Nr. 341 »rschetttt tLgttch außer Sonntags. Dem Gtetzener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessisches Landwirt die Siebener Familien' blätter viermal in der Woche belgelegt. Rotationsdruck tu Verlag der Brühl'schen Nntver^Buch- u. Stein- drackeret (Pietsch Erben) Redaktion. LxpedMon und Druckerei: Schslstratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 61. Erstes Blatt. Mittwoch 14. Oktober 1903 153. Jahrgang ve»«g»pret»r tt, viertel- monatl GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger ** Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Sieben jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- sährl. ausschl. Bestcllg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnummer jIS vormUtagS 10 Uhr. > etlenpretSi total 12 Ps, auswärts 80 Pfg. POraatwortttch für den poltl an- augem. Teili P ÖHtto; für .Stadt und &mtr und .EerichtSsaalE Auaust Götz, für den An- -eigenteU: panß Veck. Kmdersorschung. Der deutsche Verein für Ain der Forschung Hut soeben tn Lalle getagt. Einen besonders interessanten Vortrag hielt in der Schlußsitzung Direktor Drüper-Jena über Psychopathische Minderwertigkeiten als Ursachen der Gesetzes Verletzungen Jugendlicher, und faßte seine Stellung zu der Frage in folgende Leitsätze zusanunen: 1. Es gibt abnorme Erscheinungen und Zustande im Seelenleben der Jugend, die nicht unter die Rechtsbegrisse „Unzurechnungsfähigkeit" und „Geistesschwäche" fallen, die aber doch pathologischer Natur sind und bei manchen zu Gesetzesverletzungen führen, ja unbewußt drängen. 2. Diese Zustände entwickeln {idji allmählich aus kleinen Anfängen und können, rechtzeitig erkannt und zweckentsprechend in der Erziehung berücksichtigt, in den meisten Fällen gebessert werden. So können zugleich jugendliche Gesetzesübertretungen verhütet und ihre Zahl wesentlich vermindert werden. 3. Es ist darum im öffentlichen Interesse dringend erwünscht, daß Lehrer, Schulärzte, Seelsorger und Strafrichter, sich mehr als bisher dem Studium der Entwickelung der Kindesseele und ihren Eigenarten widmen, um der Entartung des jugendlichen Charakters rechtzeitig Vorbeugen zu können Namentlich ist es erwünscht, daß an den Universitäten in Verbindung mit pädagogischen Seminaren Vorlesungen über Psychologie un d P s y chi atri e d e s I u g e n d- alters gehalten werden, und daß in den Volks schul- lehrer-Seminaren die künftigen Lehrer Anleitung zum Beobachten des kindlichen Seelenlebens erhalten. 4. In allen Schulen ist mehr als bisher der Erziehung des Gefühls- und Willenslebens Rechnung zu tragen und der einseitigen intellektuellen Ueberlastung vorzubeugen. 5. Bevor jugendliche Individuen wegen Gesetzesverletzung öffentlich vor den Strafrichter gestellt werden, sollten sie zunächst einem Jugendgericht", bestehend aus dem Leiter der betreffenden Schule, dem Lehrer des betreffenden Kindes, dem Schulärzte, dem Geistlichen und dem Vormundschaftsrichter, überwiesen werden. Erst auf Beschluß dieses Jugendgerichtes sollten Jugendliche dem öffentlichen Verfahren überwiesen werden. 6. Statt oder neben der Strafe als Sühne oder der bloßen Einsperrung zum Schutze der Gesellschaft gegen die Uebcltaier sollte in besonderen Anstalten, von besonders vorgebildeten Pädagogen unter medizinisch- psychiatrischem Beirat geleitet, eine für Leib und Seele forgsältig erwogene Heilerziehung Platz greifen. Die Fürsorgegesetze tragen bisher diesen Äusorderungen nicht genügend Rechnung. In seinen; Vortrage verweist Trüper auf die betrübende Tatsache, daß 1901 fast 50 000 Kinder oder Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren gerichtlich bestraft wurden. Aber noch weit größer sei die Zahl derjenigen jugendlichen Sünder, die nicht vor den Strafrichter kommen. Die Hauptsache des Mißerfolges unseres heutigen Strafverfahrens gegenüber den Jugendlichen liegt in dem mangelnden Verständnis des Unfertigen und des Pathologischen beim Kinde; es gibt in Deutschland noch nicht einen einzigen Lehrstuhl, der sich mit dem Werden, Wachsen undGedeihen dieser 22 Mil- Honen beschäftigt. Kann aber wirklich jemand glauben, daß ein Mensch in der Nacht vom 12. zum 13. Lebensjahr plötzlich die Schwelle von der Unzurechnungsfähigkeit zur Zurechnungsfähigkeit überschreitet? Einen anderen Uebergang kennt aber das Gesetz nicht, ebensowenig wie die verminderte Zurechnungsfähigkeit. Der Redner bespricht nun einige der bemerkenswerten Fälle psychopathischer Minderwertigkeiten, die neuerdings die Gerichte beschäftigt und allgemeines Aussehen erregt haben. Er streift den Fall Dippold und den Fall des Berliner Studenten Fischer, der in Gotha seine Geliebte ermordete. F-ischer litt in der Jugend an ausgesprochener Hydrocephalie. Aber