits ge- '^^P^ersburg, 17. Januar. Beim Galadiner im Wintcrpalais toastete der Zar m französischer Sprache auf den deutschen Kronprinzen, worauf dieser erwidere: Tiefbcweqt durch die gnädigen Worte, welche Ew. Majestät soeben an mich gerichtet haben, bitte ich nur zu gestatten c^htien im Namen S. Maj. des deutschen Kaisers und Königs, meines Vaters und in meinem eigenen memen Dank für den herzlichen Empfang auszusprechen, der mir zu Teil aeworden ist, und dem ick) eine unauslöschliche Erinnerung bewahren werde. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl Ew. Majestät, Ihrer Majestäten der Kaiserin Mana Feodorowna und Alexandra Feodorowna sowie der ganzen kaiserlichen Gerichtssaal. Berlin, 16. Jan. Der Klempnergeselle Moser, der am 23. November im Bankgeschäft Schwertfegev den allein anwesenden Dankbeamten Salzwedel zu ermorden und die Gcldbarbestände zu rauben versuchte, wurde vom Schwurgericht wegen Raubmordversuchs zu 14 Jahren Zuchthaus und wegen verschiedener Diebstähle mit einer Zusatzstrafe von 1 Jahr, zusammen 15 Jahre Zuchthaus und Ehrverlust und zehniahriger Zulassigkett der Polizeiaufsicht verurteilt. Ter soeben ausgegebene württembcrgische Hauptfinanz-Etat pro 1903/05 weist einen Fehlbetrag von 4 419 656 Mark resp. 4 380 445 Mark, zusammen 8800101 Mark aus. Verfügbare Restmittel sind nur 1 723 586 Mk. vorhanden, sodaß ein ungedeckter Betrag hon 7 076 515 Mk. verbleibt, von welchem 6 564 975 Mark durch Anleihe aufgebracht werden sollen. Außerdem ist eine Anleihe von 4 500000 Mark für Bauzwecke auszunehmen. Tie Beziehungen zum Reich zeigen eine s e h r u n g e w ö h n- liche Mehrbelastung Württembergs aegenuber dem letzt verabschiedeten Etat von jährlich rund 800000 Mark. Ter begleitende Vortrag des Finanzministers hebt hervor: Gelingt es nicht, eine weitergehende Belastung der Bundesstaaten mit ungedeckten Matrikularbeitragen, als sie für 1902 erfolgte, hintauzuhalten, so wurde dadurch die Lage des württemüergischen Staatshaushalts aufs Empfindlichste berührt und zur Ausgleichung dieser Mehrbelastung nachträglich zu einer weiteren Erhöhung des AnleheusbedarsS geschritten werden müssen. Aus den einzelnen Etats ist zu erwähnen, daß an der Universität Tübingen eine ordentliche Professur für romanische Philologie und drei neue außerordentliche Professuren, eine für die katholisch- theologische Fakultät, eine für englische Philologie und eine für alte Geschichte errichtet werden, ebenso an der Stuttgarter Technischen Hochschule zwei weitere Professuren für Wasserbau und Maschinenwesen. Tie Gehaltsausbefier- ungen für die Geistlichkeit und Volksschullehrer wurde aus die Finanzperiode 1905 bis 1906 verschoben. Nermischtes. * Berlin 16 Jan. Der ehemalige Tepotverwalter Neßler von der Darmstädter Bank in Berlin ist gestern abend unter sicherer Begleitung dem Moabiter Un- tersuchungsgesängnis zugeführt worden. Der Defraudant machte einen niedergeschlagenen Eindruck, ^m allgemeinen giebt er