Zweites Blatt. Dienstag 14. Juli 1903 153. Jahrgang Nr. 162 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Giehener Kamillen» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univerl.-Buch» u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei: Gchnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. jKwyrscr MBk BezngSpretSr vfiliiÄXär W /SSy monatllch75Pl.,otertel» Eichener Anzeiger General-Anzeiger v w den poltt und allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen MGZ ______________ ” zeigenteil: pan« Beck. Are heutige Kummer umfaßt 8 Seiteu. Volitifche Tagesschau. Kolouialreise des Kronprinzen? Ein gelegentlicher Berliner Mitarbeiter schreibt uns: In kolonialen Kreisen ist erneut davon die Rede, daß Kronprinz Wilhelm über kurz oder lang eine Rundreise durch die deutschen Schutzgebiete unternehmen werde. Es Dürfte in Erinnerung sein, daß dieses Gerücht zum erstenmale austauchte anläßlich der Anwesenheit des Kaisers in England. Damals verlautete, der kaiserliche Gast habe seinem lebhaften Interesse für die Rundfahrt des Prinzen von Wales durch die britischen Kolonien und seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, daß Kronprinz Wilhelm die deutschen Kolonien gleichfalls durch Augenschein rennen lerne. So berichtete die englische Presse. Das mag der Grund sein, weshalb man in kolonialen Kreisen darauf zurückkommt und überdies annimmt, der Kronprinz werde die Rundfahrt an Bord eines Kriegsschiffes machen, um bei dieser Gelegenheit einen Jnformationskursus ipt Kriegsschiffsdienst zu absolvieren, zu dem ja alljährlich Landoffiziere in bestimmter Zahl kommandiert werden, wenn auch nur an Bord von Schiffen der heimischen Schlachtslotte. Wie bemerkt, es handelt sich vorläufig nur um Annahmen und Vermutungen. Das Interesse für Deutschlands Kolonien und Kolonialpolitik würde jedenfalls durch eine solche Reise belebt werden, wie das auch in England der Fall war. Die Initiative zur Rundfuhrt des Prinzen von Wales gab der Kolonialminister Chamberlain. Der Drang nach der Großstadt. Man schreibt uns aus Berlin, 13. Juli: Die Anstellungsverhältnijse der akademisch gebildeten Oberlehrer in Preußen sind in den letzten Jahren etwas besser geworden, wenngleich gegenwärtig in dieser Beziehung wieder ein Stillstand obzuwalten scheint. Zu pessimistischer Auffassung indessen kann eine Mitteilung führen, dre in Berliner Blättern die Runde macht. Danach haben sich um sechs an den höheren Lehranstalten der Stadt Schöneberg bei Berlin zu Ostern n. I. zu besetzende Oberlehrerstellen nicht weniger als 203 Oberlehrer beworben. Diese auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinende Tatsache findet ihre Erklärung vor allem darin, daß der Drang nach der Großstadt auch die Philologenkreise im Reich ergriffen hat, und wohl auch darin, daß die höheren Schulen Schönebergs im Rufe stehen, Musteraristalten zu sein. An den kleineren Orten im Reich, namentlich in den Ostprovinzen, finden sich ausreichend Stellen für junge Oberlehrer. Nicht selten müssen hier Schulamtskandidaten die vollen Funktionen eines Oberlehrers übernehmen. Deutsches Keich. Berlin, 13. Juli. Der Kaiser ist heute mittag in Bergen in Norwegen eingetroffen. — Der Kaiser hat bestimmt, daß sein dritter Sohn, Prinz Adalbert, zu seiner letzten Ausbildung zum Seeoffizier im Herbst dieses Jahres nach Ostasien reisen soll, um an Bord des großen Kreuzers ,L>ertha" Dienst zu tun. Dieses Auslandskommando des Prinzen dürfte sich aus zwei Jahre im Verbände des Kreuzergeschwaders erstrecken. Zum militärischen Begleiter ist ihm für den Aufenthalt in Ostasien Kapitän zur See Frhr. v. Schimmelmann beigegeben, der bisher Marineattachö für die nordischen Reiche mit dem Wohnsitz in Petersburg war. — Der „Reichsanzeiger" meldet die Verleihung des Verdienstordens der preußischen Krone an den bisherigen Oberpräsidenten von Schlesien, Herzog zu Drachenberg, ferner die Verleihung des Charakters als Geheimer Regierungsrat an Professor Paul G ü ß f e l d t. Könitz (Westpr.), 13. Juli. Nach den nun erst vollständig vorliegenden Ergebnissen der am 10. Juli stattge- habteu Reichstagswahl im Wahlkreise Konitz-Tuchel wurde Kulerski (Pole) mit 6024 Stimmen gewählt. Es erhielten ferner Sikorski (Pole) 2959, Aly (kons.) 267fy Bönig (Zentr.) 110, Schlichtholz (Soz.) 91 Stimmen. Zersplittert find 66 Stimmen. Dresden, 13. Juli. Am 13. Juni veröffentlichte die „Dresd. Rundschau" zwei Artikel. In dem einen war mit* geteilt, daß eine arme Witwe, die mit ihren fünf Kindern in bitterster Not lebte, an die Prinzessin Mathilde eine Bitt- schnft gerichtet und zur Konfirmation eines Sohnes von der tzofkassenexpedition nur drei Mark erhalten habe. Der andere Artikel, der in Form eines Mrchens gehalten war, besprach die Affäre der Kronprinzessin Luise. Wegen beider Artikel wurde die Zeitung beschlagnahmt und der Redakteur Bernhard Peters in Untersuchungshaft genommen. Der Verlag richtete an den König selbst ein Schreiben, in dem die allerhöchste Entscheidung angerufen wurde, ob der König sich durch diese von imbeteiligten Juristen für nichlt zu beanstanden erklärten Artikel überhaupt beleidigt oder perletzt fühle. Des weiteren wurde erwähnt, wie hart der Redakteur Peters persönlich durch die Verhaftung getroffen wurde. König Georg bestimmte jedoch, wie ein Schreiben des Justizministers den Petenten eröffnete, daß wegen der Majestätsbeleidigung und wegen der Beleidigung der Prinzessin Mathilde Strafverfolgung eintreten solle. Mach der Darstellung des „Vorw.", die wohl sehr der Berichtigung bedarf, wäre dies der erste Fall, in dem ein deutscher Fürst selbst die Strafverfolgung zum Schutze seiner Person fordert.) Heer rmd Flotte. — Das Divisions-Manöver der 21. Division — zu welchem die 41. und 42. Infanterie-Brigade, die 21. Kavallerie-Brigade und die 21. Feldartillerie-Brigade gehören — wird nach, den jetzt getroffenen Dispositionen vom 15. bis 19. September d. I. im Gelände zwischen Limburg a. d». Lahn und Marienberg stattfinden. Gleich darauf schließen sich die Korpsmanöver an, die am 21., 22. und 23. September in fast dem nämlichen Gelände bei Limburg sich abspielen. Am letzten Manövertage, 23. September, wo das gesamte Armeekorps gegen einen markierten Feind manövriert, werden die sämtlichen Truppen noch mit der Eisenbahn in die Heimat befördert. Ausland. Stockholm, 13. Julr. Die Jahresversammlung der deutschen schiffsbautechnischen Gesellschaft wurde heute von Geheimrat Busley eröffnet, woraus Oberstatthalter Dickson die Anwesenden begrüßte. Sodann wurde ein Vortrag des dienstlich verhinderten Kontreadmirals Schmidt-Kiel über die Feststellung der Tiefladelinie verlesen. Schiffsbauinaenieur A. Jsaksohn-Stockholm