Nr. 243 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Untverj.-Buch-u.Stem- druckerei (Pietsch Erdens Redaktion, Spedition und Druckerei: Schnlftratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gtetzep. Fcrnsprechanschluß Nr. 51. Erstes Blatt. Freitag 16. Oktober 1903 153. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger Amis- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ve»«gopretSi monatlich 7b Ptt viertel' jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährt, ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen üx die Lagesnummer jiS vormittags 10 Uhr. x,eilenpret8; lokal 12 Pj^ auswärts 80 Psg. Veraatworltich für den polt! and augem. Teili P totitto: für .Stadt und &mir und .GerichtSjaal": August Götz, für den Anzeigenteil: HanS Beck. yie Merschieöuug des römische« Zarenöesuchrs und die Weltlage. JA London schenkt man, wie von dort gemeldet wird, erner n e u e n al arm ier en d en Na chricht der „Morn. Post" ans Tschifu B>eachtung, wonach dort die Gerüchte über das Bevorstehen eines Krieges zwischen Rußland und Japan sortdauern. In Tschifn glaubt man, daß die japanische Flotte in einem Konflikt mit Rußland desjen Flotte besiegen würde. Es sei nicht ausgeschlossen, daß die chinesischen Tru ppen an der Seite der Japaner kämpfen würdem Nach China seien in den letzten Monaten große Mengen Waffen und Munition eingcsührt worden. Daß Japan tatsächlich gefahrdrohende Gelüste hat, >mterliegt ja längst keinem Zweifel. Der Premierminister, der Marineminister, der Kriegsminister und der Minister des Auswärtigen und der Finanzen hielten, wie aus Tokio gedrahtet wird, am 15. d. M. wieder einmal eine Konferenz ab, an der auch der Vizechef des Generalstabs, Kodama, teilnahm. In gut unterrichteten Kreisen ist man, nach Reuter, allgemein der Meinung, daß Japan darauf bestehen wird, daß Rußland seinen Versprechungen nach- kommt, — was kaum zu erwarten ist. Trotzdem werden die ostasiatischen Verhältnisse an Berliner maßgebender Stelle nach wie vor im Licyte einer friedlichen Lösung der Spannung betrachtet und die Verschiebung des Zaren- besuches in Rom mit der Lage in Ostasien dürfte doch Wohl nicht in Verbindung zu bringen sein. Wenn in italienischen Blättern Darmstädter und Berliner Einflüsse für die Verschiebung des Zarerrbesuches verantwortlich gemacht werden, so handelt es sich dabei zweifellos lediglich um Einflüsterungen aus französischer Quelle, denen offenbar durchaus nichts Tatsächliches zu Grund liegt. Sehr bemerkenswert ist, was das Turiner Blatt „Mo- mento" von einem Interview des sozialistischen Deputierten Morgari mitteilt, der die Agitation gegen den Zarenbesuch ein geleitet hat. Morgari erklärt, die italienischen Sozialisten hatten eine Ver- ragung des Besuches nicht erwartet. Beim russischen Proletariat, unter das eine Million Abdrücke seiner Interpellation in der italienischen Kammer über den Zaren- ocsuch in Rom verteilt worden sei, werde, wie er glaube, die Vertagung ein lautes Echo finden. Hätte der Zar Rom besucht, so wären feindliche Kundgebungen irgendwelcher Bedeutung nicht veranstaltet worden, da die Sozialisten in Rom eine kleine Minorität bildeten. Sie würden, wenn der Zar noch komme, auf Demonstrationen verzichten, weil ihr Zweck nunmehr erreicht sei!!! Dem „Giornale d'Jtalia: zufolge tritt der russische Botschafter Nelidow noch immer für den Besuch ein. Den Entschluß des Zaren, die Reise aufzuschieben, bedauerte er sehr. Die „Tribuna" sagt, es erhalte sich' das Gerücht, die Vertagung der Reise sei auf das Verhalten der russischen Polizei zurückzuführen. Ein wenig Wahres und viel Falsches offenbar schreibt in folgendem der Londoner „Daily-Tesegraph": Die Sachlage ist zu klar, als daß sie die Ableugnung der Tatsache zuließe, daß, wenn sonst nichts, die Gewalt der Umstände die großen Mittelmeermächte zu engerem Zusammenschlüsse bringt. Der Verzicht des Kaisers von Rußland auf den Besuch in Italien beeinträchtigte nicht im mindesten die Wärme des Empfanges, den der König von Italien in Paris gefunden hat. Es sieht sehr danach aus, als wenn wir am Vorabend der Auflösung der offiziellen Bündnisse und chrer Ersetzung durch Gruppen ständen, die ohne äußere Form durch gemeinsame Jnteressensympathien verbunden werden. — An das letztere ist natürlich nicht im geringsten zu denken. Dagegen ist der engere Zusammenschluß der beiden Mittelmeermächte wohl allerdings in Paris voll- zogen worden. In der Mittelmeerpolitik, über die während der Pariser Festtage zwischen den Ministern Delcasss und Morin zweifellos verhandelt worden ist, hat aber auch Spanien ein immerhin gewichtiges Wort mitzureden, da es durch seinen nordafrikauischen Besitz das eigentliche Eingangstor zu Marokko beherrscht. Ueber Spanien hinweg werden also zwischen Frankreich und Italien Vereinbarungen nickst getroffen werden können. 9dm ist zwar in letter Zeit mancherlei gemunkelt worden von Verhandlungen zwischen Frankreich, Italien und Spanien in der Mittelmeerfrage, etwas Tatsächliches aber ließ sich aus alledem nicht entnehmen. Im Gegenteil fordert dre Be- ackUung heraus, daß der spanische Ministerpräsident Vrlla- verde feine vor einiger Zeit stattgehabte Reise nach Parts unter ausdrücklicher Ableugnung des politischen Charakters mit finanziellen Absichten motivierte, und ferner, daß Präsident Loubet seine schon wiederholt als bevorstehend gemeldete Reise nach Spanien nochi nicht angetreten hat. Ob die Vermutung zutrisft, mit Spanien werde über dre Mittelmeerpolitik erst verhandelt werden, nachdem die beiden Großmächte zu einem Einvernehmen gekommen sind, wird sich la bald Herausstellen. rr^>n—i....................... Deutsches Keich. Berlin, 15. Okt. Der Kais er traf mit Gefolge beute in Chorin ein, besichtigte dreiviertel Stunden die Klofterruine im Beisein der Minister Dr. Studt und von Podbielski und reiste dann nach