Erschein, täglich mit Ausnahme d«S Sonntag-, General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen begünstigung h hätten bei Abs< atte als wir. Irrig ist die Annahme, wir schluß dieses Abkommens mit Amerika auch lies Gute zu vor * oder Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'sche» UnioersitätSdruckeret (Pietsch Erden), Gießen, Dil ..Sietzener ZamllienblStter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der ^hesfische Laudwlrl" erscheint monatlich einmal. verantwortlich für den allgemeine» Idh P. Wtttko; für den Anzeigenteil: &. v«L den Verhältnissen nichts geändert, es ergab sich nur die Tatsache, daß Amerika eine andere Auffassung von derMcist^ iure auch dem andern Kontrahenten kommen sollten, mögen diese Konzessionen Smset Past™ mit Pl<* dvwtel'ttnjdM E6dI# Wu-Ttte» quellen, „„„ Hmtah Heiserkeit, }«• KhlelBUfi M^D8cbw&che und VifiUnnP^runp Zom fiorgeln, bhjl « , fmlärkung des Eiuser "«"^7. ta u 66* >>* 441 nach dem Abschluß des Vertrage- eingeräumt worden sein. Wenn man sagt, daß auch Freiherr von Marschall diesen Standpunkt in einer Aeußerung vertreten habe, so stammt eben diese Bemerkung aus jener Zeit, wo die deutsche Neichsregierung noch dieser Ansicht war, und wo noch kein Ereigniß eingetreten war, daS auf eine andere Auffassung bei der nordamerikanischen Regierung schließen ließ. Run kam der Dingleytarif, und auf Grund dieses Tarifs schlossen die Vereinigten Staaten mit Frankreich zwei Abkommen und auch eine Reihe von Abkommen mit anderen Staaten. Das erste dieser Abkommen mit Frankreich bezog sich auf Weinstein, Weine, Kunstweine und Spirituosen. Auf Grund unserer Auffassung von dem Wesen der Meistbegünstigung verlangten wir von den Vereinigten Staaten, daß sie die in dem Abkommen mit Frankreich auf Grund des Dingleytarifs, Sektion III, gewährten Konzessionen auch uns einräumten. Bei dieser Gelegenheit kam die abweichende Auffassung der Regierung der Vereinigten Staaten zu unserer Kenntniß. Sie besteht darin, daß Amerika der Ansicht ist, daß Konzessionen, welche auf Grund der allgemeinen Meistbegünstigung von Amerika eingeräumt würden, sich immer nur auf Konzession pro praeterito bezogen, daß aber Konzessionen, die neu eingeräumt würden, von dritten Staaten erst besonders erworben werden müßten. Angesichts dieser Sachlage verhandelten wir mit der amerikanischen Regierung, und wir glaubten im Interesse Deutschlands diesen Konfliktspunkt bis auf Weiteres dadurch beseitigen zu können, daß wir den Status quo gegenüber Amerika aufrecht erhielten, unter der Voraussetzung und Bedingung, daß uns Amerika diejenigen Konzessionen gewährte, die es Frankreich in dem ersten Abkommen auf Grund der Sektion III des Dinglcy-Tariss eingeräumt hatte. DaS that die amerikanische Regierung. Wir glaubten, daß es nicht nothwendig war, diese- Abkommen dem Reichstage vorzulegen, weil unsererseits der amerikanischen Regierung nichts Neues eingeräumt war, w,r aber gleichzeitig die Kon- zessionen erlangten, die Amerika einer anderen Nation eingeräumt hatte, weil also thalsächlich der Zustand hergestellt war, den wir auf Grund unserer Auffassung von der allgemeinen Meistbegünstigung glaubten beanspruchen zu können. ES wurde also an den bestehen- die Vergünstigung verlangen sollen, die Amerika der Argentinischen Republik in Betreff der Zuckereinfuhr eingeu räumt habe, und auch die Konzessionen, die einer Anzahl! englisch-ändtscher Kolonien gemacht seien. Das konnten wir nicht verlangen, denn diese Abkommen sind überhaupt nicht ratifiziert worden, also gar nicht in Geltung, (Hört! hört!) Endlich ist auch noch der Vorwurf gegen uns er^ hoben worden, wir hätten nicht die hygienische Bestimmung preisgeben sollen, daß getrocknetes Obst nicht ohne vorgängige Untersuchung nach Deutschland eingeführt werden darf. Wir konnten damit gar nichts preisgeben, weil unsere Gelehrten festgestellt haben, daß die Schilolaus auf getrocknetem Obst nicht mehr fortpflanzungsfähig ist. (Heiterkeit.) Abg. Dr. Sem ler (natl.): Beide Resolutionen entsprechen der augenblicklichen Situation in Deutschland. Die eine greift theoretisch in das Meistbegünstigungsdebiet ein, die andere, die Resolution Speck, ist vom praktischen Ge^ sichtspunkte diktiert. Ich persönlich halte das ganze Meist-- begünstigungssystem für bedenklich. Das System der Meistbegünstigung setzt absolute Loyalität bei beiden Kontrahenten voraus, aber daß es eine Prämie auf die Rücksichtslosigkeit ist, wie Frhr. v. Heyl meinte, geht doch zu weit. Was! der Kollege Speck an Stelle des Meistbegünstigungssyftems setzen will, ist mir nicht klar. Doch nicht etwa den Differentialtarif. Aber das will auch Herr Speck gar nicht, und weil er das nicht will, könnten wir für seine Resolution stimmen. Würde man an Stelle des Systems der Meistbegünstigung das der Differentialtarife setzen, so würde für die deutsche Exportindustrie die Sicherheit fehlen, langfristig nach dem betreffenden Lande abzusetzen, und sich auf die Bedürfnisse einzurichten. Will man langfristige Verträge, so wird