hielt einen Vortrag über Die gegenwärtige unbefriedigende Vergleichsstatistik der Handelsflotten, Welin-London einen solchen über Quadrant-Davids. Am Nachmittag wurden die Werften und Fabriken besichtigt, am Abend veranstaltete die Schiffsbautechnische Gesellschaft ein Festessen in Hassel- backen. London, 13. Juli. (Unterhaus.) Staatssekretär Cranborne erklärt: Der mit der deutschen Regier ung über die Tarifsrage geführte Schriftwechsel werde sobald als möglich veröffentlicht werden. Die Herausgabe sei verzögert worden, damit noch die vor einigen Tagen eingegangene Depesche der deutschen Regielrung und Englands Antwort darauf in der Veröffentlichung ausgenommen werden könnten. Paris, 13. Juli. Nach einer Meldung aus London wird in dortigen zuständigen Kreisen versichert, daß ein Besuch des Zaren in London bevorsteht. Derselbe soll dieser Tage beschlossen und die Unterhandlungen darüber bereits abgeschlossen sein. Der Zeitpunkt der Reise sei indessen noch nicht festgesetzt. Man nimmt an, daß die Angelegenheit mit dem Präsidenten Loubet während dessen Anwesenheit in London besprochen worden ist. Wien, 13. Juli. Der österreichisch-ungarische Reichsfinanzminister Baron K a l l a y ist g e st o r b e n. Belgrad, 13. Juli. Bei dem gestrigen Festmahl im Konak hielt der Ministerpräsident eine längere Rede, in der er dem König zum Geburtstage die Glückwünsche der Regierung und des ganzen Landes übermittelte und sagte, die Nation sei überzeugt, unter der Regierung König Peters werde sich das monarchische Prinzip befestigen. Der König sprach in Erwiderung die. Zuversicht aus, daß es den vereinten Kräften aller gelingen werde, Serbien stark, zufrieden und glücklich zu machen. Bukare st, 13. Juli. In einer serbischen Grenzstadt wurde ein Leutnant wegen Bedrohung des Verschwörers Oberst Ma sch in verhaftet. Bei demselben wurden Papiere beschlagnahmt, woraus ersichtlich ist, daß 12 serbische Offiziere sich eidlich verpflichtet haben, den Tod des Königs Alexander zu rächen. Athen, 13. Juli. (Kammer.) Ministerpräsident Ralli entwickelt das Programm des neuen Kabinetts und erklärt im Lause seiner Rede, er werde alles tun, um die fremden Mächte zu veranlassen, ihren Widerspruch gegen das Korinthenmonopol auszugeben. Die Kammer spricht hieraus einstimmig dem Kabinett ihr Vertrauen aus. Das Haus nimmt dann eine Vorlage an, nach welcher die Zahl der Abgeordneten von 234 auf 198 herabgesetzt wird. Aus Stadt und Land. Gießen, den 14. Juli 1903. ** Personalien. S. K. Hoheit der Großherzog haben den Garde-Unteroffizier Emil Blum zum Pedellen an dem Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt ernannt und den Vizewachtmeister Heinrich Bertaloth zu Darmstadt zum Diener bei dem Landesmuseum. Der Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Mainz Konrad Fuchs wurde aus fein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt. — S. K. Hoheit der Großherzog haben dem Schullehrer Wilhelm Jäger zu Li ch die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Ernannt wurde der Hilfsgerichtsschreiber am Amtsgericht Mainz Jakob Pitzer zum Registrator am Landgericht der Provinz Rheinhessen. — Der Katasteringenieur Karl Weinerthzu Darmstadt wurde unter Anerkennung feiner treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — In den Ruhestand wurde ferner versetzt der Katastergeometer Martin Faul zu Dieburg auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste und Verleihung des Ritterkreuzes 2. Klasse des Verdtenstordens Philipps des Groß- müttgen. — Ernannt wurden die Regieruugsbauführer Franz Beck aus Homberg a. d. O., Fritz Hartmann aus Nieder-Modau, Emil Moeller aus Offenbach a. M., Rm dolf Neuling aus Darmstadt und Eduard Wolsskehl aus Darmstadt — zu Regierungsbaumeistern. * * Ordensverleihung. Dem Geheimen Baurat Altvater zu Darmstadt wurde der Kgl. preußische Krouetlorden 2. Klasse verliehen. * * N e n e Gesetzentwürfe. Im Laufe dieses Jahres werden dem Landtage noch weitere wichtige Gesetzentwürfe zugehen, so einer, welcher eine Reform des Gs» meindestenerwesens enthält, und ferner eine Vorlage, welche die Verwaltungsgesetzgebung in Hessen neuregelt. An beiden Gesetzentwürfen wird in den Ministerien des Innern und der Finanzen schon seit Jahresfiist eifrig gearbeitet. * * Die evangelische Gesamtgemeindevertretung hat in der gestrigen, ungewöhnlich stark besuchten Sitzung, wie man uns mitteilt, einstimmig beschlossen, gegen das Vorgehen des Herrn Oberbürgermeisters Mecum in Sachen der Friedhofseinweihung Beschwerde bei der vorgesetzten Behörde zu erheben. * * Silberne Hochzeit feierte heute Wagnermeister und 2. Feuerwehr Hauptmann Louis Faber und Gattin. Ans diesem Anlaß wird den Jubilaren, wie wir hören, heute abend ein Ständchen gebracht. * * Das Kinderfest aus der Hardt verlief in allen Teilen recht glatt und zur Zufiiedenheit aller. Die Vorträge der Kleinen, im wesentlichen sich an die Darbietungen der Kinderkonzerte im vergangenen Winter anlehnend, klappten vorzüglich. Sogar das Jugendorchester war wieder tätig und marschierte musizierend den mit Blumen und Kränzchen reichlich geschmückten Kindern vorauf; nach der Bretzelverteilung wirkte es noch zur Liedbegleitung mit. Ganz besonders verdient der kleine Vertreter des Pistons erwähnt zu werden. Abwechslung brachten Lieder des gemischten Chors und solche des Maschinenbauer-Gesangvereins. Da sich besonders der zuletzt genannte in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einem leistungsfähigen Mäunerchor herangebildet hat. fand er natürlich neben dem gemischten Chor recht dankbare Zuhörer. Den Schluß bildete ein fröhlicher Tanz im großen Saale. * * Krieg im Frieden. Alan schreibt uns: Dis Bewohner der Marktstraße und des Marktplatzes, deren Nerven ohnehin durch den vielen Verkehr sehr angespannt werden, Haden wohl mit am meisten unter nächtlich en Ruhestörungen zu leiden. Während sonst nur von angeheiterten Zechern wüste gebrüllt und gejohlt wird, gab es heute morgen gegen 4 Uhr Augenzeugen eines regelrechten soldatischen Manövers, ausgeführt von Civilisten. Von der Neustadt her kamen ca. 10 junge Leute, den besseren Ständen angehörend, angerückt, um den auf dem Marktplatz vermuteten Feind zu vertreiben. Zuerst ging es streckenweise vor gegen den Feind. Die Herren knieten sich auf die (grfce und ahmten das Gewehrfeuer der Infanterie nach, um! dann auf Kommando unter lautem Hurra wieder ca. 20 Schritte vorzurücken. So ging es etappenweise bis zum Marktplatz, welcher mit nach geahmtem, aber um so kräftigerem Trommelwirbel unter lautem Hurra eingenommen wurde. Hier an gelangt, wurde kommandiert: „Helm ab zum Gebet". Nach einer Weile lautloser Stille wurde dann gebrüllt, daß man Tote damit