Wildpark ab, wo er um 2 Uhr 55 Min..eintras. Er begab sich nach dem Neuen Palais. , „„„ , r . — Die aus den türkischen Gewässern abberufene ^re- gatte Moltke erhielt heute vom Kaiser Befehl, von Venedig am 7. November zur Geburtstagsfeier des Sultans K o n st a n t i n o p e l anzulaufen und der Einweihung der dortigen staatlichen Medizinschule beö- zuwohnem — Wie die „Germania" mitteilt, wird der heute aus Rom hier eingetroffene Prälat Dr. Wilpert morgen vom Kaiser in Audienz empfangen werden, um demselben das von ihm verfaßte Prachtwerk über die Malereien der Katakombe n mit einem Handschreiben des Papstes zu überreichen. — Der Bund esrat stimmte in seiner heutigen Sitzung den Anträgen des vierten und sechsten Ausschusses über den Antrag Preußens auf späteres Inkrafttreten der Krankenversicherungsnnovelle vom 25. Mai 1903 für die preußischen Knappschaftskassen sowie den Anträgen des siebenten und vierten Ausschusses über die Vorlage betr. Ausprägung von Kronen zu. — Wie die „Deutsche Tagesztg." hört, gilt es für ausgeschlossen, daß der preußische Landtag eher einberufen werde als in der zweiten Januarwoche. Die Entschließung wird damit begründet, daß weder die Hochwasser-Vorlage noch der Etat früher fertiggestellt werden können, sodaß der Landtag kein genügendes Material zur Beratung haben würde. Weiter wird dem genannten Blatte mitgeteilt, daß die Einberufung des Reichstags vor Anfang Dezember sich!er nicht zu erwarten sei. — Aus der Gen er al-Sy node wurde ein kaiserl. Erlaß mitgeteilt, der eine Ausbesserung der materiellen Lage der evangelischen Pfarrer herbeiführen soll. Berlin, 15. Okt. Die Generalversammlung des Verbandes der Viehhändler Deut sch lands hat bezüglich des Reichsviehseuchengesetzes folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die zu ihrer Generalversammlung versammelten Mitglieder des Verbandes der Viehhändler Deutschlands erklären die zurzeit vorliegenden amtlichen Vorschläge zur Abänderung des Reichsviehseuchengesetzes für unannehmbar und sprechen die bestimmte Erwartung aus, daß bei Abänderung des Gesetzes den Wünschen der Viehhändler mehr Rechnung getragen und diejenigen Härten beseitigt werden, welche schon lange als wirtschaftliche Mißstände beklagt werden, zu einer praktischen Bekämpfung der Viehseuchen nicht erforderlich sind, und wenn sie weiter bestehen bleiben, den Viehhandel zu unterdrücken drohen." Leipzig, 15. Ott. Die ,^Leipz. N. Nachr." melden aus Dresden, daß das neue sächsische Landtags- Wahlgesetz, dessen Entwurf den Mitgliedern der Vorder atu ngskotnmission bereits zugegangen ist, im wesentlichen Neueinteilung der Wahlkreise und zwar Verminderung derselben bringe, während die Zahl der Abgeordnete n mindestens die gleiche wie bisher bleiben werde. In der zweiten Kammer werden wahrscheinlich einzelne Körp er schäften un d Berufsvereine, vor allem die Handelskammern, besondere, von den allgemeinen Wahlen unabhängige Vertreter erhalten. — In Reichsgerichts kreisen wird angenommen, daß der Direktor im Reichsjustizamt Dr. Gutbrod zum 9i e i $ S * gerichtspräsidenten ernannt werden wird. Keer uuü Srolte. Berlin, 15. Okt. Die „B. N. 9?." melden, Kultusminister Dr. Studt habe in einem Erlaß bestimmt, wegen der bei den Herb st üb ungen alljährlich unter den Mannschaften des Heeres vorkommenden Fälle von Unter» teibtyphus und Ruhr infolge von Infektionen sollen vor den Manövern in dem in Frage kommenden Gelände Ortsbesichtigungen durch Kreisärzte und militärische Sachverständige vorgenommen werden. — Dem „Vorwärts" zufolge ist die Mättermeldung unrichtig, nach der Fähnrich Hüssener in Dtagdeburg Spaziergänge in den Straßen unternehme. Es handle sich nur um Spaziergänge in der Hauptallee der Zitadelle. Hüssener trägt Uniform, jedoch nicht den Dolch. Ausland. Marseille, 15. Okt. Der Generalrat des Departements Bouches du Rhone nahm einen Antrag an, in dem der Wunsch ausgesprochen wird, daß das französische Parlament einen Plärr aufftellen möge, um em internationales Schiedsgericht sowie Stillstand oder Ermäßigung der Heeresausgaben herbeizuführen. Wien, 15. Ott. König Leopold hielt sich am Samstag auf der Fahrt nach Wien auf Station Pölten mehrere Stunden in einem dortigen Hotel auf. Es verlautet, die Gräfin Lony ay werde dort mit dem König z u s a m m e n t r e f f e n. Sofia, 15. Ott. Jeder Tag bringt neue Anzeichen, daß die Kriegs st immun g der maßgebenden Kreise sich verflüchtet. Tatsächlich werden hier täglich Freischärlertransporte von der Polizei eingebracht. Das Blatt „Welsch. Poschta" meint, der frühere Kriegs Minister Papri- kow habe die Hanfschnur verdient, weil er die Armee ohne Munition gelassen habe. Den jetzigen Machthabern gehöre die Seidenschnnr, w e il sie 30 Millionen für Kr i e gs an s ch a ff un g e n aus gegeben haben, ohne letztere zweckmäßig zu verwenden. Konstantinopel, 15. Okt. Nach Mitteilungen der Pforte begehen bulgarische Bändert in den von Bulgaren bewohnten Dörfern der vier rrrmeliottschen Provinzen Brandstiftungen und richten dort Verwüstungen an, um die Einwohner zu zwingen, sich nach Bulgarien zu begeben und so in Europa das Gerücht in Umlauf zu setzen, daß die Einwohner jener vier Provinzen sich nach Bulgarien retten, um den Verfolgungen seitens der Türken zu entgehen. Munq der Stadtverordneten. Gießen, 15. Ott. Anwesend Oberbgm. Mecum, die Beigeordneten Georgi und Heyligenstaedt, die Stadtv. Brück, Em- melius, Euler, Faber, Dr. Gutfleisch, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Huhn, Jann, JugHardt, Kirch, Krumm, Leib, Loos, Pe tri, Dr. Schäfer, S ch a f f st a e dt, Schiele und Wallenfels. — Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt Oberbgm. Mecum mit, daß der Erweiterungsplan des Bahnhofs vom Architekten Hofmann der Stadt zugegangen sei. Dieser Plan ist an der Wand des Sitzungssaales zur Einsicht aufgehängt. Oberbgm. verliest ein