K 222 Nr. 217 Zweites Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 16. September 1903 Trschetnt täglich Ä Ä vez«g»pretS, außer Sonntags. ''^3 monatltch7bP^viertel' -ML WIV D V11V14411J V llj V l -MZ Gemral-Anzeiger äw:ä ■aä Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gehen MW FernlprechanschlußNr.51. V ’ ** zetqentetl: Hans Beck. Ate Heutige Wummer umfaßt 10 Seiten, Bekanntmachung. Betr.: Rotlauf zu Langsdorf. Bei einem Schwein des Johannes Heckmann in Langsdorf ist Rotlauf festgestellt worden. Der gefährdete Schweinebestand ist der Schutzimpfung unterzogen worden. Gießen, den 14. September 1903. Großherzogliches Kreisamt Gießen- I. V.: Dr. Kranzbühler. ■■■■■■— ■ , ■ ,iii , .....- Wom soztaldemokratischen Parteitage in Dresden, ii. Dr esd en, 15. September. Der sozialdemokratische Parteitag hat alsbald mit kräftigen Tönen eingesetzt- Es war noch ziemlich das Gelindeste, daß in der Auseinandersetzung über die Mitarbeit von Sozialdemokraten an bürgerlichen Blättern Dr. Braun und Bebel sich gegenseitig die offizielle Bezeichnung „Genosse" aberkannten. Bebels nervöse Gereiztheit machte sich in vielen Zwischenrufen Luft, sodaß selbst einem so wortgewandten Parlamentarier, wie dem Abg. Singer, diesem, wie er mit Stolz genannt wird, „geborenen Präsidenten", der rasch bereute Vergleich mit einem „Schiulbuben-Ge- zänk" entschlüpfte. Zweierlei hat der bisherige Verlaus der Debatten festgestellt: die noch gewachsene Abneigung gegen die „Akademiker", die von den Männern „mit der schwieligen Zaust" mit Mißtrauen betrachtet werden, und ferner die Tatsache, daß trotz aller Meinungsverschiedenheiten, an eine >^pa ltun g der Sozialdemokratie fürs erste nicht zu denken ist. „Spaltung! daß ich nicht lache!" rief unter ftürmischem Beifall der Delegierte Adolf Hoffmann-Berlin. „Glauben Sie, es bedeutet eine Spaltung, wenn wir ein paar Leute von den Rockschößen schütteln?" Hoffmann hat mit dieser Aeußerung zweifellos die Auffassung wiedergegeben, welche die herrschende in der Sozialdemokratie ist. Nach Eröffnung der heutigen Sitzung begrüßte der Nationalrat Dr. Studer-Zürich den Parteitag namens der schweizerischen Genossen und beglückwünschte die deutsche Sozialdemokratie zu ihren Wahlerfolgen. Hierauf erstattete Grünwald-Hamburg den Bericht der Mandats-Prüfungskommission. An der sich anschließenden Erörterung, die zumeist einen polemischen Charakter trug, beteiligten sich Häwe-Breslau, Ortmann-Berlin und Wels-Berlin. Tie Mandats-Prüfungskommission stellte 336 Mandate fest. Tas Mandat Bernhards wurde für ungiltig erklärt, doch wurde ihm in Sachen seiner Mitarbeit an bürgerlichen Zeitungen das Wort gestattet. Die Debatte gestaltete sich nicht so leidenschaftliche wie Tags zuvor. Zubeil sprach gegen Braun und Bernhard. Dr. Q u a r ck - Frankfurt nahm einen vermittelnden Standpunkt ein. Ulrich-Offenbach erklärte sich für die Resolution des Vorstandes. Die Ädorgen- fttzung schloß eine anderthalbstündige Verteidigungsrede Bernhards ab. In der heutigen Nachprittagssitzungi nahm als erster Redner Bebel das Wort. Er meinte, wenn in der sozd. Partei ein Eitergeschwür aufträte, dann müsse man es operieren. Der Vorstand hat erkannt, jetzt ist das Maß voll und es muß zur Entscheidung kommen. Es sei keine bessere Fassung der Beantwortung der vorliegenden Frage gesunden worden, als die vom Parteivorstand vorgeschlagene. Wörtlich fuhr Bebel dann fort: Ich hätte es vor ein paar Jahren nicht für möglich gehalten, daß es in unserer Partei moralisch so tief gesunkene Leute gibt, die bis in die letzten Tage für die „Zukunft" arbeiteten und mit dessen Herausgeber, diesem Herrn Maximilian Witkowsky (Harden) fteundschastliche Beziehungen unterhielten. Ich hatte die Ehre, ich sage die Ehre, den alten Herrn Mtkowsky zu kennen. Mit ihm, Guido Weiß und anderen haben wir viele schöne Stunden verlebt, aber den jungen Herrn Harden kennen zu lernen, würde ich für keine Ehre halten. Wenn Genossen für die „Zukunft" schreiben, sv erkläre ich das zum Teil daraus, daß Harden besser zahlt. (Sehr richtig!) Die „Zukunft" wurde auch nur gegründet, um mit Sensationen Geld zu machen. Er hat ja alle eingeladen mitzuarbeiten, „Krethi und Plethi", auch mich. (Heiterkeit.) Ich habe ihn heimgeschickt. Jetzt werden Sie vielleicht wissen, weshalb ich in der „Zukunft" so besonders schlecht wegromme. Mich amüsiert das, aber meine Frau ärgert sich darüber. (Heiterkeit.) Sodann kam Bebel auch aus Mehring zu sprechen, den er zu rechtfertigen suchte. Man sieht hier wieder einmal, wie die sozralistrschen Parteitage mit ihrer bis zur äußersten Grenze gewährten Redefreiheit für das Herauslassen des Grolles und dcs Aergers bis auf den Rest sorgen. Nach den goldenen MictliclMofigteiter" stellt sich ine Sefriebigung und damit frie Versöhnungsstimmung von selbst ein. Auch Bebel, der .,große Donnerer", wird am Schluß schon den Hammer senken. In gewissem Sinne können die anderen politischen Parteien das von der Sozialdemokratie lernen: daß eure rückhaltlose Aussprache der beliebten „diplomatischen) Art, Tisferenzen in der Partei durch allerlei Kompromiße zu überstreichen mib zu übermalen, entschieden vorzuziehen ist. Ter Ton wird ja dabei ein anderer sein müssen, das versteht sich von selbst. Aber es bleibt häufig nach den Tagungen bürgerlicher Parteien eine Unbefriedigung und eine Verstimmung zurück, die, gerade lveil sie in der Verborgenheit anwachsen und weiter wirken, viel gefährlicher und zersetzender sind, als tueiui ein Zwist mit Lebhaftigkeit durchgesochteu wird. Deutsches Keich. Berlin, 15. Sept. Der deutsche Kaiser pirschte heute, wie aus Moha cs in Ungarn