die Frage, ob Meistbegünstigung oder Differentialtarife akut. Wir sind nicht in der Lage, für die Resolution Heyl zu stimmen. Unsere Nachbarländer warten nur darauf, daß wir an Stelle des MeistbegünstigunaK- systems das der Differentialtarife setzen. Das Eine müssen wir von Amerika verlangen, daß es uns wenigstens ebenso behanndelt wie jeden anderen europäischen Staat. Ern Entscheidungskampf aber mit Amerika ist durchaus nicht nötig und auch nicht vernünftig, beide Länder würden dadurch geschädigt. Es braucht kein Entscheidungskampf bis aufs Messer geführt zu werden, wie es Graf Kanitz wünscht. Abg. Dr. Pachnicke (freis. Vgg.): Die Situation ist erschwert worden durch die Mehrheit des Reichstags, die unter Berletzunng der Geschäftsordnung und unter Miß- achtunng feierlich abgegebener Erklärungen den Zolltarif durchgesetzt hat. Wir setzen den Kampf fort. Wir betrachten die Ereignisse des 13. und 14. Dez. nicht als einen verlorenen 1 Feldzug, sondern nur als eine verlorene Schlacht. Die von nationalliberäler Seite verbreitete Nachricht, daß * uns die Handelsverträge bereits in dieser Session vorgelegt wurden, hat sich als falsch erwiesen, die Unsicherheit in der Industrie ist sehr viel größer geworden, die handelspolitische Lage hat sich verschlechtert. Bei der Frage der Zustimmung zu Handelsverträgen darf man sich nickt von politischen Erwägungen leiten lassen. Ich bin weit entfernt, schon heute zu prophezeien, Weiche- Schicksal die Handelsverträge hier im Hause haben. Da- aber steht fest, daß bei einer Zolltarifermähigung die Rechte, bei dem Bestehenbleiben der Zölle des Tarifs die Linke ihre Zustimmung versage« wird. Die Rede des Grafen Kanitz bat ja schöne Aussichten für Handelsverträge eröffnet. Das sind die Weggenosien der Regierung. Wäre die Situation nickt so gefährlich, so würde ich sagen, ich gönne der Regierung diese Genossen. Darum also der Antrag Karoorff, den Laband als geschäftswidrig bezeichnet, darum die lex Groeber, die derselbe Laband als einen brutalen Mißbrauch der Macht der Mehrheit bezeichnet hatl Bei der Rede des Herr« von Heyl habe ich mir gesagt: Das Schicksal bewahre uns davor, daß solchen Händen die Leitung der auswärtigen Politik anvertraut wird. Die Kündigung der Meistbegünstigung würde für uns den Verlust von Absatzgebieten bedeuten. Unser Verhältniß zu Amerika hat verschiedene Wandlungen erfahren. Anfangs betrachtete Ameribr das Verhältniß als das eines unbedingten Meistbegünstigungsvertrages, und wir auch. Später trat die Auffassung in Amerika zu Tage, daß es sich um fein unbedingtes Meistbegünstigungsverhält- niß handelt, und dieser Auffassung hat sich auch Deutschland hn Jahre 1900 genähert. Diejenigen Leute, welche fordern, daß wir mit Amerika einen Tarifvertrag schließen, übersehen, daß das nach Sage der amerikanischen Verhältnisse überaus schwierig ist. Wir sollten aber Alles unterlassen, was unsere guten Beziehungen zu Amerika irgendwie stören könnte. Wenn man diese guten Beziehungen erschütterte, würde man die Interessen der deutschen Handelsflotte auf das Schlimmste gefährden. Es sind nur ganz enge Interessentenkreise, welche auf einen Bruch mit Amerika hinarbeiten, und um derentwillen soll man nicht die Allgemeinheit schädige«. Wir werden also beide Resoluttonen ablehnen. Abg. Beckh-Koburg (freis. Dolksp.j: Von den beiden Resolutionen enthält die eine eine etwas stärkere, die andere eine mittelstarke Dosis. Ter Ausdruck „volle Reziprozität" ist ein solcher, der gar feinen Gehalt hat. Tie Befürchtungen, die an die passive Handelsbilanz geknüpft werden, entspringen einer ganz veraltete« Anschauungsweise. Ter Zolltarif schädigt unser Wirthschastslebe« weit mehr, als die ganze Meistbegünstigung Amerikas. Herr Graf Kanitz hat so gesprochen, als ob Die Schädlichkeit deS Meistbegünstigungsverhältnisses absolut fest stehe. Aber wo sind denn die genügenden Erfahrungen gesammelt worden, daß irgend Jemand sagen könnte, irgend etwas stehe fest? Das sind lewer subjektive Schätzungen, aber keine objektiven Thatsachen. Die Resolutton Speck ist so gefaßt, daß man sich aßc» Mögliche und gar nidjt8 darunter vorstellen kann. Wir werden ihr daher unsere Zustimmung versagen. Die Weiterberathung wird hierauf auf Freitag 1 Uhr vertagt. Tie Interpellation Roesicke - Dessau (freif. Dgg.)', betreffend den Ausdruck „Malzg^rste" wird, wie der Präsident mittheilt. Sonnabend zur Verhandlung komme«. Schluß nach 6 Uhr. Deutscher Reichstag. 238. Sitzung tarn 15. Januar. 