Nr. 216 Vrschetvt tSgnq außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- dlütter viermal in der Woche bergelegu Rotationsdruck u. Vertag der Brüh Ptaen Univers^Buch- «.Stein- druckerei (Pietsch Erbens Redaktto«. Expeditum und Druckerei: Gchulstraße 7. Adresie sür Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 61. Dienstag IS.Septemder 1903 Zweites Blatt. 153. Jahrgang monatlich 65 Ps.; durch die Post ML. 2.— viertel- jährl. ausschl. BesteNg. Annahme von Anzeigen ür hte Lagesnummer _>t8 vormittags 10 Uhr. ZeUenpretSriokaHLPU auSwürtS 20 Psg. GietzenerAnzeiger Senaal-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Teil; P. öiltto: für .Stadt and und .GerichtSsaalE; Auaust Götz; sür den Anzeigenteil: Han« Beck. BezvgSpretSr onatlich 7b Ps^ viertel- Irlich Mt. 2L0; durch Kie heutige Wummer umfaßt 8 Seiten. Gießen, den 15. September 1903. Betr.: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfaffungs- eides. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen ott die Grosih. Bürgermeistereien des Kreises, mit Ausnahme der Amtsgerichtsbezirke Grünberg, Homberg, Hungen, Laubach und Nidda. Die Ableistung des Huldigungs- und Versaffungseides bet in Ihren Gemeinden neu aufgenommeneu Ortsbürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hessischen Untertanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheiratet haben, soll wie nachstehend angegeben, stattsinden: 1. der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amtsgerichtsbezirken Lich und Butzbach gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen Montag den 5. Oktober 1903, nachmittags 2l/3 Uhr, in dem Rathause zu Lich; 2. der Orts- und Staatsbürger aus den in dem Amts- gerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden Dienstag den 6. Oktober 1903, vormittags 11 Uhr, tu dem Regierungsgebäude zu Gießen, Brandplatz Nr. 9. Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen, und wie geschehen, unter Angabe der Namen der Vorgeladenen bis zum 25. dss. Mts. anzuzeigen, oder zu berichten, daß niemand vorzuladen war. Halten sich derartige Personen auswärts aus, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben. I. V.: Dr. Wagner. Volitische Tagesschau. Ein Blick auf die Parlamentssesston. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 14. September: Als voraussichtlicher Termin derEinberufungdes Reichstages ist dieser Tage in einem Berliner Blatte der 24. November bezeichnet worden. Das kann schon um deswillen zutteffen, weil es nicht nötig ist, ein neugewähltes Parlament zu einem frühen Termin einzuberusen. Groß dürfte das Arbeitspensum also nicht sein, das der Reichstag bis zum Beginn der Weih nachts serien zu bewältigen in der Lage sein wird. In Regierungskreisen neigt man, wie verlautet, der Ansicht zu, daß die Zeit bis zu den Weih- uachtsferien auf die Beratung kleinerer Vorlagen und die erste Lesung des Etats verwendet werden wird. Die Einbringung der Militär Vorlage und den Beginn der Handelvertragsdebatten erwartet man erst nach, Neujahr. Das heißt also wohl: für den Fall, daß noch in diesem Jahre den: Reichstag vom Bundesrat ein Handelsvertrag vorgelegt wird — es sei nun der russische, italienische oder ein anderer —, ist es der Regierung erwünscht, daß die Volksvertreter die Muße der Weihnachtsferien zum Studium dieses Vertragsentwurfs benutzen, das in einem dem Entwurf günstigen Sinne zu beeinflussen die offizielle Presse schwerlich verfehlen wird. Wenn der Reichstag dann nach Neujahr wieder zusammentritt, wäre also die Diskussion durch die Preßerörterungen genügend vorbereitet, sodaß zum mindesten die Kommissionsverhandlungen sich nicht allzu sehr in die Länge ziehen würden. Während! im vorigen Jahre die Zolltariftommisston chre Arbeiten bereits beendet hatte, ehe die Budgetkommission^ die ihrigen aufnahm, wird sich diesmal ein gleichzeitiges Tagen der letzteren mit der Handelsvertragskommissiou nicht umgehen lassen. Also auch nicht ein Auswech'eln von Mitgliedern, da der Budgetkommission Abgeordnete anzugehören pflegen, die sonst in Etats- wie auch in wirtschaftspolitischen Fragen als hervorragend gelten. Außer dem Etat wird sich die Budgetkommission vielleicht, wenn auch! erst nach Ostern, noch mit dem Reichsfinanzreform- Entwurf zu beschäftigen haben, wobei weitsichtige Debatten unumgänglich sind. Herr v. Podbielski und der Weizenzoll. Zu der bereits erwähnten Erklärung des preuß. Land- /oirtschaftsminisiers v. Podbielski über die Handelsverträge in einer Unterredung mit dem Vertreter ernes russischen Blattes schreibt der „Hamb. Korr.": „Herr v. Podbrelskr hat angeordnet, daß man den russischen Wünschen nach einer stärkeren Spannung zwischen dem Roggen- und Weizenzoll Rechnung tragen könnte, ft erlich nicht durch nue Ermäßigung des Roggenzolls unter den Betrag VM 5 Mark, wohl aber durch eine Erhöhung des Wei^enzolls über 5,50 Mark. Diese Andeutung scheint uns mehr als sittsam. Sie steht vor allem in schroffem Widerspruch zu der wiederholten feierlichen Erklärung der verbündeten Regierungen, daß auch die kleinste Erhöhung der Minimalzolle, also mich des für Weizen, das Zollschisf zum Suiten bringen mußte. Läßt ich der Gedanke des Herrn v. Podbrelstt verwrrttichen, so sind diese Erklärungen desavouiert. Sodann ist es