Nr. 293 Zweites Blatt. 153. Jahrgang Montag 14. Dezember 1903 Erschein täglich mt- Ausnahme des Sonntags. Dic „Gießens Familienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witiko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckeret (Pietsch Erben), Gießen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. Aie Heutige Yummer umfaßt 12 Seiten. Kauf- Darm st ädter Ständehause zu! Hier begann bie erste Sitzung mit einem Akte schöner Pietät. Der Präsident Geheimrat Haas eröffnete sie mit der Verlesung einer Trauerbotschaft S. K. H. des Großherzogs. Daran knüpfte er herzliche Worte der Teilnahme, und die Kammer beschloß die Absendung einer Antworbadresse an den von schwerem Geschicke heimgesuchten Monarchen. Der Staatsvertrag zwischen Hessen und Baden wegen Kürnbach wurde mit allen gegen 8 Stimmen angenommen. Ein Teil der Sozialdemokraten und Antisemiten stimmte mit der Mehrheit. Tie Wahl des sozialistischen Abg. Orb für Offenbach (Land) wurde für gütig erklärt, nachdem ein Antrag auf Anstellung weiterer Erhebungen gegen die Stimmen des Zentrums I ab gelehnt worden war. Der Antrag der ALgg. Korell uud Braun bell. die Diäten und Gebühren der Staatsbeamten wurde auf Vorschlag Ulrichs an den Ausschuß zurückverwiesen bis zur amtlichen Aufstellung der gesamten Tiätenzahlungen, die der Staatsminister zu veranlassen versprach. Staatsminister Tr. Rothe erklärte ferner in Bezug auf einen dringlichen Antrag der Abgg. Molthan und Genoffen, die Regierung werde das Inkrafttreten der Regierungsverordnung, welche das Selbstdisperrsierrecht der homöopathischen Aerzte aufhebt, bis zum 1. April 1904 hinausschieben, damit der Landtag über die Vorstellung der homöopathischen Aerzte zuerst Beschluß fassen könne. Ter Initiativantrag der Abgg. Alöllinger und Genossen betr. den Gesetzentwurf der Gewährleistung der .Verzinsung der Schuldverschreibungen der Hessischen Landeshypothekenbank wurde angenommen. Eine Erklärung des Staatsministers über die Hütekinder im Vogelsberge wird auf Antrag Weidners durch, Truck vervielfältigt werden. Von den Vorgängen des Auslandes ist von Bedeutung eine Botschaft des Präsidenten Roosevelt. Da klingt es von Genugtuungen, großen Errungenschaften und noch größeren Zielen. Amerika hat den Panamakanal ganz | in seinen Besitz bekommen, im Alaskaschledsgericht die halbe kanadische Küste erhalten und fast die ganze Welt bewirbt sich nur des Landes Gunst. So- wagt Amerika immer noch Größeres und plant eine weitere riesige Flottenvermehr-| ung, um mit einem Hymnus auf den Weltfrieden und aus, das Haager Schiedsgericht im Munde auf die Eroberung von Mittel- und Südamerika auszugehen uud diese Märkte allmähliche ebenso Deutschland vor: .der Nase fortzunehmen, wie England eine Zollmauer um seine Kolonien errichten wird. Rußland weiß gegen eine Welt von Widerstand zu siegen — allein aus diplomatischem Wege. Es schaut ruhig aus die kochende Volksseele in Japan, dessen soeben von der Regierung ausgelöstes Parlament offen mü der Regierung brach, weil sie nicht aggressiver gegen Rußland vorgeh-t. 9Loch immer schwankt die Wage des Geschicks in Ostasien zwischen rllieg und Frieden hin und her. Tie Antwort Rußlands auf die Vorschläge Japans ist zwar soeben in Tokio eingegangen, der Inhalt ist aber noch unbekannt. Die allgemeinen Wahlen sind auf den 1. März anberaumt. Die japanische Regierung ist ruhig und voll Zuversicht. Sie ist augenscheinlich entschlossen, die Verhandlungen dem ursprünglichen Plane gemäß fortzuführen. ungen und Anfragen. Die Vorstellung des Fußgendarmen i. P. Heinrich Hoffmann in Groß-Gerau wegen Pensiouseryöhung wird auf Antrag des Abg. Sens selber an den Ausschuß zurückverwiesen. Tie Vorstellung des Fußgendarmen i. P. Karl Heinrich Ganß in Worms um Gewährung einer Tienstentschädig- ungszülage ruft eine längere Debatte hervor. Der Ausschuß nimmt an, wie Abg. Weidner betont, daß der erlittene Sch,aden des Petenten auf einem durch Unfall hervor gerufenen Bruch beruhe und deshalb eine Tienstj- beschädigungszulage am Platze sei. Ministerialrat Best erklärt, daß die Regierung nicht in der Lage sei, der Vorstellung Folge zu geben, weil die Dienstunsähigkeit nicht durch einen Unfall herbeigeführt wurde. Ter Betreffende habe auch vom August 1897 bis 1899 noch Dienst getan. Die Regierung stützte sich, auf die ärztlichen Gutachten und sei nach den Bestimmungen des Gesetzes nicht in der Lage, die gewünschte Zulage zu bewilligen. t Wg. Weidner tritt wiederholl für den Ausschuß» antrag ein, während Wg. Müller die Zurückverweisung an den Ausschuß beantragt. Abg. Molthan meint, die Regierung solle sich doch nicht mit Ständen und Füßen srräuben, solchem armenTeusel, der schon im 62. Lebensjahre steht, die kleine Zulage zu bewilligen. . Tas Haus genehmigt darauf einstimmig dre Zulage. Ueber die Vorlage des Schreinermeisters C r et e r II. zu Darmstadt wegen Entziehung von Baugelände in Ar- yeiligen berichtet Wg. Müller und beantragt Ablehnung. Die Kammer beschließt demgemäß. Die Vorstellung des Mlgemciuen deutschen Vereins für Schulgesundheitspflege in Betreff der Anstellung