JHe Heutige Dummer umfaßt 12 Seite». Kirche und Schule. — Wie aus Rom gemeldet wird, erhielt der mährische Erzbischof Dr. Kohn in Rom eine sehr strenge Rüge. Er wurde indessen in die Diözese zurückgeschickt, unter der Bedingung, alsbald Frieden zu stiften und geordnete Zustände einzuführen, widrigenfalls er von Olmütz entfernt wird. Volltische Tagesschau. Die neuen Geschütze. Man schreibt unS von besonderer Seite: Im Laufe dieses Sommers werden in Gegenwart des Kaisers auf dem Schießplatz bei Meppen Versuche mit neuen Rohrrücklauf-Schiffögeschützen angestellt werden. Ob diese Probe zu einem abschließenden Ergebnis führt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls steht fest, daß die Wirkung dieser Versuche nicht nur auf die Schiffs-, sondern auch auf die Feld-Artillerie sich erstrecken wird. Seit Frankreich für seine Artillerie die Rohrrücklauf-Kanone mit Schutzschild eingeführt hat, ist die deutsche Heeresleitung mit der Frage der entsprechenden Umwandlung der deutschen Geschütze unausgesetzt beschäftigt. Die diesbezüglichen Erklärungen des preußischen KriegSministerS v. Goßler im Reichstag find in etwas mißverstanden worden. Deutschland steht grundsätzlich ablehnend weder der Rohrrücklauf-Kanone noch dem Schutz- schild gegenüber. General v. Goßler hat lediglich konstatiert, daß mit den bisherigen Versuchen ein in jedem Betracht befriedigendeSResultat noch nicht erreicht ist. Die deutschen Gcschützkonstrukteure sind sicherlich in der Lage, ein dem französischen Geschütz gleichwertiges herzustellen. Denn der Tatsache, daß die neue französische Kanone der gegenwärtig im Gebrauch befindlichen deutschen in mancher Hinsicht überlegen ist, verschließt sich unsere Heeresleitung am wenigsten. Aber deutscherseits waltet das Bestreben ob, ein noch vollkommeneres Geschütz, als eS daS französische ist, zu entwerfen. Dazu bedarf cs größtmöglichster Sorgfalt und langwieriger Versuche, ist doch auch die finanzielle Wirkung einer Geschützerneuerung in Betracht zu ziehen. Eine Kanone zur Einführung bringen, die binnen kurzem wieder abgeändert werden müßte, das hieße hunderttausende von Mark ohne den erhofften Nutzen verausgaben. Die Umwandlung der deutschen Feldgeschütze wird wohl im Laufe der nächsten Legislaturperiode zur Durchführung gebracht werden können, schwerlich jedoch im Rahmen der neuen Militärvorlage, wie ja auch die Bewilligung der Kosten für die letzte Neubewaffnung der Artillerie für sich erfolgt ist. Die Entscheidung über die Annahme deS neuen Geschützes für die deutsche Artillerie dürfte nach den Kaiser- manüvern erfolgen, bei denen mehrere Batterien mit Rohrrücklaufkanonen in Tätigkeit treten sollen. Fraga in den Augen ihrer Arennde. In der „Daily Ata.il" i|t ein längerer Aussatz über die Königin Traga eqdienen, der diese Frau in einem neuen Lichte erscheinen laßt. Traga ist nach oer Ansicht des Verfassers durchaus leine „Dirne", sondern ein )tarier und zielbewußter Charakter gewesen, wenitz skrupulös in beta Mitteln, wenn es galt, ein Ziel zu erreichen, aber an Macht Der Persönlichkeit und Schärfe des Geistes chre Umgebung wett überragend. Sie benutzte den Reiz ihrer Weiblichkeit, der chr nicht nur Männern, der ihr auch Frauen gegenüber einen merkwürdigen Reiz verlieh, mit männlichem Verstand für chre Zwecke. Daß der König, der „armselige Erbe aller Laster und jeder Schwäche", in chr 'ötetz fiel, war weiter lein Wunder. Aber auch viele chrer Gegner wußte sie zu gewinnen, und, wenn das nicht anging, zu vernichten. Daß ihr das nicht bei allen Feinden gelang, hat ihren gewaltsamen Tod verursacht; man mußte eben diese Frau ermorden, wenn man nicht von chr beherrscht sein wollte. Uedrigens — so meint der Verfasser — hätte Traga ein weniger gewaltsames und aufregendes Ende für chr merkwürdiges Leben nicht einmal gewünscht, wenn chr die Wahl gelassen wäre. Es war ganz nach ihrem Geschmack, noch im Tode von sich reden zu machen „Sie hatte die Königin gespielt, und Liotfeuer bestrahlte chren Abgang." Von der Erscheinung dieses bemerkenswerten Weibes entwirft der „Jteeter" der Königin das folgende Bild: ,/Sie war eine jener Frauen, die eigentlich nicht schön sind, deren „Weibesduff („femininich"; das Wort Weiblichkeit hat in diesem Falle aber wohl einen zu deutschen Nebensinn. T. Red.) aber eine größere Macht bedeutet, als Schönheit; die zu sprechen wagen, wenn schönere Frauen schweigen müssen, die herrschen dürfen, wenn die anderen, die „nichts als Königinnen" sind, gehorchen, gegen deren persönlichen Reiz die Anmut der anderen zu einem ärmlichen Schein rascher Vergänglichkeit verblaßt. (Vroß und unendlich graziös, stets mit vollendetem Geschmact gekleidet, in ihrer Rede von gewinnendem Liebreiz, im Haare Nacht und unter den Augen verheißende Schatten des Zwielichts — so war sie geschaffen, den abgemessenen Takt des höfischen Menuetts stark zu verwirren." Man merkt an diesen Proben, daß der Mann der „Tally Mall" Madame Traga gut gekannt hat, und daß er jedenfalls nicht zu denen gehörte, die sie zu vernichten brauchte. Er gehört ihr sogar noch nach chrem Tode an, und das ist gewiß ein Zeichen von der verderblichen Macht der errnor- Deien Königin. Ein gan; anderes Bilo der Königin entwirft in der „Reuen Freien Presse" ter Alaler Vlaho Bukooae, der Traga und Alexander gemalt hat. Er erzählt: „Tie Königin war viel dicker, als sie auf allen Photographien und Bildern aussieht. Sie muß einmal sehr schön gemejen sein. Tie Augen waren tief, ter Mund war Hein und sehr fein geschnitten. Ihr Lachen klang immer falsch. Sie war der Typus einer Par vertue. Für Kunst und Künstler hatte sie ni . l das geringste Lerstänonis. Mau sah es chr immer an, wie sie sich tu ihrem Glücke bade. Tas war allerdings vor zwei Jahren. In der letzten Zeit Wien, 15. Juni. In Wiener polllischen Kreisen wird die Berufung deS UnterrichtSrninisterS un Kabinett Wekerle, des Grasen Albin Ssaki, zur Bildung eincS neuen ungarischen Kabinetts für wahrscheinlich gehalten. Sofia, 15. 