taktisch falsch, das Ausland durch einen derartigen Hinweg auf .die Möglichkeit eines weiteren Nachgebens aufmerksam zu machen; wenigstens pflegen die agrarischen Freunde des Herrn v. Podbiettli auf eine große d er artige Tätigkeit, wie sie sie in der vertragssreundllchen Presse sinderr, einen sehr odiösen Ausdruck anzuwenoen. schließlich ist es unter allen Umständen ein oeoenkliches Prinzip, den Mfchluß des ersten Vertrags auf Kosten der spateren zu erleichtern; den Grundsätzen einer gesunden Wirtschaft entspricht' das Meisellos nicht. Herr v. Podbielski scheint das Tischtuch wieder flicken zu wollen." Eine neue Kompagnie Matroseuartrllerie. Man schreibt uns aus Berlin, 14. September: Wenn das T" aus Kiel recht berichtet ist, trägt sich die Marineverwallung mit der Absicht, die Matrosenartillerie in Friedrichsort um eine Kompagnie in Höhe von 150 Mann zu verstärken. Mau hat offenbar in Rücksicht aus die Finanzlage bisher gezögert, diese Forderung zu formulieren; der Plan, die Marineartillerie zu verstärken, besteht wohl schon von der .Zeit au, da für diese Waffengattung eine spezielle Inspektion eingerichtet wurde, die damals der als Autorität aus dem Gebiete des Marineartilleriewesens geltende Kontreadmiral Galster zugewiesen erhielt. Daß das bei Kiel liegende Friedrichsort die neue Kompagnie bekommen soll, mag ja aus mllitärischen Gründen geboten sein. Aus allgemeinen Gründen wäre erwünscht, daß die Verstärkung einer kleineren Garnison, etwa Lehe oder Cuxhaven, zu tell wird. Für das Erwerbsleben dieser kleineren Städte ist es mehr als für die großen Garnisonorte von Belangs wenn die militärische Besatzung verstärkt wird. Trerärztekammern. Auf eine Eingabe der Zentralvertretung der tierärztlichen Vereine betreffend die Einführung einer staatlich anerkannten Standesvertretung hat der preuß. Landwirtschaftsminister von Podbielski folgenden Bescheid erteilt: „Zur Verwirklichung des vorgetragenen Wunsches, dem näher zu treten 'ich nicht abgeneigt bin, kann die staatliche Anerkennung der Zentralvertretung der tierärztlichen Vereine nicht in Betracht kommen, vielmehr dürste die Einrichtung von Tierärztekammern nach dem Muster der Aerzte- und Apothekerkammern als der geeignete Weg erscheinen. Den Aerztekammern ist das Recht der Besteuerung und der Ehrengerichte durch das Gesetz vom 25. November 1899 verliehen worden. Die den Aerztekammern nachgebildeteu Apothekerkammern entbehren dieser Einrichtungen. Es bleibt ihnen überlassen, für die Bereitstellung der erforderlichen Mittel Sorge zu tragen, und nur die Befugnis der Entziehung des aktiven und passiven Wahlrechts gibt ihnen ein Mittel in die Hand, der Mißbilligung des Verhaltens eines Stand esgen offen Ausdruck zu geben. Wenn die Tierärztekammerü den Apothekerkammern uächgebildet werden, so würde ihre Schaffung durch eine kgl. Verordnung erfolgen können, während sowohl die Beilegimg des Besteuerungsrechtes als auch die Einrichtung von Ehrengerichten die Form des Gesetzes notwendig machen würde. Ob auf das Besteuerungsrecht besonderer Wert zu legen ist, erscheint zweifelhaft. Sollte dieses der Fall sein, so wird auch auf die Einführung von Ehrengerichten, die von der überwiegenden Mehrzahl der Aerzte für geboten erachtet wurden, nicht verzichtet werden können. Diese beiden Punkte werden zunächst einer eingehenden Prüfung zu unterziehen sein. Ich stelle anheim, sich hierüber sowie über den sonstigen Inhalt der gewünschten Verordnung zu äußern." Die Zustande in Serbien werden weiter durch eine Reihe Depeschen aus Belgrad beleuchtet, welche zeigen, daß in der Armee völlige Anarchie herrscht und König Peter ganz ohnmächtig zu sein scheint. In Belgrad haben sogar die Unteroffiziere des 7. Regiments re vvltiert, weil sie von den Offizieren bei der Ermordung König Alexanders getäuscht worden wären. Die Offiziere verschiedener Regimenter haben sich für die Proklamation der Nischer Garnison erklärt. In Belgrad sind alle Kommandos mit den Verschwörern oder Freunden derselben besetzt. Zivilisten wurden in der Nischer Affäre nicht verhaftet, well *die ganze Angelegenheit vor dem Mllllär- gericht abgeurteitt werden soll. Zwei Mitglieder bes Kriegsgerichts wurden vor einigen Tagen abgesetzt, well sie zu den Gegnern der Königsmörder gehören. Die Haupt- Verschwörer Maschin und Gentschttsch haben fast ausschließlich das Heft in den Händen. Eine Studentenversamullung erllärte sich für die Verschwörer und gegen die Protestler. Oberstleutnaitt Brankovitsch wurde mit 16 Offizieren verhaftet und nach Belgrad gebracht. Die Königsmörder behaupten, die Verschworenen von Nisch wollten den König Peter zwingen, das Land zu verlassen und hätten die Absicht, den Fürsten Nikita von Montenegro auf den Thron zu erheben. DomsoziüdeMoLratischen Karteitage in Kresden. Einen mündlich,en Geschäftsbericht erstattete Psannkuch, der betonte, daß in der Wahlagitation von Bebelund Singer nahezu Uebermenschliches geleistet wurde. Den Kassenbericht gab Gerisch, der die große Opfer- fteudigkeit der Genossen, die im letzten Jahre betätigt wurde, hervorhob. Meister erstattete den Bericht der Kontrolleure. Ten Kontrolleuren wäre die Assäre Berthold zur Erledigung überwiesen. Genosse Berthold hatte die wahrlich alles eher als sozialistische Hardensche „Zukunft als ver- arttwortlicher Redatteur gezeichnet. Tie Konttolbeure erkannten, daß die Handlungsweise Bertholds mit der Ehre eines Parteigenossen nicht vereinbar sei und nur durch einen Zufall bei der Abillmmung in der Konttoll- kommission wurde ein Antrag, Berthold aus der Partei auszuschließen, nicht angenommen. Es folgte die Diskussion über den V o r st a :: d s bericht, wobei, wie immer, Klagen vorgebracht werden über Vernachlässigung von Wahlkreisen, Mangel an Rednern, Agitatoren usw. Der Koburger Redner beklagt es, daß Singer in der Nähe agitiert, aber durchs Koburg „schlank" durchgefahren sei, was in Anbetracht der behäbigen Figur Singers, der den Vorsitz führt, schallende Heiterkeit verursacht. Eine Keine Erörterung findet durch eine Bes- schwerde eines Solinger Genossen, der der Buchhandlung „Vorwärts" eine Broschüre zum Verlag anbot, sie aber ohne Kommentar zurückerhielt. Er meint, man hätte ihm sagen können, warum der Verlag ablehne, worauf der Geschäftsführer der Buchhandlung, Fischer, entgegnete, er habe früher bei Ablehnungen Gründe angegeben, aber damit nur das eine erzielt, daß die Abgewiesenen ihn regelmäßig einen Esel nannten, der nichts verstehe. Sodann debattterte man über folgenden Alttrag des Vorstandes: 1. Kann es mit dem Interesse der Partei für vereinbar erachtet werden, daß die Parteigenossen als Redakteure und Mitarbeiter an bürgerlichen Preßunterne hm» nngen täti g sind, in denen an der sozialdemo kratischen Partei gehässige oder hämische Kritik geübt wird? — „Nein." 2. Kann ein Parteigenosse Redakteur oder Mitarbeiter eines bürgerlichen Blattes sein, auf welches obige Voraussetzung nicht zuttisft? Diese Frage ist zu bejahen, soweit Stellungen in Bett acht kommen, in denen der Parteigenosse nicht genötigt wird, gegen die sozialdemokratische Partei zu schreiben oder gegen dieselbe gerichtete Angriffe auszuneymen. Im Interesse der Partei sowohl wie im Interesse der in solchen Stellungen sich befindlichen Parteigenossen liegt es jedoch, daß den letzteren keine VerttaueuK- stellung übertragen werde, weil solche früher oder später sie in Konflikt mit sich und der Partelleitung bringen müssen. Dr. Braun warf Mehring vor, er Lebe von der Lüge. Dinger cyaratterisierte die Zwischenrufe, worunter solche von Bebel, als schulbubenmäßige Beschimpfungen. Bebel forderte Aufklärung, wer gemeint sei. Singer nahm hieraus jenen Ausdruck zurück. K a u t s k y verteidigte Mehring. Deutsches Keich. Berlin, 14. Sept. Kaiser Wilhelm unternahm, wie aus Mo ha cs in Ungarn gemeldet wird, heute früh einen Pürschgang im Forste Karapancsa und arbeitete nach der Rückkehr. Heute abend pürschte der Kaiser abermals im Forste Karapancsa. Morgen begibt er sich auf das Budaer Jagdgebiet, um an der Jagd auf Sumpfadler teilzunehmen, der auch die Erzherzoginnen Isabella und Henriette beiwohnen werden. Die Nacht vom Dienstag zum Mittwoch bringt der Kaiser im Köriserdör Jagdschloß zu. — Aus Befehl des Kaisers hat der Staatssekretär des Reichs-Marineamtes den Oberbürgermeister Kirschner eingeladen, am 22. September in Danzig die Taufe des auf der dortigen Werst vom Stapel lausenden Kreuzers Ersatz Ziethen vorzunehmen. Vermutlich wird der Kreuzer den Namen Bettin oder eine auf Berlin bezügliche Bezeichnung erhalten. — Der Kr onp rinz wird als Vettreter des Kaisers der Enthüllung des Denkmals Friedrichs des Großen in Rheinsberg beiwohnen. — Der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Böckel hat sich vollständig aus dem politischen Leben zurückgezogen. Wie ein ihm nahestehendes Blatt erklärt, hat er diesen Schritt getan „verärgert durch die ewige Zersplitterung und Eifersüchtttei in der antisemitischen Bewegung und körperlich aufgerieben in jahrzehntelangem Kampfe". — Dem zwischen dem Deutschen Reiche und mehreren anderen Staaten geschlossenen Vettrage vom 5. März 1902 über die Behandlung des Zuckers traten auf Grund seines Artikels 9 auch Luxemburg und Peru vom 1. September 1903 ab bei. — Einem aus Posen eingegangenen Telegramm zufolge beschloß die polnisch-demokratische Partei für die preußischen Landtagswahlen eigene Kandidaten aufzustellen und die bisherigen polnisch-konservativen Abgeordneten, vor allem Jadzewski und Cegielski fallen zu lasten. An ihrer Stelle sollen Murawski und Graf Mielczynski aus Ködnitz ausgestellt werden. Hamburg, 14. Sept. Heute vormittag wurde die Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik durch den Vorsitzenden, Professor Schmoller, eröffnet Der Präsident des Hamburger Senats, Burchardt, heißt den Kongreß namens der Stadt willkommen. Man bemerkt die Professoren Brentano, Knapp, Sering, Philippovich, Förster, Direktor der Berliner Sternwarte, den Staatsminister v. Berlepsch, Dr. Friedrich Naumann, Gustav Frensten, den Reichs- tagsabg. Gothein. Professor Francke referierte über die Lage her in der Seeschiffahrt beschäftigten Arbeiter. Das Korreferat hatte Inspektor Blis-Hamburg. Hieran schloß sich eine lebhafte Erörterung. Düsseldorf, 13. Sept. In der Angelegenheit bet Gründung einer Privatbeamten-Pensions-Versicherung auf staatlicher Grundlage sand heute eine Versammlung statt, welche über die Gründung eines westdeutschen Ausschusses, dem sämtliche in Westdeutschland bestehenden Kommissionen beitreten