Schreiben der hiesigen Eisenbahnbetriebsinspektion an das Großh. Kreisamt, worin die Genehmigung der Pläne des Erweiterungsbaues des hiesigen Stationsgebäudes mitgeteilt wird und ferner, daß der neue Wartesaal 3. und 4. blasse zuerst errichtet werden soll. Dann soll die Hatte auf dem 1. Ober- hessischen Bahnsteig errichtet werden und die Hallenverbindung zwischen dieser und dem neuen Wartesaal 3. und 4. Klasse. Dadurch, wird es möglich, daß das Publikum vor Nässe und Wetter geschützt in das Bahnhofsgebäude gelangen kann. Ferner wird noch mitgeteilt, daß zum Tragen des Gepäckes, falls die Gepäckträger anderweitig beschäftigt sind, unbeschäftigte Dienstmänner stets zur Verfügung stehen. Der Rechnungsabs chluß des Elektrizitätswerks für 1901/1903 ergiebt die Summe aller Einnahmen von 200 305.01 Mk., 6405.01 Mk. mehr als im Voranschlag vorgesehen war. Einnahmen und Ausgaben betragen in der Gesamtsumme gleich viel. Unter den Betriebseinnahmen sind 109 694.48 Mk. für abgegebenen elektrischen Strom, 2743.19 Mk. für Elektrizitätszählermiete, 19 461.88 Mk. aus »gefertigten Anschlüssen; die Summe der Betriebseinnahmen beträgt 160 591.99 Mk. Die Einnahme für das Vermögen beträgt 39 713.02 Mk. Unter den Betriebsausgaben jind Kapitalzinsen 53166.64 Mk., Amortisation 19 802.49 Mk., Gehalte und Löhne 21429.67 Mk., Heizmaterial und Wasserverbrauch 8 917.22 Mk. (13082.78 Mk. weniger als nach dem Voranschlag), für gefertigte Anschlüsse 16600.11 Mk., Anschaffungen für das Lager 2o 751.35 Mr.; die Summe der Betriebsausgaben beträgt 160 591.99 Mk. Tie Summe der Ausgaben für das Vermögen beträgt 39 713.02 Mk. Stackkv. Kirch äußert den Wunsch«, die Bediensteten, die in dstn Häusern die Elekttizttätskraft feststellen, möchten sich besser legitimieren als bisher; er ichlägt eine Dienstmütze für sie vor. Oberbgm. 9Necum will der Sache näher treten, meint aber, seines Wissens hätten die Arbeiter bereits Legitirnattonskarten. Das Baugesuch der Baugenossenschaft des evattgelischen Arbeitervereins, der am Wetzlarerweg eine Kle inkinderschul e mit einem Teil des oberen Geschosses in geschiefertem Fachwerk errichten will, ist von der Baudeputation befürwortet worden und wird genehmigt. Das Baugesuch des Georg Schäfer für „An den Bahnhöfen" wurde abgelehnt. Das Baugesuch des Ph. Schwan für eine Scheuer an der Rodheimerstraße an Stelle der vor einigen Monaten abgebrannten wird unter der Bedingung genehmigt, daß der Besitzer die Scheuer, wenn sie dereinst hinderlich werden sollte, wieder beseitigt. Das Baugesuch des Wilh. Hause für die 9Näusburg wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Das Baugesuch des Julius Ruck st u hl und Alfred Fröhlich für die Walltorstraße wurde genehmigt. Ter Müller Möser baut eine neue Mühle und vedarj eines Dispenses wegen 4 Fenster, die .vom Nachbargrundstück nicht 3 Meter Ab stände-hab en. Das Gesuch wird genehmigt. Ein Dispensgesuch des Weißbinders Lauus- pach wegen eines Erkers in der Alicestraße, das ebenfalls ursprünglich nicht auf der Tagesordnung stand und ein Dispensgesuch des Apothekers Dornberger, der am seiner Apotheke ein größeres Firmenschild anbringen will, wurden genehmigt. Ein Gesuch des Albert Rubsamen um Gen eh- m i g u n g zum Lagern von Kies auf einer städtischen, von ihm gepachteten Wiese wird unter der Bedingung genehmigt, Paß der Gesuchsteller 500 Mk. hinterlegt für eventuelle Instandsetzung der durch das Lagern des Kieses verdorbenen Wiese. Diese Instandsetzung nruß ein Jahr vor Ablauf des Pachtvertrags stattfinden. Für die Reparatur eines Kessels in dem Kasernengebäude werden auf Antrag der Buudepntation 160 ML bewilligt. Tas Gesuch der Firma Stein und Meyer wegen Herstellung einer Zufahrt zu den Häusern Ostanlage 20 und 22 wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Die Anlage von Ueberbrückungen im Reust ä d t e r Feld wird dem Gesuchsteller Georg Bichl er auf Befürwortung der Kulturinspektion zugestanden. Die vom Tiefbauamt beantragte Um Pflasterung der Markt st raße ruft eine längere Debatte hervor. Von der Stadt wird nach dem Antrag der Baudeputation für diese Arbeiten ein Kredit von 865 Mk. beantragt, während der Firma Jäger und Rumpf 105 Mk. zur Last fallen. Es war nämlich nötig geworden, um den alten Kanal aufzufinden, das ganze Straßenpflaster aufzureißen, für dessen Instandsetzung, soweit die neue Kanal- anlage diese Aufreißung des Pflasters nicht bedingt hätte, die Stadt mit Idem Betrag von 865 Mk. auszukommen hat. Stadtv. Kirch spricht seine Verwunderung darüber aus, daß man solche Arbeiten vornehmen wolle, wenn man sich nodi ®or nidfxt klar gemacht habe, wie man fidj: in Zukunft die Pflasterung der Staöt denke. Er erinnere nur an die Ettvägung, ob man eine elektrisclie Straßenbahn schaffen wolle. — Oberbgm. Mecum erklärt, für den ver- c hältnismäßig kleinen Betrag wolle man nur ein Provisorium schaffen. Die notwendigen Ergänzungen des Pflasters könne man nicht umgehen. Soweit das alte Material noch brauchbar sei, würde es zu der llmpflasterung verwendet. Ms man endgittig an ein neues Pflaster denken könne, dauere 4 Jahre. So lange könne es aber bei dem jetzigen Zustand des Pflasters nicht bleiben. — Stadtv. S ch a f f - staedt meint, man solle mit solchen Umpflasterungen recht vorsichtig sein. Aus dem Seltersweg und an anderen Straßen würde man schließlich in dieselbe Lage verseht und sehe sich dann fiir die paar Jahre vor eine Ausgabe von vielleicht 30000 Mk. gestellt. Stadtv. Hanau erklärt, die beinal-e 1000 Mk. wären rein zum Fenster hinausgeworfen, an die llnv- und Neupflasterung komme inan doch. — Stadtv. Brück unterstützt den Antrag des Tiefbauamtes. — Stadtv. Schaffftaedt giebt noch einmal zu bedenken, daß man innerhalb ö Jahren 3 Umpflasterungen vornehmen wolle. — Beig. Georgi hält es für am besten, die Sache dem Bau- crusschuß noch einmal zur Erwägung zu geben, um