Nr. 164 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- dlätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untvers.-Buch- ».Stein- druckeret (Piesich Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7, Adresse für Depeschenr «nzetger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 16. Juli 1903 Gießener Anzeiger ** General-Anzeiger 67 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen verngspretSr monatlich 7b Pf^ viertel» jährlich Mt. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk. 2.-— viertel* jährt, ausscht. Bestellg. Annahme von Anzeigen üi die TageSnummer ois vormurags 10 Uhr. ZeUenpretS: lokal 12 Pf^ auSwürtS 20 Pfg. Verantwortlich Mr den poltt und allgem. Teil: P. Wittko: für .Stadt und Land7 und .GerichlSsacU*: August Götz; für den An- zeigenteU: panS Beck. Aie heutige Nummer umfaßt 8 Keitm. Wir und die engttscheu Kolonie«. Man schreibt uns aus Handelskreisen r Tie Gefahr eines allbritischen Zollvereins wird bei uns einseitig betrachtet. Die City hat zwar noch nicht gesprochen; aber mit Chamberlain kann sie nur gewinnen : in Südafrika und im Seehandel, da die Zollunion für den erstarkten Wettbewerb der deutschen Schiffahrt nach den englischen Kolonien ein schweres Hemmnis blldet. Balfours Verhalten spricht dafür, daß die City Lust hat, den Unionsgedanken zu unterstützen, wenn sie auch die Imperialisten noch zappeln läßt, um in der Frage asiatischer Arbeit für Südafrika und der Trustbildungen der Minenmagnaten bessere Bedingungen zu erzielen. Neben allem Uelbrigen treibt der amerikanische Wettbewerb die Kolonien dem Zollverein in die Arme. Südafrika, Australien, Indien, die ostasiatischen Besitzungen, liegen vor den Toren der Verein. Staaten; diese haben die billigsten Seefrachten dorthin. Dre kommerzielle Eroberungslust macht sich dort noch stärker fühlbar als in Europa. Kanadas Eisenindustrie steht vor der Gefahr einer Überschwemmung mit amerikanischem Stahl. Was Amerika liefert, hoffen die englischen Kolonien mit der Zeit, nach einer industriellen Ausbauepoche, unter Zollschutz selbst herzustellen. Ihre Hauptausfuhrartikel hingegen, abgesehen von der Wolle, sind für die Union entbehrlich; sie erzeugt sie selbst oder verarbeitet sie wenig. Jedenfalls ist Loudon ein unvergleichlich besserer Markt. Können und sollen wir nun die Entstehung dieses allbritischen Zollvereins stören? Liegt das in unserem wohlverstandenen Eigeninteresse? Wir können es nicht. Die Zollunion ist die Lebensfrage des britischen Reiches. Früher oder später wird das Mutterland alle seine Kräfte, nötigenfalls seine bewaffneten Kräfte, für ihre befriedigende Lösung einsetzen. Bei einem Zollkampfe mit den Kolonien haben wir vorläufig das Recht für uns. In der Politik sind aber Rechtsfragen zu guterletzt Gesühlssragen. .Lassen wir die Rechtsfrage einmal beiseite, fp1 liegt ein Korn Wahrheit in Chamberlains Aeußerung, wir könnten die englischen Kolonien an einer handelspolitischen Begünstigung des Mutterlandes nicht ohne Unfreundlichkeit hindern. Auch wirtschaftlich können wir dieses Projekt nur aufhalten, nicht ernsthaft stören. Je mehr wrr Industrieland werden, desto weniger ist dies möglich Großbritannien ist unser bedeutendster Rohstofflieferant, wird es in immer steigendem Maße und muß es bleiben. Als Lieferant besitzt es in vielen Rohstoffen eine vom Monopol nicht weit entfernte Marktstellung. Unsere Schiffahrt wird der englischen Handelsmarine noch mehr Abbruch tun. Aber treffen wir die Hauptposten der allbritischen Einfuhr mit Kampszöllen, so werfen wir den besten Tell unserer Exportindustrie über Bord. Anderseits ist unsere Ausfuhrliste nach den englischen Kolonien recht zersplittert, fremder Ersatz für die meisten Waren zu beschaffen, und bei einem Kampfe würde die lohnende Veredelung kolonialer Rohstoffe aus Deutschland in die technisch rasch fortschreitenden Rohstoff-Kolonien selbst verlegit werden. Fehlen uns die politischen und wirtschaftlichen Waffen großen Stiles gegen den allbritischen Zollverein, so haben wir gar kein dringendes Interesse, im Sturmschritt gegen ihn vorzugehen. Sollen wir den Mauerbrecher für den amerikanischen Wettbewerb spielen? Der Zollverein ist von zwei Uebeln das kleinere. Das zollvereinte Großbritannien ist unser größter Lieferant und Abnehmer. In einem allbriti- schen Zollverein können wir mit der englischen Industrie- Ausfuhr eher konkurrieren, als die Amerikaner, und besser als in einem System handelspolitisch selbständiger Kolonien. Mit der, im Grunde freihändlerischen City als Handels- herz gewährt er uns immer noch bessere Absatzbedingungen, als Gegenseitigkeitsverträge mit den einzelnen Kolonien. Solche Verträge kennen wir. Von einem an sich hohen Taris, den Zollkämpfe noch treiben, wird hier und da etwas abgebröckelt. Amerika ist uns dann voraus. Das Verhältnis unserer Ausfuhr zur Einfuhr hat sich der Union gegenüber rapid verschlechtert, Großbritannien gegenüber noch schneller gebessert und ist für die Zukunft aussichtsvoller. Dre Zollkampfstimmung gegen Amerika sollte sich nicht ohne weiteres auf England übertragen. • • Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt in einer Besprechung des soeben erschienenen englischen Blaubuchs: Der Sachverhalt, der dem Meinungsaustausch mit Großbritannien zu Grunde liegt, findet sich in objektiver Weise dargelegt in der deutschen Note vom 27. Juni 1903, in welcher der gesamte Verlauf der Kontroverse nochmals rekapituliert und der hohe Wert betont wird, den die kaiserliche Regierung auf die befriedigende Gestaltung der handelspolitischen Beziehungen legt und die Bereitwilligkeit Ausdruck findet, in einen Meinungstausch darüber einzutreten, wie den entstandenen Schwierigkeiten am zweckmäßigsten M begegnen ist. Die „Nordd. Allgem. Ztg." giebt sodann die Note unverkürzt wieder. Das amtliche Schriftstück ist in Vertretung des Reichskanzlers vom Staatssekretär des Auswärtigen Frhrn. von Richthofen unterzeichnet. Neues von Belang enthält der Wortlaut nicht. Immerhin sind folgende Einzelheiten bemerkenswert und charakteristisch: „In der Anwendung des deutschen Generaltarifs auf Kanada liegt keine ungerechtfertigte Diskriminierung und ebensowenig eine Bestrafung dieser Kolonie, wie vielfach behauptet worden ist (dies zielt auf Chamberlain), sondern die Maßnahme stellt sich lediglich als eine durch die deutsche Gesetzgebung bedingte Folge des Außerkrafttretens des deutsch-englrschen Handelsvertrags dar. Irgend welche Strasmaßregeln oder Zuschlagszölle hat Deutschland bisher — wie ausdrücklich hervorgehobeu werden muh — gegen Kanada nicht an gewendet." Markant ist ferner der Satz: ,Menn die englischen Kolonien eine eigene Zollpolitik zu verfolgen in der Lage sein sollen, fu> wuß es auch anderen Ländern verstattet sein, sie als eigene Zollgebiete zu behandeln." Erfreulich energisch ist endlich