sollten, Beschluß fasten sollte. Es wurde allseitig das Bedürfnis nach einer Versicherung der Privat- bcamtcn auf staatlicher Grundlage betont. Nach mehrstündiger Debatte wurde ein Antrag dahingehend angenommen, daß die Versammlung der Gründung eines westdeutschen Arbeits- Keer und Ilotte. Kassel, 4. Sept. "Ter Erlaß des Kaisers an tzerr Kommandeur des 11. Armeekorps, in dem £r seinem Generaladjutanten General der Infanterie von Wittich feine Beförderung zum Generalobersten mitteilt, lautet' wie folgt: „5um zweiten Aiale während Ihrer erprobten Kommandoftchrnng habe ich die Freude gehabt, das 1L Armeekorps vor mir Manöver ab halten zu lassen. Den hohen Erwartungen, die ich nach den vortrefflichen Leistungen vor sechs Jahren hegen durfte, hat das Arnree- L»rps im vollsten' Dtaße entsprochen. Ich nehme daher gern Veranlassung, Ihnen meinen aufrichtigen Dank für Ihre erfolgreiche Tätigkeit und meine ehrende Anerkennung Ihrer Verdienste dadurch zu betätigen, daß ich Sie zum Gsmeralobersten mit dem Range als Generalfeld mar- schall befördere. Zugleich beauftrage idy Sie, allen Generalen, Kommandeuren und Offizieren wie den Unteroffizieren und Mannschaften meinen Dank und meine vollste Zufriedenheit auszujprechen. Merseburg, den 11. Sept. 1903. (gez.) Wilhelm Rex." Ausland. London, 14. Sept. Der Kopenhagener Korrespondernt des „Daily Telegraph" will erfahren haben, Graf La ms- dorff sei beim ZcuM in Ungnade gefallen und werde wahrscheinlich Linnen kurzem demissionieren. Sein Nachfolger dürfte der kürzlich zum russischen Gesandten in Kopenhagen ernannte JsmodSki sein. 'Paris, 14. Sept. Ter Korpsches General Passerieu Leitete eine Untersuchung gpgen den Dragoner-Leutnant de Beanchene ein, der gestern in Treguier beim Zurück- drangeu der Ministeriellen mehrere Personen verletzt haben soll. In Regierungs kreis en ist man mit dem Ergebnis des gestrigen Tages keineswegs unzufrieden. Man hatte von dem Einfluß des Admirals Cnverville in jener G^end ein weit stärkeres Aufgebot der Landbevölkerung erwartet. — Der peinlichste Zwischenfall in Treguier war, als bei dem Besuch des Geburtshauses Reuaus der Baron Herpoisin und dessen Gattin diesen beschimpften und infolgedessenverhastet wurden. Bronin Herpoisontrug einen geladenen Revolver bei sich. Treguier, 14. Sept. In seiner gestrigen Bankettrede äußerte sich der Ministerpräsident etwa in folgender Weise über das Verhältnis des Kabinetts zu den Sozialisten: Die Opposition hofft fteilich, daß sie- die öffentliche Meinung bezüglich meiner Bestrebungen beunruhigen würde, indem sie mich als Gefangenen der sozialistischen Gruppe hiusrellt. Wenn die Opposition glaubt, daß ich die freundschaftlichen Beziehungen, oie mich mit Jaures, oder die parlamentarischen Beziehungen, welche mich mit seiner Gruppe verbinden, ableugnen würde, irrt sie. Ich unterhalte dieselben herzlichen Beziehungen mit den Mitgliedern dieser Gruppe, wie zu den Mitgliedern ver anr-eren Gruppen und bin ebensowenig ihr Gefangener, wie sie meine Gefangenen sind. — Ter Ministerpräsident äußerte in einem Prioatgespräch, daß der heutige Tag ein sehr bedeutungsvoller sei Die Reaktion in der Bretagne scheine tätlich getroffen, sie konnte nur einige Banden von Fischern auftreiben, die gar nicht aus der Gegend von Treguier tziewesen seien Man rönne sicher sein, daß die Bretagne fast vollständig den Banden der Reaktion entschlüpft sei. ausschufsos im Anschluß an den bestehenden Berliner Zentralausschuß zustimmt, unter der Voraussetzung, daß die westdeutsche Zentrale Sitz und Stimme im Berliner Zentral- AuSschuß erhält. __ Bochum, 14. Sept. Gegen den Redakteur der „Bergarbeiter-Zeitung", Lcinpeter, ist dieZeugniszwangshaft verfügt worden. Gleiwitz, 14. Sept. Der 1. obersch le fische Gautag des deutschen Ostmarkenvereins sandte an den Reichskanzler ein Begrüßungs-Telegramm, in dem das Vertrauen ausgesprochen wird, „daß auch den in Ober- schlesten im Kampfe gegen das vordringende Polentum stehenden Deutschen die mächtigen Hilfsmittel des Staates nicht versagt bleiben." Darauf ist folgende Antwort eingegangen: „Dem ersten oberschlesischcn Gautag des deutschen Ostmarkenverems danke ich aufrichtig für die Kundgebung und bitte versichert zu sein, daß die Pflege unseres Volkstums in Oberschlesien mir nicht minder am Herzen liegt, wie in West- preußen und in Posen. Ich bin überzeugt, daß Oberpräsident Graf v. Zedlitz und Trützschler mit bewährter Sachkenntnis den richtigen Weg finde, um die nationalen Gesichtspunkte, welche für die Politik der königlichen Regierung maßgebend find, unter den besonderen Verhältnissen Oberschlesiens erfolgreich durchzuführen. Meues von der türkischen Anarchie. Ter „Frkf. Ztg." wird aus Konstantinopel telegraphiert: Tie Korrsular-Meldungen aus Monastir setzen ihre geradezu unglaublichen Schilderungen über die Pazifiziercrrbeit der türkischen Truppen im dortigen Wilajet fort. Die Zahl der niedergebrannten Ortschaften belief sich bis zum 9. September auf 115. Tie Sch änd un gen und Zerstückelungen bulgarischer Frauen und Kinder spotten jeder Beschreibung; gegen 8000 Familien sind obdachlos mrd irren verzweifelt von Ort zu Ort. Der größte Teil der geradezu glänzenden Ernte steht un- eiugebracht auf den Feldern und es ist keine Aussicht, daß sie