festzn- steUen, wie man am billigsten sich helfen könne. Es sei eine Umpflasterung nicht unbedingt notwendig; vielleicht genügten einzelne Ausbesserungen. — Stadtv. Haubach erklärt nochmals, warum es sich hier um besonders große Reparaturen durch die Stadt handele, und hält an der Ansicht fest, daß mau die 865 Mk. bewilligen müsse. — Stadtv. Heichelheim meint, man dürfe nicht blos auf die Empfehlung des Tiefbauamts hin den Betrag bewilligen; nachdem man aber wisse, daß der Bauausschuß sich mit der Sache beschäftigt habe, sehe er nicht ein, weshalb man sic noch einmal an den Ausschuß zurückverweisen solle. — Stadtv. Jughardt ist gegen die Vornahme der Umpflasterung. Schließlich wurde die ganze Sache von der Tagesordnung ausgesetzt. Zur Beschaffung eines Regenmantels für den Straßenmeister wird ein Kredit von 25—30 Mark bewilligt. Stadtv. Krumm verlangt solche Mäntel auch für die Straßenkehrer, steht aber mit der Ansicht allein, denn man erklärt, in solchen Mänteln könnten die Leute nicht arbeiten. Für die Umgestaltung der Gi eß fäss er - für die Straßenbesprengung werden 542 Mark bewilligt und die freihändige Vergebung der Arbeiten beschlossen. Bezügliche des Fahrens der Gießfässer während der Wintermonate will nran mit Karl JudHardt LL zu den bisherigen Vertragsbedingungen sich einigen. Die Lieferung von Straßenkappen für die Kanalisation wurde genehmigt und der Firma Michelbacher Hütte, das Versetzen der Kappen der Firma Jäger und Rumpf übertragen. Ter Beschluß über Verlegung des Stadtringgrabens zwischen Marburgerstraße und Landgrafenstraße wurde aus der Tagesordnung ausgesetzt. Ebenso die Vergebung der Arbeiten für die Kanalisation; nur die Lieferung von zwei Deckeln für Schnee schachte wurde der Firma Michelbacher Hütte übertragen. Die Beschaffung von Geräten usw. für den Kanalisatiousbetrieb (u. a. ein Schlamm- wagen- im Gesamtkostenbetrag von 6500 Mark wird nach kurzer Debatte genehmigt. Beig. Georgi wollte die Beträge für die einzelnen Anschaffungen wissen und ev. die Beschlußfassung darüber vertagen. Stadtv. Krumm wollte die Angelegenheit der Finanzdeputation überwiesen wissen, worauf Oberbgm. M e c um ^erklärte, diese sei nicht sachverständig, und die Vaudeputatiou habe die Angelegenheit geprüft. Da eine Betriebs ko loane eingeführt und eine Vermehrung der Bediensteten vorgenommen werden sollte, glaubt Stadtv. Krumm, darüber könne auch die Finanzkommission urteilen. Stadtv. Haubach betont, in der Finanzdeputation würden dieselben Gründe für die Anschaffungen vorgebracht und das Resultat bliebe dasselbe wie jetzt. Der Antrag Krumm, die Sache der Finanzdeputation zu überweisen, erhält nur fünf Stimmen; für den Antrag der Baudeputation, die Summe von 6500 Mark zu bewilligen, ist die Mehrheit; er ist also au- genormnen. Die Vergebung von Kanalisationsarbeiten wurde einstweilen ausgesetzt. Dem Gesuch des L. Beil um Abtretung von Gelände am Schlffenbergerweg wird willfahren; er muß 1L50 Mark für den Quadratmeter zahlen. L. Seuling hat sein Gesuch um Abtretung von Gelände an der Roonstraße zurückgezogen. Die Auffüllung der Gerbergruben in der früher Franz Blank'schen Hofraithe in der Bahnhofstraße soll Karl Jughardt II. übertragen werd em Auf die Bemerkung des Stadtv. Leib, diese Gruben seien seines Wissens schon zugeschüttet worden, erwidert Oberbgm. Mecum, dann sei die Arbeit nicht mehr nötig und eventuell würden entsprechende Abzüge gemacht werden müssem Er wolle sich Mer die Sache Gewißheit verschafsem Die Sache wird vertagt. Die städtischen Friedhofsarbeiter haben um Lohnerhöhung ersucht mit der Begründung, der Weg ^u ihrer Wohnung vom Rodberg aus sei zu weit, und das Mittagessen außerhalb ihrer Wohnung mache ihnen Mehrkosten. Die Lohnerhöhung wird abgeschlagen, aber eine längere Mittagspause, von 12 bis Vs2 Uhr gewährt. Tie jetzigen Verhältnisse der L a st w a g e n der Stadt sollen auf Beschluß der Versammlung auch ferner' bestehen bleiben. Ein Antrag der Baudeputatiou, süx eine Reparatur einer Lastwage am Neuftädter Tor 300 Mark zu bewilligen, wird genehmigt und diese Reparatur Daniel Kleinke freihändig übertragen. Tie Beschlußfassung über Bau Veränderungen im Bürgermeistereigebäude wurde vertagt. Die Bau- deputation hatte 1300 Mark erbeten für eine vauliche Veränderung der Stadtkajje. Der Eingang zur Stadtkasse soll von der Süd anlag e in die Gartenrstaße verlegt und die Räume zweckdienlicher eingerichtet werden. Oberbgm. Mecum teilte Pläne mit, ivonach auch später an bauliche Veränderungen im oberen Stockwerk und an eine Verlegung des Sitzungssaales der Stadtverordneten in das alte Rathaus gegangen werden soll. Beig. Georgi erklärt darauf, man müsse die jetzt beantragte Veränderung aufschieben bis sich her ausgestellt habe, ob das, was der Oberbgm. plane, später möglich werde. Man müsse klar sehen, was mit diesem Hanse überhaupt werden solle. Einer Verlegung des Sitzungssaales in das alte Rathaus werde er nicht zustimmen, da die Räume dort zu niedrig seien und die Nähe der Bürgermeistereiräume, von wo hoch oft Aktenstücke rasch herbeigeschasft werden müßten, fehle. Stadtv. Kirch schließt sich dieser Meinung an, und darauf wurde die Vertagung der Angelegenheit beschlossen. Die Witwe Jean Tietz hat der Stadt.1500 Mark ver- uurcht mit der Bedingung, daß diese für die Unter Hal tuns des Grabes ihres Mannes sorgen möge. Die Friedhofs- kommissiou empfiehlt' die Annahme des Vermächtnisses, womit die Versammlung einverstanden ist. Damit war die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erschöpft. Bevor man in die geheime Sitzung eintrat, macht Stadtv. Wallenfels darauf aufmerksam, daß die Anlage des Neubaues von Rinn mit dem anstoßenden Pferdestall an der Ecke der Landgrafenstraße und Ostanlage viel Unwillen in der Stadt hervorgerufen habe und daß man dieses Projekt lieber vorher der Stadtverordnetenversammlung hätte vorlegen sollen, die gewiß ihre Zustimmung nicht erteilt hätte. (Die betreffenden Pläne haben der Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung vom 26. Juni d. I. vorgelegen uud sind nicht beanstandet worden. Oberbgm. Mecum schien sich dessen nicht zu erinnern.) — Es folgte darauf die nichtöffentliche Sitz- ung, in der unbedeutende Angelegenheiten erledigt wurden. Aus StaA und Land. Gießen, den 16. Oktober 1903. ** Personalien. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben den Gewerbeinspektor Friedrich Löss er in Offenbach zum Gcwerbeinspektor der Gewerbe Inspektion Darmstadt und den Gewerbeinspektor .Hans Engeln zu Worms zum Gewerbeinspektor der Geworbeinspektion Offenbach, sowie den Assistenten bei der Gewerbeinspektion Darmstadt Dr. Heinrich Müller zum Gcwerbeinspektor der Gewerbeinspektion Worms ernannt. — Der Lehrer an der Wein- und Obstbau- schule zu Oppenheim Dr. Karl Schulze wurde auf sein Nachsuchen seines Dienstes entlassen und der Assistent an der Großh. Badischen Landwirtschafti. Versuchsanstalt Augustenberg Dr. Franz Muth zum Lehrer an der Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim ernannt. — Dem Kirchendiener Peter Krebs zu Wald-Uelversheim wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Jnschxist „Für langjährige treue Dienste" verliehen. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Der Sonntag bringt wieder eine Novität, und zwar Skow- ronneks und Sterns neues Volksstück „Geschwister Lemke", das an allen Bühnen, die es bisher brachten, einen großen Heiterkeitserfolg erzielte. Zur Entlastung des Herrn Sandorsf, der augenblicklich mit dem Studium größerer Aufgaben in gebundener Sprache beschäftigt ist, hat Herr Direktor Hernrann Steingoetter, der auch! die Regie führt, die Rolle des Maschinenschlosser Gustav Horn selbst übernommen. () Weickartshain, 15. Okt. Dieser Tage weilte Bc- zirksamtmann Fritz aus Seh Pau auf den von Deutschland erworbenen australischen Marianeninseln, hier, um sich die von dem hiesigen Forstwart Stendal erfundene Baum f äl lm aschin e in Tätigkeit vorführen zu lassen. Herr Fritz (ein geborener Hesse) war von der praktischen Handhabung dieser Maschine sehr beftiedigt, und sicherem Vernehmen nach soll die Regierung entschlossen sein, für die Mariancninseln eine Anzahl dieser Baumfälttnaschinen zum Ausroden von Palmen anzuschaffen. Ein Hauptvorzug dieses Baumsällers besteht darin, daß dem zu fällenden Baum auch> eine beftimmte Richtung im Fallen gegeben werden kann, wodurch die bei der bisherigen Art des Baumfällens so vielfachen Unglücksfäkle vermieden werden. L Oberwöll ft adt, 15. Okt. Ein äußerst frecher Diebstahl wurde heute am hellen Tage hier ausgesuhrt. Seit zirka 14 Tagen befand sich der Schweizer Kart Schön aus Oesterreichs-Ungarn in Diensten des Landwirts Heinrich, Seitz hier. Durch fleißiges Arbeiten und liebenswürdiges Wesen wußte Schön sich das vollste Vertrauen seines Dienstherrn zu erwerben, das er aber hinterlistiger Weise dazu benutzte, um sich mit den räumlichen Verhältnissen vertraut zu machen. Seit einigen Tagen klagte der Mann über heftige Schmerzen am Fuße, sodaß ihm gestattet wurde, sich öfter im Zimmer aufzuhalten. Heute früh um 8 Uhr, als die Familie Seitz im Felde und nur die über 60 Jahre alte Mutter des Bestohlenen im Hause und der Schweizer im Hofe beschäftigt war, vollbrachte der Dieb sein wohl schon seit einigen Tagen vorbereitetes Werk. Aus einige Minuten verließ auch die alte Frau das Haus, um in der Nachbarschaft etwas zu besorgen. Während dieser kurzen Zeit drang der Dieb in das unbewachte Wohnhaus und schlug mit einem jedenfalls vorher bereit gelegten Holzbeil die Kopfleiste einer im Parterrezimmer stehenden Kommode ab, in deren oberster Schublade eine kleine Kassette sich, befand mit über 1000 Mk. in barem Gelde, einigen Losen und sonstigen Wertsachen. Am Tatort ließ der Dieb das abgebrochene Beil zurück, die abgehauene Kopfleiste der Kommode aber schob er unter das im selben Zimmer stehende Bett, und über die Fläche der Komnrode breitete er sorgfältig wieder die Decke. Nach dieser „Arbeit"' verschwand der Dieb über den Hof, indem er eine Seitentür in der Scheuer benützte, die direkt nach dem Felde führt Mit dem Raube ging er sogar an der inzwischen zurück- gekehrten alten Frau vorüber, die nichts Böses ahnte. Der ganze Vorfall wurde erst eine halbe Stunde nach der Tat bemertt, da auch> die alte Frau lmrge im Hofe beschäftigt war. Einige befteundete Orts^inwohner setzten dem Diebe nach Entdeckung der Tat sofort in verschiedmeir Richtungen, sogar unter Mittrahme einer mächtigen dänischen Dogge, nach, doch leider erfolglos. Heute nachmittag fanden im Felde arbeitende Leute die gestohlene Kassette, die erbrochen und leer war. Der Dieb ist mittelgroß, hat langes, schwarzes Haar, ebensolchen Bart und schwarze Augen. Bis jetzt ist die Polizei auf der Such^ nach, ihm. Ueriilischles. ♦ Berlin, 16. Ott. Die „Morgenpost" will erfahren, Prinz ProsperArenberg werde abermals auf seinen Geisteszustand untersucht werden, da er in der Strafanstalt zu Tegel neueAnzeichen geisti ger Minderwertigkeit gezeigt habe. Der Prinz sei deshalb zur Beobachtung in die Jrrenabteilung des Gefängnisses zu Moabit geschasst worden. * Budapest, 15. Okt. In einer Kunstblmnenfabrik am Josephsring brach infolge Gasexplosion Feuer aus, das sich sehr schnell verbreitete und das ganze Gebäude vernichtete. Drei Arbeiterinnen sind verbrannt, drei sind verwundet. Gerichtssaal. Wegen Majestätsbeleidigung hatte sich der noch nicht vierzehnjährige Schüler Groß ans Oberoltendorf bei Pirna vor der Straikarnmer in Bautzen zu verantworten. Der jugendliche Angeklagte, der erst vor kurzem wegen Drebstahls mü einem Verweise bestraft worden war, roni’bc zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. 