hätte erwecken können. Sämtliche Anwohner sahen diesem ca. eine Stunde dauernden Gefecht staunend zu * * Besitzwechsel. Die früher Met tenheime r'sche Mineralwasserfabrik wurde vom seitherigen Besitzer Wei- d i g für 38 500 Mk. an Heinrich V ö l z e l verkauft. * * Museum. In unserem gestrigen Bericht muß es in Zeile 9 heißen: „2 Kann en", und in Zeile 30 „S chale aus der La Töne-Zeit". M. Beuern, 13. Juli. Heute abend 1/28 Uhr fuhr ein Knecht aus Gießen mit Bauholz, welches er bei einem hiesigen Zimmermeister geladen hatte, zwischen hier und Großen-Buseck bergab, ohne zu hemmen und vom Wagen zu steigen. Als er sah, daß die Pferde den Wagen nicht mehr halten konnten, wollte er ab springen und verletz t e sich am Kopse. Die Pferde gerieten auf die Böschung, der Wagen rannte an einen Baum, wobei das eine Pferd derart verletzt wurde, daß es kurz darauf verendete. Es war eins der schönsten Gespanne, welche in Gießen gehen. p. Lich, 11. Juli. Heute fand im Gasthaus zum Holländischen Hof hier dieGeneralversammlungder Licher Spar- und Kredit-Aktiengesellschaft statt, und zwar unter zahlreicher Beteiligung, denn jeder Teilnehmer erhält origineller Weise zwei Mark Weggebühr. Aus der Jahresrechuung geht durchgängig Geschäftsfortschritt hervor. Die Gesellschaft hat auch in diesem Jahre lvieder mit steigendem Gewinne gearbeitet, ohne sich Verlusten auszusetzen. (!) Ro dheim a. d. Bieber, 13. Juli. Das Kreis* kriegerverbandsfest des Kreises Biedenkopf, ehemals hessischen Hinterlandes, sand heute hier statt. Trotzdem Rodheim am äußersten Südende des Kreises liegt und die Krieger einen weiten Weg zurückzulegen hatten, so waren sie doch sehr zahlreich erschienen. Auch die Vereine aus Dem angrenzenden Kreise Wetzlar nahmen zum Teil am Fest teil. Das Fest wurde am Samstag abend durch einen Kommers eingeleitet. Sonntag vormittag 10 Uhr war Dele- giertentag. Nachmittags Festzug, Begrüßungs- und Festrede, Tanz und Konzert. sh. Wal len rod, 13. Juli. Der seitherige allgemein beliebte Bürgermeister Heinrich Habermehl wurde mit 124 Stimmen einstimmig wiedergewählt. ß Ob er-M örl en, 13. Juli. Heute nachmittag brach in dem Oekonomiegebäude des Anton Ham manu hier Feuer aus, wodurch fast dessen ganzes Anwesen zerstört wurde. s)hir mit Mühe konnte das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden. Der Brandschaden ist meist durch Versicherung gedeckt, die Entstehungsursache nicht genau fest gestellt. sd. D a r mstadt, 13. Juli. Die Feier ihrer ununter« brochenen Angehörigkeit als M i t g l jeder der z lv eiten Ka m ui e r der Land stünde feiern in diesem Jahre die Abgg. Pennrich, ein h ardt und Schön berge r. Außer dem Abg. Möllinger, der im vorigen Jahre sein lOmbrme^ Jubiläum als Abgeordneter feierte, ist dann das älteste stummermitßiiri) ^Ibg. W eith, der 28 Dienstjahre l)iit. Da-8 nditifte Jubiläum iuub dann Kammerpräsident ^xraS feiern, welct^r der Kammer 22 Jahre ununterbrochen an gehört. — Im „Darmst. Tagebl." stand im Mai d. I. eine sogen. ^eiratSannonce, in welcher ein „Beamter" eine Lebensgefährtin sucht. Ein 32jährigeS Mädchen von hier, welches Furcht hatte, den Anschluß zn versäumen, fiel auf die Annonce herein und trat mit dem liebebebürs- tigen Militär-Invaliden Ph. Reck aus Mommenheim bei Oppenheim in Unterhandlung. Dieser gab sich als höherer Postbeamter aus, der zum Mai (er nach Homburg kommandiert sei, wo er ein selbständiges Postamt einrichten und leiten müsse. In ihrer Freude, eine so gute Partie machen pU können, vertraute sie sich ihm ganz an, trat in sehr Ultimen Verkehr mit ihm, während er es verstand, ihr von ihren sauer erworbenen Ersparnissen unter allerhand falschen Vorspiegelungen nacn und nach 500 Mk. abznschwindeln. R. wurde -gestern sestgenommen. Kleine M i r t e i l u n g e u aus Lessen und den R a ch b a r st a a t c n. In W o r m s ist die 25jährige Jubiläumsfeier des Soldatenvereins Worms überaus glanzend begangen worden und in der denkbar schönsten Weise verlaufen. Die ganze Stadt hatte sich beteiligt Viele aus- wärNge Kriegervereine waren erschienen. Unwetter. Schwere Unwetter gingen am Samstag und Sonntag über unserer ganzen Provinz nieder. Bei Freiensteinau schlug der Blitz in eine Schafherde ohne Schaden anzurichten, ferner wurden Bäume vom Blitz getroffen. In Reich 1 os traf ein kalter Blitzstrahl ein Wohnhaus, zwei Bewohner wurden zeitweise gelähmt Bei Burg- und Rieder-Gemünden richtete das Hagelwetter bedeutenden Schaden an, ebenso ui dem erst kürzlich durch eine Brandkatastrophe schwer heimgesuchten Orte H o l z h e i m und ui der Umgegend von Friedberg. In F a u e r b a ch und Ob er sorg zündete der Blitz, die Gebäude brannten nieder. Sämtliche Gewitter waren von starken oft wollen* bruchartigen Regen begleitet In der Gegend zwischen Lauterbach und Fulda herrschte ebenfalls ein furchtbares Unwetter. In einem Hof bei Ful d a brach Feuer aus. BciHun gen richtete der Hagel an Gemüse-, und Dickwurz- pflanzen bedeutenden Schaden an. Vom nördlichen Vogelsberg schreibt uns unser ^-Korrespondent: In Hörgenau schlug am Samstag bei Blitz ein und zündete, und in Dirlamen wurde das Gebiet des Forstwartes Schmidt infolge eines Blitzschlages eingeäschert Ebenso brannte es in Elbenrod bei Alsfeld. Außerdem fuhr ein Strahl in die Kirch e n or gel in Brauer sch wend und ein anderer zerschmetterte die Kirchentüre in Herchersdorf. In Wallenrod fuhr ein Blitzstrahl an einem Schornstein herunter und durch die offene Haustüre ins Freie. Auch in Schlitz hat es ein- geschlagen, aber glücklicherweise ohne zu zünden. Am Sonntag gegen Abend tobte ein schweres Detter in Wallenrod über drei Stunden. Es schlug verschiedene Male in die Telegraphendrähte der Bahnlinie, und in Obersorg zündete der Blitz in dem Anwesen des Landwirtes Pfannmüller, das vollständig niederbrannte. 