tu. DM ‘"^ Wirt'"1 LL-ZK LiZr • Setfl? t und ^g4e,°^ %S KrL ZW tit Bta M ®QI e brHpe enblid, «n, bnä AnihM« |tc "»gehörten, f0U >“»9. btt V«i-b°-rh-nd. ö selbst nicht ans düng geklagt hat Mnpunzessin als I völlige rechte ■ 3m übrigen irrt das Blatt fort, dan eHe Regelung vurde, deren Gin» is entziehen. Die irrenden ftinbe zücht Gegenstand des ag aber, daß wegen in sogar noch im hen Polizeispionen r Fabel. m Donnerstag chen. Giron ver- >ch in Basel, als er sand. Er soll aber t und morgens in is Hotel begab unb lirie gefahren sein, sen worden. Trof in tatsächliches nicht inte Gerüchte wieder >er äußerlich Kron obere wieder sagen, nan fyabe tfn auch gefeljen. Lache- e eine neue Unter* in Tvslana hat iroUtt, in nächster besuchen. Dieser sowie der Anftalts- er Ankunft ist noch lllUI* Anzeige^ uicße»el cjPl°* ^r’011 Str N * *Ä 3* ,ä , SxS- . nid)1 « oliiti vkrhaftt- em». 31amm T-. Wilh'lm m Zch- hi-- «* ’ hatte und einen Hcu- ,(e Tausende betrogen vertreiben, tatest qqeber durch gesals-bie ch Kleiner mit eine [ ihm noch 5W“ .. .f.enb wütet hin L.Mittag d.° h-»i ° ®jc «t« )ttlLI'Lt Aöck-n n. ? %, d°„ "**5 im S°u (bet " h tA den ©»bicbt,bt Vwftes Blatt 153. Jahrgang Montag 16. Februar 1003 6 1 ) Mlllonenv.rluste der Landwirtschaft. Man schreibt uns: Unter dieser Ueberschrist erschien in Nr. 16 dieser Zeitung „ein Wort an die Bauern", in welchem auf die großen Verluste des deutschen Bauernstanoes hingewiesen wird, die derselbe dadurch erleidet, daß für mehr als drei Milliarden Waren eingeführt würden, die der deursche Bauer doch selbst produzieren könne. Die Ausführungen sind in einem Tone gehalten, der keinen Zweifel darüber läßt, daß es der Verfasser gut mit den deutschen Bauern meint und daß er ihnen einen Weg weisen möchte, der sie aus den Schwierigkeiten ihrer Lage herausführen könnte. Er ist auch der Ansicht, daß seine Anregungen den Erfolg haben müßten, in landwirtschaftlichen Vereinen besprochen zu werden. Industrie und Handel sind fixer als ihr es seid, fährt er fort. Sie studieren früh und spät das, was man Kon-, junftur nennt, sie halten sich nicht lange auf mit solchen Erwerbszweigen, die nichts einbringen, die heute gehen unb morgen nicht gehen, sie rechnen mit den neuen Bedürfnissen der neuen Zeit unb schaffen sich neue Absatzgebiete, wo die alten nicht mehr lohnen, sie wenden ein schweres Stück Geld auf, um mit der Zeit fortzuschreiten rc. Auch für euch liegt das Geld auf der Straße,ihr müßt das nur sehen, ihr werdet das sofort erkennen, wenn ihr einen Blick in die Einfuhrstatistik des Deutschen Reiches tut Ihr werdet sehen, was ihr in unserem Lande noch produzieren könnt, wir werden bei dieser Rechnung in die Milliarden geraten und ihr werdet euch fragen müssen, wie konnten wir nur so viel heimisches Geld in das Ausland gehen lassen, können wir das nicht selber verdienen? — Oh DuSchwärmer! Tie Vorwürfe, daß Industrie und Handel fixer sind als die Bauern, daß sie nicht früh und spät studieren, was man Konjunktur nennt, daß sie sich lange enthalten mit Er- werbszweiegn, die nichts einbringen, diese Vorwürfe sind unberechtigt. Man verlangt da etivas von den Bauern, was sie der Industrie nicht nachmachen können. Wohl kann der Maschinenbauer bald von der Fabrikation der einen Maschine übergehen zu der einer anderen, wenn ihm das günstig erscheint. Der Händler kann beute mit Getreide handeln und morgen mit Schuyw ar en (? D. Red.). Der Landwirt braucht ohne sein Verschulden längere Zeit, nicht selten viele Jahre, um von einer Produktion zu einer anderen überzugehen. Noch mchr, er ist an bestimmte Produktionszweige gebunden, er kann in den meisten Landschaften Deutschlands nicht vom Getreidebau lassen, obgleich die Konjunktur für denselben bereits etwa seit 25 Jahren höchst ungünstig ist, auch wenn er wollte. Der menschliche Magen ist ein höchst konservatives Organ, seit Jahc^ausen- den verlangt er in der Hauptsache Brot und Fleisch. Er macht keine Moden mit, Konjunkturen giebt es hier für den Landwirt nicht, die er auSnufrcn könnte. Es würde hier zu weit führen, alle Gründe anzugeben, die gegen diese Ansicht sprechen, sie sollten nachgerade allgemein bekannt sein. — Seit einem Jahre etwa wäre Geld durch ausgedehnte Schweinehaltung zu verdienen gewesen, die Konjunktur war ausgezeichnet. Hätte ein Landwirt, wie das in der Industrie verhältnismäßig leicht geht, feinen Betrieb nun schleunigst danach umgemodelt, so wäre er ein Narr gewesen, da alle Einsichtigen voraussahen, daß diese für die Landwirtschaft glückliche Konjunktur nur kurze Zeit andauerte. Und Schweine lassen sich doch nun einmal nicht rasch durch eine Maschine Herstellen. Die Konjunktur ist vorüber, ehe sie ausgenutzt werden konnte. Von den vielen Produkten, die wir au5 dem Auslande beziehen, nennt unser Berater in erster Linie Dett- federn, für die wir rund 51 Millionen au^geben, und Eier und Geflügel, auch Gänse, für die wir, immer in einem Zeiträume von vier Jahren, 488 Millionen ausgeben. Es handelt sich also um die Geflügelzucht, die wir nach Ansicht des Verfassers vernachlässigen. Diesem Vorwurf begegnen wir auch aus den Kreisen der Konsumenten nicht selten.