1 Uhr. DaS Haus ist mäßig besetzt. Am Bundesratstisch: Graf Pvsadowsky u. a. Tie Beratung der zum Zolltarif eingebrachten Resolutionen Frhr. von Heyl (nat., Kündigung der Meistbegünstigungsverträge mit Ländern, die uns nicht Reziprozität gewähren) und Speck (Zentr., Kündigung der Meistbegünstigungsverträge zu den Ländern, bei denen die Erfahrung gezeigt hat, daß sie Deutschland nachteilig sind) wird fortgesetzt. Abg. Bernstein (SoA.): Tie Resolutionen richten sich ln erster Linie gegen das Vertragsverhältnis mit den Vereinigten Staaten, in zweiter Linie gegen das mit Argentinien. Nun sind wir die Letzten, die die uns von diesen Ländern gestellten Bedingungen nicht für verbesserungs- bedürftig halten, denn wenn irgend eine Partei, so haben wir Sozialdemokraten «ein Interesse daran, daß wir möglichst günstige- Ausfuhrbedingungen erhalten. Wollten die Resolutionen nur dies Ziel erreichen, so hätten wir nichts dagegen, aber die Resolutionen gehen weiter, sie beschwören die Gefahr eines Zollkrieges herauf. Tie beiden Antragsteller nehmen die Sache sehr leichtherzig. Wer hat denn die Folgen eines Zollkrieges zu tragen? In erster Linie doch die Arbeiterschaft. Als ich die Resolution Speck zuerst las, war ich erstaunt, gerade den Namen Speck darunter zu finden; sie ist so unbestimmt und deutungsfähig wie nur möglich, man kann alles und nichts aus ihr herauslesen. Was soll das heißen „den deutschen Interessen nachteilig?" Welches Kriterium haben Sie dafür, was den deutschen Interessen nachteilig ist? Unsere passive Handelsbilanz mit Cchile beträgt 67 Millionen Mark; das lassen sich die Agrarier ruhig gefallen, weil sie den Chilesalpeter gebrauchen. Aber dre Produkte, die aus Argentinien und Amerika bei uns eingeführt werden, sind für die Massen durchaus notwendige Produkte. Ich nenne nur Schafwolle und Petroleum. Auch hier darf man sich also dur'ch bas Wort Massive Handelsbilanz" nicht abschrecken lassen. Ich hoffe, daß die hier gefallenen Aeußerungcn an unseren Beziehungen zu Amerika und Argentinien nichts ändern werden. Wir bekämpfen die Resolutionen nicht nur im Interesse des internationalen Verkehrs, sondern auch ganz besonders im Interesse der Arbeiterschaft. Tie hier aus- gestoßenen Drohungen bedauere ich; die Vankees werden sich dadurch nicht einschüchtern lassen, denn sie wissen genau, daß wir auf sie angewiesen sind und daß wir die Folaen eines Zollkrieges zu tragen haben. Eine Erhöhung des Petroleumzolls würde uns auch nichts nützen, denn Amerika liefert die weitaus größte Masse von Petroleum; eine solche Zollerhöhung würde nur eine Verteuerung des Motorbetriebes herbeiführen, I also die Industrie schwer schädigen. Als Herz- und Leucht- arrtlel für die große Masse ist das Petroleum unentbehrlich; Vertonern Sie dem kleinen Mann sein Licht, sei es auch nur um ein paar Pfennige, so fügen Sie ihm schweren Schaden zu. Eine solche Politik werden wir nicht unterstützen. Auch auf die Weizeneins.ckr aus den Vereinigten Staaten sind wir angewiesen; einen Ersatz dafür haben wir nicht. Wir haben alle Ursache, es zu verhüten, daß in den Vereinigten Staaten die Meinung aufkommt, die deutsche Wirtschaftspolitik und ihre Leiter feien ihnen feindlich, und daß fick dort eine wirthschaftliche Union bildet, die ihre Spitze gegen Deutschland kehrt. Aus die Hamburger Handelskammer kann sich Herr von Heyl nicht berufen. In ihrem jüngsten Bericht findet sich die ausdrückliche Forderung, die Regierung möge dem Verlangen nach Kündigung der Meistbegiinstigungsverttäge unter keinen Umständen Nachkommen. Ihre (rechts) Zollpolitik wird von keinem einzigen namhaften Volkswirthe gebilligt; kein Mann der Wissenschaft steht auf Jyrer Seite. Herr von Heyl ist gestern auf die sozialistischen Monatshefte zu sprechen gekommen. Ich muß entschieden gegen feine Behauptung protestiren, daß dieser Zeitschrift auf dem Münchener Parteitage die Zugehörigkeit zur Partei abgesprochen sei, wegen verschiedener Arttkel, die sich nicht im Rahmen des Parteiprogramms bewegen. Wir haben in unserer Partei keinen Index, wie er in der katholischen Kirche besteht. Die gestern von Herrn von Heyl erwähnte Calwersche Broschüre steht vollkommen auf dem Boden der sozialdemokratischen Partei. Wenn Herr Calwer die Kündigung des Meistbegünstigungsvertrages mit Amerika für erwägenswerth hält, so ist dabei für ihn maßgebend die Hoffnung auf eine Ausgestaltung der europäischen Vertragspolitik in der Richtung des Freihandels. Calwer ist jedenfalls ein ebenso entschiedener Gegner Ihrer Zollpolitik, wie jeder von uns. Mit dieser Politik unterstützen Sie nur die Schutzzollpolitik in den Vereinigten Staaten. Ihre Politik basirt nur auf dem Grundsätze: Heiliger FlorianI Beschütz mein Haus, zünd' andre anl Es ist die Politik der ewigen Schraube, denn eine Erhöhung des Zolles zieht die andere nach sich. Es ist genau so wie mit den Militär- und Marineforderungen. Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Beziehungen der Völker durch den steigenden Handelsverkehr immer intimer werden; Ihre Politik entspricht dieser Sachlage nicht; und wir, die wir gegen jede Politik sind, welche die Völker verhetzt, lehnen daher diese Resolution ab. Wir halten den Zolltarif nicht nur für eine Wirth - schriftlich-, sondern auch für eine allgemein politisch-reaktionäre Maßregel. Er bedeutet zugleich die Gefahr eines Staatsstreichs. Mit Ihrer Resolution beschlvören Sie die Gefahr eines Zollkrieges herauf und bedrohen damit zugleich die Ernährung der großen Masse des arbeitenden Volkes. Abg. Graf Kanitz (kons.): Unsere Landwirthschaft befindet sick noch immer in schwerer Nothlage. Die Produktionskosten beim Körnerbau werden durch die Getreidepreise noch nicht gedeckt. Von der Regierung selbst ist die mißliche Lage der Landwirthschaft wiederholt ausdrücklich anerkannt worden; es ist zugegeben worden, daß man, so weit wie nur möglich, zu helfen suchen müsse. Angesichts dieser Thatsache ist es nicht zu verstehen, warum die verbündeten Negierungen die Handelsverttäge noch immer nicht gekündigt haben. Ich glaube, daß wir viel günstigere Handelsverträge bekommen werden, wenn die fremben Staaten vor die nackte Alternative gestellt werden würden: entweder neue Certräge oder autonomer Tarif! Durch eine Kündigung der Handelsverträge würde auch die Negierung das Vertrauen der ländlichen Bevölke« rung zurückerobern. Die Rede des Abg. Bernstein war beherrscht von' Der Furcht vor einem Zollkrieg mit Amerika. Diese ist aber vollständig Recht, wenn sie sagt: Amerika habe ein viel größeres Interesse an guten Handelsbeziehungen mit Deutschland, als umgekehrt Deutschland. Reden, wie die des Abg. Bernstein, sind nur geeignet, die Position unserer Industrie zu verschlechtern. Tie Förderung, alle Meistbegünstigungsverträge aufzuhebcn, ist kein unbilliges Verlangen. Frankreich hat durch die Kündigung seiner Verträge durchaus keinen Nachteil gehabt. Tenn es ist der Regierung dort gelungen, noch vvr Ablauf der alten Verträge fast mit allen Staaten neue abzufchließen. Viel ungünstiger liegt der Fall, wenn man in neue Verhandlungen eintritt, ehe noch die alten Verträge gekündigt sind. Das macht den Gegenkontrahcnten sicher. Ueberhaupt ist eine Revision der Verträge bei der fortwährenden Verschiebung der wirtschaftlichen Verhältnisse von Zeit zu Zeit notwendig. Solch eine Revision wird erschwert, wenn Meistbegünstigungsverträge bestehen, weil den meistbegünstigten Ländern dann ohne weiteres allerhand Vorteile in den Schoß geworfen werden, ohne daß man eine Kompensation erhält. Hier muß vor allem auf strenge Reziprozität gehalten werden. Unser Verhältnis zu Amerika ist in der Tat keine Meistbegünstigung. Es hat mich sehr interessiert, zu erfahren, daß auch Staatssekretär Graf Posadowsky dieser Meinung ist. Da nach seinen Ausführungen die Meistbegünstigung der Vereinigten Staaten durch den Konventionaltarif fortgefallen ist, so hätte der Konventionaltarif vor seinem Inkrafttreten erst dem Reichstage zur Genehmigung vorgelegt werden müssen. Ich bedauere, daß das nicht geschehen ist. Erst recht hätte das beim Vertrage von Sara- toga der Fall sein müssen, bei diesem so ominösen Ab- kommen, in dem wir so sehr unterlegen sind. Unsere passive Handelsbilanz gegenüber der Union bedeutet auf die Dauer eine schwere wirtschaftliche Gefahr für uns. Der letzte Bericht der Hamburger Handelskammer äußert auch große Besorgnisse, besonders bei den zunehmenden Uebergriffen des amerikanischen Trustwesens auf europäischem Boden. Man denke an den Schiffahrtstrust. Nur die Hamburg- Amerika-Linie hat sich vor demselben einigermaßen unabhängig erhalten können. Heb er aff verlangt man Maßregeln gegen diese amerikanische Oberherrschaft. Ter Gedanke einer mitteleuropäischen Zollunion zur Abwehr gegen Amerika ist im östreichischen Parlament durch den Grafen Goluchowski in Erwägung gezogen worden. Es muß etwas geschehen. Das Beste für uns wäre ein Vertrag mit ?lme- rika auf der Basis vollster Reziprozität. Daher bitte ich Sie, wenn Sie schon unsere Resolution nicht annehmen wollen, wenigstens der Resolution Speck Ihre Zustimmung nicht zu versagen. (Beifall rechts.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Menn der geehrte Herr Vorredner gemeint hat, die beste Grundlage unserer handelspolitischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika würde ein Tarifvertrag sein, so sind die verbündeten Regierungen darin mit ihm vollkommen einig, und es wäre sehr zu wünschen, * ein solcher Vertrag zu Stande käme, der den beiderseitigen wirth- schaftlichen und politischen Interessen durchaus gerecht würde. Wenn ich gestern gesagt habe, daß hier vielleicht manche Aeußerungen fallen die besser im verschwiegenen Busen zurückgehalten würden, so bezog sich dies selbstverständlich nicht auf die Slonftatirung von Thatsachen, auf statistische Nachweise, die Jedermann zu Gebote stehen, sondern auf Urtheile und Vorschläge, die in dem gegenwärtigen Augenblick nicht geeignet sind, die Anknüpfung von Handelsbeziehungen in sachgemäßer und zweckentsprechender Weise zu fördern. Ich muh auf meine Ausführungen betr. unser handcls- politisches Verhältniß zu Amerika und das mit den Vereinigten Staaten abgeschlossene Handelsabkommen noch mit einigen Worten zurückkommen, da ich mich überzeugt habe, daß meine gestrigen Ausführungen für den Vorredner nicht erschöpfend genug gewesen sind, oder daß dem Vorredner der Wortlaut noch nicht Vorgelegen hat. Unser handelspolitisches Verhältniß zu Amerika beruht auf dem Vertrage, der im Jahre 1828 zwischen den Vereinigten Staaten und der preußischen Regierung abgeschlossen wurde. Wir waren