auch Helmholtz hätte m seiner Kindheit einen ausgezeichneten Wasserkopf gehabt, und sicherlich wäre anlch der zweifellos begabte Fischer bei richtiger Leitung ein tüchtiger Mensch geworden. .. Weiter kommt der Vortragende zu dem tfall Hnsse- ner. Es ist pathologisch, wenn ein Fähnrich in der Weise, wie Hüssener das tat, in den Ferien darauf ausgeht, gegrüßt zu werden. Hier unterlag die Vernunft dem pathologischen Gefühl, und in vielen Fällen wird dann das ethische Urteil geschwächt. Es Pflegen auch häufig neben der Abnormität im Gefühlsleben die zartesten geistigen Gebilde außerordentlich zurückzubleiben, wenn sich nicht obendrein gar noch entarten. Hüssener schrieb: ,,^ch habe den Trost und das frohe Bewußtsein, meine Ehre unverletzt erhalten zu haben". Dieser aus Ueberzeugung auv- aeivrockiene Satt lit typisch für derartige Falle. Außerdem ^Hüssener noch an Jdeenflucht. Sein exaltiertes Gefühlsleben war auch den Vorgesetzten bekannt, daß aber eine pathologische Ursache hier vorlag, ist übersehen^ worden. Hüssener war nicht ohne weiteres ^^äurechlnungchahig, wohl aber mit psychopathischer MinderwertrBeck behaftet. Sern seelisches Leben ist in sich herabgesetzt. Darf auch das Abnorme nie einen Freibrief für das ^^echertum erhalten, so liegt doch die Notwendigkeit de» pathologischen Studiums bei jugendlichen Gesetzesverletzungen vor. Der Alkohol spielte j.a auch im Falle Hüssener eine große RMe. An ihm rann man die ganze Skala der pathologischen Herabminderungen studieren, welche auch sonst neben zahlreichen Ursachen zu Gesetzesverletzungen Jugendlicher fuhren. Dash alb ist für Jugendliche Abstinenz gegen Alkohol und Nikotin zu empfehlen. Auch bei Hüssener, oer vermutlich schon von klein aus an psychopathischen Herabminderungen litt, drängt sich die Frage auf : Hätte sich der Essener Fall nicht vermeiden lassen, wenn diese Abnormität bei Hüssener rechtzeitig erkannt und die Erziehung danach eingerichtet worden wäre? Jtr der Diskussion bemerkte Pros. v. Liszt, der bekannte Strafrechtslehrer, manche Schuld des Gesetzgebers werde leider immer auf die Juristen abgeschoben. Zum Problem der jugendlichen Uebeltäter habe die kriminalistische Vereinigung schon Vorschläge gemacht, die den lebhaften Beifall verschiedenster Kreise fand. Von These 5 bittet er Abstand zu nehmen, da sie einen Rückschritt bedeute; denn die kriminalistische Vereinigung habe immer den Grundsatz vertreten, daß das Kind unter keinen Umständen vor den Straftichter gehöre. Bezüglich der Frage der Minderwertigkeit ist eine Bewegung der juristischen und kriminalistischen Vereinigungen im Wege, die bis zum Frühjahr zu einem Gesetzesvorschlag fuhren soll. Was den Fall Dipp old betrifft, so ftaK sich ob man solche Leute, bei denen Heilung ausgeschlossen ist, nicht nach der Strafverbüßung in einer entsprechenden Anstalt unschädlich machen muß. Leitsatz 5 wurde hierauf zurückgezogen, die übrigen Thesen des Referenten einstimmig angenommen. Uolitische Tagesschau. Die Alldeutschen sind empört über Prof. Theodor Mvm m sen, der sie bekanntlich mit seinem von uns auszugsweise mitgeteilten Aufruf in der „Independent Review" wenig freundlich charakterisiert hat. Nachdem schon die ,^eipz. N. Nachr." Prof. Mommsen heftig angegriffen haben, veröffentlicht jetzt die Hauptleitung des „Alldeutschen Perbandes" einen offenen Brief an Prof. Mommsen, der von Prof. Hasse, Rechtsanwall Claß-Mainz und Prof. Graf du Moulin unterzeichnet ist und den Adressaten zunächst darüber belehrt, daß als „Alldeutsche" Leute zusammengeworsen werden, deren politische Ansichten und Ziele sehr verschieden seien. Die Mitglieder des Alldeutschen Verbandes hätten aber in erster Linie Anspruch auf den Namen „Alldeutsche". Deshalb wird Pros. Mommsen aufgefordert, die Gründe zu nennen, aus denen er das Recht herleite, die Alldeutschen als „nationale Narren" zu bezeichnen. „Selbstverständlich dürfen Sie sich dabei", so heißt es in dem Schreiben, „aber nicht auf diese ober jene Zeitungsnachricht oder auf das Urteil dieser oder jener Person berufen, sondern ausschließlich auf das, wofür wir wirklich verantwortlich sino, also das, was in unfern Satzungen und in den Jahrgängen der „Alld. Blatter" aktenmäßig vorliegt. Wir senden Ihnen zu diesem Zwecke eingeschrieben das Heft 14 unserer Flugschriften, enthaltend die Kundgebungen, Beschlüsse und Forderungen des Alldeutschen Verbandes 1800 bis 1902. Sollten Sie beim Durchlesen dieser Ihnen vermutlich unbekannten Schriftstücke finden, daß der Ausdruck nationale Narren auf uns nicht paßt, so dürfen wll wohl von Ihrer Ehrenhaftigkeit erwarten, daß Sie den Ausdruck in „The Independent Review" widerrufen und die uns angetane Beleidigung ab