Nr. 88 • rfft'int täglich außer Sonntags. Dem G »ebener Anzeiger werden im Wechsel mit dein ßt|fl|d)te Cantmirl die •leftener ZamUtta- blätter viermal in der Woche beiaelegL Roiationtörud il Verlag der Brühl 'lchen Un»oet1.*'6ud>-u.6iem- b ruderet (liietld) (ä rben) 8U£>Qftion, CrpeOituM und Ijniaeret: C4nl9r«|t V. Äbrefle für Deoeichen: Anzeiger ©tcfjen. FrrntprrchanlLtußNr 5L Donnerstag 16. April 1903 153. Jahrgang Zweites Blatt. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Elchen Cejn fl»prci»i monatltd) 76*01., viertel» iäbrhct) aNl. 2.20; durch dibbele- u. Zweigstellen monatlteb 66 W.; durch dtePon Mk.2.— metiel- Idbvl. aueicbL Bestellg. Annahme von Anzeigen 'ür die Tageotitunnrer Jil oormutagt 10 Uhr. Zeilenprei«^ lokal 12BÜ. aueioartt 2u tilg. Verantwortlich ttk den poltL und allgem. teil; U Wtttko tür .Stadt und ttanö* und ,(Mend)t«1nale. VI u au ft Göy, *üi den Ai»» Aeiaentetl: Hane Beck. JHe heutige Aummer umsaht 8 Seite». Arästdent Joußet in Algier. Algier, 16. April. In einer gestern abgehaltenen großen Versammlung von Abgeordneten, Senatoren, Mitgliedern der Finanz- syndilate, der Handelslammer, der landtmrtschastlichen Verbände, der General rate re. wurde folgende Resolution angenommen: „Tie Versammelten sind erfreut, seststellen zu können, daß die Vertreter der verschiedenen Korporationen darin einig sind, dem Präsidenten Loubet für seinen Besuch in Algerien ihren Dank au-zuiprechen und ihm iüre Sympathien zu bekunden. Sie werden erst später Aufklärungen verlangen über die Beweggründe, die die Regierung veranlagten, den beliebten Gouverneur Algerien- seines Amtes au entheben, der da- volle vertrauen der Bevölkerung besaß. Sie werden darauf bestehen, daß keinerlei Aender- ungen in der algerischen Politik erfolgen und daß die jetzige Politik treu weiter verfolgt wird, da nur durch sie allein die Interessen der Kolonie gewahrt werden. Heute wollen sie nur dec Ehre und des Entgegenkommens gedenken, welche» der Präsident ihnen durch seinen Besuch beweist." Loubet ist heute mittag unter der Eskorte des Mittel- meergeschwaders hier eingeirofsen. Er ging um 2 Uhr nad)- mtttagö unter dem Salut der fremden Kriegsschiffe an Land und fuhr mit einer Eskorte von 30 arabischen Scheiks nach dem WintcrpalaiS. Er empfing die algerischen Behörden. Der Erzbiscl-of, der die Geistlichkeit vorstellte, wies babei auf die Hingabe der Priester hin, die fern von ihren Familien als Lpjer der Pflicht sterben. Der Präsident beglückwünschte die algerische Geistlichkeit dazu, baß sie, indem sie sich von den politischen Kümpfen fernhalte, doch an der Gröhe und dem Gedeihen der Republik Anteil nehme. Der Präsident der Finanzdelegation sprach sein Bedauern darüber aus, an der Seite Loubets nicht den Gouverneur Revoil begrüben zu können, dessen unerwarteter Rücktritt große und berechtigte Erregung hervorgerufen habe. Um d Uhr empfing Loubet die Befehlshaber der fremden Ge- Ichwadec. Admiral K r i e g e r, der Befehlshaber des r u s s i- che n Geschwaders, erklärte, er sei glücklich darüber, daß -aiser Nikolaus ihn auSersehen habe, Loubet zu begrüßen. Der Präsident erunderte, er sei sehr gerührt über das freundschaftliche Gedenken deS Kaisers, daß er zu den anderen Flaggen auch diejenige der befreundeten und verbündeten Natron entsandte. Am Abend gab der Präsident zu Ehren dec fremden Abgesandten und hohen Beamten Algeriens em Festmahl. Bei demjelben brachte Loubet einen Trinkspruch aus, in ivelchem er seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß die Vertreter der Flotten von vier fremden Mächten zugegen seien. Er danke den Monarchen, toeldjc die Flotten entsandt hätten. Diese Beweise von Sympathie ehrten in gleicher Weise Frankreich und seine große Kolonie und würden in der gesamten Nation einen Widerhall finden. Der Präsident sprach sodann die Hoffnung aus, daß seine Anwesenheit in Algerien der Periode der versuche ein Ende machen und den Beginn eines auf gerechter Einigkeit begründeten Regiments bedeuten werde. Sem Wunsch sei, zu prüfen, was daS Interesse des Landes erfordere. Loubet trank hierauf auf die Große Algeriens, die in der Einheit deiner Geschichte mit derjenigen Frankreichs beruhe. • • • Die Ankunft Loubets in Algier erscheint, den äußeren Umständen nach zu urteilen, als ein Ereignis von inte r- nationaler Bedeutung. DaS Staatsoberhaupt Frankreichs sieht sich beim Betreten aftikanischen BodenS von Geschwadern aller Mächte begrüßt, die am Mittelmeer politisch interessiert sind, und ein übrige- ist getan seitens Rußlands. Möglicherweise soll durch diese Aufmerksamkeit die verlegend schroffe Zurückweisung gemildert werden, die Graf Lambsdorff unlängst Herrn Delcass6 mSacl-en der ftanzösischen