3uni. Bei den gestrigen Zusammenstößen gab eS 13 Verwundete, von denen 9 im Kranken- hause liegen. Den e r ft en Schuß seitens der Sozialisten soll eine Lehrerin abgejeuert Haden. Aus Kusten- dll wird gemeldet, atnautische Soldaten in Pripalanka hätten sich ausgelehiit, einen Mazor und zwei Hauptleute aus der Kaserne gejagt uni) Darauf iu Der Stadt geplündert. , w London, 15. Juni. Wie der „Standard" au» New- s2)orl meldet, empfing Präsident Roosevelt am SamLtag Die Vertreter der Panamakanal-Gefellschaft- Der Präsident hält an der Ansicht seft, Kolumbien habe kein Recht, den Vertrag zu verwerfen. Wenn e» das täte und die Ler. Staaten rouroen genötigt, den Nicaragua-Kan al zu bauen, so würde die Regierung Der Vereinigten Staaten nie zugeben, daß der Bau des Panama-Kanals von anderen Mächten ausgeführt werde Hier ist die Nachricht eingegangen, daß Panama willens ist, sich von Kolumbien zu nennen und als unabhängige Republik mit den Vereinigten Staaten einen Vertrag abzu sch ließen. — Em Telegramm aus Boyolk an da» Krtegsamt berichtet, daß der Mullah weitere Vormärsche gern aujt hat, wodurch Die Engländer in eine kritische Lage gekommen sind. Ter Mullah Der fügt über 7000 Mann berittene Truppen. „Daily Ehronicle" erfährt oaß zwischen Parero und Bohott eine englische Ko- tonne vernichtet wurde! ES ist eine Nachricht eia- genossen, daß Oberst Eobbe bei Galakt umzingelt worden ist. — Aus wohlunterrichteter Quelle wird mitgeteilt, daß die Flottenparade zu Spithead Mitte Juli vor itönig Eduard stallfinden wird. Ter KönigvonJtalien ioird zu dieser Zeit voraussichtlich als Gast am Hofe weilen und der Revue beiwohnen. Sowell bis jetzt seststeht, werden außer einem imposanten Aufgebot der britischen Seemacht italienische, französische und japanische KriegS- schiffe in Spllchead besicytigt werden. Tie Beteiligung emes amerikanischen Geschwaders wird erwogen, doch ist hierüber noch nichts Bepimmtes beschlossen. Eine Tell- nahme deutscher Schisse ist niemals in Frage gekommen, da iixie Dispositionen für die Hebungen der Geschwader so getroffen waren, daß die Entsendung eines lolchen nicht angängig wäre. Deutsches Deich. Berlin, 15. Juwi. Die „Rordd. ANg. Ztg." schreibt: Tie „Preuß. Kvrr." hat einen angeblichen AuSspruch des Kaisers verbreitet, nach dem der Kaiser vor einiger Zeit im Kasino eines vornehmen schlesischen Regiments geäußert haben soll: ,Hch kann nur Amerikaner gebrauchen." Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß der Kaiser, der übrigens seit nahezu zwei Jahren in keinem Kasino eines schlesischen Regiments gewesen ist, solchen Ausspruch nicht getan hat Das schlleßt natürlich nicht aus, daß Seine Majestät die Eigenschaften der Amerikaner, die chnen eine so bedeutende Stellung im Erwerbsleben verschaffen haben, in vollem Maße anerkennt. — Die „Nat.-Ztg." meldet, KaiserWilhelm befand sich Freitag abciid int Kasino des 3. Garde-lllanenregiments ui Potsdam, als das Telegramm überreicht wurde, das die 'Nachricht von dem Angriff auf Kaiser Franz Jose enthielt. Kaiser Wilhelm erhob sich sofort, verlas die De- pesche und knüpfte daran eine Ansprache, worm er mit sehr herzlichen Worten seine Freude ausdrückte, baß die Gefahr von dem befreundeten und verbündeten Monarchen glücklich abgewendet fei. Oberst Prevost, deur des untzarischen Husarenregmients Kronprinz Wllhelm in Ceskemet, welcher an dem Diner teilnahm, erwiderte mit einigen Dankesworten auf die Rede des Kaisers — Ter Kaiser hörte heute un Neuen Palais den Vortrag des Ehefs des Zivilkabinetts v. LueanuS und des Hofbaurats ow hat kürzlich, wie wir urittellten, tn Heiligetidamm an dem Familientage derer v, Bülow teit- genommen unD bei dieser Gelegenheit suh über die Be- beutuna des Adels in ntodernem Smne ausgefprochen. Nun muß er von der „Ttsch. Agrarwrresp." hören: Es dünkt uns ein tragisches Geschick zu jeut,se^r Per,on die Hem ter des Vorsitzenden des ^-amtuenrates derer v. Bulow und Auqleidj des Reichskanzlers einte, eines Kanzlers zu ewer Zeit, im der cs für nützlich g-Mten wird, dre tm vaterländischen Boden wurzelnden Geschlech- ter auszuroden, dainit Platz werde für „Handel und Bcrkehir. ty ^,^^on RoyalDragons hat jetan abend, nachdem sie einer Einladung des Offizier, korns de- 1 Gardedragonerregiments zum Dorer yolge aeleifiet, die irei-e nach Engl-uw angetrttcn. 