bitten. Sollten Sie aber weder den Beweis der Wahrheit, noch auch eine Sühne bieten, so bleibt auf Ihnen der Vorwurf haften, daß Sie wider besseres Wissen versucht haben, 20 000 deutschen Atännern in einer ausländischen Zeitung die politische Ehre abzuschneiden, die nach bestem Wissen und Verstehen und mll Hintansetzung ihres eigenen Vorteils an dem Wohle des deutschen Volkes arbeiten." Die letzte LebeusmittelpreiLtabelle der „Stat. Korr." läßt erkennen, daß die Getreide»- preise im September d. I. recht starken lokalen Schwankungen unterworfen waren. Der Weizen, dessen Durchschnittspreis um 3 Mk. herab gegangen ist, ist in Kiel um 13, in Danzig und Frankfurt a. O. um je 11 und in Osnabrück um 8 Mk. billiger, dagegen in Königsberg um 3 Mk. teurer geworden. Die Extreme sind dadurch wesentlich auseinandergerückt; Frankfurt a. O. hatte mit 141 Mk. den niedrigsten, Aachen mit 168 Mk. den höchsten Weizenpreis, die Differenz beträgt also 27 Mk. Auch beim Roggen waren die Preisveränderungen sehr verschieden. Einem Preisrückgang Oon 13 Mk. in Hanau und 18 Mk. in Osnabrück stehen im Osten fast durchgängig Preiserhöhungen von 1 und 2 Mk. gegenüber. Breslau hatte mit 121 Mk. den niedrigsten, Kiel mit 142 Mk. den höchsten Roggenpreis, sodaß die Differenz sich auf 21 Mk. beläuft. Bei der Gerste, dessen Durchschnittspreis sich nicht verändert hat, überwogen ebenfalls im Osten die Preiserhöhungen, im Westen die Preisermäßigungen, die aber nicht über 7 Mk. (Koblenz) gingen. Den niedrigsten Gerstenpreis hat Posen mit 121, ben höchsten Halle mit 153 Mk., sodaß der Preisunterschied 32 Mk. betrügt. Der Hafer ist an allen Marktorten außer dem posenschen, wv er um 1 Mk. gestiegen ist, billiger geworden, am meisten in Köslin und Halle mit 9 und in Koblenz mit 11 Mk. Breslau mit 116 und Trier mit 145 All. bilden die Extreme. Die Eß- kartofseln, deren Durchschnittspreis sich um 5,4 Mk. ermäßigt hat, zeigen Herabsetzungen bis zu 10.9 Mk. in Breslau uni) 22.3 Mk. in Hanau. Am billigsten waren sie in Posen mit 33.3 Mk., am teuersten in AachM mit 69.5 Mk. Das Stroh zeigt nur wenig Preisveränderungen von Belang. Königsberg hatte mit 6.2 Mk. die größte Preiserhöhung. Den niedrigsten Strohpreis halle Görlitz mit 26, den höchsten Aachen mit 50 Mk. Der H e u p r e i s ist im allgemeinen etwas gestiegen, bis zu 9.9 Mk. in Trier, doch tarnen auch Preisheravsetzungen bis zu 7.5 Mk. (Aachen) vor. Tie Extreme bilden Stralsund mit 37.5 und Magdeburg mit 6o.4 Mk. Der Preis des R i n d f l e i s ch e S im Großhandel, der sich, im August um 19 Mk. für 1000 Kgr. erhöht hatte, ist jetzt weiter um 13 Mk. gestiegen; tm Kleinhandel ist das Rindfleisch von der Keule um 1 Psg. und vorn Bauche um 3 Psg. für das Kilogramm im Preise erhöht. Der Preis des Schweinefleisches ist im Durchschnitt aller Orte derselbe geblieben wie im August, doch zeigen einzelne Orte starke Preisänderungen; die Erhöhungen gingen bis zu 15 Mk. in Koblenz, die Herabsetz' ungen bis zu 13 Mk. in Aachen. Das Kalbfleisch ist in fast allen östlichen Marktorten im Preise yestiegen, auch im Westen finden sich einzelne wesentliche Erhöhungen, sodaß der Durchschnittspreis von 3 Pfg. heraufgesetzt ist. Das Hammelfleisch hat seinen vormonatlichen Durchschnittspreis behauptet. Speck ist um 2 Psg., Butter um 6 Pfg. teurer -geworden; die Eier haben der Jahreszeit entsprechend ihren Preis um 26 Psg. für das Schpck erhöht. Der übliche Vergleich mit den Preisen des entsprechenden Monats des Vorjahres ergiebt, daß im Lause des letzten Jahres billiger geworden sind Sttoh um 13.1 v. H, Hafer um 9.7, Schweinefleisch um 9.7, Speck um 8.5, Linsen um 8, Schweineschmalz um 7.8, Erbsen um 7.1, Roggen um 4.4, Roggenmehl um 3.8, Heu um 3.5, Weizenmehl um 3,3, Eier um 1.8 und Eß butter um 0.4 v. H. Denselben Preis wie im Vorjahre hatten Gerste und Rindfleisch im Kleinhandel. Teurer sind geworden Kalbfleisch um 1.4, Weizen um 2, Rindfleisch im Großhandel um 2.5, Hammelfleisch um 3.6, Eßkarto- f ein um 5.2 und Speisebohnen um 6.9 v. H. Keer und Alolre. Sein sünfzigjährigesOffiziersjubiläum beging der Herzog Karl Theodor in Bayern, General der Kavallerie, Inhaber des in Dieuze stehenden 3. Chev.-Regts. und Chef des preußischen 5. Drag.-Regts. in Hofgeismar. 1839 geboren, wurde er 1853 Unterleutnant im 4. Chev.-- Regt. und schied 1865 als Major aus dem aktiven Truppen- stande. Doch nahm er teil an den Feldzügen von 1866 und 1870/71, und wohnte den Schlachten bei Gravelotte, Beaumont und Sedan bei. In der Folge blieb er dem Frontdienst fern und rückte allmählich dis in den Dienstgrad eines Generals der Kavallerie auf, in den er 1888 befördett wurde. Wie man weiß, liegen die hohen Verdienste des Herzogs auf einem anderen Gebiete als dem militärischen. Schon von jeher hatte er mit Eifer und Erfolg wissenschaftliche Studien betrieben, als er sich im gereiften Alter gänzlich der Heikunde widmete. 