die folgende Zurückweisung am Schluß der Note, die eine vollständige Darlegung der Vorgeschichte des Zollstreits enthält: „Aus den vorstehenden Aussüyr- ungen geht hervor, daß diesseitigen Erachtens die englische Beurteilung der Vorgänge in viel en Punkten auf unzutreffenden Voraussetzungen beruht, und die Schuld an der Entstehung und Zuspitzung des Konflikts Deutschland nichtwohl zugeschoben werden kann. Aie Verteilung der Uarteien im Reiche. Nach der endgiltigen Feststellung der Reichstagswahlergebnisse haben wir bereits über die jetzige Stärke der einzelnen Parteien, namentlich der Sozialdemokratie, berichtet; gewiß ist es aber auch von Interesse, die Verteilung der Parteien auf die einzelnen Gebiete des Reiches zu verfolgen. Bei Aufstellung dieser „Wahlgeographie", wenn wir so sagen dürfen, kann natürlich von vornherein aus eine besondere Berücksichtigung solcher Parteien verzichtet werden, die auf ein bestimmtes Land oder bestimmte Landesteile beschränkt sind; denn Elsässer werden nur in Elsaß- Lothringen, Weifen in der Provinz Hannover, Dänen im nördlichen Schleswig gewählt. Desgleichen entstammen die polnischen Abgeordneten nur den Bezirken, wo das polnische Element das deutsche überwiegt, und so entfallen von den 16 in den Reichstag gewählten Polen 11 aus die Provinz Posen, 4 aus Westpreußen und 1 auf Oberschlesien. Unter den übrigen Parteien ist die landschaftliche Beschränkung am ausgeprägtesten bei dem Zentrum. Von seinen 102 Mandaten entfallen 60 auf Preußen, 30 aus Bayern, 7 auf Baden, 4 aus Württemberg und 1 aus Oldenburg (früher war auch Hessen mit einem Zentrumsabg., Dr. Schmitt-Mainz, vertreten). Von den preußischen Provinzen stellt den stärksten Anteil an Zentrums männern die Rheinprovinz, nämlich 28, also fast die Hälste der insgesamt in Preußen gewühlten, demnächst folgt Schlesien mit 12, Westfalen mit 9, Hannover mit 4, Hessen-Nassau mit 3 und Ostpreußen mit 2 Zentrumsabgeordneten, je einer ist gewählt im Reg.-Bez. Erfurt und in Hohenzollern. Einige Regierungsbezirke sind im festen Besitz des Zentrums und wählen überhaupt keine anderen Abgeordneten, so in Preußen die Bezirke Münster, Köln und Aachen, in Bayern die Oberpfalz, Untersranken und der Reg.-Bez. Schwaben und Neuburg. Während die Wahlkreise des Zentrums, entsprechend der Verbreitung der katholischen Bevölkerung, in 9iord und Süd, Ost und West des Reiches liegen, beschränkt sich die konservative Partei fast ausschließlich aus den Norden, und dort wieder aus die östlichen Provinzen Preußens. Von ihren 52 Mandaten fallen 46 aus Preußen, 4 auf Mecklenburg-Schwerin und nur 2 auf Bayern (Reg.-Bez. Mittelfranken); alle übrigen Bundesstaaten sind in der konservativen Fraktion nicht vertreten. Der Reg.-Bez. Gumbinnen entsendet nur konservative Vertreter (früher war der Kreis Tilsit freisinnig vertreten), die Provinz Ostpreußen zusammen 13, also den vierten Teil der ganzen Fraktion. Pommern wühlte 10, Schlesien 8, Brandenburg 6, die Proviniz Sachsen 3, Westfalen und Posen je 2 und Westpreußen und Hannover je einen konservativen Abgeordneten. Auch die Re ich spart ei hat fakt alle ihre Sitze (18 von 20) in Preußen gewonnen, und zwar je 5 in Brandenburg mrd in Westpreußen, 3 in der Provinz Sachsen, je 2 in Schlesien und Posen und 1 in Schleswig-Holstein. Außerdem ist je ein Mitglied der Reichspartei in Mecklenburg-Strelitz und in Schlesien gewählt. Die freisinnige Volkspartei hat 14 Mandate in Preußen, je 2 in Bayern und in Oldenburg, je 1 im Großh. Hessen (Schmidt-Bingen), in Sachsen-Meiningen und in Lippe; die Hälfte aller 14 preußischen Mandate sind im Reg.-Bez. Liegnitz gewonnen, je 2 in Westfalen und in der Provinz Sachsen, je 1 in Berlin, in Schleswig-Holstein und im Reg.-Bez. Kassel. Die Wahlkreise der freisinnigen Vereinigung liegen fast durchweg im nördlichen Deutschland; es kommt je einer auf Westpreußen, Pommern, Schlesien, Proviniz Sachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Schwerin, Anhalt und Waldeck, nur das neunte Mandat ist im Elsaß (Stadtkreis Straßburg) gewonnen worden. Die deutsche Volks Partei ist auf fünf württembergische Mandate und eines im Elsaß beschränkt. Von den 50 nationalliberalen Reichstagsabgeordneten entfallen 26 auf Preußen, 6 auf Bayern, ebensoviel auf das Großherzogtum Hessen (Heyligenstaedt, Dr. Wallau, Graf Oriola, Frhr. v. Heyl, Haas und Dr. Becker), 4 aus Baden und 2 auf Sachsen-Weimar, je einer auf Württemberg, Braunschweig, Sachsen-Coburg, Anhalt, Schwarzburg- Sondershausen und Elsaß-Lothringen. Von den Preußischen Mandaten kommen die meisten, wie immer, auf Hannover, nämlich 9, dann folgen die Provinz Sachsen und die Rhein- provinki nrit je 4, Hessen-Nassau nrit 3, Brandenburg mit 2, Ost- und Westpreußen, Schleswig-Holstein und Westfalen mit je einem Nationalliberalen. Die von den Sozialdemokraten eroberten 81 Sitze verteilen sich so ziemlich über das ganze Reich, 32 von ihnen liegen in Preußen, 22 im Königreich Sachsen, in dem ein einziger Wahlkreis nicht sozialistisch vertreten ist, ferner je 4 in Bayern und Württem- berg, je 3 in Baden und Hamburg, 2 im Großh. Hessen (Dr. David und Cramer) und je einer in Mecklenburg- Schwerin, in Sachsen-Weimar, Sachsen-Meiningen, Sachsen- Coburg-Gotha, Sachsen Altenburg, Braunschweig, Schwarz- burg-Rudolstadt, Neuß ä. und Neuß j. L., Bremen und Lübeck. In Preußen ist die Sozialdemokratie am stärksten vertreten in Berlin und in Schleswig-Holstein mit je fünf Abgeordneten, Brandenburg, Schlesien uno Sachsen haben je 4, ferner die Rheinprovinz 3, Pommern und Westfalen je 2, Ostpreußen, Hannover und Hessen-Kassel je einen. Den Vertretern agrarischer Interessen ist es nur in Süddeutschland gelungen, Reichstagssitze zu gewinnen, und zwar 4 in Bayern und 3 in Württemberg; in allen übrigen Bundesstaaten sind sowohl der Bund der Landwirte wie der Bauernbund unvertreten geblieben. Die Antisemiten andererseits haben fast nur in Preußen Erfolge aufzuweisen; Hessen-Nassau bat deren 5, Brandenburg 2, Westpreußen, Pommern uno Westfalen und das Königreich Sachsen je 1 Antisemiten in den Reichstag gewählt. Von den im Reichstage bisher nicht vertretenen Parteien der Deutschsozialen und Nationalsozialen ist es unter den letzteren in einem Falle gelungen, ihren Bewerber durchzusetzen. Völlig unterlegen ist die litauische Partei, die im vergangenen Reichstag einen Vertreter im nördlichsten deutschen Wahlkreise, Memel, gehabt hat. Ihre in drei ostpreußischen Kreisen aufgestellten Kandidaten sind diesmal nirgends auch nur in die Stichwahl gekommen. r^oulS Aotya über Südafrika. General Louis Botha hat aus Pretoria an den englischen Abg. Leonard Courtney, Chamberlains engeren Fraktionsgenossen, folgenden Brief gerichtet, den die „Times" verössentlrcht: „Ich habe, schreibt Botha, „von Anfang an mich über die Tragweite der Chamberlain scheu Afrikareise