?r. Zlrs Zweites Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch IS.Dezembsr WOB ^schein. lSgllch mit Ausnahme deS Sonntags. Dt> „Gtctzener Kamiltenblätte^ werden dem Anzeiger otermal wöchentlich beigelegt. Der -hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gichener Anzeiger Verantwortlich für den allgemewer» Lrü: v. Wtttko: tut den Anzeigenteil & ®«< Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ich« Unwersltätsdructerer (Pietsch Lrdenj, Bietzen. Seneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ........................ , ............... n—W Die Heutige Wummer umfaßt 12 Seiten. Ktklmnlmachung. Betr.: Sonntagsruhe im Barbier- und Frisiergewerbe in der Stadt Gießen. Nachdem die Abstimmungsliste über den Antrag der Barbiere und Friseure der Stadt Gießen geschlossen ist, wird die Abstimmungsliste während 2 Wochen vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an gerechnet, zur Einsicht und Erhebung etwaiger Einwendungen auf der Registratur Großh. Kreisamts Gießen, Zimmer Nr. 6, für die Beteiligten offen gelegt. Einsprüche nach Ablauf dieser Frist bleiben unberücksichtigt. Gießen, den 16. Dezember 1903. Der Kommissar: Guthier, Kreisamtsregistrator. KoMische Tagesschau. Graf Bülows Erklärung. Aus Berlin schreibt man uns: Gs tnird in weiten Kreisen als eine erwünschte erwpfunden totrbeit, n>as Graf Bulow in der tyeutigeii Reichstagschung über dre Ablehnung vonAusnahmegcsttzen gegen dre ^ozraldemokratte geäustert yat. Die Hallenser Zusammenkunste- wü) andere Erscheinungen, ww die (Liesebrechi sa-e Propaganda Kegei das Wahlrecht hatten Besorgnr.sfe gelveal, ob d e Rcgwr- uug gegenüber gewissen „Schavstnachern fest blerben werde. Qcut weiß mau, woran man ist. Es wurde m^der Tat auch ein sehr unkluger Schritt sem, durch ein neues Sozrattsten- aesetz einen eisernen Reifen um die Sozraldemokratre zu schmieden, mit einem Schlage die Parier wieder zur VollKer Ktat im Reichstag. VI. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 15. Dezember: Vtach Erledigung des deutsch-englischen Handelsprovi- soriums, in dritter Lesung, wurde die Etatsdebatte fortgesetzt. Ter „Diplomat" der Konservativen, der ehemalige Gesandte Abg«. Graf Limburg-Stirum unternahm es, den Reichskanzler zu einem „festen Griff in das sozialdemokratische Wespennest zu ermuntern. Im Lande verstehe man das Zaudern der Regierung nicht. Dre Rechte verlangt also nicht Wor^, und mögen sie noch so energisch fein, sondern Taten, d.^y. Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie. In ähnlichem Sinne äußerte sich auch Abg. v. Tiedemann (Reichsp.^. Es sah fast so wie eine Verabredung aus, das heiße Eisen zu schmieden, nachdem Grat Bülow die Sozialdemokratie so kräftig bekämpft hatte. Aber es war eine Rechnung ohne den Wirt. Auf den Kanzler machten die Beschwörungen sichtlich nicht den gewünschten Eindruck. Miirder kaltblütig faßte die äußerste Linke die Sache auf; der Präsident mußte wiederholt Ruhe schaffen. Graf Bülow ließ nicht lange über seine Meinung im Unklaren. Er ergriff das Wort — zu einer glatten Absage. Die Gründe für die Ablehnung besonderer Maßregeln und die Beschränkung auf die Anwendung der besteheirven Gesetze waren kühl erwogen. Eine Mehrheit für Ausnahmegesetze ist gegenwärtig im Reichstag niwt vorhanden. Außerdem will die Regierung nicht ohne zwingende Not Zwiespalt in die bürgerlichen Parteien tragen. Sie rechnet aus die Ruhe und Besonnenheit, auf die Kraft und das Selbstvertrauen der bürgerlichen Gesellschaft. Diese Erklärungen, die begreiflicherweise auf Seiten der Rechten eine mißvergnügte Aufnahme fanden, hatten programmatischen Charakter und sind als das Schlußergebnis der mehrtägigen Sozialisten- debatte zu betrachten. Der von den Konservativen nun zum zweitenmale geforderte „starke Mann" — im Vorjahre gab Abg. v. Kröcher dieser Sehnsucht Ausdruck — will Gras Bülow nicht sein. Er trägt, gestützt auf die Zustimmung der liberalen Parteien und des Zentrums gelassen die Verantwortung, die die Konservativen feindlich ablehnen. Abg. Stolle (Soz.), aus den Zolltarifkämpsen als Dauerredner Mch in jchreckensvoller Erinnerung^ richtete sich auf der Rednertribüne auf einen längeren Vortrag ein. Tie Ahnung täuschte nicht. Mit matitiösem Lächeln sich über die Zeichen der Ungeduld hinwegsetzend, packte Herr Stolle aus, was er in Bezug auf .innere und äußere Polllik auf dem Herzen hatte. Was Bebel erörtert hatte, zum Streik in Krimmllschau usw., wurde mit etlichen Variationen wiederholt. Sollte etwa der „Herr und Meister" nicht ausgestochen werden, daß die äußerste Linke statt eines Heine oder Bernstein oder Singer gerade diesen