5t o n st a n t i n o p e l, 15. Okt. Der dem 4. Korps-Kommando zugeteilte G eneral A l i Pascha rvurde wegen Hochverrat vom 51riegsgericht zur Degradatron und 7 Jahren 1 19. S Mchmittac Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Das Eil'gcsandt des Gießener Lehrervereins veranlaßt mich zur folgenden kurzen Feststellung: Die Versammlung in Halle fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der von dem Lehrerverein angegriffene Bericht ist durch Indiskretion in die Presse gekommen und enthält Unrichtigkelten nnb Entstellungen. 1. In der Versammlung wurden überhaupt keine Satzungen beraten und beschlossen, am allerivenigsten ein von „Titulatur und Raugstellullg" sprechender § 1. 2. Eine nur ganz beiläufig und nebensächlich erfolgte Erwähnung der Volksschullehrer ist durch Die Form der Berichterstattung in ungebührlicher Weise in Den VordergrunD gestellt unD MißDeutungen ausgesegt worDen. 3. Es ist mirichtig, daß der Kampf gegen den deutschen Lehrer- verem als Ziveck oder Aufgabe des Verbandes bezeichnet wurde. Wrn Mch Wen ,ich-n 3“< densaai- Lorni Mrc »anv Wrni aelnemde. 8 Wch> Festungshaft verurteilt. Sein Verbrechen bestand darin, daß ermit einer verbannteilPerfönlichkeitkorrespon- d i e r t hatte. * Kunst und Wissenschaft. Weimar, 15.Okt. Heute nachmittag wurde das Nietzsche- Archiv vor geladenen Gästen eingeweiht. Italien, die Schweiz und Frantreich hatleir Vertreter entsandt. 1 Richtig ist dagegen: 1. Die Organisation des deutschen Lehrervereins wurde in mancher Hinsicht als vorbildlich hingestellt. 2. Es wurde auf die in Volksschullehrerkreisen vorhandenen Bestrebllngen hingewlesen, die Seminarausbildung der durch unsere höheren Schulen übermittelten Bildung gleichgesetzt zu sehen, wodurch jederzeit Der Zutritt zum Studium imD zum Examen pro facultate docendi ermöglicht würDe. Solche Bestrebungen halte ich für übertrieben. _ Für Das Vorhandensein solcher Bestrebungen, auch in Hessen, führe ich heute hier nur einige Stellen an aus dem hessischen Lehrerkalender für 1903 S. 14 u. |. (Verlag von E. Roth, Gießen.) Dort heißt es: „D ie allgemeine Forderuna lautet: Die Volksschullel)rer sind auf Gruiid ihres ^eminarzeugnisses zuin Studium auf der Hochschule zuzulassen. Diese Forderung linterschreibe ich voll und ganz, soweit darin aus- gesprocheri wird, daß die Bildung, welche sich der Lehr- amlsbeslissene auf dem Semmar erwirbt, derjenigen gleich geachtet wird, die die höheren Schulen ihren Schülern übermitteln. Auch schließe ich mich derselben an, soweit als darin ausgesprochen werden sollte, daß ein jeder Lehrer ohne Ausnahme „studieren" soll." Der Verfasser ist dagegen, daß „nur diejenigen 51andidaten zum Universitätsbejuch zugelassen werdeii, welche sich bereits durch ihre Leistungen in den vorgeschriebenen Prüfungen ausgezeichnet haben", u. a. weil „dabei noch die Gefahr nahe liegt, daß ein erheblicher TeilderdiesenBildungsgangeinschlagen- denLehrerderVolkssch ulegeradezudirekt verloren geht" und weil auch durch das Studium einzelner Lehrer „weder das Ansehen desStandes g e st e i g e r t, nod) die Wirksamkeit des Standes erhöht, noch seine materielle Lage geändert" werde." Der Verfasser verlangt vielmehr für den Anfang zwei Semester Umversitätsbildung für alle Volksschullehrer, weil „wir Volkssck)ullehrer doch vorerst einmal in die Reihe der Stände hinaufrücken würden, die sich Hock)schul- bllduiig bis i)u einem gewissen Grade erwerbeii müssen, und wir befanden uns einstweilen in wenigstens guter, wenn auch noch nicht in der besten Gesellschaft." 3. Es wurde der neu zu gründende Verband als berufen bezeichnet, den Bildungsstand der höheren Sck)ulen und ihrer Lehrer auf feiner alten Höhe zu erhallen und den Gefahren, die mit etwaigen Versuchen, ihn zu mindern, verknüpft sein könnten, zu begegnen. Bestrebungen, die nur auf „Hebung der Volksschule" und der „Vertiefung der V o l k s f ck) u l l e h r e r b i l d u n g" gerichtet sind, entgegenzutreten, liegt der neuen Organisation vollständig fern. Gießen, 15. Oktober 1903. Professor Block. Vormittag- Nachmitta Macht r An! mit Seger We § 176, 3 Zs. vom klonalen in einer' W die 2 8. Cftr treffen! trizitär b. Di UN an A A 9 T E gebrach auch fü: Gi Das heutige Eingesandt, welches mitteilen wollte, daß ich mir in Halle ungerechte Angriffe gegen den Lehrerstand erlaubt hätte, benutzt auch die Gelegenheit, sich mit früheren Bestrebungen der akademisch gebildeten Lehrer Hessens zu beschäftigen. Es ist richtig, daß der Verein akademisch gebildeter Lehrer, der sich damals noch nicht hessischer Oberlehrerverein nennen konnte, die Verleihung eines einheitlichen Amtslitels erbat au Stelle der verschiedenen Titel, die sich damals nach der Anstalt richteten, an welcher der heutige Oberlehrer gerade angestellt war. Wenn dieser Titel Amtstitel fein sollte, mußte er sich von dem Titel für seminaristisch gebildete Lehrer unterscheiden. Die Herren, die selbst nach der Hochschulbildung streben und damit die Hochachtung von dieser Bildung zum Ausdruck bringen, durften an dieser Berufung auf unsere besondere Vorbildung und die daran geknüpften Folgerungen keinen Anstoß nehmen. Daß die Regierimg dann fid) für die Verleihung des Oberlehrertitels eritschied, wird durd) die Tatsache zil erklären fein, daß der größte deutsche Staat, Preußen, diesen Titel als Amtstitel für akademisch gebildete Lehrer schon lange eingeiührt hatte. Daß Die seminaristisch gebildeten Lehrer- Hessens dann den Oberlehrettitel verloren, müßte ihnen nack) der BeweisführiMg des Gießener Lehrervereins nur angenehm sein, denn sie teilten ihn bis dahin mit eilt em anderen Stand, dem Stande der preilßifchen Oberlehrer. Der Professortitel wurde lange, ehe ein Verein bestand, an ältere, akademisch gebildete Lehrer verlieben. Tie Verleihung entsprack; der Verleibung des Ratsranges an andere akademisch gebildete Kategorien (Regierungsrat, Domänenrat, Finanzrat, Amtsgerichtsrat). Als