der Ansicht, daß durch die §§ 6 und 9 dieses Vertrages, der als rcchtsgiltig für das deutsche Reich anerkannt wurde, ein unbeding- : tes Meistbegünstigungsvcrhältinß konstruirt wurde, d. h. ein Ver- bältniß, daS zum Inhalt hat, daß alle Konzessionen, die einer der beiden Vertragsstaaten einem dritten Staate gewährt, ipso Freitag, 16, Januar 1903, Gießener Anzeiger mit Plombe. Cm mT einer H™* Schachtel mt rylNt verschlossen ul °°° tosö P«* mit Mbs Emser Qr**8 r ,» Vor* "X,.!. Hi«* oQß ^üler- Kapes ■ «WS 8* fand Sonntagabend statt. Ich versuchte zunächst die Par-: teien unter Hinweis auf den Ernst der Sache zu versöhnen. Reiß wies aber in brüsker Weise jede Versöhnung zurück. Ta das Ehrengericht der Ansicht war, daß Ruff, der am Abend des 28. September nicht betrunken war, das, was er getan, genau überlegt hat, daß er den Schlag von seitwärts hinten geführt und daß der Schlag ein heftiger war, so konnte das Ehrengericht die Sühne nur in dem Tuell, wie es bestimmt wurde, finden. Tie erste Abstimmung des Ehrengerichts war resultatlos, in der zweiten Abstimmung sprach fixf); (dasselbe für zweimaligen Kugelwechsel aus. Es wurde aber übersehen, die Beteiligten ehrenwörtlich zu verpflichten, . daß sie sich an den Spruch des Ehrens gerichts gebunden zu erachten haben. Als Zeuge gab u. a. der Vater des Erschossenen, Baumeister Reiß, an: Mein Sohn hat hier das Gymnasium besucht und war seit einem Jahr auf der Universität Freiburg. Im Spätjahr weilte er hier zu Besuch. Am 29. September erzählte er mir, daß er im Eafs Bauer von einem Franken von hinten einen Schlag ins Gesicht bekommen habe und daß die Sache vor den Senat gebracht werden solle. Als ich später mich nach der Angelegenheit noch einmal erkundigte, sagte mir mein Sohn, die Sache wird schon geregelt werden. Am Montag vor dem Tuell war mein Sohn sehr aufgeregt. Er ging mittags fort und kehrte nicht mehr nach Hause zurück. Als ich am 7. Oktober mittags heimkam, erfuhr ich, daß mein Sohn schwer verwundet im Spital liege. Ich begab mich sofort in das Krankenhaus; dort sah ich meinen Sohn Karl wieder. Tie Operation war schon vorbei. Sprechen durfte ich meinen Sohn wegen seiner großen Schwäche nicht, ich konnte ihm nur die Hand drücken, um ihn zu beruhigen. Als ich abends 9 Uhr zum zweiten Male ins Sprtal ging, war mein Sohn schon gestorben. Tie Geschworenen verneinten bei Rufs die Schuldfrage wegen Körperverletzung, bei den Angeklagten Bender, Vorbei, Hügel, von Langsdorfs, Rheinbolot und Zentgraf die Schuldsragen wegen Beihilfe zum Zweikampf; sie bejahten bei Ruff die Schuldfragen wegen Zweikampfs mit tödlichem Ausgang, bei Hügel die Schuldftage wegen Kartelltragens aber die Hilfsfrage nach der ernstlichen Bemühung, das Tuell zu verhindern. 2 ar auf erhielt Ruff 3 Jahre 6 Monate Festungshaft, abzüglich 2 Monate Untersuchungshaft. Tie übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Aus Stadt und Land. •* Das Großh. Regierungsblatt Nr. 2, ausgegeben am 13. Januar d. I., enthält: 1. Verordnung, das Inkrafttreten der Gesetze, die Landeskred itlasse betreffend, vom 6. August 1902 und die Wohnungsfürsorge für Minderbemittelte betreffend vom 7. August 1903. (Die Gesetze, die Landeskreditkaffe betreffend, vom 6. August 1902 und die Wohnunsfürsorge für Minderbemittelte betreffend, vom 7. August 1902 treten mit dem 15. Januar 1902 in Kraft.) 2. Bekanntmachung, den Vorbereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsschreiber und Gerichtsvollzieher betreffend. (Es ist als zweckmäßig befunden worden, dem § 11 Abs. 1 der Bekanntmachung, den Vorbereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsschreiber und Gerichtsvollzieher betreffend, vom 9. Januar 1903 folgende Fassung zu geben: Die Prüfung wird alljährlich im Monat Dezember von der hierzu bestellten Prüfungsko m mi sion in Darmstadt abgehalten.) # t. Schlitz, 15. Jan. Der Schaffner Eisenbach' welcher sich dem Trünke ergeben hatte, fiel gestern abend auf dem Bahnhofe Salzschlirf rücklings zu Boden und verletzte sich am Hinterkopfe schwer. Nach Ankunft des Zuges in Schlitz wurde er auf dem Bahnhof Schlitz von Dr. Trier verbunden. Heute morgen zwischen 9 und 10 Uhr hat er durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht. Ob durch den Fall eine Gehirnstörung eingetreten ist, die ihn zu der unseligen That veranlaßte, wird die, wie man hört, beabsichtigte Sektion ergeben. Frankfurt a. M., 15. Jan. Die Verhandlungen, welche der Zirkusbesitzer Schumann mit dem Fiskus wegen Ueberlaffung des Zirkusgeländes am hiesigen Haupt- bahnhof führte, sind zum Abschluß gekommen. Mit einer Anzahlung von einer Million Mark soll das Terrain zur Erbauung eines stehenden Zirkus an den genannten Herrn übergegangen sein, sodaß nut der Errichtung des Gebäudes alsbald begonnen werden kann. Der Zirkus soll sich auf dem Platze erheben, auf dem der provisorische Bau seine Stelle hatte. Ucuolle Weiuuluzeu. Originaldrahtmeldungett des Gießener Anzeigers. London, 16 Jan. Das Gouvernementsgebäude in Aldershot, in dem sich das