Nr. 189 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Unioers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erdens Redaktton, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse sür Depeschen, Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen W Bezugspreis» monatlich 7b Ps., viertel» jährlich wtl. 8.20; durch Äohole- u. Zweigstellen nionatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.—viertel- lährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die Lagesmlmmer ->id vormittag- 10 Uhr. ^etlenpreS: lokal 12PK, auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den poltL und allgcm. TeU- P. Wittlo: für .Stadt und ßonb" und .Gerichtssaal*: August Götz; lüx den Anzeigenteil: $an« Beck. Blatt. 153. Jahrgang Freitag 14. August 1903 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger Zur Nergaröetteröewegung im Wui-rgeöiet. Tas Ruhrgebiet bleibt vor einem allgemeinen Bera- arbeiterausstand bewahrt. Der Bergarbeiterüewegung ist durch das schnelle Entgegenkommen der Arbeitgeber bei der Entschädigung der wurmkranken Arbeiter und beim Wagennullen die Spitze abgebrochen worden. Die Bewegung flaut ab. Die Ausstandsgefahr ist beseitigt. Dre Bergarbeiter selbst wissen genau, wie gefährlich augenblicklich ein Ausstand für sie werden kann, das beweisen die Auslassungen ihrer Presse, die die Streitfrage sehr vorsichtig und mit großer Zurückhaltung behandelt, das beweisen besonders auch die Auslassungen des Reichstagsabgeordneten Hue, der mehrfach besonnen gesprochen hat. Hu6 äußerte u. cl, es müsse sich in den nächsten Wochen entscheiden, ob es zum Streik komme oder nicht. Würden die Werksvertreter die wesentlichen Forderungen der Bergleute nicht erfüllen und namentlich die Entschädigung Wurwkranker nicht zubilligen, dann seien die Leiter der Organisation außer stände, die Ruhe im Ruhrbezirk aufrechtzuerhalten. In vertraulichen Konferenzen habe man die Vertrauensmänner auf das Gefährliche des Streiks hingewiesen, aber es sei trotzdem nicht ausgeschlossen, daß er über Nacht eintrete. An den Leitern der Organisation liege es nicht, wenn eine allgemeine oder teilweise Arbeitsniederlegung eintrete. Hue sagte, was von einem sozialdemokratischen Arbeiterführer sehr bemerkenswert ist, wörtliche Folgendes: „Wir wünschen den Streik nicht, wir haben die Verpflichtung,. allen Bergleuten zuzurusen, wir dürfen uns nicht allein als Bergleute, sondern auch als Staatsbürger fühlen, als solche dürfen wir nichts unternehmen, was dem Staate Schaden zufügt. Hoffentlich läßt sich auf dem Wege gütlicher Verständigung eine Einigung erzielen und ein kooperativer Lohntarif kommt zustande." Tie wirtschaftliche Lage, so schreibt die „Rh. Wests. Ztg.", hat sich in dem letzten Jahre gebessert, allein sie ist nicht die einer Hochkonjunktur; die im Juni gesteigerte Versandziffer ging wieder um 1000 Wagen auf 18000 etwa zurück, und der amerikanische Markt bietet Gefahren. Es liegt also durchaus im Interesse der Arbeiter, daß sie an ihrem Teile dazu beitragen, den deutschen Kohlen- und Eisenmarkt erwerbsfähig zu erhalten. In den Forderungen der Arbeiter, die ihre Vertreter gegen die Zechenverwaltungen erheben, heißt es u. a.: 1. Man habe durch Zechenagenten ungarische Bergleute mit glänzenden Versprechungen in das Ruhrkohlengebiet gelockt und so die Wurmkrankheit eingeschleppt, somit seien auch die Zechen gesetzlich und moralisch verpflichtet, die wurmkranken Bergleute zu entschädigen und durchgreifende sanitäre Reformen auf den Zechen einzuführen. Auch habe die llnfallberufsgenossenschast die Verpflichtung, wurmkranken Bergleuten, die dauernden Schaden erlitten, die volle Rente zu gewähren. Ein 2. Vorwurf resultiert aus der Behandlung Wurmkranker, gegen welche man trotz rechtzeitiger Mahnung des Knappschaftsarztes Dr. Tenholt eine fatalistische Gleichgültigkeit entgegengebracht habe. 3. Der Bergbehörde wird der Vorwurf gemacht, daß sie nicht genug über Leben und Gesundheit der Bergleute wache. Da es sich um eiine Volksseuche handle, so habe auch die Regierung die Pflicht, einzugreifen. 4. Den Zechen wird der Vorwurf der Lohndrückerei gemacht, da gegen frühere Jahre ein um 1 Mk. geringerer Durchschnittslohn pro Tag gezahlt werde. 5. Die Gedingverhältnisse seien schlechter geworden und das Wagennullen riesenhaft angewachsen, so i. B. sei es vorgekommen, daß einem Arbeiter von 12 gelieferten Wagen 10 genullt seien. Alle diese Vorwürfe drehen sich um zwei Punkte: die Wurmkrankheit und Lohnverhältn isse. Daß die ungeheure Ausdehnung der Wurmkrankheit (man gibt die Zahl der Wurmkranken auf etwa 50000 an, das bedeutet ein Fünftel der ganzen Arbeiterschaft) energische Schritte notwendig machst, ist allenthalten anerkannt worden. Viele Zechen sind den Forderungen der Arbeiter entgegengekom- mert, leisten sehr erhebliche Zuschüsse zum Krankengelde der Wurmkranken, zahlen auch für die ersten drei Tage, für die von der Kasse nichjts gezahlt wird, den vollen Lohn. Von welcher Bedeutung im allgemeinen die Zuschüsse der Zechen find, das erhellt aus der Tatsache, daß es sich «ür einzelne Zechen im Durchschnitt auf eine tägliche Ausgabe von 1000 Mk. handelt, das kommt, wenn die Kur m einem Jahre durchgesührt ist, einer jährlichen Beitrags- jsumme von etwa 400 000 Mk. gleich Zechen, die weniger wurmkranke Arbeiter haben, konnten in ihren Leistungen natürlich noch weiter gehen und haben den Arbeitern Zuschüsse bis zur vollen Höhe des Tagelohnes gewährt. Daß die Zechenverwaltungen ungarische Bergleute ins Ruhrrevier gelockt hätten, wird von den Verwaltungen end- Mieden bestritten. Auch in sanitärer Hinsicht ist durch ein Bergpolizeigesetz, das den Arbeitern sogar zu scharf ist, alles geschehen, um die gesundheitliche