das Beamtengesetz im Jahre 1897 für alle akademisch gebildete Beamten gleiche Gehaltsstufen und gleiche Aufrückungsfristen brachte und im Zusamnienhang damit die Verleihung des Ratsranges an den Eintritt in eine bestimmte Gehaltsklasse gebunden war, war es eine ^olge dieser übereinstimmenden Regelung, daß auch den akademisch gebildeten Lehrern der Ratsrang — ausgedrückt durch die Verleihung des Professortitels — mit dem Eintritt in diese Gehaltsklasse zu teil wurde. Ich selbst habe übrigens in emer Generalversarnrnluna m Frankfutt vor einigen Jahren darauf hingewiesen, daß zur Vermeidung von Verwed)slungen der Titel Gymnastalprofessor für uns richtiger fei, in der deutschen Fachpresse tritt immer mehr der Wunsch hervor, auch nach dieser Seite eine Unterscheidung zu sehen, und wenn Der neue deutsche Oberlehrerverem - sich einmal, wie er dies angeblich ja schon nach § 1 seiner Satzungen tun muß, mit der Tllelfrage der deutschen Oberlehrer beschäftigen sollte, so wird er vielleicht und) hierin Klarheit herbeifuhren, wie er dies in manchen anderen Dingen zu tun berufen ist. Gießen, 15. Oktober 1903. Im Namen des Hessischen Oberlehrervereins: Block, Vorsitzender. *) Nachdem nun diese der breiten Oeffentllchkeit fernliegende Angelegenheit von beiden Seiten unifangreich erörtert wordeii ist, erklären wir unsererseits die Diskussion für geschlossen. D. Red. d. Gieß. Aiiz. aus M KircheubiiHmi der Stadt Gieße». Evangelische Gemeinde. Getraute. M a t t h a u s g e m e i n d e. Den 26. September. Friedrich Karl Heinrich Preis, Ätasd)inist in Gießen, und 2)larie Charlotte Hill aus Gießen. De Gerau beamtet geroiejei Gie Die Wesianlc Main-W Gie Mo Krde ii Tages-Lr Gieße Äck>ei Getaufte. Matthausgemeinde. Den 27. Sept. Dem Taglöhner Wilhelm Wagenbach eüi Sohn Karl Kaspar, geb. den 7. August. — Dem Lackierer August Kramer eine Tochter Marie Lllsabethe Karoline, geb. den 21. Juli. — Den 2. Oktober. Dem Maschinenschlosser Wilhelm Wiska eine Tochter Margarethe Elisa- beth,^geb. den 29. August. — Dem Schriftsetzer Karl Lindenslruth ein Sohn Karl Gustav, geb. den 28. August. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 19. Sonntag n a ch T r i n i t a t i s, d e n 18. O k t o b e r. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Siehe Johanneskirche. v, ^Ibenög 8 Uhr: Versamnrlung der konfirmierten männ- densaab "9^d Matthausgemeinde im oberen Konsirman- In der Johanneskirche. Vormittags 9*/2 Uhr: Pfarrer K o ch aus Lützellinden. Jahresfeier des Jünglings- und Männeroerems. Sammlung für deri ^ünglingsverein. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst iür die Lukas- gememde. Pfarrer Euler. Nachmittags o Uhr: Pfarrer Euler. Katholische Gemeinde. Samstag, den 17. Oktober 1903. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit aur hl. Beichte. Sonntag, den 18. Oktober. 20. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6 78 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. • um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor Uiid üi derselben Austeilung der heil. Kommunion. • um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Militärgottesdienst mit Predigt. ». um 9 7t Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2% Uhr: Ehristenlehre; darauf Rosenkranz- Andacht mit Segen. An den Werktagen ist abends um 6 ’/2 Uhr Rosenkranzandacht mit Segen. Reichsgerichtsbriefe. (Nachdruck verboten.) R. S. Leipzig, 15. Oktober. Wegen Sittlichkeitsverb reche iis im Sinne des § 176, 3 Str.-G.-B. wurde der Kaufmann O. E. ani 17. April d. Js. vom Landgericht Gießen zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten verurteilt. Der Angeklagte kehrte am 19. März d. Js. in eurer Wirtschaft in Gießen em und ließ sich ein Glas Bier geben. Als die Wirtin das Gastzimmer wieder verlassen hatte, rief der Angeklagte das darin zurückgebliebene neunjährige Töchterchen zu sich, indem er sich zugleich in unschicklicher Weise entblößte. Das Kind lief entrüstet fort und sagte es seiner Mutter. Der Angeklagte focht das Urteil mit dem Rechtsmittel der Revision an und rügte zur Rechtfertigung derselben Verletzung materieller Rechtsnormen, zu deren Begründung der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Schönwald, Leipzig, ausführte, die Gründe des Urteils seien selbst nicht schlüssig, ob das Mädchen das obscöne Verhalten des Angeklagten wahrgenommen habe. Der Rcichsanwalt bezeichnete es als gleichgiltig, ob das Kind etwas gesehen habe oder nicht, andererseits sei ohne ersichtlichen 9techtsirrtum vom ersten Richter thatsächlich festgestellt, daß der Angeklagte jedenfalls diejenigen Hairdlungen vorgenommen habe, die zur Verleitung zur Unzucht erforderlich seien, und durch diese Feststellungen werde das Urteil getragen. Der 1. Strafsenat erkannte in ^Übereinstimmung mit diesen Ausführungen und dem Anträge des Staatsamvalts auf Verwerfung derRevifion des Angeklagten und überbürdete dem Beschwerdeführer die Kosten des Rechtsmittels. Neueste Meldungen. OriginaldrahtmeLdungeu des Gießener Anzeigers. Gör litz, 16. Okt. Irr Kösütz wurde der Oberschweizer Thiene! -rnter dem Verdacht verhaftet, fein Frau ermordet zu haben. München, 16. Okt. Gestern kam der Beleidtgungs- prozeß der Angehörigen des geisteskranken Zeichners Hell- nruth Eckmarrn gegen den bekanrrten „S i m p l i c i s s i m u s"- Zeichner Th. LH. Heine vor dem Schöffengericht zum Abschluß. Derselbe endete mit einem Vergleich der Parteien. Heine hat vor Gericht die Erklärung abgegeben, daß er sich inzwischen von der Geisteskrankheit Eckmanns überzeugt habe und im Interesse der Familie die Aufbauschung seines Briefes an die „Franks. Ztg." bedauere. London, 16. Okt. „Daily Expreß meldet aus Madrid: Amtlich wird mitgetM, dag Kaiser Wilhelm und König Eduard den jungen König von Spanien eingeladen haben, ihnen einen Besuch in ihren Hauptstädten zu machen. Der König wird