Balkanpolitik zuteil werden ließ. „Gequälter" erscheint die Höflichkeit bei der Anwesenheit der englischen Flottille in Algier. Allerdings steht der Besuch König Eduards in Paris bevor, und die Stimmung der dortigen Bevölkerung läßt nicht darauf schließen, daß dem König ein besonders freudiger Empfang bereitet werden wird. Man hat „Faschoda" noch nicht vergessen. Es liegt also für England immerhin ein Anlaß vor, letzt durch Aufmerksamkeiten gegenüber Loubet die Bewohner der Seinestadt zu erwärmen. Doch von dieser Rücksichtnahme abgesehen, besteht sicherlich für keine Macht weniger Grund, von Loubets Aftikafahrt angenehm berührt zu fein, als fur England. Denn gerade durch diese Fahrt wird die Frontstellung Frankreichs gegen England in der Mittelmeerpolitik in Beleuchtung gerückt. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die in den letzten Jahren mit einem be- deutenden Aufwand von Geldmitteln betriebene Befestigung der ftanzösischen Häfen an der nordafrikanischen Küste, besonders die Fortiftkation Bipertos, darauf aLztelt, eine ben englischen Positionen bei Gibraltar und Malla mindestens die Wage haltende militärische Stellung zu erlangen Daß die französische Regierung diese Arbeit keineswegs als abgeschlossen betrachtet, beweist die Anwesenheit des MarinemmisterS Pellet an bei der algerischen Reise Loubets. Es liegt vielleicht in der Absicht, daS feit geraumer Zeit schwebende Projekt der Herrichtung eines neuen erstklassigen Kricgshasens an der algerischen Küste zur Durch- ührung zu bringen. DaS würde für England daS Signal ein und fein müssen, gleichfalls einen maritimen Stützpunkt in Nordaftita zu ertverben oder den to|tfpieligen Ausbau von Gibraltar schleunigst in Angriff zu nehmen. Was die Beziehungen Frankreich- zu Algerien selbst betrifft, so nnrb die Reise Loubets h.er,unter Urn|länden von tiefgreifender Wirkung sein. ES heißt, daß der <-whn des MinisterpräsidentLn C o m b e s zum Nachfolger RevoilS au-erseheu ist. Da- persönliche Moment fällt indessen weniger in- Gewiä-t. Hauptsächlich steht in Frage, ob durch den Besuch deS Präsidenten Loubet jener Mißstand abgestellt werden wird, der der Verwaltung Algeriens bisher anhaftete: der häufige Gouverneurwechsel. Jeder dieser leitenden Becivaltungsbeanllcn brachte sein eigenes Resormprogramm mit, daS meist auf dem Papier stehen blieb. Die gegentvärtigen finanzrechtlichen, steuer- und sozialpolitischen verhällnisse Algerien- laufen auf eine Entrechtung der Araber hinaus. Politische Tagesschau. Graf Bülow über die Lage in Europa. Ter zurzeit in Sorrent weilende deutsche Reichskanzler gab einem Mitarbeiter des Pariser „Temps" folgende Erklärungen : Tie politische Lage in Europa ist zurzeit ausgezeichnet. LQiie Zweifel ist die Frage dec bail^nischen Unruhen kein blvjjer Sturm im Wasterglase. Aber die Regierungen sind einig, die gefährlichen Zonen fest -n unigretizen und Äu verhindern, daß das Urbel sich weiter ausorelle. In diejem Punkte ist die Uebereinslimmung absolut. Wir haben die beste Hoffnung und den besten WUleu, daß der europäische Friede nicht gestört wird. In Bezug auf das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland |agte Graf Bülow: Die Be- zichungen zwischen Deutschland und Frankreich könnten nicht belfere sein. Zwischen beiden Lätivern st he ich keinen einzigen schwarzen Punkt. ES gab in der Vergangenheit blutige Differenzen, deren Rücltehr wir jedoch taum zu befürchten haben. Wir müssen alles, was uns annähern kann, pflegen utü> entwickeln und die Schwierigkeiten, dir uns trennten, langsam vergessen ntachen. Fe|iina lente! sagten die Weisen des Altcnunis. Ich gewinne täglich mehr die Ueberzeugung, daß unsere zwei Nationen dazu gemacht sind, sich einander zu verstehen. Sell Jahrhunderten übt Frankreich einen wohltätigen Einfluß auf das deutsche Denken aus, und eS selbst Halle leinen Schaden von den Ideen, welche es von Deutschland empfing. Ich glaube fest an ben Frieden zwischen den beiden Landern iuü> wünsche ihn. ________ Zar Frage der Vieh- und Fleischpreise. Der Bund der Landwirte sendet uns auß Berlin folgende Zuschrift: AIS im vorigen Herbst besonders in den Großstädten eine sehr erhebliche Steigerung der Detailpreise im Fleisch- verkauf einsetzte, war man fast allgemein der Ansicht, daß diese Steigerung durch eine Knappheit im Viehangebot und durch eine entsprechende Steigerung der Viehpreije bedingt gewesen sei. Die Darlegungen jedoch, die der preußische LandwirtschastSrninister v. Podbiclöki jüngst im Parlament gegeben hat, finb geeignet, jene Annahme als irrtümlich erscheinen zu lassen. In der Hauptsache bezog sich jene Detail- pceiSverteuerung und die bannt zusammenhängende Behauptung einer