gemeldet wird, im Karapangraer und Laskoeer Revier. Heute abend war im Jagdschlösse Koeriserdve Diner. Während des Diners hatte die Erzherzogin Elisabeth vor dem Schlosse ein Volksfest veranstaltet,bei dem Monvstvrzegner Damburisten zum Tanz auftpielten. — Nach einer Meldung aus Kiel erteilte der Kaiser dem Vizepräsidenten der französischen Depu- tiertenkammer Etienne die Genehmigung, die kaiserliche Werft und die Hafenbefestigungen zu besichtigen. — Ter Präsident des russischen Ministerkomitees v o n Witte hält sich, wie in Finanzkreisen verlautet, gegenwärtig in Berlin auf. Es handele sich dabei anscheinend um, die Fortsetzung der Beratungen über den deutsch-russischen Handelsvertrag. — Die Verstaatlichung der Volksschule wird durch den freikonservativen Abg, Frhrn. v. Zedlitz von neuem als Ziel hingestellt. Es geschieht das in einem längeren im Tag veröffentlichten Artikel über das Schuldotationsgesetz. Frhr. v. Zedlitz bespricht darin den Gegensatz in der Schulfrage zwischen den Konservativen und dem Zentrum aus der einen und „den beiden Mittelparteien", nämlich Freikonservativen und Nationalliberalen, auf der andern Seite. — Naumann erblickt, wie er in Oldenburg im dortigen nationalsozialen Verein hat erklären lassen, in seinem Anschluß an die Freisinnige Vereinigung durchaus kein Hindernis, bei der nächsten R eich s t a gs w a h l dort wieder zu kandidieren. Bei der letzten Neichstags- wahl hat die Freisinnige Vereinigung mit der Freisinnigen Volkspartei zusammengewirkt, auch gegen Naumann. Im nationalsozialen Verein ist auch angekündigt, daß Naumann und Barth demnächst in Oldenburg erscheinen würden. Die bisherigen Mitglieder der Freisinnigen Vereinigung sind vom nationalsozialen Verein aufgefordert worden, sich nunmehr dem nationalsozialen Verein anzu- schließen. — Ter „Nat.-Ztg." zufolge stehen handelspolitische Verhandlungen Deutschlands mit der Schweiz in näherer Zeit bevor. Ort und Zeitpunkt des Beginns dieser Verhandlungen sind jedoch noch nicht festgesetzt. — Das Befinden des Stadtverordnelenvorstehers Dr. Lang er Hans ist häufig Schwankungen ausgesetzt. Der Patient konnte heute außer Bett verweilen, doch ist Vie Schwäche noch immer groß. — Tie Metzer Wasserfrage soll von dem Reichs- tagsabg. Dr. Jaunez in der nächsten Tagung des Reichstages zur Besprechung gelangen. Dess au, 15. Sept. Amtlich. Bei der Reich s t a gs- stichwahl am 11. September wurden für Schraoer 14456 und für Käppler 13 048 Stimmen abgegeben. Wrue Kreueln im Klient. Nach dem alten lateinischen Spruch: „Was die Medikamente nicht heilen, das heilt das Schwert; was das Schwert nicht heilt, bas heilt 'Has Feuer", verfährt, den neuesten ausführlichen objektiven Berichten europäischer Offiziere und griechischer Geistlicher zufolge, die türkische Armee und ihre Führer scheinbar nach direkten Weisungen aus dem Sultaus- palaste, in rechter Barbarenart. So wird jetzt z. B. von der Zerstörung von Kruschewo folgendes zuverlässige berichtet: Noch drei Wochen nach der Metzelei waren die Verwundeten ohne ärztliche Hilfe, da die Aerzte am Orte erschlagen und die Medikamente zerstört worden waren. Die barmherzigen Schwestern wandten sich au Hilmi Pascha mit der Bitte, ihnen zu gestatten, nach Kruschewo zu gehen, allein der Pascha lehnte ab. Dann buten sie, Verbandzeug und Medikamente nach Kruschewo senden zu dürfen, allein Hllmi Pascha erklärte: „Äejenigen, welche sterben sollen, werden sterben, und diejenigen, welche am Leben bleiben sollen, werden leben. Medikamente sind nutzlos." Kein Ueberlebender darf die Stadt verlassen, toeim er nicht die Steuern für ein Jahr vorausbezahlt uno der Polizei hohen Bakschisch gibt. Natürlich können das die ausgeplünderten Leute nicht tun. Etwa 150 Orte sind von den türkischen Truppen verwüstet worden und es unterliegt keinem Zweifel, daß hierfür nicht nur die lokalen Befehlshaber verantwortlich zu machen sind. Von Florina und der Eisenbahn sichtbar liegt das griechische Dorf Armensko, an welchem Truppen vorbeimarschieren mußten. Ohne besondere Veranlassung brannten dieTürken das Dorfnieder. Nicht ein einziger Einwohner entkam und viele kamen in den Flammen um. Fünf Tage später wurde einigen barmherzigen Schwestern gestattet, das Dorf zu besuchen, und sie sanden dort noch 30 Verwundete am Leben, meist Frauen und Kinder. Die Leichen waren noch nicht verscharrt. Die Verstümmelungen lassen sich nicht beschreiben. Ein kleines Mädchen von 10 Jahren hatte an 8 verschiedenen Teilen des Körpers Wunden. Sie schienen meist von Säbeln oder Bajonetten herzustammen und es ist von Interesse, festzustellen, daß nur türkische Offiziere Säbel tragen. Newskasi ist ein anderes Dorf in der Nähe der Eisenbahn. Tie Einwohner desselben, lauter Bulgaren, waren nach dem Berge geflohen, kehrten aber zurück, da sie nichts zu essen hatten; 50 bis 80 Männer wurden nach dem Gefängnisse von Florina gebracht. Auf dem Wege dorthin begegneten sie mit dieser Pforte einer Anzahl anderer Soldaten und nach einiger Beratung wurden alle Gefangenen niedergemacht. Ter russische Botschafter fordert von der Pforte sofortige unnachsichtliche Bestrafung derjenigen Personen, welche die Massakres in Macedonien angeordnet haben. Ter englische Botschafter bereitet einen gleichen Schritt vor. Es durfte aber beiden Regierungen schwer fallen^ ohne handgreifliches Vordringen etwas Positives zu erreichen. Bulgarien sollte in nächster Zeit wieder einmal durch eine gemeinsame Note Oesterreich-Ungarns und Rußlan ds „verwarnt" werden, von der heimlichen Unterstützung der macedonischen Aufständischen abzulassen. Bulgarien versucht das Prä venire zu spielen, indem