keinen Täuschungen hingegeben, habe aber mit meiner Meinungsäußerung zurückgehalten, solange es möglich schien, daß ich zu schwarz gesehen hätte. Es ist jetzt aber nicht mehr zweifelhaft, daß Chamberlains Reise, wenigstens was Transvaal anlcmgt, ein klägliches Fiasko bedeutet, und daß er die Dinge schlimmer verlassen hat, als er sie vorsand. Bei dem einzigen Zusammentreffen mit uns antwortete er beleidigend und zieh uns der Undankbarkeit im Hinblick auf die 15 Millionen Pfund, die England auf die Heilung der materiellen Kriegswunden verwende. Seitdem fragt sich hier jeder Mensch, wo, wie und wofür diese große Summe eigentlich ausgegeben worden ist. Zu merken ist nichts davon." Botha führt dann weiter Beschwerde darüber, daß Chamberlain in Johannesburg ausschließlich mit den Minen-Jnteressenten verkehrt und unter ihrem Einfluß das verarmte Land mit einer exorbitanten Kriegsschuld belastet habe, im Widerspruch mit den von der gesamten Burenbevölkerung geäußerten Wünschen. Weiter bemängelt Botha die Tätigkeit des in Wirllichkeit nur beratenden gesetzgebenden Rats, die Versagung des Gemeindewahlrechts nicht bloß für alle Farbigen, sondern auch für weiße Ausländer, wo doch deren Wahlrechtsbeschränkung für England den Vorwand zum Kriege abgab, und den gänzlichen Mißerfolg der Wiederansiedelungskommission. Äesonders bitter spricht sich Botha über den englischen Versuch aus, durch importierte, der holländischen Sprache nur unvollkommen mächtige Lehrkräfte mittels tendenziösen Geschichtsunterrichtes und dem Volks empfind en widersprechender Religionslehren die Bevölkerung intellektuell zu Verengländern und durch die lediglich im Dividendeninteresse von den Minenmagnaten geplante Einführung massenhafter chinesischer Arbeitskräfte das Land kulturell herabzusetzen, wie überhaupt die Regierung vollständig von den Minenbesitzern beherrscht werde. Die Folge von dem allen sei trotz äußerlicher Ruhe und Erstarrung ein Zu st and tiefgreifender Unzufriedenheit bei Briten wie bei Buren. Botha beabsichtigt demnächst, ohne London zu berühren, in Holland einzutreffen, um mit dem Expräsidenten Krüger und Dr. Leyds die Lage in Süd-Aftika zu beraten. — Krüger hat einer Brüsseler Meldung des „Daily Telegraph" zufolge nach der Bur en Versammlung in Heidelberg in einem Schreiben an die Bärenführer seine Zu- ftiedenheit mit den englandfeindlichen Beschlüssen, be- sonders mit der Rede Louis Bothas ausgesprochen. Deutsches Keich. Berlin, 15. Juli. Die „Hohenzollern" iffk mit denk Kaiser an Bord nachmittags von Bergen wieder in See gegangen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Einen neuen Beitrag zu den Ausstreuungen über angebliche Aeußer- ungen des Kaisers hatte kürzlich die „Münchener Post" geliefert. Das sozialdemokratische Blatt behauptete, der Kaiser habe kürzlich nach dem Frühstück in Hamburg beim Gesandten v. Tschirschky und^Bögendorf den Kampf mit Feuer und Schwert gegen die Sozialdemokratiss angeMndigt. Trotz der Berufung aus eingeweihte Kreise beruht dre Erzählung mit allen Zutaten auf plumper Erfindung. — Aus Kopenhagen wurde ferner einem Berliner Blatt geineldet, es verlaute dort, daß der Kaiser auf Fürbitten von dänischer Seite die Begnadigung des zu 12 Monaten Gefängnis verurteilten Redakteurs Sim o n s en von der „Flensburger Zeitung" in Aussicht stellte. Wir köniren erklären, daß diese Kopenhagener Verlautbarrrng der B e g r ü n d u n g e n t b e h r t. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, betr. die Erstreckung der für Kausfarteischiffe geltenden Vorschriften auf die Gouvernementsfahrzeuge Schutzgebiete vom 5. Juli, sonne den Staatsvertrag zwischen dem Reiche und Luxernburg betr. die Herstellung einer Nebenbahn von Diedenhofen nach Bad Mondors vom 4. Februar. — Der Reise des Staatssekretär» des auÄoärtigeu Amtes Frhr. v. R i ch t y o s e n nach Snddeutschland liegt der können. diener Philipp Ahr in Wörrstadt zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Darmstadt II, der Vizeseldwebel von der Halbinvalidenabteilung des 18. Armeekorps Heinrich, ratsarntes hin bereits angefochten. Die im Wahlkreise Homburg-Kusel wird nun gleichfalls angefochten. Bei dem geringen Stimmenunterfchied — er betrug zwischen Thiel (Ivb.) und Dr. Jäger (Zentr.) nur zwei Stimmen — ist die lln- giltigkeitserklärung nicht zweifelhaft. München, 15. Juli. Der Minister des Innern ordnete Erhebungen an über die Klagen bezüglich des Futter- und Getreide-Mißwachses und regte Streu-Ab - -gäbe aus Sbaatsforsren an. dadurch ermöglicht, daß jeder Schüler, auch der kleinste musikalische A-B-C-Schütze, einmal eine Probe ablegen mußte. Sind im Anfang die Ansprüche, die hierbei gestellt werden, ganz bescheiden, so steigern sich diese, so daß auf der höchsten Stufe (1. Klasse) in Primavistaspiel und Primavistasingen, Musikdiktat und Theorie sehe ernste Aufgaben gestellt werden. ** Konzert der Regimentskapelle. Mit heute endigen die so beliebten Abonnements-Konzerte unserer Negi- mentsmusik. Da das Semester noch eine Woche dauert, bevor j unsere Musensöhne uns verlassen, würde es vielleicht Herrn Musikdirektor Krauße möglich sein, noch ein Konzert einzu- legen, damit dem musikliebenden Publikum vor Schluß des Semesters noch einmal Gelegenheit geboten wäre, sich unter den Klängen unserer so beliebten Regimentsmusik ein frohes „Aus Wiedersehen" zuzurufen. Wir sind überzeugt, daß Musikdirektor Krauße das richtige Programm dazu wählen wird. •* Schulstatistisches au§ Hessen. An höheren Lehranstalten waren im Schuljahr 1902,03 in Hessen vorhanden 11 Gymnasien, 2 Progymnasien, 3 Realgymnasien, 4 Oberrealschulen, 12 Realschulen, 1 höhere Handelsschule und 1 Landwirtschaftsschule. An diesen Anstalten wirkten 25 Direktoren, 476 ordentliche und 79 außerordentliche Lehrer. * Mannheim, 15. Juli. Aus dein Rhein wurden gestern die Leichen einer Frau und eines Mannes gelandet. Die Leiche des etwa 60 jährigen Mannes war mit Steinen beschwert, welche an Hals und Leib befestigt waren. behörde amtlich gemeldet: In verflossener Nacht wurde aus der Bahnstrecke, kurz vor Station Gießen, etwa 25 Meter von dem Einfahrtsignal Frankfurt—Gießen, ein junger, gutgekleideter Mann überfahren. Die Leiche lag auf dem Geleise, Hut und Stock im seitlichen Bahngraben. Der Name konnte noch nicht festgestellt werden. Vermutlich liegt Selbst- die Octsschelle. Darmstadt, 15. Juli. Se. Exz. Finanzminister Gnauth hat einen mehrwöchigen Urlaub angetreten. (D. Z.) Groß-Umstadt, 13. Juli. Ein großes landwirtschaftlich es Fest soll im letzten Drittel des September hier stattfinden. Das Fest wird drei Tage umfassen. 