9hir das Vieh konnte gerettet werden. De benachbarten Feuer- wehren, die pflichtgemäß helfen sollten, mußten zum Schutz des eigenen Herdes zu Hause bleiben; beim die Wucht des Wetters war jo arg, daß man mit jedem Augenblick fein Haus bedroht meinte. Es ist von großem Glück, daß es wenig gehagelt hat. Sonst wären die frohen Hoffnungen auf die aussichtsvolle Ernte mit einem Schlage vernichtet gewesen. — Im Niddatal war am Sonntag abend gegen 10 Uhr, wie uns eine andere Korrespondenz meldet, auch ein sehr schweres Gewitter. An verschiedenen Orten hat es eingeschlagen. Aber durch die große Menge Wasser, die das Wetter ausgoß, hat es Miseren Feldern, die lange ersehnte und so nötige Feuchtigkeit gebracht. Das Kvrn geht allmählich der Reife entgegen und in einigen Tagen wird hier mit dem Schneiden begonnen. Wie die Alsfelder „Lberh. jtg." schreibt, trat in Alsfeld bei dem Unwetter der Mangel einer nur halbwegs zureichenden Kanalisierung wieder deutlich zutage; verschiedene tiefer gelegene Straßen und Gärten glichen einem kleinen See. In der sogen. Krim gabs eine Minia- tur-Ueberschwemmung; daselbst stand das Wasser in mehreren Häusern fußhoch in den Stuben. In dieser Hinsicht ist noch ein Feld zu ersprießlicher Tätigkeit für die Stadttegierung. Sonntag nacht schlug der Blitz in der Gemeinde Erbes-Büdesheim in den Turm der katholischen Kirche. Ter Hochaltar wurde teilweise zerstört, wobei ein schönes Gemälde „Christus am kreuz" vet> brannte. — Wie der „Pfalz. Kurisr" meldet, schlug bei dem über die Pfalz niedergegangenen schweren Gewitter der Blitz in die Oekonomiegebäude des Landwirtes Schenkel in Mittelbrunn, tötete fünf Stück Rindvieh und entzündete das Anwesen, das gänzlich niederbrannte. — In Düsseldorf und Umgebung wurden sechs Per- sonen vom Blitz getötet. Vermischtes. * Berlin, 13. Juli. Auf einem Neubau in Wilmersdorf stürzte eine Mauer ein. Ein Maurer und der Bauführer wurden verschüttet und schwer verletzt. * Lin am Rhein, 12. Juli. In dem Konkurse /Fürst Ludwig zu Salm-Kyrburg auf dem benachbarten Schlosse Renneberg wird in diesem Monate eine Abschlagszahlung von U/2 Prozent an die Gläubiger statt- finden, wozu ungefähr 17 000 Mark vorhanden find. Die zu berücksichtigenden Forderungen betragen Mk. 1107 463. * Essen, 13. Juli. Die Frau des Arbeiters Christian Eisenberger wurde heute tot im Bette aufgefunden. Eisenberger hatte ihr, anscheinend wegen ehelicher Zwistigkeiten mit einem Hammer den Schädel vollständig zertrümmert. Die Eheleute waren seit langer Zeit dem Trünke ergeben. Schon in der Nacht zum Sonntag hatte Eisenberger seine Frau derart mißhandelt, daß sie bei Nachbarn Zuflucht suchen mußte. Der Mörder ist flüchtig. * München, 13. Juli, kurz vor Tegernsee entgleiste heute der von München kommende Eisenbahnzug. Personen wurden nicht verletzt, einige Wagen jedoch stark beschädigt. * Gattenmord. Wie aus Hamburg gemeldet wird, hat der Sandschiffer Wendt in Ochsenwärder wahrscheinlich in einem Anfall von Delirium ferne Frau im Mühlengraben ertränkt. Ter Täter wurde verhaftet. ♦ Zwei Opfer ber Berge würben am 11. d. M. abend/ nach Gar misch verbracht, zwei junge Leute, bie faum über 20 Jahre alt, im Höllental durch Absturz Den Tod gefunden hatten. Der Student fli. Tcu , cher aus Plauen 1. V. hatte sich am 2/. Juni, in törichter Vorliebe jur das Attemgehen und ohne seinen Freunden eine Andeutung darüber zu geben, wohin er sich wende, von iSkinnifd) in die Berge begeben; das große Gebiet des an wilden Felsklüsten reichen Wettersteingebirges wurde von Studienfreunden des Vermißten und Mitgliedern der AlpenvereinS-Sektion Garmisch-Partenkirchen nach allen Richtungen begangen und Heimgartens nördlich wie südlich durchsucht, zuletzt die Abstürze des Herzogstaudes. Da fand ein Hirte die zerschmetterte Leiche, deren Identität nur am zerdrückten Fingerring festzustellen war, am Fuße einer hohen Felswand der Hammersbacher Alp. Kaum hatte sich die Gerichtskommissiou ausgemacht, um den Tatbestand zu ermitteln, als die Kunde von dem zweiten Unglück kam. Der einzige Sohn des Geh. KriegSrats Braun aus München war vor den Augen seiner Eltern voin vielbegangenen Stangensteig zum Höllental über die Felswand herunter* gestürzt. Um Alpenrosen für seine Braut zu pflücken, war der junge Mann unter den Weg hinunter getreten, der Rasen gab nach, der Unglückliche verlor den Halt und fand auf der Stelle seinen Tod. Die Arbeiter am Wegbau in der Höllentalklamm trugen die Leiche talauswärts. — Ein drittes Opfer der Alpen ist ein junger Kaufmann aus Bozen geworden. Er stürzte vom Plattkofeljoch ab und erlitt schwere Verlegungen. — Ferner stürzte der Tourist Ludwig Stocker vom Waise rjoch ab und blieb tot. * lieber d i e h e u r i g e T a b a k e r n t e auf S' 11 b a hat der östreichische Generalkonsul in Havana, John Bern- des, einem Mitarbeiter der „N. Fr. Pr." folgende Auskunft erteilt: Sowohl was Quantität als was Qualität betrifft, hat die Ernte von 1U03 ein sehr gutes Resultat ergeben. Der Tabak ist üppig gediehen und hat ein sehr seines Aroma, dabei ist er, was für Kenner von der höchsten Bedeutung ist, leicht. Es spielen beim Tabak ebenso viel Zufälligkeiten mit wie beim Wein, und das Ergebnis hängt bei der raffiniertesten Kultur.immer noch vom Regen ab, der sich rechtzeitig einstellen muß. Aus Kuba ist der Tabak noch im Ottober und 9tooeinbcr in die gartenartig bearbeiteten, mit Peru-Guano gedüngten Felder ausgesetzt und • bedarf zu seinem Gedeihen reichlichen Herbstregens. Schon im Dezember findet der erste Sck)nitt statt; es werden die schönsten Blätter zu je zweien, jo daß sie eine Gabel bilden, abgeschnitten und gleich zum Trocknen aufgeljängt. Regnet es bald wieder, so ivachsen die Pflanzen in gleich guter Qualität nach. Im Februar ist auch schon der dritte Schnitt beendet. Die getrockneten Blätter werden in Schichten aufeinandergelegt, und es findet die Fermentation statt, wobei der Tabak erst feinen aromatischen Geruch annimmt. Dieses Vorgehen bei der Ernte ist eine Eigentümlichkeit der Havanatabakbereitung. Anderswo, z. B. in Sumatra, werden die Tabalpflanzen, wenn sie ausgewachsen sind, auf einmal abgeschuitten, und als ganze Büschel zum Trocknen auf* gehängt, wodurch aber teilte so vorzüglichen Qualitäten erzeugt werden. Noch bevor die gettockneten Blätter zum Fermentieren zusammengelegt werden, müssen sie nach ihrer Qualität sortiert werden, und diese Arbeit besorgen Mädchen und Frauen, toäljrenb der Schnitt von Männern vorgenommen wird. Wenn auch der dritte Schnitt schon mit dem 'Monat Februar beendet ist, so dauert die Zubereitung des Tabaks immerhin bis August, wo die Ernte in Ballen verpackt und eingeschifit wird. Unterdessen haben die Felder eine zweite, diesmal eine Maisernte, ergeben und sind schon wieder zur Aufnahme des Tabaks bearbeitet und gedüngt worden. Von der Ueppigkeit und Schönheit der Tabakfelder kann inan sich einen Begriff machen, wenn man hört, daß die Pflanzen durchschnittlich eine Höhe von vier Fuß erreichen. * Die inneren Organe. Wie bayerische Blätter aus Hof berichten, gab ein Gemeindediener, der nach Absolvierung eines Fleischbeschaukursus über die Beschaffenheit der Schlachtticre examiniert wurde, auf die Frage „Welches sind die inneren Organe?" die klassische Antwort: ,L ch und d e r .H e r r B ü r g e r m e i st e r Kunst und Mstcnschüfll Berlin, 13. Juli. Die „Naiionalzeitung" veröffentlicht eine Erklärung von Musikgelehrten und Musikpädagogen, daß sie die Einberufung eines international en Musikkongresses in Verbindung mit der Wagner-Feier in Berlin als eine unglückliche Idee erachten