Generalkommando des 18. Armeekorps befindet, ist abgebrannt. Madrid, 16. Jan. Der „Jmparciale" meldet aus Eeuta: Die in Tetuan wohnenden Spanier verlangten die Entsendung eines Schiffes, auf dem sie die Stadt verlassen könnten, da sie die Folgen der Unruhen fürchten. Dem Ersuchen wird seitens der Regierung entsprochen werden. - Sie bzehn in einem Tunnel bei Ferrol beschäftigte Arbeiter wurden durch einen Erdrutsch verschüttet. Hust ist abgegangen. New-York, 16. Jan. Der von Southampton kommende Dampfer „Saint Louis" der Amerika-Linie ist seit vier Wochen überfällig. Alle Dampfer berichten von einer stürmischen Ueberfahrt. Handlungen zu tragen. Ob das Verrufsverhältnis, das zlvischen dem Cösener S. C. und dem Karlsruher S. C. resteht, bei mir oder Reiß eine Rolle spielte, v etnag ich nicht zu sagen. Da Reiß mich aber nicht als Korps- tudenten respektierte, respektierte ich ihn auch nicht als olchen. Nach seiner beleidigenden Aeußerung mußte ich etwas unternehmen, um mir Satisfaktion zu verschaffen. Ich war durch die Beleidigung erregt und habe ohne weiteres geschlagen. Einige Tage nach dem Vorfall int Cafö Bauer hatte ich mit einem Bekannten des Reiß, Herrn Freulin, eine Zusammenkunft, in der mir der Genannte erklärte, daß Reiß im Hinblick auf das Verrufsverhältnis, auf eine Satisfaktion verzichte. Ich habe dies meinen Bekannten mitgeteilt, uno reifte dann nach Hause, nach Landau, nachdem ich zuvor Borbert mit meiner Vertretung beauftragt hatte. Wenige Tage daraus überbrachte Hügel im Auftrage des Reiß an Borbert eine Pistolenforderung die auf dreimaligen Kugelwechsel lautete. Vor Beginn :er Verhandlungen des Ehrengerichts wurde von dem Vor- itzenden ein Sühneversuch aber vergeblich gemacht. Auch vor dem Zweikampfe auf dem Duellplatze ist von den Sekundanten Rheinboldt und Hügel ein Verföhnungsversuch gemacht worden. Reiß lehnte auch hier ab, sich in Verhandlungen einzulassen. Zwischen Zählen von 1 bis 3 durfte geschossen werden. Reiß schoß zuerst, ohne daß ich es merkte. Ich habe meine Pistole tief gehalten, da ich Reiß nicht lebensgefährlich verletzen wollte; ich hatte die Absicht, ihn in die Beine zu treffen. Am Abend vor dem Duell habe ich verschiedene Briefe geschrieben, die ab- gesandt werden sollten für den Fall, daß das Duell für mich einen unglücklichen Ausgang nehmen sollte. Ich ging später in das Colosseum, um auf andere Gedanken zu kommen und mich etwas zu zerstreuen. Es ist hier üblich, daß man am Abend vor einem ^uell das Colosseum besucht. Angekl. Hügel betonte in seinen Erklärungen, daß er von den Vorgängen im (Safe Bauer durch Reiß unterrichtet worden ist, den ich von Freiburg aus kenne, da ich ebenfalls dem Korps „Suevia" angehörte. Reiß bestritt mir gegenüber von „dummen" Karlsruher Korpsstudenten gesprochen zu haben. Nach 'längeren Beratungen und nach Verhandlungen, die ich in Freiburg mit dem Ferienvertreter des Korps „Suevia" hatte, entschloß Reiß sich, aus seinem Korps auszutreten, um Satisfaktion nehmen zu können. Von dem Korps „Suevia" wurde der Austritt des Reiß genehmigt. Man war dabei der Ansicht, daß es sich ermöglichen lasse, mit neutralen Massen ein Säbelduell herbeizuführen. Man nahm an, daß das hiesige Korps „Franconia" so weit entgegenkommen werde, daß es mit einem Säbelduell einverstanden sei, und auch dazu feine Zustimmung gebe, daß bei einer hiesigen Burschenschaft oder einer schwarzen Verbindung Waffen belegt werden können. Reiß war mit dem Vorschläge einverstanden, beauftragte mich aber für den Fall, daß von der „Franconia" das Säbelduell nicht acceptiert werde, auf Pistolen zu fordern. Ich trat im „Frankeneck"' zuerst mit Borbert und Rheinboldt in Unterhandlungen. Diese lehnten die Säbelforderung ab und erklärten, daß ein Duell bei neutralen Waffen nicht zu stände kommen könne, da die hiesigen Korps die Burschenschaften nicht anerkennen. Darauf stellte ich, wie ich von Reiß beauftragt war, die Pistolenforderung mit dreimaligem Kugelwech,el. Borbert nahm die Forderung im Namen des Ruff an. Ich hatte dann für die Vertretung im Ehrengericht zu sorgen. Trc Sache hatte ziemliche Schwierigkeiten, da verschiedene Herren ablehnten. Das Ehrengericht fällte seinen Spruch dahin, daß ein Pistolenduell bei 16 Meter Abstand und dreimaligem Kugelwechsel stattsinden soll. Rheinboldt und ich bereiteten das Nötige für das Duell vor, das am Morgen des 7. Oktober stattfand, nachdem ein auf dem Tuell- platz vorgenommener Versöhnungsversuch an dem ablehnenden Verhalten der Duellgegner gescheitert war. Angekl. Rheinholdt: . . "ar der Ansicht, daß Ruff die Forderung nicht mehr hätte annehmen sollen, da bereits dreimal 24 Stunden verflossen waren, ohne daß auf die Beleidigung reagiert wurde. Daß Ruff die Forderung doch annahm, habe ich für eine unnötige Noblesse gehalten. Ich war an der Sache als Mitglied des Ehrengerichts und als Sekundant beteiligt. Reiß erklärte auf alle Versöhnungs-Versuche, daß für ihn eine Versöhnung vollständig ausgeschlossen sei. Tie Dinge auf dem Duellplatz wickelten sich ziemlich