2lln ersten Tage (einem Samstag) wird der landwirtschaftliche Provinzialverein für die Provinz Starkenburg eine Tierschau (von Rindvieh, Schweinen und Ziegen) abhalten; für den zweiten Tag (Sonntags ist ein großer Festzug geplant; am dritten Tage soll eine Fcrselschau stattsinden. Wahrend der drei Tage wird eine Ausstellung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Obst, vom Landwirtschaftlichen Bezirksverein des Kreises Dieburg veranstaltet, einen Hauptanziehungspunkt bilden. In Aussicht genommen ist ferner Das Grab des Pfarrers Weidig auf dem! mord vor. — Kurz vor Schluß der Redaktion geht uns Aus AM und £and. Gießen, 16. Juli 1903. Personalien. Ernannt wurden der Amtsgerichts- ^Post" zufolge der Zweck zu Gnmde, sich den süddeutschen 'Monarchen, soweit sie ihm noch nicht bekannt find, vorzu* stellen und ihnen für die verliehenen Ordensauszeichnungen zu danken, sowie die Besuche zu erwidern, dre ihm süddeutsche Minister in Berlin abgestattet — Wie das „Berl. TM." aus Newyork verachtet, wird dort eine Unterredung mit dem amerikanischen Botschafter in Berlin veröffentlicht, in welcher sich derselbe mit Warme über den herzlichen Empfang des amerikattr- [ eben Geschwaders in Kiel aussprach. Der Botschafter erklärte, er wisse nicht, ob P r i n z H e i n r i ch einen ztverten Besuch in den Vereinigten Staaten vorberertL, doch habe der Prinz ihm gegenüber es als seinen innigsten Wunsch bezeichnet, Llmerika wiederzusehen. Ferner sagte ^tnvor, wenn Kaiser Wilhelm einen sol chen Besuch machte, würde alles von ihm hinge riss en s ein. Er sei ein warmherziger, aufgeklärter Je an n und demokratisch in einem Grade, wovon niemand, der nicht in Deutschland gewesen, eine Vorstellung habe. Auf eine Frage wegen einzelner, zwischen beiden Landern schwebenden zollpolitischen Punkte äußerte der Boftchaster, er habe nirgends in Deutschland Erörterungen vernommen, nach denen Zoll-Repressalien von deutscher Seite m Frage noch ein eigener Drahtbcricht zu, dem zufolge in dem Toten der in Gießen beschäftigt gewesene ComimS Robert Lcining, aus Erfurt gebürtig, erkannt wurde. p. Lich, 14. Juli. „Früh morgens, wenn die Hahne kräh'n", konnte man dieser Tage in der Wetter eine große Anzahl Fische in Wassersnot beobachten, insbesondere in der Nahe des seiner Vollendung zusehends näher ruckenden Viaduktes der neuen Bahnlinie Lich—Butzbach bei Arnsburg. Infolge des niedrigen Wasserstandes und der Ausübung des mehrtägigen Bewässerungsrechts für die Wiesen der Bessinger Gemarkung zappelten im Tagesgrauen bei Zustuß der Abwässer aus der Stadt aus Mangel an Sauerstoff Forellen, Hechte, Bersche, Schleihen und Weißfische verendend im seichten Wasser, sodaß die Forstbeamten und — wenn wir recht gesehen haben — auch einige Nebelgestalten aus der hoffnungsvollen Jugend von 6 bis 60 Jahren mit dem Ab- stechen der Fische alle Hände voll zu tun hatten. Was davon nicht auf den Tisch einheimischer Familien und der dieses Jahr recht zahlreichen Kurgäste kommt, läßt sich auf der ! schattigen, jetzt schon bis zur hohen Warte durch die Dampfwalze frisch wie eine Tenne geglätteten Chaussee leicht nach Gießen transportieren. Der Luftkurort hier gewährt besonders angenehmen Sommeraufenthalt durch die Bänke in dem nahen, beni Publikum geöffneten schattigen Schloßpark und an den verschiedenen Waldteichen, sowie nach Arnsburg und Münzenberg. Abends trifft man sich bei Jhrings-Bier; denn die Wasserleitung hier giebt nur tagsüber Wasser, und auch da manchmal nur auf Stunden, je nach Bekanntmachung durch kommen könnten. t 1 — Nach einer Kieler Depesche gehen Mitte Oktober 31 Fähnriche nach Ostasien ab. Die Einschiffung erfolgt auf den großen Kreuzern des Geschlvaders gleichzeitig nut der des Prinzen Lldalbert. , — Der bisherige badische Vertreter im Bundesrat und Gesandter in Berlin Dr. v. Jagemann hat nach einer Zuschrift an die „Augsb. Abendztg." aus Berlin seinen Po st en plötzlich sang- und kl au g lo s v e rlaf f en und konnte sich nicht einmal von seinen Freunden veiabjchieden, denen er in feiner zehnjährigen Tätigkeit m Berlin naher | getreten war. Er mußte den Kollegen im Brmdevrat semen | Abschiedsgruß durch den Staaissekretär Grafen Po;adow^ky übermitteln lassen. In der Zuschrift heißt es, Herrv. ^,age- mann scheine als Opfer aus dem Altar der zwischen den Höfen von Berlin und Karlsruhe Wiede rherge- stellten Freundschaft dargebracht worden zu fein. Bekanntlich hieß es längere Zeit unwidersprochen^ daß zwischen den Höfen von Berlin und Karlsruhe eine Spannung bestehe. Vor wenigen Wochen stattete dann aber der Kaiser dem Großherzog von Baven einen freundschaftlichen Besuch ab, und gleich darauf ging der Gesandte Badens auf Urlaub, von dem er nicht mehr zurückkehren sollte. Gardelegen, 15. Juli. Wegen Abgabe zahlreicher sozialistischer Stimmen hat der Landrat den Krieger-Vereinen in mehreren Ortschaften empfohlen, die in Frage kommenden Mitglieder auszuschließen, andernfalls würde er die sofortige Au slosung der betreffenden Kriegervereine verfügen. Posen, 15. Juli. Hier kam es beim Schützenfest. wurden nach bestandener Prüfung 22 zu Ostern 1903 ent- 111 prm ilfhtPfi lassen. An Schulgeld gingen an den höheren Mädchenschulen und Seminaren 186 531 Mk. ein, kein Schulgeld zahlten 48. • Marienburg, 15. Juli. Heute mittag brach auf n. Großen-Linden, 16. Juli. (Original-Tele- der Besitzung des Hauptmanns Ziehm in Willenberg Grotz- gram m des Gieß. Anz.) Heute nacht 3/<12 Uhr sand feuer aus. 2 Ställe, 2 Scheunen und 60 Stück Vieh wurden der Hilfsbahnwärter Menges von Großen-Linden im Bahn- ein Raub der Flammen. einschnitt Gießen—Großen-Linden die Leiche eines etwa * Elbing, 15. Juli. Rittergutsbesitzer Trabandt 2 5 jährigen, gut gekleidet en Mannes. Die Persön- aus Hammer stürzte infolge Durchgehens der Pferde vom lichkeit des Toten ist bis jetzt noch unbekannt. Die Behörden Wagen. Er erlitt einen Genickbruch und war sofort t o t. -«.m?.e'K«.iS1«SÄ ! festzustellen. Hierzu wird uns noch von der Eisenbahn-lebensgefährlich. Er wurde verhaftet * Breslau, 15. Juli. Das Ho ch w a s s e r steigt hier weiter. Die Fürstenbrücke ist polizeilich ab gesperrt. Kardinal Kopp spendete 10 000 Mark für die Ueberschwemmten. Die Schülerzahl war vor der Versetzung bezw. Entlassung in den Gymnasien 2764, in den Progymnasien 187, in den Realgymnasien 1115, in den Oberrealschulen 1974, in den Realschulen 2168, an der höheren Handelsschule 8, an der Landwirtschaftsschule 27, zusammen 8243. Das Zeugnis y zum Einjährigendienst erlangten 397 Schüler. An Schulgeld I Julius Weber hatte in Gesellschaft die Nacht durchgezecht gingen zusammen ein 642193 Mk., vom Schulgeld befreit und ging gestern früh gegen 4 Uhr in Begleitung eines blieben 299 Schüler. Mit dem Reifezeugnis für Universitäten 5iollegen an den Main in der Nähe der Fähre, wahrscheinlich iC ainqen ab 356 Schüler, von denen 301 zum akademischen um etwas frische Luft zu atmen. Dabei machte er an der 8« «t. i"m Aml-z,«ch,b-i lein StaiSgtti# M« Sl. d« Melijm » det «»»m.til 2« bet cnnpgeJ k" ©StS Wörrstadt. Theologie 23, der Forstwiffenschaft 