und stch an diefer Veranstaltung nicht beteiligen werden. Universitäts-Nachrichten. Jena, 13. Juli. Dem Präsidenten deS evangelischen Bundes, ©raten Wilko v. Wintzingerode auf Bodenstein, wurde aus Anlaß seines 70. Geburtstages von der hiesigen Universität die Würde eines Ehrendoktors der Theologie verliehen. — Der 1. Bürgermeister der Stadt Heidelberg, Dr. E. Walz, der an der Universität als außerordentlicher Professor über badisches Verwaltungsrecht und soziale Gesetzgebung lieft, hat einen Ruf als ordentlicher Professor an die Handelshochschule in Köln erhalten. — Man schreibt aus Karlsruhe: Der Professor der Architektur an der Technischen Hochschule dahier, Oberbaurat R. Schäfer, blickt am 17. ds. 9)1. auf eine 25jährige Lehrtätigkeit zurück. Die Karlsruher Studentenschaft wird den Tag durch einen Festkommers am 17. Juli, sowie am folgenden Tage durch einen Ausflug nach Heidelberg und Neckargemünd festlich begehen. Aus demselben Anlaß werden sich am 18. Juli in Berlin, der Stätte der früheren Wirksamkeit des Meisters, die Freunde, Verehrer und ehemaligen Schüler gleichsalls zu einer Schäfer-Feier unter dem Vorsitze des Geh. Oberbaurats Dr. Thür vereinigen. — Aus Würzburg wird geschrieben: Die Untersnchungsanstalt für Nahrungs- und Genußmittel an der hiesigen Universität soll ein eigenes Gebäude erhalten. Die Kosten für den Neubau im botanischen Garten werden vom nächsten Landtag verlangt werden. — Aus Tübingen berichtet bie „National- zeitung": Ter im 74. Lebensjahr stehende ordentl. Professor der Philosophie an der hiesigen Universität, Staatsrat Tr. Chr. v. Sieg ivarl, ist feit vier Wochen erkrankt und hat feine Vorlesungen für den Rest des lausenden Semesters abgesagt. —.Zum Assistenzarzt an der medizinischen Klinik der Universität in Tü dingen wurde Dr. med. P. Morawitz aus St. Petersburg ernannt. — Zu den Heidelberger Jubiläumsfestlich- feiten. Das akademische Direktorium der Universität hat nachstehenden Aufruf an die Studentenschaft erlassen: „Kommilitonen l Vom 5.-9. August werden wir die Zentenarfeier der Erneuerung unserer Hochschule festlich begehen. Das Fest wird die gesamte akademische Korporation, die gegenwärtigen und viele früheren Tozenteii unb Studenten unserer Ruperto-Carota vereinigen, um in Gemeinschaft mit den Deputationen der Hochschiiten deutscher Zunge, zahlreichen Abgesandten der staatlichen und städtischeii Behörden und weiteren Ehrengästen unter der persönlichen Leitung unseres Rektor magnificentissimus darzutun, daß unsere Hochschule unter einem günstigen Sterne sich entuncfelt hat unb ihrer erhabenen Aufgabe and) in Zukunft nachkommen will, ein Hort zu fein wissenschaslltcher Forschung und praktischer Schulung für weite Kreise unseres Volkes und zahlreiche Frenide, welche bei uns Belehrung suchen. Wir redmen ebenso, wie bei dem glanzvollen Jubiläum des Jahres 1886 auf bie wirksame Mithilfe unserer od)üler unb werden uns herzlich treuen, wenn recht zahlreiche alte Herrn der Heidelberger Hod)sd)i,le bet diesem Fest ihre Juaend- erinnevungen aufsrijchen unb die Festtage fröhlich m unserer Mitte zubringen wollen. Das Programm ist so reid)haltig, baß für alle eine freudige Erinnerung zurückbleiben wird. Da in ber 'Jlnla und in der Pet'erskirche der Railm beschränkt ist, wird außer dem weiteren AilSsd)ilsse, weldier hoffentlid) vollzählig iind den (Statuten gemäß die Studentenschaft vertreten wird, nur soweit atS Platz vorhaiideii ist, der Zutritt möglid) fern. Dagegen werden uns bei beit Festen in der Stadthalle unb auf dem schloß fo reichlich Karten zur Verfügung stehen, daß allen billigen Wünschen Genüge geleistet werden kann. Ter Fadelzug, welchen die Studentenschaft unserem Rektor inngnificeiitifjinuib darbringen will, wird in seinem glanzvollen Aufzuge Zeugnis oblegen für die Begeisterung »mb Dankbarkeit, tvelche unserem ehrwürdigen uni) geliebten Landes- Herrn dem Dlitbegrünbcr des deutschen Reiches, entgegengebracht wird. Der Festkommerü am 7. August wird unsere Kommditonen mit den allen Herrn und den Ehrengästen in aller Burschen- herrlichkeit vereinigen. So hoffen mir ans ein erhebendes und herzerquickendes Fest, welches der rnhuivollen Tradition unserer Hoch- fd)ulc entsprechend verlaufen soll: und dazu bedürfen und erbitten wir regste Beteiligung seitens unserer Studentenschaft." gez. Czerny, d. Zt. Prorektor. Splut. — Der Schluß des XIV. Deutschen Bundes» schiebens in H a n 11 0 d c r ist nun erfolgt. Am Sonntag war der Besucki des Festplatzes nod) ganz außerordentlich stark, aber trotzdem wird sich wohl ein hohes Defizit Herausstellen, da man sich mit dem Ertrage der Eintrittsgelder im Voranschläge erheblich geirrt hat. Die offizielle Schliißfeler unb Pressabteilung fand in ber großen Fest ha Ile statt. Herr Paris-Königsjee eröffnete die Reihe dec Toaste; er brad)tc ein Hoch auf das deutsche Schützenwesen iind die Schützeiitreue aiis. Senator Benermann-Hannover ließ in schwungvoller Rede die Stifter der Ehretigaben unb Bürger Hannovers hochleben. Tie P r e i s v e r t e i t u n g hatte fotgendes Ergebnis: (sieget auf ber Scheibe Deutschland blieb Kauunann K. Weltmann-Bremen, der bie Ehrengabe des Deutschen Kaisers erhielt, der Preis der Stadt Hannover fiel an Fabrikant Lannes- Reuß, den Ehrenpreis der Sd)ützengejellsd)aft Mainz erhielt Paul Grimm-Berlin, ben Ehrenpreis des Großherzogs voti Baben errang Sturm-Leipzig. Auf ber Staub- und Festscheibe „Heimat" erhielten Preise: Ehrenpreis ber Stadt Hannover Herr Klee-Hannover, Preis der Stadt Hainburg Privatier lotter- Tübingen, Ehrenpreis des Prinz-Regenten Luitpold von Bayern Zimmermann-Zierendorf, Ehrenpreis der Schützengilde Berliii A. Sommermann-Marburg, Ehrenpreis des Kronprinzen Wilhelm Hartwig-Flensburg, Ehrenpreis des Herzogs voii Sad)sen-Alteiiburg Sauermild;-Sonneberg, Preis von Hawiover Steiiikeller-Boxen, Ehrenpreis des Königs von Württemberg Fabrikant Jllig-Frankfnrt a. M., Ehrenpreis des Prinzen Albrecht voti Preußen K. Götz-Sd)weinsiirt, Fechtmeister' R i c h l - D a r m st a d t (bar Mk. 100, Prwil. Schützengesellschast- Tarnisladt), Fabrikant Perrelet-Offeiibad) a. M. (Barometer mit Uhr, Thermometer unb Hygrometer, Mk. 100, W. L. Becker- Hannover) ; an ber Serien-Jagbscheibe ben 1. Preis, eine silberne Gardmiöre im Werte von 600 Alk., gestiftet von ber Stabt Hannover, Jos. Braun-Worms a. Rh., ben 2. Preis, eine große silberne Schale mit sämtlichen Schützentalern, im Werte von 600 Mk., Georg S ch a f f n e r - G r 0 ß - G e r a u ; auf ber Stand- scheibe „Dresden" Tischlermstr. Siebenhuhner-Leopolbstein b. Staßfurt (je 1 Ttz. filb. Eßlöffel und Gabeln, 1 Vorlegelöffel, Mk. 175, Schützenverem Offenbach a. M.)