8 Dor badische Gesandte B. Jagemann rn Berlin t„inen Abschied erhalten. Gras Berckheim, der Nach oiger dcc yerrn v. Jagcniann Hal bis 1892 als Dlajor bem ©tosen «Äneralsrab mrgehörd Er Mhlt zu den ver- mdaochsten und angesehensien Gl-tzgrunLoe,itzcru m Baden Großh-rzogtuu- Hessen. Er ist am badischen Wzeoberzttemonienmcisler und seit kurzem Mich, Mit her ivübruita des Oberkammerherrnamtes beauftragt oetne FEN Wmubott v. Umstadt — Der DietchSanzeigett' veröffentlicht die Verleihung der Brillanten zum Lronenorden L ßL an den Präsidenten der JustizprüfungSkonnnission, Wirkt Geh. Rat Stölzel. — Den „Pol Nochr. zufolge gilt alS sicher, daß die Novellen zum Bör senge setz, zu dem Gesetz über den Erwerb und Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit, eines Scrvis-Gcsetzes, zur-Armeegesctzgcbung und zum Gesetz über die kaufmännischen Schiedsgerichte schon in der nächsten Session dem Parlamente zur Beschlußfassung zugehen ollen. Potsdam, 15. Juni. Am hcmtigen Todestage weil Kaiser Friedrichs erschienen vormittags der Kaiser und die Kaiserin im Alans oleum und legten am Sarkophage Kaiser Friedrichs einen Lorbeerkranz mit weißen Nelken und Orchideen nieder. Gegen 121/* Uhr traf der Kronprinz im Mausoleum ein, wo er von einer Abordnung des Osfiziertorps des Regiments „Kronprinz" erwartet wurde, die einen Kranz aus Lorbeer und Palmen- wedcln mit weißer Schleife überbrachte. In Begleitung der Abordnung legte der Kronprinz hieraus den Kranz am Sarkophage Kaiser Friedrichs nieder. Auch Prinz Friedrich Leopold und verschiedene LffttterkorpS, sowie Kriegervereine legten Kränze am Grabe nieoer. Leipzig, 15. Juni Zum Nachfolger des in den Ruhestand treteiiden Reichsgerichtsrats Stellmacher ist der Landgerichtspräsident Bernardi in Marburg ernannt M ünchen, 15. Juni Generalmajor Prinz Rupp- rechtzuBayern wurde unter Beförderung zum Generalleutnant Dom Kommando der 7. Jnfanteriebrigade enthoben. Kommandeur der 7. Jnfanteriebrigade wurde Generalmajor D. Keßler, der bereits gegenwärtig den beurlaubten Prinzen Dertritt Ter Kommandant von München Freiherr oon der Tann- Rathsamhaufen wurde zuin Komman- deur der 5. Division ernannt Ausland. Brüssel, 15. Juni. Von gurunterrichteter Seite wird versichert, daß die englische Rote betreffend die Handelsfreiheit am Gongo bisher weder ergangen sei, noch daß der Zeitpunkt ihrer Versendung bekannt sei An hiesiger maßgebender Stelle glaubt man zurzeit nicht daß D e ut s ch- land geneigt sein könne, der englischen Regierung Folge zu geben. — „Petit bleu" veröffentlicht einen Artikel, in welchem neue Mittellungen in der Drevfus-Afsäre gemacht werden. Dornap sollen die im Jayre 1894 von deutschen Spionen aus Frankreich bezogenen Dokumente mit 920000 ML bezahlt worden fein. Der Verräter war ein früherer französischer Offizier der Kriegsschule in Fontainebleau, welcher, wie Wessel bekundet, noch immer in deutschen Diensten stehen falt Die jetzige Gattin Wessels, mit welcher letzterer während seines Aufeiithalles in der Artillerieschule in Charwttenbucg bekannt geworden war, stand damals in französischen Spionagediensten und soll Wessel dazu verleitet haben, ebenfalls in französische Dienste iu treten, was dieser denn aucy um Ostern 1896 tat Wessel hatte in Luzern eine Zusammenkunft mit dem Major des ftanzösischen Genercllstabs Mauth im Beisein des Polizeikommissars Tomps; ein zweites Zusammentreffen fand in Lüttich statt bei welcher Gelegenhell Wessel Dem Major die Mitteilung machte, daß Dreysus nicht der Verräter sei. Bon hieser Mittellung wurde jedoch kein Gebrauch gemacht. Paris, 14. Juni. Kriegsminister General Andrs wird in der nächsten Kammersitzung einen Gesetzentwurf betr. die Schleifung verschiedener Festungswerke einbringen. — In der Kammer wurde heute von mehreren Deputierten ein Antrag eingebracht betreffend Erhöhung des DiehzollS. Nantes, 15. Juni. Bei dem Zusammenstoß, der gestern bei der Fronleichnamprozess.on zwischen Sozialisten und Nationallsten vorkam, wurde der 71jäyrige Redakteur des hiesigen sozialistischen Blattes, 9lamen8 Gau- talle, durch Stockhiebe so zugerichtet daß er tot liegen blieb. Ter Präsident des Freidenker-Vereins, Lejepne, erlitt durch Stockhiebe einen Schädelbruch und verstarb. Biele Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt 7—8000 Nationallsten begaben sich, nachdem sie die Antiklerikalen Der trieben hatten, zur Präfektur, um den Präfekten zu zwingen, daß er das Verbot der öffentlichen Abhaltung der Fronleichnamsprozession zurückziehe. Sie rissen an der Präfektur das Gitter oes Vorganges nieder und versuchten m das Gebäude einzudrcngen. Gendarmerie unt Dragoner trieben die Ruhestörer auseinander, die aus Pflastersteinen und Balken beretts eine Art Barrikade errichtet Hattern Zahlreiche Ruhestörer wurden verhaftet. Ein Rittmeifter der <•_ enbarmerie wurde durch Stockhiebe im Gesicht schwer verletzt Es heißt, der Bürgermeister wolle jein Amt niederlegen, um gegen die Maßregeln des Präfekten zu protestieren. Auch in Dünkirchen und Montvilliers bei Havre kam es anläßlich der Fronleichnamsprozefsion zu Raufereien zwischen Katholiken und Antiklerikalen. Hier- dei wurden auf beiden Seiten zahlreiche Personen verletzt Aar am 15. Juni. In Vinica fand ein blutiger Zusammenstoß zwischen Militär und Bauern statt Vier Bauern wurden getötet, 10 verwundet Zn Pregrada töteten Bauern den Geschäftsreisenden Lohn. Nr. 138 Zweites Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 16. Juni 1803 QÄ a aaa AM vH «4 A4 A AM sGienener MMger SÄ W General-Anzeiger « Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Ffvri'prrcharrilt'iuh Nr. 5t v wird sie wohl das Gefühl, Königin zu sein, nicht mehr als reines Glück empfunden haben. Ihren Mann beherrschte sie vollständig. Aber sie behandelte ihn immer wie ein B6be. Er aß beispielsweise nur, was sie ihm auf den Teller schob. Ter König wollte sich absolut nicht malen lassen. Tas Sitzen langweile ihn, er hätte keine Zeit, kurzum er wolle nicht. All mein Bitten war vergebens. So bat ich denn endlich die Königin um ihre Intervention, die sie mir denn auch zusagte. Bei Tisch begann sie dann plötzlich: „Mein lieber Sascha, Tu wirst Dich heule malen lassen." Aber der König erwiderte: „Heute kann ich nicht, ich habe Ministerrat." — „Tie Minister können auch ein anderes Mal kommen." — „Aber ich will nicht." — „Wenn ich will, hast Tu auch zu