ungenügenden heimischen Produktion bekanntlich auf das Schwe inefleisch. Nun hat aber ber Minister nachgewiesen, baß die von ihm infolge jener Vorgänge sofort veranlaßte statistische Erhebung über die Lage ber Produktion, deren Gesamtzahlen jetzt zusammengesteUt sind, ergeben hat: daß der Schwemebcstand sich innerhalb der letzten zwei Jahre um sechszehn Prozent in Preußen erhöht hat. Dieser letzten Steigerung der beiden letzten Jahre von 1900 bis 1902 waren aber vorher ebenfalls sehr starke Steigerungen schon Dorangegangen. So betrug die Steigerung ber Schweine- bestände nach ben deutschen Viehzählungen: von 1873 zu 1883: 30®/e — jährlich 3 % r 1884 zu 1892: 32% = , 3,2% , 1893 zu 1900: 38% = , 4,5% ttnb nun , 1901 zu 1902: 16° e — , 8 % Angesichts dieser Steigerung, bie die gleichzeitige Be» oölkerungSzunahrne durchschnilllich um daS Sechsfache übertrifft, wird man in ber Tat bie Meinung nicht länger aufrecht erhalten können, baß ein Mangel an Schlachtschweinen die Teuerung der Detailpreise verschuldet haben könne. Der Minister stellte denn auch bie Veröffentlichung eines umfassenden Materials in Aussicht, auB dem sich ergeben werde, daß die Steigerung ber Fleischoerkaufspreise wesentlich durch gereifte Faktoren, bie in ber Organisation des Großhandels, ber Schlachtoiehhöfe, Großschlächlereien u. s. re. zu Tage treten, verschuldet worden sind. Insbesondere sprechen hier auch bie Einflüsse erheblich mit, die seitens des ausländischen , insbesondere des amerikanischen Fleisch- und Schmalzhandcls ber dortigen großen Firmen geübt werden. Man wird der Veröffentlichnng deS vom Minister in Aussicht gestellten Materials mll großem Interesse entgegensehen dürfen. Inzwischen ist jedenfalls eine sehr beachtenswerte Erscheinung schon festziifiellen: die Erscheinung, baß bie Fleisch- oerkaufspreise durchaus nicht parallel mit ben Schweine-Äroß- hanbelSpreisen gehen. Nach den amtlichen 9lotierungen vom Berliner Zentraloiehmarkt haben bie Schweine gekostet per Doppelzentner Schlachtvieh: Zur Zeit beS Höchststandes im Herbst 1902: 125 Mk., Dagegen im Durchschnitt Februar 1903: 106 , , März 1903: 104 , TaS ist ein Preisrückgang um rund 20 Mark, gleich zehn Pfennigen pro Pfund. Man hat aber noch nichts davon gehört. baß der FleischdetaüSpreiS, der im Qecbit k Conto jenes Preisstandes außerordentlich erhöht worden war, jetzt diesem Rückgänge gefolgt wäre. Im Gegenteil konstatiert die hauptstädtische Presse (auch bie liberalen und bie sozialdemokratischen Zeitungen) übereinstimmend, daß baS Publikum nach wie vor ben erhöhten FleijchpreiS zahlen muß. Aus dem Sozialistenlager. lieber die jüngsten Erörterungen der sozialdemokratischen Theoretiker spricht sich Genosse W—r. im hannoverschen „VolkSreillen" sehr scharf auB. Er bedauert, daß gerade zu einer Zeit, wo sich die Genossen zusammenschließen zum Kampf gegen den gemeinsamen Feind, em paar Parteigenossen, die Anspruch darauf erheben, als geistige Führer im Kampfe gegen die Reaktion zu gelten, sich außerhalb der Front herum- katzbalgen. Der Artikelschreiber tadett dann im einzelnen, daß Genosse Dr. David noch schnell vor der Wahl durch sein Buch über bie Agrarfrage eine Diskussion hervorrief, baß KautSky seine ftrilit des Taoidschen Werkes in eine verletzende Form kleidete, daß Gö hre nach der Veröffentlichung des ParteivorstandeS über die SDlüttrbcit an der bürgerlichen Presse noch einen Artikel in ber „Zukunft" veröffentlichte und Bernstein in den „Sozialistischen Monatsheften" einen Artikel: „Der Marx-KultuS und baS Recht der Revision" erscheinen ließ. Genosse W—r. fragt: .Wohin soll bas führen, wenn angesichts eine« bet schwersten Kämpte, den die Pariei je zu iuhren hatte, Parieigenossen, bie als geistige Führer ber Lozialbemokrane gellen wollen, bie sich berechtig l glauben, bie höchsten Ehrenstetten eiruunehmen, die das Prole- lariai zu vergeben Hal, einen derartigen Mangel an Takt und Der noch notwendigeren Disziplin befunben ? I* Er schließt feinen Artikel: Soweit wir bie Stimmung ber Parteigenossen kennen, haben Ite es gründlich satt, sich gerade von denjenigen Parteigeiwssen, Die ihnen im Kampf gegen Die Gegner vorangehen unD der Masse em Beifpiel von Disziplin geben sotten, immer wieder Steine in den Weg wälzen zu Iahen/ Der „Vorwärts" bemerkt seinerseits dazu: ,Wir wollen ununlerfucht lassen, ob die Vorwürfe, die Genosse W—r. im einzelnen erhebt, gercd)iierhgt sind oder nicht; was er jedoch über die Meinung der Parleigeno|fen von dem Takt und der DiSzipltn unserer Theoretiker lagt, |o können wir auS unserer ftenntnts die Verhättinije ihm nur bestätigen, daß er die Stimmung Der Masse richtig wiedergegeben Hai." Die agrarische „Di|che. TageSztg." bemerkt dazu: Wenn das richtig ist, so wäre eB wohl t>aS Einfachste, wenn man bie nnberhaarigen Genossen Dr. David, Göhre, Bernstein u. s. w. noch vor den Wahlen hinauSfliegev lassen wollte. Dculschcs Keich. Berlin, 15. lapriL Einer Londoner Depesche zufolge weiß ber „Daily Telegraph" aus Kopenhagen zu berichten, baß Kaiser Wilhelm unb König Christian über bie Cum berla nb-Frage verhanbelt hätten uni daß ber König von bem Ergebnis ber Konferenz befriedigt sei. Es sei beschlossen worben, baß ber deutsche Kronprinz im Sommer Prinz unb Prinzessin Max von Baben besuchen unb bei bieser Gelegenhell mit Prinzessin Alexanbra von Cumberland zusammen- treffen soll. — Wie bie „Rordd. 