^ Ist er berechtigt? Ich sage: nur im allergeringsten Maße. Gewiß, mir können unsere Federviehhaltung noch steigern, vielleicht würden dann für einige Millionen Produkte der Federvieh- während sich die neue Anleihe auf etwa 3,3 stellt. Sehr verwunderlich wirken mußte, daß ein ländlicher Abgeoro- neter dasselbe Lied an stimmte, wie das Direktorium des Bundes der Landwirte im preuß. Abgeordnetenhause: der jetzigen Regierung könne die Landwirtschaft kein Vertrauen entgegenbringen. Ihm wurde eine gründliche und entschiedene Abfuhr und der Reichsregierung indirekt ein Vertrauensvotum von einer Seite zuteil, von der man sonst kein solches zu erwarten pflegt, nämlich von der äußersten Linken. Dr. David, der sico neuerdings als ein kenntnis- und ideenreicher Agrarpolitiker entpuppt hat, trat für die sozialpolitische Richtung der Reichsregierung in so schneidiger als warmer Tonart ein. Der Reichstag scheint an Altersschwäche sterben zu sollen und hat auch bereits nicht mehr die Kraft, seine laufenden Geschäfte ordentlich zu erledigen. Sein altes Leiden, die Beschlußunfähigkeit, tritt mit erneuter Heftigkeit auf, und es brauchte nur irgend einer der Redner eine Abstimmung zu erzwingen, so würde die Wunde offen vor aller Augen liegen, die jetzt ourch die Diskretion dec Abgeordneten höflich verdeckt wird. Man hat über den Titel Staatssekretär des Innern glücklich eine ganze Woche verhandelt, unb nach der Rednerliste ist ein Ende noch gar nicht abzusehen. Nun hat aber Graf Dallestrem in einer Besprechung des Seniorenkonvents verkündet, daß die Neuwahlen für den 15. Juni zu erwarten seien, unb weiter wurde bekannt, daß die Reichstagssession am 3. April geschlossen werden solle. Der Präi ident appellierte also in seiner Not wegen der langsamen Erledigung der Geschäfte durch das hohe Haus an die Senioren, die denn auch zusagten, ihren Einfluß auf die Mitglieder ausüben zu wollen, unb diese zu bewegen, doch ja pünktlich zu erscheinen und sich in ihren Ausführungen kurz zu fassen. Glauben die Herren aber im Ernst daran, durch Zuspruch hier etwas zu erreichen? Gegen das alte Uebel der Beschlußunfähigkeit hilft eben nur e i n Kräutlein, und dieses heißt Diäten. Die Besprechungen zwischen den Führern der sogenannten Zollparteien im Reichstage zu dem Zwecke, ein beschlußfähiges Haus zusammenzubringen, blieben bisher ohne praktisches Ergebnis. Indessen herrscht in Anbetracht der Diätenlosigkeit bei den süddeutschen Mitgliedern wenig Neigung nach Berlin zurückzukehren, nachdem durch Erledigung des ^>lltaUfs ihre Interessen an den Reichstagsarbeiten erschöpft sind. Die Novellen zum Krankengesetz und zu den Kaufmannsgerichten werden unter den gegenwärtigen Umständen höchstens in erster Lesung beraten werden können, und zweifelhaft erscheint es, ob die dritte Lesung der Ki n d e r s ch u tz Vorlage unter Dach und Fach zu bringen ist. Die einzige Ausgabe, die der alte Reichstag noch bewältigen müßte, wäre die vom Reichskanzler angciündigte Aenderung des Wahlgesetzes. Es wäre auf jeden Fall nötig, die Etatsbera-q hingen möglichst zu beschränken, damit diese letzte Session nicht über Gebühr verlängert und das notwendigste Pensum bis zu Palmarum erledigt ist. Interessanteres als der preuß. Landtag selbst brachte die preuß. Budgetkommiision, in der der neue Eisenbahnminister Budde eine Programmrede hielt. Nach seinen Mitteilungen soll die Kanaloorlage nun wirklich kommen. Man sei damit eifrig an der Arbeit und nur eine notwendige Aenderung der Kanaltrace verzögere noch die Fertigstellung. Und anläßlich seiner Anwesenheit in der Handelskammer zu Hannover sprach es der Handelsminister Möller offen aus, daß er den Mittellandkanal als für Hannover von großer Wichtigkeit ansehe. Man wird es nachgerade niemand verdenken, wenn er in Sachen Kanalvorlage etwas skeptisch gestimmt ist. Wir muhen uns daher an das rein Tatsächliche hierbei halten und das ist zurzeit nur, daß die wasserwirtschaftliche Vorlage vor den preuß. Lanötagswahlen nicht mehr zu erwarten ist. Die parlamentarische Eintönigkeit der letzten Woche wurde etwas durch die agrarische Heerschau im Zirkus Busch zu Berlin unterbrochen, wenn auch die Verhandlungen besondere Uebcrraschunaen nicht brachten. In der Hauptsache wurde über den Zolltarifkampf, und die Handelsverträge geredet, wobei die Extremsten ihrer Unzufriedenheit über Die Annahme des Antrages Kardorff Ausdruck gaben und namentlich den Präsidenten des preuß. Abgeordnetenhauses v. Kröcher scharf aufs Korn nahmen, der als Verteidiger des Antrages fungierte. Im übrigen war der Don der Reden etwas weniger pointiert als in den vorjährigen Versammlungen. An den Zielen des Bundes ist aber nichts geändert. Die Anhänger des Zollkompromisses sind die Geschlagenen. Außerdem stellte Dr. Hahn ausdrücklich fest, daß für den Bund keine Veranlassung vorliege, wie von einer Seite angeregt, mit den Nationalliberalen und Freikonservatioen glimpflicher zu verfahren, und Freiherr v. Wangenheim erklärte, daß jenes Rundschreiben, wodurch sich Graf Roon und die Anhänger des Antrages Kardorff beleidigt fühlten, unter keinen Umständen .