wollen. Ick werde die ganze Zeit bei Tir bleiben." — „Du wirst die ganze Zeir bei mir bleiben?" — ,^Ja, ich werde die ganze Zeit bei Tir bleiben." So willigte der König ein und saß mir richtig anderthalb Stunden." Aus uiiö Amid. Gießen, den 16. Juni 1903. • • Generalfeldmarschall Graf Waldersee, der stch bekanntlich vor wenigen Tagen noch auf einer Inspektionsreise im Großherzogtum Hessen befand, mußte die weitere Besichtigung der hessischen Bataillone ausgeben, da er, wie jetzt offtziös mitgeteilt wird, plötzlich von seinem alten Leiden (Venenentzündung am rechten Oberschenkel) heimgcsucht wurde, daS ihn am Gehen hindert. Nur aus die sein Grunde hat der Gras seine weiteren Inspizierungen unterbrochen. • * Fernsprechverkehr. Vom 15. Juni ab ist Gießen zum Sprechoerkehr mit Paris zugelassen. Gesprächsgebühr 3 Mk. * • Besitzwechsel. Bäckermeister Amend erwarb das /rüher R e i b e r'schc, auf die Stadt übergegangene Haus Bahnhofstraße 66 (an der Wieseckbrucke) von der Stadt für 56 000 Mk. Der Bautcchniker Peter Grode kaufte für den Preis von 37 500 Mk. das Besitztum der Witwe des Fabrikanten Gustav Wiesel Ludwigstraße 40. * Strauß-Konzert im Neuen Saalbau. Künstlerische Berühmtheiten erregen bei ihren Gastspielreisen und Vorübergehendem Aufenthalt bei den Provinzlern deren Interesse und Anteilnahme trotz aller gelegentlichen Reisen nach den Großstädten und der dort erworbenen empsindlicheren Genußfähigkeit. So richtete sich hier die Erwartung auf dies seit einigen Tagen angekündigte Wiener Orchester unter der Leitung des jungen Strauß. Der neue Saalbau mußte alle seine Räumlichkeiten eröffnen und ausnützen, um die große Zahl der Besucher — wir schätzen sie auf 5—600 — aufzunehmen. Von dem Verlauf und der Ausnahme des Konzerts kann man nur das beste sagen. Der junge Kapellmeister, der mit Temperament und Chic, wie einst Eduard Strauß, der noch beweglicher, aber doch auch graziöser und mit erheblich mehr Schwung und Feuer am Dirigentenpult den Taktstock schwang, sein Orchester, ca. 50 Musiker, dirigierte, vermittelte den Zuhörern eine Fülle anmutiger Klänge mit wunderbarer Leichtigkeit. In der lebhaften und doch immer fein abgetönten Strauß-Musik wirkten die Künstler exakt zu- fammen. Man sah überall gute Schulung. Besonders in der reizenden Zugabe, dem bekannten „Loin du bal“, während alle geräuschvollen Instrumente schwiegen und nur das vorzügliche Zusammenspiel der ©eigen zu vernehmen war, erkannte man, wie hoch das Orchester in der Schulung steht. Strauß'sche Kompositionen waren natürlich überwiegend im Programm vertreten. Aber auch Schubert, Mendelssohn und Rubinstein wurden mit Verständnis und Geschick vorgetragen. Im herrlichen Largo von Händel zeigten sich Konzertmeister Eckstein im Violinen- und Herr Rabenalt im Harfenspiel mit größtem Ei'olg, so daß sie sich zu einem Extraspiel verstehen mußten. Ganz besonderen Genuß bereitete auch die zierliche Ponchiellische Balletmusik aus „Gweonda". Daß her jugendliche Dirigent mit dem Fiedelbogcn in der Hand dirigierte unb öfter sein Instrument zum Mitspiel ansetzte, gab der Musik etwas besonders Originelles. — Die Gäste werden nur heute abend noch ein Konzert veranstalten. Es ist sehr anerkennenswert, daß die Besitzer des Reuen Saalbaues uns den hier so seltenen Genuß bereitet haben. Daß sich die Besucher heute gleich zahlreich einstellen werden, daran zweifeln wir nicht. AuS Anlaß der Reichstagswahlen sind unsererseits umfassende Vorkehrungen getroffen, um die Resultate der Wahlen in Stadt und Land heute abend so schnell wie nur irgend möglich zur Kenntnis des Publikums zu M'ingen. Vom ersten Einlaufen der Wahlergebnisse an werden Extrablätter des »Gieß. Anz." in den meisten Restaurants und Gasthöfen sowie an unserem Geschäftshause zur Verteilung gelangen, außerdem aber sollen die Einzelresultate, um sie schneller bekannt zu machen durch Transparent dem Publikum vermittelt werden. Für die Gewinnung der Wahlrestil» täte im Reiche haben wir uns einen Spezialdrahtdienst gesichert. Das Publikum wird also in der Lage sein, sich von jedem bei uns einlaufenden Wahlresultat sofort und ohne irgend welche Mühen Kenntnis zu verschaffen. Wir glauben dem Publikuni damit einen um so größeren Dienst zu leisten, als der Ausfall der Wahlen nicht nur in unserer Stadt, sondern im ganzen Deutschen Reiche mit größter Spannung erwartet wird. Große Ereignisse erfordern von einer Presse, die ihrer Aufgabe vollkommen gerecht werden will, umfang, reiche Vorbereitungen; der .Gieß. Anz." glaubt sie getroffen zu haben. * • Korbflechtereien. Frhr. v. Heyl hat, wie wir erfahren, am gestrigen Tage folgenden Antrag bei der Ersten Kammer eingebracht: »Hohe Kammer ivolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, die Beschäftigung der Gefangenen mit Korbflechtereien in den dabei in Betracht kommenden Gefängnissen des Landes tunlichst bald einzustellen und eine andere Beschäftigung an deren Stelle treten zu lassen, damit der Druck verschivindet, welchen die Arbeit der Sträflinge auf das alt eingesessene Gewerbe der Korbflechter in den rheinhessischen Gemeinden ausübt.