von I Schulärzten im Deutschen Reich beantragt Wg. Brauer als Ausschußberichterstatter, die Vorstellung wie erledigt zu erklären. Im übrigen erklärt der Ausschuß: Unsere moderne wirtschaftliche Entlvicklung hat aus sozialem Ge- bret Zustände beseitigt, die nicht zum wenigsten sich in der Schule wiederspielen. Besonders in den Volksschulen der Jndustricbezirte läßt das Aussehen vieler Schulkinder keinen Zweifel, daß neben erblicher Belastung ungesunde und unnatürliche Wohnungs- und Ernährungsverhältnisse ein frühzelliges Siechtum verschuldet haben. Wer auch in den höheren Lehranstalten muß die einseitige geistige Ueber- anstrengung infolge des fortwährend höher gesteckten Lehrzieles die kärgliche Widerstandsfähigkeit und Gesundheit verringern und beeinträchtigen. Jeder Menschenfreund kann ohrie besondere anthropologische und medizinische Kenntnisse diese Schäden erkennen. Da deshalb die Tätigkeit der Schulärzte nur eine beschränkte sein kam:, hält der Ausschuß sowohl die bis jetzt ergriffenen, als auch die in Aussicht genommenen Maßnahmen unserer Regierung für vollständig ausreichend. Das Hans schließt sich dem Aus- jchußantrag an. Tie Vorstellung der pensionierten Volksschullehrer Hechler-Bensheim und H art man n-Werbach werden für erledigt erklärt. Der Antrag der Abgg. Dr. Schmitt und 44 Genossen, betr. die Ausbildung der Verwaltungsbeamten wlld von der Tagesordnung abgesetzt. Aus die dringliche Anfrage des Wg. Berthold betreffend das Enteignungsvcrsahrcn bei dem BahnhosS- I bi an in Bischofsheim widerlegt Ministerialrat Ewald Vlordanlage zwischen der Dammstraße und dem männischen Nereinshause wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 12. Dezember 1903. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Die am 20. November l. Js. angeordnete Sperre der Bekanntmachung. Betr.: Bedingungen der Hessischen Landes-Hypothekenbank in Darmstadt für ihre vom 14. Dezember l. I. an bis auf weüeres zu erteilenden Zusagen. Der Zinsfuß für alle Darlehen beträgt 38/4 pCt.; die /Tilgung regelmäßig x/i pCt. Bei Hypothekar-Darlehen an Private beträgt die du» Malige Entschädigung für Kursverlust und Begebungskosten 1 ®/4 pEt. Für die Darlehen, welche später als 4 Wochen, von der Zusage an gerechnet, zur Auszahlung gelangen, er* Höht sich diese Vergütung auf 1,95 pEt. Bei Komunal-Darlehen beträgt die einmalige Entschädigung für Kursverlust und Begebungskosten 1,65 pCt.; falls die Abhebung des Darlehens später als 4 Wochen nach der 'Zusage erfolgt, erhöht sich diese Vergütung auf 1,80 pCt. Auf Wunsch kann ein Teil der Geldbeschaffungskosten in tr Weise gestundet werden, daß er an Stelle der Tilgungs- üträge in den ersten Jahren verrechnet wird. sozialistischem Getue nach komischer Klefferart mit lautem Ge- £ bell die Staatskarosse,die sie selber sich so oft bemüht haben in fcorfomtne den Kot zu ziehen und deren gelegentliche lleine Ent- Verwende gleisungen sie meistens ganz allein verschulden. Viel niedlicher wäre es, sie packten sich wie Münchhausen, am eigenen' Zopfe, um sich an ihm aus ihrem idealen Sumpfe hinauszuzerren. Was Graf Bülow gegen den Zukunstsstaat und vre Dresdener Parteikomüdie vorbrachte, war ja auch gerade nichts Neues — was ließe sich auch viel Neues nach, all dem von einsichtsvollen Beurteilern historischer Entwicklung ,Bor- getragenen sagen —; aber es kam alles formgewandt, schlagfertig und mit so überlegenem Witz heraus, daß seine Rede besser war, als was er anb viele andere noch je gegen die verehrliche Sozialdemokratie gesagt haben. Erfreulich war ferner, daß auch er die Beselliguug der Soldatenmißhandlungen für eine der Pflichten des Reichskanzlers erklärte, sodaß der Kriegsminister v. Einem am Freitag einen leichteren Stand hatte, als man nach/ all den Geschichten, die die Oessentlichkell in der letzten Zell erfahren hat, voraussetzeu konnte. Wie anders als im Berliner Wallotpalaste geht es im jährlichen Bericht an, daß die Kinder nur in. der güi Jahreszeit dazu verwendet würden und zwar im von 10—12 Jahren, die Anzahl betrage 4—10 Prozent der schulpflichtigen Kinder. Die Leistungen und die ganze Haltung der verdingten Kinder seien in der Schule nicht schlechter, als die der anderen; man könne sogar nach dem Jndiensttreten eine Besserung, verspüren hinsichtlich der Ernährung und Kleidung. Tas schwächere Lernen int Sommer habe sich nicht nur bei den Hütekindern, sondern!, auch, bei den anderen gezecht. Wenn etwas geeignet jei> nachtellig einzuwirken, so sei es der Umgang mit halb-, wüchsigen Burschen und Mädchen. Die Beschäftigung als Hütekinder sei bei den gegenwärtigen Verhältnissen wohl nicht zu umgehen. Wesentlich ungünstiger lautet der Bericht der Kreisschulkommission von Schotten, in welchem konstatiert wlld, daß die Kinder durch das Hütewesen für Schule und Hans Schaden erlitten und deshalb ein Verbot sehr erwünscht sei. „ c t Abg Weidner bemerkt zur Geschäftsordnung, der Be* richt aus Schotten stamme von einem jungen Beamten, der ein entschiedener Gegner der Hütekinder fei. Er beantrage, die Regierungserklärung drucken zu lassen und die Besprechung