rasch ab, da die Gegenpartei dreiviertel Stunden zu spät kam. Angekl. Bender: Am 5. Oktober wurde ich von einem Bekannren gebeten, uen Vorsitz eines Ehrengerichts zu über- , nehmen. Bis dahin war mir von den Vorgängen, um die , es sich dabei handelte, nichts, bekannt. Tas Ehrengericht Die Duellaffaire Fiuff-Ueiß vor dem Schwurgericht Karlsruhe, 15. Januar. Mir haben bereits gestern das Urteil in der Duell- affäre Russ-Reiß mitgeteilt und geben heute folgenden ausführlichen Bericht wieder: Die Angeklagten waren der 24 Jahre alte Student ter Chemie Fritz Ruff aus Blieskastel, zuletzt in Bern wohnhaft und seit 7. Oktober hier in Untersuchungshaft, der 35 Jahre alte Rechtsanwalt Karl Bender in Karlsruhe, der 22 Jahre alte Student Heinrich Borbert hier, der 23 Jahre alte Student der Rechtswissenschaft Josef Hügel aus Neckarelz, der 40 Jahre alte Dr. Georg von Langsdorf aus Freiburg, praktischer Arzt in Baden, her 25 Jahre alte Student Walter Reinyoldt hier, und der 23 Jahre alte Ingenieur Hugo Zentgraf hier. Nach der Anklage wurde Ruff beschuldigt, daß er: 1) in der Nacht vom 28. auf 29. September v. I. in Karlsruhe im (Safe Bauer den Studenten Karl Reiß aus Karlsruhe mittels eines hinterlistigen Ueberfalles körperlich mißhandelt, indem er nach zweimaliger erfolgter Aufforderung an denselben, mit ihm hinauszugehen, von hinten dem an einem Tisch sitzenden Reiß plötzlich und unerwartet aus voller Wucht einen derartigen Schlag ins Gesicht versetzte, daß der Getroffene sofort heftig aus der Diafe blutete, ihm Nase und Lippen anschwollen und eine Ader im Auge platzte; 2) am Dienstag, den 7. Oktober, bei den Schießständen auf Gemarkung Ettlingen feinen Gegner, eben diesen Studenten Reiß, im Zweikampf tötete. Den übrigen Angeklagten wurde zur Last gelegt und zwar Hügel, daß er am 3. Oktober von dem Studenten Reiß den Auftrag zu einer Herausforderung auf Pistolen übernahm und an Borbert, als den Vertreter des Ruff, überbrachte: Hügel, Bender, Borbert, von Langsdorf, Rheinboldt und Zentgraf, daß sie dem zwischen Rufs und Reiß stattgehabten Zweikampf mit töblicljcm Ausgange wesentlich Beihilfe durch Rat und Tat leisteten, indem sie am 5. Oktober in Karlsruhe als Mitglieder des Ehrengerichts diesen Zweikampf billigten und seine Bedingungen festsetzten. Borbert, Rheinboldt und Hügel außerdem die zur Ausführung des Zweikampfes nötigen Vorbereitungen trafen, Borbert ferner am 3. Oktober die von Reiß an Ruff gestellte, von Hügel übermittelte Herausforderung namens des Ruff annahm und diesen hiervon in Kenntnis setzte. lieber die Vorgänge, die zu diesem verhängnisvollen Duell geführt haben, ist seinerzeit das Mhcre berichtet worden. Es war eine Streiterei zwischen Studenten, die im (Safe Bauer HCr entstand und bei der sich einer der Beteiligten zu Tätlichkeiten hinreißen ließ. Die Folge davon war eine Herausforderung zum Zweikampf, bei dem ber durch die tätlichen Angriffe Beleidigte, ein begabter und zu schönen Hoffnungen berechtigender junger Mensch, fein Leben taffen mußte. Als die Ursachen, die das Duell veranlaßt haben, und dessen tragischer Ausgang bekannt wurden, herrschte allgemein die aroßte Entrüstung. Die Stimmung in der Bevölkerung fand in der Presse beredten und scharfen Ausdruck, und alle Blätter ohne Unterschied ihrer politischen Richtung waren einig in der entschiedenen Verurteilung des so folgenschweren Ereignisses. Dazu lag aber auch aller Grund vor, wenn man sich die Vorgeschichte der Duellaffäre Ruff-Reiß in ihren Einzelheiten vor Augen hielt. Angekl. Rufs gab an, daß er in der Nacht vorn 28. auf 29. September im Cafs Bauer gewesen ist und daß dort auch Reiß erschienen fei Mein Begleiter Ziefer teilte mir mit, daß Reiß nibt gegrüßt habe, obwohl er mich und Ziefer kannte. Es kam zwischen Reiß und Ziefer deshalb zu Auseinandersetzungen. Mit Bezug auf diesen Vorgang machte Reiß später an feinem Tische und zwar so aut, daß ich es hören mußte, die Bemerkung: „Was diese dummen Karlsruher Korpsstudenten sich nicht alles einbilden." Ich stellte Reig wegen dieser Aeußerung zur Rede und forderte ihn auf, mit mir hinauszugehen. Da Reiß dies ablehnte und mir dadurch jede Satisfaktion ab» chnitt, schlug ich ihm ins Gesicht. Reiß schickte mir darauf eine Pistolenforderung bei 16 Meter Ibstand und dreimaligem Kugelwechsel zu. Ich nahm die Forderung an. Das Ehrengericht setzte dann einen zweimaligen Kugelwechsel est. Ain Morgen des 7. Oktober fand das Duell statt. Ich traf meinen Gegner in den Unterleib; gezielt habe ich nicht. Reiß starb noch am Abend des 7. Oktober, weshalb ich mich anderen Tages der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellte. Auf weiteres Befragen des Präsidenten erklärte Ruff, daß er früher in Karlsruhe studiert hat und damals Mitglied des Korps „Frankonia" war, dem er heute noch als Inaktiver angehört. Am Abend des 28. September war ich nicht angetrunken. Einen hinter- liftiaen UeberfaH gegen Reiß habe ich nicht verübt. Ich stano bei den Auseinandersetzungen mit Reiß neben diesem und er hat sehen