es seinerseits eine Note an die Großmächte mit einem Protest gegen die „Ausrottung des bulgarischen Elements" richtet. Bulgarien sehe sich gezwungen, seinerseits geeignete Maßregeln zu treffen. Bisher waren die Maßregeln der Regierung in Sofia die denkbar ungeeignetsten. Von der Verheißung „geeigneter" Maßregeln werden allenfalls die Mächte Akt nehmen, im übrigen diese Note wohl mit der gebührenden Nichtbeachtung behandeln. Einem i t a li e n i s ch e n Blatte zufolge treffen die Militärbehörden in Neapel Vorbereitungen zu einer Expedition von 10000 Mann nach Macedonien, und auch ein französisches Geschwader ist auf dem Wege dorthin. Ferner werden die österreichischen Kriegsschiffe „Habsburg", ,MZien", „Arpad" und „Scigetvar" ausgerüstet! und auch dieses Geschwader ist zum Auslaufen bereit Ein Detachement türkischer Truppen unter Oberst Sch«a- kir Bey stieß mit einer starken Bulgarenbande zusammen. Ter Kampf dauerte von morgens bis Mittag. Der Bondensührer und 200 Insurgenten sind gefallen, die Türken haben nur 6 Tote und 5 Verwundete. Nach Nachrichjten aus Jerusalem soll es dort zu Ausschreitungen gegen ein russisches Kloster und zur Ermordung der Mönche gekommen sein. Aus Atudl und Land. Gießen, 16. Sept. 1903. ** Aus dem Milit är-Wochenblatt. Beförderte Klausa (I. Darmstadth Vizewachtm. des 2. Westfäü Feld- art-Regts. Nr. 22, zum Lt. der Res., Goebel (I. Darmstadt), Vizefeldw., zum Lt. der Landw^-Jnf. 1. Aufgebots, Kü chl e r (I. Darmstadt), Vizewachtm., zum Lt. der Landw.- Feldart 1. Aufgebots. Der Abschied bewilligt: Magel, Oberlt der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots (I. Darmstudt). Befördert zum Stabsarzt: der Oberarzt der Reserve Dr. Schedel (Friedberg), zum Oberarzt: der Assist-Ar^ der Res. Dr. Fischer (Gießen). **Die landwirtjchaftliche Ausstellung hat gestern mit der Verlosung, deren Resullate wir heute veröffentlichen, chren endgiltigen Abschluß genommen. Dieser letzte Vorgang, so einfach er war, war eine langwierige nicht sehr unterhaltende Arbeit. Von mittags 2 bis abends spät saßen die mit der Verlosung betrauten Herren im großen Saale des Restaurants zur Liebighöhe an mehreren Tischen, aus denen die Glücksschaufeln ausgestellt waren. Indessen wohnten viele geduldige Zuschauer dieser Unter' Haltung bei, von der sie eine, wenn auch vielleicht uichi erhebliche Besserstellung in dieser „trostlosen Welt' er- hofsten. — Nebenan in der O b st a u s st e l l u n g fanden wir mittags bei einigen verpackten Obstkörben und viel Schmutz und Papierfetzen nur noch einige wenige „Leiche:ibestatter". Von ihnen erfuhr man, daß die gestrige Obstversteigerung einen Erlös von 95 Mark für etwa 10 Zentner Obst gehabl hat. Tas übrige Obst wurde teils angekauft, teils von den Ausstellern zurückgenommen. Auf dem übrigen Teil des Ausstellungsplatzes schreiten die Aufräumungsarbeiter rasch fort. — Wir erfahren, daß der B i e r - A u s s ch a n! während des Festes sich auf rund 130 Hektoliter in allen 5 Wirtschaften beläuft. Während an den ersten drei Ausstellungstagen nur 45 Hl. verzapft wurden, gingen allein am Sonntag 85 Hektoliter drauf. ** Tas Stück Mauer, das im Seltersweg bloßgelegt worden ist, ist sicherlich ein Teil der Befestigung des Selterstores; welcher, das läßt sich erst sagen, wenn man die Oertlichkeit genau studiert haben wird. Bei dem herrschenden Regenwetter läßt sich das aber nicht machen. W muß abgewartet werden, was noch weiter zu tage gefördert werden wird, vor allem, was noch an den leiden bis jetzt nicht geschnittenen Toren herauskommt. Alle Erscheinungen werden vom Bauamt in einem Plan genau eingetragen, so daß ein genaues Mld der Ergebnisse der Grabungen in antiquarischer Beziehung entsteht. Auerbach, 16. Sept. Die Großh. Regierung hatte seinerzeit den Architekten Bodo Ebhardt veranlaßt, die Arbeiten zur Untersuchung und Erhaltung einer der bekanntesten Burgen des Großherzogtums, des Auerbacher Schlosses, am 5. Juli d. IS. nach seinen Grundsätzen und unter der Oberleitung Ebhardts in Angriff zu nehmen. Schon seit mehr als 50 Jahren sind jederzeit bedeutende Mittel und Arbeiten für die Erhaltung dieser Ruine aufgewandt worden. Leider sind diese Arbeiten nicht mit dem notwendigen Verständnis für die Bedeutung der einzelnen Bauteile ausgeführt — sie sind fast ausschließlich von Rücksichten auf den Touristenverkehr beeinflußt. Die Folge ist, daß durch willkürliche Veränderung der Eingänge, durch Treppeneinbauten usw. usw. eine Entstellung der wesentlichsten Bauteile statt- gesunden hat, die es heute schwer macht, den ursprünglichen Zustand zu erkennen. Um bei etwaigen weiteren Erhaltungsarbeiten nicht abermals Kosten für nicht historisch begründete und künstlerisch befriedigende Arbeiten aufzuwenden, geht diesmal der Ausbesserung eine sorgfältige Ausgrabung der verschütteten Mauerreste und eine gründliche zeichnerische Aufnahme der ganzen Burg voraus. Die Ausnahme wird durch Ken Großh. Bamnspektor Krauß und den Architekten Eb- hardt gemeinsam ausgesührt. Dte Arbeiten dauern noch fort und haben bereits hochinteressante Ergebnisse gehabt. Die Kunde sollen zu einein Burgmuseum zusammengestellt werden und dürften einen weiteren Anziehungspunkt dieses schönen Ausflugsortes bilden. Die anschließenden Arbeiten werden noch den Herbst in Anspruch nehmen. Ueber die Erhaltung soll ein erschöpfendes Programm für eine Reihe von Jahren un voraus durch Ebhardt ausgestellt werden. Mainz, 15. Sept. Ein verwegener Diebstahl ist gestern in der Rheinstraße verübt worden. Ein Unbekannter öffnete mit einem Nachschlüssel die Vorplatztür und stahl dann auS einem Zimmer eine Geldbörse mit 120 Mk. Sonst ließ er alles unberührt. — Um eine Zigarette sprach in der vergangenen Nacht in der Klarastraße ein 18 Jahre alter Bursche einen Mann an. Als er keine erhielt, zog er sein Messer und stach es dem anderen in die Seite. Der gefährliche Mensch wurde noch in der Nacht aus einem Easö heraus verhaftet. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Machbar st aaten.Jn Offenbach wurde die Leiche des Gastwirts Kasimir Rudorf, der jahrelang die Restauration „Zum grünen Baum" betrieb, ans dem Main gelandet. Er hatte abends zuvor einen Spaziergang mit einem Freund gemacht, von dem er nicht mehr nach Hause zurückkehrte. Die Todesursache ist bis jetzt noch nicht bekannt. — Dre Silberne Hochzeit des Grafen Georg Albrecht zu Erbach-Erbach und der Gräfin Erika, Prinzessin zu Stolberg-Stolberg, fand am 12. d. M. in Erbach i. O. statt. In anbetracht der Trauer, in welche die Gräfin durch drei Todesfälle im Verlaufe eines halben Jahres versetzt worden, hatte man von größeren Feierlichkeiten Abstand genommen. Vermischtes. Leipzig, 15. Sept. Der Stationsvorsteher und Kassierer der Ortskrankenkasse in Buttstaedt, Landgraf, wurde gestern abend wegen. Unterschlagung bedeutender amtlicher Gelder verhaftet. * Breslau, 15. Sept. Zur Verhütung von Bachwasserkatastrophen sollen in Oberschlesien Avei 50 resp. 5 Millionen Kubikmeter Wasser fassende Talsperren errichtet werden. ' ‘ * Bromberg, 15. Sept. Der Maurer Spang erschoß den 11jährigen Sohu des Zellmachers Zabel mit einem Gewehr; der Mörder wurde verhaftet. Er gab als Motiv „Aerger über den Sun gen" an. * München, 15. Sept. Der Name der Familie, die sich im Walchensee ertränkte, lautet Schmidt. Sie stammte aus Norddeutschland. Das Motiv der ^at scheinen Nahrungssorgen gewesen zu sein. * Christiania, 15. Sept. In einem großen vierstöckigen Gebäude in der Gvngenssrraße brach heute vormittag Feuer aus, welches sich mit großer Schnelligkeit verbreitete. In den Flammen sanden 9 Personen den Tod. — * Paris, 15. Sept. In der Nähe der Augustinerkirche auf dem Boulevard Malesherbes explodierte gestern eine Bombe, welche mit Jagdpulver und Papier- psropfen geladen war. Die Fensterscheiben eines Hauses wurden zertrümmert. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Man glaubt, daß es sich mehr um einen „schlechten Witz" als um ein Attentat handelt. * Vesoul, 15. Sept. Das Automobil des Groß- Sudustriellen Schwander, der mit seiner Frau und zwei Kindern eine Vergnügungsfahrt unternahm, stieß gestern abend gegen ein unbeleuchtetes Fuhrwerk, wobei Schwander so schwer verletzt wurde, daß er auf der Stelle starb. Die übrigen Insassen des Automobils kamen mit leichten Verletzungen davon. Marseille, 15. Sept. Sm G.meinderat gab Bürgermeister Chanot beruhigende Erklärungen ab über die in der Stadt vorgeoommenen Erkrankungen und sprach sein Bedauern dartiber aus, daß in die französische und die auswärtige Presse über die Krankheit übertriebene Berichte gelangt seien und dadurch die auswärtigen Regierungen zu Maßregeln veranlaßt hätten, welche durch nichts gerechtfertigt wären. * Gerolstein, 15. Sept. Die Füllanlagen des Gerolsteiner Sprudel (SNarke roter Stern) wurden zum größten Teil em Raub der Flammen. Der Betrieb wird in einigen Tagen wieder ausgenommen. * Warschau, 15. Sept. Polizei verhaftete drei Hochschüler, die den Gutsbesitzer Touraszewski beim Kartenspiel ermordet und 140M Rubel geraubt haben. * Tollwut. Wie aus Myslowitz gemeldet wird, wurden dort 17 Personen von einem aus Rußland zugelaufenen Hunde, bei dem dann Tollwut festgestellt wurde, gebissen. Die Leute wurden in das Pasteuv,che Institut nach Berlin geschafft. * Erdbeben auf dem Rigi. Wie man aus Zürich meldet, wurde dort am 15. d. M. auf dem Rigi während eines Schneesturmes ein Erdbeben wahrgenommen, das von donner ahm ich em Rollen im Innern des Berges begleitet war. Auch im Engadin wurden Erdstöße be- o dachtet. Kunst und Wissenschaft. — Prozessor D r. Ernst S t ü ck e l b e r g ist nach /chwerem beiden in Basel, 72 Jahre alt, verschieden. Der Künstler war der Schöpfer der prachtvollen Fresken in der neuen Tell-Kapelle am Vierwaldstätter See. Die Museen von Basel und Eöln enthalten meisterliche Gemälde Stückelbergs, dessen bedeutendstes Wert wohl sem großes Freskogemalde „Das Erwachen der Kunst" ist, das sich in der Kunslhalle zu Basel befindet. — DieAktensundedesPros.Schulte. Das offiziöse „$ß. T. B." verbreitet folgende Auslassung: Ein Teil der Tagespresse hatte, anknüpfend an Meldungen von einem Ablaßakten- funde des bisherigen Leiters des preußischen historischen Instituts, Professors Schulte, das Gerücht verbreitet, der Reichskanzler und ba§; preußische Kultusministerium wünschten aus Liebedienerei gegen Rom die Publikation des Fundes zu verhindern. Nach den von der „Deutschen Literaturztg/ über die Angelegenheu eingezogenen zuverlässigen Jnfsrmationen ist der Sachverhalt folgender : Nach § 11 des Statuts des preußischen historischen Instituts besitzt das Kuratorium das freie Verfügungsrecht über Arbeiten der Mitglieder des Instituts. Es hat nach Vorlegung der Manuskripte und, nachdem es den wissenschaftlichen Betrat zur Sache gehört, seine Entscheidung in dem Sinne zu treffen, daß die jeweilige Arbeü entweder unter die Veröffentlichungen des Instituts ausgenommen oder dem Verfasser zu beliebiger wissenschaftlicher Verwertung überlassen wird. Dem- gemäß war zunächst abzuwarten, bis das Manuskript der Schulte- 'schen Arbeit ferttggesteltt war. Darüber sind natürlich Monate vergangen. Nachdem jetzt das Manustript dem Kuratorium vor- liegt, wird die Angelegenheit den statutenmäßigen Verlauf nehmen