über die Angelegenhell erst, später vorzunehmen. Tas Haus beschließt demgemäß. Zur Beratung kommen nun eine Reche von Borstell- Keuscher Landtag. R. B Darmstadt, 12. Dezember. Am Ministertische: Staatsminister Tr. Rothe und die Ministerialräte Becker und Eiffenhut. dtachdein Präsident Haas die Sitzung um 9,25 Uhr, bei nur schwach besetztem Hause eröffnet, wird zuerst in die Beratung der Anftage Hauck und Geuoisen, betr. die Hütekinder im Vogelsberg ein getreten. Tie Anftage fußt auf zwei Wtikeln in der „JEks. Ztg.", die ich eingehend mit den Hütekindern im Vogelsberg beschäftigen uud die diesbezüglicheu Zustände als geradezu fürchterlich hinstellen. Die Zragesteller sagen nach der Politische Wochenschau. In aller Herren Länder ergießen jetzt die Schleusen der Beredtsamkeit der Vollsverlleter ins.Land hinein. Nicht , nur int Deutschen Reiche und in den meisten seiner Bundes floaten, auch in Italien, in Nordamerika usw. hat mau den Parlamenten eine Unzahl von Vorlagen zur rednerischen Verdauung vorgesetzt, während der Nationalitätenkampf in den östreichisch-ungarischen Volksvertretungen schon wochenlang ebenso hitzig rumort wie der Kampf der französischen Klerikalen gegen die liberale Mehrheit der Tepuliertenkammer. Ueberall aber erlebt man es zu einer Zell, in der die Presse tausendsttmmig auch bis zu dem einsamsten Wald- und Bergbewohner spricht, daß die Volks- verlleter in den Parlamenten wiederholen, was vorher in der Presse schon ausführlich mitgetellt worden, ist. Was im Besonderen den Reichstag anbetrifft, so ist über die Sollraten Mißhandlungen, über den Fall Bilse, über Scküssahrtsabgaben, über die Dresdener Parteikomödie, über die Sinararejem ufto. gar viel schon gesagt und geschrieben worden, was die Etatsdebatten jetzt zu Gchvr gebracht haben. Es würde viel Zeit gespart werden, wenn bte Abgeordneten sich gezwungen sähen, den T-ingen neue Gesichtspunkte abzugewinneu und auf Wiederkäuen von Verdautem verzichteten. Am ausgiebigsten hat diesmal Bebel das Feld der Beschwerden abgegrast, dic jemals und von irgendwem und irgendwo gegen Regierungssysteme wrgebracht worden sind Man hört aber deutlich aus allem den Dresdener Diktator heraus, dem es darauf ankommt, noch wettere funderttausende oder womöAich Mlllionen Deutscher für sein politisches Lotteriespiel zu gewinnen, mtt denen er dröhnend über den „kapitalistischen Staat" hinweg in das ietiae Gefilde des Zukunftsstaates hinüberueaischleren könnte Jur ihn giü es lediglich: Sammeln, sammeln, -usamnnuttvommeli., die gewonnenen Massen m Trszchlm batten mtt der Rute der Parteidiszrplin und dem Apfel des Zukunftsstaates. Ein wie intelligenter Redner und neri'wner Agitator man doch sein kann, ohne ui 1 einem & onte aus dem Gebiete der hohen Polttik sein Lebtag etwas mehr als der Leipziger Drechslermeister geworden ;u lein' v Wollmar, der an traumatischer Neuro,e infolge Lines Eisenbahnunfalles erkrankt ist, und in Nervi an der Riviera fett einigen Tagen weilt, wäre ein „vielfach verbesserter" Bebel. Allmählich würde dann wohl auch die Etatsrede der Sozialdemokraten etwas mehr sein als em Potpourri, in dem die Pauke mit dem Bumbum vom Zu- ttinftsstaate allein die Ntelodie spiÄt, das aber sonst voller Disharmonien ist. Was z. B. geht Herrn Bebel die Mschenkpolttik an? Er will den Weltfrieden i*e Menfchheitsverbricherung — wie kann ste besser erreicht merden als durchs Geschenke und Verbeugungen vor aller S“' Wart Militärlasten. Was Bebel hier sagt, ttt eben zum Jenster hinaus an jene halb- und Viertets- volttiker im Lande geredet, die sich Sebel Wm pvllA.A^ Ser erküren, nicht weil sie sein „Programm b-illtgen, Tn nur, weil er irgendwo einmal nicht ganz ochie jeden Grund genörgelt hat. Dann HEe er ja recht, wir durch Kiautfchou einmal mtt^Rußland m ^nter- ejscngegensatz geraten können, wasuns oann ander deutsch- rliWa G?enze gefährlich werden kann Mfcr das sollten jiü Bebel die allerletzten Sorgen snn! Ehe es so wett klommt, ehe Rußland nicht nur in die Mandschurei, sondern bis Peking und Schantung vvrgedrungen ist, haben wir L in Tmtschllmd längst den Zukunstsstaat und alles ist dann in besten häiiden! Warum also sorgt sich hmr Bebel? Bebel' sprach mtt weniger Begeisterung, seine Rede verlief schlapp und schleppend, versgMdene Hörer Flen - zmn^/rstenmal bei einer Bebelschen Etatsrede - 'inac'chlafen sein Dresden und was nachfolgte, hat ihn doch deprimiert. Außerdem hat ihm der bayrische Dom- öhilar SÄädler, der sich immer mehr zu einem nmen Dr Licker als Zenttumsbelserrfcher auswächst, die betten Effekte in feiner Etatsrede schon vvrweggeiwmmen Dhe na Mlse - Beyerlein - Breidenbach war völlig ^Eso leichter wurde es dem be onders gut aufgelegttn Graim Bülow, dem Herrn „Stud. revol." ^bel, wie dw stÄ N N" den Diktator Deutschsozialdemokratiens nennen^ aus der Mensur eine gründliche Abfuhr zu teil nwrden' zu lassen -Er hat ihm in eleganter Fechterart eine ganze Anzahl von ,Muttg!en" versetzt, an denen die Herren I Wiedergabe der beiden Arttkel: Es wlld der Großh. Re- Paukärzte von der sozialdemokratischen Universitas nun gierung