^ 'Dialer Volk-Frankfurt a. M. (bar im Etui Mk. 150, Piivat-^cheibenschützenge^ellschaft-'Dreäden), Metzgermeister Mühl-Gießen (6 Stück filb. ^ektbecher im Etui und Tablett, Alk. 150, G. v. Eolln-Hannover, Wurstfabrikant Jung- Frankiurt a. DL (je 6 Stück filb. Eßlöffel, Messer und Gabeln, Alk. 100, G. Steuerwald, Wachsnings Hotel, Hannover), Kaufmaiin Heck-Offenbach (1 Urne, Mk. 100, G. Bellers-Hannover). Insgesamt gelangten mehrmals 300 Preise zur Verteilung. Nachdem bei dem Bankett noch Stadtdirektor Tramm bie beften Schützen gefeiert, Schütting-Bremen ein Hoch auf ben Kaiser, unb Senator Fink- Hannover ein Hoch auf ben Kronprinzen ausgebracht, sowie Schür- ling-Bremen im Namen ber Gäste bem Festausschuß ben Tank für ben glänzenden Empfang und die fchöiien in Hannover verlebten Tage auögebrücft hatte, toastete Senator Fink auf das nächste Bundesschießen in Dlüiichen und erklärte das Xl^. Teutsdie Bundes- sd)ießen für geschlossen. Tann fanden nod) Kommers unb Ball als inoffizielle Schlußfeiern statt. Kniiöfl und Verkehr. Üinkbiuiilfdjaft. Berliner Börse vom 13. Juli 1903. (Mitgeteilt von ber Bank für Hanbel unb Indnstne, Gießen.) Troy öer matten Haltung ber vorgestrigen New^Porker Börse eröffnete man hier, mit Ausnahme von Kanada Shares, ivelche naturgemäß annähernd der Neiv-Porker Parität notierten, gut behauptet, da man hier die Graulereien betr. ostasiatischer Politik nicht ernsthaft nimmt. Das Geschäft war wieder auf allen Gebieten em sehr kleines unb dw Schwankungen auf den einzelnen Märkten nur geringfügig. Tie Tendenz auf bem Kasfamarkt war ebenfalls behauptet. Privat-Diskont 27/8 Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit.... 208.10 208.25 Deutsche Bank . . . 209.90 209.90 Darmstädter Bank . . 136.00 136.00 Bochumer Guß . . . 172.90 172.90 Harpener Bergbau . . 177.80 177.50 Schluß-Tendenz: ziemlich fest. Die Anti-Trnst-Liga gegen den Tabaktrust. lieber bie Vereinigung zur Abwehr des amerikanischen Tabaktrusts, von dessen Versuchen znni Vordriiigen iii Europa niid speziell in Deutsd)- laiid wir bereits niehriad) berid)tet haben, veröffentlicht der Redakteur Ernst Hans Neufeld in dem Fachorgan „Der deutsckze Zi- garrenhäiidler" einen bemerkenswerten Aufsatz. Der Verfasser giebt darin zunächst eine ausführliche Darstellung ber Entwickelungsgeschichte des amerikanischen Tabaktrusls, ber sich aus dem besd)ei- oenen Unternehmen eines einzelnen Tabakfabnkanten m kurzer Zeit zu einer gewaltigen Organisation entwickelte, bereu Endziel bie Kontrolle des gesamten Welthandels in Tabak bildet. Das rücksichtslose Vorgeheii des Gründers des Trusts, Duke, rief jedoch in Amerika bereits nach kurzer Zeit den energischen Widerstand ber durch den Trust gesd;ädigten Kreise hervor unb fo entstaub dem Trust eine ebenbürtige Gegeuorganisation, bie sich die Bekämpfung und Vernid)tuug des Trusts zur Aufgabe gestellt hatte, bie Anti-Trust-Liga. In befoubers eingehender Weise wirb bann geschildert, auf welche Weise der Trust die Eroberung des deutschen Marktes in Angriff nahm. Wie m Amerika und England, bient auch hier das Bonus-System dazu, das Interesse bes Publikums auf bie Fabrikate bes Trusts hinzulenken unb eine immer weiter um sich greifende Bevorzugung seiner Dlarfen gegenüber denjenigen der unabhängigen Fabrikanten zu erreichen. In Deutschland eröffnete der Trust feine Tätigkeit mit Hilfe der bekannten Jasmatzi- Gesellfd)aft, deren Wirken vorerst hauptsäd)lid) in ber Propaganda für die Fabrikate des Trusts auf Grund des Bonus-Systems bestand. Dadiirch sollten zuuäd)st die Kleinhändler infolge starker Nachfrage seitens der Kousumenleii nad) den Trustmarken zum Vertriebe derselben angeregt, und so indirekt die Sorten ber außerhalb des Trusts stehenden Fabnkaiiten immer mehr verdrängt unb schließlich ganz ansgeschaltet werden. Tie Erkenntnis der auf diese Weise der heimisd)eii Industrie sowohl als dem konsumierenden Publikum drohendeii Gefahr hat deshalb auch in Deutschland zur Gründung einer Anti-Trust-Liga geführt, weld)e durd) gcnieuijame§ Vorgehen der Fabrikanten unb Kleinhändler gegen den Trust dem weiteren Eindringen der Fabrikate des letzteren in Deutschland ein Ziel zu fetzen bestrebt ist. Bei einer straffen Organisation unb energischer Tätigkeit dieser Anti-Trust-Liga erscheinen jedenfalls bie Aussichten des Trusts zur Eroberung des deutsd)en Atarktes als weiiig aussid)tsreich. Märkte. Gießen, 14.Juli. Marktbericht.' Aiis heutigemWocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 0,90—1,10 '.Vif., Hühnereier 1 St. 6—7 Vfg-, 2 Stck. 11—13 Pfg., Gänseeier 11—12 Pfg., Enteneier?—8 Psg., >läse pr.Stck. 5—8 Pf., Kasematte2Stck. 5—6Pfg., Erbsen pr.Liter 21 Pfg-, Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar l.OO—1,20'DlL, Hühner pr. St. 2,20—2,20 Alk., Hahne pr. Stück 0,70 1,60 Mk., Enten pr. Stück 2,00—2,40 'Dir., Gänse pr. Pfd. 54—60 Pfg., Ochsen fleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh-und Rindfleisch pr. Pfmid 60—66Pfg., Schweine- iinover oer* Das nächste he Änn-es- o Sali als Mstych m. ir":nt, ®ieBen.) igm New'^orkn Xnnoba Lharer, ß^riiäl menen, c'iaMijcherPo- nieder auf alles aui den einzelnen i haramatü war -X <*en tau’ g» io- |bue^"iä eiuk?9eiitetnh ^len i-flJn9 LS W ." gcU? 116,1 VUnb = 8. » L°S iwt au. .n' ab't . ^‘lUen, da Uj*» ^finete baut ioSei' bl,9 ÄQuitr^ 'Mn Äaüfe $anntV ttrang £!? e*'tn '1^brenpceig ^H’Sierenborj ?»*öu2 ‘ Ehren« n^:connti)erq, Honigs von hkenpreiZ deZ “u’ oecylineister' ^^gejelljchan. Uiirometer nut Decker- eine filbenie D09u der Stadl 1 - >reis, eine ■- 'm Leite von Qul der Stand- c-']em b. Stast- 175, ’-'n. a.3)L (bat -'Sen-Lesben), Decher im Etui i'abiilant ^ung* er und (Sabeln, J°er), Kaufmann werj. ^nsgejamt '--3bem bei dem cdju^en gefeiert, ib Senatorjin!- ist. ioicie Schor- j'i’UB den Taut -tbhi&furjt. itmj.25 2U9.90 136.00 172.90 177^0 Km». Utbn d» ^akttufls, vo« teiüui« -r-rtuöt der w ? er deuW 3’; < r’rt jterfoßer fl^ti ! Atem WW» -3 nfanttn m lur4 । Je, deren IW* i tfl'bof büdkl- 1 •ule, cm H ' •Mtber1!