müssen, daß ich zum Schlage ausholte. Daß Reiß infolge dieses Schlages blutete, hat mir leid getan, ich hatte das nicht gewollt. Ich hätte Reiß auch gerne beigestanden, wenn ich nicht hätte befürchten müssen, daß man mich für feige hält und von mir annimmt, ich würde nicht den Mut haben, die Konsequenzen meiner Parlamentarisches. Berkin, 15. Jan. Es steht nunmehr fest, daß die erste Lesung des Reichshaushalts-Etats am 19. ds. beginnen wird. — Tie freikonservative Fraktion des preuß. Abgeordnetenhanfes und die deutsche Reichs-i Partei waren Mittwochabend zu einer gemeinsamenSitzung zusammengetreten und berieten ihre Stellung zur bekannten Kriegserklärung des engeren Vorstandes des Bundes der Landwirte gegen die Freunde des Antrages K a r d o r f f beim Zolltarif, nachdem die deutsche Reichspartei sich schon vor einigen Tagen mit demselben Gegenstände beschäftigt hatte. Nach längeren Besprechungen entschied man sich dahin, vorläufig Reserve gegenüber dem Bunde der Landwirte sich aufzuerlegen, später aber eine gründliche Abrechnung abzuhalten und den Bund scharf anzugreifen. Ter Austritt des Abg. v. Kardorff findet also jetzt keine Nachfolge. Partikularistisches aus Bayern. T. B. Hd. meldet uns aus München: Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, soll bei der Anwesenheit des Prinzregenten in Berchtesgaden von diesem unliebsam bemerkt worden fein, daß der Besitzer des Grand Ho tel neben nur einer bayrischen Flagge zwei deutsche Flaggen gehißt hatte. Ter Hotelier wurde deshalb zur Rede gestellt und er erklärte das Hissen der beiden deutschen Flaggen damit, daß er diese noch vom Besuche der Kaiserin her im Besitze habe. Vermischtes. • Karlsruhe, 14. Jan. Bankier Herz ist durch Gendarmerie, die ihn von der Schweiz abholte, hier emge» liefert worden. • Paris, 15. Jan. Der Frauenmörder Vidal wurde gestern zum Justizpalast in Aix gebracht, um der Ver. lesung des Gnadenaktes des Präsidenten Loubet beiznwohnen. Eine aus 2000 Personen bestehende Volksmenge überfiel die Gendarmen, welche Vidal führten, schlug diesen zu Boden und mißhandelten ihn blutig. Der Staatsan- ivalt mußte eine Kompagnie Infanterie vor den Justizpalast beordern und nur mit großer Mühe konnte Vidal der Volkswirt entzogen und in Sicherheit gebracht werden. — Der Untersuchungsrichter Andrs verhörte gestern Fr e deric Hum- b ert und legte ihm die Frage vor, was aus den 5 Millionen Francs geworden sei, die bei der Gründung der Lebensrente- Gesellschaft eingezahlt worden seien. Humbert antwortete, von diesen 5 Millionen feien ihm sofort 3 600 000 Francs als persönliche Anleihe bewilligt worden, wovon er die Zinsen bezahlte. Die übrigen 1400000 Francs seien für den Ankauf eines Hauses in der Rue Aubert verwendet worden. Der Richter bemerkte ihm die Gesetzwidrigkeit dieses Vorgehens, worauf Humbert in Wut geriet, die sich noch steigerte, als der Untersuchungsrichter ihm einen von ihm geschriebenen Brief vorzeigte, in dem es heißt: Vergeßen wir nicht, daß die Rentengesellschaft für uns die einzige Hoffnung ist. Humbert verweigerte schließlich jede weitere Auskunft, indem er Unwohlsein vorschützte. • Venedig, 15. Jan. Da die Bibliotheea Mariana, sowie die Säulen des Palazzo Ducale dem Einsturz nahe sind, wurde von den Behörden deren Räumung angeordnet und bereits damit begonnen. "Fiume, 14. Jan. Der östreichische Dampfer „Bo- jana* und der italienische Dampfer „Jolante" sind bei Obotti gestrandet. Man befürchtet den Verlust beider Schiffe. " Agram, 15. Jan. Die Polizei verhaftete in der Nacht zwei Amerikaner aus New-Pork, die in Fiume von dem Dampfer „Pannonia" einen Sack mit Goldstücken gestohlen hatten. • Odessa, 15. Jan. Der in den letzten Tagen auf dem Schwarzen Meere wütende S türm verursachte zahlreiche Schiss Unfälle, darunter auch den des griechischen Dampfers „Parthenon". Nur einem Teile der Besatzung, 7 Mann, gelang es, sich auf ein Boot zu retten, welches von einem Lloyddampfer ausgenommen wurde. " Newyork, 14. Jan. Aus dem Staate Miffissippi wird gemeldet, daß in der letzten Nacht 20 Personen erfroren find. Schiffsuaüjuchlen. .Red StarLinie" Antwerpen. Ter Postdampfer „Vaderland" der Red Star Linie'in Antwerpen ist laut Telegramm am 13. Januar wohlbehalten in New-York angekommew 4enc[ W Iqi[Ph ' l'u) „ „ (Sa " 3« du Lp stabiles fer* Garantie kun W innehaft, *li ille niijt nur WW[o|e ■ “r B««e S( ÄW Sf Ne NatWlto“ “fei Wertes her das s ‘Llinter,I^mer0?nei1 Nt bei £ Ni Graphen?UnehM ent o um fo.(JrQ9en oder fraßen jMerq Anet, di- - Mn, feff bei SÄ n,Cn fließt qu auf fW? cfeöä b« «My«. * KB® v-Lx: tM. • **£ Ä Aul § geplante Dtl» UM N* m bet Te« Men wird, wie Lw »nr lischen Blätter er als Spezialität be Sultan die Kv Führung stehende bahn erwirkte. E stehend", daß fr' sluffeö in Kleinas auö den Segeln losiakeit dicker An erwiesen galten, a des deutschen xw picht unmittelbar, der Orientfahrt to der antideutschen vom Standpunkt i halt des Üwnprir die ^Vorbereitung in Kleinasien", de richtet ist? 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