1880 erwarb er sich die staatliche Approbation zur Ausübung des ärztlichen Berufs und entwickelte seitdem eine aufopferungsvolle und segensreiche Tätigkeit als Augenarzt, worin seine zwecke Gemahlin, eine geborene Prinzessin von Braganza, ihn getreulich unterstützt. In den zwei von ihnen errichteten Heilanstalten in Tegernsee und in München haben viele Tausende von Augenkranken Heilung gefunden. Auch unser Kaiser zählte zu den Patienten des Herzogs, als er sich im Juli 1897 auf feiner Nordlandsreise eine Verletzung des Auges zuzog. Aus Stad! und Kaud. Gießen, 14. Oktober 1903. ** Von der Universität. Der bisherige außerordentliche Professor an der juristischen Fakultät der Leipziger Universität, Dr. jur; Paul Kre t schm ar ist, wie wir mitteilten, mit Wirkung vom 16. Oktooer zum außerordentlichen Professor an der Universität Gießen ernannt worden. Hier in Gießen übernimmt Kretschrnar an Stelle des nach Greifswald gehenden Extraordinarius Dr. Erich Jung das etatsmäßrge Exttaordinariat für bürgerliches Recht und Einführung in die Rechtswissenschaft. Geboren 1865 zu Leipzig, als Sohn des 1897 verstorbenen ordentlichen Professors in der Gießener Juri st enfakultät, Geh. Justizrats Dr. Gustav Ferdinand Kretschmar, erhielt Paul Gustav Kretschmar seine Vorbildung auf dem hiesigen Gymnasium und studierte von Ostern 1885 bis 1889 Rechtswissenschaft hier und in Leipzig, und promovierte 1895 in Leipzig. 1889 bestand Kretschmar die erste, 1892 die zweite juristische Staatsprüfung. Nachdem er als Assessor und dann als Rechtsanwalt mehrere Jahre praktisch tätig gewesen war, habilitierte er sich Ostern 1899 in Leipzig und hielt Vorlesungen und Uebungen aus dem Gebiete des römischen und deutschen Rechts. Ostern 1902 erfolgte seine Ernennung ^um außerordentlichen Prvfessvr in Leipzig. Außer einigen kleineren Arbeiten schrieb Kretschmar: „Der Vergleich im Prozesse" (erschienen 1890 unter den ausgewählten Doktordissertationen der Leipziger Juristenfakultät) und ,chie Theorie der Konfusion". — ** Stadttheater. Lessings Minna von Barn« heim als Bvlksvorstellung mit niedrigen Preisen hat gestern den Theatersaal so gefüllt, wie wir es noch nicht gesehen haben. Viele Besucher mußten im Saale mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Das klassische Lustspiel erfuhr eine prächtige Aufführung. Herr San d or s f war ein sehr guter Major von Tellheim, der seinen Soldatenstoliz mit gelassener Ruhe, wie es das Sttick vorschreibt, behauptete. Frl. Hohl war die geeignete Darstellerin für das Frl. von Darnhelm, deren ftischen Unternehmungsgeist sie mit viel Anmut zur Wirkung kommen ließ. Eine reizende Franziska war Frl. Hellberg: vielleicht plauderte sie nur ein Nein wenig zu hastig auf die harthömgen, bärbeißigen Helfer des Majors ein. Juck, der Bediente, erfuhr durch Herrn Haag eine ganz tadellose Wiedergabe. Ec über- ttreb nicht und ging doch mit größtem Erfolg bis zur äußersten, von Lessing gestatteten Grenze des barbarischen Umgangs. Auch Herr Linz en al£ Wachtmeister Werner leistete sehr Anerkennenswertes. Besonders die köstlich rauhe, beinahe heisere Art, lvie er das „Frauenzimmer" anjprach, war sehr belustigend. Herr Conradi gab einen famosen Wirt; aber in seiner Redeweise beobachtet man m geschädigt wird. nach Abzug von Zusammen: Es starben an: Höchste Temperatur Niedrigste „ am 12. bis v 12. „ Marie eisen- und Frl. Rott- auch in Gießen Nach der Triesch vorzüglichste dar- des Frankfurter Familien Nachrichten. Gestorben: Isaak Alerlel in langen. brausen, getreu den Grunoanschauungen derselben, nach wie vor energisch für die Befreiung des Proletariats aus politischer und ökonomischer Knechtschaft zu kämpfen." (Frk Zeitung.) Wetzlar, 13. Oft. Der hiesige nationalliberale Verein beschloß, nicht — wie früher — für den konservativen Kandidaten einzutreten, sondern in der Person des Bergdirektors Roth in Wiesbaden einen nationalliberaleu Kandidaten für die preußischen Landtagswahlen aufzustellen. Meteorologische Beobachrungen der Station Gießen. Kinder Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Noth war 30 Jahre im hiesigen Kreise tätig, kennt also die! hiesigen Verhältnisse, besonders die schwierige Lage der Industrie, aus eigener Anschauung, auch steht er als 1. Kreisdeputierter in enger Beziehung zu unserer ackerbautreibenden Bevölkerung. — Heute stürzte im Steinbruch am Hauserbcrg der Steinbrecher Georg Rehm bei der Arbeit so unglücklich ab, daß sein Tod augenblicklich eintrat. Rehm, ein braver, leißiger Arbeiter, hinterläßt