- - r. Krofdorf, 16. Juni. Gestern machte der Landwirt Jakob Becker durch Erhängen m seiner Scheuer seinem Leben ein Ende. Mainz, 15. Juni. Ter hessische B c r b a n b 31 a g b e r 2 pen g l e r m c i ft e r u u d I n a 11 a t c u r c tagte gestern hier. Es wurde einstimmig beschlossen, baß sich oer lsest.jcye dezw. her süddeutsche Verband dem norddeutschen an- schließe. Ter süddeutsche Verbandstag soll im nächsten Jahr in Tarsrstadi. und der hessische Verbandstag 1905 in Gießen ab gehalten werden. d. Marburg, 15. Juni. Erhängt aufgefunben wurde gestern ein in guten Verhältnissen lebender hiesiger Kaufmann, der in der letzten Zeit hochgradig nervös gewesen sein soll. fc. Frankfurt a M., 15. Juni. An einem Neubau in der Schumannstraße stürzte heute mittag ein Gerüst ein und riß vier Maurer mit in die Tiefe. Ter Maurer Tickard aus Vilbel, sowie die Maurer Gebrüoer Müller aus Hornau wurden schwer, der Wtaurer Terwort aus Vilbel leicht verletzt. kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der 13jährige Sohn eines Bäckermeisters in Mainz, der auf den Dampfer „Vorwärts" Backwaren bringen wollte, glitt aus, stürzte in den Rhein und ertrank. In Mainz ist ferner ein Soldat des 87. Regiments namens Ludwig aus Miellen bei Nastätten an Genickstarre gestorben. Die Leiche wurde nach der Heßnat übergeführt. Urrmifchies. * Berlin, 15. Juni. Tas Befinden des an Pest erkrankten Wärters Marggraf ist fortgesetzt günstig. Eine Lebensgefahr ist cus ausgeschlossen anzusehen und die baldige Heilung zu erwarten. (Ä kamen keine weiteren Erkrankungen vor. — Wegen der Pesterkrcmkungen sand heute nachmittag im Kultusministerium abermals eine Beratung des ständigen Ausschusses und einer von diesem eingesetzten Unterkommission statt. Tic Konferenz beschloß, ton den abgesonderten Personen noch heute abeno den Fuhr- herrn Suade, mit dessen Fuhrwerk der erkrankte Tr. Sachs vom Charlottenburger Krankenhause nach der Charite gebracht wurde, die Transporteure Suades, den Charite- pförtner Hilbich, der Tr. Sachs aufnahm, und den Charits- iransporteur Bier aus der Absonderung zu entlassen. Bevor diese Personen aus den Baracken entla,sen wurden, mußten sie die Kleidungsstücke, bie sie früher trugen und mit denen sie in die Baracken eingeliefert ivurden, zu einer gründlichen, nochmaligen Desinfektion abgeben. Sie mußten dann ein genau vorgefchriebencs Bad nehmen und erhielten bann von Kopf bis zu den Füßen funkelnagelneue Kleidung. Lierzehu Personen, die zur Beobachtung noch zurückbleiben, werben morgen aus der Baracke 1 nach gründlicher Desinfektion nach der Baracke 3 verbracht. Diese Beobachteten sollen, soweit ihr Zustand es erlaubt, schon morgen oder übermorgen entlassen werden. Die Familie Leptin, bestehend aus fünf Personen, die sich alle wohl befinden, bie Mutter MarggrafS, der Wärter Boltzen und der Jnstituts- biencr Mai werden noch zurückbehalten. Für sie ist bie Aufhebung der Quarantäne für Donnerstag ober Freitag in Aussicht genommen. Auch bas Befinden dieser Leute ist sehr gut. * London, 15. Juni. Während der letzten 25 ©tunben geht unaufhörlicher Regen über London und das südliche England nieder, namentlich im Themsetale und große Flachen sind unter Wasser gesetzt. Tie Straßen und Häuser stehen gleichfalls voll Wasser. Ter Eisenbahndienst ift völlig gestört. Tie Heuernte ist vernichtet. Im Hochland herrscht Schnee. * Paris, 15. Juni. Gestern abend wurden wiederum Versuche gemacht, denParis-BrüsselerExpreßzug zur Entgleisung zu bringen. Stei Feignes wurde eine Schiene aufgebrochen und weggenommen, was unbe- bingt eine Entgleisung zur Folge geljabt hätte, wenn nicht bas Verbrechen noch rechtzeitig entdeckt worben wäre. * Luise von Toscana. Das zur Pflege des in Lindau geborenen Kindes der Prinzessin berufene Fräulein Hedwig ^ciubold aus Bautzen teilt mit, daß anläßlich der Geburt desselben Tausende von Glückwünschen eingegangen seien, welche die Prinzessin tränenden Auges entgegenge- nommen habe. Die kleine Prinzessin fei sehr kräftig entwickelt. Es verlautet, Prinzessin Luise habe letzthin eine Abordnung sächsischer Frauen empfangen, welche chr mit ihren Huldigungen ein kostbares Geschenk überreichten. * Zum Untergänge des „Liban". Der Taucher Pittorino hat nach der Besichtigung des Wracks des „Lilian" sestgestellt, daß darin mindestens noch vierzig Leichen angeljäuft sind, von denen er nur acht bergen tonnte. Viel ernster ist eine Feststellung des Tr. Gil le t, der an den meisten Leichen tiefe Kopfwunden beobachtete, bie durch heftige Schl ä g e beigebracht sind. Das macht bie Behauptung glaubwürdig, bie mau bisher nicht Laut auszusprechen wagte, und roonaaj die Schiffsmannschaft des „£iban" sich zuerst in die Rettungsboote geflüchtet und die Reisenden gewaltsam von diesen zurückgejagt haben. Sie sollen Frauen, bie sich an den Bootsrand klammerten, durch Hiebe auf den Kopf zum Loslassen gezwungen und Kinder, die bereits eingeschisft waren, wieder ins Meer zurückgeschleudert haben. Elf Personen durch ein explodierendes Automobil schwer verletzt. Ein Unglücksfall, bei welchem zahlreiche Personen schwere Verletzungen davon- trugen und durch den em großer Materialschaden ungerichtet wurde, hat sich in Newyork in der 47. Straße durch die Explosion eines Motorwagens ereignet. In dem Automobil saß zurzeit der Explosion der 27jährigc Chasseur John Seckenson, welcher den Auftrag erhalten hatte, bie befeft gewordene Maschine in eine Reparacurwerlstätte zu bringen. Unterwegs verlor er aber bie Gewalt über da-> Fahrzeug, bas dem Steuer nicht gehorchte, und fuhr auf das Trottoir vor dem Gebäude der Mw-Amsterdam-Banl aus. In demselben Augenblick schlug eine mächtige Flamme ans dem Lelbehälter empor und setzte bie Kleider des jungen Menschen in Brano. Lebensgefährlich verletzt wurde er vom Platze getragen. Bald daraus erschien bie Feuerwehr und versuchte, durch Feuerlöschgranaten die Flammen zu ersticken. Ta dies nicht gelang, dirigierte man Wasserstrahlen auf das brennende Gefährt. Inzwischen hatten sich mehr als 