Verhältnisse- zu bessern. Gegen die Ausstellung von Gratisattesten beim Arbeitswechsel wehren sich die Zechen besonders aus dem trirunde, um bem ohnehin schon sehr umfangreichen für He Arbeiter selbst schädlichen Wechseln nicht noch mehr Vorschub zu leisten. Aber nicht nur die Wurmkrankheit ist es, die augen- bvlicklich die Bergarbeiter beschäftigt. Von einigen Seiten ams hat man sie als Anlaß benutzt, noch andere Wünsche v'vrzubringen. Erst allmählich, dann immer deutlicher, wat man mit Lohnfragen hervor und „Lohndrückerei", „ Wagennullen", ungeheure „Tivideirden" der Werksbesitzer bildeten in letzter Zeck die hauptsächlichsten Schlagwörter im den Versammlungen. Daß ein geringer Lohnrückgang nngetreteu ist, wird von den Zechen nicht in Abrede gesollt, das hatte seinen Grund in dem Fallen der Kohlen- pneise, im allgemeinen sind aber die Gedinge nicht viel schlechter geworden, und man hofft auf eine bald eintretende bessere Konjunktur, die naturgemäß auch eine Besserung der Lohnverhältnisse zur Folge haben wird. Tas „Wagennullen" (d. h. die Nichtanrechnung der aus der Grube kommenden Förderungen wegen unreiner, mit Steinen vermischter, oder quantitativ ungenügender Ladung) ist natürlich für die Bergarbeiter unangenehm, noch unangenehmer aber für den Werksbesitzer, der keinen Pfennig dadurch gewinnt, sondern nur verliert. Der ganze Erlös für den „genullten" Wagen fließt nämlich bestimmungsgemäß der Arbeiterunterstützungskasse zu, kommt also doch schließlich wieder den Arbeitern zugute. Es ist klar, daß auch die Arbeitgeber ein Interesse daran haben, daß so wenig wie möglich „genullt" zu werden braucht. Tas Nullen kann eigentlich als Gradmesser günstiger Absatz- Verhältnisse im Bergbau betrachtet werden. Ist der Absatz flott, dann nehmen die Konsumenten auch einige Wagen Kohlen in Kauf, die etwas Steine enthalten. Anders zu Zeiten, wo der Absatz weniger gut geht, und die Abnehmer die eingehenden Kohlen mit kritischerem Blick betrachten. Es erfolgen sofort Reklamationen und Beschwerden an das Syndikat, und dieses wendet sich mit Vorwürfen an die unreine Kohlen liefernden Zechen, die nun wiederum ihre Kontrolleure anweisen, darauf zu sehen, daß keine unreinen Kohlen durchgehen. Auf diese Weise kommt es, daß zu mancher Zeit mehr genullt wird, als zu einer andern. Den Bergleuten könnte man nun gestatten, ihrerseits Kontrolleure anzustellen, damit nicht ein übereifriger Zechenaufseher im.Nullen zu weit geht. Statt des völligen Nullens eines unrein geförderten Wagens könnte man ,wie in der „Frkf. Ztg." vorgeschlagen wird, zudem auch eine Strafe von geringer Höhe setzen, damit die einzelnen Kameradschaften weniger fühlbar getroffen werden, als bei dem jetzigen Verfahren. Am Sonntag wird, wie heute gemeldet wird, eine allgemeine Aeltesten-Versammlung stattfinden, in der die Staatsregierung gebeten werden soll, andere Maßnahmen als bisher zur Bekämpfung der Wurmkrankheit zu treffen. Für Sonntag find wiederum insgesamt etwa 20 Bergarbeiterversammlungen angesetzt; einzelne Reichstags-Abgeordnete haben ihr Erscheinen zugesagt. Mlitische Tagesschau. Zu den badischen Landtagswahleu. Die von nationalliveraler Seite in Mannheim ausgehende Anregung.aus. Zusammengehen sämtlicher liberalen Parteien für die Landtagswahlen ist bei den Freisinnigen erfreulicherweise aus günstigen Boden gefallen. Die von den Nationalliberalen betonte Voraussetzung, daß — dem Stärkeverhältnis entsprechend — einer der beiden aufzustellenden Kandidaten der nationalliberalen Partei angehören müsse, hält man in freisinnigen Kreisen für selbstverständlich- und man hofft, daß es nicht schwer fallen dürfte, sich über einen zweiten Kandidaten für Mannheim mit den Demokraten zu verständigen. Der Vorstand der freisinnigen Vereinigung hat bereits besch>lossen, das von der nationalliberalen Partei vorgeschlagene gemeinsame Vorgehen anzunehmen und den Demokraten zu empfehlen, sich die Beschlüsse der Vorstände der freisinnigen Partei und des nationalliberalen Vereins zu eigen zu machen — Von feiten der Demokraten steht eine Beschlußfassung noch aus. Wenn sie praktische Politik treiben wollen, schlagen sie in die dargebotene Hpnd ein; denn ohne Hilfe der beiden liberalen Parteien droht ihnejn der Verlust ihres Mandates in Schßöetzingen, und durch die Mitwirkung der Liberalen können sie hoffen, das Mandat in Durchlach von den Sozialdemokraten zurückzuevobern. Eine Beurteilung Bismarcks im Zentrum. Gelegentlich des Todes Leos XIII. haben amerikanische Blätter als die vier größten Männer der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Bismarck, Moltke, Gladstone und Papst Leo bezeichnet. Die „Köln. Bolksztg." kann als ultramontanes Matt natürlich die Nebeneinanderstellung Leos und Bismarcks nicht kritisieren und ebenso vermeidet sie es, die Nebeneinanderstellung Moltkes und Bismarcks anzufechten. In sehr anerkennenswerter. Weise protestiert sie hingegen gegen den Vergleich Gladstones mit dem großen deutschen Staatsmann. Sie schreibt: Vielleicht fehlte Gladstone gerade die Eigenschaft, weiche für Großtaten an erster Stelle in Betracht kommt: das Temperament, der Wagemut, welcher, wenn es sein muß, die eigene Existenz und die des Vaterlandes auf des Schwertes Spitze stellt. Natürlich tut es dieser Wagemut nicht allein. . . es muß sich hinzugesellen die nüchterne, kühle Berechnung, welche abzuwägen versteht, ob ein Unternehmen gelingt oder nicht. Berde Eigenschaften fanden sich bei Bismarck vereinigt. Er wußte sehr geschäftsmäßig zu kalkulieren und darum widerstand er auch nach dem Siege von Königgrätz der Versuchung, sich zu weit vorzuwagen und es auch mit Napoleon III. zu verderben, aber neben dieser berechnenden Nüchternheit besaß er