und zunächst der wissenschaftliche Beüat damit befaßt werden. Daß für diesen aber lediglich das Interesse der freien Forschung maßgebend ist, ist selbstverständlich. Es ist überhaupt in dieser Beziehung daran zu erinnern, daß Prosessor Harnack den Vorsitz im Beirat führt, und daß dessen vier übrige Mitglieder ebenfalls hochan- gesehene Historiker sind. Der gutachtlichen Aeußerung des Beirats darf also mit vollem Vertrauen entgegengesehen werden. Daß das Kuratorium dem Vottim seiner wissenschaftlichen Instanz sich auch in diesem Falle anschließen wird, ist ebenfalls mit Zuversicht zu erwarten. Die „Deutsche Literaturztg/ schließt: Aus dieser Darlegung wird sich für jeden Unbefangenen ergeben, daß in der ganzen Angelegenheit lediglich nach den aus den wissenschaftlichen Erwägungen hervorgegangenen Bestimmungen des Statuts des historischen Instituts verfahren ist, und daß daber von einem durch fremdartige Gesichtspunkte geleiteten Eingreifen der Behörden Nicht die Rede sein kann. Es gehört also auch das angeblich vom Reichs- kanzler empfohlene „Ignorieren" ins Gebiet der freien Erfindung. Universitäts-Nachrichten. Budapest, 15. Sept. Der Rektor der Universität, Dr. Heinrich, hat unter Androhung der schwersten Folgen jede Teil- iiahme der Studenten an der politischen Bewegung verboten und eine für heiüe anberaumte Kundgebung untersagt. Ntteralur. „Der ästhetische Genuß". Einem kürzlich im I. Rickerschen Verlag Alfr. Töpelmann in Gießen herausgekommenen Buche des Gießener Philosophen Karl Gross „Der ästhetische Genuß" widmet Dr. Theodor Poppe eine sehr anerkennende Besprechung in der „Franks. Ztg.", eingangs darauf hinweisend, daß diesem Bande, der die all» gemeinen Bedingungen des ästhetischen Genusses erörtert, drei weitere mit Spannung zu erwartende folgen sollen, denn Groos gehöre zu den vier oder fünf wissenschaftlichen Vertretern der gegenwärtigen deutschen Aesthetik, die ihr etwas Positives hinzuzusügen haben. Poppe berührt kurz die Grundgedanken intbi die Einteilung des Werkes und jagt zum Schlüsse: „Aus d?r Fülle von anregenden Gedanken, dre Groos au^ dem behandelten weitschichtigen Gebiete zu- trömen, seien zwei, als für die Aesthetik des Verfassers besonders charakteristisch, andeutungsweise hervorgehoben. Einmal die Unterscheidung von angenehmen und intensiven Reizen in ihrem Wert für den ästhetischen Genuß und allgemeiner sür p asjDpiel, schon in Iden „Spielen der Äienschen" ausführlich erörtert. In dem vorliegenden Buche legt Groos die außerordentlich weitreichende Bedeutung dieser Unterscheidung für jdne kunstgeschichtliche Entwicklung dar — übrigens in geradezu glänzender Weise. Dann die Beteiligung von Organempfindungen beim ästhetischen Genuß, die von der deutschen Aesthetik im allgemeinen etwas gering geschätzt, für Groos nicht etwa den Genuß selbst, sondern lediglich eine Verdichtung und Verstärkung bedeuten, für den ästhetischen Genuß eine, msit Lotze zu reden, „eigentümlich florierende Gewalt" haben. Einen wirklich intensiven Genuß hält Groos,, und zwar gerade bei ästhetisch besonders ein veranlagten Menschen, nur auf Grund solcher mitspie- ender sensorischer Faktoren für möglich. — Tie Beschäftig-- ung mit dem vortrefflichen, übrigens auch llar und elegant geschriebenen Buche kann nur angelegentllch empfohlen werden." Landwirtschaft. Hungen, 14. Sept. Am vorigen Freitag unternahmen Oberland es stallmeister v. Wlllich, Rittmeister Nägele, zwei Herren v. Riedesel und Gutspächter Müller Neuhof b. Lang- Göns unter Leitung des Herrn Klingelhöffer Hof-Graß eine Besichtigung der Fohlenweide Tiergarten. Die Herren gewannen von der Weide ein ganz anderes Bild, als sie es sich vorgestellt ballen und sprachen sich über die Einrichtungen sehr befriedigt aus. Die Verwaltung der Jungviehweide versendet soeben ein Zirkular an die Fohlenbesitzer, in welchem dieselben aufgesordert werden, ihre Fohlen über Winter im Tiergarten in Pflege zu geben. Tie Probe wurde im vorigen Winter gemacht und hat sich bewährt, sodaß bei den geringen Kosten, die den Besitzer erwachsen, zu hoffen ist, daß auch im nächsten Winter eine größere Anzahl Fohlen im Tiergarten belassen wird. (L. P.) Darmstadt, 15. Sept. Tas Kreisamt Darmstadt macht bekannt, daß mit Rücksicht auf die starke Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in den Regierungsbezirken Wiesbaden und Koblenz der Handel im Umher- ziehen mit Klauenvieh (Rindvieh, Schafen, Ziegen und Schwellten) im Kreise Darmstadt auf Grund der Reichsgewerbeordnung bis zum 1. Januar 1904 verboten ist. Groß-Urn st ad t, 14. Sept. Eine ähnliche l a n d w i r t = chaftliche Ausstellung, wie sie in Gießen stattfand, wird hier am 26., 27. und 28. d. Ai. abgehalten werden. Etwas besseres Wetter als die Gießener Veranstaltung dürfte sie schon haben. Folgende Festordnung ist aufgestellt: Samstag, den 26. September, vormittags 8 Uhr: Empfang der Ehrengäste am Bahnhof; 9 Uhr: eierliche Eröffnung der Tierschau und Produktenausstellung - von 9 Uhr ab: Arbeiten der Preisrichter; nachmittags 1 Uhr: Preisverteilung und Vorführung der prämierten Rinder und Pferde; 2 Uhr: Festessen im Gasthaus „Zum Lamm"; außerdem nachmittags Konzert auf dem Ausstellungsplatz. Sonntag, den 27. September, vormittags 9 Uhr: Eröffnung der Produkten- und Geräteausstellung; nachmittags 1 V4 Uhr: Beginn des großen landwirtschaftlichen Festzuges ; von nachmittag 2 ljt Uhr an Konzert auf dem Festplatz, Tanz, Volksbelustigungen; abends 8 Uhr: Festball in mehreren Sälen der Stadt. Acomag, den 28. September, vormittags 8 Uhr: Eröffnung der Produkten- und Geräteausstellung; 9 Uhr: Beginn des Faselmarktes; 10 