Sprecher dritter Garnitur vorschickte? Oder sollte die Reichstagsmehrheit bestraft werden dafür, daß sie Bebel nicht genügend zu würdigen verstand? Zn jedem Fall, es war eine Geduldsprobe, der sich mancher unten im Saale entzog. Auch Graf Bülow hatte diesen besseren Teil erwählt. Staatssekretär Graf Posadowsky harrte statt ferner aus, für den Fall, daß eine Entgegnung erforderlich fein würde. Ties besorgte indessen, speziell über Krimmitschau, der sächfiscye Bevollmächtigte Tr. Fischer. Die Etatsrede des Aba. Liebermann von Sonnenberg hatte den Vorzug der Frische für sich Eine Bemerkung über „Bebel als Unter* viMier", der bei -einem Temperament aus dem Arrest aarnicht herauskommen würde, entfesselte große.Herterkeck. Als gewandter Redner bewährte sich derelsajitsche Volkr-- varterler und Ho,pikant der deutschen Volksparter Abg> Blumenthal, der bie Wünsche der Reichslande zur Sprache brachte urid sich dabei der besonderen Aufmerksantrett des Staatssekretärs für Elsaß-Lott-ringen Herrn v. Koller erfreute. Seine Schilderung, der retchslandischen Parteaver- vältnisse vani) jedoch bei den bürgerlichen Parteien leb* haften Widersprua), der sich schließlich jn unparlamen- tarischen Zurufen äußerte. Herr v. Kotter beeilte nch dem Redner zu erwidern. Tie weitere ^^batte, i.n der sich u. a. Abg. Graf Limburg-Stirum und Staats etretar Graf Posadowsky gegenübertraten, zog sich bis m die späte Abendstunde hin. kommenen Einigkeit zurückzufuhren. In bemerkenswertem Gegensatz zum Abg. Graf Limburg-Stirum, der die Entschlossenheit der Regierung vermißte, zollt heute abend die keuservative „Kreuzztg." dem Reichskanzler lebhafte Anerkennung, wegen der Schärfe, mit der er der Sozialdemokratie entgegengetreten sei. Von der Marine. Man schreibt uns aus Berlin, 15. Dezember: Die Ergänzimg des Seeofsizierkorps scheint durch die in den letzten Jahren erfolgte vermehrte Einstellung von Kadetten hinreichend gesichert, denn die Marinebehörde beabsichtigt, für die Frühjahrseinslellung fünfzig Offiziersaspiranten weniger anzunehmen, als bisher. Anders liegen die Verhältnisse hinsichtlich der Ergänzung des Unterofsizierkorps der Marine. Während früher die Gesuche um Aufnahme in die Schiffsjungendivision so zahlreich eingingen, daß viele Bewerber zurückgewiesen werden mußten, haben in neuerer Zeit die Anmeldungen beträchtlich nachgelassen, sodaß die Marinebehörde nunmehr in der Lage ist, ihrerseits die in Betracht kommenden Kreise zu Anmeldungen aufzufordern. Es wäre unzutreffend, hieraus auf eine Abnahme der Neigung der jungen Leute zum Seedienst zu schließen. Die Erscheinung erklärt sich vielmehr daraus, daß die neuen Institutionen der Handelsmarine, in erster Linie der Schulschiffoerein, den Interessenten Gelegenheit bieten, die seemännischen Lehrjahre unter nicht weniger günstigen Bedingungen zu absolvieren. Kolonialpost. Berlin, 15. Dez. Die Nachricht der „Cheinn. Attg. Ztg.", nach der der Gouverneur von Südwestasrika, Oberst Leutwein, durch eine andere Persönlichkeit erfetzt werden soll, entbehrt, wie die „Nordd. Attg. Ztg." aus zuverlässiger Quelle erfährt, jeder Begründung. — Tie „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Aus Kamerun wird soeben berichtet, daß der französische Expeditionsführer Lenfant einen Wasserweg, vom Benne über oen Tuburi-Sumpf nach dem Logopesluß s e st g e st e l l t hat. Da letzterer ein Nebenfluß des Schari ist, wäre somit eine Wasserverbindung vom Atlantischen Ozean nacht dem Tschadsee, wenigstens für einige Monate, der Regenzeit uachgewiesen, was früher schon behauptet war, jedoch 1889 von Macdonald und 1893 von Maistre bestritten wurde. — lieber London wird der „Voss. Ztg." aus Kapstadt telegraphiert: Nach einer amtlichen Depesche vom 12. Dezember nahmen die Deutschen das Hottentot- ten-Lager ein, später aber trieben die Hottentotten die Deutschen über den Fluß und beschossen sie während des Rückzuges. Dabei wurde Leutnant Deklin und ein Reiter schwer verwundet. Die Feinde hatten drei Tote und zwei Verwundete. Aas Stadt und Land. Gießen, 16. Dezember 1903. **Personalien. Am 21. 