21, der kathol. Rheologie zur Städteausstellung nach Dresden zu entsenden, ** Im Musikinstitut des Fräulein Minna Körner und der Chemie je 17, der Naturwissenschaften 11 :c. 45on um ^rt ihre Kenntnisse zu bereichern. Die nötigen Geldhat am Mittwoch die Schlußprüfung durch einen Vortrags- den Abiturienten, die nicht zum akademischen Studium über- mittel soll der städtische Finanzausschuß bewilligen. — abend stattgefunden. Schüler der 2. Klasse waren es dies- gingen, erwählten als Berus 16 den Militär- und Marine- In Helferspirthen bei Limburg erschoß ein Jäger mal, die durch Pianosortewerke von Bach, Czerny, Kullek, dienst, 15 Handel, Gewerbe und Oekonomie, 7 den Post-, eine Frau, die Holz suchte. Er hatte die Frau für einen Schubert, durch Duos von Schubert und Reinecke und ein Telegraphen- und Eisenbahndienst re. rc. — An den höheren Rehbock angesehen. — Im Frankfurter ^tadt w a l d e Trio von Klengel ihr Können beweisen sollten. Mit Sicher- Mädchenschulen und den damit verbundenen Lehrerinnen- fanden Schutz-leute die Leiche eines Radfahrers. Neben heit, sauberem Anschlag und musikalischem Verständnis lösten seminaren (zusammen 5) wirkten 92 ordentliche und 30 au^er» di° Schüler die teils recht schwierigen Aufgaben. Im Lause ordentliche Lehrer und Lehrerinnen. Die Zahl der iilassen ft? um ^stmord handelt. Der Tote stammt' aus des Schuljahres 1902/03, welches mit Anfang August schließt, war 76, die Zahl der Schülerinnen einschließlich Semmar Heidelberg. hat Frl. Körner 11 Musikaufführungen unternommen undI vor der Versetzung 2367. Von den 35 Seminaristinnen . । ■■ ■■ im. für den Bau einer Bahn durch das Wohratal in Anregung gebracht; nämlich anstatt der Linie Kirchhain— Äiauschenberg eine solche Marburg—Cölbe—Schönstadt Schwarzenberg—Rauschenberg—Gmünd—Frankenberg. Man verspricht sich von dieser Strecke, die zahlreiche Ortschaften berührt, eine große Rentabilität. Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Frankfurt fiel vorgestern abend der sechsjährige Knabe Willy Leiningen am Eisernen Steg in den Main, wurde aber von dem Schsifer Hugo Brohm aus Freudenberg noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach seiner elterlichen Wohnung verbracht. — Von der Straßenbahn in Frankfurt überfahren wurde geftem morgen um 6h» Uhr der Eisendreher Oskar Wenzel. Er erlitt einen schweren Bruch des rechten Unterschenkels. I— Der in Offenbach wohnende verheiratete Arbeiter Darmstädter Friedhof. Von Herrn RechtSanwaltI Weidig wird uns geschrieben: In Nr. 159 finde td) ctnc Korrespondenz aus Darmstadt, signiert: Ü.L., die das Grab meines OnkelS, des Pfarrers Dr. F. L. Weidig auf dem Darmstädter Friedhof betrifft. Darin ist, offenbar in qutem Glauben und der früheren amllichen Version entsprechend, erwähnt, daß jener Märtyrer seiner politischen Ueberzeugung seinem Leben durch Selbstmord ein Ende aeniacht habe. In Berichtigung dieser Notiz teile ich mit, daß, wie man in der ausgedehnten Litteratur, die der tragische Fall hervorgerufen hat, urkundlich Nachlesen kann, die medizinische Fakultät der freien Züricher Hochschule damals auf Grund des gerichtsärztlichen Sektionsbefundes begutachtet hatte, daß so tiefgehende Schnitte in den Hals, wie an der Leiche festgestellt waren, der Verstorbene sich ganz unmöglich selbst zugefügt haben könne mit den Glasscherben, die er hierzu einzig zur Hand hatte. Die Aufklärung ergab sich aus den Umständen. Dem entmenschten Kerkermeister des politischen Gefangenen hatte sich dieser trotz aller Tortur nicht gebeugt und es kam zu der Wut des Ehrsüchtigen über die Erfolglosigkeit seiner auf den Triumph eines Geständnisses gerichteten Bemühungen das wohl noch mehr aufpachelnde Gefühl der Deniütigung durch die hohe geistige und die erdrückende moralische Ueberlegenheit des seiner Willkür ganz überlassenen Opfers hinzu. Das wurde durch die brutalsten Mißhandlungen und durch schlechthinigen Abschluß jeder Kommunikation mit der Außenwelt geahndet. Hiergegen gab es nur ein Mittel der Befreiung: der Gefangene fügte fid) | mit den Glasscherben der Wasserftasche so schwere Wunden^ am Hals zu, daß er den Aerzten hätte übergeben werden' muffen. Dann aber wären die Torturen an Tag gekommen, die der säufenvahnsinnige Dämon dem wehrlosen Gefangenen angetan hatte, und so fanden denn die Aerzte, welck)e erst einige Stunden nach Entdeckung des Schwerverwundeten, aber noch Lebenden, in dessen Zelle zugelassen wurden, einen Toten mit bis auf die Wirbelsäule durchsäbeltem Halse. — Ich will nicht unterlassen hinzuzufügen: Das Interesse der Sozialdemokratie für meinen Onkel führt sich auf Wilhelm Liebknecht zurück, der die von ihm vertretene Sache gern durch ein leuchtendes Vorbild schmücken und heben wollte. Pfarrer Dr. Weldig betätigte urd)ristlichen Sinn: er teilte, wie bekannt, Hab und Gut mit den Armen und fetzte sie ein für i ""^V*^** ,=.-4pftitun hnn fiüaef eine Vierdesckiau verletztes Recht. Daß er aber jemals den chimärischen Ideen ü ber Beteiligung: ein Bauernrennen. Ein nachgehangen habe, die die heutige Sozialdemokratie versolgt, L -eber Beziehung vorzüglicher Festplatz ist gesichert; auch hat noch niemand erfunden. I Raum zur Ausstellung von landwirtschaftlichen Ma- ** Auf dem Fe st platz am Schützenhaus regt jrtinen vorhanden. An Veranstaltungen von Volksbelustig- ! sichs wacker mit den Vorarbeiten zum 25 jährigen Strft- uttgen u. dgl. wird es selbstredend nicht fehlen. („Neue Polen, io. ;yuiL vul uuu c-» uuuu ungäfejt. Im Verein selbst entwickelt sich ein reger Eifer, Ml.") ata ein Herr Märkisch zum Schützenkönig proklamiert wer- um alle Vorbereitungen zu einer dem Feste würdigen Mainz, 15. Juli. Ertrunken ist gestern nachmittag den sollte, zu so argen Zwistigkeiten nationalen Feier zu Ende zu fuhren. Sttftungen undI^^^oiigaben zum Grafen der 18jährige Mechaniker Friedrich Rohn vom A-'L'L ÄXÄ S'ÄÄmS S’EÄÄ« SS SSÜ SffS öS *******i/o«. - -- ;<» mexyerlegten. amtlick ickaft ^ollt. Schwimmer war, vor den Augen feiner Kameraden unter- Ter König verMh der 'vormaligen' Kr° n n z e s s" Ein V erb ot d - s V erkau fcs v °n Z i garr cn sank. Obwohl sofort Rettungsoersuche unternommen wurden, «uile auf ihr Ansuchen den Namen und Adelstttel einer in Gastwirtschaften, nämlich ivahrend der für bte fonnte er nur als Leiche ans Ufer gebracht werden. Gräfin mdontianoso osfenen Ladengeschäfte verbotenen Zeit, strebt der Zentral- ft. Frankfurt a. M„ 15. Juli. Das hiesige Straßen- Kaiierslaulern 15 Juli. Tie „Pfalz. Pr." meldet verband deutscher Tabak- und Zigarrenladenuihaber an. bahnpersonal beschloß die Gründung eines Straßen- aus Land >ruhl- An Stelle des bisherigen Landtagsabg. Con- Er hat in dieser Sache eine Euigabe an den Bundesrat bahn ervereins. Der Anschluß an den Verband der rad llw.), für den wegen Beförderung zum Regierungsdirek- gerichtet, in der er dre