^urück- genommen werden würde. Außer dem Grafen Roon ist aber kürzlich auch Graf zu Dohna-Mallmitz aus dem Bunde ausgetreten, und es ist wahrscheinlich, daß andere diesen Beispielen folgen werden. Ob nun der Sinn der Bündler bei weiter fortschreitender Abbröckelung sich nicht wenden wird? Tas venezolanische Fr ie d e n s p r 0 to ko ll ist endlich unterzeichnet und die Blockade aufgehoben. Das britische Protokoll ist, wie aus Washington gemeldet wird, auf englisch abgeiaßt, das italienische auf italienisch und das deutsche auf deutsch uub englisch. Bowen unterzeichnete sie in Duplikaten für Venezuela, Speck von Sternburg für Deutschland, Herbert für England. Tie Nachricht wurde sofort an die Signatarmächte gekabelt, worauf diese Glückwünsche austauschten. Bowen fabelte die Nachricht an Castro. Das Protokoll stipuUert außer den bereits bekannten Punkten Rückgabe aller genommenen Kriegs- unb Handelsschiffe an Den. zue la. Proll-kolle haben alte ca. 9 Artikel. Alle bestimmen die Erneuerung der bestehenden Handels- und Freundschaftsverträge. Eine zweite sofort zu behandelnde Serie von Protokollen spezifiziert das Verfahren vor dem Haager Schiedsgerccht. Die oorzugsweisen Anteile an den Zollemnahmen werden bis zur Entscheidung des Haager Tribunals bei der Bank von England in Caracas deponiert. Wie die „Nat.-iZtg." von unterrichteter Seite erfährt, hat Venezuela sich zur Zahlung von 1 7uO 000 Bolivars verpflichtet, die an Deutschland teils bar, teils in monatlich fähigen Wechseln entrichtet werden, sodaß die erstklassigen Forderungen bis zum 1. Juli d. I. gedeckt sein werden. Inzwischen bereiten sich auf dem Balkan Dinge vor, die geeignet sind, die Aufmerksamkeit der europäischen Staaten, vornehmlich Oesterreich-Ungarns, Rußlands und auch Englands in hohem Grade zu fesseln. Zum Frühjahr, heißt es, werde die macedo nische Bewegung, oie eigentlich niemals gänzlich still geworden, sorglich vorbereitet, mit elementarer Kraft von neuem einsetzen und zu kriegerischen Verwicklungen zwischen Türkei unb Bulgarien führen, bei benen auch die Großmächte stark engagiert werden. So bedrohlich die Meldungen auch lauten, so tut man wohl doch gut, die Gefahr nicht zu überschätzen. Auf dem Balkan hat sich in den letzten Jahren im Anschluß an die maeedoni- scken Umtriebe schon oft dunkles Kricgsgewölk aufgetürmt, ohne daß es bisher zu folgenschweren Entladungen gekommen wäre. Und so wird es denn auch wohl in diesem Jahre noch, abgesehen von den üblichen Zusammenstößen zwischen der türkischen Grenzwache unb macedonischen Banden, nicht zu ernsten Unruhen kommen. Nr. 39 1r1d)rlat täglich außer Sonntag». Dem (Siebener Anzeige* werden tm Wechsel mit dem hesflscheo Landwirt die Siebener Kamillen» blätter viermal in der Woche beigelegL Rotationsdruck u. Verlag bei vrühl'schen Univerf.-Buch» u.Slem» druckerei
ettch Erben) Rebahton, Expedition unb Druckerei:
echutstrabe 7.
Ubrefle tüt Depefchent Anzeiger Gießen. > FernwrechantctiliibAr 51
Politische Wochenschau.
Gießen, 16. Febr.
Das Urteil im Eheirrungsprozeß des sächsischen Kronprinzenpaares ift gesvrochen. Der vom König gemäß dem Hausgesetz berufene Gerichtshof hat die Ebe „vom Bande" gelöst und der Beklagten die Schuld zudikttert. Ta der König auf das Bestätigungsrecht verzichtet hat, so ist das Urteil rechtskräftig. Damit ist dem Rechte Genüge getan, und vom juristischen Standpunkt aus ift der Spruch völlig korrekt. Hatte Prinzessin Luise viel-- leicht gehofft, durch ihren Rückzug in das Sanatorium Le Metairie und durch ihre Trennung von Giron Einfluß auf die Entscheidung des Dresdener Gerichtshofes zu gewinnen, hatte sie erwartet, daß das Mitleid mit der Mutter, die an das Krankenlager ihres Sohnes Christian eilen wollte, die Herzen der entscheidenden Persönlichkeiten milder stimmen würde, so ist sie in beiden Annahmen enttäuscht worden, und sie mußte einsehen, daß ihr verhängnisvoller Schritt nicht wieder gut zu machen ist. Die Brücke zwischen ihr und dem sächsischen Königshause ist abgebrochen, und keine Tränen der Reue öffnen ihr die für immer geschlossenen Pforten. Jetzt, nachdem durch das Gericht die Schuld formell chre Sühne gesunden hat, tritt im öffentlichen Empfinden wohl die m e n s ch l i ch e Beurteilung des Fehltritts der ehemaliaen Kronprinzessin in den Vordergrund und versagt nicht ihr Mitgefühl einer unglücklichen Frau, die losgelöst von allen äußerlichen glänzenden Verhältnissen einsam im Auslande weilt und ihr Schicksal doppelt schwer zu tragen hat, wo ihr bei der schweren Erkrankung ihres Kindes die höchste weibliche Aufgabe, Mutterpflicht zu üben, versagt werden mußte. Auch heute noch find tiefere Gründe, die die Prinzessin zu ihrem unfaßbaren Entschluß treiben konnten, nicht aufgedeckt.