9Lovember d. I. wurde der Schaffner in der Hess. Preutz. Eisenbahngemeinschaft Adam Zeiß zu Tarmstäit in den Ruhestand versetzt. ** Kreisausschuß. Samstag den 19. Dezember L I., vormittags 9 Uhr, findet im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes hier eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rekurs des Karl Euler Ku Gießen gegen einen Polizeibefehl der Großh. Bürgermeisterei Gießen, Beseitigung einer Jauchjegrube betr. 2. Gesuch des Wilhelm Sck>röder zu Siegen um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschast in dem Haufe Brandplatz 13 zu Gießen. Hieran schließt sich eine nichtöffentliche Sitzung. •• Eine neue Ansichtspostkarte von Gießen erhielten wir heute von einem Freunde unseres Blattes durch die Post. Sie zeigt, von den Wappen aller hiesigen farbentragenden studentischen Korporationen umrahmt, die „Alma mater Ludoviciana“, über der ein flotter Bruder Studio seinen Schläger schwingt. Darunter stehen die schönen Worte: „Annis et liberis ad utrumque parati.a Nanu! Seit wann denn zu Kindern bereit? Als wir noch jung und schön und reich waren und fröhlich durch die Welt zogen mit dem Schläger in der Hand, auf der Brust Dreifarbenband, da sprach man mehr von „litteris“, den Wissenschaften, als von „liberis“, den Kindern. Es mag aber jetzt anders geworden fein .... t Ettingshausen, 15. Dez. In der vergangenen Nacht ereignete sich im Walde von hier nach Reiskirchen ein bedauerlicher Unglückssall. Der Handelsmann Seligmann Löwenberg von hier wollte eine Kuh nach Reiskirchen bringen. Im Walde wurde plötzlich das Tier scheu und schleuderte den Mann aus einen Stein, sodaß er sich das Schulterbein brach. Jn Reiskirchen, wohin er sich noch schleppte, mußte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. w. Wißmar, 15. Dez. Dank dem rührigen Eintreten vieler Interessenten der vereinigten Bürgermeisterei Atz- bach-Launsbach hat die Eisenbahnbehörde mit dem 15. Dezember eine bessere Zugverbindung mit unserer Kreisstadt Wetzlar eingerichtet. Bisher muKen die vielen Arbeiter alltäglich den Früyzug benutzen, welcher schon 5.40 Uhr in Wetzlar eintrifft. Bon heute ab wird nun auch der zweite Zug den Personenverkehr zulassen, welche Einrichtung gerade für die bevorstehenden Mntertage vom Publikum allseitig mit Freuden begrüßt wird. b. Atzbach, 15. Dez. Hier ist für die nächsten Tage ein Milchvern>ertu7lg skursus in Aussicht geirom- men, welcher nächsten Samstag im hiesigen Gemeindehaus eröffnet wird. Zwar huldigt man hier im großen und ganzen schon lange nicht :nehr dem veralteten Topfverfahren, aber bei kleinen Mrtschaften ist es vielfach noch im Gebrauch. „... , , . x f <5. Aus dem hesijcyen Hin ter land, la. ^ez. t.q§ Komitee zur Weiterführung der Bahnstrecke Dille nburg-O b e r scheil d nach Wattau an der Lahn ist bisher mit seinen Arbeiten im stillen rastlos tätig gewesen, den zuständigen Behörden über die^ Notwendigkeit, dieses Bahnbaues reiches Material zu beschaffen. Es tooren' von dem Komitee für den verflossenen Sonntag zu Oberscheld und Gönnern zwei Versammlungen anberaumt worden, in welchen folgende Resolution angenommen wurde: Tie zahlreich aus 18 Gemeinden des Hinterlandes be-! suchte Versammlung zu Gönnern ist von dem dringenden' Bedürfnis des alsbaldigen Ausbaues der Scheldelahnbahn überzeugt. Tie Versammlung beansprucht die Priorität der Sch-eldelahnbahn vor anderen Projekten, die im Hinterland in Bewegung sind. Sie fordert das Komitee auf, durch entsprechende Eingaben bei den zuständigen Behörden und dem Herrn Minister ihren Sta-ndpunkt energisch zum Ausdruck zu bringen. Sie verlangt insbesondere von, ihrem Mgeordneten, daß er ihren berechtigten Wünschew endlich durch energisches Eintreten für das Projekt gerecht werde. k. Ranstadt, 14. Dez. Schon seit einiger Zeit werden die umliegenden Orte von drei verschiedenen Firmen, einem Herrn aus Echzell, einem Herrn aus Seckbach unb> einem Vertreter der Molkereigenossenschaft Büdingen, besucht. Turch Vorträge suchen sie den Lanowirten die Vorteile einer Molkerei klar zu legen. Jede der genannten Firmen sucht mm die möglichst größte Anzahl von Landwirten zu gewinnen, die sich verpflichten, Milch für ihre^ Firma zu liefern. Jede der Firmen glaubt das nötiges Quantum zur Rentabilität einer Molkerei zu haben, unbj will mit dem Bau einer Molkerei beginnen. Be wir! hören, beabsichtigt der Unternehmer aus Echtzell eine solch^ in Tauernheim, der aus Seckbach eine in Effolderbacü unÄ die Büdinger Molkereigenossenschaft eine in Ranstadt zul errichten. Nach unserem Dafürhalten ist für 3 Molkereien- die Milch, die in hiesiger Gegend produziert wird, nichts hinreichend, daß diese rentieren können. Nur wenn eine« Molkerei ordentlich rentiert, kann sie einen guten Preis*, für die Milch zahlen. Es wäre den Landwirten zu raten,- sich aus eine Molkerei zu einigen; diese müßte aber an' eine Bahri- und Poststation, also hier nach Naustadt stehen kommen. a. Marburg, 15. Dez. Gegen die Wabl der Stadtverordneten in der 4. Klasse ist offiziell Pro- t e st erhoben worden. () Marburg, 15. Tez. In der fortgesetzten Sitzung der Stadtverordneten-Versamml ung besprach, man auch die im November 1904 hier abzuhaltende