auch das Temperament, das den großen Mann macht. Es lohte in chm eine vulkanische Eigenschast, die andere mit fortzureißen verstand; noch in feinem hohen Alter bezeichnete er sich als ejine „alte Raketenkiste". Dieses starke Temperament hatte er mit dem ersten Napoleon gemein, aber er war in seinem Kalkül nüchterner als dieser und deshalb vorsichtiger." — Es ist schon seit einiger Zeit mit Genugtuung bemerkt worden, daß die ultramontane Presse ihren sonst stereotypen Haß gegen Bismarck und seinen Anhang leise verdunkeln läßt. Vielleicht ist ihr endlich klar geworden, was Bismarck der Nation gewesen und wie sein Leben und sein Wirken noch jetzt vorvildlich für große nationale Politik ist. Das wäre ja eine erfreuliche W.nüung zum Gutem Eine Verwalttmgseinrichtuug Rußlands. Ein vom Kaiser von Rußland unterzeichneter Ukas be» ftchlt, aus dem Amur-Gebiet eine besondere Statt- h.sl^l ter s cha f t zu bilden. Ter Statthalter wird mit höchster Gewalt in allen Zweigen der Zivilverwaltung des Gebietes bekleidet, die gleichzeitig der Leitung der Ministerien entzogen wird. Ihm liegt auch die Sorge für Ruhe, Sicherheit und Wohlfahrt ob, sowohl in den an der chinesischen Ostbahn liegenden Gegenden, als auch in den an die Statthalterschaft angrenzenden jenseits der Grenze liegenden russischen Besitzungen. Bis zum Erlaß eines Gesetzes über die Kompetenzen und Pflichten des Statthalters kommen für die Verwaltung des fernen Ostens die 1845 für die kaukasische Statthalterschaft erlassenen Bestimmungen zur Geltung. Tie diplomatischen Beziehungen im Verkehr dieser Gebiete mit den Nachbarstaaten sind in den Händen des Statthalters konzentriert. Ihm ist auch das Kommando der Kriegsflotte int Stillen Ozean, sowie aller Truppen des Gebietes übertragen worden. Ein besonderes Komitee unter Vorsitz des Kaisers wird die Anordnung des Statthalters mit den allgemeinen staatlichen Absichten und der Tätigkeit der Ministerien in Einklang bringen. Generaladjutant Alexejew, der zum Statthalter im fernen Osten ernannt worden ist, erhält den Auftrag, die Vorlage über die Verwaltung des ihm anvertrauten Gebietes dem Kaiser zur Bestätigung zu unterbreiten. Deutsches Reich. Berlin, 13. Aug. Der Neichskanzler hielt vor der Frühstückstafel im Neuen Palais dem Kaiser einen Jmmediatvortrag. — Der Kaiser hörte heute vormittag im Neuen Palais den Vortrag des Chefs des Militärkab inets. Zur Mittagstafel war der Reichskanzler Graf Bülow und der Chef des Zivilkabinets v. Lucanus geladen. — Der für heute angesetzte Kronrat ist auf morgen verschoben worden. — Kaiser Wilhelm hat, wie die ^Deutsche Japam post" mitteilt, von Warnemünde aus an den an Bord des „Fürst Bismarck" im Hasen von Pokohama weilenden Vizeadmiral Geißler ein Telegramm gesandt, in dem er ihn beauftragte, dem Kaiser von Japan seine Grüße zu überbringen. — Die Kaiserin empfing gestern im Neuen Palais nach der Rückkehr aus Schlesien und Posen den Oberpräsidenten v. Bethmann-Hollweg, um von ihm Mitteilungen über den Umfang und die Art der auch in der Provinz Brandenburg zu beklagenden Hochwasserschäden entgegenzunehmen. Die Kaiserin ließ dem Operprasidenten als Beihilfe für besonders dringende Notfälle den Betrag von 3000 Mk. überweisen. — Ter Minister der öffentlichen Arbeiten ordnete anläßlich des Unglücks auf der P a r i s e r S t a d t b a h n eine sofortige Untersuchung der Einrillungen der Berliner Hoch - und Untergrundbahn daraufhin an, ob und welche Maßregeln erforderlich erscheinen, um Unfällen solcher Art vorzubeugen. — Der „Neichsanz." veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Sekretärs bei der Gesandtschaft in Stockholm Freiherrn von Heintze zum Ministerpräsidenten für die Republik Cuba mit dem Amtssitze in Habana. — Tie „Berl. Pol. Nachr." hören, daß die gesundheitlichen Ausführungsbestimmungen zur Seemannsordnung den Handelskammern der Hafenstädte von der Regierung zur Begutachtung unterbreitet wurden. — Nach^ der Beförderung des Generalarztes Schmidt in die höchste Stelle des Marine-Sanitätsoffi^ier- korps reichten, wie dem „Berl. Tagebl." aus Kiel gemeldet wird, die rangälteren Generalärzte Wendt undFleffel ihren Abschied ein, der beiden nunmehr ea> teilt'worden ist. Dresden, 13. Aug. Der Dresdner national- liberale Reichsverein nahm gestern einstimmig eine Resolution an, worin er für Sachsen ein freiheitliches dem früheren sächsischen Wahlrecht in seinen Grundsätzen gleichgeartetes Wahlrecht fordert und von der Landespartei eine energische und selbständige Tätigkett in dieser Richtung erwartet. Auf Anregung des Geheimrats Böhmert wurde eine Wahlkommission zwecks Propaganda, Erörterung und Ausarbeitung von Vorschlägen zur Wahlreform niedergesetzt. München, 13. Aug. Prinz und Prinzessin Rupprecht von Bayern sind heute vormittag von der Orientreise zurückgekehrt. Die Abwesenheit des prinzlichen Paares hat 18 Monate gewährt. Keer und Alotte. Feld Übung en. Aus Anlaß der jetzigen größeren Feldübungen und der bevorstehenden großen Herbstmanöver ist den Truppenteilen anbefohlen worden, das Betreten bestellter Felder möglichst zu vermeiden/ Ferner wird bekannt gemacht: Gebäude, Wirtschafts- und tzofräume, Parkanlagen, sowie die Versuchsfelder land- und orstwirtschaftlicher Lehranstalten und Versuchsstationen dürfen überhaupt nicht betreten werden. Eisenbahnen sind nur an den Uebergäugeu zu überschreiten. In Dörfern und in der Nähe von Gebäuden darf nicht gefeuert werden. Abteilungen, welche im Ernstfälle Gebäude, Gehöfte usm. besetzen würden, treten deshalb an diese Oertlichkeiten nur heran, und sind dabei von den Offizieren zu belehren, wie sie in Wirklichkeit zu verfahren hätten. Tie Verteidigung von Dörfern wird oft, um das Privateigentum Lu