Sck^igung ^r Zrgarrcnhandler Transportarbeiter wurde abgelehnt wr Neuwahl erforderlich wurde, ist heute Gebhart-Lauter- durch den Zigarrenverkauf ui Gastwrrtschasten nachzuweisenl y Marburg, 15. Juli. Der heute hier abgehaltene ecken lBd. d. Landw.) mit 81 gegen 78 Stimmen zum Land- versucht. , . . = „<< fireistag des Kreises Riarburg beschloß einstimmig den • tagsabgeordneten für den Wahlkreis H o m b u rg-Ku s e l Von einem eig e n ar tig e n ^orf al t mürben, be3 ytrcjje§ Dlarburg zur Ruhegehalts-, sowie gewählt worden. — Wie der „Pfalz. Pr." ferner aus dem wie uns von Ai der Witwen- und Waisenkasse der Kommunalbeamten des Re- Reichstagswahlkreise Homburg-Kusel (wo nach schwerem am le&ter< b« unangenehm berührt Äe gierungsbezirks Kassel. Ferner wurde noch em neues Projekt Kamps der Bunöeskandwat ^tauiser-ObeLjutzen zum Siege Ktr ch e eines june^> oe^ Hjet|ey unaiigeiievin .. Sn« Wnhrntnf in An- qelanat ist) geschrieben wird, steht fest, dnß ttwn hundert Orgel konnte rmmlich an i)ie)em Tage Nicht zu dem Wähler, die im Bezirk Homburg wohnen, und im Bezirke Gesang gespielt werden, da nicht em einziger sich em- Ottweiler-St. Wendel in Ar bei: flehen, ihr W ah l r echt gefunden hatte, der die Orbelbeglellung hatte übernehmen bei der Hauptwahl dopp elt ausgeübt haben. Die Wahl in Ottweiler-St. Wendel ist auf die Ermittelung des Land- Ttfe Frau ist ettva 30—35 Jahre alt. Die Persönlichkeiten werden, da zwischen Arbeitgebern und Arbeitern eine Einigung ba^in zustande gekommen ist, die Differenzpunkte einem Schiedsgericht, bestehend aus Delegierten beider Norteien. an imferhrpifpn konnten noch nicht festgestellt werden. 15. Juli. Ein ohne Fahrkarte Gericht, bestehend aus^Del^ie^en^eider^arteien, zu unterbreiten. Straßburg i. E nngestiegener Reservist überfiel auf der Strecke Diedern TeSephomscher Kursbericht. teilt. 5572 Universitäts-Nachrichten 102.70 91.40 102.35 91.45 101.10 100.00 103.10 101.05 101.80 103.30 49.45 31.10 34 05 130.60 44.00 40.80 3U/O Mexikaner . . . 4*/r 7o Chinesen . . . Electric, bohuckert . 4 Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien , . Diskonto-Kommandit, . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Beniner Handelsges. . Oesterr. Staatabahn . . Lombarden . • ♦ . Gotthardbahn . . . . Laura hütte..... Bochum ..... Harpener Tendenz: fest. . 27.05 . 92.35 . 91.00 . 98.50 . 208.50 . 186.90 . 136.50 . 147.60 . 153.80 . 143.60 . 18.10 . 192.00 . 215.00 . 173.70 . 179.75 jb'ranklart ». 16. Juli IVO3. SekMnImachmg. In das Handels - Register Abt. A wurde heute bezüglich der Firma ,Ferd. Burk" zu Gießen eingetragen: Geschäft ist mit Firma, jedoch ohne Aktiva, mit Wirkung vom 1. Juli 1903 auf Kohlenhändler Eduard Klinket dahier übergegangen. Dem Kaufmann Eduard und Louis Klinket zu Gießen ist Einzelprokura er- Gerichtssaal. Straßburg 15. Juli. Das Schöffengericht Buschweiler verurteilte den Bierbrauer Moritz Pfaffenhofen wegen Brau- steuerhinterziehung zu 52 000 Mark Geldstrafe. M für MM md Musick Tepositenkasse Gießen. (Darmstädter Bank.) Wämirckr Vorträge. Areitag den 17. Juli, pünktlich 8 Ahr aöeuds itt der Universitäts-Aula: Kerr Urofessor Br. Albert: Sonst und Jetzt n der deutschen Landwirtschaft. Mit Lichtbildern. Eintrittskarten zu Mk. 1.50 sind in der Ferber'schen, Frees'schen und Ricker'schen Univ.-Buchhandlung, Studentenkarten auch bei Herrn Venvalter Stork zu haben. 5435 372% Reichsanleihe . 87a do. . . 3Vi% Konsols . . . 8% do 372% Hessen . . . 3%% Oberhessen . . , 4% Oesterr. Goldrente . , 476% Oesterr. tiilberrento 4% Ungar. Goldrente, . 4% Italien. Rente . , , 47s% Portugiesen . . , t°l Portugiesen. ♦ . . , 1% C. Türken . . . Türkenlose 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 4t/o% äussere Argentiner L. London, 16. Juli. Laut einer. Meldung der „Dkor- ning Post" aus Washington werden dort nach vorgekom- menen Skandalen inr Postdepartement jetzt gegen das Kriegsdepartement Beschuldigungen über korrupte Geschäftsführung erhoben. Es wird behauptet, ein hervorragendes Mitglied des Repräsentantenhauses sei seit langem an einem Unternehmen beteiligt, das unter Ausschluß billigerer Konkurrenzfirmen Aufträge vom Kriegsdepartement erhielt. Gleiche Anklagen werden gegen einen Senator gerichtet. Die letztere Sache datiert bereits fünf Jahre zurück. Die Gegner des Präsidenten Roosevelt suchen die Vorkommnisse gegen die Wiederaufstellung seiner Präsidentschaft zu verwerten. Die zur Erneuerung des Anstrichs der eisernen Einfriedigung beim Gerichtsgebäude dahier erforderliche WchMembeit wird hierdurch zur Vergebung auf dem Submissionsweg ausgeschrieben. Die Ausführungsbedingungen u. Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen und können auch letztere daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden. Angebote sind bis zum 22. Juli d. Js., vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift porto- ftei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist 8 Tage. Gießen, den 15. Juli 1903. Großh. Hochbauamt Gießen. Neuling. 5561 25jähriges StistungsM. Wir laden hiermit unsere verehelichen Mitglieder für Freitag den 17. d. Mts., abends 9 Uhr, zu einer AHMMliHeil tamtf - Pechmlnng im Schützknytms freundlichst ein und bitten um zahlreiche Beteiligung. Mit Schützengruß Der Vorstand. NB. Gleichzeitig machen wir auf die am gleichen Abend statt* findende Probcbeleuchtung aufmerksam. 0573 Neueste Meinungen. Hannover, 16. Julr. Gestern abend kam es zu mehrfachen Demonstrationen gegen die hier ankommenden italienischen Arbeiter, die von hiesigen Arbeitgebern an Stelle der ausgesperrten Arbeiter angenommen werden sollen. Als ein Trupp solcher Italiener ankam, versammelte sich am Bahnhofe eine große Menge. Die Polizei wollte sie vertreiben, wurde aber mit Steinen beworfen. Mehrere Schaufenster wurden zertrümmert. Die Polizisten schossen schließlich in die Menge, ohne jedoch jemand zu verletzen. Eoburg, 16. Juli. Die wegen Kindesmordes schon früher bestrafte Aufwärterin Grimm schlug ihr zweites neugeborenes Kind mit dem Kopf an die Wand, und als das unglückliche kleine Wesen dann noch Lebenszeichen gab, erdrosselte es die Mutter mit den Fingern. ‘ Breslau, 16. Juli. Das Hochwasser in Schlesien hat endlich den höchsten Stand erreichst. In Breslau mußte die Fürstenbrücke und die neue sogenannte Paßbrücke am Zoologischen Garten polizeilich gesperrt werden, da sie in höchster Gefahr sich befanden. Im Breslauer Unterwasser der Oder hat sich die Lage verschlimmert. Die Ortschaften werden vorläufig mittelst militärischer Hilfe nod). gehalten. Die Breslauer Straßenbahnen konnten infolge der Ueber- schwemmungeu bereits vier Linien nicht bis zu den Endstationen durchführen. London, 15. Juli. Reuters Bureau wird aus Port Arthur vom 14. Juli über Tschifu gemeldet, daß die Beratung russischer Diplomaten und anderer Beamten vorgestern beendet