Feier des 400 jährigen Geburtstages des Gründers unserer Universität, des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen, der bekanntlich am 13. November 1504 auf dem alten Schlosse hier das Licht der Welt erblickte. Es wurde mitgeteilt, daß zu gleicher Zeit aus Anlaß der Feier der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde hier seine Jiahresversammlung abhalten!: würde. Man wählte schließlich eine aus 6 Herren be-, stehende Kommission, welche mit dem hessischen Geschichtsverein hier sich über die vorbereitenden Schritte zur ximrbi» gen Begehung dieses Tages ins Benehmen setzen soll. Kunst und Missenschusl. Weimar, 15. Dez. In der unter dem Vorsitz des Grafen Kalckreuth stattgehabten Versammlung der Sezessions- k ü n st l e r, an der etwa 50 Künstler teilnahmen, wurde die Gründung einer neuen Vereinigung mit dem Namen „Deutscher K ü n st l e r b u n d^ und dem ständigen Sitz in Weimar, beschlossen. Die Unterhandlungen waren nicht öffentlich. Wie die „Weim. Ztg." mitteilt, wird die neue Kunstgenossenschaft in den bedeutendsten Kunstzentren, nach Maßgabe der ihr zur Verfügung stehenden Mittel Ausstellungen veranstalten. Paris, 15. Dez. In der Akademie der Wlssenschaften wurde mitgeteilt, die Physiker an der Universität Nancn, Eharpentier: und B l o n d e l o t, hätten festgeslellt, daß der menschliche Körper ähnlich wie das Radium Lichtstrahlen aussendet. Diese Lichtstrahlen zeigten sich in erhöhtem Maße bei verstärkter Muskel- und Nerventätigkeit. Nlan habe vielleicht da- mil ein Mittel gefunden, um den eingetretenen Tod festzustellen. Gerichtssaul. Metz, 15. Dez. Vom Kriegsgericht der 33. Division wurde heute das Urteil über den Leutnant Paul Schilling vom Metzer Infanterie-Regiment 9lr. 98 wegen Mißhandlung Untergebener in 978 Hüllen gesprochen. Als erwiesen wurden 618 Fälle von Mißhandlung, 57 vorschriftswidriger Behandlmtg tind ein Fall des Abhaltens von dienstlicher Meldung angesehen. Tie anderen Fälle galten deshalb als nicht errviesen, weil das Erinnerungsvermögen der Zeugen infolge der verstrichenen längeren Zeit als geschwächt erschien. Unter den Zeugen befanden sich solche, bei denen Fälle bis zu 68 mal festgestellt wurdem Einem Soldaten hat Schilling, damit er stillschweige, Geld und Zigarren angeboten. Für diesen Fall werden zwei Monate Gefängnis berechnet. Ein Soldat ist so geschlagen worden, daß er eine Gehirnerschütterung davontrug und dauernd militärdienstuntauglich ist. Hierfür werdet« 6 Rlonate Gefängnis berechnet., Von sämtlichen Fällen wird kerner als minderwertig aiigesehen. Die Gesamlslrase lautet auf 1 Iahr 3 Monate Gefängnis uiid Dienstentlassung. Der Vertreter der Anklage hatte 1 ’/> Jahre Gefängnis und Dienstentlassung beantragt. Morgen beginnt die Verhandlung gegen den Hail ptmann und den Feldwebel der Kompagnie wegen Nichterstattung dienstlicher Dleldiingeli. Arbeiterbewegung. — Wie aus Forst i. L. gemeldet wird, haben die dortigen Fabriken beschlosfen, die Arbeitskammer in Crimmitschau mit Geldmitteln zu imterstützen. ES roirrbe auch die Einstellung der Arbeit an sämtlichen deutschen TextU-Jndustrieplätzen ins Auge -------------—. "_—— Keinen Hmd NM mrm hiKems schicken . bei dieser Wiriterkälte, die Menschen aber und selbst die Kin- ßk der müssen erbarmungslos hinaus. Aber da man schon tiicht zu Hause sitzen t'anu, so sollte man sich wenigstens gegen . ~ Erkältungen der Atmungsorgane unb gegen die böse Iuflu- lEK. en za schützen, indem man stets Fay'S «chtc Sodener S>riue- ratpastillen bei sich trägt und ab und zu eine Pastille k nimmt, während man Wind unb Weiler ausgesetzt ist. Tas beugt vor und nutzt selbst m schiveren Fällen, wenn man bereits erkältet ist. Die Schachtel, die nur 85 Pfg. kostet, reicht auf ein vaar Tage und ist überall erhältlich' Girßoncr Tlieatervercin. Zapfenstreich.*) Drama in 4 Aufzügen von Fran- Adam Beyerlein. Ter Verfasser von „Jena oder Sedan" fyot unlängst dei Langen in München einen Roman erscheinen lassen, der einen wert- und verdienstvollen „Beitrag, zur Psychologie des vierten Standes" darstellt. Er ist betitel-t „Tas graue Leben" und schildert in so schlichter als ergreifender Jorm den tragischen Niedergang der Familie eines aus dem Untcrossizp. stände stervvrgcg.mgenen E.seubohn-Untcr- deamten. Ter Noinan bringt tecneswegs eine scharfe oder tendenziös zngcspitzte Kritik unserer staatlichen Ordnung, jo ledern zeigt vielmehr, wie trotz verhältnismäßig günstiger Existenzbedingungen alle diese dem Arbeiterstunde ange- höiügeu Familienmitglieder durch eigene unkluge, kurz- sichlige Lcbensanfassung ihren Ruin, zum Teil wenigstens, selber herbeijühren. Ter