eine Witwe und drei unmündige Kinder. Marburg, 12. Oft Nach der „Hess. Landesztg." sind als Gäste zu den sechs vom hiesigen Theater verein veranstalteten Vorstellungen in Aussicht genommen: Frau Wilan-Dorö und Frau Franziska Elmenreich aus AouirtliHe iktafidjt brr Todesfälle in Gietzen Monat September 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (iixfl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 18,0, 19 Ortsfremden: 9,4 °/rc. — Der Jentralverband der Zigarettenhändler beabsichtigt, gegen den Zigarren- und Zjgarelten-Verkans in den Gast- wirtschaften Front zu machen. Er hat mit Zustimmung der Zweig-- ucferne eine dahingehende Petition ausgearbeiter, worin er bean- tragt, den Gastwirten den Verkauf voll Tabakserzeugnissen inner- halli der gesetzlichen GeschästSschlußzeit zil rultersagen. Gleichzeitig stets einen unlielst'amen Singsang, bet t'en „ Anschein *itbt wie wenn alles schon gut iuib rtchttg Ware, tvcn? dock) nicht immer der Fall ist, da man ja deshalb uiv Thraker geht, um den Gang der Handlung abzuwarten, ©aö Zusmnmcnspiel war gut, und das ^bhfum dankte stets durch reick>en Beifall. . D i e R e k r u t e n ruckten heute auch bei den 116 ern ein Tagsüber herrschte in unseren Kasernen eine lebhaste Tätigkeit, um die junge Mannschaft den Kompagnien zuzu» teilen Vormittags um 11 Uhr wurden in der alten Kaserne Mu Brand die am 1. Oktober eingetretenen Einjährigen vereidet. _ „ _ , ** Die Handwerkskammer zu Darmstadt versendet zurzeit den Bericht über ihre Tätigkeit für das Jahr 1902,03. Der Bericht gibt ein anschauliches, umfassendes Bild von der gesamten Tätigkeit der Kammer und irnlfaßt: I. Innere Angelegenheiten; 1. Mitgliederbestand, 2 Kammerkommissar, 3. Sekretariat, 4. Sitzungen und Vertretungen, 5. Rechnungs- und Kassewesen. II. Die Tätigkeit bei Kammer; 1. Lehrlingswesen, 2. Gesellenprüfungswesen, 3. Beanftragtelvesen, 4. Meisterprüfungswesen, 5. Erstattung von Gutachten; Unterstützung der Staats- und Gemeindebehörden in der Förderung des Handwerks durch, tatsächliche MitteUungen; Beratung von Wünschen und Anträgen, welche die Verhältnisse des Handwerks beri'chren. III Genossenschaftswesen. IV. Die Organisation des Hand- werks. Der Anhang enthält die Namen derjenigen, welche im Frühjahre 1903 vor Prüfungsausschüssen innerhalb des Kammerbezirks gemäß §§ 131 ff. der Gewerbeordnung die Gesellenprüfung bestanden hoben, insgesamt 1537. Da von etwa 10 Prüfungsausschuss en das Resultat der stattgehabten Prüfungen noch aussteht, wird die Zahl der geprüften Lehrlinge im Jahre 1903 1600 überschreiten. Grünberg, 11. Okt. Heute nachmittag fand in der Turnhalle hier eine Vorturnerstunde des 2. Bezirks des Gaues Hessen (Gießen) statt, zu der sich Gauturnwart Will-Wetzlar und 1. Bezirlsrurnwart Wiegandt-Gie- &en nebst 22 Turnern eingefunden hatten. Nach getaner Turnarbett, in deren Verlauf man sich von dem regen Borwärtsstteben in unserem Gau überzeugen und so manches, Kraft und Gewandtheit bekundendes Turnerstückchen bewundern konnte, vereinigte geselliges Tun die Teilnehmer in der Wirtschaft zum Taunus, wo bei Gesang, Trinksprüchen und Vorträgen einige fröhliche Stunden den Tag beschlossen. (Gr. Anz.) -h- Vom oberen Vogelsberge, 13. Okt. Gegen Mitternacht gingen mehrere schwere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen, Sturm und heftigen elektrischen Entladungen hier nieder. Die Flüßchen sind hoch angeSchauspielhauses. D. Red.) Frankfurt, 13. Okt. Wegen „Erbunwürdigkeit" von der Erbschaft ausgeschlossen ist nach § 2339 des Bürgerlichen Gesetzbuches u. a., wer den Erblasser vorsätzlich und widerrechtlich getötet hat. Diese Erbunwürdigkeit wurde gestern durch Urteil der dritten Zivilkammer des hiesigen Landgerichts bei dem Fuhrunternehmer Klotzbach, der feine Ehefrau vorsätzlich getötet hat, sestgestellt. Der Frau Klotzbach fiel eine Erbschaft von etwa 10 000 Mark zu. Als Ehegatte würde der zu fünf Jahren Gefängnis verurteilte Klotzbach an der Erbschaft beteiligt gewesen sein, wenn die übrigen gesetzlichen Erben seine Erbunwürdigkeit durch gerichtliches Urteil nicht hgtten aussprechen lassen. Aus dem Geschästsüden. __ Voc wenigen Tagen feierte die unter dem hohen Patronat S K. H. des Großherzogs Adolf stehende Acker-nnd Gartenban- Gesellschasr von Luxemburg ihr 50 jähriges Jubiläum, verbunden mit einer großen Ausstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Ma- schineii und Geräte. Auch hier wurde der Firma PH. Maysarth u. (So., Frankfurt a. M. die höchste Auszeichnung, 4 goldene Medaillen, zuerkannt Hamburg, Fräulein Willich-Wiesbaden, Hofer-Berlin, dann eventuell Frl. Boch mann -Frankfurt a. M. (Frl. Boch würde zweifellos besonders gern gesehen werden. Fortgang von Frankfurt ist sie weitaus die tellerische Kraft unter den Künstlerinnen Arbeiterlicmegung. Armentieres. 