wurde. Der letzte Sonderzug mit Teilnehmern an der Beratung sei gestern nach Moskau abgegangen. Es werde zugegeben, daß die Möglichkeit eines Krieges erörtert wurde, es werde aber erklärt, daß dies nicht Gegenstand der Beratung gewesen sei. Es zeige sich deutlich, daß seit der Ankunft des Kriegsministers Kuropatkin Rußlands kriegsmäßige Vorbereitungen im Wachsen seien und die Absicht bestehe, mehr Truppen in die Mandschurei zu bringen. Unternehmer in Port Arthur hätten in der vorigen Woche Aufträge erhalten zur sofortigen Beschaffung von Bau- Materialien zur Einrichtung von Baracken für 20000 Mann, die aus Eharbin abgehen sollen. Beamte, die an der Be- Port Arthur, 15. Julr. Die russische Regierung hust Befehl zum Bau von Kasernen für 20000 Soldaten gegeben. Man glaubt, daß das Ergebnis der Konferenzen zwischen dem Kriegsminister Kuropatkin und den höheren russischen Offizieren und Beamten eine neu organi- llerte Tätigkeit der Russen in der Mandschurei herbeiführeu L New York, 16. Juli. 100 000 Acres Land erwarb rn Mexiko der BureukommandantJoubert. Der ehemalige Kommandant Kruitzinger, der soeben von seiner Reise durch Mexiko nach Kapstadt zurückgekehrt ist, rät aber den Buren von der Auswanderung nach Mexiko ab, da dies Land für den Ackerbau ungeeignet sei.' Washington, 16. Juli. Die Konferenz zwischen dem Staatssekretär Hay und dein russischen Botschafter wegen der Mandschurei haben einen befriedigenden Vnckauf genommen. Hay hat an die amerikanische Kommission, welche über das Handelsabkommen in Peking verhandelt. Befehl gegeben, dahin zu arbeiten, daß die Frage der Eröffnung der mandschurischen Häfen möglichst bald erledigt werde. Hey versicherte oem russischen Vertreter, daß Amerika keinen anderen Zweck verfolge als die Oeffnung der Häfen für die ganze Well. Rom, 16. Juli. Wie verlautet, hinterläßt der Papst eine ungeheure Menge von Dokumenten. In Perugia liegen ganze Kisten voll. Am wichtigsten ist ein auf dein Schreibtisch liegendes Brevier mit zahlreichen Aufzeichnungen. Rom, 16. Juli. Der Papst schläft seit einigen Stunden. Die Schwäche ist andauernd groß. Seit seiner Erkrankung lebt der Papst nur von Fleischbrühe, Tee, Milch, Eyokvlade, Eigelb, Champagner und Bordeaux. DieKamphcr- nub Coffein-Einspritzungen werden fortgesetzt. Wien, 16. Juli. Au ft eisen erregt die Verhaftung i?cv jungen B a r 0 u s von Lerchenfeld, Sohn des Kgl. Kammerherrn v. Lerchenseld, wegen Manipulationen ber Entrierung von Schulden, die das Gesetz als Betrug an sieht. --------- ratung teilgenommen haben, hätten erklärt, der Widerstand s, *». r ? e f d.e r nichtpreußischen univ er- Rußlands gegen die Oeffnung der mandschurischen Plätze für mester 1902 03 mcht"erhMich verändert^ Di^Gesamtzah^ de^r °Do°- ben &a”be( Jei nicht begründet auf der Gegnerschaft zenten beträgt im Sommer-Semester 1903 einschließlich der Lek- gegen Die Anwesenheit von Fremden, sondern dagegen,. daß toren und der mit Halten von Vorlesungen Beauftragten 1295 fremde Konsuln in Städten, die tatsächlich unter russischer vorigen Jahre. Für die einzelnen Universitäten Kontrolle stehen, bei der chinesischen Regierung beglaubigt Freiburg 124?124),^Heidelberg^159^(158), Jena^.10 (110),8 Leipzig ,roerbfen die Kaufleute, die sie vertreten, außer- ^16 (217), München 206 (195), Straßburg 139 (138), Tübingen 99 territoriale Rechte genießen sollen. Ein solcher Zustand werde s' ^"^burg 88 (93). Es starben tm Ganzen 13 Dozenten (9 sicherlich große Reibungen im Gefolge haben, wie es in ord und 4 a.-o. Prof.). Es wurden zu Ordinarien ernannt 7 (5 Riutschwang der Fall gewesen sei. a-o. Prof., 1 Biblrothek^ekretär, 1 Oberförster); zu ord. Honrar-' ~ ~ - - • -pi’oi. 2, zu a.-o. Prof. 26 (25 Privatdozenten, von denen keiner von auswärts berufen wurde und 1 Zahnarzt, der bereits den Professor- ^rtel besaß); neu habilitiert haben sich 23 Privatdozenten, unter denen einer bereits vorher an einer anderen Universität habilitiert war; einen Lehrauftrag erhielt em Musikdirektor; zurückgetrelen sind 2 Privatdozenten und 1 a.-o. Prof. Ins Ausland berufen wurden 2 a.-o. Prof, als ordentliche nach Oesterreich (Prag und Wien), 1 Lektor als ord. Prof, nach England (London). Aus dem Auslände wurden berufen 1 ord. Prof, aus Holland (Leyden), 2 vrd. und 1 a.-o aus der Schweiz. Aus der akademischen in eine cmoere Laufbahn berufen wurden an Krankenhäuser 1 Privatdozent (als Abteilungsleiter) und cm a.-o. Prof, (als Direktor), an ein statistisches Laridesamt em Privatdozent (als Kollegialasfeffor mit dem Titel Professor); aus einer anderen Stellung in die akademische ^aufbahn endlich em Oberförster und ein Bibliothek-Sekretär. Hofen-Mondorf den diensthabenden Schaffner mit dem Settengewehr. Der Schaffner wurde schwer verletzt ins Hospital gebracht. * Liverpool, 15. Jwti. Bei.einem Eisenbahnunglück wurden fünf Personen getötet und etwa 30 verletzt. Der aus acht Wagen bestehende Zug fuhr aus dem Geleise auf den Bahnsteig und rannte in den Fahrkartenschalter. * Madrid, 15. Juli. Der Gouverneur von Valencia benachrjchttgte die Regierung, daß der Pfarrer von Mazer, Don Mvdesta Dapaza, wegen Falschmünzerei verhaftet worden sei. Mit ihm seien drei" mttschuldige Einwohner von Mkazer festgenommeu worden. Die Affäre ruft große Sensation hervor. * Belgrad, 15. Juli. In Altserbien und Macedonien befürchtet man das Eintreten einer Hungersnot. -Der telegraphischeDienstmit demKaifer. Der „Kaiser-Apparat" auf dem Haupt-Telegraphenamt ist gegenwärtig fast unaufhörlich in Tatigkett. Wenn der Kaiser seine Nordlandreise antritt, so bekomrnt das 5MUpt- Telegraphenamt und speziell der Apparat, der den Verkehr zwischen dem Monarchen und den amtlichen Stellen in Berlin vermittelt, viel Llrbeit. Der Kaiser wacht aufs strengste darüber, daß er in fortwährender dauernder Verbindung mit der Residenz bleibt. Die Schwierigkeiten, welche die telegraphischen Verbindungen mit hoch im Norden liegenden Orten machen, müssen überwunden werden. Unaus-^ gesetzt rasselt der Apparat, Tag und Nacht ist ein beson-^ derer Beamter hier stationiert, der Chifsie-Depeschen an- ' nimmt und befördert. Für die innerhalb des Reiches be-! förderten Depeschen steht dem Kaiser Gebührenfreiheit zu, außerhalb des Landes müssen aber die entsprechenden Beträge an die Postverwaltung der Staaten, die der Kaiser auf seiner Reise berührt, gezahlt werden. * Zu den Überschwemmungen im Gebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie meldet man, daß in Pistyan die Waag mit Abnahme des Hochwassers die Waagbrücke fortschwemmte, welche die Kurhäuser mit den Wohnungen der Kurgäste verbindet. Der Kurgebrauch ist hierdurch unterbrochen und die meisten Kurgäste sind abgereist. Die Einwohnerschaft hat großen Schaden erlitten. Aus Preßburg ist eine Pionierabteilung zur Wiederherstellung der Brücke in Pistyan eingetroffen. — Nach einer