Einer unserer Korrespondenten glaubt uns „aussiche - rer Quelle" zu melden, daß der Bruch der Prinzessin mit Giron kein end gütiger ist. Die Beiden, so schreibt man uns heute aus Genf, wechseln täglich Briefe. Seit dem Tage, an dem der Telegraph die Trennung an- tündigte, empfing die Prinzessin zahlreiche Briefe aus Sachsen, welche sie zu chrem Schritte beglücÜvünschten. Tie Prinzessin wird La Metairie in etwa acht Tagen verlassen. Jnzivischen wird andererseits gemeldet, daß die Mission der Großherzogin von Toscana in Wien im Interesse ihrer Tochter nicht geglückt fein soll . Kaiser Franz Josef lehnte eine Einwirkung bezüglich der Kinder ab und gestattete nur, unter bestimmten Bedingungen die Rückkehr nach Oesterreich zwecks der Entbindung. Wie es ferner heißt, wurde der Prinzessin eine jährli-^e Rente von 40 000 Franks zugebilligt. Laut „Gazette de Lausanne" soll sie von der Gemeindebehörde in Nyon eingeladen worden sein, Ausweis- papiere vorzulegen. Sie habe um solche in Dresden unb Salzburg nachgesucht, aber nicht erhalten. Ein Mitarbeiter des „Berl. Tagebl." hatte eine Unterredung mit einem hervorragenden Berliner Staatsrechtslehrer, nach dessen Anschauung der König von Sachsen nicht befugt ist, den Verkehr der Prinzessin Luise mit ihren Kindern zu untersagen, sondern nur die Modalitäten bestimmen kann, unter denen dieser Verkehr zu erfolgen hat. Auch bestehe juristisch keine Möglichkeit, der Prinzessin die Rückkehr nach Dresden zu verbieten. Ein Reisepaß müsse ihr jetzt nach der Scheidung ausgestelll werden. Anders liege die Sache mit dem Geburtsschein, den Traupapieren ufw, da diese Papiere in den Archiven zu Tresden und Wien liegen. Das Kind, welches die Prinzessinerwarte,könneihrzweifellosent- zogen w e r d e, da ein rechtskräftiges Urteil vorliege, welches die Kinder aus der kconprinzlichen Ehe dem Vater überantwortet. Daran aber, daß es sich um ein l e a i t i m e s Kind handelt, bestehe juristisch fein Zweifel. Welchen Namen die Prinzessin jetzt führen werde, sei Sache des östreichischen Erzhauses. Jedenfalls würde sie, nachdem sie geschieden ist, nicht mehr Prinzessin von Sachsen zu nennen fein. — Ter Zentrumsabg. Justizrat P 0 r s ch erklärte, daß eine kirchli che Scheidung des Kronprinzenpaares ausgeschlossen sei und baß es eine päpstliche Dispens unter feinen Umständen gebe.
In Darmstadt trat die zweite hessische Kammer zu einer längeren Tagung zusammen. In der Generaldebatte über den Etat erklärte Finanzminister Dr. Gnauth u. a., der Gewinn Hessens an dem Ertrage der hessisch-preußischen Eifenbahngemeinschaft sei um einige hunderttausend Mark geringer. Der Mehrbedarf des Reiches werde durch das Reich gedeckt werden; eine E r - Höhung der Malrikularbeiträge stehe für Hessen nicht in Aussicht. Die Vertretung Hessens im Bund es rat fei nicht ganz 0 hne Erfolg tätig gewesen, die Reichs r e g i e- rung zur Sparsamkeit zu veranlassen. Sparsamkeit im Lande solle aber die Hauptaufgabe fein. Eine weitere Steuererhöhung werde unter allen Umständen vermieden werden. Tas waren mehr erfreuliche denn unerfreuliche Mitteilungen, und sie bienten dazu, eine hier ober ba entstandene Aufregung, hervorgerufen durch überflüssige unb unnötige Alarmrufe Unberufener, grünblich 2U verscheuchen. Am 13. wurde sodann ein Antrag unseres Abg Dr. Gut fleisch angenommen, daß die Samstage unb Montage fortan von Sitzungen freigehalten werden. Auch soll wöchentlich eine Nachmittagssitzung stattfinden, zur Freude des £errn Schill, der Nichts Langweiligeres als einen Nachmittag in Darmstadt kennt! Mit lebhaftestem Beifall wurde die Mitteilung des Finanzministers ausgenommen von dem Abschluß einer neuen Hess. Staatsanleihe zu drei Prozent im diominalwert von 251/2 Millionen Mark zu 90,93V? Proz., das zu einem wesentlich niedrigeren Satze, als bei früheren ^^ihen. -ooi* drei Jahren wurde noch eine Anleihe zu 3,8 Proz. ausgenommen.