schonen, nur durch Schützen an den entfernten Gartenzäunen, sowie durch Friedensübungen jeglicher Art zu markieren sein. Die Bekanntmachung schließt mit den Worten: „Der bürgerliche Verkehr darf durch Friedensübungen jeglicher Art in keiner, auch noch so geringen Weise gestört oder behindert werden mit der alleinigen Ausnahme, daß her Durchgang durch geschlossene, ruhende oder marschierende Soldaten zu versagen ist." Zlnterrichtsrveseu. Die Schiffahrt im akademischen Unterricht. Die „Hamburger Beiträge'' schreiben: Im Unterricht der Handelshochschulen zu Köln und Frankfurt a. M. wird neben dem Handel auch die Schiffahrt sorgfältig berücksichtigt. In den allgemeinen volkswirtschaftlichen Vorlesungen zu Köln wird die Schiffahrt stets mitbehandelt unb in den Seminarübungen werden Themata über Fragen der Handelsschiffahrt zur Bearbeitung gestellt. Im Unterrichtsplan der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften stnden wir im Lehrplan eine besondere Vorlesung über „Entwicklung der Schifffahrt der Haupthandelsstaaten" verzeichnet. Von den deutschen Universitäten hat Berlin in seinem „Institut für Meereskunde" aller auf die Schiffahrt bezüglichen wissenschaftlichen Tätigkeit eine reich ausgestaltete Zcntralstätte geschaffen, deren Museum und Bibliothek, deren Vortragsabende und Schriften eine vielseitige und in sich abgerundete Gelegenheit zur Kenntnisnahme für wertere Kreise geben. Prüfung der Ingenieure. Der Minister der öffentlichen Arbeiten in Preußen und der Unterrichtsminister sind mit den Leitungen der technischen Hochschulen dahm übereingekommen, daß in Zukunft für diejenigen Ingenieure, die eine Anstellung im Staatsdienst erstreben, das erste Examen sortfallen, dagegen das Diplomexamen eine Verschärfung erfahren soll. Mit Ablauf des Jahres 1904 fällt die bisherige Uebung, die Prüfungen vorzunchmen, weg. Ausland. London, 13. Aug. Wie die Blätter nunmehr berichten, findet die geplante Weltausstellung bereits im Jahre 1906 statt und zwar auf dem Platze des Krystall- palastes. Es wurde ein vorbereitender Ausschuß, bestehend aus 13 Mitgliedern, gewählt. Marseille, 13. Aug. Das Zuchtpolizeigericht verurteilte zwei am Samstag bei der Kundgebung gegen den Ministerpräsidenten Combes verhaftete Personen nur wegen Tragens verbotener Waffen zu einem Fr. Geldstrafe. In der Urteilsbegründung wird ausgefuhrt, da Combes nach Paris gekommen sei, um seine Politik auseinanderzusetzen, habe jeder Bürger das Recht gehabt, ihn auszu- 'pfeifen. (!) Belgrad, 13. Aug. Der König nahm die Demission des Kabinetts an und betraute den bisherigen Ministerpräsidenten Awakumowitsch mit der Bildung des neuen Kabinetts. Budapest, 13. Aug. Dem Pesti Hirlap zufolge versucht hier ein Agent des Königs von Serbien Wechsel- Kredit für eine Million Kronen zu erhalten. Er soll jedoch überall abgewiesen worden sein uud nunmehr die Runde durch Europa machen. Konstantinopel, 13. Aug. Man ist in der russischen Botschaft sehr beunruhigt über das Schicksal des Konsuls M a n st e l e t a m, der zu Pferde auf die Nachf- richt von Rostkowskis Ermordung nach Monastir eilte und von dem mau seitdem keine 9Lachricht hat. Es ist möglich, daß nur die Zerstörung des Draytes am Ausbleiben der Nach,richten schuldig ist. — Tas Regierungs-Communique, welches /charf die Ermordung des russischen Konsuls in Monastir verurteilt, die Absetzung des Vali und anderer Beamten, sowie strengste Bestrafung des Mörders zusichert, findet in türkis ch en Kreisen eine höchst mißfällige Aufnahme, da man überzeugt ist, daß der Täter sich im Rechte befand, nachdem er von dem russischen Konsul tätlich angegriffen worden war. Das Kommunique wird als eine neue Erniedrigung der Türkei vor Rußland aufgefaßt, wodurch der Haß gegen Rußland' nur geschürt wird. Es bestätigt sich, daß der Konsul Rostkowski den Täter zunächst mit den gemeinsten Schimpfworten belegte, die es für einen Türken gibt und daß dieser einige Schimpfworte zurückgab. Rom, 13. Aug. Der östreichische Botschafter hat große Mühe, den schlechten Eindruck, welchen das Veto Puzynas gemacht hat, zu verwischen. — Der Papst ist sehr weichherzig. Die Trennung von Venedig geht ihm sehr zu Herzen. Er weint bei der Erinnerung und bei dem Ge>- danken, daß er sein Leben lang gebunden sein soll. Im Vatikan werden Befürchtungen für seine Gesundheit gehegt. Hongkong, 13. Aug. Die kaiserlichen Truppen wurden bei Hweitschpu von den A u f st ä n d i s ch e n geschlagen. 3000 von ausländischen Offizieren ausgebildete Mannschaften sind zur Verstärkung in Kanton eingetroffen. Buenos-Aires, 13. Aug. Die Beisetzungssecer des verstorbenen deutschen Gesandten Frhm. v. Wangen- heim nahm in Anwesenheit des Präsidenten von Argentinien, der Staatsminister und des diplomatischen Korps unter großartiger Beteiligung der deutschen Kolonie einen erhebenden Verlaus. Autstand in Mazedonien. Aus Saloniki wird gemeldet: Eine Bande griff die Wache des Dorfes Gemsendje mit Bomben an. Das Gefecht dauerte zwei Stunden. Herbeigeeilte türkische Truppen verfolgten die Angreifer, von denen mehrere getötet, verwundet oder gefangen genommen wurden. Die Ueberleben- den flohen in die Berge, wo sie verfolgt werden. — Bei Saloniki ift wieder eine Eisenbahnbrücke durch Dynamit gesprengt worden. Zu der schon gemeldeten Rüstungen ist die Mobilisierung von 16 Redif- bataillonen aus den Aushebebezirken in Mazedonien selbst hinzuzufügen. Ende der ungarischen Westechungsaffaire. Infolge Indiskretion veröffentlichen zwei Abendblätter in Budapest den Entwurf des Berichtes der parlament- arischen Untersuchungs-Ko in Mission, welcher dahin geht, daß Graf Ladislaus Szapary an den Interessen des Vaterlandes gesündigt habe, daß aber die Regierung oder der