Warschauer Depesche ist infolge anhaltenden Platzregens die Weichsel bei Warschau aus den Ufern getreten, viele Straßen sind überschwemmt. Im Gouvernement Kjebce durchbrach die Weichsel den Damm und überschwemmte 50 Dörfer und störte den Verkehr aus der Warschau-Wiener Bahn. — Ferner wird aus Thorn i. W. telegraphiert: Das Hochwasser der Weichsel ist hier fast um 5 Meter gestiegen, infolgedessen ist die Holzflößerei völlig unterbrochen. Die Ladegeleise der Ufereisenbahn sind überschwemmt, wodurch viel Wiesenheu, Hackfrüchte und zum Teil auch Getreidefelder vernichtet sind. * Ueber den durch Unwetter am Sonntag an-1 gerichteten Schaden wird der „Frkf. Ztg." aus Krefeld gemeldet: In einigen Orten des Kreises Neuß ist die Ernte fast gänzlich vernichtet. Sett mehr als 50 Jahren ist kein ähnlicher Schaden mehr angerichtet worden.' In Schwanenberg wurden zwei Damen vom Blitz betäubt und schweben in Lebensgefahr. In dem durch seine altertümliche Bauart berühmten Zons schlug der Blitz in das alte Schloß, zündete aber nicht. — Der Geh. Medizmalrat Professor Dr. A. Reisser- Breslau hat sich zur Annahme der durch das Ausscheiden Isidor Neumanns fteiwerdenden Professur für Dermatologie an der Universität in Wien bereit erklärt. — Aus Marburg wird geschrieben : Der Professor der Philosophie, K ü h n e m a n n, der erst kürzlich emen Ruf nach Bonn angenommen hatte, wrrd zum kommenden Wintersemester nach Posen übersiedeln, um dort die Leitung der akademischen Vorlesungen zu übernehmen. — Der Landesbaumeister und Dozent an der Technischen Hochschule in Berlin, B. Hertel, ist zum Dombaumeister in Köln ernannt worden. — An der deutschen Universität in Prag treten am Ende dieses Sommersemesters vier Professoren in den Ruhestand: der Ordinarius der Pastoraltheologie, Professer Dr. theol. K. Elbl, der Senior der mediziiiischen Fakultät, Professor der medizinischen Ehenue, Hofrat Dr. med. lL H. H u p p e r t, der Ordinarius der Philosophie und Pädagogik, Hofrat Dr. phil. O. W i l l m a n n nnb 1 der Kunsthistoriker, 0. Professor Dr. phil. A. Schultz. —Wie man, sists Brüssel Mitteilt, wurde zum Rektor der dortigen Universität I hir das kommende Studienjahr der Zivilrechtslehrer Professor 9JI. Vauthier gewählt. — Man schreibt aus Paris: Die Acadömie des Sciences morales et politiqnes verlieh den Gelehrten Adam und T a n n e r y den Reynaud-Preis im Betrage von 10 000 Fr. für ihre Ausgabe der Werke von Descartes. D e r ß e' Gießen, am 14. Juli 1903. Großherzogliches Amtsgericht. Donnerstag d.13.August1903, nachmittags 2 Uhr, wird auf hiesigem Ortsgericht die im Grundbuch vor den Flamen Hamer Friedrich und Ehefrau geb. Deiß stehende Parzelle Flur 1 Nr. 360 44 Meter Hofraite am Tiefenweg öffewlich meiftbietenb versteigert werden. 5227 Gießen, den 2, Juli 1903. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. I. A.: Keller. Arbeilerlkewegnng. k. M a i n z, 16. Juli. (Original-Telegramm des ießener Anz.") Der M a u r e r a us st a ii d rst beendet. Die Arbeiter fügen sich Den Bedingungen der Unternehmer. M a g d e b u r g, . 15. Juli. 400Ö organisierte Metallarbeiter sind ivegen zu großer Anzahl üon Ileberftimben tn eine k 0 h u bewegu u n g eingetreten. Sie fordern eine neunstündige Arbeitszeit uno FestsetziNig eiires Minimallohnes. Der Hirsch- Tuncl'er'sche Verband hat sich der Belvegimg nicht aiigesa)los)en. B a r z e l 0 u a, 15. Juli. Der Ausstand d e r A r b e i t e r Der verschiedenen Gewerkschaften dürste in wenigen Tagen beendigt Für die Neisezeit empfehlen wir unsere Schrankfächer (Safes) zur Aufbewahrung von Wertgegenständen aller Art unter eigenem Verschluß des Nlieters Preis für ein Jahr Mk. 15.— , , einen Monat , 3.— sowie 4460 angMdilchts Etld rind Rxftchreditbrikse. | Gingesandt. 3°™* und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) m .Litt FriedhofS-Augelegenheit. I or Nachdem durch bie Erklärungen im Inseratenteil des .Gieß, j Anz. die Angelegenheck der Friedhofsweche in die breite Oeffent- lchkeck gelangt rst, ist es vielleicht gestacket, in diesem Ginge andt sur unsere Mckburger zum F r i e d e n und zur M ä ß i q u n q zu | mahnen. Sicherlich darf der Meinung Ausdruck gegeben werden, daß es auch von einem erheblichen Bruchteil der evangelischen Bevölkerung, zu der der Einsender gehört, bedauert würde, wenn dre an erster Stelle kommunale Angelegenheit einer Friedhoss- eroffnung Anlaß zu konfessionellem Hader gäbe. Es er- schemt mir tatsächlich viel zeitgemäßer, Dinge, welche rein wirtschaftlich, kommunalpolitisch oder sanitätspolizeilich zu betrachten smd, von heterogenen Gesichtspunkten zu trennen, wenn dabei dem religiösen Empfinden und dem Gemürsbedürfnis und dem Standpunkt jedes einzelnen keine Beeinträchtigung widerfahren, ja demselben Rechnung getragen werden sollte. u. m, . Gießen, 15. Juli. Sollte der m Betracht kommenden Auffichtsbehörde nicht bekannt sein, daß dem Graben längs des so schön angelegten Fußweges, gen. „ber alte Schiffenberger Weg", von der Siechenanstalt an bis ungefähr in die Dickte des Weges nach dem Wald ein so pestilenzartiger Geruch entströmt, daß Passanten entweder wieder umkehren, oder längere Zeit eine ganz gehörige Dosis der denkbar schlechtesten und ekelhaftesten Lust zum Schaden der Gesundheit ematmen müssen ? Sollte der Grubeninhalt — denn mir um solchen kann es sich handeln — nicht anderswohin geleitet werden können, al§ gerabe neben einen so gerne vom Publikum benutzten Fußweg ? Abhilfe tut dringend not. Vielleicht dürfte darauf gedrungen werden, daß wenigstens im Sommer die in Betracht kommenden Gruben öfters geleert werden. civis. Gottesdienst der israelitischen Ketigionsgesellschast. Sabbathfeier am 18. Juli 190 3. Freitagabend 8 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 9.15 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6 Uhr, abends 8 Uhr. 5567 Gießen, den 16. Juli 1903. Eintritt 50 Pfg. Anfang H Uhr. Todes-Anzeige Heute morgen 5 Uhr verschied nach längerem, schwerem den unser liebeS, unvergeßliches Söhnchen Leiden unser Duri 5578 Wieseck, den 16. Juli 1903. recht zahlreich beteiligen zu wollen 5570 Mstzß Her KiUiltt ÄrnersAft 5547 L. Steinhauses« Nevelldnt 11 selbe die Tie Mei Mii Pilikhe« 5020 5571 kaust H. Mettenheimer, Kreuzplatz 8. lor 5524 (5563 Hotel Prinz Karl. limif-Oicrndje Mietgesuche 3n vermieten Zu vorstmtfen bem Fest-Kommcrs des SchntzenvereinS am nächsten Samstag, abends 8'/- Uhr, im Reuen Saalbau, sowie auch am Feftzug am Sonntag, mittags 2>/2 Uhr, sich Flasche Mk. 1.50 nur in der Adler-Drogerie, Selters weg 39. Räumungs Verkauf Gutes überzähliges zu verlausen. per Stuck 8 Pfennig sind soeben in prachtvoller Ware eingetroffen. iibung de Die ft ft ft öODön d Heios Kopf- u. Oaarwaffrr das beste der Welt. 5560) Schone 2-Zim.°Wohn. im 3. Stock per 1. 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