GletzenerAnzeigerW General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW 5
________________________________ Iftnenteil pan« Beck.
Haltung 1vcT7ger eingeführt zu werden brauchen. Mir )ind ja deshalb auch fortgesetzt bemüht, die Geflügelzucht besonders dem Werte, der Leistungsfähigkeit nach, zu heben. Der Zahl nach werden wir die Geflügelzucht nicht wesentlich fördern können, und dafür möchte ich bei der großen Bedeutung der Sache einige Gründe anführen. Der Verfasser des oben bezeichneten Artikels wendet sich an die Bauern, und mit Recht, denn die Bauern produzieren an landwirt- wirtschaftlichen Produkten am meisten, sie produzieren mehr Getreide und mehr Vieh als die verhältnismäßig geringe Zahl der Großgrundbesitzer. Aber wie wohnt der deutsche Bauer und besonders die große Zahl der Kleinbauern? Ihre Hofraiten schließen sich in den Dörfern enge aneinander, sie umschließen einen verhältnismäßig kleinen .Hofraum, in welchem der Düngerhaufen, die Brennholzvorrate und die Ackergeräte eben Platz finden. Auf diesen Hofraum ist das Federvieh, vielleicht mit Ausnahme der Gänse, angewiesen. Sitzt der Haushahn mit seinen 24 oder 30 Hennen aus dem Düngerhausen, so ist dieser nahezu bedeckt. Als Laufplatz dient der Rest der Hoffläche und dazu reicht sie in der Regel für die angeführte Hühnerzahl aus. Mehr Hühner in einer solchen Hofcaite zu halten, wäre unwirtschaftlich und für die Tiere selbst schädlich. Daraus ergiebt sich aber die Unmöglichkeit einer wesentlich verstärkten Hühnerhaltung bei uns. Daß wir in Deutschland 7 Monate im Jahre ungünstiges Wetter für das Geflügel haben, daß infolgedessen jahraus jahrein trotz sonstiger guter Pflege empfindliche Verluste unter den Hühnern herbeigeführt werden, sei nebenbei bemerkt.
Uebersehen die deutschen Landwirte das Geld, das auf der Straße liegt und das man durch intensiv betriebene Geflügelzucht so leicht aufheben könnte? Ich glaube nein. Nach meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen muß ich bestreiten, daß die Federviehhaltung bei unseren klimatischen Verhältnissen und bei unseren Preisen so rentabel ist, daß man bei uns etwa statt Getreide zu bauen, Federviehfarmen mit Erfolg einrichten könne. Die Landwirte würden sich den Vorwurf machen lassen müssen, daß sie nicht zu rechnen verstünden, wenn sie derartiges unternehmen würden. Unsere städtischen Hausfrauen sind ungehalten, wenn in den kalten Winiermonaten der Preis eines stoisch gelegten Hühnereies auf 10 Psg. steigt. Aber nur Landwirte, die nahe einer reicheren Stadt wohnen, erhalten diesen Preis eine kurze Zeit. Andere müssen sich mit dem Preise von 6 Pfg. auch in dieser Jahreszeit begnügen. Ich schreibe diese Worte in einer Fabrikstadt des Fichtelgebirges, sitze also mitten in einer Gebirgslandschaft, die ungünstigere klimatische Verhältnisse zeigt, als unser guter Vogelsberg. Die Hühner hier haben den zweifelhaften Vorzug, ihre Eier in Nester legen zm müssen, die 550 Meter über dem Meere stehen. Gestern hörte ich einer Bäuerin zu, die einer Hausfrau 18 frische Eier überbrachte. Sie hatte damit einen Weg von einer Stunde von ihrem Hofe bis in die Stadt zurückgelegt. Sie forderte und erhielt 6 Psg. für das Ei und entschuldigte wortreich, daß auch einige Heine Eier unter den sonst normalen seien. Aus mein Befragen erzählte mir die Frau, daß die Hühner im warmen Knhstall untergebracht und daß dieselben seit 14 Tagen, des kalten Wetters wegen, nicht vor den Stall gegangen seien. Nach meiner Ueberzeugung kosteten dieser Frau die Eier, die sie für 6 Psg. verkaufen mußte, selbst 9—10 Pfg., ohne daß ich annehme, daß sich die Frau selbst einen Lohn für chre Mühewaltung anrechnen darf. Schon im Jahre 1875 versicherten mir Fabrikanten in Westfalen — Leute, die fixer sind als die Bauern — daß ihnen jedes Hühnerei, welches in den von ihnen eingerichteten kleinen Hühnerhöfen gelegt werde, 10 Psg. koste, obwohl die Abfälle vom Tisch und aus der Kücbe nicht, in Ansatz gebracht waren. Die Buchführung über den Hühnerhof war peinlich gewissenhaft durchgesührt. Eine Bilanz, die über das Ergebnis eines größeren Hühnerhofes ausgestellt wird, wird in vielen Fällen zu einer Unterbilanz führen. Hier liegt für die Landwirte kein Geld auf der Straße.
Daß gewisse Nachbarländer uns ihren Heber,luß an Produkten aus der Geflügelzucht zu Preisen zuschicken können, die sehr niedrig sind, erklärt sich wohl aus dem Umstande, daß jene Lälider günstigere klimatische Verhältnisse haben, wie Deutschland, daß der Grund und Boden nicht so intensiv bewirtschaftet und auch dem Federvieh als Weideland und Tummelplatz zum teil überlassen wird, daß die Körnerfrüchte dort noch billiger sind ars bei uns und ferner viel weniger Menschen dort sind, die für Eier re. Geld ausgeben tonnen. Der Handel sorgt dafür, daß Federn, Eier, Mastgeflügel dahin übergeführt werden, wo diese am Entstehungsorte fast wertlosen Produkte, Geld kosten.