300 Personen um das Automobil versammelt, die dem Feuer zuschauten. Plötzlich explodierte der Qelbehälter mit lautem Knall, und bald wälzten sich zehn der Neugierigen mit schweren Brandwunden auf dem Pflaster. Turch die Explosion wurden außerdem sämtliche Fensterscheiben der New-Amsterdam Bant >.rmimmert und die zur Hochbahn der dritten Avenue führende Treppe fing Feuer. Während eines Umzuges der tschechischen B e r e n e in P rag wurden am Sonntag vier gegenwärtig in Böhmen weilende deutsche Bur s ck e n s ch a s i. er, darunter zwei Mitglieder der Breslauer Burschen sch öfter der Raczecks von Tschechen angegriffen und mit Stöcken ge- schlageii. Vor dem deutschen Kasino machte der Zug Halt - i o bie "lusiklapelle mußte hier abwechselnd ba* tschechi;che Kampflied und bie tschechische Nationalhymne spielen. Gerichtsslial. Mainz, 15. Juni. Ter Lehrer Samuel Josef aus Lampertheim, zuletzt an der höheren Mädchenschule in Wörrstadt tätig, hatte sich dort an mehreren seiner Schülerinnen vergangen. Ter Staatsanwalt beantragt sechs Jahre Zuchthaus. Tie Strafkammer erkannte auf 2i/2 Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Landwirtschaft. Butter- und Wein proben auf der 17. Wander - Au s st e l l u u g in Hannover. Schon seit 1896 hat bie Deutsche Landwirtschaft-Gesellschaft auf ihren Ausstellungen eine ost halle eingerichtet, in welcher bie Besucher ausgestellte Moliereierzeugnisse, also Butter und Käse, und auf dem Ausstellungspiatz gewonnene Milch gegen geringes Entgelt tosten konnten. Ebenso war Fachleuten Gelegenheit gegeben, an den Ausstellungstagen in den ersten Acorgenstunden in der Butterhalle selbst Butterproben zu kosten. Von der letzteren Einrichtung ist allerdings wenig Gebrauch gemacht worden. Um nun bie Aussteller ui die Sage zu versetzen, ihre ausgestellte Butter und auch diejenige anderer Aussteller auf der Ausstellung selbst kosten zu töunen, und auch Gelegenheit zu haben, den Maßstab zu erkennen, welchen die Preisrichter der Beurteilung einer hochfeinen Butter zu Griuide legen, wirb die Deutsche Lanowirtschafts-Gefellschaft in biefem Jahre auf der Ausstellung in Hannover erstmalig eine allgemeine fachmännische Bruterkostprobe veranstalton " unter Leitung bes Vorsitzenden des Sonder-Ausschusses für die mirchwirtschaftlichc Ausstellung. Diese fachmännische st oft probt findet am 19. Juni statt. — Die Wein pro b e soll an drei Tagen abgehalten werden, und zwar ist in Aussicht genommen, am 19. Juni, Weine aus den 2lnbaugebieten Baden, Lothringen, Eftaß, Haardt, am 20. Juni, aus den Anbaugebieten Franken, Hessen mit Bergstraße und Rheingau, am 22. Juni, aus den Anbaugebieten Rheintal unterhalb Lorchhausen, Nahe-, Niosel-, Saar- und Ahrgebiet vorzustellen, jedoch ist eine Veränderung dieser Reihenfolge Vorbehalten.__________________________________ Neunte Wcllui»gen. sd. Dar ui stabt, 16. Juni. (Original-Telegramm des „Gießener Anzeiger*). S. K. H. der Großherzog ist heute vormittag 9 Uhr zum Besuch an den Hof von Sachsen-Wc im ar abgereist. Er wirb morgen von dort zurückkehren. Berlin, 16. Juni Vor dem Kaiser, dem Stellvertreter des Kriegsministers, ocii Offizieren des Kriegs ministeriums und Denen der Artillerie uno Ingenieurschule fand heute auf dem Schießplätze bei Kümmersdorf ein Geschütz s ch i e ß e n mit Besichtigung oer Geschütze statt. — Der Kaiser hat dem Verein ehemaliger Garde du Corps in Potsdam eine Standarte zum Geschenk gemacht. — Im Verein für inner e Medizin fanden die beiden P e st - fälle eine eingehende sachliche Besprechung durch den Geh. Medizinalrat Professor Kirchner, vortr. Rat im Kultus minifterinm, und Professor Kölle, Abteilungsvorsteher am Königl. Institut für Infektionskrankheiten. Geheimrat Kirchner gab eine zusammenhängende Darstellung des ersten Falles, der den österreichischen Arzt Tr. Sachs be» trifft und schilderte den Vorgang der Erkrankung, wie er bereits bekannt geworden ist. Geheimrat Kirchner betonte bezüglich des zweiten Falles bei dem Krankenwärter Marggraf, daß derselbe einen durchaus günstigen Verlauf nimmt, was wcchrscheinlich auf die Behandlung mit Pest- ferum zurückzuführen ist. Professor Kolle nahm sich in einen Darlegungen des verstorbenen Kollegen mit großer Wärme an, rühmte sein ruhiges sorgfältiges Arbeiten und hob ausdrücklich hervor, daß den jungen Forscher keine Schuld treffe. Berlin, 16. Juni. Das über Berlin und den Vor^ orten niebergegangene Gewitter hat mancherlei Unheil im Gefolge gehabt. Mehrfach wurden Personen von Blitzschlägen betäubt und erheblicher Muteriolschaden au elektrischen Anlagen angerichtet. In Schöneberg wurden an verschiedenen Stellen ziemlich erhebliche Ueberschwemm- ungen verursacht. Homburg v. d. H., 16. Juni. Großfürst Wladimir Alexanbrowitsch, bcr Bruder beS Zaren, traf gestern abend mit Gefolge zum Kurgebrauch hier ein. Duisburg, 16. Juni. Ein Güterzug überfuhr heute daS Haltesignal bei Bottroc. Der Zug fuhr auf einen Prellbock auf. Ter Lokomotivführer wurde getötet, der Heizer und der Zugführer schwer verletzt. London, 16. Juni. .Morning Leader" verlangt von der Regierung Aufklärung über bie Nachricht von einem Einverstänbnis zwischen England unb Siam, wonach England bas Okkupationsrecht über bas Fürstentum Kelatan zugesprochen wirb. Das Blatt erinnert daran, baß bie Regierung vor einem Jahre bie Meldung energisch dementiert habe, wonach sie beabsichtigte, dieses Gebiet in Besitz zu nehmen. .Morning Post" verlangt ebenfalls Aufklärung über biefe Angelegenheit. — Die Morgenblätter besprechen eingehend den Konflikt, welcher zwischen