2lllg. Ztg." mitteitt, wird bie Kaiserin auf ärztlichen Rat ben Kaiser nicht nach Italien begleiten. Der Verzicht ber Kaiserin auf bie Mitreise nach Rom sei nicht so zu beuten, als ob gesunb- heitliche Besorgnisse gehegt werben müßten, vielmehr fei ber Unfall gut überrounben, nur eine sorgsame Schonung des Armes notwenbig. — Ter Kaiser läßt in Homburg Aufnahmen von ber Saalburg anfertigen, bie er bei seiner Reise nach Rom bem Könige als Geichenk überreichen will. — Wie eine hiesige Korrespondenz erfahren haben will, ist gestern enbgiltig beschlossen worden, bie Reichstagsstich w a h l e n am 2 5. Juni vvrzunchinen. — Im Gegensatz hierzu berichtet bie „Deutsche Tageszig.", baß über ben Tag ber Stichwahlen noch kein binbenber Beschluß gefaßt worben ist. — Der Reichstagsabg. v. Treuenfels-Klenz (Gü- strvw-Ribnitz), Hospitant ber konservativen ReichScaöSfrak- cion, hat in einer gemeinsamen Versammlung bes BunbeS Der Landwirte unb ber koniervatioen Partei in Golbberg nach bem Bericht ber „Mecllenb. Zta." erklärt: Es wäre eine Rüllstäirbigkell unb Dorniertch:ll, bem zu wibersprechen, daß bie mecklenburgische Verfassung ben modernen Bedürfnissen nicht entsprich: Tie Finanzlage bezeichnete er al- recht ungünstig. Das könne bei den „uferlosen Ausgaben" auch nicht anders sein. „Denn ich als Privatmann so wirtschaften wollte, würde ich bald unter Kttratell gestellt." Heber bie jtolonieen äußerte er: „Wir haben ben Trebel nun einmal, unb müssen ihn beShalb auch schützen." Das Duell nannte er ein Ucberbleibsel eines verstossenen unb barbarischen Zeitalters. Als positiver Christ könne er ein Duell nicyt guiheißen. Es könne wohl Verhältnisse geben, bei bcium es zu entschulbigen ist, zu billigen sei eS nie. Manche Duelle in ben letzten Jahren, i B- bas Jnfterburaer Duell TlaSkowitz, seien ein Unfug. — Zur Verhaftung amerikanischer Missionare auf ber Karolinen-Insel R u k erfährt bie „Posll^, daß eS sich um oier eingeborene Zöglinge ber dortigen ai.^rikan.icheu MisfSn hunöelt, bie ovin Kommaubanlen Des deutschen KceuzerS i*ocnwran nach Pvnape geschafft unb bort zur Hast abgelichert wurven. Ter Vorfall, oef|enp roeaen b.e Festnahme erfolgte, lieg: mehrere Monate zurück. AügevUch soll e? sich um Beleidigung der deutschen Flagge handeln. Eine Beschwerde seitens der amerikanischen Regierung liegt bis jetzt nicht vor. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß diese den Vorfall zur Sprache bringen läßt. Eine politische Bedeutung ist ihm aber jedenfalls nicht beizulegen. Trier, 15. April. Tie ,Landesztg." bestreitet, daß eine endgiltige und befriedigende Regelung der Schul- srage beschlossen fei, und fordert die Eltern auf, chre Töchter nicht der paritätischen Mädchenschule anzuver- trauen. D r e s d e n, 15. Aprll. In der katholischen Hofkirche wird wieder für ,chie unglückliche Frau" gebetet, nach- dem die ehemalige Kronprinzessin längere Zeit aus dem Gebet ausgeschlossen gewesen war. Metz, 15. April. Der kommandierende General des 16. Armeekorps, Generaloberst Graf v. H ä s e l e r, der Ende dieses Monats sein öOjähriges Dienstjubiläum feiert, soll den Kaiser gebeten haben, alsdann in den Ruhe st and treten zu dürfen. Die meiste Anwartschaft, sein Nachfolger zu werden, soll der jetzige Gouverneur von Metz, Generalleutnant Stoetzer, haben. Wahl-Bewegung. Die Zentrumspartei des ReichStagSwahlkreiseS Offenbach-Dieburg hat den Stadtrechner Philipp liebel in Dieburg zum Reichstagskandidaten proklamiert. — Im Wahlkreise Hagenau-Weißenburg haben die Katholiken dem bisherigen Abg. Prinzen Hohenlohe einen Gegenkandidaten gegenübergestellt. Kolonialpost. Berlin, 14. April. Der Kolonialpolitiker Gustav Mein ecke, Herausgeber der „Kolonialen Zeitschrift«, ist im Alter von 49 Jahren gestorben. Meinecke hat seit Beginn der deutschen Kolonialpolitik dieser sein besonderes Interesse zugewandt. Er war em grundsätzlicher Anhänger dieser Politik, übte aber offen Kritik an den dabei gemachten Fehlern. Die von ihm begründete .Koloniale Zeitschrift" hat in diesem