Sic-man sollte namentlich von Arbeitnehmern uiü) Arbmtgedern beachtet werden. Er dürste berufen jein, an dem Ausgleich sozialer Gegensätze mitzu- wirken und, ohne daß er je in lehrhafte Sltienpredigerei verfällt, manche vernünftige Einsicht hier wie da zu erwecken. Ebenso halt sich sein Trama „Zapfenstreich", das eine unvergleichlich rollere Wirkung seines Talentes und ungleich stärkere künstlerische Erfolge ihm gebracht hat, von der Kritik unserer Militärverhältnisse maßvoll zurück. Es behandelt vielmehr eine rein menschliche, al-klägliche Geschichte, Die sich ähnlich in anderen Kreisen hätte zutragen können. Tie Tragödie von Virginias, der seine Tochter vor den Augen ihres Verführers Appius Claudius tötet, oder besser noch die Verrinn-Episode in Schillers „Fiesco" ist mit Älo- tiven aus „Egmont" und „Kabale und Liebe", schließlich auch Hartlebens „Rosenmontag", dessen Seitenstück „Zapfen- streich" auch rein äußerlich i)t, zu einer modernen Liebestragödie mit außerordentlichem Geschick verarbeitet worden. Beyerlein aber ist seinem Vorgänger und, man kann Wohl sagen, Doroildner. weit überlegen in der Heraus- arbeitung, von Effekten, die er bis zuletzt teils in erfreulicher, teils in bedenklicher Weise fürs Theatralische zu steigert! weiß. Dian kann sieb des mitreißenden Eindruas seiner packenden Szenen und Aktschlüße nicht erwehren. Tabei verraten, wie in feinem „Grauen Leben", auch die meisten Personen dieses seines ErstlingSoramas eine sehr beachtenswerte Gestaltungskraft, die wohl auch zu Größerem ausreichen dürste. Namentlich sind ihm ein paar Nebenfiguren ganz außerordentlich gelungen. Ta ist ein verbitterter, braver VizewachLmeister, der die Wc hassen gelernt und sein Herz an die Pferde gel)ängL hat; da ist die episodische Gestalt eines hyper schneidigen jkurassie.- Littmeisters, einer von jenen, die der „Simvlizissimus" gern hat und auf dem Schlachtsetde mit dem Mi nvcle im Auge dem Tode entgegensprengen laßt, der aber dabei choch das Herz auf dem rechten Fleck hat rigid trotz aller Äußerlichen Firlefanzerei in seiner untadlichen Gesin^ uig ein ritterlicher Edelmann von echtem Schrot und Korn ist; da ist der humane lUanenrittmeister, der jeinen b wetten Unter» gebenen nicht nur Vorgesetzter, soiiderm fa,r teilnehmender Freund ist. Im Mittelpunkte der Handlung aber steht ein im Treuste ergrauter Wachtmeister, eine prächtige, kraft- nnd saftvolle Gestalt von ternhaster Bi.ederkett, nut einem goldenen Herzen in feiner rauhen Kriegend rüst. Und da wären noch manche nebensächliche Gestalten, die in ihrer lebensvollen Gestaltung auch echt dichterische und nicht nur theatralische Qualitäten aufweisen. Tas Kasern en Milieu, in dem Beyerlein die Handlung sich abspielen läßt, ist scharf beobachtet und in einigen Ausdrücken mit natura-stti- ^jchcm Behagen von derbster Echtheit. Däan riecht ordentlich Kommißluft. Ter erste Akt gibt mit der technisch wohlgelungenen Einführung der Personen und ihrer ungezwungenen Gegen- nderstellung schon eine Ahnung vom Vermufe der Handlung. Tie klare Situation aber ist ein Spannungsmoment, das die schöpferische Phantajietätigkert desZ uschauers weckt. Vier Personen füllen den ersten Akt, der alte in der Kaserne hausende Wachtmeister, dessen hübsche Tochter, der junge streberhafte, liebesabenteuerliebende Leutnant, der sich in einer beneidenswerten frohgemuten Weltherzigleit den Teufel ums Morgen schert — Beyerlein schafft jo.che blindlings drauflos ins Leben hineinirrende Men.chen besonders Hern dem Leben nach — und der von der Reitschule zurückgekehrte Sergeant, mit dem vor zwei Jahren das Wachtmeistersiöchterchen so gut wie verl-oot war. Mit diesen Vieren ist genug gegeben, um sich eme Vorstellung von dem zu bilden, was sich ereignen wird. Ter junge |lotte Offizier hat sich die Braut des Sergeanten erobert, und tiefer überrascht den Leutnant in seinem Zimmer bei einem Liebesstelldichein. In seiner eifersüchtigen Wut vergreist er sich an dem Vorgesetzten. Ter ruft den Unterossizier vom Tienst herbei und der Sergeant wird verhaftet. Vor dem Kriegsgericht kommt der unerklärliche Fall- von Insubordination zur Verhandlung Ter Angeklagte verschweigt hartnäckig den wahren Sachverhalt, um das geliebte Mädchen nichr zu kompromittieren und das einzige L.bensglück ihres alten Vaters, der sein Erzieher war, zu zerstören, und erschwert dadurch das Verfahren. Auch der Leutnant als Hauplzeuge gesteht nicht alles, was er zu sagen die Pflicht hat, zum Teil v lleicht aus ähnlichen ^Huen, zum größeren Teil aber, um selber nicht in Unabsehbare Angelegenheiten zu lommem Tas Gericht muß wraen dieses $oii|equenten Verheimlichens