Ministerpräsident hierbei nicht beteiligt sind, daß die Tat Szaparys nur der vereinzelte Versuch eines Vergehens sei, und daß daS Untersuchungsversahren die unantastbare moralische Integrität eines jeden Mitgliedes der ungarischen gesetzgebenden Körperschaften außer allen Zweisel stellt. Da in dieser Angelegenheit keinerlei Notwendigkeit, weitere Maßnahmen zu ergreifen, vorliegt, wird beantragt, das Haus möge zur Tagesordnung übergehen. — Die liberalen Mitglieder der Kommission hielten eine Konferenz ab und beschlossen, in der Angelegenheit der begangenen Indiskretion eine Untersuchung einzuleiten. Die parlamentarische Kommission wird nächsten Samstag eine Sitzung abhalten. fc. Mainz,, 13. Aug. Aus der Kasteler Brücke siel heute morgen von einem hoch mit Holz beladenen Wagen der Firma Schleich in Biebrach der Fuhrmann herab vor die Räder. Das linke Bein wurde ihm dabei am Knie direkt abgefahren und schrecklich zersplittert. Wach der Nrandkalajirophe in Waris. Donnerstag nachmittag wurden die 25 bisher von ihren Angehörigen nicht reklamierten Opfer der Metropolitan- bahn-Katastrophe beigesetzt. Zwischenfälle sind nicht vor- gekommen. Die Beisetzung trug einen ganz offiziellen Charakter. Das Musikkorps der repub litauischen Garde nahm an dem Leichenzuge teil. Außer Combes war auch der Vorsitzende des Gcmeinderats, sowie das diplomatisch schlossen wurde, sollte auf Sonntag, 9. b. M., eine weitere Versammlung behufs Besprechung des Bahnprojekts Fulba — F rei en st einau — Salmünster bahier ab- gehalten werden. Waren es bei erster Zusammenkunft etwas über hundert Teilnehmer, so belief sich diesmal bie Zahl ber Besucher auf weit über dreihundert; waren damals ea. 10 Ortschaften vertreten, so diesmal 23, so daß der geräumige Saal des Gastwirts Sang die Leute kaum fassen konnte. Obwohl man sich schon nach der ersten Versammlung sagen konnte, daß unsere Bestrebung im Sinne aller Orte von Fulda bis Salmünster läge, so sollten doch die Vertreter derselben vor der Oeffentlichkeit ihre Erklärungen abgeben, einmal darüber, daß sie samt und sonders diese Bahn für eine Notwendigkeit ansehen, und zum andern, daß sie bereit sind, den gesetzlichen Forderungen genügen zu wollen. Tas ist denn auch vollauf geschehen. Um den Gang der Sache zu beschleunigen, ist man, nach dein „Dannst. Tägl. Anz.", gesonnen, einen Plan ausarbeiten zu lasten, und diesen dann nebst den erforderlichen Anlagen den zuständigen Stellen zu unterbreiten. Es bietet sich hier also Eisenbahn-Ingenieuren Gelegenheit zu lohnender Betätigung. — Erste Aufgabe des am Sonntag erwählten Komitees ist es nun vorerst, die mutmaßliche Länge der Linie zu ermitteln und sodann über die Aufbringung der Mittel für den Plan zu beraten. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß der letzte Punkt nicht ein Stein des Anstoßes wird. Welche Bedeutung zurzeit die Wagenfracht für den Einzelnen hat, möge an nur einem Beispiel gezeigt werden. Es beabsichtigt hier jemand einen Eiskeller zu bauen. Nach dem Plan sind u. a. dazu 15 000 Ringofensteine erforderlich. Das Tausend kostet in Schlüchtern 24 Mark, die Wagenfracht bis hierher pro 1000 ebenfalls 24 Mark. Es verursacht dieser eine Posten also eine Mehrausgabe von über 300 Mark. Bönstadt, 12. Aug. Hier weilten heute Gericht und Sachverständige, um den Tatbestand über den tötlichen Unfall im Mai d. I. auszunehmen; bekanntlich wurde'damals ein Kind von einem Fuhrwerk über fahren und getötet. Die Pferde waren vor einem Automobil gescheut. Automobil und Fuhrwerke waren an der Unfallstelle. Als Sachverständiger war u. a. Fahrrad Händler Hamel-Gießen geladen. (!) Friedberg, 14. August. Am 1. September findet Vie seierliche Entlassung der Kandidaten des hiesigen evangelischen Predigerseminars statt. Diesmal sind es 12 Pfarramtskandidaten, welche das Seminar verlassen; es ist dies eine sehr hohe, selten erreichte Zahl. Das Seminar wird gegenwärtig von 18 Kandidaten besucht. — Wie bestimmt verlautet, wird mit Beginn des Wintersemesters anstelle des leidenden seitherigen Direktors Prof. Dr. Weiffen- bach ein neuer Direktor ernannt werden. Die Leitung führt z. Zt. Prof. Schöler. § Lauterbach, 12. August. Ueber den Platz, auf welchem das projektierte Kriegerdenkmal errichtet werden soll, herrschen noch Meinungsverschiedenheiten. Während die eine Partei den geräumigen Marktplatz vor der Stadtkirche vorschlägt, wünschen andere, daß das Denkmal vor der neuen Bürgerschule errichtet werde. — Auch der Bau einer neuen Turnhalle ist geplant. R. B. Darmstadt, 13. Aug. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich heute in einer sehr eingehenden Beratung mit der Lösung der Kranken- hausangelegenheit. Es wurde, nachdem der Oberbürgermeister das ganze Bauprojekt in ausführlicher Vküse dargelegt hatte, in der Versanrmlung von mehreren Seiten betont, daß man besser getan haben würde, wenn man stcptt der jetzt vorgeschjlagenen kostspieligen Erweiterung deK Krankenhauses, die mit dem Griurdjtückserwerb zusammen rund 1000 000 Mk. erfordert, in gesunder Lage vor der Stadt ein neues, zweites städtisches Krankenhaus errichtet hätte. Von anderer Seite wurde aber mit Recht betont, daß durch die Errichtung eines abseits liegenden neuen Baues die VerwaltungHkosten sich bedeutend steigern würden. Die Versammlung genehmigte schließlich das Projekt der Erweiterung des alten Krankenhauses unter dem Vorbehalt, daß für die Anlage eines Leichen Hauses und einer Irren abteilung ein anderes Projekt zur Genehmigung vorgelegt würde. Das städtische Krankenhaus wird« durch den jetzt beschlossenen Umbau von 221 aus 463 Betten gebracht, zu denen im Bedarfsfälle durch den Ausbau der Obergeschosse noch weitere 90 Betten hinzugefügt werden