Sinne häufig gegen das bisherige Kolonialsystem Stellung genommen. Deutsch-Ostafrika. Wie die .Deutsch-Ostafr. Ztg." mitteilt, hat der Führer des Militäcpostens Mlalama (Bezirk Kiltmatinde), Oberleutnant Kohlermann, in fchweren Fieberphantafien Hand an fich gelegt und sich er 1 chossen. Ausland. Kopenhagen, 15. April. Während des Aufenthalts des deutschen Kaisers in den Bilderläden der Hauptstraße waren Karikaturen des Kaisers ausgestellt. Ferner war Kaiser Wilhelm in dem Hauptwitzblatt „Klodt Stans" widerlich karikiert bargeftellt und schließlich waren am Tage nach seiner Abreise in allen Buchhandlungen 20 bis 30 Exemplare des Buches: ,^8or sidste Kamp for Son- deryland" („Unser letzter Kampf für Süd-Jütland!" ausgestellt. Das Buch kostet 10 Kronen (11,25 Mk.) üngeb. (Zur Vermeidung von Illusionen hallen wir die Feststellung solcher Tatsachen für nützlich.) Paris, 15. April. Während die offiziöse Presie dem Besuche des Königs von England in Frankreich mit frohen Erwartungen entgegensieht, beginnen die nationalistischen Blätter eine in ihrer Tonart widerliche Hetze gegen England. „Man spekuliert, schreibt die „Patrie", „auf die Träghell der Nation nach der Demütigung von Faschoda. Nach solchen Kriegsdrohungen sollen ttnr den König dieser Engländer begrüßen, die uns mll Jntriguen und Schmähungen überschüttet haben? Nach den Grausamkeiten von Südafrika sollen wir uns vor dem Schlächter der Frauen und Kinder verneigen? Das ist unmöglich! Das französische Empsinden ist dieser Diebesbande feindlich die nur von Eroberung und Raub lebt. Man spricht in der Nation von diesem unwürdigen König, diesem herzlosen, schamlosen Fürsten und dennoch wagt man, das öffentliche Empfinden zu verletzen und die öffentliche Meinung herauszufordern?!" Rom, 15. April. Es verlautet, der Besuch des Königs Viktor Emanuel in Paris werde drei Tage dauern und sich an seinen Besuch in London anschließen. — Der Papst leidet beständig an Katarrh, der von seinem Leibarzt zwar nicht ernst genommen wird, der Umgebung aber doch Sorgen macht. Bern, 16. April. Bei einem Kampfe zwischen italienischen Grenzwächtern in den Bergen des Lago Maggiore wurden zwei italienische Schmuggler durch Gewehrschüsse schwer verletzt und gefangen. 5>ie Külssschuttagung. Mainz, 14. April. Heute begannen hier die Verhandlungen des 4. Verbandstages der deutschen Hülfsschulen für schwachbefähigte Schulkinder. Entsprechend der außerordentlichen Zunahme, welch diese Anstalten in den letzten Jahren erfahren haben, bat auch diese Tagung gegenüber den früheren Versammlungen wieder eine erhebliche Steigerung der Besuchszisier zu verzeichnen. Etwa 200 auswärtige Tellnehmer, darunter zahlreiche Vertreter von Ministerien, Regierungen und sonstigen hohen Schulbehörden, auch ausländischer, sowie von Magistraten sind erschienen. Nach einer gemeinsamen Sitzung des VerbandSvorstandeS und des Ortsausschusses sand abends 7 Uhr eine von 220 Personen besuchte Dor- versgmmlung im Heiliggeist-Restaurant stall. Hauptlehrer Gie i e-Magdeburg hielt einen Vortrag über das Rechnen auf der Unterftufe der HülfSschule, der zu folgenden Äitsätzen führte: 1. In der Hülfsschule kommen auf der ersten Stufe Addition und Subtraktion im Zahlenraum 1 bis 10 und auf der zweiten Stufe dieselben Grundrechnungsarten bis 20 zur Behandlung. 2. Durch mannigfaltige und häufige Anschauung und Darstellung wlld Rechenverständnis an» aobahnt. 3. Durch vielseitige Hebung und unermüdliche Wiederholung ist Rechenfertigkeit zu erzielen. 4. Für die Hülfsschnle ist ein den Verhältnissen derselben angepaßtes Rechnbuch wünschenswert. Rektor Grote-Hannover referierte über die Frage: Können Kinder zwangsweise der Hülfsschnle zugeführt werden? Im Anschluß hieran wurden folgende Lellsätze angenommen: 1. ES liegt im Interesse der Gemeinde, der Schule, des schwachbefähigten KmdeS und seiner Ellern, daß da, wo HülfSjchulen l>estehen, jedes schwachbefähigte schul- pflichllae Kind die Hülfsschnle besucht. 2. ES muß durch gesetzliche Bestimmungen oder behördliche Verfügungen die Möglichkeit gegeben werden, Kinder, welche als schwach- besÄigt erkannt sind, auch gegen den Willen der Eltern der HchsSschule zu üderweissn, falls fte nicht anderweitig geeigneten Unterricht erhalten. 3. Die zwangsweise Heber- Weisung hat nur da einzutreten, wo Eltern hartnäckig ihre Einwllligung zur Ueberführung chres Kindes in die Hülfs- schule verweigern. 4. Die zwangsweise lleberweisung ist abhängig zu machen von einer pädagogischen und ärztlichen Feststellung der Schwachbefähigung des zu überweisenden Kindes. 