die ihm zur Last gelegten Straftaten zu, sodaß die Verhandlung gegen ihn schon im taufe des Februar stattsinden dürfte. _ .,. . * Berlin, 16. Jan. zwischen einem Offizier der Schutztruppe und einem Leutnant fand heute früh im Grünewald ein Pistolenducll statt. Ersterer wurde durch einen Schuß in die Brust schwer verwundest. * V e r l i ii, 16. Jan. Ein Leiche ns und beschäftigt eit heute morgen die hiesige Kriminalpolizei, ^n der Jungsernheide um Tegelersee fand man die -eiche eines 20 Jahre alten Mädchens mit einer Schußwunde im Kopse. Die Leiche war mit Schnee bedeckt, muß also schon vor Montag dort gelegen haben. Ausfallend ist, daß keine Waffe aufgefunden wurde, mit der sich das Mädchen den tödlichen Schuß beigebracht haben könnte. Es liegen verschiedene Anzeichen vor, die aus ein Verbrechen schließen lassen. Ein Polizeikommissar begab sich an Ort und Stelle, um die nötigen Aufnahmen zu machen. * Krefeld, 16. Jan. Der Stadttheater-Kaf- fieret Wick ist durch gebrannt, nachdem er große Summen veruntreut hat. Tas unterschlagene Geld ist größtenteils durch Kaution gedeckt. , * P a r i s, 16. Jan. Mir den Versuchen, die S a h a r a mittels Ballons zu durchqueren, ist nunmehr begonnen worden. Gestern abend wurde ein Versuchsballon abgelassen, an welchem Briese des tunesischen Generals Allegro an die großen Suarezführer besestigt waren. Der Ballon ging in westlicher Richtung ab.____________________ Der deutsche Kronprinz in Yußkand. Petersburg, 16. Januar. Ter deutsche Kronprinz ist heute vormittag 10 Uhr in Petersburg eingetroffen, wo er in Vertretung des leicht erkrankten Zaren vom Großfürsten-Tbronsolger begrüßt wurde. Vom Bahnhofe begaben sich die beiden Thronfolger der großen Nachbarreiche ins Winterpalais, um dem Kaiferpaar einen Besuch abzustatten. Nachdem der deutsche Kronprinz vom Kaiferpaar begrüßt war, ernannte ihn der Kaiser zum Chef des kleinrufsifchen Tragonerregunents Nr. 40, dessen Ches früher Prinz Albrecht von Preußen, der Water des Prinzregenten von Braunschweig, gewesen ist. Bald daraus meldete sich eine Abordnung des Regiments beim Kronprinzen. Sodann fuhr der Kronprinz zum Besuche der Kaiserin-Mutter ins Anitschkowpalais. Nach der Rückkehr sand im Winterpalais Familienfrühstück statt. Ter Kronprinz überreichte dem deutschen Botschafter Grafen Alvensleben das Gvoßkreuz des Zioten Adlerordens mit Pläne auch darasif gebaut werden._________________________frtuöcntcn in pgien zur ........ ------------—------- Coursbericht von Merz, BMezchlüt, Gietzen^Aeuenbauen^ 41. 1 —-------r Eourse vom 8-1 15 /I ä | Course vom 8./1. 1 15./L Course vom 8./1. 115./1. 16 r- GO Conrse vom 8./1. 115.-1. 'S Ä Eour, 8.1. | c vom 15./1. 1 8J1. I15./1. GC 1 3%| 3 3% 3 4 3)4 4 3^ 4 3% 3 oy= 3X 3^ 4'/- 5 4 4 3 3'/° 5 4 X 4 4 4 4 3^ 4 4 4 Staatspapiere. Deutsche. D. Retchs.-Anl do..... Preuß. Consols do. ... Badische . . . do..... Bayer. Sl.-Obl. do..... Hess. St.