die Vereidigung des Leutnants immer wieder Humus schieb en. Als er endlich vor die Alter*) Buchverlag: Vita in Berlin. native gestellt wird, einen Meineid zu schwören oder ein offenes Bekenntnis abzulegen, da wird, durch- eine zufällige Aeußernng, die Wachtmeisterstochter herbeigerufen, um gleichfalls als Zeugin vernommen zu werden. Sie enthüllt ohne Bedenken die Wahrheit. Kaum kann beim Geständnis der Tochter der alte Wachtmeister davon zurückgehalten werden, sich auf den Verführer zu stürzen, und nur durch das schnelle und tatkräftige kameradschaftliche Eingreifen des wackeren Vizcmachtnieisters, der die sofortige edelmütige Unterstützung des feudalen Bei- sitzers des Gerichtes findet, entgeht er selber allen hochnotpeinlichen Weiterungen. Der ganze Kriegsgerichtsakt ist mit wirksamster Steigerung aufgebaut und hiermit hat der Effekt seinen Höhepunkt erreicht. Man glaubt nun, der letzte Akt werde in der Wohnung des Wachtmeisters oder vielleicht, noch besser aus dem Käsernenhofe vor der Tür des Kriegsgerichts sich abspiclen in unmittelbarem Zusammenhänge mit der Sitzung. Aber der Zuschauer wird arg enttäuscht. Beyerlein führt uns wieder in die Stube des Verführers, in der der Wachtmeister — halb Cato halb Odoardo — erscheint, um mit der Pistole Genugtuung zu fordern. Indem der Dichter diesen Mann zu einer so un- heroischen Nachäffung seiner Vorgesetzten verurteilt, schlägt er mit überhitztem Pathos aller Wahrscheinlichkeit wie aller bürgerlichen Vernunft so derb ins Gesicht, daß darunter der Eindruck des ganzen Dramas sehr erheblich leidet. Und nichts anders als eine Pose ist es, wenn sich Lausten der auf ihn gerichteten Waffe des verzweifelten Vaters ruhig entgegenstellt. In dem alten Soldaten, so dichtet Beyerlein weiter, ist ober die Herrschaft und die Zucht der mililürtschen Idee stärker als der Affekt. Er kann nicht auf einen Leutnant schießen — so wird er zum Vatermörder, während draußen der Zapfenstreich geblasen wird. Hier hätte sich wahrlich manches tiefer schöpfen lassen, über Menschen- und Standesehre und die Tragik der Widerspräche und die ,Imponderabilien", über bie kein Mensch hinweg kann, über die innere Rechtskraft festgewurzelter Institutionen, die zum unentrinnbaren Fatum werden, das an sich, an seinen eigenen Proportionen gemessen, nicht Hemer und nicht minder schreckensvoll sein kann als das Fatum de§ antiken Dramas. Beyerlein aber benutzt die Situation, die er allzu deutlich und allzu bewußt herbeiführt, nur, um einen Spanungseffekt bis zum letzten Moment auszunutzen, den rohen Spanungseffekt, daß ein Schießwerkzeug jeden Augenblick losgehen kann, eine Kugel geflogen kommt — gilt sie ihm ober gilt sie ihr? Auf die Dorstellung wor bei uns größte (Sorgfalt gelegt und für die Herstellung des militärischen Milieus stond der Rat von em paar Offizieren zu Gebote. Dos Personal geftotlete es, für jede der 18 Rollen, darunter nur eine weibliche, eine gonz ober doch holbmegs geeignete Kraft zu finden. Diese einzige weibliche Rolle, Klärchen, die Tochter des Wachtlneisters, war Fräulein Hell - berg zuerteilt. Die Darstellung der Kläre ist nicht eben leicht, da das Verhältnis zwischen Vater und Tochter nicht recht klar und der ganze Charakter etwas skizzenhaft angelegt ist. Die anmutige junge Dome bewährte ihr bekanntes Geschick für die Darstellung lieblicher Mädchencharaktere. Aber es wäre ihr ooch namentlich im 2. Akte mehr Leidenschaftlichkeit und Innerlichkeit zu wünschen gewesen. In manche Situation geriet gerade durch ihre ein wenig matte Darstellung etwas über Gebühr Schleppendes. Ihr üßes Stinnnchen hat ja alle bie schönen Töne von beseelter Wärme und unmittelbarer Empfindung zur Verfügung. In den Bewegungen aber zeigte sie eine manchmal geradezu beklemmende Apathie oder Gezwungenheit. Die Liebesszene verfehlte ihre Wirkung, zumal sie schon vom Verfaffer allzu sehr gedehnt ist und der Abwechselung und Steigerung ermangelt. Hier hätte die Regie ohne besondere Diühe helfend emspringen können. Den Wachtmeister Volkhardt gab Herr Linzen wohl allzu sehr als Pathetiker, aber doch voll Wucht als treuherzigen Charakter. Dei wackere alte Herr, ein verdienstvoller und würdiger Theaterveteran, dem gar sehr die Ruhe zu gönnen wäre, von der der Wachtmeister in der ersten Szene des Stückes spricht, ist heute doch nicht mehr recht geeignet für das.Renommier- und Paradestuck" eines Regiments. Er hielt aber, was ihm sehr hoch anzurechnen ist, den für ihn sehr anstrengenden 4. Akt mit imponierender Energie durch. 