Schutzzöllnern und Freihändlern ausgebrochen ist. Sie stellen fest, baß Chamberlain einen neuen hervorragenden Anhänger in der Person bes Lorb Lanbsdownc gefunden habe. Marseille, 16. Juni. Einer bei der Rhedereigesell- chaft Fraissinet eingegangenen Drahtmeldung zufolge ist deren g lisch e Dampfer Ossa bei dem Versuch, den bei der Elfenbeinküste gescheiterten Dampfer Antoine Fraissinet frei- zumachen, ebenfalls gescheitert. Der Verlust beider Schiffe ist als versichert zu betrachten. Prag, 16. Juni. lieber Norbost-Böhmen gingen chwere Unwett er mit Hagelschlag nicber, bie an Ge» bäuben unb Kulturen großen Schaden anrichteten. Sttich- weise ist bie ganze Ernte vernichtet. In Pilsen schlug ber Blitz in bie Kirche und tötete brei Personen. Budapest, 16. Juni. Lssiziös wirb nunmehr bestätigt, daß Szell bereits seine Demission gegeben habe unb daß Graf Stefan Tisza bie Ministerpräsibentschaft übernehmen unb em Regime ber starken Hanb und ber größten Energie einführen wirb. Die oppositionellen Parteien erklären bereits jetzt, baß, falls Tisza eine Gewaltherrschaft einführen sollte, es zu einer noch nie bagewejenen Knsu l'ommen werbe. Beigrab, 16. Juni. Die Abordnung, die den König aus Gens abholen soll, besteht aus 4 Senatoren und 20 Mitgliedern ber Skuptschina. Tie Abordnung reift morgen mit 22 dem König ^geteilten höheren Offizieren ab. 1 landeS, Gaskoks 4812 SDlccuin. 10—11 In 4809 Dekorationen a) 028641 Wut erhaltene Schuh. StGOl. SuHlKBIQuUS. machcr-LtepPmaschine zu ver _ fairen Neuenweg 30. fairen 4817 4 1. Bude: Marktplatz. 02875 12500.— 2. 3. 15278.85 172.51 [4768 U*e$lar, nu Den. Buderus'fche Eisenwerke. 1061769.24 Müllers Vorstand. Äaul Gesuche 4. 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Festzug. viach Eintreffen auf dcni Feslplatz: Begrüßungs- und Festrede; Gesangovvrirägc der Heuchelheimer Gesangvereine; turnerische Ausführungen des Turnvereins Heuchelheim; $ffal;ent5 (Oijffnfl. 30 ZMkish 45 Pfg. Während der Marltzeü nnbet der Verlauf des Fleiiches in der Großviehschlachthalle statt. auf dem Festplatz. Gedeckte Hallend Ter Umsturz in Serbien. Belgrad, 16. Juni. In der Nationalversammlung gab die Regierung eine Erklärung ab, in der auf dre Ä>® Gießen, den 16. Juni 1903. Städtisches Hochbauamt. I. V.: Gerbel. Ereigniffe vom 11. Juni wnb die Bildung der jetzigen Regierung hingewiesen wird. Die Regierung hielt eS für ihre erste hervorragendste Pflicht, für die Aufrechterhaltung der Ruhe, Ordnung und Gesetzlichkeit im Lande zu sorgen, die Nationalversammlung für die KönigStvahl einzuberufen und die Verfaffung von 1901 wieder m Kraft treten zu taffen. Die Regierung stellt mit Befriedigung fest, daß sie, unter- stützt von der selbstbewußten Haltung der Nation und der patriotischen heldenmütigen Armee, die Ordnung im Lande aufrecht erhalten konnte; sie ist überzeugt, daß sie dadurch gegenüber dem Vaterlande zu so ernster Jett ihre Pflicht erfüllt hat, sie überläßt der nationalen Volksvertretung die Beurtettung der Ereignisse am 11. Juni und ihrer Tätigkeit feit den Ereignissen und lädt die konstitutionelle Nationalversammlung em, ihrerseits ihre Pflicht zu erfüllen,_ die KönigSwahl vorzunehmen und Verfügungen über die Verfaffung zu treffen und wünscht, daß die Tätigkeit der Nationalver- jammlung dem Vaterlandc Glück und Fortschritt bringe. Darauf antwortete die Nat i on al versammlung mit einer Entschließung, die besagt: Sie begrüße mit Begeisterung die durch die Ereignisse am 11. Juni geschaffene neue Lage, bringe die völlige U ebereinstimm ung der Gefühle des Volkes und deS HeereS zum Ausdruck und billigte das Verhalten des Heeres, das der Hort deS Vater- z=V> Josef Müiler ea SaJcr,Fabrik Limcurg 7L. Freibank Heute und morgen: 4795 ©ijlt.juiliSj 50 pfg. Arheitsvergeimng. Die nachstehenden Unterhaltungsarbeiten an städtischen Gebäuden sollen Tonnervtag den 25. l. MtS., vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. unerreicht ausgiebig E und sparsam, I ninigt leicht und sp: (inend# Die Stadt ist festlich beleuchtet. Ein« große Arbeitöbeschrelbung und Bedingungen liegen während der Amtsstunden auf unserer Schreibstube zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der bei uns erl)ältlich, sind bis zum obengenannten Zeitpunkt bei uns einzureichen. Zuschlagsfi.ist 3 Wochen. Weitzbinderarbcit: Realgymnasium und Realschule, Höhere und erwetterte Mädchenschule, Gewerbeschule, Stadttnaben- schule, Aliceschule, Stadtmädchenschule, Volkslesehallc, Kaserne und Polizeigebäude in der Weidengasse. zum Schlachten werden stets angetaufi. 11790 hc»».er, Pfervcmctzger. ---—---- -I 02870] Erne Laventheke sowie ein Regal mir Schublade, iür Spezereiladen geeignet, zu taufen gesucht. Näh. in der Exp. ü. Bl. Bekanntmachung 6etr.: Wie oben. Uebernahme kompletter Wohnungs-Einrichtungen. lichkeit und der Bürge für die heilige glänzende Zukunst Serbiens gewesen sei und bleiben werde. GletH» zeitig zollt die Nationalversammlung der Regiening Anerkennung für die in diesem verhängnisvollen Augenblicke bekundete Vaterlandsliebe und billigt dre Verfügungen der Regierung, die btä zur Ankunft deL Königs die Geschäfte laten solle. — Tie Truppen sind bereits auf den neuen König vereidigt worden. Rom, 16. Juni. Die hiesige Anti-Freimaurer-Liga richtete an die Königin Natalie em Beileids-Telegramm, in dem der Empörung über die Ermordung deS KomgS Alexander Ausdruck gegeben wird. — Tic ,2nbuna‘ schreibt: Die Mächte werden den neuen König von Serbien an- erkennen, aber bic Bestrafung der Mörder ver- langen. Zu recht zahlreichem Besuche ladet freundlichst em Tav Kommando. 