Uhr: Faselkörung und Prämiieruiig ; U ÜHr: Frühschoppen auf dem Festplatz mit Acusik; von nachmittags 2 Uhr an Konzert, Volksbelustigungen, Jugendspiele; 3 Uhr: öffentliche Verlosung in der Ausstellungshalle. Besonders wird ausmerksam gemacht auf die Bezirkstierschau am Samstag, die sehr gut be- chickt jein wird, auf den großen Festzug am Sonntag, der, von einem Sachverständigen aufgestellt und geleitet, bei der opferwilligen Mitwirkung der ganzen hiesigen Bevölkerung der Glanzpunkt des Festes zu werden verspricht, und auf den Faselmarkt am Montag, dem um 8 72 Uhr eine Versteigerung von Bullen, Simmentaler Rasse, die von Herdbuchtieren abstammen, vorausgeht. w. Frankfurt, 14. Sept. Die von der Zentralstelle für Obstverwertung um) Lbstmarklkomitee Frankfurt a. M. veranstalteten diesjährigen Kelter ob st märkte finden am 21. und 28. September und 5. Oktober in der Stadthalle, Klostergasse Nr. 14, Frankfurt a. M. statt. Die Märkte beginnen jedesmal morgens 8 Uhr uni) endigen mittags 1 Uhr. Stuttgart, 15. Sept. Da dieMaul- und Klauenseuche plötzlich in einer Reihe von Bezirken aufgetreten ist, hat der Minister des Innern ein Verbot des = bietens vonSchweinen im Umherziehen erlassen. Gerlüstsjaal. Saarbrücken, 15. Sept. Vor der heutigen Strafkammer stand der Kaufmann Friedrich Waltzinger aus Ottweiler wegen Steuerhinterziehung. Er hatte fein Eirikommen in den letzten Sagten auf jährlich etwa 8000 All. deklariert. Die Steuerbehörde zweifelte stets diese Summe an und reichte jetzt Klage gegen Waltzinger ein. Festgestellt wurde, daß dieser ein jährliches Einkommen von 22000 All. hatte, worauf er zum achtfachen Betrage der hinterzogeiien Stcueriumme in der Höhe von 2609 6 Mk. verurteilt ivurde. Bei der Beurteilung des Falles fiel erschwerend ins Gewicht, daß Waltziiiger selbst stellverlletendes Mitglied der Steuereinschätzungs-Kommlsston war. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Essen a. d. Ruhr, 15. Sept. In der heutigen Zechenbesitzer- Versammlung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensv n d i k a t e s waren sämtliche Zechen nut Ausnahme der Gewerkschaft Eivald und des Atagdeburger Bergwerksvereins vertreten. Die Anwesenden sotten den neuen Vertrag unterschreiben, wobei die Unterschriften bis zum 30. September abends binden und der Ver- llag ziistande gekommen ist, wenn bis zu diesem Zeitpunkt alle Unterschriften eingegangen sind. Es wurde nach längeren Verhandlungen eine Verständigung erzielt, wonach ,amtliche Zechen dem neuen Syndikatsvertrag beitreten, ausgenommen die Zeche „Freie Vogel und Unverhofft" und die Magdeburger Bergwerks- gcsellschaft. Die Erklärung der letzteren wird morgen erfolgen, während sich „Freie Vogel und Unverhofft die Erklärung bis zum 30. September vorbehält. Für den 10. Oktober ist eine neue Zechenbesitzer'Versammlung zur Wahl eines Ausschusses für die Verhandlungen mit den bisher ausstehenden Zechen vorgesehen. — Vom Geldmarkt. Es ist eine Versteifung des Pnvat- diskonts eingetreten. Dian rechnet daher immer mehr damit, daß die Reichsbank noch in diesem Monat, wahrscheinlich schon anfangs1 nächster Woche, zu einer Diskonterhöhung schreiten wird. Bei einem Privatdiskont von 37/s Prozent berechnet sich der Zins einschl. fcer: Gebühren ohnehin auf 4 Prozent. Voraussichtlich dürfte der Diskont gleich um ein volles Prozent in die Höhe gesetzt werden. — Von der Börse. Zum Berliner Börsenhandel sind 2 Millionen Mk. 3i/2prozentiger Anleihe der Stadt Remscheid vom Jahre 1903 und 31/a Millionen Mk. Anleihe der Stadt Ätarburg zugelassen. Markte. Hungen, 15.Sept. Der gestrige Prämiierungsni arkk hatte unter der schlechten Witterung sehr zu leiden. Der Auftrieb an Schweinen war zwar gut, dagegen waren Ochsen, Kühe und Rinder gegenüber dein Vorjahr weniger stark vertreten. Die Schweinepreise waren gut. Ochsen wurden von verschiedenen Gemeinden gehandelt. Die Prämiierung litt naturgemäß unter dem chwacheri' Austrieb, sodaß nicht alle vorgesehenen Preise zur Verteilung gelangen konnten. a. Marburg, 15. Sept. Dem heutigen Herbst-Pferde- markt waren trotz des ungünstigen Wetters 229 Pferde zu- getxieben. Der Handel entwickelte sich recht lebhaft, u. a. kaufte das Pferdemarktkomitee 16 Pferde, bez. Absatzfohlen, zur Verlosung an. Von 9 Uhr an konzertierte die städtische Kapelle, nachmittags 3 Uhr fand die Verlosung statt. Der 1. Hauptgewinn, ein kompletter Zweispänner — die Pferde, zwei prächtige Grauschimmel, waren von Frensdorf in Gießen — ist, wie verlautet, nad) Groß- Seelheim gefallen. — Ein fremder Händler wurde von seinem eigenen Pferde so unglücklich vor den Leib getreten, daß er be- sinmmgslos vom Platze getragen werden mußte. NeurjU L o u d o n, 16. Sept. Die Blätter weisen darauf hin, daß eine soeben erschienene Broschüre von Balsr.ur Chamberlains handelspolitische Vorschläge nrcht erw.chnt mrd auch> keinen Hinweis aus den Zusammenbruch des Reiches, mit dem gedroht wurde, oder auf die Vorzugs.arise enthält. „Daily Graphic" meint, es könne nicht bezwefielt werden, daß Chamberlains Stellungim Lande wejeutlich^ erschütterst sei. „Daily News" andererseits rst der An^ sicht, Balfour Hube sich offen zu Chamberlains Politik bekannt. Madrid, 15. Sept. (Havas-Meldung.) Aus Marokko hier eingegangene Prcvat^elegrainme besagen, daß der Kom- mandarrt der marokkanischen Truppen bei Beni-Ussi milt 600 Mann gefallen sei; der Sultan selbst sei beinahe in Feindeshände geraten. M a r b u r g a. d. D r a u, 16. Sept. Das Hochwasser hat einen über die Drau führenden Steg weggerissen. 