5. Ter Erlaß gesetzlicher Bestimmungen oder behördlicher Verfügungen, welche die zwangsweise lieber- Weisung von Kindern in die Hülfsschulen ermöglichen, ist überall da anzustreben, wo zurzeit solche Besllmmungen ober Verfügungen noch nicht bestehen. Im geschäftlichen Teil der Verhandlungen wurde zunächst eine Statutenänderung in dem Sinne oorgenommen, daß auch die soziale Fürsorge für die der Hülfsschnle überwiesenen Kinder während unb nach der Schulzeit als Aufgabe des Verbandes bezeichnet wird. Des weiteren wurde beschlossen, bei den Staalsregierungen auf die Einrichtung von Kursen für die Ausbildung unb Fortbildung bet Hillfs- schullehrer hinzuwirken.______________________________________ Zur tzsseuer Kiuttat erflärt Rechtsanwalt Dr. Niemeyer als Rechtsbeistanb ber Familie bes getöteten August Hartmann in ber ,Lihein.-Wests. Ztg." gegenüber der Behauptung, daß Hüssener ,>ohne jeoe Skranla)|ung von Hartmann tätlich angegriffen sei", folgendes: „Nach den mir vorliegenden, in meiner Gegenwart abgegebenen, völlig übereinstimmenden eidesstattlichen Versicherungen der einzigen Augenzeugen hat sich der Vorfall, der zum Tode des Hartmann geführt hat, folgendermaßen abgespiell: Hartmann war im Begriff, mll feinem Begleiter Lütscher das Müllers.che Nestau- rationslokal zu betreten. Er stand schon in der Haustür, als plötzlich Hüssener, der von keinem der beiden bis dahin bemerkt war unb nach Angabe der Zeugen erst während des Eintretens der beiden in die Tür von der entgegen* gesetzten Selle herangekommen war, auf Hartmann zuging unb ihn ohne Angabe eines Grundes aufforberte, ihm zum Polizeiwachtlokal zu folgen. Dieser Aufforderung ist Hartmann ohne Verzug nachgekommen und — von Lütscher unter den rechten Arm gegriffen und von Hüssener an den linken Oberarm gefaßt — durch die Braiwstraße in ber Richtung nach bem Pvlize iw achtlokal gegangen. Nach etwa 10—20 Schrillen hat sich Hartmann losgerissen unb ist in berselben Richtung, in ber er gekommen, zurückge- laufen. Hüssener ist ihm mit bem Rufe „Halt" gefolgt unb hat den Fliehenden von hinten während bes Laufens zweimal mit feiner Waffe nach bem Kopf geschlagen unb ihn dann mit ber Waffe von hinten — währenb Hard- man noch im Laufen war — in ben Rücken gestochen. Infolge bieses Stiches brach Hartmann sofort zusammen und gab nach wenigen Minuten seinen Geist auf. Die Behaupt- tung, baß Hartmann ben Hüssener tätlich angegriffen habe, ist danach unwahr." Marine-Kriegsgerichtsrat Debary aus Kiel ist hier mit einem Gerichtsscyreiber ber ersten Marine-Inspektion zur Untersuchung bes Falles Hüssener ein- getroffen. Von anderer Selle wird gemeldet: Hüssener schien die Tat völlig kalt zu lassen, er zeigte keinerlei Reue ober Aufregung. Als sich allmählich eine größere Anzahl Personen ansammelle, die eine drohende Stellung gegen Hüssener einnahmen, forderte er den inzwischen nachgekommenen Unteroffizier Schröder, der mit Hartmann zusammen ben Nachmittag verbracht hatte, auf, ihn zu verhaften unb zur Polizeiwache zu bringen. Hierbei brauchte er nach übereinftimmenben Aussagen bie Worte: „Wenn ich meine Waffe ziehe, will ich Blut sehen, viel 931ut" Auch auf ber Polizeiwache zeigte er keinerlei Bebauern über sein Tun. Zuerst weigerte er fich, feine Personalien anzugeben, ba er nicht wisse, ob bie Polizei bas Recht habe, chn danach zu fragen. Ueberhaupt trug er eine sehr selbstbewußte Haltung zur Schau und tat unter anderem auch hier die bereits erwähnte Äeußerung: Menn er erst mal seine Waffe ziehe, dann müsse auch Blut fließen; er habe gehandelt, wie ein Offizier zu handeln habe. Weiter erklärte Hüssener auf der Wache, er habe Hartmann „zu dessen persönlicher Sicherheit festnehmen müssen, weil Hartmann stark betrunken gewesen sei. Hartmanns Begleiter erklärte, der Getötete sei zwar etwas angeheitert, aber keineswegs in einem Zustand gewesen, der ein (Hn- schreiten erforderlich gemacht hätte. Hüssener bleibt vorerst auf dem Essener Bezirkskom-- manbo I inhaftiert. Zutritt hat zu ihm niemand; nur feiner Muller wurde Sonntagnachmittag unter Beisein eines Unteroffiziers eine Unterhaltung von 5 Minuten gestattet. Auf die Frage feiner Mutter, ob er sich innerlich rußig fühle, antwortete er, „er habe als preußischer Offizier gehandelt unb fei völlig ruhig unb gefaßt." Auf Hüsseners Geistesverfassung wirft ein Brief ein bezeichnendes Schlad licht, ben er aus ber Haft am Ostersonntag an bie Familie bes Ermordeten gerichtet hat. Dieses sonderbare Schreiben lautet: „Aus llefster Erschütterung unb Trauerum Ihren Sohn wende ich mich an Sie, verehrte Familie Hartmann, um Ihnen meine innigste Teilnahme an dem Ihnen durch mich entstandenen Verlust zu beweisen. Seien Sic versichert, daß ich nicht aus Haß ober Abneigung gegen Ihren Herrn Sohn gehandelt habe; es war meine harte, harte Soldatenpflicht. Ich mußte mir