1061769.24 Großen-Linden, am 4811 n Ernst Challier (Rudolphs Nach!) Giessen. Grosse Auswahl, solide Preise. rPL Illustrierte Preisverzeichnisse gratis und franko . W Musikalien-Handlung und -Leihaustalt ‘ Spezialität: BiUige Ausgaben. I6fi Trinkkuren im Hause mit Lamscheider Stahlbrunnen wegen seiner Haltbarkeit Oberaus wirksam bei Blutarmut, Frauenleiden, Magenbeschwerden, Nervenschwäche, nach Wochenbetten, Operationen, Blutverlusten. Ausführliche Mitteil-Lg-". kostenlos durch die Verwaltung des Lameeheider Btablbrunnen. Boppard a.Rh. ErhiltLch mit arztucher G' -auchs-A=tr-_--s in Miner-lwx.ier handlang Bekanntmachung, bu Felddereinigung in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn^ietr. Die nachstehende Bckanmmachung des Großherzoglichen Feld- beremigungLloinnnssärs zu Friedberg bringe ich hiermu zur Kenntnis der beteiligten Grundbesitzer. Gieße», am 15. Juni 1903. Der Oberbürgermeister. kamt Anfuhr wie das Gaswerk und verabwlgen dieseiven aucy in Mengen unter 5 Zentnern. Tie Preise unserer Gastoks für die Abnehmer außerhalb ver Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Ltlroirückvergüning von 4 Pfg. für den den hier. bd Städtisches Gas- und Wasserwerk Gteßeu. Menschenmenge bricht in Rufe auf den neuen König auS. New York, 16. Juni. Tie Stadt Sxppner im Staate Oregon wurde bei einem ÄolkenbrLtch durch Hebet» schwemmung der Gebirasflüsse zerstört. Tie Hälfte vou 600 Einwohnern kam ums Leben. Ne »«York, 16. Juni Tie Farmer deS Staates Indiana gründeten 48 Gesellschaften, welche die Grundlage eines Trnstt- bilden sollen, der bestimmt ist. eine Hausse in Weizen herbei-usühreu, um den Preis bis auf 1 Doll per Bnshel zu treiben. L. New York, 16. Juni. Der Narionalverband der amerikanischen Automobilfabrikauten und die amerikanische Automobi.gefellschaft erklärten sich mit einem Vorschläge einverstanden, aus der Insel üc-nfl Island eine 112 engliscl-e Meilen lauge, mit stählernen Fahrschicnen versehene Straße zum ausschließlichen o-ebrauch für Automobilisten anzulegen. Ter Vorschlag wurde mit Hinsicht auf die Todesfälle bei der Fernfahrt Paris-Madrid angenommen. Die LSegstrecke führt durchaus übergebenes Land. Tie Fahrgeleise werden die Form doppelter Schienen haben, zwischen denen die Räder laufen. 6 Uhr: Weckruf. , Einpfang auswärtiger Wehren. , Hebung mit Brandangriff der freiwilligen Feuer' Bei Entnahme von miudesteus 200 Zentnern: Stückkoks.......1 — Dlk. Nußkoks Nr. 1.....l,lö , • Nutzkoks Nr. 2.....1,15 , Für KokLabnehmer, welche zwei und mehr Toppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weuere 5 Pfg. iür den Zentner. Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für deu Zentner berechnet. ÜB. So'ern das Verbringen der Koks — bis zu 6 Zentnern auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall ic.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk sindet nur ein Verkauf von über 5 Zentner Koks statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Wmrkms brr Gaskoks von 1 bis 5 Zentner eingerichtet, nämlich bei den Herren: f . oo Bacheuheimer & Lchaumberger, Marburger st raye 22, Andreas Luter, Steinslraße 11, Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof» Bahnhofstraße 34, Gebr. Kahl, Frankfurlersiraße 151, Ed. «linket, Bahnhofstraße 10, sXÄelegiBa,BM.2H 1 1 Zum Jahrmarkt Turc^eise mit präparierten Palmen und Gräsern aller Größen zu noch nicht dagewesenen Preisen. 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Zuui l. I., vormittags von 10 /, bis 11V, Uhr, findet im Bureau der Großherzoglicheu Bürgermeisterei Gießen die EiUaegennähme der Wünsche bezüglich der Zuteilung der neuen Grundstücke von obigem Deremigungsbezirk statt. Tie Wünsche sind schriftlich — mindestens auf */, Bogen — rinzureichen, müssen Flur unb Nummer der zufammenzulegenden Parzellen enthalten und vom Grundstückseigentümer unterschriebe» fein. . ,,k Wünsche, welche in dem obengenannten Termin nicht vor- tebracht werden, haben keinen Anspruch auf Berücksichtigung. Friedberg, den 9. Juni 1003. Der Großherzogliche Felddereinigungskommissär: gez.: Spam er, Kreisamlmann.______________ Danksagung Giessen, 15. Juni 1903. 4815 Geh. Justizrat Langermann r Gießen, den 16. Juni 1908. 02873 Die trauernden Hinterbliebenen. Tüchtige gesucht. 02877] 4805 3. d. 9L: Willy Silberstein. kante Bedingungen. 4801 der 02865 2; (Wellt Strllni Melduerstetzr Ällieil-Helucht' ifcvcinr Mietgejuche Ilerschiedenos «. Aadek, Berlin SW. Friedrichstraße 243. Die überreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme an dem Verluste unseres teueren Kindes haben unserm trauernden Herzen sehr wohlgetan, ihre grosse Zahl macht es uns unmöglich, jedem einzelnen der lieben Freunde persönlich zu danken und sage ich deshalb auf diesem Wege Allen innigen Dank. 7000 llfiark aus gute 2. Hypothek per 1. Juli gesucht. Offerten unter 91t. 02847 an d,e Expeditron d. Bl. Giessen, Weisser Hirsch bei Dresden, Christianshütte (Oberlahnkreis), den 15. Juni 1903. Die Beerdigung findet statt am Donnerstag den 18. Juni nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Nordanlage 41, aus. C. Bübeamen, Wesianlaqe 60. Dießen, Brocklyn, Frankfurt a. 9JL, Berlin. Die tieftrauern de« Hinterbliebenen. Mädchen können d. Kleidcrmacheu gründ!, erlernen, ev. unentgeltlich. [4546 Dammstr. 41. Gcfchw. Muhl. Donnerstag 18. 6. 1903, 9 Uhr abds.: Dereins-Abend in der Restauration Kalbfleisch, Atarburgerstraße. 4819 Mitteilungen über Den Ver- bandstag in Erbach. 4819 Der Vorstand. 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