-Obl. . do..... do..... Württemberg. . Bremen v. 189!) Hambg. v. 1899 Ausländische. Bosnier . . . Griech. E.B. von 1890 . . . Griech. Monop. Jtaüener Rente do..... Oester.Silbcrrte Oester. Goldrtc. Porrug. Staat. do..... Rum. am. Nie. Rumän. v. 1890 ! Gold-Russen v. 1880 . ! do..... Russen v. 1902 ’ Serben v. 1895 I Spanier . . . 102.701 102 95 91.95 91.65 102.55 102.70 91.90 91.55 105.651 105.75 101.20! 101.15 105.65 105.70 101.20' 101.70 105.60! 105.60 101.60 101 — 85.40 89.60 101.30 101.20 101X70 — 101.- 101.60 41.101 41.— 44.80. 45.— 101'10 101'20 103.40 103.25 50.- 50.— । 31.40 32.05 98.60 99.50 88.15] 87.81 —.- 100.91 96.70 —.— 100. — ! 100.4t 7 8.051 78.51 88.50j — L 1 1 4 4 3X 5 4^ k 6 5 Wi 5 5 3 3^ 3/^8 4 3y 4 3% |4 3% 3% 3% 4 3% 3V 4 31/, 4 Türken Lit. B. do. „ C. do. „ D. Ung. Goldrcutc do. Staatsrcnte desgl. . . . Argrnt. v. 1887 do. Gold ü. 1888 do. äuß. v. 1897 Chile Gold-Anl. Chinesen. . . do..... do..... Mexicaner Serie 1—4 . Mexreaner v. 99 do..... Provinz- und Rödte-Anleihe. Obcrhesscn . . Starkenburger. Rhemproviuz . do..... Gießener. . . do..... Frankfurter. . Larmslädlcr do..... Mainzer. . . Offenbacher. , j Wormser . . do..... Hctdelbergcr Mannheimer . Bao Nauheimer Lissaboner . . 57.50 32.20 29.35 101.90 99.30 92.90 79'90 73 80 92.— 104.70 100.10 91.45 38.— 101.40 26.50 99.70 99.90 104.40 100.30 9N30 99.90 103.— 39^— 98.90 103- 98*60 98*80 78.30 58.50 32.95 29.70 101.95 99.45 93.15 80^— 74.— 91.75 105.— 100.50 91.85 37.85 101.10 25.80 100*50 104.20 100.30 99*10 99.90 99*20 99.20 I 99. - 103.20 ! 99.- 1 99 - 103.60 98.90 j 78.50 i 6 47. 4 31/, 37t 67. 67, 2 7 4 11 8 l 3 5 87. 14 20 10 8 10 10 Wiener 1902 , Buenos-Aires . do..... Ltandeshrl. Anl. Solms-Brauns. do..... Dscnb.-Birstein. Vanl-Aktien. Reichsbank . . Berg.-Märkische Bank . . . Berliner San! . Berliner Hdlsg. Darmstädter Bk. Deutsche Bk. . Dtscouto-Gcs. . Dresdner Bk. . Rattonal-Bk. . Schafshsr. Bkv.. Oest. Cred.-Akt. Industrie -Aktien Mainz.Braucrci Farbw. Höchst. do. GricShcim Elcltr.Lahmcycr „ Schultert „ SicmeuS u. Halste Maschf.Grlctzner do. Aleyer . Böckum Bcrgw. Concordia „ Eschweiler „ 101.80 40.60 100.60 99*50 154.20 92.50 158.50 135.90 213.30 192.75 146.20 118.60 120 50 270.80 279.— 352.— 214.- 71.— 79.50 129.— 178.— 173.— ! 180.75 268.- 216.- 102.10 40.30 100.60 97.75 99.30 153.- 94*50 159.90 136.30 214.30 193.40 148.- 119.40 121.- 218.- 280.— 354.50 214.50 71.- 78.10 120.50 1 174.- 172.- 183.50 271.50 222.- 4 372 4 37, 37- 4 4 4 37, 37- 4 37, 4 4 37, Gelsnkirch.Brgw Harpcner „ Hlbernia „ Vqiivq „ Hördcr , Ilse Phönix Hocsch Stahl . Schalter Gruben Magdeburger Bergwerk . . Buderus. . . Pfandbriefe. Frankf.Hypotbk. Serie 14 do. Serie 15 Frkf.HyP.'Cred.- Verein 1905. do. 1906. do. tilgbare Frkf.Landwtsch. Hamburger Hy- pothekcn-Bank Ser. 141-250 do. unkündbar bis 1910 do. Serie 46 bis 190. do. Serie301 b>s 310. Mrining. Ser. 8 do. abg. . Preuß. Boden- Crcbit . . . Rhem Hypoth.- Ba>t! 1907er do. 172.70 169.- 171.— 215.50 113.75 182.50 127.10 150.— 354.