9lic()t zum wenigsten durch ihn erhielt dieser Akt eine im Drama eigentlich vermißte erschütternde Tragik, wenn ihn auch Herr Linzen nick einer Ueberfracht von Catonentum belastete. Herr Ach ter berg hatte den Charakter des Leutnants o. Lauffen trefflich angelegt und konsequent durchgeführt. Diese Figur ist als der Typus eines innerlich haltlosen jungen Offiziers von glänzenden Fähigkeiten gedacht, dem wir m gewisser Weise unsere Anteilnahme nicht versagen, weil er ein ichmucker und liebenswürdiger Kerl von gutem Kern ist, der nur durch den Firnis vielfacher Vorurteile und geijtige Unreife umjchalt ist. Herr A. gab ihn mit erfreulichster ungezwungener Echtheit in Ton und Haltung. Dadurch war er von vornherein im ganzen sympathisch, und dazu kamen eine erquickliche Frische und Herzlichkeit des Temperaments und tleuie Merkmale einer gutmütigen Verwöhntheit, sodaß die vielen Schwachen des unüberlegten jungen Tollkopfes tri mildestem Lichte erschienen. Nur noch ein bischen mehr verführerisches Draufgängertum fehlte, um Herrn A. zum vollkommenen Darsteller der Beyerlein'schen Figur zu machen. Jedenfalls ist der frostige Fricke vom Frankfurter Schauspiel als Laiiffen Herrn Achterberg unendlich unterlegen. Den Sergeanten Helbig gab Herr ©anborff. Besonders im 1. Akt bot er eine recht gut ausgearbeitete Leistung. Die stürmische Begrüßung seines einstigen Bräutchens und die Enttäuschung über den Verlust kamen durchaus lebenswahr bei ihm zum Ausdruck. Mit echter Leidenschaft spielte er auch die nächtliche Eifersuchtsszene, und überzeugend vor Gericht den Trotz des zum Schweigen verurteilten Betrogenen. Herr Direktor Steingötter karikierte nicht, wie Bolz in Frankfurt, die feudalwüchsige Gestalt des hoch aristokrati- chen Rittmeisters. Sein hübscher kurzer Auftritt mit Volkhardt am Schluß des dritten Aktes war ganz brillant. Em ganz prächtiger Typ war der Vizewochlmeister Queiß, wie ihn Herr Köhl, ein neuer Herr, barstellte. Herr Köhl hatte bie Figur mit einer Robustheit angepackt, daß man schier verblüfft wurde durch diese goldechte 9taturtreue. Er ist so was wie eine Art Kaspar aus dem Freischütz, dieser verbissene Weiberhasser und Pferdeschwärmer mit dem echten Herzen in der herben Brust. Angemessen war der Ton, den Herr Tamke für den korrekten Leutnant von Höwcn fand, den Beyerlein nur allzu absichtlich dazu engagiert hat, um das moralisch-honorige Prinzig zu vertreten. Die Maske war vielleicht etwas zu jugendlich, bas wieberholte .mein Söhnchen" lag ihm nicht recht; er ist doch so etwas wie ein Offizier- corps-Leibbursche. Allzu jung sah der den 9)lajor§epauletten nahe Rittmeister des Herrn Pichler aus, der sonst seine kleine Episode gut machte. Dem Burschen Michaleck aus den gesegneten Gefilden derer von Kwileckl gab Herr Gronert, ohne in possenhafte Karikatur zu verfallen, doch alle die Karikatur, bie eine solche Figur aus dem Leben für uns zu haben pflegt. Mit Anerkennung genannt zu werden verdienen sch^eßlich auch noch die Herren Telety, Haag und Conradi. Tie militärischen Formen und Uniformen waren genau beobachtet. Der Ort der Handlung, eine Art Forbach, konnte nicht mehr markiert werden, da alle 4 Akte in der Kaserne spielen. 9iur in den Kosenamen, wie Bübele rc., mit denen Klärchen ihren Leutnant bedenkt, kam es zum Ausdruck, daß man in den Reichslanden sich befindet. Also hat Beyerlein wohl den Gebrauch des elsässischen Dialekts gewünscht. Die deutsche Armee hat nun auch in Gießen das Stadttheater wohl für mehrere Abende besetzt nach dem gestrigen Siege. Diese Erfolge unserer Soldatenstücke sind im Grunde doch Erfolge unserer Soldaten, Kundgebungen der alten tief» wurzelnden Sympathie für das Volksheer — trotz Bilse, Breidenbach und Konsorten. Hat Beyerlein auch Clara Viebigs Roman „Die Wacht am Rhein", Sudermanns „Fritzchen" und wer weiß was sonst alles noch benutzt, das Stück ist doch überaus geschickt für das Theater zurechtgemacht. Die Presse kommt in ihm zwar schlecht weg, sie pfeift aber darauf, und obendrein ganz objektiv von allen Dächern sein Lob. Darum legt vielleicht ein Unbefangener, wenn er einmal im Leben einem Leutnant von Höwen be- begegnet, ein gutes Wort für uns bet ihm ein. P. W. — Beyerleins neuer Einakter „Der Kaufmann" ttnrrbe im Leipziger Stadrthecrter zwar lebhaft beklatscht, aber von der dortigen Kritik mit großer Reserve als einfacher Theaterooup angesehen. — Tas neue Fulö a'sche Versdrama „No v e lla d'Andrea" wird im „Teutschen Theater" in Berlin wahrscheinlich mit Frau G-eßner in der Hauptrolle, aufgefüyrt werden. Tie Feuerprobe hat das Werk im Wiener Burgtheater rühmlichst bestanden. Tie Buchausgabe erschien soeben in 3. Auflage bereits bei Cotta in Stuttgart. — Von dem vor zwei Jahren im Verlage von A. Hofmann il Co. in