geborgen werden kann. Ein nach Kirkilisse kommandiertes albanesisches Bataillon begeht in der Umgegend des Ortes täglichMetzeleien. Der russische Botschafter forderte von der Pforte die schleunige Abberufung dieser undisziplinierten Banden. Ter griechische Gesandte besuchte sämtliche Botschafter und lenkte die Aufmerksamkeit derselben auf die zahlreiche griechische Bevölkerung, welche gleichzeitig von Bulgaren und Türken bedrängt werden. Ter Gesandte ersuchte Namens seiner Regierung die Botschafter, im Falle einer europäischen Intervention die griechische Natwnalität und ihre historischen wie faktischen Rechte nicht außer Acht zu lassen. Tie Botschafter versicherten dem Gesandten, daß an eine Intervention aegen- wärtig nicht zu denken sei. Wie der Sofiaer Korrespondent der „Frkf. Itg" erfährt, haben Oesterreich-Ungarn und Rußland auf Jnnialive des Grafen Lamsdorff den übrigen Mächten den Btr aTaq unterbreitet, in Sofia und Konstantinopel die geriet. ianic Erklärung abgeben lassen, daß beide Mächte un ",yaiie emes Krieges auf die eigenen Kräfte angewiesen seien Man versteht hier sehr woyl, daß.diese Ber>ichern..g . 'en Bulgarien gerichtet ist, was in macedonffchen greifen narre Verstimmung gegen Rußland hervorgerusen hat. Dias Wiener Korr.-Bur. weiß genaue Zahlen über die mobilenTruppen derTürkeimitzuteilen. Es stehen derzeit im Bereich des zweiten Korps (Adrianopel), das Bataillon durchschnittlich zu 700 Mann berechnet, rund 65 000 Mann Infanterie, 3000 Reiter und 342 Geschütze. Im dritten Korpsbereich Saloniki sind 239 Mzamüatailloue, 37 Eskadrons und 74 Batterien mobil, also rund 167 000 Mann Infanterie, 6700 Reiter, 786 Geschütze, zusammen 250000 Mann. An Reserven stehen im zweiten Korpsbereich noch zur Verfügung: zwei mobile Redifbrigaden mit 8 Bataillonen und 8 Redisbataillone des Gardekorps. Es stehen somit im Gebiete des Bandenwesens der Pforte außergewöhnlich zahlreiche Streitkräfte zur Verfügung, welche bei halbwegs zielbewußter Führung und geschickter taktischer Verwendung auch einer großen Bandeirbewegung vollkommen gewachsen sind. Wie in Makedonien, so siehts auch in Armenien aus. Dort war ein ftüherer deutscher Akademiker einer der Haupträdelsstihrer. Nun ist zwischen Batum und der türkischen Grenze die Bande dieses ehemaligen Studenten des Stuttgarter Polytechnikunrs aufgerieben worden. Ter Chef des Kreises Artwin beschlagnahmte die Fahne der Bande mit der Inschrift: „Tod oder FreihM", 30 Gewehre, mehrere tausend Patronen, Dynamit, fertige Bomben, Medikamente und Verbandszeug. Die Bande sollte, wie man glaubt, durch Ueberfälle auf die türkische Grenze und Provokation von Mrdeneinfällen die armenische Frage an der russischen Grenze ausrollen. Schließlich dürfen wtt eine sehr niedliche Ohrfeige n a j r är e in d cr türki s chen Bo t s cha ft i n Wie n unfern Lesern nicht verschweigen. Der türkisch^ Botschasts- arzt Dr. Djevdet A b d e l l a h Bey erschien am Sonntag beim Botschafter Mahmud Nedim Bey, der sich in Gesellschaft der bechen Botschaftssekretäre befand, und fragte, ob es wahr sei, daß der Botschafter über ihn fortwährend ungünstig nach Konstantinopel berichte und ob. er bereit sei, ihm hierfür Genugtuung zu geben. Der Bot-' jchaster forderte vor allem den Arzt auf, die Hände aus den H^osentaschen zu nehmen. Djevdet erwiderte: ,Lch tue dies, aber nur um von denselben Gebrauch zu machen", und versetztehiera uf demBotschafterdreiOhr- f ei gen. Die beiden Botschaftssekretäre rissen den Arzt zurück, der dann die Botschaft verließ. Djevdet telegraphierte den Vorfall nach Konstantirropel und bat den Sultan, ihrc nicht ungehört zu bestrafen. Der Botschafter verfügte sich sofort ins Auswärtige Amt und führre darüber Beschwerde. Alsbald wurde dre Landesverrversung des Arztes verfügt. Dr. Djevdet hat gegen die Landesverweisung Beschlverde erhoben und beabjrchtigt, sich nach Budapest zu begeben, um von dort weitere Schrftte gegen den Botschafter zu unternehmen. Aus Ktaöt und Lauü. Gießen, 15. Sept. 1903. ** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel ein Gewinn von 60 000 Mk. auf Nr. 53410 (nach Mainz), ein Gewinn von 40 000 Mk. auf Dir. 9576 (nach Michelstadt), ein Gewinn von 20 000 Mk. auf Nr. 73475 (nach Darmstadt), zwei Gewinne von 10 000 Mk. aus Nr. 61397 (nach Gonsenheim) und 72689 (nach Dessau), Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 2719 26138 38125 67625 92563 97390, Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 3851 8381 11430 23423 31452 35072 36099 37133 40594 44164 58967 84153 98318 98767, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 2401 2501 3478 6079 8619 9066 15428 22868 24159 24981 25216 (nach Heldenbergen) 26727 30116 31889 41846 46909 48084 48257 49098 49946 50504 52520 55348 58563 60652 63374 63955 64936 67667 78311 78995 79430 82740 84266 85712 87316. (Ohne Gewähr.) ** Bei den Ausgrabungen zur Kanalisation süeß man auf dem Seltcrsweg nahe beim Kaisergarten" in einer Tiefe von 70—80 Zentimeter auf eine wenigstens 8 bis 12 Meter breite Mauer, deren Mauerwerk noch fest zusammengefügt war, so daß man es nut Pickeln loskeilen mußte. Die Mauer liegt längs der Kanalisation quer über den Seltersweg. Es ist anzunehmen, daß man so das alte Selterstor aufgefunden hat, das jedenfalls an dieser Stelle gestanden hat. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Se. Königl. Hoheit der Groß Herzog besichtigte am Freitag nachmittag unter Führung des bauleitenden Architekten Friedrich Olbrich in Darmstadt die russische Kirche auf der Mathildenhöhe, die für die am 7. Oktober slattfindende Trauung des Prinzen Andreas von Griechenland mit der Prinzessin Alice von Battenberg neu hergerichtct wird. Dritte ärztliche Studienreise. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") L Bad-Nauheim, 14. Sept. Im Lesezimmer des neuen Kurhauses fand heute nachmittag die wissensci>aftliche Sitzung der Tettnahmer der dritten ärztlichen Studienreise in Bade- und Kurorte statt. Etwa zweihundert Aerzte haben sich zu der diesjährigen Studienreise, die vom 9. bis 20. September dauert, eingefunden. Tie Reise ging bis jetzt von Mainz nach Bingerbrück, Kreuznach, Münster a. St., Neuenahr, Ems und Bad- Nauheim. Morgen fahren die Teilnehmer nach Wildungen, dann nach Driburg, Oeynhausen, Vlotho und Pyrmont. Am 20. September erfolgt die Rückfahrt nach Kassel. In Bad-9iauheim wurden die Aerzte vom Ausschuß der Kurverwaltung und dem Bürgermeister Dr. Kayser empfangen. Mittags fand ein Runogang durchs die Stadt und den Kurgarten statt, wobei alles Wissenswerte besichtigt wurde. An der wissenschaftlichen Sitzung nahmen teil als Vertreter der Regierung Atinisterialrat W'i l b r a n d t, weiter Geh. wiedizinalrat Dr. Hauser, Kreisrat Fey aus Friedberg, Bürgermeister Dr. Kayser, als Vertreter des Aerztevereins Nauheim Geheimer Medizinalrat Dr. Abse. Diese Vertreter leiteten die Sitzung durch begrüßende Worte ein, nachdenl Geh. Acedizinalrat Prof. Tr. Ott ein Hoch auf Kaiser und Großyerzog ausgebracht hatte. Geheimrat Prof. Tr. Riegel-Gießen hielt sodann einen Vortrag über Herzkrankheiten, da Nauheim mit Vorliebe ein Bad für Herzkranke genannt werde. Er betonte, daß gerade den Nauheimer Aerzten ein großes Bedienst um die Erforschung der Therapie der Herzkrankheiten gebührt. Nicht auf die Methode, sondern auf die Art, w i e untersucht wird, komme es bei der Steilung der Herz^ irankheiten an. Die Hervorhebung eines einzelnen Symp- lomes füyrr häufig zu verhängnisvollen Irrtümern. Tan:m kommt es darauf an, eine genaue Diagnostik au A allen pathologischen Funktionsstörungen festzustellen. Geheimrat Dr. Aböe-Nauheim sprach über die Mittel der Kurstadt, die Quellen, Sprudel, Bäder, Jn- halationshaus, Röntgenkabinett usw. Auch er betonte, daß Nauheim ein Sammelpunkt für Herzkranke geworden fei. Er erläuterte bett Heilungsprozeß der Herzkrankheiten durch Bäder, die früher so sehr verschrien waren. Zunächst ist Herzschonung, später erst Herzübung nötig. Kurze warme Bäder sind int Anfangsstadium der Heilung ost von Nutzen, und bei vorsichtiger Behandlung ist Erfolg sicher. Aber nicht nur bei Herzkranken, sondern auch bei allgemein geschwächten Personen^ (nach Typhus, Operationen re.) ist eine vorsichtige maßvolle Bäderbehandlung in Nauheim meist von Erfolg. Oberbergrat Prof. Dr. Ehelius erörterte bie geologischen und tektonischen Verhältnisse der Wetterau und des Vo gelsberges in ihren Beziehungen zu den Atineral - und Soolquellen. Ter ganze Vogelsberg ist ein Einbruchsgebiet; erst erfolgten — wie immer — die Einsenkungen, dann ergossen sich die Laven des Vogelsbergs über das Gebiet. Die Vulkane gaben die Kohlensäure in die Erde, die Salz^-Mnd Sool- quellen, die stets durch bruchigen Boden hindurchbrechen, da sie durch Lava nicht durchreißen können. So müssen die Quellen an de n R ändern des Gebirges heraustreten. Darnach gab Geh. Oberbergrat Ehelius ein sehr genaues, klares Bild von der ^01091^6^ Beschaffenheit des Vogelsberges, um aus den Bodenverhättnisjen die Art der Salz- und Kohlensäurehaltigkeit der Quellen zu erklären. Schließlich sprach der Redner noch'über die verschiedenen Mineralquellen. Sämtliche Redner ernteten starken Beifall. Geheimrat Pros. Tr. Ott dankte ihnen offiziell im Namen der Hörer. Um 7 Uhr schloß sich ein Diner an die Sitzung an auf Einladung des Großh. Atinisteriums' und der Großh. Kurverwaltung. Gegen y210 Uhr fand bengalische Beleuchtung des Parkes und oes großen Sprudels statt. Zum Entzücken aller Zuschauer sprang dieser letztere auf jeine natürliche Höhe, jo einen herrlichen Anblick bietend. Seitens der Stadtverwaltung und des Aerztevereins schloß sich an die Beleuchtung ein Bier-Kommers in Langsdorfs Sprudel- Hotel an, wobei noch Toaste verschiedenster Art und allerlei lustige Lieder gesungen wurden. Diese Schluß-Veranstaltung bot denn noch alles auf, um den Gästen die Erinnerung wach zu erhalten an die dritte ärztliche Studien-- reife, tue in unserem Badeorte wohl ihren Glanzpunit erreicht hatte. Vermischtes. • Berlin, 15. Sept. In Spandau verübte eine Rotte Exzedenten eine Reihe schwerer Gewalttaten; sie bewaffneten sich mit Zaunlatten, durchzogen tumultuarisch die Straßen, schlugen ohne Veranlaffung einen Gajtwirt nieder, griffen einen Polizeibeamten, der einschreiten wollte, mit Messern an und verwundeten ihn lebensgefährlich. Polizisten und eine Militärpatrouille nahmen die Verfolgung der Flüchtenden auf, drei wurden verhaftet, fünf entkamen. Kunst und Wlssenschnft. — Kunst-Personalien. Der Darmstädter Medailleur und Kleiuplastiker Rudolf Bosselt ist der Monatsschrüt ^Deutsche Kunst und Dekoration" zufolge an die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf als Lehrer berufen worden. Er tritt seine neue Stellung bereits am 1. November d. I. an. — Paul Bürck beabsichtigt, feine Lehrtätigkeit an der Magdeburger 5kunstgewerbe- schule mit dem Beginn des Wintersemesters aufzugeben. Kandel und UerKehr. VolKsmirlschast Berliner Börse vom 13. September 1903. (Mitgetellt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 37/s Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit.... 201.50 Deutsche Bank . . . 