indessen in diesem Jahre nur Lissabon einen B-esuch. machen und erst nächstes Jahr eine Reise nach England, Frankreich und Deutschland unternehmen. London, 16. Okt. Der neue Kolonialminister Lyttleton hielt in Beamington eine Rede, in der er aus- führte, er wolle sich bemühen, Ehamberlains großem Beispiel zu folgen, um die lleberlieferungen ferner Kolonialpolitik aufreckstzuerhalten. Vorzugszölle seien nicht der Gegenstand, den die Regierung gegenwärtig dem Laube zur Prüfung zu unterbreiten Vorschläge. Er würde niemals für sie eintreten, ehe er nicht überzeugt sei, daß sie eingesNhrt werden könnten, ohne die Ausgaben des armen Mannes zu erhöhen. Rom, 16. Okt. Lier ist man immer mehr geneigt, die Schuld an der Absage des Zarenbesuches einzig und allein den Berichten der russischen Polizei zuzuschieben. — 9lach einer weiteren Meldung wird aus russischer Quelle berichtet, es sei nicht wahr, daß der russische Botschafter Nelidow sich bei der ita- lienij'chen Regierung wegen der LLbsage des Besuches des Zaren entschuldigt habe. Die russische Regierung haltedas Hand sch reiben des Zaren für durchaus hinreichend. Rom, 16. Okt. In den Pariser Berichten der italienischen Blätter kommt die hochgradige Befriedigung darüber zmn Ausdruck, daß die Wiederherstellung der a lt e n Blu ts br ü d e r s cha ft, die v o llftä n d i g e Aussöhn u n g d e r S ch w e ft e r - R a t i o n e n , die Garantie für unverbrüchliches Zusammengehen auf allen friedlichen Gebieten genannt wird. Mailand, 16. Ott. Der hiesige Hochtourist Zoll a t e l l o ist am Orta-See a b g e st ü r z t und war sofort tot. Prag, 16. Okt. Im Lause der Nacht wurden „Auf dem Graben" und in den benachbarten Straßen die Rollläden und Firmenschilder deutscher Kaufleute mit grüner Farbe an gestrichen. Peking, lö. Okt. Während eines Balles in der englischen Gesandtschaft am Dienstag wurde versucht, den Raum in die Luft zu sprengen. Es waren Drähte zur Verbindung mit einer elektrischen Batterie gelegt worden, aber aus irgend einem Grunde versagte die Verbindung. Teisphonischer Kursbericht« ij'ranktiejrt r». .lA.. 16. Oktober 1903. 372% Reicheanleiho . . 101.75 3°/o do. . . . 90.35 37,% KonsoU .... 101.70 3% do 90.25 37z% Hessen .... 100.40 372% Oberhessen . . . 99.H0 4% Oesterr. Goldrente . . 101.70 4*/6% Oesterr. Öilberrente 100.90 4% Ungar. Goldrente .• . 99.70 4°/o Italien. Rente . . . 103.55 4XU% Portugiesen . . . 52.10 3°/ Portugiesen 32.05 1% C. Türken . . . . 37.15 Türkenlose 135,20 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.00 472% äussere Argentiner 43.10 3% Mexikaner .... 27.20 472% Chinesen .... 91.90 Electric, tichuckert . . . 107.20 Nordd. Lloyd . . . . 102 60 Kreditaktien ..... 206.30 Diskonto-Kommandit. . . 191.50 Darmstädter Bank . . . 141.70 Dresdener Bank .... 150.80 Berliner Handelsges. . . 158 40 Oesterr. titaatsbahn . . , 140.60 Lombarden 16.50 Gotthardbahn 00.00 Laurahütte 234.00 Bochum . ..... 190.70 Harpener 197.50 Tendenz: fest. Bekanntmachung. Durch Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 8. Oktober d. Js. hat der Absatz 6 des § 5 der Bedingungen, betreffend die Abgabe elektrischer Energie aus dem städtischen Elektrizitätswerk Gießen, folgende Fassung erhalten: Von den Leitungen für Motore, Apparate, Heizung und elektrochemische Zwecke, deren Verbrauch nach dem geringeren Einheitspreise berechnet wird, dürfen keine Lichtleitungen abgezweigt werden. Wenn der normale Stromverbrauch dieser Atotore pp. zusammen mindestens 1 Kw. beträgt, dürfen jedoch bis zu 2 Glühlampen von je höchstens 0,25 A. Stromverbrauch zur Beleuchtung des Motorenraumes oder des unmittelbar angrenzenden Arbeitsraumes an die Kraftleitung angeschlossen werden. Der Ort für diefe Lampen wird vom Elektrizüätswerk bestimmt. Bei elektrisch betriebenen Musikwerken ist die gleiche Ausnahme auch bei weniger als 1 Kw. Stromverbrauch gestattet, wenn die Einschaltung der Lampen nur gleichzeitig mit der des Motors erfolgen kann. Es wird dies mit dem Änfügen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die vorstehende Bestimmung vom 1. Januar 1904 ab auch für die zur Zeit schon angeschlossenen Anlagen Gültigkeit erhält. Gießen, den 13. Oktober 1903. 7765 Großherzo glühe Bürgermeisterei Gießen. ______________Mecum.________________ Bekanntmachung. Der bisherige Steueraufseher Heinrich Germauu von Groß- Gerau ist zum Pfaudmeister der Stadt Gießen (VollziehunbZ- beamten) ernannt, verpflichtet und heute in fernen Dienst eingewiesen worden. Gießen, den 15> Oktober 1903. 7782 Grotzyerzogiiche Bürgermeisterei Gießen. ___________Mecum._______________ Bekanntmachung. Die am 29. August l. Js. angeordnete Sperre der Westanlage zwischen Bahnhofstraße und Unterführung der Main-Weser-Bahn wird hiermit aufgehoben. Gießen,, den 15. Oktober 1903. Großherzoglicves Pokizeiamt Gießen. __Hechler.____________________ AeinkcheMstMseWst Wen. Montag den 2. November, abends 8 Uhr: Ordentliche Kaupt-Mrjammümg in Lonh's Bierkellcr, bei Wirt Schäfer. Taaes-Ordnuug: 1. Berichterstattung. — 2. R-chnungsablage. - 3. Wahl der Rechnungs-Prusungs-Kommhsion. — 4* Ersatzwahl des Vorstandes. — 5. Statutenrevision. — 6. Verschiedenes. Gießen, den 16. Oktober 1903. Der Vorstand. Die Rechnung liegt bei dem ersten Vorsitzenden, Herrn A. Dickore, Schanzenslraße 8, vom 17. bis 31. Oktober zur gefü Einsicht der Mitglieder offen.____ Mgel. MW- ui WmMrein Meßen. Sonntag den 18. Oktober: Sechzehntes Jahressest. Vormittags 9‘/, Uhr: Gottesdienst in der Johanneskrrche. Von nachmittags 3‘/, Uhr an: F-cicr im Saale der ktemkmder- schule (Diezstraße 15). Jedermann herzlich eingeladen. 7717 Der Vorstand: Pfarrer Dr. Naumann. Ummwwkc, Imchiegeln Aug. M>er iverden zum höchsten Preise angetan ft Bahnhofstr. 23, L [05020 ^jogelhecke, mehr, kleine Käfige bill. z. verk. Neuenbäue 6, IIl. 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