10 bis 15 Personen, darunter 2 Polizisten, die sich auf deut Stege befanden, sind wahrscheinlich umgekommen. Auch die große Draubrücke ist in Gefahr. Aus allen Teilen der Alpen treffen fortwährend Hiobsberichte über Verheerungen ein. Alle Bäche und> Flüsse sind aus den Ufern getreten. Tas Wasser steigt stetig. Belgrad, 16. Sept. In Serbien sind in den letzten Tagen eine ganze Anzahl von macedonischen Banden gebildet worden, die teilweise aus Montenegrinern, zumeist aber aus Macedoniern bestehen, die sich in serbischen Diensten befinden. Der Uebergang über die Grenze ist aber nicht ganz leicht, da die türkischen Grenztruppen jede Grenzüberschreitung zu verhindern suchen. Ter russische Konsul hat die russische Regierung von diesen Vorgängen offiziell in Ketrnllris gesetzt. — fliach einer Meldung aus Sofia dauern im Bezirk Kirkilisse die M a s s e n - M e tz e - leien fort. Tie im Gefängnis befindlichen Bulgaren find von ihren türkischen Mitgefangenen niedergemacht woroen. — Bei den letzten Kympfen der türkischen Truppen mit einer starken Bulgarenbande im Bezirk Ochrida sollen von den Insurgenten der Füh r er und 200Man n gefallen sein, während die türkischen Truppen nur 6 Tote hatten. — Trotz des bereits ergangenen Dementis bleiben Belgrader Blätter dabei, daß in der Nacht von Samstag zu Sonntag geplant war, in die Belgrader Festung einzudringen, um die verhafteten Offiziere zu befteien und die Königsmörder umbringen zu lassen. Infolge der Entdeckung dieses Planes seien auch die Wachen an der Donau verdoppelt worden. Weitere Verhaftungen in fccr Angelegen^ heit des Rischer Komplotts seien nur^deHhaw nicht erfolgt, weil man den Anschein vermeiden möchte, daß die Angelegenheit größere Bedeutung habe. Belgrad, 16. Sept. Gegenüber dem im Auslande verbreiteten Cominunique, wonach die gesamte serbische Bevölkerung aus feiten der Königsmörder steyt, kann schon heute mitgeteilt werden, daß die Skuptschina es ablehnen wird, den M i t g l ie d e r n der königlichen Familie Sonderrechte einzuräumen. — Zahlreiche Offiziere fahren fort, ihre Charge niederzulegen und sich in das Ausland zu begeben. Tie Desertionlen von Mannschaften in der serbischen Armee mehren sich in erschreckender Weise. Telephonischer Kursbericht 8'/u Mexikaner . 101.00 . 89.03 . 101.25 . 89.03 . 100 15 . 99.02 . 101.55 100.04 . 99.02 . 102.07 . 00.00 . 1 31.00 . 34 05 . 127.04 372% 3% 3V,% 3% 37g% 37,96 Oberhessen . . 456 Oesterr. Goidrente . 47v§6 Oesterr. bilberrenie 4% Ungar. Goldrente . 4o/j Italien. Rente . . 47,26 Portugiesen . . 3°/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... . 27.— . 91.05 . 97.04 . 10103 . 201.05 1'5.06 . 133.09 . 146.0'3 . 152,06 . 138.05 . 16.08 . 188.75 . 827.75 . 183.05 4%% Chinesen . Electric. Scluckerc . Nordd. Lloyd. Kreditaktien Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank Dresdener Bank . . Beniner Hundelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden , . , Gotthanibahn . . . Lauranütte . . , . Bochum . . , Reichsanleihe do. Konsols . do. . . Hessen 4% Griech. Monopol.-Anl. 41,„% äussere Argentiner 43.04 00.00 Harpener . 184.25 Tendenz: abgeschwächt. Schiffsimchrichten. Norddeutsch er Lloyd. Bremen, 15. Sept. (Per transatlantischen Telegraph.) Tv Doppelfchrauben-Postdampfer „König Albert", Kapitän E. Polak, vom Storddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 2 Uhr morgens wohlbehalten in New-Port angekommen. Mobilien-Versteigemmg. Freitag den 18. September, nachmittags 1% Uhr, werden Bleichstratze 33, IL Stock, folgende Mobilien gegen Barzahlung versteigert: 1 dunkelrote Plüschgarnitur, bestehend in 1 Sopha, 2 Sesseln und 6 Stühlen, 1 Tafelklavier, 4 polierte Bettstellen mit Matratzen und Bettwerk, 1 Chaiselongue, 1 Sopha, Wasch- und Nachttische, Kleiderschränke, Stühle, Tische, 1 Wasch- und Wringmaschine, 2 Küchenschränke, sowie sonstige Haus- und Küchengeräte. I. A.: Schneider. Die Gegenstände können von Donnerstag ab von 10 bis 12 Uhr eingesehen werden. 6943 Arüeitsvergebung Dienstag den 22. l. M., nachmittags 5 Uhr, sollen in dem Gemeindehause zu Wieseck nachstehende Arbeiten öffenllich vergeben werden: Erdarbeiten (Fuhr-- löhne) veranschlagt zu ........ 50,00 Pflasterarbeiten veranschlagt zu . . . 311,25 „ Gießen, den 16. Sept. 1903. Senßfelder, 6945 Kreisstraßenmeister. Versteigerung. Donnerstag den 17. d. Nits., nachmittags 3 Uhr, sollen dahier Marktplatz 20 (im Adler) 1. Haus-- rmd Küchengeräte aller Art, 2. eine größere Partie Schuhwaren, 3. eine Ladeneinrichtung u. Kurzwaren sowie v. A. gegen bar versteigert werden. Gießen, den 16. Septbr. 1903. 6946 Seipel, Gerichtsvollzieher. Wegen 6953 Ausgabe meines Geschäfts lasse ich Donnerstag den 24. September, nachmittags 1 Uhr, in meinem Hause Neuenweg 18 nachverzeichnete, sehr gut erhaltene Schmiedewerkzeuge versteigern: 2 Blasbälge mit Feuerung, 1 Ambos, 2 Sperrhörner, eine Stauchmaschine, eine Biegmaschine, eine Bohrmaschine, 2 Wurden, 10 Schneidkluppen und vieles andere Werkzeug sowie eine Partie brauchbares Eichenholz und 1 Stoßkarren. Heinrich Thomas- Molster- u. Tapezierarbeiten übernimmt [04423 Carl Reh, Westanlage 25, pt. Für Kuchen empfehlen ff. Wtemelrl 5 Pfund 80 Pfg. 6920 10 Pfund 1.50 Mk. Gebr. ÜSerdux Bahnhofstr. 27. 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Hochachtungsvoll Bezugnehmend auf obige Bekanntmachung erlauben wir uns, einem verehrlichen Publikum die Mitteilung zu machen, dass wir die seit 25 Jahren bestehende Delikatessen-, Kolonialwaren- und Wein-Handlung Carl Schwaab, Hoflieferant, Seltersweg 23 Hochachtungsvoll Familie Carl Schwaab Geschäfts-Uebergabe. Hierdurch beehren wir uns, unseren verehrlichen Kunden und Bekannten die Mitteilung zu machen, dass die seit 25 Jahren bestehende Delikatessen-, Kolonialwaren- und Wein-Handlung Carl Schwaab, Hoflieferant, Seltersweg 23 mit heutigem Tage an die Herren Gebrüder Data über gegangen ist. Für das uns seither in so reichlichem Masse bewiesene Vertrauen bestens dankend, ■ Kfai Gießen, den 16. September 1903. 