®1®1” i , io^nnionö^ jl I fleisch pr. Psimd 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 68—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 56—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 0,00—10 Mk., Weißkraut per Stück 00-00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 9,00—10,00 9)11, Milch per Liter 18 Pfg. Kirschen per Psd. 26—28 Pfg., Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00-00 Pfg. Trauben 00-00 Pfg. Gerichtssaal. sä. Darmstadt, 13. Juli. Wegen ziemlicher bedeutender Steuerhinterziehungen hatte sich heute der Gastwirt und Metzgermeister Karl Stenger in Seligenstadt zu verantworten. Er gab seit 1896 sein Kapitalrentensteuer-Einkommen auf durchschnittlich Mk. 3600 bis 4500 Mk. pro Jahr an, während es nach Feststellungen der Steuerbehörde 10—11 000 Mk. betrug. In der gleichen Zeit deklarierte und versteuerte er ein Einkommen von ca. 8000—10 000 Mk, während er 14—16 000 Mk. zu versteuern hatte. Bei Einführung der Vermögenssteuer im Jahre 1901 gab er ein Vermögen von 14 6 000 M k. an, während in Wirklichkeit 276 719 Alk. festgestellt wurden. Aehnlich war es im Jahre 1902/03. Er wird dafür in eine Gesamtstrafe von 8300 9)1 f. genommen und hat auch die ziemlich hohen Kosten zu tragen. Hanau, 11. Juli. Der Kutscher Äug. Engel hier mißhandelte kürzlich fein 8 Wochen altes Kind so barbarisch, daß dem Kind ein Äermchen brach. Als das Kind kaum im Land- krankenhaus wieder geheilt und in die elterliche Wohnung zurückgebracht war, ergriff es der Vater bei einem Wortwechsel mit seiner Frau an den Armen und schlug mit dem kleinen Körper auf die Frau em, so daß das Kind mehrere Rippenbrüche und sonstige schwere innere Verletzungen erlitt. Es ist deshalb das Strafverfahren gegen Engel eingeleitet. Hanau, 13. Juli. Der am 4. März in Dresden wegen Sittlichkeitsverbrechen zu 2 Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilte, aus Aachen gebürtige Kaplan Wilhelm Knipp stand heute, der gleichen Verbrechen an- geklagt, vor der hiesigen Strafkammer. Er wirkte vom Herbst 1901 bis Herbst 1902 als Kaplan an der Zwangserziehungsanstalt für Knaben Sannerz bet Schlüchtern und soll in zahlreichen Fällen mit Knaben, die der Anstalt als Zöglinge überwiesen waren, unsittliche Handlungen vorgenommen haben. Auf Grund des Gutachtens eines auf Antrag des Verteidigers zur Verhandlung geladenen Sachverständigen beschloß das Gericht, den Angeklagten auf 6 Wochen der Irrenanstalt Marburg zur Beobachtung seines Geisteszustandes zu überweisen. Zur heutigen Verhandlung waren 19 Knaben, die zum Teil schon aus der Anstalt entlassen waren, als Zeugen geladen. Kiel, 13. Juli. Gegen das Urteil des Oberkriegsgerichts in Sachen Hüssener legte heute der Gerichts- herr Revision ein. Im Berliner Pommernbankprozeß wurde am Montag der Geschäftsstsführer des „Kl. Journ.", Dr. Leon Leipziger, über seine Beziehungen zur Immobilien- Verkehrsbank vernommen. Er erklärte, er habe sich bemüht, Anteilscheine bei Bekannten unterzubringen und es sei ihm geraten worden, zur Pommernbank au gehen. Dort habe man seinem Gesuch entsprochen. Ta die Anteilscheine noch nicht fertiggestellt worden waren, habe er dem Angeklagten Romeick einen Wechsel über 25 000 Mk. gegeben. Angeklagter Romeick bestätigte dies dahin, daß der Wechsel gewissermaßen nur als Bürgschaft für die Zeit dienen sollte, bis die Anteilscheine fertiggestellt sein würden. Er habe die Anteilscheine für 25 000 Mk. keineswegs für ivertlos gehalten, weil Dr. Leipziger in der Lage gewesen sei, für diese Summe volle Sicherheit zu bieten. Dr. Leipziger betonte weiter unter seinem Eide, daß ihm ein Brief des verstorbenen Generalkonsuls Goldberger, in welchem der Bank gedroht wird, falls sie die Anteilscheine nicht übernehme, absolut unbekannt gewesen sei. Er habe erst durch diese Verhandlung Kenntnis von dem Briefe erhalten. Im weiteren Verlause der gestrigen Verhaiidlung kam der Staatsanwalt darauf zurück, daß der Angeklagte Schulz neulich erklärt habe, er hätte ca. 1% Millionen Mark für wohltätige Stiftungen ausgegeben« In der Voruntersuchung habe er von 470 000 Mk. gesprochen. Der Staatsanwalt richtete an Schulz die Frage, wohin die übrige Geldsumme gekommen fei. Schulz lehnte die Beantwortung dieser Frage ab. Sodann wurde die Beweisaufnahme endgiltig geschlossen. Am Mittwoch vormittag beginnen die Plaidoyers. Vor Samstag dürfte die Urteilsfällung nicht zu erwarten sein, denn die Plaidoyers nehmen bei dem ungeheuren Material, das wenigstens in den Hauptpunkten eine eingehende Kritik verlangt, mehrere Tage in Anspruch. Ob auch die Angeklagten das Wort ergreifen, steht dahin; sie sind während des Prozesses selbst ihre besten Verteidiger gewesen, insofern, als sie am besten Bescheid wußten in den vielgestaltigen, aufs äußerste verwickelten geschäftlichen Transaktionen der Pommernbank und deren Tochter-Instituten. Bei solchen Riesenprozessen bleibt Manches unaufgeklärt. Das Detail überwuchert und das menschliche Gedächtnis hat seine Grenzen. Durch die lange Dauer der Untersuchung — die Angeklagten befinden sich seit zwei Jahren in Haft — entschwindet auch den Zeugen die Erinnerung. Bereits beim Sanden-Prozeß ist die Frage aufgeworfen worden, ob es nicht zweckmäßiger wäre, die Anklage beschrankte sich zunächst auf die größeren Falle, statt daß eine lange Zeit beansprucht wird, um mosaikartig die kleinen und kleinsten Vergehungen zu sammeln, und festzustellen um das Schuld- konto vollständig zu macheii. rx Der Zusammenbruch der Pommernbank hat s.Z. das gewaltigste Unheil angenchtet. Zahlreiche Besitzer von Pfandbriefen und Aktien, kleine Sparer, Witwen und Waisen, sind an den Bettelstab gebracht worden. Eine rasche Sühne hätte sicherlich den schweren Schuldigungen am meisten Genüge getan. In dieser langen Zwischenzeit hat sich wohl Jeder, der Einbuße erlitten, mit dem Verluste abgefunden. Bei den Beratungen über die Reform des Strafgesetzbuchs und des Strafprozesses wird auch darauf Bedacht zu nehmen sein, wie eine Beschleunigung der Justiz zumal bet Anlassen zu erzielen ist, wodurch Viele in Mitleidenschaft gezogen werden. Weisen. Rundreisen in der Schweiz. Dies stattliche Reisehandbuch (Mk. 4.—, A. Bruckmanns Verlag, München) in 17. Auflage soeben erschienen, bringt von Jahr zu Jahr die inzwischen auf dem ganzen Gebiete der Schweiz eingetretenen Veränderungen und bietet daher dem Fremden einen stets zuverlässigen Führer. So z. B. finden wir hierin bereits die neuen Eisenbahnen Reichenau- Jlanz und die A l b u l a b a h n beschrieben. Letztere ist für alle Besucher des Engadin von größter Wichtigkeit. 9)iit der Eröffnung der hochinteressanten Albulabahn tritt dort eine vollständige Umgestaltung des Verkehrs ein, worüber der treffliche Führer ein- gehendst Aufschluß giebt. Ueberdies ist er reich mit ausgezeichneten Illustrationen, Panoramen, Karten und Plänen ausgestattet und entspricht somit allen Anforderungen, die man an ein derartiges Reisehandbuch stellen kann. Wir können es allen Besuchern der Schweiz wärmstens empfehlen. Der Preis — 4 Mk. — ist verhältnismäßig außerordentlich billig. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Juli 1903. Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 13. 226 741,7 22,2 8,6 43 NE. 4 Sonnenschein 13. 926 743,2 16,8 9,4 66 W. 1 Bed. Himmel 14. 72 b 747,4 13,2 8,0 71 W. 2 Sonnenschein Höchste Temperatur am 12.—13. Juli 22,2° C. Niedrigste „ „ 12.