möglich sein, an der Hand von ernschlagrgen lln- k.erumzuflicken ihre lieöe Not haben. Der „Bottvärrs" und tersuchnnaen der zuständigen Krersänller, Kreisschulkom- seine Gefolaschaft, u. a. anch das ,F)ffenb. Abendblatt", Missionen und Ortsschulvorstände die Wahrhell und Unwissen natürlich nichts anderes als kindische Pöbeleien und wahrhell der obigen Ausführungen zu konstatrerw unv Bebeleien vorzubrinaen und tun das zudem noch in einer, hiernach die Sache aus ihr richttges 9Naß zuruckzusnhrem da sie Ernschaftes sch-lechiterdings nicht ersinnen können, Um diese Untersuchung und folgende Klarstellung herver- chnen um so lächerlicher anstehenden hochfahrenden Ton- zuführen, fragen wir Großh. Regierung: art. Sie reden von Bülowfchen „Albernhellen^", während 1. ob nach ihrer Ansicht die obigen Ausführungen auf doch diese Albernhellen vom schlaraffenländlichen Zukunsts- Wahrheit beruhen, staate, den Bülow so anscharllich als unwiderleglich aus- 2. ob Hochdieselbe im Falle der Feststellung der Unwahr- malte, ganz auf ihrer Selle zu finden sind. Die Bälferer heit oder mindestens der UnrichtigEert der obigen spotten ihrer selbst und wissen nicht wie, indem sie sich Ausführungen gewilll ist, die „Frankfurter Zeitung" die Wwehr mll ein paar ironisch sich gebenden Phrasen zur entsprechenden Berichtigung zu veranlassen? bequem machen. In ihrer unhiswrijchen Kurzsichtigkell ist Staatsminister Dr. Rothe erklärt sich zu einer Be- ihnen selbst noch nicht der geringste Schimmer aufgegangen antwortung der Wfrage bereit und bringt eine längere von ihrem Jdealstaate, und wlld chnen das mit aller Logik Erklärung zur Verlesung, in welcher dargeSegt wlld, die von kundiger Hand ausgemalte Gemälde einmal vor Augen Untersuchung habe ergeben, daß die Heranziehung von gehallen, dann verleugnen sie es einfach und über- Schulkindern zu allerlei landwirtschaftlichen Arbellen und jallen wieder einmal mit rein demokratiscyem und anti- besonders zum Viehhüten in ausgedehnterem Maße nur ----A —4. r—4.™, in belt weisen Lauterback) (Herbstem) und Schotten wiwuvurf; in den übrigen Teilen Oberhessens sei die Verwendung von Hütekindem nur sehr vereinzelt. Die Kreisschulkommission in Lauterbach gebe in einem aus- c «. «...„u—------- der günstigen! )ar im Alter die Beharrungen der Anfrage. Es sei durchaus unzu- treffend, daß nach dem Preis der Grundstücke vor der Enteignung nickst gefragt wurde, es sei tatsächlich bei allen Eigentümern vorher angefragt w-vrden. Auch die zu niedrige Bemessung der Preise für die Grundstücke treffe nicht zu, ebenso die Behauptung, daß die Auszahlung nicht prompt erfolgt sei. Abg. Berthold erkennt inbezug auf den letzten Punkt xn, daß er sich geirrt habe. Er weist dann darauf hin, daß das Porgehen der preußisch-hessischen Eisenbahndirektion in Mainz und Bischofsheim große Aufregung hervorgerusen habe, weil gegen einzelne Grundbesitzer das Enteignungsversahren m schroffster Weise eingeleitet wurde. Abg. Tensfelder bemerkt, er habe als Sachverständiger bei der in Frage stehenden Angelegenheit mitgewirkt und er könne konstatieren, daß die Verkäufe der Grundstücke ganz in den Händen der Rechtsanwälte lägen, bei denen es sich darum zu handeln schien, die Erledigung lange hinauszuziehen und möglichst hohe Preise zu erzielen. So seien für einen einzigen Nußbaum 500 Mk. und für einen Acker 12 000 Mk. verlangt worden. Daß sich bei solchen Forderungen die Elsenbahndirekrion Mainz nicht auf weitere Verhandlungen mit den Betreffenden einzulassen Lust verspürte, sei wohl selbstverständlich. Die Schuld an der Herbeiführung des Enteignungsversahrens liege nicht an der Direktion, sondern an den enormen Forderungen Besitzer. Damit ist die Interpellation erledigt. Nachdem d>.e Kammer darauf einige kleine Anträge, darunter die Gesuche der Dv- manialforstwarte und der Forstwarte im Kommunaldienst auf Verbesserung ihres Diensteinkommens den Ausjchußanträgen gemäß abgelehnt, kam noch der Antrag Wolf und Genossen zur Beratung, welcher die Regierung ersucht, von dem Erwerb der weiteren erstklassigen Weinberge möglichst abzusehen, dagegen an etwa sechs bis zehn Plätzen innerhalb Rheinhessens Weinberge mittlerer und geringerer Lagen anzukaufen und rnustergiltig bewirtschaften zu lassen. Der Antragsteller und der Ausschußberichterstatter Mo Ith an, Weinhändler in Mainz, sprechen der Regierung volle Anerkennung fiir ihre bisherige vorbildliche Tätigkeit in den Weinbergen der Staatsdomänen aus; der letztere bezeichnete auch den Keru des Wolfschen Antrags als einen gesunden, empfahl aber namens des Ausschusses nicht die Annahme desselben, sondern desien Ueberweisung an die Regierung. Das Haus schloß sich dem Ausschußantrag einstimmig an und vertagte sich auf Dienstag vormittag 10 Uhr. Jer Ktat im Reichstag, rv. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt wnterm 12. Dezember: Tie Eta.sdebatle erlitt heute zunächst eine Unterbrechung. Tie Beratung des deutsch-englischen Handelsprovisoriums ging voraus; sie brachte die Erstlingsrede eines neuen Reichstagsmitglieds, des land- bündlerischen Antisemiten Graf Reventlow. Tiefer zoll»- kampflustige Agrarier wollte nicht erlauben, daß die Vorlage kurzer Hand verabschiedet werde. Staatssekretär Gras Posadowsky belehrte mit milder Ruhe den Grafen Reventlow dahin, daß zur Beurteilung handelspolrtischer Fragen etwas mehr Sachkenntnis gehört. Die zwecke Touche verabfolgte Abg. v. Kardorff: Graf Reventlow liefere mit seiner Rede nur Wasser auf die Chamberlainsche Mühle. Wie man den Standpunkt der Landwirtschaft vertritt, ohne ins Extrem zu fallen, das zeigte dem parlamentarischen Tebütanien endlich Abg. Graf Kanitz. Es schloß sich gleich die zweite Lesung des Gesetzentwurfs an, nachdem noch die Abgg. Goth ein (fr. Ber.) und Bernstein (Soz.) gesprochen hatten. Gemäß dem Zentrums- antrag wurde die Vollmaast der Regierung zur Verlängerung des Haridelsprovisoriums aus zwei Jahre beschränkt; Abg. v. Kardorff hatte Beschränkung auf ein Jahr gewünscht. Tann kam die Äatsdebatte wieder zu ihrem Recht. Ms „Anwalt der Bundesstaaten" setzte der preußische Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben, ein gewandter Redner, nochmals die Vorzüge der Reichsfinanzreform ins Licht. Ter Reichstag werde sich ein Verdienst erwerben, wenn er die bescheidene Neuregelung annehme. Eine zweite parlamentarijche Jungfernrede folgte. Tie polnische Fraktion entsandte den Abg. v.Scar- zynski auf die Tribüne, einen Herrn mit martialischem pechschwarzen Knebelbart, im übrigen ohne hervorstechende Eigenschaften. Es versteht sich von selbst, daß der Redner am meisten die ,/Lstmarienzulage" mißbilligte. Höchst pefsimistisch in Bezug auf die Handelsverträge blickt dte Freisinnige Vereinigung in die Zukunft. Ihr Wortführer, Abg Schrader, glaubt nicht, daß die neuen Verträge vor Mlauf von zwei Jahren zum Abschluß gelangen werden. Tie einigermaßen lehrhafte Art des Vortrages dieses Parlamentariers vermochte die Hörerschaft nicht eben in Bann zu ziehen. Anders die temperamentvolle Redeweise des Abg. Payer von der Voltspartei. Tie Wucht der Kritik, mit der er das System der „demütigenden" Zuschußanleihen und den Finanzreformentwurf, speziell die betreffenden Ausführungen des preußischen Finanzministers, bedachte, wurde in ihrer Wirkung gesteigert durch einen Sarkasmus, dem man im Parkett Voltes Verständnis entgegenbrachte. In den Mittelpunkt seiner Erörterung stellte Mg. Payer den Einfluß der Finanzresvrm auf die bundesstaatliche Haltung der Einzel- staalen, und die Mneigung seiner Freunde gegen diese Vorlage begründete er vor allem mit der Befürchtung, daß die Reform die Einleitung bilde zu einer Vermehrung der indirekten Steuern im Reich Tem Schatzsetretär wurde bei dieser Zerfaserung feines ersten Gesetzgebungswerks anscheinend unbehaglich zu Mut, zumal der Redner wiederholt starken Beifall im Hause fand. Auch über die brennenden Fragen, die Soldcwenmißhandlungen usw. wußte Abg. Payer anregend zu sprechen. Ebenso entbehrten die Ausführungen aber den Tiärenmangel, die auswärtige, die Sozial- und die Wirtjch>astspoliu.k, sowie besonders über das „Tuell" Bebel-Graf Bülow — „Wir von der Volkspartei müssen die Wacht am roten Meer halten" — nicht der geschickten und wirksamen Behandlung. Am Montag will die äußerste Linke den Kampf gegen die xcglcrung und insbesonoere gegen den Kanzler wieder aufnehmen. Man wird demgemäß eine stürmische Sitzung erwarten können. Aus Staöt uni) Auw. Gießen, den 14. Dezember 1903. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Kammerjunker und Kreisamtmann Dr. Hugo Freiherrn von Leonhardi zum Kammerherrn ernannt, der durch die Dekanatssynode des Dekanats Oppenheim auf die Dauer von fünf Jahren vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Johannes Weiß zu Selzen zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Oppenheim die Bestätigung erteilt, und dem Vizewachtmeister im 2. Großh. Hess. Feld-Artillerie-Regiment 9ir. 61 Karl Schaaf die Stelle eines Dieners am evangelischen Predigerseminar in Friedberg übertragen. ** Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Am Mittwoch den 2. Dezember sprach Professor Dr. Alfred P hil i p p so n-Bonn über West-Kl ein-Ast en. Durch Klein-Asien dringt heute die europäische Kultur in Vorder- Asien vor. Ein wichtiger Faktor dieser Entwickelung ist die von deutschem Kapital erbaute Anatolische Bahn, die das Interesse in Deutj'chland auf Klein-Asien gelenkt hat. Toch ist die wissenschaftliwe Erforschung des Landes noch sehr im Rückstand. Ter Vortragende hat sich daher der geographischen und geologischen Untersuchung des westlichen Teiles Klein-Asiens im Anschluß an ferne früheren Arbeiten in Griechenland gewidmet und in drei Sommern umfangreiche Reisen dort ausgeführt, die er noch fortzusetzen gedenkt. In dem bereisten Gebiet stoßen die großen natürlichen Provinzen zusammen, in die Klein- Asien zerfällt, und die erhebliche Gegensätze in Bau, Oberflächengestalt und Klima zeigen. Es find dies: das innere Hochland, die schmalen Kustenränder im Norden und bilden, endlich der reich gegliederte Westen, der zum Aegäischen Meer hin sich öffnet Ter Vortragende schilderte die Vegetation und Kultur