Gehorsam verschaffen, es war meine harte Pflicht, unb leider, leider führte das Schicksal den Stahl so unglücklich. Ich halle nicht die Absicht, ein blühendes Leben dem Staate, ben Eltern, den Freunden zu entreißen. Können Sie mir verzeihen? Ein Wort ber .Verzeihung von Ihnen, gnädige Frau, würde mir einen unersetzlichen Trost bereiten. Denn wenn die Mutter, deren Liebe zu dem Sohne alles überragt, verzeiht, bann kann niemanb, der ein ehrenvolles Herz hat, noch länger grpllen. Wenn es sein sollte, auch Ihren wohlerllärlichen Haß ent- gegennehmenb, bin ich ganz ergebenst Ihr mitsühlen* ber Hüssener, Fähnrich z. See." Tein Erstochenen wird von dem Chef des Hauses, in dem er fünf Jahre lang tätig war, das beste Zeugnis ausgestellt. Ans §iüöt und Land. Gie ßen, 16. April 1903. — Der Voranschlag der Rechnung der Stadt Gießen für 2903/04, welcher zu Jedermanns Einsicht auf der Burgerin eist er ei offen aus liegt, schließt in ber VermögenSrechnung mit 1 720 890 Mk. 17 Pfg., in der BetikebSrechnung mit 1 473 564 Mk. 30 Pfg., im Ganzen mit 3 194 454 Mk. 47 Pfg. in Einnahme und Ausgabe ab. An (Scmcmbcfreuern find m Einnahme gestellt 810 704 Ml, 92 Pfg., welcher Betrag sich zufammenfeyt auS 114 pEl. von der ©mfommciUicueL mtt 417 197 Mk. 82 Pfg., je 228 pCt. von ben Grundzahlen der Grundsteuer mit 190 043 Mark 24 Pfg., von der Gewerbesteuer 129 171 Mk. 69 Pfg., von der Kapitalrentensieuer 62 132 Mk. 17 Pfg. AIS Eingang für nachträglich zur Erhebung kommende Gemeinde- (teuer sind 12 000 Mk. tm Voranschlag eingestellt. Der Reinertrag des Okllois steht mit ea. 100 000 Mk. in Einnahme. Ter noch vorhandene Rest auS vorderen Jahren ist in Höhe von 140 546 Mk. 15 Pfg. angenommen, von welchen jedoch 55 675 Mk. 65 Pfg. wieder zur Ausgabe vorgesehen sind. Tie Stadtverordneten werden in der nächsten Sitzung den Voranschlag beraten. — Der Voranschlag für den Stadterweiterungsfond weist eine Kapitalanlage von 771 600 Mk. auf, welche im laufenden Rechnungsjahr um 100 000 Mk. erhöht werden soll. Der StadterweiterungS- fonb hat dann in 1903,04 309 264 Mk. disponible Gelder zum Ankauf von Grundstücken bereit — Abschiedsfeier. Nächsten Montag, nachmittags 3 Vi llhr, findet im ,Restaurant jjum neuen Saalbau*, früher Steins Gallen, eine gesellige Vereinigung zu Ehren der von hier versetzten Herren Kreisschulinspektor Prof. Dr. LuciuS und Baurat Stahl statt. Von einem Abschiedsessen wurde abgesehen. Es steht zu ermatten, daß bei der großen Beliebtheit genannter Herren in den Kreisen der Lehrerschaft, der Großh. Bürgermeister und der Beamten im Kreise, sowie der hiesigen Bürgerschaft eine stalle Beteiligung an dieser Abschiedsfeier stattfindet. Wie aus dem Inserat in unserer Nt. 80, 2. Blatt, ersichtlich, werden die Anmeldungen hierzu tunlichst bis zum 17. d. M. erbeten. ** AuS dem Bureau des Stadttheaters ,G ir oslä» Gir oflä", Lecoeq's entzückende Operette, die morgen, Freitag, aufgeführt wird, ist em Well für musikalische Feinschmecker. Tie graziöse Musik mit den inS Ohr klingenden Melodien, sowie die urkomische drastische Handlung fesseln den Zuhörer von Anfang bis zum Ende. Die Titelrolle der Giroslä spielt Frl. Stöger. Die anderen Hauptrollen befinden sich in den Händen von Frl. Bartl, Frau Schatz und der Herren Bruck, Sommer und Nolte. ** Warnung! Verschiedene Male ist es, wie uns aus unserem Leserkreise mitgeteüt wird, vvrgekommen, daß ein Maurer unter falschen Vorspiegelungen Reparaturen an Kaminen unternahm. Um die Einwohnerschaft vor weiterem Schwindel zu schützen, mögen diese Zeilen dienen. § Butzbach, 16. April. Zu Ehren des als Ober» Realschuldirektor nach Offenbach versetzten Direktor Jäger hier fand gestern Abend im Hessischen Hof ein großer Ab- schiedskommerS statt, woran außer der Lehrer- und Beamtenschaft sich der Stadtoorsland, unsere Bürgerschaft, viele ehemalige Schüler und Freunde des Scheidenden beteiligten. Ernste und heitere Gesänge, Vollräge und Musikstücke füllten den Abschiedsabend aus. Die stattliche Versammlung legte Zeugnis ab, welche Wertschätzung und Beliebtheit Jäger in den zwölf Jahren seiner Wirksamkeit an unserer Realschule sich in allen Kreisen erworben hat. Die besten Wünsche begleiten den Scheidenden und seine Familie nach dem neuen Wirkungskreise. — Seit kurzem läßt die Sammelwasen- m eistet ei unseres Kreises mit einem Motorwagen das tote Kleinvieh abhvlen, welche TtanSpvllall in Deutschland noch wenig bekannt sein dürfte. Der Adlermotor ersetzt angeblich drei Pferde und zwei Mann, was eine bedeutend«' Ersparnis für den ausgedehnten Kreis Friedberg ist. -th. Ulrichstein, 15. April. Arn Dienstag brachte der Schloßbau-Vetein hier am Hause des Kaufmanns Nathan Reiß eine Gedächtnistafel an