können. sä. Darmstadt, 14. Aug. (Originaltelegramm des „Gieß. Anz.") S. K. Hoheit der Großherzog ist heute Vormittag mit Sonderzug zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung des deutschen Weinbaukongresses nach Mainz gereist und kehrt um 12 Uhr von dort wieder hierher zurück. Mainz, 13. Aug. Am ersten Tage durchgebrannt, an dem er in Dienst getreten war, ist gestern der erst 18 Jahre alte Hausbursche der Wirtschaft zur „Stadt Mainz", namens Müller, mit 1300 Mk., für die er eine Rechnung bezahlen sollte. Alzey, 12. Aug. Ein in den 50er Jahren stehender Dienstknecht, der bereits eine längere Freiheitsstrafe wegen Eigentumsvergehens hinter sich hat, sitzt zurzeit wegen Diebstahls im hiesigen Amtsgerichtsgefängnis in Untersuchungshaft. In einer der letzten Nächte bog er die Stäbe an dem Fenster seiner im oberen Stock gelegenen Zelle auseinander, und schprang sich auf das Dach, das er, um besser fortzukommen, teilweise abdeckte. Durch dieses Geräusch wurden andere Insassen des Gefängnisses aufmerksam und verständigten oen Gefängniswärter, der sogleich die Verfolgung des Ausreißers ausnahm. Als der Flüchtling sah, daß sein Fluchtversuch entdeckt war, kletterte er in feine Zelle zurück, von wo er in ein besseres Verwahr gebracht wurde. Frankfurt a. M., 13. Aug. Vorgestern und gestern weilte Ministerialdirektor Pressel aus dem Reichspostamt hier, um mit der Stadt wegen Abtretung des Bundes- Palais und wegen des geplanten P o st n e u b a u s in der Hohenzollernstraße zu verhandeln. Wie verlautet, sollen die Verhandlungen soweit gediehen sein, daß wahrscheinlich schon in dem nächsten Etat die Rate zu dem Posthausneubau eingestellt werden wird, sodaß mit dem Bau voraussichtlich im nächsten Jahre begonnen werden kann. Außer der Verlegung der Oberpostdirektion und des Telegraphenamts in die Hohenzollernstraße wird dort auch ein dem öffentlichen Verkehr dienendes Postamt eingerichtet, welches das überlastete Postamt 9 am Hauptbahnyof entlasten und den Bewohnern der Umgebung eine nähere! Postgelegenheit bilden soll. (Kl. Pr.) () Marburg, 13. Aug. Verhaftet und ins hiesige Landgerichtsgefängnis eingeliesert wurde heute der Gerichtssekretär Otto Florian aus Neustadt ander Main-Weser- Bahn. Er steht unter der Beschuldigung, 6000 Mark Ortskrankenkassengelder unterschlagen zu haben. Dadurch, daß F. nicht rechtzeitig Gerichtsgelder ablieferte, wurde man aus ihn aufmerksam. Wie man hört, sollen seine privaten Verpflichtungen etwa 25 000 Mark betragen.' Ueber sein Vermögen wurde gestern das Konkursverfahren eingeleitet. Das Nähere wird die gerichtliche Untersuchung ergeben. ? Weilburg, 13. August. Kanonendonner verkündete gestern abend, daß unserKirchweihfest begonnen hat. Von Jung und Alt waren diese Festtage herbeigesehnt worden. In der Frühe sind die Tamboure eifrig bei der Arbeit, um die Schläfer aus ihren Träumen zu wecken. Der erste Blick gilt dem Himmel, ob er auch ein freundliches Gesicht macht, und in der Tat luac es diesmal ein herrliches Festwetter. Im festlichen Umzug durch die Straßen der Stadt geht der Zug nach dem Schießhaus. Hier erwartet schon ein großes Publikum die Garde, über die Oberst v. Winterberger die Parade abhält. In altgewohnter Weise begrüßte er wieder in herzlicher Weise die Weilburger Garde, die nunmehr wieder einen Hauptmann — den Enkel des alten unvergeßlichen Hauptmanns Brinkmann — an seiner Spitze sieht. Wie Sturmgebraus ertönt das Hoch der tausendköpfigen Menge zum Schluffe seiner Rede unserem allerhöchsten Landesherrn. Der Hauptmann läßt die Gewehre zusammensetzen und wegtreten. Das Frühstück beginnt, zu dem man sich in den Zelten niederläßt. Die Beteiligung ist eine starke, darunter sind die Spitzen der Behörden. Draußen knallen die Schüsse der Gardisten, und für das Publikum beginnen die Belustigungen, die diesmal von der Gunst der Witterung in vollem Umfang ausgenutzt werden können. Vermischtes. * Köln, 13. Aug. Kommerzienrat Ludwig Noll und und Frau schenkten der evangelischen Kirchengemeinde Mülheim a. d. Ruhr ein am Rhein gelegenes Grund stück im Werte von 81000 Mark, und für ein darauf zu errichtendes Krankenhaus die für den Bau erforderliche Summe von 100000 Mark. * Braunschweig, 13. Aug. Von den Kindern, die während der Ferien an den Ausflügen in die Umgebung teilgenommen haben und bedenklich erkrankten, ist heute ein 12jähriges Mädchen gestorben. Als Todesursache ist ärztlicherseits Typhus angegeben worden. Der Grund der Erkrankung wird darin gefunden, daß den Kindern Milch dargereicht worden ist, tue angeblich mehrere Stunden der glühenben Sonnenwärme ausgesetzt und total verdorben gewesen sein soll. * Graz, 14. August. Im Nonstal in Südtiro wurde ein starker, wellenförmiger Erdstoß verspürt. * Buenos-Aires, 13. Aug. Gestern abend fand in Mendoza ein Erdbeben statt, durch welches zahlreiche Häuser und der Turm der San Francisco-Kirche zerstört wurden. Fünf Personen wurden getötet, mehrere andere verletzt. Gerichtssaal. Hanau, 12. Aug. Vor der Strafkammer hatte sich heute der 41 Jahre alte, wegen Körperverletzung, Bedrohung uud Hausfriedensbruch bestrafte Freiherr Eberhard von der Tann zu Tann wegen Beleidigung zu verantworten. Der Angeklagte hatte auf einer Eisenbahnfahrt von Fulda nach Tann die mitretscnden Passagiere durch ungehöriges Betragen belästigt. Sie wandten sich schutzsuchend an den diensttuenden Bahnschaffner Koch, und dieser ersuchte den Freiherrn, sich anständig zu betragen, andernfalls er aus dem Zuge ausgesetzt werde. Der Freiherr^er- widerte jedoch dem Beamten: „Was willst Du? Tu hast mir ja Fische gestohlen, Tu F i s ch d r e b!" Daraufhin wurde Anklage ivegeit Beleidigung erhoben und T. vom Schöffengericht zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil legte der Freiherr Berufung ein und wollte heute vor der Strafkammer den Beweis führen, daß der Schaffner tatsächlich Fische aus dem freiherrlich Tann- schen Wasser gestohlen habe. Interessant waren die Aussagen einiger von dem Freiherrn geladenen Zeugen. So bekundete der Müller Reinau: „Der Angeklagte sagte zu mir: „S r e müssen beschwören, daß Koch Fische gestohlen hat!" Als Reinau antwortete : „Herr Baron, ich weiß ja aber gar nicht, daß Koch Fische gestohlen hat, antwortete der Freiherr abermals: „Sie müssen es beschwören!" Tie Frau dieses Zeugen sagte außerdem noch aus, der Freiherr habe auf ihre Weigerung und die ihres Mannes, ein solches Zeugnis abzulegen, noch die Worte hinzugefügt: „Ich werde es Euch lehren!" Durch einen anderen in der Sache vernommenen Zeugen hatte der Angeklagte dem Schaffner Koch, gleich nachdem die Anzeige rvegen Beleidigung erstattet roorden war, sagen lassen, er solle die Anzeige wieder zurücknehmen, sonst iverde er ihn vom Dienst bringen. Alle diese Zeugenaussagen ließ das Gericht in ihrem Wortlaut zu Protokoll nehmen, und es wird daraus wohl ein weiteres Strafverfahren gegen den Angeklagten hergeleitet werden. Die Beweisführung, daß Koch ihm Fische gestohlen habe, mißlang dem Freiherrn vollständig. Das Gericht verwarf deshalb die Berufung und bestätigte das Urteil der Vorinstam. Paris, 13. Aug. In der heutigen Versammlung oesi- lierte eine lange Reihe Gläubiger, welche erllärten, zu Frau Humbert Vertrauen gehabt zu haben, angesichts der vielen von ihr gewonnenen Prozesse. Einen der Zeugen fragte Labori, ob er auch heute noch Vertrauen habe. Ter Zeuge antwortete nach einigem Zögern: „O ja, jetzt noch." (Große Heiterkeit.) Ein anderer Zeuge, der Industrielle Schotsmans, erklärte, Therese Humbert habe ihm ihre durch die ewigen unerledigten Prozesse geschaffene Situation so eindringlich geschildert, daß er alles für sie geopfert haben würde. Auf die Frage der Frau Humbert, ob Schotsmans, dessen Bruder das Opfer eines nicht aufgeklärten Eisenbahnunsalles geworden war, ihren Bruder Daurignac für des Mordes fähig halte, antwortete der Zeuge ausweichend, er habe die Taurignacs damals nicht gekannt. Ein anderer Zeuge gibt zu, daß er von den gewährten Darlehen 50 Prozent Provision zurückbehalten habe. Der Graphologe Hofgard sagt aus, die Handschrift Daurignacs weiche von der aus den Schriftstücken ab, die mit Crawford unterzeichnet sind. Der frühere Notar Arniguls sagt aus, daß er in Toulouse Rententitres im Werte von 780 000 Francs im Besitz der Therese Humbert gesehen habe. Die Angeklagte stellt dies in Abrede. Zwischen Arniguls und dem Verteidiger Labori erfolgt ein scharfer Zusammenstoß, da Labori dem Zeugen vorwirft, die Schlösser Marcotte und Beauzelle, die den Humberts gehörten, nicht in einwandfreier Weise mit Hypotheken belastet zu haben. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung sagt der frühere 97otar Dumont aus, er habe ein ganzes Vermögen und Geld seiner Klienten bei den Humberts angelegt; er habe mehrmals die angeblichen Crawfords gesehen und diese hätten den Inhalt des bekannten Geldschranks bestätigt; er habe selbst die Kupons der Wertpapiere abgetrennt. Arbeitervemegung. Genf, 13. Aug. Der „Frkf. Ztg." wird aus Genf gemeldet: Anläßlich des Ai a u r e r st r e i k s wurden auf Befehl der Regierung und des Staatsanwalts heute in aller Frühe zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Bis jetzt sind 62 Arbeiter, meist Italiener, welche hier ohne Papiere oder Mittel wohnten, verhaftet worden. Der italienische sozialistische Abgeordnete Rigola ist hier angekommen, angeblich um den Streik zu beschwichtigen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 10. Sonntag n a d) Trinitatis, den 16. August Gottesdienst In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: siehe Jöhannestirche. Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Sck)losser. In der Jöhannestirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Reukonsirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 97» Uhr: Psarrassistent Vogt. Sonntag abend 8 Uhr: Versammlung und Bibelbcsprechung rm Konsirmandensaale der Jöhannestirche. Katholische Gemeinde. . F r e i t ä g, d e n 14. A u g u st. Rachmlltags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beid)te. Samstag, den 15. A u g u st 1903. Mariä Himmelfahrt. Vormittags von 6 7, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. w um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kmw munion. w um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Militärgottesdiensi mit Predigt. „ um 9 V, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 27, Uhr: Fest-Andacht mit Segen. w uni 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Sonntag, den 16. August. m . H' Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6 7, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste hell. Messe, vor und in derselben Austeilung der hell. Kommunion. „ um 8 Uhr: Tie zweite hell. Messe. '* um 9 73 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2 1/2 Uhr: Sakramentalische Bruderschafts-Andacht. Israelitische NeligionSgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge, Südaulage. Samstag, d e n 15. A u g u st 1903. Vorabend 7.15 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4 Uhr. Sabbathausgarig 8.35 Uhr. Märkte. a. Marburg, 13. August. Ter heutige Viehmarkl war mit 1115 Schweinen befahren. Ferkel |tanken billig im Preise, es kosteten 4—6 Wochen alte das Paar 20—24 Mk., ältere entsprechend mehr. Läufer von 4 Monaten wurden durchschnittlich mit 80 Mk. das Paar bezahlt; dagegen behaupteten Schlachtschweine hohe Preise, das Stück wurde bis zu 70 