dieser Provinzen. Ter Gegensatz rn der 9tatur dieser verschiedenen Provinzen zeigt sich naturgemäß auch in dem Wesen und in der Kultur der Bevölkerung, und zwar zu allen Zeiten der wechsel-vollen Geschichte dieses uralten Kulturlandes. Heute ist im Innern und im Nuorowesten die große Masse der Bevölkerung Türken, ein Volk, dessen Grundstock die alte Urbevölkerung Klein-Asiens bilden dürste, die von den türkischen Eroberern Sprache, Religion und Sitte annahm, dagegen jenen ihren körperlichen Typus ausprägte. Dazu kommen interessante Nomadenstämme, die den mongoloiden Typus häusiger erkennen lassen. An der Küste dagegen sitzen seit dem Altertum die Griechen, und diese bringen in der letzten Zeit im ganzen Westen vor, indem sie Handel und Verkehr vorzugsweise in der Hand haben. Aehnlich beherrschen im Innern und TLorden die Armenier den Handel. So kommt die türkische Bauernschaft mit der Erschließung des Landes durch den modernen Verkehr mehr und mehr in materielle Abhängigkeit von den christlichen Elementen. Ebenso geht das türkische Handwerk zurück infolge der Konkurrenz der billigen europäischen Fabrikate, oder es wird in europäischen Fabrikbetrieb umgewandelt, wie die Teppichknüpferei. Im Landbau selbst werden die Türken vielfach bedrängt durch die zahlreichen mohammedanischen Einwanderer anderer dlationalitäten. So hat die Erschließung des Landes den Türken selbst keineswegs nur Vorteil gebracht. Das Land an sich aber entwickelt sich schnell zu reicherem Leben und Wohlstand, besonders in dem von Natur ge.egneten Westen, der schon längere Zeit durch englische uib französische Eisenbahnen von Smyrna aus ausgeschlossen ist. Tas von der Anatolischen Bahn durchzogene Hochland mit seinem einförmige Gei reibe bau tann ;iuj damit nicht messen. Dafür ist es aber das Durchgangsland nach Süoosteri, und von allen kl-einas lettischen Vahnen kann daher nur die Armvoll,che nach Syrien und Mesopotamien weitergeführt werden. ** Kunstverein. Bei der am Samstag in Darmstadt stattgehabten Verlosung von Oelgemäloen, Aquarellen und Prachtwerken sind nachsteheiide 12 Gewinne an hiesige Mitglieder gefallen. „Garten in der Villa Rtole- notti in Florenz" von 9JL Loose-Berlin an Landgerichtsdirektor Tr. Buciing; „Rübezahl" von Ludwig Richter an Kaufmann sDu Friedberger; ,/Offenes Tal" von Thoma- Karlsruhe an die Stadt Giesten; „Am Pflug" von G. Se- gantini an Prof. Dr. Noack; „Deutsche Pappeln" von O. Ubbelohde an Prof. Dr. Fromme; „Landschaft" von E. Schnwll v. Eisenwerch an Kaufmann tz. Mettenheimer; „Heimkehr vom Feld" von R. Schrestl an Frau Hoflieferant Schwab Ww.; „Eyrisrmarkt" von E. Biese-Karlsruhe an Fabrikant Bock II.; „Die Nacht" von G. Eilers-Eorregio an Kaufmann E. Balser; ,pBrldnis d. Großyerz. v. Baden" von O. Graf-Älunchen an Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Riegel; „12 Steinzeichnungen" von W. Bader-Darmstadt an Kaufmann Ed. Sack; „Aöappe mit Lanoschäften" von L. Willrower an Rechts anwalt Dr. Spohr. ** Silberner Sonntag. Am gestrigen Sonntag waren zahlreiche Landleute zu uns in die Stadt gekommen, um Wechnachtseinkäufe zu machen. Neustadt, Marktstraße, Marktplatz, Schulstraße, Mäusburg und Kreuzplatz boten den ganzen Nachmittag über ein recht belebtes Bild. Auch in den Läden gab es zeitweilig übermäßig viel zu tun, und besonders in den Spielwaren- und Bazargeschäften herrschte starker Kundenandrang. Auch der Seltersweg hatte gestern Verkehr, doch war es mehr die Stadtkundschast, welche bei dem milden Wetter dort auf und ab promenierte, um die Auslagen in den Schaufenstern zu betrachten. Im allgemeinen klagen die Geschäftsleute mit wenig Ausnahmen über em unlohnendes Winter- und Weihnachtsgeschäft; als Grund dafür wird das milde Wetter bezeichnet. Aber auch andere Ursachen hört man dafür anführen. Es sind nun etwa noch 10 Tage bis zum Feste, und es steht wohl zu erwarten, daß während dieser Zeit noch viel gekauft wird. Vielleicht schlägt auch das Wetter noch um und beeinflußt den Detailhandel in mancher Branche noch günstig. ** Die Bieberthalvayn ist, wie aus der heutigen Bekanntgabe hervorgeht, dem lange gehegten vielseitigen Wunscye des Publikums, Rückfahrkarten einzuführen, endlich nachgekommen. Diese werden auf der Station Gießen nach allen Stationen und Hallestellen der Bieberthalbayn für die 2. und 3. Wagenkla,fe ausgegeben und haben fürdenTag,an demsiegelv ft werden, zur Rüafahrt Giltigieck. Ferner findet auf der Haltestelle Wind Hof vom 15. d. Mts. die Fahrscheinausgabe nicht im Zuge, sondern in der Restauration des Herrn Ebriftian Duill statt. Turch den Zugführer werden die Fahrscheine auf der Haltestelle Krofdorf-Gleiberg nur noch ausgegeben. Diese »Neuerung trügt zur Bequemlichkeit der Fahrgäste bedeutend bei und dürfte hauptsächlich von den Besuchern des Windhofes mit Freuden begrüßt werden. ** Geisteskrank. Kassierer Herrmann, der die Defraudation bei ber Mainzer Volksbank beging und zur Untersuchung seines Geisteszustandes vor einiger Zeit in der Jrrenabteilung der Landesuniversität verweilte, wurde, wie gemeldet wird, für geisteskrank erklärt. ** Tausend