13. Okt. In der Rue des Eeoles und der Rue Bayard griffen gegen Mittag Ausständige mehrere Fabriken Bankgebäude und Kontore an. Der von ihnen angerichtete S ch ad e n ist ziemlich beträchtlich. An einigen Stellen wurden Brandstiftungen versucht, an anderen die Geschäftsbücher Zerrissen Tie Ausständigen spannten, um die Kavallerie an der Bewegungsfreiheit zu behindern, Stücke Leutwand und Schnüre aner über die Straßen. In den Straßen patrouillieren truppen, ^ie Unruhestifter stahlen im Eredck du Nord 2000 Frcs. und m einem anderen Bankinstitut 1500 Frcs. Auf den Straßen hatte sich eine ungeheure Menschenmenge angesammelt, sodaß Kavallerie einschreiten mußte, um die Straßen freizuhalten. duf dem Wege nach Houpliii wurde ein War en Haus geplündert, viele Waren auf die Straße geworfen. Mehrere Personen wurden verletzt. ______ halb der gesetzlichen GeschästSschlußzeit zu untersagen. Gleichzeitig wird darum ersucht, daß and) sogen. Zigarren-Verkaufsstände in größeren Lokaleii nicht über die gesetzliche Verkaufszeit hiiiauS geöffnet sein dürfen, da der seßhafte Zigarrenhandel gerade durch diese Verkaufsstellen in den Gastwirtschaften, wie auch durch den Verkauf von Zigarren in größeren Mengen durch die Gasttvirte schwollen. R. B. Darmstadt, 13. Okt. Der Sonderausschuß der Zweiten Kammer für die W a h 1 r e ch t s v o r - läge hat, nachdem schon in der vorigen Woche eine allgemeine Diskussion über den Gesetzentwurf stattgefunden hat, heute mittag die erste Lesung desselben beendet, mittags 4 Uhr fand eine io eitere Sitzung des Ausschusses statt, zu der and), die Vertreter der Großh. Regierung erschienen waren, um über ihre Stellung zur Wahlpflicht und zu der vom Abg. Köhler in Vorschlag gebrachten Festsetzung der Wahl auf einen Sonntag nähere Auskunft zu geben. R. B. Darmstadt, 13. Okt. Nachdem das Zaren- chaar, Großfürst und Gvotzsürstin Sergius, Prinzessin Hein- rid) und andere Fürstlichkeiten heut vormittag noch Spaziergänge in der Stadt unternommen oder Einkäufe besorgt hatten, sand am Mittag im Neuen Palais Familien- ckafel statt. Kurz vor 3 Uhr nachmittags bestiegen dann der Großherzog mit dem Prinzen Heinrich und die übrigen fürstlichen Herrschaften drei bereitstebende Au to m o b i l e und fuhren damtt über Arheiligen und Egelbach nach Jagdschloß Wolfs gart en, wo sie nach etwa halbstündiger Fahrt einttafen. Der Zar hatte gestern noch eine längere Unterredung mit dem russischen Dttnister des Auswärtigen, Grasen La ms dorff, in welcher, wie wir von zuverlässiger Sette hören, auch der d efinitiv e Be schluß gefaßt wurde, die Reife nach Rom aufzugeben. Der Zar wird mtt Famttie zunächst zehn Tage in Wolfsgarten verweilen und alsdann noch weiter etwa vier Wochen in Darmstadt bleiben. — Der dritte Ausfchuß (Petitionen und Wahlprüfungen) hielt gleichfalls' heut vormtttag eine längere Sitzung ab, in der hauptsächlich die Prüfung der Wahl des Aba. Orb (Offenbach-Land) auf der Tagesordnung stand. Nach langer lebhafter Debatte, in der namenttäh wieder über die Frage der Staatsangehörigkeit diskutiert wurde, entschied sich die Mehrheit der Kommission, Gramer, Damm, Erb und Lang, für die Gilligkett der Wahl, während fid) Abg. Weith seine Stellungnahme vorbehiett und die Abgg. Pennrich und Bähr den Mittag steltten, vor der definitiven Beschlußfassung eine weitere Untersuchung über die Staatszugehörigkett einer Anzahl Wähler zu beantragen. Die Stimmenmehrheit der Wahlmänner für Orb betrug nämlich 38, nach der Behauptung der Wahlproteste sollen aber 13 bezw. 113 Wähler die Staatsangehörigkeit nicht besitzen. Infolge des Antrags der Minderheit wird die Entscheidung über die Wahl Orbs dem Plenum des Hauses Vorbehalten bleiben. Mainz, 12. Okt. Der sozialdemokratische Parteitag in Dresden beschäftigte gestern die hiesigen Genossen in einer dritten Versammlung, die nickst weniger als vier Stunden dauerte. Folgende Resolution sand einstämmige Annahme: „Die Versammlung ist von dem Ergebnis des Parteitags nicht befriedigt. Sie hat von demselben mehr und Befteres erwartet, als die unfruchtbare, von persönlicher Leidenschaftlichkeit getragene Literatendebatte. Die Frage der Mttarbeit an bürgerlichen Blättern hätte mtt weniger Lärm und mehr Erfolg erledigt werden können. Die Versammlung mißbilligt auf das Entschiedenste die Art und Weise, mit der einzelne Genossen sich das Reckst anmaßen, über ganze Parteigenossenschaften fid) als Richter aufzuspielen, und sie gründ los erweise zu beschimpfen. Die Verhandlungen des Parteitages haben erwiesen, daß die in der Resolution, bett, die Taktik, enthaltenen Anklagen