—13. „ 15,8" C. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfrage» bleiben unberücksichtigt.) K. M. Ueber diese Angelegenheit zu urteilen ist nicht unsere Sache. Ein Mißverständnis liegt nicht vor. Neueste Melöuiuzen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Rendsburg, 14. Juli. Hauptmann Henning von der 1. Batterie des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 45 wurde wegen Verleitung zu Mißhandlungen Untergebener, Unterlassung dienstlicher Meldungen und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener zu 7 Monaten Festung verurteilt. Breslau, 14. Juli. Der Stand der Oder erhöht sich fortwährend und steigt stündlich um 4 Ctm. Einige tiefer gelegene Stadtteile sind bereits überschwemmt. Der Hochstand der Flut ist erst für Mittwoch zu erwarten. München, 14. Juli. Von der Wachsteinwand kürzten zwei, vom Walserjoch ein Stüdent ab. Alle drei sind tot. L. London, 14. Juli. Louis Botha äußerte sich nach einer Kapstüdter Meldung der „Daily Mail" ab- ällig über oen Oberkommissar Miln er, der alles elbst tun wolle, und jedermann mißtraue. Botha lehnte deshalb seine Berufung in den gesetzgebenden Rat ab, da er keine Ursache habe, die Verantwortlichkeit Milners zu verringern. Er warte die Ablösung des Despotismus Milners durch die verantwortliche Regierung ab. Dublin, 14. Juli. Im Stadt hause kam es bei Beratung einer Adresse, welche dem Könige bei seinem dem- nächstigen Besuch überreicht werden soll, zu tumultuarischen Szenen. Die mit Nationalisten besetzte Gallerie zollte, unterstützt von den katholischen Geistlichen, dem die Adresse bekämpfenden irischen Abgeordneten tosenden Beifall. Der Oberbürgermeister mußte die Tribüne durch Polizei räumen lassen. Es wird befürchtet, daß ähnliche Tumulte sich während des Königsbesuches ereignen werden. Belfast, 14. Juli. Auch hier kam es wie in Dublin zu Kundgebungen gegen den Besuch des Königspaar es. Zwischen Orangisten und Nationalisten ereigneten sich Zusammenstöße anläßlich der alljährlichen Prozession der Mitglieder der Freimaurerloge. Die Nationalisten griffen die Orangisten mit Steinwürfen an. Die Polizei mußte einschreiten, wurde jedoch von der Menge in die Flucht ig-eschlagen. Nachdem Verstärkungen eingetroffen waren, geling es, die Ruhe wieder herzustellen. L. Madrid, 14. Juli. Eine Untersuchung der auffallend zahlreichen Todesfälle im F i n d e l h a u s e zu Jaen (Andalusien) ergab, daß über 80 Kinder durch Opium vergiftet worden waren. Die Wärterinnen hatten den Kindern Opium als Beruhigungsmittel gegeben. Rom, 14.. Juli. (Orig.-Tel. d. Gieß. Anz.) Die drei Neffen des Papstes brachten die Nacht im Vattkan zu. In früher Morgenstunde hieß es heute, der Papst habe das Bewußtsein verloren. — Der Papst hatte nachtA einige Male Erbrechen und mitunter das Bewußtsein verloren. Alle Hoffnung auf Besserung ist geschwunden. Der Zustand ist sehr ernst. Das Bulletin von morgens 9 Uhr lautet: Bisher ist in dem ernsten Zustande des Papstes, in dem sich derselbe gestern abend befand, keine Aenderung eingetreten. Der Puls ist schwach 92; Atmung 30. Mazzonr. Lapponi. Wien, 14. Juli. Von der russischen Grenze bei No- wosyelitza wird gemeldet: Der neue Gouverneur von Bessarabien, Fürst Urusow, unterzieht die bisherigen Erhebungen gegen die Teilnehmer an den Greueltaten i n K i s ch i n e w einer nochmaligen strengen Prüfung. Leute, die schon freigelassen sind, wurden wieder verhaftet. Täglich finden neue Verhaftungen statt. Der als Antisemit bekannte Notar Pisarzonski, welcher stark kompromittiert ist, sollte verhaftet werden, beging aber, als man keine Kaution annahm. Selb st mord. Krakau, 14. Juli. Das Wasser der Weichsel im Ueberschwemmungsgebiet ist wieder im Fallen begriffen. Dem Hochwasser sind über hundert Menschen zum Opfer gefallen. Eine derartige Hochwasser-Katastrophe wie die jetzige ist seit 70 Jahren nicht vorgekommen. Tas Wasser führt Leichen, Häuser- und Brückenreste, Getreide und anderes mit sich. Der Bahnverkehr mit Warschau ist wegen eines Brückeneinsturzes eingestellt. L. New York, 14. Juli. Dr. Stiles, Mitglied des Gesundheitsamtes in Washington, entdeckte einen mos- quitotötenden Parasiten. Dr:. Stiles stellt gegenwärtig Versuche zwecks Verwertung seiner Entdeckung gegen die Mosquitoplage an. Telephonischer Kursbericht. l'ranktnrt ». Jl., 14. Juli 1903 372% Reichsanleihe . . 102.40 3V,j do. ... 91.40 37,0/» Konsole .... 102.55 3% do.....91.40 372°/o Hessen .... 101.10 372% Oberhessen . . . 100.00 456 Oesterr. Goldrente . . 103.00 4‘/656 Oesterr. Silberrente 101.10 456 Ungar. Goldrente, . . 101.80 4°/ Italien. Rente . . . 103.35 47,56 Portugiesen . . . 49.65 6°l Portugiesen.....31.25 156 C. Türken . . . . 34 05 Türkenlose......130.40 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 43.90 47,56 äussere Argentiner —.— 3U/O Mexikaner .... 26.90 472% Chinesen .... 92.20 Electric. Scbuckert . . . 90.75 Nordd. Lloyd . . . . 9800 Kreditaktien ..... 208.90 Diskonto-Kommandit. . . 186.90 Darmstädter Bank . . . 136.40 Dresdener Bank .... 147.00 Beniner Handelsges. . . 153.50 Oesterr. Staats bahn . . . 143.70 Lombarden . . , . . 18.10 Gotthardbahn.....191.30 Laurahütte......214.75 Bochum ...... 173.50 Harpener......178.20 Tendenz: fest. M/VIZEÄIA ist nicht nur in bei Küche unentbehrlich, sondern auch im Kinder- nnb Kranken-Zimmer. Mit Milch gekocht macht es diese leichter verdaulich und nahrhafter und selbst für den schwächsten Magen zuträglich. „Maizena" sollte darum in keinem Haushalt fehlen. Gcneral-Depot bei Türk u. Pabst, Frankfurt a. Main. Caf<5 Ebel. Heute abend 4910 ÜV Stammessen. Speck und Eier mit Salat. 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Juli, morgens 10 Uhr: Frühkonzert auf dem Feslplage. Mittags 1 Uhr: Festessen im Schüh-nhause. Von 4 Uhr ab: Konzert und Volksbelustigungen. Abends: Lampionumzug. Dienstag, den 21. Juli, nachmittags 6 Uhr: Tanz und Volksbelustigungen. Ein Student sucht in der Nähe der Geburtsklmik ein frdl. ruhig. Zimmer. Angebote mit Angabe des Preises richte man baldaefl. unter 5517 an die Exp. d. Bl. (T.inc tüchtige Zigarren-Sor- ssseu"®,........- - ^denkamm'er^!ollenvo'den re v' ft»bc gesucht. Schiffenberger- die Erpedition d. Bl. emzu- ^Chob«Tu (53& n>£917 °d. Marburgerstr. 3L(bE fonben. Antwort b.s 21.______ I. H. Fuhr, Sormenslraße 25. Mr IlVIU hrflCit Reiche Heirat! 2 Schwest., 24 u. ——-----TTTTEZL 1 •> 22 sßerm. je 450000Alk., wünsch.f. -1 A für ein Wall- u. Wewiv.-Geschasl charakterv.Herren,wenn a.ohne S-zstnincrwohnung mit Zubehör gegen Vergütung gesucht. Osser . Perm.,z.verh.Bew.ers.Näh.u.erh. m vermieten/ unter K449 an d,° Exped. d. Bl. .«„„m". S-rti° -j.lt. 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