Der Verfasser des Mahnwortes an die Bauern zählt weiter auf, daß wir für 65 Millionen Borsten einführen, für 90 Millionen Butter, für 144 Mill. Därme, Blasen, Magen, für 232 Mill. Fleisch, für 645 Mill. Tierfelle, für 68 Mill, frisches Obst, für 89 Mlll. getrocknetes und eingekochtes Obst, für 353 Mill. Schmatz und schmalzartige Fette, für 300 Mill. Rinder, Pferde, Schweine, alles innerhalb vier Jahren. — Bei einer Anzahl von Einfuhrartikeln übersieht der Verfasser, daß sie lediglich eingesührt werden, um bei uns verarbeitet und zum großen Teil wieder ausgesührt zu werden. Dahin gehören z. B. auch die Tierfelle. Das Fleisch, welches in diesen Tiersellen gesteckt hat, würden wir in Deutschland unmöglich haben konsumieren können, soweit es überhaupt genießbar war. — Borsten wachsen aus unseren Schweinen glücklicherweise nicht mehr. Ihr Haar ist durch die Veredelung des Schweines weich geworden. Aber um so frühreifer und mastfähiger ist das deutsche Edelschwein heute auch. Auf die Borstenzucht verzichten wir zu Gunsten auslänvischer Züchter gern und mit Vorteil. — Dagegen sind löir unausgesetzt bemüht, durch Stallfütterung der Viehbestände die Erträge aus denselben zu steigern, unsere Tierrassen anzupassen. Wir bemühen uns nicht allein, die Zahl der Nutztiere zu erhöhen, sondern auch ihr Gewicht und ihre Leistungssähigkeit. Wer die statistischen Zahlen der letzteii Jahre vergleicht mit denen früherer.Jahrzehnte, wird einsehen, daß wir in dieser Be-
Atig fortschreiten. Daß uns andere dünner bevölkerte bänder mit ihren sruchbaren Böden, ihren extensiven Betrieben, mit ihrem dort fa.st wertlosen Uebersluß an landwirtschaftlichen Produkten überschütten, können wir auch durch eine aufs höchste gesteigerte Produktion niemals aufhalten, da wir bei hohen Arbeitslöhnen und sonstigen hohen Anforderungen des Versicherungswesens, der Gemeinden und des Staates teurer produzieren. Leider sind auch bei uns der gesteigerten Produktion Schranken gesetzt durch die Landflucht der Arbeiterbevölkerung.
JBon welchen ungeheuren Flächen stammen die Einfuhrartikel landwirtschaftlicher Produkte, die oben angegeben sind? Außer den europäischen Ländern, sind noch die übrigen Weltteile ohne Ausnahme daran beteiligt. Würde man diese Flächen ermitteln und mit den Knlturslächen Deutschlands vergleichen, dann erst würde man erkennen tönnen
wie sehr wir andere Länder schon heute in der Produktion landwirtschaftlicher Artikel übertreffen. Gewiß ist die Produktion noch zu steigern, nur müssen die deutschen Bauern in der Lage sein, durch gute Verwertung ihrer Produkte ihre Arbeiter stets angemessen zu bezahlen. Daß auch die Produktion an Getreide in Deutschland einer erheblichen Steigerung fähig ist, ergiebt die Ernte des letzten Jahres. Es sind in diesem Jahre in Deutschland an Brotgetreide 3 Mill. Tonnen mehr geerntet als in einem der Vorjahre, ohne daß die Anbaufläche eine Steigerung erfahren hätte. Diese Steigerung würde andauern, wenn der rechnende Landwirt erkennt, daß die vermehrte Anwendung von Kapital und Arbeit sich lohnt. Niemals aber wird die Zufuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus Ländern aufhören, in denen diese billig zu erzeugen und überflüssig und geringwertig sind. Der Handel wird sich dieser Erzeugnisse bemächtigen und sie dank der billigen Verkehrsmittel dort einsühren, wo sie mit Aussicht auf Gewinn abzusetzen sind. Gegen die Unterdrückung der eigenen Produktion durch diese oft unnötigen Zufuhren sollen die Zölle einigermaßen schützen. Auch in der Landwirtschaft sind eine sehr große Zahl von Unternehmern tätig, die einen offenen Blick für die wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Zeit haben. Sie würden gewiß ihren Betrieb diesen Verhältnissen an- passen, wenn das überhaupt in umfassender Weise möglich wäre. Schon oben i$ darauf hingewiesen, daß wir an die Produktion bestimmter Erzeugnis,e gebunden sind, auch dann, wenn wir klaren Blickes erkennen, daß diese Produktion nicht, oder nicht ausreichend lohnt. Es nützt uns nichts, daß man uns die fixen Unternehmer im Handel und in der Industrie als Muster vorführt: Dies fixe, intelligente Unternehmerlum würde sich recht fix der landwirtschaftlichen Produktion bemächtigen, wenn es nicht längst erkannt hätte, daß da wirklich nichts zu holen ist. Es würde ja gegen die Intelligenz, gegen die Fixigkeit der Unternehmer in Handel und Industrie sprechen, wenn es anders wäre.
Der Herr Verfasser des Mahnwortes an die Bauern hatte ganz recht, zu sagen, mit zwei Worten kann man's nichit ausdrücken, wie die deutschen Landwirte es anfassen müssen, aus ihrer schwierigen Lage herauszukommen. Es ist leider mit viel Worten auch nicht zu sagen. Die deutschen Landwirte, die nun einmal an ihren Beruf festgenagelt sind, müssen viel arbeiten und streben, in ihrem Berus immer tüchtiger zu werden. Das erkennen sie selbst an, und die Sachkundigen wissen auch, daß wir auf gutem Wege sind. Aber es geht naturgemäß lang)am, wie sich ja auch das im laub* wirischastlichen Betriebe angelegte Kapital nur sehr langsam umsetzt. Es kann nur wenig Geld verdient werden durch eiserne Sparsamkeit, ausdauernde Arbeit und verständige Wirtschaft. Im Geldverdienen wird die Landwirtschaft die Fixigkeit von Handel und Industrie leider niemals erreichen können.