— 106*20 103.- 101.- 96.50 101.40 96.40 96.40 ' 98.30 100.30 102.75 95.20 96.- 102.50 96.- 101.30 I I 102.90 l 96.90 178.- 176.75 176.- 219.20 113.75 186.— 127.30 149.— 355.50 109.50 103.- 101.- 96.50 100.— 101.40 96.40 96.40 98.20 100.- 102.75 95.10 96- 102.50 96.10 101.80 103.- 1 97- 4 4 37- 4 4 1 4 4 5 5 4 3 3 4 2Vio 2Vio 1 3V. 4 1 4 4 Preuß. Central- Boden . . . Westdeutsche. . do..... Preuß. Hypoth.- Akt.-Bk. abg.. Lisenb.-priorit. Dux-Bodenbach von 1891 . . Elisab. steuersr. Franz Joseph . Kaschau-Obcrbg. Ocstcrr., 9iord- weslbahn B. . do. Südbahn tLomb.) do..... do..... Raab-Oedenl'g. Ebf. . . . Rudolfbahn. . — Stal, staatl. gar. E.B. . . . Livorucscr . . Sard. Sec. stfr. gar. . - . Golthardbahn . KurSk Kiew. stfr. gar. . . . Nuss. Südost 97 stfr..... Warschau Wien stfr..... 00. XI. 1911er 103.- 102.30 96.20 99.60 99.80 102.- 100.- 109.60 105.30 89.60 63.75 72.80 101.- 70.35 71.30 102.10 102.— 102.80 102.40 96.20 99.90 100.- 102.20 100.80 100.- 109.10 89.70 64.20 73.30 100.45 70.50 71.70 102.15 101.80 100.- 100.10 100.40 , 100.40 4 5 3 4 4 371 3V; 37- 3 4 4 3 Wladikawk 95 steuersr. . . Anatolier . . Salou.-Monast. £ofe in Prozenten. Bad. Thlr. 100 Bayer. Dhtr.100 Gothaer Präm.- Psdbr. I. . . do. II. . . Coln-Mindener Madrider . . Mcuigr. Präm.- Pfdbr. Thlr. 100. . . . Oeslerr. v. 1860 do. v. 1854 Oldenb.Thlr.4o Türk. FrS. 400 Unverzinsliche pr. Stück u. Mk. Ansbacher fl.J Augsburg, st. 7. Brjchw.Thlr.20 Fmnldr.Thlr.10 Mailäitd.Frs.45 öo. Frs. 10 Ocsterr. fl. 100 von 1864. . Pappenh. fl. 7 Mcmmgcr fl. 7 Ungar. Sta als fl. 100 • . Penerianer S.30 99.90 103.50 64.50 146.40 __ 137*80 51.80 136.- 155.45 185.- 130.- 124.40 64.90 34.50 139.50 53*.- 18.50 374.50 39.- 346.- 100.— 103.40 64.4^ 147.80 160 90 102*80 137.- 5120 135.10 155.50 185.— 125^20 61 — 35.60 141.50 89.80 51.- 18.50 429 - 38.50 30.60 347.20 | 30.90 15(l , (hpebtii J' enidgct ccsienl Im Hypothek Grundstück Flur 1 deren jetzige Ni in Gießen sind, ein zu Gunsten deS l Ungeschrieben. ®Ic antragt, die Hyp kommen. Alle diejenigen Einschreibung erheb aufgefordert, ihre rückung dieses bei u drigensalls die £öfd Gießen, den >1 neu Original-Al^ Zinttt Br,e Ter Finanzmll Aufgabe im wesen! etwa fünfwöchiger Beratung unterzöge Hauptteile, die Sßi rechnung. Der erst bereite im Truä s Bermögeiterecknuw nur noch der Wort Woche sistzustelln Der tzMtz dm gesetzlichen 1 der von der Gr überweisende Boi zur Vorberatung einzelnen Posten, RegicrungsoettM er teilen, änb bau denen &attyoiitioi W bei zweiten 5U ßenienifu;a|iLi£üei sieben Mitglieder 1 der Regierungsvert nanzberichtes fest, d Kammermitglied ül feinen getauchten 3 vor cklva 25 Saijiei **r Voranschlag m nur im Areau des weise und bläute: MW aussühriic wahrend er Statoentouq vorüe *le eingehende ?e Urnen «i «i« todjaftfil mir selbst' toieTb l S 1* 9. d l)ur »eiche “ *"» te* * siegen, h)eIff U191 eii we Leb7 K di-h crl‘e()t J “f,-. in' S. iljre » “m lirf, Pu, «ItunS, °st. die *?> Ulld N. b Jct- 28