gegen Bestrebungen innerhalb der Partei, welche dahin zielen sollen, die Partei vom Boden des Klassenkampses abzudränaen und sie zu einer bürgerlichen Reformpartei umzugestalten, unberechitigt erhoben sind, da solche Bestrebungen in der Partei nickst existieren. Die Versammlung verpflichtet sich, trotz allen Stürmen, welche die Partei von außen und innen um- Vermischtes. * Berlin, 12. Okt. In Charlottenburg wird peinliches Aufsehen hervorgerusen durch eine Schulafsäre. Eine Lehrerin von der 18. Gemeindeschule soll durch Mißhandlung den Tod einer ihrer Schülerinnen herbeigeführt haben. Die gerichtliche Untersuchung wurde eingeleitet ans Grund einer Anzeige des Arbeiters Kerwitz, des Vaters des am 17. April d. I. verstorbenen 12jährigen Sck)ulmädchens Bertha Kerwitz, das die 3. Klasse der genannten Gemeindeschule besucht hat. Die Mißhandlung des Kindes soll am 26. März d. I. erfolgt {ein. Nack) Aussagen von Mitschülerinnen der Kerwitz habe bie Lehrerin Frl. H. dem Nttidchen aus dem Treppenflur einen so' heftigen Stoß versetzt, daß es mit dem klopfe gegen die Wand chlug. Am nächsten Tage sei das Kind erkrankt und in der zweiten Hälfte des April verstorben. Betreffs der Todesursache des Kindes scheinen nachträglich große Zweifel ent- tanden zu fein, denn sonst wäre es nicht zu erklären, daß erst nack) einem Zeiträume von 5 Monaten die Ausgrabung der Leick>e angeordnet wurde. Ueber die Ergebnisse des Obduktionsbefundes ist no-ch, nichts bekannt geworden. * Danzig, 13. Okt. Seit heute vormittag 10 Uhr herrscht hier lebhaftes Schneetreiben. * Nizza, 13. Okt. Das Automobil des Bürgermeisters von Sospal, in welchem dieser sich mit drei Freunden befand, stürzte infolge Nabreisenbruchs um. Die Insassen wurden herausgeschleudert, toobei zwei derselbeit, darunter der Bürgernreister, tödlick> verle tzt wurden. Auch die beiden anderen Personen erlitten schwere Verletzungen. * Wien, 13. Okt. Wie nunmehr bekannt wird, enthielt ein auf dem Londoner Postamt nach Wien ausgegebener Po ft beutel, der unterwegs verschwunden ist, zwei wichtige für das hiesige Auswärtige Amt bestimmte Briefe. — Zwischen den Stationen Kahleltbergdorf und Kloster Neuburg wurden zwei B a h tl s ch w e l l e n auf die Schienen gelegt vorgefunden, welche glücklicherweise kurz vor Ankunft eures Eisenbahnzuges entdeckt wurden, so daß ein schweres Unglück verhütet werden konnte. *Das letzteDuell. Nach der „Niederch. Volksztg." waren die Duellanten in Wesel der Leutnant Schreiner vom 57. Infanterie-Regiment und lein Reserveleutnant Rauchfleisch aus Düsseldorf. Als Motiv des Zweikampfs wird Eifersucht angegeben. Leutnant Sch ist am Sonntag gestorben. , * Zu den Vorfällen b ei der Uebersuhrung des Hauslehrers Dippold werden der „Allg. Ztg." noch folgende Einzelhetten gemeldet: Als die von der Polizei requirierte Droschke nickst sofort zur Stelle war, wurde die Lage für Dippold und seine Transporteure gefahrdrohend. Die Menge hatte den Perron überschritten. Ein Radfahrer stieß Dippold mit seinem Rad auf den Rücken. Dann wurde der große Haufe gegen einen Laternenpsahl gedrängt. Dippold war umringt von vielen hundert wütenden Menschen. Es hätte nur einer den Anfang zu machen brauckstn, und ein grausiger Akt der Volksjustiz wäre verübt worden. Die begütigenden Worte der Polizeibeamten und die Versicherung, daß es Dippold gar nicht sei, vermochten an der drohenden Haltung des Publikums nichts zu ändern. Dippold war rasiert, sein Gesrchts- ausdruck frech, sein Wck herausfordernd. Das Publikum versuchte anfänglick),, den Kutscher vom Fahren abzuhalten, doch ein Wink des Polizeiinspektors ließ den Wagen noch rascher herbeieilen, und auf diese Weise wurden weitere Ausschreitungen verhindert. Vorläufig erfolgte die Internierung Dippolds in Bamberg. Die Ueberführung nach, dem Zuchthaus Ebrach wird geheim gehalten, da man weitere Exzesse des Publikums fürchtet. Lose ausgewogene Hafergrütze ist niemals Quaker Oats. Nur die geschlossenen, gelben Packete mit der Quaker Schutzmarke enthalten die echte Waare, schützen dieselbe vor Staub und Unreinlichkeit, und erhalten die hervorragende Qualität. 15,40 C, 9,8° C. 13. Oktober 13. Gerichtssaal. Heidelberg, 13. Okt. Das Kriegsgericht der 28. Division verurteilte heute beit Rechtsanwalt und Oberleutnant b er Reserve Dr. Bauer wegen Herausforderung des Führers der hiesigen Zeutrmnspartei, Oberaintsrichlers Schott, zum Z w et- kamp fnüt tätlichen Waffen zu der gerlngsten gefetzllch zulässigen Strafe von ein Tag F e st u n g S h a f t. Der Leutnant der Reserve Earlowa, der als Kartellträger fungierte, erhielt die gleiche Strafe.