Aolonialpost.
lieber s ein Z e v r a g e,i u t ^rakehnen am Kili- mandscharo in Deutsch-Ostafrika schreibt Herr Bron- sart v. Schellendorf in der „Kolonial. Zeitschr.": „Nach etwas über einem Jahr seit dem ersten Fang im vorigen Jahre (ich fing über 5i)0 Zebras, konnte aber leider nur 30 unterbringen und verpflegen; nach einigen Monaten fing ich 150, behielt davon 60) ist hier ein vollkommen eingerichtetes Gestüt fertig mit gefunden, luftigen Stallungen für etwa 50 Zebras, zwei solioeu großen Kraals mit schöner Umzäunung von je etwa 500 Meter Umkreis, mehrere Kraals, Gänge, Läuse, Boxen, Fangbox mit Falltüren und allen möglichen Einrichtungen, um die frisch gefangenen Zebras ganz allmählich „herumzukriegen". Wir betreiben außerdem Straußenzucht, welche in diesem Jahre einen ganz bedeutenden Aufschwung nimmt, und liefern wertvolle Tiere an Hagenbeck." 'Nach Mitteilung des Herrn Bronsart von Schellendorf machen auch die Engländer mit Tausenden von Eingeborenen große Anstrengungen, um den Herbenfang nachzumachen; bisher ohne Erfolg.
Kirche und Schule.
Würzburg, 13. oeor. u-in Landbürgermeister teilt unter Nennung seines Namens der ,/JL Bahr. Landes- ztg.", dem Organ des Bayrischen Bauernbundes, folgendes nut: Kürzlich begab ich mich in die Würzburger Auguginer- tirche, um zu beichten. Als ich zu Ende war, fragte m i ch der Pater, welche Ze nun g tu) lese. Als ich ihm erwiderte: „Ich lese verschiedene, die ich schon in meuter Stellung (als Bürgermeister) lesen muß", fragte mich der Priester, ob ich auch die Landeszeckung lese. Als ich ihm dies bejahte, meinie er, ich müsse ihm versprechen, das Blatt aufzugeben, sonst könne er mich nicht absolvier en. — Sehr vernünftig bemerkt der gutgläubige Mann dazu: Wenn ich als tachoUscher Christ meinen kirchlichen Obliegenheiten nachtomme, wul ich nicht zu ungehörigen Verbindlichteiten gedrängt werden, die wider den gesunden Menschenverstand, mei n staatsbürgerliches Recht und meine persönliche Freiheit gehen. Ich habe, so oft mir bisher über derartige Vorkommnisse im Beichtstuhl berichtet wurde, Zweifel an der richtigen Auffassung oer Beschwerdesührer gehegt, nun habe ich das Unglaubliche an mir selbst erfahren, und ich muß gestehen, daß es mich empört hat.
cgUis Htaöi uni) xuuü.
Gießen, den 16. Februar 1903.
LU. Die theologische Fakultät der Landesuniversität hat am heutigen Tage, als dem Geburtstage Philipp Melanchtons, den Geh. Hofrat Dr. Rudolf Gucken, ordentlichen Professor der Philosophie an der Universität Jena, zum Doktor der Theologie honoris causa promoviert. Eucken hat sich durch mehrere seiner Werke, insbesondere durch seine Darstellung der „Lebensanschauungen der großen Denker" (Leipzig 1890, in 4. Auflage 1902) und seine Ausführungen über den „Wahrheitsgehalt der Religion" (Leipzig 1901), erhebliche Verdienste um bic Forderung des Verständnisses für die Religion und insbesondere für das Christentum unter unseren Gebildeten erworben.
**_ Ernst von Wolzogen aus Berlin wird mit einem aus erstklassigen Kräften auf dem Gebiete des Gesanges, der Rezitation und Instrumentalmusik bestehenden Ensemble Hierselbst am Montag den 23. Februar in Steins Saal ein Konzert veranstalten. Der geniale Schöpfer des UeberbrettlS bat cm neues Konzert-Genre geschaffen, über dessen Eigenart unb künstlerischen Ziele bereits an dieser Stelle berichtet worben ist. Wir weisen heute nochmals barauf hin, daß infolge der wirtlich hervorragenden künstlerischen Leistungen
dieses neue Ensemble, welches schon in Berlin, Hamburg, Leipzig mit großem Erwlge die Feuerprobe bestanden hat, nur aus solchen Künstlern besteht, welche dem Prinziv Wolzogens, das gesprochene und gesiingene Wort durch deutliche Aussprache und ivohldurchdachte mimische Bewegung zur richtigen Geltung zu bringen, durchaus entsprechen. In Anbetracht des nun bevorstehenden großen Kunstgenusses dürfte die Teilnahme unseres Publikums am „Wolzogen- Konzert" eine äußerst rege sein, daher es ratsam ist, sich bei Zeiten mit Billets zu versorgen. Der Vorverkauf befindet sich in Händen der Finna Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger).