211.90 Darmstädter Bank . . 136.25 Bochumer Guß . • • 183.70 Harpener Bergbau . . 183.75 Schluß-Tendenz: schwach. 201.10 211.50 136.10 183.50 183.60 Gießen, 15. S:pt. Aiark tbericht. Auf heutigemWochenmattt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,10—1,25 Mk., Hühnereier 1 ©t 7—8 Vfg., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gärlseeierl2—13 Pig., Enteneier8—0 Pfg., Käse pr. Stck. 5—8 Pf., Käfematte2 Stck. 5—6 Pfg., Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,70—1,002)11., Hühner pr. St. 1 30—1,80 All., Hähne pr. Stück 0,70—1,50 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,40 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg^ Ochsenfleisch pr. Pfund 68—78 Psg., Kuh- und Rindfleiscb pr. Pfund 60—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfmrd 56—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,50—7,50 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 5,50—6,50 All., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg Trauben 00—00 Pfg. Dauer der Aiarktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nach- mütags. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marktzeit überhaupt nicht und während der ersten dre' Stunden der Aiarktzeit im Umherziehen nicht fellgeboten werden. Verlauf der Witterung von Samstag bis Montag. Da sich ein kräftiges Hoch im ^tordwcsten Europas gebildet hat, welches die kalte, feuchte Seeluft aus dem höchsten Norden uns zuführt nnb von Süden her Telltiefs, welche sich von einem über Italien lagernden großen Tief lostrennen, fortwährend unser Gebiet durchziehen, dauert das kalte Regenwettcr an. Heute, Montag, hat sich das nordwestliche Hoch noch mehr verstärkt und ausgebreitet, wahrend Tiefs im Osten noch zeitiveife Regen bringen- Das Hoch dürfte westwärts Vordringen. Es ist also für die kommenden Tage län.g er andauerndes heiteres, trockenes Wetter zu erwarten, die Nächte anfangs kalt, dann Erwärm u n g wahr f cb e i n l i ch. Schiffsmichrichtou. Norddeutscher Lloyd. * Bremen, 14. Sept. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer „Neckar",^ Kapitän A. Harrassowitz, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 9 Uhr vormittags wohlbehalten in Baltimore angefommen. Neueste Melöuugeu. Originaldrahtmeldungctt des Gießener Anzeigers. Dresden, 15. Sept. In der gestrigen Nachmittags- sitzmtg des sozialdem 0 tr a t i schen Parteitages sprach noch Gerisch, der in sachlicher, ruhiger Weise den Beschluß des Vorstandes verteidigte. Leidenschasllia)^ polemisierten Frau Zetkin, Adolf Hoffmann und Stadthagen gegen Braun und Me Mitarbeit an bürgerlichen Blättern. Sämtliche Redner traten für den Vorstandsbeschluß ein, nur der Abg. Fischer-Sachsen erklärte sich unbeftiedigt mit demselben und griff ebenfalls heftig Mehring an. Die weitere Diskussion wurde auf Dienstag, vertagt. MW im Wemh Direktors schiedwe - zUM Allsgl Ca. TDOl, Chav 5 rur Liter, geck für 2 W Ter i Chmfich heßeu ü rem des Im $ mittags eine sehr gelaugt. Grmröei W ( ( Mtw sollen aus Befett, Sturmla Ltaütuiii Zahlung t M R3Uchl, AZ ^chivo *Su hcke me kravkher DM N Di V München, 15. Sept. Die Wagner-- Festspiele schlossen mit einer großzügigen AüffüAnrng der Götterdämmerung unter großer Ovation für Possart. Derselbe dankte zum Schluß der Vorstellung allen Mitwirtenden, insbesondere dem Prinzen Ludwig Ferdinand, deml das Ensemble einen silberneu Lorbeertranz widmete, und« gab ferner begannt, daß der Prinzregent anläßlich des schönen Verlaufes der Festspiele eine Reihe von Auszeichnungen verliehen habe, so deut Oberregisseur Fuchs dw Prnfessoreutitel. L. London, 15. Sept. In der gestrigen Sitzung des Ministeriums wurde, wie die »Daily Mail" mitteilt, die Lage in Mazedonien erörtert und eine wichtige Entscheidung getroffen, die wahrscheinlich zu einem maritimen Zusammengehen Englands mit den anderen Mächten führen wird. In gut unterrichteten hiesigen Kreisen wird geglaubt, daß binnen Kurzem britische Kriegsschiffe nach Saloniki entsandt werden. (Nach einer anderen Meldung handelt es sich um die Mittelmeerflotte, deren Entsendung nach Saloniki angeordnet worden sei. Die Regierung habe dabei dem Drängen der englischen Interessenten im Orient, besonders der englischen Handelskammer in Konstantinopel, uachgegeben.) London, 15. Sept. Dem Vernehmen des „Standard" zufolge werde die Regierung bei dem Entschlüsse bleiben, keine Erneuerung der Finanzpolitik vorzunehmen, bis ein Apell an das Land gerichtet worden ist. Während der Dauer des jetzigen Parlaments solle die Tätigkeit der Minister auf die Erörterung der Untersuchungsergebnisse gerichtet sein. Der Vorschlag, den Vorzugstarif innerhalb des Reiches