___________________ Handel und Verkehr. Uoiksmirtschafl Typhus KD 1(1) — — Diphtheritis Tuberkulose der KD 2(1) 1 (1) Lungen Tuberkulose anderer 2(1) KD Organe 1(1) — Lungenentzündung 3(2) 2(1) —— 1(1) Apoplexie 2(1) 2(1) —— — Herzleiden 4 4 — — Darmkatarrh 4 — —• 2 Lebensschwache 2 — —— 2 Altersschwäche 4 4 — — Neublldungen Andere Krankheiten 3(1) 3(1) — — 8(7) 6(5) 1(1) 1(1) Gewaltsamer Tod 5 (4) 5(4) — — Summa: 40 (19) 30 (15) 2(2) 8(2) Oktober 1903. pnSnqsa oO" jNV ■xajauto.xo^ • Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 13. 236 739,1 14,7 8,6 69 W. 4 Sonnenschein 13. 9“ 744,3 1U 8,5 86 SW. 2 Bed. Himmel 14. 1^26 746,5 9,4 8/3 95 L. 2 Bew. Himmel an an sr <-r r-r CO o 05 CO o 05 3 <5) <5 CO s — c^ ~ o -*- o >bo cu "c 3 o Z 3 +4 tSD. £ ZD ■r 3 <3 3 .» a> -C <3 T3. *5 H ' *x 00 «=>‘ 4—» 3 Äg^ ö .S3, 3 'S 'S S O E>o CD--* w _o -2 c * *2 O .* KS> o co _t_: ’S § s « Ä X 3 3 5? V Q §E§K» LZ§A Ä.-** ;H-^ s A v _?e Z « ä © « 9 £S' 3 3 3 <- -s= S "2 ,y ■•- “o" o 3 cQ 04 . 3 ■ L. rO <3) « 5 c 55 .5 -ti. C -S CT vO O o5---- S _o -~L 3 Ma* -3 ~3 —' ®Ä W g § ÖSZMT 9- S5 s ** ’r * * 0 = .E\S .C?S 3 03 ä o 132. S o c SW O .5 N ~ VD S 3 . Z VD - es» c o -w « 13 :e uO £K 5 « 4 •toi g s « >O c «r.Si2- co g w W cu 3 3 C <3 an <3 czo » OOD T « 2 ■= s ■3 62(ä5@ §® N ar» -r- C C £) § I ~ « •CJ O CS Ä CA >£3 S. W3—1 e M -S •fH ® a 1 rt ar» <3 <3 O ar» c <3 3 65 tS2 .2 U T 0 3 132 Z O 5 ■» ^0- 3x isL^e 2 SS 3 05 «32 -2 T 3-3 <3 iQ »5« 'S » c <3 •2 .3 -3 35 (£) 70 otf? = 5 3 C z»» .3 3 O <0 05 an '’“* 0 5^ S-g d 5 v Ltr- c-» ,r> w p U rfsCA* 3 :C p 3 V , >^Ä> C S U3Ö C L s -O 3 @ S :« un. « V 6»^ 3 >S 6* S O E >3 SS c 3 aL» al» • 3 « o ) 3 ■»• 3 3 Ji 3-LL- 5 B ■§ CO*0 3 3M 0 6* «« 3 A o— o> <5 VD O> 6* 52 ■f* 6* aJJÄ5 3-ix a 3 -U ^•■33^ o 3 '*■<7' SO ä-«« Kichmr Rrdschrer-Kerm 1885. Donnerstag den 22. Oktober (nicht 15. Oktober) abends 9 Uhr, im VereinZlokal (Neuer Saalbau): H anptvers ammlung mit nachstehender Tagesordnung: 70 Otf Xo1 1. Bericht des Vorstandes und des Verwaltungs-Ausschusses über das verflossene Jahr. 2. Bericht und Rechnungsablage des Zahlmeisters, Tntlastung desselben sowie des Vorstandes u. des Verwalt.-Ausschusses. 3. Wahl zweier Kassenrevisoren und deren Stellvertreter. 4. Festsetzung des Voranschlags für das kommende Geschäftsjahr. 5. Wahl des Vorstandes. 6. Wahl des Verwaltungs-Ausschusses. Wir ersuchen höfl. um recht zahlreiche Beteiligung unserer verehrlichen Mitglieder. 7616 Der Vorstand. Halte mich zur Anfertigung von lmsGnküslhklsililhk« Mit» wie: Abschriften, MrkuLaren, Schreiben von 2ldressen auf Couverts und Briefköpfe, Durchschlägen, mtmcographrscheu, hettographisthen und autographischen Bervrelsattrgungen, fowie Ausführung von fremdsPrachLrchcn Arbeiten bestens empfohlen. Diskrete, prompte und bllügfte Erledrgung zugestchert. G-. E- Seng, 05006 Ludwigßraßr 6, I. W. O W W JS Emil Pistor Nacftf., Giessen. Anerkannt-erste Marke! X 5) Z Durch epochemachende Pa- <8 L/ tente technisch wie hygiemsdi |fl idealstes Heizungs-System- ^- Iti Original - Sicherheit . Regulator. aW Regulierbar von Grad zu Grad. W Gasausströmungen, Explosionen ausgeschlossen. J/K Grossart Auswahl i. allen Preislagen. Man achte genau auf den Namen „Riessner“ u. lasse sich zum minderwertiger Nachahmungen nicht überreden. — 7233 reine F^SanzeBibutter als durchaus vollwertiger Ersatz der doppelt so teueren Koch- butter in Hunderttausenden von Haushaltungen, Pensionen, Anstalten, Konditoreien jahrelang erprobt und bewährt. amiSGEME WARNUNG: Ma-n fordere in allen Kolonialwaren- und Butterhandlungen ausdrücklich PAJLMIN. - -■— Nachahmungen sind meist schlecht und ranzig. ===== Der Schlüssel & zur Erhaltung Ihrer Wäsche ist die dauernde Verwendung) von Präcisions-Taschenuhren A.Lande&Söhne,Glashütte Sa. 7.. U Ä f AtnAhnn I Ik ro nnöcrk^fio P rA PA a.A&jMtto.nriütt Aecht 5856 UUiLUUIii.IIdUijVYdSUl (fl 6^730. Magdeburg. Geschäfts- Gmpfeßkung. Den geehrten Garten- und Villenbesitzern von Gießen und Umgegend empfehle ich mich im Anlegen von Gärten in jeder Ausführung. Zeichnungen, sowie Kostenanschläge werden gratis angefertigt. Das BWeckn -er Lbstbiime miii NeuMaMWn werden fachmännisch ausqeführt. Auch nehme ich noch Gärten für daS ganze Jahr in Behandlung. Alle mir übertragenen Arbeiten werden von mir selbst oder von meinem gut geschulten Personal gewissenhaft ausgeführl. Für kommenden Winter übernehme die Aufbewahrung aller Pflanzenartcn, Ephenkästen, ausgepflanzt, m Winterquartiere. Bestellungen werden m der Gärtnerei, Wilhelmstraße 16, entgegengenommen. 7452 Achtungsvoll üari Pfeiffer, Laviischlistsgllrtiier Klein-Linden Fraukfnrterstratze 8S, '/§/ FREIS- H m MEDAILLE j Ml!» t s-r^ A?k. «rl* ouB< Carl Stückrath • Möbelfabrik Asterweg 47, Ederstrasse 8. 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