** Der landwirtschaftliche Bezirksverein Gießen und der landwirtschaftliche Lokalverein Gießen haben in ihren letzten Sitzungen beschlossen, für ihre Mitglieder Pflanzkartoffeln aus geeigneten Gegenden gemeinsam für das Frühjahr zu bestellen. Den Mitgliedern der Vereine werden besondere Begünstigmigen gewährt. Aus der in etwa acht Tagen erscheinenden Bekanntmachung wird das Nähere zu ersehen sein. Der Bedarf an gesunden Pflanzkartoffeln scheint im Kreise Gießen bedeutend zu sein. Man hort viele Klagen über das Faulen der Kartoffeln in den Kellern. Vielfach beschuldigen sich die Landwirte deswegen selbst, sie sagen, wir haben im vergangenen Herbst die Kartoffeln zu früh ausgemacht, zu früh in die Keller gebracht und so haben sich die Kartoffeln ungewöhnlich schlecht gehalten. Das mag richtig sein, obwohl es auch in manchen Jahren bei rechtzeitiger Ernte vorkommt, daß sich die Kartoffeln schlecht halten. Es giebt noch andere Mittel, die Haltbarkeit der Kartoffeln zu erhöhen. Vor allem sollte man die Kartoffeln niemals zu früh in den Keller bringen, sondern zunächst in luftige Schuppen, offene Hallen, Scheunentennen. Nachdem sie hier 8—14 Tage gelagert haben, sortiere man die Kartoffeln nochmals, dann kommen die Knollen ziemlich sauber, besonders frei von angefaulten, in die gut durchlüfteten und gesäuberten Kellerräume. Die Kellertüren und Kellerlöcher bleiben offen, bis es ernstlich friert. Bei Tau- roetter ist im Laufe des Winters stets zu lüften. Diese Maßnahmen kosten im Herbste Arbeit, Zeit, und im September und Oktober drängen die Arbeiten. Das Wetter wird oft häßlich und die Tage immer kürzer. Der Frost droht und die Angst, man werde nicht rechtzeitig fertig, treibt zur Eile und zur Uebereile! Dann halten sich die Kartoffeln schlecht und im Frühjahr fehlen die Pflanzkartoffeln. Es soll nun nicht behauptet werden, daß das die einzige Ursache ist.
** lieber die Höflichkeit im Verkehr zwischen Beamten und Publikuin haben wir bereits eine Verfügung der Postverwaltimg mitgeteilt. Im Anschluß daran ist auch ein ähnlicher Erlaß über das Entgegenkommen der Beamten beim Fernsprechdien st ergangen. Er lautet: „Der Dienst bei den Fernspcechvermittelungsstellen bringt die Beamten fortgesetzt in die Lage, mit Personen der verschiedensten Stände in unmittelbaren Sprechverkehr zu treten. Die Wahrnehmung des Dienstes erfordert ein besonderes Maß von Aufmerksamkeit und Gewandtheit auf Seiten der beteiligten Beamten; denn die Eigenart des meist in großer Eile sich abwickelnden Fernsprechverkehrs bringt es mit sich, daß die den Fernsprecher benutzenden Personen leicht in Erregung geraten und dann geneigt sind, geringe Unregelmäßigkeiten und unvermeidliche Vorkommnisse, wie zum Beispiel kurzes Warten auf die Herstellung einer Gesprächsverbindung, mangelhafte Verständigung, vorzeitige Trennung einer Verbindung und dergleichen hinsichtlich ihrer Bedeutung zu überschätzen. Aufgabe des Vermittelungsbeamten wird es jederzeit feig, durch bereitwillige, sachgemäße und erschöpfende Auskunftserteilung heftigen Auseinandersetzungen vorzubeugen. Wenn dennoch leicht erregbare Personen am Fernsprecher zu Aeußerungen des Unwillens sich hinreißen lassen, so soll der Beamte auf solche Aeußerungen nicht im gleichen Tone erwidern, sondern durch sachliche Ruhe und taktvolles Benehmen eine Steigerung der Erregung nach 2)lög* lichtest fernzuhalten bestrebt sein. Es wird Werl darauf gelegt, daß diese Grundsätze von allen Beamten zur Richtschnur für ihr Verhalten dem Publikuin gegenüber genommen werden."
*' 5 0. Fe Id berg fest. In diesem Jahre sindet das 50. Feldbergfest statt. In einem der Feldberghäuser soll zu dem Feste eine Erinnerungstafel angebracht werden, enthaltend die Flamen und Photographien der Mitglieder des Aus- schuffes, sowie der ersten und zweiten Sieger der letzten 25 Jahre. Von den ersten 25 Festen existiert bereits im alten Feldberghaus eine Tafel mit dem Namen des Ausschusses und der ersten Sieger.
Das Alter der deutschen glinvei/liätdpiofifl'oren.
Nachdem Laspeyres im Jahre 1876 eine Schrift über das Alter der deutschen Präses,oren veröffentlicht hat, untersucht der Leipziger Privatdvzent Tr. F. Eulenburg die gleiche Frage irn neuesten Hefte der „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik". Betrachtet man zunächst die Gefamtanzahl, so betrug ihr Durchschnittsalter an dem bezeichneten Termine des Vorjahres 53,4 Jahre. Im allgemeinen haben die größeren Universitäten ein höheres Durchschnittsalter als die kleineren. Die jüngeren Professoren beginnen eben meist an den kleineren Universitäten und kommen dann allmählich an größere; ist dies doch die einzige Beförderung, die ihnen offen steht. Was ferner das Alter in den einzelnen Fakultäten anbetrifft, so betrug der Durchschnitt am 1. Oktober 1901 in der theologischen Fakultät bet 201 Professoren 54,2 Jahre, in der juristischen bei 226 Professoren 51,6 Jahre, in der medizinischen bei 295 Professoren 54,8 Jahre, in der philosophischen bei 707 Professoren 53,1 Jahre. Tie Zunahme im Alter der Mediziner kann einnial darin liegen, daß unter ihnen gerade eine Reihe berühmter Dozenten sind, die trotz hohen Alters iioch aktiv sind. Sodann schiebt sich bei den Medizinern die Ernennung zum Ordinarius deshalb hinaus, weil wegen der vielen Extraordinarien und Privatdozenten die Konkurrenz in der medizinischen Fakultät sehr stark ist. Umgekehrt darf für uns das niedrige Durchschnittsalter in der Juristenfakultät aL Ursache bei verhältnismäßig geringe Nachwuchs unter den I u- riste n angesehen werden. Betrachtet man die Universitäten darauf fyin, welche von ihnen in den einzelnen Fakultäten ein über- und welche ein unter durchschnitt l ich es Alter aufweisen, so haben Berlin, Königsberg, München und Leipzig in allen Fakultäten ein überdurchschnittliches Alter: "jene drei größten deutschen Hochschulen
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