Mk. gehandelt. Ter anfangs sich schleppend hinziehende Handel besserte sich gegen Schluß auf. Neueste Meldungen. Origiualdrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 14. Aug. Der Kaiser beabsichtigt gelegentlich seines Aufenthaltes in Rorninten nach den Manövern Moosbruch bei Labiau zu besuchen, um auf Elchwild zu jagen. Es wird bereits jetzt nachgeforscht, "in welchem Teile des dortigen Forstes zum Abschutz geeignetes Elchwild vorhanden ist Die Zahl der vorhandenen Elche wird zurzeit auf ca. 30 geschätzt. Berlin, 14. August. Bei einer Spazierfahrt verun- g lückte die bei einer befreundeten Familie in Gardelegen zu Besuch weilende Witwe des Generalleutnant von Ising aus Berlin mit ihrer Gesellschaftsdame. Infolge Durchgehens der Pferde schlug der Wagen um und die beiden Insassen wurden so unglücklich herausgeschleudert, daß sie lebensgefährliche Verletzungen davontrugen. London, 14. Aug. Der Bericht des britischen Konsulats in Odessa über die Greuel in Kischinew macht überall einen schlechten Eindruck. Die Schuld an den Ausschreitungen wird der Untätigkeit der Behörden zugeschrieben, welche die Soldaten den Mordtaten passiv Zusehen ließ. Die britischen Blätter ziehen den Schluß, daß eine Komplizität der hohen Regierungsorgane unabwendbar sei. L. London, 14. Aug. Der Gesundheitszustand Lord Salisburys erweckt große Besorgnisse. Seit ungefähr drei Monaten fühlt fid), der Lord anhaltend nicht wohl. Er leidet zwar an keiner bestimmten Krankheit, aber die Kräfte nehmen langsam und stetig ab. Die Herztätigkeit ist schwach Budapest, 14. August. Gegen die Münchener Wochenschrift „Die Jugend" ist wegen ihrer ungarnfeindlichen Haltung ein völliges Boykott veröffentlicht worden. Weder auf den ungarischen Bahnhöfen noch in den Cigarrenläden darf das Blatt verkauft werden und auch in den Cafes liegt es nicht auf. Zell am See, 14. Aug. Auf dem Mozerboden wurde durch einen Felssturz eine ganze Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Tochter, getötet. Sosnowice, 14. Aug. In der Georgs grübe verunglückten gestern durch einen herab stürzenden Förderkorb 2 3 Personen, welche meist schwere Verletzungen davontrugen. Belgrad, 14. Aug. Die Aufständischen halten die Stadt Kruschewo im Vilajet Monastir noch immer besetzt. Sie haben an allen öffentlichen Gebäuden bulgarische Wapven angebracht und die Nationalfahne gehißt. — Bezüglich oer Ueberführung der Leiche des rustischen Konsuls Rostkowski ist noch immer keine Verfügung "getroffen worden. Sie liegt noch im russischen Konsulat zu Monastir. Saloniki, 14. Aug. Der Mörder des russischen Konsuls ist gestern zum Tode verurteilt und sofort hin- gerichtet worden. Konstantinopel, 14. Aug. Bisher sind noch immer keine Nachrichten über den Verbleib des russischen Konsuls Mandel stamm eingetroffen. Athen, 13. Aug. Hier anwesende Macedonier ersuchten den Ministerpräsidenten um die Genehmigung, bewaffnet die Grenzezuüber schreiten, um ihre Landsleute zu schützen. Der Präsident verweigerte die Genehmigung und riet den Macedoniern, sich ruhig zu verhalten. Washington, 14. Aug. Die Handelsbeziehungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten haben im verflossenen Jahre den seither höchsten Stand erreicht. Die Ausfuhr Kanadas nach den Verein. Staaten belief sich auf 54 650000 Dollar, diejenige der Verein. Staaten nach Kanada auf 122 478000 Dollar. TeSephonsscher Kursbericht. Frankfurt u. JJ.. 14. Aua-nst iuu3. 378% Reicheanloihe . . 101.75 3% do. ... 90.60 3*/,% Konsole .... 101.75 3% do.....90.65 37-2% Hessen .... 100.80 87,% Oberhessen . . . 100.20 4% Oesterr. Goldrente . . 102.90 47v26 Oesterr. Silberrente 100.90 4% Ungar. Goldrente . . 100.85 4% Italien. Rente . . . 103.30 47,% Portugiesen . . . 49.75 ß0/ Portugiesen.....31.10 1% C. Türken .... 34 60 Türkenlose......129.00 4% Griech. Monopol.-Anl. 44.00 47,% äussere Argentiner 40.05 3% Mexikaner . . . 26.7'5 47a% Chinesen .... 92.50 Electric. Sohuckert . . . 96.00 Nordd. Lloyd . . . . 100.75 Kreditaktien . ... 207.70 D iskonto-Konimandit. . . 187.60 Darmstädter Bank . . 136.50 Dresdener Bank .... 147.50 Beniner Handelsges. . . 154.25 Oesterr. Staatsbahn . . , 142.70 Lombarden.....16.60 Üotthardbahn .... 191.00 Laurahütte...... 224.00 Bochum.......182.80 Harpen er ...... 180.30 Tendenz: schwächer. "7WP D U 5968 Trockenes, kurzaeschnittenes 6144 Marttstratze 5. 03866 anlage Nr. 3. W.üi'mÄ«.. » Zimmerns ruhige (5583 ■: Wedifel-Fonnulare Sietzener Anzeiger, Briihi’fche Druckerei Schwarzdruck auf Blau- oder Weiljpoit das kaufend von Ulk. T a~ an. Ueber1 Nacht trockne« die Futzbodeufarben von Adolf Bieler, Drogerie, 4881] 4 ° Zimmerwohuung, zweiter Stock, wegen Versetzung per 1. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit und Beerdigung unseres innigst geliebten Gatten und Vaters Hm» Heinrich Klotz den barmherzigen Schwestern für die aufopfernde Pflege, dem Gesangverein Heiterkeit für den erhebenden Grabgesang und für die tro]treichen Worte des Herrn Pfarrassistenten Vogt sagen herzlichen Dank Die tiestraucrnden Kinterösieöenen. KaMKeMche Heuchelheim. Sonntag den 16. Augnst und Montag -en 17. August: zx Kirchweihfest 5$ wozu ergebenst emladen Die Wirte: 6119 Ferdinand Kreiling, Z«m Trkpplhkti. Ludwig Stein müll er. Ferdinand Kröek, Ium Zchwaueu. WM" Montag von morgens 9 Uhr ab: Konzert. 5356) In mememHause Liebig- tratze 68 sind der 1. u. 2. Stock, )estehend aus 5 Zimmern, Bade- und Mädchenzimmer, Koch- mrd Brenngas, Gartenanteil u. allem der Neuzeit entsprechend. Zubehör zu vermieten. Näheres 2. Stock. Seltersweg 20 Nähe der Südaulage ist eine schöne, geräumige herrschaftliche Wohnung, 2. Etage, fünf große Zimmer mit Zubehör, per 1. 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