Berlin SW. 12 erschienenen Werke: „Tie Karikatur der europäischen Völker" ist soeben der zweite und letzte Teil gefolgt, der die an weiter sch üt-- ternden Ereignissen so reiche Zeit von 1848—1900 behandelt. Menn man bedenkt, daß der „Völkerftühling" von 1848 die politische Karikatur in Deutschland, Jtasten, Oesterreich erst hat entstehen lassen, wie er in Frankreich die Veranlassung zur Wiedergeburt der politischen Karikamr gab, wie allein schon — abgesehen von allen anderen großen politischen Vorgängen dieser 50 Jahre — die Kriegsereignisse von 1864, 66,70, ferner das Wirken Napoleons 111. und Bismarcks eine ungeahnte Fülle der schärfsten, aber auch geistreichsten, künstlerischsten Peodulte der gi.zeichneten Satire gezeitigt haben, — so kann man sich ein ungefähres Bild von dem reichen, fesselnden, belehrenden, unterhal-ten- ben und amüsanten Inhalt dieses neuen Bandes machen. Ed. Fuchs, der Schöpfer des Werkes, hat mit umfassender Kenntnis den gesamten Stofs bearbeieet. Von dem überreichen Niateeial, das er au,gestöbert und durchforscht haben muß, hat er reichlich das künstlerisch Beste, poliftsch Charak- tenpischste und von Gesellschafisiarikacuren das Wirkungsvollste und Amüsanteste dem Werke angefügt. Elwa 500 Textbilder und 6ü Beilagen seltener und hervorragender Burlier schmucken den Band, der in 20 Heften ä 75 Pf. zur Ausgabe gelangte. & In besonders grosser Auswahl und hervorragender Pre^swiirdigkeit jeder Art Pelzwaren 9352 Seltersweg 20. | als: Colliers, Boas, Maffe für Damen nnd Kinder. ■ Ssltersweg 20. JL Holterhoff SSlime Es können eingestellt werden: 9354 Erssi Bloednefj Teppich - Geschäft Seiterswe$, Ecke Blockstrasse. Telephon 367. 9167 Läden, und 9339 ' towhts-teletag 9082 Abgepasste Taschen in Kjlien Kellbech.Chtmnita C. Röhr & Co ,z ,, ■ .. 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' ■<.-V ,----—I- -U - i- ...v< .•. ‘-...-v- - • Bcltcftcs 6e(d)äft am Plane bietet größte öäkäNtlk beim öouge von Schaukelsesseln Schreibsesseln Klappsesseln Rohrsesseln sowie kompletten Garnituren Verdingung. Für die Bezirks -Kommando-Neubauten soll die Ausführung der Lruoleum- beläge vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen können im Bureau des Unterzeichneten eingesehen oder von dort bezogen werden. Tenuin für die Abgabe der Angebote: Dienstag, 22. Dezember, mittags 12 Uhr. Wetzlar, 12. Dezember 1903. Der Kreisbaumeister: W. Witte. 9292 Blumentische Sessel Puppen- u. Sportwagen Leiterwagen darunter 90 Türen zu beschlagen. 28 qm eiserne Geländer, Treppen etc. 800 kg Lichtjchachtroste. Glaserarbeiten in Teppichen Tischdecken Vorlagen Läuferstoffen Linoleum-Teppichen Import Zigmen-Lttsand Dunwiimi’ HIHZTLKUS GIESSEN , 1 Schmied, 1 Schneider, 1 Friseur, 1 Wäscherin, 1 Schuhmacher, 1 Hausbursche, 1 Köchin, 8 Dienstmädchen gegen hohen Lohn iür hier und ausivärts. Lehrlinge: 1 Schreiner, 1 Metzger, i Kiner, 1 Friseur. CS suchen Arbeit: 1 Schmied, 2 Schlosser, 1 Buchbinder, 1 Mälzer, 1 Metzger, 1 Schuhmacher, 1 Poruer oder Diener, 1 Einkassierer, 9 Hausburschen, 1 Kutscher, 1 Fuhrknecht, 1 Kellner, 2 Laussrauen, 2 nmdchen, 3 Bureaugehllien. _______________________________ Verdingung. Die Herstellung und Lieferung von Schlosserarbeiten für die zum Kanal-Betrieb erforderlichen Geräte, sowie die Lieferung von Kanal- bürftcu soll Mittwoch den 23. d. Mts., vormittags 1173 Uhr, öffentlich verdungen werden. Zeichnungen, Arbeits-Beschreibungen und Bedingungen liegen während der Dienst- stunden auf unserem Amtszimmer zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 14. Dez. 1903. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. 9322 2Li.bei.ts- und Notenständer etc. in reicher Auswahl zu billigen Preisen. Irrgcöung von Dauarbeiten. Für den Neubau der Universitäts-Bibliothek sollen folgende Arbeiten des inneren Ausbaues auf Grund des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1903 öffentlich vergeben werden. Schreinerarbeiten Los I bis IV darunter 55 Türen, 48 qm Jnnenläden, 91 qm Fußböden, 154 eichene Trittstufen, eine Stocktreppe, 63 qm Buchenparkett. Anstreicherarbeiten Los I und 11 darunter Lein- und Oelsarbenanstrich auf Decken und Wänden; ca. 5 400 qm Anstrich auf Holz: 55 Türen u. s. w., Anstrich von Eisenkonstruktlonen: ca. 12 400 Ifdm. Schlosserarbeiten Los 1 und II tücher jeder Art 9126 Leinen, Halbleinen und Baumwolle. J ,1 Spezial-Teppich-Geschält 9288 Ecke Seltersweg und Plockstrasse 2. Telephon 867. NkMütiir mih Nciiliiilllile m W- uni! Wnsserlcitunisen jadjgemäß und schnellstens. 8678 O*. JLppsl, KLlÄliationS-CcsGst 36 Seltersweg 56. 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