6899 Die Beerdigung findet Freitag den 18. d. Mts., vormittags 10 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. ' Todes-Anzeige. Gestern mittag 5 Uhr verschied nach langem, schwerem Leiden unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter Elise Hopfner Wwe. geb. Kilian im vollendeten 80. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ernst Hopfner. Geschäfts - Verlegung. Meiner werten Kundschaft zur gefl. Mitteilung, daß ich meine ZZuch- und Papierhandlung von Sonnenstraße 25 nach Z Nesaesiäbäue Z (Ecke Sonnenstraße) verlegt habe. — Gleichzeitig halte ich mich bei Bedarf von Zeitschriften und Büchern jeder Art, sowie Schul- und Schreibartikeln bestens empfohlen. 6947 Gießen, September 1903. H. Schneider. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ ♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦❖ ♦ Zirkus Lorch ♦ a beehrt sich, gestützt auf das gütige Wohlwollen, welches ▼ ihm überall m reichem Maße entgegengebracht wird, die ▼ 4^ ergebene Mitteilung zu machen, daß derselbe in kurzer A ▲ Zeit mit einem ganz neuen Zirkus, der mit dem letzt- a ▼ modernsten und elegantesten Komfort ausgestattet ist, ▼ mittels Extrazuges (46 Achsen) in Gießen enureffen wird, ▲ um daselbst einen Zyklus von sensationellen Vorstellungen ▼ zu eröffnen. ” A Die Gesellschaft, welche aus über 100 Personen be- A a steht, darunter die großartigsten Kunst-Spezialitäten in X ▼ sämtlichen Branchen des Zirkusfachs, ist ganz neu für “ * Gießen, der Marstall enthält eine große Anzahl von nur ♦ edlen Rassepferden, und kann sich das Unternehmen in X diesem Genre als einzig dastehend bezeichnen. V Alles Nähere durch spätere Annoncen und Plakate. A Gesucht für die Administration des Zirkus m ö b l. * Zimmer, möglichst in der Nähe des Zirkusplatzes. ♦ Ebenso verlangt Fuhrunternehmer mit wenig- X steus 18 bis 20 Pferden, sowie Fourage-Lieferant. d' Offerten mit Preisangabe an Zirkus iLoreh- 4$> Cassel erbeten. 6828 Babelsberger TtellogrGell-Vereiil Giehea liab Hamu-NnOu. Die nächsten Anfäugerkurfe, sowie Fortbildungskurse beginnen am 2. Oktober dL J. Anmeldungen hierzu an unseren ersten Vorsitzenden H. Sctzifinie, Grünbergerstraße 3, erbeten. 6901 Der Borftarrd. Honorar der Aufaugskurfe 6 Mk. Unübertroffenes Waschmittel. Man fordere überall I K Bleich-Soda WA 4, 4 | Suchard. Wenn Sie bei Ihrem Lieferanten eine gute Tafel-Chocolade einkaufen, vergessen Sie nicht, ausdrücklich Suchards Fabrikat zu verlangen, welches das weitaus feinste von allen ist. Besonders empfehlenswerte Chocoladen sind Suchards Velma und Suchards Milka. Aditung. Da sich der Jagdhund-Club für Gießen und Umgegend aufgelöst hat, empfehle ich meinen neu renovierten IW" Sehliefgsüatz allen Interessenten zur gefl. weiteren Benutzung gegen kleine Vergütung. Füchse und Bau sind in bester Verfassung. 6940 Hochachtungsvoll Alb. SCuBmiS, Schöne Aussicht. ion Frl. ättiiiii Gießen, Südanlage 7. Beginn des Unterrichts * in allen weiblichen Handarbeiten 6829 Dienstag den 15. September 1903. Panorama von Hießen von Kunstmaler Otto Fritz (feinster Farbendruck, 48x65 Etm. groß), bisheriger Preis 5 Mk., werden, so lange Vorrat, zu dem Ausnahmepreis von 2 Mark per Stück abgegeben. Otto Hochstätter, ÄmisthanölNg, °^4 Seltcrsweg 56, Ecke BolkSbad. Hg Ich habe mich hier als | Rechtsanwalt g W niedergelassen. Kissner, Rechtsanwalt. D W Butzbach, 10. September 1903. Sri Weiselerstrasee 36. 0839 Meineir werten Kunden und einem geehrten Publikum die ergebene Mitteilung, daß sich meine Wohnung und Geschäft jetzt Grünbergerstratze 13 befinden. — Empfehle mich bei Bedarf von prima Nußkohle«» Anthrazitkohleu, Briketts und Holz bestens. Bei Bezug von größeren Quantums zu billigsten Tagespreisen. 609? 6g. Unverzagt beim Gebrauch von sich leicht davon überzeugen: Schneeweiss wird die Wäsche Herren Gardrroben liefert ein Tuch- und Maßgeschäst (Schneidermeister) in feinster Ausführung zu den billigsten Preisen. Es gelangen nur prima in- und ausländische Stoffe zur Verarbeitung. Direkte Kasse oder monatliche Ratenzahlung Bedingung. Offerten unt. 04299 an die Exped. d. Bl. erbeten. Kartoffeln alle Sorten prima SPcisekartofsel«. prima Salatkartoffelu. gelbe Mäuschen empfiehlt billig 6625 J. Weisel, Telephon 235. Sonnenstraße 6. Prima Petkchr LackiM abzugeben per Etr. 9 Mk. Origi' nalsaat 1902 bezogen direkt vom Züchter Herrn v. Lochow in Petkus. (6587 Georg Simon, Grabenstraße. Unserer heutigen Ausgabe liegt die Ziehuugs- liste der laudw. Ausstellung Gietzcn bei. die Hattet o» 0 LLoche Unt*". jUlöftWi iflW e<«‘ Ubrtfi1 " '«Hb «SV”6 lclbitäiiL^ tul)W "Z < > In d< w iid> SoullW hir W Inf beider & en ser W errichten wW damit eu doch M Lahre's' Sallnst Ledürfn dem nm hoch obt m her 6 Linwohi sich redl dient ist Ltädtche diese Eh Mtröstli trimnige Md Are Ad - j ickzu £ wscht hä kgroßc gügeu t mitten cu die Aase aus der 9 sitzen zu m die L das miß gerächt n die Heniü Renans ^rotefi g bem i&m Ärs &iftl Uni) jo ha. erüchttt. ; und reüch herbei, de kamsche .präsidentc Mehrer Reu der nächst das bunte Das : Nchern zi leit' m al aus die Ä konnte mcc Aan wär Denkmal c Wer so w ttiumphse dachte jcho obwohl 'ex die repubi, demiker itf km lärmen aus der G Morden. Un !hr Recht h< Kllichen ( ""dachlsdM der ä, Scotti® Mw, iOi Mh in i „ .'im h ::*■ ^eguier. $ • ö'teihei !A $41 ler6[ * iit U N» öie; ter N'ech