einzusühren, solle auf unbestimmte Zeit verschoben werden und keinen Bestandteil der Gesamtpolitik der Regierung bilden. Andererseits sei die Regierung bereit, ein Wiedervergeltungs recht zu beanspruchen gegenüber denjenigen fremden Mächten, deren Zolltarife ausdrücklich darauf gerichtet find, den englischen Handel zu vernichten oder zu beeinträchtigen. Mailand, 15. Sept. In ganz Oberitalien hat das Unwetter großen Schaden angerichtet. Der Telegraphen- und Telefonverkehr ist teilweise gestört. M o h ae z, 14. Sept, lieber den Verlaus der gestrigen Donaufahrt des deutschen Kaisers von Mohacz bis Prokopfote wird noch gemeldet: Bald nach der Abfahrt des Dampfers „Sophie" auf dem die Fahrt zurück- gelegt wurde, begab sich der Kaiser auf die Kommandobrücke. Der Kaiser zog hier den Direktor der Donau-Dampf- schiffahrts-GLsellschaft Thaly in eine längere Unterredung, während welcher er nochmals seiner Freude Ausdruck gab, wieder einmal in Ungarn zu weilen. Den Gegenstand des Gespräches bildeten namentlich die Verhältnisse der Donau- Schiffahrt, für die der Kaiser lebhaftes Interesse bekundete. Saloniki, 15. Sept. Aus der Eisenbahnstrecke De- deagatsch-Saloniki wurde neuerdings einBomben-Attentat ausgeführt, ohne erheblichen Schaden anzurichten. L. Washington, 14. Sept. Der Erntebericht der Regierung übertrifft die höchsten Erwartungen. Der Ertrag an Mais, Weizen, Hafer und Baumwolle wird darin auf 2 477 000 000 Doll, geschätzt, ungefähr eine halbe Milliarde mehr als im vorigen Jahre. Man erwartet, daß in Mais die zweitgrößte und in Weizen die drittgrößte Ernte hereinkommen wird, welche die Vereinigten Staaten jemccks zu verzeichnen gehabt haben. Unter Zugrundelegung der gegenwärtigen Preise würde die Ernte einen höheren Erlös erzielen als jede vorhergegangene. New-York, 14. Sept. Die Bedrohung des Baumwollbaus in den Südstaaten durch den Rüsselkäfer, der die Baumwollsamenkapseln zerstört, hat die Bundesregierung, sowie die Behörden des Staates Texas veranlaßt, der Frage der Ausrottung dieses Schädlings näher zu treten. Der Schaden, den der boll-weevil in diesem Jahre allein in den Baumwollplantagen von Texas angerichtet hat, wird von Professor Nally von der Landwirtschaftlichen Hochschule des Staates Texas auf 8 250 000 Doll, berechnet. Telephonüscher Kursbericht Frankfurt 372% Reicheanleihe . . 101.10 3% do. ... 89.25 37,% Konsole .... 101.30 3% do......89.20 372% Hessen .... 100.15 3 72% Oberhessen . . . 99.20 4% Oesterr. Goldrente . . 101.60 4*/6% Oesterr. Silberrente 00.00 4% Ungar. Goldrente , . 98.90 4% Italien. Rente . . . 102.60 47, % Portugiesen . . . 50.30 8°/ Portugiesen. . . . . 31.00 1% C. Türken . ... 34 55 Türkenlose......127.40 4% Griech. Monopol.-Anl. 43.40 47,% äussere Argontiner 42.20 a. Jl., 15. September 1903. 3% Mexikaner ... 26.95 4%% Chinesen .... 91.70 Electric. Schuckert ... 97.20 Nordd. Lloyd . . . . 101.50 Kreditaktien .... 201.40 Diskonto-Konnnandit. . . 186.20 Darmstädter Bank . . . 135.90 Dresdener Bank .... 140.40 Berliner Handelsges. . . 152.80 Oesterr. Staatsbahn . . . 112.00 Lombarden . ... 16.80 Gotthardbahn.....188.75 Laurahütte...... 227.50 Bochum ....... 183.00 Harpener......183.80 Tendenz: schwach. Wein 'Versteigerung. Mittwoch den 23. L Mts., mittags 12 Uhr, soll im Weinhaussaal zu Aksseld das zur Konkursmasse des Direktors Jakob Bamberger gehörige Weinlager, sowie verschiedene Weinkellereigeräte versteigert werden. Es kommen zum Ausgebot: Ea. 1500 Flaschen Weiß- und ca. 1000 Flaschen Rotwein, 4 Faß Weißwein, ca. 240 Liter, und 33 Flaschen Champagner, 2 ovale Fässer von */2 Stück und 1/i Stück, 5 runde Fässer von je Vi Stillt, 1 Faß von 100 Liter, 1 Korkmaschine, 1 Sectmaschine, 1 Schlauchgeschirr, 1 Filtrierapparat, 2 eiserne Flaschenschränke für 200 und 400 Flaschen, eine Partie Selterswasserflaschen und 2 große Korbflaschen. Der zur Versteigerung gelangende Wein ist im Chemischen Untersuchungsawt für die Provinz Oberhessen in Gießen chemisch nntersucht und als naturrein befunden worden. Im Anschluß an obige Wein-Versteigerung findet nachmittags noch eine Mobilieu-Berfteigernng statt, wobei eine sehr gute Scheibenbüchse mit Zubehör zum Ausgebot gelangt. 6915 Der Masseverwalter: Grünberg. Karl, Sparkasserechner. Versteigerung. Mittwoch de« 16. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem Ausstellungsplatz (Trieb) Schippen, Rechen, Besen, Zuber, Holz- und Zinkeimer, Melkstühle, Sturmlaternen, Mistgabel« re., sowie der vorhandene Stallmist, ca. 15 Centn er alter Hafer gegen sofortige Barzahlung meistbietend versteigert werden. 6931 La Bau- llÄ Platz-Ausschuß. HmimbeWile in Frl. LaÄmm Gieße«, Südaulage 7. Beginn des Unterrichts in allen weibliche» Handarbeiten 6829 Dienstag den 15. September 1903 Von der Reise zuriiekgekehrt H habe meine Praxis für Huhn-, Mund- und Kiefer- 6250 SchwaBm, Zahnarzt, Gießen, Bahnhofstraße 63. krankheiten, chirurgisch - zahnärztliche Orthopädie wieder ausgenommen. Iuschneide-Leßranffalt Grünbergerstraße 11a (Mittelbau). Maßuehmeu. Musterzeichner!, Zuschueide« und Verarbeiten kann jede Dame gründlich erlernen. _ ZM- Der Kursus beginnt am 21. September 1903. Anmeldungen vom 14. September an erbeten. 6469 Mna Petri, geprüfte Lehrerin. 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