Ni art hat ber hier verstorbene Rentner Schreiber dem beulsch- österreichischen Alpenverein ver- llwchl, dessen langjähriges, treues Ntitglied er war, unb zwar unter der Bedingung, daß dieser Betrag nur im Einverständnis mit dem Verschönerungsverein und zwar entweder in unserer Stadt ober in dessen nächster Umgebung verwendet werden darf. ** Der Vorstand des hiesigen Eisenbahn- Konsumvereins bittet uns um Bekanntgabe, daß ihm zwar seitens des Vorstandes des Vereins der Detaillisten ein Schreiben, welches die sofortige Kündigung des Rabatt- Mfommens vor sah, zugegangen i|t, daß aber sämtliche Firmen, ausgenommen zivei, bereits früher zurückgetretene, mit diesem Vorgehen sich nicht einverstanden erklärt haben. Tas Rabatt-Abkommen, so heißt es in dem Schreiben, besteht also hiernach noch — Nun hat imeber der Detaillistew- ö er ein das Wort. ** Unzufrieden. schreibt uns: Als im Dezember 18U8 das Gesetz, die Besoloungen der Staatsbeamten be.it., von der zweiten Kammer angenommen worden war, glaubte man allgemein, daß nunmehr zufriedene Beamte ge)gaffen seien. Statt dessen liegen alljährlich der Kammer mehrere Gesuche vor, in denen Beamte um anderweitige Regelung ihrer GehaUsverhärtnstje, besonders durch! AnreaMung der Vvrdienstzeit, butten. Das i)t uns unbegreiflich, und wir können der obersten Behörde nur bev stimmen, wenn sie sich solchen Gesuchen gegenüber ablehnend verhält und nach dem Gesetze alle Beamten gleiche- mäßig behandelt. Unter diesen unzufriedenen Beamten befinden sich meist auch ein oder mehrere Äiilitäranwarter. Sollten diese nicht bedenken, daß durch Reichsgesetze für ihre Versorgung genügend Sorge getragen ist? Werden sie doch nach Ablegung der Probediensizeit sofort angestellt und haben fie nicht aus viele SteUen einen gesetzlichen Anspruch? Woher kommt das? Wir müssen doch annehmen, daß em MiUtäranwärter auch nach Ablegung des Wasfenrockes erst recht die Disziplin, die ja jeder Beamte schuldig ist, bewahrt. Sollte ein einzelner Milctäranwärter statt Sondergesuche zu machen, sich nicht lieber mit seinem ihm auch noch jso gering erscheinenden Gehalte zu,riedeu geben und eine Besserung der Vermittelung des Militäranwärtervereins, dessen Gründung wir, wie die aller Beamtenvereine, mit Freude begruben, überlassen? Butzbach, 12. Dez. Die Hofraite von Friedrich Klein Erben, Flur I Nr. 578, 206 Quadratmeter groß, am Ntarktplatz gelegen, wurde nach der Butzb. Ztg. zum Preise von 22 500 Mk. an Wilhelm Enders Eheleute hier verkauft. U. Darmstadt, 13. Dez. Wie in den übrigen Kreisen unseres Hessenlandes, so hat sich nun auch in ber Residenzstabt ein Komitee gebildet, das sich die Sammlung von Beitragen für die Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog am 1. Januar n. I. zu überweisende Spende zum Besten feiner hochherzigen Kunstbestrebungen zur Ausgabe gestellt hat. Dem Komitee, das am Dienstag mit einem besonderen Aufruf an die Oeffentlichkeit treten wirb, gehören viele ber ersten Namen hiesiger Stabt an. Offenbach, 12. Dez. In der Angelegenheit der Stadt Offenbach gegen eine Anzayl Hausbesitzer wegen Hercuizieyung zu den Kosten der Kanäle und Fußwege hat nacy, der ,^sserrb. Zpg." der Verwaltungsgerichtshof dem Anträge der HauKoesitzer, vev- treten durch die Rechtsaiiwälte v. Brentano und Dr. Guggenheim, stattgegeben und das Urteil des Provinzial- aussa-nsfes, das die Beschwerde der Hausbesitzer für unbegründet erklärt hatte, auf gehoben. Zugleich hat der Berwaltungsgericytsyos ertamit, oaß die Sacy,e zur noch- nraligen Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen werde. Mainz, 12. Dez. Der Lu st mörder Weygand stand vor Jahren schon einmal wegen emes scheußlichen Verbrechens, das er als Soldat an einem kleinen Mädchen begangen hatte, hier vor dem Schwurgericht. Er kam jedoch in eine Irrenanstalt, aus der er aber entsprang, um sich dann fünf Jahre lang in allen möglichen Erdteilen herumziltreiben, bis er schließlich wieder hier in Mainz aufgespürt unb unter den abenteuerlichsten Umständen verhaftet wurde Inzwischen hat es sich herausgeslellt, daß Weygand wahrscheinlich der eifrig gesuchte Verüber von zwei vor einiger Zeit in Aschaffenburg unb Würzburg begangener Lustmorde ist. Er wurde nun nach Würzburg gebracht und ist dort durch verschiedene Zeugen schwer belastet worden. Frankfurt a. M., 13. Dez. Auf dem Güterbahnhof wurde heute früh der Rangierer Leon aus Griesheim a. M. von einer Abteilung Wagen erfaßt, zur Erde geworfen, überfahren und sofort getötet. Leon war verheiratet und hinterläßt Frau und ein Kind. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Kommerzienrat Max v. Guaisa aus Frankfurt ist in Cronberg gestorben. Er war lange Jahre Präsident der Frankfurter Handelskammer und Niit- glieb des Herrenhauses. Vermischtes. * Berlin, 13. Dez. Im Verfolgungswahn hat die 33jährige Schneidersfrau Liebe mann ihren beiden Knaben im Alter von 5 unb 7 Jahren ben Kopf mit einem Küchendeil zerschmettert. Unmittelbar nach ber Tat wurde bie Frau, ehe sie Hanb an sich legen konnte, von ihrem Ehemann ber Polizei übergeben. Die Frau war bereits oor Jahren einmal im Jrrenhause, war aber als geheilt entlassen. Infolge Erregung über unzüchtige Handlungen, bie em 12jähriges Auswartemäbchen mit ihren Knaben vorgenommen hatte, scheint ber Wahnsinn wieber ausgebrochen zu sein. — Der Ehrenrat ber Berliner Anwaltskammer erkannte gegen ben Justizrat Hermanowski, ber in eine Reihe unangenehmer Beleibigungsprozesse verwickelt war, auf Entfernung aus bem Stande. • Paris, 13. Dez. Eine 20 jährige Komtesie aus der Familie des Grafen Jory ist bei einer Ausfahrt das Opfer eines Unfalles geworden. Das Automobil streifte ein Lastfuhrwerk, wobei die Gräfin aus dem Wagen geschleudert wurde. Sie erlag nach kurzer Zeck ihren schweren Verletzungen. WAIZEXA ist unenweyrna) als XDiiiüemiiiet für Suppen und Saucen unb unübertrefflich zur Verfeinerung von allen Kuchen und Backwerk. Dasselbe ist überall nur in den mit der Schutzmarke und dem Namen des ursprünglichen Fabrikanten Duryea versehenen gelben Packeten zu haben und hüte man sich vor minderwertigen Rach ahmmigen. 7973 Zu praktischen Weihnachts-Geschenken Kinder- Eänger-Schürzen von 45 Pfg. bis 3 Mk. Weisse Kinder-Schürzen von 70 Pfg. bis 3.25 Mk. Refarm- Kinder-Schürzen Bamen- Tändel Schürzen von 25 Pfg. bis 2.80 Mk. Wirtschafls- Schürzen mit und ohne Träger von 65 Pfg. bis 4 Mk. Servier-Schürzen von 1 Mk. bis 3.20 Mk. Schwarze Varnen-Schürzen von 75 Pfg. bis 6.50 Mk. Reform- Bamen-Schürzen Damen-Kleider-Schürzen von 1.85 Mk. bis 4 — Mk. Seidene, schwarze Damen-Schnrzen. Seltersweg 20. A. Holterhoff Söhne. Seltersweg 20. Bekanntmachung, betr.: Die Versteuerung der Hunde. Diejenigen Hiesigen Einwohner, welche im Laufe dieses Jahres Hunde abgeschafft haben, wollen dies spätestens bis zum 81. Dezember d. Js. entweder schriftlich oder mündlich in Selbslperfon bei der unterzeichneten Stelle — Zimmer Nr. 15 — anzeigen. Die Verbindlichkeit zur Entrichtung der Hundeabgaben dauert sonst auch im folgenden Jahre und zwar solange fort, als diese Anzeige versäumt wird. Gießen, den 10. Dezember 1903. 9232 Groriyerzvgru. < meisteret Gießen. Eurschmann. Bekanntmachung. Vleberthalbtttzn. Seit dem 1. Dezember d. I. werden auf der Station Gießen nach allen Stationen der Bieberthalbahn für den Lösungstag giltige Rückfahrkarten für die II. und III. Wagen- klasse zum doppelten Fahrpreise ausgegeben. Ferner findet der Fahrschemverkauf auf der Haltestelle Windhos vom 15. ds. Alts, ab nicht mehr im Zuge, sondern in der Restauration des Herrn Christian Duill statt. 9285 Die Betriebsleitung. Verdingung. Im Wege der öffentlichen Ausschreibung sollen nachstehend verzeichnete Arbeiten zum Neubau der Synagoge Alsfeld vergeben werden: Los 1: Erd-, Maurer- und Asphaltarbeiten 3.00 Mk. , 2: Steinmetzarbeiten .... 1.25 „ , 3: Zimmerarbeiten . 1.50 , , 4: Schmiede- und Eisenarbeiten . . 1.25 „ r 5: Spenglerarbeiten .... 1.75 y „ 6: Dachdeckerarbeiten .... 1.50 , Die Verdingungsunterlagen und Zeichnungen sind vom Unterzeichneten zu den oben angegebenen Preisen zu beziehen. Die Angebote für Los 1 sind bis zum 29. Dezember 1903, 10 Uhr vormittags, str Los 2 und 4 bis zum 30. Dezember 1903, 10 Uhr vormittags, für Los 3, 5 und 6 bis zum 31. Dezember 1903, 10 Uhr vormittags An den Unterzeichneten verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen (jedes Los in besonderem Umschlag) portofrei einzureichen. 9290 Architekt F. Adam, Aulda. Gewerkschaft Gießener Araunsteinbergwerke vormals Fern.e in Gießen Die am 1. Januar k. I. fälligen Coupons unserer 4 prozentigen Obligationen sind bei unserer Gewerk, chefftHkaffe *n Dreßen, bei dem Bankhause Faeob Grünewald tu Gießen, bei dem Banthause Sal. Oppenheim jr. & Co. m Cöln und bei dem Bankhause Louis David m Bonn a. Rh. Der Grubenvorstand. Or. IKelian’s Muskelslärker 9?föeai“ bester Zimmer-Bewegungs-Apparat für die ganze Familie. MÜMMLN Seltersweg 33 a. Man verlange Prospekt. 9043 Einladung. Die Mitglieder des Konsumvereins Alten-Auseck e. G. m. u. H. werden hiermit zu der am Montag den 21. Dezember, abends 8 Uhr, in der Wirtschaft des Kaspar Rau stattfindenden General-Versammlung ergebens! eingeladen. Tages-Ordnung. 1. Ergänzungswahl des Vorstandes und des Aufsichtsrates. 2. Verschiedenes. Alten-Buseck, den 12. Dezember 1903. Der Vorstand: 9295 Rau. Müller. 7233 KM ■ | B ■ 5 ■ ■ i rem® Fiäanzeobutter als durchaus vollwertiger Ersatz der doppelt so teueren Kochbutter in Hunderttausenden von Haushaltungen, Pensionen, Anstalten, Konditoreien jahrelang erprobt und bewährt. BRiNGEMOSE WARNUNG: Man fordere in allen Kolonialwaren- und Butterhandlangen ausdrücklich PALHIÄi. == Nachahmungen sind meist schlecht und ranzig. —— Düsseldorf 1902 - ' * urilHAVHA C.4" A rt-f-c m Q ^1 oi 11 n I v.silberne Staafsmedaillo ßnchener todeöfei Badeöfen W vbey 75,000 in? Gebravch J.6.H0VBEN SOHN CARL, AACHENX Prospecte gratis-Vertreter an fast al len Plätzen Jp . HOVBEN{S _ GASHEIZÖFEN Strümpfe Socken in prima Qualitäten ganz besonders empfehle einen sehr dauerhaften schwarzen Uinderstrumpf in allen Größen zu sehr billigen Preisen. 9026 JmSims Schulze. 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