zur Erinnerung an die Tatsache, daß Feldmarschall Blücher nach der Schlacht bei Leipzig, auf der Verfolgung Napoleons begriffen, in jenem Hause sein Quartier aufgeschlagen hatte. Frankfurt, 15. April. Fünfzigtausend Mark auf die Straße geworfen hat am ersten Oslellage em plötzlich irrsinnig gewordener Berliner Kaufmann F., der sich seit einigen Tagen, auf einer Geschäststour begriffen, hier aufhielt. Als der Bedauernswelle die Niddasiraße passielle, riß er plötzlich unter wirten Reden den Ueberzieher auf und warf zum nicht geringen Erstaunen der Paffanten sein ganzes Geld, das er auf der Reise einkassiell hatte, auf die Straße. Die Summe bestand aus 40 000 Mk. in Wellpapieren und Kupons, 2000 Mk. in Hundertmarkscheinen und einem mit Goldstücken gefüllten ledernen Beutel. Im ganzen an 50000 Mall. Sofort herbeigeholte Schutzleute sorgten für Bergung deS auSgeftrcuten Geldes und brachten den Irrsinnigen zunächst nach dem Polizeigewahrsam, von wo auS er später einer Anstalt zugefühll wurde. ko. Frankfurt a. M., 15. Aplll. Auch die diesjährige Ledermesse, die gestern begonnen hat, zeigt, daß die Messen ihre Bedeutung immer mehr verlieren. Die Zahl der Käufer nimm) von Messe zu Messe ab, während c5 noch genug Leute giebt, die gern verkaufen möchten. Trotzdem hält man die Preise hoch. — In der Außenstadt wurden in der vergangenen Nacht 2 Grad Kälte (Reaumut) fest- gestellt. Die Blüte hat vielfach Schaden gelitten, so die Kitschen- und Pfirsichblüte. b. Limburg, 14. April. Heute fand hier eine Sitzung der Kommission zur Förderung oet L a h n k a n a l i s a t i o n statt, an welcher auch die Abgg. Schaffner, Eahensly und Dahlem Teilnahmen. Es wurde beschlossen, für den 17. Mai eine große Versammlung aller Interessenten und Freunde der Lahnkanalisation nach Limburg, „Gasthof zur alten Pose' einzuberufen, in weicht Herr Regierungsbau- meifter a. T. Holzapfel von der Firma Hovestadt & Eontag über die technische e Armee zu tragen. ES sei vor einiger Zeit ein Soldat auf der Straße von einer unbekannten Persönlichkeit aiiQefprodjen und in die Wohnung der letzteren geführt worden, wo ihm revolutionäre Brosä-uren mit dem Bemerken eingehändigt wurden, sie in der Kaserne zu vertreiben. Der Soldat hat den Vorgang aber sofort seinem Hauptmann gemeldet, worauf es gelang, mehrere politischs verdächtige Persönlichkeiten sestzunehmen. Ter Soldat sei mit einer Geldspende belohnt worden. Die Truppenkom- niandanien werden zu einem gleiä-en Vorgehen auffle- forbert Melilla, 16. April. Ein Telegramm, welches auf drahtlosem Wege übermittelt wurde, berichtet, daß die königliche Pacht „Viktoria and Albert" mit König Eduard an Bord an der algerischen Küste bei Bone vorüber fuhr. Die Ankunft in 2)lalta erfolgte heute. Algier, 16. April. Bei dem Festmahl, welche- Präsident Loubet abends im SommerpalaiS gab, versicherte der Großrabbiner in einer Ansprache den Präsidenten der Treue der algerischen Israeliten für Die Republik, welche ihre Emanzipation der Republik verdankten. Am Schluffe überreichtedie marokkanischeGesandtschaft dem Präsidenten eine Adresse, in welcher der Sultan den Präsidenten zu seiner Ankunft beglückwünscht. LoubetS Besuch in Algier werde zum Gedeihen Algiers, welches Marokko benachbart sei, beitragen und ein Merkzeichen dafür fein, daß die Freundschaft zwischen Frankreich und Marokko aufrecht erhalten werde und Fortschritte mache. Loubet erwiderte, auch er wünsche gleich dem Sultan, daß die Freundschaft zwischen Frankreich und Marokko auftecht erhalten werde. New-Port, 16. April. Aus TexaS wird gemeldet, daß im Pettoleumgebiet 256 Bohrtürme durch Feuer zerstört wurden. Der Schaden beläuft sich auf 10 Millionen Dollars. Telephonischer Kursbericht. IfHUklurt m. le., 16. April 1V<#8. B'/gO/o Reicht-anloihe . . 102.70 80/u do. ... 92.40 8‘/,8/c Konsole .... 102.80 ä°/o do......92.25 3l/g% Hessen .... 101.40 81/t% überliessen . . . 100.20 4-6 Oesterr. Goidronte . . 103.90 4',t% Oesterr. bilberrente 101.05 4-6 Ungar. Goidronte. . . 102.50 4<>/. Italien. Rente . . . 103.60 4%X Portugiesen . , . 50.15 .1°/ Portugiesen. .... 81.80 1-6 0. TUrnen .... 82 — Türkenlose......130.60 4°/q Uriech. Monopol.-AnL 44.90 41/, % äussere Argentiner —.— 3J/O Mexikaner . , . 26.20 4>/a/b Chinesen .... 93.15 Electric. bcLackert . . . 97.70 Nordd Lloyd . . . . 100 50 Kreditaktien.....212.40 Diskonto-Kumm an dit . . 189.50 Darmstädter Bank . . . 141.00 Dresdener Bank .... 148.20 Beniner Handelsges. . . 157.50 Oesterr. Staats bann . . . 147.40 Lombarden . . . . . 14.00 Gotthard bahn ..... 190.70 Lauraüütte......221.50 Bochum ....... 188.00 Harpener......184.70 lendens: schwächer. Dr. W. 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